Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196
13 February 1920, Dornach
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Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL
Dreizehnter Vortrag
Thirteenth Lecture
[ 1 ] Schon öfters habe ich darauf aufmerksam gemacht, wie eine in der Menschheit früher vorhandene Urweisheit gerade dadurch zu charakterisieren ist, daß die Menschen sich bewußt waren durch diese Urweisheit, Bürger des Weltenalls, nicht bloß der Erde zu sein. Werfen Sie einmal einen seelischen Blick über dasjenige, was heute im Bewußtsein der denkenden Menschheit vorhanden ist und was vorhanden ist im Bewußtsein derjenigen, die aus gewissen wissenschaftlichen Untergründen heraus über die Stellung des Menschen zur Welt nachdenken. Es ist beides eigentlich gleich. Denn gerade so, wie die Menschen in irdischen Urzeiten in ihrer breiten Masse dasjenige gedacht und empfunden haben, was in den Mysterien gelehrt worden ist, in den Mysterien, die die Mittelpunkte der umliegenden Kultur und Zivilisation waren, so nehmen heute die Menschen in weiten Kreisen das auf, was in den profanen Mysterien der Gegenwart, auf den Universitäten, auf den Hochschulen gelehrt und geforscht wird. Wie die Mysterien sich in Urzeiten verhielten zu dem, was die breiten Kreise der Bevölkerung glaubten, so verhalten sich zum heutigen großen Publikum die Hochschulen. Was die alten Lehrer in den Mysterien gedacht haben über das Verhältnis des Menschen zur Sonne, über das Verhältnis des Menschen zum Tierkreis, das glaubte selbstverständlich die große Masse. Was heute die Professoren der Universitäten, der Hochschulen über das Verhältnis des Menschen zur Sonne, über das Verhältnis des Menschen zum Monde sagen und auch nicht sagen, das glaubt die große Masse der Menschen. Daß die gesamte Weisheit über den Menschen dadurch erschöpft ist, daß man hinweist darauf, daß der Mensch sich physisch allmählich entwickelt habe aus den tierischen Vorfahren heraus, so etwas ist eine einseitige, eine sehr, sehr einseitige Wahrheit; sie erschöpft nicht die wirklichen Tatbestände. Aber die Menschen der neueren Zeit verhalten sich zu ihren Eingeweihten, zu den Universitätsprofessoren, wie sich die alten Menschen zu ihren Eingeweihten in den Mysterien verhalten haben. Psychologisch ist eigentlich in diesen beiden Verhältnissen kein besonderer Unterschied. Nur daß die Menschen der Vorzeit gewußt haben: Alles dasjenige, was im Menschen ist, das hängt nicht nur zusammen mit dem, was auf der Erde sich entwickelt, sondern das hängt zusammen mit dem, was das Auge erschaut bis in den Sternenraum hinein. Dasjenige, was im Menschen, auch physisch, vorgeht, sind Vorgänge, die zusammenhängen mit dem Geschehen der Sonne, mit dem Geschehen der andern, zum Sonnensystem gehörigen Planeten.
[ 1 ] I have often pointed out that a primordial wisdom once present among humankind can be characterized precisely by the fact that, through this primordial wisdom, people were aware that they were citizens of the universe, not merely of the Earth. Cast a spiritual glance at what exists today in the consciousness of thinking humanity and at what exists in the consciousness of those who, based on certain scientific premises, reflect on humanity’s place in the world. Both are, in fact, the same. For just as the vast majority of people in Earth’s primeval times thought and felt what was taught in the Mysteries—the Mysteries that were the centers of the surrounding culture and civilization—so today, people in wide circles absorb what is taught and researched in the profane Mysteries of the present, at universities and institutions of higher learning. Just as the mysteries in ancient times related to what the broad masses of the population believed, so do the colleges and universities relate to today’s general public. What the ancient teachers in the mysteries thought about the relationship of human beings to the sun, about the relationship of human beings to the zodiac—that, of course, was believed by the vast majority. Whatever university professors say—or fail to say—today about humanity’s relationship to the sun and to the moon, that is what the vast majority of people believe. The notion that all wisdom concerning humanity is exhausted by the assertion that humans have physically evolved gradually from animal ancestors is a one-sided, a very, very one-sided truth; it does not encompass the actual facts. But people of modern times relate to their “initiates”—the university professors—just as the people of antiquity related to their initiates in the mysteries. Psychologically, there is actually no particular difference between these two relationships. Except that the people of antiquity knew: Everything that is within the human being is connected not only to what develops on Earth, but also to what the eye can perceive as far as the starry heavens. The processes taking place within the human being—including the physical ones—are connected to the activities of the Sun and to the activities of the other planets belonging to the solar system.
[ 2 ] Wenn Sie meine «Geheimwissenschaft im Umriß» lesen, so werden Sie sehen, daß durch jene anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, der diese «Geheimwissenschaft» dienen will, dieses Bewußtsein der Menschen wiederhergestellt werden soll, daß der Mensch nicht nur Beziehung habe zur Erde, sondern Beziehung habe zu außerirdischen Welten. Es wird da hingewiesen darauf, daß unsere Erde selber nur eine zeitliche Verkörperung ist desjenigen, was von ihrem Wesen vorher da war als Mond, als Sonne, als Saturn, und es wird darauf hingewiesen, dafß der Mensch sich weiterentwickelt und daß diese weiteren Entwickelungsformen des Menschenwesens zusammenhängen werden mit zukünftigen Entwickelungsformen des Erdenplaneten, mit Jupiter, Venus, Vulkan. Da wird also dasjenige, was zum Menschen gehört, herausgehoben aus dem bloß Irdischen. Der Blick des Menschen wird wiederum hingelenkt von der Erde zum Kosmos. Das ist eine derjenigen Tatsachen, die der Menschheit, wenn sie nicht verkommen soll auf der Erde, wiederum bewußt werden müssen: daß der Mensch gehört zum Kosmos, daß der Mensch zusammenhängt seinem inneren Wesen nach mit außerirdischen Sphären.
[ 2 ] If you read my *Outline of Esoteric Science*, you will see that the anthroposophically oriented spiritual science—which this *Esoteric Science* aims to serve—seeks to restore in people the awareness that human beings are not only connected to the Earth, but also to extraterrestrial worlds. It is pointed out there that our Earth itself is merely a temporary embodiment of that which previously existed in its essence as the Moon, the Sun, and Saturn, and it is pointed out that human beings continue to evolve and that these further forms of human development will be connected with future forms of development of the Earth itself—with Jupiter, Venus, and Vulcan. Thus, that which belongs to the human being is lifted out of the merely earthly realm. The human gaze is once again directed from the Earth toward the cosmos. This is one of the facts of which humanity must once again become aware if it is not to degenerate on Earth: that the human being belongs to the cosmos, that the human being is connected, in its inner being, to extraterrestrial spheres.
[ 3 ] Warum muß das gewußt werden? Gewußt muß es werden, weil Selbsterkenntnis notwendig ist; nicht jene Selbsterkenntnis, die im Bebrüten des eigenen lieben Ich besteht, sondern die Erkenntnis des Menschen als eines universellen Wesens. Diese Selbsterkenntnis muß sich ausbreiten, sie muß allgemein und immer allgemeiner werden. Denn ohne daß der Mensch sich selbst erfaßt, wird für ihn kein Halt sein, vor allen Dingen kein seelischer Halt in der Zukunft der Menschheitsentwickelung. Aber es kann sich nicht darum handeln, bloß das untergeordnete chaotische Menschenwesen ein wenig zu bebrüten, sondern es muß sich darum handeln, dieses innere Menschenwesen konkret in seiner Gliederung zu überschauen, wie man die äußere Natur nicht bloß dadurch charakterisiert, daß man sagt: Natur, Natur, Natur! —, sondern dadurch, daß man darauf hinweist: Da sind Pflanzen, da sind Tiere —, und wiederum in den einzelnen Pflanzen die einzelnen Gattungen und Sorten unterscheidet. So muß man innerhalb des Seelenwesens des Menschen unterscheiden vor allen Dingen die einzelnen Metamorphosen dieses Seelenlebens. Nun wollen wir einmal diese einzelnen Metamorphosen des Seelenlebens, ich möchte sagen, die eine Seite davon charakterisieren. Da haben wir zunächst diejenige Metamorphose unseres Seelenlebens, welche am allermeisten zusammenhängt mit unserer Leiblichkeit, welche am meisten abhängig ist von unserer Leiblichkeit. Es ist jene Seelenfähigkeit, die wir bezeichnen mit dem Ausdrucke Gedächtnis oder Erinnerungsfähigkeit. Durch das Gedächtnis sind wir in der Lage, zu erneuern die Erlebnisse unseres individuellen Einzellebens. Durch das Gedächtnis sind wir imstande, einen Faden zu ziehen von einem bestimmten Momente, der zwei, drei, vier Jahre oder auch länger nach der Geburt liegt, bis zu den Erscheinungen des jeweiligen gegenwärtigen Augenblicks, und der Mensch würde innerlich krank sein, wenn ihm dieser Faden zerrisse. Das habe ich ja schon öfters ausgeführt. Wenn wir zurückschauen müßten auf einen Teil unseres Lebenslaufes so, daß uns die Erinnerung an gewisse Vorgänge verlorengehen würde, so würde der Zusammenhang unserer Erlebnisse nicht da sein. Und das würde bedeuten, daß wir in unserem Selbstempfinden erkrankt wären. Aber auf der andern Seite wird der Mensch wissen können wenigstens, wie stark das Gedächtnis zusammenhängt mit seiner Leibeskonstitution. Man braucht sich nur an die Tatsache zu erinnern, die ich auch öfters erwähnt habe und die eigentlich ganz weithin bekannt ist, daß, wenn wir an Schlaflosigkeit leiden oder wenn wir durch äußere Ereignisse verhindert sind, ordentlich zu schlafen, unser Gedächtnis darunter leidet. Das schon und vieles andere, was in Krankheitsfällen eintreten kann, beweist, wie das Gedächtnis von der Leibeskonstitution abhängig ist.
[ 3 ] Why is it necessary to know this? It must be known because self-knowledge is necessary—not the kind of self-knowledge that consists in brooding over one’s own dear self, but the recognition of humanity as a universal being. This self-knowledge must spread; it must become universal and ever more universal. For unless human beings grasp themselves, they will have no foothold—above all, no spiritual foothold—in the future of human development. But the point cannot be merely to dwell a little on the subordinate, chaotic human being; rather, it must be a matter of concretely surveying the structure of this inner human being, just as one does not characterize external nature merely by saying: Nature, nature, nature! — but by pointing out: There are plants, there are animals — and, in turn, distinguishing the individual genera and species within the individual plants. In the same way, within the human soul, we must distinguish above all the individual metamorphoses of this soul life. Now let us characterize these individual metamorphoses of the soul life—or rather, one aspect of them. First, we have that metamorphosis of our soul life which is most closely connected to our physicality, which is most dependent on our physicality. It is that faculty of the soul which we designate by the term “memory” or “the power of recollection.” Through memory, we are able to relive the experiences of our individual life. Through memory, we are able to trace a thread from a specific moment—which may lie two, three, four years, or even longer after birth—to the events of the present moment; and a person would be inwardly ill if this thread were to break. I have, after all, explained this many times before. If we were to look back on a part of our life’s course in such a way that the memory of certain events were lost to us, the coherence of our experiences would be absent. And that would mean that we would be unwell in our sense of self. But on the other hand, a person will at least be able to recognize how closely memory is connected to their physical constitution. One need only recall the fact—which I have also mentioned frequently and which is actually quite well known—that when we suffer from insomnia or when external events prevent us from sleeping properly, our memory suffers as a result. This alone, along with many other things that can occur in cases of illness, proves how memory depends on physical constitution.
[ 4 ] Weniger abhängig von dieser Leibeskonstitution, also mehr selbständig gegenüber der Leibeskonstitution ist dann dasjenige, was wir unsere Intelligenz nennen. Aber immer noch sehr stark abhängig von der Leibeskonstitution ist diese Intelligenz. Das Gedächtnis bezieht sich ja im Grunde nur auf das Individuelle. Die Intelligenz haben wir mit andern Menschen, wenigstens im hohen Grade, gemeinsam. Gewiß ist der eine intelligenter, der andere weniger intelligent; nach seiner eigenen Ansicht ist gewöhnlich ein jeder der Intelligenteste; aber im allgemeinen kann man doch sagen: Es liegt eben die Tatsache vor, daß der eine mehr, der andere weniger intelligent ist. Aber es breitet sich aus eine gewisse Uniformität über die menschliche Intelligenz. Während jeder seinen eigenen Erinnerungsinhalt hat, in den ihm kein anderer hineinschauen kann, während also dieser Erinnerungsinhalt sehr individuell ist, ist der Intelligenzinhalt etwas mehr der Menschheit Gemeinsames. Er ist eben schon weniger an die Leibeskonstitution des Menschen gebunden. Die Leibeskonstitution des Menschen verhält sich eigentlich nur wie ein Spiegel zu dem, was als Intelligenzvorgänge sich abwickelt. Wer behauptet, daß die Vorgänge im menschlichen Nervensystem, im Gehirn, die Gedanken bewirken, der sagt in Wahrheit nichts Gescheiteres als derjenige, der bemerkt, vor einem Spiegel stehend, in dem Spiegel drinnen Fräulein Scholl, Fräulein Laval, Herrn Dr. Grosheintz und sagen würde: Der Spiegel, der hat Fräulein Scholl, Fräulein Laval, Herrn Dr. Grosheintz hervorgebracht. — Geradeso wie der Spiegel sich verhält zu den Bildern der drei Genannten und wie die drei Genannten auch außerhalb des Spiegels sind und eigentlich gar nichts anderes damit zu tun haben, als daß sie sich spiegeln lassen durch den Spiegel, so hat die Intelligenz eben nur insofern zu tun mit dem Gehirn, als sie für unser Bewußtsein durch das Gehirn gespiegelt wird; aber die Vorgänge des intelligenten Wesens selbst sind außerhalb des Gehirns. Wir würden nichts wissen von den Vorgängen der Sinne, wenn wir kein Gehirn hätten. Es würden die Vorgänge der Intelligenz sich nicht in unserem Gehirn abspiegeln. Aber diese intelligenten Vorgänge selber sind ein Wesenhaftes außerhalb des Gehirns, das nur gespiegelt wird durch das Gehirn.
[ 4 ] What we call our intelligence is less dependent on this physical constitution—that is, more independent of it. Yet this intelligence is still very strongly dependent on the physical constitution. Memory, after all, relates essentially only to the individual. We share intelligence with other people, at least to a high degree. Certainly, one person is more intelligent, another less so; in their own view, each person is usually the most intelligent; but in general, one can still say: The fact remains that one person is more intelligent and another less so. Yet a certain uniformity pervades human intelligence. While each person has their own content of memory, into which no one else can look—and thus this content of memory is highly individual—the content of intelligence is something more commonly shared by humanity. It is, after all, less bound to a person’s physical constitution. A person’s physical constitution actually functions merely as a mirror to what unfolds as intellectual processes. Anyone who claims that the processes in the human nervous system, in the brain, give rise to thoughts is, in truth, saying nothing more intelligent than someone who, standing before a mirror and seeing Miss Scholl, Miss Laval, and Dr. Grosheintz reflected in it, were to say: “The mirror has produced Miss Scholl, Miss Laval, and Dr. Grosheintz.” — Just as the mirror relates to the images of the three people mentioned, and just as those three people also exist outside the mirror and actually have nothing to do with it other than allowing themselves to be reflected by the mirror, so intelligence has to do with the brain only insofar as it is reflected to our consciousness through the brain; but the processes of the intelligent being itself lie outside the brain. We would know nothing of the processes of the senses if we had no brain. The processes of intelligence would not be reflected in our brain. But these intelligent processes themselves constitute an essence outside the brain, which is merely reflected by the brain.
[ 5 ] Und dann kommen wir zur dritten Fähigkeit des Menschen, die wenigstens zum großen Teil am allerunabhängigsten ist von unserer Leibeskonstitution. Von dieser glauben es aber die Menschen am allerwenigsten, denn sie halten sie am allerabhängigsten von unserer Leibeskonstitution. Das ist die Sinnestätigkeit. Nehmen wir das Auge. Das Auge selbst als solches hat nichts zu tun mit den Vorgängen, die die Sehvorgänge sind. Viel weniger sind die Sehvorgänge an das Werkzeug des Auges gebunden als die intelligenten Vorgänge an das Werkzeug des Gehirns. Das, was das Auge zu tun hat mit dem Sehen, das ist nämlich etwas ganz anderes. Die Vorgänge, die in unserem Bewußtsein auftreten als Inhalt beim Sehen, diese Vorgänge haben mit dem Auge nichts zu tun. Was im Auge vorgeht, das bewirkt lediglich, daß wir mit unserem Bewußtsein, mit unserem Ich bei den Sehvorgängen dabei sind. Bitte, beachten Sie wohl diesen fundamentalen, aber nicht leicht zu fassenden Unterschied.
[ 5 ] And then we come to the third human faculty, which is—at least to a large extent—the most independent of our physical constitution. Yet people are the least likely to believe this about it, for they consider it to be the most dependent on our physical constitution. This is sensory activity. Let’s take the eye. The eye itself, as such, has nothing to do with the processes that constitute vision. The processes of vision are far less bound to the instrument of the eye than the intellectual processes are to the instrument of the brain. What the eye has to do with seeing is, in fact, something entirely different. The processes that occur in our consciousness as the content of vision—these processes have nothing to do with the eye. What takes place in the eye merely ensures that we are present with our consciousness, with our “I,” during the processes of vision. Please take careful note of this fundamental, yet not easily grasped, distinction.
[ 6 ] Nehmen Sie zum Beispiel einen Menschen, der beide Augen durch irgendeine Krankheit verloren hat. Dadurch hat er nicht eingebüßt den Sehvorgang als solchen, sondern er hat eingebüßt die Wahrnehmung desjenigen, was der Sehvorgang ist, durch sein Ich. Sein Ich weiß nichts davon. Das Ich weiß nichts von dem, was der Sehvorgang ist. Es ist einfach das Ich ausgeschaltet vom Sehvorgang. Was da geschieht, kann man etwa mit dem Folgenden vergleichen.
[ 6 ] Take, for example, a person who has lost the use of both eyes due to some illness. As a result, he has not lost the act of seeing as such, but he has lost the perception of what the act of seeing is through his “I.” His “I” knows nothing of it. The “I” knows nothing of what the act of seeing is. The “I” is simply cut off from the act of seeing. What happens there can be compared, for example, to the following:
[ 7 ] Nehmen Sie an, Sie haben drei Telegrafenstationen, A, B, C; auf jeder Telegrafenstation haben Sie einen Telegrafisten aufgestellt. Wenn nun der Mann in A nach € telegrafiert, so kann der in € ablesen, was da von A nach C hin telegrafiert wird. Es ist gar keine Rede, daß der Morseapparat in A den Inhalt des Telegramms hervorbringt. Er ist nur der Vermittler. Ebensogut kann der Morsetelegraf in C nicht lesen, aber er vermittelt. Wenn aber eingeschaltet ist in die Bahn A-C der Apparat B, dann kann der Mann, der B bedient, sich dazusetzen und kann mithören oder mitlesen; er braucht ja nur den Streifen laufen zu lassen, so kann er mitlesen. Es ist B dann eingeschaltet in den Gang des Stromes, der den Telegrafeninhalt vermittelt. Aber der Inhalt, der da von A nach C geht, der hat gar nichts zu tun mit den Vorgängen, die sich im Morsetelegrafen bei B abspielen. Sie werden nur wiederum dadurch, daß der Apparat eingeschaltet ist, wahrgenommen.
[ 7 ] Suppose you have three telegraph stations, A, B, and C; you have stationed a telegraph operator at each station. If the operator at A now sends a telegram to € , the operator at € can read what is being transmitted from A to C. There is no question of the Morse apparatus at A producing the content of the telegram. It is merely the intermediary. Similarly, the Morse telegraph at C cannot read the message, but it transmits it. However, if apparatus B is connected to the A-C line, then the operator at B can sit in on the transmission and listen in or read along; he need only let the tape run to read along with it. B is then connected to the flow of current that transmits the telegraph content. But the content traveling from A to C has absolutely nothing to do with the processes taking place in the Morse telegraph at B. They are merely perceived because the device is connected.
[ 8 ] Natürlich, wenn der Apparat nicht eingeschaltet ist, kann man die Vorgänge nicht wahrnehmen. So ist es mit dem menschlichen Auge. Dasjenige, was Vorgänge im Auge sind, das hat an innerer Wahrheit gar nichts mit dem Sehen zu tun. Das Auge ist nur eingeschaltet in die Vorgänge. Und weil das Auge eingeschaltet ist in die Vorgänge, so kann das Ich zusehen bei den Vorgängen des Sehens. Aber das Auge ist gar nicht dasjenige, was eigentlich den Inhalt der Sehvorgänge vermittelt oder bewirkt oder irgendwie etwas macht damit. Es ist nur der Auffangapparat für das Ich. Man könnte paradox sagen, wenn man sich nicht der Gefahr aussetzte, daß die heute mit einem etwas dicken Gehirn versehene Menschheit einen paradox fände: Unser Sinnesorgan des Auges hat mit dem Sehen gar nichts zu tun, aber alles damit zu tun, daß unser Ich von dem Sehen etwas weiß. — Sinnesorgane, wie wir sie heute haben, also die höheren Sinnesorgane, sind nicht zum Sehen da, sondern sie sind dazu da, daß das Ich vom Sehen wissen kann. Ich möchte sogar diesen Satz auf die Tafel schreiben: Höhere Sinnesorgane sind nicht dazu da, die Sinnesvorgänge zu vermitteln, sondern dazu, daß ein Ich von den Sinnesvorgängen weiß.
[ 8 ] Of course, if the device is not turned on, one cannot perceive the processes. It is the same with the human eye. The processes that take place within the eye have, in their inner reality, absolutely nothing to do with seeing. The eye is merely engaged in these processes. And because the eye is engaged in these processes, the “I” can observe the processes of seeing. But the eye is not at all what actually conveys or brings about the content of the visual processes, or does anything with it in any way. It is merely the receiving apparatus for the “I.” One could say, paradoxically—if one were not running the risk that today’s humanity, endowed with somewhat larger brains, might find it paradoxical—that our sensory organ, the eye, has nothing at all to do with seeing, but has everything to do with the “I” knowing something about seeing. — Sensory organs as we have them today—that is, the higher sensory organs—are not there for the purpose of seeing, but rather so that the “I” can be aware of the act of seeing. I would even like to write this sentence on the board: Higher sensory organs are not there to mediate sensory processes, but rather so that an “I” is aware of those sensory processes.
[ 9 ] Da haben wir die drei sogenannten oberen Seelentätigkeiten: Gedächtnis, Intelligenz, Sinneswahrnehmung-Sinnestätigkeit. Das Ich ist in sie eingeschaltet, ist am stärksten mit seinem Leiblichen eingeschaltet in das Gedächtnis, schwächer schon bei der Intelligenz, am allerschwächsten bei der Sinnestätigkeit.
[ 9 ] Here we have the three so-called higher soul activities: memory, intelligence, and sensory perception—sensory activity. The “I” is involved in them; it is most strongly connected to its physical body through memory, somewhat less so through intelligence, and least of all through sensory activity.
[ 10 ] Was ich Ihnen jetzt geschildert habe, kommt von folgendem. Das Gedächtnis, das war nicht immer so im Menschen, wie es heute ist. Das hat sich entwickelt. Und was zugrunde gelegen hat der Entwickelung des Gedächtnisses, das war eine hauptsächliche Tätigkeit des Menschen während der letzten, unserer Erde vorangehenden Erdenverkörperung, der alten Mondenzeit. Damals war das Gedächtnis eine Art unbewußter, traumhafter Imagination. "Traumhafte Imagination war das Gedächtnis. Dadurch, daß unsere Leibesorganisation auf der Erde so geworden ist, wie sie eben geworden ist, ist die lebendige traumhafte Imagination, von der das Seelenwesen des Menschen während der alten Mondenzeit ganz erfüllt war, geworden zu dem, was jetzt unser Gedächtnis ist.
[ 10 ] What I have just described to you stems from the following. Memory was not always the same in human beings as it is today. It has evolved. And what lay at the foundation of the development of memory was a primary human activity during the last earthly incarnation preceding our present one—the ancient Moon era. At that time, memory was a kind of unconscious, dreamlike imagination. “Memory was dreamlike imagination. Because our physical organization on Earth has become what it is today, the living, dreamlike imagination—which completely filled the human soul during the ancient Moon era—has become what is now our memory.
[ 11 ] Unsere Intelligenz war während der alten Sonnenzeit, als wir noch gar keine solche Leiblichkeit hatten wie jetzt, als wir noch jene Wesen waren, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben habe, schlafende Inspiration. Diese schlafende Inspiration hat sich dann weiter entwickelt und ist jetzt unsere Intelligenz. Die Sinnestätigkeit aber war während des alten Saturns ganz dumpfe Intuition. Wiederum können Sie die genauere Beschreibung in meiner «Geheimwissenschaft» finden. Und diese dumpfe Intuition hat sich heraufentwickelt zu unserer heutigen Sinnestätigkeit.
[ 11 ] During the Age of the Ancient Sun, when we did not yet possess a physical body as we do now—when we were still the beings I described in my *Secret Science*—our intelligence was a dormant inspiration. This dormant inspiration then developed further and is now our intelligence. Sensory activity, however, was a very dull intuition during the ancient Saturn era. Again, you can find a more detailed description in my *Secret Science*. And this dull intuition has evolved into our present-day sensory activity.
| Mond | Sonnenzeit | Saturn | |
| Sinnestätigkeit | Dumpfe Intuition | ||
| Intelligenz | Schlafende Inspiration | ||
| Gedächtnis | Traumhafte Imagination |
| Moon | Solar time | Saturn | |
| Sensory activity | Dull Intuition | ||
| Intelligence | Dormant Inspiration | ||
| Memory | Dreamlike Imagination |
[ 12 ] Nun könnte man fragen: Warum kommen denn die Menschen so schwer auf solche außerordentlich wichtige Wahrheiten? — und wenn sie ihnen jemand vermittelt: Warum wehren sie sich denn so dagegen? — Ja, sehen Sie, dazu gibt es in der Natur der Dinge selber Gründe. Wir haben eine dumpfe Intuition gehabt während der alten Saturnzeit. Die hat sich allmählich immer weiter und weiter entwickelt und ist zu unserer Sinnestätigkeit geworden. Aber eigentlich können wir heute nur bei einer einzigen Sinnestätigkeit nachweisen, daß sie sich verhältnismäßig am vollkommensten aus der Anlage der alten Saturn-Sinnestätigkeit heraus entwickelt hat, das ist das Gehör. Das Gehör hat am allerdeutlichsten seine Anlage gehabt in der alten Saturnsphäre. Das Sehen ist schon etwas später entstanden — Sie können über diese Dinge auch in meiner «Geheimwissenschaft» nachlesen —, zum hauptsächlichsten Teile während der Sonnenzeit. Aber daraus sehen Sie schon, daß, während die erste Anlage auf der alten Saturnzeit in Form einer dumpfen Intuition gelegt worden ist, kommen später immer neue Sinnesanlagen dazu. Auf der Sonne kamen neue Sinnesanlagen dazu, die heute noch nicht so weit sind wie die vom Saturn her, auf dem Monde kamen wiederum neue Sinnesanlagen dazu und auf der Erde selbst wiederum. Auf der Erde kam dazu der Tastsinn, eigentlich erst der unvollkommenste der Sinne. Den Tastsinn, wenn wir ihn rein erkennen würden, würden wir heute noch beschreiben als eine dumpfe Intuition in der Leiblichkeit, eine niedrige, dumpfe Intuition.
[ 12 ] Now one might ask: Why is it so difficult for people to grasp such extraordinarily important truths? — And when someone conveys them, why do people resist them so strongly? — Yes, you see, there are reasons for this in the very nature of things. We had a vague intuition during the ancient Saturn era. This gradually developed further and further and became our sensory activity. But in fact, today we can demonstrate that only one sensory activity has developed relatively most completely from the predisposition of the ancient Saturn sensory activity, and that is hearing. Hearing had its most distinct predisposition in the ancient Saturn sphere. Sight arose somewhat later—you can also read about these things in my *Secret Science*—primarily during the Sun era. But from this you can already see that, while the first predisposition was laid down during the ancient Saturn era in the form of a vague intuition, new sensory predispositions were continually added later on. On the Sun, new sensory faculties were added—ones that are not yet as developed today as those originating from Saturn; on the Moon, yet more new sensory faculties were added; and on Earth itself, still more. On Earth, the sense of touch was added—actually, the most imperfect of the senses. If we were to perceive the sense of touch in its pure form, we would still describe it today as a dull intuition within physicality—a low, dull intuition.
[ 13 ] Ähnlich ist es mit dem Geruchssinn. Da tritt etwas außerordentlich Eigentümliches auf. Denjenigen von Ihnen, die so etwas tun mögen, würde ich empfehlen: Nehmen Sie einmal Psychologien oder Physiologien in die Hand, aber namentlich Psychologien, Seelenwissenschaften, wie sie heute geschrieben werden; da wird überall über die Sinnestätigkeit geschrieben. Was da über die Sinnestätigkeit geschrieben wird — für den Unbefangenen paßt es bloß auf den Tastsinn. Sie erinnern sich vielleicht an dasjenige, was ich in meiner «Theosophie» über die Verwandtschaft der höheren Sinne mit dem Tastsinn gesagt habe, was auch schon Goethe bemerkt hat. Unsere gelehrten Herren wollen die Sinne beschreiben, aber sie beschreiben nur das von den Sinnen, was unmittelbar auf der Erde entstanden ist, was auf der Erde seine erste Anlage erhalten hat. Das paßt nun zum Beispiel für das Sehen so wie — hier kann man fast wörtlich sagen — «die Faust auf das Auge», wenn Sie draufschlagen. Denn, was da beschrieben wird in den Psychologien, das ist nicht das Sehen, sondern das, was da beschrieben wird, würde entstehen, wenn Sie sich mit der Faust ins Auge hauen; daher auch die nette Lehre, die da aufgetreten ist von den sogenannten spezifischen Sinnesenergien, die beim Auge nicht vom Sehen ausgeht, sondern davon, daß, wenn man einen Schlag dem Auge versetzt, man da allerlei Funken sieht. Diese gelehrten Herren beschreiben wirklich etwas, was wie die Faust aufs Auge wirkt, ganz wörtlich. Und sie wollen dadurch das Sehen verstehen.
[ 13 ] The same is true of the sense of smell. Something extraordinarily peculiar occurs here. To those of you who might be interested in such things, I would recommend: Take a look at books on psychology or physiology—but especially psychology, the science of the soul, as it is written today; there, the activity of the senses is discussed everywhere. What is written there about sensory activity—to the uninitiated, it applies only to the sense of touch. You may recall what I said in my *Theosophy* about the relationship of the higher senses to the sense of touch—something Goethe had already observed. Our learned gentlemen wish to describe the senses, but they describe only that aspect of the senses which arose directly on Earth, which received its first imprint on Earth. This applies, for example, to sight just as—here one can almost say literally—“a fist to the eye” when you strike it. For what is described in these works of psychology is not sight itself, but rather what would occur if you were to punch yourself in the eye with your fist; hence also the charming theory that has arisen concerning the so-called specific sensory energies, which, in the case of the eye, do not stem from seeing, but from the fact that when one strikes the eye, one sees all sorts of sparks. These learned gentlemen are really describing something that has the effect of a fist to the eye—quite literally. And through this, they seek to understand seeing.
[ 14 ] Man versteht die Sinnestätigkeit nur, wenn man sie im Zusammenhange betrachtet mit dem, was jetzt gar nicht mehr da ist: Saturnentwickelung, Sonnenentwickelung, Mondenentwickelung. Man versteht die Intelligenz des Menschen nur, wenn man sie im Zusammenhange betrachtet mit dem, was jetzt gar nicht mehr da ist: Sonnenentwickelung, Mondenentwickelung. Man versteht das Gedächtnis nur, wenn man es betrachtet im Zusammenhange mit dem, was jetzt auch nicht mehr da ist: die alte Mondenentwickelung. Und von der Erde aus versteht man bloß die Aneignung von Sinnestätigkeit, von Intelligenz, von Gedächtnis durch das Ich, denn das Ich ist während der Erdenzeit erst dem Menschen einverleibt worden. Und die Organe, die dem Menschen angebildet worden sind während der Erdenzeit, sind gar nicht dazu da, seine höheren Seelenfähigkeiten zu vermitteln, sondern zu vermitteln, daß diese höheren Seelenfähigkeiten in einem Ich sich offenbaren. Wir haben Augen für ein Ich, Ohren für ein Ich, eine Nase für ein Ich, nicht eine Nase zum Riechen, was noch am allerrichtigsten wäre, weil sie während der Erdenzeit gebildet worden ist; aber es ist auch nicht mehr ganz richtig, da es sich ändern wird während der Erdenzeit. Wir haben aber nicht Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, wir haben Ohren, damit ein Ich von dem, was im Ohr vorgeht, etwas wissen kann, wie hier ein Morsetelegraf eingeschaltet ist, damit irgend jemand, nicht der Morsetelegraf selber, etwas wissen kann von dem, was zwischen A und C verhandelt wird. Indem heute noch gesagt wird, wir haben Augen zum Sehen, Ohren zum Hören, und indem alles eingekleidet wird in diese Art der Ausdrucksweise, reden wir etwas, was gar keine Wirklichkeit, gar keine Realität hat. Wir reden fortwährend in Illusionen, wir reden in Unwahrheiten. Wir wissen nicht, wozu wir eigentlich unsere ganze Leibesorganisation haben. Wir haben sie nicht zur Vermittlung der höheren Seelentätigkeiten, sondern wir haben sie, damit das Ich von diesen höheren Seelentätigkeiten etwas erfährt. Unser ganzer leiblicher Mensch ist ein Abbild des Ich. Und wir sind so konstituiert, wie wir konstituiert sind, weil wir ein Ich sind. In unserer äußeren Gestalt sollen wir das äußere Bild des Ich gewahr werden. Denn unseren Leib, wie wir ihn jetzt an uns tragen, haben wir erst durch die Erde bekommen. Und es ist untunlich, daß man dasjenige, was uns nicht die Erde gegeben hat, ableitet von den Geschehnissen der Erde, daß man die Ursache dazu in den Geschehnissen der Erde sucht.
[ 14 ] One can only understand sensory activity if one considers it in connection with what no longer exists at all: Saturn evolution, Sun evolution, Moon evolution. One can only understand human intelligence by considering it in connection with what no longer exists at all: the development of the Sun and the Moon. One can only understand memory by considering it in connection with what also no longer exists: the ancient lunar development. And from the Earth’s perspective, one can only understand the acquisition of sensory activity, intelligence, and memory by the “I,” for it was only during the Earth period that the “I” became incorporated into the human being. And the organs that were formed in the human being during the Earth period are not at all intended to convey his higher soul faculties, but rather to convey that these higher soul faculties reveal themselves in an “I.” We have eyes for an “I,” ears for an “I,” a nose for an “I”—not a nose for smelling, which would be most correct, since it was formed during the Earth period; but it is also no longer entirely correct, since it will change during the Earth period. But we do not have eyes for seeing, ears for hearing; we have ears so that an “I” can know something of what is happening in the ear—just as a Morse telegraph is turned on here so that someone, not the Morse telegraph itself, can know something of what is being communicated between A and C. By still saying today that we have eyes for seeing and ears for hearing—and by cloaking everything in this kind of language—we are speaking of something that has no reality whatsoever. We speak constantly in illusions; we speak in untruths. We do not know what purpose our entire physical constitution actually serves. We do not have it to mediate the higher activities of the soul, but rather so that the “I” may learn something from these higher activities of the soul. Our entire physical being is a reflection of the “I.” And we are constituted as we are because we are an “I.” In our outward form, we are meant to become aware of the outward image of the “I.” For we received our body—as we now bear it—only through the Earth. And it is impossible to derive from the events of the Earth that which the Earth did not give us, or to seek the cause of it in the events of the Earth.
[ 15 ] So wie wir nun haben hinweisen können darauf, daß für unsere Gedächtnistätigkeit die alte Mondenentwickelung das Maßsgebende ist, weil darinnen die Anlagen sich ausgebildet haben, wie wir haben hinweisen können darauf, daß für unsere Intelligenz die alte Sonnenentwickelung das Maßgebende ist, weil da die ersten Anlagen sich ausgebildet haben und so weiter bis zur Saturntätigkeit, so müssen wir auch hinweisen darauf, daß diese höheren Seelenfähigkeiten etwas zu tun haben heute mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien, und zwar so, daß unsere Gedächtnistätigkeit etwas zu tun hat mit der Hierarchie der Angeloi, unsere Intelligenz mit den Archangeloi, unsere Sinnestätigkeit mit den Archai.
[ 15 ] Just as we have been able to point out that the ancient lunar evolution is the determining factor for our memory activity—because that is where the predispositions were formed—and just as we have been able to point out that the ancient solar evolution is the determining factor for our intelligence—because that is where the first predispositions were formed—and so on up to the Saturn activity, we must also point out that these higher soul faculties are connected today with the beings of the higher hierarchies, specifically in such a way that our memory is connected with the hierarchy of the Angeloi, our intelligence with the Archangeloi, and our sensory activity with the Archai.
| Mond | Sonnenzeit | Saturn | |
| Sinnestätigkeit | Dumpfe Intuition Archai | ||
| Intelligenz | Schlafende Intuition Archangeloi | ||
| Gedächtnis | Traumhafte Imagination Angeloi |
| Moon | Solar Time | Saturn | |
| Sensory Activity | Subtle Intuition Archai | ||
| Intelligence | Dormant Intuition Archangeloi | ||
| Memory | Dreamlike Imagination Angeloi |
[ 16 ] Und damit komme ich auf ein bedeutsames Kapitel geistiger Erkenntnis. Nehmen Sie an, Sie reflektieren in menschlicher Selbsterkenntnis auf das Gedächtnis, auf die Erinnerungsfähigkeit. Sie sagen: Ich wende mein inneres Organ, mein Seelenorgan, auf die Erinnerungsfähigkeit. — Aber auf das, auf was Sie da hinschauen, müssen Sie, wenn Sie mit vollem Bewußtsein hinschauen, so hinschauen, daß Sie sich sagen: In dieser ganzen Tätigkeit, in diesem Vorgang des Erinnerns webt und lebt der Angelos drinnen. — Versuchen Sie jetzt in diesem Momente einmal, sich an etwas zu erinnern, was Sie gestern erlebt haben, an irgendein Ereignis. Da haben Sie einen inneren Seelenvorgang sich abspielen lassen. In dem, was sich da abspielt, und indem ein gestriger Gedanke in Ihnen auftaucht, ein gestriges Erlebnis sich Ihnen neu offenbart in der Erinnerung, darinnen ist ein Engel tätig. Und wenn Sie intelligent nachdenken — allerdings, es muß intelligent sein, das heißt mit innerer Aktivität, nicht ein bloßes Hinbrüten, nicht das, was die meisten Menschen intelligentes Denken nennen, das ist nämlich nur das Kochen der Erinnerungen, da lassen die Menschen aus ihrem Leibe heraus die Erinnerungen kochen, das Denken beginnt erst, wenn man die Gedanken aktiv innerlich auffaßt —, wenn man also eine innere Aktivität entwickelt, da ist ein Erzengel dabei. Und wenn Sie gar herumhören, herumschauen, dann müssen Sie sagen: In meinen Ohren, in meinen Augen, da sind die Thronsessel der Archai, der Zeitgeister. — Wenn Sie sich fragen: Wo sind die Zeitgeister, die Archai, welche die aufeinanderfolgenden Weltenalter der Erde regieren? — dann sollen Sie sie nicht suchen in ganz unbekannten Gegenden, Sie sollen sie suchen in den Sinnesorganen der Menschen. Da sitzen sie drinnen. Eine schon in bezug auf die Seelenfähigkeiten dekadente Zeit suchte ja die Götter da oben über dem Blauen, das gar nicht vorhanden ist, auch wohl die Zeitgeister da über dem Blau, das gar nicht vorhanden ist. Wenn der Mensch frägt: Wo sind denn die Zeitgeister? — sie sitzen in seinen Augen, in seinen Ohren, dort haben sie ihre Thronsessel.
[ 16 ] And this brings me to an important chapter in spiritual insight. Suppose you are reflecting, in the context of human self-knowledge, on memory, on the capacity to remember. You say: I direct my inner organ, my soul organ, toward the capacity to remember. — But when you look at what you are focusing on—if you look at it with full consciousness—you must look at it in such a way that you say to yourself: “Within this entire activity, within this process of remembering, the Angelos weaves and lives.” — Now, at this very moment, try to remember something you experienced yesterday—any event. There you have allowed an inner process of the soul to unfold. In what is unfolding there, and as a thought from yesterday arises within you, as a yesterday’s experience reveals itself anew to you in memory—an angel is at work within that. And if you think intelligently—admittedly, it must be intelligent—that is, involving inner activity, not mere brooding, not what most people call intelligent thinking, which is really just the simmering of memories; people let memories simmer from within their bodies. Thinking only begins when one actively grasps thoughts inwardly—so when one develops inner activity, an archangel is present. And if you listen around and look around, then you must say: In my ears, in my eyes, there are the thrones of the Archai, the spirits of the ages. — If you ask yourself: Where are the spirits of the ages, the Archai, who rule the successive world ages of the Earth? — then you should not seek them in completely unknown regions; you should seek them in the sensory organs of human beings. That is where they sit. An age already decadent in terms of its spiritual faculties sought the gods up there above the blue—which does not even exist—and likewise the spirits of the ages above the blue—which does not even exist. When a person asks, “Where, then, are the spirits of the ages?”—they sit in his eyes, in his ears; that is where they have their thrones.
[ 17 ] Das ist von einer andern Seite beleuchtet dasjenige, was ich Ihnen einmal klarmachte, indem ich Sie darauf hinwies, daß im Menschen selbst die Ortschaften sind, von denen aus die Ereignisse der Natur beherrscht werden. Wenn Sie in gewissen Geheimgesellschaften die Formeln sich sagen lassen und diese in der richtigen Weise deuten, dann werden Sie finden, daß diese aus sehr alten Zeiten überlieferten Formeln hinweisen auf solche Wahrheiten, wie ich sie jetzt vor Ihnen entwickelt habe; daß der Mensch der Tempel ist für Götter, die über ihm stehen, das heißt für die Wesen der höheren Hierarchien. Er ist es im allerwörtlichsten Sinne. Denn wenn man frägt: Wo halten sich die Angeloi, Archangeloi, Archai auf? — so muß ich sagen: In den Organen des menschlichen Gedächtnisses, der menschlichen Intelligenz und der menschlichen Sinnestätigkeit. — Der Mensch ist, wenn man in einer wirklichen Sprache redet, muß man das sagen, wirklich Geist-erfüllt, das heißt, mit Geistern angefüllt. Die Kirche wollte das nicht zum Bewußtsein der Menschen kommen lassen, daher hat sie 869 auf dem achten ökumenischen Konzil verboten, etwas zu wissen oder etwas zu glauben in bezug auf das Geistige, sie hat das Dogma aufgestellt, der Mensch bestehe nur aus Leib und Seele. — Dieser Mensch ist ein sehr, sehr kompliziertes Wesen, und wenn man, sagen wir, zum Beispiel auf einen fernen Stern sich stellen würde und von dort aus als von einem andern Gesichtspunkte aus die Vorgänge der Erde beobachten würde, würde das Mineralreich sofort verschwinden, das würde nur als Lichtglanz nach außen scheinen. Vom Pflanzenreich würde auch wenig wahrgenommen werden, vom Tierreich auch nicht sehr viel. Vom Menschen würden nicht die einzelnen Menschen von außen wahrgenommen werden, sondern da würden die Thronsessel im Weltenraume da sein und eingenommen von Angeloi, Archangeloi, Archai. Und solch ein Wesen, das dazu die nötige Anschauungsfähigkeit hat von einem fernen Stern, würde sagen: Die Erde ist ein Körper im Weltenraum, welcher der Wohnplatz ist von Archai, Archangeloi und Angeloi. — In der Sprache der Götter wäre das gesprochen, daß die Erde der Wohnplatz ist der Zeitgeister, Erzengel und Engel. In der alltäglichen Sprache der Menschen heißt das: Der Mensch hat Sinnesorgane, Intelligenzwerkzeuge und Gedächtniskonstitution. Aber die Menschheit ist dazu berufen, den Menschen wirklich kennenzulernen, die reale Beziehung dieses Menschen zu der geistigen Welt aufzusuchen.
[ 17 ] This sheds light from a different angle on what I once explained to you when I pointed out that within human beings themselves lie the centers from which the events of nature are governed. If you have the formulas recited to you in certain secret societies and interpret them correctly, you will find that these formulas, handed down from very ancient times, point to truths such as those I have now expounded before you; that human beings are temples for the gods who stand above them—that is, for the beings of the higher hierarchies. They are so in the most literal sense. For if one asks: Where do the Angeloi, Archangeloi, and Archai dwell? — then I must say: In the organs of human memory, human intelligence, and human sensory activity. — Man is, to speak in a true sense, truly filled with spirit—that is, filled with spirits. The Church did not want people to become aware of this, which is why, in 869 at the Eighth Ecumenical Council, it forbade knowing or believing anything regarding the spiritual realm; it established the dogma that human beings consist only of body and soul. — Human beings are very, very complex beings, and if one were to stand, say, on a distant star and observe the events on Earth from there—from a different vantage point—the mineral kingdom would immediately vanish; it would appear outwardly only as a glow of light. Little of the plant kingdom would be perceived, nor much of the animal kingdom. As for human beings, individual people would not be perceived from the outside; rather, the thrones in outer space would be there, occupied by angels, archangels, and Archai. And such a being, possessing the necessary capacity for perception from a distant star, would say: The Earth is a body in outer space that serves as the dwelling place of the Archai, archangels, and angels. — In the language of the gods, this would be expressed as: The Earth is the dwelling place of the spirits of time, archangels, and angels. In the everyday language of humans, this means: Human beings possess sensory organs, tools of intelligence, and a constitution of memory. But humanity is called upon to truly come to know the human being and to seek out that human being’s real relationship to the spiritual world.
[ 18 ] Der Pendelausschlag der Zivilisation war bisher anders. Man hat untersucht, aus welchen chemischen Stoffen die Nahrungsmittel bestehen, um dadurch zu wissen, was der Mensch an Nahrungsmitteln aufnimmt. Leiblichkeit gleich Materie der Nahrungsmittel und so weiter, diese Beziehungen hat man aufgesucht. Man hat gesagt: Was da draußen in den verschiedenen Pflanzen oder in den verschiedenen Tieren ist, das wandert in den Menschen ein; bald ist es draußen im Kohl, bald im Ochsen tätig, bald ist es drinnen im Menschen tätig und konstituiert ihn. — Man sieht also einen Ochsen draußen, man schaut ihn an. Man sieht nachher einen Menschen und weiß, der hat das Beefsteak, das aus diesem Ochsen gemacht worden ist, gegessen, und man verfolgt, welchen Anteil an den inneren Tätigkeiten des Menschen das Beefsteak hat, das er gegessen hat, das vor einer Anzahl von Tagen noch im Ochsen draußen tätig war; da hat man die Beziehung des Leiblichen zu der natürlichen Außenwelt. Da verfolgt man, wie das Beefsteak, das da saß in den Lenden des Ochsen, nachher im Menschen innerlich tätig ist.
[ 18 ] The pendulum swing of civilization has been different up to now. People have examined the chemical substances that make up food in order to understand what humans consume. Physicality equates to the matter of food, and so on—these relationships have been explored. It has been said: What is out there in the various plants or in the various animals enters into human beings; sometimes it is active out there in the cabbage, sometimes in the ox, and sometimes it is active inside the human being, constituting him. — So one sees an ox out there; one looks at it. Then one sees a human being and knows that this person has eaten the steak made from that ox, and one traces what part the steak—which was still active in the ox just a few days ago—plays in the human being’s inner processes; therein lies the relationship of the physical to the natural external world. There one traces how the steak, which was once in the ox’s loins, is subsequently active within the human being.
[ 19 ] Das hat man nun genug verfolgt, daraus hat man eine Weltanschauung gebraut, welche den Pendelschlag der menschlichen Weltanschauung nach der einen Seite hin bewirkt hat. Jetzt muß der Pendel nach der andern Seite ausschlagen. Jetzt muß man wissen, das Seelische des Menschen steht ebenso in Beziehung zu der geistigen Welt, zu geistigen Substanzen. Und was geistige Substanzen sind, Erzengel, Archai, Engel, sie sind drinnen im Menschen, wie der Ochse im Menschen ist, wenn der Mensch sein Beefsteak ißt, in seinem Leibe. Das eine gibt die heutige Wissenschaft zu, das andere verlacht sie noch. Aber für die weitere Entwickelung der Menschheit ist es notwendig, daß der Mensch ebenso weiß, welche Beziehung er zum Engel hat, wie er heute weiß, welche Beziehung er zum Ochsen oder zum Kohl hat ich meine den physischen Kohl!
[ 19 ] This has been pursued to excess, and from it a worldview has been concocted that has caused the pendulum of human worldview to swing to one side. Now the pendulum must swing to the other side. Now one must know that the human soul is just as closely connected to the spiritual world, to spiritual substances. And what these spiritual substances are—archangels, archai, angels—they are within the human being, just as the ox is within the human being when the person eats a steak, right there in their body. Modern science acknowledges the former but still scoffs at the latter. But for the further development of humanity, it is necessary for people to know just as well what relationship they have to angels as they know today what relationship they have to an ox or to cabbage—I mean physical cabbage!
[ 20 ] An dieser Zeitenwende sind wir, daß tatsächlich für die Menschheitsentwickelung die Notwendigkeit vorliegt, sich hinzuwenden zu dem, was aus dem Geiste in die Seele hereinspielt, nachdem wir lange genug einseitig die Aufmerksamkeit hingelenkt haben auf dasjenige, was von der physischen Welt in die Leibesseite des Menschen hereinspielt. Für den Menschen, der heute sich zu entwickeln beginnt, genügt es nicht, daß man ihm aus den Bekenntnissen heraus dogmatisch abstrakt gewisse religiöse Wahrheiten vermittelt. Der heutige Mensch hat sich damit beschäftigt, nachzudenken, welche Beziehung sein Erdenleib zum Geistigen hat. Dieser Erdenleib hat zunächst nur Beziehung zum Ich. Wir werden morgen noch andere Beziehungen kennenlernen. Aber dasjenige, was an seinem Erdenleibe erscheint, die Konstitution für die Erinnerungsfähigkeit, das hat Beziehung zu der Hierarchie der Angeloi. Dasjenige, was in diesem Erdenleibe eingebettet ist als die Konstitution für die Intelligenz, das hat Beziehungen zu der Welt der Archangeloii. Dasjenige, was sich in unseren höheren Sinnen uns kundgibt, namentlich dasjenige, was sich in unserer höheren Kunst ergibt, das hat Beziehung zu der Welt der Archai, der Zeitgeister. Wir müssen fähig werden als Menschen, nicht bloß im allgemeinen zu schwätzen darüber, daß es eine geistige Welt gibt, sondern wir müssen fähig werden, die konkreten Beziehungen des Menschen zu dieser geistigen Welt zu empfinden. Wir müssen fähig werden, zu empfinden, wie dasjenige, was in uns widerhallt als Gehör, eine unsere Welt durchsetzende Tatsachenreihe ist, in der Archai drinnen tätig sind. Wir müssen fähig werden, das zu begreifen: Während wir denken, weilen wir in einer Welt, die durchwest und durchwebt wird von Archangeloi, während wir uns erinnern, weilen wir in einer Welt, die durchwebt und durchwest wird von Angeloi, und wenn wir unseres Ich uns bewußt werden, wozu wir am völligsten immer unseren Leib gebrauchen, so ist er eine Offenbarung unseres Ich. — Dann erst sind wir in der Welt, in der der Mensch webt und west. Noch in den griechischen Mysterien sagte man sich: Wenn man an den Hüter der Schwelle herankommt, dann lernt man, was im Menschen ist, auf eine höhere Art erkennen. — Diesseits der Schwelle lernt man nur Ge‚danken, die einen an vergangene Erlebnisse erinnern, kennen. Jenseits der Schwelle umhusehen einen die Wesen der Angeloiwelt. Diesseits der Schwelle lernt man erkennen das intelligente Wesen; jenseits der Schwelle nimmt man wahr, wie einen umhusehen die Archangeloi. Diesseits der Schwelle nimmt man die äußere Sinneswelt wahr; jenseits der Schwelle weiß man, wie durch unsere Augen, durch unsere Ohren aus- und einziehen die Zeitgeister.
[ 20 ] We are at a turning point in history where it is indeed necessary for human development to turn toward what flows from the spirit into the soul, after we have for long enough directed our attention one-sidedly toward what flows from the physical world into the physical aspect of the human being. For the person who is beginning to develop today, it is not enough to have certain religious truths conveyed to them dogmatically and abstractly through creeds. People today have been engaged in reflecting on the relationship between their earthly body and the spiritual realm. This earthly body initially has a relationship only with the “I.” Tomorrow we will learn about other relationships. But that which manifests in the earthly body—the constitution for the capacity for memory—is related to the hierarchy of the Archangels. That which is embedded in this earthly body as the constitution for intelligence has a relationship to the world of the Archangels. That which reveals itself to us through our higher senses—namely, that which emerges in our higher art—has a relationship to the world of the Archai, the spirits of time. As human beings, we must become capable not merely of talking in general terms about the existence of a spiritual world, but we must become capable of sensing the concrete connections between human beings and this spiritual world. We must become capable of sensing how that which resonates within us as hearing is a series of facts permeating our world, within which the Archai are at work. We must become capable of grasping this: While we think, we dwell in a world that is woven through and permeated by Archangeloi; while we remember, we dwell in a world that is woven through and permeated by Angeloi; and when we become conscious of our “I”—for which we always use our body most fully—then the body is a revelation of our “I.” — Only then are we in the world where the human being weaves and acts. Even in the Greek Mysteries, it was said: When one approaches the Guardian of the Threshold, one learns to recognize what is within the human being in a higher way. — On this side of the threshold, one becomes acquainted only with thoughts that remind one of past experiences. Beyond the threshold, the beings of the world of the angels surround us. On this side of the threshold, one learns to recognize the intelligent being; beyond the threshold, one perceives how the archangels surround us. On this side of the threshold, one perceives the external sensory world; beyond the threshold, one knows how the spirits of the times flow in and out through our eyes and ears.
[ 21 ] Es muß dafür gesorgt werden, daß dieses Bewußtsein im Menschen erweckt werde, er stehe einfach durch seine Konstitution in Beziehung zur geistigen Welt. Das aber muß für die einzelnen Organe konkret erweckt werden. Der Mensch muß sich fühlen lernen in einer geistigen Welt, während ihn diejenige Weltanschauung, die heute zu ihrem Höhepunkt gekommen ist, nur fühlen läßt, daß er in einer physischen Welt lebt. Dieses Gefühl, daß man in einer physischen Welt lebt, das würde den Menschen ganz beherrschen müssen, wenn nicht das Ereignis von Golgatha eingetreten wäre. Daß der Mensch wiederum zurück sich entwickeln kann zu einem Bewußtsein von seiner geistigen Beziehung, das verdankt man dem Mysterium von Golgatha. Aber man muß das, was man dem Mysterium von Golgatha verdankt, aus freiem innerem Antrieb heraus suchen. Das Christentum setzt Freiheit voraus.
[ 21 ] We must ensure that this awareness is awakened in human beings—that they are connected to the spiritual world simply by virtue of their constitution. But this must be specifically awakened for each individual organ. Human beings must learn to feel that they are in a spiritual world, whereas the worldview that has reached its peak today allows them to feel only that they live in a physical world. This feeling of living in a physical world would have completely dominated human beings had the event at Golgotha not taken place. The fact that human beings can develop back toward an awareness of their spiritual connection is due to the Mystery of Golgotha. But one must seek what one owes to the Mystery of Golgotha out of a free, inner impulse. Christianity presupposes freedom.
[ 22 ] Was man da wissen kann als die Beziehung des Menschen zur geistigen Welt, das kann tatsächlich praktische Wirksamkeit im Menschen gewinnen. Und dasjenige, was wir als Pädagogik zugrunde legen wollen der Wirksamkeit in der Stuttgarter Waldorfschule, das ist herausgeboren aus diesem Bewußtsein, daß der Mensch noch etwas anderes ist als eine Synthese der äußeren Naturvorgänge. Da soll so erzogen und unterrichtet werden, daß man sich bewußt ist, man hat in sich nicht nur das Baby, das physisch heranwächst, und das, wenn es entwöhnt ist, allmählich nach und nach aufnimmt den Kohl und den Ochsen, sondern das ist das Seelenwesen, an dem nach und nach Anteil haben die Wesen der höheren Geistigkeit. Und indem wir erziehend unterrichten, leiten wir herein die Tätigkeit der Wesen der höheren Hierarchien in das sich entwickelnde Kind. Der Mensch soll nicht bloß lernen, sich hinzuknien an den Altar und zu beten für seinen Egoismus, der Mensch soll lernen, einen Gottesdienst zu machen aus alledem, was er in der Welt verrichtet. Heute ist dem Menschen das zu vermitteln, daß alles dasjenige, was der Mensch in der Welt verrichtet, ein Gottesdienst sein muß, eine dringende Aufgabe. Aber dem widersetzen sich diejenigen, die die Menschen nicht teilhaftig sein lassen wollen an diesen höheren Aufgaben der Menschheit.
[ 22 ] What can be known there—namely, the relationship between human beings and the spiritual world—can indeed take on practical significance within the human being. And what we wish to take as the foundation of our educational approach at the Stuttgart Waldorf School—that is, the awareness that a human being is more than just a synthesis of external natural processes—has emerged from this very awareness. Education and instruction should be conducted in such a way that one is aware that within oneself there is not only the baby who grows physically and who, once weaned, gradually begins to eat cabbage and beef, but also the soul being in which the beings of the higher spiritual realms gradually take part. And as we teach through education, we introduce the activity of the beings of the higher hierarchies into the developing child. Human beings should not merely learn to kneel at the altar and pray for their own selfishness; they should learn to make a form of worship out of everything they do in the world. Today, it is an urgent task to convey to people that everything they do in the world must be a form of worship. But this is opposed by those who do not want people to participate in these higher tasks of humanity.
[ 23 ] Während ich gestern in St. Gallen versuchte, mit Beziehung auf das Gebiet des Erziehungswesens die Tätigkeit, die Fruchtbarkeit desjenigen zu entwickeln, was aus der geistigen Erkenntnis fließen kann, wurde mir erzählt, daß wir nun schon so weit sind, daß die klerikalen Blätter in St. Gallen nicht nur keine Textnotiz, sondern auch kein Inserat mehr aufgenommen haben für diesen Vortrag, also auch verweigert haben die Inserataufnahme für diesen Vortrag. Diese Gegnerschaft wird immer mehr und mehr gut organisiert. Organisation versteht man auf jener Seite. Ich will Sie damit nur aufmerksam machen darauf, welcher Widerstand gegen das Einleben der Wahrheit in die Welt immer mehr und mehr sich geltend machen wird. Ich will Sie nach und nach unterrichten von diesen Dingen. Ich möchte Sie auch nicht unbekannt sein lassen mit diesem kleinen Faktum, damit Sie fühlen, daß es nach und nach keine Aufgabe für schlafende Seelen sein wird, für die Christus-Wahrheit einzutreten, sondern daß es immer mehr werden wird eine Aufgabe für wachende Seelen. Man braucht auch Organisationen, um der Organisation auf der andern Seite begegnen zu können. Davon wollen wir morgen weiter reden.
[ 23 ] While I was in St. Gallen yesterday, attempting to develop—in relation to the field of education—the activity and fruitfulness of what can flow from spiritual insight, I was told that we have now reached the point where the clerical newspapers in St. Gallen have not only refused to publish a text excerpt but have also refused to run an advertisement for this lecture, in other words, they have refused to publish an advertisement for this lecture. This opposition is becoming increasingly well-organized. They understand what organization means on that side. I only want to draw your attention to the fact that resistance to the truth taking root in the world will become ever more pronounced. I intend to inform you of these matters little by little. I also do not want you to remain unaware of this small fact, so that you may sense that, little by little, standing up for the truth of Christ will no longer be a task for sleeping souls, but will increasingly become a task for waking souls. We also need organizations to be able to counter the organization on the other side. We will talk more about this tomorrow.
