Healing Factors for the Social Organism
GA 198
21 March 1920, Dornach
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Heilfaktoren für den sozialen Organismus
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Es wird mir heute obliegen, einiges von den Erkenntnissen, die früheren Betrachtungen zugrunde lagen, die einer größeren Anzahl unserer Freunde bereits bekannt sind, von da und dort her zusammenzuschließen mit dem, was ich gestern gesagt habe. Ich will nur noch einmal darauf aufmerksam machen, daß der wesentliche Inhalt des gestern Gesagten der war, daß ein solches gewissermaßen neutrales Erkennen, wie wir es gegenwärtig pflegen, im Grunde ein Geschöpf ist der neueren Zeit, daß sich ein solches gleichgültiges Erkennen, welches die Medizin als eine Wissenschaft neben die anderen hinstellt, eben erst im Lauf der letzten drei bis vier Jahrhunderte herausgebildet hat, während alles Erkennen in alten Zeiten abgezielt hat auf das Heilen; und Erkennen und Auffinden von Mitteln zur Heilung der Menschheit war ein und dasselbe in dem Sinne, wie ich das gestern angedeutet habe. Nun wissen Sie aus verschiedenen Andeutungen, die da oder dort in Vorträgen gemacht worden sind, daß in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts ein wichtiges geistiges Ereignis hineinfällt, daß in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts gewissermaßen hinter den Kulissen der Weltgeschichte, der äußeren physischen Weltgeschichte Bedeutendes geschehen ist. Um für dieses Ereignis einen Namen zu haben — man könnte ja ebensogut einen anderen Namen dafür haben -, haben wir es genannt den Sieg jenes Erzengelwesens, das wir bezeichnen als den Erzengel Michael, über entgegengesetzte geistige Kräfte. Dieses Ergebnis, wir wollen es zunächst einmal als einen Vorgang der geistigen Welt betrachten, mit der unsere Menschengeschichte zusammenhängt. Solche Ereignisse spielen sich so ab, daß sie sich zunächst in der geistigen Welt vorbereiten. Von dem Ereignis, das ich jetzt meine, könnte man etwa sagen, es habe sich vorbereitet seit dem Jahre 1842. Es ist dann in der geistigen Welt zu einer gewissen Entscheidung gekommen etwa 1879, und es liegt die Notwendigkeit vor, daß die Menschen auf der Erde im Einklange mit diesem geistigen Ereignis sich verhalten seit dem Jahre 1914. Dasjenige, was seit dem Jahre 1914 geschehen ist, das ist im wesentlichen ein Anstürmen der menschlichen Borniertheit gegen dasjenige, was eigentlich geschehen sollte nach der Meinung derjenigen geistigen Mächte, welchen die Führung der Menschheit obliegt. So daß wir also sagen können: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der ersten Zeit des 20. Jahrhunderts ging hinter den Kulissen unserer Menschheitsentwickelung sehr Bedeutsames vor, was ja ist eine Aufforderung an die Menschheit, sich so zu verhalten, wie es diese geistigen Wesen wollen: einen Umschwung herbeizuführen, etwas zu tun, was eine neue Art von Zivilisation in die Menschheit bringt, eine neue Art der Auffassung des sozialen Lebens, des künstlerischen Lebens, des geistigen Lebens auf der Erde überhaupt. Solche Ereignisse waren in der Menschheitsentwickelung wiederholt da. Die äußere Geschichte verzeichnet solche Ereignisse wenig, weil die äußere Geschichte eben doch eine Fable convenue ist, aber diese Ereignisse waren eben wiederholt da. Dasjenige Ereignis, welches sich vergleichen läßt mit dem erwähnten, liegt etwa dreihundert Jahre vor Christi Geburt, ein weiteres zurückliegendes liegt etwa in der Mitte des 3. Jahrtausends vor Christi Geburt:
[ 1 ] Es wird mir heute obliegen, einiges von den Erkenntnissen, die früheren Betrachtungen zugrunde lagen, die einer größeren Anzahl unserer Freunde bereits bekannt sind, von da und dort her zusammenzuschließen mit dem, was ich gestern gesagt habe. Ich will nur noch einmal darauf aufmerksam machen, daß der wesentliche Inhalt des gestern Gesagten der war, daß ein solches gewissermaßen neutrales Erkennen, wie wir es gegenwärtig pflegen, im Grunde ein Geschöpf ist der neueren Zeit, daß sich ein solches gleichgültiges Erkennen, welches die Medizin als eine Wissenschaft neben die anderen hinstellt, eben erst im Lauf der letzten drei bis vier Jahrhunderte herausgebildet hat, während alles Erkennen in alten Zeiten abgezielt hat auf das Heilen; und Erkennen und Auffinden von Mitteln zur Heilung der Menschheit war ein und dasselbe in dem Sinne, wie ich das gestern angedeutet habe. Nun wissen Sie aus verschiedenen Andeutungen, die da oder dort in Vorträgen gemacht worden sind, daß in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts ein wichtiges geistiges Ereignis hineinfällt, daß in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts gewissermaßen hinter den Kulissen der Weltgeschichte, der äußeren physischen Weltgeschichte Bedeutendes geschehen ist. Um für dieses Ereignis einen Namen zu haben — man könnte ja ebensogut einen anderen Namen dafür haben -, haben wir es genannt den Sieg jenes Erzengelwesens, das wir bezeichnen als den Erzengel Michael, über entgegengesetzte geistige Kräfte. Dieses Ergebnis, wir wollen es zunächst einmal als einen Vorgang der geistigen Welt betrachten, mit der unsere Menschengeschichte zusammenhängt. Solche Ereignisse spielen sich so ab, daß sie sich zunächst in der geistigen Welt vorbereiten. Von dem Ereignis, das ich jetzt meine, könnte man etwa sagen, es habe sich vorbereitet seit dem Jahre 1842. Es ist dann in der geistigen Welt zu einer gewissen Entscheidung gekommen etwa 1879, und es liegt die Notwendigkeit vor, daß die Menschen auf der Erde im Einklange mit diesem geistigen Ereignis sich verhalten seit dem Jahre 1914. Dasjenige, was seit dem Jahre 1914 geschehen ist, das ist im wesentlichen ein Anstürmen der menschlichen Borniertheit gegen dasjenige, was eigentlich geschehen sollte nach der Meinung derjenigen geistigen Mächte, welchen die Führung der Menschheit obliegt. So daß wir also sagen können: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der ersten Zeit des 20. Jahrhunderts ging hinter den Kulissen unserer Menschheitsentwickelung sehr Bedeutsames vor, was ja ist eine Aufforderung an die Menschheit, sich so zu verhalten, wie es diese geistigen Wesen wollen: einen Umschwung herbeizuführen, etwas zu tun, was eine neue Art von Zivilisation in die Menschheit bringt, eine neue Art der Auffassung des sozialen Lebens, des künstlerischen Lebens, des geistigen Lebens auf der Erde überhaupt. Solche Ereignisse waren in der Menschheitsentwickelung wiederholt da. Die äußere Geschichte verzeichnet solche Ereignisse wenig, weil die äußere Geschichte eben doch eine Fable convenue ist, aber diese Ereignisse waren eben wiederholt da. Dasjenige Ereignis, welches sich vergleichen läßt mit dem erwähnten, liegt etwa dreihundert Jahre vor Christi Geburt, ein weiteres zurückliegendes liegt etwa in der Mitte des 3. Jahrtausends vor Christi Geburt:


[ 2 ] Nun besteht aber in bezug auf die Menschheit ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen dem Erleben dieser zwei Ereignisse und dem Erleben desjenigen Ereignisses, das sich abgespielt hat im 19. und 20. Jahrhundert; denn die meisten von Ihnen haben ja wenigstens teilweise noch miterlebt die Ereignisse von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, von dem Beginne des 20. Jahrhunderts, und die meisten von Ihnen werden auch wissen, wie wenig die Menschheit als solche Notiz genommen hat davon, daß ein Umschwung im geistigen Leben wirklich stattfinden sollte.
[ 2 ] Nun besteht aber in bezug auf die Menschheit ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen dem Erleben dieser zwei Ereignisse und dem Erleben desjenigen Ereignisses, das sich abgespielt hat im 19. und 20. Jahrhundert; denn die meisten von Ihnen haben ja wenigstens teilweise noch miterlebt die Ereignisse von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, von dem Beginne des 20. Jahrhunderts, und die meisten von Ihnen werden auch wissen, wie wenig die Menschheit als solche Notiz genommen hat davon, daß ein Umschwung im geistigen Leben wirklich stattfinden sollte.
[ 3 ] Die Menschheit wird durch die Not dazu gezwungen werden, von dieser Notwendigkeit Notiz zu nehmen. Und nicht eher wird die Not aufhören, bis eine genügend große Anzahl von Menschen auch mit Bezug auf die Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten Notiz genommen haben wird von dieser Notwendigkeit. Wir können die Frage aufwerfen: Warum haben die Menschen keine Notiz genommen? Und war das auch gegenüber den beiden anderen Erlebnissen, demjenigen des 3. Jahrtausends, demjenigen etwa im 3. Jahrhundert ebenso? — Nein, bei diesen Ereignissen war es eben durchaus nicht so. Würde man richtig lesen können dasjenige, was die Seelengeschichte des griechischen, sogar des ja ein wenig grobkörnig veranlagten römischen Volkes ist, man würde vernehmen, daß in der Tat innerhalb des griechischen Volkes, innerhalb des römischen Volkes durchaus ein Bewußtsein vorhanden war: In der geistigen Welt geschieht etwas, auf das man Rücksicht nehmen muß. — Ja, gerade bei dem Ereignis, das um das Jahr 300 vor Christi Geburt liegt, können wir sehr gut sehen, wie es sich langsam vorbereitet, wie es auf einen gewissen Höhepunkt kommt und wie es sich dann auslebt. Die Menschen dieses 3., 4. Jahrhunderts vor Christi Geburt hatten ein deutliches Bewußtsein davon: Es geschieht etwas in der Geisteswelt, das spielt herein in die Welt der Menschen. — Und dasjenige, was sie da sahen, wir können es heute bezeichnen: das war die eigentliche Geburt der menschlichen Phantasie.
[ 3 ] Die Menschheit wird durch die Not dazu gezwungen werden, von dieser Notwendigkeit Notiz zu nehmen. Und nicht eher wird die Not aufhören, bis eine genügend große Anzahl von Menschen auch mit Bezug auf die Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten Notiz genommen haben wird von dieser Notwendigkeit. Wir können die Frage aufwerfen: Warum haben die Menschen keine Notiz genommen? Und war das auch gegenüber den beiden anderen Erlebnissen, demjenigen des 3. Jahrtausends, demjenigen etwa im 3. Jahrhundert ebenso? — Nein, bei diesen Ereignissen war es eben durchaus nicht so. Würde man richtig lesen können dasjenige, was die Seelengeschichte des griechischen, sogar des ja ein wenig grobkörnig veranlagten römischen Volkes ist, man würde vernehmen, daß in der Tat innerhalb des griechischen Volkes, innerhalb des römischen Volkes durchaus ein Bewußtsein vorhanden war: In der geistigen Welt geschieht etwas, auf das man Rücksicht nehmen muß. — Ja, gerade bei dem Ereignis, das um das Jahr 300 vor Christi Geburt liegt, können wir sehr gut sehen, wie es sich langsam vorbereitet, wie es auf einen gewissen Höhepunkt kommt und wie es sich dann auslebt. Die Menschen dieses 3., 4. Jahrhunderts vor Christi Geburt hatten ein deutliches Bewußtsein davon: Es geschieht etwas in der Geisteswelt, das spielt herein in die Welt der Menschen. — Und dasjenige, was sie da sahen, wir können es heute bezeichnen: das war die eigentliche Geburt der menschlichen Phantasie.
[ 4 ] Sie wissen ja, die Menschen von heute sind schon einmal so, sie denken: So wie man heute denkt, wie man heute fühlt, so hat man immer gedacht, so hat man immer gefühlt. — Aber es ist nicht so, sondern sogar die Sinneswahrnehmungen haben sich im Laufe der Zeit geändert, wie ich Ihnen gestern gezeigt habe. Es war natürlich auch schon künstlerisches Schaffen vor dem 3. oder 4. Jahrhundert vor Christi Geburt da; aber dieses künstlerische Schaffen ging nicht aus dem hervor, was wir heute Phantasie nennen. Dieses künstlerische Schaffen ging aus einer wirklichen hellseherischen Imagination hervor. Diejenigen, die Künstler waren, konnten schauen, wie sich ihnen das Geistige enthüllte, und sie kopierten einfach das Geistige, das sich ihnen enthüllte. Das alte atavistische Hellsehen, die alte Imagination war dasjenige, was der Künstler zugrunde liegend hatte. Jene Phantasie, die damals erst aufkam und die dann sich weiter ausbildete bis zu den Schöpfungen eines Leonardo oder Raffael oder Michelangelo, um dann wieder talab zu gehen, diese Phantasie nimmt dazumal ihren Ursprung, diese Phantasie, die nicht so schafft, als ob ein Geistiges erscheint, imaginiert wird, sondern als ob man nur aus sich selbst heraus etwas anordnete, als ob man nur aus sich selbst heraus etwas gestaltete. Und daß sie mit der Phantasie begabt wurden, das schrieben die Menschen dieser Zeit zu einem Kampfe von göttlichen Wesen, die über ihnen walteten, in deren Auftrag sie auf der Erde handelten.
[ 4 ] Sie wissen ja, die Menschen von heute sind schon einmal so, sie denken: So wie man heute denkt, wie man heute fühlt, so hat man immer gedacht, so hat man immer gefühlt. — Aber es ist nicht so, sondern sogar die Sinneswahrnehmungen haben sich im Laufe der Zeit geändert, wie ich Ihnen gestern gezeigt habe. Es war natürlich auch schon künstlerisches Schaffen vor dem 3. oder 4. Jahrhundert vor Christi Geburt da; aber dieses künstlerische Schaffen ging nicht aus dem hervor, was wir heute Phantasie nennen. Dieses künstlerische Schaffen ging aus einer wirklichen hellseherischen Imagination hervor. Diejenigen, die Künstler waren, konnten schauen, wie sich ihnen das Geistige enthüllte, und sie kopierten einfach das Geistige, das sich ihnen enthüllte. Das alte atavistische Hellsehen, die alte Imagination war dasjenige, was der Künstler zugrunde liegend hatte. Jene Phantasie, die damals erst aufkam und die dann sich weiter ausbildete bis zu den Schöpfungen eines Leonardo oder Raffael oder Michelangelo, um dann wieder talab zu gehen, diese Phantasie nimmt dazumal ihren Ursprung, diese Phantasie, die nicht so schafft, als ob ein Geistiges erscheint, imaginiert wird, sondern als ob man nur aus sich selbst heraus etwas anordnete, als ob man nur aus sich selbst heraus etwas gestaltete. Und daß sie mit der Phantasie begabt wurden, das schrieben die Menschen dieser Zeit zu einem Kampfe von göttlichen Wesen, die über ihnen walteten, in deren Auftrag sie auf der Erde handelten.
[ 5 ] Noch viel, viel bedeutsamer vernahmen die Menschen in der Mitte des 3. Jahrtausends, etwa im Jahre 2500 vor Christi Geburt, wie ihr ganzes Sein eingespannt war in Ereignisse, die aus der geistigen Welt hereinragten in die physischen Ereignisse. Um diese Zeit, noch in der Mitte des 3. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung, hätte kein Mensch es sinnvoll gefunden, zu sagen: Hier wandeln die Menschen auf der Erde herum - und nicht zu sagen: Geistige Wesen sind da. - Das würde jedem Menschen ein Unsinn geschienen haben, denn man dachte sich die Erde bevölkert von dem, was physisch und geistig zugleich war.
[ 5 ] Noch viel, viel bedeutsamer vernahmen die Menschen in der Mitte des 3. Jahrtausends, etwa im Jahre 2500 vor Christi Geburt, wie ihr ganzes Sein eingespannt war in Ereignisse, die aus der geistigen Welt hereinragten in die physischen Ereignisse. Um diese Zeit, noch in der Mitte des 3. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung, hätte kein Mensch es sinnvoll gefunden, zu sagen: Hier wandeln die Menschen auf der Erde herum - und nicht zu sagen: Geistige Wesen sind da. - Das würde jedem Menschen ein Unsinn geschienen haben, denn man dachte sich die Erde bevölkert von dem, was physisch und geistig zugleich war.
[ 6 ] Gegenüber der Art des Seelenlebens in jenen alten Zeiten ist diejenige allerdings etwas anderes, die im Laufe des 19. Jahrhunderts Platz gegriffen hat, denn die Menschen nahmen wahr, wie auf der Erde die profanen, die gewöhnlichen Ereignisse sich abspielten. Daß aber da ein bedeutender Geisteskampf dahintersteht, das nahmen die Menschen nicht wahr. Woher kommt das, daß sie das nicht wahrnahmen? Das kommt gerade von der Eigentümlichkeit dieses unseres Zeitalters, das, wie Sie wissen, um die Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen hat, und in dem wir noch drinnenstehen, das wir als den fünften nachatlantischen Zeitraum bezeichnen. In diesem Zeitalter, also in dem, in dem wir drinnenstehen, da ist die hervorragendste, die bedeutsamste Kraft, deren sich der Mensch bedienen kann, der Intellekt. Die Menschen sind seit dem 15. Jahrhundert besonders groß geworden als intelligente Wesen. Sie sind heute noch stolz darauf, die Menschen, daß sie so intelligente Wesen sind. Man soll nur ja nicht glauben, daß nicht auch eine andere Form von Intelligenz in früheren Zeiten vorhanden war, nur wurde diese Intelligenz zugleich mit einem gewissen Schauen geboren. Es wurde diese Intelligenz mit einem gewissen geistigen Inhalte zugleich in dem Menschen geschaffen. Wir haben eine Intelligenz, die eigentlich keinen wirklichen geistigen Inhalt hat, die eigentlich bloß formell ist, denn unsere Begriffe und Ideen haben eigentlich in sich selbst nichts, sie sind nur Spiegelbilder von etwas. Unser ganzer Verstand ist eine Summe von bloßen Spiegelbildern von etwas. Das ist ja das Wesen jener Intelligenz, die sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ganz besonders entwickelt hat, daß der Verstand nur ein Spiegelungsapparat ist. Aber solches, wie es sich da spiegelt, das hat im Grunde genommen im Menschen keine Kraft. Das ist im Grunde genommen passiv. Das ist ja das eigentümliche desjenigen Verstandes, auf den die gegenwärtige Menschheit so stolz ist, daß dieser Verstand passiv ist. Wir lassen ihn auf uns wirken, wir geben uns ihm hin. Wir entwickeln wenig Willenskraft in diesem Verstande. Das ist heute das hervorragendste Kennzeichen der Menschen, daß sie eigentlich den tätigen Verstand hassen. Wenn sie irgendwo sein sollen, wo ihnen zugemutet wird, mit dem, was vorgebracht wird, mitzudenken, so ist das langweilig, sehr langweilig. Da beginnt das allgemeine Einschlafen sehr bald, wenigstens das seelische Einschlafen: sobald gedacht werden soll. Dagegen wenn es ein Kinematograph ist, wenn man nicht zu denken braucht, sondern wenn das Denken eher eingeschläfert wird, wenn man bloß zu sehen braucht und nur sich passiv hinzugeben dem, was sich abspielt, und wenn die Gedanken so wie selbständige Räder ablaufen, da fühlt sich der Mensch heute befriedigt. Es ist der passive Verstand, an den sich die Menschen gewöhnt haben. Dieser passive Verstand hat keine Kraft, denn dieser passive Verstand, was ist er denn eigentlich? Man lernt sein Wesen kennen, wenn man sich erinnert, wie die Arten des menschlichen Wissens noch eingeteilt waren in alten Mysterienschulen. Da hat man drei Arten des Wissens unterschieden: Erstens jenes Wissen, das da kommt aus dem physischen Leben des Menschen, das gewissermaßen aufsteigt aus dem physischen Miterleben der Welt, man könnte sagen: das physische Wissen; zweitens das intellektuelle Wissen, jenes Wissen, das man selber bildet, hauptsächlich in der Mathematik, jenes Wissen, in dem man drinnenlebt, das intellektuelle Wissen; drittens das geistige Wissen, dasjenige Wissen, das nicht aus dem Physischen, sondern aus dem Geistigen kommt. Von diesen drei Arten des Wissens ist in unserem Zeitalter besonders gepflegt und besonders beliebt das intellektuelle Wissen. Es ist förmlich ein Ideal geworden, dem geistigen Leben so gegenüberzustehen, wie man gewohnt worden ist, der Mathematik gegenüberzustehen, dem geistigen Leben mit einer gewissen Neutralität, mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüberzustehen. Es ist eigentlich unerhört, aber wahr, daß in unserer Zeit auch die Träger des Wissens, zum Beispiel Hochschulprofessoren, wenn sie die Türen hinter sich zugemacht haben und draußen sind, daß sie dann so schnell wie möglich etwas anderes treiben wollen, was nicht mit ihrem Wissen zusammenhängt. Es ist ein abstraktes Hingeben an das Wissen, und das, das geht eigentlich recht tief.
[ 6 ] Gegenüber der Art des Seelenlebens in jenen alten Zeiten ist diejenige allerdings etwas anderes, die im Laufe des 19. Jahrhunderts Platz gegriffen hat, denn die Menschen nahmen wahr, wie auf der Erde die profanen, die gewöhnlichen Ereignisse sich abspielten. Daß aber da ein bedeutender Geisteskampf dahintersteht, das nahmen die Menschen nicht wahr. Woher kommt das, daß sie das nicht wahrnahmen? Das kommt gerade von der Eigentümlichkeit dieses unseres Zeitalters, das, wie Sie wissen, um die Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen hat, und in dem wir noch drinnenstehen, das wir als den fünften nachatlantischen Zeitraum bezeichnen. In diesem Zeitalter, also in dem, in dem wir drinnenstehen, da ist die hervorragendste, die bedeutsamste Kraft, deren sich der Mensch bedienen kann, der Intellekt. Die Menschen sind seit dem 15. Jahrhundert besonders groß geworden als intelligente Wesen. Sie sind heute noch stolz darauf, die Menschen, daß sie so intelligente Wesen sind. Man soll nur ja nicht glauben, daß nicht auch eine andere Form von Intelligenz in früheren Zeiten vorhanden war, nur wurde diese Intelligenz zugleich mit einem gewissen Schauen geboren. Es wurde diese Intelligenz mit einem gewissen geistigen Inhalte zugleich in dem Menschen geschaffen. Wir haben eine Intelligenz, die eigentlich keinen wirklichen geistigen Inhalt hat, die eigentlich bloß formell ist, denn unsere Begriffe und Ideen haben eigentlich in sich selbst nichts, sie sind nur Spiegelbilder von etwas. Unser ganzer Verstand ist eine Summe von bloßen Spiegelbildern von etwas. Das ist ja das Wesen jener Intelligenz, die sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ganz besonders entwickelt hat, daß der Verstand nur ein Spiegelungsapparat ist. Aber solches, wie es sich da spiegelt, das hat im Grunde genommen im Menschen keine Kraft. Das ist im Grunde genommen passiv. Das ist ja das eigentümliche desjenigen Verstandes, auf den die gegenwärtige Menschheit so stolz ist, daß dieser Verstand passiv ist. Wir lassen ihn auf uns wirken, wir geben uns ihm hin. Wir entwickeln wenig Willenskraft in diesem Verstande. Das ist heute das hervorragendste Kennzeichen der Menschen, daß sie eigentlich den tätigen Verstand hassen. Wenn sie irgendwo sein sollen, wo ihnen zugemutet wird, mit dem, was vorgebracht wird, mitzudenken, so ist das langweilig, sehr langweilig. Da beginnt das allgemeine Einschlafen sehr bald, wenigstens das seelische Einschlafen: sobald gedacht werden soll. Dagegen wenn es ein Kinematograph ist, wenn man nicht zu denken braucht, sondern wenn das Denken eher eingeschläfert wird, wenn man bloß zu sehen braucht und nur sich passiv hinzugeben dem, was sich abspielt, und wenn die Gedanken so wie selbständige Räder ablaufen, da fühlt sich der Mensch heute befriedigt. Es ist der passive Verstand, an den sich die Menschen gewöhnt haben. Dieser passive Verstand hat keine Kraft, denn dieser passive Verstand, was ist er denn eigentlich? Man lernt sein Wesen kennen, wenn man sich erinnert, wie die Arten des menschlichen Wissens noch eingeteilt waren in alten Mysterienschulen. Da hat man drei Arten des Wissens unterschieden: Erstens jenes Wissen, das da kommt aus dem physischen Leben des Menschen, das gewissermaßen aufsteigt aus dem physischen Miterleben der Welt, man könnte sagen: das physische Wissen; zweitens das intellektuelle Wissen, jenes Wissen, das man selber bildet, hauptsächlich in der Mathematik, jenes Wissen, in dem man drinnenlebt, das intellektuelle Wissen; drittens das geistige Wissen, dasjenige Wissen, das nicht aus dem Physischen, sondern aus dem Geistigen kommt. Von diesen drei Arten des Wissens ist in unserem Zeitalter besonders gepflegt und besonders beliebt das intellektuelle Wissen. Es ist förmlich ein Ideal geworden, dem geistigen Leben so gegenüberzustehen, wie man gewohnt worden ist, der Mathematik gegenüberzustehen, dem geistigen Leben mit einer gewissen Neutralität, mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüberzustehen. Es ist eigentlich unerhört, aber wahr, daß in unserer Zeit auch die Träger des Wissens, zum Beispiel Hochschulprofessoren, wenn sie die Türen hinter sich zugemacht haben und draußen sind, daß sie dann so schnell wie möglich etwas anderes treiben wollen, was nicht mit ihrem Wissen zusammenhängt. Es ist ein abstraktes Hingeben an das Wissen, und das, das geht eigentlich recht tief.
[ 7 ] Als ich vor ein paar Tagen in Zürich öffentlich vortrug, da griff in die Diskussion ein Proletarier ein. Da ich etwas erwähnt hatte von der Waldorfschule und von dem Ersatz des den Geist wirklich tötenden Stundenplanes, da meinte er: Ein solcher Stundenplan würde aber zu lang bei einem Gegenstande stehenbleiben, man müßte schon Abwechslung haben; wenn den Kindern ein Gegenstand von acht bis neun zu langweilig geworden ist, dann muß von neun bis zehn ein anderer Gegenstand kommen, sonst wird es den Kindern zu langweilig! — Ich konnte natürlich nur erwidern: Das ist nicht die Aufgabe der Waldorfschule, auf die Langweiligkeit zu rechnen, sondern dafür zu sorgen, daß es den Kindern nicht langweilig wird, daß die Kinder wirklich dabei sind bei der Sache; das ist gerade die Aufgabe jener Pädagogik und Didaktik, die in der Waldorfschule gepflegt werden soll. — Es ist also so sehr den Leuten in Fleisch und Blut übergegangen, daß eigentlich das geistige Leben langweilig ist, und daß man vom geistigen Leben loskommen muß, ja nicht im Fach aufgehen muß. Das kommt aber lediglich davon her, daß unser ganzes intellektuelles Leben eigentlich nur aus Bildern besteht, aus Spiegelbildern, daß wir nicht Substanz in diesem geistigen Leben haben.
[ 7 ] Als ich vor ein paar Tagen in Zürich öffentlich vortrug, da griff in die Diskussion ein Proletarier ein. Da ich etwas erwähnt hatte von der Waldorfschule und von dem Ersatz des den Geist wirklich tötenden Stundenplanes, da meinte er: Ein solcher Stundenplan würde aber zu lang bei einem Gegenstande stehenbleiben, man müßte schon Abwechslung haben; wenn den Kindern ein Gegenstand von acht bis neun zu langweilig geworden ist, dann muß von neun bis zehn ein anderer Gegenstand kommen, sonst wird es den Kindern zu langweilig! — Ich konnte natürlich nur erwidern: Das ist nicht die Aufgabe der Waldorfschule, auf die Langweiligkeit zu rechnen, sondern dafür zu sorgen, daß es den Kindern nicht langweilig wird, daß die Kinder wirklich dabei sind bei der Sache; das ist gerade die Aufgabe jener Pädagogik und Didaktik, die in der Waldorfschule gepflegt werden soll. — Es ist also so sehr den Leuten in Fleisch und Blut übergegangen, daß eigentlich das geistige Leben langweilig ist, und daß man vom geistigen Leben loskommen muß, ja nicht im Fach aufgehen muß. Das kommt aber lediglich davon her, daß unser ganzes intellektuelles Leben eigentlich nur aus Bildern besteht, aus Spiegelbildern, daß wir nicht Substanz in diesem geistigen Leben haben.
[ 8 ] Ein solches, nicht von Substanz erfülltes Geistesleben, das ist eigentlich abgeschlossen, sowohl abgeschlossen von der physischen Welt, wie abgeschlossen von der geistigen Welt. Eigentlich weiß unsere Zeit weder von der physischen Welt noch von der geistigen viel. Sie weiß eigentlich nur von dem, was sie sich selber ausdenkt. Wegen dieses Charakters unserer Intellektualität als einer Summe von Spiegelbildern war der Mensch des 19. Jahrhunderts ausgeschlossen davon, etwas zu wissen von dem, was geistig hinter den Kulissen der Weltgeschichte vorging. Er erlebte jenen großen, bedeutsamen Umschwung nicht mit, der sich im Geistigen hinter der äußeren Weltgeschichte vollzog in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und er muß erst durch eigene Anstrengungen lernen, daß die physische Welt folgen müsse der geistigen Welt. Er wird es lernen müssen, denn wenn er es nicht lernt, wird die Not immer größer und größer werden und die Zivilisation wird über die ganze gegenwärtige zivilisierte Welt hin in Barbarei übergehen. Um das zu vermeiden, ist eben notwendig, daß der Mensch gewahr werde innerlich, daß er ebenso etwas erleben müsse, wie erlebt worden ist um das Jahr 300 vor Christi Geburt die Geburt der Phantasie. So muß in unserer Zeit erlebt werden die Geburt des tätigen Verstandes: damals die tätige Einbildungskraft, jetzt die Geburt des tätigen Verstandes. Dazumal entstand die Möglichkeit, durch Nachschaffung von äußeren Formen phantasievoll zu gestalten. Jetzt muß die Menschen ergreifen ein inneres kraftvolles Schaffen von Ideen, durch die sich jeder selber ein Bild seines eigenen Wesens macht und sich dieses vorsetzt als dasjenige, dem er nachstrebt. Selbsterkenntnis im weitesten Umfange des Wortes muß die Menschen ergreifen; aber nicht eine Selbsterkenntnis, in der man nur brütet über dasjenige, was man gestern gegessen hat, sondern eine Selbsterkenntnis, die es bringt bis zu einem Betätigen des eigenen Wesens. Und diese Selbsterkenntnis wird von der Entwickelung des Menschen, der eben zur Geburt des tätigen Verstandes aufsteigen muß, klar gefordert.
[ 8 ] Ein solches, nicht von Substanz erfülltes Geistesleben, das ist eigentlich abgeschlossen, sowohl abgeschlossen von der physischen Welt, wie abgeschlossen von der geistigen Welt. Eigentlich weiß unsere Zeit weder von der physischen Welt noch von der geistigen viel. Sie weiß eigentlich nur von dem, was sie sich selber ausdenkt. Wegen dieses Charakters unserer Intellektualität als einer Summe von Spiegelbildern war der Mensch des 19. Jahrhunderts ausgeschlossen davon, etwas zu wissen von dem, was geistig hinter den Kulissen der Weltgeschichte vorging. Er erlebte jenen großen, bedeutsamen Umschwung nicht mit, der sich im Geistigen hinter der äußeren Weltgeschichte vollzog in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und er muß erst durch eigene Anstrengungen lernen, daß die physische Welt folgen müsse der geistigen Welt. Er wird es lernen müssen, denn wenn er es nicht lernt, wird die Not immer größer und größer werden und die Zivilisation wird über die ganze gegenwärtige zivilisierte Welt hin in Barbarei übergehen. Um das zu vermeiden, ist eben notwendig, daß der Mensch gewahr werde innerlich, daß er ebenso etwas erleben müsse, wie erlebt worden ist um das Jahr 300 vor Christi Geburt die Geburt der Phantasie. So muß in unserer Zeit erlebt werden die Geburt des tätigen Verstandes: damals die tätige Einbildungskraft, jetzt die Geburt des tätigen Verstandes. Dazumal entstand die Möglichkeit, durch Nachschaffung von äußeren Formen phantasievoll zu gestalten. Jetzt muß die Menschen ergreifen ein inneres kraftvolles Schaffen von Ideen, durch die sich jeder selber ein Bild seines eigenen Wesens macht und sich dieses vorsetzt als dasjenige, dem er nachstrebt. Selbsterkenntnis im weitesten Umfange des Wortes muß die Menschen ergreifen; aber nicht eine Selbsterkenntnis, in der man nur brütet über dasjenige, was man gestern gegessen hat, sondern eine Selbsterkenntnis, die es bringt bis zu einem Betätigen des eigenen Wesens. Und diese Selbsterkenntnis wird von der Entwickelung des Menschen, der eben zur Geburt des tätigen Verstandes aufsteigen muß, klar gefordert.
[ 9 ] Es wird so kommen, daß die Menschen in der gewöhnlichen Erinnerung, in dem gewöhnlichen Gedächtnis etwas sehr Eigentümliches finden werden. Heute geht es gerade noch an, weil man etwas grobkörnig geworden ist und die Dinge nicht bemerkt, die eigentlich schon in der Seele des Menschen vorhanden sind. Heute geht es gerade noch an, daß, wenn man zurückdenkt in seinem eigenen Leben, daß dann aus diesem eigenen Leben, in das man zurückblickt, nur die Erinnerungen an die gewöhnlichen Erlebnisse kommen. Aber das ist nicht mehr rein so, das ist eigentlich nicht mehr ganz so, sondern es kommen immer wiederum und wiederum Menschen unter uns vor, die schon etwas anderes erleben, die, wenn sie zurückdenken, was sie vor zehn, zwanzig Jahren erlebt haben, so kommt ihnen nicht nur dasjenige herauf, was sie erlebt haben, sondern es kommt ihnen herauf etwas, was sie nicht erlebt haben, was aber aus dem Erlebten wie eine selbständige Wesenheit aufsteigt. Und die psychoanalytische Torheit, die prüft in den Seelen das Zurückliegende ohne eine Erkenntnis des Wesens der Gegenwart. Dasjenige, was die törichte Psychoanalyse nicht finden kann, das muß Geisteswissenschaft vor die Menschen hinstellen, daß in der Tat, wenn wir von irgendeinem Lebensalter —- sagen wir von unserem 45. Jahre — zurückschauen und alle die Wogen der Erlebnisse wie so eine Strömung erblicken (siehe Zeichnung), so sind darinnen nicht nur diese Erlebnisse, die wir durchlebt haben; das war gewissermaßen einmal so, und eine große Anzahl etwas «dickschleimiger» Menschen, die erleben auch heute noch nichts anderes. Derjenige, der sensitiv ist für solche Sachen, der erlebt, daß bei einer Rückschau auf das Leben nicht nur diese gewöhnlichen Erlebnisse vorhanden sind, sondern er erlebt etwas, was da herausragt (rot), was er nicht erlebt hat, sondern das wie dämonisch aus den vergangenen Seelenerlebnissen herauskommt. Und das wird immer stärker und stärker werden. Wenn die Menschen nicht lernen, auf so etwas aufmerksam zu sein, dann werden sie darüber den Verstand verlieren. Das ist die Gefahr der menschlichen Entwickelung in die Zukunft hinein. Und über so etwas darf man sich nicht Illusionen machen, denn das ist so. In den Erlebnissen, die der Mensch durchmacht, wird sich ein Neues zeigen, das nur mit diesem tätigen Verstande zu ergreifen ist. Das ist etwas außerordentlich Bedeutsames! Wie in dem Lebensalter des einzelnen Menschen Neues auftritt nach dem Zahnwechsel, nach der Geschlechtsreife und so weiter, so tritt in der ganzen Menschheit nach einem bestimmten Zeitalter eine solche Metamorphose ein, und die Metamorphose unseres Zeitalters kann man in dieser Weise charakterisieren, daß, wenn man sich zurückerinnert auf sein Leben manchmal — man kann es schon bei der Rückerinnerung, die man über einen Tag macht, bemerken -, man nicht nur sich erinnert an dasjenige, was man im grobklotzigen Sinne erlebt hat, sondern daß herausquellen aus diesen Erlebnissen dämonische Gestaltungen. So ist es ungefähr, wie wenn man sich sagen müßte: Ja, wir haben das und das erlebt; aber nachträglich träume ich jetzt aus diesen Erlebnissen heraus Tagträume, die nachher aus diesen Erlebnissen herauskommen.
[ 9 ] Es wird so kommen, daß die Menschen in der gewöhnlichen Erinnerung, in dem gewöhnlichen Gedächtnis etwas sehr Eigentümliches finden werden. Heute geht es gerade noch an, weil man etwas grobkörnig geworden ist und die Dinge nicht bemerkt, die eigentlich schon in der Seele des Menschen vorhanden sind. Heute geht es gerade noch an, daß, wenn man zurückdenkt in seinem eigenen Leben, daß dann aus diesem eigenen Leben, in das man zurückblickt, nur die Erinnerungen an die gewöhnlichen Erlebnisse kommen. Aber das ist nicht mehr rein so, das ist eigentlich nicht mehr ganz so, sondern es kommen immer wiederum und wiederum Menschen unter uns vor, die schon etwas anderes erleben, die, wenn sie zurückdenken, was sie vor zehn, zwanzig Jahren erlebt haben, so kommt ihnen nicht nur dasjenige herauf, was sie erlebt haben, sondern es kommt ihnen herauf etwas, was sie nicht erlebt haben, was aber aus dem Erlebten wie eine selbständige Wesenheit aufsteigt. Und die psychoanalytische Torheit, die prüft in den Seelen das Zurückliegende ohne eine Erkenntnis des Wesens der Gegenwart. Dasjenige, was die törichte Psychoanalyse nicht finden kann, das muß Geisteswissenschaft vor die Menschen hinstellen, daß in der Tat, wenn wir von irgendeinem Lebensalter —- sagen wir von unserem 45. Jahre — zurückschauen und alle die Wogen der Erlebnisse wie so eine Strömung erblicken (siehe Zeichnung), so sind darinnen nicht nur diese Erlebnisse, die wir durchlebt haben; das war gewissermaßen einmal so, und eine große Anzahl etwas «dickschleimiger» Menschen, die erleben auch heute noch nichts anderes. Derjenige, der sensitiv ist für solche Sachen, der erlebt, daß bei einer Rückschau auf das Leben nicht nur diese gewöhnlichen Erlebnisse vorhanden sind, sondern er erlebt etwas, was da herausragt (rot), was er nicht erlebt hat, sondern das wie dämonisch aus den vergangenen Seelenerlebnissen herauskommt. Und das wird immer stärker und stärker werden. Wenn die Menschen nicht lernen, auf so etwas aufmerksam zu sein, dann werden sie darüber den Verstand verlieren. Das ist die Gefahr der menschlichen Entwickelung in die Zukunft hinein. Und über so etwas darf man sich nicht Illusionen machen, denn das ist so. In den Erlebnissen, die der Mensch durchmacht, wird sich ein Neues zeigen, das nur mit diesem tätigen Verstande zu ergreifen ist. Das ist etwas außerordentlich Bedeutsames! Wie in dem Lebensalter des einzelnen Menschen Neues auftritt nach dem Zahnwechsel, nach der Geschlechtsreife und so weiter, so tritt in der ganzen Menschheit nach einem bestimmten Zeitalter eine solche Metamorphose ein, und die Metamorphose unseres Zeitalters kann man in dieser Weise charakterisieren, daß, wenn man sich zurückerinnert auf sein Leben manchmal — man kann es schon bei der Rückerinnerung, die man über einen Tag macht, bemerken -, man nicht nur sich erinnert an dasjenige, was man im grobklotzigen Sinne erlebt hat, sondern daß herausquellen aus diesen Erlebnissen dämonische Gestaltungen. So ist es ungefähr, wie wenn man sich sagen müßte: Ja, wir haben das und das erlebt; aber nachträglich träume ich jetzt aus diesen Erlebnissen heraus Tagträume, die nachher aus diesen Erlebnissen herauskommen.


[ 10 ] Das wird zum Normalen gehören, man muß auf das aufmerksam sein. Das aber wird von den Menschen fordern, daß der Mensch innerlich viel aktiver werde, daß er jenes Passive überwinde, das die gegen_ wärtige Menschheit hat und das den Menschen zur Verzweiflung treibt gegenüber den großen Anforderungen der Zeit. Dieses Passive muß von der Menschheit überwunden werden. Was heute an Schläfrigkeit in der Menschheit waltet, dieses Sich-nicht-aufraffen-Können, die Dinge ernst und würdig zu nehmen, das ist ja allerdings etwas Furchtbares. In unserer Zeit haben viele Menschen gar nicht die Fähigkeit, über irgend etwas entrüstet zu sein. Wer aber nicht entrüstet sein kann über das Schlechte, kann nicht über das Gute begeistert sein. Wenn aber dieser tätige Verstand Besitz ergreift von den Menschen, dann wird damit etwas anderes verbunden sein. Und man kann sagen: Heute fürchtet sich noch die Menschheit vor jener Erfahrung, die sie da machen wird. - Denn, sehen Sie, man wird den Verstand dadurch kennenlernen, daß er tätig sein wird, man wird die gepriesene Intellektualität kennenlernen, und es wird sich herausstellen, was sie eigentlich ist, diese Intellektualität, was es ist, dieses Entstehen von Bildern. Man begreift es nur, wenn man etwas ins Auge faßt, was ich hier auch schon öfters auseinandergesetzt habe: Wir können fühlen, wir können wollen, indem wir leben, aber wir könnten nicht, wenn wir nur lebten, auch denken. Das könnten wir nicht. Wir können denken nur aus dem Grunde, weil wir fortwährend das Todesprinzip in uns tragen. Das ist dieses große Geheimnis der Menschen, daß gewissermaßen von den Sinnen aus — wenn ich das Auge nehme als den Repräsentanten der Sinne (siehe Zeichnung) — fortwährend strömt durch dasjenige, was man als Nerv auffaßt, Zerstörendes in den Menschen hinein. Es ist, wie wenn der Mensch von den Sinnen aus durch die Nervenstränge mit einem sich zerbröckelnden Materiellen ausgefüllt würde. Wenn Sie sehen, wenn Sie hören, oder auch, wenn Sie nur Warmes fühlen, es ist wie ein von den Sinnen nach innen sich zerbröckelndes Materielles. Dieses sich zerbröckelnde Materielle, das muß erfaßt werden von demjenigen, was aus dem Inneren des Menschen ausströmt. Es muß gewissermaßen verbrannt werden. Wir müssen fortwährend, indem wir denken, gegen den in uns waltenden Tod kämpfen. Der Mensch weiß .heute eben nicht, weil er sich nur bewußt ist seines Denkens als Spiegelbilder, daß er im Grunde genommen nur lebt mit dem, was nicht Kopf ist, daß der Kopf eigentlich nur ein fortwährend absterbendes Organ ist. Wir wären fortwährend der Gefahr des Sterbens ausgesetzt, wenn nur das geschehen würde, was in unserem Kopfe ist. Dieses fortwährende Sterben wird nur verhindert dadurch, daß der Kopf mit dem anderen Organismus verbunden ist und die Vitalität des anderen Organismus das Sterben verhindert. Wenn der Mensch sich aneignen wird diesen tätigen Verstand — so wie sich angeeignet hat die Menschheit in der Griechen-, in der Römerzeit die tätige Phantasie, während die Imagination des alten atavistischen Hellsehens eine passive Phantasie war -, dann wird er in sich selber wahrnehmen das fortwährende Absterben eines Teiles seines Wesens. Das wird wichtig sein. Denn so, wie wir hineinwachsen müssen in einen Bewußtseinszustand, durch den wir das fortwährende Absterben eines Teiles unseres Wesens wahrnehmen, so hat eine alte Menschheit, die aber noch bis in die Griechenzeit hineinragte, wahrgenommen dasjenige, was im Vitalitätsprinzip des Menschen lebt, was im Willen lebt und in dem mit dem Willen zusammenhängenden Stoffwechsel lebt. Da lebt dasjenige, was das Absterbeprinzip bekämpft, was fortwährend des Menschen Absterbeprinzip lähmt.
[ 10 ] Das wird zum Normalen gehören, man muß auf das aufmerksam sein. Das aber wird von den Menschen fordern, daß der Mensch innerlich viel aktiver werde, daß er jenes Passive überwinde, das die gegen_ wärtige Menschheit hat und das den Menschen zur Verzweiflung treibt gegenüber den großen Anforderungen der Zeit. Dieses Passive muß von der Menschheit überwunden werden. Was heute an Schläfrigkeit in der Menschheit waltet, dieses Sich-nicht-aufraffen-Können, die Dinge ernst und würdig zu nehmen, das ist ja allerdings etwas Furchtbares. In unserer Zeit haben viele Menschen gar nicht die Fähigkeit, über irgend etwas entrüstet zu sein. Wer aber nicht entrüstet sein kann über das Schlechte, kann nicht über das Gute begeistert sein. Wenn aber dieser tätige Verstand Besitz ergreift von den Menschen, dann wird damit etwas anderes verbunden sein. Und man kann sagen: Heute fürchtet sich noch die Menschheit vor jener Erfahrung, die sie da machen wird. - Denn, sehen Sie, man wird den Verstand dadurch kennenlernen, daß er tätig sein wird, man wird die gepriesene Intellektualität kennenlernen, und es wird sich herausstellen, was sie eigentlich ist, diese Intellektualität, was es ist, dieses Entstehen von Bildern. Man begreift es nur, wenn man etwas ins Auge faßt, was ich hier auch schon öfters auseinandergesetzt habe: Wir können fühlen, wir können wollen, indem wir leben, aber wir könnten nicht, wenn wir nur lebten, auch denken. Das könnten wir nicht. Wir können denken nur aus dem Grunde, weil wir fortwährend das Todesprinzip in uns tragen. Das ist dieses große Geheimnis der Menschen, daß gewissermaßen von den Sinnen aus — wenn ich das Auge nehme als den Repräsentanten der Sinne (siehe Zeichnung) — fortwährend strömt durch dasjenige, was man als Nerv auffaßt, Zerstörendes in den Menschen hinein. Es ist, wie wenn der Mensch von den Sinnen aus durch die Nervenstränge mit einem sich zerbröckelnden Materiellen ausgefüllt würde. Wenn Sie sehen, wenn Sie hören, oder auch, wenn Sie nur Warmes fühlen, es ist wie ein von den Sinnen nach innen sich zerbröckelndes Materielles. Dieses sich zerbröckelnde Materielle, das muß erfaßt werden von demjenigen, was aus dem Inneren des Menschen ausströmt. Es muß gewissermaßen verbrannt werden. Wir müssen fortwährend, indem wir denken, gegen den in uns waltenden Tod kämpfen. Der Mensch weiß .heute eben nicht, weil er sich nur bewußt ist seines Denkens als Spiegelbilder, daß er im Grunde genommen nur lebt mit dem, was nicht Kopf ist, daß der Kopf eigentlich nur ein fortwährend absterbendes Organ ist. Wir wären fortwährend der Gefahr des Sterbens ausgesetzt, wenn nur das geschehen würde, was in unserem Kopfe ist. Dieses fortwährende Sterben wird nur verhindert dadurch, daß der Kopf mit dem anderen Organismus verbunden ist und die Vitalität des anderen Organismus das Sterben verhindert. Wenn der Mensch sich aneignen wird diesen tätigen Verstand — so wie sich angeeignet hat die Menschheit in der Griechen-, in der Römerzeit die tätige Phantasie, während die Imagination des alten atavistischen Hellsehens eine passive Phantasie war -, dann wird er in sich selber wahrnehmen das fortwährende Absterben eines Teiles seines Wesens. Das wird wichtig sein. Denn so, wie wir hineinwachsen müssen in einen Bewußtseinszustand, durch den wir das fortwährende Absterben eines Teiles unseres Wesens wahrnehmen, so hat eine alte Menschheit, die aber noch bis in die Griechenzeit hineinragte, wahrgenommen dasjenige, was im Vitalitätsprinzip des Menschen lebt, was im Willen lebt und in dem mit dem Willen zusammenhängenden Stoffwechsel lebt. Da lebt dasjenige, was das Absterbeprinzip bekämpft, was fortwährend des Menschen Absterbeprinzip lähmt.
[ 11 ] Man könnte sagen: In dieser Beziehung waren die Alten besser daran, als diejenigen sein werden, die da nachkommen in unserem Zeitalter. Die Alten haben wahrgenommen, indem sie ein instinktives Hellsehen gehabt haben, die Vitalität, das Leben. Mit dieser Vitalität, mit diesem Leben ist eben im Zusammenhange das Heilungsprinzip. Wir sterben zwar nicht dadurch, daß unser Kopf sterben will, aber wir tragen fortwährend Krankheitskeime in uns durch unseren Kopf dadurch, daß er das Organ unseres Denkens ist, und haben fortwährend nötig, den Tribut abzutragen an unser Denken, der darin besteht, daß wir dem krankmachenden Kopf entgegensetzen die Heilungskräfte des übrigen Organismus. Heute wird es noch wenig bemerkt, allein es werden auftreten Krankheitsformen — Sie wissen ja, daß sie sich ändern -, bei denen man den Ausgang aus dem menschlichen Haupte besser bemerken wird, als man das für viele Krankheiten der Gegenwart bemerkt. Dann wird man einsehen, daß im Grunde genommen der ganze gesunde Prozeß des Menschen, der in ihm verläuft, ein Heilungsvorgang ist gegen die Schädigung unseres Intellektlebens. Während die Alten also von ihrer Wissenschaft, von ihrer Erkenntnis sagen konnten, daß in ihr etwas Heilendes ist, wird man in der Zukunft sagen müssen: Das, was wir aus unserem Verstande machen, das, was aus dem wird, worauf wir heute so stolz sind, das wird uns in der Zukunft zeigen, daß, wenn es allein waltet, die Menschen nach und nach in die Dekadenz, in die völlige Dekadenz verfallen würden, daß dagegen geltend gemacht werden muß ein Wissen, das wiederum entgegenstellen kann heilende Kräfte. Ich habe das gestern von einem anderen Gesichtspunkte aus angedeutet, heute mehr aus der Konstitution des Menschen heraus. Wir müssen einsehen, daß wir Geisteswissenschaft brauchen als den Träger eines neuen Heilungsprozesses. Denn wenn jener in bloßen Bildern lebende Intellekt, auf den heute die Menschheit so stolz ist, sich in dieser Richtung nur weiter ausbildet, dann würde durch das Walten dieses Intellektes die ganze Menschheit einen Krankheitsprozeß durchmachen. Diesem Krankheitsprozeß muß entgegengearbeitet werden. Ich könnte mir zwar denken, daß es auch Menschen geben könnte, die nunmehr sagen: Also verhindern wir einmal das Gescheitwerden durch den Verstand, schaffen wir den Intellekt ab — es gibt ja auch solche Menschen, die dafür sorgen möchten, daß der Intellekt sich nicht entwickelt -, dann braucht man seine Schäden nicht zu heilen. - Aber mit diesem jesuitischen Prinzip kann der wahre Fortschritt der Menschen nichts gemein haben, sondern es handelt sich darum, daß schon einmal die Entwickelung der Menschen so sein müßte, daß dasjenige, was aus des Menschen Seelenkräften sich entwickelte, das Heilsame, daß das herauf sich entwickelte bis zum Intellekt; sonst wird es sich abwärts entwickeln und den Menschen in den Niedergang hineinbringen. Dagegen muß sich geltend machen dasjenige, was aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis kommt und was fortwährend entgegenwirken kann den Niedergangskräften, die gerade aus dem einseitigen Intellekte kommen.
[ 11 ] Man könnte sagen: In dieser Beziehung waren die Alten besser daran, als diejenigen sein werden, die da nachkommen in unserem Zeitalter. Die Alten haben wahrgenommen, indem sie ein instinktives Hellsehen gehabt haben, die Vitalität, das Leben. Mit dieser Vitalität, mit diesem Leben ist eben im Zusammenhange das Heilungsprinzip. Wir sterben zwar nicht dadurch, daß unser Kopf sterben will, aber wir tragen fortwährend Krankheitskeime in uns durch unseren Kopf dadurch, daß er das Organ unseres Denkens ist, und haben fortwährend nötig, den Tribut abzutragen an unser Denken, der darin besteht, daß wir dem krankmachenden Kopf entgegensetzen die Heilungskräfte des übrigen Organismus. Heute wird es noch wenig bemerkt, allein es werden auftreten Krankheitsformen — Sie wissen ja, daß sie sich ändern -, bei denen man den Ausgang aus dem menschlichen Haupte besser bemerken wird, als man das für viele Krankheiten der Gegenwart bemerkt. Dann wird man einsehen, daß im Grunde genommen der ganze gesunde Prozeß des Menschen, der in ihm verläuft, ein Heilungsvorgang ist gegen die Schädigung unseres Intellektlebens. Während die Alten also von ihrer Wissenschaft, von ihrer Erkenntnis sagen konnten, daß in ihr etwas Heilendes ist, wird man in der Zukunft sagen müssen: Das, was wir aus unserem Verstande machen, das, was aus dem wird, worauf wir heute so stolz sind, das wird uns in der Zukunft zeigen, daß, wenn es allein waltet, die Menschen nach und nach in die Dekadenz, in die völlige Dekadenz verfallen würden, daß dagegen geltend gemacht werden muß ein Wissen, das wiederum entgegenstellen kann heilende Kräfte. Ich habe das gestern von einem anderen Gesichtspunkte aus angedeutet, heute mehr aus der Konstitution des Menschen heraus. Wir müssen einsehen, daß wir Geisteswissenschaft brauchen als den Träger eines neuen Heilungsprozesses. Denn wenn jener in bloßen Bildern lebende Intellekt, auf den heute die Menschheit so stolz ist, sich in dieser Richtung nur weiter ausbildet, dann würde durch das Walten dieses Intellektes die ganze Menschheit einen Krankheitsprozeß durchmachen. Diesem Krankheitsprozeß muß entgegengearbeitet werden. Ich könnte mir zwar denken, daß es auch Menschen geben könnte, die nunmehr sagen: Also verhindern wir einmal das Gescheitwerden durch den Verstand, schaffen wir den Intellekt ab — es gibt ja auch solche Menschen, die dafür sorgen möchten, daß der Intellekt sich nicht entwickelt -, dann braucht man seine Schäden nicht zu heilen. - Aber mit diesem jesuitischen Prinzip kann der wahre Fortschritt der Menschen nichts gemein haben, sondern es handelt sich darum, daß schon einmal die Entwickelung der Menschen so sein müßte, daß dasjenige, was aus des Menschen Seelenkräften sich entwickelte, das Heilsame, daß das herauf sich entwickelte bis zum Intellekt; sonst wird es sich abwärts entwickeln und den Menschen in den Niedergang hineinbringen. Dagegen muß sich geltend machen dasjenige, was aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis kommt und was fortwährend entgegenwirken kann den Niedergangskräften, die gerade aus dem einseitigen Intellekte kommen.


[ 12 ] Hier ist es, wo ich Sie auf etwas aufmerksam machen muß, auf etwas ganz Bestimmtes. Sie werden ja wissen, daß in demselben 19. Jahrhundert, in dem all das sich abgespielt hat, wovon ich Ihnen heute erzähle, worauf ich Sie öfters aufmerksam gemacht habe, daß da der Verstandesmaterialismus groß geworden ist. Menschen sind aufgetreten — ich brauche nur zu erinnern an Moleschott, Vogt, Clifford und so weiter -, die etwa den Satz vertreten haben: Alles Denken besteht nur in einem Stoffwechsel des Gehirns. - Von einem Phosphoreszieren des Gehirns hat man gesprochen, indem man sagte: Ohne Phosphor im Gehirn, kein Denken. — Also das Denken ist nur etwas, was ein Nebenprozeß ist einer gewissen Gehirnverdauung. Man kann nicht sagen, daß die Menschen, die das aufgebracht haben, zu den dümmsten ihres Zeitalters gehört haben. Denn — man mag über diesen Satz der theoretischen Materialisten denken, wie man will — man kann ja auch etwas anderes tun, man kann den Maßstab der Kapazität anlegen an die Menschen dieses Zeitalters und kann fragen: Waren nun solche Leute, wie Moleschott oder Clifford oder ähnliche, gescheiter, oder diejenigen, die aus irgendwelchen alten Bekenntnisvorurteilen es damals bekämpft haben, es bekämpft haben ohne Geisteswissenschaft? War Haeckel gescheiter, oder waren seine Gegner gescheiter? — Diese Frage kann heute noch immer aufgeworfen werden. Und wenn man nicht sein Urteil einrichtet nach seiner Meinung, sondern nach der Beobachtung der geistigen Kapazität, so kann man natürlich nicht sagen, daß die Gegner von Haeckel gescheiter waren als Haeckel, oder die Gegner von Moleschott und Clifford gescheiter waren als Moleschott und Clifford. Die Materialisten waren sehr gescheite Menschen, und dasjenige, was sie ausgesagt haben, war ganz gewiß nicht ohne Bedeutung. Woher kommt es denn? Was steckt eigentlich dahinter? Darauf muß man kommen, sich die Frage zu beantworten, was da eigentlich dahintersteckt. Gewiß, es traten dann auch ganz wohlmeinende Gegner der Materialisten auf, so zum Beispiel Moriz Carriere, von dem ich Ihnen auch schon gesprochen habe. Er sagte: Wenn das alles, was der Mensch denkt und in der Seele erlebt, nur vom Gehirn ausgekocht wird, so ist ja alles dasjenige, was von der einen Seite vorgebracht wird, ebenso ausgekocht wie dasjenige, was von der anderen Seite vorgebracht wird. Also ist eigentlich kein Wahrheitsunterschied zwischen dem, was Moleschott und Clifford behaupten, und dem, was der Papst behauptet. — Es ist kein Unterschied, denn beides wird ausgekocht von dem menschlichen Gehirn. Man kann nicht unterscheiden zwischen wahr und falsch. Dennoch kämpfen die Materialisten für die Wahrheit, die sie allerdings in ihrem Sinne auslegen. Aber sie haben kein Recht, für die Wahrheit zu kämpfen; doch sie sind scharfsinnig, sie haben eine gewisse geistige Kapazität. Was liegt denn da eigentlich vor?
[ 12 ] Hier ist es, wo ich Sie auf etwas aufmerksam machen muß, auf etwas ganz Bestimmtes. Sie werden ja wissen, daß in demselben 19. Jahrhundert, in dem all das sich abgespielt hat, wovon ich Ihnen heute erzähle, worauf ich Sie öfters aufmerksam gemacht habe, daß da der Verstandesmaterialismus groß geworden ist. Menschen sind aufgetreten — ich brauche nur zu erinnern an Moleschott, Vogt, Clifford und so weiter -, die etwa den Satz vertreten haben: Alles Denken besteht nur in einem Stoffwechsel des Gehirns. - Von einem Phosphoreszieren des Gehirns hat man gesprochen, indem man sagte: Ohne Phosphor im Gehirn, kein Denken. — Also das Denken ist nur etwas, was ein Nebenprozeß ist einer gewissen Gehirnverdauung. Man kann nicht sagen, daß die Menschen, die das aufgebracht haben, zu den dümmsten ihres Zeitalters gehört haben. Denn — man mag über diesen Satz der theoretischen Materialisten denken, wie man will — man kann ja auch etwas anderes tun, man kann den Maßstab der Kapazität anlegen an die Menschen dieses Zeitalters und kann fragen: Waren nun solche Leute, wie Moleschott oder Clifford oder ähnliche, gescheiter, oder diejenigen, die aus irgendwelchen alten Bekenntnisvorurteilen es damals bekämpft haben, es bekämpft haben ohne Geisteswissenschaft? War Haeckel gescheiter, oder waren seine Gegner gescheiter? — Diese Frage kann heute noch immer aufgeworfen werden. Und wenn man nicht sein Urteil einrichtet nach seiner Meinung, sondern nach der Beobachtung der geistigen Kapazität, so kann man natürlich nicht sagen, daß die Gegner von Haeckel gescheiter waren als Haeckel, oder die Gegner von Moleschott und Clifford gescheiter waren als Moleschott und Clifford. Die Materialisten waren sehr gescheite Menschen, und dasjenige, was sie ausgesagt haben, war ganz gewiß nicht ohne Bedeutung. Woher kommt es denn? Was steckt eigentlich dahinter? Darauf muß man kommen, sich die Frage zu beantworten, was da eigentlich dahintersteckt. Gewiß, es traten dann auch ganz wohlmeinende Gegner der Materialisten auf, so zum Beispiel Moriz Carriere, von dem ich Ihnen auch schon gesprochen habe. Er sagte: Wenn das alles, was der Mensch denkt und in der Seele erlebt, nur vom Gehirn ausgekocht wird, so ist ja alles dasjenige, was von der einen Seite vorgebracht wird, ebenso ausgekocht wie dasjenige, was von der anderen Seite vorgebracht wird. Also ist eigentlich kein Wahrheitsunterschied zwischen dem, was Moleschott und Clifford behaupten, und dem, was der Papst behauptet. — Es ist kein Unterschied, denn beides wird ausgekocht von dem menschlichen Gehirn. Man kann nicht unterscheiden zwischen wahr und falsch. Dennoch kämpfen die Materialisten für die Wahrheit, die sie allerdings in ihrem Sinne auslegen. Aber sie haben kein Recht, für die Wahrheit zu kämpfen; doch sie sind scharfsinnig, sie haben eine gewisse geistige Kapazität. Was liegt denn da eigentlich vor?
[ 13 ] Da liegt das vor, daß diese Materialisten auftreten mußten in einem Zeitalter, in dem das Denken nur in Bildern abgefaßt, in Bildern lebt, und Bilder sind nicht da, ohne daß ein Spiegelapparat abläuft, und der Spiegelapparat ist das Gehirn. Für das gewöhnliche Denken, für das Denken, das im 19. Jahrhundert groß geworden ist, haben nämlich die Materialisten recht. Das ist die Tatsache. Nicht recht hätte der Materialismus nur dann, wenn er behaupten würde, alles Denken, das über den Intellekt hinausgeht, das sei auch bloß Bild, es sei abhängig von der Leiblichkeit; denn das ist nicht der Fall. Dieses, was über den Intellekt hinausgeht, kann nur durch eine menschliche Entwickelung erreicht werden, nur dadurch, daß man sich unabhängig macht von der Leiblichkeit. Aber dasjenige Denken, das sich gerade im 19. Jahrhundert geltend gemacht hat, das muß materialistisch gedeutet werden. Das ist ganz abhängig, wenn es auch eben Bilder sind, von dem Werkzeug des menschlichen Gehirnes, und das Merkwürdige ist, daß man mit dem Materialismus gerade am meisten Recht hat gegenüber dem Geistesleben dieses 19. Jahrhunderts. Dieses Geistesleben des 19. Jahrhunderts ist tatsächlich an die leibliche Materie gebunden. Aber gerade über dieses Geistesleben muß hinausgekommen werden. Über dieses Geistesleben muß der Mensch sich erheben. Er muß wiederum hineingießen lernen in die Bilder geistige Substanz. Das kann man nicht nur dadurch, daß man hellseherisch wird, denn das brauchen — das muß ich immer wieder sagen - nicht alle zu werden; sondern geistige Substanz läßt man schon in sein Denken einfließen, wenn man nur dasjenige, was geistig erforscht ist, nachdenkt; nicht urteilslos! Man kann es beurteilen, wenn es einmal da ist; der gesunde Menschenverstand reicht völlig aus, um zu begreifen, was von der Geisteswissenschaft erforscht ist. Wenn man das leugnet, so nimmt man nur keine Rücksicht auf den gesunden Menschenverstand; wenn man das leugnet, so denkt man: Der gesunde Menschenverstand, der ist dasjenige, was nun seit langer Zeit schon in der zivilisierten Menschheit großgezogen wird. — Ja, diese zivilisierte Menschheit, die entwickelt ja «sehr sichere» Urteile! Und wenn dann diese Urteile durch die Tatsachen widerlegt werden, dann merkt sie das gar nicht, will es nicht merken. Solche Dinge, die symptomatisch weithin sprechen, die werden im rechten Augenblicke vergessen.
[ 13 ] Da liegt das vor, daß diese Materialisten auftreten mußten in einem Zeitalter, in dem das Denken nur in Bildern abgefaßt, in Bildern lebt, und Bilder sind nicht da, ohne daß ein Spiegelapparat abläuft, und der Spiegelapparat ist das Gehirn. Für das gewöhnliche Denken, für das Denken, das im 19. Jahrhundert groß geworden ist, haben nämlich die Materialisten recht. Das ist die Tatsache. Nicht recht hätte der Materialismus nur dann, wenn er behaupten würde, alles Denken, das über den Intellekt hinausgeht, das sei auch bloß Bild, es sei abhängig von der Leiblichkeit; denn das ist nicht der Fall. Dieses, was über den Intellekt hinausgeht, kann nur durch eine menschliche Entwickelung erreicht werden, nur dadurch, daß man sich unabhängig macht von der Leiblichkeit. Aber dasjenige Denken, das sich gerade im 19. Jahrhundert geltend gemacht hat, das muß materialistisch gedeutet werden. Das ist ganz abhängig, wenn es auch eben Bilder sind, von dem Werkzeug des menschlichen Gehirnes, und das Merkwürdige ist, daß man mit dem Materialismus gerade am meisten Recht hat gegenüber dem Geistesleben dieses 19. Jahrhunderts. Dieses Geistesleben des 19. Jahrhunderts ist tatsächlich an die leibliche Materie gebunden. Aber gerade über dieses Geistesleben muß hinausgekommen werden. Über dieses Geistesleben muß der Mensch sich erheben. Er muß wiederum hineingießen lernen in die Bilder geistige Substanz. Das kann man nicht nur dadurch, daß man hellseherisch wird, denn das brauchen — das muß ich immer wieder sagen - nicht alle zu werden; sondern geistige Substanz läßt man schon in sein Denken einfließen, wenn man nur dasjenige, was geistig erforscht ist, nachdenkt; nicht urteilslos! Man kann es beurteilen, wenn es einmal da ist; der gesunde Menschenverstand reicht völlig aus, um zu begreifen, was von der Geisteswissenschaft erforscht ist. Wenn man das leugnet, so nimmt man nur keine Rücksicht auf den gesunden Menschenverstand; wenn man das leugnet, so denkt man: Der gesunde Menschenverstand, der ist dasjenige, was nun seit langer Zeit schon in der zivilisierten Menschheit großgezogen wird. — Ja, diese zivilisierte Menschheit, die entwickelt ja «sehr sichere» Urteile! Und wenn dann diese Urteile durch die Tatsachen widerlegt werden, dann merkt sie das gar nicht, will es nicht merken. Solche Dinge, die symptomatisch weithin sprechen, die werden im rechten Augenblicke vergessen.
[ 14 ] Ich will Ihnen nur ein kleines niedliches Beispielchen sagen: Es war 1866, da sagte man, dasjenige, was dazumal geschehen war — der Sieg Preußens über Österreich -, der sei ein Beweis für die Vorzüglichkeit der preußischen Schulen, und das Sprichwort kam auf: 1866 hat der preußische Schulmeister gesiegt. -— Das hat man immer wieder und wiederum wiederholt. Und es würde interessant sein, zusammenzuziehen, wie oft von 1870 ab bis 1914 von allen möglichen berufenen, aber namentlich unberufenen Leuten der Satz wiederholt worden ist: Die preußischen Siege hat der preußische Schulmeister errungen. — Ich glaube, man wird jetzt nicht irgendwie ein ähnlich geartetes Sprichwort an die Stelle setzen, und die Wahrheit des anderen will sich jetzt nicht mehr so recht behaupten lassen gegenüber den Ereignissen, die nunmehr eingetreten sind. Aber im Zeitalter des Intellektes, wo man ganz gescheit ist, da merkt man nicht gerne die Widersprüche, die sich im Leben zeigen. Die Tatsachen spielen ja in ein intellektuelles Leben wenig herein; aber diese Tatsachen, sie werden mässen hereinspielen, wenn das rein Intellektuelle wiederum durchtränkt wird mit geistigem Inhalt. Dann aber wird sich eben zeigen, wie in die Menschheit hereinkommt gerade ein Ablähmungs-, ein Dekadenzprozeß und wie der durch eine neue geistige Erkenntnis überwunden werden muß. Man kann sagen: Die Alten haben gespürt, empfunden in ihrer Erkenntnis, die aus dem physischen Leibe aufkochte, das Heilende. In Zukunft wird die Menschheit sich gewöhnen müssen, in der Ausbildung des Intellektes das Kränkende, das Krankmachende zu erkennen, um die Notwendigkeit zu empfinden, aus dem Geiste herauszuholen das Heilende. Wieder muß werden die Wissenschaft ein Quell des Heilens. Aber aus einer entgegengesetzten Ecke wird die Nötigung kommen, aus der Ecke, die zeigt, daß das äußere Leben, gerade wenn es in der Erkenntnis vorschreitet, ein die Menschheit krankmachendes ist, dem eben das Heilprinzip entgegengestellt werden muß.
[ 14 ] Ich will Ihnen nur ein kleines niedliches Beispielchen sagen: Es war 1866, da sagte man, dasjenige, was dazumal geschehen war — der Sieg Preußens über Österreich -, der sei ein Beweis für die Vorzüglichkeit der preußischen Schulen, und das Sprichwort kam auf: 1866 hat der preußische Schulmeister gesiegt. -— Das hat man immer wieder und wiederum wiederholt. Und es würde interessant sein, zusammenzuziehen, wie oft von 1870 ab bis 1914 von allen möglichen berufenen, aber namentlich unberufenen Leuten der Satz wiederholt worden ist: Die preußischen Siege hat der preußische Schulmeister errungen. — Ich glaube, man wird jetzt nicht irgendwie ein ähnlich geartetes Sprichwort an die Stelle setzen, und die Wahrheit des anderen will sich jetzt nicht mehr so recht behaupten lassen gegenüber den Ereignissen, die nunmehr eingetreten sind. Aber im Zeitalter des Intellektes, wo man ganz gescheit ist, da merkt man nicht gerne die Widersprüche, die sich im Leben zeigen. Die Tatsachen spielen ja in ein intellektuelles Leben wenig herein; aber diese Tatsachen, sie werden mässen hereinspielen, wenn das rein Intellektuelle wiederum durchtränkt wird mit geistigem Inhalt. Dann aber wird sich eben zeigen, wie in die Menschheit hereinkommt gerade ein Ablähmungs-, ein Dekadenzprozeß und wie der durch eine neue geistige Erkenntnis überwunden werden muß. Man kann sagen: Die Alten haben gespürt, empfunden in ihrer Erkenntnis, die aus dem physischen Leibe aufkochte, das Heilende. In Zukunft wird die Menschheit sich gewöhnen müssen, in der Ausbildung des Intellektes das Kränkende, das Krankmachende zu erkennen, um die Notwendigkeit zu empfinden, aus dem Geiste herauszuholen das Heilende. Wieder muß werden die Wissenschaft ein Quell des Heilens. Aber aus einer entgegengesetzten Ecke wird die Nötigung kommen, aus der Ecke, die zeigt, daß das äußere Leben, gerade wenn es in der Erkenntnis vorschreitet, ein die Menschheit krankmachendes ist, dem eben das Heilprinzip entgegengestellt werden muß.
[ 15 ] Mit solchen Dingen greifen wir ein in den Entwickelungsgang der Menschheit, insoweit er eine Wirklichkeit ist. Die heutige Geschichte schildert ja nicht die Wirklichkeit der menschlichen Entwickelung, sondern wertlose Abstraktionen. Das ist dasjenige, was dem heutigen Menschen so mangelt, der Wirklichkeitssinn. Ihn hat der heutige Mensch wenig. In Mitteleuropa ist man groß geworden im Laufe des 19. Jahrhunderts in der Darstellung desjenigen, was als Geistiges schon da war. Eine der wunderbarsten Darstellungen dessen, was schon da war, finden wir bei Herman Grimm. Herman Grimm hat gerade seine Höhe erreicht, wenn er über Goethes «Tasso», über Goethes «Iphigenie» geschrieben hat. Er konnte aber nicht Goethe selbst schildern. Es gibt ja auch eine Goethe-Biographie von ihm, aber da steht Goethe da wie ein Schatten. Die geistige Kraft war nicht da im 19. Jahrhundert. Man lebte in Bildern, und Bilder können die Wirklichkeit nicht bezwingen. In der Zukunft muß diese Wirklichkeit bezwungen werden. Wir müssen nicht nur begreifen menschliche Schöpfungen, wir müssen begreifen den Menschen selbst vor allen Dingen und durch den Menschen dann wiederum in einem umfassenderen Sinne die Natur mehr, als wir sie begreifen bisher. Solche Dinge, glaube ich, könnten mit dem nötigen Ernst anschlagen an das menschliche Gemüt. Es wird wahrscheinlich noch manche Zeit verfließen, bevor eine genügende Anzahl von Menschen sich findet, die sich durchdringen lassen von dem Feuer, das schon ausgehen kann von einer solchen Erkenntnis, die ja zeigt: Die Menschheit muß krank werden, wenn sie nicht will sich durchgeistigen! — Aber wenigstens diejenigen, die etwas nähergetreten sind dem anthroposophischen Erkennen, die sollten sich durchdringen lassen von dieser Erkenntnis.
[ 15 ] Mit solchen Dingen greifen wir ein in den Entwickelungsgang der Menschheit, insoweit er eine Wirklichkeit ist. Die heutige Geschichte schildert ja nicht die Wirklichkeit der menschlichen Entwickelung, sondern wertlose Abstraktionen. Das ist dasjenige, was dem heutigen Menschen so mangelt, der Wirklichkeitssinn. Ihn hat der heutige Mensch wenig. In Mitteleuropa ist man groß geworden im Laufe des 19. Jahrhunderts in der Darstellung desjenigen, was als Geistiges schon da war. Eine der wunderbarsten Darstellungen dessen, was schon da war, finden wir bei Herman Grimm. Herman Grimm hat gerade seine Höhe erreicht, wenn er über Goethes «Tasso», über Goethes «Iphigenie» geschrieben hat. Er konnte aber nicht Goethe selbst schildern. Es gibt ja auch eine Goethe-Biographie von ihm, aber da steht Goethe da wie ein Schatten. Die geistige Kraft war nicht da im 19. Jahrhundert. Man lebte in Bildern, und Bilder können die Wirklichkeit nicht bezwingen. In der Zukunft muß diese Wirklichkeit bezwungen werden. Wir müssen nicht nur begreifen menschliche Schöpfungen, wir müssen begreifen den Menschen selbst vor allen Dingen und durch den Menschen dann wiederum in einem umfassenderen Sinne die Natur mehr, als wir sie begreifen bisher. Solche Dinge, glaube ich, könnten mit dem nötigen Ernst anschlagen an das menschliche Gemüt. Es wird wahrscheinlich noch manche Zeit verfließen, bevor eine genügende Anzahl von Menschen sich findet, die sich durchdringen lassen von dem Feuer, das schon ausgehen kann von einer solchen Erkenntnis, die ja zeigt: Die Menschheit muß krank werden, wenn sie nicht will sich durchgeistigen! — Aber wenigstens diejenigen, die etwas nähergetreten sind dem anthroposophischen Erkennen, die sollten sich durchdringen lassen von dieser Erkenntnis.
[ 16 ] Eines wird Platz greifen müssen; vielfach sind diejenigen, die Anthroposophen geworden sind, gekommen an diese anthroposophische Bewegung aus, ich möchte sagen, feineren egoistischen Tendenzen heraus: sie wollten etwas haben für ihr seelisches Wohlbefinden, sie wollten befriedigt sein, etwas erfahren über die geistige Welt nach irgendeiner Richtung hin. Damit wird es nicht getan sein. Dasjenige, um was es sich handelt, ist nicht, daß wir uns persönlich auf ein Ruhekissen legen können, weil wir befriedigt sind über unseren Anteil an der geistigen Welt. Dasjenige, was die Menschheit braucht, ist ein tätiges Eingreifen vom Geiste aus in die materielle Welt, ein Bezwingen der materiellen Welt vom Geiste aus. Und ehe man das nicht durchschaut und sich dann weiter von diesem Durchschauen in seinem Wollen führen läßt, eher kann aus der Not, die jetzt über die Menschheit gekommen ist, nicht hinausgelangt werden.
[ 16 ] Eines wird Platz greifen müssen; vielfach sind diejenigen, die Anthroposophen geworden sind, gekommen an diese anthroposophische Bewegung aus, ich möchte sagen, feineren egoistischen Tendenzen heraus: sie wollten etwas haben für ihr seelisches Wohlbefinden, sie wollten befriedigt sein, etwas erfahren über die geistige Welt nach irgendeiner Richtung hin. Damit wird es nicht getan sein. Dasjenige, um was es sich handelt, ist nicht, daß wir uns persönlich auf ein Ruhekissen legen können, weil wir befriedigt sind über unseren Anteil an der geistigen Welt. Dasjenige, was die Menschheit braucht, ist ein tätiges Eingreifen vom Geiste aus in die materielle Welt, ein Bezwingen der materiellen Welt vom Geiste aus. Und ehe man das nicht durchschaut und sich dann weiter von diesem Durchschauen in seinem Wollen führen läßt, eher kann aus der Not, die jetzt über die Menschheit gekommen ist, nicht hinausgelangt werden.
[ 17 ] Man möchte so gerne, daß wenigstens in den Kreisen der Anthroposophen eine solche Einsicht und auch ein solcher Wille Platz greift. Gewiß, man kann sagen: Was können wir paar Leute tun gegen die Verblendung der ganzen Welt! — Das ist nicht richtig. Ein solcher Ausspruch ist ganz und gar nicht richtig. Denn indem man dieses sagt, denkt man gar nicht daran, daß es sich eben darum handelt, diesen Willen erst fähig zu machen und dann abzuwarten, was kommt. Tue ein jeder an seiner Stelle dasjenige, was er kann, und er mag abwarten, was die anderen tun; aber tue er es auch wirklich, tue er es vor allen Dingen so, daß eine möglichst große Anzahl von Menschen in der Welt zusammenleben, die zunächst durchdrungen sind von der Notwendigkeit einer geistigen Erneuerung, dann wird etwas anderes schon nachkommen. Heute sind viele Kräfte am Werke, diese geistige Erneuerung zu verhindern. Nur wenn wir wachsam sind, wenn wir feststehen auf dem Boden, auf den Geisteswissenschaft uns stellt, können wir vorwärtskommen und dasjenige wollen, was schon einmal heute notwendig ist für das Vorwärtskommen der Menschheit.
[ 17 ] Man möchte so gerne, daß wenigstens in den Kreisen der Anthroposophen eine solche Einsicht und auch ein solcher Wille Platz greift. Gewiß, man kann sagen: Was können wir paar Leute tun gegen die Verblendung der ganzen Welt! — Das ist nicht richtig. Ein solcher Ausspruch ist ganz und gar nicht richtig. Denn indem man dieses sagt, denkt man gar nicht daran, daß es sich eben darum handelt, diesen Willen erst fähig zu machen und dann abzuwarten, was kommt. Tue ein jeder an seiner Stelle dasjenige, was er kann, und er mag abwarten, was die anderen tun; aber tue er es auch wirklich, tue er es vor allen Dingen so, daß eine möglichst große Anzahl von Menschen in der Welt zusammenleben, die zunächst durchdrungen sind von der Notwendigkeit einer geistigen Erneuerung, dann wird etwas anderes schon nachkommen. Heute sind viele Kräfte am Werke, diese geistige Erneuerung zu verhindern. Nur wenn wir wachsam sind, wenn wir feststehen auf dem Boden, auf den Geisteswissenschaft uns stellt, können wir vorwärtskommen und dasjenige wollen, was schon einmal heute notwendig ist für das Vorwärtskommen der Menschheit.
