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Healing Factors for the Social Organism
GA 198

4 July 1920, Dornach

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Heilfaktoren für den sozialen Organismus
  1. Healing Factors for the Social Organism, tr. SOL

Elfter Vortrag

Elfter Vortrag

[ 1 ] Es mußte gestern leider die angestellte Betrachtung in nicht sehr gutklingenden Tönen endigen, aber es muß schon von Zeit zu Zeit auf solche Dinge in unseren Reihen hingewiesen werden. Eigentlich fügte sich aber dasjenige, was ich wider Willen gestern am Schlusse sagen mußte, doch in die Reihe unserer Betrachtungen ein, denn diese Betrachtungen gehen alle im Grunde genommen darauf hinaus, zu zeigen, wie notwendig ein geisteswissenschaftlicher Einschlag für unsere Kultur ist. Vorgestern versuchte ich Ihnen zu zeigen, welche Hintergründe vorhanden sind für so etwas wie die Oswald Spenglersche Betrachtung über den Niedergang der abendländischen Kultur. Gestern versuchte ich Ihnen zu zeigen, wie die Schatten älterer Kulturen in unsere Zeit hereinreichen, wie diese Schatten älterer Kulturen aus einem bei ihnen ja begreiflichen Streben sich gegen alles wenden, was gerade von seiten der hier gemeinten Geisteswissenschaft kommen muß. Ich möchte nun heute einiges Prinzipielle in unsere Betrachtungen einreihen, damit wir gewissermaßen die Kulturentwickelung der Gegenwart im Laufe der nächsten Vorträge noch genauer, eingehender verfolgen können.

[ 1 ] Es mußte gestern leider die angestellte Betrachtung in nicht sehr gutklingenden Tönen endigen, aber es muß schon von Zeit zu Zeit auf solche Dinge in unseren Reihen hingewiesen werden. Eigentlich fügte sich aber dasjenige, was ich wider Willen gestern am Schlusse sagen mußte, doch in die Reihe unserer Betrachtungen ein, denn diese Betrachtungen gehen alle im Grunde genommen darauf hinaus, zu zeigen, wie notwendig ein geisteswissenschaftlicher Einschlag für unsere Kultur ist. Vorgestern versuchte ich Ihnen zu zeigen, welche Hintergründe vorhanden sind für so etwas wie die Oswald Spenglersche Betrachtung über den Niedergang der abendländischen Kultur. Gestern versuchte ich Ihnen zu zeigen, wie die Schatten älterer Kulturen in unsere Zeit hereinreichen, wie diese Schatten älterer Kulturen aus einem bei ihnen ja begreiflichen Streben sich gegen alles wenden, was gerade von seiten der hier gemeinten Geisteswissenschaft kommen muß. Ich möchte nun heute einiges Prinzipielle in unsere Betrachtungen einreihen, damit wir gewissermaßen die Kulturentwickelung der Gegenwart im Laufe der nächsten Vorträge noch genauer, eingehender verfolgen können.

[ 2 ] Ich habe öfters betont, wie die eigentliche Wirkung geisteswissenschaftlicher Vertiefung nicht etwa bloß darinnen liegen soll, daß gewisse durch die Geisteswissenschaft konstatierte Wahrheiten von unserer Seele aufgenommen werden, von dieser unserer Seele als Inhalt bewahrt werden, als Inhalt über allerlei Lebenszusammenhänge, an denen wir als Menschen interessiert sind. Das aber ist es für unsere Zeit nicht allein, was dem Menschen werden soll als Wirkung von seiten der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist. Was dem Gegenwartsmenschen vor allen Dingen aus dieser Geisteswissenschaft kommen soll, das ist, daß seine ganze Art des Vorstellens, die Konfiguration des Denkens, Empfindens und Wollens durch diese geisteswissenschaftliche Vertiefung jene Umformung erfährt, die eben verlangt wird von den Bedürfnissen der Gegenwart, damit wir nicht nur in den Niedergang der abendländischen Zivilisation hineingehen, sondern damit wir aus diesem Niedergang heraustragen können Keime zu einem Aufstieg. Ich habe es ja öfters erwähnt, daß jene Gebundenheit des Denkens, des Empfindens an den physischen menschlichen Organismus, wie der Materialismus sie sich vorstellt, durchaus keine Schimäre ist. Ich habe es öfters betont, daß der Materialismus nicht bloß eine falsche Weltanschauung ist, sondern daß der Materialismus im eigentlichen Sinne des Wortes eine Zeitanschauung ist, vielleicht noch besser gesagt: eine Zeiterscheinung. Es ist einmal so, daß man nicht bloß sagen kann, es sei unwahr, daß das menschliche Denken, das menschliche Empfinden, überhaupt das seelische Wollen an den physischen Organismus gebunden sei, und daß man eine andere Anschauung anstelle dieser Anschauung setzen müsse. Das erschöpft nicht die volle Wahrheit auf diesem Gebiete; sondern die Sache ist vielmehr so, daß in der Tat durch das, was heraufgezogen ist in der Zivilisation des Abendlandes in den letzten drei bis vier Jahrhunderten, das Seelisch-Geistige des Menschen, das Denken, das Empfinden, das Wollen in der Tat in eine enge Abhängigkeit gekommen sind von dem physischen Organismus, und daß in einer gewissen Beziehung heute der Mensch eine richtige Anschauung wiedergibt, wenn er sagt: Es besteht diese Abhängigkeit. — Denn die Aufgabe ist nicht heute, eine theoretische Anschauung zu überwinden, die Aufgabe ist heute, die Tatsache, daß die menschliche Seele in Abhängigkeit gekommen ist vom Leibe, zu überwinden. Die Aufgabe ist heute nicht, zu widerlegen den Materialismus, sondern die Aufgabe ist, heute jene Arbeit, jene geistig-seelische Arbeit zu verrichten, welche die Seele des Menschen wiederum loslöst aus den Banden des Materiellen.

[ 2 ] Ich habe öfters betont, wie die eigentliche Wirkung geisteswissenschaftlicher Vertiefung nicht etwa bloß darinnen liegen soll, daß gewisse durch die Geisteswissenschaft konstatierte Wahrheiten von unserer Seele aufgenommen werden, von dieser unserer Seele als Inhalt bewahrt werden, als Inhalt über allerlei Lebenszusammenhänge, an denen wir als Menschen interessiert sind. Das aber ist es für unsere Zeit nicht allein, was dem Menschen werden soll als Wirkung von seiten der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist. Was dem Gegenwartsmenschen vor allen Dingen aus dieser Geisteswissenschaft kommen soll, das ist, daß seine ganze Art des Vorstellens, die Konfiguration des Denkens, Empfindens und Wollens durch diese geisteswissenschaftliche Vertiefung jene Umformung erfährt, die eben verlangt wird von den Bedürfnissen der Gegenwart, damit wir nicht nur in den Niedergang der abendländischen Zivilisation hineingehen, sondern damit wir aus diesem Niedergang heraustragen können Keime zu einem Aufstieg. Ich habe es ja öfters erwähnt, daß jene Gebundenheit des Denkens, des Empfindens an den physischen menschlichen Organismus, wie der Materialismus sie sich vorstellt, durchaus keine Schimäre ist. Ich habe es öfters betont, daß der Materialismus nicht bloß eine falsche Weltanschauung ist, sondern daß der Materialismus im eigentlichen Sinne des Wortes eine Zeitanschauung ist, vielleicht noch besser gesagt: eine Zeiterscheinung. Es ist einmal so, daß man nicht bloß sagen kann, es sei unwahr, daß das menschliche Denken, das menschliche Empfinden, überhaupt das seelische Wollen an den physischen Organismus gebunden sei, und daß man eine andere Anschauung anstelle dieser Anschauung setzen müsse. Das erschöpft nicht die volle Wahrheit auf diesem Gebiete; sondern die Sache ist vielmehr so, daß in der Tat durch das, was heraufgezogen ist in der Zivilisation des Abendlandes in den letzten drei bis vier Jahrhunderten, das Seelisch-Geistige des Menschen, das Denken, das Empfinden, das Wollen in der Tat in eine enge Abhängigkeit gekommen sind von dem physischen Organismus, und daß in einer gewissen Beziehung heute der Mensch eine richtige Anschauung wiedergibt, wenn er sagt: Es besteht diese Abhängigkeit. — Denn die Aufgabe ist nicht heute, eine theoretische Anschauung zu überwinden, die Aufgabe ist heute, die Tatsache, daß die menschliche Seele in Abhängigkeit gekommen ist vom Leibe, zu überwinden. Die Aufgabe ist heute nicht, zu widerlegen den Materialismus, sondern die Aufgabe ist, heute jene Arbeit, jene geistig-seelische Arbeit zu verrichten, welche die Seele des Menschen wiederum loslöst aus den Banden des Materiellen.

[ 3 ] Daß man auf einem solchen Gebiet klar sehen könne, daß einem solche Dinge, wie ich sie jetzt eben ausgesprochen habe, nicht bloß als Widersprüche, als paradoxe Behauptungen erscheinen, dafür kann man eigentlich eine hinlängliche Anschauung nur aus der Geisteswissenschaft selbst gewinnen. Ich werde heute ein besonderes Kapitel aus dem Leben der neueren Zeit, der Gegenwart, herauszugreifen haben, um Ihnen zu zeigen, wie dasjenige, was nicht bloß Anschauung, sondern was Tatsache ist — die Abhängigkeit des Geistig-Seelischen vom Leiblichen —, wie das ins soziale Leben hineinwirkt. Daraus werden Sie dann ersehen können, daß schon mehr in unserer Zeit zu überwinden ist als eine bloße theoretische Anschauung.

[ 3 ] Daß man auf einem solchen Gebiet klar sehen könne, daß einem solche Dinge, wie ich sie jetzt eben ausgesprochen habe, nicht bloß als Widersprüche, als paradoxe Behauptungen erscheinen, dafür kann man eigentlich eine hinlängliche Anschauung nur aus der Geisteswissenschaft selbst gewinnen. Ich werde heute ein besonderes Kapitel aus dem Leben der neueren Zeit, der Gegenwart, herauszugreifen haben, um Ihnen zu zeigen, wie dasjenige, was nicht bloß Anschauung, sondern was Tatsache ist — die Abhängigkeit des Geistig-Seelischen vom Leiblichen —, wie das ins soziale Leben hineinwirkt. Daraus werden Sie dann ersehen können, daß schon mehr in unserer Zeit zu überwinden ist als eine bloße theoretische Anschauung.

[ 4 ] Vielleicht mache ich mich etwas verständlicher über dasjenige, was ich eben ausgesprochen habe, wenn ich erinnere an etwas, was ich auch schon hier erwähnt habe, was aber das heute zu Sagende in einem gewissen Sinne illustrieren kann. Ich habe Ihnen erzählt, wie ich als Lehrer der Arbeiterbildungsschule in Berlin durch die Intrigen der Führer der Sozialdemokratie herausgeworfen worden bin, weil das, was ich dazumal auf den verschiedensten Gebieten zu lehren hatte, nicht echter Marxismus und vor allen Dingen auf dem Gebiete der Geschichte nicht materialistische Geschichtsanschauung sei. Ich hatte nicht etwa die Anschauung vertreten, daß die materialistische Geschichtsauffassung absolut falsch sei, aber eben gerade die Art und Weise, wie ich mich zur materialistischen Geschichtsauffassung stellen mußte, zu jener Auffassung, daß alles ethische, alles wissenschaftliche, alles religöse, alles rechtliche Leben nur gewissermaßen ein Oberbau, eine Art Rauch sei gegenüber demjenigen, was die einzige Wirklichkeit sei im materiellen wirtschaftlichen Prozesse, gerade die Art und Weise, wie ich mich zu dieser Geschichtsauffassung stellen mußte, das konnte nicht verstanden werden. Es konnte nicht verstanden werden selbstverständlich von denjenigen, die gar nicht herangegangen waren an ein innerliches Durchdringen der Sache. Die Arbeiter, die meinen Vorträgen zugehört haben, die haben die Sache schon nach und nach verstanden; aber es sind eben gerade durch dieses Verstehen dazumal die Führer dahintergekommen. Was ich gelehrt habe, war dies: Es beginnt, sagte ich, ungefähr um die Mitte des 15. Jahrhunderts, zuerst langsam, dann immer rascher vom 16. Jahrhundert ab tatsächlich jener Prozeß in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, durch den die geistigen, die rechtlichen, die ethischen Produktionen der Menschheit sich in voller Abhängigkeit befinden von den Produktionsprozessen, von der Art und Weise, wie das Wirtschaftsleben verläuft. Es wird nach und nach alles Geistige und Rechtliche abhängig vom Wirtschaftsleben. Daher, sagte ich, ist die materialistische Geschichtsauffassung relativ berechtigt für die Interpretation der letzten drei bis vier Jahrhunderte des menschlichen Geschichtsverlaufes; man kommt aber in eine unmögliche Geschichtsauffassung hinein, wenn man hinter das 15. Jahrhundert zurückgeht und ältere Zeiten im Sinne der materialistischen Geschichtsauffassung verstehen möchte. Und man tut völlig unrecht, wenn man diese materialistische Geschichtsauffassung als etwas Absolutes ansieht und sagt: In der Zukunft wird alles ethische, alles rechtliche, alles wissenschaftliche Leben nur eine Art Rauch sein, der aus dem Wirtschaftsleben aufsteigt. — Im Gegenteil, es ist die Aufgabe der Gegenwart, zu überwinden dasjenige, was sich herausgebildet hat als Abhängigkeit des Geisteslebens vom Wirtschaftlichen in den letzten drei bis vier Jahrhunderten. Es ist dasjenige als Tatsache zu überwinden, wofür die materialistische Geschichtsauffassung richtig ist.

[ 4 ] Vielleicht mache ich mich etwas verständlicher über dasjenige, was ich eben ausgesprochen habe, wenn ich erinnere an etwas, was ich auch schon hier erwähnt habe, was aber das heute zu Sagende in einem gewissen Sinne illustrieren kann. Ich habe Ihnen erzählt, wie ich als Lehrer der Arbeiterbildungsschule in Berlin durch die Intrigen der Führer der Sozialdemokratie herausgeworfen worden bin, weil das, was ich dazumal auf den verschiedensten Gebieten zu lehren hatte, nicht echter Marxismus und vor allen Dingen auf dem Gebiete der Geschichte nicht materialistische Geschichtsanschauung sei. Ich hatte nicht etwa die Anschauung vertreten, daß die materialistische Geschichtsauffassung absolut falsch sei, aber eben gerade die Art und Weise, wie ich mich zur materialistischen Geschichtsauffassung stellen mußte, zu jener Auffassung, daß alles ethische, alles wissenschaftliche, alles religöse, alles rechtliche Leben nur gewissermaßen ein Oberbau, eine Art Rauch sei gegenüber demjenigen, was die einzige Wirklichkeit sei im materiellen wirtschaftlichen Prozesse, gerade die Art und Weise, wie ich mich zu dieser Geschichtsauffassung stellen mußte, das konnte nicht verstanden werden. Es konnte nicht verstanden werden selbstverständlich von denjenigen, die gar nicht herangegangen waren an ein innerliches Durchdringen der Sache. Die Arbeiter, die meinen Vorträgen zugehört haben, die haben die Sache schon nach und nach verstanden; aber es sind eben gerade durch dieses Verstehen dazumal die Führer dahintergekommen. Was ich gelehrt habe, war dies: Es beginnt, sagte ich, ungefähr um die Mitte des 15. Jahrhunderts, zuerst langsam, dann immer rascher vom 16. Jahrhundert ab tatsächlich jener Prozeß in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, durch den die geistigen, die rechtlichen, die ethischen Produktionen der Menschheit sich in voller Abhängigkeit befinden von den Produktionsprozessen, von der Art und Weise, wie das Wirtschaftsleben verläuft. Es wird nach und nach alles Geistige und Rechtliche abhängig vom Wirtschaftsleben. Daher, sagte ich, ist die materialistische Geschichtsauffassung relativ berechtigt für die Interpretation der letzten drei bis vier Jahrhunderte des menschlichen Geschichtsverlaufes; man kommt aber in eine unmögliche Geschichtsauffassung hinein, wenn man hinter das 15. Jahrhundert zurückgeht und ältere Zeiten im Sinne der materialistischen Geschichtsauffassung verstehen möchte. Und man tut völlig unrecht, wenn man diese materialistische Geschichtsauffassung als etwas Absolutes ansieht und sagt: In der Zukunft wird alles ethische, alles rechtliche, alles wissenschaftliche Leben nur eine Art Rauch sein, der aus dem Wirtschaftsleben aufsteigt. — Im Gegenteil, es ist die Aufgabe der Gegenwart, zu überwinden dasjenige, was sich herausgebildet hat als Abhängigkeit des Geisteslebens vom Wirtschaftlichen in den letzten drei bis vier Jahrhunderten. Es ist dasjenige als Tatsache zu überwinden, wofür die materialistische Geschichtsauffassung richtig ist.

[ 5 ] Sie sehen, man hat es zu tun, wenn man wirklich geisteswissenschaftlich verfährt, mit einer anderen Denkweise, mit der Denkweise, die eigentlich bricht mehr in den Gedankenformen, in der ganzen Struktur des Weltanschauens mit dem Hergebrachten. Und wahrhaftig, viel mehr kommt es der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft darauf an, heranzubilden in der Menschheitsentwickelung diese Umgestaltung, diese Metamorphose in der Struktur des Empfindens, des Denkens, des Wollens, als nur irgendeinen Inhalt über verschiedene menschliche Leiber und dergleichen den Menschen zu tradieren. Gewiß, diese Inhalte, sie kommen heraus, diese Ergebnisse treten uns gerade durch eine solche Metamorphose der Denkstruktur vor das geistige Auge. Aber das Wesentliche ist die andere Einstellung gegenüber der Welt; das Wesentliche ist, daß wir in gewisser Beziehung die ganze Verfassung unserer Seele zu ändern vermögen. Sieht man das ein, dann merkt man eigentlich erst, wie im gegenwärtigen Denken der weitesten Kreise der abendländischen Zivilisation durchaus noch tätig sind die Reste des traditionellen Denkens, Empfindens und Wollens, die sich eben einfach aus urältesten Zeiten in die Gegenwart herein fortsetzen. Nur einzelne Menschen hat es eigentlich gegeben, die, ich möchte sagen, aus der breiten Masse heraus auf den verschiedensten Gebieten ein Gefühl, eine Ahnung entwickelt haben davon, wie morsch gerade die‘ Denkformen, die Denkstrukturen des Alten sind. Sie konnten zumeist nicht zur Geisteswissenschaft vordringen, und so blieben sie im Negativen stecken.

[ 5 ] Sie sehen, man hat es zu tun, wenn man wirklich geisteswissenschaftlich verfährt, mit einer anderen Denkweise, mit der Denkweise, die eigentlich bricht mehr in den Gedankenformen, in der ganzen Struktur des Weltanschauens mit dem Hergebrachten. Und wahrhaftig, viel mehr kommt es der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft darauf an, heranzubilden in der Menschheitsentwickelung diese Umgestaltung, diese Metamorphose in der Struktur des Empfindens, des Denkens, des Wollens, als nur irgendeinen Inhalt über verschiedene menschliche Leiber und dergleichen den Menschen zu tradieren. Gewiß, diese Inhalte, sie kommen heraus, diese Ergebnisse treten uns gerade durch eine solche Metamorphose der Denkstruktur vor das geistige Auge. Aber das Wesentliche ist die andere Einstellung gegenüber der Welt; das Wesentliche ist, daß wir in gewisser Beziehung die ganze Verfassung unserer Seele zu ändern vermögen. Sieht man das ein, dann merkt man eigentlich erst, wie im gegenwärtigen Denken der weitesten Kreise der abendländischen Zivilisation durchaus noch tätig sind die Reste des traditionellen Denkens, Empfindens und Wollens, die sich eben einfach aus urältesten Zeiten in die Gegenwart herein fortsetzen. Nur einzelne Menschen hat es eigentlich gegeben, die, ich möchte sagen, aus der breiten Masse heraus auf den verschiedensten Gebieten ein Gefühl, eine Ahnung entwickelt haben davon, wie morsch gerade die‘ Denkformen, die Denkstrukturen des Alten sind. Sie konnten zumeist nicht zur Geisteswissenschaft vordringen, und so blieben sie im Negativen stecken.

[ 6 ] Eine außerordentlich interessante Erscheinung in bezug auf dieses Steckenbleiben ist Overbeck, der Freund Friedrich Nietzsches, der zur Zeit Nietzsches an der Universität Basel gewirkt hat und der ja insbesondere ein interessantes Buch über die gegenwärtige Berechtigung des Christentums geschrieben hat. Es ist eine der interessantesten Erscheinungen auf dem Gebiete der neueren Literatur, daß einechristliche Theologie die Frage aufwirft: Sind wir noch Christen? — Diese Frage hat nicht bloß der materialistische Theologe David Friedrich Strauß aufgeworfen, sondern auch dieser an der Theologischen Fakultät in Basel wirkende Theologe Overbeck, Nietzsches Freund, hat diese Frage aufgeworfen. Und eigentlich kommt Overbeck zu der Anschauung: Es gibt wohl noch eine christliche Theologie, aber nicht mehr ein Christentum.

[ 6 ] Eine außerordentlich interessante Erscheinung in bezug auf dieses Steckenbleiben ist Overbeck, der Freund Friedrich Nietzsches, der zur Zeit Nietzsches an der Universität Basel gewirkt hat und der ja insbesondere ein interessantes Buch über die gegenwärtige Berechtigung des Christentums geschrieben hat. Es ist eine der interessantesten Erscheinungen auf dem Gebiete der neueren Literatur, daß einechristliche Theologie die Frage aufwirft: Sind wir noch Christen? — Diese Frage hat nicht bloß der materialistische Theologe David Friedrich Strauß aufgeworfen, sondern auch dieser an der Theologischen Fakultät in Basel wirkende Theologe Overbeck, Nietzsches Freund, hat diese Frage aufgeworfen. Und eigentlich kommt Overbeck zu der Anschauung: Es gibt wohl noch eine christliche Theologie, aber nicht mehr ein Christentum.

[ 7 ] Aber insbesondere, muß ich sagen, war es mir ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß, nachdem ich Ihnen gestern diese verschiedenen Proben der theologischen Denkart geben mußte, wobei ich Ihnen zu zeigen hatte, daß man dem Theologischen gegenüber ebenso sich zu beklagen hat, wenn sie einem Freund werden, wie wenn sie einem Feind werden. Es war mir sehr bezeichnend, daß gerade in diesen Tagen im Beiblatt zu den «Basler Nachrichten» eine nachgelassene Produktion von Overbeck besprochen wird, und daß da auf einen Satz hingewiesen wird, den dieser christliche Theologe niedergeschrieben hat. Ein christlicher Theologe hat den Satz niedergeschrieben: Die Theologen sind die Dümmlinge in der modernen Gesellschaft; das ist öffentliches Geheimnis in dieser modernen Gesellschaft.

[ 7 ] Aber insbesondere, muß ich sagen, war es mir ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß, nachdem ich Ihnen gestern diese verschiedenen Proben der theologischen Denkart geben mußte, wobei ich Ihnen zu zeigen hatte, daß man dem Theologischen gegenüber ebenso sich zu beklagen hat, wenn sie einem Freund werden, wie wenn sie einem Feind werden. Es war mir sehr bezeichnend, daß gerade in diesen Tagen im Beiblatt zu den «Basler Nachrichten» eine nachgelassene Produktion von Overbeck besprochen wird, und daß da auf einen Satz hingewiesen wird, den dieser christliche Theologe niedergeschrieben hat. Ein christlicher Theologe hat den Satz niedergeschrieben: Die Theologen sind die Dümmlinge in der modernen Gesellschaft; das ist öffentliches Geheimnis in dieser modernen Gesellschaft.

[ 8 ] So der Theologe in Basel, Overbeck! Man hat nicht nötig, aus der Sphäre herauszugehen, wenn man ein solches Urteil einsammeln will. Allerdings, Overbeck war neben dem, daß er Theologe war, Denker, und Theologe zu sein, war mehr sein Schicksal als sein Wille. Vielleicht war es auch seine Schwäche, Theologe zu bleiben. Das alles aber obliegt mir heute nicht, zu untersuchen. Aber immerhin, bemerkenswert ist es, daß ein solcher Ausspruch nicht von einem Monisten geprägt worden ist, sondern von einem Theologen: Die Theologen sind die Dümmlinge in der modernen Gesellschaft, und es ist öffentliches Geheimnis in der modernen Gesellschaft, daß es so ist.

[ 8 ] So der Theologe in Basel, Overbeck! Man hat nicht nötig, aus der Sphäre herauszugehen, wenn man ein solches Urteil einsammeln will. Allerdings, Overbeck war neben dem, daß er Theologe war, Denker, und Theologe zu sein, war mehr sein Schicksal als sein Wille. Vielleicht war es auch seine Schwäche, Theologe zu bleiben. Das alles aber obliegt mir heute nicht, zu untersuchen. Aber immerhin, bemerkenswert ist es, daß ein solcher Ausspruch nicht von einem Monisten geprägt worden ist, sondern von einem Theologen: Die Theologen sind die Dümmlinge in der modernen Gesellschaft, und es ist öffentliches Geheimnis in der modernen Gesellschaft, daß es so ist.

[ 9 ] Nun, es ragen eben in die Gegenwart herein die Dinge, die nur noch Schatten alter Weltanschauungen, Lebensgestaltungen und so weiter sind. Um heute Christ zu sein, bedarf es eben einer neuen Erfassung des Mysteriums von Golgatha, wie ich es Ihnen gestern bereits auseinandergesetzt habe. Aber auch um die heutigen sozialen Forderungen zu verstehen, bedarf es einer ganz anderen Struktur des Denkens und Empfindens, als diejenige ist, die aus alten Zeiten in die breiten Massen der gegenwärtigen Menschheit hereinragt. Und davon möchte ich Ihnen heute ein Beispiel geben. Man kann zwei so verschiedene soziale Denker nehmen, wie, sagen wir, Marx, der Abgott der Sozialdemokratie einer ist, und wie Rodbertus einer ist, der mehr, ich möchte sagen, eine Stütze ist für diejenigen, welche eine Lösung der sozialen Frage auf nationalem Gebiete suchen. In einer gewissen Beziehung sind beide, Rodbertus und Marx, Sozialisten; aber sie sind eigentlich Antipoden. Aber in einem wichtigen Punkte stimmen sie überein. Sie stimmen überein in einer gewissen Auffassung der Grundfrage, die heute eigentlich von allen aufgeworfen wird, die sich im Grunde tiefer mit der sozialen Frage befassen. Es ist die Frage: Was produziert eigentlich wirtschaftliche Güter? Was produziert wirtschaftliche Güter, die im Wirtschaftsleben zirkulieren, Güter, die für den wirtschaftlichen Konsum des Menschen dienstbar sind? — Marx sowohl wie Rodbertus beantworteten diese Frage dahin, daß sie sagen: Nur die körperliche Arbeit produziert wirtschaftliche Güter. — Also alles dasjenige, was im Wirtschaftsleben produktiv ist, führt auf körperliche Arbeit zurück. Mit anderen Worten: Will man davon sprechen, wo die Arbeit zu suchen ist, die irgendeine zusammenhängende Reihe wirtschaftlicher Güter erzeugt, so muß man, zum Beispiel bei einer Eisenbahn, beginnen bei dem ersten Spatenstich, nicht aber bei der Arbeit der Ingenieure, nicht bei der Arbeit derjenigen, die aus irgendwelchen Lebenszusammenhängen heraus den Gedanken produzieren, daß in dieser oder jener Gegend eine Eisenbahn zu bauen sei. Karl Marx zum Beispiel sagt: Arbeit, körperliche Arbeit produziert allein die wirtschaftlichen Güter. Wenn man, so sagt er, in Indien einen Buchhalter anstellt in einer Gemeinde, so ist die Arbeit dieses Buchhalters nicht etwas, was wirkliche wirtschaftliche Güter erzeugt. Zwar ist die Arbeit dieses Buchhalters notwendig, aber sie erzeugt keine wirtschaftlichen Güter. Wirtschaftliche Güter erzeugt einzig und allein die körperliche Arbeit derjenigen, die unmittelbar körperlich an der Erzeugung der Güter sich betätigen. Alles andere ist ausgeschlossen davon, mitgerechnet zu werden zu den Produktionselementen der wirtschaftlichen Güter. Wovon wird, so sagt Karl Marx, der indische Buchhalter entlohnt? Von einem Abzug, den man macht. Man muß erst dasjenige, was eigentlich alle anderen verdienen sollten, die körperlich arbeiten, man muß erst von dem etwas abziehen und es ihm geben, weil er doch notwendig ist. Man kann ohne ihn nicht produzieren, aber er erzeugt keine Güter. Also muß man denjenigen, die Güter erzeugen, das abnehmen, was man ihm zu geben hat. — Und mit Verfolgung dieses Gedankens kommt schließlich Karl Marx dazu, daß alle geistige Arbeit, alles geistige Produzieren nicht herausgenommen wird aus den wirtschaftlichen Gütern so, daß es beteiligt wäre an der Produktion dieser wirtschaftlichen Güter, sondern daß es abgezogen wird denjenigen, die wirklich wirtschaftlich produzieren.

[ 9 ] Nun, es ragen eben in die Gegenwart herein die Dinge, die nur noch Schatten alter Weltanschauungen, Lebensgestaltungen und so weiter sind. Um heute Christ zu sein, bedarf es eben einer neuen Erfassung des Mysteriums von Golgatha, wie ich es Ihnen gestern bereits auseinandergesetzt habe. Aber auch um die heutigen sozialen Forderungen zu verstehen, bedarf es einer ganz anderen Struktur des Denkens und Empfindens, als diejenige ist, die aus alten Zeiten in die breiten Massen der gegenwärtigen Menschheit hereinragt. Und davon möchte ich Ihnen heute ein Beispiel geben. Man kann zwei so verschiedene soziale Denker nehmen, wie, sagen wir, Marx, der Abgott der Sozialdemokratie einer ist, und wie Rodbertus einer ist, der mehr, ich möchte sagen, eine Stütze ist für diejenigen, welche eine Lösung der sozialen Frage auf nationalem Gebiete suchen. In einer gewissen Beziehung sind beide, Rodbertus und Marx, Sozialisten; aber sie sind eigentlich Antipoden. Aber in einem wichtigen Punkte stimmen sie überein. Sie stimmen überein in einer gewissen Auffassung der Grundfrage, die heute eigentlich von allen aufgeworfen wird, die sich im Grunde tiefer mit der sozialen Frage befassen. Es ist die Frage: Was produziert eigentlich wirtschaftliche Güter? Was produziert wirtschaftliche Güter, die im Wirtschaftsleben zirkulieren, Güter, die für den wirtschaftlichen Konsum des Menschen dienstbar sind? — Marx sowohl wie Rodbertus beantworteten diese Frage dahin, daß sie sagen: Nur die körperliche Arbeit produziert wirtschaftliche Güter. — Also alles dasjenige, was im Wirtschaftsleben produktiv ist, führt auf körperliche Arbeit zurück. Mit anderen Worten: Will man davon sprechen, wo die Arbeit zu suchen ist, die irgendeine zusammenhängende Reihe wirtschaftlicher Güter erzeugt, so muß man, zum Beispiel bei einer Eisenbahn, beginnen bei dem ersten Spatenstich, nicht aber bei der Arbeit der Ingenieure, nicht bei der Arbeit derjenigen, die aus irgendwelchen Lebenszusammenhängen heraus den Gedanken produzieren, daß in dieser oder jener Gegend eine Eisenbahn zu bauen sei. Karl Marx zum Beispiel sagt: Arbeit, körperliche Arbeit produziert allein die wirtschaftlichen Güter. Wenn man, so sagt er, in Indien einen Buchhalter anstellt in einer Gemeinde, so ist die Arbeit dieses Buchhalters nicht etwas, was wirkliche wirtschaftliche Güter erzeugt. Zwar ist die Arbeit dieses Buchhalters notwendig, aber sie erzeugt keine wirtschaftlichen Güter. Wirtschaftliche Güter erzeugt einzig und allein die körperliche Arbeit derjenigen, die unmittelbar körperlich an der Erzeugung der Güter sich betätigen. Alles andere ist ausgeschlossen davon, mitgerechnet zu werden zu den Produktionselementen der wirtschaftlichen Güter. Wovon wird, so sagt Karl Marx, der indische Buchhalter entlohnt? Von einem Abzug, den man macht. Man muß erst dasjenige, was eigentlich alle anderen verdienen sollten, die körperlich arbeiten, man muß erst von dem etwas abziehen und es ihm geben, weil er doch notwendig ist. Man kann ohne ihn nicht produzieren, aber er erzeugt keine Güter. Also muß man denjenigen, die Güter erzeugen, das abnehmen, was man ihm zu geben hat. — Und mit Verfolgung dieses Gedankens kommt schließlich Karl Marx dazu, daß alle geistige Arbeit, alles geistige Produzieren nicht herausgenommen wird aus den wirtschaftlichen Gütern so, daß es beteiligt wäre an der Produktion dieser wirtschaftlichen Güter, sondern daß es abgezogen wird denjenigen, die wirklich wirtschaftlich produzieren.

[ 10 ] Und zu ganz derselben Ansicht kommt auch der Antipode von Karl Marx, Rodbertus. Es gibt nun mancherlei, daß eben aus der Denkweise, die sich im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte als ein Schatten alter Denkweisen ergeben hat, solche Anschauungen entstanden sind. Denn man merkt, wie solche Anschauungen entstehen, wenn man hinsieht, in welcher Art Arbeit, Beziehung der Arbeit zu der Erzeugung wirtschaftlicher Güter angesehen wird von solchen Theoretikern, und die Anschauung dieser Theoretiker, die ist eigentlich heute vor allen Dingen in das gesamte Proletariat übergegangen. Was im gesamten Proletariat als Lebensanschauung vorhanden ist, das ist geradezu ein Ergebnis solcher Vorstellungen, von denen ich Ihnen nun einige Beispiele geben will. Da fragen die Leute, etwa Karl Marx: Wofür bekommt eigentlich der Arbeiter seinen Lohn? — Sie beantworten sich diese Frage dahin, daß der Arbeiter seinen Lohn bekommt für die aufgewendete Arbeit, daß also die aufgewendete Arbeit ihm entlohnt werde, und sie sagen: Sie muß entlohnt werden, denn indem der Arbeiter Güter hervorbringt, gibt er seine eigene Arbeitskraft hin. — Ich habe Ihnen ja öfters diese Anschauung charakterisiert als diejenige, die die Anschauung des gegenwärtigen Proletariats ist: Der Arbeiter gibt seine Arbeitskraft hin, seine Arbeitskraft wird verbraucht; sie muß ersetzt werden. Man gibt ihm also Lohn, also wirtschaftliche Güter, denn dafür ist ja nur der Geldlohn als Stellvertreter da; man gibt ihm Lohn, damit die verbrauchte, die im Erzeugen der wirtschaftlichen Güter verbrauchte körperliche Arbeitskraft wieder ersetzt werden könne. — Dieser Gedanke kehrt immer wieder, diesen Gedanken finden wir in den mannigfaltigsten Varianten.

[ 10 ] Und zu ganz derselben Ansicht kommt auch der Antipode von Karl Marx, Rodbertus. Es gibt nun mancherlei, daß eben aus der Denkweise, die sich im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte als ein Schatten alter Denkweisen ergeben hat, solche Anschauungen entstanden sind. Denn man merkt, wie solche Anschauungen entstehen, wenn man hinsieht, in welcher Art Arbeit, Beziehung der Arbeit zu der Erzeugung wirtschaftlicher Güter angesehen wird von solchen Theoretikern, und die Anschauung dieser Theoretiker, die ist eigentlich heute vor allen Dingen in das gesamte Proletariat übergegangen. Was im gesamten Proletariat als Lebensanschauung vorhanden ist, das ist geradezu ein Ergebnis solcher Vorstellungen, von denen ich Ihnen nun einige Beispiele geben will. Da fragen die Leute, etwa Karl Marx: Wofür bekommt eigentlich der Arbeiter seinen Lohn? — Sie beantworten sich diese Frage dahin, daß der Arbeiter seinen Lohn bekommt für die aufgewendete Arbeit, daß also die aufgewendete Arbeit ihm entlohnt werde, und sie sagen: Sie muß entlohnt werden, denn indem der Arbeiter Güter hervorbringt, gibt er seine eigene Arbeitskraft hin. — Ich habe Ihnen ja öfters diese Anschauung charakterisiert als diejenige, die die Anschauung des gegenwärtigen Proletariats ist: Der Arbeiter gibt seine Arbeitskraft hin, seine Arbeitskraft wird verbraucht; sie muß ersetzt werden. Man gibt ihm also Lohn, also wirtschaftliche Güter, denn dafür ist ja nur der Geldlohn als Stellvertreter da; man gibt ihm Lohn, damit die verbrauchte, die im Erzeugen der wirtschaftlichen Güter verbrauchte körperliche Arbeitskraft wieder ersetzt werden könne. — Dieser Gedanke kehrt immer wieder, diesen Gedanken finden wir in den mannigfaltigsten Varianten.

[ 11 ] Was liegt da eigentlich für eine Anschauung zugrunde? Die Anschauung, die da zugrunde liegt, man merkt sie am besten, wenn man auf ein Wort hinschaut, das Karl Marx und seine Anhänger immer wieder und wiederum gebraucht haben. Sie haben das Wort gebraucht: die Arbeit gerinne in das Produkt hinein. — Gewissermaßen — wenn das Produkt erzeugt ist — ist die Arbeit in das Produkt hineingeronnen. Somit wäre auch die Arbeitskraft beziehungsweise ihr Ergebnis in das wirtschaftliche Gut, in das Produkt hineingeronnen. Man sagt: Geistige Kraft kann nicht in das Produkt hineingerinnen, körperliche Kraft nur kann hineingerinnen in das Produkt. — Man hat also die Vorstellung, daß die Arbeitskraft so irgendwie vom Menschen in das Produkt übergeht, dann ist sie, da draußen, ins Produkt hineingeronnen; dann ißt man und dann wird sie wieder ersetzt.

[ 11 ] Was liegt da eigentlich für eine Anschauung zugrunde? Die Anschauung, die da zugrunde liegt, man merkt sie am besten, wenn man auf ein Wort hinschaut, das Karl Marx und seine Anhänger immer wieder und wiederum gebraucht haben. Sie haben das Wort gebraucht: die Arbeit gerinne in das Produkt hinein. — Gewissermaßen — wenn das Produkt erzeugt ist — ist die Arbeit in das Produkt hineingeronnen. Somit wäre auch die Arbeitskraft beziehungsweise ihr Ergebnis in das wirtschaftliche Gut, in das Produkt hineingeronnen. Man sagt: Geistige Kraft kann nicht in das Produkt hineingerinnen, körperliche Kraft nur kann hineingerinnen in das Produkt. — Man hat also die Vorstellung, daß die Arbeitskraft so irgendwie vom Menschen in das Produkt übergeht, dann ist sie, da draußen, ins Produkt hineingeronnen; dann ißt man und dann wird sie wieder ersetzt.

[ 12 ] Solch eine Vorstellung sitzt ganz fest aus gewissen materialistischen Untergründen der neueren Zeit in den Menschen drinnen, und wenn man ankämpft gegen eine solche Anschauung, erscheint man sogar als ein Mensch, der zu Paradoxem neigt, denn diese Dinge sind allmählich etwas geworden, das den heutigen Menschen ganz natürlich erscheint. Und in Rußland wird eben jetzt Sozialismus gemacht bloß unter dem Einfluß solcher aus dem Untergrund des Materialismus herausgewachsenen Anschauungen.

[ 12 ] Solch eine Vorstellung sitzt ganz fest aus gewissen materialistischen Untergründen der neueren Zeit in den Menschen drinnen, und wenn man ankämpft gegen eine solche Anschauung, erscheint man sogar als ein Mensch, der zu Paradoxem neigt, denn diese Dinge sind allmählich etwas geworden, das den heutigen Menschen ganz natürlich erscheint. Und in Rußland wird eben jetzt Sozialismus gemacht bloß unter dem Einfluß solcher aus dem Untergrund des Materialismus herausgewachsenen Anschauungen.

[ 13 ] Nun ist es wirklich so — es ist ja außerordentlich schwer zuzugeben, aber es ist wirklich so —, daß zuweilen Anschauungen populär werden, wie etwas Selbstverständliches überall vertreten werden, und sie eigentlich gar keinen Grund und Boden haben. Diese Anschauungsweise, als ob die Arbeit so hinausgerissen würde in das Produkt, hat wirklich keinen Grund und Boden, denn man kann wirklich nicht sagen, daß dasjenige, was da verbraucht wird während der Arbeit, durch das Essen wiederum ersetzt werde. Man braucht sich ja nur im Ernste zu fragen, ob denn derjenige, der nun gar nicht arbeitet, nicht auch essen muß, wenn er leben will. Es kann doch der Ersatz einer"verlorengegangenen Kraft, auf die es hier ankommt, wahrhaftig nicht davon abhängen, daß diese Kraft in die Arbeit hineingegangen ist; denn wenn sie nicht in die Arbeit hinausgeht, muß sie auch ersetzt werden. Da muß ein kapitaler Denkfehler drinnenstecken, ein kapitaler Denkfehler, der einfach populär geworden ist, den zu machen populär geworden ist. Man glaubt nämlich gar nicht, wie sehr wir heute in verkehrten Denkgewohnheiten drinnenstecken. Man muß gegenüber diesen verkehrten Denkgewohnheiten einmal die Seele zum Wachen bringen. Das geht nicht an, daß gegenüber diesen verkehrten Denkgewohnheiten die Seele weiter schläft.

[ 13 ] Nun ist es wirklich so — es ist ja außerordentlich schwer zuzugeben, aber es ist wirklich so —, daß zuweilen Anschauungen populär werden, wie etwas Selbstverständliches überall vertreten werden, und sie eigentlich gar keinen Grund und Boden haben. Diese Anschauungsweise, als ob die Arbeit so hinausgerissen würde in das Produkt, hat wirklich keinen Grund und Boden, denn man kann wirklich nicht sagen, daß dasjenige, was da verbraucht wird während der Arbeit, durch das Essen wiederum ersetzt werde. Man braucht sich ja nur im Ernste zu fragen, ob denn derjenige, der nun gar nicht arbeitet, nicht auch essen muß, wenn er leben will. Es kann doch der Ersatz einer"verlorengegangenen Kraft, auf die es hier ankommt, wahrhaftig nicht davon abhängen, daß diese Kraft in die Arbeit hineingegangen ist; denn wenn sie nicht in die Arbeit hinausgeht, muß sie auch ersetzt werden. Da muß ein kapitaler Denkfehler drinnenstecken, ein kapitaler Denkfehler, der einfach populär geworden ist, den zu machen populär geworden ist. Man glaubt nämlich gar nicht, wie sehr wir heute in verkehrten Denkgewohnheiten drinnenstecken. Man muß gegenüber diesen verkehrten Denkgewohnheiten einmal die Seele zum Wachen bringen. Das geht nicht an, daß gegenüber diesen verkehrten Denkgewohnheiten die Seele weiter schläft.

[ 14 ] Ich habe in einer anderen Form den Gedanken schon einmal vor Ihnen ausgesprochen. Derjenige, dem es nun kein Bedürfnis ist, oder der, sagen wir besser, durch seine Lebenszusammenhänge nicht in eine solche Situation hineingestellt worden ist, daß er Holz hackt oder eine ähnliche körperliche Arbeit verrichtet, der wird manchmal seine Kraft ausleben, sagen wir im Sport. Da wendet er auch seine Kraft an. Und Sie werden leicht zugeben können, daß man unter Umständen dasselbe Maß von Kraft verwenden kann zum Holzhacken wie zum Sport. Man kann gerade so müde werden vom Sport wie vom Holzhacken. Man kann einen gerade so guten Schlaf haben nach dem Sport wie nach dem Holzhacken. Dasselbe Maß von Arbeit kann in dem einen Fall und in dem anderen rein formell verrichtet werden. Es kann sich also doch nicht darum handeln, wieviel Arbeit man verrichtet und wieviel Kraft man auslebt in diesem Arbeiten-Verrichten, sondern es ist augenscheinlich, daß es sich um ganz etwas anderes handelt, um die Art und Weise, wie die Arbeit hineingestellt ist in den ganzen sozialen Prozeß. Es handelt sich darum, daß man absehen lernt von diesem Ausleben von menschlicher Lebenskraft in Arbeit, in der Erzeugung von Gütern. Es kann sich ja höchstens darum handeln, daß der FleiRige etwas mehr zu essen braucht als der Faule, obwohl das auch mit den Lebensgewohnheiten mancher Menschen nicht ganz übereinstimmt. Aber jedenfalls, diese merkwürdige Anschauungsweise, als ob man bei nationalökonomischem Denken darauf zu sehen habe, wie die aufgewendete menschliche Arbeitskraft ersetzt werden müsse durch dasjenige, was man im Lohn empfängt, diese Anschauungsweise ist jedenfalls ganz ohne Grund und Boden. Es kann eben einfach nicht so gedacht werden, wenn man zu irgendeinem Ziele kommen will.

[ 14 ] Ich habe in einer anderen Form den Gedanken schon einmal vor Ihnen ausgesprochen. Derjenige, dem es nun kein Bedürfnis ist, oder der, sagen wir besser, durch seine Lebenszusammenhänge nicht in eine solche Situation hineingestellt worden ist, daß er Holz hackt oder eine ähnliche körperliche Arbeit verrichtet, der wird manchmal seine Kraft ausleben, sagen wir im Sport. Da wendet er auch seine Kraft an. Und Sie werden leicht zugeben können, daß man unter Umständen dasselbe Maß von Kraft verwenden kann zum Holzhacken wie zum Sport. Man kann gerade so müde werden vom Sport wie vom Holzhacken. Man kann einen gerade so guten Schlaf haben nach dem Sport wie nach dem Holzhacken. Dasselbe Maß von Arbeit kann in dem einen Fall und in dem anderen rein formell verrichtet werden. Es kann sich also doch nicht darum handeln, wieviel Arbeit man verrichtet und wieviel Kraft man auslebt in diesem Arbeiten-Verrichten, sondern es ist augenscheinlich, daß es sich um ganz etwas anderes handelt, um die Art und Weise, wie die Arbeit hineingestellt ist in den ganzen sozialen Prozeß. Es handelt sich darum, daß man absehen lernt von diesem Ausleben von menschlicher Lebenskraft in Arbeit, in der Erzeugung von Gütern. Es kann sich ja höchstens darum handeln, daß der FleiRige etwas mehr zu essen braucht als der Faule, obwohl das auch mit den Lebensgewohnheiten mancher Menschen nicht ganz übereinstimmt. Aber jedenfalls, diese merkwürdige Anschauungsweise, als ob man bei nationalökonomischem Denken darauf zu sehen habe, wie die aufgewendete menschliche Arbeitskraft ersetzt werden müsse durch dasjenige, was man im Lohn empfängt, diese Anschauungsweise ist jedenfalls ganz ohne Grund und Boden. Es kann eben einfach nicht so gedacht werden, wenn man zu irgendeinem Ziele kommen will.

[ 15 ] Darauf wollte ich von einer anderen Seite wiederum aufmerksam machen, hinweisen, wie unser ganzes Leben beherrscht wird von verkehrten Vorstellungen, von Denkgewohnbheiten, die ja für frühere Zeiten vielleicht ihre Berechtigung hatten, die aber heute eine solche Berechtigung nicht mehr haben.

[ 15 ] Darauf wollte ich von einer anderen Seite wiederum aufmerksam machen, hinweisen, wie unser ganzes Leben beherrscht wird von verkehrten Vorstellungen, von Denkgewohnbheiten, die ja für frühere Zeiten vielleicht ihre Berechtigung hatten, die aber heute eine solche Berechtigung nicht mehr haben.

[ 16 ] Ein anderer Gedankengang, der einem auch oftmals wiederkehrt bei den Betrachtern des Wirtschaftslebens, die mehr oder weniger abhängig sind von Karl Marx, ist dieser, sie sagen: Wenn eine körperliche Arbeit verrichtet wird und im Verlaufe des Verrichtens dieser körperlichen Arbeit ein wirtschaftliches Gut entsteht, dann ist diese Arbeit verbraucht. Wenn das Gut wieder da sein soll, muß es eben wiederum durch dieselbe Arbeit erzeugt werden. Wenn einer eine Idee ausdenkt, so ist diese Idee da. Sie bleibt da, sie wird nicht verbraucht. Und nach dieser Idee können vielleicht unzählige Arbeitsprozesse vollzogen werden. — Also: körperliche Arbeit, die. auf Erzeugen von Gütern angewendet wird, wird verbraucht in ihrem Produkte, geistige Arbeit wird nicht verbraucht in ihrem Produkte, sondern die Produkte bleiben — das erscheint furchtbar plausibel, wenn man eine solche Idee ausspricht. Aber da tritt dann doch die Frage auf: Ist in fruchtbarer Weise im nationalökonomischen Denken mit einer solchen Idee etwas anzufangen? Es handelt sich dann immer darum, daß diejenigen, die einer solchen Idee nachgehen, nicht in der Lage sind, den ganzen Prozeß zu verfolgen, den eine solche Idee durchmacht, indem sie Wirklichkeit wird. Ist denn, so möchte man fragen, auch nur ein einziges Mal der Fall vorhanden, daß irgendein Erfinder eine Idee produziert, und, ohne daß eine weitere geistige Arbeit verrichtet werde, diese Idee unzählige Male verwirklicht werden kann? — Das ist nicht der Fall. Vielmehr muß man da folgendes sagen; man muß sagen: Wie ist eigentlich der Zusammenhang zwischen demjenigen, was durch den Geistesmenschen produziert wird, und demjenigen, was äußerliche, zum Beispiel wirtschaftliche Güter sind? — Sehen Sie nur einmal hin auf die Erzeugung von wirtschaftlichen Gütern. Können Sie sich denken, daß wirtschaftliche Güter erzeugt werden, ohne daß geistige Richtkraft, geistige Führung zugrunde liegt? Sie können nämlich geradezu beweisen, daß bis ins Innerste hinein geistige Führung in der materiellen Arbeit, in der Erzeugung der materiellen Güter zutage tritt. Man muß nur immer weit genug zurückgehen. Ich habe öfters Ihnen das Beispiel angeführt: Wir betrachten den Gotthardtunnel oder den Suezkanal oder irgend etwas; solche Dinge können heute nicht ausgeführt werden ohne Differential- oder Integralrechnung. Es hilft alle körperliche Arbeit nichts, wenn diese Dinge nicht zugrunde liegen. Diese Dinge aber, Differential- und Integralrechnung, sind einstmals ausgebildet worden in der einsamen Gedankenstube des Leibniz oder — wir brauchen uns ja damit nicht heute in einen nationalen Prioritätsstreit einzulassen —in der einsamen Denkerstube des Newton, aber jedenfalls bei Denkern, im geistigen Produzieren sind diese Ideen entstanden. Bei alledem, was im Grunde genommen da ist im Gotthardtunnel, im Suezkanal und in ähnlichen Arbeiten, welchen Produkten ja wiederum zugrunde liegen die Erzeugung wirtschaftlicher Güter, bei alledem liegen nur die Ergebnisse dessen vor, was einstmals ein geistiger Keim war. Und nichts könnte da sein von alledem, was physische Arbeit ist, wenn der geistige Keim nicht dagewesen wäre. Sehen Sie sich irgend etwas an, was produziert wird, Sie werden sich überall sagen müssen: Die körperliche Arbeit kann man nicht einmal anfangen, wenn die geistige Arbeit nicht vorangegangen ist; und wenn sie anfängt, und die geistige Arbeit aufhören würde, würde sie auch nicht sehr weit kommen. Ja, man könnte ebenso strenge beweisen, wie Karl Marx und Rodbertus zu beweisen meinten, daß aus der körperlichen Arbeit allein wirtschaftliche Güter entstehen, daß nur geistige Arbeit wirtschaftliche Güter hervorbringt, daß die körperliche Arbeit überhaupt ganz und gar das Ergebnis der geistigen Arbeit ist. Diese Dinge sind durchaus zueinander relativ. Und dieselbe Strenge der Beweisführung, die die Marxisten aufbringen können für den Gedankengang, daß nur körperliche Arbeit wirtschaftliche Güter erzeugt, dieselbe Strenge der Beweisführung könnte man finden in dem Gedankengang, daß nur geistige Kraft wirtschaftliche Güter erzeugt.

[ 16 ] Ein anderer Gedankengang, der einem auch oftmals wiederkehrt bei den Betrachtern des Wirtschaftslebens, die mehr oder weniger abhängig sind von Karl Marx, ist dieser, sie sagen: Wenn eine körperliche Arbeit verrichtet wird und im Verlaufe des Verrichtens dieser körperlichen Arbeit ein wirtschaftliches Gut entsteht, dann ist diese Arbeit verbraucht. Wenn das Gut wieder da sein soll, muß es eben wiederum durch dieselbe Arbeit erzeugt werden. Wenn einer eine Idee ausdenkt, so ist diese Idee da. Sie bleibt da, sie wird nicht verbraucht. Und nach dieser Idee können vielleicht unzählige Arbeitsprozesse vollzogen werden. — Also: körperliche Arbeit, die. auf Erzeugen von Gütern angewendet wird, wird verbraucht in ihrem Produkte, geistige Arbeit wird nicht verbraucht in ihrem Produkte, sondern die Produkte bleiben — das erscheint furchtbar plausibel, wenn man eine solche Idee ausspricht. Aber da tritt dann doch die Frage auf: Ist in fruchtbarer Weise im nationalökonomischen Denken mit einer solchen Idee etwas anzufangen? Es handelt sich dann immer darum, daß diejenigen, die einer solchen Idee nachgehen, nicht in der Lage sind, den ganzen Prozeß zu verfolgen, den eine solche Idee durchmacht, indem sie Wirklichkeit wird. Ist denn, so möchte man fragen, auch nur ein einziges Mal der Fall vorhanden, daß irgendein Erfinder eine Idee produziert, und, ohne daß eine weitere geistige Arbeit verrichtet werde, diese Idee unzählige Male verwirklicht werden kann? — Das ist nicht der Fall. Vielmehr muß man da folgendes sagen; man muß sagen: Wie ist eigentlich der Zusammenhang zwischen demjenigen, was durch den Geistesmenschen produziert wird, und demjenigen, was äußerliche, zum Beispiel wirtschaftliche Güter sind? — Sehen Sie nur einmal hin auf die Erzeugung von wirtschaftlichen Gütern. Können Sie sich denken, daß wirtschaftliche Güter erzeugt werden, ohne daß geistige Richtkraft, geistige Führung zugrunde liegt? Sie können nämlich geradezu beweisen, daß bis ins Innerste hinein geistige Führung in der materiellen Arbeit, in der Erzeugung der materiellen Güter zutage tritt. Man muß nur immer weit genug zurückgehen. Ich habe öfters Ihnen das Beispiel angeführt: Wir betrachten den Gotthardtunnel oder den Suezkanal oder irgend etwas; solche Dinge können heute nicht ausgeführt werden ohne Differential- oder Integralrechnung. Es hilft alle körperliche Arbeit nichts, wenn diese Dinge nicht zugrunde liegen. Diese Dinge aber, Differential- und Integralrechnung, sind einstmals ausgebildet worden in der einsamen Gedankenstube des Leibniz oder — wir brauchen uns ja damit nicht heute in einen nationalen Prioritätsstreit einzulassen —in der einsamen Denkerstube des Newton, aber jedenfalls bei Denkern, im geistigen Produzieren sind diese Ideen entstanden. Bei alledem, was im Grunde genommen da ist im Gotthardtunnel, im Suezkanal und in ähnlichen Arbeiten, welchen Produkten ja wiederum zugrunde liegen die Erzeugung wirtschaftlicher Güter, bei alledem liegen nur die Ergebnisse dessen vor, was einstmals ein geistiger Keim war. Und nichts könnte da sein von alledem, was physische Arbeit ist, wenn der geistige Keim nicht dagewesen wäre. Sehen Sie sich irgend etwas an, was produziert wird, Sie werden sich überall sagen müssen: Die körperliche Arbeit kann man nicht einmal anfangen, wenn die geistige Arbeit nicht vorangegangen ist; und wenn sie anfängt, und die geistige Arbeit aufhören würde, würde sie auch nicht sehr weit kommen. Ja, man könnte ebenso strenge beweisen, wie Karl Marx und Rodbertus zu beweisen meinten, daß aus der körperlichen Arbeit allein wirtschaftliche Güter entstehen, daß nur geistige Arbeit wirtschaftliche Güter hervorbringt, daß die körperliche Arbeit überhaupt ganz und gar das Ergebnis der geistigen Arbeit ist. Diese Dinge sind durchaus zueinander relativ. Und dieselbe Strenge der Beweisführung, die die Marxisten aufbringen können für den Gedankengang, daß nur körperliche Arbeit wirtschaftliche Güter erzeugt, dieselbe Strenge der Beweisführung könnte man finden in dem Gedankengang, daß nur geistige Kraft wirtschaftliche Güter erzeugt.

[ 17 ] Was folgt denn daraus? Ich sage ausdrücklich: Dieselbe Strenge der Beweisführung kann in dem einen Fall wie in dem anderen Fall stattfinden; das heißt, es kann in dem einen oder in dem anderen Fall das Folgende eintreten. Karl Marx hat das eine vertreten. Es könnte einer kommen, der ebenso streng bewiese, daß nur geistige Arbeit wirtschaftliche Güter erzeuge. Es ist nur durch die materialistischen Verhältnisse der neueren Zeit bedingt, daß nicht ein solcher Marx aufgetreten ist für spirituelle Verhältnisse, wie Marx aufgetreten ist für die materiellen Verhältnisse. Beide aber, wenn sie aufgetreten wären, hätten Anhänger gewinnen können. Karl Marx hat ja genug Anhänger gewonnen; der andere hätte auch Anhänger gewinnen können. Die Ausführungen von beiden könnten auf dieselbe strenge Beweisführung hinweisen, die Sie heute finden, wenn die Leute, selbstverständlich immer im guten Glauben, in modernen Versammlungen diese oder jene Reformfragen behandeln. Da wird meistens alles sehr streng bewiesen, denn man ist heute sehr gescheit. Oder wenn die Leute auf den Kathedern dies oder jenes beweisen, es wird alles streng bewiesen. Aber man kann das Entgegengesetzte ebenso streng beweisen. Das will man eben gerade nicht glauben, daß der logische Beweis nicht etwas ist, was das Leben tragen kann, sondern daß zu dem logischen Beweis oder zu demjenigen, was doch nur aus dem logischen Beweis gewonnen ist, hinzukommen muß Wirklichkeitssinn, Verbundensein mit der Wirklichkeit. Nur aus dem Leben heraus läßt sich das Leben halten, nicht aus den intellektualistisch orientierten Beweisen. Nur dem Umstande, daß die Instinkte der Menschen in den letzten drei bis vier Jahrhunderten materialistisch orientiert waren, ist es zuzuschreiben, daß just die Beweisführung auf materialistischer Seite so streng geworden ist wie im Marxismus. Man kommt in der Regel mit Widerlegungen ja nicht zurecht, weil es bei Beweisen sich nicht darum handelt, daß man etwas beweist, sondern daß der andere den Beweis annehme. Die Annahme des Beweises aber beruht nicht auf der Logik des Beweises, sondern — so wie nun einmal die Menschen sind, wenn sie nicht in Geisteswissenschaft eindringen — sie beruht auf gewissen Instinkten, auf Gewohnheiten, insbesondere auch auf Denkgewohnheiten. Und so muß man sagen: Das Leben wird uns heute verwirrt dadurch, daß die Seelen nicht heraus wollen aus ihrem Schlafe gegenüber den Impulsen der Wirklichkeit, daß die Seelen vor allen Dingen nicht durchdringen wollen dazu, sich zu sagen: Es kommt darauf an, den richtigen Gesichtspunkt zu finden, nicht von jedem beliebigen Gesichtspunkt aus die Welt anzuschauen.

[ 17 ] Was folgt denn daraus? Ich sage ausdrücklich: Dieselbe Strenge der Beweisführung kann in dem einen Fall wie in dem anderen Fall stattfinden; das heißt, es kann in dem einen oder in dem anderen Fall das Folgende eintreten. Karl Marx hat das eine vertreten. Es könnte einer kommen, der ebenso streng bewiese, daß nur geistige Arbeit wirtschaftliche Güter erzeuge. Es ist nur durch die materialistischen Verhältnisse der neueren Zeit bedingt, daß nicht ein solcher Marx aufgetreten ist für spirituelle Verhältnisse, wie Marx aufgetreten ist für die materiellen Verhältnisse. Beide aber, wenn sie aufgetreten wären, hätten Anhänger gewinnen können. Karl Marx hat ja genug Anhänger gewonnen; der andere hätte auch Anhänger gewinnen können. Die Ausführungen von beiden könnten auf dieselbe strenge Beweisführung hinweisen, die Sie heute finden, wenn die Leute, selbstverständlich immer im guten Glauben, in modernen Versammlungen diese oder jene Reformfragen behandeln. Da wird meistens alles sehr streng bewiesen, denn man ist heute sehr gescheit. Oder wenn die Leute auf den Kathedern dies oder jenes beweisen, es wird alles streng bewiesen. Aber man kann das Entgegengesetzte ebenso streng beweisen. Das will man eben gerade nicht glauben, daß der logische Beweis nicht etwas ist, was das Leben tragen kann, sondern daß zu dem logischen Beweis oder zu demjenigen, was doch nur aus dem logischen Beweis gewonnen ist, hinzukommen muß Wirklichkeitssinn, Verbundensein mit der Wirklichkeit. Nur aus dem Leben heraus läßt sich das Leben halten, nicht aus den intellektualistisch orientierten Beweisen. Nur dem Umstande, daß die Instinkte der Menschen in den letzten drei bis vier Jahrhunderten materialistisch orientiert waren, ist es zuzuschreiben, daß just die Beweisführung auf materialistischer Seite so streng geworden ist wie im Marxismus. Man kommt in der Regel mit Widerlegungen ja nicht zurecht, weil es bei Beweisen sich nicht darum handelt, daß man etwas beweist, sondern daß der andere den Beweis annehme. Die Annahme des Beweises aber beruht nicht auf der Logik des Beweises, sondern — so wie nun einmal die Menschen sind, wenn sie nicht in Geisteswissenschaft eindringen — sie beruht auf gewissen Instinkten, auf Gewohnheiten, insbesondere auch auf Denkgewohnheiten. Und so muß man sagen: Das Leben wird uns heute verwirrt dadurch, daß die Seelen nicht heraus wollen aus ihrem Schlafe gegenüber den Impulsen der Wirklichkeit, daß die Seelen vor allen Dingen nicht durchdringen wollen dazu, sich zu sagen: Es kommt darauf an, den richtigen Gesichtspunkt zu finden, nicht von jedem beliebigen Gesichtspunkt aus die Welt anzuschauen.

[ 18 ] Heute handelt es sich darum, daß man einen Gesichtspunkt gewinne, der nicht mehr Vorurteile in dem Sinne hervorruft, daß man eine einseitige Beweisführung für richtig hält, sondern der gestattet, das Leben so universell zu übersehen, daß man wirklich das Gewicht der einen Gründe, wie auch das Gewicht der Gründe auf der Gegenseite abwägen kann. Man muß heute einsehen, wieviel für sich haben die Gründe auf der einen Seite, auf der materialistischen Seite, und wieviel für sich haben die Gründe auf der spirituellen Seite. Das heißt, niemals war es so notwendig wie gegenwärtig, daß die Menschen keine Fanatiker seien. Aber der Fanatismus, der heute geradezu eine Zeiterscheinung ist, kann nur überwunden werden, wenn der Mensch in sich selber eröffnet den Quell, der ihn zu einer wirklichen Einsicht in die geistigen Zusammenhänge der Welt führt. Daher ist die Befruchtung unserer abendländischen Zivilisation mit den Ergebnissen der Geisteswissenschaft eben eine so eminente Notwendigkeit. Man kann also sagen in strenger Beweisführung, wenn man will — darauf kommt es immer an, daß man will —, man kann sagen, geistige Arbeit gerinne in das Produkt. Man kann auch sagen, körperliche Arbeit gerinne in das Produkt. Aber womit hat man es denn in Wirklichkeit zu tun? In Wirklichkeit hat man es damit zu tun, daß gewisse Vorgänge in der äußeren Welt von den Menschen in einer gewissen Weise geleistet werden. Nehmen Sie an, ich pflücke einen Apfel vom Baum. Das ist eben doch etwas, was auch als ein Addend in der Summe wirtschaftlicher Zusammenhänge etwas zu tun hat. Man muß ja sehen, welche Elemente die Wirklichkeit zusammensetzen. Wenn ich einen Apfel vom Baum pflücke, so rufe ich eine Veränderung in der Außenwelt hervor, eine Metamorphose: Erst ist der Apfel auf dem Baum oben, dann liegt er vielleicht in meinem Körbchen drin. Diese Veränderung habe ich hervorgerufen. Gewiß, es hat sich in mir ein Vorgang abgespielt, im Verlauf dessen auch körperliche Kraft verbraucht worden ist, die wieder ersetzt worden ist. Aber wenn ich in derselben Zeit, in der ich den Apfel gepflückt hätte, ein paar Schritte meines Spazierganges gemacht hätte, hätte ich ebenso die Kraft verbraucht. Es handelt sich nicht darum, was in mir geschieht, und es kann sich im nationalökonomischen Zusammenhang nicht um irgend etwas handeln, was auf den menschlichen Organismus Bezug hat. Es kann sich nicht darum handeln, die Frage aufzuwerfen: Was hat der Mensch zu bekommen, weil er Ersatz zu leisten hat für verbrauchte körperliche Kraft? —, sondern es kann sich lediglich darum handeln: Welche innere Bedeutung kommt jener Metamorphose zu, die sich im Grunde genommen ganz außerhalb des Menschen vollzieht, die er nur dirigiert, die er nur leitet, jener Metamorphose, daß der Apfel zuerst auf dem Baum oben und dann in seinem Körbchen ist? Denken Sie einmal, Sie zeichneten den ganzen Vorgang, oder malten ihn. Sie malen den Baum, daneben den Menschen. Sie malen jetzt, wie der Mensch seine Hand ausstreckt, eine Leiter aufstellt und seine Hand ausstreckt, den Apfel pflückt, und malen dann, wie er ihn ins Körbchen tut. Jetzt machen Sie sich einmal, sagen wir, das Vergnügen: Sie radieren den Menschen ganz aus, Sie radieren alles dasjenige weg, was Ihre Malerei vom Menschen war, und betrachten bloß dieses objektiv außerhalb des Menschen Vor-sich-Gehende: der Apfel ist oben, bewegt sich herunter, ist im Körbchen drinnen; Sie haben den Menschen ganz ausgeschaltet. Den Vorgang, der aber im Leben volkswirtschaftlich in Betracht kommt, den haben Sie da streng ins Auge gefaßt. Der ist darinnen geblieben, um den handelt es sich, wenn es sich um eine wirtschaftliche Betrachtung handelt. Und jedesmal wird die rein wirtschaftliche Betrachtung auf einen falschen Boden gestellt, wenn man in die wirtschaftliche Betrachtung den Verbrauch der Lebenskraft oder Körperkraft und dergleichen einschaltet, wie es Lassalle, wie es Marx, wie es aber auch fast alle anderen akademischen Nationalökonomen tun.

[ 18 ] Heute handelt es sich darum, daß man einen Gesichtspunkt gewinne, der nicht mehr Vorurteile in dem Sinne hervorruft, daß man eine einseitige Beweisführung für richtig hält, sondern der gestattet, das Leben so universell zu übersehen, daß man wirklich das Gewicht der einen Gründe, wie auch das Gewicht der Gründe auf der Gegenseite abwägen kann. Man muß heute einsehen, wieviel für sich haben die Gründe auf der einen Seite, auf der materialistischen Seite, und wieviel für sich haben die Gründe auf der spirituellen Seite. Das heißt, niemals war es so notwendig wie gegenwärtig, daß die Menschen keine Fanatiker seien. Aber der Fanatismus, der heute geradezu eine Zeiterscheinung ist, kann nur überwunden werden, wenn der Mensch in sich selber eröffnet den Quell, der ihn zu einer wirklichen Einsicht in die geistigen Zusammenhänge der Welt führt. Daher ist die Befruchtung unserer abendländischen Zivilisation mit den Ergebnissen der Geisteswissenschaft eben eine so eminente Notwendigkeit. Man kann also sagen in strenger Beweisführung, wenn man will — darauf kommt es immer an, daß man will —, man kann sagen, geistige Arbeit gerinne in das Produkt. Man kann auch sagen, körperliche Arbeit gerinne in das Produkt. Aber womit hat man es denn in Wirklichkeit zu tun? In Wirklichkeit hat man es damit zu tun, daß gewisse Vorgänge in der äußeren Welt von den Menschen in einer gewissen Weise geleistet werden. Nehmen Sie an, ich pflücke einen Apfel vom Baum. Das ist eben doch etwas, was auch als ein Addend in der Summe wirtschaftlicher Zusammenhänge etwas zu tun hat. Man muß ja sehen, welche Elemente die Wirklichkeit zusammensetzen. Wenn ich einen Apfel vom Baum pflücke, so rufe ich eine Veränderung in der Außenwelt hervor, eine Metamorphose: Erst ist der Apfel auf dem Baum oben, dann liegt er vielleicht in meinem Körbchen drin. Diese Veränderung habe ich hervorgerufen. Gewiß, es hat sich in mir ein Vorgang abgespielt, im Verlauf dessen auch körperliche Kraft verbraucht worden ist, die wieder ersetzt worden ist. Aber wenn ich in derselben Zeit, in der ich den Apfel gepflückt hätte, ein paar Schritte meines Spazierganges gemacht hätte, hätte ich ebenso die Kraft verbraucht. Es handelt sich nicht darum, was in mir geschieht, und es kann sich im nationalökonomischen Zusammenhang nicht um irgend etwas handeln, was auf den menschlichen Organismus Bezug hat. Es kann sich nicht darum handeln, die Frage aufzuwerfen: Was hat der Mensch zu bekommen, weil er Ersatz zu leisten hat für verbrauchte körperliche Kraft? —, sondern es kann sich lediglich darum handeln: Welche innere Bedeutung kommt jener Metamorphose zu, die sich im Grunde genommen ganz außerhalb des Menschen vollzieht, die er nur dirigiert, die er nur leitet, jener Metamorphose, daß der Apfel zuerst auf dem Baum oben und dann in seinem Körbchen ist? Denken Sie einmal, Sie zeichneten den ganzen Vorgang, oder malten ihn. Sie malen den Baum, daneben den Menschen. Sie malen jetzt, wie der Mensch seine Hand ausstreckt, eine Leiter aufstellt und seine Hand ausstreckt, den Apfel pflückt, und malen dann, wie er ihn ins Körbchen tut. Jetzt machen Sie sich einmal, sagen wir, das Vergnügen: Sie radieren den Menschen ganz aus, Sie radieren alles dasjenige weg, was Ihre Malerei vom Menschen war, und betrachten bloß dieses objektiv außerhalb des Menschen Vor-sich-Gehende: der Apfel ist oben, bewegt sich herunter, ist im Körbchen drinnen; Sie haben den Menschen ganz ausgeschaltet. Den Vorgang, der aber im Leben volkswirtschaftlich in Betracht kommt, den haben Sie da streng ins Auge gefaßt. Der ist darinnen geblieben, um den handelt es sich, wenn es sich um eine wirtschaftliche Betrachtung handelt. Und jedesmal wird die rein wirtschaftliche Betrachtung auf einen falschen Boden gestellt, wenn man in die wirtschaftliche Betrachtung den Verbrauch der Lebenskraft oder Körperkraft und dergleichen einschaltet, wie es Lassalle, wie es Marx, wie es aber auch fast alle anderen akademischen Nationalökonomen tun.

[ 19 ] Dasjenige also, worauf es ankommt, das ist, daß wir da, wo es sich um wirtschaftliche Zusammenhänge handelt, den Menschen ausschalten können. Wir müssen dann diesen ausgeschalteten Menschen wiederum für sich betrachten können. Da kommen wir dann zu anderen Zusammenhängen, zu den Zusammenhängen, welche auf einem anderen Boden stehen. Indem wir sagen: Ja, die Menschen müssen aber doch arbeiten, sonst fallen die Apfel nicht von den Bäumen in die Körbchen hinein! — indem wir dieses aussprechen, merken wir: Jetzt können wir den Menschen nicht wegradieren! Aber wir können vor allen Dingen seine Seele nicht wegradieren, wenn er noch Mensch bleiben soll. Wenn der Mensch eben Mensch bleiben soll, so muß der Antrieb zur Arbeit in ihm selbst liegen. Er kann nicht Mensch bleiben, wenn man einen Apparat ersinnt, durch den er so langsam durch irgendwelche technischen Vorgänge hingetrieben wird zu der Leiter, dort sein Arm in die Höhe gehoben wird, die Finger gebogen werden und so weiter, oder wenn man von Staates wegen Arbeitszwang einführen würde; beides kommt ja im Grunde genommen auf dasselbe hinaus. Es handelt sich darum, daß der Impuls im Inneren des Menschen liegen muß. Er wird nicht im Inneren des Menschen liegen, wenn er nicht entzündet wird durch das Verhältnis, durch den Verkehr von Mensch zu Mensch.

[ 19 ] Dasjenige also, worauf es ankommt, das ist, daß wir da, wo es sich um wirtschaftliche Zusammenhänge handelt, den Menschen ausschalten können. Wir müssen dann diesen ausgeschalteten Menschen wiederum für sich betrachten können. Da kommen wir dann zu anderen Zusammenhängen, zu den Zusammenhängen, welche auf einem anderen Boden stehen. Indem wir sagen: Ja, die Menschen müssen aber doch arbeiten, sonst fallen die Apfel nicht von den Bäumen in die Körbchen hinein! — indem wir dieses aussprechen, merken wir: Jetzt können wir den Menschen nicht wegradieren! Aber wir können vor allen Dingen seine Seele nicht wegradieren, wenn er noch Mensch bleiben soll. Wenn der Mensch eben Mensch bleiben soll, so muß der Antrieb zur Arbeit in ihm selbst liegen. Er kann nicht Mensch bleiben, wenn man einen Apparat ersinnt, durch den er so langsam durch irgendwelche technischen Vorgänge hingetrieben wird zu der Leiter, dort sein Arm in die Höhe gehoben wird, die Finger gebogen werden und so weiter, oder wenn man von Staates wegen Arbeitszwang einführen würde; beides kommt ja im Grunde genommen auf dasselbe hinaus. Es handelt sich darum, daß der Impuls im Inneren des Menschen liegen muß. Er wird nicht im Inneren des Menschen liegen, wenn er nicht entzündet wird durch das Verhältnis, durch den Verkehr von Mensch zu Mensch.

[ 20 ] Sie sehen, man kommt auch in der Betrachtung auf ein ganz anderes Gebiet als dasjenige, was das wirtschaftliche Gebiet war, wenn man zu dem Antriebe der Arbeit übergeht. Wenn es sich um den Antrieb zur Arbeit handelt, so können Sie nicht absehen vom Menschen, Sie können aber auch nicht absehen von dem Innersten des Menschen. Wenn Sie wirklichkeitsgemäß diese Sache verfolgen, dann werden Sie eben finden: Es ist so radikal verschieden das eine, was ich erwähnt habe, der wirtschaftliche Vorgang, von dem, was eigentlich zur Arbeit führt, was der Impuls der Arbeit ist, daß diese Verschiedenheit in der sozialen Wirklichkeit selbst wurzeln muß.

[ 20 ] Sie sehen, man kommt auch in der Betrachtung auf ein ganz anderes Gebiet als dasjenige, was das wirtschaftliche Gebiet war, wenn man zu dem Antriebe der Arbeit übergeht. Wenn es sich um den Antrieb zur Arbeit handelt, so können Sie nicht absehen vom Menschen, Sie können aber auch nicht absehen von dem Innersten des Menschen. Wenn Sie wirklichkeitsgemäß diese Sache verfolgen, dann werden Sie eben finden: Es ist so radikal verschieden das eine, was ich erwähnt habe, der wirtschaftliche Vorgang, von dem, was eigentlich zur Arbeit führt, was der Impuls der Arbeit ist, daß diese Verschiedenheit in der sozialen Wirklichkeit selbst wurzeln muß.

[ 21 ] Nun gibt es ja viele Denkweisen, um zur Dreigliederung des sozialen Organismus zu kommen. Aber man sollte viele Denkwege gehen, denn der Mensch braucht heute einen starken Antrieb, er ist so denkschläfrig! Sie werden vor allen Dingen finden, daß dieses Gestrüpp von Vorstellungen, welches alles zusammenschweißen möchte, was wirtschaftliches, rechtlich-staatliches, was Geistesleben ist, durchaus ersprossen ist aus dem Materialismus, der aber zu gleicher Zeit, indem er als Weltanschauung entsteht, auch die Seele bindet an die körperlichen Vorgänge, damit aber diese Seele auch passiv macht, diese Seele in ihrer Aktivität ertötet. Wir sind nicht etwa bloß materialistisch geworden, theoretisch materialistisch, wir sind materiell geworden. Der Mensch kann deshalb nicht durch eine Umänderung seiner Denkweise allein aus der Katastrophe sich heraus winden, in der er sich heute befindet, sondern er kann nur durch einen Ansporn seines Willens sich herauswinden. Denn der Wille ist dasjenige, was zunächst als erstes Seelisches unabhängig ist vom Leiblichen und nicht ganz, wenn er überhaupt in Anwendung kommt, an das Leibliche gespannt werden kann. Denn in jedem Augenblicke, in dem ich irgendein Äußeres tue, wird mir der unmittelbar anschauliche Beweis geliefert, daß der Wille von dem Materiellen des Leibes unabhängig ist. Denn der Wille ist tätig in dem Herabnehmen des Apfels vom Baum und dem Hineinlegen des Apfels in das Körbchen. Dasjenige, was der Mensch ißt, kann ich von dem rein wirtschaftlichen Prozesse ausschalten; den Willen der Menschen kann ich nicht ausschalten.

[ 21 ] Nun gibt es ja viele Denkweisen, um zur Dreigliederung des sozialen Organismus zu kommen. Aber man sollte viele Denkwege gehen, denn der Mensch braucht heute einen starken Antrieb, er ist so denkschläfrig! Sie werden vor allen Dingen finden, daß dieses Gestrüpp von Vorstellungen, welches alles zusammenschweißen möchte, was wirtschaftliches, rechtlich-staatliches, was Geistesleben ist, durchaus ersprossen ist aus dem Materialismus, der aber zu gleicher Zeit, indem er als Weltanschauung entsteht, auch die Seele bindet an die körperlichen Vorgänge, damit aber diese Seele auch passiv macht, diese Seele in ihrer Aktivität ertötet. Wir sind nicht etwa bloß materialistisch geworden, theoretisch materialistisch, wir sind materiell geworden. Der Mensch kann deshalb nicht durch eine Umänderung seiner Denkweise allein aus der Katastrophe sich heraus winden, in der er sich heute befindet, sondern er kann nur durch einen Ansporn seines Willens sich herauswinden. Denn der Wille ist dasjenige, was zunächst als erstes Seelisches unabhängig ist vom Leiblichen und nicht ganz, wenn er überhaupt in Anwendung kommt, an das Leibliche gespannt werden kann. Denn in jedem Augenblicke, in dem ich irgendein Äußeres tue, wird mir der unmittelbar anschauliche Beweis geliefert, daß der Wille von dem Materiellen des Leibes unabhängig ist. Denn der Wille ist tätig in dem Herabnehmen des Apfels vom Baum und dem Hineinlegen des Apfels in das Körbchen. Dasjenige, was der Mensch ißt, kann ich von dem rein wirtschaftlichen Prozesse ausschalten; den Willen der Menschen kann ich nicht ausschalten.

[ 22 ] Ich wollte Ihnen damit heute nur wiederum eine Art des Gedankenganges angeben, durch den Sie die tiefe Berechtigung dieser Dreigliederungsideen finden können. Zunächst habe ich Ihnen gezeigt, wie ganz verschieden der Impuls der Arbeit ist von alldem, was ins Wirtschaftsleben eingeschlossen ist. Sie wissen ja, daß er im dreigliedrigen Organismus auf staatlich-rechtlichem Gebiete liegen soll. Aber wenn Sie nach anderen Richtungen hin die heute angeregten Gedankengänge verfolgen, nach der Richtung zum Beispiel, wie verworren die Vorstellungen werden mit Bezug auf den Anteil der körperlichen Arbeit und der geistigen Arbeit bei der Erzeugung des Produktes — wenn man so denkt, wie die letzten drei bis vier Jahrhunderte die Menschen denken gelernt haben —, dann werden Sie auch sehen, wie dieser Denkknäuel, der da entstanden ist, auch wiederum dann verwirrend wirkt, wenn man das geistige Leben rein absondern will vom rechtlichen und wirtschaftlichen Leben. Denn irgendeine Wirkensnotwendigkeit liegt nicht vor, wenn man die Anschauung hat, daß der Mensch eben in der Arbeit Körperkraft verbraucht, die ihm ersetzt werden muß durch den Lohn. Das haben wir ja gesehen, daß eine solche Wirkensnotwendigkeit nicht vorliegt. Wie kommt man denn dazu, einen solchen Gedankengang zu hegen? Wie kommt man dazu, diese Idee überhaupt aufzustellen? Man kommt aus materialistischen Untergründen dazu. Man kann sich in seinem Denken nicht loslösen von der Materie. Man kann nicht finden etwas, was vom Menschen ausgeht und was unabhängig ist von seinem Leibe. So wird man gekettet mit seinen Ideen an den Leib. Die Nationalökonomie wird materialistisch gekettet an den Leib. Weil sie die rein geistigen Zusammenhänge in der Außenwelt im wirtschaftlichen Leben nicht sehen kann, wird sie abgelenkt auf den rein materiellen Vorgang des Körperkraftverbrauches und des Ersatzes: Kraft abgeben, Kraft aufnehmen, Kraft abgeben, Kraft aufnehmen und so weiter! Man will sich ganz im Materiellen bewegen und kann deshalb auf nichts anderes kommen als gewissermaßen auf die Einschaltung des Menschen als Maschine in den nationalökonomischen Organismus.

[ 22 ] Ich wollte Ihnen damit heute nur wiederum eine Art des Gedankenganges angeben, durch den Sie die tiefe Berechtigung dieser Dreigliederungsideen finden können. Zunächst habe ich Ihnen gezeigt, wie ganz verschieden der Impuls der Arbeit ist von alldem, was ins Wirtschaftsleben eingeschlossen ist. Sie wissen ja, daß er im dreigliedrigen Organismus auf staatlich-rechtlichem Gebiete liegen soll. Aber wenn Sie nach anderen Richtungen hin die heute angeregten Gedankengänge verfolgen, nach der Richtung zum Beispiel, wie verworren die Vorstellungen werden mit Bezug auf den Anteil der körperlichen Arbeit und der geistigen Arbeit bei der Erzeugung des Produktes — wenn man so denkt, wie die letzten drei bis vier Jahrhunderte die Menschen denken gelernt haben —, dann werden Sie auch sehen, wie dieser Denkknäuel, der da entstanden ist, auch wiederum dann verwirrend wirkt, wenn man das geistige Leben rein absondern will vom rechtlichen und wirtschaftlichen Leben. Denn irgendeine Wirkensnotwendigkeit liegt nicht vor, wenn man die Anschauung hat, daß der Mensch eben in der Arbeit Körperkraft verbraucht, die ihm ersetzt werden muß durch den Lohn. Das haben wir ja gesehen, daß eine solche Wirkensnotwendigkeit nicht vorliegt. Wie kommt man denn dazu, einen solchen Gedankengang zu hegen? Wie kommt man dazu, diese Idee überhaupt aufzustellen? Man kommt aus materialistischen Untergründen dazu. Man kann sich in seinem Denken nicht loslösen von der Materie. Man kann nicht finden etwas, was vom Menschen ausgeht und was unabhängig ist von seinem Leibe. So wird man gekettet mit seinen Ideen an den Leib. Die Nationalökonomie wird materialistisch gekettet an den Leib. Weil sie die rein geistigen Zusammenhänge in der Außenwelt im wirtschaftlichen Leben nicht sehen kann, wird sie abgelenkt auf den rein materiellen Vorgang des Körperkraftverbrauches und des Ersatzes: Kraft abgeben, Kraft aufnehmen, Kraft abgeben, Kraft aufnehmen und so weiter! Man will sich ganz im Materiellen bewegen und kann deshalb auf nichts anderes kommen als gewissermaßen auf die Einschaltung des Menschen als Maschine in den nationalökonomischen Organismus.

[ 23 ] Es ist heute schon so, daß wir nicht etwa aus den Einrichtungen heraus in der Katastrophe drinnenstecken, sondern daß wir aus dem tiefsten Denken und Empfinden und den Willensimpulsen der Menschen heraus in der Katastrophe drinnenstecken, und daß es im eminentesten Sinne notwendig ist, daß man abkomme von dem Vorurteil, als ob durch bloße Einrichtungen irgendwie ein sozialer Aufschwung geschehen könne. Es ist dringend notwendig, daß man einsehe, daß ein sozialer Aufschwung nur geschehen kann durch eine Umwandlung der Denk- und -Empfindungsrichtung der Menschen, durch ein Ausrotten von alten Denkgewohnheiten, die drohen, uns immer tiefer und tiefer in den Niedergang hineinzubringen. Man muß sich geradezu daran gewöhnen, mit einem gewissen tiefsten Interesse das zu verfolgen, was in den Gedanken der Gegenwartsmenschheit lebt. Man wird einmal finden, wie es nichts nützt, diese Gedanken nach irgendeiner Richtung hin fortzusetzen, sondern wie es lediglich darauf ankommt, auf dem wichtigsten Gebiete heute diese Gedankenrichtungen zu verlassen und neue Gedankenrichtungen aufzunehmen. Die können aber nur aus der tiefsten Grundlage der menschlichen Natur selbst hervorgehen. Und sie können nur dadurch in die Kultur der Menschheit hineinkommen, daß Impulse, die ursprünglich sind, die elementar sind, wirklich von den Menschen berücksichtigt und aufgenommen werden. Aber solche Impulse können eben heute doch nur innerhalb derjenigen Wissenschaft vom Geistigen liegen, die anthroposophisch orientiert ist. Wir brauchen eine neue Menschheitserkenntnis, denn die alte Menschheitserkenntnis hat selbst auf einem solchen Gebiete, wie das ist, was ich Ihnen heute charakterisiert habe, zum Irrtum geführt. Die alte Anschauung ist auch schon im Praktischen so weit, den Menschen als Maschine anzusehen und die Absurdität des Gedankens nicht zu erkennen, daß es eine volkswirtschaftliche Kategorie sei, menschliche Körperkraft zu verbrauchen und sie durch den Lohn als Äquivalent ersetzen zu sollen. Das alles beruht darauf, daß man innerhalb der heutigen Denkweisen den Menschen überhaupt nicht kennen kann und daß man nötig hat, Menschenkenntnis im tiefsten Sinne des Wortes zu erringen. Das wird aber nur möglich sein, wenn unsere ganze Denkungsweise anthroposophisch orientiert wird.

[ 23 ] Es ist heute schon so, daß wir nicht etwa aus den Einrichtungen heraus in der Katastrophe drinnenstecken, sondern daß wir aus dem tiefsten Denken und Empfinden und den Willensimpulsen der Menschen heraus in der Katastrophe drinnenstecken, und daß es im eminentesten Sinne notwendig ist, daß man abkomme von dem Vorurteil, als ob durch bloße Einrichtungen irgendwie ein sozialer Aufschwung geschehen könne. Es ist dringend notwendig, daß man einsehe, daß ein sozialer Aufschwung nur geschehen kann durch eine Umwandlung der Denk- und -Empfindungsrichtung der Menschen, durch ein Ausrotten von alten Denkgewohnheiten, die drohen, uns immer tiefer und tiefer in den Niedergang hineinzubringen. Man muß sich geradezu daran gewöhnen, mit einem gewissen tiefsten Interesse das zu verfolgen, was in den Gedanken der Gegenwartsmenschheit lebt. Man wird einmal finden, wie es nichts nützt, diese Gedanken nach irgendeiner Richtung hin fortzusetzen, sondern wie es lediglich darauf ankommt, auf dem wichtigsten Gebiete heute diese Gedankenrichtungen zu verlassen und neue Gedankenrichtungen aufzunehmen. Die können aber nur aus der tiefsten Grundlage der menschlichen Natur selbst hervorgehen. Und sie können nur dadurch in die Kultur der Menschheit hineinkommen, daß Impulse, die ursprünglich sind, die elementar sind, wirklich von den Menschen berücksichtigt und aufgenommen werden. Aber solche Impulse können eben heute doch nur innerhalb derjenigen Wissenschaft vom Geistigen liegen, die anthroposophisch orientiert ist. Wir brauchen eine neue Menschheitserkenntnis, denn die alte Menschheitserkenntnis hat selbst auf einem solchen Gebiete, wie das ist, was ich Ihnen heute charakterisiert habe, zum Irrtum geführt. Die alte Anschauung ist auch schon im Praktischen so weit, den Menschen als Maschine anzusehen und die Absurdität des Gedankens nicht zu erkennen, daß es eine volkswirtschaftliche Kategorie sei, menschliche Körperkraft zu verbrauchen und sie durch den Lohn als Äquivalent ersetzen zu sollen. Das alles beruht darauf, daß man innerhalb der heutigen Denkweisen den Menschen überhaupt nicht kennen kann und daß man nötig hat, Menschenkenntnis im tiefsten Sinne des Wortes zu erringen. Das wird aber nur möglich sein, wenn unsere ganze Denkungsweise anthroposophisch orientiert wird.