Healing Factors for the Social Organism
GA 198
17 July 1920, Dornach
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Heilfaktoren für den sozialen Organismus
Sechzehnter Vortrag
Sechzehnter Vortrag
[ 1 ] Ich darf noch einmal erinnern an diejenigen Dinge, die ich gestern am Schlusse der hier vorgebrachten Ideen über das Paradoxe in dem Charakter unserer Gegenwart erwähnt habe. Mir scheint es, daß keine Zeit so charakterisiert hat werden müssen in hervorragenden ihrer Repräsentanten wie gerade diese unsere Gegenwart. Denn bedenken Sie einmal, ich mußte gestern — führen wir uns nur einmal den Tatbestand ordentlich vor Augen — von einem hervorragenden Menschen der Gegenwart sprechen, von einem Menschen, von dem ich sagen konnte, daß er ganz herausgewachsen ist aus dem, was die sogenannte geistige Substanz der Gegenwart ist, von Oswald Spengler. Es ist zweifellos, daß er zunächst einer von denjenigen ist, die namentlich auf die Jugend Mitteleuropas den denkbar größten Einfluß gewinnen, und daß man mit diesem Einfluß rechnen muß. Aber man sieht, wie ich gestern erwähnt habe, diesen Einfluß auch schon weit über Mitteleuropa hinausgehen. Die «Times» haben Artikel gebracht über das, was in dem Buche «Der Untergang des Abendlandes» von Oswald Spengler steht, und es ist einmal eine hervorragende Erscheinung, daß mit einer Geschlossenheit, die man heute eben nur gewöhnt ist in der sogenannten Wissenschaftlichkeit, ein Mensch, der ausgerüstet ist mit zwölf bis fünfzehn Wissenschaften, die er voll beherrscht, strikte beweist, daß bis zum Beginne des 3. Jahrtausends unsere abendländische Kultur zugrunde gehen muß, in die Barbarei verfallen muß. Es ist eine bedeutsame Erscheinung, daß mit denselben Mitteln, mit denselben Forschungs- und Denkweisen, mit denen unsere Zeit glaubte, es so weit gebracht zu haben, jemand klipp und klar beweist, daß diese Zivilisation in so kurzer Zeit vollständig verschwunden sein müsse.
[ 1 ] Ich darf noch einmal erinnern an diejenigen Dinge, die ich gestern am Schlusse der hier vorgebrachten Ideen über das Paradoxe in dem Charakter unserer Gegenwart erwähnt habe. Mir scheint es, daß keine Zeit so charakterisiert hat werden müssen in hervorragenden ihrer Repräsentanten wie gerade diese unsere Gegenwart. Denn bedenken Sie einmal, ich mußte gestern — führen wir uns nur einmal den Tatbestand ordentlich vor Augen — von einem hervorragenden Menschen der Gegenwart sprechen, von einem Menschen, von dem ich sagen konnte, daß er ganz herausgewachsen ist aus dem, was die sogenannte geistige Substanz der Gegenwart ist, von Oswald Spengler. Es ist zweifellos, daß er zunächst einer von denjenigen ist, die namentlich auf die Jugend Mitteleuropas den denkbar größten Einfluß gewinnen, und daß man mit diesem Einfluß rechnen muß. Aber man sieht, wie ich gestern erwähnt habe, diesen Einfluß auch schon weit über Mitteleuropa hinausgehen. Die «Times» haben Artikel gebracht über das, was in dem Buche «Der Untergang des Abendlandes» von Oswald Spengler steht, und es ist einmal eine hervorragende Erscheinung, daß mit einer Geschlossenheit, die man heute eben nur gewöhnt ist in der sogenannten Wissenschaftlichkeit, ein Mensch, der ausgerüstet ist mit zwölf bis fünfzehn Wissenschaften, die er voll beherrscht, strikte beweist, daß bis zum Beginne des 3. Jahrtausends unsere abendländische Kultur zugrunde gehen muß, in die Barbarei verfallen muß. Es ist eine bedeutsame Erscheinung, daß mit denselben Mitteln, mit denselben Forschungs- und Denkweisen, mit denen unsere Zeit glaubte, es so weit gebracht zu haben, jemand klipp und klar beweist, daß diese Zivilisation in so kurzer Zeit vollständig verschwunden sein müsse.
[ 2 ] Wir haben es da eben durchaus nicht mit einer Anschauung zu tun, die, wie so vielfach in der Gegenwart, im Belletristischen, im Feuilletonistischen steckenbleibt; wir haben es zu tun mit etwas, was mit dem schwersten Rüstzeug wissenschaftlicher Beschlagenheit auftritt, und, vor allen Dingen, wir haben es zu tun mit einem genialen Menschen. Dieser geniale Mensch verwendet abendländische Wissenschaft dazu, um die Anschauung entsprechend zu begründen, daß die Kultur des Abendlandes zugrunde geht. Und ich mußte Ihnen gestern, um so ganz Oswald Spengler zu charakterisieren, die ärgste Paradoxie sagen. Ich mußte Ihnen sagen, daß dieser Spengler zweifellos ein genialer Mensch ist, daß er aber die größten Torheiten sagt. Ich habe Ihnen Beispiele davon angeführt, so daß wir vor der merkwürdigen Erscheinung im Geistesleben der Gegenwart stehen, daß sich Genialität und Torheit berühren. Das ist überhaupt etwas Charakteristisches, daß sich die äußersten Extreme in unserer Gegenwart berühren, und man würde schon eine Empfindung bekommen können von diesem erschütternden Berühren, wenn man auf der anderen Seite nicht gar so schläfrig dahinlebte.
[ 2 ] Wir haben es da eben durchaus nicht mit einer Anschauung zu tun, die, wie so vielfach in der Gegenwart, im Belletristischen, im Feuilletonistischen steckenbleibt; wir haben es zu tun mit etwas, was mit dem schwersten Rüstzeug wissenschaftlicher Beschlagenheit auftritt, und, vor allen Dingen, wir haben es zu tun mit einem genialen Menschen. Dieser geniale Mensch verwendet abendländische Wissenschaft dazu, um die Anschauung entsprechend zu begründen, daß die Kultur des Abendlandes zugrunde geht. Und ich mußte Ihnen gestern, um so ganz Oswald Spengler zu charakterisieren, die ärgste Paradoxie sagen. Ich mußte Ihnen sagen, daß dieser Spengler zweifellos ein genialer Mensch ist, daß er aber die größten Torheiten sagt. Ich habe Ihnen Beispiele davon angeführt, so daß wir vor der merkwürdigen Erscheinung im Geistesleben der Gegenwart stehen, daß sich Genialität und Torheit berühren. Das ist überhaupt etwas Charakteristisches, daß sich die äußersten Extreme in unserer Gegenwart berühren, und man würde schon eine Empfindung bekommen können von diesem erschütternden Berühren, wenn man auf der anderen Seite nicht gar so schläfrig dahinlebte.
[ 3 ] Denn ich stelle mir vor: wenn zu einer Versammlung vor hundertdreißig Jahren in Mitteleuropa so hätte gesprochen werden müssen, wie gestern gesprochen worden ist über Oswald Spengler, so würde eine solche Versammlung vollständig aus dem Häuschen gekommen sein; denn dazumal wachte man noch! Das ist eine allgemeine Erscheinung, daß die Paradoxien in unserer Zeit sich ineinanderweben, und daß die Menschen schon ganz abgestumpft sind gegenüber diesen Paradoxien, weil Geistiges im Grunde genommen auf die Gegenwartsmenschen keinen Eindruck mehr macht.
[ 3 ] Denn ich stelle mir vor: wenn zu einer Versammlung vor hundertdreißig Jahren in Mitteleuropa so hätte gesprochen werden müssen, wie gestern gesprochen worden ist über Oswald Spengler, so würde eine solche Versammlung vollständig aus dem Häuschen gekommen sein; denn dazumal wachte man noch! Das ist eine allgemeine Erscheinung, daß die Paradoxien in unserer Zeit sich ineinanderweben, und daß die Menschen schon ganz abgestumpft sind gegenüber diesen Paradoxien, weil Geistiges im Grunde genommen auf die Gegenwartsmenschen keinen Eindruck mehr macht.
[ 4 ] Und ich mußte Ihnen zweitens sagen, daß dieser Oswald Spengler ein grundgescheiter Mensch ist, daß man schon so gescheit sein muß wie er, um so grandiose Dummheiten zu produzieren, wie er sie produziert hat. Ich knüpfte daran die Bemerkung, daß es Laffen genug gibt, welche zum Beispiel mir vorgeworfen haben, ich sagte über ein und dieselbe Erscheinung bald dieses, bald jenes. Ich habe es mir gestern herausgenommen, an einem und demselben Abend über eine Persönlichkeit zweierlei zu sagen: daß sie genial und töricht ist, daß sie gescheit und grandios dumm ist. Diese Dinge erleben wir heute. Und ehe es nicht mit Ernst begriffen wird, daß diese Dinge heute erlebt werden können, daß aus den Tiefen der heutigen Bewußtseine diese Dinge aufsteigen, eher wird man nicht einen solchen Einblick in die Notwendigkeiten unserer Zeit gewinnen, daß man die ganze Bedeutung der hier gemeinten Geisteswissenschaft wirklich einsieht.
[ 4 ] Und ich mußte Ihnen zweitens sagen, daß dieser Oswald Spengler ein grundgescheiter Mensch ist, daß man schon so gescheit sein muß wie er, um so grandiose Dummheiten zu produzieren, wie er sie produziert hat. Ich knüpfte daran die Bemerkung, daß es Laffen genug gibt, welche zum Beispiel mir vorgeworfen haben, ich sagte über ein und dieselbe Erscheinung bald dieses, bald jenes. Ich habe es mir gestern herausgenommen, an einem und demselben Abend über eine Persönlichkeit zweierlei zu sagen: daß sie genial und töricht ist, daß sie gescheit und grandios dumm ist. Diese Dinge erleben wir heute. Und ehe es nicht mit Ernst begriffen wird, daß diese Dinge heute erlebt werden können, daß aus den Tiefen der heutigen Bewußtseine diese Dinge aufsteigen, eher wird man nicht einen solchen Einblick in die Notwendigkeiten unserer Zeit gewinnen, daß man die ganze Bedeutung der hier gemeinten Geisteswissenschaft wirklich einsieht.
[ 5 ] Es hängt mit dem, was ich in dieser Weise charakterisieren muß, zusammen die Änderung im Usus, im ganzen Gebrauche, den man von den übersinnlichen Erkenntnissen macht. Ich habe Ihnen gestern dargestellt, wie durch Jahrtausende hindurch in den Mysterien die übersinnlichen Erkenntnisse bewahrt worden sind, wie es geradezu eine Selbstverständlichkeit war, daß über sie geschwiegen worden ist. Ich habe Ihnen gesagt, daß heute etwas anderes notwendig geworden ist. Trotzdem es sich gerade herausgestellt hat, daß die Verschwiegenheit nicht einmal in der Äußerlichkeit des Bewahrens meiner Vortragszyklen hat erreicht werden können, so mußte dennoch streng der Kurs eingehalten werden, gewisse Wahrheiten, die allerdings noch nicht bis an die höchste Stufe heranreichen, ganz öffentlich zu behandeln. Zu der Verschwiegenheit, wie wir sie in den alten Geheimgesellschaften oder gar in den Mysterien erlebt haben, bringt man es heute nicht in der Zeit, von der ja so viele die «Beweise» haben, «wie wir es so herrlich weit gebracht» haben.
[ 5 ] Es hängt mit dem, was ich in dieser Weise charakterisieren muß, zusammen die Änderung im Usus, im ganzen Gebrauche, den man von den übersinnlichen Erkenntnissen macht. Ich habe Ihnen gestern dargestellt, wie durch Jahrtausende hindurch in den Mysterien die übersinnlichen Erkenntnisse bewahrt worden sind, wie es geradezu eine Selbstverständlichkeit war, daß über sie geschwiegen worden ist. Ich habe Ihnen gesagt, daß heute etwas anderes notwendig geworden ist. Trotzdem es sich gerade herausgestellt hat, daß die Verschwiegenheit nicht einmal in der Äußerlichkeit des Bewahrens meiner Vortragszyklen hat erreicht werden können, so mußte dennoch streng der Kurs eingehalten werden, gewisse Wahrheiten, die allerdings noch nicht bis an die höchste Stufe heranreichen, ganz öffentlich zu behandeln. Zu der Verschwiegenheit, wie wir sie in den alten Geheimgesellschaften oder gar in den Mysterien erlebt haben, bringt man es heute nicht in der Zeit, von der ja so viele die «Beweise» haben, «wie wir es so herrlich weit gebracht» haben.
[ 6 ] Es ist eben heute durchaus eine gewisse Demokratie notwendig. Demokratie ist einmal seit mehr als einem Jahrhundert eine notwendige Forderung unserer Zeit. Und so wenig es abgeschafft werden kann, daß immer nur Einzelne Geistesforscher werden sein können, immer nur Einzelne durch die Kraft ihres eigenen Seelenlebens sich werden hinaufleben können in die geistigen Welten, so sehr wird es aber auch notwendig sein, daß gerade, um das soziale Leben in der richtigen Weise zu begründen, die Weisheit, die gewonnen wird durch den Einblick in die übersinnlichen Welten, in die weitesten Kreise getragen werde. Wie notwendig das ist, soll Ihnen aus folgender Betrachtung hervorgehen, einer Betrachtung, die wiederum von der Art ist, daß viele noch reaktionäre, rückschrittliche, aber sonst ehrenwerte Repräsentanten gewisser Geheimgesellschaften es höchst anstößig finden, wenn man solche Dinge heute mitteilt.
[ 6 ] Es ist eben heute durchaus eine gewisse Demokratie notwendig. Demokratie ist einmal seit mehr als einem Jahrhundert eine notwendige Forderung unserer Zeit. Und so wenig es abgeschafft werden kann, daß immer nur Einzelne Geistesforscher werden sein können, immer nur Einzelne durch die Kraft ihres eigenen Seelenlebens sich werden hinaufleben können in die geistigen Welten, so sehr wird es aber auch notwendig sein, daß gerade, um das soziale Leben in der richtigen Weise zu begründen, die Weisheit, die gewonnen wird durch den Einblick in die übersinnlichen Welten, in die weitesten Kreise getragen werde. Wie notwendig das ist, soll Ihnen aus folgender Betrachtung hervorgehen, einer Betrachtung, die wiederum von der Art ist, daß viele noch reaktionäre, rückschrittliche, aber sonst ehrenwerte Repräsentanten gewisser Geheimgesellschaften es höchst anstößig finden, wenn man solche Dinge heute mitteilt.
[ 7 ] Sie wissen ja, die traditionellen Religionsbekenntnisse sprechen eigentlich nur von einer Unsterblichkeit, das heißt, sie meinen, in ihren Predigten, in ihrer Theologie zu den Menschen nur sprechen zu sollen von der Fortdauer der Seele des Menschen nach dem Tode. Ja, es wird nicht nur in der Theologie, in der Predigt von nichts anderem gesprochen als von dieser Fortdauer nach dem Tode, sondern es wird sogar von den europäischen traditionellen Bekenntnissen als ketzerisch, als häretisch erklärt, wenn man redet von der Präexistenz, von dem Leben der Seele in geistigen Welten vor der Geburt oder, sagen wir, vor der Empfängnis. Ich habe Ihnen auch charakterisiert, warum das allmählich unter dem Gang der europäischen Geistesströmung sich herausgebildet hat. Zu wem sprechen denn eigentlich die Vertreter, die Repräsentanten der traditionellen Religionsbekenntnisse? Sie sprechen im Grunde genommen doch nur zu dem raffinierten Egoismus der Seelen. Sie bringen für die Unsterblichkeit nichts anderes vor als das, was die Menschen aus ihrem Egoismus heraus hören wollen, weil sie das Leben nach dem Tode aus diesem Egoismus heraus ersehnen und begehren.
[ 7 ] Sie wissen ja, die traditionellen Religionsbekenntnisse sprechen eigentlich nur von einer Unsterblichkeit, das heißt, sie meinen, in ihren Predigten, in ihrer Theologie zu den Menschen nur sprechen zu sollen von der Fortdauer der Seele des Menschen nach dem Tode. Ja, es wird nicht nur in der Theologie, in der Predigt von nichts anderem gesprochen als von dieser Fortdauer nach dem Tode, sondern es wird sogar von den europäischen traditionellen Bekenntnissen als ketzerisch, als häretisch erklärt, wenn man redet von der Präexistenz, von dem Leben der Seele in geistigen Welten vor der Geburt oder, sagen wir, vor der Empfängnis. Ich habe Ihnen auch charakterisiert, warum das allmählich unter dem Gang der europäischen Geistesströmung sich herausgebildet hat. Zu wem sprechen denn eigentlich die Vertreter, die Repräsentanten der traditionellen Religionsbekenntnisse? Sie sprechen im Grunde genommen doch nur zu dem raffinierten Egoismus der Seelen. Sie bringen für die Unsterblichkeit nichts anderes vor als das, was die Menschen aus ihrem Egoismus heraus hören wollen, weil sie das Leben nach dem Tode aus diesem Egoismus heraus ersehnen und begehren.
[ 8 ] Dieser Begierde wird ja gefrönt in Tausenden und Tausenden von Predigten und theologischen und religiösen Schriften. Weil die Menschen nicht untergehen wollen im Tode, wird an die Instinkte dieses raffinierten Seelenegoismus appelliert, und von dem aus werden die Menschen herangezogen, zu glauben an die Unsterblichkeit. Für dasjenige, was aber das eigentlich Ewige ist im Menschen und über das man nicht sprechen kann, wenn man nicht von der Präexistenz spricht, für das ist wenig Empfindung vorhanden. Wir haben in den europäischen Sprachen nicht einmal ein entsprechendes Wort dafür. Wir haben das Wort «Unsterblichkeit», wir haben aber nicht das Wort «Ungeborenheit». Ebenso müßten wir das Wort «Ungeborenheit» haben, wenn wir wirklich losgingen auf das Ewige in der Menschenseele, wie wir das Wort «Unsterblichkeit» haben. Wir negieren bloß das Vergehen an dem einen Ende des Lebens, indem wir eine negative Partikel an die Sterblichkeit setzen und von der Unsterblichkeit sprechen. Wir haben kein gebräuchliches Wort etwa wie «Ungeborenheit». Ein solches Wort muß sich aber einleben. Denn spricht man zu den Menschen von der Ungeborenheit, so kann man nicht an ihre egoistischen Seeleninstinkte appellieren. Ich möchte sagen: Die Unsterblichkeit wird zur Selbstverständlichkeit, wenn man in der richtigen Weise diese Ungeborenheit begreift; aber diese Ungeborenheit macht das Leben unbequemer, als die meisten Menschen es haben wollen und als es vor allen Dingen die Repräsentanten der traditionellen Religionsbekenntnisse haben möchten.
[ 8 ] Dieser Begierde wird ja gefrönt in Tausenden und Tausenden von Predigten und theologischen und religiösen Schriften. Weil die Menschen nicht untergehen wollen im Tode, wird an die Instinkte dieses raffinierten Seelenegoismus appelliert, und von dem aus werden die Menschen herangezogen, zu glauben an die Unsterblichkeit. Für dasjenige, was aber das eigentlich Ewige ist im Menschen und über das man nicht sprechen kann, wenn man nicht von der Präexistenz spricht, für das ist wenig Empfindung vorhanden. Wir haben in den europäischen Sprachen nicht einmal ein entsprechendes Wort dafür. Wir haben das Wort «Unsterblichkeit», wir haben aber nicht das Wort «Ungeborenheit». Ebenso müßten wir das Wort «Ungeborenheit» haben, wenn wir wirklich losgingen auf das Ewige in der Menschenseele, wie wir das Wort «Unsterblichkeit» haben. Wir negieren bloß das Vergehen an dem einen Ende des Lebens, indem wir eine negative Partikel an die Sterblichkeit setzen und von der Unsterblichkeit sprechen. Wir haben kein gebräuchliches Wort etwa wie «Ungeborenheit». Ein solches Wort muß sich aber einleben. Denn spricht man zu den Menschen von der Ungeborenheit, so kann man nicht an ihre egoistischen Seeleninstinkte appellieren. Ich möchte sagen: Die Unsterblichkeit wird zur Selbstverständlichkeit, wenn man in der richtigen Weise diese Ungeborenheit begreift; aber diese Ungeborenheit macht das Leben unbequemer, als die meisten Menschen es haben wollen und als es vor allen Dingen die Repräsentanten der traditionellen Religionsbekenntnisse haben möchten.


[ 9 ] Das alles hat nicht nur eine theoretische Bedeutung, das alles hat eine durchaus praktische, eine reale Bedeutung. Denn eine solche Wahrheit, wie ich sie vor einigen Wochen hier angeführt habe, dürfen wir nicht leicht nehmen. Ich sagte Ihnen: Man spricht heute eigentlich nur im theoretischen, im akademischen, im doktrinären Sinne davon, daß die Menschen materialistisch sind. Man meint: Sie denken materialistisch. — Was ist denn eigentlich gemeint, wenn man sagt: Die Menschen denken materialistisch? — Man denkt dabei: Die Menschen denken falsch, denn der Materialismus ist nicht richtig; die Menschen haben nun einmal eine unsterbliche Seele, das eigentliche Wesen des Menschen ist geistig, daher ist der Materialismus falsch. Man muß also einfach den Materialismus bekämpfen und in der Theorie das Richtige anstreben. — Das ist aber nicht das, worauf es ankommt, sondern die Sache verhält sich so. Gewiß, das menschliche Wesen ist zunächst geistig-seelisch. Nehmen wir einmal an — schematisch gezeichnet -, das sei das geistig-seelische Wesen des Menschen (rot). Aber von diesem geistig-seelischen Wesen des Menschen bildet sich nach der Empfängnis beziehungsweise nach der Geburt ein getreulicher Abdruck im Leiblich-Physischen, so daß also von dem, was geistig-seelisch ist, ein völliger Abdruck vorhanden ist im Leiblich-Physischen (weiß). Alles dasjenige, was im Geistig-Seelischen ist, wird abgedrückt im Leiblich-Physischen. Nun können Sie zweierlei erleben. Sie können es erleben, daß die Menschen sich bekanntmachen mit solchen Gedanken, die aus der geistigen Welt geholt sind, wie sie in unseren anthroposophischen Büchern stehen, Gedanken, wie sie die Materialisten für Unsinn halten, wie es die Materialisten für Phantasie halten, wenn man solche Gedanken denkt. Man braucht nicht selbst Geistesforscher zu sein, aber wenn man denkt mit dem Geistig-Seelischen, so ist das Leiblich-Physische der getreuliche Abdruck davon. Wenn man aber in der Gegenwart Naturforscher ist, wenn man im gewöhnlichen Leben mit Verleugnung des Geistig-Seelischen denkt, dann denkt man wirklich mit dem physischen Gehirn, dann wird man nur ein Abdruck der Materialität. Verleugnet man das Geistig-Seelische, dann wird man wirklich Materialist. Also ist der Materialismus richtig, er ist nicht falsch! Das ist das Wesentliche. Man kann es dahin bringen, daß man nicht eine falsche Ansicht vertritt, wenn man den Materialismus vertritt, sondern daß man so in die Materie heruntergefallen ist, daß man wirklich materialistisch denkt. Daher sind materialistische Theorien richtig. Daher ist das wesentlichste Charakteristikum unserer Zeit nicht, daß die Menschen unrichtig denken, wenn sie materialistisch sind, sondern das wesentlichste Charakteristikum ist, daß eben die Mehrzahl der Menschen materialistisch wird, indem sie das Geistig-Seelische verleugnen und bloß mit dem physischen Leibe denken, mit dem physischen Leibe eine Nachahmung, eine Imitation des Seelenlebens hervorbringen. Wir haben, indem wir den Materialismus bekämpfen, es nicht zu tun mit einer bloßen Umkehrung der Theorie, sondern wir haben es zu tun mit einem Willensentschluß, sich loszureißen vom Materiellen, damit wir nicht etwa bloß theoretisch keine Materialisten seien, sondern damit wir in der Materie nicht versinken, damit der Materialismus unrichtig werde. Er ist richtig für unsere Zeit, und er muß unrichtig werden! Darauf muß die Kraft verwendet werden, daß der Materialismus unrichtig werde. Es handelt sich also nicht um bloße Umwendung von Theorien, sondern es handelt sich um innere geistige Taten, die die Menschheit in unserer Zeit zu verrichten hat, um sich der Materialität zu entreißen.
[ 9 ] Das alles hat nicht nur eine theoretische Bedeutung, das alles hat eine durchaus praktische, eine reale Bedeutung. Denn eine solche Wahrheit, wie ich sie vor einigen Wochen hier angeführt habe, dürfen wir nicht leicht nehmen. Ich sagte Ihnen: Man spricht heute eigentlich nur im theoretischen, im akademischen, im doktrinären Sinne davon, daß die Menschen materialistisch sind. Man meint: Sie denken materialistisch. — Was ist denn eigentlich gemeint, wenn man sagt: Die Menschen denken materialistisch? — Man denkt dabei: Die Menschen denken falsch, denn der Materialismus ist nicht richtig; die Menschen haben nun einmal eine unsterbliche Seele, das eigentliche Wesen des Menschen ist geistig, daher ist der Materialismus falsch. Man muß also einfach den Materialismus bekämpfen und in der Theorie das Richtige anstreben. — Das ist aber nicht das, worauf es ankommt, sondern die Sache verhält sich so. Gewiß, das menschliche Wesen ist zunächst geistig-seelisch. Nehmen wir einmal an — schematisch gezeichnet -, das sei das geistig-seelische Wesen des Menschen (rot). Aber von diesem geistig-seelischen Wesen des Menschen bildet sich nach der Empfängnis beziehungsweise nach der Geburt ein getreulicher Abdruck im Leiblich-Physischen, so daß also von dem, was geistig-seelisch ist, ein völliger Abdruck vorhanden ist im Leiblich-Physischen (weiß). Alles dasjenige, was im Geistig-Seelischen ist, wird abgedrückt im Leiblich-Physischen. Nun können Sie zweierlei erleben. Sie können es erleben, daß die Menschen sich bekanntmachen mit solchen Gedanken, die aus der geistigen Welt geholt sind, wie sie in unseren anthroposophischen Büchern stehen, Gedanken, wie sie die Materialisten für Unsinn halten, wie es die Materialisten für Phantasie halten, wenn man solche Gedanken denkt. Man braucht nicht selbst Geistesforscher zu sein, aber wenn man denkt mit dem Geistig-Seelischen, so ist das Leiblich-Physische der getreuliche Abdruck davon. Wenn man aber in der Gegenwart Naturforscher ist, wenn man im gewöhnlichen Leben mit Verleugnung des Geistig-Seelischen denkt, dann denkt man wirklich mit dem physischen Gehirn, dann wird man nur ein Abdruck der Materialität. Verleugnet man das Geistig-Seelische, dann wird man wirklich Materialist. Also ist der Materialismus richtig, er ist nicht falsch! Das ist das Wesentliche. Man kann es dahin bringen, daß man nicht eine falsche Ansicht vertritt, wenn man den Materialismus vertritt, sondern daß man so in die Materie heruntergefallen ist, daß man wirklich materialistisch denkt. Daher sind materialistische Theorien richtig. Daher ist das wesentlichste Charakteristikum unserer Zeit nicht, daß die Menschen unrichtig denken, wenn sie materialistisch sind, sondern das wesentlichste Charakteristikum ist, daß eben die Mehrzahl der Menschen materialistisch wird, indem sie das Geistig-Seelische verleugnen und bloß mit dem physischen Leibe denken, mit dem physischen Leibe eine Nachahmung, eine Imitation des Seelenlebens hervorbringen. Wir haben, indem wir den Materialismus bekämpfen, es nicht zu tun mit einer bloßen Umkehrung der Theorie, sondern wir haben es zu tun mit einem Willensentschluß, sich loszureißen vom Materiellen, damit wir nicht etwa bloß theoretisch keine Materialisten seien, sondern damit wir in der Materie nicht versinken, damit der Materialismus unrichtig werde. Er ist richtig für unsere Zeit, und er muß unrichtig werden! Darauf muß die Kraft verwendet werden, daß der Materialismus unrichtig werde. Es handelt sich also nicht um bloße Umwendung von Theorien, sondern es handelt sich um innere geistige Taten, die die Menschheit in unserer Zeit zu verrichten hat, um sich der Materialität zu entreißen.
[ 10 ] Damit aber hängt eine bedeutsame, eine große Wahrheit zusammen. Die traditionellen Religionsbekenntnisse reden bloß von dem Postmortem-Leben, von dem Leben nach dem Tode. Wir wissen aus unserer Literatur und aus unseren Vorträgen und sonstigen Darstellungen, daß es selbstverständlich berechtigt ist, von diesem Post-mortem-Leben, von diesem Leben nach dem Tode zu sprechen. Wir beschreiben es ja auch getreulich in seinen Einzelheiten. Aber wir reden nicht aus demselben Geiste, wie die traditionellen Bekenntnisse reden, wir reden aus einem anderen Geiste. Wir reden aus dem Geiste der Erkenntnis, nicht aus dem Geiste bloß des stupiden Glaubens. Aber die traditionellen Bekenntnisse reden eben zum Egoismus, zum raffinierten Seelenegoismus, und sie lehnen ab mit aller Strenge ein vorgeburtliches Leben. Sehen Sie nur, wie häretisch, wie ketzerisch die Annahme eines Lebens vor der Empfängnis von den traditionellen Bekenntnissen angesehen wird. Natürlich ist mit der Präexistenz ganz notwendig verknüpft die Einsicht in die wiederholten Erdenleben; aber mit der Bekämpfung der Präexistenz werden zugleich die wiederholten Erdenleben bekämpft. Indem in der theologischen, in der religiösen Darstellung, in der Predigt nur reflektiert wird auf das Post-mortem-Leben, auf das Leben nach dem Tode, wird die Menschenseele in einer gewissen Weise bearbeitet: Gefühle, Empfindungen gehen in die Menschenseele hinein.
[ 10 ] Damit aber hängt eine bedeutsame, eine große Wahrheit zusammen. Die traditionellen Religionsbekenntnisse reden bloß von dem Postmortem-Leben, von dem Leben nach dem Tode. Wir wissen aus unserer Literatur und aus unseren Vorträgen und sonstigen Darstellungen, daß es selbstverständlich berechtigt ist, von diesem Post-mortem-Leben, von diesem Leben nach dem Tode zu sprechen. Wir beschreiben es ja auch getreulich in seinen Einzelheiten. Aber wir reden nicht aus demselben Geiste, wie die traditionellen Bekenntnisse reden, wir reden aus einem anderen Geiste. Wir reden aus dem Geiste der Erkenntnis, nicht aus dem Geiste bloß des stupiden Glaubens. Aber die traditionellen Bekenntnisse reden eben zum Egoismus, zum raffinierten Seelenegoismus, und sie lehnen ab mit aller Strenge ein vorgeburtliches Leben. Sehen Sie nur, wie häretisch, wie ketzerisch die Annahme eines Lebens vor der Empfängnis von den traditionellen Bekenntnissen angesehen wird. Natürlich ist mit der Präexistenz ganz notwendig verknüpft die Einsicht in die wiederholten Erdenleben; aber mit der Bekämpfung der Präexistenz werden zugleich die wiederholten Erdenleben bekämpft. Indem in der theologischen, in der religiösen Darstellung, in der Predigt nur reflektiert wird auf das Post-mortem-Leben, auf das Leben nach dem Tode, wird die Menschenseele in einer gewissen Weise bearbeitet: Gefühle, Empfindungen gehen in die Menschenseele hinein.
[ 11 ] Die Menschenseele ist in einer gewissen Weise geartet. Es ist nicht richtig, daß eine Menschenseele, durch die hindurchgegangen sind Gedanken zum Beispiel meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», geradeso aussieht wie eine Menschenseele, zu deren egoistischen Instinkten man bloß in traditionell-religiöser Weise von dem Post-mortem-Leben spricht. Ich habe Sie öfters darauf aufmerksam gemacht: Die reale Logik, das Leben der geistigen Impulse, ist ein anderes als die bloße Gedankenlogik. — Ich habe öfters das Beispiel des Avenarius angeführt, der hier in der Schweiz an der Universität in Zürich gelehrt hat. Er war ein ganz redlicher, braver Bourgeois, ein bürgerlicher Mensch; er hat seine materialistische Philosophie vorgetragen, und kein Mensch konnte etwas anderes sagen, als daß er ein sich in die gewöhnliche, gutbürgerlich-philiströse Sitte hineinfindender braver Mensch gewesen ist. Wenn Sie, schon im Beginne des 20. Jahrhunderts, bei denjenigen Menschen, die dann in Rußland zu den Bolschewisten geworden sind, angefragt haben, welches ihre offizielle Philosophie sei, dann bekamen Sie die Antwort: Es ist die des Avenarius; sie ist die offizielle Philosophie des Bolschewismus.
[ 11 ] Die Menschenseele ist in einer gewissen Weise geartet. Es ist nicht richtig, daß eine Menschenseele, durch die hindurchgegangen sind Gedanken zum Beispiel meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», geradeso aussieht wie eine Menschenseele, zu deren egoistischen Instinkten man bloß in traditionell-religiöser Weise von dem Post-mortem-Leben spricht. Ich habe Sie öfters darauf aufmerksam gemacht: Die reale Logik, das Leben der geistigen Impulse, ist ein anderes als die bloße Gedankenlogik. — Ich habe öfters das Beispiel des Avenarius angeführt, der hier in der Schweiz an der Universität in Zürich gelehrt hat. Er war ein ganz redlicher, braver Bourgeois, ein bürgerlicher Mensch; er hat seine materialistische Philosophie vorgetragen, und kein Mensch konnte etwas anderes sagen, als daß er ein sich in die gewöhnliche, gutbürgerlich-philiströse Sitte hineinfindender braver Mensch gewesen ist. Wenn Sie, schon im Beginne des 20. Jahrhunderts, bei denjenigen Menschen, die dann in Rußland zu den Bolschewisten geworden sind, angefragt haben, welches ihre offizielle Philosophie sei, dann bekamen Sie die Antwort: Es ist die des Avenarius; sie ist die offizielle Philosophie des Bolschewismus.
[ 12 ] Natürlich, wenn jemand ein gescheiter Philosoph ist, ein guter Logiker ist, und er nimmt die Avenariussche Philosophie vor und zieht die Schlußfolgerung daraus, dann kommt wahrhaftig nicht der Bolschewismus heraus; es kommt etwas ganz anderes heraus. Aber das Leben zieht eine andere Logik, als es die Gedankenlogik ist. Im Leben erscheint, nachdem die dritte Generation herangekommen ist, aus der Avenariusschen Philosophie der Bolschewismus. Das ist die Logik des Lebens. In sie dringt man ein, wenn man geisteswissenschaftliche Erkenntnisse aufnimmt. Bei der bloßen abstrakten, bei der intellektuellen Logik bleibt man stehen, wenn man bloß das aufnimmt, was die heutige naturwissenschaftliche oder auch religiöse Weltanschauung gibt.
[ 12 ] Natürlich, wenn jemand ein gescheiter Philosoph ist, ein guter Logiker ist, und er nimmt die Avenariussche Philosophie vor und zieht die Schlußfolgerung daraus, dann kommt wahrhaftig nicht der Bolschewismus heraus; es kommt etwas ganz anderes heraus. Aber das Leben zieht eine andere Logik, als es die Gedankenlogik ist. Im Leben erscheint, nachdem die dritte Generation herangekommen ist, aus der Avenariusschen Philosophie der Bolschewismus. Das ist die Logik des Lebens. In sie dringt man ein, wenn man geisteswissenschaftliche Erkenntnisse aufnimmt. Bei der bloßen abstrakten, bei der intellektuellen Logik bleibt man stehen, wenn man bloß das aufnimmt, was die heutige naturwissenschaftliche oder auch religiöse Weltanschauung gibt.
[ 13 ] Solch ein Unterschied der beiden Logiken besteht aber auch für die Wirkung der traditionellen Religionsbekenntnisse und für die Wirkung der Geisteswissenschaft, so wie sie hier anthroposophisch gemeint ist. Denn Leute, die ihre niederträchtigen Angriffe auf die Anthroposophie manchmal mit einigen Phrasen würzen — auf die unsere Anthroposophen dann gewöhnlich hereinfallen! —, die sagen manchmal: Wir Theologen kämpfen ebenso für das Übersinnliche wie die Anthroposophen, und deshalb sind wir in gewisser Weise Kampfgenossen. -— Das wird, nachdem die ärgsten Niederträchtigkeiten gesagt sind, manchmal als Phrase angefügt von denjenigen, die in unseren Kreisen noch als die Gutmütigeren genommen werden. Man hat ja das Bestreben, nur ja nicht im Ernste hinzuschauen auf das, was da eigentlich vorliegt. Dennoch, die Tatsachenlogik ist eine ganz andere. Wenn Sie die Tatsachenlogik ziehen aus dem, was über das Post-mortem-Leben in den Kanzelreden gesagt wird, indem man an die raffinierten Seeleninstinkte, an den raffinierten Egoismus appelliert, dann könnte es aussehen, als ob auch da ein Leben über die Sinnlichkeit hinaus angestrebt wird, ein Leben, durch das die Seele eintreten soll, nachdem sie durch den Tod gegangen ist, in die übersinnliche Welt. Es ist aber nicht so, sondern gerade dadurch, daß einseitig, theoretisch die religiösen Bekenntnisse durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende das bloße Post-mortem-Leben gepflegt haben, gerade dadurch ist real logisch herangezüchtet worden die Verleugnung der übersinnlichen Welt, dadurch ist gerade der Materialismus in Wirklichkeit herbeigeführt worden. Denn während man im Kopfe sich belehren läßt durch den Glauben über ein Leben nach dem Tode, strebt das Unterbewußte darnach, dieses Leben mit der irdischen Sterblichkeit zu beschließen. Und während die Kirchen sich bloß zu der Bequemlichkeit entschlossen haben, zu den Instinkten der Menschen über die Unsterblichkeit zu sprechen, wurde in der europäischen Kultur und in ihrem amerikanischen Nachwuchs jener Materialismus herangezogen, der eigentlich im Inneren ganz darnach strebt, das Leben mit dem irdischen Sterben zu beschließen. Diejenigen Materialisten, die heute theoretisch, aber auch schon sozial anstreben, indem sie Einrichtungen, soziale Einrichtungen wollen, die eigentlich nur auf das Leben bis zum Tode hin berechnet sind, diese reinen Materialisten ziehen bis zum Bolschewismus hin die getreuen logischen Konsequenzen desjenigen, was die religiösen Bekenntnisse den Menschen anerzogen haben innerhalb der abendländischen Kultur. Denn bloß von der Unsterblichkeit nach dem Tode zu sprechen, heißt heranzüchten im Unterbewußten die Sehnsucht, auch seelisch mit dem physischen Tode zu sterben. Das ist die Wahrheit, von der ich Ihnen heute sprechen möchte. Diese Sehnsucht, nichts zu wissen von einem übersinnlichen Leben, ist gerade durch das einseitige Reden von dem Ewigen nach dem Tode großgezogen worden.
[ 13 ] Solch ein Unterschied der beiden Logiken besteht aber auch für die Wirkung der traditionellen Religionsbekenntnisse und für die Wirkung der Geisteswissenschaft, so wie sie hier anthroposophisch gemeint ist. Denn Leute, die ihre niederträchtigen Angriffe auf die Anthroposophie manchmal mit einigen Phrasen würzen — auf die unsere Anthroposophen dann gewöhnlich hereinfallen! —, die sagen manchmal: Wir Theologen kämpfen ebenso für das Übersinnliche wie die Anthroposophen, und deshalb sind wir in gewisser Weise Kampfgenossen. -— Das wird, nachdem die ärgsten Niederträchtigkeiten gesagt sind, manchmal als Phrase angefügt von denjenigen, die in unseren Kreisen noch als die Gutmütigeren genommen werden. Man hat ja das Bestreben, nur ja nicht im Ernste hinzuschauen auf das, was da eigentlich vorliegt. Dennoch, die Tatsachenlogik ist eine ganz andere. Wenn Sie die Tatsachenlogik ziehen aus dem, was über das Post-mortem-Leben in den Kanzelreden gesagt wird, indem man an die raffinierten Seeleninstinkte, an den raffinierten Egoismus appelliert, dann könnte es aussehen, als ob auch da ein Leben über die Sinnlichkeit hinaus angestrebt wird, ein Leben, durch das die Seele eintreten soll, nachdem sie durch den Tod gegangen ist, in die übersinnliche Welt. Es ist aber nicht so, sondern gerade dadurch, daß einseitig, theoretisch die religiösen Bekenntnisse durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende das bloße Post-mortem-Leben gepflegt haben, gerade dadurch ist real logisch herangezüchtet worden die Verleugnung der übersinnlichen Welt, dadurch ist gerade der Materialismus in Wirklichkeit herbeigeführt worden. Denn während man im Kopfe sich belehren läßt durch den Glauben über ein Leben nach dem Tode, strebt das Unterbewußte darnach, dieses Leben mit der irdischen Sterblichkeit zu beschließen. Und während die Kirchen sich bloß zu der Bequemlichkeit entschlossen haben, zu den Instinkten der Menschen über die Unsterblichkeit zu sprechen, wurde in der europäischen Kultur und in ihrem amerikanischen Nachwuchs jener Materialismus herangezogen, der eigentlich im Inneren ganz darnach strebt, das Leben mit dem irdischen Sterben zu beschließen. Diejenigen Materialisten, die heute theoretisch, aber auch schon sozial anstreben, indem sie Einrichtungen, soziale Einrichtungen wollen, die eigentlich nur auf das Leben bis zum Tode hin berechnet sind, diese reinen Materialisten ziehen bis zum Bolschewismus hin die getreuen logischen Konsequenzen desjenigen, was die religiösen Bekenntnisse den Menschen anerzogen haben innerhalb der abendländischen Kultur. Denn bloß von der Unsterblichkeit nach dem Tode zu sprechen, heißt heranzüchten im Unterbewußten die Sehnsucht, auch seelisch mit dem physischen Tode zu sterben. Das ist die Wahrheit, von der ich Ihnen heute sprechen möchte. Diese Sehnsucht, nichts zu wissen von einem übersinnlichen Leben, ist gerade durch das einseitige Reden von dem Ewigen nach dem Tode großgezogen worden.
[ 14 ] Wenn man diese Wahrheit nicht in allen ihren ernsten Tiefen nimmt, so sieht man eben nicht die Zusammenhänge ein, in denen die Gegenwart der europäischen und amerikanischen Zivilisation mit der Vergangenheit steht. Denn das Vertreten eines bloßen Lebens nach dem Tode ist das Erziehen zu der unterbewußten Sehnsucht, das Leben zu beschließen mit dem physischen Tode. Und man muß sagen, es gibt bereits eine große Anzahl von Menschen in der sogenannten zivilisierten Welt, die eigentlich in ihrem Unterbewußten die ganz intensive Sehnsucht tragen, nichts zu tun haben zu wollen mit der Ideologie von einem Leben nach dem Tode und mit dem physischen Tode das Leben zu beschließen. Alle diejenigen Menschen, aus deren Herzen hervorgehen die materialistischen Anschauungen, haben in ihrem Unterbewußtsein eigentlich das allerintensivste Streben, mit dem physischen Tode unterzugehen. Wenn sie sich auch in dem Oberbewußtsein der Illusion hingeben, weil ihr Egoismus nichts anderes ertragen kann, nach dem Tode fortleben zu wollen, ihr Unterbewußtsein strebt darnach, mit dem physischen 'Tode unterzugehen.
[ 14 ] Wenn man diese Wahrheit nicht in allen ihren ernsten Tiefen nimmt, so sieht man eben nicht die Zusammenhänge ein, in denen die Gegenwart der europäischen und amerikanischen Zivilisation mit der Vergangenheit steht. Denn das Vertreten eines bloßen Lebens nach dem Tode ist das Erziehen zu der unterbewußten Sehnsucht, das Leben zu beschließen mit dem physischen Tode. Und man muß sagen, es gibt bereits eine große Anzahl von Menschen in der sogenannten zivilisierten Welt, die eigentlich in ihrem Unterbewußten die ganz intensive Sehnsucht tragen, nichts zu tun haben zu wollen mit der Ideologie von einem Leben nach dem Tode und mit dem physischen Tode das Leben zu beschließen. Alle diejenigen Menschen, aus deren Herzen hervorgehen die materialistischen Anschauungen, haben in ihrem Unterbewußtsein eigentlich das allerintensivste Streben, mit dem physischen Tode unterzugehen. Wenn sie sich auch in dem Oberbewußtsein der Illusion hingeben, weil ihr Egoismus nichts anderes ertragen kann, nach dem Tode fortleben zu wollen, ihr Unterbewußtsein strebt darnach, mit dem physischen 'Tode unterzugehen.
[ 15 ] Die Wirklichkeit ist in Wahrheit noch viel ernster. Wenn der Mensch nämlich genügend intensiv durch genügend lange Zeit diese unterbewußte Sehnsucht ausbildet, mit dem physischen Tode zugrunde zu gehen, so geht er auch mit dem physischen Tode zugrunde. Dann hört das, was da als Geistig-Seelisches vorhanden ist und was sich sein Abbild schaffte, auf, eine Bedeutung zu haben; dann vereinigt es sich wiederum mit geistigen Welten und verliert die Ichheit. Das Abbild der Ichheit wird ahrimanisch umgestaltet, und die ahrimanischen Mächte bekommen das, was sie wollen: sie bekommen das irdische Leben in die Hand. Das heißt, ein großer Teil der heutigen zivilisierten Welt strebt darnach, nicht die Zivilisation der Erde fortzusetzen, sondern die Menschen zum Sterben zu bringen und ganz anderen Wesen, als die Menschen es sind, das irdische Leben zu übergeben.
[ 15 ] Die Wirklichkeit ist in Wahrheit noch viel ernster. Wenn der Mensch nämlich genügend intensiv durch genügend lange Zeit diese unterbewußte Sehnsucht ausbildet, mit dem physischen Tode zugrunde zu gehen, so geht er auch mit dem physischen Tode zugrunde. Dann hört das, was da als Geistig-Seelisches vorhanden ist und was sich sein Abbild schaffte, auf, eine Bedeutung zu haben; dann vereinigt es sich wiederum mit geistigen Welten und verliert die Ichheit. Das Abbild der Ichheit wird ahrimanisch umgestaltet, und die ahrimanischen Mächte bekommen das, was sie wollen: sie bekommen das irdische Leben in die Hand. Das heißt, ein großer Teil der heutigen zivilisierten Welt strebt darnach, nicht die Zivilisation der Erde fortzusetzen, sondern die Menschen zum Sterben zu bringen und ganz anderen Wesen, als die Menschen es sind, das irdische Leben zu übergeben.
[ 16 ] Es nützt heute nichts, auf diese Dinge nicht hinzuweisen. Es ist natürlich unbequem, diese Dinge hinzunehmen, und viel bequemer ist es, wenn man sich bloß zu sagen braucht: Der Materialismus ist eben falsch; nun, man bekehrt sich allmählich zu einer besseren Weltanschauung. — Nein, darum handelt es sich nicht. Dasjenige, was im Menschen Gedanken sind, wird zu Wirklichkeiten, und die materialistischen Gedanken werden nach und nach materialistische Wirklichkeiten. In unserer Geisteswissenschaft handelt es sich aber nicht um Theorien, sondern um Dinge, die im Menschen Wirklichkeiten sind, und solange man das nicht voll begreift, daß es sich um Dinge handelt, die im Menschen Wirklichkeiten sind, so lange begreift man weder die Tiefe anthroposophisch gemeinter Geisteswissenschaft noch begreift man die ganze Schwere der Kulturnotwendigkeiten, die in unserer Zeit geschaut werden sollen. Sie sehen also, unsere Zeit steht vor der Gefahr, die Kultur der Erde zu vernichten, nicht bloß falsche Ansichten zu züchten, sondern in dem Menschen Abbilder dieser falschen Ansichten hervorzubringen und die Menschen von ihrem ewigen Sein wegzubringen.
[ 16 ] Es nützt heute nichts, auf diese Dinge nicht hinzuweisen. Es ist natürlich unbequem, diese Dinge hinzunehmen, und viel bequemer ist es, wenn man sich bloß zu sagen braucht: Der Materialismus ist eben falsch; nun, man bekehrt sich allmählich zu einer besseren Weltanschauung. — Nein, darum handelt es sich nicht. Dasjenige, was im Menschen Gedanken sind, wird zu Wirklichkeiten, und die materialistischen Gedanken werden nach und nach materialistische Wirklichkeiten. In unserer Geisteswissenschaft handelt es sich aber nicht um Theorien, sondern um Dinge, die im Menschen Wirklichkeiten sind, und solange man das nicht voll begreift, daß es sich um Dinge handelt, die im Menschen Wirklichkeiten sind, so lange begreift man weder die Tiefe anthroposophisch gemeinter Geisteswissenschaft noch begreift man die ganze Schwere der Kulturnotwendigkeiten, die in unserer Zeit geschaut werden sollen. Sie sehen also, unsere Zeit steht vor der Gefahr, die Kultur der Erde zu vernichten, nicht bloß falsche Ansichten zu züchten, sondern in dem Menschen Abbilder dieser falschen Ansichten hervorzubringen und die Menschen von ihrem ewigen Sein wegzubringen.
[ 17 ] Ich weiß, wie stark immer wieder und wiederum die Sehnsucht der Menschen ist, auf solche Wahrheiten nicht hinzuschauen, denn es kommen die Menschen, wenn man ihnen so etwas klarmacht, immer wieder und sagen: Aber gibt es nicht doch die Möglichkeit, daß auch diejenigen, die durchaus nicht wollen, selig werden? — Gewisse Vertreter religiöser Bekenntnisse haben es da leichter. Sie bringen denjenigen, die eigentlich nur eine «Tantenreligion» wünschen, bei, daß sie ja nicht durch ihre eigenen inneren Taten der geistigen Welt teilhaftig werden können, sondern daß sie sich nur passiv hinzugeben brauchen dem Glauben an Christus, dann wird der Christus sie selig machen. Das ist gerade die große Schwierigkeit, die man hat, wenn man heute im Ernste Geisteswissenschaft vertreten will, daß man nicht zu dem, was den Menschen so bequem ist, sprechen darf. Denn mancher möchte ein guter Anthroposoph sein; aber nun will es seine Tante nicht, und er will doch nicht, daß die Tante ihre Individualität verliert, und da wird dann zum mindesten die Intensität seiner anthroposophischen Überzeugung sehr, sehr stark beeinträchtigt. — Viele von Ihnen werden wissen, wie sehr ich mit diesen Dingen auf Realitäten hinweise, die es verhindern, daß mit anthroposophischer Geisteswissenschaft jener Ernst verbunden wird, der mit ihr verbunden werden muß. Ich habe ja auch hier schon gesagt: Der Materialismus ist nicht schädlich bloß aus dem Grunde, weil er theoretisch die Leute zu keiner Geisteserkenntnis führen kann, sondern erstens aus dem Grunde, den ich heute angeführt habe, daß der Mensch tatsächlich nach und nach nur materiell wird, wenn er die materialistischen Gedanken auf sich wirken läßt; dann aber weiter im ganzen Kulturgange dadurch, daß der Materialismus gerade dazu verurteilt ist, die Geheimnisse der Materie nicht erforschen zu können. Wir haben hier einen Kursus vor Ärzten und Medizinstudierenden gehabt. Er hat darin bestanden, daß einmal die anthroposophische Wissenschaft ganz im Konkreten angewendet worden ist, um zu zeigen, wie die Erkenntnis des gesunden und kranken Menschen ist. Man hat wenigstens als Anfang gezeigt: man kann aus geistiger Betrachtungsweise heraus das Wesen des Gehirnes, das Wesen der Zähne, das Wesen der Knochen, der Milz und der Leber erkennen. Das kann die materialistische Wissenschaft ja nicht. Die materialistische Wissenschaft kann gerade das Wesen der Materie, des materiellen Daseins nicht erkennen. Sie können das an einem Symptom wirklich ersehen.
[ 17 ] Ich weiß, wie stark immer wieder und wiederum die Sehnsucht der Menschen ist, auf solche Wahrheiten nicht hinzuschauen, denn es kommen die Menschen, wenn man ihnen so etwas klarmacht, immer wieder und sagen: Aber gibt es nicht doch die Möglichkeit, daß auch diejenigen, die durchaus nicht wollen, selig werden? — Gewisse Vertreter religiöser Bekenntnisse haben es da leichter. Sie bringen denjenigen, die eigentlich nur eine «Tantenreligion» wünschen, bei, daß sie ja nicht durch ihre eigenen inneren Taten der geistigen Welt teilhaftig werden können, sondern daß sie sich nur passiv hinzugeben brauchen dem Glauben an Christus, dann wird der Christus sie selig machen. Das ist gerade die große Schwierigkeit, die man hat, wenn man heute im Ernste Geisteswissenschaft vertreten will, daß man nicht zu dem, was den Menschen so bequem ist, sprechen darf. Denn mancher möchte ein guter Anthroposoph sein; aber nun will es seine Tante nicht, und er will doch nicht, daß die Tante ihre Individualität verliert, und da wird dann zum mindesten die Intensität seiner anthroposophischen Überzeugung sehr, sehr stark beeinträchtigt. — Viele von Ihnen werden wissen, wie sehr ich mit diesen Dingen auf Realitäten hinweise, die es verhindern, daß mit anthroposophischer Geisteswissenschaft jener Ernst verbunden wird, der mit ihr verbunden werden muß. Ich habe ja auch hier schon gesagt: Der Materialismus ist nicht schädlich bloß aus dem Grunde, weil er theoretisch die Leute zu keiner Geisteserkenntnis führen kann, sondern erstens aus dem Grunde, den ich heute angeführt habe, daß der Mensch tatsächlich nach und nach nur materiell wird, wenn er die materialistischen Gedanken auf sich wirken läßt; dann aber weiter im ganzen Kulturgange dadurch, daß der Materialismus gerade dazu verurteilt ist, die Geheimnisse der Materie nicht erforschen zu können. Wir haben hier einen Kursus vor Ärzten und Medizinstudierenden gehabt. Er hat darin bestanden, daß einmal die anthroposophische Wissenschaft ganz im Konkreten angewendet worden ist, um zu zeigen, wie die Erkenntnis des gesunden und kranken Menschen ist. Man hat wenigstens als Anfang gezeigt: man kann aus geistiger Betrachtungsweise heraus das Wesen des Gehirnes, das Wesen der Zähne, das Wesen der Knochen, der Milz und der Leber erkennen. Das kann die materialistische Wissenschaft ja nicht. Die materialistische Wissenschaft kann gerade das Wesen der Materie, des materiellen Daseins nicht erkennen. Sie können das an einem Symptom wirklich ersehen.
[ 18 ] Schauen Sie sich die heutige Psychiatrie an. Die heutige Psychiatrie ist eigentlich nichts anderes als eine Beschreibung des abnormen Seelenlebens, wie es als seelisches Leben auftritt. Nun hat jede sogenannte Geisteskrankheit ihr Korrelat in einem Materiellen. Wenn einer diese oder jene konfusen Ideen hat, so ist die Milz nicht in Ordnung oder die Lunge nicht in Ordnung; aber den Zusammenhang zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Materiellen, das in Wirklichkeit auch ein Geistig-Seelisches ist, den erkennt man nur durch Geisteswissenschaft, nicht durch die materialistische Wissenschaft. Diese materialistische Wissenschaft ist gerade dazu verurteilt, nicht das Wesen der Materie erkennen zu können, daher auch, zum Beispiel in der Medizin, manchen Leuten nicht helfen zu können, denn da muß man materiell helfen. Man muß sogar den Geisteskranken materiell helfen. Wenn im Ernste erkannt wird, was in den Tiefen anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft ruht, so wird man gerade das Hineinströmen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse in das materielle Dasein und damit auch in das soziale Leben bewirken. Daher war es eine Selbstverständlichkeit, daß aus dieser Geisteswissenschaft heraus sich die Anschauung von der Dreigliederung des sozialen Organismus ergeben hat; denn alle andere Wissenschaft der Gegenwart ist einfach viel zu wenig intensiv, ist viel zu sehr bloße Gedankenwissenschaft, ergreift nicht Realitäten, und daher kann sie auch nicht in das soziale Leben hineinwirken. Ich habe es gerade bei sozialen Betrachtungen öfters gesagt: Man redet heute von sozialen Idealen, man redet davon, daß ganze Länder sozial eingerichtet werden sollen; von nichts mehr als von Sozialistik wird heute gesprochen. Dabei war keine Zeit so antisozial, in keiner Zeit waren die Menschen in ihren Instinkten so antisozial wie heute. Die Menschen gehen ja heute aneinander vorbei, ohne voneinander etwas zu wissen. Keiner schaut gewissermaßen in den anderen hinein. Warum denn?
[ 18 ] Schauen Sie sich die heutige Psychiatrie an. Die heutige Psychiatrie ist eigentlich nichts anderes als eine Beschreibung des abnormen Seelenlebens, wie es als seelisches Leben auftritt. Nun hat jede sogenannte Geisteskrankheit ihr Korrelat in einem Materiellen. Wenn einer diese oder jene konfusen Ideen hat, so ist die Milz nicht in Ordnung oder die Lunge nicht in Ordnung; aber den Zusammenhang zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Materiellen, das in Wirklichkeit auch ein Geistig-Seelisches ist, den erkennt man nur durch Geisteswissenschaft, nicht durch die materialistische Wissenschaft. Diese materialistische Wissenschaft ist gerade dazu verurteilt, nicht das Wesen der Materie erkennen zu können, daher auch, zum Beispiel in der Medizin, manchen Leuten nicht helfen zu können, denn da muß man materiell helfen. Man muß sogar den Geisteskranken materiell helfen. Wenn im Ernste erkannt wird, was in den Tiefen anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft ruht, so wird man gerade das Hineinströmen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse in das materielle Dasein und damit auch in das soziale Leben bewirken. Daher war es eine Selbstverständlichkeit, daß aus dieser Geisteswissenschaft heraus sich die Anschauung von der Dreigliederung des sozialen Organismus ergeben hat; denn alle andere Wissenschaft der Gegenwart ist einfach viel zu wenig intensiv, ist viel zu sehr bloße Gedankenwissenschaft, ergreift nicht Realitäten, und daher kann sie auch nicht in das soziale Leben hineinwirken. Ich habe es gerade bei sozialen Betrachtungen öfters gesagt: Man redet heute von sozialen Idealen, man redet davon, daß ganze Länder sozial eingerichtet werden sollen; von nichts mehr als von Sozialistik wird heute gesprochen. Dabei war keine Zeit so antisozial, in keiner Zeit waren die Menschen in ihren Instinkten so antisozial wie heute. Die Menschen gehen ja heute aneinander vorbei, ohne voneinander etwas zu wissen. Keiner schaut gewissermaßen in den anderen hinein. Warum denn?
[ 19 ] Man kann entweder erkennen, so wie es in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft der Fall ist, über unserer Welt eine übersinnliche Welt. Sie wissen, wir reden nicht wie die vertrackten Pantheisten von einer Geistigkeit im allgemeinen. Wir reden gerade so, wie wir hier auf der Erde von einem Tier, von einer Pflanze, von einem Mineral reden, so reden wir, hinauf uns erhebend von einem Reiche des Menschen zu einem Reiche über dem Menschen, zu einem Engelreich, einem Erzengelreich, also zu einem Reiche der Angeloi, der Archangeloi und so weiter. Wir reden von den ganz konkreten Geistwesen, das heißt, wir erheben uns zu der Erkenntnis, zu der Einsicht in das Wesenhafte des Geistes. Man kann das entweder tun, oder man kann es unterlassen. Wenn man es aber unterläßt, wie es seit Jahrhunderten in der abendländischen Kultur getan worden ist, was folgt dann daraus mit Reallogik, nicht mit Gedankenlogik? Es folgt, daß man keinen Sinn, daß man keine Empfindung mehr für das GeistigSeelische hat; denn in seiner eigentlichen Gestalt kann das GeistigSeelische doch nur im Übersinnlichen von uns gedacht werden. Man verliert die Empfindung für das Geistig-Seelische. Aber wenn man als Mensch einem Menschen gegenübertritt, so soll man ja, will man den ganzen Menschen kennen, auch das Geistig-Seelische im Menschen, auf ein Geistig-Seelisches losgehen! Man kann aber nicht das Geistig-Seelische in den physischen Menschen finden, wenn man sich nicht erst den Sinn für das Geistig-Seelische durch das Denken im Übersinnlichen erworben hat. Wer den Umgang mit den Göttern scheut, dem kommt abhanden der Umgang mit dem überphysischen Menschen, mit den Menschen, die hier auf der Erde leben. Denn wer keinen Sinn hat für den Umgang mit den Göttern, der wird bei den Menschen auf der Erde nur den physischen Leib sehen und nicht das Geistig-Seelische, das heißt, er wird zu keiner Entfaltung des wirklich geistig-seelischen Lebens kommen. Wir brauchen einfach den Umgang mit den Göttern, um den Umgang mit den Menschen in der rechten Weise vollenden zu können, und wir brauchen den Umgang mit den Göttern so, daß sich unser Geistig-Seelisches nach diesen Göttern hinwendet — nicht bloß unsere Gedanken, da werden wir pantheistisch oder so etwas —, sondern es muß sich unser ganzer Mensch hinwenden.
[ 19 ] Man kann entweder erkennen, so wie es in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft der Fall ist, über unserer Welt eine übersinnliche Welt. Sie wissen, wir reden nicht wie die vertrackten Pantheisten von einer Geistigkeit im allgemeinen. Wir reden gerade so, wie wir hier auf der Erde von einem Tier, von einer Pflanze, von einem Mineral reden, so reden wir, hinauf uns erhebend von einem Reiche des Menschen zu einem Reiche über dem Menschen, zu einem Engelreich, einem Erzengelreich, also zu einem Reiche der Angeloi, der Archangeloi und so weiter. Wir reden von den ganz konkreten Geistwesen, das heißt, wir erheben uns zu der Erkenntnis, zu der Einsicht in das Wesenhafte des Geistes. Man kann das entweder tun, oder man kann es unterlassen. Wenn man es aber unterläßt, wie es seit Jahrhunderten in der abendländischen Kultur getan worden ist, was folgt dann daraus mit Reallogik, nicht mit Gedankenlogik? Es folgt, daß man keinen Sinn, daß man keine Empfindung mehr für das GeistigSeelische hat; denn in seiner eigentlichen Gestalt kann das GeistigSeelische doch nur im Übersinnlichen von uns gedacht werden. Man verliert die Empfindung für das Geistig-Seelische. Aber wenn man als Mensch einem Menschen gegenübertritt, so soll man ja, will man den ganzen Menschen kennen, auch das Geistig-Seelische im Menschen, auf ein Geistig-Seelisches losgehen! Man kann aber nicht das Geistig-Seelische in den physischen Menschen finden, wenn man sich nicht erst den Sinn für das Geistig-Seelische durch das Denken im Übersinnlichen erworben hat. Wer den Umgang mit den Göttern scheut, dem kommt abhanden der Umgang mit dem überphysischen Menschen, mit den Menschen, die hier auf der Erde leben. Denn wer keinen Sinn hat für den Umgang mit den Göttern, der wird bei den Menschen auf der Erde nur den physischen Leib sehen und nicht das Geistig-Seelische, das heißt, er wird zu keiner Entfaltung des wirklich geistig-seelischen Lebens kommen. Wir brauchen einfach den Umgang mit den Göttern, um den Umgang mit den Menschen in der rechten Weise vollenden zu können, und wir brauchen den Umgang mit den Göttern so, daß sich unser Geistig-Seelisches nach diesen Göttern hinwendet — nicht bloß unsere Gedanken, da werden wir pantheistisch oder so etwas —, sondern es muß sich unser ganzer Mensch hinwenden.
[ 20 ] Diese letztere Wahrheit, die hat in ihrer Art die katholische Kirche gut begriffen, denn was tut sie? Sie beschränkt sich nicht allein darauf, in dem Katechismus zu unterrichten, was man durch theologische abstrakte Begriffe den Menschen beibringen kann, sondern sie teilt das Altarsakrament aus als ein Sakrament, und sie bringt ihren Gläubigen getreulich bei, daß in dem Sanktissimum der wirkliche Christus enthalten ist, daß der Christus tatsächlich den Weg des sonst Verdaulichen geht, wenn das Altarsakrament genossen wird. Es sind unter Ihnen vielleicht allzuwenige von denen, die die ganze Bedeutung dessen, was ich jetzt sage, ermessen können, weil die wenigsten vielleicht wissen, in welcher Form das Altarsakrament an die Katholiken herankommt. Da lebt wirklich im Altarsakrament etwas von Urweltweisheit, von der Hingabe des ganzen Menschen an das Göttliche. Daher kann es auch kommen, daß ein solcher Hirtenbrief entsteht wie derjenige, der vor gar nicht so langer Zeit erlassen worden ist von einem Erzbischof und der die Ausführung enthält, daß der Priester mächtiger ist als der Gott, denn der Priester ist imstande, den Gott zu zwingen, im Altarsakrament, im Sanktissimum zu sein. Der Gott muß in die Hostie hinein, wenn der Priester es will; daher ist der Priester mächtiger als Gott. — So steht es in dem Hirtenbrief eines Erzbischofs, der vor wenigen Jahren erlassen wurde. Das ist eine katholische Gesinnung. Der Protestant oder der Evangelische findet sie ganz undiskutabel. Der indische Brahmane würde sie selbstverständlich gefunden haben von seinem Standpunkte aus. Da lebt tatsächlich im Katholizismus etwas fort, was zu den urältesten Bestandteilen der Urweltweisheit gehört und nur richtig verstanden werden muß, natürlich nicht aus weißer Magie in schwarze umgewandelt werden darf, wie es durch jenen Hirtenbrief geschehen ist. Aber es lebt in alledem, was da, ich möchte sagen, als die Aura des Altarsakraments im Katholizismus sich ausbildet, da lebt der Impuls: Du sollst nicht nur in deinem Denken, in deinem abstrakten Denken dich zu der Gottheit hinwenden, du sollst zum Beispiel dich auch hinwenden mit derjenigen Sehnsucht, die in deinem Hunger lebt. Du gehst zu dem Gotte nicht nur, indem du denkst, du gehst zu dem Gotte, indem du am Altar speisest, und der Gott, der in der Materie lebt, nimmt durch deinen Körper hindurch den Weg, den alles Verdauliche nimmt. Du vereinigst dich ganz materiell mit deinem Gotte! — In dem Verbreiten dieser Gesinnung lebt das Geheimnis einer ungeheuren Macht. Dieses Geheimnis einer ungeheuren Macht darf nicht übersehen werden, jetzt wenigstens nicht, wo die katholische Kirche vorhat, ihren Siegeszug durch das ganze Abendland und den amerikanischen Anhang zu lenken.
[ 20 ] Diese letztere Wahrheit, die hat in ihrer Art die katholische Kirche gut begriffen, denn was tut sie? Sie beschränkt sich nicht allein darauf, in dem Katechismus zu unterrichten, was man durch theologische abstrakte Begriffe den Menschen beibringen kann, sondern sie teilt das Altarsakrament aus als ein Sakrament, und sie bringt ihren Gläubigen getreulich bei, daß in dem Sanktissimum der wirkliche Christus enthalten ist, daß der Christus tatsächlich den Weg des sonst Verdaulichen geht, wenn das Altarsakrament genossen wird. Es sind unter Ihnen vielleicht allzuwenige von denen, die die ganze Bedeutung dessen, was ich jetzt sage, ermessen können, weil die wenigsten vielleicht wissen, in welcher Form das Altarsakrament an die Katholiken herankommt. Da lebt wirklich im Altarsakrament etwas von Urweltweisheit, von der Hingabe des ganzen Menschen an das Göttliche. Daher kann es auch kommen, daß ein solcher Hirtenbrief entsteht wie derjenige, der vor gar nicht so langer Zeit erlassen worden ist von einem Erzbischof und der die Ausführung enthält, daß der Priester mächtiger ist als der Gott, denn der Priester ist imstande, den Gott zu zwingen, im Altarsakrament, im Sanktissimum zu sein. Der Gott muß in die Hostie hinein, wenn der Priester es will; daher ist der Priester mächtiger als Gott. — So steht es in dem Hirtenbrief eines Erzbischofs, der vor wenigen Jahren erlassen wurde. Das ist eine katholische Gesinnung. Der Protestant oder der Evangelische findet sie ganz undiskutabel. Der indische Brahmane würde sie selbstverständlich gefunden haben von seinem Standpunkte aus. Da lebt tatsächlich im Katholizismus etwas fort, was zu den urältesten Bestandteilen der Urweltweisheit gehört und nur richtig verstanden werden muß, natürlich nicht aus weißer Magie in schwarze umgewandelt werden darf, wie es durch jenen Hirtenbrief geschehen ist. Aber es lebt in alledem, was da, ich möchte sagen, als die Aura des Altarsakraments im Katholizismus sich ausbildet, da lebt der Impuls: Du sollst nicht nur in deinem Denken, in deinem abstrakten Denken dich zu der Gottheit hinwenden, du sollst zum Beispiel dich auch hinwenden mit derjenigen Sehnsucht, die in deinem Hunger lebt. Du gehst zu dem Gotte nicht nur, indem du denkst, du gehst zu dem Gotte, indem du am Altar speisest, und der Gott, der in der Materie lebt, nimmt durch deinen Körper hindurch den Weg, den alles Verdauliche nimmt. Du vereinigst dich ganz materiell mit deinem Gotte! — In dem Verbreiten dieser Gesinnung lebt das Geheimnis einer ungeheuren Macht. Dieses Geheimnis einer ungeheuren Macht darf nicht übersehen werden, jetzt wenigstens nicht, wo die katholische Kirche vorhat, ihren Siegeszug durch das ganze Abendland und den amerikanischen Anhang zu lenken.
[ 21 ] In einer der ersten Schriften, die von mir erschienen sind, in meinen «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» finden Sie die Erkenntnis geschildert, und an einer bestimmten Stelle der gleich darauf erschienenen Einleitung zum zweiten Bande der Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes finden Sie für die Erkenntnis, also für dasjenige, was ein geistiger Vorgang ist, gebraucht das Wort «Kommunion»: Die Erkenntnis ist die geistige Kommunion der Menschheit. — Ich weiß nicht, wie viele die ganze kulturhistorische Bedeutung dieses Wortes, dieses Satzes in einer meiner allerersten Schriften verstanden haben. Denn in diesem Satze war gegeben die Hinlenkung der materialistischen Auffassung der Gottgemeinschaft zu einer spirituellen Auffassung der Gottgemeinschaft: die Umwandelung des Brotes in die Seelensubstanz des Erkennens.
[ 21 ] In einer der ersten Schriften, die von mir erschienen sind, in meinen «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» finden Sie die Erkenntnis geschildert, und an einer bestimmten Stelle der gleich darauf erschienenen Einleitung zum zweiten Bande der Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes finden Sie für die Erkenntnis, also für dasjenige, was ein geistiger Vorgang ist, gebraucht das Wort «Kommunion»: Die Erkenntnis ist die geistige Kommunion der Menschheit. — Ich weiß nicht, wie viele die ganze kulturhistorische Bedeutung dieses Wortes, dieses Satzes in einer meiner allerersten Schriften verstanden haben. Denn in diesem Satze war gegeben die Hinlenkung der materialistischen Auffassung der Gottgemeinschaft zu einer spirituellen Auffassung der Gottgemeinschaft: die Umwandelung des Brotes in die Seelensubstanz des Erkennens.
[ 22 ] Würde man den ganzen Zusammenhang desjenigen erkennen, was versucht worden ist, seit dieser kleinen Schrift «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» zu geben, mit dem, was dann in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft eben in weiterem Ausbau gegeben worden ist, dann würde man ersehen, was von anthroposophischer Seite aus für notwendig gehalten werden muß, um dasjenige, was hineinströmen muß in das gegenwärtige soziale Leben zur Gesundung dieses gegenwärtigen sozialen Lebens, wirklich zu durchschauen. Aber dieser Ernst, der einen solchen Zusammenhang erkennt, der fehlt eben vielfach den schlafenden Seelen der Gegenwart und so beachtet man wenig, welche Paradoxien das Leben eigentlich heute bringt, und was diese Paradoxien des Lebens nötig machen.
[ 22 ] Würde man den ganzen Zusammenhang desjenigen erkennen, was versucht worden ist, seit dieser kleinen Schrift «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» zu geben, mit dem, was dann in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft eben in weiterem Ausbau gegeben worden ist, dann würde man ersehen, was von anthroposophischer Seite aus für notwendig gehalten werden muß, um dasjenige, was hineinströmen muß in das gegenwärtige soziale Leben zur Gesundung dieses gegenwärtigen sozialen Lebens, wirklich zu durchschauen. Aber dieser Ernst, der einen solchen Zusammenhang erkennt, der fehlt eben vielfach den schlafenden Seelen der Gegenwart und so beachtet man wenig, welche Paradoxien das Leben eigentlich heute bringt, und was diese Paradoxien des Lebens nötig machen.
[ 23 ] Ich mußte gestern zu Ihnen von Lebensparadoxien aus den Charakteristiken unseres gegenwärtigen Zeitalters sprechen. Nun bitte ich Sie, machen Sie sich einmal bekannt mit Reden, die zum Beispiel von hervorragenden Bischöfen oder Erzbischöfen bei hervorragenden Gelegenheiten in der weiteren Gegenwart gehalten werden. Da finden Sie, wie zum Beispiel in den letzten Reden eines Erzbischofs von München-Freising, die nun wahrhaft sehr interessant zu lesen sind, dargestellt wird, wie die Arbeiter in der Gegenwart für den Katholizismus wiederum erobert werden sollen, die Gebildeten und die Arbeiter. Da finden Sie ein Sprechen aus einer allerdings in der Dekadenz, im Untergange befindlichen geistigen Substanz, aber eben doch aus einer geistigen Substanz heraus, und Sie müssen erst anknüpfen an etwas, was zunächst scheinbar abstrakt ist, wenn Sie darauf kommen wollen, was hier Wirklichkeit ist. Jener Erzbischof von München-Freising sagt zum Beispiel: Der Katholizismus muß wiederum die Arbeiter gewinnen. — Und er führt dann die verschiedenen Bedingungen an, unter denen der Katholizismus die Arbeiter gegenwärtig für die katholische Kirche gewinnen kann. Muß man nicht solchen Reden heute entgegenhalten: Ja, Ihr habt doch wahrhaftig, seit nach Eurer Ansicht begründet worden ist der Katholizismus durch das Pontifikat des Petrus in Rom, Zeit genug gehabt, die Arbeiter zu gewinnen! Wenn Ihr heute es nötig findet, von einem Wiedergewinnen der Arbeiter und der Gebildeten zu sprechen, so bezeugt es, daß Ihr sie mit dem, was Ihr seit Jahrhunderten vertretet, verloren habt. Wenn Ihr also dasselbe weiter vertreten wollt, könnt Ihr Euch dann irgendeiner anderen Anschauung hingeben als Euch zu sagen, daß Ihr dasselbe wiederum erreicht, was Ihr bisher erreicht habt, daß Ihr nämlich diejenigen verlieret, die Ihr Euch gewinnen wollt? — Gibt man denn nicht implicite zu, daß man unrichtig gehandelt hat, wenn man auf diese Weise heute von einer Wiedergewinnung sowohl der Ungebildeten wie der Gebildeten zu sprechen nötig findet?
[ 23 ] Ich mußte gestern zu Ihnen von Lebensparadoxien aus den Charakteristiken unseres gegenwärtigen Zeitalters sprechen. Nun bitte ich Sie, machen Sie sich einmal bekannt mit Reden, die zum Beispiel von hervorragenden Bischöfen oder Erzbischöfen bei hervorragenden Gelegenheiten in der weiteren Gegenwart gehalten werden. Da finden Sie, wie zum Beispiel in den letzten Reden eines Erzbischofs von München-Freising, die nun wahrhaft sehr interessant zu lesen sind, dargestellt wird, wie die Arbeiter in der Gegenwart für den Katholizismus wiederum erobert werden sollen, die Gebildeten und die Arbeiter. Da finden Sie ein Sprechen aus einer allerdings in der Dekadenz, im Untergange befindlichen geistigen Substanz, aber eben doch aus einer geistigen Substanz heraus, und Sie müssen erst anknüpfen an etwas, was zunächst scheinbar abstrakt ist, wenn Sie darauf kommen wollen, was hier Wirklichkeit ist. Jener Erzbischof von München-Freising sagt zum Beispiel: Der Katholizismus muß wiederum die Arbeiter gewinnen. — Und er führt dann die verschiedenen Bedingungen an, unter denen der Katholizismus die Arbeiter gegenwärtig für die katholische Kirche gewinnen kann. Muß man nicht solchen Reden heute entgegenhalten: Ja, Ihr habt doch wahrhaftig, seit nach Eurer Ansicht begründet worden ist der Katholizismus durch das Pontifikat des Petrus in Rom, Zeit genug gehabt, die Arbeiter zu gewinnen! Wenn Ihr heute es nötig findet, von einem Wiedergewinnen der Arbeiter und der Gebildeten zu sprechen, so bezeugt es, daß Ihr sie mit dem, was Ihr seit Jahrhunderten vertretet, verloren habt. Wenn Ihr also dasselbe weiter vertreten wollt, könnt Ihr Euch dann irgendeiner anderen Anschauung hingeben als Euch zu sagen, daß Ihr dasselbe wiederum erreicht, was Ihr bisher erreicht habt, daß Ihr nämlich diejenigen verlieret, die Ihr Euch gewinnen wollt? — Gibt man denn nicht implicite zu, daß man unrichtig gehandelt hat, wenn man auf diese Weise heute von einer Wiedergewinnung sowohl der Ungebildeten wie der Gebildeten zu sprechen nötig findet?
[ 24 ] Aber auf solche reale Widersprüche sieht eben die heutige Menschheit nicht hin. Das wäre gerade notwendig, daß man auf solche reale Widersprüche hinsähe. Daher ist es durchaus notwendig, daß solche Dinge tief eingesehen werden. Ja, der Mensch hat ein Geistig-Seelisches, aber wir leben in einer Zeit, in der er es verleugnen kann. Es ist nicht wahr, daß die materialistische Theorie, daß das Gehirn denkt, unrichtig ist. Nein, wenn der Mensch sein Geistig-Seelisches verleugnet, dann beginnt das Gehirn zu denken wie ein Automat. Und wenn der Mensch nicht will, daß sein Gehirn denkt, wenn er will, daß sein Geistig-Seelisches denkt, dann muß er sich an ein Geistig-Seelisches wenden, das dieses Denken losreißt von der Materie. Denn das Losreißen von der Materie, von dem wahren Materialismus, ist nicht bloß ein Annehmen einer anderen Weltanschauung, sondern ist etwas, was vom ganzen Menschen ergriffen werden muß, durch den ganzen Menschen losgerissen werden muß von dem bloßen materiellen Sein. Denn der Mensch wird nicht nur materialistisch, wenn er Geistiges verleugnet, sondern der Mensch wird materiell, wenn er das Geistige verleugnet. Er wird nur zum Bilde des Geistigen, er wird zum Materiellen, das einfach im Weltenall des Ahrimanischen sich auflösen kann und bloß in der ahrimanischen Welt, bloß als ein unselbständiges, unpersönliches Glied weiter fortzuwirken braucht, während er dazu berufen ist, wenn er in der richtigen Weise das Mysterium von Golgatha versteht, sein Ich zu bewahren und die Erdenzivilisation fortzusetzen.
[ 24 ] Aber auf solche reale Widersprüche sieht eben die heutige Menschheit nicht hin. Das wäre gerade notwendig, daß man auf solche reale Widersprüche hinsähe. Daher ist es durchaus notwendig, daß solche Dinge tief eingesehen werden. Ja, der Mensch hat ein Geistig-Seelisches, aber wir leben in einer Zeit, in der er es verleugnen kann. Es ist nicht wahr, daß die materialistische Theorie, daß das Gehirn denkt, unrichtig ist. Nein, wenn der Mensch sein Geistig-Seelisches verleugnet, dann beginnt das Gehirn zu denken wie ein Automat. Und wenn der Mensch nicht will, daß sein Gehirn denkt, wenn er will, daß sein Geistig-Seelisches denkt, dann muß er sich an ein Geistig-Seelisches wenden, das dieses Denken losreißt von der Materie. Denn das Losreißen von der Materie, von dem wahren Materialismus, ist nicht bloß ein Annehmen einer anderen Weltanschauung, sondern ist etwas, was vom ganzen Menschen ergriffen werden muß, durch den ganzen Menschen losgerissen werden muß von dem bloßen materiellen Sein. Denn der Mensch wird nicht nur materialistisch, wenn er Geistiges verleugnet, sondern der Mensch wird materiell, wenn er das Geistige verleugnet. Er wird nur zum Bilde des Geistigen, er wird zum Materiellen, das einfach im Weltenall des Ahrimanischen sich auflösen kann und bloß in der ahrimanischen Welt, bloß als ein unselbständiges, unpersönliches Glied weiter fortzuwirken braucht, während er dazu berufen ist, wenn er in der richtigen Weise das Mysterium von Golgatha versteht, sein Ich zu bewahren und die Erdenzivilisation fortzusetzen.
