Spiritual Scientific Insight into the
Fundamental Impulses of Social Organization
GA 199
20 August 1920, Dornach
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Geisteswissenschaft als Erkenntnis der Grundimpulse sozialer Gestaltung
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Ich möchte heute wieder einiges zusammenfassen von dem, was in den letzten Zeiten hier vorgebracht worden ist. Wir haben gesprochen von der sinnlichen Außenwelt im Verhältnis zu der menschlichen Innenwelt, und ich habe auf zweierlei besonders scharf hingewiesen. Ich habe darauf hingewiesen, daß die sinnliche Außenwelt durchaus aufgefaßt werden muß als eine Welt der Erscheinung, daß es zu den Vorurteilen unserer Zeit gehört, diese Anschauung von der Welt der Erscheinungen nicht in richtiger Weise zu deuten. Gewiß, da und dort taucht eine gewisse Erkenntnis davon auf, daß die sinnliche Außenwelt eine phänomenale, das heißt, eine Welt von Erscheinungen ist, nicht von irgendwelchen auch nur materiellen Wirklichkeiten. Aber man sucht dann hinter dieser Welt der äußeren Erscheinungen nach materiellen Realitäten, zum Beispiel nach Atomen, nach Molekülen und dergleichen. Dieses Suchen nach Atomen, Molekülen, kurz, überhaupt nach einer hinter der Erscheinungswelt stehenden Welt materieller Wirklichkeit, ist ganz genauso, wie wenn jemand, der zum Beispiel im Regenbogen, der eben augenscheinlich nur eine Erscheinung, ein Phänomen ist, nach allerlei molekularischen Entitäten suchen würde, nach molekularischen Materialitäten, die dahinterstehen müßten. Dieses Suchen nach materieller Realität gegenüber der Außenwelt, das ist, wie uns ja aus den verschiedensten Ecken her die Geisteswissenschaft zeigt, etwas völlig Unbegründetes. Wir müssen uns klar sein darüber: Wir haben um uns herum in dem, was Sinneswelt ist, eine Erscheinungswelt, und wir dürfen nicht den Tastsinn gegenüber der Sinneswelt anders auffassen als so wie die andern Sinne.So wie wir den Regenbogen mit Augen sehen und dahinter nicht eine materielle Realität suchen, sondern eben als Erscheinung ihn hinnehmen, so müssen wir die ganze äußere Welt so hinnehmen, wie sie ist, in dem Sinne, wie ich das in meiner Einleitung zum FarbenlehreBand der Goetheschen Naturwissenschaftlichen Schriften vor Jahrzehnten dargestellt habe. Und die Frage stellt sich dann vor uns hin: Was ist nun hinter dieser Welt der Erscheinungen? Da sind nicht materielle Atome dahinter, da sind dahinter geistige Wesenheiten, da ist Geistigkeit dahinter. Das bedeutet viel, dies anzuerkennen; denn es bedeutet ja, daß wir zugeben: Wir sind nicht in einer materiellen Welt, sondern wir sind in einer Welt geistiger Realitäten!
[ 1 ] Ich möchte heute wieder einiges zusammenfassen von dem, was in den letzten Zeiten hier vorgebracht worden ist. Wir haben gesprochen von der sinnlichen Außenwelt im Verhältnis zu der menschlichen Innenwelt, und ich habe auf zweierlei besonders scharf hingewiesen. Ich habe darauf hingewiesen, daß die sinnliche Außenwelt durchaus aufgefaßt werden muß als eine Welt der Erscheinung, daß es zu den Vorurteilen unserer Zeit gehört, diese Anschauung von der Welt der Erscheinungen nicht in richtiger Weise zu deuten. Gewiß, da und dort taucht eine gewisse Erkenntnis davon auf, daß die sinnliche Außenwelt eine phänomenale, das heißt, eine Welt von Erscheinungen ist, nicht von irgendwelchen auch nur materiellen Wirklichkeiten. Aber man sucht dann hinter dieser Welt der äußeren Erscheinungen nach materiellen Realitäten, zum Beispiel nach Atomen, nach Molekülen und dergleichen. Dieses Suchen nach Atomen, Molekülen, kurz, überhaupt nach einer hinter der Erscheinungswelt stehenden Welt materieller Wirklichkeit, ist ganz genauso, wie wenn jemand, der zum Beispiel im Regenbogen, der eben augenscheinlich nur eine Erscheinung, ein Phänomen ist, nach allerlei molekularischen Entitäten suchen würde, nach molekularischen Materialitäten, die dahinterstehen müßten. Dieses Suchen nach materieller Realität gegenüber der Außenwelt, das ist, wie uns ja aus den verschiedensten Ecken her die Geisteswissenschaft zeigt, etwas völlig Unbegründetes. Wir müssen uns klar sein darüber: Wir haben um uns herum in dem, was Sinneswelt ist, eine Erscheinungswelt, und wir dürfen nicht den Tastsinn gegenüber der Sinneswelt anders auffassen als so wie die andern Sinne.So wie wir den Regenbogen mit Augen sehen und dahinter nicht eine materielle Realität suchen, sondern eben als Erscheinung ihn hinnehmen, so müssen wir die ganze äußere Welt so hinnehmen, wie sie ist, in dem Sinne, wie ich das in meiner Einleitung zum FarbenlehreBand der Goetheschen Naturwissenschaftlichen Schriften vor Jahrzehnten dargestellt habe. Und die Frage stellt sich dann vor uns hin: Was ist nun hinter dieser Welt der Erscheinungen? Da sind nicht materielle Atome dahinter, da sind dahinter geistige Wesenheiten, da ist Geistigkeit dahinter. Das bedeutet viel, dies anzuerkennen; denn es bedeutet ja, daß wir zugeben: Wir sind nicht in einer materiellen Welt, sondern wir sind in einer Welt geistiger Realitäten!
[ 2 ] Also wir haben, wenn wir uns als Menschen nach außen wenden — wenn das (siehe Schema) gewissermaßen die Grenze unseres Leibes ist —, die Sinneswelt, und hinter derselben die Welt geistiger Realitäten, geistiger Wesenheiten (rechts).
[ 2 ] Also wir haben, wenn wir uns als Menschen nach außen wenden — wenn das (siehe Schema) gewissermaßen die Grenze unseres Leibes ist —, die Sinneswelt, und hinter derselben die Welt geistiger Realitäten, geistiger Wesenheiten (rechts).


[ 3 ] Gehen wir jetzt in das menschliche Innere hinein, also wenden wir uns nach innen zu, dann haben wir zunächst, wenn wir von unseren Sinnen nach innen gehen, dasjenige, was Inhalt unserer Vorstellungswelt, Inhalt unserer Seelenwelt ist. Wenn wir die Sinneswelt die Welt sinnlicher Phänomene nennen, sinnlicher Erscheinungen, so haben wir, wenn wir von unseren Sinnen nach innen gehen, die Welt der geistigen Erscheinungen (links). Denn natürlich sind zunächst so, wie sie in uns sind, unsere Gedanken, unsere Vorstellungen keine Realitäten, sondern es sind geistige Erscheinungen. Und nun kommt eben alles darauf an, daß wir nicht glauben, wenn wir von dieser Seelenwelt noch tiefer in unser Inneres hineinsteigen, daß wir da kommen zu dem, was mystische Träumer voraussetzen, zu einer besonderen höheren Welt, sondern da kommen wir in die Welt unseres Organismus hinein, da kommen wir eben hinein in die Welt materieller Realitäten.
[ 3 ] Gehen wir jetzt in das menschliche Innere hinein, also wenden wir uns nach innen zu, dann haben wir zunächst, wenn wir von unseren Sinnen nach innen gehen, dasjenige, was Inhalt unserer Vorstellungswelt, Inhalt unserer Seelenwelt ist. Wenn wir die Sinneswelt die Welt sinnlicher Phänomene nennen, sinnlicher Erscheinungen, so haben wir, wenn wir von unseren Sinnen nach innen gehen, die Welt der geistigen Erscheinungen (links). Denn natürlich sind zunächst so, wie sie in uns sind, unsere Gedanken, unsere Vorstellungen keine Realitäten, sondern es sind geistige Erscheinungen. Und nun kommt eben alles darauf an, daß wir nicht glauben, wenn wir von dieser Seelenwelt noch tiefer in unser Inneres hineinsteigen, daß wir da kommen zu dem, was mystische Träumer voraussetzen, zu einer besonderen höheren Welt, sondern da kommen wir in die Welt unseres Organismus hinein, da kommen wir eben hinein in die Welt materieller Realitäten.
[ 4 ] Und deshalb ist es wichtig, nicht zu glauben, daß man durch Hineinbrüten in sich ein Geistiges finden kann, sondern da soll man gerade suchen die Konstitution des menschlichen materiellen Organismus. Man soll nicht alle möglichen mystischen Realitäten in sich suchen, wie ich das ja von den verschiedenen Gesichtspunkten aus hervorgehoben habe, sondern man soll suchen hinter dem, was sich heraufdrängt in die Seele, das heißt, was geistige Erscheinung wird — gerade je tiefer und tiefer man in sich hineinsteigt —, das Zusammenwirken von Leber, Herz, Lunge und so weiter, von noch andern Organen auch, die gerade Mystiker nicht gerne genannt wissen wollen. Da lernen wir das eigentlich Materielle unseres irdischen Daseins kennen. Und gar mancher — das habe ich ja oft hervorgehoben —, der glaubt, da tief in sein Inneres hineinzusteigen und mystische Realitäten zu treffen, der trifft nur das, was seine Leber, seine Galle und ähnliche andere Organe ausbrüten. Wie sich der Talg zur Flamme bildet, so bildet sich dasjenige, was Leber, Lunge, Herz, Magen ausbrüten, zu dem, was dem Bewußtsein heraufleuchtet als mystische Erscheinungen.
[ 4 ] Und deshalb ist es wichtig, nicht zu glauben, daß man durch Hineinbrüten in sich ein Geistiges finden kann, sondern da soll man gerade suchen die Konstitution des menschlichen materiellen Organismus. Man soll nicht alle möglichen mystischen Realitäten in sich suchen, wie ich das ja von den verschiedenen Gesichtspunkten aus hervorgehoben habe, sondern man soll suchen hinter dem, was sich heraufdrängt in die Seele, das heißt, was geistige Erscheinung wird — gerade je tiefer und tiefer man in sich hineinsteigt —, das Zusammenwirken von Leber, Herz, Lunge und so weiter, von noch andern Organen auch, die gerade Mystiker nicht gerne genannt wissen wollen. Da lernen wir das eigentlich Materielle unseres irdischen Daseins kennen. Und gar mancher — das habe ich ja oft hervorgehoben —, der glaubt, da tief in sein Inneres hineinzusteigen und mystische Realitäten zu treffen, der trifft nur das, was seine Leber, seine Galle und ähnliche andere Organe ausbrüten. Wie sich der Talg zur Flamme bildet, so bildet sich dasjenige, was Leber, Lunge, Herz, Magen ausbrüten, zu dem, was dem Bewußtsein heraufleuchtet als mystische Erscheinungen.
[ 5 ] Das ist es eben gerade, daß wirkliche Geisteswissenschaft den Menschen hinausführt über jegliche Art von Illusion. Es ist die Illusion der Materialisten, daß sie hinter der Sinneswelt nicht geistige Realitäten, sondern physische, materielle Realitäten finden können. Es ist die Illusion der Mystiker, daß sie finden können, wenn sie in ihre eigene Wesenheit hinuntersteigen, nicht die Welt der materiellen Organisation, sondern irgendwelche besonders göttliche Funken und dergleichen.
[ 5 ] Das ist es eben gerade, daß wirkliche Geisteswissenschaft den Menschen hinausführt über jegliche Art von Illusion. Es ist die Illusion der Materialisten, daß sie hinter der Sinneswelt nicht geistige Realitäten, sondern physische, materielle Realitäten finden können. Es ist die Illusion der Mystiker, daß sie finden können, wenn sie in ihre eigene Wesenheit hinuntersteigen, nicht die Welt der materiellen Organisation, sondern irgendwelche besonders göttliche Funken und dergleichen.
[ 6 ] Das ist wichtig für echte Geisteswissenschaft, daß wir nicht suchen in der Außenwelt das Materielle, daß wir nicht suchen in der Innenwelt so, wie man sie zunächst durch innerliches Bebrüten bekommt, das Geistige.
[ 6 ] Das ist wichtig für echte Geisteswissenschaft, daß wir nicht suchen in der Außenwelt das Materielle, daß wir nicht suchen in der Innenwelt so, wie man sie zunächst durch innerliches Bebrüten bekommt, das Geistige.
[ 7 ] Dies nun, was ich jetzt sagte, hat ja bedeutsame Folgen für unsere ganze Weltanschauung. Bedenken Sie nur, daß wir ja darlegen müssen, daß der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit seinem astralischen Leib und mit seinem Ich außerhalb des physischen Leibes und Ätherleibes ist. Wo ist er dann? — Das müssen wir uns ja als Frage vorlegen: Wo ist er denn dann? — Wenn wir annehmen, daß da draußen die Welt ist, welche die Physiker beschreiben, dann hat es überhaupt keinen Sinn, von einem Außer-dem-physischen-Leibe-Bestehen des astralischen Leibes oder des Ich zu sprechen. Wenn wir aber wissen, daß da jenseits der Sinneswelt die Welt der geistigen Realitäten liegt, aus der die Sinnenwelt hervorsprießt, dann haben wir eine Möglichkeit, uns vorzustellen, daß astralischer Leib und Ich in die geistige Welt, die hinter der Sinnenwelt liegt, hineinziehen. Sie sind wirklich in dem Teile der geistigen Welt, der der Sinnenwelt zugrunde liegt; so daß man also sagen kann: Schlafend dringt der Mensch in jene geistige Welt ein, die der Sinnenwelt zugrunde liegt. Aufwachend allerdings dringt er ein mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leibe in dasjenige, was zunächst ätherische Wesenheit ist, und was die Welt materieller Organisation ist.
[ 7 ] Dies nun, was ich jetzt sagte, hat ja bedeutsame Folgen für unsere ganze Weltanschauung. Bedenken Sie nur, daß wir ja darlegen müssen, daß der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit seinem astralischen Leib und mit seinem Ich außerhalb des physischen Leibes und Ätherleibes ist. Wo ist er dann? — Das müssen wir uns ja als Frage vorlegen: Wo ist er denn dann? — Wenn wir annehmen, daß da draußen die Welt ist, welche die Physiker beschreiben, dann hat es überhaupt keinen Sinn, von einem Außer-dem-physischen-Leibe-Bestehen des astralischen Leibes oder des Ich zu sprechen. Wenn wir aber wissen, daß da jenseits der Sinneswelt die Welt der geistigen Realitäten liegt, aus der die Sinnenwelt hervorsprießt, dann haben wir eine Möglichkeit, uns vorzustellen, daß astralischer Leib und Ich in die geistige Welt, die hinter der Sinnenwelt liegt, hineinziehen. Sie sind wirklich in dem Teile der geistigen Welt, der der Sinnenwelt zugrunde liegt; so daß man also sagen kann: Schlafend dringt der Mensch in jene geistige Welt ein, die der Sinnenwelt zugrunde liegt. Aufwachend allerdings dringt er ein mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leibe in dasjenige, was zunächst ätherische Wesenheit ist, und was die Welt materieller Organisation ist.
[ 8 ] Man bekommt von dem, was man als anthroposophische Weltanschauung aufnehmen kann, überhaupt nur klare Vorstellungen, wenn man sich über solche Dinge klare Vorstellungen machen kann. Denn man wird sich dann vor allen Dingen nicht der Täuschung hingeben, daß man irgendwie das Göttliche oder das unserem Menschen zugrunde liegende Geistige hinter der sinnlichen Umgebung suchen könne. Da ist nur das Geistige, das diese Sinnenwelt aus sich hervorbringt. Wir selbst als Menschen, wir wurzeln in der Geisteswelt. Aber in welcher Geisteswelt? In derjenigen Geisteswelt, die wir ja verlassen, indem wir in unseren physischen Leib uns verkörpern. Wir kommen ja aus jener geistigen Welt, die wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt; wir treten durch die Geburt oder durch die Empfängnis in dieses physische Dasein ein. Die Welt aber, in der wir sind zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, die wir da verlassen, die ist eine andere geistige Welt als diese; sie ist eine geistige Welt und dadurch mit dieser verwandt. Aber jene geistige Welt spritzt aus sich hervor unsere Sinnenwelt. Diejenige geistige Welt, von der wir sprechen — ich habe sie besprochen in dem Zyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» —, diejenige Welt, die wir da durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, die uns hervorspritzt, die uns hervorbringt, die erfassen wir nicht, wenn wir sie hinter der Sinneswelt suchen, die erfassen wir auch nicht, wenn wir sie in uns selber suchen. Da finden wir nur das Materielle unserer eigenen Organisation. Die erfassen wir, wenn wir überhaupt aus dem ganzen Raume herauskommen. Die ist nicht im Raume. Von der kann nur gesprochen werden, wie ich das auch oftmals betont habe, wenn wir einzig und allein die Zeit zugrunde legen, wenn wir sie als eine zeitliche auffassen. Daher kann alles, was wir an Beschreibungen haben über diese Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, selbstverständlich nur Imagination, nur Bild sein. Und wir dürfen nicht verwechseln diese Bilder, in denen wir uns notwendigerweise ausdrücken müssen, mit den Realitäten, in denen wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ist so notwendig, daß man auf dem Boden anthroposophischer Weltanschauung nicht bloß von allerlei phantastischen Dingen spricht, die man mit den alten Worten bezeichnet, wobei man doch mit den alten Worten nichts Neues eigentlich bezeichnet, sondern es ist notwendig, daß man seine Begriffs-, seine Vorstellungswelt bereichert, wenn man in diejenige Welt hinein senden will seine Gedanken, seine Vorstellungen, die wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. So daß wir uns eine Vorstellung aneignen können, welche außerordentlich wichtig ist, welche auch der Anlaß sein kann zu einem tiefen Nachdenken, allerdings zu einem unbequemen Nachdenken. Das ist die Vorstellung: Wenn wir durchlebt haben das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so verkörpern wir uns hier im Raume. Wir dringen aus etwas, was nicht räumlich ist, in den Raum ein. Der Raum hat nur eine Bedeutung für dasjenige, was hier von uns erlebt wird zwischen der Geburt und dem Tode. Und wiederum, wir dringen nicht nur aus unserem Leibe mit unserer Seele heraus, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, wir dringen aus dem Raume heraus; das ist wichtig.
[ 8 ] Man bekommt von dem, was man als anthroposophische Weltanschauung aufnehmen kann, überhaupt nur klare Vorstellungen, wenn man sich über solche Dinge klare Vorstellungen machen kann. Denn man wird sich dann vor allen Dingen nicht der Täuschung hingeben, daß man irgendwie das Göttliche oder das unserem Menschen zugrunde liegende Geistige hinter der sinnlichen Umgebung suchen könne. Da ist nur das Geistige, das diese Sinnenwelt aus sich hervorbringt. Wir selbst als Menschen, wir wurzeln in der Geisteswelt. Aber in welcher Geisteswelt? In derjenigen Geisteswelt, die wir ja verlassen, indem wir in unseren physischen Leib uns verkörpern. Wir kommen ja aus jener geistigen Welt, die wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt; wir treten durch die Geburt oder durch die Empfängnis in dieses physische Dasein ein. Die Welt aber, in der wir sind zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, die wir da verlassen, die ist eine andere geistige Welt als diese; sie ist eine geistige Welt und dadurch mit dieser verwandt. Aber jene geistige Welt spritzt aus sich hervor unsere Sinnenwelt. Diejenige geistige Welt, von der wir sprechen — ich habe sie besprochen in dem Zyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» —, diejenige Welt, die wir da durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, die uns hervorspritzt, die uns hervorbringt, die erfassen wir nicht, wenn wir sie hinter der Sinneswelt suchen, die erfassen wir auch nicht, wenn wir sie in uns selber suchen. Da finden wir nur das Materielle unserer eigenen Organisation. Die erfassen wir, wenn wir überhaupt aus dem ganzen Raume herauskommen. Die ist nicht im Raume. Von der kann nur gesprochen werden, wie ich das auch oftmals betont habe, wenn wir einzig und allein die Zeit zugrunde legen, wenn wir sie als eine zeitliche auffassen. Daher kann alles, was wir an Beschreibungen haben über diese Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, selbstverständlich nur Imagination, nur Bild sein. Und wir dürfen nicht verwechseln diese Bilder, in denen wir uns notwendigerweise ausdrücken müssen, mit den Realitäten, in denen wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ist so notwendig, daß man auf dem Boden anthroposophischer Weltanschauung nicht bloß von allerlei phantastischen Dingen spricht, die man mit den alten Worten bezeichnet, wobei man doch mit den alten Worten nichts Neues eigentlich bezeichnet, sondern es ist notwendig, daß man seine Begriffs-, seine Vorstellungswelt bereichert, wenn man in diejenige Welt hinein senden will seine Gedanken, seine Vorstellungen, die wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. So daß wir uns eine Vorstellung aneignen können, welche außerordentlich wichtig ist, welche auch der Anlaß sein kann zu einem tiefen Nachdenken, allerdings zu einem unbequemen Nachdenken. Das ist die Vorstellung: Wenn wir durchlebt haben das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so verkörpern wir uns hier im Raume. Wir dringen aus etwas, was nicht räumlich ist, in den Raum ein. Der Raum hat nur eine Bedeutung für dasjenige, was hier von uns erlebt wird zwischen der Geburt und dem Tode. Und wiederum, wir dringen nicht nur aus unserem Leibe mit unserer Seele heraus, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, wir dringen aus dem Raume heraus; das ist wichtig.
[ 9 ] Diese Vorstellung, die so geläufig war den Menschen noch bis zum 4, 5., 6. nachchristlichen Jahrhundert, ja noch geläufig war solch einem Menschen, der erst im 9. Jahrhundert gelebt hat, wie Scotus Erigena, diese Vorstellung, daß das dem Menschen zugrunde liegende Geistige, das er durchlebt, wie man damals gemeint hat, nur nach dem Tode — wie wir jetzt sagen müssen: überhaupt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt —, diese Vorstellung ist der neueren Zeit ganz verlorengegangen. Die neuere Zeit ist stolz, hochmütig auf ihr Denken, aber sie kann ja eigentlich nur das Räumliche denken. Sie lebt in jedem Gedanken nur so, daß sie den Raum mitdenkt. Aber man muß sich bemühen, um das Geistige zu denken, den Raum selber in seinem Denken zu überwinden. Sonst werden wir niemals in das wirkliche Geistige hineinkommen und werden vor allen Dingen niemals auch nur zu einer annähernd richtigen Naturwissenschaft kommen, geschweige denn zu einer Geisteswissenschaft. Gerade gegenüber unserer Zeit ist es von unendlicher Wichtigkeit, sich mit diesen feineren Unterscheidungen geisteswissenschaftlichen Erkennens bekanntzumachen. Denn das, was wir durch solche Begriffe uns aneignen, ist ja nicht bloß irgendeine Weltanschauung, irgendein Gedankeninhalt. Dieses Sich-Aneignen eines Gedankeninhaltes ist schließlich das Allerwenigste, was uns werden kann durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Denn es ist ganz gleich, ob nun schließlich jemand glaubt, die Welt besteht aus Molekülen und Atomen, oder ob er glaubt, der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dann aus etwas, was dünner ist, dem Ätherleib, dann aus etwas, was noch dünner, noch nebuloser ist, dem Astralleib, was noch dünner ist, was weiß ich, was dann kommt: aus Mentalleib, und was noch kommt — immer dünner, dünner, dünner —, während schon der Ätherleib gar nicht mehr getroffen wird, wenn man nur von der Dünnheit spricht! Es ist schließlich gleich, ob man Materialist ist und die Welt als Atome sich vorstellt, oder ob man diese grobmaterialistische Vorstellung hegt, die gerade das Gemeingut der sogenannten theosophischen Gesellschaftslehren, oder wie man das nun nennen will, ist. Worauf es ankommt, das ist ja etwas ganz anderes, das ist, daß wir in der Lage sind, unsere ganze Seelenverfassung umzuwandeln, daß wir uns anstrengen müssen, anders zu denken für das Geistige, als wir gewohnt sind, für die äußere Sinneswelt zu denken. Nicht, wenn wir etwas anderes als die Sinneswelt als geistig denken, treten wir in Geisteswissenschaft ein, sondern wenn wir anders denken über das Geistige, als wir über die Sinneswelt denken. Über die Sinneswelt denken wir räumlich. Über das Geistige können wir höchstens innerhalb gewisser Grenzen zeitlich denken, weil wir uns selber in dieser geistigen Welt denken müssen. Und wir sind ja in der Zeit in einer gewissen Weise bedingt auch geistig, indem wir eben in einem bestimmten Zeitpunkte aus dem Leben zwischen Tod und Geburt in das Leben zwischen Geburt und Tod hineinversetzt werden.
[ 9 ] Diese Vorstellung, die so geläufig war den Menschen noch bis zum 4, 5., 6. nachchristlichen Jahrhundert, ja noch geläufig war solch einem Menschen, der erst im 9. Jahrhundert gelebt hat, wie Scotus Erigena, diese Vorstellung, daß das dem Menschen zugrunde liegende Geistige, das er durchlebt, wie man damals gemeint hat, nur nach dem Tode — wie wir jetzt sagen müssen: überhaupt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt —, diese Vorstellung ist der neueren Zeit ganz verlorengegangen. Die neuere Zeit ist stolz, hochmütig auf ihr Denken, aber sie kann ja eigentlich nur das Räumliche denken. Sie lebt in jedem Gedanken nur so, daß sie den Raum mitdenkt. Aber man muß sich bemühen, um das Geistige zu denken, den Raum selber in seinem Denken zu überwinden. Sonst werden wir niemals in das wirkliche Geistige hineinkommen und werden vor allen Dingen niemals auch nur zu einer annähernd richtigen Naturwissenschaft kommen, geschweige denn zu einer Geisteswissenschaft. Gerade gegenüber unserer Zeit ist es von unendlicher Wichtigkeit, sich mit diesen feineren Unterscheidungen geisteswissenschaftlichen Erkennens bekanntzumachen. Denn das, was wir durch solche Begriffe uns aneignen, ist ja nicht bloß irgendeine Weltanschauung, irgendein Gedankeninhalt. Dieses Sich-Aneignen eines Gedankeninhaltes ist schließlich das Allerwenigste, was uns werden kann durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Denn es ist ganz gleich, ob nun schließlich jemand glaubt, die Welt besteht aus Molekülen und Atomen, oder ob er glaubt, der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dann aus etwas, was dünner ist, dem Ätherleib, dann aus etwas, was noch dünner, noch nebuloser ist, dem Astralleib, was noch dünner ist, was weiß ich, was dann kommt: aus Mentalleib, und was noch kommt — immer dünner, dünner, dünner —, während schon der Ätherleib gar nicht mehr getroffen wird, wenn man nur von der Dünnheit spricht! Es ist schließlich gleich, ob man Materialist ist und die Welt als Atome sich vorstellt, oder ob man diese grobmaterialistische Vorstellung hegt, die gerade das Gemeingut der sogenannten theosophischen Gesellschaftslehren, oder wie man das nun nennen will, ist. Worauf es ankommt, das ist ja etwas ganz anderes, das ist, daß wir in der Lage sind, unsere ganze Seelenverfassung umzuwandeln, daß wir uns anstrengen müssen, anders zu denken für das Geistige, als wir gewohnt sind, für die äußere Sinneswelt zu denken. Nicht, wenn wir etwas anderes als die Sinneswelt als geistig denken, treten wir in Geisteswissenschaft ein, sondern wenn wir anders denken über das Geistige, als wir über die Sinneswelt denken. Über die Sinneswelt denken wir räumlich. Über das Geistige können wir höchstens innerhalb gewisser Grenzen zeitlich denken, weil wir uns selber in dieser geistigen Welt denken müssen. Und wir sind ja in der Zeit in einer gewissen Weise bedingt auch geistig, indem wir eben in einem bestimmten Zeitpunkte aus dem Leben zwischen Tod und Geburt in das Leben zwischen Geburt und Tod hineinversetzt werden.
[ 10 ] Dieses Umgestalten der Gemütsverfassung, das ist es, worauf ich öfters hingewiesen habe, und was der gegenwärtigen Menschheit so not tut. Denn wodurch sind wir denn in die Kalamitäten der Gegenwart hineingekommen? Wir sind in die Kalamitäten der Gegenwart hineingekommen dadurch, daß mit den sogenannten neueren Fortschritten die Menschheit ganz und gar verlernt hat, in ihre Vorstellungen überhaupt noch das Geistige aufzunehmen. Dasjenige, was theosophische Lehre der sogenannten 'Theosophischen Gesellschaft ist, ist ja gerade der Versuch, mit materialistischen Gedankenformen das Geistige zu charakterisieren, also den Materialismus bis ins Geistige hineinzutreiben. Dadurch, daß man etwas geistig nennt, hat man ja nicht eine geistige Auffassung, sondern nur dadurch, daß man das für das Sinnliche geeignete Denken umgestaltet.
[ 10 ] Dieses Umgestalten der Gemütsverfassung, das ist es, worauf ich öfters hingewiesen habe, und was der gegenwärtigen Menschheit so not tut. Denn wodurch sind wir denn in die Kalamitäten der Gegenwart hineingekommen? Wir sind in die Kalamitäten der Gegenwart hineingekommen dadurch, daß mit den sogenannten neueren Fortschritten die Menschheit ganz und gar verlernt hat, in ihre Vorstellungen überhaupt noch das Geistige aufzunehmen. Dasjenige, was theosophische Lehre der sogenannten 'Theosophischen Gesellschaft ist, ist ja gerade der Versuch, mit materialistischen Gedankenformen das Geistige zu charakterisieren, also den Materialismus bis ins Geistige hineinzutreiben. Dadurch, daß man etwas geistig nennt, hat man ja nicht eine geistige Auffassung, sondern nur dadurch, daß man das für das Sinnliche geeignete Denken umgestaltet.
[ 11 ] Wenn die Menschen nun miteinander leben sollen, dann sind sie eben nicht in bloß räumlichen Beziehungen, dann sind sie nicht in solchen Beziehungen, die sich ausdenken lassen mit dem, was heute durch die Naturwissenschaft allgemeines Denken geworden ist. Deshalb können wir keine sozialen Vorstellungen mehr ausbilden in der heutigen Weltanschauung, weil das Denken, an das sich die Menschheit gewöhnt hat durch die Naturwissenschaft, eben gar nicht dazu führt, das Zusammenleben der Menschen zu charakterisieren. Daher jene Abirrungen, die wir heute als allerlei soziale Weltauffassungen erleben, und die nur davon herrühren, daß es unmöglich ist, aus den Vorstellungen, von denen aus wir heute etwas als richtig oder unrichtig ansehen, auch wirklich über das Soziale zu denken. Erst wenn man sich bequemen wird, ins Geisteswissenschaftliche einzudringen, wird es wiederum möglich sein, das Soziale so zu denken, wie es gedacht werden muß, wenn nicht der Niedergang weiter erfolgen soll, sondern wenn ein Aufstieg erfolgen soll. Die Erziehung, welche Geisteswissenschaft an uns vollführt, ist viel wichtiger als der Inhalt der Geisteswissenschaft. Sonst kommen wir endlich dazu, immer mehr und mehr zu verlangen, daß die geistigen Dinge, wie man sagt, populär, das heißt, grobsinnlich-wirklich dargelegt werden. Man kommt dazu, solche Dinge, die einfach in einer gewissen Weise gesagt werden müssen, damit man nicht phantasiert, sondern Realitäten sagt, wie das zum Beispiel geschehen mußte sowohl in unseren anthroposophischen Darstellungen, wie auch in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage», man kommt dazu, das dann unanschaulich zu finden. Ja, «anschaulich» ist etwas, worunter heute die Menschheit etwas ganz Sonderbares versteht. Es gibt heute Leute, welche auf diese Sehnsucht der Menschen, grobsinnlich anschaulich alles zu bekommen, spekulieren. Und sie spekulieren schon über den ganzen Umfang der Erde hin, nicht etwa bloß in einzelnen Territorien.
[ 11 ] Wenn die Menschen nun miteinander leben sollen, dann sind sie eben nicht in bloß räumlichen Beziehungen, dann sind sie nicht in solchen Beziehungen, die sich ausdenken lassen mit dem, was heute durch die Naturwissenschaft allgemeines Denken geworden ist. Deshalb können wir keine sozialen Vorstellungen mehr ausbilden in der heutigen Weltanschauung, weil das Denken, an das sich die Menschheit gewöhnt hat durch die Naturwissenschaft, eben gar nicht dazu führt, das Zusammenleben der Menschen zu charakterisieren. Daher jene Abirrungen, die wir heute als allerlei soziale Weltauffassungen erleben, und die nur davon herrühren, daß es unmöglich ist, aus den Vorstellungen, von denen aus wir heute etwas als richtig oder unrichtig ansehen, auch wirklich über das Soziale zu denken. Erst wenn man sich bequemen wird, ins Geisteswissenschaftliche einzudringen, wird es wiederum möglich sein, das Soziale so zu denken, wie es gedacht werden muß, wenn nicht der Niedergang weiter erfolgen soll, sondern wenn ein Aufstieg erfolgen soll. Die Erziehung, welche Geisteswissenschaft an uns vollführt, ist viel wichtiger als der Inhalt der Geisteswissenschaft. Sonst kommen wir endlich dazu, immer mehr und mehr zu verlangen, daß die geistigen Dinge, wie man sagt, populär, das heißt, grobsinnlich-wirklich dargelegt werden. Man kommt dazu, solche Dinge, die einfach in einer gewissen Weise gesagt werden müssen, damit man nicht phantasiert, sondern Realitäten sagt, wie das zum Beispiel geschehen mußte sowohl in unseren anthroposophischen Darstellungen, wie auch in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage», man kommt dazu, das dann unanschaulich zu finden. Ja, «anschaulich» ist etwas, worunter heute die Menschheit etwas ganz Sonderbares versteht. Es gibt heute Leute, welche auf diese Sehnsucht der Menschen, grobsinnlich anschaulich alles zu bekommen, spekulieren. Und sie spekulieren schon über den ganzen Umfang der Erde hin, nicht etwa bloß in einzelnen Territorien.
[ 12 ] So zum Beispiel finde ich eine interessante Stelle in einem ganz vor kurzem erschienenen Buche, «Les forces morales aux Etats-Unis», von einer Französin geschrieben. Die Unterabteilungen sind: l’élise, l’école, la femme. In diesem Buch findet sich eine interessante kleine Episode, welche zeigt, wie man von gewissen Seiten versucht, die Dinge der Beziehung des Menschen zur geistigen Welt anschaulich zu machen. Die Betreffende erzählt: Eines Abends promenierte ich mit einer Freundin im Broadway. Ich kam vor eine Kirche. Ein Überblick zeigte uns den Platz nur mit Männern angefüllt. Indigniert durch den Anblick, vermieden wir, etwas vorzudringen in das Innere. Ein Priester in der Sutane wurde unser ansichtig, kam heran, uns einzuladen, wir sollten weiter vorwärtsdringen. Da wir zögerten, fragte er uns über unsere Konfession. Wir sind nicht Katholiken, sagte ich. Er drang lebhaft in uns, in seine Kirche einzutreten und lud uns mit erhobenem Zeigefinger ein: Kommen Sie hierher, sagte er mit Überzeugung, hören Sie mich. Wenn Sie zum Beispiel nach Chicago gehen wollen, wie machen Sie das? Sie können, um dahin zu gehen, zu Fuß gehen, zu Wagen, zu Schiff oder mit dem Eisenbahnzug. Logischerweise werden Sie das schnellste und bequemste Mittel wählen. Das ist in diesem Fall der Eisenbahnzug. Selbstverständlich, wenn Sie wollen in den Garten Gottes kommen, werden Sie ebenso wählen diejenige Religion, welche Sie am schnellsten und sichersten dahin führen wird. Das ist die katholische Religion, welche der Expreßzug nach dem Paradiese ist. Die betreffende Mitteilerin sagt nur noch, daß sie so perplex war, daß es ihr gar nicht eingefallen ist, ihm zu sagen, daß er ja in seinem anschaulichen Vergleiche noch den Aeroplan vergessen habe, den er als eine noch schnellere Expedition hätte anführen können, um in das Paradies zu gelangen.
[ 12 ] So zum Beispiel finde ich eine interessante Stelle in einem ganz vor kurzem erschienenen Buche, «Les forces morales aux Etats-Unis», von einer Französin geschrieben. Die Unterabteilungen sind: l’élise, l’école, la femme. In diesem Buch findet sich eine interessante kleine Episode, welche zeigt, wie man von gewissen Seiten versucht, die Dinge der Beziehung des Menschen zur geistigen Welt anschaulich zu machen. Die Betreffende erzählt: Eines Abends promenierte ich mit einer Freundin im Broadway. Ich kam vor eine Kirche. Ein Überblick zeigte uns den Platz nur mit Männern angefüllt. Indigniert durch den Anblick, vermieden wir, etwas vorzudringen in das Innere. Ein Priester in der Sutane wurde unser ansichtig, kam heran, uns einzuladen, wir sollten weiter vorwärtsdringen. Da wir zögerten, fragte er uns über unsere Konfession. Wir sind nicht Katholiken, sagte ich. Er drang lebhaft in uns, in seine Kirche einzutreten und lud uns mit erhobenem Zeigefinger ein: Kommen Sie hierher, sagte er mit Überzeugung, hören Sie mich. Wenn Sie zum Beispiel nach Chicago gehen wollen, wie machen Sie das? Sie können, um dahin zu gehen, zu Fuß gehen, zu Wagen, zu Schiff oder mit dem Eisenbahnzug. Logischerweise werden Sie das schnellste und bequemste Mittel wählen. Das ist in diesem Fall der Eisenbahnzug. Selbstverständlich, wenn Sie wollen in den Garten Gottes kommen, werden Sie ebenso wählen diejenige Religion, welche Sie am schnellsten und sichersten dahin führen wird. Das ist die katholische Religion, welche der Expreßzug nach dem Paradiese ist. Die betreffende Mitteilerin sagt nur noch, daß sie so perplex war, daß es ihr gar nicht eingefallen ist, ihm zu sagen, daß er ja in seinem anschaulichen Vergleiche noch den Aeroplan vergessen habe, den er als eine noch schnellere Expedition hätte anführen können, um in das Paradies zu gelangen.
[ 13 ] Sie sehen, hier wählt jemand, der darauf aus ist, den Vorurteilen der Menschen entgegenzukommen, anschauliche Vorstellungen. Es ist eine anschauliche Vorstellung für die katholische Religion, daß sie «der Exprefßzug nach dem Himmel» ist. Das ist überhaupt der Zug der Zeit, anschauliche Vorstellungen, das heißt, solche Vorstellungen zu suchen, welche an die Leute keine Anforderungen des Denkens stellen. Das ist es aber, wo wir schon sehen müssen den Ernst des heutigen Lebens, der darin besteht, daß wir heraus müssen aus jener Anschaulichkeit, die zur Banalität und Trivialität wird und dadurch gerade den Menschen in den Materialismus für diejenigen Dinge herunterzieht, die eben gerade geistig erfaßt werden müßten. Man muß auch in solchen Symptomen durchaus dasjenige suchen, was für unsere Zeit das Allernotwendigste ist. Und immer wieder muß gesagt werden: Es darf nicht vorbeigegangen werden an solchen Symptomen, wir dürfen nicht mit verbundenen Augen heute durch unsere Welt gehen, die ein Organismus ist, der eben aus seinen Symptomen erkannt sein will, weil in diesen Symptomen dasjenige ruht, was durchschaut werden muß, wenn wir aus unserem allgemeinen Niedergange zu einem Aufstieg kommen wollen.
[ 13 ] Sie sehen, hier wählt jemand, der darauf aus ist, den Vorurteilen der Menschen entgegenzukommen, anschauliche Vorstellungen. Es ist eine anschauliche Vorstellung für die katholische Religion, daß sie «der Exprefßzug nach dem Himmel» ist. Das ist überhaupt der Zug der Zeit, anschauliche Vorstellungen, das heißt, solche Vorstellungen zu suchen, welche an die Leute keine Anforderungen des Denkens stellen. Das ist es aber, wo wir schon sehen müssen den Ernst des heutigen Lebens, der darin besteht, daß wir heraus müssen aus jener Anschaulichkeit, die zur Banalität und Trivialität wird und dadurch gerade den Menschen in den Materialismus für diejenigen Dinge herunterzieht, die eben gerade geistig erfaßt werden müßten. Man muß auch in solchen Symptomen durchaus dasjenige suchen, was für unsere Zeit das Allernotwendigste ist. Und immer wieder muß gesagt werden: Es darf nicht vorbeigegangen werden an solchen Symptomen, wir dürfen nicht mit verbundenen Augen heute durch unsere Welt gehen, die ein Organismus ist, der eben aus seinen Symptomen erkannt sein will, weil in diesen Symptomen dasjenige ruht, was durchschaut werden muß, wenn wir aus unserem allgemeinen Niedergange zu einem Aufstieg kommen wollen.
[ 14 ] Es ist aber notwendig, in diesem Punkte manche Dinge im rechten Lichte zu sehen. Dasjenige, was nun wirklich hervorgeholt ist aus geisteswissenschaftlichen Unterlagen in den «Kernpunkten der sozialen Frage», es ist wahrhaftig nicht entstanden aus irgendeiner Theorie heraus, sondern aus dem ganzen breiten Leben heraus, nur daß dieses Leben eben geistig angeschaut ist. Und es kann die Menschheit heute nicht vorwärtskommen, wenn man sich nicht auf ein solches Anschauen des Lebens einstellt.
[ 14 ] Es ist aber notwendig, in diesem Punkte manche Dinge im rechten Lichte zu sehen. Dasjenige, was nun wirklich hervorgeholt ist aus geisteswissenschaftlichen Unterlagen in den «Kernpunkten der sozialen Frage», es ist wahrhaftig nicht entstanden aus irgendeiner Theorie heraus, sondern aus dem ganzen breiten Leben heraus, nur daß dieses Leben eben geistig angeschaut ist. Und es kann die Menschheit heute nicht vorwärtskommen, wenn man sich nicht auf ein solches Anschauen des Lebens einstellt.
[ 15 ] Ich möchte zwei Dinge des Lebens zusammenstellen, die mir in diesen Tagen wiederum gezeigt haben, wie nötig es ist, die Menschheit heute hinzuführen zu dieser lebensvollen Erfassung der Wirklichkeit, aber zu gleicher Zeit einer geistigen Erfassung der Wirklichkeit. Denn sehen Sie, da las ich gestern einen Artikel von einem Journalisten, der, wie mir mitgeteilt wird, René Marchand heißt und lange Zeit Journalist des «Figaro», des «Petit Parisien» war und so weiter, der dann mitgemacht hat den Krieg an der russischen Front, der ein gründlicher Gegner der Bolschewiki war, der dann mit dem General der Gegenrevolution zu tun hatte, ihr Anhänger war und der dann in einem Momente sich bekehrt hat zum Rätegedanken, zum Bolschewismus. Aus einem Gegner des Bolschewismus — steht hier — ist er zu einem Verfechter, zu einem rückhaltlosen Anerkenner ihrer Führer sowohl wie des Rätegedankens geworden. Es ist interessant, wie hier ein Mensch, der doch zu den Intellektuellen gehört, denn er ist Journalist, der immerhin mit einer tieferen Auffassung des Lebens, mit einer tieferen Empfindung für das Leben lebt, der in dem lebt, was alttraditionell ist in dem, worinnen die schlafenden Seelen heute zumeist leben, wie ein solcher Mensch dann plötzlich darauf kommt: Das führt ja ganz gewiß zum Untergange! — Und da erscheint ihm als der einzige Zielpunkt nichts anderes als der Bolschewismus. Das heißt, der Mensch sieht nun, daß alles, was nicht Bolschewismus ist, zum Untergange führt. Ich habe Ihnen ja gezeigt, wie Spengler das beschrieben hat. Marchand sieht nur den Bolschewismus, und von dem Bolschewismus glaubte er zunächst, daß er nur eine russische Angelegenheit sei. Aber dann fand er eben etwas ganz anderes, dann fand er, daß der Bolschewismus eine internationale Angelegenheit ist, die in der ganzen Welt sich ausbreiten muß, und: Es wurde mit jetzt klar, daß der Friede erst dann wiederhergestellt werden kann und die Prinzipien, die bis zu diesem Tag von den bürgerlichen Regierungen nur verkündet wurden, um die Massen zu täuschen, erst dann zur Wirklichkeit werden, wenn dieser neue Imperialismus — von der Entente — seinerseits zusammengebrochen ist, und wenn die Völker aller Länder die Leitung ihrer Schicksale frei in die eigenen Hände nehmen werden und so weiter. — Und dann erzählt er, wie er nun zu der Ansicht gekommen ist, daß nur dann, wenn die Welt durch und durch bolschewisiert wird, daß nur dann herrschen wird Gerechtigkeit, Eintracht, Friede, Recht, daß nur dadurch der Wiederaufbau kommen könne. Dieser Mann ist sich klar geworden, alles übrige führe zum Untergange. Und er sagt im Grunde genommen ganz zutreffend: Wenn das, was außer dem Bolschewismus da ist, weiter gepflegt werden soll, so muß es die Diktatur werden des alten Kapitalismus, des Bürgertums oder dessen, was dazugehört. Es muß die Diktatur werden der Lloyd George, Clemenceau, Scheidemann und so weiter. Will man das nicht, will man nicht in den Untergang hineinkommen, so gibt es nichts anderes als die Diktatur, die Diktatur des Bolschewismus. Und darin sieht er dann das einzige Heil.
[ 15 ] Ich möchte zwei Dinge des Lebens zusammenstellen, die mir in diesen Tagen wiederum gezeigt haben, wie nötig es ist, die Menschheit heute hinzuführen zu dieser lebensvollen Erfassung der Wirklichkeit, aber zu gleicher Zeit einer geistigen Erfassung der Wirklichkeit. Denn sehen Sie, da las ich gestern einen Artikel von einem Journalisten, der, wie mir mitgeteilt wird, René Marchand heißt und lange Zeit Journalist des «Figaro», des «Petit Parisien» war und so weiter, der dann mitgemacht hat den Krieg an der russischen Front, der ein gründlicher Gegner der Bolschewiki war, der dann mit dem General der Gegenrevolution zu tun hatte, ihr Anhänger war und der dann in einem Momente sich bekehrt hat zum Rätegedanken, zum Bolschewismus. Aus einem Gegner des Bolschewismus — steht hier — ist er zu einem Verfechter, zu einem rückhaltlosen Anerkenner ihrer Führer sowohl wie des Rätegedankens geworden. Es ist interessant, wie hier ein Mensch, der doch zu den Intellektuellen gehört, denn er ist Journalist, der immerhin mit einer tieferen Auffassung des Lebens, mit einer tieferen Empfindung für das Leben lebt, der in dem lebt, was alttraditionell ist in dem, worinnen die schlafenden Seelen heute zumeist leben, wie ein solcher Mensch dann plötzlich darauf kommt: Das führt ja ganz gewiß zum Untergange! — Und da erscheint ihm als der einzige Zielpunkt nichts anderes als der Bolschewismus. Das heißt, der Mensch sieht nun, daß alles, was nicht Bolschewismus ist, zum Untergange führt. Ich habe Ihnen ja gezeigt, wie Spengler das beschrieben hat. Marchand sieht nur den Bolschewismus, und von dem Bolschewismus glaubte er zunächst, daß er nur eine russische Angelegenheit sei. Aber dann fand er eben etwas ganz anderes, dann fand er, daß der Bolschewismus eine internationale Angelegenheit ist, die in der ganzen Welt sich ausbreiten muß, und: Es wurde mit jetzt klar, daß der Friede erst dann wiederhergestellt werden kann und die Prinzipien, die bis zu diesem Tag von den bürgerlichen Regierungen nur verkündet wurden, um die Massen zu täuschen, erst dann zur Wirklichkeit werden, wenn dieser neue Imperialismus — von der Entente — seinerseits zusammengebrochen ist, und wenn die Völker aller Länder die Leitung ihrer Schicksale frei in die eigenen Hände nehmen werden und so weiter. — Und dann erzählt er, wie er nun zu der Ansicht gekommen ist, daß nur dann, wenn die Welt durch und durch bolschewisiert wird, daß nur dann herrschen wird Gerechtigkeit, Eintracht, Friede, Recht, daß nur dadurch der Wiederaufbau kommen könne. Dieser Mann ist sich klar geworden, alles übrige führe zum Untergange. Und er sagt im Grunde genommen ganz zutreffend: Wenn das, was außer dem Bolschewismus da ist, weiter gepflegt werden soll, so muß es die Diktatur werden des alten Kapitalismus, des Bürgertums oder dessen, was dazugehört. Es muß die Diktatur werden der Lloyd George, Clemenceau, Scheidemann und so weiter. Will man das nicht, will man nicht in den Untergang hineinkommen, so gibt es nichts anderes als die Diktatur, die Diktatur des Bolschewismus. Und darin sieht er dann das einzige Heil.
[ 16 ] Sie sehen, dieser Mann ist in einer gewissen Weise ehrlich, viel ehrlicher als alle die andern, die den Bolschewismus herankommen sehen und glauben, daß man das alte Regime ihm gegenüberstellen könnte. Er sieht wenigstens von all diesem Alten ein, daß es reif ist zum Uhntergange. Aber eine Frage muß sich einem aufdrängen gerade dann, wenn man auf geisteswissenschaftlichem Boden steht, wenn man so etwas erlebt; denn solch ein Mensch, wie dieser Ren& Marchand, ist eine Ausnahme. Es muß sich einem die Frage aufdrängen: Woher hat denn der Mann seine Kenntnis von dem allem? — Er hat seine Kenntnis daher, woher sie die meisten Menschen der Gegenwart haben, er hat sie aus den Zeitungen, aus den Büchern. Er kennt nicht das Leben. Denn die Menschen, die heute leben, kennen zum großen Teile das Leben überhaupt nur aus den Zeitungen, aus den Büchern. Gerade die führenden Schichten kennen das Leben ja nur aus den Zeitungen. Was haben wir alles erlebt in dieser Beziehung aus den Zeitungen, aus den Büchern! Wir haben es erlebt, daß die Leute sich ihre Weltanschauung gebildet haben vor Jahrzehnten noch aus französischen Komödien, daß sie die Literatur, die in einer Komödie vorkommt, besser kannten als das, was im Leben vorkommt, daß sie an den Wirklichkeiten des Lebens vorübergingen und sich eigentlich nur unterrichteten durch das, was sie von der Bühne herunter gesehen haben. Wir haben es später erlebt, daß die Menschen ihre Weltanschauung gebildet haben aus I/bsen oder aus Dostojewskij oder aus Tolstoj, daß sie nicht das Leben kannten, auch nicht die Bücher nach dem Leben beurteilen konnten, sondern im Grunde genommen nur das abgeleitete, auf dem Papier stehende Leben in sich aufnahmen. Und da entwickeln sie nun ihre Devisen, da gründen sie ihre Vereine für allerlei Reformen, ohne daß sie das wirkliche Leben kennen, das sie nur aus Ibsen oder aus Dostojewskij kennen, oder es so kennen, wie es einem oftmals zum Ekel werden mußte in der Zeit, als in allen Großstädten Europas zum Beispiel Hauptmanns «Weber» aufgeführt wurden. Die Lebensart der Weber, die erschien auf dem Theater. Diejenigen Menschen, die keine Ahnung hatten von dem, was im Leben vorgeht, dessen Karikatur ihnen hier auf der Bühne erschien, die betrachteten nun, weil es ja die «soziale Zeit» war, das Weberelend von den Brettern herunter und redeten auch über alle möglichen sozialen Fragen, indem sie nur in dieser Weise die Sachen kannten. Es sind im Grunde genommen alles Leute, die das Leben nicht kennen, die es nur in seiner Ableitung aus den Zeitungen, aus den Büchern kennen, aus dem, was eben heute Bücher sind. Ich rede nicht gegen die Bücher, man muß sie kennen; aber man muß die Bücher so lesen, daß man durch die Bücher hindurch auf das Leben schaut und schauen kann. Das aber ist es, daß wir heute in einem Zeitalter der Abstraktionen leben, der abstrakten Parteiforderungen, der abstrakten Vereinsforderungen und so weiter. Und so ist es mir interessant, daß auf einer Seite an einen herandringt ein so lebenswahrer Mann wie dieser Rene Marchand, der aber zu gleicher Zeit für viele ein Orakel ist, denn er ist ein Journalist, der also gar nicht in die Lage kommt, sich nun zu fragen: Ja, kommt man von diesem Bolschewismus aus zu einer möglichen Lebensgestaltung? — Denn er kennt ja gar nicht das Leben, er vertauscht nur das, was er kennengelernt hat und was er reif findet zum Untergang, mit einer neuen abstrakten Formel, mit neuen Theorien. Und da mußte ich denn mit diesen Auslassungen eines Intellektuellen einen Brief vergleichen, den ich heute morgen bekam, wo mir jemand schreibt, der im Leben drinnen gestanden hat, der im Leben gerade dasjenige erfahren hat, was man heute zur Beurteilung der sozialen Lage erfahren kann, wie ihm das Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» eine Art Erlösung geworden sei, ein Praktiker, der in der Weberei gearbeitet hat und durch und durch die Praxis kennt. Erst dann wird man überhaupt eine Ahnung haben von dem, was gemeint ist mit den «Kernpunkten der sozialen Frage» als einem Realitätsbuche, das aber aus der geistigen Welt hervorgeholt worden ist, wie alles, was heute dem Leben dienen soll, aus der geistigen Welt hervorgeholt worden sein muß, erst dann wird man wissen, was damit gemeint ist, wenn man es von dem Gesichtspunkte der Lebenspraxis aus beurteilt, wenn man weiß, daß es überall, in jeder Zeile, in jedem Wort nicht Theorie ist, sondern aus der Lebenspraxis herausgeholt ist, wenn man verstehen wird, daß es ein Buch ist für diejenigen, die tatkräftig ins Leben eingreifen wollen, nicht für solche, die über das Leben spintisieren und sozialistisch schwätzen wollen.
[ 16 ] Sie sehen, dieser Mann ist in einer gewissen Weise ehrlich, viel ehrlicher als alle die andern, die den Bolschewismus herankommen sehen und glauben, daß man das alte Regime ihm gegenüberstellen könnte. Er sieht wenigstens von all diesem Alten ein, daß es reif ist zum Uhntergange. Aber eine Frage muß sich einem aufdrängen gerade dann, wenn man auf geisteswissenschaftlichem Boden steht, wenn man so etwas erlebt; denn solch ein Mensch, wie dieser Ren& Marchand, ist eine Ausnahme. Es muß sich einem die Frage aufdrängen: Woher hat denn der Mann seine Kenntnis von dem allem? — Er hat seine Kenntnis daher, woher sie die meisten Menschen der Gegenwart haben, er hat sie aus den Zeitungen, aus den Büchern. Er kennt nicht das Leben. Denn die Menschen, die heute leben, kennen zum großen Teile das Leben überhaupt nur aus den Zeitungen, aus den Büchern. Gerade die führenden Schichten kennen das Leben ja nur aus den Zeitungen. Was haben wir alles erlebt in dieser Beziehung aus den Zeitungen, aus den Büchern! Wir haben es erlebt, daß die Leute sich ihre Weltanschauung gebildet haben vor Jahrzehnten noch aus französischen Komödien, daß sie die Literatur, die in einer Komödie vorkommt, besser kannten als das, was im Leben vorkommt, daß sie an den Wirklichkeiten des Lebens vorübergingen und sich eigentlich nur unterrichteten durch das, was sie von der Bühne herunter gesehen haben. Wir haben es später erlebt, daß die Menschen ihre Weltanschauung gebildet haben aus I/bsen oder aus Dostojewskij oder aus Tolstoj, daß sie nicht das Leben kannten, auch nicht die Bücher nach dem Leben beurteilen konnten, sondern im Grunde genommen nur das abgeleitete, auf dem Papier stehende Leben in sich aufnahmen. Und da entwickeln sie nun ihre Devisen, da gründen sie ihre Vereine für allerlei Reformen, ohne daß sie das wirkliche Leben kennen, das sie nur aus Ibsen oder aus Dostojewskij kennen, oder es so kennen, wie es einem oftmals zum Ekel werden mußte in der Zeit, als in allen Großstädten Europas zum Beispiel Hauptmanns «Weber» aufgeführt wurden. Die Lebensart der Weber, die erschien auf dem Theater. Diejenigen Menschen, die keine Ahnung hatten von dem, was im Leben vorgeht, dessen Karikatur ihnen hier auf der Bühne erschien, die betrachteten nun, weil es ja die «soziale Zeit» war, das Weberelend von den Brettern herunter und redeten auch über alle möglichen sozialen Fragen, indem sie nur in dieser Weise die Sachen kannten. Es sind im Grunde genommen alles Leute, die das Leben nicht kennen, die es nur in seiner Ableitung aus den Zeitungen, aus den Büchern kennen, aus dem, was eben heute Bücher sind. Ich rede nicht gegen die Bücher, man muß sie kennen; aber man muß die Bücher so lesen, daß man durch die Bücher hindurch auf das Leben schaut und schauen kann. Das aber ist es, daß wir heute in einem Zeitalter der Abstraktionen leben, der abstrakten Parteiforderungen, der abstrakten Vereinsforderungen und so weiter. Und so ist es mir interessant, daß auf einer Seite an einen herandringt ein so lebenswahrer Mann wie dieser Rene Marchand, der aber zu gleicher Zeit für viele ein Orakel ist, denn er ist ein Journalist, der also gar nicht in die Lage kommt, sich nun zu fragen: Ja, kommt man von diesem Bolschewismus aus zu einer möglichen Lebensgestaltung? — Denn er kennt ja gar nicht das Leben, er vertauscht nur das, was er kennengelernt hat und was er reif findet zum Untergang, mit einer neuen abstrakten Formel, mit neuen Theorien. Und da mußte ich denn mit diesen Auslassungen eines Intellektuellen einen Brief vergleichen, den ich heute morgen bekam, wo mir jemand schreibt, der im Leben drinnen gestanden hat, der im Leben gerade dasjenige erfahren hat, was man heute zur Beurteilung der sozialen Lage erfahren kann, wie ihm das Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» eine Art Erlösung geworden sei, ein Praktiker, der in der Weberei gearbeitet hat und durch und durch die Praxis kennt. Erst dann wird man überhaupt eine Ahnung haben von dem, was gemeint ist mit den «Kernpunkten der sozialen Frage» als einem Realitätsbuche, das aber aus der geistigen Welt hervorgeholt worden ist, wie alles, was heute dem Leben dienen soll, aus der geistigen Welt hervorgeholt worden sein muß, erst dann wird man wissen, was damit gemeint ist, wenn man es von dem Gesichtspunkte der Lebenspraxis aus beurteilt, wenn man weiß, daß es überall, in jeder Zeile, in jedem Wort nicht Theorie ist, sondern aus der Lebenspraxis herausgeholt ist, wenn man verstehen wird, daß es ein Buch ist für diejenigen, die tatkräftig ins Leben eingreifen wollen, nicht für solche, die über das Leben spintisieren und sozialistisch schwätzen wollen.
[ 17 ] Diese Dinge, die sind es, die einem heute solchen Schmerz machen, daß diejenigen, die keine Ahnung von der Wirklichkeit haben, ein Wirklichkeitsbuch ein utopisches nennen, daß diejenigen dann, die keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit haben und selber die Literatitis haben, auch ein solches Buch, das herausgeholt ist aus dem Leben, als ein Literatenbuch etwa auffassen. Und heute kommt es auf das Wie an, nicht auf das Was. Es kommt darauf an, daß wir uns Gedankenformen aneignen, die geeignet sind, Instrumente zu sein für die Erfassung des geistigen Lebens, denn in der Wirklichkeit ist überall geistiges Leben. Es gibt in unserer Umgebung da oder von jenseits der Sinneswelt geistige Realitäten, und aus diesen geistigen Realitäten muß der soziale Neuaufbau gemacht werden, nicht aus jenem Geschwätz, das im Leninismus und Trotzkiismus auftritt und das nichts anderes ist als die ausgepreßte Zitrone uralter spießbürgerlicher westlicher Anschauungen, die keine Macht haben überhaupt, irgendeine soziale Idee aus sich hervorzubringen. Man muß fragen, wo die Menschen sind, die heute mit der genügenden Intensität das Leben in dieser Weise durchschauen wollen. Man wird es nicht durchschauen, wenn man es nicht vom Geiste aus durchschaut. Man wird das Leben zwischen Geburt und Tod nicht verstehen, wenn man sich nicht bequemen will, das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zu verstehen. Denn man wird entweder krasser Materialist, wenn man nicht zum geistigen Leben gehen will, oder man wird ein Intellektualist, der in solchen Theorien lebt, die ihn nur fähig machen, das Leben zu begreifen, nachdem er es von Ibsen hat dramatisch darstellen gehört, oder von Dostojewskij oder von so jemandem. Aber darauf kommt es an, daß wir alles, was uns literarisch entgegentritt, zu verstehen wissen als eine Art von Fensterscheibe, durch die wir auf das Leben blicken. Das werden wir nur, wenn wir hinter der Sinneswelt die Geisteswelt, die Welt der geistigen Entitäten erblicken, und wenn wir endlich Abschied geben jenen Phantastereien von Atomen und Molekülen, aus denen uns die heutige Physik eine Welt aufbauen will, und aus denen folgen würde, daß die ganze Gegenwartswelt im Grunde genommen wahrhaft real nur aus Atomen und Molekülen besteht, und damit herausgeworfen wird alles Geistige und damit auch alles sittliche und religiöse Ideal. Davon will ich dann morgen weitersprechen.
[ 17 ] Diese Dinge, die sind es, die einem heute solchen Schmerz machen, daß diejenigen, die keine Ahnung von der Wirklichkeit haben, ein Wirklichkeitsbuch ein utopisches nennen, daß diejenigen dann, die keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit haben und selber die Literatitis haben, auch ein solches Buch, das herausgeholt ist aus dem Leben, als ein Literatenbuch etwa auffassen. Und heute kommt es auf das Wie an, nicht auf das Was. Es kommt darauf an, daß wir uns Gedankenformen aneignen, die geeignet sind, Instrumente zu sein für die Erfassung des geistigen Lebens, denn in der Wirklichkeit ist überall geistiges Leben. Es gibt in unserer Umgebung da oder von jenseits der Sinneswelt geistige Realitäten, und aus diesen geistigen Realitäten muß der soziale Neuaufbau gemacht werden, nicht aus jenem Geschwätz, das im Leninismus und Trotzkiismus auftritt und das nichts anderes ist als die ausgepreßte Zitrone uralter spießbürgerlicher westlicher Anschauungen, die keine Macht haben überhaupt, irgendeine soziale Idee aus sich hervorzubringen. Man muß fragen, wo die Menschen sind, die heute mit der genügenden Intensität das Leben in dieser Weise durchschauen wollen. Man wird es nicht durchschauen, wenn man es nicht vom Geiste aus durchschaut. Man wird das Leben zwischen Geburt und Tod nicht verstehen, wenn man sich nicht bequemen will, das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zu verstehen. Denn man wird entweder krasser Materialist, wenn man nicht zum geistigen Leben gehen will, oder man wird ein Intellektualist, der in solchen Theorien lebt, die ihn nur fähig machen, das Leben zu begreifen, nachdem er es von Ibsen hat dramatisch darstellen gehört, oder von Dostojewskij oder von so jemandem. Aber darauf kommt es an, daß wir alles, was uns literarisch entgegentritt, zu verstehen wissen als eine Art von Fensterscheibe, durch die wir auf das Leben blicken. Das werden wir nur, wenn wir hinter der Sinneswelt die Geisteswelt, die Welt der geistigen Entitäten erblicken, und wenn wir endlich Abschied geben jenen Phantastereien von Atomen und Molekülen, aus denen uns die heutige Physik eine Welt aufbauen will, und aus denen folgen würde, daß die ganze Gegenwartswelt im Grunde genommen wahrhaft real nur aus Atomen und Molekülen besteht, und damit herausgeworfen wird alles Geistige und damit auch alles sittliche und religiöse Ideal. Davon will ich dann morgen weitersprechen.
