Spiritual Scientific Insight into the
Fundamental Impulses of Social Organization
GA 199
22 August 1920, Dornach
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Geisteswissenschaft als Erkenntnis der Grundimpulse sozialer Gestaltung
Achter Vortrag
Achter Vortrag
[ 1 ] Ich möchte noch einmal den Extrakt desjenigen geben, was ich gestern ausgeführt habe über die Differenzierung der Seelenanlagen der Völker, der Menschen überhaupt über die Erde hin. Ich habe angedeutet, wie verschiedene Anlagen und verschiedene Arten von Seelenverfassung in den verschiedensten Gegenden der Erde bei den Menschen vorhanden sind, so daß in der Tat ein jedes Erdengebiet durch seine Völkerschaft ein Bestimmtes beitragen kann zu dem, was die gesamte Menschheit leistet mit Bezug auf die gesamte Erdenzivilisation. Wir haben darauf aufmerksam machen müssen gestern, wie die orientalischen Völker, die Völker Asiens und dasjenige, was zu ihnen gehört, vorzugsweise dazu veranlagt sind, dasjenige Element auszubilden, welches seinen Beitrag gibt in das geistige Glied der sozialen Organisation. Alles dasjenige, was vorzugsweise in der Menschheit geistige Entwickelung ist, also Wissen des Übersinnlichen, Gestalten des Übersinnlichen, dazu ist die orientalische Bevölkerung besonders veranlagt. Damit hängt es zusammen, daß diese orientalische Bevölkerung besonders dazu veranlagt ist, sich Vorstellungen, Ideen darüber zu machen, wie der Mensch aus geistigen Welten, die er durchlebt hat zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt, heruntergestiegen ist in dieses irdische Dasein. Die Präexistenzlehre, jene Lehre, welche sich gewiß ist darüber, daß der Mensch ein geistiges Dasein durchgemacht hat, bevor er hier in den physischen Leib gekommen ist, das einzusehen, das liegt insbesondere in diesen orientalischen Anlagen. Daher auch die Anlage dazu, die Einsicht in die wiederholten Erdenleben zu haben. Man kann die Anschauung haben, daß das Leben nach dem Tode fortdauert, immer fortdauert, ohne daß man wiederkehrt auf die Erde. Aber man kann logischerweise nicht die Anschauung haben, daß das Leben hier auf der Erde eine Fortsetzung eines geistigen ist, ohne daran denken zu müssen, daß ja dann es selbstverständlich ist, daß dieses Leben sich wiederholen muß. So also war der Orientale ganz besonders dazu veranlagt, einzusehen, er habe gelebt in geistigen Welten vor diesem Erdenleben, und er habe gewissermaßen die Impulse, die Antriebe zu diesem Erdenleben erhalten eben aus der göttlich-geistigen Welt heraus.
[ 1 ] Ich möchte noch einmal den Extrakt desjenigen geben, was ich gestern ausgeführt habe über die Differenzierung der Seelenanlagen der Völker, der Menschen überhaupt über die Erde hin. Ich habe angedeutet, wie verschiedene Anlagen und verschiedene Arten von Seelenverfassung in den verschiedensten Gegenden der Erde bei den Menschen vorhanden sind, so daß in der Tat ein jedes Erdengebiet durch seine Völkerschaft ein Bestimmtes beitragen kann zu dem, was die gesamte Menschheit leistet mit Bezug auf die gesamte Erdenzivilisation. Wir haben darauf aufmerksam machen müssen gestern, wie die orientalischen Völker, die Völker Asiens und dasjenige, was zu ihnen gehört, vorzugsweise dazu veranlagt sind, dasjenige Element auszubilden, welches seinen Beitrag gibt in das geistige Glied der sozialen Organisation. Alles dasjenige, was vorzugsweise in der Menschheit geistige Entwickelung ist, also Wissen des Übersinnlichen, Gestalten des Übersinnlichen, dazu ist die orientalische Bevölkerung besonders veranlagt. Damit hängt es zusammen, daß diese orientalische Bevölkerung besonders dazu veranlagt ist, sich Vorstellungen, Ideen darüber zu machen, wie der Mensch aus geistigen Welten, die er durchlebt hat zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt, heruntergestiegen ist in dieses irdische Dasein. Die Präexistenzlehre, jene Lehre, welche sich gewiß ist darüber, daß der Mensch ein geistiges Dasein durchgemacht hat, bevor er hier in den physischen Leib gekommen ist, das einzusehen, das liegt insbesondere in diesen orientalischen Anlagen. Daher auch die Anlage dazu, die Einsicht in die wiederholten Erdenleben zu haben. Man kann die Anschauung haben, daß das Leben nach dem Tode fortdauert, immer fortdauert, ohne daß man wiederkehrt auf die Erde. Aber man kann logischerweise nicht die Anschauung haben, daß das Leben hier auf der Erde eine Fortsetzung eines geistigen ist, ohne daran denken zu müssen, daß ja dann es selbstverständlich ist, daß dieses Leben sich wiederholen muß. So also war der Orientale ganz besonders dazu veranlagt, einzusehen, er habe gelebt in geistigen Welten vor diesem Erdenleben, und er habe gewissermaßen die Impulse, die Antriebe zu diesem Erdenleben erhalten eben aus der göttlich-geistigen Welt heraus.
[ 2 ] Es hängt das zusammen mit der ganzen Art und Weise, wie der Orientale zu seinem Wissen, zu seiner ganzen Seelenverfassung gekommen ist. Für einige von Ihnen habe ich das schon angedeutet; es sind jetzt eine andere Anzahl von Freunden da, und ich möchte etwas noch einmal charakterisieren, das ich für einige schon charakterisiert habe.
[ 2 ] Es hängt das zusammen mit der ganzen Art und Weise, wie der Orientale zu seinem Wissen, zu seiner ganzen Seelenverfassung gekommen ist. Für einige von Ihnen habe ich das schon angedeutet; es sind jetzt eine andere Anzahl von Freunden da, und ich möchte etwas noch einmal charakterisieren, das ich für einige schon charakterisiert habe.
[ 3 ] Wir wissen, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, daß er zerfällt in den Nerven-Sinnesmenschen, in den rhythmischen Menschen — der umfaßt jene Tätigkeiten, die in der Atmung, in der Blutzirkulation und so weiter gegeben sind —, und daß dann das dritte im Menschen der Stoffwechselmensch ist, alles dasjenige, was mit dem Stoffwechsel zusammenhängt. Nun kommen nicht über die ganze Erde hin etwa in gleichmäßiger Weise diese drei Glieder der menschlichen Organisation zum Ausdruck, sondern in verschiedener Weise.
[ 3 ] Wir wissen, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, daß er zerfällt in den Nerven-Sinnesmenschen, in den rhythmischen Menschen — der umfaßt jene Tätigkeiten, die in der Atmung, in der Blutzirkulation und so weiter gegeben sind —, und daß dann das dritte im Menschen der Stoffwechselmensch ist, alles dasjenige, was mit dem Stoffwechsel zusammenhängt. Nun kommen nicht über die ganze Erde hin etwa in gleichmäßiger Weise diese drei Glieder der menschlichen Organisation zum Ausdruck, sondern in verschiedener Weise.
[ 4 ] Der orientalische Mensch ist heute daran — jetzt ist das alles, ich möchte sagen, in der Dekadenz, heute ist das alles unterdrückt, heute schläft das im orientalischen Menschen, aber wir müssen den orientalischen Menschen auch nicht kennenlernen nach seiner jetzigen Seelenverfassung, sondern wir müssen ihn vorzugsweise kennenlernen nach seiner Seelenverfassung, die er in einer sehr weit zurückliegenden Vorzeit gehabt hat —, der orientalische Mensch ist heute daran, gerade weil diese Seelenverfassung zurückgegangen ist, und die Europäer und Amerikaner werden das in nicht zu ferner Zeit zu ihrem großen Schrecken bemerken, mit derselben Inbrunst, mit derselben religiösen Hingebung den Bolschewismus aufzunehmen, wie er einstmals aufgenommen hat die Lehre von dem heiligen Brahman. Was ist von den drei Gliedern der menschlichen Natur dasjenige, das im orientalischen Menschen ganz besonders zum Ausdruck gekommen ist? Es ist der Stoffwechselmensch. Gerade der älteste Orientale hat ganz im Stoffwechsel gelebt. Das wird für denjenigen in der Auffassung keinen Horror hervorrufen, der den Stoff nicht denkt im Sinne von Klumpen von Materie, sondern der weiß, daß in allem Stoff Geist lebt. Und dasjenige, was gerade der hohe Geist, der bewunderungswürdige Geist der Orientalen war, das war dasjenige, was aus dem Stoffwechsel der orientalischen Natur aufgestiegen ist und ins Bewußtsein hineingeglänzt hat. Dasjenige, was sich im menschlichen Stoffwechsel abspielt, hängt ja innig zusammen mit dem, wie die äußere Sinneswelt ist. Wir entnehmen dasjenige, was dann in uns Materie wird, der äußeren Sinneswelt. Wir wissen, daß hinter dieser äußeren Sinneswelt Geist ist. In Wahrheit essen wir Geist, und der gegessene Geist wird erst in uns Materie. Aber dasjenige, was wir da aufnehmen, das war beim Orientalen so, daß es auch, nachdem es aufgenommen wurde, den Geist hergab. So daß derjenige, der die Dinge versteht, hinsieht auf die bewunderungswürdigen poetischen Leistungen der Veden, auf die Großartigkeit der Bhagavad Gita, auf die tiefe Philosophie der Veden und Vedanta, auf die indische Jogaphilosophie, und er wird sie deshalb nicht weniger bewundern, weil er weiß, daß das aus dem inneren Prozeß hervorgegangen ist als ein Produkt des Stoffwechsels, wie die Blüten des Baumes hervorgehen aus dem Stoffwechsel. Und wie wir den Baum anschauen und in seinen Blüten sehen dasjenige, was die Erde der Luft und dem Licht entgegentreibt, so sehen wir in dem, was der alte indische Mensch hervorgebracht hat in den Veden, in der Vedanta-, in der Jogaphilosophie, eine Blüte des irdischen Daseins selber. Es ist gewissermaßen auf der einen Seite dasjenige, was wir in den Blüten der Bäume sehen, Produkt der Erde, entgegengebracht der Luft und dem Lichte, aber Produkt der Erde, das heißt desjenigen, was auf dem Felde wächst als Weizen und Korn, auf den Bäumen als Obst und Früchte, genossen und verdaut von Menschen, verkocht von Menschen. In der besonderen alten indischen Natur wird es, statt zu Pflanzenblüten und Pflanzenfrüchten, zu den herrlichen Ausgestaltungen der Veden, der Vedanta- der Jogaphilosophie, man sieht diesen alten indischen Menschen an so wie einen Baum, als Zeugen desjenigen, was die Erde in ihrem Stoffwechsel aus sich selber hervorsprießen lassen kann, indem sie in den Menschen hineinschießt — beim Baum durch die Wurzeln und durch den Saftstrom, beim Menschen durch die Nahrung —, und man lernt erkennen das Göttliche in demjenigen, wo es der Spiritualist verachtet, indem ihm die Materie so niedrig vorkommt.
[ 4 ] Der orientalische Mensch ist heute daran — jetzt ist das alles, ich möchte sagen, in der Dekadenz, heute ist das alles unterdrückt, heute schläft das im orientalischen Menschen, aber wir müssen den orientalischen Menschen auch nicht kennenlernen nach seiner jetzigen Seelenverfassung, sondern wir müssen ihn vorzugsweise kennenlernen nach seiner Seelenverfassung, die er in einer sehr weit zurückliegenden Vorzeit gehabt hat —, der orientalische Mensch ist heute daran, gerade weil diese Seelenverfassung zurückgegangen ist, und die Europäer und Amerikaner werden das in nicht zu ferner Zeit zu ihrem großen Schrecken bemerken, mit derselben Inbrunst, mit derselben religiösen Hingebung den Bolschewismus aufzunehmen, wie er einstmals aufgenommen hat die Lehre von dem heiligen Brahman. Was ist von den drei Gliedern der menschlichen Natur dasjenige, das im orientalischen Menschen ganz besonders zum Ausdruck gekommen ist? Es ist der Stoffwechselmensch. Gerade der älteste Orientale hat ganz im Stoffwechsel gelebt. Das wird für denjenigen in der Auffassung keinen Horror hervorrufen, der den Stoff nicht denkt im Sinne von Klumpen von Materie, sondern der weiß, daß in allem Stoff Geist lebt. Und dasjenige, was gerade der hohe Geist, der bewunderungswürdige Geist der Orientalen war, das war dasjenige, was aus dem Stoffwechsel der orientalischen Natur aufgestiegen ist und ins Bewußtsein hineingeglänzt hat. Dasjenige, was sich im menschlichen Stoffwechsel abspielt, hängt ja innig zusammen mit dem, wie die äußere Sinneswelt ist. Wir entnehmen dasjenige, was dann in uns Materie wird, der äußeren Sinneswelt. Wir wissen, daß hinter dieser äußeren Sinneswelt Geist ist. In Wahrheit essen wir Geist, und der gegessene Geist wird erst in uns Materie. Aber dasjenige, was wir da aufnehmen, das war beim Orientalen so, daß es auch, nachdem es aufgenommen wurde, den Geist hergab. So daß derjenige, der die Dinge versteht, hinsieht auf die bewunderungswürdigen poetischen Leistungen der Veden, auf die Großartigkeit der Bhagavad Gita, auf die tiefe Philosophie der Veden und Vedanta, auf die indische Jogaphilosophie, und er wird sie deshalb nicht weniger bewundern, weil er weiß, daß das aus dem inneren Prozeß hervorgegangen ist als ein Produkt des Stoffwechsels, wie die Blüten des Baumes hervorgehen aus dem Stoffwechsel. Und wie wir den Baum anschauen und in seinen Blüten sehen dasjenige, was die Erde der Luft und dem Licht entgegentreibt, so sehen wir in dem, was der alte indische Mensch hervorgebracht hat in den Veden, in der Vedanta-, in der Jogaphilosophie, eine Blüte des irdischen Daseins selber. Es ist gewissermaßen auf der einen Seite dasjenige, was wir in den Blüten der Bäume sehen, Produkt der Erde, entgegengebracht der Luft und dem Lichte, aber Produkt der Erde, das heißt desjenigen, was auf dem Felde wächst als Weizen und Korn, auf den Bäumen als Obst und Früchte, genossen und verdaut von Menschen, verkocht von Menschen. In der besonderen alten indischen Natur wird es, statt zu Pflanzenblüten und Pflanzenfrüchten, zu den herrlichen Ausgestaltungen der Veden, der Vedanta- der Jogaphilosophie, man sieht diesen alten indischen Menschen an so wie einen Baum, als Zeugen desjenigen, was die Erde in ihrem Stoffwechsel aus sich selber hervorsprießen lassen kann, indem sie in den Menschen hineinschießt — beim Baum durch die Wurzeln und durch den Saftstrom, beim Menschen durch die Nahrung —, und man lernt erkennen das Göttliche in demjenigen, wo es der Spiritualist verachtet, indem ihm die Materie so niedrig vorkommt.
[ 5 ] Und dann hat der alte Inder ein Ideal. Er hat das Ideal, aus diesem seinem Erleben in dem Stoffwechsel herauszukommen zu dem höheren Glied der Menschennatur, zu dem rhythmischen System. Daher machte er seine Jogaübungen. Er machte besondere Atemübungen. Das übte er mit Bewußtsein. Dasjenige, was der Stoffwechsel aus ihm hervorbringt als geistige Blüte der Erdenentwickelung, das kommt unbewußt. Dasjenige, was er bewußt macht, ist: sein rhythmisches System, das Atmungs- und Blutsystem, in eine geregelte, in eine systematisierte Bewegung zu bringen. Und was tut er, indem er sich erhebt, indem das gerade dasjenige ist, was seine Erhebung ist, was tut er da? In diesem rhythmischen System, was geschieht da? Wir atmen die äußere Luft ein, wir übergeben der äußeren Luft dasjenige, was aus des Menschen Stoffwechsel entsteht, Kohlenstoff. In uns findet ein Stoffwechsel statt zwischen dem, was in uns Ergebnis des Stoffwechsels ist, und demjenigen, was in der Luft ist, die wir aufnehmen. Die heutige materialistischphysikalische Weltanschauung sieht in der Luft Stickstoff — weiß nicht, was das ist — und Sauerstoff — weiß nicht, was das ist — miteinander gemischt, sieht etwas rein Materielles. Der alte Inder nahm wahr die Luft, das heißt dasjenige, was da vorgeht, indem sich im Menschen verbindet dasjenige, was aus dem Stoffwechsel kommt, mit dem, was eingeatmet wird, was sich verarbeitet. In der Blutzirkulation nahm der alte Inder dann, indem er sein Ideal, die Jogaphilosophie, erfüllte, wahr durch diesen Stoffwechsel die Geheimnisse der Luft, das heißt dasjenige, was geistig in der Luft ist. Er lernte kennen in der Jogaphilosophie dasjenige, was geistig in der Luft ist. Was lernt man da kennen? Da lernt man eben gerade kennen dasjenige, was in uns eingezogen ist, indem wir atmende Wesen geworden sind. Da lernt man erkennen dasjenige, was in uns eingezogen ist, als wir heruntergegangen sind aus den geistigen Welten in diesen physischen Leib. Da pflegt man dieses Wissen von der Präexistenz, von dem vorgeburtlichen Leben. Daher ist es in einem gewissen Sinne das Geheimnis derjenigen zunächst, die solche Jogaphilosophie ausführen, hinter das Geheimnis des vorgeburtlichen Lebens zu kommen.
[ 5 ] Und dann hat der alte Inder ein Ideal. Er hat das Ideal, aus diesem seinem Erleben in dem Stoffwechsel herauszukommen zu dem höheren Glied der Menschennatur, zu dem rhythmischen System. Daher machte er seine Jogaübungen. Er machte besondere Atemübungen. Das übte er mit Bewußtsein. Dasjenige, was der Stoffwechsel aus ihm hervorbringt als geistige Blüte der Erdenentwickelung, das kommt unbewußt. Dasjenige, was er bewußt macht, ist: sein rhythmisches System, das Atmungs- und Blutsystem, in eine geregelte, in eine systematisierte Bewegung zu bringen. Und was tut er, indem er sich erhebt, indem das gerade dasjenige ist, was seine Erhebung ist, was tut er da? In diesem rhythmischen System, was geschieht da? Wir atmen die äußere Luft ein, wir übergeben der äußeren Luft dasjenige, was aus des Menschen Stoffwechsel entsteht, Kohlenstoff. In uns findet ein Stoffwechsel statt zwischen dem, was in uns Ergebnis des Stoffwechsels ist, und demjenigen, was in der Luft ist, die wir aufnehmen. Die heutige materialistischphysikalische Weltanschauung sieht in der Luft Stickstoff — weiß nicht, was das ist — und Sauerstoff — weiß nicht, was das ist — miteinander gemischt, sieht etwas rein Materielles. Der alte Inder nahm wahr die Luft, das heißt dasjenige, was da vorgeht, indem sich im Menschen verbindet dasjenige, was aus dem Stoffwechsel kommt, mit dem, was eingeatmet wird, was sich verarbeitet. In der Blutzirkulation nahm der alte Inder dann, indem er sein Ideal, die Jogaphilosophie, erfüllte, wahr durch diesen Stoffwechsel die Geheimnisse der Luft, das heißt dasjenige, was geistig in der Luft ist. Er lernte kennen in der Jogaphilosophie dasjenige, was geistig in der Luft ist. Was lernt man da kennen? Da lernt man eben gerade kennen dasjenige, was in uns eingezogen ist, indem wir atmende Wesen geworden sind. Da lernt man erkennen dasjenige, was in uns eingezogen ist, als wir heruntergegangen sind aus den geistigen Welten in diesen physischen Leib. Da pflegt man dieses Wissen von der Präexistenz, von dem vorgeburtlichen Leben. Daher ist es in einem gewissen Sinne das Geheimnis derjenigen zunächst, die solche Jogaphilosophie ausführen, hinter das Geheimnis des vorgeburtlichen Lebens zu kommen.
[ 6 ] So sehen wir, daß der alte Inder im Stoffwechsel lebt, trotzdem er so Schönes, Großartiges, Gewaltiges hervorbringt, und sich künstlich hinaufschwingt zum rhythmischen System. Das alles ist in die Dekadenz gekommen. Das alles ist heute in Asien schlafend. In den asiatischen Seelen macht sich nur nebulos geltend in abstrakten Formen, wenn solche erleuchtete Geister wie Rabindranath Tagore von dem Ideal der Asiaten sprechen und schwelgen.
[ 6 ] So sehen wir, daß der alte Inder im Stoffwechsel lebt, trotzdem er so Schönes, Großartiges, Gewaltiges hervorbringt, und sich künstlich hinaufschwingt zum rhythmischen System. Das alles ist in die Dekadenz gekommen. Das alles ist heute in Asien schlafend. In den asiatischen Seelen macht sich nur nebulos geltend in abstrakten Formen, wenn solche erleuchtete Geister wie Rabindranath Tagore von dem Ideal der Asiaten sprechen und schwelgen.
[ 7 ] Und gehen wir von diesem Asien zu Mitteleuropa, da finden wir, daß sich dieser mitteleuropäische Mensch da, wo er wirklich ein solcher ist — ich habe ihn gestern dadurch charakterisiert, daß ich Sie hinwies auf Fichtes Satz: Die äußere Sinneswelt ist nur das versinnlichte Material meiner Pflicht, sie hat an sich keine Existenz, sie ist dazu da, damit ich etwas habe, womit ich meine Pflicht ausführen kann. — Der Mensch, der aus diesem Untergrunde in den mittleren Gegenden der Erde lebte und lebt, der lebt nun, geradeso wie der Inder im Stoffwechsel lebt, im rhythmischen System. Dasjenige, worinnen man lebt, bleibt unbewußt. Der Inder strebte noch als zu einem Ideal zum rhythmischen System hinauf, und ihm wurde es bewußt. Der Mitteleuropäer lebt in diesem rhythmischen System, ihm wird es nicht bewußt, und er gestaltet aus dadurch, daß er in diesem rhythmischen System lebt, alles dasjenige, was das rechtliche, das demokratische, das staatliche Element in der sozialen Organisation ist. Er gestaltet es einseitig aus, aber er gestaltet es in dem Sinne aus, wie ich das gestern angedeutet habe, denn er ist besonders dazu veranlagt, dasjenige auszugestalten, was im Wechselspiel geschieht zwischen Mensch und Mensch, im Wechselspiel zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Aber er hat wiederum ein Ideal. Er hat das Ideal, sich nun zum nächsten zu erheben, zu dem Nerven-Sinnesmenschen. So wie der Inder die Jogaphilosophie, das kunstvolle Atmen, das zur Erkenntnis auf besondere Art führt, als sein Ideal betrachtete, so der mitteleuropäische Mensch das Sich-hinauf-Schwingen zu Vorstellungen, die aus dem Nerven-Sinnesmenschen kommen, zu Vorstellungen, die ideell sind, zu Vorstellungen, die errungen werden durch eine Erhebung, so wie die Jogaphilosophie errungen wird von dem Inder durch eine Erhebung.
[ 7 ] Und gehen wir von diesem Asien zu Mitteleuropa, da finden wir, daß sich dieser mitteleuropäische Mensch da, wo er wirklich ein solcher ist — ich habe ihn gestern dadurch charakterisiert, daß ich Sie hinwies auf Fichtes Satz: Die äußere Sinneswelt ist nur das versinnlichte Material meiner Pflicht, sie hat an sich keine Existenz, sie ist dazu da, damit ich etwas habe, womit ich meine Pflicht ausführen kann. — Der Mensch, der aus diesem Untergrunde in den mittleren Gegenden der Erde lebte und lebt, der lebt nun, geradeso wie der Inder im Stoffwechsel lebt, im rhythmischen System. Dasjenige, worinnen man lebt, bleibt unbewußt. Der Inder strebte noch als zu einem Ideal zum rhythmischen System hinauf, und ihm wurde es bewußt. Der Mitteleuropäer lebt in diesem rhythmischen System, ihm wird es nicht bewußt, und er gestaltet aus dadurch, daß er in diesem rhythmischen System lebt, alles dasjenige, was das rechtliche, das demokratische, das staatliche Element in der sozialen Organisation ist. Er gestaltet es einseitig aus, aber er gestaltet es in dem Sinne aus, wie ich das gestern angedeutet habe, denn er ist besonders dazu veranlagt, dasjenige auszugestalten, was im Wechselspiel geschieht zwischen Mensch und Mensch, im Wechselspiel zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Aber er hat wiederum ein Ideal. Er hat das Ideal, sich nun zum nächsten zu erheben, zu dem Nerven-Sinnesmenschen. So wie der Inder die Jogaphilosophie, das kunstvolle Atmen, das zur Erkenntnis auf besondere Art führt, als sein Ideal betrachtete, so der mitteleuropäische Mensch das Sich-hinauf-Schwingen zu Vorstellungen, die aus dem Nerven-Sinnesmenschen kommen, zu Vorstellungen, die ideell sind, zu Vorstellungen, die errungen werden durch eine Erhebung, so wie die Jogaphilosophie errungen wird von dem Inder durch eine Erhebung.
[ 8 ] Daher ist es auch notwendig, daß man sich bewußt werde, will man Leute, die aus solchen Untergründen heraus geschaffen haben, wie Fichte, Hegel, Schelling, wie Goethe, will man sie wirklich verstehen, so muß man sie so verstehen, wie der Inder seine Jogaeingeweihten verstand. Aber diese besondere Seelenveranlagung, die dämpft die eigentliche Geistigkeit. Man erlangt noch ein deutliches Bewußtsein davon, wie es zum Beispiel Hegel hat, daß die Ideen Wirklichkeiten sind. Dieses deutliche Bewußtsein hatte Hegel, Fichte, hatte Goethe, daß die Ideen Wirklichkeiten, Realitäten sind. Man gelangt eben auch dazu, so etwas zu sagen wie Fichte: Die äußere Sinneswelt ist für sich keine Existenz, sondern nur das versinnlichte Material meiner Pflicht. — Aber man kommt nicht zu jener Erfüllung der Ideen, welche der Orientale hatte. Man kommt dazu, zu sagen, wie Hegel sagte: Es beginnt die Geschichte, es lebt die Geschichte. Das ist die lebendige Bewegung der Ideen. — Aber man beschränkt sich allein auf diese äußere Wirklichkeit. Diese äußere Wirklichkeit sieht man geistig, ideell an. Aber man kann nicht, gerade wenn man Hegel ist, weder von Unsterblichkeit noch von Ungeburtlichkeit reden. Die Hegelsche Philosophie beginnt mit der Logik, das heißt mit demjenigen, was der Mensch endlich denkt, dehnt sich aus über eine gewisse Naturphilosophie, hat eine Seelenlehre, die aber nur von der irdischen Seele handelt, hat eine Staatslehre und hat zuletzt als das Höchste, zu dem sie sich aufschwingt, die Dreigliederung von Kunst, Religion, Wissenschaft. Aber darüber geht es nicht hinaus, da geht es nicht in die geistigen Welten hinein. Auf geistigste Art hat solch ein Mensch wie Hegel oder Fichte beschrieben dasjenige, was in der äußeren Welt ist; aber gedämpft ist alles dasjenige, was hinausschaut über die äußere Welt. Und so sehen wir, daß gerade dasjenige, was kein Gegenbild in der geistigen Welt hat, das Rechtsleben, das Staatsleben, was nur von dieser Welt ist, daß das gerade die Größe ausmacht dieser Ideengebäude, die da auftreten. Man sieht die äußere Welt als geistig an. Man kommt aber nicht über diese äußere Welt hinaus. Aber man schult den Geist, man bringt dem Geist eine gewisse Disziplin bei. Und legt man dann Wert auf eine gewisse innere Entwickelung, so findet das statt, daß dadurch gerade, wenn man sich heranschult an dem, was da in diesem Gebiete der Welt an Erziehung des Geistes durch die Ideenwelt geleistet werden kann, man gewissermaßen innerlich hinaufgetrieben wird in die geistige Welt. Das ist ja das Merkwürdige.
[ 8 ] Daher ist es auch notwendig, daß man sich bewußt werde, will man Leute, die aus solchen Untergründen heraus geschaffen haben, wie Fichte, Hegel, Schelling, wie Goethe, will man sie wirklich verstehen, so muß man sie so verstehen, wie der Inder seine Jogaeingeweihten verstand. Aber diese besondere Seelenveranlagung, die dämpft die eigentliche Geistigkeit. Man erlangt noch ein deutliches Bewußtsein davon, wie es zum Beispiel Hegel hat, daß die Ideen Wirklichkeiten sind. Dieses deutliche Bewußtsein hatte Hegel, Fichte, hatte Goethe, daß die Ideen Wirklichkeiten, Realitäten sind. Man gelangt eben auch dazu, so etwas zu sagen wie Fichte: Die äußere Sinneswelt ist für sich keine Existenz, sondern nur das versinnlichte Material meiner Pflicht. — Aber man kommt nicht zu jener Erfüllung der Ideen, welche der Orientale hatte. Man kommt dazu, zu sagen, wie Hegel sagte: Es beginnt die Geschichte, es lebt die Geschichte. Das ist die lebendige Bewegung der Ideen. — Aber man beschränkt sich allein auf diese äußere Wirklichkeit. Diese äußere Wirklichkeit sieht man geistig, ideell an. Aber man kann nicht, gerade wenn man Hegel ist, weder von Unsterblichkeit noch von Ungeburtlichkeit reden. Die Hegelsche Philosophie beginnt mit der Logik, das heißt mit demjenigen, was der Mensch endlich denkt, dehnt sich aus über eine gewisse Naturphilosophie, hat eine Seelenlehre, die aber nur von der irdischen Seele handelt, hat eine Staatslehre und hat zuletzt als das Höchste, zu dem sie sich aufschwingt, die Dreigliederung von Kunst, Religion, Wissenschaft. Aber darüber geht es nicht hinaus, da geht es nicht in die geistigen Welten hinein. Auf geistigste Art hat solch ein Mensch wie Hegel oder Fichte beschrieben dasjenige, was in der äußeren Welt ist; aber gedämpft ist alles dasjenige, was hinausschaut über die äußere Welt. Und so sehen wir, daß gerade dasjenige, was kein Gegenbild in der geistigen Welt hat, das Rechtsleben, das Staatsleben, was nur von dieser Welt ist, daß das gerade die Größe ausmacht dieser Ideengebäude, die da auftreten. Man sieht die äußere Welt als geistig an. Man kommt aber nicht über diese äußere Welt hinaus. Aber man schult den Geist, man bringt dem Geist eine gewisse Disziplin bei. Und legt man dann Wert auf eine gewisse innere Entwickelung, so findet das statt, daß dadurch gerade, wenn man sich heranschult an dem, was da in diesem Gebiete der Welt an Erziehung des Geistes durch die Ideenwelt geleistet werden kann, man gewissermaßen innerlich hinaufgetrieben wird in die geistige Welt. Das ist ja das Merkwürdige.
[ 9 ] Ich muß Ihnen gestehen, mir ist, wenn ich Schriften der Scholastiker lese, immer bei diesen Schriften der Scholastiker so zumute, daß ich mir sage: Das kann denken, das weiß zu leben in Gedanken. — Auf eine gewisse andere Art, mehr dem Irdischen zugewandt, sage ich mir das auch bei Hegel: Der weiß zu leben in Gedanken — oder bei Fichte oder bei Schelling. Selbst in der dekadenten Art, wie die Scholastik in der Neuscholastik zutage tritt, muß ich sagen, finde ich in der Scholastik immer noch mehr von entwickeltem Gedankenleben als zum Beispiel in der modernen Wissenschaft oder in der modernen populären Bücher- oder Zeitungsliteratur. Da ist schon alles Denken verdunstet und verduftet. Es ist schon wahr, die besseren Geister der Scholastik, in der Gegenwart zum Beispiel, denken Begriffe genauer als unsere Universitätsprofessoren der Philosophie. Aber das ist ja eben das Eigentümliche, wenn nun diese Gedanken auf einen wirken, wenn man zum Beispiel ein scholastisches Buch liest, so ein richtig scholastisch-katholisches Buch liest und es auf sich wirken läßt, gewissermaßen es zu einer Art von Selbsterziehung verwendet, die Seele wird über sich hinausgetrieben. Es wirkt wie eine Meditation. Es wirkt so, daß man zu etwas anderem kommt, Erleuchtung bewirkend. Und eine sehr merkwürdige Tatsache liegt vor.
[ 9 ] Ich muß Ihnen gestehen, mir ist, wenn ich Schriften der Scholastiker lese, immer bei diesen Schriften der Scholastiker so zumute, daß ich mir sage: Das kann denken, das weiß zu leben in Gedanken. — Auf eine gewisse andere Art, mehr dem Irdischen zugewandt, sage ich mir das auch bei Hegel: Der weiß zu leben in Gedanken — oder bei Fichte oder bei Schelling. Selbst in der dekadenten Art, wie die Scholastik in der Neuscholastik zutage tritt, muß ich sagen, finde ich in der Scholastik immer noch mehr von entwickeltem Gedankenleben als zum Beispiel in der modernen Wissenschaft oder in der modernen populären Bücher- oder Zeitungsliteratur. Da ist schon alles Denken verdunstet und verduftet. Es ist schon wahr, die besseren Geister der Scholastik, in der Gegenwart zum Beispiel, denken Begriffe genauer als unsere Universitätsprofessoren der Philosophie. Aber das ist ja eben das Eigentümliche, wenn nun diese Gedanken auf einen wirken, wenn man zum Beispiel ein scholastisches Buch liest, so ein richtig scholastisch-katholisches Buch liest und es auf sich wirken läßt, gewissermaßen es zu einer Art von Selbsterziehung verwendet, die Seele wird über sich hinausgetrieben. Es wirkt wie eine Meditation. Es wirkt so, daß man zu etwas anderem kommt, Erleuchtung bewirkend. Und eine sehr merkwürdige Tatsache liegt vor.
[ 10 ] Denken Sie sich einmal, solche modernen Dominikaner, Jesuiten, andere Ordensgeistliche, die sich in dasjenige, was jetzt noch von Scholastik vorhanden ist, hineinvertiefen, wenn sie nun ganz zu Ende wirken ließen auf sich dasjenige, was da an scholastischen Gedankenformen in ihnen erziehend wirkt, sie würden alle auf eine verhältnismäßig leichte Weise durch diese Erziehung zum Begreifen der Geisteswissenschaft kommen. Überließe man diejenigen, die Neuscholastik studieren, ihrem eigenen seelischen Werdegang, es würde gar nicht lange dauern, würden gerade diese katholischen Ordensgeistlichen sehr bald Anhänger der Geisteswissenschaft werden. Daher hat man — was nötig, damit sie es nicht werden? Man verbietet es ihnen. Man gibt ihnen das Dogma, welches die ganze Sache kupiert, welches das nicht aufkommen läßt, was heraus aus der Seele die Entwickelung bewirken würde. Man könnte heute noch immer demjenigen, der sich entwickeln will zur Geisteswissenschaft, als Meditationsbuch zum Beispiel jenes scholastische Buch in die Hand geben, das ich einmal hier vorgezeigt habe, das von einem Gegenwartsjesuiten verfaßt ist; aber ich habe Ihnen gesagt, es hat das Imprimatur durch jenen Erzbischof; es ist dasjenige kupiert, was entstehen würde im Menschen, wenn der Mensch sich ihm ganz frei überlassen könnte.
[ 10 ] Denken Sie sich einmal, solche modernen Dominikaner, Jesuiten, andere Ordensgeistliche, die sich in dasjenige, was jetzt noch von Scholastik vorhanden ist, hineinvertiefen, wenn sie nun ganz zu Ende wirken ließen auf sich dasjenige, was da an scholastischen Gedankenformen in ihnen erziehend wirkt, sie würden alle auf eine verhältnismäßig leichte Weise durch diese Erziehung zum Begreifen der Geisteswissenschaft kommen. Überließe man diejenigen, die Neuscholastik studieren, ihrem eigenen seelischen Werdegang, es würde gar nicht lange dauern, würden gerade diese katholischen Ordensgeistlichen sehr bald Anhänger der Geisteswissenschaft werden. Daher hat man — was nötig, damit sie es nicht werden? Man verbietet es ihnen. Man gibt ihnen das Dogma, welches die ganze Sache kupiert, welches das nicht aufkommen läßt, was heraus aus der Seele die Entwickelung bewirken würde. Man könnte heute noch immer demjenigen, der sich entwickeln will zur Geisteswissenschaft, als Meditationsbuch zum Beispiel jenes scholastische Buch in die Hand geben, das ich einmal hier vorgezeigt habe, das von einem Gegenwartsjesuiten verfaßt ist; aber ich habe Ihnen gesagt, es hat das Imprimatur durch jenen Erzbischof; es ist dasjenige kupiert, was entstehen würde im Menschen, wenn der Mensch sich ihm ganz frei überlassen könnte.
[ 11 ] Diese Dinge, die muß man durchschauen, denn dann wird man einsehen, welche Wichtigkeit es hat für gewisse Kreise, ja nicht es bis zu den Konsequenzen desjenigen kommen zu lassen, was entstehen könnte, wenn man die Dinge frei wirken ließe in den Seelen. Dieses mitteleuropäische Streben besteht eben darinnen, von dem selbstverständlichen rhythmischen Menschen hinauf sich zu erheben zum NervenSinnesmenschen, zu dem, der im ideellen Gebiete dasjenige hat, was er sich selbst erringt. Für diese Menschen ist die besondere Anlage vorhanden, das Leben der Erde als ein Geistiges zu begreifen. Das hat ja Hegel im umfassendsten Sinne getan.
[ 11 ] Diese Dinge, die muß man durchschauen, denn dann wird man einsehen, welche Wichtigkeit es hat für gewisse Kreise, ja nicht es bis zu den Konsequenzen desjenigen kommen zu lassen, was entstehen könnte, wenn man die Dinge frei wirken ließe in den Seelen. Dieses mitteleuropäische Streben besteht eben darinnen, von dem selbstverständlichen rhythmischen Menschen hinauf sich zu erheben zum NervenSinnesmenschen, zu dem, der im ideellen Gebiete dasjenige hat, was er sich selbst erringt. Für diese Menschen ist die besondere Anlage vorhanden, das Leben der Erde als ein Geistiges zu begreifen. Das hat ja Hegel im umfassendsten Sinne getan.
[ 12 ] Gehen wir jetzt zum westlichen Menschen. Ich habe gestern gesagt, daß der westliche Mensch gerade in seinen erleuchtetsten Geistern, in solchen wie Bentham, John Stuart Mill, Spencer, Buckle, sogar schon Baco von Verulam und andern, Thomas Reid und so weiter, in der Nationalökonomie Adam Smith, daß dieser westliche Mensch besondere Veranlagung hat, dasjenige Denken auszubilden, das man dann verwenden kann im wirtschaftlichen Teile des sozialen Organismus. Wenn man zum Beispiel die Philosophie von Spencer nimmt, dann sagt man sich: das ist ein Denken, welches ganz aus dem Nerven-Sinnesmenschen stammt, ganz und gar Produkt der Sinne und der Nerven ist, welches am besten taugen würde, wirtschaftliche Organisationen und Assoziationen zu machen. Es ist nur deplaciert von Spencer zu der Philosophie verwendet worden. Würde Spencer mit demselben Denken Fabriken einrichten, soziale Organisationen machen, dann wäre das am richtigen Platze. Daß er mit diesem Denken eine Philosophie macht, das ist deplaciert.
[ 12 ] Gehen wir jetzt zum westlichen Menschen. Ich habe gestern gesagt, daß der westliche Mensch gerade in seinen erleuchtetsten Geistern, in solchen wie Bentham, John Stuart Mill, Spencer, Buckle, sogar schon Baco von Verulam und andern, Thomas Reid und so weiter, in der Nationalökonomie Adam Smith, daß dieser westliche Mensch besondere Veranlagung hat, dasjenige Denken auszubilden, das man dann verwenden kann im wirtschaftlichen Teile des sozialen Organismus. Wenn man zum Beispiel die Philosophie von Spencer nimmt, dann sagt man sich: das ist ein Denken, welches ganz aus dem Nerven-Sinnesmenschen stammt, ganz und gar Produkt der Sinne und der Nerven ist, welches am besten taugen würde, wirtschaftliche Organisationen und Assoziationen zu machen. Es ist nur deplaciert von Spencer zu der Philosophie verwendet worden. Würde Spencer mit demselben Denken Fabriken einrichten, soziale Organisationen machen, dann wäre das am richtigen Platze. Daß er mit diesem Denken eine Philosophie macht, das ist deplaciert.
[ 13 ] Das kommt davon her, daß jetzt der westliche Mensch nicht mehr lebt im rhythmischen System, sondern wieder eine Stufe höhergestiegen ist, er lebt selbstverständlich im Nerven-Sinnessystem des Menschen. Der Orientale lebt seiner Natur nach im Stoffwechsel, der Mensch der Mitte lebt seiner Natur nach im rhythmischen System, der westliche Mensch lebt seiner Natur nach im Nerven-Sinnessystem (siehe Schema). Stoffwechsel beim Orientalen: Er wendet sich hinauf und erstrebt das rhythmische System. Der mitteleuropäische Mensch lebt im rhythmischen System; er strebt hin zum Nerven-Sinnesmenschen. Der westliche Mensch lebt schon im Nerven-Sinnessystem. Wo strebt er hinauf? Er ist noch nicht daran, aber er ist darauf angewiesen, hinaufzustreben; er ist darauf angewiesen, über sich hinauszustreben. In der Karikatur kommt es zunächst zum Vorschein in dem, was ich Ihnen gestern charakterisiert habe in der Ableugnung des Stoffes, in der Selbstsuggestion des menschlichen Wesens der Mrs. Eddy, der Christian Science. Aber das ist zunächst die Karikatur, trotzdem als Karikatur ein Vorbote desjenigen, was gerade vom westlichen Menschen erstrebt werden muß. Es muß etwas Übermenschliches erstrebt werden, wobei ich durchaus nicht dies behaupten möchte, daß jeder, wenn er nun, statt aus dem NervenSinnesmenschen nach oben zu streben, hinunterstrebt in die Ohnmacht und so weiter, dadurch deshalb ein Übermensch wird.
[ 13 ] Das kommt davon her, daß jetzt der westliche Mensch nicht mehr lebt im rhythmischen System, sondern wieder eine Stufe höhergestiegen ist, er lebt selbstverständlich im Nerven-Sinnessystem des Menschen. Der Orientale lebt seiner Natur nach im Stoffwechsel, der Mensch der Mitte lebt seiner Natur nach im rhythmischen System, der westliche Mensch lebt seiner Natur nach im Nerven-Sinnessystem (siehe Schema). Stoffwechsel beim Orientalen: Er wendet sich hinauf und erstrebt das rhythmische System. Der mitteleuropäische Mensch lebt im rhythmischen System; er strebt hin zum Nerven-Sinnesmenschen. Der westliche Mensch lebt schon im Nerven-Sinnessystem. Wo strebt er hinauf? Er ist noch nicht daran, aber er ist darauf angewiesen, hinaufzustreben; er ist darauf angewiesen, über sich hinauszustreben. In der Karikatur kommt es zunächst zum Vorschein in dem, was ich Ihnen gestern charakterisiert habe in der Ableugnung des Stoffes, in der Selbstsuggestion des menschlichen Wesens der Mrs. Eddy, der Christian Science. Aber das ist zunächst die Karikatur, trotzdem als Karikatur ein Vorbote desjenigen, was gerade vom westlichen Menschen erstrebt werden muß. Es muß etwas Übermenschliches erstrebt werden, wobei ich durchaus nicht dies behaupten möchte, daß jeder, wenn er nun, statt aus dem NervenSinnesmenschen nach oben zu streben, hinunterstrebt in die Ohnmacht und so weiter, dadurch deshalb ein Übermensch wird.


[ 14 ] Aber ich habe dann gestern damit geschlossen, daß ich sagte: So sind verteilt die menschlichen Fähigkeiten auf die verschiedenen Gebiete der Erde, und notwendig ist, daß ein wirkliches Zusammenwirken geschieht. Heute sind wir so, daß wir in bezug auf die Zivilisation ganz und gar abhängig sind schon von dem Nerven-Sinneswesen des Westens. Ich habe ein Paradoxon gebraucht, aber dieses Paradoxon drückt sehr klar die Wirklichkeit aus. Dasjenige, was in Wien denkt, was in Berlin denkt, sind nicht die Gedanken, die etwa aus dem Volkstum herausgekommen sind und in Fichte oder bei Hegel kulminiert haben. Diese Geister sind überschüttet. Dasjenige, was heute in Mitteleuropa, in Wien oder Berlin in Büchern und Zeitungen steht, sind nicht die Gedankenformen Fichtes; das ist eine Lüge, wenn heute die Leute Fichte zitieren. Die Wahrheit ist vielmehr diese, daß verwandter ist das, was heute in Berlin oder Wien an die Öffentlichkeit dringt, mit dem, was in Chikago oder in New York gedacht wird, als mit dem, was in Fichte oder in Hegel gedacht worden ist.
[ 14 ] Aber ich habe dann gestern damit geschlossen, daß ich sagte: So sind verteilt die menschlichen Fähigkeiten auf die verschiedenen Gebiete der Erde, und notwendig ist, daß ein wirkliches Zusammenwirken geschieht. Heute sind wir so, daß wir in bezug auf die Zivilisation ganz und gar abhängig sind schon von dem Nerven-Sinneswesen des Westens. Ich habe ein Paradoxon gebraucht, aber dieses Paradoxon drückt sehr klar die Wirklichkeit aus. Dasjenige, was in Wien denkt, was in Berlin denkt, sind nicht die Gedanken, die etwa aus dem Volkstum herausgekommen sind und in Fichte oder bei Hegel kulminiert haben. Diese Geister sind überschüttet. Dasjenige, was heute in Mitteleuropa, in Wien oder Berlin in Büchern und Zeitungen steht, sind nicht die Gedankenformen Fichtes; das ist eine Lüge, wenn heute die Leute Fichte zitieren. Die Wahrheit ist vielmehr diese, daß verwandter ist das, was heute in Berlin oder Wien an die Öffentlichkeit dringt, mit dem, was in Chikago oder in New York gedacht wird, als mit dem, was in Fichte oder in Hegel gedacht worden ist.
[ 15 ] Aber das mußte geschehen, daß diese drei Glieder, von denen dieses insbesondere zunächst als das Geistesleben veranlagt war, dann das Geistesleben herüberschickten als Tradition jenes Ursprünglichen, jenes Elementaren des geistigen Lebens, wie sie war im Oriente, wo der Mensch drinnen lebt — wie er hier im physischen Leben steht — lebendig im Geistesleben selber. Davon fand sich nur der schattenhafte Nachklang in Mitteleuropa, davon findet sich nur die Tradition in Westeuropa. Dieses Westeuropa ist durch seine eigene Anlage für das Post-mortem-Leben charakterisiert, für dasjenige Leben, das ersehnt wird nach dem Tode. Ich habe Ihnen gestern gesagt, es bereitet sich bereits in Amerika, wenn auch in einzelnen Sekten, das Bewußtsein davon vor, daß der Mensch nicht bloß passiv sein darf hier in bezug auf das Seelenleben überhaupt, um etwas durch den Tod durchzutragen und in der geistigen Welt weiterzuleben, sondern daß er hier dasjenige erwerben muß durch seine Arbeit, durch sein Tun, was er durch die Pforte des Todes hindurchtragen will. Das Bewußtsein davon, daß der Mensch sich auflöst, wenn er hier nicht für seine Unsterblichkeit sorgt, wenn er hier nicht einen idealen Sinn entwickelt, wenn dieser ideale Sinn auch noch in karikaturhafter Weise zum Vorschein kommt, dieses Bewußtsein dringt in einzelnen Sekten des Westens bereits durch.
[ 15 ] Aber das mußte geschehen, daß diese drei Glieder, von denen dieses insbesondere zunächst als das Geistesleben veranlagt war, dann das Geistesleben herüberschickten als Tradition jenes Ursprünglichen, jenes Elementaren des geistigen Lebens, wie sie war im Oriente, wo der Mensch drinnen lebt — wie er hier im physischen Leben steht — lebendig im Geistesleben selber. Davon fand sich nur der schattenhafte Nachklang in Mitteleuropa, davon findet sich nur die Tradition in Westeuropa. Dieses Westeuropa ist durch seine eigene Anlage für das Post-mortem-Leben charakterisiert, für dasjenige Leben, das ersehnt wird nach dem Tode. Ich habe Ihnen gestern gesagt, es bereitet sich bereits in Amerika, wenn auch in einzelnen Sekten, das Bewußtsein davon vor, daß der Mensch nicht bloß passiv sein darf hier in bezug auf das Seelenleben überhaupt, um etwas durch den Tod durchzutragen und in der geistigen Welt weiterzuleben, sondern daß er hier dasjenige erwerben muß durch seine Arbeit, durch sein Tun, was er durch die Pforte des Todes hindurchtragen will. Das Bewußtsein davon, daß der Mensch sich auflöst, wenn er hier nicht für seine Unsterblichkeit sorgt, wenn er hier nicht einen idealen Sinn entwickelt, wenn dieser ideale Sinn auch noch in karikaturhafter Weise zum Vorschein kommt, dieses Bewußtsein dringt in einzelnen Sekten des Westens bereits durch.
[ 16 ] Dasjenige aber, was Staatsleben war, das ist erstrebt so, daß man im rhythmischen Menschen lebte und es hinauftrug in die Gedanken. Das ist insbesondere beim mittleren Menschen zum Vorschein gekommen. Es strahlte dann herüber nach dem Westen. Da liegt eine eigentümliche Erscheinung vor, die man nur versteht, wenn man die Dinge innerlich anschaut. So sonderbar es manchem erscheinen wird, da ging etwas vor in Mitteleuropa. Es blieb selbstverständlich in dem rhythmischen System der Drang nach einem menschlichen Zusammenleben, nach einem sozialen menschlichen Zusammenleben in Freiheit. Das blieb zunächst tief im Unbewußten stecken (siehe Schema). Aber es lebt ja auch dasjenige unter den Menschen, was die Menschen nicht im Bewußtsein haben. Sagen wir also, im 18. Jahrhundert lebte zunächst unbewußt da etwas Bestimmtes in Mitteleuropa, ohne daß es herauf konnte ins Bewußtsein; aber es strahlte nach dem Westen hinüber. Indem es hinüberstrahlte nach dem Westen, indem es aufgenommen wurde, indem es sich nicht selbstverständlich im Innern entwickelte, wurde es zur Leidenschaft, wurde es zur Empfindung und wurde die Französische Revolution.
[ 16 ] Dasjenige aber, was Staatsleben war, das ist erstrebt so, daß man im rhythmischen Menschen lebte und es hinauftrug in die Gedanken. Das ist insbesondere beim mittleren Menschen zum Vorschein gekommen. Es strahlte dann herüber nach dem Westen. Da liegt eine eigentümliche Erscheinung vor, die man nur versteht, wenn man die Dinge innerlich anschaut. So sonderbar es manchem erscheinen wird, da ging etwas vor in Mitteleuropa. Es blieb selbstverständlich in dem rhythmischen System der Drang nach einem menschlichen Zusammenleben, nach einem sozialen menschlichen Zusammenleben in Freiheit. Das blieb zunächst tief im Unbewußten stecken (siehe Schema). Aber es lebt ja auch dasjenige unter den Menschen, was die Menschen nicht im Bewußtsein haben. Sagen wir also, im 18. Jahrhundert lebte zunächst unbewußt da etwas Bestimmtes in Mitteleuropa, ohne daß es herauf konnte ins Bewußtsein; aber es strahlte nach dem Westen hinüber. Indem es hinüberstrahlte nach dem Westen, indem es aufgenommen wurde, indem es sich nicht selbstverständlich im Innern entwickelte, wurde es zur Leidenschaft, wurde es zur Empfindung und wurde die Französische Revolution.


[ 17 ] Schiller besann sich — (es wird auf das Schema gezeigt) da die Französische Revolution —; es gibt ja sogar ein Symbol davon, daß Schiller sich besonnen hat auf dasjenige, was da eigentlich vorging. Sie wissen ja, daß Schiller die Ehre widerfahren ist, zum französischen Bürger gemacht zu werden —, Schiller also, er besann sich; aber bei ihm lebte es zunächst im rhythmischen System. Nun, durch eigene Anschauung hob er es herauf und schrieb seine Briefe, die ästhetische Erziehung des Menschen betreffend.
[ 17 ] Schiller besann sich — (es wird auf das Schema gezeigt) da die Französische Revolution —; es gibt ja sogar ein Symbol davon, daß Schiller sich besonnen hat auf dasjenige, was da eigentlich vorging. Sie wissen ja, daß Schiller die Ehre widerfahren ist, zum französischen Bürger gemacht zu werden —, Schiller also, er besann sich; aber bei ihm lebte es zunächst im rhythmischen System. Nun, durch eigene Anschauung hob er es herauf und schrieb seine Briefe, die ästhetische Erziehung des Menschen betreffend.
[ 18 ] Darinnen haben Sie das, was man damals sagen konnte über menschliches Zusammenleben, über menschliches Zusammenleben in einem wirklich freien Staat. Hume hat ja dann nur, ich möchte sagen, dieses staatliche Glied, das Schiller da ins Bewußtsein heraufgehoben hat in seinen «Ästhetischen Briefen», etwas pedantisch ins System gebracht. Das ist gerade etwas außerordentlich Bedeutsames, was in diesen Briefen über ästhetische Erziehung von Schiller da aus den Tiefen des Volkstums herausgeholt ist. Weil es so tief ist, wurde es ja dann auch, als überall der Nerven-Sinnesmensch herrschend wurde, nicht verstanden.
[ 18 ] Darinnen haben Sie das, was man damals sagen konnte über menschliches Zusammenleben, über menschliches Zusammenleben in einem wirklich freien Staat. Hume hat ja dann nur, ich möchte sagen, dieses staatliche Glied, das Schiller da ins Bewußtsein heraufgehoben hat in seinen «Ästhetischen Briefen», etwas pedantisch ins System gebracht. Das ist gerade etwas außerordentlich Bedeutsames, was in diesen Briefen über ästhetische Erziehung von Schiller da aus den Tiefen des Volkstums herausgeholt ist. Weil es so tief ist, wurde es ja dann auch, als überall der Nerven-Sinnesmensch herrschend wurde, nicht verstanden.
[ 19 ] Ich habe öfter erzählt, daß in Wien ein einsamer Mensch lebte, Heinrich Deinhardt hieß er. Er hat Briefe über Briefe über diese ästhetische Erziehung des Menschen geschrieben, sehr geistvolle Briefe. Der Mann hatte das Malheur, daß er einmal ein Bein brach auf der Straße, als er hinfiel. Das Bein konnte eingerichtet werden, aber er konnte nicht genesen, er starb an dem Beinbruch, weil er unterernährt war. Das heißt, derjenige, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch Schillers «Ästhetische Briefe» in gewissenhaftester Weise ausgelegt hat, starb den Hungertod. Und diese Deinhardtschen Briefe über Schillers ästhetische Erziehung des Menschen sind völlig vergessen!
[ 19 ] Ich habe öfter erzählt, daß in Wien ein einsamer Mensch lebte, Heinrich Deinhardt hieß er. Er hat Briefe über Briefe über diese ästhetische Erziehung des Menschen geschrieben, sehr geistvolle Briefe. Der Mann hatte das Malheur, daß er einmal ein Bein brach auf der Straße, als er hinfiel. Das Bein konnte eingerichtet werden, aber er konnte nicht genesen, er starb an dem Beinbruch, weil er unterernährt war. Das heißt, derjenige, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch Schillers «Ästhetische Briefe» in gewissenhaftester Weise ausgelegt hat, starb den Hungertod. Und diese Deinhardtschen Briefe über Schillers ästhetische Erziehung des Menschen sind völlig vergessen!
[ 20 ] Diese «Ästhetischen Briefe» Schillers, sie wären eine gute Vorbereitung wiederum, um die Seele hinaufzuläutern zu einem geistigen Anschauen der Welt. Schiller konnte das noch nicht selber. Aber es wirkt immer, wenn der andere etwas aufnimmt, die Seele selbst erziehend, was von einem Menschen herrührt, der noch nicht hinaufkommt in die geistige Welt, es wirkt da so, daß er in die geistige Welt hineinsehen kann. Allerdings hat man in Europa statt dessen Ralph Waldo Trine und Marden und ähnliche Oberflächlichkeiten als ein besonderes Heilmittel für die Seelen verehrt, und die andern Dinge vergessen, die nun wirklich in die geistige Welt hinaufführen würden.
[ 20 ] Diese «Ästhetischen Briefe» Schillers, sie wären eine gute Vorbereitung wiederum, um die Seele hinaufzuläutern zu einem geistigen Anschauen der Welt. Schiller konnte das noch nicht selber. Aber es wirkt immer, wenn der andere etwas aufnimmt, die Seele selbst erziehend, was von einem Menschen herrührt, der noch nicht hinaufkommt in die geistige Welt, es wirkt da so, daß er in die geistige Welt hineinsehen kann. Allerdings hat man in Europa statt dessen Ralph Waldo Trine und Marden und ähnliche Oberflächlichkeiten als ein besonderes Heilmittel für die Seelen verehrt, und die andern Dinge vergessen, die nun wirklich in die geistige Welt hinaufführen würden.
[ 21 ] Diese Dinge müssen eben auch im ganzen Zusammenhange des Lebens und des Weltwesens erfaßt und begriffen werden. Man muß sich klar darüber sein, wie differenziert die verschiedenen menschlichen Fähigkeiten über die Erde hin sind. Und das ist schon zu sagen: während bisher dafür gesorgt worden ist, daß die tumultuarischen Schillerschen Jugendwerke «Die Räuber» oder «Fiesko» oder «Kabale und Liebe» bekannt werden, und während die Menschen sich höchstens aufschwingen zu den Sentimentalitäten der «Maria Stuart» oder zu den doch sehr veräußerlichten dramatischen Szenen der «Jungfrau von Orleans» oder der «Braut von Messina», sollte man heute damit beginnen, die «Ästhetischen Briefe» Schillers, in denen er sich selber — mit all seinen «Räubern», mit der ganzen «Maria Stuart» und mit dem «Wallenstein» — an Bedeutung für die Menschheit überragt, man sollte damit beginnen, diese «Ästhetischen Briefe» nicht bloß zu studieren, sondern auf sich wirken zu lassen. Denn wir sind heute darauf angewiesen, nicht bloß das Schulphilistergewäsche, das es gibt über unsere Klassiker, über Goethe, Schiller, vorzutradieren, sondern vor allen Dingen hier Revision zu machen und selber aufzusuchen, was an diesen Klassikern das Große war. Wir schwätzen fort dasjenige, was über den «Wallenstein» und die «Maria Stuart» und so weiter geredet worden ist von der Schulphilisterei mehr als ein Jahrhundert. Wir haben heute die Aufgabe, die Größe auf elementare Art selbst zu begreifen, denn nur dadurch kann die Menschheit vorwärtsschreiten. So liegt auch da die Notwendigkeit einer Umwandelung, einer Erneuerung. Auch dasjenige, was durch unsere Schulen die Menschen über «Maria Stuart», über den «Wallenstein», über die «Räuber» und so weiter lesen und hören, auch das muß umgestaltet werden. Wir bedürfen in dieser ernsten Zeit einer völligen Erneuerung, denn die Zeiten sind ernst.
[ 21 ] Diese Dinge müssen eben auch im ganzen Zusammenhange des Lebens und des Weltwesens erfaßt und begriffen werden. Man muß sich klar darüber sein, wie differenziert die verschiedenen menschlichen Fähigkeiten über die Erde hin sind. Und das ist schon zu sagen: während bisher dafür gesorgt worden ist, daß die tumultuarischen Schillerschen Jugendwerke «Die Räuber» oder «Fiesko» oder «Kabale und Liebe» bekannt werden, und während die Menschen sich höchstens aufschwingen zu den Sentimentalitäten der «Maria Stuart» oder zu den doch sehr veräußerlichten dramatischen Szenen der «Jungfrau von Orleans» oder der «Braut von Messina», sollte man heute damit beginnen, die «Ästhetischen Briefe» Schillers, in denen er sich selber — mit all seinen «Räubern», mit der ganzen «Maria Stuart» und mit dem «Wallenstein» — an Bedeutung für die Menschheit überragt, man sollte damit beginnen, diese «Ästhetischen Briefe» nicht bloß zu studieren, sondern auf sich wirken zu lassen. Denn wir sind heute darauf angewiesen, nicht bloß das Schulphilistergewäsche, das es gibt über unsere Klassiker, über Goethe, Schiller, vorzutradieren, sondern vor allen Dingen hier Revision zu machen und selber aufzusuchen, was an diesen Klassikern das Große war. Wir schwätzen fort dasjenige, was über den «Wallenstein» und die «Maria Stuart» und so weiter geredet worden ist von der Schulphilisterei mehr als ein Jahrhundert. Wir haben heute die Aufgabe, die Größe auf elementare Art selbst zu begreifen, denn nur dadurch kann die Menschheit vorwärtsschreiten. So liegt auch da die Notwendigkeit einer Umwandelung, einer Erneuerung. Auch dasjenige, was durch unsere Schulen die Menschen über «Maria Stuart», über den «Wallenstein», über die «Räuber» und so weiter lesen und hören, auch das muß umgestaltet werden. Wir bedürfen in dieser ernsten Zeit einer völligen Erneuerung, denn die Zeiten sind ernst.
[ 22 ] Und sehen wir nach dem Westen hinüber, so fordert dieser Westen mit alledem, was er hervorbringen kann als den Ausdruck der Menschheit durch das Nerven-Sinnessystem, er fordert den Hinaufstieg in dasjenige, was über dem Menschenwissen in einer geistigen Welt liegt. Und ich habe Ihnen gestern gesagt: Zusammenwirken müssen, damit das Geistesleben, das Staatsleben, das Wirtschaftsleben im dreigliedrigen sozialen Organismus sich geltend machen könne, zusammenwirken müssen diese drei Elemente. Sagen wir nicht etwa bloß: Ex oriente lux! — Nehmen wir auf den Orient, studieren wir die Bhagavad Gita, studieren wir die Jogaphilosophie, studieren wir die Veden, ochsen wir dieses Zeug geradeso, wie wir gewohnt worden sind in Europa, die andern Dinge zu ochsen, fangen wir jetzt an, einmal die Orientalismen zu ochsen, nachdem uns das andere langweilig geworden ist. Nein, damit kommen wir nicht vorwärts, denn dasjenige, was einmal für die Erde richtig war, wird es für die Gegenwart und Zukunft nicht wieder sein, ist etwas Vergangenes. Wir können es bewundern als etwas, was einmal für die Erde richtig gewesen war; wir können es aber nicht, wie es etwa eine Theosophische Gesellschaft tut, einfach wieder übernehmen in passiver Weise. Ebensowenig können wir dasjenige, was uns nach der alten Art überliefert worden ist von der europäischen Vergangenheit, einfach herübernehmen, können nicht sagen: Dasjenige, was in den Volkstümern des Orients, der Mitte liegt, das können wir einfach erneuern —, sondern wir müssen sagen: Wollen wir eine wirkliche Verbindung dieser drei Elemente, die allerdings in der menschlichen Natur veranlagt sind, erreichen, wie können wir das? — Nur wenn wir aufmerksam darauf werden, wie das Nerven-Sinnesleben, das schließlich schon auf uns alle übergegangen ist, über sich hinausgehen muß. Das heißt, wir müssen aufsteigen zu etwas anderem, was weder daraus (es wird gedeutet auf Zeichnung Seite 142), noch daraus, noch daraus kommen kann, sondern einzig und allein durch die neue Initiation, durch die neue Geisteswissenschaft, was wirklich dadurch geholt wird, daß hinaufgestiegen wird aus dem modernsten Denken, das geschult ist an der Naturwissenschaft, an dem Nerven-Sinneswesen, indem wir hinaufsteigen zu der Wissenschaft der neuen Initiation und herausholen aus dieser neuen Initiation die Art und Weise, wie zusammenwirken können dasjenige, was einst Orient war, was später mittleres Wesen war, was jetzt westliches Wesen ist. Wir brauchen eine neue Wissenschaft der Initiation, die gerade die Einheit bewirken kann, die lebendige Einheit bewirken kann. Wir kommen in der neueren Zeit nicht zu einem Geistesleben, wenn wir nicht zu dieser neueren Initiationswissenschaft hinstreben. Wir kommen nicht zu einer Politik, wir kommen nicht zu einem Staatsleben, wenn wir in der alten Art weiterwirtschaften, wenn wir nicht anfragen bei denjenigen wissenschaftlichen Zweigen, die herauskommen aus der neueren Initiation: Wie soll sich die Politik der Zukunft gestalten? — Wir gelangen auch nicht zu einem Wirtschaftsleben, wenn wir nicht verstehen dasjenige, was nicht angewendet werden soll auf eine Philosophie, wie es Spencer getan hat, auf ein Staatssystem, wie es Adam Smith getan hat, sondern was angewendet werden soll bloß auf die Organisation des Wirtschaftslebens, wenn wir das nicht auf die Organisation des Wirtschaftslebens anwenden. Aber wir müssen dann wissen, wie wir das eingliedern sollen in die beiden andern Systeme. Dazu brauchen wir aber die Wissenschaft der Initiation. Wir können nicht vorwärtskommen, wenn wir nicht uns sagen können: Vom Verstehen, was einstmals orientalische Anlage war, gelangen wir zu dem, was das Wesen des Geisteslebens ist. Indem wir wirklich verstehen, was die Anlage des mittleren Menschen ist, gelangen wir dazu, wirklich zu verstehen, was das Rechts- oder Staatsleben ist. Indem wir das Westliche verstehen, gelangen wir dazu, zu verstehen, was das Wirtschaftsleben ist. Aber die drei fallen auseinander, wenn wir sie nicht in einer höheren Einheit verbinden können. Und wir werden sie nur in einer höheren Einheit verbinden können, wenn wir sie alle drei anschauen von jenem Gesichtspunkte, der sich uns ergibt durch die neuere Mysterik, die hier genannt wird anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft.
[ 22 ] Und sehen wir nach dem Westen hinüber, so fordert dieser Westen mit alledem, was er hervorbringen kann als den Ausdruck der Menschheit durch das Nerven-Sinnessystem, er fordert den Hinaufstieg in dasjenige, was über dem Menschenwissen in einer geistigen Welt liegt. Und ich habe Ihnen gestern gesagt: Zusammenwirken müssen, damit das Geistesleben, das Staatsleben, das Wirtschaftsleben im dreigliedrigen sozialen Organismus sich geltend machen könne, zusammenwirken müssen diese drei Elemente. Sagen wir nicht etwa bloß: Ex oriente lux! — Nehmen wir auf den Orient, studieren wir die Bhagavad Gita, studieren wir die Jogaphilosophie, studieren wir die Veden, ochsen wir dieses Zeug geradeso, wie wir gewohnt worden sind in Europa, die andern Dinge zu ochsen, fangen wir jetzt an, einmal die Orientalismen zu ochsen, nachdem uns das andere langweilig geworden ist. Nein, damit kommen wir nicht vorwärts, denn dasjenige, was einmal für die Erde richtig war, wird es für die Gegenwart und Zukunft nicht wieder sein, ist etwas Vergangenes. Wir können es bewundern als etwas, was einmal für die Erde richtig gewesen war; wir können es aber nicht, wie es etwa eine Theosophische Gesellschaft tut, einfach wieder übernehmen in passiver Weise. Ebensowenig können wir dasjenige, was uns nach der alten Art überliefert worden ist von der europäischen Vergangenheit, einfach herübernehmen, können nicht sagen: Dasjenige, was in den Volkstümern des Orients, der Mitte liegt, das können wir einfach erneuern —, sondern wir müssen sagen: Wollen wir eine wirkliche Verbindung dieser drei Elemente, die allerdings in der menschlichen Natur veranlagt sind, erreichen, wie können wir das? — Nur wenn wir aufmerksam darauf werden, wie das Nerven-Sinnesleben, das schließlich schon auf uns alle übergegangen ist, über sich hinausgehen muß. Das heißt, wir müssen aufsteigen zu etwas anderem, was weder daraus (es wird gedeutet auf Zeichnung Seite 142), noch daraus, noch daraus kommen kann, sondern einzig und allein durch die neue Initiation, durch die neue Geisteswissenschaft, was wirklich dadurch geholt wird, daß hinaufgestiegen wird aus dem modernsten Denken, das geschult ist an der Naturwissenschaft, an dem Nerven-Sinneswesen, indem wir hinaufsteigen zu der Wissenschaft der neuen Initiation und herausholen aus dieser neuen Initiation die Art und Weise, wie zusammenwirken können dasjenige, was einst Orient war, was später mittleres Wesen war, was jetzt westliches Wesen ist. Wir brauchen eine neue Wissenschaft der Initiation, die gerade die Einheit bewirken kann, die lebendige Einheit bewirken kann. Wir kommen in der neueren Zeit nicht zu einem Geistesleben, wenn wir nicht zu dieser neueren Initiationswissenschaft hinstreben. Wir kommen nicht zu einer Politik, wir kommen nicht zu einem Staatsleben, wenn wir in der alten Art weiterwirtschaften, wenn wir nicht anfragen bei denjenigen wissenschaftlichen Zweigen, die herauskommen aus der neueren Initiation: Wie soll sich die Politik der Zukunft gestalten? — Wir gelangen auch nicht zu einem Wirtschaftsleben, wenn wir nicht verstehen dasjenige, was nicht angewendet werden soll auf eine Philosophie, wie es Spencer getan hat, auf ein Staatssystem, wie es Adam Smith getan hat, sondern was angewendet werden soll bloß auf die Organisation des Wirtschaftslebens, wenn wir das nicht auf die Organisation des Wirtschaftslebens anwenden. Aber wir müssen dann wissen, wie wir das eingliedern sollen in die beiden andern Systeme. Dazu brauchen wir aber die Wissenschaft der Initiation. Wir können nicht vorwärtskommen, wenn wir nicht uns sagen können: Vom Verstehen, was einstmals orientalische Anlage war, gelangen wir zu dem, was das Wesen des Geisteslebens ist. Indem wir wirklich verstehen, was die Anlage des mittleren Menschen ist, gelangen wir dazu, wirklich zu verstehen, was das Rechts- oder Staatsleben ist. Indem wir das Westliche verstehen, gelangen wir dazu, zu verstehen, was das Wirtschaftsleben ist. Aber die drei fallen auseinander, wenn wir sie nicht in einer höheren Einheit verbinden können. Und wir werden sie nur in einer höheren Einheit verbinden können, wenn wir sie alle drei anschauen von jenem Gesichtspunkte, der sich uns ergibt durch die neuere Mysterik, die hier genannt wird anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft.


[ 23 ] Diese Dinge müssen durchschaut werden, denn derjenige, der sie durchschaut, der weiß, daß all das Streben, das sich heute auslebt, dem Untergang entgegenführt. Man rechnet mit den wichtigsten Faktoren nicht. Man sehe selbst auf die radikalsten Sozialisten hin. Sie mögen es subjektiv mit der Menschheit ehrlich meinen: sie rechnen aber nur mit Niedergangskräften. Sie machen eine falsche Lebensbilanz. Wir machen nur eine richtige Lebensbilanz, wenn wir aus der Wissenschaft des Geistes heraus erfassen nicht irgend etwas, was wir willkürlich hinstellen, indem wir sagen, so und so muß es sein, wenn die Menschheit glücklich sein soll und so weiter, sondern wenn wir uns fragen können: Was entsteht, wenn Geistesleben, Rechts- oder Staatsleben und Wirtschaftsleben in das richtige Verhältnis zueinander kommen, welcher soziale Organismus ergibt sich da? — Dann wird in diesem sozialen Organismus auch leben seine Durchgeistigung, das heißt, es wird in diesem sozialen Organismus neben dem, daß ein Wirtschaftsleben da sein wird, das möglich ist, das nicht dasjenige ist, von dem man träumt und von dem man phantasiert, sondern das dasjenige ist, das möglicherweise entstehen kann als das Bestmögliche, und wenn ein Staatswesen da ist, das wiederum das Bestmögliche ist, jenes Geistesleben da sein wird, das vereinigen wird das Leben vor der Geburt mit dem Leben nach dem Tode, welches sehen wird in dem Menschen, der hier in dieser physischen Welt lebt, das sich rechtlich orientierende Wesen, das hereinleuchten hat sein vorgeburtliches Leben im Geistesleben, das im wirtschaftlichen Leben kein Ideal, sondern nur ein Bestmögliches erreichen kann, das aber die Kräfte, die im Wirtschaftsleben sich betätigen, umwandeln kann gerade durch Initiationswissenschaft im Willen so, daß sie aufleuchten lassen das Post-mortem-Leben. Weil das so ist, ist anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht irgendeine Theorie neben anderen, nicht irgend etwas, was sich als ein Partei- oder Sektenprogramm neben andere Parteien- oder Sektenprogramme hinstellt, sondern sie ist etwas, was hervorgeholt ist aus jenem Wissen, das man gewinnen kann, wenn man Erdenentwickelung und Menschheitsentwickelung in ihrem Zusammenwirken und in ihrer Ganzheit erfaßt.
[ 23 ] Diese Dinge müssen durchschaut werden, denn derjenige, der sie durchschaut, der weiß, daß all das Streben, das sich heute auslebt, dem Untergang entgegenführt. Man rechnet mit den wichtigsten Faktoren nicht. Man sehe selbst auf die radikalsten Sozialisten hin. Sie mögen es subjektiv mit der Menschheit ehrlich meinen: sie rechnen aber nur mit Niedergangskräften. Sie machen eine falsche Lebensbilanz. Wir machen nur eine richtige Lebensbilanz, wenn wir aus der Wissenschaft des Geistes heraus erfassen nicht irgend etwas, was wir willkürlich hinstellen, indem wir sagen, so und so muß es sein, wenn die Menschheit glücklich sein soll und so weiter, sondern wenn wir uns fragen können: Was entsteht, wenn Geistesleben, Rechts- oder Staatsleben und Wirtschaftsleben in das richtige Verhältnis zueinander kommen, welcher soziale Organismus ergibt sich da? — Dann wird in diesem sozialen Organismus auch leben seine Durchgeistigung, das heißt, es wird in diesem sozialen Organismus neben dem, daß ein Wirtschaftsleben da sein wird, das möglich ist, das nicht dasjenige ist, von dem man träumt und von dem man phantasiert, sondern das dasjenige ist, das möglicherweise entstehen kann als das Bestmögliche, und wenn ein Staatswesen da ist, das wiederum das Bestmögliche ist, jenes Geistesleben da sein wird, das vereinigen wird das Leben vor der Geburt mit dem Leben nach dem Tode, welches sehen wird in dem Menschen, der hier in dieser physischen Welt lebt, das sich rechtlich orientierende Wesen, das hereinleuchten hat sein vorgeburtliches Leben im Geistesleben, das im wirtschaftlichen Leben kein Ideal, sondern nur ein Bestmögliches erreichen kann, das aber die Kräfte, die im Wirtschaftsleben sich betätigen, umwandeln kann gerade durch Initiationswissenschaft im Willen so, daß sie aufleuchten lassen das Post-mortem-Leben. Weil das so ist, ist anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht irgendeine Theorie neben anderen, nicht irgend etwas, was sich als ein Partei- oder Sektenprogramm neben andere Parteien- oder Sektenprogramme hinstellt, sondern sie ist etwas, was hervorgeholt ist aus jenem Wissen, das man gewinnen kann, wenn man Erdenentwickelung und Menschheitsentwickelung in ihrem Zusammenwirken und in ihrer Ganzheit erfaßt.
[ 24 ] Und gestehen muß man sich in der Gegenwart, daß jedes andere Verhältnis zur Welt oder die weltlichen Reformen zu nichts führen können, daß hervorgeholt werden muß aus der Wissenschaft der neueren Initiation dasjenige, was die Menschheit vorwärtsbringen kann.
[ 24 ] Und gestehen muß man sich in der Gegenwart, daß jedes andere Verhältnis zur Welt oder die weltlichen Reformen zu nichts führen können, daß hervorgeholt werden muß aus der Wissenschaft der neueren Initiation dasjenige, was die Menschheit vorwärtsbringen kann.
[ 25 ] Das muß heute immer wieder in den verschiedensten Formen ausgesprochen werden. Es ist hineingebaut worden in diesen Bau, es kommt in allen Einzelheiten dieses Baues zum Ausdruck. Wenn Sie das kleinste Stückchen hier sehen, so wird es Ihnen erzählen können von dem, was hier gemeint ist, was hier in verschiedener Art in Worten ausgesprochen wird. Das ist dasjenige, was der ganzen Sache hier einen gewissen einheitlichen Charakter gibt, was aber zu gleicher Zeit ausdrückt ein Wollen, welches innig zusammenhängt mit den Aufgangs-, nicht mit den Niedergangskräften der sich entwickelnden Menschheit, und wovon man daher wünschen möchte, daß es verstanden werde. Das ist es, wonach wir arbeiten möchten, wonach wir immer mehr und mehr arbeiten möchten, wonach wir jetzt arbeiten möchten durch die Herbstkurse, die abgehalten werden, in denen gezeigt werden soll, wie wirklich in die einzelnen Zweige der Wissenschaft hinein befruchtend wirken kann dasjenige, was von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft kommt. Und dann wird vielleicht auch einmal die Zeit kommen, wo die Menschen verstehen werden, was von hier aus eigentlich gewollt wird, wo so viel Verständnis in der Welt sein wird, daß es dazu kommt, daß wir diesen Bau auch einmal später in irgendeiner Zukunft, die heute noch im Nebel liegt, auch eröffnen können. Denn solange dieser Bau nicht eröffnet werden kann, ist immer noch etwas da von dem, welches zeigt, daß ein nicht genügendes Verständnis für das vorhanden ist, was hier gewollt ist.
[ 25 ] Das muß heute immer wieder in den verschiedensten Formen ausgesprochen werden. Es ist hineingebaut worden in diesen Bau, es kommt in allen Einzelheiten dieses Baues zum Ausdruck. Wenn Sie das kleinste Stückchen hier sehen, so wird es Ihnen erzählen können von dem, was hier gemeint ist, was hier in verschiedener Art in Worten ausgesprochen wird. Das ist dasjenige, was der ganzen Sache hier einen gewissen einheitlichen Charakter gibt, was aber zu gleicher Zeit ausdrückt ein Wollen, welches innig zusammenhängt mit den Aufgangs-, nicht mit den Niedergangskräften der sich entwickelnden Menschheit, und wovon man daher wünschen möchte, daß es verstanden werde. Das ist es, wonach wir arbeiten möchten, wonach wir immer mehr und mehr arbeiten möchten, wonach wir jetzt arbeiten möchten durch die Herbstkurse, die abgehalten werden, in denen gezeigt werden soll, wie wirklich in die einzelnen Zweige der Wissenschaft hinein befruchtend wirken kann dasjenige, was von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft kommt. Und dann wird vielleicht auch einmal die Zeit kommen, wo die Menschen verstehen werden, was von hier aus eigentlich gewollt wird, wo so viel Verständnis in der Welt sein wird, daß es dazu kommt, daß wir diesen Bau auch einmal später in irgendeiner Zukunft, die heute noch im Nebel liegt, auch eröffnen können. Denn solange dieser Bau nicht eröffnet werden kann, ist immer noch etwas da von dem, welches zeigt, daß ein nicht genügendes Verständnis für das vorhanden ist, was hier gewollt ist.
[ 26 ] Davon werde ich dann am nächsten Freitag um acht Uhr weiterreden.
[ 26 ] Davon werde ich dann am nächsten Freitag um acht Uhr weiterreden.
[ 27 ] Morgen ist der Vortrag unseres Freundes, des Grafen Polzer, um acht Uhr hier über die europäische Politik des letzten Jahrhunderts im Zusammenhange mit dem Testament Peters des Großen, ein anregender Gegenstand, über den sich hoffentlich eine Diskussion eröffnen wird. Dann werde ich am Freitag weiterreden über die angefangenen Fragen in ihrer Anwendung auf den einzelnen Menschen und gerade auf die Fragen, die die besonderen religiösen Fragen sind, Samstag um acht Uhr dann fortsetzen; Sonntag um ein halb sieben Uhr wird die nächste eurythmische Vorstellung sein und daran sich ein Vortrag anschließen.
[ 27 ] Morgen ist der Vortrag unseres Freundes, des Grafen Polzer, um acht Uhr hier über die europäische Politik des letzten Jahrhunderts im Zusammenhange mit dem Testament Peters des Großen, ein anregender Gegenstand, über den sich hoffentlich eine Diskussion eröffnen wird. Dann werde ich am Freitag weiterreden über die angefangenen Fragen in ihrer Anwendung auf den einzelnen Menschen und gerade auf die Fragen, die die besonderen religiösen Fragen sind, Samstag um acht Uhr dann fortsetzen; Sonntag um ein halb sieben Uhr wird die nächste eurythmische Vorstellung sein und daran sich ein Vortrag anschließen.
