Spiritual Scientific Insight into the
Fundamental Impulses of Social Organization
GA 199
22 August 1920, Dornach
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Spiritual Scientific Insight into the Fundamental Impulses of Social Organization, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Ich möchte noch einmal den Extrakt desjenigen geben, was ich gestern ausgeführt habe über die Differenzierung der Seelenanlagen der Völker, der Menschen überhaupt über die Erde hin. Ich habe angedeutet, wie verschiedene Anlagen und verschiedene Arten von Seelenverfassung in den verschiedensten Gegenden der Erde bei den Menschen vorhanden sind, so daß in der Tat ein jedes Erdengebiet durch seine Völkerschaft ein Bestimmtes beitragen kann zu dem, was die gesamte Menschheit leistet mit Bezug auf die gesamte Erdenzivilisation. Wir haben darauf aufmerksam machen müssen gestern, wie die orientalischen Völker, die Völker Asiens und dasjenige, was zu ihnen gehört, vorzugsweise dazu veranlagt sind, dasjenige Element auszubilden, welches seinen Beitrag gibt in das geistige Glied der sozialen Organisation. Alles dasjenige, was vorzugsweise in der Menschheit geistige Entwickelung ist, also Wissen des Übersinnlichen, Gestalten des Übersinnlichen, dazu ist die orientalische Bevölkerung besonders veranlagt. Damit hängt es zusammen, daß diese orientalische Bevölkerung besonders dazu veranlagt ist, sich Vorstellungen, Ideen darüber zu machen, wie der Mensch aus geistigen Welten, die er durchlebt hat zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt, heruntergestiegen ist in dieses irdische Dasein. Die Präexistenzlehre, jene Lehre, welche sich gewiß ist darüber, daß der Mensch ein geistiges Dasein durchgemacht hat, bevor er hier in den physischen Leib gekommen ist, das einzusehen, das liegt insbesondere in diesen orientalischen Anlagen. Daher auch die Anlage dazu, die Einsicht in die wiederholten Erdenleben zu haben. Man kann die Anschauung haben, daß das Leben nach dem Tode fortdauert, immer fortdauert, ohne daß man wiederkehrt auf die Erde. Aber man kann logischerweise nicht die Anschauung haben, daß das Leben hier auf der Erde eine Fortsetzung eines geistigen ist, ohne daran denken zu müssen, daß ja dann es selbstverständlich ist, daß dieses Leben sich wiederholen muß. So also war der Orientale ganz besonders dazu veranlagt, einzusehen, er habe gelebt in geistigen Welten vor diesem Erdenleben, und er habe gewissermaßen die Impulse, die Antriebe zu diesem Erdenleben erhalten eben aus der göttlich-geistigen Welt heraus.
[ 1 ] I would like to summarize once again what I explained yesterday regarding the differentiation of the spiritual dispositions of peoples—and of human beings in general—across the Earth. I indicated how different dispositions and different types of soul constitutions exist among people in the most diverse regions of the Earth, so that, in fact, every region of the Earth can, through its people, contribute something specific to what all of humanity accomplishes with regard to the entire Earth civilization. We had to point out yesterday how the Eastern peoples, the peoples of Asia, and those associated with them are particularly predisposed to develop the element that contributes to the spiritual aspect of social organization. The Eastern peoples are particularly predisposed to everything that constitutes spiritual development in humanity—that is, knowledge of the supersensible and forms of the supersensible. This is connected to the fact that these Eastern peoples are particularly predisposed to form conceptions and ideas about how the human being has descended into this earthly existence from the spiritual worlds he has lived through between his last death and this birth. The doctrine of pre-existence—the teaching that is certain that a human being has undergone a spiritual existence before entering the physical body here—is something that lies particularly within these Eastern dispositions. Hence, too, the predisposition to gain insight into repeated earthly lives. One may hold the view that life continues after death, continuing forever, without returning to Earth. But logically, one cannot hold the view that life here on Earth is a continuation of a spiritual life without having to consider that it then follows naturally that this life must repeat itself. Thus, the Eastern person was particularly predisposed to recognize that he had lived in spiritual worlds prior to this earthly life, and that he had, so to speak, received the impulses and motivations for this earthly life precisely from the divine-spiritual world.
[ 2 ] Es hängt das zusammen mit der ganzen Art und Weise, wie der Orientale zu seinem Wissen, zu seiner ganzen Seelenverfassung gekommen ist. Für einige von Ihnen habe ich das schon angedeutet; es sind jetzt eine andere Anzahl von Freunden da, und ich möchte etwas noch einmal charakterisieren, das ich für einige schon charakterisiert habe.
[ 2 ] This is connected to the entire way in which the Oriental has arrived at his knowledge and his entire state of mind. I have already hinted at this to some of you; there are now a different group of friends here, and I would like to elaborate once more on something that I have already discussed with some of you.
[ 3 ] Wir wissen, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, daß er zerfällt in den Nerven-Sinnesmenschen, in den rhythmischen Menschen — der umfaßt jene Tätigkeiten, die in der Atmung, in der Blutzirkulation und so weiter gegeben sind —, und daß dann das dritte im Menschen der Stoffwechselmensch ist, alles dasjenige, was mit dem Stoffwechsel zusammenhängt. Nun kommen nicht über die ganze Erde hin etwa in gleichmäßiger Weise diese drei Glieder der menschlichen Organisation zum Ausdruck, sondern in verschiedener Weise.
[ 3 ] We know that the human being is a threefold being, that he can be divided into the nervous-sensory human being, the rhythmic human being—which encompasses those activities involved in breathing, blood circulation, and so on—and that the third aspect of the human being is the metabolic human being, everything connected with metabolism. Now, these three aspects of human organization are not expressed in roughly the same way throughout the entire world, but rather in different ways.
[ 4 ] Der orientalische Mensch ist heute daran — jetzt ist das alles, ich möchte sagen, in der Dekadenz, heute ist das alles unterdrückt, heute schläft das im orientalischen Menschen, aber wir müssen den orientalischen Menschen auch nicht kennenlernen nach seiner jetzigen Seelenverfassung, sondern wir müssen ihn vorzugsweise kennenlernen nach seiner Seelenverfassung, die er in einer sehr weit zurückliegenden Vorzeit gehabt hat —, der orientalische Mensch ist heute daran, gerade weil diese Seelenverfassung zurückgegangen ist, und die Europäer und Amerikaner werden das in nicht zu ferner Zeit zu ihrem großen Schrecken bemerken, mit derselben Inbrunst, mit derselben religiösen Hingebung den Bolschewismus aufzunehmen, wie er einstmals aufgenommen hat die Lehre von dem heiligen Brahman. Was ist von den drei Gliedern der menschlichen Natur dasjenige, das im orientalischen Menschen ganz besonders zum Ausdruck gekommen ist? Es ist der Stoffwechselmensch. Gerade der älteste Orientale hat ganz im Stoffwechsel gelebt. Das wird für denjenigen in der Auffassung keinen Horror hervorrufen, der den Stoff nicht denkt im Sinne von Klumpen von Materie, sondern der weiß, daß in allem Stoff Geist lebt. Und dasjenige, was gerade der hohe Geist, der bewunderungswürdige Geist der Orientalen war, das war dasjenige, was aus dem Stoffwechsel der orientalischen Natur aufgestiegen ist und ins Bewußtsein hineingeglänzt hat. Dasjenige, was sich im menschlichen Stoffwechsel abspielt, hängt ja innig zusammen mit dem, wie die äußere Sinneswelt ist. Wir entnehmen dasjenige, was dann in uns Materie wird, der äußeren Sinneswelt. Wir wissen, daß hinter dieser äußeren Sinneswelt Geist ist. In Wahrheit essen wir Geist, und der gegessene Geist wird erst in uns Materie. Aber dasjenige, was wir da aufnehmen, das war beim Orientalen so, daß es auch, nachdem es aufgenommen wurde, den Geist hergab. So daß derjenige, der die Dinge versteht, hinsieht auf die bewunderungswürdigen poetischen Leistungen der Veden, auf die Großartigkeit der Bhagavad Gita, auf die tiefe Philosophie der Veden und Vedanta, auf die indische Jogaphilosophie, und er wird sie deshalb nicht weniger bewundern, weil er weiß, daß das aus dem inneren Prozeß hervorgegangen ist als ein Produkt des Stoffwechsels, wie die Blüten des Baumes hervorgehen aus dem Stoffwechsel. Und wie wir den Baum anschauen und in seinen Blüten sehen dasjenige, was die Erde der Luft und dem Licht entgegentreibt, so sehen wir in dem, was der alte indische Mensch hervorgebracht hat in den Veden, in der Vedanta-, in der Jogaphilosophie, eine Blüte des irdischen Daseins selber. Es ist gewissermaßen auf der einen Seite dasjenige, was wir in den Blüten der Bäume sehen, Produkt der Erde, entgegengebracht der Luft und dem Lichte, aber Produkt der Erde, das heißt desjenigen, was auf dem Felde wächst als Weizen und Korn, auf den Bäumen als Obst und Früchte, genossen und verdaut von Menschen, verkocht von Menschen. In der besonderen alten indischen Natur wird es, statt zu Pflanzenblüten und Pflanzenfrüchten, zu den herrlichen Ausgestaltungen der Veden, der Vedanta- der Jogaphilosophie, man sieht diesen alten indischen Menschen an so wie einen Baum, als Zeugen desjenigen, was die Erde in ihrem Stoffwechsel aus sich selber hervorsprießen lassen kann, indem sie in den Menschen hineinschießt — beim Baum durch die Wurzeln und durch den Saftstrom, beim Menschen durch die Nahrung —, und man lernt erkennen das Göttliche in demjenigen, wo es der Spiritualist verachtet, indem ihm die Materie so niedrig vorkommt.
[ 4 ] The Oriental person is today in a state—I would say, of decadence; today all of this is suppressed; today it lies dormant within the Oriental person. But we need not get to know the Oriental person according to his current state of mind; rather, we must get to know him primarily according to the state of mind he possessed in a very distant past —the Oriental person is today in this state precisely because that state of mind has receded, and Europeans and Americans will notice this in the not-too-distant future, to their great horror, as they embrace Bolshevism with the same fervor, with the same religious devotion, as they once embraced the doctrine of the sacred Brahman. Which of the three aspects of human nature has found its most distinctive expression in the Eastern person? It is the metabolic human. The ancient Easterners, in particular, lived entirely within their metabolism. This will not seem shocking to anyone who does not conceive of matter as lumps of substance, but who knows that spirit lives in all matter. And what was precisely the lofty spirit, the admirable spirit of the Orientals, was that which arose from the metabolism of Oriental nature and shone into consciousness. What takes place in human metabolism is, after all, intimately connected with the nature of the external sensory world. We derive from the external sensory world that which then becomes matter within us. We know that behind this external sensory world lies spirit. In truth, we eat spirit, and the spirit we eat only becomes matter within us. But what we take in—as was the case with the people of the East—also yielded spirit after it had been taken in. Thus, the one who understands these things looks upon the admirable poetic achievements of the Vedas, the grandeur of the Bhagavad Gita, the profound philosophy of the Vedas and Vedanta, and the Indian philosophy of yoga, and will not admire them any less for knowing that they arose from an inner process as a product of metabolism, just as the blossoms of a tree arise from its metabolism. And just as we look at the tree and see in its blossoms that which the earth sends forth toward the air and the light, so do we see in what the ancient Indian people produced in the Vedas, in Vedanta, and in the philosophy of yoga, a blossom of earthly existence itself. In a sense, on the one hand, it is what we see in the blossoms of trees—a product of the earth, offered to the air and light—but a product of the earth, that is, of what grows in the fields as wheat and grain, and on the trees as fruit, consumed and digested by humans, cooked by humans. In the unique ancient Indian tradition, instead of plant blossoms and fruits, it becomes the magnificent manifestations of the Vedas, the Vedanta, and the philosophy of yoga; one views these ancient Indian people as if they were trees, as witnesses to what the earth, through its metabolism, can bring forth from within itself by flowing into human beings—in the case of the tree through the roots and the flow of sap, in the case of human beings through food—and one learns to recognize the divine in that which the spiritualist despises, because matter seems so lowly to him.
[ 5 ] Und dann hat der alte Inder ein Ideal. Er hat das Ideal, aus diesem seinem Erleben in dem Stoffwechsel herauszukommen zu dem höheren Glied der Menschennatur, zu dem rhythmischen System. Daher machte er seine Jogaübungen. Er machte besondere Atemübungen. Das übte er mit Bewußtsein. Dasjenige, was der Stoffwechsel aus ihm hervorbringt als geistige Blüte der Erdenentwickelung, das kommt unbewußt. Dasjenige, was er bewußt macht, ist: sein rhythmisches System, das Atmungs- und Blutsystem, in eine geregelte, in eine systematisierte Bewegung zu bringen. Und was tut er, indem er sich erhebt, indem das gerade dasjenige ist, was seine Erhebung ist, was tut er da? In diesem rhythmischen System, was geschieht da? Wir atmen die äußere Luft ein, wir übergeben der äußeren Luft dasjenige, was aus des Menschen Stoffwechsel entsteht, Kohlenstoff. In uns findet ein Stoffwechsel statt zwischen dem, was in uns Ergebnis des Stoffwechsels ist, und demjenigen, was in der Luft ist, die wir aufnehmen. Die heutige materialistischphysikalische Weltanschauung sieht in der Luft Stickstoff — weiß nicht, was das ist — und Sauerstoff — weiß nicht, was das ist — miteinander gemischt, sieht etwas rein Materielles. Der alte Inder nahm wahr die Luft, das heißt dasjenige, was da vorgeht, indem sich im Menschen verbindet dasjenige, was aus dem Stoffwechsel kommt, mit dem, was eingeatmet wird, was sich verarbeitet. In der Blutzirkulation nahm der alte Inder dann, indem er sein Ideal, die Jogaphilosophie, erfüllte, wahr durch diesen Stoffwechsel die Geheimnisse der Luft, das heißt dasjenige, was geistig in der Luft ist. Er lernte kennen in der Jogaphilosophie dasjenige, was geistig in der Luft ist. Was lernt man da kennen? Da lernt man eben gerade kennen dasjenige, was in uns eingezogen ist, indem wir atmende Wesen geworden sind. Da lernt man erkennen dasjenige, was in uns eingezogen ist, als wir heruntergegangen sind aus den geistigen Welten in diesen physischen Leib. Da pflegt man dieses Wissen von der Präexistenz, von dem vorgeburtlichen Leben. Daher ist es in einem gewissen Sinne das Geheimnis derjenigen zunächst, die solche Jogaphilosophie ausführen, hinter das Geheimnis des vorgeburtlichen Lebens zu kommen.
[ 5 ] And so the ancient Indian had an ideal. His ideal was to rise, through his own experience, out of the metabolic process to the higher level of human nature—the rhythmic system. That is why he practiced his yoga exercises. He performed special breathing exercises. He practiced these with full awareness. That which metabolism brings forth from within him as the spiritual flowering of Earth’s evolution comes unconsciously. What he does consciously is to bring his rhythmic system—the respiratory and circulatory systems—into a regulated, systematized movement. And what does he do when he elevates himself—when that very act is his elevation—what is he doing there? Within this rhythmic system, what is happening? We inhale the external air; we release into the external air that which arises from human metabolism: carbon. Within us, a metabolic exchange takes place between what is the result of our metabolism and what is contained in the air we breathe in. Today’s materialistic-physical worldview sees nitrogen in the air—without knowing what that is—and oxygen—without knowing what that is—mixed together; it sees something purely material. The ancient Indian perceived the air—that is, the process taking place within the human being as the products of metabolism combine with what is inhaled and processed. In the blood circulation, the ancient Indian—by fulfilling his ideal, the philosophy of yoga—perceived through this metabolic process the mysteries of the air, that is, what is spiritual in the air. Through the philosophy of yoga, he came to know what is spiritually present in the air. What does one come to know there? There one comes to know precisely that which has entered into us as we have become breathing beings. There one learns to recognize that which has entered into us when we descended from the spiritual worlds into this physical body. There one cultivates this knowledge of pre-existence, of prenatal life. Therefore, in a certain sense, it is the secret—first and foremost for those who practice such yogic philosophy—to penetrate the mystery of prenatal life.
[ 6 ] So sehen wir, daß der alte Inder im Stoffwechsel lebt, trotzdem er so Schönes, Großartiges, Gewaltiges hervorbringt, und sich künstlich hinaufschwingt zum rhythmischen System. Das alles ist in die Dekadenz gekommen. Das alles ist heute in Asien schlafend. In den asiatischen Seelen macht sich nur nebulos geltend in abstrakten Formen, wenn solche erleuchtete Geister wie Rabindranath Tagore von dem Ideal der Asiaten sprechen und schwelgen.
[ 6 ] Thus we see that the ancient Indian lives within his metabolism, even though he produces such beautiful, magnificent, and powerful works, and artificially elevates himself to a rhythmic system. All of this has fallen into decadence. All of this lies dormant in Asia today. In Asian souls, it makes itself felt only vaguely in abstract forms when enlightened spirits such as Rabindranath Tagore speak of and revel in the Asian ideal.
[ 7 ] Und gehen wir von diesem Asien zu Mitteleuropa, da finden wir, daß sich dieser mitteleuropäische Mensch da, wo er wirklich ein solcher ist — ich habe ihn gestern dadurch charakterisiert, daß ich Sie hinwies auf Fichtes Satz: Die äußere Sinneswelt ist nur das versinnlichte Material meiner Pflicht, sie hat an sich keine Existenz, sie ist dazu da, damit ich etwas habe, womit ich meine Pflicht ausführen kann. — Der Mensch, der aus diesem Untergrunde in den mittleren Gegenden der Erde lebte und lebt, der lebt nun, geradeso wie der Inder im Stoffwechsel lebt, im rhythmischen System. Dasjenige, worinnen man lebt, bleibt unbewußt. Der Inder strebte noch als zu einem Ideal zum rhythmischen System hinauf, und ihm wurde es bewußt. Der Mitteleuropäer lebt in diesem rhythmischen System, ihm wird es nicht bewußt, und er gestaltet aus dadurch, daß er in diesem rhythmischen System lebt, alles dasjenige, was das rechtliche, das demokratische, das staatliche Element in der sozialen Organisation ist. Er gestaltet es einseitig aus, aber er gestaltet es in dem Sinne aus, wie ich das gestern angedeutet habe, denn er ist besonders dazu veranlagt, dasjenige auszugestalten, was im Wechselspiel geschieht zwischen Mensch und Mensch, im Wechselspiel zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Aber er hat wiederum ein Ideal. Er hat das Ideal, sich nun zum nächsten zu erheben, zu dem Nerven-Sinnesmenschen. So wie der Inder die Jogaphilosophie, das kunstvolle Atmen, das zur Erkenntnis auf besondere Art führt, als sein Ideal betrachtete, so der mitteleuropäische Mensch das Sich-hinauf-Schwingen zu Vorstellungen, die aus dem Nerven-Sinnesmenschen kommen, zu Vorstellungen, die ideell sind, zu Vorstellungen, die errungen werden durch eine Erhebung, so wie die Jogaphilosophie errungen wird von dem Inder durch eine Erhebung.
[ 7 ] And if we move from this Asia to Central Europe, we find that the Central European—where he is truly such—I characterized him yesterday by referring you to Fichte’s statement: “The external sensory world is merely the sensed material of my duty; it has no existence in and of itself; it is there so that I may have something with which to fulfill my duty.”—The person who lived and lives in the central regions of the earth, emerging from this foundation, lives—just as the Indian lives within his metabolism—within the rhythmic system. That in which one lives remains unconscious. The Indian still strove upward toward the rhythmic system as an ideal, and it became conscious to him. The Central European lives within this rhythmic system; it does not become conscious to him, and through living within this rhythmic system, he shapes everything that constitutes the legal, democratic, and state elements in social organization. He shapes it one-sidedly, but he shapes it in the sense I indicated yesterday, for he is particularly predisposed to shape what occurs in the interplay between human beings, in the interplay between the human being and his environment. But he, in turn, has an ideal. He has the ideal of now rising to the next stage, to that of the nervous-sensory human being. Just as the Indian regarded the philosophy of yoga—the artful breathing that leads to knowledge in a special way—as his ideal, so too does the Central European regard the ascent to concepts that arise from the nerve-sensory human being—to concepts that are ideal, to concepts that are attained through an elevation, just as the philosophy of yoga is attained by the Indian through an elevation.
[ 8 ] Daher ist es auch notwendig, daß man sich bewußt werde, will man Leute, die aus solchen Untergründen heraus geschaffen haben, wie Fichte, Hegel, Schelling, wie Goethe, will man sie wirklich verstehen, so muß man sie so verstehen, wie der Inder seine Jogaeingeweihten verstand. Aber diese besondere Seelenveranlagung, die dämpft die eigentliche Geistigkeit. Man erlangt noch ein deutliches Bewußtsein davon, wie es zum Beispiel Hegel hat, daß die Ideen Wirklichkeiten sind. Dieses deutliche Bewußtsein hatte Hegel, Fichte, hatte Goethe, daß die Ideen Wirklichkeiten, Realitäten sind. Man gelangt eben auch dazu, so etwas zu sagen wie Fichte: Die äußere Sinneswelt ist für sich keine Existenz, sondern nur das versinnlichte Material meiner Pflicht. — Aber man kommt nicht zu jener Erfüllung der Ideen, welche der Orientale hatte. Man kommt dazu, zu sagen, wie Hegel sagte: Es beginnt die Geschichte, es lebt die Geschichte. Das ist die lebendige Bewegung der Ideen. — Aber man beschränkt sich allein auf diese äußere Wirklichkeit. Diese äußere Wirklichkeit sieht man geistig, ideell an. Aber man kann nicht, gerade wenn man Hegel ist, weder von Unsterblichkeit noch von Ungeburtlichkeit reden. Die Hegelsche Philosophie beginnt mit der Logik, das heißt mit demjenigen, was der Mensch endlich denkt, dehnt sich aus über eine gewisse Naturphilosophie, hat eine Seelenlehre, die aber nur von der irdischen Seele handelt, hat eine Staatslehre und hat zuletzt als das Höchste, zu dem sie sich aufschwingt, die Dreigliederung von Kunst, Religion, Wissenschaft. Aber darüber geht es nicht hinaus, da geht es nicht in die geistigen Welten hinein. Auf geistigste Art hat solch ein Mensch wie Hegel oder Fichte beschrieben dasjenige, was in der äußeren Welt ist; aber gedämpft ist alles dasjenige, was hinausschaut über die äußere Welt. Und so sehen wir, daß gerade dasjenige, was kein Gegenbild in der geistigen Welt hat, das Rechtsleben, das Staatsleben, was nur von dieser Welt ist, daß das gerade die Größe ausmacht dieser Ideengebäude, die da auftreten. Man sieht die äußere Welt als geistig an. Man kommt aber nicht über diese äußere Welt hinaus. Aber man schult den Geist, man bringt dem Geist eine gewisse Disziplin bei. Und legt man dann Wert auf eine gewisse innere Entwickelung, so findet das statt, daß dadurch gerade, wenn man sich heranschult an dem, was da in diesem Gebiete der Welt an Erziehung des Geistes durch die Ideenwelt geleistet werden kann, man gewissermaßen innerlich hinaufgetrieben wird in die geistige Welt. Das ist ja das Merkwürdige.
[ 8 ] Therefore, it is also necessary to realize that if one wants to truly understand people who created from such depths—such as Fichte, Hegel, Schelling, and Goethe—one must understand them in the same way that the Indian understood his yoga initiates. But this particular disposition of the soul dampens true spirituality. One still attains a clear awareness—as Hegel did, for example—that ideas are realities. Hegel, Fichte, and Goethe all possessed this clear awareness that ideas are realities. One also comes to say something like Fichte did: “The external sensory world is not an existence in itself, but merely the sensed material of my duty.” — But one does not reach that fulfillment of the ideas that the Easterners had. One comes to say, as Hegel did: “History begins; history lives.” That is the living movement of ideas. — But one limits oneself solely to this external reality. One views this external reality in a spiritual, ideal sense. Yet, especially if one is Hegel, one cannot speak of either immortality or non-birth. Hegel’s philosophy begins with logic—that is, with what human beings ultimately think—extends to a certain philosophy of nature, includes a theory of the soul that deals only with the earthly soul, encompasses a theory of the state, and finally, as the highest point to which it soars, presents the threefold division of art, religion, and science. But it does not go beyond this; it does not enter into the spiritual worlds. In the most spiritual way, a person like Hegel or Fichte has described what exists in the external world; but everything that looks beyond the external world is muted. And so we see that it is precisely that which has no counterpart in the spiritual world—legal life, political life, that which belongs solely to this world—that constitutes the greatness of these systems of ideas that arise. One regards the external world as spiritual. But one does not go beyond this external world. But one trains the spirit; one instills a certain discipline in the spirit. And if one then places value on a certain inner development, what happens is that, precisely by training oneself in what can be achieved in this realm of the world through the education of the spirit by the world of ideas, one is, as it were, driven inwardly upward into the spiritual world. That is, after all, the remarkable thing.
[ 9 ] Ich muß Ihnen gestehen, mir ist, wenn ich Schriften der Scholastiker lese, immer bei diesen Schriften der Scholastiker so zumute, daß ich mir sage: Das kann denken, das weiß zu leben in Gedanken. — Auf eine gewisse andere Art, mehr dem Irdischen zugewandt, sage ich mir das auch bei Hegel: Der weiß zu leben in Gedanken — oder bei Fichte oder bei Schelling. Selbst in der dekadenten Art, wie die Scholastik in der Neuscholastik zutage tritt, muß ich sagen, finde ich in der Scholastik immer noch mehr von entwickeltem Gedankenleben als zum Beispiel in der modernen Wissenschaft oder in der modernen populären Bücher- oder Zeitungsliteratur. Da ist schon alles Denken verdunstet und verduftet. Es ist schon wahr, die besseren Geister der Scholastik, in der Gegenwart zum Beispiel, denken Begriffe genauer als unsere Universitätsprofessoren der Philosophie. Aber das ist ja eben das Eigentümliche, wenn nun diese Gedanken auf einen wirken, wenn man zum Beispiel ein scholastisches Buch liest, so ein richtig scholastisch-katholisches Buch liest und es auf sich wirken läßt, gewissermaßen es zu einer Art von Selbsterziehung verwendet, die Seele wird über sich hinausgetrieben. Es wirkt wie eine Meditation. Es wirkt so, daß man zu etwas anderem kommt, Erleuchtung bewirkend. Und eine sehr merkwürdige Tatsache liegt vor.
[ 9 ] I must confess to you that whenever I read the writings of the Scholastics, I always find myself thinking: “This person can think; this person knows how to live in thought.” — In a somewhat different way, one more attuned to the earthly realm, I find myself thinking the same thing about Hegel: He knows how to live in thought—or with Fichte or Schelling. Even in the decadent form in which Scholasticism manifests itself in Neo-Scholasticism, I must say that I still find more of a developed intellectual life in Scholasticism than, for example, in modern science or in modern popular books or newspaper literature. There, all thought has already evaporated and vanished. It is true that the better minds of Scholasticism—in the present day, for example—conceive of concepts more precisely than our university professors of philosophy. But that is precisely what is so peculiar: when these thoughts take hold of you—for example, when you read a scholastic book, a truly scholastic-Catholic book, and let it sink in, using it, so to speak, as a form of self-education—the soul is propelled beyond itself. It acts like a meditation. It has the effect of leading one to something else, bringing about enlightenment. And there is a very curious fact here.
[ 10 ] Denken Sie sich einmal, solche modernen Dominikaner, Jesuiten, andere Ordensgeistliche, die sich in dasjenige, was jetzt noch von Scholastik vorhanden ist, hineinvertiefen, wenn sie nun ganz zu Ende wirken ließen auf sich dasjenige, was da an scholastischen Gedankenformen in ihnen erziehend wirkt, sie würden alle auf eine verhältnismäßig leichte Weise durch diese Erziehung zum Begreifen der Geisteswissenschaft kommen. Überließe man diejenigen, die Neuscholastik studieren, ihrem eigenen seelischen Werdegang, es würde gar nicht lange dauern, würden gerade diese katholischen Ordensgeistlichen sehr bald Anhänger der Geisteswissenschaft werden. Daher hat man — was nötig, damit sie es nicht werden? Man verbietet es ihnen. Man gibt ihnen das Dogma, welches die ganze Sache kupiert, welches das nicht aufkommen läßt, was heraus aus der Seele die Entwickelung bewirken würde. Man könnte heute noch immer demjenigen, der sich entwickeln will zur Geisteswissenschaft, als Meditationsbuch zum Beispiel jenes scholastische Buch in die Hand geben, das ich einmal hier vorgezeigt habe, das von einem Gegenwartsjesuiten verfaßt ist; aber ich habe Ihnen gesagt, es hat das Imprimatur durch jenen Erzbischof; es ist dasjenige kupiert, was entstehen würde im Menschen, wenn der Mensch sich ihm ganz frei überlassen könnte.
[ 10 ] Just imagine such modern Dominicans, Jesuits, and other members of religious orders who immerse themselves in what remains of Scholasticism today; if they were to allow the Scholastic modes of thought that are shaping them to take full effect, they would all, through this education, come to an understanding of spiritual science with relative ease. If those who study neo-scholasticism were left to their own spiritual development, it would not take long at all before these very Catholic religious would very soon become adherents of spiritual science. Therefore—what is necessary to prevent them from becoming so? It is forbidden to them. They are given the dogma that cuts off the whole matter, that prevents what would bring about development from emerging from the soul. Even today, one could still give as a book for meditation—for example—that scholastic book I once presented here, written by a contemporary Jesuit, to anyone who wishes to develop toward spiritual science; but as I have told you, it bears the imprimatur of that archbishop; it has been curtailed in a way that would prevent what might arise within a person if that person were allowed to engage with it entirely freely.
[ 11 ] Diese Dinge, die muß man durchschauen, denn dann wird man einsehen, welche Wichtigkeit es hat für gewisse Kreise, ja nicht es bis zu den Konsequenzen desjenigen kommen zu lassen, was entstehen könnte, wenn man die Dinge frei wirken ließe in den Seelen. Dieses mitteleuropäische Streben besteht eben darinnen, von dem selbstverständlichen rhythmischen Menschen hinauf sich zu erheben zum NervenSinnesmenschen, zu dem, der im ideellen Gebiete dasjenige hat, was er sich selbst erringt. Für diese Menschen ist die besondere Anlage vorhanden, das Leben der Erde als ein Geistiges zu begreifen. Das hat ja Hegel im umfassendsten Sinne getan.
[ 11 ] One must see through these things, for then one will realize how important it is for certain circles to ensure that the consequences of what might arise if things were allowed to take their natural course in people’s souls do not come to pass. This Central European aspiration consists precisely in rising from the naturally rhythmic human being to the nervous-sensory human being—to the one who, in the realm of the ideal, possesses that which he has attained through his own efforts. These people possess a special predisposition to comprehend the life of the earth as a spiritual reality. Hegel, after all, did just that in the most comprehensive sense.
[ 12 ] Gehen wir jetzt zum westlichen Menschen. Ich habe gestern gesagt, daß der westliche Mensch gerade in seinen erleuchtetsten Geistern, in solchen wie Bentham, John Stuart Mill, Spencer, Buckle, sogar schon Baco von Verulam und andern, Thomas Reid und so weiter, in der Nationalökonomie Adam Smith, daß dieser westliche Mensch besondere Veranlagung hat, dasjenige Denken auszubilden, das man dann verwenden kann im wirtschaftlichen Teile des sozialen Organismus. Wenn man zum Beispiel die Philosophie von Spencer nimmt, dann sagt man sich: das ist ein Denken, welches ganz aus dem Nerven-Sinnesmenschen stammt, ganz und gar Produkt der Sinne und der Nerven ist, welches am besten taugen würde, wirtschaftliche Organisationen und Assoziationen zu machen. Es ist nur deplaciert von Spencer zu der Philosophie verwendet worden. Würde Spencer mit demselben Denken Fabriken einrichten, soziale Organisationen machen, dann wäre das am richtigen Platze. Daß er mit diesem Denken eine Philosophie macht, das ist deplaciert.
[ 12 ] Let us now turn to Western man. I said yesterday that Western man—particularly in his most enlightened thinkers, such as Bentham, John Stuart Mill, Spencer, Buckle, even Bacon of Verulam and others, Thomas Reid, and so on, and in political economy, Adam Smith—has a special predisposition to develop the kind of thinking that can then be applied to the economic sphere of the social organism. If, for example, one takes Spencer’s philosophy, one says to oneself: this is a mode of thinking that originates entirely from the nervous-sensory human being, is entirely a product of the senses and the nerves, and would be best suited to creating economic organizations and associations. It is simply misplaced that Spencer applied this way of thinking to philosophy. If Spencer were to use this same way of thinking to set up factories and create social organizations, then it would be in the right place. That he uses this way of thinking to construct a philosophy—that is misplaced.
[ 13 ] Das kommt davon her, daß jetzt der westliche Mensch nicht mehr lebt im rhythmischen System, sondern wieder eine Stufe höhergestiegen ist, er lebt selbstverständlich im Nerven-Sinnessystem des Menschen. Der Orientale lebt seiner Natur nach im Stoffwechsel, der Mensch der Mitte lebt seiner Natur nach im rhythmischen System, der westliche Mensch lebt seiner Natur nach im Nerven-Sinnessystem (siehe Schema). Stoffwechsel beim Orientalen: Er wendet sich hinauf und erstrebt das rhythmische System. Der mitteleuropäische Mensch lebt im rhythmischen System; er strebt hin zum Nerven-Sinnesmenschen. Der westliche Mensch lebt schon im Nerven-Sinnessystem. Wo strebt er hinauf? Er ist noch nicht daran, aber er ist darauf angewiesen, hinaufzustreben; er ist darauf angewiesen, über sich hinauszustreben. In der Karikatur kommt es zunächst zum Vorschein in dem, was ich Ihnen gestern charakterisiert habe in der Ableugnung des Stoffes, in der Selbstsuggestion des menschlichen Wesens der Mrs. Eddy, der Christian Science. Aber das ist zunächst die Karikatur, trotzdem als Karikatur ein Vorbote desjenigen, was gerade vom westlichen Menschen erstrebt werden muß. Es muß etwas Übermenschliches erstrebt werden, wobei ich durchaus nicht dies behaupten möchte, daß jeder, wenn er nun, statt aus dem NervenSinnesmenschen nach oben zu streben, hinunterstrebt in die Ohnmacht und so weiter, dadurch deshalb ein Übermensch wird.
[ 13 ] This stems from the fact that Westerners no longer live within the rhythmic system, but have ascended to a higher level; they naturally live within the human nervous-sensory system. By nature, the Eastern person lives within the metabolic system; the person of the Middle lives by nature within the rhythmic system; the Western person lives by nature within the nervous-sensory system (see diagram). Metabolism in the Eastern person: He turns upward and strives toward the rhythmic system. The Central European lives within the rhythmic system; he strives toward becoming a nervous-sensory human being. The Westerner already lives within the nervous-sensory system. Toward what does he strive? He is not there yet, but he is compelled to strive upward; he is compelled to strive beyond himself. In the caricature, this first becomes apparent in what I described to you yesterday: the denial of the material, the self-suggestion of the human nature of Mrs. Eddy, the founder of Christian Science. But this is, for the time being, a caricature—and yet, as a caricature, a harbinger of what Western man must now strive toward. Something superhuman must be striven for, though I certainly do not mean to claim that everyone who, instead of striving upward from the nervous-sensory human being, strives downward into powerlessness and so on, thereby becomes a superhuman.


[ 14 ] Aber ich habe dann gestern damit geschlossen, daß ich sagte: So sind verteilt die menschlichen Fähigkeiten auf die verschiedenen Gebiete der Erde, und notwendig ist, daß ein wirkliches Zusammenwirken geschieht. Heute sind wir so, daß wir in bezug auf die Zivilisation ganz und gar abhängig sind schon von dem Nerven-Sinneswesen des Westens. Ich habe ein Paradoxon gebraucht, aber dieses Paradoxon drückt sehr klar die Wirklichkeit aus. Dasjenige, was in Wien denkt, was in Berlin denkt, sind nicht die Gedanken, die etwa aus dem Volkstum herausgekommen sind und in Fichte oder bei Hegel kulminiert haben. Diese Geister sind überschüttet. Dasjenige, was heute in Mitteleuropa, in Wien oder Berlin in Büchern und Zeitungen steht, sind nicht die Gedankenformen Fichtes; das ist eine Lüge, wenn heute die Leute Fichte zitieren. Die Wahrheit ist vielmehr diese, daß verwandter ist das, was heute in Berlin oder Wien an die Öffentlichkeit dringt, mit dem, was in Chikago oder in New York gedacht wird, als mit dem, was in Fichte oder in Hegel gedacht worden ist.
[ 14 ] But I concluded yesterday by saying: Human abilities are distributed in this way across the various regions of the Earth, and it is essential that genuine cooperation take place. Today, we are in a situation where, in terms of civilization, we are already entirely dependent on the nervous-sensory nature of the West. I used a paradox, but this paradox very clearly expresses reality. What is thought in Vienna, what is thought in Berlin, are not the thoughts that emerged from the national character and culminated in Fichte or Hegel. Those spirits have been overwhelmed. What appears today in Central Europe—in Vienna or Berlin—in books and newspapers are not Fichte’s thought forms; it is a lie when people quote Fichte today. The truth is rather this: what is now reaching the public in Berlin or Vienna is more closely related to what is being thought in Chicago or New York than to what was thought by Fichte or Hegel.
[ 15 ] Aber das mußte geschehen, daß diese drei Glieder, von denen dieses insbesondere zunächst als das Geistesleben veranlagt war, dann das Geistesleben herüberschickten als Tradition jenes Ursprünglichen, jenes Elementaren des geistigen Lebens, wie sie war im Oriente, wo der Mensch drinnen lebt — wie er hier im physischen Leben steht — lebendig im Geistesleben selber. Davon fand sich nur der schattenhafte Nachklang in Mitteleuropa, davon findet sich nur die Tradition in Westeuropa. Dieses Westeuropa ist durch seine eigene Anlage für das Post-mortem-Leben charakterisiert, für dasjenige Leben, das ersehnt wird nach dem Tode. Ich habe Ihnen gestern gesagt, es bereitet sich bereits in Amerika, wenn auch in einzelnen Sekten, das Bewußtsein davon vor, daß der Mensch nicht bloß passiv sein darf hier in bezug auf das Seelenleben überhaupt, um etwas durch den Tod durchzutragen und in der geistigen Welt weiterzuleben, sondern daß er hier dasjenige erwerben muß durch seine Arbeit, durch sein Tun, was er durch die Pforte des Todes hindurchtragen will. Das Bewußtsein davon, daß der Mensch sich auflöst, wenn er hier nicht für seine Unsterblichkeit sorgt, wenn er hier nicht einen idealen Sinn entwickelt, wenn dieser ideale Sinn auch noch in karikaturhafter Weise zum Vorschein kommt, dieses Bewußtsein dringt in einzelnen Sekten des Westens bereits durch.
[ 15 ] But it had to happen that these three branches—of which this one in particular was initially predisposed to spiritual life—would then transmit spiritual life as a tradition of that original, elemental aspect of spiritual life, as it existed in the East, where the human being lives within it—just as he stands here in physical life—alive within spiritual life itself. Of this, only a faint echo remained in Central Europe; of this, only the tradition remains in Western Europe. This Western Europe is characterized by its own predisposition toward the life after death, toward that life which is longed for after death. I told you yesterday that in America—albeit within individual sects—an awareness is already taking shape that a person must not merely be passive here with regard to the life of the soul in general, in order to carry something through death and continue living in the spiritual world, but that they must acquire here, through their work and their actions, what they wish to carry through the gate of death. The awareness that a person will dissolve if they do not provide for their immortality here, if they do not develop an ideal sense here—even if this ideal sense manifests itself in a caricatured way—this awareness is already taking hold in certain sects in the West.
[ 16 ] Dasjenige aber, was Staatsleben war, das ist erstrebt so, daß man im rhythmischen Menschen lebte und es hinauftrug in die Gedanken. Das ist insbesondere beim mittleren Menschen zum Vorschein gekommen. Es strahlte dann herüber nach dem Westen. Da liegt eine eigentümliche Erscheinung vor, die man nur versteht, wenn man die Dinge innerlich anschaut. So sonderbar es manchem erscheinen wird, da ging etwas vor in Mitteleuropa. Es blieb selbstverständlich in dem rhythmischen System der Drang nach einem menschlichen Zusammenleben, nach einem sozialen menschlichen Zusammenleben in Freiheit. Das blieb zunächst tief im Unbewußten stecken (siehe Schema). Aber es lebt ja auch dasjenige unter den Menschen, was die Menschen nicht im Bewußtsein haben. Sagen wir also, im 18. Jahrhundert lebte zunächst unbewußt da etwas Bestimmtes in Mitteleuropa, ohne daß es herauf konnte ins Bewußtsein; aber es strahlte nach dem Westen hinüber. Indem es hinüberstrahlte nach dem Westen, indem es aufgenommen wurde, indem es sich nicht selbstverständlich im Innern entwickelte, wurde es zur Leidenschaft, wurde es zur Empfindung und wurde die Französische Revolution.
[ 16 ] But what constituted public life was pursued in such a way that one lived within the rhythmic human being and carried it up into one’s thoughts. This became particularly evident in the average person. It then radiated westward. Here we have a peculiar phenomenon that can only be understood by looking at things from within. As strange as it may seem to some, something was taking place in Central Europe. Naturally, the urge toward human coexistence—toward a social, human coexistence in freedom—remained within the rhythmic system. At first, this remained deeply embedded in the unconscious (see diagram). But what lives among people is precisely that which they do not hold in their consciousness. So let us say that in the 18th century, something specific existed in Central Europe, initially unconsciously, without being able to rise into consciousness; but it radiated toward the West. As it radiated toward the West, as it was received there, and as it did not develop naturally from within, it became a passion, it became a feeling, and it became the French Revolution.


[ 17 ] Schiller besann sich — (es wird auf das Schema gezeigt) da die Französische Revolution —; es gibt ja sogar ein Symbol davon, daß Schiller sich besonnen hat auf dasjenige, was da eigentlich vorging. Sie wissen ja, daß Schiller die Ehre widerfahren ist, zum französischen Bürger gemacht zu werden —, Schiller also, er besann sich; aber bei ihm lebte es zunächst im rhythmischen System. Nun, durch eigene Anschauung hob er es herauf und schrieb seine Briefe, die ästhetische Erziehung des Menschen betreffend.
[ 17 ] Schiller came to his senses—(the diagram is pointed out)—because of the French Revolution—; there is even a symbol of the fact that Schiller reflected on what was actually happening there. As you know, Schiller had the honor of being made a French citizen—so Schiller, he reflected; but for him, it initially lived on in the rhythmic system. Well, through his own observation, he brought it to the fore and wrote his letters concerning the aesthetic education of human beings.
[ 18 ] Darinnen haben Sie das, was man damals sagen konnte über menschliches Zusammenleben, über menschliches Zusammenleben in einem wirklich freien Staat. Hume hat ja dann nur, ich möchte sagen, dieses staatliche Glied, das Schiller da ins Bewußtsein heraufgehoben hat in seinen «Ästhetischen Briefen», etwas pedantisch ins System gebracht. Das ist gerade etwas außerordentlich Bedeutsames, was in diesen Briefen über ästhetische Erziehung von Schiller da aus den Tiefen des Volkstums herausgeholt ist. Weil es so tief ist, wurde es ja dann auch, als überall der Nerven-Sinnesmensch herrschend wurde, nicht verstanden.
[ 18 ] In them you find what could be said at the time about human coexistence, about human coexistence in a truly free state. Hume, I would say, merely systematized—somewhat pedantically—this element of the state that Schiller had brought to the fore in his “Aesthetic Letters.” What Schiller drew from the depths of folk culture in these letters on aesthetic education is precisely something of extraordinary significance. Because it is so profound, it was not understood when the nervous, sensory-oriented human being became dominant everywhere.
[ 19 ] Ich habe öfter erzählt, daß in Wien ein einsamer Mensch lebte, Heinrich Deinhardt hieß er. Er hat Briefe über Briefe über diese ästhetische Erziehung des Menschen geschrieben, sehr geistvolle Briefe. Der Mann hatte das Malheur, daß er einmal ein Bein brach auf der Straße, als er hinfiel. Das Bein konnte eingerichtet werden, aber er konnte nicht genesen, er starb an dem Beinbruch, weil er unterernährt war. Das heißt, derjenige, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch Schillers «Ästhetische Briefe» in gewissenhaftester Weise ausgelegt hat, starb den Hungertod. Und diese Deinhardtschen Briefe über Schillers ästhetische Erziehung des Menschen sind völlig vergessen!
[ 19 ] I have often told the story of a lonely man who lived in Vienna; his name was Heinrich Deinhardt. He wrote letter after letter about this aesthetic education of human beings—very witty letters. The man had the misfortune of breaking his leg one day on the street when he fell. The leg was set, but he could not recover; he died from the broken leg because he was malnourished. In other words, the man who, in the second half of the 19th century, interpreted Schiller’s *Aesthetic Letters* with the utmost diligence died of starvation. And these letters by Deinhardt on Schiller’s aesthetic education of humanity have been completely forgotten!
[ 20 ] Diese «Ästhetischen Briefe» Schillers, sie wären eine gute Vorbereitung wiederum, um die Seele hinaufzuläutern zu einem geistigen Anschauen der Welt. Schiller konnte das noch nicht selber. Aber es wirkt immer, wenn der andere etwas aufnimmt, die Seele selbst erziehend, was von einem Menschen herrührt, der noch nicht hinaufkommt in die geistige Welt, es wirkt da so, daß er in die geistige Welt hineinsehen kann. Allerdings hat man in Europa statt dessen Ralph Waldo Trine und Marden und ähnliche Oberflächlichkeiten als ein besonderes Heilmittel für die Seelen verehrt, und die andern Dinge vergessen, die nun wirklich in die geistige Welt hinaufführen würden.
[ 20 ] These “Aesthetic Letters” by Schiller would, in turn, serve as good preparation for elevating the soul to a spiritual contemplation of the world. Schiller himself was not yet capable of this. But it always has an effect when another person takes in—thereby educating their own soul—something that comes from a person who has not yet ascended into the spiritual world; it enables them to glimpse into the spiritual world. However, in Europe, instead of this, people have revered Ralph Waldo Trine, Marden, and similar superficialities as a special remedy for the soul, and have forgotten the other things that would truly lead up into the spiritual world.
[ 21 ] Diese Dinge müssen eben auch im ganzen Zusammenhange des Lebens und des Weltwesens erfaßt und begriffen werden. Man muß sich klar darüber sein, wie differenziert die verschiedenen menschlichen Fähigkeiten über die Erde hin sind. Und das ist schon zu sagen: während bisher dafür gesorgt worden ist, daß die tumultuarischen Schillerschen Jugendwerke «Die Räuber» oder «Fiesko» oder «Kabale und Liebe» bekannt werden, und während die Menschen sich höchstens aufschwingen zu den Sentimentalitäten der «Maria Stuart» oder zu den doch sehr veräußerlichten dramatischen Szenen der «Jungfrau von Orleans» oder der «Braut von Messina», sollte man heute damit beginnen, die «Ästhetischen Briefe» Schillers, in denen er sich selber — mit all seinen «Räubern», mit der ganzen «Maria Stuart» und mit dem «Wallenstein» — an Bedeutung für die Menschheit überragt, man sollte damit beginnen, diese «Ästhetischen Briefe» nicht bloß zu studieren, sondern auf sich wirken zu lassen. Denn wir sind heute darauf angewiesen, nicht bloß das Schulphilistergewäsche, das es gibt über unsere Klassiker, über Goethe, Schiller, vorzutradieren, sondern vor allen Dingen hier Revision zu machen und selber aufzusuchen, was an diesen Klassikern das Große war. Wir schwätzen fort dasjenige, was über den «Wallenstein» und die «Maria Stuart» und so weiter geredet worden ist von der Schulphilisterei mehr als ein Jahrhundert. Wir haben heute die Aufgabe, die Größe auf elementare Art selbst zu begreifen, denn nur dadurch kann die Menschheit vorwärtsschreiten. So liegt auch da die Notwendigkeit einer Umwandelung, einer Erneuerung. Auch dasjenige, was durch unsere Schulen die Menschen über «Maria Stuart», über den «Wallenstein», über die «Räuber» und so weiter lesen und hören, auch das muß umgestaltet werden. Wir bedürfen in dieser ernsten Zeit einer völligen Erneuerung, denn die Zeiten sind ernst.
[ 21 ] These things must also be grasped and understood within the broader context of life and the nature of the world. One must be clear about just how varied human abilities are across the globe. And it must be said: while care has been taken thus far to ensure that Schiller’s tumultuous early works—*The Robbers*, *Fiesko*, or *Intrigue and Love*—become well-known, and while people at best rise to the sentimentalism of *Maria Stuart* or to the—admittedly—highly externalized dramatic scenes of *The Maid of Orleans* or *The Bride of Messina*, we should begin today to explore Schiller’s *Aesthetic Letters*, in which he himself—with all his *The Robbers*, with the entirety of *Maria Stuart*, and with *Wallenstein* — in significance for humanity; one should begin not merely to study these “Aesthetic Letters,” but to let them take effect upon oneself. For today we must not merely regurgitate the school-philistine drivel that has been spouted for more than a century by academic philistines about our classics—Goethe, Schiller, and so on—but above all, we must reevaluate these works and discover for ourselves what was truly great about these classics. We keep parroting what has been said about *Wallenstein* and *Maria Stuart* and so on by school philistines for more than a century. Today we have the task of grasping that greatness for ourselves in a fundamental way, for only in this way can humanity move forward. Thus, here too lies the necessity for a transformation, a renewal. Even what people read and hear in our schools about “Maria Stuart,” “Wallenstein,” “The Robbers,” and so on—that, too, must be reshaped. In these grave times, we need a complete renewal, for the times are grave.
[ 22 ] Und sehen wir nach dem Westen hinüber, so fordert dieser Westen mit alledem, was er hervorbringen kann als den Ausdruck der Menschheit durch das Nerven-Sinnessystem, er fordert den Hinaufstieg in dasjenige, was über dem Menschenwissen in einer geistigen Welt liegt. Und ich habe Ihnen gestern gesagt: Zusammenwirken müssen, damit das Geistesleben, das Staatsleben, das Wirtschaftsleben im dreigliedrigen sozialen Organismus sich geltend machen könne, zusammenwirken müssen diese drei Elemente. Sagen wir nicht etwa bloß: Ex oriente lux! — Nehmen wir auf den Orient, studieren wir die Bhagavad Gita, studieren wir die Jogaphilosophie, studieren wir die Veden, ochsen wir dieses Zeug geradeso, wie wir gewohnt worden sind in Europa, die andern Dinge zu ochsen, fangen wir jetzt an, einmal die Orientalismen zu ochsen, nachdem uns das andere langweilig geworden ist. Nein, damit kommen wir nicht vorwärts, denn dasjenige, was einmal für die Erde richtig war, wird es für die Gegenwart und Zukunft nicht wieder sein, ist etwas Vergangenes. Wir können es bewundern als etwas, was einmal für die Erde richtig gewesen war; wir können es aber nicht, wie es etwa eine Theosophische Gesellschaft tut, einfach wieder übernehmen in passiver Weise. Ebensowenig können wir dasjenige, was uns nach der alten Art überliefert worden ist von der europäischen Vergangenheit, einfach herübernehmen, können nicht sagen: Dasjenige, was in den Volkstümern des Orients, der Mitte liegt, das können wir einfach erneuern —, sondern wir müssen sagen: Wollen wir eine wirkliche Verbindung dieser drei Elemente, die allerdings in der menschlichen Natur veranlagt sind, erreichen, wie können wir das? — Nur wenn wir aufmerksam darauf werden, wie das Nerven-Sinnesleben, das schließlich schon auf uns alle übergegangen ist, über sich hinausgehen muß. Das heißt, wir müssen aufsteigen zu etwas anderem, was weder daraus (es wird gedeutet auf Zeichnung Seite 142), noch daraus, noch daraus kommen kann, sondern einzig und allein durch die neue Initiation, durch die neue Geisteswissenschaft, was wirklich dadurch geholt wird, daß hinaufgestiegen wird aus dem modernsten Denken, das geschult ist an der Naturwissenschaft, an dem Nerven-Sinneswesen, indem wir hinaufsteigen zu der Wissenschaft der neuen Initiation und herausholen aus dieser neuen Initiation die Art und Weise, wie zusammenwirken können dasjenige, was einst Orient war, was später mittleres Wesen war, was jetzt westliches Wesen ist. Wir brauchen eine neue Wissenschaft der Initiation, die gerade die Einheit bewirken kann, die lebendige Einheit bewirken kann. Wir kommen in der neueren Zeit nicht zu einem Geistesleben, wenn wir nicht zu dieser neueren Initiationswissenschaft hinstreben. Wir kommen nicht zu einer Politik, wir kommen nicht zu einem Staatsleben, wenn wir in der alten Art weiterwirtschaften, wenn wir nicht anfragen bei denjenigen wissenschaftlichen Zweigen, die herauskommen aus der neueren Initiation: Wie soll sich die Politik der Zukunft gestalten? — Wir gelangen auch nicht zu einem Wirtschaftsleben, wenn wir nicht verstehen dasjenige, was nicht angewendet werden soll auf eine Philosophie, wie es Spencer getan hat, auf ein Staatssystem, wie es Adam Smith getan hat, sondern was angewendet werden soll bloß auf die Organisation des Wirtschaftslebens, wenn wir das nicht auf die Organisation des Wirtschaftslebens anwenden. Aber wir müssen dann wissen, wie wir das eingliedern sollen in die beiden andern Systeme. Dazu brauchen wir aber die Wissenschaft der Initiation. Wir können nicht vorwärtskommen, wenn wir nicht uns sagen können: Vom Verstehen, was einstmals orientalische Anlage war, gelangen wir zu dem, was das Wesen des Geisteslebens ist. Indem wir wirklich verstehen, was die Anlage des mittleren Menschen ist, gelangen wir dazu, wirklich zu verstehen, was das Rechts- oder Staatsleben ist. Indem wir das Westliche verstehen, gelangen wir dazu, zu verstehen, was das Wirtschaftsleben ist. Aber die drei fallen auseinander, wenn wir sie nicht in einer höheren Einheit verbinden können. Und wir werden sie nur in einer höheren Einheit verbinden können, wenn wir sie alle drei anschauen von jenem Gesichtspunkte, der sich uns ergibt durch die neuere Mysterik, die hier genannt wird anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft.
[ 22 ] And when we look toward the West, we see that the West, with all that it can bring forth as the expression of humanity through the nervous-sensory system, calls for an ascent into that which lies beyond human knowledge in a spiritual world. And I told you yesterday: These three elements must work together so that spiritual life, political life, and economic life can assert themselves within the threefold social organism. Let us not simply say: *Ex oriente lux!* — Let us turn to the East, study the *Bhagavad Gita*, study the philosophy of yoga, study the Vedas; let us regurgitate this stuff just as we have become accustomed to regurgitating other things in Europe; let us now begin to regurgitate Orientalism, now that the other things have become boring to us. No, that will not move us forward, for what was once right for the Earth will not be so again for the present and the future; it is a thing of the past. We can admire it as something that was once right for the Earth; but we cannot, as a Theosophical Society might do, simply adopt it again in a passive manner. Nor can we simply adopt what has been handed down to us in the old way from Europe’s past; we cannot say: “What lies in the folk traditions of the East and the Middle, we can simply revive”—but we must ask: If we want to achieve a genuine union of these three elements, which are indeed inherent in human nature, how can we do so? — Only if we become aware of how the nervous-sensory life—which, after all, has already become part of us all—must transcend itself. That is to say, we must ascend to something else that can come neither from this (as illustrated in the drawing on page 142), nor from this, nor from this, but solely through the new initiation, through the new spiritual science—which is truly attained by ascending from the most modern thinking, which has been trained in the natural sciences and in the nervous-sensory realm, by ascending to the science of the new initiation and drawing from this new initiation the way in which what was once the East, what later became the Middle Realm, and what is now the Western Realm can interact. We need a new science of initiation that can bring about precisely this unity—a living unity. In modern times, we cannot attain a spiritual life unless we strive toward this new science of initiation. We cannot attain a political life, nor can we attain a civic life, if we continue to operate in the old way, if we do not turn to those branches of science that emerge from the new initiation and ask: How should the politics of the future be shaped? — Nor will we attain an economic life unless we understand that which is not to be applied to a philosophy, as Spencer did, or to a system of government, as Adam Smith did, but which is to be applied solely to the organization of economic life—unless we apply it to the organization of economic life. But we must then know how to integrate this into the other two systems. For this, however, we need the science of initiation. We cannot make progress unless we can say to ourselves: Through understanding what was once the Eastern disposition, we arrive at the essence of spiritual life. By truly understanding the disposition of the average human being, we come to truly understand what legal or political life is. By understanding the Western, we come to understand what economic life is. But the three fall apart if we cannot unite them in a higher unity. And we will only be able to unite them in a higher unity if we view all three from the perspective that arises for us through the newer mysticism, which is referred to here as anthroposophically oriented spiritual science.


[ 23 ] Diese Dinge müssen durchschaut werden, denn derjenige, der sie durchschaut, der weiß, daß all das Streben, das sich heute auslebt, dem Untergang entgegenführt. Man rechnet mit den wichtigsten Faktoren nicht. Man sehe selbst auf die radikalsten Sozialisten hin. Sie mögen es subjektiv mit der Menschheit ehrlich meinen: sie rechnen aber nur mit Niedergangskräften. Sie machen eine falsche Lebensbilanz. Wir machen nur eine richtige Lebensbilanz, wenn wir aus der Wissenschaft des Geistes heraus erfassen nicht irgend etwas, was wir willkürlich hinstellen, indem wir sagen, so und so muß es sein, wenn die Menschheit glücklich sein soll und so weiter, sondern wenn wir uns fragen können: Was entsteht, wenn Geistesleben, Rechts- oder Staatsleben und Wirtschaftsleben in das richtige Verhältnis zueinander kommen, welcher soziale Organismus ergibt sich da? — Dann wird in diesem sozialen Organismus auch leben seine Durchgeistigung, das heißt, es wird in diesem sozialen Organismus neben dem, daß ein Wirtschaftsleben da sein wird, das möglich ist, das nicht dasjenige ist, von dem man träumt und von dem man phantasiert, sondern das dasjenige ist, das möglicherweise entstehen kann als das Bestmögliche, und wenn ein Staatswesen da ist, das wiederum das Bestmögliche ist, jenes Geistesleben da sein wird, das vereinigen wird das Leben vor der Geburt mit dem Leben nach dem Tode, welches sehen wird in dem Menschen, der hier in dieser physischen Welt lebt, das sich rechtlich orientierende Wesen, das hereinleuchten hat sein vorgeburtliches Leben im Geistesleben, das im wirtschaftlichen Leben kein Ideal, sondern nur ein Bestmögliches erreichen kann, das aber die Kräfte, die im Wirtschaftsleben sich betätigen, umwandeln kann gerade durch Initiationswissenschaft im Willen so, daß sie aufleuchten lassen das Post-mortem-Leben. Weil das so ist, ist anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht irgendeine Theorie neben anderen, nicht irgend etwas, was sich als ein Partei- oder Sektenprogramm neben andere Parteien- oder Sektenprogramme hinstellt, sondern sie ist etwas, was hervorgeholt ist aus jenem Wissen, das man gewinnen kann, wenn man Erdenentwickelung und Menschheitsentwickelung in ihrem Zusammenwirken und in ihrer Ganzheit erfaßt.
[ 23 ] These things must be seen through, for whoever sees through them knows that all the striving that is currently in full swing is leading toward ruin. People fail to take the most important factors into account. Just look at even the most radical socialists. They may subjectively mean well for humanity, but they rely solely on forces of decline. They take a false view of life. We can only make a correct assessment of life if, based on the science of the spirit, we do not simply postulate something arbitrarily—saying, “It must be this way or that way if humanity is to be happy,” and so on—but rather if we can ask ourselves: What emerges when spiritual life, legal or political life, and economic life come into the right relationship with one another? What kind of social organism results from this? — Then this social organism will also embody spiritualization; that is to say, within this social organism—in addition to an economic life that is possible, not the one we dream of or fantasize about, but the one that can potentially emerge as the best possible—and if there is a political system which in turn is the best possible form, that spiritual life will be present which unites life before birth with life after death, and which will see in the human being living here in this physical world the being oriented toward justice, whose prenatal life is illuminated in the spiritual life—a life that, in economic life, cannot achieve an ideal but only the best possible outcome, yet which can transform the forces active in economic life through the science of initiation in the will, so that they shed light on life after death. Because this is so, anthroposophically oriented spiritual science is not just any theory among others, nor is it something that presents itself as a party or sectarian program alongside other party or sectarian programs; rather, it is something drawn from the knowledge that can be gained by grasping the development of the Earth and the development of humanity in their interplay and in their entirety.
[ 24 ] Und gestehen muß man sich in der Gegenwart, daß jedes andere Verhältnis zur Welt oder die weltlichen Reformen zu nichts führen können, daß hervorgeholt werden muß aus der Wissenschaft der neueren Initiation dasjenige, was die Menschheit vorwärtsbringen kann.
[ 24 ] And one must admit today that any other relationship to the world or worldly reforms can lead nowhere, that what can advance humanity must be drawn from the science of the new initiation.
[ 25 ] Das muß heute immer wieder in den verschiedensten Formen ausgesprochen werden. Es ist hineingebaut worden in diesen Bau, es kommt in allen Einzelheiten dieses Baues zum Ausdruck. Wenn Sie das kleinste Stückchen hier sehen, so wird es Ihnen erzählen können von dem, was hier gemeint ist, was hier in verschiedener Art in Worten ausgesprochen wird. Das ist dasjenige, was der ganzen Sache hier einen gewissen einheitlichen Charakter gibt, was aber zu gleicher Zeit ausdrückt ein Wollen, welches innig zusammenhängt mit den Aufgangs-, nicht mit den Niedergangskräften der sich entwickelnden Menschheit, und wovon man daher wünschen möchte, daß es verstanden werde. Das ist es, wonach wir arbeiten möchten, wonach wir immer mehr und mehr arbeiten möchten, wonach wir jetzt arbeiten möchten durch die Herbstkurse, die abgehalten werden, in denen gezeigt werden soll, wie wirklich in die einzelnen Zweige der Wissenschaft hinein befruchtend wirken kann dasjenige, was von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft kommt. Und dann wird vielleicht auch einmal die Zeit kommen, wo die Menschen verstehen werden, was von hier aus eigentlich gewollt wird, wo so viel Verständnis in der Welt sein wird, daß es dazu kommt, daß wir diesen Bau auch einmal später in irgendeiner Zukunft, die heute noch im Nebel liegt, auch eröffnen können. Denn solange dieser Bau nicht eröffnet werden kann, ist immer noch etwas da von dem, welches zeigt, daß ein nicht genügendes Verständnis für das vorhanden ist, was hier gewollt ist.
[ 25 ] This must be expressed again and again today in the most diverse ways. It has been built into this structure; it is expressed in every detail of this structure. If you look at even the smallest part of it here, it will be able to tell you what is meant here, what is expressed here in various ways through words. This is what gives the whole endeavor here a certain unified character, but at the same time expresses a will that is intimately connected with the ascending—not the descending—forces of evolving humanity, and which one would therefore hope would be understood. This is what we would like to work toward, what we would like to work toward more and more, what we would like to work toward now through the fall courses that are being held, in which it is to be shown how what comes from anthroposophically oriented spiritual science can truly have a fruitful effect on the individual branches of science. And then perhaps the time will come when people will understand what is actually intended here, when there will be so much understanding in the world that we will eventually be able to open this building at some point in the future—a future that is still shrouded in mist today. For as long as this building cannot be opened, there will still be evidence of an insufficient understanding of what is intended here.
[ 26 ] Davon werde ich dann am nächsten Freitag um acht Uhr weiterreden.
[ 26 ] I'll talk more about that next Friday at eight o'clock.
[ 27 ] Morgen ist der Vortrag unseres Freundes, des Grafen Polzer, um acht Uhr hier über die europäische Politik des letzten Jahrhunderts im Zusammenhange mit dem Testament Peters des Großen, ein anregender Gegenstand, über den sich hoffentlich eine Diskussion eröffnen wird. Dann werde ich am Freitag weiterreden über die angefangenen Fragen in ihrer Anwendung auf den einzelnen Menschen und gerade auf die Fragen, die die besonderen religiösen Fragen sind, Samstag um acht Uhr dann fortsetzen; Sonntag um ein halb sieben Uhr wird die nächste eurythmische Vorstellung sein und daran sich ein Vortrag anschließen.
[ 27 ] Tomorrow at 8:00 a.m., our friend Count Polzer will give a lecture here on European politics of the last century in the context of Peter the Great’s will—a thought-provoking topic that will hopefully spark a discussion. Then, on Friday, I will continue discussing the questions we have begun to explore as they apply to the individual, focusing particularly on the specific religious questions; I will continue on Saturday at eight o’clock. On Sunday at half past six, there will be the next eurythmy performance, followed by a lecture.
