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The Rudolf Steiner Archive

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The New Spirituality and the
Christ Experience of the Twentieth Century

GA 200

22 October 1920, Dornach

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Zweiter Vortrag

Lecture Two

[ 1 ] Mit dem 15. Jahrhundert ist für die Entwickelung der zivilisierten Menschheit der nördlichen Halbkugel eine Zeit eingetreten, in welcher namentlich die Individualität des Menschen in vollem Ich-Bewußtsein immer mehr und mehr sich herausbilden soll. Diejenigen Kräfte, welche dieses individuelle Ich-Bewußtsein herausarbeiten, werden sich immer mehr und mehr verstärken, und alle Erscheinungen des Lebens, namentlich des Lebens im großen zunächst, gehen vor sich im Zeichen dieser Heranbildung der Individualität. Das heißt aber nichts anderes, als daß auch das, was von den geistigen Welten herkommt und in unsere physische Welt hineinspielt, einen solchen Verlauf nimmt, daß in der ganzen Menschheit als solcher das Menschlich-Individuelle zur Geltung komme. Denn nicht allein darum handelt es sich, daß die einzelnen Menschen in egoistischer Art daran denken können: wir werden Individualitäten —, sondern darum, daß die Gesamt-Menschheitsentwickelung einen solchen Verlauf nehmen soll, daß in diese Menschheitsentwickelung das Individuelle der Menschen hineinwirkt. Jedes Zeitalter, jede Epoche, die wir im Laufe der Menschheitsentwickelung verfolgen können, hat nun, je nachdem sie das eine oder das andere, wie jetzt eben die Individualität, entwickelt, diese oder jene besonderen Eigentümlichkeiten. Diese Eigentümlichkeiten werden aufgedrückt der Menschheitsentwickelung durch die Art, wie die geistigen Mächte hereinwirken in das physische Erdenleben der Menschheit. Aber gerade durch diese Abgeschlossenheit, die der einzelne Mensch darstellt jetzt, wo die Individualität herauskommen soll, wo das Ichbewußtsein sich voll entwickeln soll, wo die Bewußtseinsseele sich gewissermaßen konturieren, in sich zusammenschließen soll, werden die besonderen Eigentümlichkeiten dieser Epoche nicht so wie in früheren Epochen von der geistigen Welt heraus dirigiert, sondern es kommen da ganz besondere Dinge innerhalb der Menschheitsentwickelung zum Vorschein. Und der Mensch, der durch die Entwickelung seiner Individualität immer mehr und mehr zu seiner Freiheit erzogen wird, der muß immer mehr und mehr auch bewußt Stellung nehmen zu dem, was da herauskommt. Insbesondere handelt es sich darum, daß ein soziales Leben, aber von unserem Gesichtspunkte aus müssen wir sagen, tief innerlich begründet ein soziales Leben sich gestalten muß, trotzdem die dem sozialen Leben entgegengesetzten, starken egoistischen Kräfte der Bewußitseinsseele ja auch immer mehr und mehr herauskommen aus den Tiefen des Daseins. Auf der einen Seite sind die starken egoistischen Kräfte der Bewußtseinsseele da, auf der anderen Seite um so mehr die Notwendigkeit, auch bewußt ein soziales Leben zu begründen. Und bewußt muß man Stellung nehmen zu alledem, was fördern kann dieses soziale Zusammenleben. Wir haben schon im Laufe der Zeit von den verschiedensten Gesichtspunkten aus dargelegt, wie verschieden die ganze Stellung des westlichen Menschen, des Menschen der europäischen Mitte und des östlichen Menschen zu der ganzen Menschheitsentwickelung sich ausnimmt. Wir haben auf verschiedenes hingedeutet, das den östlichen Menschen heute eigen ist, das den Menschen der europäischen Mitte, das den westlichen Menschen eigen ist. Nun wollen wir auf eine Erscheinung hinweisen, welche uns äußerlich schon zeigen kann, wie diese Differenzierungen der Menschheit über die zivilisierte Welt hin sich ausleben.

[ 1 ] The fifteenth century ushered in an era for the civilized humanity of the Northern Hemisphere, in which the human individuality began to develop more and more in full I-consciousness. The forces which elaborate this I-consciousness will grow increasingly stronger and all the phenomena of life—of life in the broadest sense—will take place in the sign of this development of the individuality. This, however, means that what comes from the spiritual world and plays into our physical world will take such a course that, in humanity as a whole, the individual element of the human being will take on greater importance. For it is not simply a matter of individual human beings thinking in an egotistical way, 'we are individuals': it is rather a matter of the whole development of humanity taking such a course that the individual human element can work into it. Every age, every epoch, that we can trace in the course of human evolution developed some particular quality, just as now it is that of individuality. These characteristics are impressed into human evolution through the particular action of spiritual powers working into the physical life of humanity on earth. But precisely because of the separateness that we see in the individual human being today when the individuality is developing—when I-consciousness is developing fully, when the consciousness-soul is, as it were, giving itself contour, becoming integrated in itself—the special characteristics of this epoch are not directed from the spiritual world as they were in earlier epochs, and very exceptional things are making their appearance within humanity's evolution. And the human being who, through the development of his individuality is being increasingly educated for freedom, must also take up a conscious stand more and more to what results from this. Above all it is essential that a social life take shape, but a social life which, from our point of view, must have deep inner foundations. This must take shape despite the fact that the strong egoistical forces of the consciousness-soul, which are opposed to a social life, are emerging ever more strongly from the depths of existence. On the one side we have the strong egoistical forces of the consciousness-soul and, on the other, the all-the-greater necessity of founding a social life consciously. And we must take a conscious stand towards everything that can foster this social living together. We have shown in the past,1 See Die soziale Grundforderung unserer Zeit—In geänderter Zeitlage, twelve lectures, Dornach and Bern 1918, (GA 186). and from the most varied points of view, how differently the human beings of the West, the European Centre, and of the East are placed in the whole course of human evolution. We have pointed to different things that are peculiar to the human beings of the East, Central Europe and the West. And we want now to turn to a phenomenon that can already show us externally how these differentes within humanity express themselves in the civilized world.

[ 2 ] Wir wissen, daß sich entwickelt hat unter dem Einflusse der modernen naturwissenschaftlichen Denkweise im sozialen Leben ein bestimmtes Lebensanschauungselement, das insbesondere stark zum Ausdruck kommt in den breiten Massen des Proletariats, das sich heraufentwickelt hat in unserem Maschinenzeitalter, in unserem intellektuellen Zeitalter. Ich habe alles das, was dabei für die soziale Frage in Betracht kommt, in dem ersten Teil meiner «Kernpunkte der sozialen Frage» dargestellt. Ich möchte heute nur hinweisen gerade auf die Differenzierung der Anschauung breiter Menschenmassen über die soziale Frage. Da haben wir deutlich differenziert die sozialen Anschauungen, sagen wir des Proletariats, die aber dann abfärben auf andere Kreise der Menschheitsbevölkerung; da haben wir deutlich abgetönt von den anderen Menschen die Lebensanschauung in den westlichen, namentlich in den angelsächsischen Ländern. In diesen Ländern hat sich ja auch herausgebildet unter dem Einfluß des modernen Maschinenzeitalters und der Industrie jene materialistische Lebensanschauung der breiten Masse, die hier öfter charakterisiert worden ist, neben dem Materialismus oder gerade hervorgerufen durch den Materialismus der anderen Klassen der Menschheit. Aber es hat sich diese sozialistische Lebensanschauung so ausgebildet, daß sie ganz unter dem Zeichen der wirtschaftlichen Kämpfe steht, da sie ganz durchsetzt ist von wirtschaftlichen Vorstellungen, wirtschaftlichen Gedanken, Wirtschaftskämpfen, die wenig durchdrungen sind von Lebensanschauungskämpfen. Das ist die Signatur dessen, was innerhalb der sozialistischen Welt des angelsächsischen Westens vor sich geht. Weil das Wirtschaftsleben der eigentliche Charakter, der bisherige Charakter des neuzeitlichen öffentlichen Lebens überhaupt war, so gingen die Impulse des Sozialismus auch aus diesen Lebensverhältnissen des Proletariats der angelsächsischen Bevölkerung hervor.

[ 2 ] We know that, under the influence of our modern scientific way of thinking about social life, a certain view of life has been developed. This comes to expression particularly strongly in the broad masses of the proletariat which has come into being in our technological age, our intellectual age. I have presented all this, insofar as it touches the social question, in the first part of my Towards Social Renewal (Kernpunkt der sociale Frage). Today I want only to indicate the diversity of views among the broad masses of humanity concerning the social question. We have, clearly differentiated, the social views of, let us say, the proletariat, which then, however, colour other strata of the population. We have, distinct from that of other peoples, the conception of life held in die West, especially in the Anglo-Saxon countries. In these countries, under the influence of the modern technology and industry, there has also developed among the broad masses that materialistic concept of life which has often been characterized here. This arose side by side with materialism or was directly produced through the materialism of other classes. This socialist conception of life, however, developed in such a way that it stands entirely under the aegis of economic strife, for it is permeated by economic concepts, thoughts and struggles that are little penetrated by the struggle for a philosophy of life (Lebensanschauungskämpfen). This is the characteristic stamp of what is going on in the socialist world of the Anglo-Saxon West. And because the actual character of modern public life as a whole has hitherto been the economic life, it was from the economic conditions of the Anglo-Saxon proletariat that the impulses of socialism arose.

[ 3 ] Was sich zum Beispiel jetzt an Impulsen äußert in der großen Streikbewegung, das ist bedeutsam gerade für die eigentliche Charakteristik desjenigen, was sich im Westen von diesen Seiten her gestaltet. Selbst wenn scheinbar beigelegt werden könnten die Diskrepanzen, die da bestehen, es wäre nur eine scheinbare Beilegung; es werden ganz bedeutsame Wirkungen gerade von dem ausgehen, was in diesen Kämpfen an tieferen Kräften spielt. Und wenn nach der ganzen Veranlagung des Westens nicht eigentliche Lebensauffassungen sich herausentwickeln aus diesen Impulsen, so können wir doch deutlich wahrnehmen, wie auch die Lebensanschauungen, die sich bilden und innerhalb der letzten Zeit sich gebildet haben, ihren Anstoß erhalten haben von dem, was da als Impulse vorhanden ist.

[ 3 ] The impulses coming to expression in the Great Strike movement are significant precisely as a characteristic of what is taking shape in this respect in the West. Even if it seems that the discrepancies which are there could be settled, it only seems so, for such settlements would not be real; very significant effects will issue from the deeper forces playing in these conflicts. And although, by virtue of the whole make-up of the West, no genuine philosophies or concepts of life (Lebensauffassung), develop from these impulses, we can nevertheless dearly perceive how the views of life which do develop, and which have developed in recent times, have taken their incentive from the impulses present there [in the West].

[ 4 ] Karl Marx hat ja sogar, trotzdem er in Mitteleuropa geboren war, aus mitteleuropäischer Gedankenströmung hervorgegangen ist, nach England gehen müssen, um dasjenige aufzunehmen, was dort an Lebensimpulsen sich entwickelt hat. Aber er hat es zu einer Lebensanschauung umgestaltet. Es ist der Marxismus als Lebensanschauung weniger in den westlichen Gegenden selber zum äußeren Dasein gekommen; er ist zum äußeren Dasein gekommen als Lebensanschauung in der Mitte Europas. Da hat er in den Zielen der Sozialdemokratie ganz den Charakter der Lebensanschauung angenommen. Was im Westen wirtschaftliche Impulse sind, die zu wirtschaftlichen Kämpfen führen, wurde in juristisch-staatliche Vorstellungen gebannt, lebte in der Mitte Europas in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in das 20. Jahrhundert hinein als solche marxistische Lebensanschauung und ergriff die breite Masse der Menschheitsbevölkerung. Es lebte aber auch nach dem Osten hinüber, da, wo in Europa schon der Charakter des Ostlichen beginnt. Und da lebte es sich wieder in einer anderen Form aus. Wirtschaftlich im Westen, staatlich-politisch in der Mitte; im Osten nimmt es deutlich einen religiösen Charakter an. Wenn nicht noch jene Fälschung vorhanden wäre, die vorhanden war sowohl bei der Überflutung des Ostens durch Peter den Großen, wie jetzt durch Lenin und Trotzkij, wenn nicht diese Fälschung vorhanden wäre, die dadurch entsteht, daß eben dasjenige, was da als Bolschewismus sich geltend macht, fremder Import ist, so würde man noch viel deutlicher sehen, daß in diesem Bolschewismus schon heute ein starkes religiöses Element steckt, das allerdings ganz materialistisch religiös ist, das aber mit den früheren religiösen Impulsen wirkt und weiter wirken wird mit diesen früheren religiösen Impulsen, und gerade darinnen sein Furchtbares zeigen wird durch ganz Asien hindurch, daß es mit dem Furor eines religiösen Impulses wirkt. Wirtschaftlich ist im Westen der soziale Impuls, staatlich-politisch in der Mitte Europas, mit einem religiösen Furor wirkt er schon von Rußland an und nach dem Osten hin, nach Asien hinüber. Gegenüber diesen Impulsen, die da durch die Entwickelung der Menschheit ziehen, ist vieles andere höchst unbedeutend. Und wer in solchen Dingen, wie es der jetzige englische Bergarbeiterstreik ist, nicht etwas in allerintensivstem Sinne symptomatisch Bedeutsames sieht, der versteht eben durchaus nicht das Wühlen tieferer Kräfte in unserer ganzen Zeitentwickelung.

[ 4 ] In fact, Karl Marx,2 Karl Marx (1818–1883), founder of scientific capitalism. who was born in Central Europe and was nurtured in the Central European stream of thought, had to go to England in order to absorb the practical impulses (Lebensimpulse) which had developed there. He, however, transformed them into a theory, into a conception of life. And Marxism as a theory of life has found little external expression in the West. Where it has come to external expression, however, is in Central Europe. In the aims of the social democracy there, it has taken on fully the nature of a philosophy. What in the West are economic impulses leading to economic conflict, were diverted and fixed into legal-political concepts which lived then in Central Europe in the second half of the nineteenth century and on into the twentieth century as Marxist ideology and took hold of the broad masses of the population. It also found its way into the areas stretching towards the East, to those parts of Europe which begin to take on the character of the East. But here again it expressed itself in another form. Economic in the West; political in the Centre; and in the East it assumes a distinctly religious character. A distortion exists, which occurred with the inundation of the East through Peter the Great3 Peter the Great (1672–1725), Tsar of Russia.—,and now Lenin4 Lenin, actually Vladimir Ilyich Ulyanov (1870–1924). and Trotsky.5 Trotsky, actually Leib Bronstein (1879–1940). This arises because the Bolshevism making itself felt there is in fact a foreign import. If it were not for that distinction it would be far more evident that, even now, Bolshevism has a strong religious element which, however, is completely materialistic. It works through earlier religious impulses and will continue to do so. And it is precisely in this that its terrible aspect will show itself throughout all Asia, because it works with all the fervour of a religious impulse. The social impulse in the West is economic, in Central Europe is political, and works with a religious fervour eastwards from Russia over into Asia. Over and against these impulses which move through the development of humanity there is a great deal that is utterly unimportant. And anyone who does not see, in the most intense sense, something of symptomatic importance in such things as the present [1920] strike of the British miners simply has no understanding at all of the foment of deeper forces in the whole of our present development.

[ 5 ] Aber all das, was man so äußerlich schildern kann, hat seine tieferen Untergründe, und zuletzt seine tieferen Untergründe in der geistigen Welt. Es kann das neuere Menschheitsleben nur verstanden werden, wenn man diese Gliederung in ein westliches Wirtschaftliches, in ein Politisch-Staatlich- Juristisches in der Mitte Europas, und in ein religiöses Element im Osten versteht, in ein geistiges Element im Osten, das nur einen religiösen Charakter hat, das aber eigentlich das geistige Moment ist, wie es sich da im dekadenten Osten ausleben kann. Das zeigt sich so stark, daß man sagen muß: Für den Westen ist es natürlich — und das erfolgt gründlich —, daß er alles dasjenige hat, was wirtschaftlich ist; für die Mitte kann bloßes wirtschaftliches Streben deshalb keinen Erfolg haben, weil in der Mitte jedes wirtschaftliche Streben einen staatlich-politischen Charakter annimmt; im Osten Europas ist der große äußere Mißerfolg dadurch entstanden, daß durch die Traditionen Peters des Großen dasjenige, was eigentlich aus einem geistig-religiösen Impuls heraus stammt, der Panslawismus, das Slawophilentum einen politischen, staatlichen Charakter angenommen hat. Hinter diesem staatlichen Charakter, der all das Entsetzliche hervorgetrieben hat, was sich im europäischen Osten entwickelt hat, hinter diesem staatlichen Charakter, der aufgeprägt hat allem östlichen Streben seine Signatur seit Peter dem Großen, hinter alledem steht im Grunde genommen doch immer die geistige Tendenz der Fortsetzung von Byzanz, eben geistige Byzanz-Religiosität und so weiter. Selbst die einzelnen Erscheinungen des geschichtlichen Lebens, sie werden nur verständlich, wenn man sie in diesem Lichte sehen kann. Man kann sagen: In einem gewissen Maße kann alles das, was noch in Europa liegt, auch gegen Westen hin, sogar nach Frankreich hinein, zur europäischen Mitte gerechnet werden, denn charakteristisch für den Westen ist eigentlich das Angelsachsentum. Und dieses Angelsachsentum geht durchaus seinen Instinkten nach mit den in der Menschheitsentwickelung naturgemäßen Impulsen der letzten drei bis vier Jahrhunderte und weiterhin. Diese Impulse führten dahin, daß gerade im Westen am besten sich entwickeln konnte alles das, was dem sozialen Leben aufgedrängt wurde durch die moderne naturwissenschaftliche Denkweise mit ihren Errungenschaften. Diese Denkweise mit ihren Errungenschaften, zusammen mit dem Charakter des Angelsachsentums, hat die Weltherrschaft dieses Angelsachsentums begründet. Alles, was aus der modernen Naturwissenschaft heraus an glänzendem Aufschwung des Verkehrswesens, des Handelswesens, des Industriewesens gekommen ist, all das, was zu den großen Kolonisationen geführt hat, ist entstanden eben durch den Zusammenfluß der naturwissenschaftlichen Denkweise mit dem Charakter des Angelsachsentums. Und das wurde tief in den Instinkten des Westens empfunden. Man kann geradezu auf einen Knotenpunkt der modernen geschichtlichen Entwickelung hinweisen: auf das Jahr 1651, als der geniale Cromwell mit der Navigationsakte diejenige Konfiguration im englischen Seewesen und im ganzen englischen Handelswesen hervorgerufen hat, welche alles das begründet hat im Westen, was dann später gekommen ist; und man kann darauf hinweisen, wie, man möchte sagen, aus äußerlich unerklärlichen Gründen heraus, gerade als der Stern Napoleons aufging, die französische Seeschiffahrt eben den größten Mangel litt. Dasjenige, was im Westen geschieht, geschieht eben aus den gerade in der Richtung der Menschheitsentwickelung liegenden Kräften. Es geschieht aus einer ganz wirtschaftlichen Denkweise heraus, aus wirtschaftlichen Vorstellungsimpulsen heraus. Daher muß ihm unterliegen all das, was von der Mitte kommt und nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus juristisch-politisch-militärischen Gesichtspunkten heraus gedacht ist. Wir sehen geradezu als krasses Beispiel, wie aus politisch-militärischem Gesichtspunkt von dem europäischen Kontinent aus Napoleon etwas entgegenstellt dem, was aus der Navigationsakte des Cromwell hervorgegangen ist, in der Kontinentalsperre. Die Navigationsakte ist durchaus aus wirtschaftlichen Instinkten heraus gedacht und geschaffen. Die Kontinentalsperre Napoleons im Beginne des 19. Jahrhunderts ist ein politisch Gedachtes; aber ein politisch Gedachtes ist etwas, was hereinragt aus früheren Zeiten in die neuere Zeit, ist ein Antiquiertes, ist ein tatsächlicher Anachronismus. Daher kann auch dieses politisch Gedachte gegen das neuzeitlich Gedachte, aus der die Navigationsakte entspringt, nicht aufkommen. Dagegen haben im Westen, wo im Sinne der neueren Zeit wirtschaftlich gedacht wird, politische Dinge, auch wenn sie im ungünstigen Sinne als politische Dinge verlaufen, im Grunde genommen keine schädliche Wirkung.

[ 5 ] All this, however, which can be described externally in this way, has deeper causes—causes which lie ultimately in the spiritual world. The more recent life of humanity can only be understood if one understands this differentiation—a differentiation into the Western economic element, the Central European political-legal one, and the religious element—the spiritual element in the East which takes on a religious character but is actually the momentum of a decadent spirituality that still finds expression in the East. This shows itself so strongly that one must say: It is natural for the West—and this is carried out thoroughly by it—to have everything of an economic nature; purely economic aspirations can have no success in the Centre because all economic aims there assume a political character. The great outer failure in Eastern Europe has come about because, through the tradition of Peter the Great, what arises out of a spiritual-religious impulse, i.e. Pan-slavism or Slavophilism, has taken on a political character. Behind this political character, which has produced all the dreadful things that have developed in the European East and has set its characteristic stamp on all the aspirations of the East since Peter the Great, there is, fundamentally, always the spiritual tendency of Byzantium, that is spiritual Byzantine religiosity, and so on. The individual phenomena of history become comprehensible only if they can be seen in this light. One can say: To a certain extent, everything that is still in Europe—also towards the West, even into France—can be reckoned as belonging to the European Centre, for what is characteristic of the West is actually Anglo-Saxon. And, in its basic instincts, this 'Anglo-Saxondom' moves completely with the impulses that have arisen naturally within human development in the last three or four centuries. It was thus precisely in the West that these impulses could best bring about the development of all that was then forced upon the social life through the modern scientific way of thinking and all its achievements. This way of thinking and its achievements, together with the inherent nature of Anglo-Saxondom, was the foundation for the world dominion of the Anglo-Saxon. The brilliant rise of commerce, trade and industry which has come out of modern science, everything which led to the great colonizations, has arisen, in fact, through the confluence of the natural-scientific mode of thought and the character of Anglo-Saxondom. And this was sensed deep down in the instincts of die West. One can actually point to a significant moment of modern historical development, to the year 1651, when the ingenious Cromwell with his Navigation Act6 Cromwell's Magna Charta Maritima strengthened the position of the English fleet by decreeing that foreign goods could be imported only on English ships or ships of the country of origin. This measure struck a blow primarily at the Dutch hegemony in international carrying trade. brought about that configuration in English navigation and in all English trade which was the foundation for everything in the West which later arose. One can also point to how, for outwardly inexplicable reasons, French merchant shipping suffered its greatest decline just as Napoleon's star was in the ascendant. What takes place in the West takes place out of the forces lying in the actual direction of humanity's development. It takes place out of a completely economic way of thinking, out of the impulses of economic ideas. This is why everything which comes from Central Europe and is conceived not out of economic points of view, but out of political-legal-militaristic ones must succumb to them. We have a crude example of how, based an a political-military standpoint, Napoleon, with his 'Continental System',7 Napoleon's decree from Berlin on 21 November 1806 imposed the strictest blockade of the British Isles by closing the entire Continent to trade and commerce with England. tried to counteract from the European continent everything that had resulted from Cromwell's Navigation Act. This Navigation Act was conceived and created entirely out of economic instincts. Napoleon's 'Continental System' at the beginning of the nineteenth century was a political conception. But a political conception is something that projects from earlier times into the modern age—it is antiquated, is actually an anachronism. This is why this political conception could be no match for the modern conception from which the Navigation Act arose. On the other hand, in the West where thinking follows the lines of economics in the sense of the new age, political affairs, even if they take an unfavourable course, do not fundamentally.

[ 6 ] Nehmen Sie einmal die Tatsache, daß, von Europa ausgehend, Frankreich in Nordamerika kolonisiert hat. Es hat diese Kolonien verloren an England. Die Kolonien machten sich wieder frei. Das erste, das französische Kolonisieren im 18. Jahrhundert, war eine politische Tätigkeit; sie trug keine Früchte. Das englische Kolonisieren in Nordamerika war ganz aus wirtschaftlichen Impulsen heraus. Das Politische konnte wiederum zugrunde gehen. Nordamerika machte sich frei. Ein politischer Zusammenhang existierte fortan nicht. Dem wirtschaftlichen Zusammenhang wurde kein Schaden getan.

[ 6 ] Consider the fact that from Europe France colonized North America. She lost these colonies to England. The colonies freed themselves again. The first, the French colonization in the eighteenth century, was a political act and bore no fruit. The English colonization in North America was entirely out of economic impulses. The political element could be destroyed—North America freed itself and the political connection no longer existed. But the economic connections remained intact.

[ 7 ] So gliedern sich in der menschlichen Entwickelung die Dinge zusammen. Und wir können durchaus sagen: Auch in der Geschichte zeigt sich, daß wenn zwei dasselbe tun, es nicht dasselbe ist. Als Cromwell zur rechten Zeit aus wirtschaftlichen Impulsen heraus seine ja für die anderen Mächte außerordentlich tyrannische, man kann sagen, brutale Navigationsakte geschaffen hat, da war aber diese Navigationsakte aus wirtschaftlichem Denken entsprungen. Als Tirpitz innerhalb der neueren Entwickelung die deutsche Schiffahrt, die deutsche Marine schuf, da war das politisch gedacht, rein politisch, ohne jeden wirtschaftlichen Impuls, ja gegen alle wirtschaftlichen Instinkte. Heute ist das von der Erdoberfläche hinweggefegt, weil es gegen den Lauf der Menschheitsentwickelung gedacht und geplant war. Und so könnte man in bezug auf alle einzelnen Erscheinungen zeigen, wie, man möchte sagen, diese historische Dreigliederung da ist: im Osten, aber heute in der Dekadenz, etwas, was auf alte Zeiten der östlichen Entwickelung zurückweist, und was einen geistigen Charakter hat; in der Mitte etwas, was aber heute auch schon antiquiert ist, was immer mehr oder weniger annimmt die Form des Politisch-Juristisch-Militärischen, des Staatlichen; im Westen ist der Staat nur immer Dekoration, das Politische hat gar keine Bedeutung, keine wirkliche Bedeutung; da präponderiert das wirtschaftliche Denken. Während Deutschland daran zugrunde gegangen ist, daß sein Staat die Wirtschaft aufgesogen hat, daß die Industriellen, die Kommerziellen untertauchten und sich duckten unter die Macht des Staates, sehen wir, wie im Westen der Staat aufgesogen wird von dem Wirtschaftsleben, und alles überflutet ist von dem Wirtschaftsleben. Das ist äußerlich angesehen die Differenzierung über die heutige zivilisierte Welt hin. Aber das, was man so äußerlich ansehen kann, das ist schließlich im Grunde nur an die äußere Oberfläche getragen aus den Untergründen der geistigen Welt heraus. Es ist alles in der geistigen Entwickelung der neueren Zeit daraufhin angelegt, die Individualität emporzubringen, die Individualität im Westen nach westlicher Art, nach wirtschaftlicher Art; die Individualität in der Mitte nach der heute schon antiquierten staatlich-politisch-militärischen Art; die Individualität des Ostens nach antiquierter Art, nach der alten Geistigkeit, vollständig in der Dekadenz. Das muß von der geistigen Welt getragen werden. Und es wird dadurch getragen, daß sowohl im Westen wie im Osten — wollen wir zunächst von diesen zwei Gebieten reden — eine eigentümliche, tief bedeutsame Erscheinung auftritt. Es ist diese, daß außerordentlich viele Menschen, wenigstens verhältnismäßig viele Menschen geboren werden, die nicht den regelmäßigen Gang der Wiederverkörperung zeigen.

[ 7 ] Thus are things linked in human evolution. And we can safely say that history also shows that when two do the same thing it is in fact not the same. When Cromwell, at the right time and out of economic impulses, created his Navigation Act—which, for the other powers, was extraordinarily tyrannical and even, one could say, brutal—this arose nevertheless from an economic thinking. When, in modern times, Tirpitz8 Alfred von Tirpitz (1849–1930), German Admiral of the the Fleet and statesman, creator of the German naval fleet. created the German navy and merchant fleet it was conceived politically, purely politically and without any economic impulse—in fact, against all economic instincts. Today it has been wiped off the face of the earth because it was planned and conceived contrary to the course of human evolution. And thus it could be shown, with regard to all individual phenomena, how this, let us say historical threefoldness, really does exist; in the East, but in a decadent form today, something which points back to ancient times of Eastern evolution and has a spiritual character; in the Centre something which today is also antiquated and always, to a greater or lesser extent, takes an the form of the political-legal-militaristic; in the West the State is really only a decoration, the political has no real significance—what preponderates here is economic thinking. Whereas Germany has gone to pieces because the State has absorbed the economy, because industry and commerce have submerged and bowed down under the power of the State, we see in the West how the State is sucked up by the economic life and everything is flooded by the economic life. This, viewed externally, is the differentiation covering the modern civilized world. But what one can view in this way externally is, after all, basically brought to the visible surface only from the underlying depths of the spiritual world. Everything in the spiritual development of modern times is designed towards setting up the individuality—the individuality in the West in a Western way, in an economic way; the individuality of the Centre in the already antiquated political-militaristic way; the individuality of the East in an antiquated way, in accordance with the ancient spirituality that is now completely decadent. This has to be borne by the spiritual world, and it is borne by the fact that both in the West and the East—we shall consider only these two regions for the time being—a peculiar and deeply significant phenomenon is appearing. And it is this: very many people—at least relatively many—are being born who do not follow the regular course of reincarnation.

[ 8 ] Sehen Sie, deshalb ist es ja so schwierig, über ein solches Problem wie die Wiederverkörperung zu sprechen, weil man nicht in einem heute beliebten abstrakten Sinne von ihr sprechen kann, weil ein solches Problem zwar auf etwas hinweist, was eine bedeutsamste Realität in der Menschheitsentwickelung ist, was aber Ausnahmen erlaubt, und wir sehen sowohl im Osten wie im Westen — von der Mitte werden wir noch zu reden haben in diesen Tagen —, daß heute Menschen geboren werden, denen wir nicht so gegenübertreten können, daß wir sagen können: In ganz regelmäßiger Weise lebt in diesen Menschen eine Individualität, die da war in einem früheren Leben und wieder in einem früheren Leben, die da sein wird in einem späteren Leben und wieder in einem späteren Leben. — Diese Wiederverkörperungen sind zwar der regelmäßige Gang der Menschheitsentwickelung, aber sie erleiden eben Ausnahmen. Dasjenige, was uns als Mensch in Menschenform entgegentritt, muß nicht immer das sein, was der äußere Schein zeigt. Der äußere Schein kann eben Schein sein. Es können uns Menschen in Menschenform entgegentreten, die eigentlich nur dem äußeren Scheine nach solche Menschen sind, die immer wiederkommenden Erdenleben unterliegen; in Wahrheit sind das Menschenkörper mit physischem, ätherischem, astralischem Leib, aber in diesen verkörpern sich andere Wesenheiten, Wesenheiten, die sich dieser Menschen bedienen, um durch sie zu wirken. Es ist in der Tat so, daß zum Beispiel im Westen es wirklich eine große Anzahl solcher Menschen gibt, welche im Grunde genommen nicht einfach wiederverkörperte Menschen sind, sondern welche die Träger sind von Wesenheiten, die einen ausgesprochen verfrühten Entwickelungsgang zeigen, die eigentlich erst in einem späteren Entwickelungsstadium in der Menschheitsform auftreten sollten. Diese Wesenheiten benützen nun nicht den ganzen menschlichen Organismus, sondern sie benützen vorzugsweise von diesen westlichen Menschen das Stoffwechselsystem. Von den drei Gliedern der menschlichen Natur benützen sie das Stoffwechselsystem so, daß sie hereinwirken durch diese Menschen hindurch in diese physische Welt. Solche Menschen zeigen auch äußerlich schon für denjenigen, der das Leben richtig betrachten kann, daß es so mit ihnen steht. So sind zum Beispiel eine große Anzahl derjenigen Menschen, welche angelsächsischen Geheimgesellschaften angehören — die Rolle solcher Geheimgesellschaften haben wir ja in den letzten Jahren wiederholt besprochen —, so sind diese Angehörigen solcher Geheimgesellschaften, die einflußreich sind, eigentlich Träger solcher verfrühter Existenzen, die durch das Stoffwechselsystem gewisser Menschen hereinwirken in die Welt und sich ein Arbeitsfeld suchen durch die Leiber der Menschen, die nicht in regelmäßigen Wiederverkörperungen leben. Ebenso sind die tonangebenden Persönlichkeiten gewisser Sekten von solcher Art, und namentlich ist die überwiegende Zahl einer sehr verbreiteten Sekte, die großen Anhang hat im Westen, aus Menschen von dieser Art bestehend. Auf diese Weise wirkt, ich möchte sagen, eine ganz andere Geistigkeit herein in die gegenwärtigen Menschen. Und es wird eine wesentliche Aufgabe sein, Stellung nehmen zu können zum Leben von diesen Gesichtspunkten aus. Nicht sollte man in abstrakter Weise glauben, daß ausnahmslos die Menschen überall den wiederholten Erdenleben unterliegen. Das hieße dem äußeren Schein eben nicht den Charakter eines Scheins zusprechen. Auf die Wahrheit gehen, heißt, selbst in solchen Fällen noch die Wahrheit, die Wirklichkeit suchen, wo der äußere Schein so trügt, daß Wesenheiten von anderer Art, als der Mensch der Gegenwart es ist, sich in Menschengestalt verkörpern, in einem Teil vom Menschen, namentlich durch das Stoffwechselsystem; aber sie wirken dann auch im Rumpfsystem, im rhythmischen System und im Nerven-Sinnessystem. Es sind namentlich dreierlei Wesenheiten von dieser Art, die sich so durch das Stoffwechselsystem verschiedener Menschen des Westens verkörpern.

[ 8 ] You see, this is why it is so difficult to speak about such a problem as reincarnation, because one cannot speak about it in the abstract sense that is so popular nowadays. For it is a problem pointing indeed to something that is a significant reality in the evolution of humanity, but it can have exceptions. And we see how both in the East and the West—we shall have to speak of the Centre in later lectures—people are born whom we cannot regard in such a way that we can say: There lives in this person, in the completely usual way, an individuality that was there in an earlier life, and then again in a subsequent earlier life, and which will be there in a later life and again in a still later life. Such reincarnations form the regular course of human evolution, but there are exceptions. What confronts us as a human being in human form does not always have to be as it outwardly appears. The outer appearance can, in fact, be just appearance. It is possible for us to confront human beings in human form who only appear to be human beings of the kind that are subject to repeated lives on earth. In reality these are human bodies with a physical, etheric and astral body—but there are other beings incarnated here, beings who use these people in order to work through them. There are in fact a large number of people, for example in the West, who are not simply reincarnated human beings but are the bearers of beings who have taken an extremely premature path of development and who should only appear in the form of humanity at a later stage of their evolution. Now these beings do not make use of the whole human organism but use chiefly the metabolic system of these Western human beings. Of the three members of the human nature they use the metabolic system and do so in such a way that, through these human beings, they work into the physical world. For one who can observe life with a certain accuracy, people of this kind even show outwardly that this is how it is with them. Thus, for example, a large number of those individuals who belong to Anglo-Saxon secret societies and who have great influence—we have spoken on a number of occasions in past years of the roll of these secret societies9 See, et al., the lectures from 20 to 22 January 1917, Das Geheimnis des Lebens nach dem Tode in Zeitgeschichtliche Betrachtungen. Das Karma der Unwahrhaftigkeit, Zweiter Teil, twelve lectures, Dornach 1917, (GA 174); Individuelle Geistwesen und ihr Wirken in der Seek des Menschen, nine lectures in different cities, 1917, (GA 178); and Die okkulte Bewegung im neunzehnten Jahrhundert and ihre Beziehung zur Welikultur, thirteen lectures, Dornach 1915, (GA 254).—are actually the bearers of premature existences of this kind which, through the metabolic system of certain people, work into the world and seek out a field of action through human bodies and do not live in normal regular incarnations. The leading personalities of certain sects are of this nature, and the overwhelming majority of a very widespread sect that has a great following in the West is made up of individuals of this kind. In this way a completely different spirituality is working into present-day human beings and it will be an essential task to be able to take up a stand towards life from this point of view. One should not think in an abstract way that everywhere and without exception human beings are subject to repeated lives on earth. This would mean that we do not attribute to external semblance the quality of semblance. To face the truth means even in cases like these, to seek truth; to seek reality where outer appearance is so deceptive that beings other than human beings are incorporated in human form, in a part of the human being, namely in the metabolic system. But they also work in the trunk, in the rhythmic system and in the sensory-nervous system. There are in fact three kinds of beings of this nature who incarnate in this way through the metabolic system of different people of the West.

[ 9 ] Die erste Art sind solche Geister, welche eine besondere Anziehungskraft haben zu dem, was gewissermaßen die elementarischen Kräfte der Erde sind, die einen Hang, eine Affektion haben zu den elementaren Kräften der Erde, die also aufspüren können: Wie ist da eine Kolonisation zu betreiben nach den Naturverhältnissen des Klimas und den sonstigen Verhältnissen der Erde, oder wie ist dort eine Handelsverbindung anzuknüpfen und so weiter.

[ 9 ] The first kind of beings are beings that have a particular attraction to what, in a sense, are the elemental forces of the earth; that have an inclination towards, a feeling for the elemental forces of the earth and are thus able to sense how, in any particular place, colonization could be carried out in accordance with the conditions of the climate and any other conditions of the earth, or how a trading connection can be established there, and so on.

[ 10 ] Eine zweite Art von diesen Geistern sind diejenigen, welche sich namentlich zur Aufgabe setzen, innerhalb des Gebietes, auf dem sie wirken, das Selbstbewußtsein zurückzudrängen, das volle Bewußtsein der Bewußtseinsseele nicht herauskommen zu lassen und dadurch auch in der Umgebung bei den anderen Menschen, unter denen sich epidemisch so etwas ausbreitet, eine gewisse Sucht hervorzurufen, nicht sich über die wahren Motive ihrer Handlungen Rechenschaft zu geben. Man könnte sagen, solch ein durch und durch unwahrer Bericht oder solch ein durch und durch unwahres Dokument wie dasjenige der Oxforder Professoren, das in den letzten Tagen an die Öffentlichkeit getreten ist, solch ein durch und durch, ich möchte sagen, töricht verlogenes Dokument, das möchte man zur Schülerschaft dieses unwahren Elementes rechnen, das nicht auf die eigentlichen Impulse gehen will, sondern oben über diese Impulse eine Sauce darüber macht und schöne Worte prägt, während darunter im Grunde genommen nichts ist als unwahre Impulse. Dadurch behaupte ich nicht, daß diese an sich vielleicht ganz braven Oxforder Professoren — ich mute ihnen nicht großartige ahrimanische Impulse zu —, daß diese Professoren selbst Träger solcher verfrühten Wesen sind; aber die Schülerhaftigkeit gegenüber solchen Wesen liegt in ihnen. Also diese letzteren Wesen, die inkarnieren sich namentlich durch das rhythmische System gewisser Menschen im Westen.

[ 10 ] The second kind of spirits of this nature are those that set themselves the task within their sphere of action of suppressing consciousness of self, of preventing full consciousness of the consciousness-soul from emerging, and thus produce in other people around them, amongst whom something like this spreads like an epidemic, a certain desire not to call themselves to account concerning the real motives behind their actions. One could say that such an utterly untrue report, or such an utterly untrue document, as the one by the Oxford professors that has been published in the last few days10In October 1920, professors and doctors of Oxford University sent an appeal to the professors of art and science in Germany and Austria, in order, as it says there, '...to remove the bitter enmity that has arisen under the influence of patriotism...' and to find a reconciliation through the 'brotherly feelings of study'—article entitled Die Völkeruersühnung (The Reconciliation of Peoples) in the Basel Nationalzeitung of 20 October 1920.—such an utterly, even absurdly, untruthful document—must be accounted to the pupilship of this untruthful element which does not wish to look into the real impulses, but glosses over them; uses beautiful words, and all the while there is beneath it nothing, basically, but untruthful impulses. I am not suggesting here that these Oxford professors—who are probably perfectly upright men in themselves (I do not impute strong Ahrimanic impulses to them)—are themselves bearers of such premature beings; but the pupilship to such beings lies within them. These [second kind of] beings, therefore, incarnate through the rhythmic system of certain people in the West.

[ 11 ] Die dritte Gattung von Wesen, die da wirkt im Westen, das ist diejenige, welche sich zur Aufgabe macht, vergessen zu machen im Menschen, was seine individuellen Fähigkeiten sind — diejenigen Fähigkeiten, die wir aus den geistigen Welten mitbringen, wenn wir durch die Empfängnis und die Geburt ins physische Dasein schreiten — und den Menschen gewissermaßen mehr oder weniger zur Schablone seiner Nationalität zu machen. Das stellt sich diese dritte Art von Wesen zur besonderen Aufgabe: nicht den Menschen zur individuellen Geistigkeit kommen zu lassen.

[ 11 ] The third kind of beings that work in the West are those which make it their task to cause the individual abilities in the human being to be forgotten—those abilities which we bring with us from the spiritual worlds when, through conception and birth, we come into physical existence—and to turn human beings more or less into a stereotyped replica of their nation. This is what this third kind of being gives itself as its special task: to prevent the human being from coming to individual spirituality.

[ 12 ] Während also die erste Art von Wesen Affektionen hat zum Elementaren des Erdbodens, des Klimas und so weiter, hat die zweite Art von Wesen besondere Neigung, ein gewisses oberflächliches, unwahres Element zu züchten, und die dritte Art von Wesen, die individuellen Fähigkeiten auszurotten und die Menschen mehr oder weniger zur Schablone, zum Abdruck ihrer Nationalität, ihrer Rasse zu machen. Diese letztere Art von Wesen inkarniert sich im Westen namentlich durch das Hauptessystem, durch das Nerven-Sinnessystem. Da haben wir dasjenige, was wir äußerlich betrachtet haben von verschiedenen Seiten her als Charakteristikum gerade der westlichen Menschenwelt, da haben wir es dadurch charakterisiert, daß wir, ich möchte sagen, kennenlernen eine größere Anzahl von Menschen, die in Geheimgesellschaften, in Sekten und ähnlichem eingestreut sind, deren Menschheit aber darinnen besteht, daß bei ihnen nicht einfach Wiederverkörperungen vorliegen, sondern daß eine Art von Verkörperung vorliegt von Wesenheiten, die verfrüht sind in ihrer Entwickelung auf der Erde hier, die daher besondere Schülerschaften erzeugen, respektive epidemisch ihre besonderen Eigentümlichkeiten auf die anderen Menschen ausstrahlen. Diese drei verschiedenen Wesen wirken durchaus durch Menschen, und wir verstehen Menschencharaktere nur, wenn wir das, was ich jetzt gesagt habe, wissen, wenn man weiß: Dasjenige, was im öffentlichen Leben lebt, läßt sich nicht bloß so, wie es der Philister will, erklären, sondern es muß erklärt werden durch das Hereinragen solcher geistiger Kräfte.

[ 12 ] So, while the first kind of beings had an affinity with the elemental nature of the ground of the earth, of the climate and so on, the second kind has a particular tendency to breed a certain superficial, untruthful element, and the third type of being the tendency to root out individual abilities and to turn people more or less into a stereotype, a copy of their nation, their race. This last class of beings incarnates in the West through the head system, through the sensory-nervous system. Thus we have here, observed from different angles, the characteristic of the Western world. We have characterized it, if I may put it so, by getting to know a fairly large number of people who are scattered in secret societies, in sects and the like, but whose humanity is constituted in the fact that it is not simply a matter of repeated incarnations, but the incarnation, in a way, of beings who in their development are prematurely here an the earth and who, therefore, attract particular followers or radiate like an epidemic their own exceptional qualities onto other human beings. These three different types of beings do indeed work through human beings and we understand human character only if we know what I have just related—if we know that what lives in public life cannot be simply explained superficially but has to be explained in terms of the intrusion of spiritual forces of this kind.

[ 13 ] Daß gerade diese drei Arten von Kräften, von Wesen auf dieser besonderen Entwickelungsstufe da im Westen durch Menschen zum Vorschein kommen, das wird begünstigt eben dadurch, daß diesem Westen auferlegt ist, die ganz besondere wirtschaftliche Denkweise zu entwickeln. Ich möchte sagen, das Wirtschaftsleben ist der Grund und Boden, aus dem so etwas aufschießen kann. Und was stellen sich eigentlich im großen und ganzen, in Totalität diese Wesenheiten für eine Aufgabe?

[ 13 ] The appearance in Western human beings of these three kinds of forces, of beings at this particular stage of development, is encouraged by the fact that it is given to the West to develop a specifically economic way of thinking. The economic life is, as it were, the ground and soil from which something like this can spring up. And what then, in total, is the task these beings have set themselves?

[ 14 ] Sie stellen sich die Aufgabe, das ganze Leben als bloßes Wirtschaftsleben zu erhalten, auszurotten allmählich alles andere, was von geistigem Leben da ist, das ja gerade da, wo es am regsten ist, in die Abstraktheit des Puritanismus zusammengeschrumpft ist, auszurotten das geistige Leben, allmählich zu verstumpfen das politisch-staatliche Leben und alles aufzusaugen durch das Wirtschaftsleben. Im Westen sind diese Menschen, die in einer solchen Weise in die Welt treten, die eigentlichen Feinde und Gegner des Dreigliederungsimpulses. Die erste Art von Wesen läßt nicht heraufkommen ein solches Wirtschaftsleben, das sich als ein selbständiges hinstellt neben das staatlich-rechtliche und neben das geistige Glied des sozialen Organismus. Die zweite Art von Wesen, die sich vorzugsweise die Oberflächlichkeit, das Phrasentum, die Lügenhaftigkeit zur Aufgabe macht, die will nicht aufkommen lassen neben dem Wirtschaftsleben ein selbständiges demokratisches Staatsleben. Und die dritte Art von Wesenheiten, welche die individuellen Fähigkeiten unterdrückt, welche nicht will, daß der Mensch etwas anderes ist als eine Art Schablone seiner Rasse, seiner Nationalität, die arbeitet entgegen der Emanzipation des Geisteslebens, der selbständigen Stellung des Geisteslebens.

[ 14 ] They have set themselves the task of keeping life as a whole restricted to the mere life of economics. They seek gradually to root out everything else—everything of the spiritual life which even where it is most active, has shrunk into the abstractness of Puritanism—to root out spiritual life, to chip away the political life and to absorb everything into the life of economics. In the West the people who come into the world in this way are the real enemies and opponents of the threefold impulse. The beings of the first type prevent die emergence of an economic life that stands as an independent entity alongside the political-legal and spiritual facets of the social organism. The beings of the second type, who make superficiality, phrase-mongering and untruthfulness their task, seek to prevent the establishing, alongside the economic life, of an independent democratic life of the State. And the third kind of being those that suppress the individual abilities of the human being and do not want the human being to be anything other than a kind of stereotype of his race, his nation—work against the emancipation and independence of the spiritual life.

[ 15 ] So sind da solche Mächte, welche in dieser Weise im Westen entgegenarbeiten dem Impuls des dreigliedrigen sozialen Organismus. Und derjenige, der in tieferem Sinne arbeiten will für die Ausbreitung dieses Impulses der Dreigliederung, der muß sich klar sein darüber, daß er nicht anders kann, als auch zu rechnen mit solchen geistigen Faktoren, die in der Menschheitsentwickelung vorhanden sind. Es stehen ja denjenigen Mächten, an die man appellieren muß, wenn man irgend etwas in die Menschheitsentwickelung einführen will, nicht bloß solche Dinge gegenüber, die der steife Philister bemerkt, sondern es stehen ihnen Dinge gegenüber, die sich nur einer Geist-Erkenntnis erschließen. Was hilft es denn, daß in der Gegenwart die Menschen das als einen Aberglauben betrachten und nicht davon hören mögen, wenn gesprochen wird von solchen durch die Menschen hereinragenden geistigen Wesenheiten? Sie sind ja doch da, diese geistigen Wesenheiten! Und wer nicht mit nur schlafender Seele das Leben verfolgen will, sondern mit wacher Seele, der kann überall die Wirkungen dieser Wesenheiten schauen. Wollte man nur aus dem Vorhandensein der Wirkungen sich ein wenig überzeugen lassen von dem Dasein der Ursachen! Das ist zunächst die Charakteristik nach dem Westen hin. Der Westen gestaltet sich so, weil er eben ganz in der allerelementarsten Äußerungsform der gegenwärtigen Epoche lebt, in dem wirtschaftlichen Vorstellen, dem wirtschaftlichen Denken.

[ 15 ] Thus in the West there are such forces which work in this way against the impulse of the threefold social organism. And anyone who, in a deeper sense, wishes to work for the spread of this threefold impulse must be aware that he has also to take into account spiritual factors like these that are present in human evolution. Indeed the powers on which one must call when one wants to bring something new into the development of humanity are faced not only with the things that any hard-headed philistine notices but also with things that are only laid open to a spiritual knowledge. What use is it when people of today regard this as superstition and do not want to hear that such spiritual beings intrude through human beings? They are nevertheless there, these spiritual beings! And anyone who does not merely want to go through life with a sleeping soul, but with a fully awake soul, can observe the influences of these beings everywhere. If only, from the presence of the effects, people would allow themselves to be convinced a little of the existence of the causes! This is the characteristic we find when looking towards the West. The West takes on this form because it lives completely in the most fundamental expression of the present epoch—in economic concepts, economic thinking.

[ 16 ] Der Osten hatte einstmals ein grandioses Geistesleben. Alle Geistigkeit, mit Ausnahme dessen, was angestrebt wird in der Anthroposophie und was neu sich gestalten will, alle Geistigkeit der zivilisierten Welt ist ja im Grunde genommen Erbstück des Ostens. Aber die eigentliche Glorie dieses religiös-geistigen Lebens war im Osten eben in sehr alten Zeiten vorhanden. Und heute ist gerade der östliche Mensch bis herein nach Rußland in einem merkwürdigen Zwiespalt, weil er auf der einen Seite noch aus seinem Erbe heraus in dem alten spirituellen Elemente lebt, und weil auf der anderen Seite auch auf ihn wirkt dasjenige, was aus der gegenwärtigen Epoche der Menschheitsentwickelung kommt, das Drängen zur Individualität hin. Das bedingt, daß im Osten eine starke Dekadenz der Menschheit ist, daß gewissermaßen der Mensch nicht Vollmensch werden kann, daß ihm noch im Nacken sitzt, diesem östlichen Menschen bis herein nach Rußland, was geistiges Erbe uralter Zeiten ist. Und das bedingt, daß dieser östliche Mensch heute dann, wenn sein Bewußtsein herabgestimmt ist, wenn er im Schlaf- oder Traumzustand ist, oder in irgendeinen da im Osten so unendlich häufigen medialen Zustand kommt, daß er dann zwar nicht imprägniert wird, wie im Westen, mit einer ganz anderen Wesenheit, daß aber diese Wesenheit hereinwirkt in sein Seelisches, daß ihm gewissermaßen diese anderen Wesenheiten erscheinen. Während es im Westen verfrühte Wesenheiten von drei Gattungen sind, die ich aufgezählt habe, die da wirken, sind es im Osten verspätete Wesenheiten, die ihre Vollkommenheit früher gehabt haben, die zurückgeblieben sind, und die jetzt den Menschen des Ostens in medialem Zustande, im Traume erscheinen, oder auch über sie kommen ohne Traum, ohne medialen Einfluß, einfach dadurch, daß sie in den Schlaf hineinkommen, und der Mensch dann im wachen Zustande die Inspiration solcher Wesenheiten in sich trägt, also gewissermaßen bei Tag von den Nachwirkungen solcher Wesenheiten, die über ihn in der Nacht kommen, inspiriert ist.

[ 16 ] The East had once a grand and lofty life of spirit. All spirituality—with the exception of what is striven for in Anthroposophy and is trying to give itself new form—all spirituality of the civilized world is, in actual fact, a legacy of the East. But the real glory of this religious-spiritual life was present in the East only in ancient times. And today the Eastern human being, even in Russia, finds himself in a strange disharmony because on the one hand he still lives in the ancient spiritual element of his heritage and, on the other, there is also working in him that which comes out of the present epoch of human development; namely the training towards becoming an individuality. This brings about a situation such that, in the East, there is a strong decadence in humanity; that, in a sense, the human being cannot become a full human being; that hard on the heels of this Eastern human being, as far west as Russia, is the spiritual heritage of ancient times. And this has the effect that when today the consciousness of this Eastern human being is lowered, when he is in a condition of sleep or dreaming, or in some kind of mediumistic trance state which is so very frequent in the East, he is then, indeed, not entirely impregnated by another being as in the West, but this being works into his soul nature; these beings, as it were, appear to him. Whereas in the West it is premature beings of three kinds that are at work (which I have ennumerated), in the East it is retarded beings, beings that have remained behind from an earlier evolutionary stage of perfection and who now appear to human beings of the East in a mediumistic state, in dreams, or simply during sleep, so that the human being in a waking state then bears within him the inspirations of such beings; is inspired during the day by the after-effects of beings of this kind who come over him during the night.

[ 17 ] Und wiederum sind es dreierlei Arten von Wesenheiten, die da im Osten wirken, und die wiederum einen starken Einfluß haben. Während man im Westen direkt auf einzelne Menschen zeigen muß, durch welche sich diese Wesen inkarnieren, muß man im Osten hinweisen auf eine Art von Hierarchie, die den verschiedensten Menschen erscheinen kann. Wiederum dreierlei Wesenheiten, aber es sind keine Wesenheiten, die durch die Menschen sich inkarnieren, sondern es sind Wesenheiten, die dem Menschen erscheinen, die den Menschen auch inspirieren vom Nachtschlaf aus.

[ 17 ] And here again there are three types of beings working in the East who likewise have a great influence. Whereas in the West one has to draw attention to individual human beings through whom these beings incarnate, in the East one must point to a kind of hierarchy that can appear to the most varied people. Again it is three types of beings; not, however, beings that incarnate through people but beings that appear to people and also inspire them during sleep at night.

[ 18 ] Die erste Art dieser Wesenheiten ist die, welche den Menschen hindert, vollen Besitz zu nehmen von seinem physischen Leib, die den Menschen hindert, sich zu verbinden mit dem Wirtschaftlichen, mit den öffentlichen Verhältnissen der Gegenwart überhaupt. Das sind die Wesenheiten, welche zurückhalten wollen im Osten das wirtschaftliche Leben, so wie man es im dreigliedrigen sozialen Organismus braucht.

[ 18 ] The first type of these beings prevents the human being from taking full possession of his physical body, hinders him from finding a connection with the economic element, with the public conditions of the present-day in general. These are the beings who seek in the East to hold back the economic life as it is needed in the threefold social order.

[ 19 ] Die zweite Art von Wesenheiten sind diejenigen, welche ein bereits überindividuelles Wesen hervorbringen, eine Art von — wenn ich das paradoxe Wort gebrauchen darf — unegoistischem Egoismus, der um so raffinierter ist, wie er ja insbesondere bei den Menschen des Ostens so sehr häufig angetroffen wird, die alles mögliche Selbstlose sich von sich selber einbilden, welche Selbstlosigkeit aber gerade eine besonders raffinierte Selbstsucht, ein besonders raffinierter Egoismus ist. Sie wollen ganz gut sein, sie wollen so gut sein, als man nur sein kann. Das ist auch ein egoistisches Gefühl. Das ist etwas, was durchaus eben mit dem Paradoxon bezeichnet werden kann: ein unegoistischer Egoismus, ein aus der eingebildeten Selbstlosigkeit hervorgetriebener Egoismus.

[ 19 ] The second type of beings are those that produce over-individualization—a kind of, if I may put it so paradoxically, unegoistic egoism. This is all the more subtle in the way it is so frequently found in people, particularly of the East, who fancifully attribute to themselves all possible selflessness—a selflessness which, however, is in fact a particularly subtle form of self-seeking, a particulary subtle egoism. They want to be absolutely good, they want to be as good as it is ever possible to be. This, too, is an egoistic sentiment. This is something that can be called, paradoxically, an unegoistic egoism, an egoism arising from an imagined selflessness.

[ 20 ] Die dritte Art von Wesenheiten, welche auf die geschilderte Weise den Menschen des Ostens erscheinen, das sind diejenigen Wesen, welche das geistige Leben abhalten von der Erde, welche gewissermaßen eine dumpfe mystische Atmosphäre unter den Menschen ausbreiten, wie sie im Osten in der heutigen Zeit besonders gefunden werden kann. Wiederum sind diese drei Gattungen von Wesenheiten, die aber jetzt aus der geistigen Welt herunterwirken, sich nicht in Menschen inkarnieren, die Feinde des dreigliedrigen sozialen Organismus. So daß der Dreigliederungsimpuls eingeschnürt wird von geistiger Seite vom Osten her, von menschlicher Seite auf die geschilderte Weise vom Westen her. Da sehen wir also dasjenige, was der Differenzierung zugrunde liegt von geistigen Untergründen her.

[ 20 ] The third type of being that appears, in the way described, to human beings of the East are those beings that hold back the spiritual life from the earth; that spread, as it were, a dull mystical atmosphere over human beings, as can be found so frequently today, particularly in the East. And again, these three types of spiritual beings, which work down from the spiritual world and do not incarnate into human beings, are the enemies of the threefold social organism. In this way the threefold impulse is hemmed in from the spiritual side in the East and from the human side, as described, in the West. Thus we see here the spiritual foundations underlying the differen-tiation.

[ 21 ] Wir werden dazu noch hinzuzufügen haben dasjenige, was von der europäischen Mitte aus als feindlich der Dreigliederung zugrunde liegt, damit wir allmählich auch vom geistigen Gesichtspunkte aus eine Vorstellung darüber gewinnen, wie man sich ausrüsten muß, damit die Dreigliederungsidee den widerstrebenden Mächten — ob diese nun von der geistigen Welt, wie im Osten, ob sie von Menschen, wie im Westen, oder auf noch andere Art, wie ich es morgen schildern werde, von der Mitte Europas ausgehen — wirklich einen Impuls entgegenbringen kann, der so notwendig wie nur irgend etwas für die Menschheitsentwickelung ist. Wie man sich diesen Dingen gegenüber zu verhalten hat, darüber muß man mit Gedanken ausgerüstet sein.

[ 21 ] We still have to add to this what is hostile to the threefolding in the European Centre so that, from a spiritual point of view, we gradually gain an idea of how one must equip oneself in order that the opposing powers—whether from the spiritual world, as in the East, or from human beings, as in the West, or from the Centre of Europe, in a way which I shall relate tomorrow—can be met by the threefold idea with an impulse that is of the greatest conceivable importance for humanity's evolution. And in order to know how one must act with regard to these things one must be equipped with an armour of thoughts.