Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit
und dem Physischen des Menschen
Die Suche nach der neuen Isis,
der göttlichen Sophia
GA 202
17 Dezember 1920, Dornach
Zehnter Vortrag
[ 1 ] Ich möchte heute eine Betrachtung einschieben, die Ihnen vielleicht etwas entlegen erscheinen könnte, die aber doch eben als eine eingeschobene von Bedeutung sein wird für den Fortgang der Auseinandersetzungen, die wir in dieser Zeit pflegen. Wir haben ja im Laufe der Zeit die verschiedensten Bestandteile zusammengetragen, die notwendig sind zur Erkenntnis des Menschen. Wir sind jetzt daran, den Menschen nach und nach einzureihen auf der einen Seite in das kosmische Leben, auf der anderen Seite in das soziale Leben. Dazu ist nun eben notwendig, daß wir heute auf einiges aufmerksam machen, das zum Verständnis der menschlichen Wesenheit doch beitragen kann. Wenn man im Sinne der heutigen wissenschaftlichen Richtung den Menschen betrachtet, so betrachtet man im Grunde genommen nur einen Teil der menschlichen Wesenheit. Das geht ja schon daraus hervor, daß eben gar nicht berücksichtigt wird, daß der Mensch außer seinem physischen Leib noch höhere Glieder seiner Wesenheit hat. Aber davon wollen wir zunächst heute einmal ganz absehen. Wir wollen ins Auge fassen, was mehr oder weniger auf der einen Seite von den wissenschaftlichen Bestrebungen anerkannt wird, was aber auf der anderen Seite doch auch schon in das populäre Bewußtsein eingegangen ist. Man betrachtet eigentlich den Menschen so, daß man nur dasjenige zu seiner Organisation zählt, was man sich in irgendeiner Weise fest oder fest-flüssig vorstellen kann. Gewiß, man betrachtet das Flüssige, das Luftförmige als in den Menschen einziehend und ausziehend, aber man betrachtet es nicht so, als ob es selber ein Glied der menschlichen Organisation sei. Die Wärme, die der Mensch so in sich hat, daß sie eine höhere Wärme als seine Umgebung ist, die betrachtet man als einen Zustand des menschlichen Organismus, aber man betrachtet sie nicht eigentlich als ein Glied der Organisation. Wir werden gleich sehen im genaueren, was mit dem gemeint ist, was ich eben vorgebracht habe.
[ 2 ] Wenn man — ich habe Sie schon einmal aufmerksam darauf gemacht das Aufundabwogen des Gehirnwassers durch den Rückenmarkskanal ins Auge faßt, so sieht man, wie durch die Einatmung und Ausatmung eine regelmäßige Oszillationsbewegung, eine schwingende Bewegung des Gehirnwassers von unten nach oben, von oben nach unten stattfindet, wie das Gehirnwasser bei der Einatmung nach aufwärts getrieben wird, anschlägt gewissermaßen an die Gehirnorganisation, wie es wiederum sinkt bei der Ausatmung. So etwas, was da vorgeht innerhalb der rein flüssigen Einschlüsse des menschlichen Organismus, das betrachtet man nicht mit als zur Organisation selbst gehörig. Man stellt sich mehr oder weniger vor, der Mensch bestünde eben als physische Organisation aus dem, was man als mehr oder weniger feste oder höchstens fest-flüssiige Teile, Substanzen in ihm findet.
[ 3 ] Wenn ich schematisch zeichnen soll (siehe Zeichnung): Man stelle sich vor, daß der Mensch eben aus diesen Substanzen besteht, die man mehr oder weniger als feste findet, Knochensubstanzen und so weiter, also man stellt sich den Menschen vor als gewissermaßen ein aufgebautes Gerüste (weiß). Das andere, was da im Menschen eigentlich Flüssiges ist, wie ich es an dem Beispiel des Gehirnwassers gezeigt habe, was Luftförmiges ist, das betrachtet man, insofern man Anatomie und Physiologie treibt, nicht als zur menschlichen Organisation gehörig. Man sagt sich: Ja, der Mensch zieht die Luft ein, sie macht gewisse Wege in ihm, sie hat auch gewisse Aufgaben. Sie wird wieder ausgeatmet. Man spricht vom Wärmezustand des Menschen, aber man betrachtet im Grunde doch nur das Feste als das Organisierende, und man sieht nicht hin darauf, daß man außer dem, daß man dieses feste Gerüste hat, den ganzen Menschen auch als eine Flüssigkeit, sagen wir, zunächst Flüssigkeitssäule (siehe Zeichnung, blau, T) zu sehen hat, daß der ganze Mensch durchsetzt ist mit Luft (rot, II) und daß er durch und durch einen gewissen Wärmezustand hat (gelb, III). Aber einer genaueren Betrachtung gegenüber ergibt sich doch, daß man ebenso, wie man das Feste oder Fest-flüssige als einen Teil, als ein Glied der menschlichen Organisation anzusehen hat, man auch dasjenige, was der Mensch als direkte Flüssigkeit in sich hat, nicht als eine gleichgültige flüssige Masse, sondern als in Organisation, wenn auch fluktuierender, aber doch in Organisation begriffen sich zu denken hat, und daß diese Organisation, das Flüssige, ebenso etwas bedeutet wie die Organisation des Festen.
[ 4 ] Man hat also neben dem gewissermaßen festen Menschen den Flüssigkeitsmenschen ins Auge zu fassen, und man hat außerdem den Luftmenschen ins Auge zu fassen. Denn, was wir als Luft in uns tragen, ist in bezug auf seine Gliederung, in bezug auf seine Teile geradeso ein Organismus, wie der feste Organismus ein Organismus ist, nur ist dieser Organismus luftförmig und in Bewegung. Und endlich dasjenige, was wir als Wärme in uns tragen, das ist nicht etwa eine gleichförmige, über den Menschen sich ausbreitende Wärmeräumlichkeit, sondern das ist ebenfalls in seinen Feinheiten organisiert wie der feste, der flüssige, der gasförmige oder luftförmige Organismus. Nun kommt man aber sogleich darauf, daß in dem Augenblicke, wo man von dem flüssigen Organismus spricht, der gewissermaßen in demselben Raume ist, der als ein flüssiger Organismus eben denselben Raum ausfüllt wie der feste Organismus, man von diesem flüssigen Organismus nicht sprechen kann, ohne daß man, so wie der Mensch gegenwärtig als Erdenmensch ist, spricht von dem diesen Flüssigkeitsorganismus durchziehenden, durchkraftenden Ätherleib. Der physische Organismus ist zunächst für sich, es ist der physische Leib; insofern wir ihn in seiner Vollständigkeit betrachten, betrachten wir ihn zunächst als festen Organismus. Da haben wir es zunächst mit dem eigentlichen physischen Leib zu tun.
[ 5 ] Dann betrachten wir zweitens den flüssigen Organismus, der natürlich nicht so untersucht werden kann wie der feste Organismus, daß man ihn mit dem Messer untersucht, sondern der aufgefaßt werden muß als ein in sich beweglicher Organismus, ein flüssiger Organismus. Ihn können wir nicht betrachten, ohne daß wir ihn durchzogen denken vom Ätherleib.
[ 6 ] Drittens haben wir den luftförmigen Organismus. Ihn können wir nicht betrachten, ohne daß wir ihn durchkraftet uns denken von dem astralischen Leib. Und endlich viertens in sich ganz differenziert ist der Wärmeorganismus. Ihn können wir nicht betrachten, ohne daß wir ihn durchkraftet finden mit dem Ich. Das ist so, wie der Mensch heute ist als Erdenmensch.
Wir haben also:
Physischer Organismus = Physischer Leib
Der Mensch anders betrachtet:
1. Fester Organismus = Physischer Leib
2. Flüssiger Organismus = Ätherleib
3. Luftförmiger Organismus = Astralleib
4. Wärmeorganismus = Ich
[ 7 ] Eine Folge davon ist, daß wir uns über etwas klar werden: Betrachten wir zum Beispiel das Blut. Insofern ein Hauptbestandteil von ihm im wesentlichen flüssig ist, so haben wir, insofern dieses Blut dem flüssigen Organismus gehört, in dem Blute den das Blut durchkraftenden Ätherleib. Nun aber haben wir außerdem in diesem Blute dasjenige, was wir sonst nur den Wärmezustand nennen. Aber das ist eine Organisation, die keineswegs mit der Organisation des flüssigen Blutes als solchem zusammenfällt. Und würde man das untersuchen — und dazu kann es durchaus, wenn man einmal darauf ausgeht, auch physische Methoden der Untersuchung geben —, so würde man finden, daß, indem man einfach die Wärmezustände in den verschiedensten Partien des menschlichen Organismus registriert, das nicht zusammenfällt mit der flüssigen oder irgend sonst einer Organisation.
[ 8 ] Nun, in dem Augenblicke, wo man den Menschen in dieser Weise betrachtet, wird man aber sehen, daß man bei dieser menschlichen Betrachtung nicht innerhalb des menschlichen Organismus selber stehenbleiben kann. Man kann allenfalls innerhalb des menschlichen Organismus stehenbleiben, wenn man den bloßen festen Organismus betrachtet. Der gibt ein gewisses abgeschlossenes Gebilde, durch die Haut nach außen abgeschlossen. Allerdings ist das auch nur scheinbar, denn der Mensch betrachtet dasjenige, was ihm als Festes gegenübertritt, so, als ob es ein in sich abgeschlossener fester Klotz wäre. Das Feste ist aber in sich auch differenziert und steht vor allen Dingen in den verschiedensten Beziehungen zu der gesamten übrigen festen Körperlichkeit. Wir haben ja als Nächstliegendes zu beachten, daß die verschiedenen festen Substanzen zum Beispiel verschieden schwer sind, und schon daraus kann ersehen werden, wie dasjenige, was im menschlichen Organismus ist, dadurch, daß es verschieden schwer ist, verschiedenes spezifisches Gewicht hat, in einer ganz verschiedenen Weise gewissermaßen lastet im Menschen. Dadurch steht der Mensch mit Bezug auf seine physische Organisation in Beziehung zur ganzen Erde. Aber immerhin kann man, dem äußeren Augenscheine nach wenigstens, diese physische Organisation räumlich abgrenzen.
[ 9 ] Anders steht die Sache schon bei der Organisation, die wir als die zweite, vom Ätherleib durchkraftete anerkennen, die flüssige Organisation. Diese flüssige Organisation, sie ist ja so, daß sie nun nicht mehr in einer so strengen Weise abgegrenzt werden kann von der Umgebung. Was flüssig ist in irgendeinem Raumteil, das grenzt an das übrige Flüssige an. Und wenn auch zunächst das Flüssige als solches in unserer Außenwelt nur in verdünntem Zustande vorhanden ist, so ist doch eine feste Grenze zwischen dem im Inneren des Menschen befindlichen Flüssigen und dem außerhalb des Menschen befindlichen Flüssigen nicht mehr in so strenger Weise anzugeben wie beim festen Organismus. So daß wir da schon genötigt sind, die Grenze zwischen dem menschlichen flüssigen Inneren und dem physischen Äußeren in einer gewissen Weise verschwimmen zu lassen.
[ 10 ] Noch deutlicher wird das, wenn wir den luftförmigen Organismus, der vom astralischen Leibe durchkraftet ist, ins Auge fassen. Was wir als Luft in uns tragen in einem bestimmten Zeitpunkte, das war ja kurz vorher draußen und wird kurz nachher wiederum draußen sein. Wir stehen in einem fortwährenden Einnehmen und Ausgeben dessen, was da als Luftförmiges in uns ist. Wir können gewissermaßen nur die Luft, die unsere Erde umgibt, als solche in Betracht ziehen und können sagen: sie schiebt sich vor in unseren Organismus, nimmt sich wiederum zurück; aber indem sie sich vorschiebt in unseren Organismus, wird sie unsere Organisation. Wir haben da in dem, was unsere Luftorganisation wird, eigentlich fortwährend einen Organismus, der sich aufbaut aus der ganzen Atmosphäre heraus und wiederum in diese Atmosphäre zurücktritt. Es ist ja tatsächlich so, daß in uns etwas aufgebaut wird bei jedem Einatmungsprozesse, oder wenigstens daß ein Aufbau modifiziert wird bei jedem Einatmungsprozesse. Und ebenso ist ein Abbau, ein teilweiser Abbau wenigstens, bei jedem Ausatmungsprozesse vorhanden. Wir können sagen: In einer gewissen Weise wird unser luftförmiger Organismus mit jedem Atemzuge verändert, nicht gerade neugeboren, aber verändert, ebenso beim Einatmen wie beim Ausatmen. Beim letzteren stirbt er natürlich auch nicht, er verändert sich nur, aber es findet eine fortwährende Wechselbeziehung statt zwischen dem, was wir als luftförmigen Organismus in uns haben, und dem, was die äußere Luft ist. Was man gewöhnlich in den trivialen Vorstellungen als die menschliche Organisation ins Auge faßt, das kann man nur dadurch so, wie man es tut, ins Auge fassen, daß man eben nicht in Betracht zieht, wie der luftförmige Organismus eigentlich im Verhältnis zum festen Organismus nur einen ganz geringen Grad von Verschiedenheit hat.
[ 11 ] Und in noch höherem Maße ist das der Fall für unseren Wärmeorganismus. Es liegt ja natürlich ganz in der materialistisch-mechanistischen Betrachtungsweise, daß man nicht ins Auge faßt den Flüssigkeitsorganismus, den Luftorganismus, den Wärmeorganismus, sondern nur den festen Organismus. Aber man bekommt keine wirkliche Erkenntnis vom Menschen, wenn man sich nicht dazu herbeilassen will, diese Gliederung des Menschen in einen Wärmeorganismus, in einen Luftorganismus, in einen Wasserorganismus und in einen Erdorganismus gelten zu lassen.
[ 12 ] Wärmeorganismus, in ihm lebt vorzugsweise das Ich. Das Ich selber ist, ich möchte sagen, diejenige Geistorganisation, welche von sich aus kraftend das, was wir an Wärme in uns tragen, beherrscht, konfiguriert, nicht nur äußerlich in der Begrenzung konfiguriert, sondern innerlich durchkonfiguriert. Und das Seelische, wir können es nicht verstehen, wenn wir nicht dieses direkte Wirken des Ich auf die Wärme ins Auge fassen. Das Ich ist ja zunächst dasjenige im Menschen, welches den Willen in Tätigkeit versetzt, Willensimpulse verleiht. Wie verleiht das Ich Willensimpulse? Wir haben von einem anderen Gesichtspunkte aus davon gesprochen, wie die Willensimpulse zusammenhängen mit dem Tellurischen, im Gegensatze zu den Gedankenimpulsen, den Vorstellungsimpulsen, die mit dem Außertellurischen in Zusammenhang stehen. Aber indem das Ich die Willensimpulse eben doch beisammenhält, wo hat es den Weg, um nun diese Willensimpulse in den Organismus, in die ganze menschliche Wesenheit gewissermaßen hineinzutreiben? Das geschieht, indem der Wille zunächst in dem Wärmeorganismus des Menschen wirkt (siehe Zusammenstellung Seite 174). Indem das Ich einen Willensimpuls hat, wirkt dieser Willensimpuls zunächst auf den menschlichen Wärmeorganismus. Natürlich ist unter den gegenwärtigen tellurischen Verhältnissen es nicht möglich, daß das in einer konkreten Wirklichkeit da ist, was ich nun beschreiben will. Dennoch aber kann man es als etwas im Menschen wesenhaft Vorhandenes ins Auge fassen. Man kann es ins Auge fassen, wenn man davon absieht, daß in dem Raume, den die menschliche Haut begrenzt, die feste Organisation ist. Wir sehen von ihr ab, wir sehen von der flüssigen Organisation ab, wir sehen auch von der luftförmigen Organisation ab. Dann bleibt uns der Raum erfüllt mit Wärme, die allerdings kommuniziert mit der äußeren Wärme. Aber das, was da drinnen wirtschaftet in dieser Wärme, was diese Wärme so macht, daß sie in Strömung, daß sie in innerlicher Bewegung ist, daß sie eben ein Organismus ist, das ist das Ich.
[ 13 ] Und wenn wir ins Auge fassen den menschlichen astralischen Leib, so ist dieser menschliche astralische Leib zunächst das, was in sich trägt alle Kräfte des Gefühles, des Fühlens. Die Kräfte des Fühlens, sie leben im astralischen Leib so, daß der astralische Leib wiederum diese Fühlkräfte zur physischen Wirksamkeit bringt in demjenigen, was dem Menschen zugrunde liegt als der Luftorganismus.
[ 14 ] Also könnte man sagen: So wie der Mensch nun einmal ist als Erdenmensch, bewirkt sein Ich durch den Wärmeorganismus das, was sich dann äußert, wenn der Mensch als Willenswesen in die Welt tritt. Was der astralische Leib erlebt als Gefühle und dann auswirkt in der irdischen Organisation, das stellt sich dar als der Luftorganismus. Und wenn wir zum ätherischen Organismus, zum ätherischen Leibe gehen, so enthält der in sich — allerdings zunächst mehr bildhaft als uns das bewußt wird, denn da tritt ja für das Bewußtsein noch der physische Leib ein, der die Bilder eben zu den bildphysischen Vorstellungen abschwächt —, er enthält in sich das eigentliche Vorstellen, insofern das Vorstellen bildlich ist; das wirkt auf den Flüssigkeitsorganismus.
[ 15 ] Sie sehen daraus, man kommt dem Seelischen näher, wenn man diese besonderen Organismen im Menschen betrachtet. Die materialistische Betrachtungsweise, die nur bei dem festen Gerüste stehenbleiben will, die es eigentlich wie eine Selbstverständlichkeit ausspricht, daß Wasser nicht organisiert sein kann — es ist eben organisiert im Organismus —, die muß ihrerseits dazu kommen, mit völligem Unverständnis dem Seelischen gegenüberzustehen; denn das Seelische ist unmittelbar vorhanden eben in diesen anderen Organismen. Und der eigentliche feste Organismus ist im Grunde genommen nur etwas, was, ich möchte sagen, wirklich Stütze bildet für die anderen Organismen. Wir haben den festen Organismus, der wie ein Stützgerüste dasteht aus Knochen, Muskeln und so weiter. Und in dieses Stützgerüste hinein gliedert sich dann der flüssige Organismus, der in sich differenziert ist und der in sich eben durchaus konfiguriert ist, und in diesem flüssigen Organismus vibriert der Ätherleib, und in diesem flüssigen Organismus erzeugen sich die Gedanken. Wie erzeugen sie sich? Dadurch erzeugen sie sich, daß in diesem Flüssigkeitsorganismus in einer bestimmten Metamorphose sich geltend macht, was wir sonst in der Außenwelt kennenlernen als den Ton.
[ 16 ] Der Ton, er ist ja eigentlich etwas, was, man kann schon sagen, die menschliche Betrachtungsweise in hohem Maße irreführt. Wir vernehmen den Ton zunächst als Erdenmensch so, daß die Luft der Träger dieses Tones ist. Ja, aber die Luft ist eben nur der Vermittler für diesen Ton, der eigentlich in der Luft webt. Und derjenige, der bloß in den Luftschwingungen das Wesen des Tones sieht, der gleicht einem Menschen, der eben auch sagt: Der Mensch hat nur seinen physischen Organismus, da lebt kein Seelisches drinnen. — Es ist gerade so, wie wenn man am Menschen nur den physischen Organismus betrachtet und kein Seelisches darinnen sieht, wenn man bloß die Luftschwingungen als das Wesentliche des Tons betrachtet, die eigentlich nur der äußere Ausdruck sind. Was darinnen lebt als Ton, das ist im wesentlichen ein ätherisches Element. Und unser Luftton rührt eigentlich nur davon her, daß wir die Luft durchsetzt haben von dem Tonäther, was dasselbe ist wie der chemische Äther. Und indem dieser Äther die Luft durchsetzt, teilt er das, was in ihm lebt, der Luft mit, und es entsteht für unsere Wahrnehmung dasjenige, was wir den Ton nennen. Dieser selbe Tonäther, der zu gleicher Zeit der chemische Äther ist — wir werden von alledem bei anderer Gelegenheit genauer sprechen —, der lebt im wesentlichen in unserem Flüssigkeitsorganismus. So daß wir unterscheiden können: In unserem Flüssigkeitsorganismus haben wir unseren eigenen Ätherleib drinnen lebend; aber außerdem dringt von allen Seiten in ihn ein, was dem Ton als der Tonäther zugrunde liegt. Also bitte, unterscheiden Sie das ganz wohl. Wir haben in uns unseren ÄAtherleib, der arbeitet und wirkt, indem er Gedanken auswirkt, in unserem Flüssigkeitsorganismus. Aber in diesen Flüssigkeitsorganismus dringt fortwährend ein und aus, was wir den chemischen Äther nennen können. Wenn wir also unseren Organismus betrachten, so haben wir einen vollständigen ätherischen Organismus aus chemischem Äther, Wärmeäther, Lichtäther, Lebensäther bestehend, und außerdem haben wir ganz besonders, auf dem Wege durch den Flüssigkeitsleib aus- und eindringend, den chemischen Äther.
[ 17 ] Der astralische Leib, der sich im Fühlen äußert, lebt durch den Luftorganismus. Zu diesem Luftorganismus aber hat eine besondere Verwandtschaft nun wiederum eine andere Ätherart, welche die Luft besonders durchsetzt, der Lichtäther. In älteren Weltanschauungen wurde daher auf diese Verwandtschaft der sich ausbreitenden physischen Luft mit dem sie durchsetzenden Lichtäther immer besonders hingewiesen. Dieser Lichtäther, der gewissermaßen gerade von der Luft getragen wird, der verwandter ist eigentlich mit der Luft als der Ton, der dringt nun auch in unseren Luftorganismus besonders ein, und er liegt zugrunde demjenigen, was da aus- und eingeht in unserem Luftorganismus. Wir haben also unseren astralischen Leib, der das Fühlen in sich erlebt, der sich besonders wirksam erweist im Luftorganismus, und der da fortwährend zusammenstößt insbesondere mit dem Lichtäther.
[ 18 ] Und wir haben das menschliche Ich. Dieses menschliche Ich, welches sich durch den Willen im Wärmeorganismus betätigt, steht wiederum in Verbindung mit der äußeren Wärme, mit dem äußeren Wärmeäther, der da ein und ausgeht. Es ergeben sich daher die Zusammenhänge:
Ich — Wille — Wärmeorganismus — Wärmeäther
Astrallib — Fühlen — _Luftorganismus — Lichtäther
Ätherleib — Vorstellen — Flüssigkeitsorganismus — chemischer Äther
[ 19 ] Nun bedenken Sie aber: der ätherische Leib, er bleibt in uns, auch wenn wir schlafen, auch vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Da ist auch vom Einschlafen bis zum Aufwachen durch den Flüssigkeitsorganismus fortwährend dieses Ineinanderwirken von chemischem Äther mit dem ätherischen Leib im Inneren. Anders ist es schon beim astralischen Leib mit dem Fühlen. Der astralische Leib ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen außerhalb des menschlichen Organismus; da wirkt nicht dieser astralische Leib mit dem Fühlen auf den Luftorganismus, sondern da wird der Luftorganismus, von dem wir ja sagen mußten, daß er im Zusammenhange steht mit der ganzen übrigen Umwelt, von außen unterhalten. Und der Mensch selber, insofern er seinen astralischen Leib mit dem Fühlen enthält, geht heraus aus dem physischen Leib, ist also außerhalb dieses menschlichen Leibes und kommt dadurch in diejenige Welt hinein, mit der er zunächst in Beziehung steht durch den Lichtäther. Der Mensch lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen in demjenigen drinnen, direkt drinnen, das ihm in bezug auf den astralischen Leib im Wachzustand durch den Luftorganismus vermittelt wird. In einer ähnlichen Weise ist es für das Ich und den Wärmeorganismus der Fall.
[ 20 ] Sie sehen daraus, daß man ein Verständnis von der Beziehung des Menschen zur Umwelt erst bekommt, wenn man wirklich auf diese Gliederung des Menschen eingeht, die eigentlich die gewöhnliche mechanistische Betrachtungsweise gar nicht ins Auge faßt. Nun ist im Menschen alles durchdrungen, und dadurch, daß das Ich im Wärmeorganismus ist und dieses Ich ja auch den Luftorganismus, den Flüssigkeitsorganismus und den festen Organismus durchdringt, durchdringt es sie eben gerade auch mit dem Wärmeorganismus, der nun in allem lebt. Es lebt also der Wärmeorganismus im Luftorganismus, es lebt der Wärmeorganismus, vom Ich durchkraftet, auch im Flüssigkeitsorganismus.
[ 21 ] Das ist dann der Weg, wie wir zum Beispiel zu suchen haben in der Blutzirkulation die Wirkungsweise des Ich. Die Wirkungsweise des Ich in der Blutzirkulation ist so vorhanden, daß auf dem Umwege durch den Wärmeorganismus das Ich auf die Blutzirkulation wirkt. Da wirkt das Ich als diejenige Wesenheit, welche den Willen gewissermaßen hinunterschickt von der Wärme aus durch die Luft in die Flüssigkeit hinein. So wirkt alles im Organismus aufeinander. Aber wir kommen nicht zu Rande, wenn wir bloß die allgemeinen abstrakten Vorstellungen des Aufeinanderwirkens haben, sondern wir kommen nur zu Rande, wenn wir im Konkreten uns vorstellen können, wie dieser Mensch gegliedert ist, wie alles dasjenige, was um ihn herum ist, an seiner Organisation teilnimmt.
[ 22 ] Und auch zum Verständnis des Schlafzustandes kommt man nur, wenn man diese Dinge genauer ins Auge faßt. Bedenken Sie doch, daß ja im Schlafzustande zunächst eben wirklich nur der physische Leib, also der physische Körper und der Ätherleib in derselben Weise vorhanden sind wie im Wachzustande; das Ich und der astralische Leib sind heraußen. So daß also, indem im schlafenden Menschen nur der physische Leib und der Ätherleib vorhanden sind, dasjenige in ihm wirken kann, auch auf den luftförmigen Organismus und den Wärmeorganismus, was innerhalb des physischen und des Ätherleibes. ist. Wenn wir den wachen Organismus haben, dann sehen wir aus dem Gesagten den Zusammenhang zwischen dem Ich und dem astralischen Leib und dem ganzen Organismus. Wenn wir im Schlaf das Ich und den astralischen Leib draußen haben, dann haben wir aber trotzdem in der menschenlichen Organisation die vier Elemente drinnen: das feste Stützgefüge, den Flüssigkeitsorganismus, aber auch den Luftorganismus, durch den sonst der astralische Leib wirkt, den Wärmeorganismus, durch den sonst das Ich wirkt. Wir haben diese darinnen, und die wirken ebenso organisiert, wie im wachen Zustande durch das Ich und den astralischen Leib organisierend gewirkt wird. Wir haben eben in unserem Schlafzustande statt unseres Ich, das draußen ist, den Geist in uns, der sonst die Welt durchsetzt und den wir im Wachen vertrieben haben durch unser Ich, das ein Teil von ihm ist. Wir haben unseren Wärmeleib durchzogen von dem Weltengeiste, wir haben unseren Luftorganismus durchzogen von dem, was wir Weltenseele, Weltenastralität nennen können, die wir sonst vertreiben, wenn wir wachen. So daß wir auch von diesem Gesichtspunkte jetzt Wachen und Schlafen betrachten können. Im Schlafe durchzieht unseren Wärmeorganismus die Weltengeistigkeit, die wir vertreiben, wenn wir aufwachen, durch das Ich, das ein Teil davon ist, denn es versorgt vom Aufwachen bis zum Einschlafen dasjenige, was sonst im Wärmeorganismus durch die Weltengeistigkeit bewirkt ist. Ebenso die Weltenastralität, wir vertreiben sie beim Aufwachen, wir geben ihr wiederum ihre Wirksamkeit in unserem Organismus, indem wir einschlafen. So daß wir sagen können: Indem wir schlafend unseren Leib verlassen, lassen wir einziehen in unseren Wärmeorganismus den Weltengeist, in unseren luftförmigen Organismus die Weltenseele, die Weltenastralität.
[ 23 ] Man kommt schon zu einem Verständnis der Beziehung des Menschen nicht nur zu der umliegenden physischen Welt, sondern man kommt, wenn man nur unbefangen genug in der Betrachtung des Menschen ist, auch dazu, einzusehen, wie der Mensch eine Beziehung hat zur Weltengeistigkeit und zur Weltenbeseelung oder zur Weltenastralität. Im Aufwachen gliedern sich gewissermaßen in die menschliche Organisation hinein das Ich und der astralische Leib; sie vertreiben Weltengeistigkeit und Weltenbeseeltheit, Weltenastralität.
[ 24 ] Das ist von der einen Seite die Sache betrachtet. Wir können sie nunmehr nach der Erkenntnisseite betrachten und Sie werden sehen, wie sich diese beiden Betrachtungen zusammenfügen werden. Man geht ja gewöhnlich so vor, daß man nur dasjenige Erkenntnis nennt, was man erkennend erlebt vom Aufwachen bis zum Einschlafen durch die Wahrnehmung, durch die begriffsmäßige Verarbeitung der Wahrnehmung. Allein dadurch lernen wir ja eigentlich nur des Menschen physische Umgebung kennen. Gewiß, wir werden nicht gerade, wenn wir geisteswissenschaftlich vorgehen und uns nicht allerlei Phantastereien hingeben, irgendwie etwas unmittelbar Wesenhaftes in den Traumbildern sehen, und wir werden nicht im Träumen eine Erkenntnis suchen in derselben Weise, wie wir sie im wachen Vorstellen und Wahrnehmen suchen. Aber in einer gewissen niedrigeren Weise ist das Träumen denn doch eine Erkenntnis. Es ist nämlich eine besondere Art physischer Selbsterkenntnis. Im groben kann man ja schon sehen, wie der Mensch innere Zustände in einer gewissen Weise träumt, wenn man, sagen wir, aufwacht mit dem Traume von einem kochenden Ofen, dessen Hitze man ausgestanden hat und dann beim Aufwachen eben einen Hitzezustand oder dergleichen im Inneren hat. Auch sonst sind die Träume in einer bestimmten Weise konfiguriert. Man träumt von Schlangen, wenn man irgendwie in den Gedärmen etwas nicht in Ordnung hat. Man träumt von irgendwelchen Höhlen, in die man sich verkriechen muß, wenn man Kopfschmerz hat und so weiter. Allein in einer dunklen, dämmerhaften Weise weist der Traum auf das innere organische Leben des Menschen hin, und wir können schon von einer gewissen niederen Erkenntnis im Traumleben sprechen. Es steigert sich das nur, wenn bei besonders sensitiven Menschen in den Träumen wirklich sehr genau Widerspiegelungen des Organismus vorkommen. Im tiefen Schlafe, im traumlosen Schlafe glauben wir ja in der Regel nichts zu erkennen. Wir halten den traumlosen Schlaf für die Erkenntnis für ganz bedeutungslos. Er ist es nicht. Er hat seine Erkenntnisaufgabe, allerdings eine individuell-persönliche für den Menschen. Würden wir nicht schlafen können, würde nicht fortwährend unser Leben vom Schlaf durchbrochen werden, so würden wir nicht kommen können zu einer deutlichen Ich-Vorstellung, zu einem deutlichen Innenleben. Wir würden immerfort das Äußere erleben und ganz im Äußeren aufgehen. Der Mensch beachtet das nur nicht genügend, weil er sich nun einmal nicht gewöhnt hat, die Dinge, die er erlebt, seelisch und organisch, wirklich unbefangen ins Auge zu fassen. Wir blicken zurück; wir verfolgen die Bilder unserer Erlebnisse bis zu dem Punkte, an den wir uns zurückerinnern. Aber diese ganze Erscheinungsströmung ist ja fortwährend jede Nacht unterbrochen von dem Schlafe. Den lassen wir aus, indem wir uns zurückerinnern. Wir denken nicht daran, daß der Mensch fortwährend in der Erinnerungsströmung vom Schlafe unterbrochen ist. Daß er unterbrochen ist, das bedingt, daß wir gewissermaßen, allerdings unbewußt, neben dem, daß wir in ein erfülltes Feld hineinsehen, auch in ein Nichts hineinsehen. Wenn wir hier ein weißes Feld haben und in der Mitte Schwarz, so sehen wir das Weiß und in der Mitte Schwarz [auf einer schwarzen Wandtafel], das dem Weiß gegenüber ein Nichts ist. Daß das nicht ganz stimmt, das geht uns jetzt in diesem Augenblicke nichts an. Wir sehen das schwarze Feld, wir sehen, daß in der weißen Bedeckung etwas ausgespart ist, aber das ist ein ebenso positiver Eindruck, wenn er auch nicht ein Eindruck ist, der zusammenfällt mit den Eindrücken vom weißen Felde. Das schwarze Feld ist ein ebenso positiver Eindruck. So ist es ein positives Erleben, wenn wir zurückschauen und in diese Rückschau immer nichts einfließt von den Zeiträumen, die wir durchschlafen haben. Das, was wir durchschlafen haben, liegt in der Rückschau ebenso drinnen, allerdings zunächst nicht unmittelbar im Bewußtsein, denn das Bewußtsein richtet sich nur nach dem, was als Bilder vom durchwachten Leben zurückbleibt. Aber es wird dieses Bewußtsein innerlich befestigt dadurch, daß das rückschauende innere Gesichtsfeld auch leere Stellen hat; davon rührt her unsere Bewußtheit, insofern sie gerade innerlich ist. Wir würden uns ganz verlieren an die äußere Welt, wenn wir nur wachen würden, wenn dieses Wachen nicht fortwährend durchbrochen wäre vom Schlafe. Wir wissen von uns innerlich durch den traumlosen Schlaf. Aber während der traumerfüllte Schlaf uns gewisse einzelne Teile in Bildern chaotisch spiegelt, gibt uns der traumlose Schlaf das Bewußtsein unserer Gesamtmenschlichkeit als Organismus, also auch eine Erkenntnis. Wir können sagen: Durch das wache Bewußtsein nehmen wir die äußere Welt wahr. Durch die Träume nehmen wir, allerdings dämmerhaft und unbestimmt, einzelnes aus unseren inneren organischen Zuständen wahr. Durch den traumlosen Schlaf wissen wir von unserer Gesamtorganisation, allerdings dumpf und dunkel, aber wir wissen eben durch den Schlaf von unserer Gesamtorganisation. Also haben wir schon gewissermaßen drei Erkenntnisstufen: den Schlaf, den traumdurchsetzten Schlaf, den Wachzustand.
[ 25 ] Dann kommen wir zu den drei höheren Zuständen, zu der Imagination, zu der Inspiration, zu der Intuition. Das sind nun wiederum die höheren Zustände, die über dem wachen Bewußtsein liegen, die dadurch auch immer klarer werden, als Bewußtseinszustände auch immer klarere Erkenntnisse liefern, während wir, wenn wir unter das gewöhnliche Bewußtsein hinuntergehen, zu den chaotischen Erkenntnissen kommen, die uns aber für das gewöhnliche Erleben durchaus notwendig sind.
[ 26 ] Sehen Sie, so stellt sich gewissermaßen die Sache vom Bewußtseinsfeld dar. Wir dürfen nicht davon sprechen, daß wir nur in uns tragen dieses gewöhnliche Wachbewußtsein, wie wir auch nicht davon sprechen dürfen, daß wir nur in uns tragen den gewöhnlichen festen Organismus. Wir müssen davon sprechen, daß wir allerdings den festen Organismus zunächst als etwas haben, was deutlich begrenzt im Raume dasteht, so daß wir es, wenn wir ganz materialistisch denken, als die menschliche Organisation begreifen. Wir müssen denken, daß das gewöhnliche Bewußtsein zunächst klar dasteht, daß wir seine Vorstellungen in festen Konturen haben. Aber wir dürfen weder denken, daß wir nur den festen Leib haben, noch daß wir nur dieses Tagesbewußtsein haben, sondern wir haben den festen Leib durchsetzt vom Flüssigkeitsleib, der eine in sich verschwimmende, eine fluktuierende Organisation hat, und wir haben wiederum das helle, klare Tagesbewußtsein durchsetzt von dem Traumbewußtsein, das nun nicht die Bilder mit den festen Konturen hat, sondern mit den verschwimmenden Konturen, wo gewissermaßen das Bewußtseinsleben flüssig wird. Und wir haben außer dem Flüssigkeitsorganismus den Luftorganismus, der sogar von etwas anderem versorgt wird als von uns selber, wenn wir im Schlafe sind, der also im Grunde genommen nicht ganz, sondern nur teilweise, vorübergehend mit unserem Seelischen zusammenhängt, nämlich nur im Wachzustande; aber wir haben das als einen besonderen Organismus in uns. Wir haben ein drittes Bewußtsein, ein dunkles Bewußtsein, das traumlose Schlafbewußtsein, wo nicht bloß die Vorstellungen verschwimmen, sondern wo sie sich bis zur inneren Finsternis abdämpfen, wo also das Bewußtsein gewissermaßen aufhört, von uns innerlich als bewußter Zustand erlebt zu werden, so wie unter gewissen Umständen der luftförmige Leib aufhört, von uns erlebt zu werden, wenn wir schlafen.
[ 27 ] Sie sehen, ob wir den Menschen innerlich oder äußerlich betrachten, wir kommen zu einer immer weiteren Anschauung über die menschliche Wesenheit. Gehen wir vom festen Leib aus zum Flüssigkeitsleib, zum Luftleib, zum Wärmeleib, wir kommen ins Seelische hinein. Gehen wir von dem klaren Tagesbewußtsein aus zum Traumbewußtsein über, wir kommen in den Leib hinein. Und wir kommen noch gründlicher in den physischen Leib hinein, indem wir uns darinnen wissen durch das traumlose Schlafbewußtsein. Wenn wir das Wachbewußtsein hinuntertragen bis zum Schlafbewußtsein, so kommen wir, wenn wir den Menschen in den Gliedern seines Bewußtseins betrachten, in die Leiblichkeit hinein. Wenn wir die Leiblichkeit selbst betrachten, von ihrem festen Zustand bis zu ihrem Wärmezustand herauf, kommen wir aus der Leiblichkeit heraus. Das liefert Ihnen die Notwendigkeit, wirklich nicht einfach hinzunehmen, was sich zunächst der befangenen äußeren Betrachtung darbietet. Da hat man auf der einen Seite den festen Leib, an den man sich mit der materialistisch-mechanistischen Vorstellung klammert; da haben wir auf der anderen Seite das Seelische, das eigentlich dem modernen Bewußtsein nur inhaltsvoll erscheint als das helle klare Tagesleben. Man geht nicht von diesem Bewußtsein (Ich) nach abwärts; denn geht man nach abwärts, kommt man in den Leib hinein. Man geht nicht vom geistigen Leib (Wärmeleib) nach abwärts; denn geht man nach abwärts, so kommt man in den festen Leib hinein. Sondern man betrachtet die zwei, die gar nicht zusammengehören: den festen Leib ohne den Flüssigkeitsleib, den Luftleib und den Wärmeleib; das klare Tagesbewußtsein ohne dasjenige, was eigentlich nur das innere Leibliche spiegelt, ohne das Traumbewußtsein und das Schlafbewußtsein.
[ 28 ] Und jetzt geht man von der Schulpsychologie aus und fragt: Wie lebt dieses Seelisch-Geistige in dem Physischen? — Ja, sehen Sie, da macht man eigentlich dieses. Bedenken Sie: Man hat den festen Leib, den Flüssigkeitsleib, den Luftleib, den Wärmeleib. Durch den Wärmeleib entwickelt das Ich das gewöhnliche klare Tagesbewußtsein. Aber geht man herunter, so kommt man in das Traumbewußtsein hinein; weiter hinunter kommt man in das traumlose Schlafbewußtsein hinein. Da hinunter (schraffiert) gibt es, wie Sie aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» wissen, noch einen Bewußtseinszustand, den wir jetzt nicht zu betrachten brauchen. Fragt man nun nach der Beziehung dessen, was hier rechts steht, zu dem, was hier links steht, so passen diese ineinander, denn da (linker Pfeil) kommt man von unten nach oben gehend ins Seelische herein, ins Leibliche herein hier (rechter Pfeil); das Rechte und das Linke, die passen zusammen. Aber in der äußeren Betrachtungsweise ist es heute so, daß man den festen Leib eigentlich nur ins Auge faßt und wiederum nur diesen Bewußtseinszustand (Ich). Ja, da hängt das (Ich) in der Luft, und das (Fester Leib) steht am Boden, da findet man keine Beziehung. Und lesen Sie die heutigen Seelenlehren durch, so werden Sie sehen, daß die unglaublichsten Hypothesen aufgestellt werden, wie die Seele auf den Leib wirkt. Aber das rührt nur davon her, daß man einen Teil des Leibes betrachtet, und dann etwas, das ganz davon abliegt, einen Teil des Seelischen betrachtet.
[ 29 ] Daß Geisteswissenschaft überall auf Totalität dringen muß, daß sie tatsächlich die Brücke schaffen muß zwischen dem Leiblichen auf der einen Seite und dem Seelischen auf der anderen Seite, daß sie wirklich diejenigen Zustände aufsucht, wo das Seelische ein Leibliches, das Leibliche ein Seelisches wird, das ärgert unsere Zeitgenossen, die durchaus nur stehenbleiben wollen bei dem, was sich der äußerlichen befangenen Betrachtungsweise darbietet.
[ 30 ] Von diesen Dingen wollen wir dann morgen weiter sprechen.
