Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203
30 January 1921, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Die Ideen, die wir aus verschiedenen Untergründen heraus entwickelt haben über des Menschen Hinneigen auf der einen Seite zur luziferischen, auf der anderen Seite zur ahrimanischen Natur, haben dazu geführt, die Notwendigkeiten anzuerkennen, daß der Mensch ein Gleichgewicht findet zwischen den beiden Neigungen, die für ihn Abwege bedeuten, ein Äquilibrium gewissermaßen zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen. Nun kann ja die Frage entstehen, und sie ist eine schwere Erkenntnis- und Gewissensfrage namentlich für die moderne Menschheit: Wie findet man denn dieses Äquilibrium, diesen Gleichgewichtszustand, so daß man auf der einen Seite nicht der Gefahr des Luziferischen, auf der anderen Seite nicht der Gefahr des Ahrimanischen zu unterliegen braucht?
[ 1 ] Die Ideen, die wir aus verschiedenen Untergründen heraus entwickelt haben über des Menschen Hinneigen auf der einen Seite zur luziferischen, auf der anderen Seite zur ahrimanischen Natur, haben dazu geführt, die Notwendigkeiten anzuerkennen, daß der Mensch ein Gleichgewicht findet zwischen den beiden Neigungen, die für ihn Abwege bedeuten, ein Äquilibrium gewissermaßen zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen. Nun kann ja die Frage entstehen, und sie ist eine schwere Erkenntnis- und Gewissensfrage namentlich für die moderne Menschheit: Wie findet man denn dieses Äquilibrium, diesen Gleichgewichtszustand, so daß man auf der einen Seite nicht der Gefahr des Luziferischen, auf der anderen Seite nicht der Gefahr des Ahrimanischen zu unterliegen braucht?
[ 2 ] Diese Frage beantwortet sich für die verschiedenen Zeitalter der menschlichen Entwickelung in verschiedener Weise, und immer ist zur Beantwortung nötig eine Erkenntnis desjenigen, was den Menschen in diesem entsprechenden Zeitalter ganz besonders nach der einen oder nach der anderen Seite hinzieht. Im allgemeinen haben wir ja das kennengelernt, was den Menschen nach dem Luziferischen, nach dem Ahrimanischen hinzieht; aber für unser besonderes Zeitalter muß das doch auch wiederum besonders ins Auge gefaßt werden.
[ 2 ] Diese Frage beantwortet sich für die verschiedenen Zeitalter der menschlichen Entwickelung in verschiedener Weise, und immer ist zur Beantwortung nötig eine Erkenntnis desjenigen, was den Menschen in diesem entsprechenden Zeitalter ganz besonders nach der einen oder nach der anderen Seite hinzieht. Im allgemeinen haben wir ja das kennengelernt, was den Menschen nach dem Luziferischen, nach dem Ahrimanischen hinzieht; aber für unser besonderes Zeitalter muß das doch auch wiederum besonders ins Auge gefaßt werden.
[ 3 ] Seit dem Aufgang der fünften nachatlantischen Periode, also seit dem 15. Jahrhundert, hat sich innerhalb der zivilisierten Menschheit sowohl das intellektuelle Leben wie auch das soziale Leben gegenüber früheren Zeiten wesentlich geändert. Das intellektuelle Leben ist allmählich immer mehr so geworden, daß der Mensch selber eigentlich von der Weltbetrachtung ausgeschlossen ist. Der Mensch betrachtet die Natur, und innerhalb der Naturerkenntnis hat ja die neuere Menschheit die größten Fortschritte gemacht. Aber gerade das ist ja das Charakteristische, daß die eigentliche Menschenkenntnis durch diese Naturerkenntnis nicht nur keinen Fortschritt gemacht hat, sondern daß die Anschauung von der Wesenheit des Menschen in einem gewissen Sinne herausgeworfen worden ist aus der menschlichen Erkenntnis. Der Mensch kennt sehr gut alles andere in der Welt, aber er kennt nicht mehr sich selbst. Der Mensch hat die Tierreihe kennengelernt, er hat sich eine Entwickelungstheorie der Tierreihe begründet und glaubt zu verstehen, wie sich die Wesen der Tierreihe von den untergeordnetsten bis zu den vollkommeneren entfaltet haben, und dann reiht man gewissermaßen den Menschen an. Man nimmt das alles, was man an den Tieren gelernt hat und wendet es dann auch wiederum auf den Menschen an. Man kommt zu nichts Neuem, das die Menschenwesenheit erklären sollte, sondern man sucht die Elemente zu dem, was die Menschenwesenheit erklären soll, innerhalb der Tierwelt und sagt nur: Der Mensch ist eben die oberste Stufe. — Man sagt eigentlich nichts Besonderes über den Menschen aus, sondern man sagt, er sei eben die oberste Stufe. Man tut das ja in bezug auf alle Einzelheiten des Menschen, und man tut es mit einer instinktiven Selbstverständlichkeit. Die Folge davon ist, daß eben über den Menschen eine wirkliche Erkenntnis gar nicht vorliegt.
[ 3 ] Seit dem Aufgang der fünften nachatlantischen Periode, also seit dem 15. Jahrhundert, hat sich innerhalb der zivilisierten Menschheit sowohl das intellektuelle Leben wie auch das soziale Leben gegenüber früheren Zeiten wesentlich geändert. Das intellektuelle Leben ist allmählich immer mehr so geworden, daß der Mensch selber eigentlich von der Weltbetrachtung ausgeschlossen ist. Der Mensch betrachtet die Natur, und innerhalb der Naturerkenntnis hat ja die neuere Menschheit die größten Fortschritte gemacht. Aber gerade das ist ja das Charakteristische, daß die eigentliche Menschenkenntnis durch diese Naturerkenntnis nicht nur keinen Fortschritt gemacht hat, sondern daß die Anschauung von der Wesenheit des Menschen in einem gewissen Sinne herausgeworfen worden ist aus der menschlichen Erkenntnis. Der Mensch kennt sehr gut alles andere in der Welt, aber er kennt nicht mehr sich selbst. Der Mensch hat die Tierreihe kennengelernt, er hat sich eine Entwickelungstheorie der Tierreihe begründet und glaubt zu verstehen, wie sich die Wesen der Tierreihe von den untergeordnetsten bis zu den vollkommeneren entfaltet haben, und dann reiht man gewissermaßen den Menschen an. Man nimmt das alles, was man an den Tieren gelernt hat und wendet es dann auch wiederum auf den Menschen an. Man kommt zu nichts Neuem, das die Menschenwesenheit erklären sollte, sondern man sucht die Elemente zu dem, was die Menschenwesenheit erklären soll, innerhalb der Tierwelt und sagt nur: Der Mensch ist eben die oberste Stufe. — Man sagt eigentlich nichts Besonderes über den Menschen aus, sondern man sagt, er sei eben die oberste Stufe. Man tut das ja in bezug auf alle Einzelheiten des Menschen, und man tut es mit einer instinktiven Selbstverständlichkeit. Die Folge davon ist, daß eben über den Menschen eine wirkliche Erkenntnis gar nicht vorliegt.
[ 4 ] Diese besondere Art von Erkenntnis ist ja nicht etwa nur in den einzelnen Wissenschaften da; sie ist schon durchaus etwas geworden, was heute die weitesten Kreise der Welt beherrscht. Sie ist etwas geworden, was der Mensch sozusagen jeden Tag mit seiner Zeitungslektüre in sich saugt. Und wenn er es nicht mit der Zeitungslektüre in sich saugt, dann auf andere Weise; denn es ist ja schließlich etwas, was schon den Kindern in der Schule eingeimpft wird. Diese moderne Wissenschaftlichkeit ist zu etwas geworden, was immer mehr und mehr Allgemeingut wird, und sie füllt gewissermaßen den Menschen mit Ideen und Begriffen aus, die seine Seelenverfassung ausmachen. Er kommt dadurch zu einem gewissen Bewußtsein über die Welt, aber in diesem Bewußtsein ist er selbst nicht enthalten. Das ist das eine.
[ 4 ] Diese besondere Art von Erkenntnis ist ja nicht etwa nur in den einzelnen Wissenschaften da; sie ist schon durchaus etwas geworden, was heute die weitesten Kreise der Welt beherrscht. Sie ist etwas geworden, was der Mensch sozusagen jeden Tag mit seiner Zeitungslektüre in sich saugt. Und wenn er es nicht mit der Zeitungslektüre in sich saugt, dann auf andere Weise; denn es ist ja schließlich etwas, was schon den Kindern in der Schule eingeimpft wird. Diese moderne Wissenschaftlichkeit ist zu etwas geworden, was immer mehr und mehr Allgemeingut wird, und sie füllt gewissermaßen den Menschen mit Ideen und Begriffen aus, die seine Seelenverfassung ausmachen. Er kommt dadurch zu einem gewissen Bewußtsein über die Welt, aber in diesem Bewußtsein ist er selbst nicht enthalten. Das ist das eine.
[ 5 ] Das andere ist das moderne soziale Leben. Dieses soziale Leben brauchen Sie ja nur zu studieren, wie es in Zeiten war, die hinter dem 15. Jahrhundert zurückliegen. Die Welt war ja gewissermaßen voll von Urteilen, die ein altehrwürdiges, soziales Weisheitsgut waren, welches die Menschen miteinander gemeinsam hatten. Man wußte nicht für sich, was gut oder böse sei. Man hatte auch gar keinen Zweifel darüber, denn man wuchs in einer sozialen Ordnung auf, welche das Gute und Böse als allgemeines, sei es volkstümliches, sei es mehr religiös gefärbtes Urteil in sich trug. Und aus dieser gemeinschaftlichen Urteilssubstanz heraus, also aus etwas, was gewissermaßen doch autoritativ durch die soziale Ordnung schwebte, urteilte der Mensch, wenn er selber dies oder jenes tun sollte.
[ 5 ] Das andere ist das moderne soziale Leben. Dieses soziale Leben brauchen Sie ja nur zu studieren, wie es in Zeiten war, die hinter dem 15. Jahrhundert zurückliegen. Die Welt war ja gewissermaßen voll von Urteilen, die ein altehrwürdiges, soziales Weisheitsgut waren, welches die Menschen miteinander gemeinsam hatten. Man wußte nicht für sich, was gut oder böse sei. Man hatte auch gar keinen Zweifel darüber, denn man wuchs in einer sozialen Ordnung auf, welche das Gute und Böse als allgemeines, sei es volkstümliches, sei es mehr religiös gefärbtes Urteil in sich trug. Und aus dieser gemeinschaftlichen Urteilssubstanz heraus, also aus etwas, was gewissermaßen doch autoritativ durch die soziale Ordnung schwebte, urteilte der Mensch, wenn er selber dies oder jenes tun sollte.
[ 6 ] Wir haben vieles von dem, was einstmals viel intensiver begründet war in der sozialen Ordnung der Menschheit, heute nur in der Sprache, und da unsere Sprache in vieler Beziehung phrasenhaft geworden ist, so haben wir es eben in der Phrase. Bedenken Sie nur, in wie vielen Fällen und in welcher Ausdehnung heute der Mensch gewohnt ist, das Wort, das Wörtchen «man» zu gebrauchen — «man» denkt so, «man» tut dieses, «man» sagt dieses und so weiter —, obwohl es in den meisten Fällen heute nur eine Phrase ist, gar keinen Sinn hat. Das Wörtchen «man», das Fürwort «man», das Pronomen, hat eigentlich nur einen Sinn in der Sprache, die noch einem Volke angehört, in dem tatsächlich der einzelne nicht so stark Individualität geworden ist wie in unserer Zeit, wo der einzelne noch mit einem gewissen Rechte, wenn er spricht, ein allgemeines Urteil ausspricht. Was aus der modernen Wissenschaftlichkeit allmählich die Seelen ausfüllt, was dazu geführt hat, daß der Mensch sich selbst vergißt in der Weltauffassung, das führt zur Ahrimanisierung des Menschen in unserem Zeitalter. Und was im sozialen Leben den Menschen herausführt aus der Gebundenheit, was ihn zum Beispiel im äußeren wirtschaftlichen Leben von dem alten gebundenen Zunftwesen zu der modernen freien Wirtschaft geführt hat, das führt zur Luziferisierung des Menschen. Beides aber ist durchaus notwendig. Beides mußte in der Entwickelung der Menschheit heraufkommen. Denn in den früheren Erkenntnissen, die der Mensch gewonnen hat und die seine Seelenverfassung gebildet haben, steckt immer der Mensch selber drinnen. Man konnte früher zum Beispiel nicht Naturerkenntnis haben, ohne Menschenerkenntnis mitzugewinnen. Man konnte nicht über den Mars Erkenntnisse gewinnen, ohne zu gleicher Zeit über das, was der Mars für das Menschenleben als Bedeutung in sich trägt, Erkenntnisse mitzugewinnen. Man konnte nicht über Gold Erkenntnisse gewinnen, ohne daß man gewisse Erkenntnisse über den Menschen gewann.
[ 6 ] Wir haben vieles von dem, was einstmals viel intensiver begründet war in der sozialen Ordnung der Menschheit, heute nur in der Sprache, und da unsere Sprache in vieler Beziehung phrasenhaft geworden ist, so haben wir es eben in der Phrase. Bedenken Sie nur, in wie vielen Fällen und in welcher Ausdehnung heute der Mensch gewohnt ist, das Wort, das Wörtchen «man» zu gebrauchen — «man» denkt so, «man» tut dieses, «man» sagt dieses und so weiter —, obwohl es in den meisten Fällen heute nur eine Phrase ist, gar keinen Sinn hat. Das Wörtchen «man», das Fürwort «man», das Pronomen, hat eigentlich nur einen Sinn in der Sprache, die noch einem Volke angehört, in dem tatsächlich der einzelne nicht so stark Individualität geworden ist wie in unserer Zeit, wo der einzelne noch mit einem gewissen Rechte, wenn er spricht, ein allgemeines Urteil ausspricht. Was aus der modernen Wissenschaftlichkeit allmählich die Seelen ausfüllt, was dazu geführt hat, daß der Mensch sich selbst vergißt in der Weltauffassung, das führt zur Ahrimanisierung des Menschen in unserem Zeitalter. Und was im sozialen Leben den Menschen herausführt aus der Gebundenheit, was ihn zum Beispiel im äußeren wirtschaftlichen Leben von dem alten gebundenen Zunftwesen zu der modernen freien Wirtschaft geführt hat, das führt zur Luziferisierung des Menschen. Beides aber ist durchaus notwendig. Beides mußte in der Entwickelung der Menschheit heraufkommen. Denn in den früheren Erkenntnissen, die der Mensch gewonnen hat und die seine Seelenverfassung gebildet haben, steckt immer der Mensch selber drinnen. Man konnte früher zum Beispiel nicht Naturerkenntnis haben, ohne Menschenerkenntnis mitzugewinnen. Man konnte nicht über den Mars Erkenntnisse gewinnen, ohne zu gleicher Zeit über das, was der Mars für das Menschenleben als Bedeutung in sich trägt, Erkenntnisse mitzugewinnen. Man konnte nicht über Gold Erkenntnisse gewinnen, ohne daß man gewisse Erkenntnisse über den Menschen gewann.
[ 7 ] Alles, was damals menschlich war, ist herausgeworfen worden. Dadurch kam man zu einer reinen, von aller menschlichen Wesensanschauung befreiten Naturanschauung. Diese Naturanschauung mußte dann die Grundlage sein für die moderne Technik.
[ 7 ] Alles, was damals menschlich war, ist herausgeworfen worden. Dadurch kam man zu einer reinen, von aller menschlichen Wesensanschauung befreiten Naturanschauung. Diese Naturanschauung mußte dann die Grundlage sein für die moderne Technik.
[ 8 ] Diese moderne Technik liefert das, was in der neueren Zeit zu den großen Triumphen geführt hat, nur dann, wenn sie nur enthält, was der Mensch mit seinem reinen Intellekt überschauen kann. Betrachten Sie irgendeine Maschine, betrachten Sie auch nur irgendeine Einrichtung des modernen technischen Lebens, insofern wir das eigentlich Soziale ausschließen, so werden Sie sehen: alles ist in einer gewissen Weise so eingerichtet, daß der Mensch von dem, was eigentlich vorgenommen wird, ausgeschlossen ist. Daher mußte die moderne Technik auch zu dem Mittel greifen, obwohl man sich dessen nicht bewußt ist, nur den Leichnam der Natur zu verwenden.
[ 8 ] Diese moderne Technik liefert das, was in der neueren Zeit zu den großen Triumphen geführt hat, nur dann, wenn sie nur enthält, was der Mensch mit seinem reinen Intellekt überschauen kann. Betrachten Sie irgendeine Maschine, betrachten Sie auch nur irgendeine Einrichtung des modernen technischen Lebens, insofern wir das eigentlich Soziale ausschließen, so werden Sie sehen: alles ist in einer gewissen Weise so eingerichtet, daß der Mensch von dem, was eigentlich vorgenommen wird, ausgeschlossen ist. Daher mußte die moderne Technik auch zu dem Mittel greifen, obwohl man sich dessen nicht bewußt ist, nur den Leichnam der Natur zu verwenden.
[ 9 ] Wenn wir eine Maschine konstruieren, so zerreißen wir die Materialien, aus denen die Maschine konstruiert ist, so, wie die Natur den Menschen zerreißt, wenn sie aus seinem noch belebten Organismus den Leichnam macht. Wir haben überall in unseren Mechanismen die Leichname des natürlichen Daseins. Aber der Mensch ist nicht aus diesem Leichnam der Natur heraus geboren, aus dem unsere mechanische Welt besteht, die wir allmählich als Technik heraufgebracht haben. Der Mensch ist aus derjenigen Natur heraus geboren, die lebendig ist, die bis ins Mineralreich hinein lebendig ist. Wir haben in der modernen Technik zu dieser Natur hinzugefügt eine andere Natur, einen Leichnam der Natur. Wir haben gewissermaßen, nachdem alle geologischen Schichten in der Erde gebildet worden waren (siehe Zeichnung, blau, orange), eine oberste geologische Schicht darübergestülpt (grün), die aus unseren Maschinen besteht und die nichts mehr von der Lebendigkeit der Natur enthält. In dem Toten der Natur arbeiten wir, indem wir die moderne Technik hinzugefügt haben zu demjenigen, was früher da war.
[ 9 ] Wenn wir eine Maschine konstruieren, so zerreißen wir die Materialien, aus denen die Maschine konstruiert ist, so, wie die Natur den Menschen zerreißt, wenn sie aus seinem noch belebten Organismus den Leichnam macht. Wir haben überall in unseren Mechanismen die Leichname des natürlichen Daseins. Aber der Mensch ist nicht aus diesem Leichnam der Natur heraus geboren, aus dem unsere mechanische Welt besteht, die wir allmählich als Technik heraufgebracht haben. Der Mensch ist aus derjenigen Natur heraus geboren, die lebendig ist, die bis ins Mineralreich hinein lebendig ist. Wir haben in der modernen Technik zu dieser Natur hinzugefügt eine andere Natur, einen Leichnam der Natur. Wir haben gewissermaßen, nachdem alle geologischen Schichten in der Erde gebildet worden waren (siehe Zeichnung, blau, orange), eine oberste geologische Schicht darübergestülpt (grün), die aus unseren Maschinen besteht und die nichts mehr von der Lebendigkeit der Natur enthält. In dem Toten der Natur arbeiten wir, indem wir die moderne Technik hinzugefügt haben zu demjenigen, was früher da war.


[ 10 ] Es ist dies etwas, was einen erschütternden Eindruck auf den Menschen macht, wenn er es in seiner vollen Ausdehnung betrachtet, wenn er namentlich ins Auge faßt, wie losgelöst der moderne Mensch das Leben nicht nur durch die äußere mechanische Technik, sondern durch die technische Denkweise gemacht hat.
[ 10 ] Es ist dies etwas, was einen erschütternden Eindruck auf den Menschen macht, wenn er es in seiner vollen Ausdehnung betrachtet, wenn er namentlich ins Auge faßt, wie losgelöst der moderne Mensch das Leben nicht nur durch die äußere mechanische Technik, sondern durch die technische Denkweise gemacht hat.
[ 11 ] Bedenken Sie nur so etwas, wie etwa die Beendigung jenes Krieges, der zwischen China und Japan stattgefunden hat gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Was hat sich da zugetragen nach dem Friedensschluß, als die Austragung des Friedensschlusses? — Eine ungeheure Millionensumme hat der chinesische Minister auf einen Scheck geschrieben. Diesen Scheck hat er auf eine Bank tragen lassen. Irgendein untergeordneter Beamter hat diesen Scheck genommen, und dieser Scheck wurde einfach die Ursache, daß man rein bankmäßig jene ungeheure Millionensumme, die der chinesische Minister auf den Scheck geschrieben hatte, übertragen hat auf den japanischen Gesandten in China. Es hat sich da etwas abgespielt in einer leichenhaften, selbstverständlich äußeren, ich möchte sagen schattenhaften-leichenhaften Art. Und nichts anderes ist dadurch bewirkt worden, als daß die Millionenkredite, die bis dahin das chinesische Reich auf den Banken von England gehabt hat, durch dieses Hinschreiben auf den Scheck, durch das Übergeben des Schecks, an Japan übergegangen sind. Wenn man das, was da als eine Millionensumme von Kriegsentschädigungen einfach durch Überschreibung mit Hilfe eines Schecks von China auf Japan übergegangen ist auf dem Kreditwege, in alten Formen hätte zahlen wollen — ich will selbst die mildeste Form annehmen, daß man es hätte in Geld bezahlen wollen —, was hätte das bedeutet, wenn man dieses ganze Geld auch nur so, wie das chinesische Geld heute noch ist oder war vor verhältnismäßig kurzer Zeit, hätte hinübersenden müssen von China nach Japan? — Also da, wo man es noch zu tun hat mit Realitäten, zeigt einem schon die mildeste Form, was dieses moderne Leben verhältnismäßig schnell im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geworden ist. Die ganze menschliche Denkweise ist von solchen Dingen erfaßt worden und sie hat sich ganz selbstverständlich hineingefunden. Der Intellektualismus, der die Menschheit eben ahrimanisiert, der ist eine Selbstverständlichkeit geworden.
[ 11 ] Bedenken Sie nur so etwas, wie etwa die Beendigung jenes Krieges, der zwischen China und Japan stattgefunden hat gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Was hat sich da zugetragen nach dem Friedensschluß, als die Austragung des Friedensschlusses? — Eine ungeheure Millionensumme hat der chinesische Minister auf einen Scheck geschrieben. Diesen Scheck hat er auf eine Bank tragen lassen. Irgendein untergeordneter Beamter hat diesen Scheck genommen, und dieser Scheck wurde einfach die Ursache, daß man rein bankmäßig jene ungeheure Millionensumme, die der chinesische Minister auf den Scheck geschrieben hatte, übertragen hat auf den japanischen Gesandten in China. Es hat sich da etwas abgespielt in einer leichenhaften, selbstverständlich äußeren, ich möchte sagen schattenhaften-leichenhaften Art. Und nichts anderes ist dadurch bewirkt worden, als daß die Millionenkredite, die bis dahin das chinesische Reich auf den Banken von England gehabt hat, durch dieses Hinschreiben auf den Scheck, durch das Übergeben des Schecks, an Japan übergegangen sind. Wenn man das, was da als eine Millionensumme von Kriegsentschädigungen einfach durch Überschreibung mit Hilfe eines Schecks von China auf Japan übergegangen ist auf dem Kreditwege, in alten Formen hätte zahlen wollen — ich will selbst die mildeste Form annehmen, daß man es hätte in Geld bezahlen wollen —, was hätte das bedeutet, wenn man dieses ganze Geld auch nur so, wie das chinesische Geld heute noch ist oder war vor verhältnismäßig kurzer Zeit, hätte hinübersenden müssen von China nach Japan? — Also da, wo man es noch zu tun hat mit Realitäten, zeigt einem schon die mildeste Form, was dieses moderne Leben verhältnismäßig schnell im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geworden ist. Die ganze menschliche Denkweise ist von solchen Dingen erfaßt worden und sie hat sich ganz selbstverständlich hineingefunden. Der Intellektualismus, der die Menschheit eben ahrimanisiert, der ist eine Selbstverständlichkeit geworden.
[ 12 ] Auf der anderen Seite ist es ja so, daß der Mensch im sozialen Leben auch das durchmachen mußte, was durchgemacht worden ist. Geradeso wie er ohne den Intellektualismus nicht zur reinen Naturerkenntnis gekommen wäre, so wäre er ohne das, was er durchgemacht hat im sozialen Leben, nicht zum Bewußtsein seiner Freiheit gekommen. Der Mensch ist ausgehöhlt worden durch die moderne Wissenschaftlichkeit. Er weiß nichts mehr von sich. Er kann nicht das Wesen des Menschen erfassen. Aber auf der anderen Seite entstand in ihm die höchste menschliche Spannung, die höchste Anforderung an dieses Menschenwesen, zu handeln aus den Urimpulsen dieses Wesens selber heraus, indem der Mensch als freies Wesen handeln soll.
[ 12 ] Auf der anderen Seite ist es ja so, daß der Mensch im sozialen Leben auch das durchmachen mußte, was durchgemacht worden ist. Geradeso wie er ohne den Intellektualismus nicht zur reinen Naturerkenntnis gekommen wäre, so wäre er ohne das, was er durchgemacht hat im sozialen Leben, nicht zum Bewußtsein seiner Freiheit gekommen. Der Mensch ist ausgehöhlt worden durch die moderne Wissenschaftlichkeit. Er weiß nichts mehr von sich. Er kann nicht das Wesen des Menschen erfassen. Aber auf der anderen Seite entstand in ihm die höchste menschliche Spannung, die höchste Anforderung an dieses Menschenwesen, zu handeln aus den Urimpulsen dieses Wesens selber heraus, indem der Mensch als freies Wesen handeln soll.
[ 13 ] Will man ein Symbol für das, was da eigentlich stattgefunden hat, so kann man nichts anderes sagen als: Der Mensch verlor immer mehr und mehr die Fülle seines Wesens und wurde ganz und gar Null vor seiner eigenen Anschauung. Denn das, was moderne Naturwissenschaft ist, enthält nichts über den Menschen. Der Mensch wurde nach und nach ganz und gar Null. Und in der Null soll jetzt der Impuls der Freiheit ausstrahlen (siehe Zeichnung).
[ 13 ] Will man ein Symbol für das, was da eigentlich stattgefunden hat, so kann man nichts anderes sagen als: Der Mensch verlor immer mehr und mehr die Fülle seines Wesens und wurde ganz und gar Null vor seiner eigenen Anschauung. Denn das, was moderne Naturwissenschaft ist, enthält nichts über den Menschen. Der Mensch wurde nach und nach ganz und gar Null. Und in der Null soll jetzt der Impuls der Freiheit ausstrahlen (siehe Zeichnung).


[ 14 ] Das ist die Zwiespältigkeit des modernen Menschen. Er soll frei sein, das heißt, die Impulse seines Wesens, die Impulse seines Handelns in sich selber finden; aber wenn er dorthinein will mit seinem Erkennen, woraus die Impulse seines Handelns werden sollen, so findet er eine Null, ist er ein innerlich hohles Wesen. Es ist eine Notwendigkeit, daß es so gekommen ist; aber es ist ebenso eine Notwendigkeit, daß die moderne Menschheit darüber wieder hinauskommt. Denn innerhalb der Freiheit luziferisiert man sich, wenn man nicht zum Äquilibrium kommt; und innerhalb der modernen Wissenschaftlichkeit ahrimanisiert man sich, wenn man nicht zum Äquilibrium, zum Gleichgewichtszustandekommt.
[ 14 ] Das ist die Zwiespältigkeit des modernen Menschen. Er soll frei sein, das heißt, die Impulse seines Wesens, die Impulse seines Handelns in sich selber finden; aber wenn er dorthinein will mit seinem Erkennen, woraus die Impulse seines Handelns werden sollen, so findet er eine Null, ist er ein innerlich hohles Wesen. Es ist eine Notwendigkeit, daß es so gekommen ist; aber es ist ebenso eine Notwendigkeit, daß die moderne Menschheit darüber wieder hinauskommt. Denn innerhalb der Freiheit luziferisiert man sich, wenn man nicht zum Äquilibrium kommt; und innerhalb der modernen Wissenschaftlichkeit ahrimanisiert man sich, wenn man nicht zum Äquilibrium, zum Gleichgewichtszustandekommt.
[ 15 ] Wie kommt man zum Gleichgewichtszustande? — Da muß man eben auf etwas hinweisen, was man nennen könnte die «Goldene Regel der modernen anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft». Wissenschaft, sie ist gut. Wissenschaft mußte heraufkommen in der neueren Entwickelung. Aber diese Wissenschaft braucht eine Ergänzung. Sie braucht die Erkenntnis des Menschen. Und diese Erkenntnis des Menschen kann allein gebracht werden durch die Geisteswissenschaft. Es ist keine Erkenntnis des Menschen, wenn man den Menschen seziert und das Hirn nimmt und die Leber nimmt und den Magen nimmt und das Herz nimmt, denn da bekommt man eben, nur in einer etwas anderen Form, was man in der Tierwelt auch bekommt. Das hat alles tatsächlich keinen Wert für die Menschenerkenntnis als solche. Einen Wert für die Menschenerkenntnis hat nur dasjenige, was man aus der Geisteswissenschaft heraus über den Menschen gewinnt. In dem Augenblicke, in dem man weiß, daß der Mensch mit seinem eigentlichen Ich im Willen wurzelt, daß er mit seinem willenserfüllten Ich zunächst seine eigentliche irdische Geistigkeit darstellt, daß diese im Irdischen ergreift den Stoffwechsel als solchen, hat man zunächst einen Anhaltspunkt, diesen Stoffwechsel im Menschen zu studieren und dann dessen Spezifizierung durch den menschlichen Organismus hindurch. Man kommt vom Geistigen aus zum Ergreifen des Leiblichen im Menschen. Lernt man erkennen das rhythmische System, wie es sich ausprägt in der Gestaltung des Atmungsverlaufes, des Blutsverlaufes, so bricht man mit dem Aberglauben, daß das Herz eine Pumpe ist, die das Blut wie irgendein Gewässer durch den Organismus treibt. Dann lernt man erkennen, daß Tafel 4
[ 15 ] Wie kommt man zum Gleichgewichtszustande? — Da muß man eben auf etwas hinweisen, was man nennen könnte die «Goldene Regel der modernen anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft». Wissenschaft, sie ist gut. Wissenschaft mußte heraufkommen in der neueren Entwickelung. Aber diese Wissenschaft braucht eine Ergänzung. Sie braucht die Erkenntnis des Menschen. Und diese Erkenntnis des Menschen kann allein gebracht werden durch die Geisteswissenschaft. Es ist keine Erkenntnis des Menschen, wenn man den Menschen seziert und das Hirn nimmt und die Leber nimmt und den Magen nimmt und das Herz nimmt, denn da bekommt man eben, nur in einer etwas anderen Form, was man in der Tierwelt auch bekommt. Das hat alles tatsächlich keinen Wert für die Menschenerkenntnis als solche. Einen Wert für die Menschenerkenntnis hat nur dasjenige, was man aus der Geisteswissenschaft heraus über den Menschen gewinnt. In dem Augenblicke, in dem man weiß, daß der Mensch mit seinem eigentlichen Ich im Willen wurzelt, daß er mit seinem willenserfüllten Ich zunächst seine eigentliche irdische Geistigkeit darstellt, daß diese im Irdischen ergreift den Stoffwechsel als solchen, hat man zunächst einen Anhaltspunkt, diesen Stoffwechsel im Menschen zu studieren und dann dessen Spezifizierung durch den menschlichen Organismus hindurch. Man kommt vom Geistigen aus zum Ergreifen des Leiblichen im Menschen. Lernt man erkennen das rhythmische System, wie es sich ausprägt in der Gestaltung des Atmungsverlaufes, des Blutsverlaufes, so bricht man mit dem Aberglauben, daß das Herz eine Pumpe ist, die das Blut wie irgendein Gewässer durch den Organismus treibt. Dann lernt man erkennen, daß Tafel 4
[ 16 ] das Geistige eingreift in die Blutzirkulation, daß also da der Rhythmus den Stoffwechsel ergreift, die Blutzirkulation bewirkt und dann im Verlaufe der menschlichen Entwickelung, schon in der Embryonalentwickelung, das Herz herausplastiziert aus dem, was der Blutkreislauf ist, so daß das Herz aus dem Blutkreislauf heraus, also aus dem Geistigen heraus gebildet ist. Lernt man dann erkennen, wie im NervenSinnessystem das Vorstellungsleben wiederum abträgt den Stoffwechselprozeß, so lernt man den Nerv erkennen als etwas, was zurückgelassen wird vom Vorstellungsleben. Dann durchschaut man den Menschen so, wie man das Tier nicht durchschauen kann, denn beim Tier sind die Dinge noch ganz anders!
[ 16 ] das Geistige eingreift in die Blutzirkulation, daß also da der Rhythmus den Stoffwechsel ergreift, die Blutzirkulation bewirkt und dann im Verlaufe der menschlichen Entwickelung, schon in der Embryonalentwickelung, das Herz herausplastiziert aus dem, was der Blutkreislauf ist, so daß das Herz aus dem Blutkreislauf heraus, also aus dem Geistigen heraus gebildet ist. Lernt man dann erkennen, wie im NervenSinnessystem das Vorstellungsleben wiederum abträgt den Stoffwechselprozeß, so lernt man den Nerv erkennen als etwas, was zurückgelassen wird vom Vorstellungsleben. Dann durchschaut man den Menschen so, wie man das Tier nicht durchschauen kann, denn beim Tier sind die Dinge noch ganz anders!
[ 17 ] So stellt es sich ungefähr der Materialist vor (siehe Zeichnung), hier sei ein Nerv (rot) und dieser Nerv bewirke irgend etwas als Vorstellung. — Nein, so ist es nicht in Wirklichkeit; sondern in Wirklichkeit ist es so, daß das Vorstellungsleben verläuft, und während das Vorstellungsleben verläuft, zerstört es die organische Materie, schafft gewissermaßen eine Bahn des Unrates in der Ausdehnung des Nervs (hell).Das ist Ablagerung, was das Vorstellungsleben schafft, etwas, was Ausscheidung aus dem Organismus ist. Und der Nerv ist Ausscheidungsorgan für das Vorstellungsleben.
[ 17 ] So stellt es sich ungefähr der Materialist vor (siehe Zeichnung), hier sei ein Nerv (rot) und dieser Nerv bewirke irgend etwas als Vorstellung. — Nein, so ist es nicht in Wirklichkeit; sondern in Wirklichkeit ist es so, daß das Vorstellungsleben verläuft, und während das Vorstellungsleben verläuft, zerstört es die organische Materie, schafft gewissermaßen eine Bahn des Unrates in der Ausdehnung des Nervs (hell).Das ist Ablagerung, was das Vorstellungsleben schafft, etwas, was Ausscheidung aus dem Organismus ist. Und der Nerv ist Ausscheidungsorgan für das Vorstellungsleben.


[ 18 ] In der materialistischen Zeit hat man einen materialistischen Vergleich gebraucht, daß das Gehirn Gedanken ausschwitze, wie die Leber etwa die Galle. — Es ist Unsinn, denn das Umgekehrte ist richtig, daß nämlich von den Gedanken das Gehirn abgeschieden wird, natürlich immer neu abgeschieden wird, weil es immer wiederum vom Stoffwechselorganismus aus ersetzt wird. Der heutige Mensch, der wissenschaftlich ist, wird ja zunächst damit überhaupt noch gar nichts Rechtes anfangen können, denn er wird sagen, das sei doch beim Tier auch alles der Fall, das habe auch ein Gehirn, diese und jene Organe und so weiter. — Darin zeigt sich aber gerade, daß der Mensch sich nicht selbst erkennt; denn wer so vom Menschen und von dem Tiere spricht, begeht eben den Fehler, den der begehen würde, der als Gesetzgeber etwa alle Rasiermesser, die sich bei sämtlichen Raseuren irgendeines Ortes befinden, in die Wirtshäuser tragen ließe, weil er mit dem Messer nur die Vorstellung des Essens verbindet und daraus schließt, daß ein Instrument, das in einer bestimmten Weise geformt ist, eben nur dem einen Zweck zugehören müsse. — Das Wichtige ist, zu erkennen, daß dasjenige, was beim Menschen auftritt als Organ, in einem ganz anderen Dienste steht als bei den Tieren, und daß die ganze Betrachtungsweise, wie ich sie jetzt erst in ihrem allerelementarsten Elemente dargelegt habe, eben für die Tiere einen solchen Sinn nicht hat. Gerade die Erkenntnis dessen, was der Mensch aus dem Geistigen heraus als materielle Organe hat, ist so ungeheuer wichtig; denn diese konkrete Selbsterkenntnis ist es, worauf es ankommt. Alles Geschwafel und Geschwatze von irgendwelchen Mystizismen, die heute noch aufgebaut werden darauf, daß man sagt, der Mensch müsse sich innerlich selber erfassen, all dieses Geträume ist nichts; denn das führt nicht zu einer wirklichen Selbsterkenntnis des Menschen, sondern nur zu einem innerlichen Wohlgefühl. Der Mensch muß mit ausdauerndem Fleiße verfolgen, wie aus dem Geiste heraus sich plastisch gestalten seine einzelnen Organe. Es muß wirkliche Wissenschaft aus dem Geistigen heraus aufgebaut werden. Man muß gewissermaßen nachplastizieren den Menschen, so wie er vor uns steht, aus dem Geiste heraus. Das ist das eine.
[ 18 ] In der materialistischen Zeit hat man einen materialistischen Vergleich gebraucht, daß das Gehirn Gedanken ausschwitze, wie die Leber etwa die Galle. — Es ist Unsinn, denn das Umgekehrte ist richtig, daß nämlich von den Gedanken das Gehirn abgeschieden wird, natürlich immer neu abgeschieden wird, weil es immer wiederum vom Stoffwechselorganismus aus ersetzt wird. Der heutige Mensch, der wissenschaftlich ist, wird ja zunächst damit überhaupt noch gar nichts Rechtes anfangen können, denn er wird sagen, das sei doch beim Tier auch alles der Fall, das habe auch ein Gehirn, diese und jene Organe und so weiter. — Darin zeigt sich aber gerade, daß der Mensch sich nicht selbst erkennt; denn wer so vom Menschen und von dem Tiere spricht, begeht eben den Fehler, den der begehen würde, der als Gesetzgeber etwa alle Rasiermesser, die sich bei sämtlichen Raseuren irgendeines Ortes befinden, in die Wirtshäuser tragen ließe, weil er mit dem Messer nur die Vorstellung des Essens verbindet und daraus schließt, daß ein Instrument, das in einer bestimmten Weise geformt ist, eben nur dem einen Zweck zugehören müsse. — Das Wichtige ist, zu erkennen, daß dasjenige, was beim Menschen auftritt als Organ, in einem ganz anderen Dienste steht als bei den Tieren, und daß die ganze Betrachtungsweise, wie ich sie jetzt erst in ihrem allerelementarsten Elemente dargelegt habe, eben für die Tiere einen solchen Sinn nicht hat. Gerade die Erkenntnis dessen, was der Mensch aus dem Geistigen heraus als materielle Organe hat, ist so ungeheuer wichtig; denn diese konkrete Selbsterkenntnis ist es, worauf es ankommt. Alles Geschwafel und Geschwatze von irgendwelchen Mystizismen, die heute noch aufgebaut werden darauf, daß man sagt, der Mensch müsse sich innerlich selber erfassen, all dieses Geträume ist nichts; denn das führt nicht zu einer wirklichen Selbsterkenntnis des Menschen, sondern nur zu einem innerlichen Wohlgefühl. Der Mensch muß mit ausdauerndem Fleiße verfolgen, wie aus dem Geiste heraus sich plastisch gestalten seine einzelnen Organe. Es muß wirkliche Wissenschaft aus dem Geistigen heraus aufgebaut werden. Man muß gewissermaßen nachplastizieren den Menschen, so wie er vor uns steht, aus dem Geiste heraus. Das ist das eine.
[ 19 ] Man kann also sagen: Während heute die Menschheit so lebt, wie sie eben lebt, daß sie sich autoritativ die Wissenschaften von den verschiedenen Anstalten aus vorbringen läßt, besteht schon in den geistigen Welten ein heiliges Gebot: Daß ergänzt werden muß die äußere Wissenschaft durch die Wissenschaft von der Erkenntnis des Menschen. — Und unglücklich muß die Menschheit werden, wenn sie nur äußere Wissenschaft empfängt. In den alten Zeiten waren die Mysterien dazu da, daß man an die Menschen das nicht hat herankornmen lassen, was den Menschen schädlich war. Das ist aber mit dem Geiste der modernen Menschheit nicht verträglich, daher muß diese Menschheit in ihren bewußten Exemplaren das besorgen, was früher von äußeren Gewalten besorgt worden ist. Die Menschheit muß durch diejenigen Persönlichkeiten, die etwas von diesen Dingen verstehen lernen, besorgen, daß die einzelnen Wissenschaften ihre Schatten nicht werfen können, indem diesem Schattenwerfen, durch das die Menschheit verfinstert werden würde, entgegengebracht wird das Licht wirklicher, wahrer, konkreter Selbsterkenntnis des Menschen. Wissenschaften ohne menschliche Selbsterkenntnis sind schädlich, denn sie verahrimanisieren die Menschheit. Wissenschaften mit dem Gegenbilde menschlicher Selbsterkenntnis sind eine Wohltat für die Menschheit, denn sie führen die Menschheit wirklich zu dem, wozu diese Menschheit kommen soll in der nächsten Zeit. Keine Wissenschaft darf es geben, die nicht in irgendeine Beziehung zum Menschen gerückt wird. Keine Wissenschaft darf es geben, die nicht verfolgt wird bis in das Innerste des Menschen hinein, wo sie, wenn man sie dahinein verfolgt, erst ihren rechten Sinn erhält.
[ 19 ] Man kann also sagen: Während heute die Menschheit so lebt, wie sie eben lebt, daß sie sich autoritativ die Wissenschaften von den verschiedenen Anstalten aus vorbringen läßt, besteht schon in den geistigen Welten ein heiliges Gebot: Daß ergänzt werden muß die äußere Wissenschaft durch die Wissenschaft von der Erkenntnis des Menschen. — Und unglücklich muß die Menschheit werden, wenn sie nur äußere Wissenschaft empfängt. In den alten Zeiten waren die Mysterien dazu da, daß man an die Menschen das nicht hat herankornmen lassen, was den Menschen schädlich war. Das ist aber mit dem Geiste der modernen Menschheit nicht verträglich, daher muß diese Menschheit in ihren bewußten Exemplaren das besorgen, was früher von äußeren Gewalten besorgt worden ist. Die Menschheit muß durch diejenigen Persönlichkeiten, die etwas von diesen Dingen verstehen lernen, besorgen, daß die einzelnen Wissenschaften ihre Schatten nicht werfen können, indem diesem Schattenwerfen, durch das die Menschheit verfinstert werden würde, entgegengebracht wird das Licht wirklicher, wahrer, konkreter Selbsterkenntnis des Menschen. Wissenschaften ohne menschliche Selbsterkenntnis sind schädlich, denn sie verahrimanisieren die Menschheit. Wissenschaften mit dem Gegenbilde menschlicher Selbsterkenntnis sind eine Wohltat für die Menschheit, denn sie führen die Menschheit wirklich zu dem, wozu diese Menschheit kommen soll in der nächsten Zeit. Keine Wissenschaft darf es geben, die nicht in irgendeine Beziehung zum Menschen gerückt wird. Keine Wissenschaft darf es geben, die nicht verfolgt wird bis in das Innerste des Menschen hinein, wo sie, wenn man sie dahinein verfolgt, erst ihren rechten Sinn erhält.
[ 20 ] So kommt man durch diese wirkliche, konkrete Selbsterkenntnis hin zum Äquilibrium, zum Gleichgewicht, aus dem einen die Wissenschaften herausgebracht haben. Den heutigen Menschen interessiert es meistens gar nicht, was er da in der Welt für ein Wesen ist. Er läßt sich allerdings, wenn er besonders tief sein will, vorschwafeln, daß er irgendein kleiner Gott ist oder dergleichen, wobei nur wiederum von dem Gotte keine rechte Vorstellung vorliegt; aber es interessiert ihn wenig, wie aus dem ganzen Weltenall heraus seine einzelne menschliche Gestalt gebildet ist.
[ 20 ] So kommt man durch diese wirkliche, konkrete Selbsterkenntnis hin zum Äquilibrium, zum Gleichgewicht, aus dem einen die Wissenschaften herausgebracht haben. Den heutigen Menschen interessiert es meistens gar nicht, was er da in der Welt für ein Wesen ist. Er läßt sich allerdings, wenn er besonders tief sein will, vorschwafeln, daß er irgendein kleiner Gott ist oder dergleichen, wobei nur wiederum von dem Gotte keine rechte Vorstellung vorliegt; aber es interessiert ihn wenig, wie aus dem ganzen Weltenall heraus seine einzelne menschliche Gestalt gebildet ist.
[ 21 ] Das soziale Leben verluziferisiert, wenn es gewissermaßen nur hinführt zu der Forderung der Freiheit innerhalb dessen, was Null geworden ist. Null wird der Mensch sich selber nicht sein, wenn er zu einer wirklichen Selbsterkenntnis gelangt; denn er wird dann wissen, wie sich in dem, was innerhalb seiner Haut ist, das ganze Weltengebäude ein Abbild schafft, wie jeder Mensch ein Ergebnis der ganzen Welt in sich trägt innerhalb seiner Haut. Im sozialen Leben wird der Impuls der Freiheit dadurch zum Äquilibrium hingetragen, daß wir kennenlernen dasjenige, was als Geistiges der Welt zugrunde liegt, daß wir hinauskommen über die bloße materielle Weltenbetrachtung, die ja gerade das ist, was charakteristisch geworden ist für die Erkenntnisentwickelung der letzten Jahrhunderte.
[ 21 ] Das soziale Leben verluziferisiert, wenn es gewissermaßen nur hinführt zu der Forderung der Freiheit innerhalb dessen, was Null geworden ist. Null wird der Mensch sich selber nicht sein, wenn er zu einer wirklichen Selbsterkenntnis gelangt; denn er wird dann wissen, wie sich in dem, was innerhalb seiner Haut ist, das ganze Weltengebäude ein Abbild schafft, wie jeder Mensch ein Ergebnis der ganzen Welt in sich trägt innerhalb seiner Haut. Im sozialen Leben wird der Impuls der Freiheit dadurch zum Äquilibrium hingetragen, daß wir kennenlernen dasjenige, was als Geistiges der Welt zugrunde liegt, daß wir hinauskommen über die bloße materielle Weltenbetrachtung, die ja gerade das ist, was charakteristisch geworden ist für die Erkenntnisentwickelung der letzten Jahrhunderte.
[ 22 ] Den Menschen hat man verloren. Die äußere Welt ist menschenleer geworden. Wir betrachten in der äußeren Astronomie die Sonne, die Planeten, die Fixsterne, die Kometen; die gehen für uns als irgendwelche objektive Körper durch den Raum. Wir suchen ihre Bewegungsgesetze. Da ist nichts drinnen vom Menschen. Lesen Sie meine «Geheimwissenschaft im Umriß» und versuchen Sie, das sich vor die Seele zu führen, was da als eine Beschreibung der Weltevolution auftritt. Gleich wenn Sie da lesen vom alten Saturn, dann lesen Sie nicht etwas, was Ihnen der heutige Astronom schildert, sondern dann lesen Sie gleich von dem, was als erste Anlage des Menschen erscheint. Da ist in der Saturnschilderung zugleich alles das drinnen, was eben als erste Menschheitsanlage während der Saturnentwickelung vorhanden war. Und mit dieser Weltevolutionsgeschichte verfolgen Sie zugleich die ganze menschliche Entwickelung. Nirgends haben Sie da eine menschenleere Welt. Das was Sie selber sind, finden Sie von Stufengang zu Stufengang in der Weltentwickelung selber geschildert.
[ 22 ] Den Menschen hat man verloren. Die äußere Welt ist menschenleer geworden. Wir betrachten in der äußeren Astronomie die Sonne, die Planeten, die Fixsterne, die Kometen; die gehen für uns als irgendwelche objektive Körper durch den Raum. Wir suchen ihre Bewegungsgesetze. Da ist nichts drinnen vom Menschen. Lesen Sie meine «Geheimwissenschaft im Umriß» und versuchen Sie, das sich vor die Seele zu führen, was da als eine Beschreibung der Weltevolution auftritt. Gleich wenn Sie da lesen vom alten Saturn, dann lesen Sie nicht etwas, was Ihnen der heutige Astronom schildert, sondern dann lesen Sie gleich von dem, was als erste Anlage des Menschen erscheint. Da ist in der Saturnschilderung zugleich alles das drinnen, was eben als erste Menschheitsanlage während der Saturnentwickelung vorhanden war. Und mit dieser Weltevolutionsgeschichte verfolgen Sie zugleich die ganze menschliche Entwickelung. Nirgends haben Sie da eine menschenleere Welt. Das was Sie selber sind, finden Sie von Stufengang zu Stufengang in der Weltentwickelung selber geschildert.
[ 23 ] Was ist die Folge? Wenn Sie dasjenige, was Ihnen die moderne Wissenschaft gibt von irgendwelchen alten Nebelzuständen, die sich ballen und so weiter, aus denen dann unsere jetzige Welt entstanden sein soll, in der aber der Mensch nicht gefunden werden kann, durchgehen, haben Sie in Wirklichkeit nichts Menschliches, das bleibt alles bloß intellektualistisch. Da erfahren Sie etwas, was Ihren Kopf interessieren kann, aber es ergreift nicht Ihren ganzen Menschen. Ihr ganzer Mensch kann nur ergriffen werden von einer Erkenntnis, die diesen ganzen Menschen schon enthält. Und es ist im Grunde genommen nur die Trägheit des modernen Menschen, der gar nicht gewöhnt ist, wenn er irgend etwas in sich aufnimmt, auch Gefühle und Willensimpulse zu entwickeln. — Es ist Trägheit, wenn der Mensch, indem er diese Evolution von Saturn, Sonne, Mond und so weiter bis zur Erde hin liest, dann wiederum liest die Perspektive für die Zukunft, dieses Leben, trotzdem alles in reinen Begriffen gegeben ist, nicht seine Gefühle anregend findet, wenn er nicht fühlt: Da stehst du drinnen in der Welt, da bist du zusammen mit dieser ganzen Welt, da weißt du dich eins mit dieser ganzen Welt!
[ 23 ] Was ist die Folge? Wenn Sie dasjenige, was Ihnen die moderne Wissenschaft gibt von irgendwelchen alten Nebelzuständen, die sich ballen und so weiter, aus denen dann unsere jetzige Welt entstanden sein soll, in der aber der Mensch nicht gefunden werden kann, durchgehen, haben Sie in Wirklichkeit nichts Menschliches, das bleibt alles bloß intellektualistisch. Da erfahren Sie etwas, was Ihren Kopf interessieren kann, aber es ergreift nicht Ihren ganzen Menschen. Ihr ganzer Mensch kann nur ergriffen werden von einer Erkenntnis, die diesen ganzen Menschen schon enthält. Und es ist im Grunde genommen nur die Trägheit des modernen Menschen, der gar nicht gewöhnt ist, wenn er irgend etwas in sich aufnimmt, auch Gefühle und Willensimpulse zu entwickeln. — Es ist Trägheit, wenn der Mensch, indem er diese Evolution von Saturn, Sonne, Mond und so weiter bis zur Erde hin liest, dann wiederum liest die Perspektive für die Zukunft, dieses Leben, trotzdem alles in reinen Begriffen gegeben ist, nicht seine Gefühle anregend findet, wenn er nicht fühlt: Da stehst du drinnen in der Welt, da bist du zusammen mit dieser ganzen Welt, da weißt du dich eins mit dieser ganzen Welt!
[ 24 ] Dieses Sich-eins-Wissen mit der Welt, das unterscheidet diese Welterkenntnis, die aus anthroposophischer Geisteswissenschaft kommt, von derjenigen Weltansicht, die heute die gewöhnliche ist. Aber lassen Sie das sich hineinergießen in die Menschen der heutigen Zeit, denen das fehlt, lassen Sie die Menschen erfüllt sein von diesem Bewußtsein der Zugehörigkeit zu der ganzen Welt, dann werden jene sozialen Stimmungen entstehen können, die die Menschheit weiterführen können. — Währenddem das, was heraufgekommen ist, was ja allerdings zu der Forderung der Freiheit führen konnte, aber dem Menschen kein Verantwortungsgefühl gibt, die Menschen nur dazu gebracht hat, jenes Chaos herbeizuführen, in dem wir eben jetzt darinnenleben. Die Luziferisierung kann nur verhindert werden dadurch, daß die Menschen ihre Stellung im Weltenall erkennen, daß sie nicht nur das Physische des Weltenalls, das sinnlich Gegebene des Weltenalls, sondern das Geistige des Weltenalls durchschauen, sich als Geist im Geist des Weltenalls fühlen. Von diesem Erfülltsein vom Zusammenhange des Menschen mit der geistigen Welt geht auch wirkliches soziales Fühlen aus, strömt dasjenige aus, was gebraucht wird, damit der Mensch auf Erden auch das soziale Leben befruchten kann.
[ 24 ] Dieses Sich-eins-Wissen mit der Welt, das unterscheidet diese Welterkenntnis, die aus anthroposophischer Geisteswissenschaft kommt, von derjenigen Weltansicht, die heute die gewöhnliche ist. Aber lassen Sie das sich hineinergießen in die Menschen der heutigen Zeit, denen das fehlt, lassen Sie die Menschen erfüllt sein von diesem Bewußtsein der Zugehörigkeit zu der ganzen Welt, dann werden jene sozialen Stimmungen entstehen können, die die Menschheit weiterführen können. — Währenddem das, was heraufgekommen ist, was ja allerdings zu der Forderung der Freiheit führen konnte, aber dem Menschen kein Verantwortungsgefühl gibt, die Menschen nur dazu gebracht hat, jenes Chaos herbeizuführen, in dem wir eben jetzt darinnenleben. Die Luziferisierung kann nur verhindert werden dadurch, daß die Menschen ihre Stellung im Weltenall erkennen, daß sie nicht nur das Physische des Weltenalls, das sinnlich Gegebene des Weltenalls, sondern das Geistige des Weltenalls durchschauen, sich als Geist im Geist des Weltenalls fühlen. Von diesem Erfülltsein vom Zusammenhange des Menschen mit der geistigen Welt geht auch wirkliches soziales Fühlen aus, strömt dasjenige aus, was gebraucht wird, damit der Mensch auf Erden auch das soziale Leben befruchten kann.
[ 25 ] Wiederum ist es so, daß man sagen kann: Was als modernes soziales Leben den Menschen die Freiheitsempfindung gebracht hat, führt zunächst zur Luziferisierung. Die Menschen der Gegenwart mögen davon nichts empfinden. Aber in der geistigen Welt, in der wir ja immer auch drinnenstehen, steht wiederum ein heiliges Gebot, und das spricht zu dem Menschen: Ihr sollt nicht weiter sein lassen den Impuls der Freiheit ohne kosmisches Fühlen! — So wie Menschenerkenntnis zu den äußeren Wissenschaften hinzutreten muß, so kosmisches Fühlen zu demjenigen, was sich im sozialen Leben in der neueren Zeit heraufentwickelt hat.
[ 25 ] Wiederum ist es so, daß man sagen kann: Was als modernes soziales Leben den Menschen die Freiheitsempfindung gebracht hat, führt zunächst zur Luziferisierung. Die Menschen der Gegenwart mögen davon nichts empfinden. Aber in der geistigen Welt, in der wir ja immer auch drinnenstehen, steht wiederum ein heiliges Gebot, und das spricht zu dem Menschen: Ihr sollt nicht weiter sein lassen den Impuls der Freiheit ohne kosmisches Fühlen! — So wie Menschenerkenntnis zu den äußeren Wissenschaften hinzutreten muß, so kosmisches Fühlen zu demjenigen, was sich im sozialen Leben in der neueren Zeit heraufentwickelt hat.
[ 26 ] Diese zwei Dinge, Menschheitserkenntnis und Fühlen mit dem ganzen Weltenall, das ist es, was dem Menschen das Äquilibrium gibt. Das kann er aber finden, wenn er im neuzeitlichsten Sinne das Christus-Mysterium wirklich begreift, es so begreift, wie es anthroposophische Geist-Erkenntnis ihm geben kann. Denn da sprechen wir von dem Christus als einem kosmischen Wesen, das aus kosmischen Unendlichkeiten zur Erde sich heruntergesenkt hat. Wir lernen kosmisch fühlen und müssen nur versuchen, diesem kosmischen Fühlen einen Inhalt zu geben. Das können wir nur durch anthroposophische Geisteswissenschaft, sonst bleibt uns auch der Christus-Begriff leer. Der ChristusBegriff wird Phrase, wenn er nicht so wird, daß wir den Kosmos selber menschlich begreifen.
[ 26 ] Diese zwei Dinge, Menschheitserkenntnis und Fühlen mit dem ganzen Weltenall, das ist es, was dem Menschen das Äquilibrium gibt. Das kann er aber finden, wenn er im neuzeitlichsten Sinne das Christus-Mysterium wirklich begreift, es so begreift, wie es anthroposophische Geist-Erkenntnis ihm geben kann. Denn da sprechen wir von dem Christus als einem kosmischen Wesen, das aus kosmischen Unendlichkeiten zur Erde sich heruntergesenkt hat. Wir lernen kosmisch fühlen und müssen nur versuchen, diesem kosmischen Fühlen einen Inhalt zu geben. Das können wir nur durch anthroposophische Geisteswissenschaft, sonst bleibt uns auch der Christus-Begriff leer. Der ChristusBegriff wird Phrase, wenn er nicht so wird, daß wir den Kosmos selber menschlich begreifen.
[ 27 ] Fühlen Sie es doch aus der Beschreibung desjenigen Weltenalls, in dem die Sonne ist, die die heutige Astronomie beschreibt, in dem die Spektralanalyse gilt, die die heutige Physik beschreibt, aus diesem Weltenall konnte der Christus nicht auf die Erde herabgestiegen sein! Wer nur an dieser Beschreibung des Weltalls als Erkenntnis festhält, der kann keinen Sinn verbinden mit irgendeiner wahren, realen ChristusWesenheit. Solch ein Christus bleibt leer oder er wird «Harnackisch» oder dergleichen. Will man heute den Christus als kosmisches Wesen kennenlernen, erfühlen lernen, so braucht man jene Evolutionsgeschichte, welche den Menschen sucht durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch. Da wo das Menschliche im Weltenall drinnen ist, da ersprießt einem auch die Erkenntnis desjenigen, was den Christus hervorgehen lassen kann aus dem Weltenall. Und lernt man den Menschen kennen bis dahin, wo sein Materielles, das innerhalb seiner Haut aus dem Geistigen heraus geschaffen ist, herkommt, dann lernt man ihn so kennen, daß man das Mysterium von Golgatha, die Einkörperung des kosmischen Christus in den einzelnen Menschen kennenlernt. Denn für denjenigen Menschen, den die heutige Wissenschaft von der Mathematik bis hinauf zu der Psychologie in ihrer Beschreibung geben kann, für den gibt es keine Möglichkeit, sich vorzustellen, daß der Christus irgendwie sich in ihn hineinverkörpert hätte. Damit der Mensch dieses begreifen kann, muß er in wirkliche Selbsterkenntnis kommen. Es gibt heute kein Christentum, das der moderne Mensch mit seiner Seelenverfassung vereinen kann, es sei denn durch diejenige Selbsterkenntnis, welche Geisteswissenschaft gibt, und durch diejenige kosmische Menschenerkenntnis, welche Geisteswissenschaft gibt.
[ 27 ] Fühlen Sie es doch aus der Beschreibung desjenigen Weltenalls, in dem die Sonne ist, die die heutige Astronomie beschreibt, in dem die Spektralanalyse gilt, die die heutige Physik beschreibt, aus diesem Weltenall konnte der Christus nicht auf die Erde herabgestiegen sein! Wer nur an dieser Beschreibung des Weltalls als Erkenntnis festhält, der kann keinen Sinn verbinden mit irgendeiner wahren, realen ChristusWesenheit. Solch ein Christus bleibt leer oder er wird «Harnackisch» oder dergleichen. Will man heute den Christus als kosmisches Wesen kennenlernen, erfühlen lernen, so braucht man jene Evolutionsgeschichte, welche den Menschen sucht durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch. Da wo das Menschliche im Weltenall drinnen ist, da ersprießt einem auch die Erkenntnis desjenigen, was den Christus hervorgehen lassen kann aus dem Weltenall. Und lernt man den Menschen kennen bis dahin, wo sein Materielles, das innerhalb seiner Haut aus dem Geistigen heraus geschaffen ist, herkommt, dann lernt man ihn so kennen, daß man das Mysterium von Golgatha, die Einkörperung des kosmischen Christus in den einzelnen Menschen kennenlernt. Denn für denjenigen Menschen, den die heutige Wissenschaft von der Mathematik bis hinauf zu der Psychologie in ihrer Beschreibung geben kann, für den gibt es keine Möglichkeit, sich vorzustellen, daß der Christus irgendwie sich in ihn hineinverkörpert hätte. Damit der Mensch dieses begreifen kann, muß er in wirkliche Selbsterkenntnis kommen. Es gibt heute kein Christentum, das der moderne Mensch mit seiner Seelenverfassung vereinen kann, es sei denn durch diejenige Selbsterkenntnis, welche Geisteswissenschaft gibt, und durch diejenige kosmische Menschenerkenntnis, welche Geisteswissenschaft gibt.
[ 28 ] Es ist überall in unserer anthroposophischen Literatur erkennbar, wie diese Zusammenhänge sind. Und es ist eben so, daß diese Zusammenhänge überall verglichen werden sollten mit dem, was in der Gegenwart für den Fortschritt der Menschheit notwendig ist. Was die Menschen vielfach aus der bisherigen Erziehung und aus den bisherigen Lebensgewohnheiten entnommen haben, möchten sie auf der einen Seite als eine wesenlose abstrakte Erkenntnis gewissermaßen für den Sonntag haben, möchten aber dann dieses ganze übrige Leben fern von dieser Erkenntnis betrachten, nicht daran rühren wollen. Für das, was tieferes Seelenbedürfnis ist, ist der Sonntag auf der Kanzel, für das, was äußeres Menschheitsbedürfnis ist, der Staat, beides wird traditionell hingenommen, ohne daß irgendwie daran gedacht wird, wohin wir kommen müssen, wenn es mit diesem traditionellen Hinnehmen so weitergehen sollte.
[ 28 ] Es ist überall in unserer anthroposophischen Literatur erkennbar, wie diese Zusammenhänge sind. Und es ist eben so, daß diese Zusammenhänge überall verglichen werden sollten mit dem, was in der Gegenwart für den Fortschritt der Menschheit notwendig ist. Was die Menschen vielfach aus der bisherigen Erziehung und aus den bisherigen Lebensgewohnheiten entnommen haben, möchten sie auf der einen Seite als eine wesenlose abstrakte Erkenntnis gewissermaßen für den Sonntag haben, möchten aber dann dieses ganze übrige Leben fern von dieser Erkenntnis betrachten, nicht daran rühren wollen. Für das, was tieferes Seelenbedürfnis ist, ist der Sonntag auf der Kanzel, für das, was äußeres Menschheitsbedürfnis ist, der Staat, beides wird traditionell hingenommen, ohne daß irgendwie daran gedacht wird, wohin wir kommen müssen, wenn es mit diesem traditionellen Hinnehmen so weitergehen sollte.
[ 29 ] Ich habe ja von den verschiedensten Seiten her immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie groß der Ernst unserer Zeit ist. Ich wollte heute darauf hinweisen, wie im Grunde genommen der ganze Gang des wissenschaftlichen Lebens nicht weitergetrieben werden darf, ohne daß alle einzelnen Wissenschaften von Selbsterkenntnis durchleuchtet werden, und daß nicht zugesehen werden dürfe der sozialen Entwickelung, ohne daß hineingetragen werde in diese soziale Entwickelung ein kosmisches Empfinden, wie es sich nur ergeben kann aus einer solchen Weltenbetrachtung, die den Menschen schon in den Elementen dieser Weltenbetrachtung selber erblickt. Das ist das Eigentümliche, daß, wenn wir anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft treiben, wir im einzelnen Menschen die ganze Welt erblicken und daß wir in der Welt, indem wir sie betrachten, den Menschen überall drinnen haben.
[ 29 ] Ich habe ja von den verschiedensten Seiten her immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie groß der Ernst unserer Zeit ist. Ich wollte heute darauf hinweisen, wie im Grunde genommen der ganze Gang des wissenschaftlichen Lebens nicht weitergetrieben werden darf, ohne daß alle einzelnen Wissenschaften von Selbsterkenntnis durchleuchtet werden, und daß nicht zugesehen werden dürfe der sozialen Entwickelung, ohne daß hineingetragen werde in diese soziale Entwickelung ein kosmisches Empfinden, wie es sich nur ergeben kann aus einer solchen Weltenbetrachtung, die den Menschen schon in den Elementen dieser Weltenbetrachtung selber erblickt. Das ist das Eigentümliche, daß, wenn wir anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft treiben, wir im einzelnen Menschen die ganze Welt erblicken und daß wir in der Welt, indem wir sie betrachten, den Menschen überall drinnen haben.
[ 30 ] Gewiß, solche Dinge erinnern an alte Inspirationen und Imaginationen, die die Menschheit gehabt hat; aber sie sind nicht Erneuerungen äußerlicher Art, sondern sie sind herausgeholt aus dem Bewußtsein, zu dem die Menschheit heute eben aufgefordert wird wirklich aus der geistigen Welt selber heraus. Es gehen ja nicht bloß diejenigen Dinge vor sich, welche der Mensch in dieser physischen Welt um sich herum sieht. Der Mensch steht ebenso, wie er als physische Organisation in der physischen Welt drinnensteht, in der geistigen Welt darinnen. Und in dieser geistigen Welt, in der er darinnensteht, in der geschieht etwas, in der geht etwas vor. Der Mensch, indem er so oder so ist, hat eine Bedeutung für die Vorgänge dieser geistigen Welt.
[ 30 ] Gewiß, solche Dinge erinnern an alte Inspirationen und Imaginationen, die die Menschheit gehabt hat; aber sie sind nicht Erneuerungen äußerlicher Art, sondern sie sind herausgeholt aus dem Bewußtsein, zu dem die Menschheit heute eben aufgefordert wird wirklich aus der geistigen Welt selber heraus. Es gehen ja nicht bloß diejenigen Dinge vor sich, welche der Mensch in dieser physischen Welt um sich herum sieht. Der Mensch steht ebenso, wie er als physische Organisation in der physischen Welt drinnensteht, in der geistigen Welt darinnen. Und in dieser geistigen Welt, in der er darinnensteht, in der geschieht etwas, in der geht etwas vor. Der Mensch, indem er so oder so ist, hat eine Bedeutung für die Vorgänge dieser geistigen Welt.
[ 31 ] Nehmen Sie einmal an, ein Mensch betrachte nur das, was hier in der physischen Welt um ihn herum vorgeht, er ließe sich höchstens irgend etwas sagen von einem traditionellen Religionsbekenntnis, das aber keinen Bezug hat zu dieser Welt, weil es nur von irgend etwas Abstraktem redet, und dieser Mensch ließe sich heute darauf ein, hinzunehmen die traditionelle Wissenschaft. Er kann diese Wissenschaft, die menschenleer ist, ausbilden, er kann seine Seele mit dieser Wissenschaft anfüllen, wie Millionen und Millionen heute ihre Seele mit dieser Wissenschaft mehr oder weniger bewußt oder unbewußt angefüllt haben. Dadurch aber stehen die Menschen auch in einer Welt des Geistes; denn es hat ja auch für die geistige Welt eine Bedeutung, daß wir uns mit dieser Wissenschaft anfüllen. Und welche Bedeutung hat es für die geistige Welt? — Wenn das so fortgeht, dann kommt Ahriman zu seiner Rechnung; denn das ist der Geist, der gierig die modernen Bildungsanstalten umschleicht und sie so erhalten will, wie sie sind; denn dabei findet er seine Rechnung. Die ahrimanische Wesenheit, dieser kalte, verknöcherte, glatzköpfige Ahriman — wenn ich mich bildlich ausdrücken darf — umschleicht unsere modernen Bildungsanstalten, er möchte, daß sie so bleiben, wie sie sind. Er wird schon seine Hilfe leisten, wenn es sich darum handelt, so etwas wie dieses Goetheanum zu zerstören.
[ 31 ] Nehmen Sie einmal an, ein Mensch betrachte nur das, was hier in der physischen Welt um ihn herum vorgeht, er ließe sich höchstens irgend etwas sagen von einem traditionellen Religionsbekenntnis, das aber keinen Bezug hat zu dieser Welt, weil es nur von irgend etwas Abstraktem redet, und dieser Mensch ließe sich heute darauf ein, hinzunehmen die traditionelle Wissenschaft. Er kann diese Wissenschaft, die menschenleer ist, ausbilden, er kann seine Seele mit dieser Wissenschaft anfüllen, wie Millionen und Millionen heute ihre Seele mit dieser Wissenschaft mehr oder weniger bewußt oder unbewußt angefüllt haben. Dadurch aber stehen die Menschen auch in einer Welt des Geistes; denn es hat ja auch für die geistige Welt eine Bedeutung, daß wir uns mit dieser Wissenschaft anfüllen. Und welche Bedeutung hat es für die geistige Welt? — Wenn das so fortgeht, dann kommt Ahriman zu seiner Rechnung; denn das ist der Geist, der gierig die modernen Bildungsanstalten umschleicht und sie so erhalten will, wie sie sind; denn dabei findet er seine Rechnung. Die ahrimanische Wesenheit, dieser kalte, verknöcherte, glatzköpfige Ahriman — wenn ich mich bildlich ausdrücken darf — umschleicht unsere modernen Bildungsanstalten, er möchte, daß sie so bleiben, wie sie sind. Er wird schon seine Hilfe leisten, wenn es sich darum handelt, so etwas wie dieses Goetheanum zu zerstören.
[ 32 ] Auf der anderen Seite, im sozialen Leben, in dem die Menschen ohne kosmisches Gefühl hier ihre Erdenforderungen aufstellen, da finden tatsächlich, indem die Menschen nur reden von diesen ihren Erdenforderungen, ohne daß sie sich durchdringen, durchglühen, durchfeuern mit dem kosmischen Bewußtsein, da finden die luziferischen Wesenheiten ihre Rechnung. Da sehen wir, wie Luzifer lebt. Da kann ich nicht dieses Bild gebrauchen, das ein Bild ist, das aber als Bild tatsächlich aus den richtigen ahrimanischen Vorstellungen herausgeboren ist, das Bild des verknöcherten, schleichenden, glatzköpfigen Ahriman, der die Bildungsanstalten umschleicht und will, daß sie so bleiben. Dieses Bild würde für das luziferische Wesen nicht treffend sein. Aber ein anderes Bild ist treffend: Lassen Sie überall aus dem bloßen Egoismus heraus, aus dem Nichtvorhandensein eines kosmischen Gefühles heraus, lassen Sie da noch guten Willen und gutgeglaubte soziale Begierden sich aussprechen, dann entringt sich dem, was da redet, das luziferische Wesen. Mit diesen sozialen Forderungen, die ohne kosmisches Gefühl in der Welt erregt werden, speit der Mensch das aus sich aus, was dann zum schönen Luzifer wird. In den Menschen selber lebt er, in ihren durch die sozialen Mißinstinkte verdorbenen Mägen — das aber geistig gefaßt —, in ihren verdorbenen Lungen, da lebt der luziferische Quell. Er ringt sich los, der Mensch speit ihn aus aus seinem ganzen Wesen, und dadurch ist angefüllt mit diesem luziferischen Wesen unsere geistige Luft, angefüllt mit nicht vom Gefühl des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos erfühlten sozialen Instinkten. Der um unsere abstrakte Bildung herumschleichende kahle Ahriman, der lange, der skeletthafte, der hagere auf der einen Seite, auf der anderen Seite das, was sich aus dem Menschen selber zunächst schleimig herauswindet und den Schein der Schönheit annimmt und damit den Menschen betört, es sind Bilder, aber es sind Realitäten unserer Zeit. Und nur durch Selbsterkenntnis und nur durch ein Gefühl des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos findet der Mensch das Gleichgewicht zwischen dem Verknöcherten und dem Schein des Schönen, zwischen dem Knochenwesen und dem Schleimwesen, zwischen dem, was ihn umschleicht und dem, was aus ihm selber heraus sich entringen will. Und dieses Äquilibrium, dieses Gleichgewicht, er muß es finden. Was uns aus der Kultur, aus der Zivilisation der letzten Zeiten geworden ist, das ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was man ansprechen könnte als die Ehe zwischen dem Knöchernen und dem Schleimigen. In diesem Leben lebt der Mensch so drinnen, daß die Zivilisation Ins Spenglersche, in den Niedergang hineingeht. Denn im Grunde genommen konnte Spengler seine Welt nur so schildern, wie er sie schildert, weil er die Welt vor sich hat, die aus der Ehe entstanden ist des Verknöcherten mit dem Verschleimten. Aber der Mensch muß das Äquilibrium finden.
[ 32 ] Auf der anderen Seite, im sozialen Leben, in dem die Menschen ohne kosmisches Gefühl hier ihre Erdenforderungen aufstellen, da finden tatsächlich, indem die Menschen nur reden von diesen ihren Erdenforderungen, ohne daß sie sich durchdringen, durchglühen, durchfeuern mit dem kosmischen Bewußtsein, da finden die luziferischen Wesenheiten ihre Rechnung. Da sehen wir, wie Luzifer lebt. Da kann ich nicht dieses Bild gebrauchen, das ein Bild ist, das aber als Bild tatsächlich aus den richtigen ahrimanischen Vorstellungen herausgeboren ist, das Bild des verknöcherten, schleichenden, glatzköpfigen Ahriman, der die Bildungsanstalten umschleicht und will, daß sie so bleiben. Dieses Bild würde für das luziferische Wesen nicht treffend sein. Aber ein anderes Bild ist treffend: Lassen Sie überall aus dem bloßen Egoismus heraus, aus dem Nichtvorhandensein eines kosmischen Gefühles heraus, lassen Sie da noch guten Willen und gutgeglaubte soziale Begierden sich aussprechen, dann entringt sich dem, was da redet, das luziferische Wesen. Mit diesen sozialen Forderungen, die ohne kosmisches Gefühl in der Welt erregt werden, speit der Mensch das aus sich aus, was dann zum schönen Luzifer wird. In den Menschen selber lebt er, in ihren durch die sozialen Mißinstinkte verdorbenen Mägen — das aber geistig gefaßt —, in ihren verdorbenen Lungen, da lebt der luziferische Quell. Er ringt sich los, der Mensch speit ihn aus aus seinem ganzen Wesen, und dadurch ist angefüllt mit diesem luziferischen Wesen unsere geistige Luft, angefüllt mit nicht vom Gefühl des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos erfühlten sozialen Instinkten. Der um unsere abstrakte Bildung herumschleichende kahle Ahriman, der lange, der skeletthafte, der hagere auf der einen Seite, auf der anderen Seite das, was sich aus dem Menschen selber zunächst schleimig herauswindet und den Schein der Schönheit annimmt und damit den Menschen betört, es sind Bilder, aber es sind Realitäten unserer Zeit. Und nur durch Selbsterkenntnis und nur durch ein Gefühl des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos findet der Mensch das Gleichgewicht zwischen dem Verknöcherten und dem Schein des Schönen, zwischen dem Knochenwesen und dem Schleimwesen, zwischen dem, was ihn umschleicht und dem, was aus ihm selber heraus sich entringen will. Und dieses Äquilibrium, dieses Gleichgewicht, er muß es finden. Was uns aus der Kultur, aus der Zivilisation der letzten Zeiten geworden ist, das ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was man ansprechen könnte als die Ehe zwischen dem Knöchernen und dem Schleimigen. In diesem Leben lebt der Mensch so drinnen, daß die Zivilisation Ins Spenglersche, in den Niedergang hineingeht. Denn im Grunde genommen konnte Spengler seine Welt nur so schildern, wie er sie schildert, weil er die Welt vor sich hat, die aus der Ehe entstanden ist des Verknöcherten mit dem Verschleimten. Aber der Mensch muß das Äquilibrium finden.
[ 33 ] Ernst sind die Zeiten, denn der Mensch muß Mensch werden. Er muß lernen abzutun sowohl den Knöchernen wie den Schleimigen und muß Mensch werden, Mensch werden so, daß der Intellekt durchwärmt werde vom Herzen, das Herz durchzogen werde vom Intellekt. Dann wird er das Äquilibrium finden. Und in der Tat wird dann der Mensch weder verfallen — wenn man geistig sprechen will — schleimiger Mystik noch kahlköpfiger Wissenschaft, sondern dem wird er sich öffnen, was Mensch ist, und was ich vielleicht nennen darf, nachdem ich es charakterisiert habe, das Anthroposophische. Das steht mitten drinnen, das wirklich Menschliche, das Anthroposophische, es steht wirklich mitten drinnen zwischen diesen Gegensätzen, in welche die Zivilisation allmählich hineingekommen ist. Der Anthropos ist in Wahrheit, wenn er sein Wesen wirklich offenbart, weder der Verknöcherte noch der Schleimige, sondern er ist derjenige, der das Äquilibrium zwischen dem Intellekt und dem Herzen hält. Das muß gesucht werden.
[ 33 ] Ernst sind die Zeiten, denn der Mensch muß Mensch werden. Er muß lernen abzutun sowohl den Knöchernen wie den Schleimigen und muß Mensch werden, Mensch werden so, daß der Intellekt durchwärmt werde vom Herzen, das Herz durchzogen werde vom Intellekt. Dann wird er das Äquilibrium finden. Und in der Tat wird dann der Mensch weder verfallen — wenn man geistig sprechen will — schleimiger Mystik noch kahlköpfiger Wissenschaft, sondern dem wird er sich öffnen, was Mensch ist, und was ich vielleicht nennen darf, nachdem ich es charakterisiert habe, das Anthroposophische. Das steht mitten drinnen, das wirklich Menschliche, das Anthroposophische, es steht wirklich mitten drinnen zwischen diesen Gegensätzen, in welche die Zivilisation allmählich hineingekommen ist. Der Anthropos ist in Wahrheit, wenn er sein Wesen wirklich offenbart, weder der Verknöcherte noch der Schleimige, sondern er ist derjenige, der das Äquilibrium zwischen dem Intellekt und dem Herzen hält. Das muß gesucht werden.
[ 34 ] Sie werden verstehen, was heute gerade aus dem tiefsten menschlichen und weltlichen Wesen heraus begriffen werden muß, wenn Sie nachdenken über die beiden Bilder, die ich heute nur als Bilder vor Sie hingestellt habe. Als Bilder sind sie gemeint, aber als Bilder, die auf wahre Wirklichkeiten hinweisen.
[ 34 ] Sie werden verstehen, was heute gerade aus dem tiefsten menschlichen und weltlichen Wesen heraus begriffen werden muß, wenn Sie nachdenken über die beiden Bilder, die ich heute nur als Bilder vor Sie hingestellt habe. Als Bilder sind sie gemeint, aber als Bilder, die auf wahre Wirklichkeiten hinweisen.
[ 35 ] Davon wollen wir dann weiter sprechen.
[ 35 ] Davon wollen wir dann weiter sprechen.



