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The Rudolf Steiner Archive

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Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203

27 March 1921, Stuttgart

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Sechzehnter Vortrag

Sixteenth Lecture

[ 1 ] Es ist ein bedeutsamer Gegensatz vorhanden zwischen dem Weihnachtsgedanken und dem Ostergedanken, und wer die beiden Gedanken, von denen in unserem Zusammenhange oftmals gesprochen worden ist, einander gegenüberzustellen vermag, sie in entsprechender Weise zu verbinden imstande ist und daraus dann innerlich lebendigmachen kann ihr Zusammenwirken — das Zusammenwirken des Weihnachtsgedankens und des Ostergedankens —, der wird hingewiesen auf innerliches Erleben, das in gewissem Sinne die Menschheitsrätsel in umfassender Weise umschreibt.

[ 1 ] There is a significant contrast between the idea of Christmas and the idea of Easter, and whoever is able to contrast these two ideas—which have often been discussed in our context— is able to connect them in an appropriate way, and can then bring their interaction—the interaction of the Christmas idea and the Easter idea—to life within themselves, will be guided toward an inner experience that, in a certain sense, comprehensively describes the mysteries of humanity.

[ 2 ] Der Weihnachtsgedanke weist uns ja hin auf die Geburt. Wir wissen, wie durch die Geburt das Ewige des Menschen hereinzieht in die Welt, aus der des Menschen sinnlich-sichtbare leibliche Wesenheit genommen ist. Und wenn wir uns mit dieser Anschauung dem Weihnachtsgedanken nähern, dann erscheint er uns als der Gedanke, der uns verbindet mit dem Übersinnlichen. Dann erscheint er neben allem übrigen, was er uns nahebringt, so, daß er gewissermaßen an den einen Pol unseres Daseins hinweist, wo wir als sinnlich-physische Wesen zusammenhängen mit dem Geistig-Übersinnlichen. Deshalb wird, voll umfaßt, die Geburt des Menschen niemals begreiflich erscheinen können aus einer Wissenschaft, welche ihre Voraussetzungen nur aus der Beobachtung des sinnlich-physischen Daseins nimmt.

[ 2 ] The idea of Christmas does, after all, point us toward birth. We know how, through birth, the eternal aspect of the human being enters the world from which the human being’s sensually perceptible, visible, physical being is drawn. And when we approach the idea of Christmas with this perspective, it appears to us as the idea that connects us to the supersensible. Then, in addition to everything else it brings to us, it appears in such a way that it points, as it were, to one pole of our existence, where we, as sensory-physical beings, are connected to the spiritual-supersensible. Therefore, taken in its entirety, the birth of the human being can never be fully comprehended by a science that derives its premises solely from the observation of sensory-physical existence.

[ 3 ] Am anderen Pol des menschlichen Erlebens liegt der Gedanke, der dem Osterfeste zugrunde liegt und der ja immer mehr und mehr im Lauf der abendländischen Entwickelung zu einem Gedanken geworden ist, der das materialistische Vorstellen des Abendlandes vorbereitet hat. Der Ostergedanke kann, zunächst in einer mehr abstrakten Weise, erfaßt werden, wenn man sich klar darüber ist, wie das Ewige, das Unsterbliche des Menschen, das also auch nicht geboren werden kann, wie das Geistig-Übersinnliche heruntersteigt aus geistigen Welten und sich umkleidet mit dem menschlichen physischen Leibe. Vom Beginne dieses physischen Daseins an — das habe ich von den verschiedensten Gesichtspunkten her vor Ihnen hier ausgeführt — ist dieses Wirken des Geistes im physischen Leibe eigentlich ein Hinführen des physischen Leibes zum Sterben, und mit dem Gedanken der Geburt ist zu gleicher Zeit der Gedanke des Sterbens gegeben.

[ 3 ] At the other pole of human experience lies the idea underlying the Easter festival, an idea that, in the course of Western development, has increasingly become the very concept that paved the way for the materialistic worldview of the West. The idea of Easter can be grasped—initially in a more abstract way—if one is clear about how the eternal, the immortal aspect of the human being—which, therefore, cannot be born—how the spiritual and supersensible descends from spiritual worlds and clothes itself in the human physical body. From the very beginning of this physical existence—as I have explained to you here from a wide variety of perspectives—this activity of the spirit within the physical body is, in fact, a process of leading the physical body toward death, and the idea of birth is accompanied at the same time by the idea of death.

[ 4 ] Ich habe darauf hingewiesen, wie ja die Hauptesorganisation des Menschen nur dadurch zu verstehen ist, daß man weiß: Im Grunde genommen ist im Haupte ein fortwährendes Sterben vorhanden, das nur bekämpft wird von den Lebekräften des übrigen menschlichen Organismus. Und in dem Augenblicke, wo die Sterbekräfte, die immer im Menschen im Haupte vorhanden sind und des Menschen Denkernatur bedingen, in dem Augenblicke, wo diese Sterbekräfte die Oberhand bekommen über das menschliche vergängliche Wesen, in diesem Augenblicke tritt der wirkliche Tod ein.

[ 4 ] I have pointed out that the human head can only be understood by recognizing that, fundamentally, there is a continuous process of dying taking place in the head, which is counteracted only by the life forces of the rest of the human organism. And at the moment when the forces of death—which are always present in the human head and determine the human nature of thought—at the moment when these forces of death gain the upper hand over the human, transitory being, at that very moment, true death occurs.

[ 5 ] So ist in Wahrheit der Todesgedanke nur, ich möchte sagen, die andere Seite des Geburtsgedankens, und es kann daher im Ostergedanken nicht der Todesgedanke zum Ausdrucke kommen. In der Zeit, als das Christentum noch aus einer morgenländischen Anschauung heraus seine erste Gestalt gefunden hat, sehen wir, wie das Paulinische Christentum vor allen Dingen die Menschen hinweist nicht auf den Tod des Christus Jesus, sondern auf die Auferstehung, wie dieses Christentum darauf hinweist mit so starken Worten, wie sie Paulus spricht: «Ist der Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube tot.»

[ 5 ] In truth, the idea of death is, I would say, merely the other side of the idea of birth, and therefore the idea of death cannot find expression in the idea of Easter. In the time when Christianity was still taking its initial form based on an Eastern worldview, we see how Pauline Christianity directs people’s attention first and foremost not to the death of Jesus Christ, but to the Resurrection—as this form of Christianity emphasizes with such powerful words as those spoken by Paul: “If Christ has not been raised, your faith is in vain.”

[ 6 ] Die Auferstehung, der Triumph über den Tod, die Überwindung des Todes, das ist es, was vor allen Dingen als der Ostergedanke vorhanden gewesen ist in der ersten, noch durch die Weisheit des Morgenlandes bedingten Form des Christentums. Oder aber wir können auch sehen, wie auf der anderen Seite uns Bilder auftreten, wo der Christus Jesus dargestellt wird als der gute Hirte, der da wacht gewissermaßen über die ewigen Angelegenheiten des in seinem zeitlichen Dasein schlafenden Menschen. Wir sehen überall, daß im Grunde genommen die erste Christenheit hingewiesen wird auf die Worte des Evangeliums: «Der, den ihr suchet, der ist nicht mehr hier.» Ihr müßt ihn suchen — so können wir ergänzend hinzufügen, in geistigen Welten; ihr dürft ihn nicht suchen in der physisch-sinnlichen Welt. Suchet ihr ihn in der physischsinnlichen Welt, so kann euch nur gesagt werden: Der, den ihr als Physisch-Sinnlichen suchet, der ist nicht mehr hier in der physisch-sinnlichen Welt.

[ 6 ] The Resurrection, the triumph over death, the overcoming of death—this is what, above all else, constituted the essence of Easter in the earliest form of Christianity, which was still shaped by the wisdom of the East. Or we can also see, on the other hand, images in which Christ Jesus is depicted as the Good Shepherd, who, so to speak, watches over the eternal affairs of human beings who are asleep in their temporal existence. We see everywhere that, fundamentally, early Christianity is directed toward the words of the Gospel: “The one you are seeking is no longer here.” You must seek him—we might add—in the spiritual worlds; you must not seek him in the physical-sensory world. If you seek him in the physical-sensory world, all that can be said to you is: “The one you seek as physical and sensory is no longer here in the physical-sensory world.”

[ 7 ] Die große, umfassende Weisheit, welche sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums noch angeschickt hat, das Mysterium von Golgatha mit allem, was dazu gehört, zu durchdringen, sie tauchte zunächst unter in den Materialismus des Abendlandes. Dieser Materialismus war in den ersten Jahrhunderten noch nicht zum vollen Durchbruch gekommen. Er bereitete sich langsam vor. Man möchte sagen, die ersten, noch ganz schwachen materialistischen Impulse der ersten Jahrhunderte, die kaum bemerkbar waren, wandelten sich erst viel später um in das, was immer mehr und mehr Materialismus wurde und immer mehr die Zivilisation des Abendlandes durchdrang. Verbunden hat sich ja der morgenländische Religionsgedanke mit dem im Abendlande heraufziehenden Staatsgedanken. Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion, das heißt, es drang in das Christentum etwas ein, was nicht mehr Religion sein kann.

[ 7 ] The great, all-encompassing wisdom that, in the early centuries of Christianity, had still set out to penetrate the Mystery of Golgotha with all that it entails initially became submerged in Western materialism. This materialism had not yet fully taken hold in those early centuries. It was slowly taking shape. One might say that the first, still very faint materialistic impulses of the early centuries—which were barely noticeable—only much later transformed into what became increasingly materialistic and permeated Western civilization more and more. The Eastern concept of religion had, after all, become intertwined with the emerging concept of the state in the West. In the 4th century, Christianity became the state religion; that is to say, something entered Christianity that could no longer be considered religion.

[ 8 ] Julian Apostata, der kein Christ, aber ein religiöser Mensch war, konnte vor allen Dingen nicht ja sagen zu dem, was aus dem Christentum durch den Konstantinismus geworden war. Und so sehen wir, wie erst ganz schwach, aber eben doch schon etwas bemerkbar in der Vermischung des Christentums mit dem untergehenden Römertum, wie da der Materialismus des Abendlandes seine ersten Strahlen wirft. Unter diesem Einflusse entstand auch jenes Bild des Christus Jesus, das im Anfange gar nicht vorhanden war, das durchaus nicht im Ursprunge des Christentums liegt: das Bild des Christus Jesus als des Gekreuzigten, Leidenden, als des Schmerzensmannes, als desjenigen, der in Schmerzen vergeht unter dem Eindrucke des unsäglichen Leides, das ihm zugefügt worden ist.

[ 8 ] Julian the Apostate, who was not a Christian but was a religious man, could above all not accept what Christianity had become under Constantinianism. And so we see, at first very faintly but nonetheless already somewhat noticeable in the blending of Christianity with the declining Roman Empire, how the materialism of the West casts its first rays. Under this influence, the image of Christ Jesus emerged—an image that did not exist at the beginning and is by no means rooted in the origins of Christianity: the image of Christ Jesus as the Crucified One, the Suffering One, the Man of Sorrows, the one who wastes away in pain under the weight of the unspeakable suffering inflicted upon him.

[ 9 ] Damit war ein Bruch gekommen in die ganze Anschauung der christlichen Welt; denn dieses Bild, welches fortan durch die Jahrhunderte gegangen ist — der am Kreuz hängende, schmerzdurchtränkte Christus —, das ist der Christus, welcher nicht mehr in seiner geistigen Wesenheit aufgefaßt werden kann, sondern allein in seiner leiblich-körperhaften Wesenheit. Und je mehr die Schmerzensmerkmale dem menschlichen Leibe aufgeprägt wurden, je mehr es die Kunst in ihrer großen Vollkommenheit zu verschiedenen Epochen zustande gebracht hat, dem am Kreuze hängenden Erlöser die Schmerzensmerkmale aufzudrücken, um so mehr wurden die Keime materialistisch-christlichen Empfindens gelegt. Der Kruzifixus ist der Ausdruck für den Übergang zum christlichen Materialismus. Dem widerspricht nicht, daß in einer großen, gewaltigen Weise gerade das, was als Schmerz des Erlösers durch die Kunst verkörpert worden ist, in seiner vollen Tiefe und Bedeutung anerkannt werde. Trotzdem bleibt es wahr, daß mit diesem Bilde des Erlösers, der am Kreuze unter Schmerzen vergeht, von einer eigentlich geistigen Auffassung des Christentums der Abschied genommen worden ist.

[ 9 ] This marked a rupture in the entire worldview of the Christian world; for this image, which has persisted through the centuries—Christ hanging on the cross, steeped in suffering—is the Christ who can no longer be understood in his spiritual essence, but only in his physical, corporeal essence. And the more the marks of suffering were imprinted on the human body—the more art, in its great perfection across various eras, succeeded in imprinting these marks of suffering on the Savior hanging on the cross—the more the seeds of a materialistic Christian sensibility were sown. The crucifix is the expression of the transition to Christian materialism. This is not contradicted by the fact that, in a grand and powerful way, precisely what art has embodied as the Savior’s suffering is recognized in its full depth and significance. Nevertheless, it remains true that with this image of the Savior dying in agony on the cross, a farewell has been bid to a truly spiritual conception of Christianity.

[ 10 ] Es mischte sich ja dann hinein in diese Auffassung des Schmerzensmannes jene von Christus, dem Weltenrichter, den wir eigentlich nur als einen anderen Ausdruck für Jahve oder Jehova, nämlich für den Jahve oder Jehova, der ins Juristische umgewandelt ist, in der Sixtinischen Kapelle in Rom in so großartiger Weise sehen. Derselbe Geist, der von der Vorstellung des Grabes, aus dem der Erlöser sich erhebt, aus dem der Erlöser heraus triumphiert, der aus diesem Bilde hat verschwinden lassen den triumphierenden Geist, den Sieger über den Tod derselbe Geist hat 869 am achten allgemeinen ökumenischen Konzil in Konstantinopel den Geist als etwas erklärt, an das man nicht glauben dürfe, hat dekretiert, daß der Mensch nur vorzustellen ist als aus Leib und Seele bestehend und daß der Geist nur in einigen Eigenschaften bestehe, die die Seele trüge.

[ 10 ] This conception of the Man of Sorrows was then intertwined with that of Christ, the Judge of the World—whom we actually see in the Sistine Chapel in Rome, in such magnificent form, as nothing more than another expression of Yahweh or Jehovah, namely the Yahweh or Jehovah who has been transformed into a legal figure. The same spirit that, through the image of the tomb from which the Savior rises—from which the Savior emerges in triumph—has caused the triumphant spirit, the victor over death, to vanish from this image; that same spirit declared at the Eighth Ecumenical Council in Constantinople in 869 that the spirit is something one must not believe in, decreed that man is to be conceived as consisting only of body and soul, and that the spirit consists only of certain attributes possessed by the soul.

[ 11 ] Wie wir hinweggehaucht sehen aus dem Kruzifixus das Geistige, wie wir im Physischen, das allein zur äußeren Darstellung kommt, die schmerzdurchtränkte Seele fühlen, ohne den Geist als Triumphator, ohne den Geist als Träger und zu gleicher Zeit als den für die Menschheit Sorgenden, so sehen wir durch Konzilsbeschluß auch aus der menschlichen Wesenheit den Geist hinweggestrichen.

[ 11 ] Just as we see the spiritual aspect of the Crucifix as having been swept away—just as we sense, in the physical realm, which is the only aspect that appears outwardly, the soul steeped in pain, without the Spirit as the victor, without the Spirit as the bearer and, at the same time, as the one who cares for humanity—so, too, we see the Spirit struck from human nature by a council decree.

[ 12 ] Und zusammengeschoben wurde das Karfreitagsfest und das Auferstehungsfest, das Osterfest. Das Karfreitagsfest war in gewissem Sinne in den Zeiten, in denen die Menschen noch nicht so trocken und nüchtern und verstandesöde waren, zu einem Fest geworden, in dem der Ostergedanke umgewandelt war in einer durch und durch egoistischen Weise. Im Schmerze wühlen, die eigene Seele wie wollüstig in den Schmerz eintauchen, Schmerzensseligkeiten empfinden, das war durch Zeitalter hindurch der Karfreitagsgedanke, der gewissermaßen nur den Hintergrund abgeben sollte für einen Ostergedanken, zu dessen Erfassung man in seiner wahren Gestalt immer weniger fähig wurde. Denn dieselbe Menschheit, die zum Glauben hat erheben lassen das Prinzip, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestehe, dieselbe Menschheit forderte für ihr Gefühl den bloß sterbenden Erlöser, forderte das Gegenbild ihres eigenen physischen Schmerzes, damit sie einen Hintergrund habe, um — allerdings nur in einem äußerlichen Übergang — zu empfinden, was ursprünglich elementar empfunden werden sollte als das Bewußtsein, daß der lebendige Geist immerdar siegen muß über alles, was im physischen Leib geschehen kann. Man brauchte erst das Marterbild des Todes, um als Kontrast zu empfinden den eigentlichen Ostergedanken.

[ 12 ] And the Good Friday celebration and the Resurrection celebration—Easter—were combined. In a certain sense, in times when people were not yet so dry, sober, and devoid of imagination, the Good Friday celebration had become a festival in which the idea of Easter had been transformed in a thoroughly selfish way. Wallowing in pain, immersing one’s own soul voluptuously in pain, experiencing the bliss of suffering—this was, throughout the ages, the idea of Good Friday, which was, in a sense, meant only to serve as a backdrop for the idea of Easter, which people were becoming less and less capable of grasping in its true form. For the very same humanity that had elevated to a tenet of faith the principle that man consists only of body and soul—that very same humanity demanded, for its own emotional needs, a Savior who was merely dying; it demanded the counter-image of its own physical pain, so that it might have a backdrop against which—albeit only in a superficial transition — to feel what was originally meant to be felt instinctively: the awareness that the living spirit must always triumph over everything that can happen in the physical body. It was only through the image of death by torture that one could perceive, by contrast, the true essence of the Easter message.

[ 13 ] Man wird es immer tief empfinden müssen, wie auf diese Weise allmählich aus der abendländischen Kultur die eigentliche Geistanschauung und Geistempfindung gewichen ist, und man wird gewiß mit Bewunderung, aber auch zugleich mit dem Gefühle einer gewissen Tragik hinschauen auf all die künstlerischen Versuche, den Schmerzensmann an dem Kreuze darzustellen. Es genügt nicht, daß man sich mit einigen hingeworfenen Gedanken und mit einigen eingestreuten Empfindungen zu dem erhebe, was unserer Zeit notwendig ist. Man muß alles das voll durchschauen, was auf abschüssiger Bahn seit langem war in bezug auf das Geistige in der abendländischen Kultur.

[ 13 ] One cannot help but feel deeply how, in this way, the true spiritual vision and spiritual sensibility have gradually given way in Western culture, and one will certainly look upon all the artistic attempts to depict the Suffering Man on the cross with admiration, but also with a sense of a certain tragedy. It is not enough to rise to what our time requires with a few haphazard thoughts and scattered impressions. One must fully comprehend everything that has long been on a downward slope with regard to the spiritual aspect of Western culture.

[ 14 ] Wir haben es heute nötig, daß auch dasjenige, was auf einem Gebiete zu dem Größten gehört, zu gleicher Zeit empfunden werde als etwas, worüber sich die Menschheit heute erheben muß. Wir brauchen aber innerhalb unserer ganzen abendländischen Kultur den Ostergedanken. Wir brauchen mit anderen Worten wiederum die Erhebung zum Geiste. Was einstmals in grandioser Weise aufgetaucht ist als das heilige Mysterium der Geburt, das Weihnachtsmysterium, das tauchte allmählich innerhalb der sich entwickelnden abendländischen Kultur ein in jene Sentimentalitäten, die doch nur der Gegenpol für die materialistische Entwickelung waren, in jene Sentimentalitäten, welche schwelgten und schwelgten in allen möglichen Liedern über das Jesulein. Es war ein wollüstiges Schwelgen in der Empfindung des kleinen Kindes. Statt das große, gewaltige Mysterium des Hereindringens eines überirdischen Geistes im Weihnachtsmysterium zu empfinden, wurden die nüchternen Philisterlieder von dem «Jesulein» allmählich das Tonangebende und das Maßgebliche.

[ 14 ] Today we need to ensure that even what is among the greatest achievements in any field is at the same time perceived as something above which humanity must rise today. But within our entire Western culture, we need the idea of Easter. In other words, we need, once again, to be lifted up to the spirit. What once emerged in a magnificent way as the sacred mystery of birth—the Christmas mystery—gradually became immersed within the evolving Western culture in those sentimentalities that were, after all, merely the antithesis of materialistic development; in those sentimentalities that reveled and reveled in all manner of songs about the little Jesus. It was a voluptuous indulgence in the sentiment of the little child. Instead of sensing the great, mighty mystery of the entry of a supernatural spirit in the Christmas mystery, the sober, philistine songs about “Little Jesus” gradually became the dominant and defining tone.

[ 15 ] Es ist charakteristisch für die rein in den Bahnen des Verstandes wandelnde Entwickelung des Christentums — die es bis heute in gewissen Vertretern schon dahin gebracht hat, zu sagen, der Sohn gehöre überhaupt nicht in das Evangelium, sondern der Vater gehöre in das Evangelium —, daß diese Entwickelung dennoch den Auferstehungsgedanken beibehält, indem der Auferstehungsgedanke noch immer mit dem Todesgedanken verquickt wird, auch für dieses Christentum. Aber charakteristisch ist, wie immer mehr in der Form, wie ich es eben dargestellt habe, der Karfreitagsgedanke mit der modernen Entwickelung in den Vordergrund getreten ist, und wie der Auferstehungsgedanke, der wahre Ostergedanke, allmählich immer mehr zurückgetreten ist.

[ 15 ] It is characteristic of the development of Christianity—which has proceeded purely along the paths of reason—that it has already led certain of its representatives to the point of saying, that the Son does not belong in the Gospel at all, but rather that the Father belongs in the Gospel—that this development nevertheless retains the idea of the Resurrection, in that the idea of the Resurrection is still intertwined with the idea of death, even for this form of Christianity. But it is characteristic how, increasingly in the manner I have just described, the idea of Good Friday has come to the fore in modern developments, and how the idea of the Resurrection—the true idea of Easter—has gradually receded further and further into the background.

[ 16 ] Eine Zeit, die darauf hinweisen muß, daß der Mensch die Auferstehung seines Wesens aus dem Geiste heraus wieder erleben müsse, die muß gerade den Ostergedanken in besonderer Art betonen. Wir brauchen den Ostergedanken, wir brauchen ein völliges Verständnis des Ostergedankens. Dazu ist es aber notwendig, daß wir uns klarwerden, daß der Schmerzensmann ebenso der Ausdruck für das Hineingehen der abendländischen Entwickelung in den Materialismus ist wie auf der anderen Seite der bloß juristisch richtende Weltenrichter. Wir brauchen ja den Christus als übersinnliche Wesenheit, als Wesenheit, welche außerirdischer Art ist und dennoch hereingezogen ist in die irdische Entwickelung. Wir müssen uns zu diesem Sonnengedanken allen menschlichen Vorstellens durchringen.

[ 16 ] A time that must point out that human beings must once again experience the resurrection of their being from the Spirit—such a time must emphasize the idea of Easter in a special way. We need the idea of Easter; we need a complete understanding of the idea of Easter. To achieve this, however, it is necessary for us to realize that the Man of Sorrows is just as much an expression of Western civilization’s descent into materialism as, on the other hand, the world judge who passes judgment merely on legal grounds. For we need Christ as a supersensible being, as a being of an extraterrestrial nature who has nevertheless been drawn into earthly evolution. We must bring ourselves to embrace this solar concept beyond all human imagination.

[ 17 ] So wie wir durchschauen müssen, daß der Weihnachtsgeburtsgedanke zu etwas geworden ist, was, ich möchte sagen, das größte Mysterium hereingezogen hat in das triviale Empfinden der Sentimentalität, ebenso müssen wir durchschauen, wie es notwendig ist, am Ostergedanken zu betonen, daß da in die menschliche Entwickelung etwas hineinzieht, was aus irdischen Voraussetzungen heraus nicht verständlich ist, was aber verständlich ist aus der Voraussetzung geistigen Wissens, aus geistiger Erkenntnis heraus.

[ 17 ] Just as we must realize that the idea of the Christmas Nativity has become something that, I would say, has drawn the greatest mystery into the trivial realm of sentimentality; in the same way, we must recognize how necessary it is, when considering the idea of Easter, to emphasize that something is entering human development that cannot be understood on the basis of earthly premises, but which can be understood on the basis of spiritual knowledge, through spiritual insight.

[ 18 ] Geistige Erkenntnis muß an dem Auferstehungsgedanken den ersten großen Halt finden, muß auch im Menschen anerkennen das Unberührtsein des Geistig-Ewigen von dem, was leiblich-physisch ist, muß sehen in dem paulinischen Wort: «Und ist der Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube tot» eine Bekräftigung — die in der neueren Zeit nur auf andere, bewußtere Weise errungen werden muß —, eine Bekräftigung dessen, was im Grunde genommen die eigentliche Wesenheit des Christus ausmacht.

[ 18 ] Spiritual insight must find its first great anchor in the idea of the Resurrection; it must also recognize in human beings that the spiritual-eternal is untouched by what is bodily-physical; it must see in Paul’s words: “And if Christ has not been raised, your faith is in vain”—a confirmation—which in more recent times must be attained in a different, more conscious way—a confirmation of what, in essence, constitutes the very essence of Christ.

[ 19 ] In dieser Art müssen wir uns heute wiederum an den Ostergedanken erinnern. In dieser Art muß uns die Zeit, in der wir uns an den Ostergedanken erinnern können, wiederum ein innerliches Fest werden, ein Fest, an dem wir für uns selber den Sieg des Geistes über die Leiblichkeit feiern. Uns muß, weil wir ja nicht unhistorisch sein dürfen, vor Augen stehen der schmerzgeplagte Jesus am Kreuze, der Schmerzensmann; uns muß aber über dem Kreuze erscheinen der Triumphator, der unberührt bleibt sowohl von der Geburt wie vom Tode, und der allein unseren Blick hinaufwenden kann zu den ewigen Gefilden des geistigen Lebens. Erst dadurch werden wir uns der wahren Wesenheit des Christus wiederum nähern.

[ 19 ] In this way, we must once again recall the spirit of Easter today. In this way, the time when we can recall the spirit of Easter must once again become an inner celebration for us—a celebration in which we commemorate for ourselves the victory of the spirit over the physical. Since we must not be ahistorical, we must keep before our eyes the pain-stricken Jesus on the cross, the Man of Sorrows; but above the cross must appear the Triumphant One, who remains untouched by both birth and death, and who alone can turn our gaze upward toward the eternal realms of spiritual life. Only through this will we once again draw closer to the true essence of Christ.

[ 20 ] Die abendländische Menschheit hat den Christus zu sich heruntergezogen: heruntergezogen als kleines Kind, heruntergezogen als denjenigen, der vorzugsweise empfunden wird im Vergehen, im Schmerz. Es ist von mir des öfteren hervorgehoben worden, wie ebensolange Zeit, als vor dem Mysterium von Golgatha aus des Buddha Munde die Worte tönen, der Tod sei das Übel, nach dem Mysterium von Golgatha auftritt der Kruzifixus, der Gekreuzigte, wie da hingeschaut wird auf den Tod, und er als kein Übel empfunden wird, sondern als etwas, was in Wahrheit kein Dasein hat.

[ 20 ] Western humanity has drawn Christ down to its level: drawn him down as a small child, drawn him down as the one who is perceived primarily in suffering and pain. I have often emphasized that for as long as the words “death is evil” resounded from the Buddha’s mouth before the Mystery of Golgotha, after the Mystery of Golgotha the Crucified One appears, and just as one looks upon death, and it is perceived not as an evil, but as something that in truth has no existence.

[ 21 ] Aber diese Empfindung, die noch hereintaucht aus einer morgenländischen Weisheit, die tiefer ist als der Buddhismus, diese Empfindung unterliegt der anderen, die sich festhaftet an dem Anblicke des Schmerzgepreßten. Wir müssen nicht nur mit unseren Gedanken, denn die sind meist kurzmaschig, wir müssen mit der ganzen Weite unserer Gefühle hinauf zu dem, was das Schicksal ist der menschlichen Vorstellungen von dem Mysterium von Golgatha im Laufe der Jahrhunderte. Wir müssen uns klar darüber werden, daß wir zu einem reinen, echten Verständnis des Mysteriums von Golgatha zurückkehren müssen. Wir müssen bedenken, wie selbst noch im hebräischen Altertum Jahve nicht als Weltenrichter im juristischen Sinne gedacht wird. Die größte dramatische Darstellung des religiösen Empfindens des hebräischen Altertums, das Buch Hiob, das den duldenden Hiob darstellt, schließt im Grunde genommen die Empfindung des äußerlich Gerechtsamen aus. Hiob ist der duldende Mensch, der Mensch, der das, was ihm von der Außenwelt geschieht, als ein Schicksal ansieht. Erst allmählich zieht der juristische Begriff der Vergeltung auch in die Weltenordnung ein. Aber in einer gewissen Weise ist es doch wie ein Aufleben des Jahve-Prinzips, was wir in dem Bilde am Altar der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo vor uns haben.

[ 21 ] But this feeling, which still emerges from an Eastern wisdom deeper than Buddhism, is overshadowed by the other feeling that clings to the sight of the one writhing in pain. We must not rely solely on our thoughts—for they are usually superficial—but we must ascend with the full breadth of our feelings to what has been the destiny of human conceptions of the Mystery of Golgotha over the course of the centuries. We must realize that we must return to a pure, genuine understanding of the Mystery of Golgotha. We must consider how, even in ancient Hebrew times, Yahweh was not conceived of as a judge of the world in the legal sense. The greatest dramatic portrayal of the religious sentiment of ancient Hebrew times—the Book of Job, which depicts the long-suffering Job—essentially excludes the notion of outward righteousness. Job is the long-suffering man, the man who regards what befalls him from the outside world as fate. Only gradually does the legal concept of retribution find its way into the cosmic order. Yet in a certain sense, what we see in Michelangelo’s painting on the altar of the Sistine Chapel is a revival of the Yahweh principle.

[ 22 ] Wir aber brauchen den Christus, den wir in unserem Inneren suchen können, weil er, wenn wir ihn suchen, alsbald erscheint. Wir brauchen den Christus, welcher in unseren Willen einzieht, der unseren Willen durchwärmt und durchfeuert, damit dieser Wille kraftvoll werde zu denjenigen Taten, die für die Menschheitsentwickelung von uns verlangt werden. Wir brauchen denjenigen Christus, den wir nicht als den leidenden anschauen, sondern der da schwebt oberhalb des Kreuzes und herüberschaut auf das, was wesenlos am Kreuze endet. Wir brauchen das starke Bewußtsein von der Ewigkeit des Geistes.

[ 22 ] But we need the Christ whom we can seek within ourselves, because when we seek him, he appears at once. We need the Christ who enters into our will, who warms and enkindles our will, so that this will may become powerful enough to carry out the deeds required of us for the development of humanity. We need the Christ whom we do not view as the suffering one, but who hovers above the cross and looks down upon what ends in nothingness on the cross. We need a strong awareness of the eternity of the Spirit.

[ 23 ] Wir gewinnen das starke Bewußtsein von der Ewigkeit des Geistes nicht, wenn wir uns verlieren in dem Bilde des bloßen Kruzifixus. Und wenn wir sehen, wie das Bild des Kruzifixus nach und nach immer mehr umgestellt worden ist zum Leidenden und Schmerzfühlenden, so werden wir sehen, welche Kraft gerade diese Richtung menschlichen Empfindens gewonnen hat. Es ist die Abwendung des Blickes der Menschheit von dem eigentlich Geistigen und die Hinwendung zu dem bloß Irdisch-Physischen. Das ist ja zuweilen in einer grandiosen Weise ausgedrückt; aber denen, die zum Beispiel wie Goethe schon etwas empfunden haben von der Notwendigkeit, daß unsere Zivilisation wieder zum Geiste durchdringe, solchen Menschen ist es immer als etwas erschienen, mit dem sie eigentlich nicht mitgehen. Goethe hat es ja oft genug zum Ausdruck gebracht, daß der gekreuzigte Erlöser im Grunde genommen eigentlich nicht dasjenige zum Ausdrucke bringt, was er an dem Christentum empfindet: die Erhebung des Menschen zum Geistigen.

[ 23 ] We do not gain a deep awareness of the eternity of the Spirit when we lose ourselves in the image of the crucifix alone. And when we see how the image of the crucifix has gradually been transformed more and more into that of the suffering and pain-stricken figure, we will see what power this particular direction of human sentiment has gained. It is humanity’s turning away from what is truly spiritual and its turning toward what is merely earthly and physical. This is, of course, sometimes expressed in a grandiose manner; but to those who, like Goethe, for example, have already sensed something of the necessity for our civilization to be permeated by the spirit once more—to such people it has always appeared as something they cannot truly go along with. Goethe expressed it often enough: that the crucified Savior does not, in essence, express what he feels about Christianity—the elevation of humanity to the spiritual.

[ 24 ] Es ist die Notwendigkeit vorhanden, daß sowohl die Karfreitagsstimmung wie die Osterstimmung sich wandle, daß die Karfreitagsstimmung zu einer solchen sich gestalte, welche in sich trägt das Hinschauen auf den endenden Jesus und damit im Grunde genommen empfindet: dieses ist nur die andere Seite des Geborenwerdens. Wer nicht sieht im Geborenwerden zugleich das Sterbende, der sieht nicht vollständig. Wer imstande ist, das, was in der Todesstimmung des Karfreitags auftritt, so zu empfinden, daß ihm da nur die eine Seite des Menschlichen gegeben wird, die der andere Pol ist dessen, was in dem Hereintreten des Kindes bei der Geburt gegeben ist, der wird sich in der richtigen Weise vorbereiten für die eigentliche Osterstimmung, für jene Stimmung, die nur darin bestehen kann, daß der Mensch weiß: Und was auch meine menschliche Hülle ist, die geboren wird — der eigentliche Mensch ist ungeboren, wie er unsterblich ist.

[ 24 ] There is a need for both the Good Friday mood and the Easter mood to change, for the Good Friday mood to take on a form that, in itself, involves looking upon Jesus as he is dying and thus, in essence, perceiving that this is merely the other side of being born. Whoever does not see in birth, at the same time, the dying, does not see fully. Whoever is able to perceive what arises in the mood of death on Good Friday in such a way that only one side of the human is revealed there—the opposite pole of what is revealed in the child’s entry into the world at birth—will prepare themselves in the right way for the true Easter mood, for that mood which can consist only in the human being’s knowledge that: And whatever my human shell may be that is born—the true human being is unborn, just as he is immortal.

[ 25 ] Der eigentliche Mensch muß sich verbinden mit demjenigen, was hereingekommen ist in die Welt als der Christus, der nicht sterben kann, der auf ein anderes als auf sich selbst hinabsieht, wenn er den Schmerzensmann des Kreuzes ansieht. Es muß empfunden werden, was eigentlich geschehen ist dadurch, daß die Geistesvorstellung seit dem Ende des ersten Jahrhunderts allmählich der abendländischen Zivilisation verlorengegangen ist. Und es wird der Welt-Ostergedanke sein, wenn eine genügend große Anzahl von Menschen empfinden, daß der Geist innerhalb der modernen Zivilisation wieder auferstehen muß.

[ 25 ] The true human being must connect with that which has come into the world as the Christ—who cannot die, who looks beyond himself when he gazes upon the Suffering One on the cross. We must come to realize what has actually happened as a result of the spiritual concept having gradually been lost to Western civilization since the end of the first century. And it will be the universal idea of Easter when a sufficiently large number of people realize that the spirit must rise again within modern civilization.

[ 26 ] ÄAußerlich wird man das so auszudrücken haben, daß der Mensch nicht allein wird forschen wollen über dasjenige, was über ihn verhängt ist, nicht allein wird suchen nach Naturgesetzen oder nach Geschichtsgesetzen, die ähnlich den Naturgesetzen sind, sondern daß der Mensch Verlangen tragen wird nach der Erkenntnis seines eigenen Willens, nach der Erkenntnis seiner eigenen Freiheit, daß der Mensch darnach Verlangen tragen wird, die eigentliche Natur des Willens zu empfinden, der den Menschen über die Pforte des Todes hinausträgt, der aber geistig angeschaut werden muß, damit er in seiner wahren Gestalt gesehen werden kann.

[ 26 ] Outwardly, one must express this in such a way that human beings will not only want to investigate what is imposed upon them, will not only seek the laws of nature or the laws of history that are similar to the laws of nature, but that human beings will yearn for the knowledge of their own will, for knowledge of his own freedom; that human beings will yearn to perceive the true nature of the will, which carries them beyond the gates of death, but which must be contemplated spiritually so that it may be seen in its true form.

[ 27 ] Wie soll der Mensch die Kraft gewinnen zu dem Pfingstgedanken, zu der Ausgießung des Geistes, nachdem am achten allgemeinen ökumenischen Konzil von Konstantinopel der Pfingstgedanke dogmatisch zur bloßen Phrase erklärt worden ist? Wie soll der Mensch die Kraft gewinnen zu diesem Pfingstgedanken, wenn er nicht durchzudringen vermag zu dem Ostergedanken, zu dem wahren Ostergedanken, zu dem Gedanken von der Auferstehung des Geistes! Es darf der Mensch nicht betäubt werden durch das Bild des sterbenden, des schmerzdurchdrungenen Erlösers. Es muß der Mensch lernen das Verbundensein des Schmerzes mit dem Zusammengefügtsein mit dem materiellen Dasein.

[ 27 ] How is a person to find the strength to embrace the idea of Pentecost—the outpouring of the Spirit—after the Eighth Ecumenical Council of Constantinople declared the idea of Pentecost to be nothing more than a mere phrase? How can a person find the strength to embrace this Pentecost concept if they are unable to penetrate the Easter concept—the true Easter concept—the concept of the resurrection of the Spirit! Humanity must not be numbed by the image of the dying, pain-stricken Savior. Humanity must learn that pain is intrinsically linked to our connection with material existence.

[ 28 ] Das war ein Grundprinzip der alten Weisheit, die noch aus instinktiven Untergründen des menschlichen Erkennens heraus gekommen ist. Wir müssen uns diese Erkenntnis durch bewußtes Erkennen wiederum erringen. Das war aber ein Grundprinzip, daß des Schmerzes Ursprung die Verbindung mit der Materie ist, daß das Leiden stammt von der Verbindung des Menschen mit der Materie. Ein Unding wäre es allerdings, zu glauben, daß der Christus, weil er als göttlich-geistiges Wesen durch den Tod hindurchgegangen ist, den Schmerz nicht erlitten habe. Den Schmerz beim Mysterium von Golgatha für einen bloßen Scheinschmerz zu erklären, wäre unreal gedacht. Er muß im allerbedeutendsten Sinne als wirklich gedacht werden, aber er darf nicht gedacht werden als sein Gegenbild. Es muß wieder etwas gewonnen werden von dem, was vor uns steht, wenn wir mit dem Überblick über die ganze Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha vor uns hinstellen.

[ 28 ] This was a fundamental principle of ancient wisdom, which arose from the instinctive depths of human cognition. We must regain this insight through conscious understanding. Yet it was a fundamental principle that the origin of pain lies in the connection with matter, that suffering stems from humanity’s connection with matter. It would, however, be absurd to believe that Christ—because he, as a divine-spiritual being, passed through death—did not suffer pain. To explain the pain of the Mystery of Golgotha as mere illusory pain would be an unrealistic conception. It must be conceived as real in the most profound sense, but it must not be conceived as its opposite. We must once again gain insight into what lies before us when we view the Mystery of Golgotha against the backdrop of the entire development of humanity.

[ 29 ] Wenn den alten zu initiierenden Schülern der freieste Mensch im Bilde vorgeführt werden sollte, wenn diese zu initiierenden Schüler die verschiedensten Vorstufen durchgemacht hatten, wenn sie durchgegangen waren durch alle die Übungen, durch die sie sich gewisse Erkenntnisse erringen konnten, und die ihnen im Bilde dramatisch vorgeführt worden sind, dann wurden sie zuletzt geführt vor das Bild des ganz und gar in seinem physischen Leibe leidenden Menschen im roten Purpurmantel mit der Dornenkrone auf dem Haupte, vor das Bild des Chrestos. Und im Anschauen dieses Chrestos sollte sich der Seele entringen diejenige Kraft, die den Menschen zum eigentlichen Menschen macht. Und die Blutstropfen, die an allen wichtigeren Stellen jenes alten Chrestos dem Schauenden, dem zu Initiierenden entgegentraten, die sollten da sein zur Beseitigung der Ohnmacht und der menschlichen Schwäche und zum Erheben des triumphierenden Geistes aus dem menschlichen Inneren.

[ 29 ] When the oldest students awaiting initiation were to be shown the image of the freest human being, when these students awaiting initiation had gone through the most varied preliminary stages, when they had completed all the exercises through which they could attain certain insights, and these had been dramatically presented to them in the image, then they were finally led before the image of the human being suffering completely in his physical body, clad in a red purple robe with a crown of thorns upon his head—before the image of Chrestos. And in beholding this Chrestos, the power that makes a human being truly human was to well up from the soul. And the drops of blood that met the gaze of the beholder—the one to be initiated—at all the significant points on that ancient Chrestos were meant to be there to dispel powerlessness and human weakness and to raise the triumphant spirit from within the human being.

[ 30 ] Die Schmerzesanschauung sollte bedeuten die Auferstehung des geistigen Wesens. Im tiefsten Sinne sollte im Bilde vor dem Menschen stehen, was man in einfachen Worten so ausdrücken kann: Deiner Lust magst du manches im Leben verdanken; hast du dir aber Erkenntnis, hast du dir Einsicht in die geistigen Zusammenhänge verschafft, so verdankst du das deinem Leide, deinem Schmerze. Du verdankst es dem Umstande, daß du in deinem Leide und deinem Schmerze nicht untergegangen bist, sondern die Kraft hattest, dich aus ihnen zu erheben. — Deshalb wurde in den alten Mysterien das Bild des leiddenden Chrestos abgelöst durch das andere Bild des triumphierenden Christus, der herunterschaut auf den leidenden Chrestos als auf dasjenige, was überwunden ist.

[ 30 ] The concept of pain should signify the resurrection of the spiritual being. In the deepest sense, the image before humanity should be what can be expressed in simple terms as follows: You may owe many things in life to your pleasure; but if you have gained knowledge, if you have gained insight into spiritual connections, then you owe that to your suffering, to your pain. You owe it to the fact that you did not perish in your suffering and pain, but had the strength to rise above them. — That is why, in the ancient mysteries, the image of the suffering Chrestos was replaced by the image of the triumphant Christ, who looks down upon the suffering Chrestos as upon that which has been overcome.

[ 31 ] Wiedergefunden werden muß so die Möglichkeit, den triumphierenden geistigen Christus vor der Seele und in der Seele und namentlich im Willen zu haben. Das ist dasjenige, was uns bevorstehen muß in der Gegenwart und insbesondere in dem, was wir tun wollen in dieser Gegenwart zu der Herbeiführung einer heilsamen menschlichen Zukunft. Aber nimmermehr werden wir diesen Ostergedanken, diesen wahren Ostergedanken fassen können, wenn wir nicht einzusehen vermögen, daß wir hinausblicken müssen von dem bloß Irdischen in das Kosmische, wenn wir überhaupt von dem Christus sprechen wollen.

[ 31 ] We must thus rediscover the possibility of having the triumphant spiritual Christ before the soul, within the soul, and especially within the will. This is what must lie before us in the present, and in particular in what we intend to do in this present moment to bring about a wholesome human future. But we will never be able to grasp this Easter idea—this true Easter idea—unless we realize that we must look beyond the merely earthly to the cosmic, if we are to speak of Christ at all.

[ 32 ] Das neuere Denken hat uns den Kosmos zum Leichnam gemacht. Wir erblicken heute die Sterne und den Gang der Sterne und berechnen das alles. Das heißt, wir rechnen etwas aus über den Leichnam der Welt — und wir sehen nicht, wie in den Sternen lebt das Leben und wie in dem Gang der Sterne walten die Absichten des kosmischen Geistes. Der Christus ist heruntergestiegen in die Menschheit, um die Menschenseelen zu verbinden mit diesem kosmischen Geiste. Und nur derjenige ist ein wahrer Verkünder des Evangeliums von Christus selber, der da hinweist darauf, daß dasjenige, was physisch-sinnlich in der Sonne erscheint, der äußere Ausdruck ist für den Geist unserer Welt, den auferstehenden Geist unserer Welt.

[ 32 ] Modern thinking has turned the cosmos into a corpse. Today we gaze upon the stars and the movement of the stars, and we calculate it all. That is to say, we calculate something about the corpse of the world—and we do not see how life dwells within the stars, nor how the intentions of the cosmic Spirit govern the movement of the stars. Christ descended into humanity to connect human souls with this cosmic Spirit. And only the one who points out that what appears physically and sensually in the sun is the outer expression of the Spirit of our world—the resurrected Spirit of our world—is a true herald of the Gospel of Christ Himself.

[ 33 ] Lebendig muß werden so etwas wie die Zusammengehörigkeit desjenigen, was der Abglanz des Weltengeistes ist im Monde, und desjenigen, was dieser Weltengeist selber ist in der Sonne. Lebendig muß wieder werden, wie das Osterfest bestimmt worden ist durch die Verhältnisse von Sonne und Mond im Frühling. Anknüpfen müssen wir können an dasjenige, was das Osterfest aus dem Kosmos selber für die Erdenentwickelung bestimmt hat. Wir müssen wissen, daß es die schützendsten und wachesten Geister des Kosmos waren, die aus dieser Weltenuhr, deren Zeiger Sonne und Mond für das irdische Dasein sind, verständlich gemacht haben die große, bedeutsame Stunde in der Welt- und Menschheitsentwickelung, in welche die Auferstehung zu setzen ist. Lernen müssen wir es vom Geistigen, zu empfinden den Gang dieser beiden Zeiger Sonne und Mond, wie wir für unsere physischen Angelegenheiten verstehenlernen den Gang der Zeiger der Uhr. Anknüpfen müssen wir das Physische, Irdische an das Überphysische, Überirdische.

[ 33 ] Something like the unity between that which is the reflection of the World Spirit in the Moon and that which is the World Spirit itself in the Sun must come to life. It must come to life again, just as the Easter festival has been determined by the relationship between the Sun and the Moon in spring. We must be able to connect with that which the cosmos itself has determined for Earth’s development through the Easter festival. We must know that it was the most protective and vigilant spirits of the cosmos who, through this cosmic clock—whose hands are the Sun and the Moon for earthly existence—made clear the great, significant hour in the development of the world and humanity into which the Resurrection is to be placed. We must learn from the spiritual realm to perceive the movement of these two hands—the Sun and the Moon—just as we learn to understand the movement of a clock’s hands in our physical affairs. We must link the physical, earthly realm to the superphysical, super-earthly realm.

[ 34 ] Der Ostergedanke verträgt nur die Interpretation aus dem Überirdischen heraus. Denn geschehen ist mit dem Mysterium von Golgotha, insofern es das Auferstehungsmysterium ist, etwas, was sich unterscheidet von den übrigen Angelegenheiten der Menschen. Die übrigen Angelegenheiten der Menschen verlaufen auf der Erde in einer ganz anderen Art als das, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist. Die Erde hat aufgenommen die kosmischen Kräfte, und aus dem, was sie selber geworden ist, sprießen sie hervor die menschlichen Willenskräfte in den menschlichen Stoffwechsel hinein. Als aber das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, da drang ein neuer Zusammenfluß des Willens in das irdische Geschehen herein. Da geschah auf der Erde etwas, was kosmisches Geschehen ist, und wofür die Erde nur Schauplatz ist. Der Mensch wurde wiederum mit dem Kosmos verbunden.

[ 34 ] The idea of Easter can only be interpreted from a supernatural perspective. For what took place in the Mystery of Golgotha—insofar as it is the Mystery of the Resurrection—is something distinct from the rest of human affairs. The rest of human affairs unfold on Earth in a completely different way than what happened with the Mystery of Golgotha. The Earth has absorbed the cosmic forces, and from what it has itself become, these forces spring forth as human forces of will into the human metabolism. But when the Mystery of Golgotha took place, a new confluence of will entered into earthly events. Something occurred on Earth that is a cosmic event, for which the Earth is merely the stage. Humanity was once again connected to the cosmos.

[ 35 ] Das ist es, was verstanden werden muß, und das Verständnis davon gibt erst den Ostergedanken in seinem vollen Umfange. Daher muß vor unserer Seele erstehen nicht nur das Bild des Kruzifixus. Und hätte die Kunst das Schönste, das Größte, das Bedeutendste, das Erhabenste hervorgebracht in dem Bilde des Kruzifixus — erstehen muß der Gedanke: «Der, den ihr suchet, der ist nicht hier.» Erscheinen muß euch über dem Kreuze derjenige, der nun hier ist, und der aus dem Geiste heraus für den Geist, Geist erweckend, zu euch spricht.

[ 35 ] This is what must be understood, and it is only through this understanding that the meaning of Easter is revealed in its full scope. Therefore, it is not only the image of the crucifix that must arise before our souls. And even if art had produced the most beautiful, the greatest, the most significant, and the most sublime image of the Crucifix—the thought must arise: “The one you seek is not here.” Above the cross, the one who is now here must appear to you—the one who speaks to you from the Spirit, for the Spirit, awakening the Spirit.

[ 36 ] Das ist es, was als Ostergedanke in die Menschheitsentwickelung hineinkommen muß; das ist dasjenige, zu dem sich das menschliche Herz und der menschliche Sinn erheben müssen. Von uns wird in unserer Zeit nicht bloß verlangt, daß wir Altes bewundern. Von uns wird nicht bloß verlangt, daß wir uns hineinvertiefen und hineinversenken können in das, was geschaffen worden ist. Wir müssen Neu-Schaffende werden. Und sei es selbst das Kreuz mit all dem Schönen, was Künstler aus ihm gemacht haben, wir dürfen es nicht dabei belassen. Wir müssen hören die Worte der geistigen Wesen, die uns, wenn wir suchen im Tode und im Leiden, zurufen: Der, den ihr suchet, er ist nicht mehr hier! — Und so müssen wir suchen denjenigen, der da hier ist.

[ 36 ] This is what must enter into the development of humanity as the Easter idea; this is what the human heart and mind must aspire to. In our time, we are not merely required to admire the old. We are not merely required to immerse ourselves and lose ourselves in what has been created. We must become creators of the new. And even if it is the cross itself, with all the beauty that artists have drawn from it, we must not leave it at that. We must hear the words of the spiritual beings who, when we seek in death and suffering, call out to us: “The one you seek is no longer here!” — And so we must seek the one who is here.

[ 37 ] Wir müssen verstehen, zu Ostern uns hinzuwenden zu dem Geiste, der uns allein in dem Bilde der Auferstehung gegeben werden kann. Dann werden wir in der richtigen Weise vorschreiten können von der Leidens-Karfreitagsstimmung zu der geistigen Stimmung des Ostertages. Dann werden wir aber auch fähig werden, in dieser Stimmung des Ostertages dasjenige zu finden, was unser Wille aufnehmen muß, damit wir Wirkende werden können gegenüber den Niedergangskräften in den Aufgangskräften der Menschheit. Und solche Kräfte, die da mitwirken können, die brauchen wir. Und in dem Augenblicke, wo wir in der richtigen Weise den Auferstehungs-Ostergedanken verstehen, wird dieser Ostergedanke, warm und uns durchleuchtend, die Kräfte in uns entzünden, die wir für die zukünftige Menschheitsentwickelung brauchen.

[ 37 ] At Easter, we must learn to turn toward the Spirit that can be given to us only through the image of the Resurrection. Then we will be able to move in the right way from the mood of Good Friday’s suffering to the spiritual mood of Easter Sunday. Then, too, we will be able to find within this spirit of Easter Day what our will must take in so that we may become active agents against the forces of decline within the forces of humanity’s ascent. And we need such forces that can work toward this end. And the moment we understand the Resurrection-Easter idea in the right way, this Easter idea—warm and illuminating us—will kindle within us the forces we need for the future development of humanity.