Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203
27 March 1921, Stuttgart
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Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung
Sechzehnter Vortrag
Sechzehnter Vortrag
[ 1 ] Es ist ein bedeutsamer Gegensatz vorhanden zwischen dem Weihnachtsgedanken und dem Ostergedanken, und wer die beiden Gedanken, von denen in unserem Zusammenhange oftmals gesprochen worden ist, einander gegenüberzustellen vermag, sie in entsprechender Weise zu verbinden imstande ist und daraus dann innerlich lebendigmachen kann ihr Zusammenwirken — das Zusammenwirken des Weihnachtsgedankens und des Ostergedankens —, der wird hingewiesen auf innerliches Erleben, das in gewissem Sinne die Menschheitsrätsel in umfassender Weise umschreibt.
[ 1 ] Es ist ein bedeutsamer Gegensatz vorhanden zwischen dem Weihnachtsgedanken und dem Ostergedanken, und wer die beiden Gedanken, von denen in unserem Zusammenhange oftmals gesprochen worden ist, einander gegenüberzustellen vermag, sie in entsprechender Weise zu verbinden imstande ist und daraus dann innerlich lebendigmachen kann ihr Zusammenwirken — das Zusammenwirken des Weihnachtsgedankens und des Ostergedankens —, der wird hingewiesen auf innerliches Erleben, das in gewissem Sinne die Menschheitsrätsel in umfassender Weise umschreibt.
[ 2 ] Der Weihnachtsgedanke weist uns ja hin auf die Geburt. Wir wissen, wie durch die Geburt das Ewige des Menschen hereinzieht in die Welt, aus der des Menschen sinnlich-sichtbare leibliche Wesenheit genommen ist. Und wenn wir uns mit dieser Anschauung dem Weihnachtsgedanken nähern, dann erscheint er uns als der Gedanke, der uns verbindet mit dem Übersinnlichen. Dann erscheint er neben allem übrigen, was er uns nahebringt, so, daß er gewissermaßen an den einen Pol unseres Daseins hinweist, wo wir als sinnlich-physische Wesen zusammenhängen mit dem Geistig-Übersinnlichen. Deshalb wird, voll umfaßt, die Geburt des Menschen niemals begreiflich erscheinen können aus einer Wissenschaft, welche ihre Voraussetzungen nur aus der Beobachtung des sinnlich-physischen Daseins nimmt.
[ 2 ] Der Weihnachtsgedanke weist uns ja hin auf die Geburt. Wir wissen, wie durch die Geburt das Ewige des Menschen hereinzieht in die Welt, aus der des Menschen sinnlich-sichtbare leibliche Wesenheit genommen ist. Und wenn wir uns mit dieser Anschauung dem Weihnachtsgedanken nähern, dann erscheint er uns als der Gedanke, der uns verbindet mit dem Übersinnlichen. Dann erscheint er neben allem übrigen, was er uns nahebringt, so, daß er gewissermaßen an den einen Pol unseres Daseins hinweist, wo wir als sinnlich-physische Wesen zusammenhängen mit dem Geistig-Übersinnlichen. Deshalb wird, voll umfaßt, die Geburt des Menschen niemals begreiflich erscheinen können aus einer Wissenschaft, welche ihre Voraussetzungen nur aus der Beobachtung des sinnlich-physischen Daseins nimmt.
[ 3 ] Am anderen Pol des menschlichen Erlebens liegt der Gedanke, der dem Osterfeste zugrunde liegt und der ja immer mehr und mehr im Lauf der abendländischen Entwickelung zu einem Gedanken geworden ist, der das materialistische Vorstellen des Abendlandes vorbereitet hat. Der Ostergedanke kann, zunächst in einer mehr abstrakten Weise, erfaßt werden, wenn man sich klar darüber ist, wie das Ewige, das Unsterbliche des Menschen, das also auch nicht geboren werden kann, wie das Geistig-Übersinnliche heruntersteigt aus geistigen Welten und sich umkleidet mit dem menschlichen physischen Leibe. Vom Beginne dieses physischen Daseins an — das habe ich von den verschiedensten Gesichtspunkten her vor Ihnen hier ausgeführt — ist dieses Wirken des Geistes im physischen Leibe eigentlich ein Hinführen des physischen Leibes zum Sterben, und mit dem Gedanken der Geburt ist zu gleicher Zeit der Gedanke des Sterbens gegeben.
[ 3 ] Am anderen Pol des menschlichen Erlebens liegt der Gedanke, der dem Osterfeste zugrunde liegt und der ja immer mehr und mehr im Lauf der abendländischen Entwickelung zu einem Gedanken geworden ist, der das materialistische Vorstellen des Abendlandes vorbereitet hat. Der Ostergedanke kann, zunächst in einer mehr abstrakten Weise, erfaßt werden, wenn man sich klar darüber ist, wie das Ewige, das Unsterbliche des Menschen, das also auch nicht geboren werden kann, wie das Geistig-Übersinnliche heruntersteigt aus geistigen Welten und sich umkleidet mit dem menschlichen physischen Leibe. Vom Beginne dieses physischen Daseins an — das habe ich von den verschiedensten Gesichtspunkten her vor Ihnen hier ausgeführt — ist dieses Wirken des Geistes im physischen Leibe eigentlich ein Hinführen des physischen Leibes zum Sterben, und mit dem Gedanken der Geburt ist zu gleicher Zeit der Gedanke des Sterbens gegeben.
[ 4 ] Ich habe darauf hingewiesen, wie ja die Hauptesorganisation des Menschen nur dadurch zu verstehen ist, daß man weiß: Im Grunde genommen ist im Haupte ein fortwährendes Sterben vorhanden, das nur bekämpft wird von den Lebekräften des übrigen menschlichen Organismus. Und in dem Augenblicke, wo die Sterbekräfte, die immer im Menschen im Haupte vorhanden sind und des Menschen Denkernatur bedingen, in dem Augenblicke, wo diese Sterbekräfte die Oberhand bekommen über das menschliche vergängliche Wesen, in diesem Augenblicke tritt der wirkliche Tod ein.
[ 4 ] Ich habe darauf hingewiesen, wie ja die Hauptesorganisation des Menschen nur dadurch zu verstehen ist, daß man weiß: Im Grunde genommen ist im Haupte ein fortwährendes Sterben vorhanden, das nur bekämpft wird von den Lebekräften des übrigen menschlichen Organismus. Und in dem Augenblicke, wo die Sterbekräfte, die immer im Menschen im Haupte vorhanden sind und des Menschen Denkernatur bedingen, in dem Augenblicke, wo diese Sterbekräfte die Oberhand bekommen über das menschliche vergängliche Wesen, in diesem Augenblicke tritt der wirkliche Tod ein.
[ 5 ] So ist in Wahrheit der Todesgedanke nur, ich möchte sagen, die andere Seite des Geburtsgedankens, und es kann daher im Ostergedanken nicht der Todesgedanke zum Ausdrucke kommen. In der Zeit, als das Christentum noch aus einer morgenländischen Anschauung heraus seine erste Gestalt gefunden hat, sehen wir, wie das Paulinische Christentum vor allen Dingen die Menschen hinweist nicht auf den Tod des Christus Jesus, sondern auf die Auferstehung, wie dieses Christentum darauf hinweist mit so starken Worten, wie sie Paulus spricht: «Ist der Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube tot.»
[ 5 ] So ist in Wahrheit der Todesgedanke nur, ich möchte sagen, die andere Seite des Geburtsgedankens, und es kann daher im Ostergedanken nicht der Todesgedanke zum Ausdrucke kommen. In der Zeit, als das Christentum noch aus einer morgenländischen Anschauung heraus seine erste Gestalt gefunden hat, sehen wir, wie das Paulinische Christentum vor allen Dingen die Menschen hinweist nicht auf den Tod des Christus Jesus, sondern auf die Auferstehung, wie dieses Christentum darauf hinweist mit so starken Worten, wie sie Paulus spricht: «Ist der Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube tot.»
[ 6 ] Die Auferstehung, der Triumph über den Tod, die Überwindung des Todes, das ist es, was vor allen Dingen als der Ostergedanke vorhanden gewesen ist in der ersten, noch durch die Weisheit des Morgenlandes bedingten Form des Christentums. Oder aber wir können auch sehen, wie auf der anderen Seite uns Bilder auftreten, wo der Christus Jesus dargestellt wird als der gute Hirte, der da wacht gewissermaßen über die ewigen Angelegenheiten des in seinem zeitlichen Dasein schlafenden Menschen. Wir sehen überall, daß im Grunde genommen die erste Christenheit hingewiesen wird auf die Worte des Evangeliums: «Der, den ihr suchet, der ist nicht mehr hier.» Ihr müßt ihn suchen — so können wir ergänzend hinzufügen, in geistigen Welten; ihr dürft ihn nicht suchen in der physisch-sinnlichen Welt. Suchet ihr ihn in der physischsinnlichen Welt, so kann euch nur gesagt werden: Der, den ihr als Physisch-Sinnlichen suchet, der ist nicht mehr hier in der physisch-sinnlichen Welt.
[ 6 ] Die Auferstehung, der Triumph über den Tod, die Überwindung des Todes, das ist es, was vor allen Dingen als der Ostergedanke vorhanden gewesen ist in der ersten, noch durch die Weisheit des Morgenlandes bedingten Form des Christentums. Oder aber wir können auch sehen, wie auf der anderen Seite uns Bilder auftreten, wo der Christus Jesus dargestellt wird als der gute Hirte, der da wacht gewissermaßen über die ewigen Angelegenheiten des in seinem zeitlichen Dasein schlafenden Menschen. Wir sehen überall, daß im Grunde genommen die erste Christenheit hingewiesen wird auf die Worte des Evangeliums: «Der, den ihr suchet, der ist nicht mehr hier.» Ihr müßt ihn suchen — so können wir ergänzend hinzufügen, in geistigen Welten; ihr dürft ihn nicht suchen in der physisch-sinnlichen Welt. Suchet ihr ihn in der physischsinnlichen Welt, so kann euch nur gesagt werden: Der, den ihr als Physisch-Sinnlichen suchet, der ist nicht mehr hier in der physisch-sinnlichen Welt.
[ 7 ] Die große, umfassende Weisheit, welche sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums noch angeschickt hat, das Mysterium von Golgatha mit allem, was dazu gehört, zu durchdringen, sie tauchte zunächst unter in den Materialismus des Abendlandes. Dieser Materialismus war in den ersten Jahrhunderten noch nicht zum vollen Durchbruch gekommen. Er bereitete sich langsam vor. Man möchte sagen, die ersten, noch ganz schwachen materialistischen Impulse der ersten Jahrhunderte, die kaum bemerkbar waren, wandelten sich erst viel später um in das, was immer mehr und mehr Materialismus wurde und immer mehr die Zivilisation des Abendlandes durchdrang. Verbunden hat sich ja der morgenländische Religionsgedanke mit dem im Abendlande heraufziehenden Staatsgedanken. Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion, das heißt, es drang in das Christentum etwas ein, was nicht mehr Religion sein kann.
[ 7 ] Die große, umfassende Weisheit, welche sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums noch angeschickt hat, das Mysterium von Golgatha mit allem, was dazu gehört, zu durchdringen, sie tauchte zunächst unter in den Materialismus des Abendlandes. Dieser Materialismus war in den ersten Jahrhunderten noch nicht zum vollen Durchbruch gekommen. Er bereitete sich langsam vor. Man möchte sagen, die ersten, noch ganz schwachen materialistischen Impulse der ersten Jahrhunderte, die kaum bemerkbar waren, wandelten sich erst viel später um in das, was immer mehr und mehr Materialismus wurde und immer mehr die Zivilisation des Abendlandes durchdrang. Verbunden hat sich ja der morgenländische Religionsgedanke mit dem im Abendlande heraufziehenden Staatsgedanken. Im 4. Jahrhundert wurde das Christentum Staatsreligion, das heißt, es drang in das Christentum etwas ein, was nicht mehr Religion sein kann.
[ 8 ] Julian Apostata, der kein Christ, aber ein religiöser Mensch war, konnte vor allen Dingen nicht ja sagen zu dem, was aus dem Christentum durch den Konstantinismus geworden war. Und so sehen wir, wie erst ganz schwach, aber eben doch schon etwas bemerkbar in der Vermischung des Christentums mit dem untergehenden Römertum, wie da der Materialismus des Abendlandes seine ersten Strahlen wirft. Unter diesem Einflusse entstand auch jenes Bild des Christus Jesus, das im Anfange gar nicht vorhanden war, das durchaus nicht im Ursprunge des Christentums liegt: das Bild des Christus Jesus als des Gekreuzigten, Leidenden, als des Schmerzensmannes, als desjenigen, der in Schmerzen vergeht unter dem Eindrucke des unsäglichen Leides, das ihm zugefügt worden ist.
[ 8 ] Julian Apostata, der kein Christ, aber ein religiöser Mensch war, konnte vor allen Dingen nicht ja sagen zu dem, was aus dem Christentum durch den Konstantinismus geworden war. Und so sehen wir, wie erst ganz schwach, aber eben doch schon etwas bemerkbar in der Vermischung des Christentums mit dem untergehenden Römertum, wie da der Materialismus des Abendlandes seine ersten Strahlen wirft. Unter diesem Einflusse entstand auch jenes Bild des Christus Jesus, das im Anfange gar nicht vorhanden war, das durchaus nicht im Ursprunge des Christentums liegt: das Bild des Christus Jesus als des Gekreuzigten, Leidenden, als des Schmerzensmannes, als desjenigen, der in Schmerzen vergeht unter dem Eindrucke des unsäglichen Leides, das ihm zugefügt worden ist.
[ 9 ] Damit war ein Bruch gekommen in die ganze Anschauung der christlichen Welt; denn dieses Bild, welches fortan durch die Jahrhunderte gegangen ist — der am Kreuz hängende, schmerzdurchtränkte Christus —, das ist der Christus, welcher nicht mehr in seiner geistigen Wesenheit aufgefaßt werden kann, sondern allein in seiner leiblich-körperhaften Wesenheit. Und je mehr die Schmerzensmerkmale dem menschlichen Leibe aufgeprägt wurden, je mehr es die Kunst in ihrer großen Vollkommenheit zu verschiedenen Epochen zustande gebracht hat, dem am Kreuze hängenden Erlöser die Schmerzensmerkmale aufzudrücken, um so mehr wurden die Keime materialistisch-christlichen Empfindens gelegt. Der Kruzifixus ist der Ausdruck für den Übergang zum christlichen Materialismus. Dem widerspricht nicht, daß in einer großen, gewaltigen Weise gerade das, was als Schmerz des Erlösers durch die Kunst verkörpert worden ist, in seiner vollen Tiefe und Bedeutung anerkannt werde. Trotzdem bleibt es wahr, daß mit diesem Bilde des Erlösers, der am Kreuze unter Schmerzen vergeht, von einer eigentlich geistigen Auffassung des Christentums der Abschied genommen worden ist.
[ 9 ] Damit war ein Bruch gekommen in die ganze Anschauung der christlichen Welt; denn dieses Bild, welches fortan durch die Jahrhunderte gegangen ist — der am Kreuz hängende, schmerzdurchtränkte Christus —, das ist der Christus, welcher nicht mehr in seiner geistigen Wesenheit aufgefaßt werden kann, sondern allein in seiner leiblich-körperhaften Wesenheit. Und je mehr die Schmerzensmerkmale dem menschlichen Leibe aufgeprägt wurden, je mehr es die Kunst in ihrer großen Vollkommenheit zu verschiedenen Epochen zustande gebracht hat, dem am Kreuze hängenden Erlöser die Schmerzensmerkmale aufzudrücken, um so mehr wurden die Keime materialistisch-christlichen Empfindens gelegt. Der Kruzifixus ist der Ausdruck für den Übergang zum christlichen Materialismus. Dem widerspricht nicht, daß in einer großen, gewaltigen Weise gerade das, was als Schmerz des Erlösers durch die Kunst verkörpert worden ist, in seiner vollen Tiefe und Bedeutung anerkannt werde. Trotzdem bleibt es wahr, daß mit diesem Bilde des Erlösers, der am Kreuze unter Schmerzen vergeht, von einer eigentlich geistigen Auffassung des Christentums der Abschied genommen worden ist.
[ 10 ] Es mischte sich ja dann hinein in diese Auffassung des Schmerzensmannes jene von Christus, dem Weltenrichter, den wir eigentlich nur als einen anderen Ausdruck für Jahve oder Jehova, nämlich für den Jahve oder Jehova, der ins Juristische umgewandelt ist, in der Sixtinischen Kapelle in Rom in so großartiger Weise sehen. Derselbe Geist, der von der Vorstellung des Grabes, aus dem der Erlöser sich erhebt, aus dem der Erlöser heraus triumphiert, der aus diesem Bilde hat verschwinden lassen den triumphierenden Geist, den Sieger über den Tod derselbe Geist hat 869 am achten allgemeinen ökumenischen Konzil in Konstantinopel den Geist als etwas erklärt, an das man nicht glauben dürfe, hat dekretiert, daß der Mensch nur vorzustellen ist als aus Leib und Seele bestehend und daß der Geist nur in einigen Eigenschaften bestehe, die die Seele trüge.
[ 10 ] Es mischte sich ja dann hinein in diese Auffassung des Schmerzensmannes jene von Christus, dem Weltenrichter, den wir eigentlich nur als einen anderen Ausdruck für Jahve oder Jehova, nämlich für den Jahve oder Jehova, der ins Juristische umgewandelt ist, in der Sixtinischen Kapelle in Rom in so großartiger Weise sehen. Derselbe Geist, der von der Vorstellung des Grabes, aus dem der Erlöser sich erhebt, aus dem der Erlöser heraus triumphiert, der aus diesem Bilde hat verschwinden lassen den triumphierenden Geist, den Sieger über den Tod derselbe Geist hat 869 am achten allgemeinen ökumenischen Konzil in Konstantinopel den Geist als etwas erklärt, an das man nicht glauben dürfe, hat dekretiert, daß der Mensch nur vorzustellen ist als aus Leib und Seele bestehend und daß der Geist nur in einigen Eigenschaften bestehe, die die Seele trüge.
[ 11 ] Wie wir hinweggehaucht sehen aus dem Kruzifixus das Geistige, wie wir im Physischen, das allein zur äußeren Darstellung kommt, die schmerzdurchtränkte Seele fühlen, ohne den Geist als Triumphator, ohne den Geist als Träger und zu gleicher Zeit als den für die Menschheit Sorgenden, so sehen wir durch Konzilsbeschluß auch aus der menschlichen Wesenheit den Geist hinweggestrichen.
[ 11 ] Wie wir hinweggehaucht sehen aus dem Kruzifixus das Geistige, wie wir im Physischen, das allein zur äußeren Darstellung kommt, die schmerzdurchtränkte Seele fühlen, ohne den Geist als Triumphator, ohne den Geist als Träger und zu gleicher Zeit als den für die Menschheit Sorgenden, so sehen wir durch Konzilsbeschluß auch aus der menschlichen Wesenheit den Geist hinweggestrichen.
[ 12 ] Und zusammengeschoben wurde das Karfreitagsfest und das Auferstehungsfest, das Osterfest. Das Karfreitagsfest war in gewissem Sinne in den Zeiten, in denen die Menschen noch nicht so trocken und nüchtern und verstandesöde waren, zu einem Fest geworden, in dem der Ostergedanke umgewandelt war in einer durch und durch egoistischen Weise. Im Schmerze wühlen, die eigene Seele wie wollüstig in den Schmerz eintauchen, Schmerzensseligkeiten empfinden, das war durch Zeitalter hindurch der Karfreitagsgedanke, der gewissermaßen nur den Hintergrund abgeben sollte für einen Ostergedanken, zu dessen Erfassung man in seiner wahren Gestalt immer weniger fähig wurde. Denn dieselbe Menschheit, die zum Glauben hat erheben lassen das Prinzip, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestehe, dieselbe Menschheit forderte für ihr Gefühl den bloß sterbenden Erlöser, forderte das Gegenbild ihres eigenen physischen Schmerzes, damit sie einen Hintergrund habe, um — allerdings nur in einem äußerlichen Übergang — zu empfinden, was ursprünglich elementar empfunden werden sollte als das Bewußtsein, daß der lebendige Geist immerdar siegen muß über alles, was im physischen Leib geschehen kann. Man brauchte erst das Marterbild des Todes, um als Kontrast zu empfinden den eigentlichen Ostergedanken.
[ 12 ] Und zusammengeschoben wurde das Karfreitagsfest und das Auferstehungsfest, das Osterfest. Das Karfreitagsfest war in gewissem Sinne in den Zeiten, in denen die Menschen noch nicht so trocken und nüchtern und verstandesöde waren, zu einem Fest geworden, in dem der Ostergedanke umgewandelt war in einer durch und durch egoistischen Weise. Im Schmerze wühlen, die eigene Seele wie wollüstig in den Schmerz eintauchen, Schmerzensseligkeiten empfinden, das war durch Zeitalter hindurch der Karfreitagsgedanke, der gewissermaßen nur den Hintergrund abgeben sollte für einen Ostergedanken, zu dessen Erfassung man in seiner wahren Gestalt immer weniger fähig wurde. Denn dieselbe Menschheit, die zum Glauben hat erheben lassen das Prinzip, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestehe, dieselbe Menschheit forderte für ihr Gefühl den bloß sterbenden Erlöser, forderte das Gegenbild ihres eigenen physischen Schmerzes, damit sie einen Hintergrund habe, um — allerdings nur in einem äußerlichen Übergang — zu empfinden, was ursprünglich elementar empfunden werden sollte als das Bewußtsein, daß der lebendige Geist immerdar siegen muß über alles, was im physischen Leib geschehen kann. Man brauchte erst das Marterbild des Todes, um als Kontrast zu empfinden den eigentlichen Ostergedanken.
[ 13 ] Man wird es immer tief empfinden müssen, wie auf diese Weise allmählich aus der abendländischen Kultur die eigentliche Geistanschauung und Geistempfindung gewichen ist, und man wird gewiß mit Bewunderung, aber auch zugleich mit dem Gefühle einer gewissen Tragik hinschauen auf all die künstlerischen Versuche, den Schmerzensmann an dem Kreuze darzustellen. Es genügt nicht, daß man sich mit einigen hingeworfenen Gedanken und mit einigen eingestreuten Empfindungen zu dem erhebe, was unserer Zeit notwendig ist. Man muß alles das voll durchschauen, was auf abschüssiger Bahn seit langem war in bezug auf das Geistige in der abendländischen Kultur.
[ 13 ] Man wird es immer tief empfinden müssen, wie auf diese Weise allmählich aus der abendländischen Kultur die eigentliche Geistanschauung und Geistempfindung gewichen ist, und man wird gewiß mit Bewunderung, aber auch zugleich mit dem Gefühle einer gewissen Tragik hinschauen auf all die künstlerischen Versuche, den Schmerzensmann an dem Kreuze darzustellen. Es genügt nicht, daß man sich mit einigen hingeworfenen Gedanken und mit einigen eingestreuten Empfindungen zu dem erhebe, was unserer Zeit notwendig ist. Man muß alles das voll durchschauen, was auf abschüssiger Bahn seit langem war in bezug auf das Geistige in der abendländischen Kultur.
[ 14 ] Wir haben es heute nötig, daß auch dasjenige, was auf einem Gebiete zu dem Größten gehört, zu gleicher Zeit empfunden werde als etwas, worüber sich die Menschheit heute erheben muß. Wir brauchen aber innerhalb unserer ganzen abendländischen Kultur den Ostergedanken. Wir brauchen mit anderen Worten wiederum die Erhebung zum Geiste. Was einstmals in grandioser Weise aufgetaucht ist als das heilige Mysterium der Geburt, das Weihnachtsmysterium, das tauchte allmählich innerhalb der sich entwickelnden abendländischen Kultur ein in jene Sentimentalitäten, die doch nur der Gegenpol für die materialistische Entwickelung waren, in jene Sentimentalitäten, welche schwelgten und schwelgten in allen möglichen Liedern über das Jesulein. Es war ein wollüstiges Schwelgen in der Empfindung des kleinen Kindes. Statt das große, gewaltige Mysterium des Hereindringens eines überirdischen Geistes im Weihnachtsmysterium zu empfinden, wurden die nüchternen Philisterlieder von dem «Jesulein» allmählich das Tonangebende und das Maßgebliche.
[ 14 ] Wir haben es heute nötig, daß auch dasjenige, was auf einem Gebiete zu dem Größten gehört, zu gleicher Zeit empfunden werde als etwas, worüber sich die Menschheit heute erheben muß. Wir brauchen aber innerhalb unserer ganzen abendländischen Kultur den Ostergedanken. Wir brauchen mit anderen Worten wiederum die Erhebung zum Geiste. Was einstmals in grandioser Weise aufgetaucht ist als das heilige Mysterium der Geburt, das Weihnachtsmysterium, das tauchte allmählich innerhalb der sich entwickelnden abendländischen Kultur ein in jene Sentimentalitäten, die doch nur der Gegenpol für die materialistische Entwickelung waren, in jene Sentimentalitäten, welche schwelgten und schwelgten in allen möglichen Liedern über das Jesulein. Es war ein wollüstiges Schwelgen in der Empfindung des kleinen Kindes. Statt das große, gewaltige Mysterium des Hereindringens eines überirdischen Geistes im Weihnachtsmysterium zu empfinden, wurden die nüchternen Philisterlieder von dem «Jesulein» allmählich das Tonangebende und das Maßgebliche.
[ 15 ] Es ist charakteristisch für die rein in den Bahnen des Verstandes wandelnde Entwickelung des Christentums — die es bis heute in gewissen Vertretern schon dahin gebracht hat, zu sagen, der Sohn gehöre überhaupt nicht in das Evangelium, sondern der Vater gehöre in das Evangelium —, daß diese Entwickelung dennoch den Auferstehungsgedanken beibehält, indem der Auferstehungsgedanke noch immer mit dem Todesgedanken verquickt wird, auch für dieses Christentum. Aber charakteristisch ist, wie immer mehr in der Form, wie ich es eben dargestellt habe, der Karfreitagsgedanke mit der modernen Entwickelung in den Vordergrund getreten ist, und wie der Auferstehungsgedanke, der wahre Ostergedanke, allmählich immer mehr zurückgetreten ist.
[ 15 ] Es ist charakteristisch für die rein in den Bahnen des Verstandes wandelnde Entwickelung des Christentums — die es bis heute in gewissen Vertretern schon dahin gebracht hat, zu sagen, der Sohn gehöre überhaupt nicht in das Evangelium, sondern der Vater gehöre in das Evangelium —, daß diese Entwickelung dennoch den Auferstehungsgedanken beibehält, indem der Auferstehungsgedanke noch immer mit dem Todesgedanken verquickt wird, auch für dieses Christentum. Aber charakteristisch ist, wie immer mehr in der Form, wie ich es eben dargestellt habe, der Karfreitagsgedanke mit der modernen Entwickelung in den Vordergrund getreten ist, und wie der Auferstehungsgedanke, der wahre Ostergedanke, allmählich immer mehr zurückgetreten ist.
[ 16 ] Eine Zeit, die darauf hinweisen muß, daß der Mensch die Auferstehung seines Wesens aus dem Geiste heraus wieder erleben müsse, die muß gerade den Ostergedanken in besonderer Art betonen. Wir brauchen den Ostergedanken, wir brauchen ein völliges Verständnis des Ostergedankens. Dazu ist es aber notwendig, daß wir uns klarwerden, daß der Schmerzensmann ebenso der Ausdruck für das Hineingehen der abendländischen Entwickelung in den Materialismus ist wie auf der anderen Seite der bloß juristisch richtende Weltenrichter. Wir brauchen ja den Christus als übersinnliche Wesenheit, als Wesenheit, welche außerirdischer Art ist und dennoch hereingezogen ist in die irdische Entwickelung. Wir müssen uns zu diesem Sonnengedanken allen menschlichen Vorstellens durchringen.
[ 16 ] Eine Zeit, die darauf hinweisen muß, daß der Mensch die Auferstehung seines Wesens aus dem Geiste heraus wieder erleben müsse, die muß gerade den Ostergedanken in besonderer Art betonen. Wir brauchen den Ostergedanken, wir brauchen ein völliges Verständnis des Ostergedankens. Dazu ist es aber notwendig, daß wir uns klarwerden, daß der Schmerzensmann ebenso der Ausdruck für das Hineingehen der abendländischen Entwickelung in den Materialismus ist wie auf der anderen Seite der bloß juristisch richtende Weltenrichter. Wir brauchen ja den Christus als übersinnliche Wesenheit, als Wesenheit, welche außerirdischer Art ist und dennoch hereingezogen ist in die irdische Entwickelung. Wir müssen uns zu diesem Sonnengedanken allen menschlichen Vorstellens durchringen.
[ 17 ] So wie wir durchschauen müssen, daß der Weihnachtsgeburtsgedanke zu etwas geworden ist, was, ich möchte sagen, das größte Mysterium hereingezogen hat in das triviale Empfinden der Sentimentalität, ebenso müssen wir durchschauen, wie es notwendig ist, am Ostergedanken zu betonen, daß da in die menschliche Entwickelung etwas hineinzieht, was aus irdischen Voraussetzungen heraus nicht verständlich ist, was aber verständlich ist aus der Voraussetzung geistigen Wissens, aus geistiger Erkenntnis heraus.
[ 17 ] So wie wir durchschauen müssen, daß der Weihnachtsgeburtsgedanke zu etwas geworden ist, was, ich möchte sagen, das größte Mysterium hereingezogen hat in das triviale Empfinden der Sentimentalität, ebenso müssen wir durchschauen, wie es notwendig ist, am Ostergedanken zu betonen, daß da in die menschliche Entwickelung etwas hineinzieht, was aus irdischen Voraussetzungen heraus nicht verständlich ist, was aber verständlich ist aus der Voraussetzung geistigen Wissens, aus geistiger Erkenntnis heraus.
[ 18 ] Geistige Erkenntnis muß an dem Auferstehungsgedanken den ersten großen Halt finden, muß auch im Menschen anerkennen das Unberührtsein des Geistig-Ewigen von dem, was leiblich-physisch ist, muß sehen in dem paulinischen Wort: «Und ist der Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube tot» eine Bekräftigung — die in der neueren Zeit nur auf andere, bewußtere Weise errungen werden muß —, eine Bekräftigung dessen, was im Grunde genommen die eigentliche Wesenheit des Christus ausmacht.
[ 18 ] Geistige Erkenntnis muß an dem Auferstehungsgedanken den ersten großen Halt finden, muß auch im Menschen anerkennen das Unberührtsein des Geistig-Ewigen von dem, was leiblich-physisch ist, muß sehen in dem paulinischen Wort: «Und ist der Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube tot» eine Bekräftigung — die in der neueren Zeit nur auf andere, bewußtere Weise errungen werden muß —, eine Bekräftigung dessen, was im Grunde genommen die eigentliche Wesenheit des Christus ausmacht.
[ 19 ] In dieser Art müssen wir uns heute wiederum an den Ostergedanken erinnern. In dieser Art muß uns die Zeit, in der wir uns an den Ostergedanken erinnern können, wiederum ein innerliches Fest werden, ein Fest, an dem wir für uns selber den Sieg des Geistes über die Leiblichkeit feiern. Uns muß, weil wir ja nicht unhistorisch sein dürfen, vor Augen stehen der schmerzgeplagte Jesus am Kreuze, der Schmerzensmann; uns muß aber über dem Kreuze erscheinen der Triumphator, der unberührt bleibt sowohl von der Geburt wie vom Tode, und der allein unseren Blick hinaufwenden kann zu den ewigen Gefilden des geistigen Lebens. Erst dadurch werden wir uns der wahren Wesenheit des Christus wiederum nähern.
[ 19 ] In dieser Art müssen wir uns heute wiederum an den Ostergedanken erinnern. In dieser Art muß uns die Zeit, in der wir uns an den Ostergedanken erinnern können, wiederum ein innerliches Fest werden, ein Fest, an dem wir für uns selber den Sieg des Geistes über die Leiblichkeit feiern. Uns muß, weil wir ja nicht unhistorisch sein dürfen, vor Augen stehen der schmerzgeplagte Jesus am Kreuze, der Schmerzensmann; uns muß aber über dem Kreuze erscheinen der Triumphator, der unberührt bleibt sowohl von der Geburt wie vom Tode, und der allein unseren Blick hinaufwenden kann zu den ewigen Gefilden des geistigen Lebens. Erst dadurch werden wir uns der wahren Wesenheit des Christus wiederum nähern.
[ 20 ] Die abendländische Menschheit hat den Christus zu sich heruntergezogen: heruntergezogen als kleines Kind, heruntergezogen als denjenigen, der vorzugsweise empfunden wird im Vergehen, im Schmerz. Es ist von mir des öfteren hervorgehoben worden, wie ebensolange Zeit, als vor dem Mysterium von Golgatha aus des Buddha Munde die Worte tönen, der Tod sei das Übel, nach dem Mysterium von Golgatha auftritt der Kruzifixus, der Gekreuzigte, wie da hingeschaut wird auf den Tod, und er als kein Übel empfunden wird, sondern als etwas, was in Wahrheit kein Dasein hat.
[ 20 ] Die abendländische Menschheit hat den Christus zu sich heruntergezogen: heruntergezogen als kleines Kind, heruntergezogen als denjenigen, der vorzugsweise empfunden wird im Vergehen, im Schmerz. Es ist von mir des öfteren hervorgehoben worden, wie ebensolange Zeit, als vor dem Mysterium von Golgatha aus des Buddha Munde die Worte tönen, der Tod sei das Übel, nach dem Mysterium von Golgatha auftritt der Kruzifixus, der Gekreuzigte, wie da hingeschaut wird auf den Tod, und er als kein Übel empfunden wird, sondern als etwas, was in Wahrheit kein Dasein hat.
[ 21 ] Aber diese Empfindung, die noch hereintaucht aus einer morgenländischen Weisheit, die tiefer ist als der Buddhismus, diese Empfindung unterliegt der anderen, die sich festhaftet an dem Anblicke des Schmerzgepreßten. Wir müssen nicht nur mit unseren Gedanken, denn die sind meist kurzmaschig, wir müssen mit der ganzen Weite unserer Gefühle hinauf zu dem, was das Schicksal ist der menschlichen Vorstellungen von dem Mysterium von Golgatha im Laufe der Jahrhunderte. Wir müssen uns klar darüber werden, daß wir zu einem reinen, echten Verständnis des Mysteriums von Golgatha zurückkehren müssen. Wir müssen bedenken, wie selbst noch im hebräischen Altertum Jahve nicht als Weltenrichter im juristischen Sinne gedacht wird. Die größte dramatische Darstellung des religiösen Empfindens des hebräischen Altertums, das Buch Hiob, das den duldenden Hiob darstellt, schließt im Grunde genommen die Empfindung des äußerlich Gerechtsamen aus. Hiob ist der duldende Mensch, der Mensch, der das, was ihm von der Außenwelt geschieht, als ein Schicksal ansieht. Erst allmählich zieht der juristische Begriff der Vergeltung auch in die Weltenordnung ein. Aber in einer gewissen Weise ist es doch wie ein Aufleben des Jahve-Prinzips, was wir in dem Bilde am Altar der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo vor uns haben.
[ 21 ] Aber diese Empfindung, die noch hereintaucht aus einer morgenländischen Weisheit, die tiefer ist als der Buddhismus, diese Empfindung unterliegt der anderen, die sich festhaftet an dem Anblicke des Schmerzgepreßten. Wir müssen nicht nur mit unseren Gedanken, denn die sind meist kurzmaschig, wir müssen mit der ganzen Weite unserer Gefühle hinauf zu dem, was das Schicksal ist der menschlichen Vorstellungen von dem Mysterium von Golgatha im Laufe der Jahrhunderte. Wir müssen uns klar darüber werden, daß wir zu einem reinen, echten Verständnis des Mysteriums von Golgatha zurückkehren müssen. Wir müssen bedenken, wie selbst noch im hebräischen Altertum Jahve nicht als Weltenrichter im juristischen Sinne gedacht wird. Die größte dramatische Darstellung des religiösen Empfindens des hebräischen Altertums, das Buch Hiob, das den duldenden Hiob darstellt, schließt im Grunde genommen die Empfindung des äußerlich Gerechtsamen aus. Hiob ist der duldende Mensch, der Mensch, der das, was ihm von der Außenwelt geschieht, als ein Schicksal ansieht. Erst allmählich zieht der juristische Begriff der Vergeltung auch in die Weltenordnung ein. Aber in einer gewissen Weise ist es doch wie ein Aufleben des Jahve-Prinzips, was wir in dem Bilde am Altar der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo vor uns haben.
[ 22 ] Wir aber brauchen den Christus, den wir in unserem Inneren suchen können, weil er, wenn wir ihn suchen, alsbald erscheint. Wir brauchen den Christus, welcher in unseren Willen einzieht, der unseren Willen durchwärmt und durchfeuert, damit dieser Wille kraftvoll werde zu denjenigen Taten, die für die Menschheitsentwickelung von uns verlangt werden. Wir brauchen denjenigen Christus, den wir nicht als den leidenden anschauen, sondern der da schwebt oberhalb des Kreuzes und herüberschaut auf das, was wesenlos am Kreuze endet. Wir brauchen das starke Bewußtsein von der Ewigkeit des Geistes.
[ 22 ] Wir aber brauchen den Christus, den wir in unserem Inneren suchen können, weil er, wenn wir ihn suchen, alsbald erscheint. Wir brauchen den Christus, welcher in unseren Willen einzieht, der unseren Willen durchwärmt und durchfeuert, damit dieser Wille kraftvoll werde zu denjenigen Taten, die für die Menschheitsentwickelung von uns verlangt werden. Wir brauchen denjenigen Christus, den wir nicht als den leidenden anschauen, sondern der da schwebt oberhalb des Kreuzes und herüberschaut auf das, was wesenlos am Kreuze endet. Wir brauchen das starke Bewußtsein von der Ewigkeit des Geistes.
[ 23 ] Wir gewinnen das starke Bewußtsein von der Ewigkeit des Geistes nicht, wenn wir uns verlieren in dem Bilde des bloßen Kruzifixus. Und wenn wir sehen, wie das Bild des Kruzifixus nach und nach immer mehr umgestellt worden ist zum Leidenden und Schmerzfühlenden, so werden wir sehen, welche Kraft gerade diese Richtung menschlichen Empfindens gewonnen hat. Es ist die Abwendung des Blickes der Menschheit von dem eigentlich Geistigen und die Hinwendung zu dem bloß Irdisch-Physischen. Das ist ja zuweilen in einer grandiosen Weise ausgedrückt; aber denen, die zum Beispiel wie Goethe schon etwas empfunden haben von der Notwendigkeit, daß unsere Zivilisation wieder zum Geiste durchdringe, solchen Menschen ist es immer als etwas erschienen, mit dem sie eigentlich nicht mitgehen. Goethe hat es ja oft genug zum Ausdruck gebracht, daß der gekreuzigte Erlöser im Grunde genommen eigentlich nicht dasjenige zum Ausdrucke bringt, was er an dem Christentum empfindet: die Erhebung des Menschen zum Geistigen.
[ 23 ] Wir gewinnen das starke Bewußtsein von der Ewigkeit des Geistes nicht, wenn wir uns verlieren in dem Bilde des bloßen Kruzifixus. Und wenn wir sehen, wie das Bild des Kruzifixus nach und nach immer mehr umgestellt worden ist zum Leidenden und Schmerzfühlenden, so werden wir sehen, welche Kraft gerade diese Richtung menschlichen Empfindens gewonnen hat. Es ist die Abwendung des Blickes der Menschheit von dem eigentlich Geistigen und die Hinwendung zu dem bloß Irdisch-Physischen. Das ist ja zuweilen in einer grandiosen Weise ausgedrückt; aber denen, die zum Beispiel wie Goethe schon etwas empfunden haben von der Notwendigkeit, daß unsere Zivilisation wieder zum Geiste durchdringe, solchen Menschen ist es immer als etwas erschienen, mit dem sie eigentlich nicht mitgehen. Goethe hat es ja oft genug zum Ausdruck gebracht, daß der gekreuzigte Erlöser im Grunde genommen eigentlich nicht dasjenige zum Ausdrucke bringt, was er an dem Christentum empfindet: die Erhebung des Menschen zum Geistigen.
[ 24 ] Es ist die Notwendigkeit vorhanden, daß sowohl die Karfreitagsstimmung wie die Osterstimmung sich wandle, daß die Karfreitagsstimmung zu einer solchen sich gestalte, welche in sich trägt das Hinschauen auf den endenden Jesus und damit im Grunde genommen empfindet: dieses ist nur die andere Seite des Geborenwerdens. Wer nicht sieht im Geborenwerden zugleich das Sterbende, der sieht nicht vollständig. Wer imstande ist, das, was in der Todesstimmung des Karfreitags auftritt, so zu empfinden, daß ihm da nur die eine Seite des Menschlichen gegeben wird, die der andere Pol ist dessen, was in dem Hereintreten des Kindes bei der Geburt gegeben ist, der wird sich in der richtigen Weise vorbereiten für die eigentliche Osterstimmung, für jene Stimmung, die nur darin bestehen kann, daß der Mensch weiß: Und was auch meine menschliche Hülle ist, die geboren wird — der eigentliche Mensch ist ungeboren, wie er unsterblich ist.
[ 24 ] Es ist die Notwendigkeit vorhanden, daß sowohl die Karfreitagsstimmung wie die Osterstimmung sich wandle, daß die Karfreitagsstimmung zu einer solchen sich gestalte, welche in sich trägt das Hinschauen auf den endenden Jesus und damit im Grunde genommen empfindet: dieses ist nur die andere Seite des Geborenwerdens. Wer nicht sieht im Geborenwerden zugleich das Sterbende, der sieht nicht vollständig. Wer imstande ist, das, was in der Todesstimmung des Karfreitags auftritt, so zu empfinden, daß ihm da nur die eine Seite des Menschlichen gegeben wird, die der andere Pol ist dessen, was in dem Hereintreten des Kindes bei der Geburt gegeben ist, der wird sich in der richtigen Weise vorbereiten für die eigentliche Osterstimmung, für jene Stimmung, die nur darin bestehen kann, daß der Mensch weiß: Und was auch meine menschliche Hülle ist, die geboren wird — der eigentliche Mensch ist ungeboren, wie er unsterblich ist.
[ 25 ] Der eigentliche Mensch muß sich verbinden mit demjenigen, was hereingekommen ist in die Welt als der Christus, der nicht sterben kann, der auf ein anderes als auf sich selbst hinabsieht, wenn er den Schmerzensmann des Kreuzes ansieht. Es muß empfunden werden, was eigentlich geschehen ist dadurch, daß die Geistesvorstellung seit dem Ende des ersten Jahrhunderts allmählich der abendländischen Zivilisation verlorengegangen ist. Und es wird der Welt-Ostergedanke sein, wenn eine genügend große Anzahl von Menschen empfinden, daß der Geist innerhalb der modernen Zivilisation wieder auferstehen muß.
[ 25 ] Der eigentliche Mensch muß sich verbinden mit demjenigen, was hereingekommen ist in die Welt als der Christus, der nicht sterben kann, der auf ein anderes als auf sich selbst hinabsieht, wenn er den Schmerzensmann des Kreuzes ansieht. Es muß empfunden werden, was eigentlich geschehen ist dadurch, daß die Geistesvorstellung seit dem Ende des ersten Jahrhunderts allmählich der abendländischen Zivilisation verlorengegangen ist. Und es wird der Welt-Ostergedanke sein, wenn eine genügend große Anzahl von Menschen empfinden, daß der Geist innerhalb der modernen Zivilisation wieder auferstehen muß.
[ 26 ] ÄAußerlich wird man das so auszudrücken haben, daß der Mensch nicht allein wird forschen wollen über dasjenige, was über ihn verhängt ist, nicht allein wird suchen nach Naturgesetzen oder nach Geschichtsgesetzen, die ähnlich den Naturgesetzen sind, sondern daß der Mensch Verlangen tragen wird nach der Erkenntnis seines eigenen Willens, nach der Erkenntnis seiner eigenen Freiheit, daß der Mensch darnach Verlangen tragen wird, die eigentliche Natur des Willens zu empfinden, der den Menschen über die Pforte des Todes hinausträgt, der aber geistig angeschaut werden muß, damit er in seiner wahren Gestalt gesehen werden kann.
[ 26 ] ÄAußerlich wird man das so auszudrücken haben, daß der Mensch nicht allein wird forschen wollen über dasjenige, was über ihn verhängt ist, nicht allein wird suchen nach Naturgesetzen oder nach Geschichtsgesetzen, die ähnlich den Naturgesetzen sind, sondern daß der Mensch Verlangen tragen wird nach der Erkenntnis seines eigenen Willens, nach der Erkenntnis seiner eigenen Freiheit, daß der Mensch darnach Verlangen tragen wird, die eigentliche Natur des Willens zu empfinden, der den Menschen über die Pforte des Todes hinausträgt, der aber geistig angeschaut werden muß, damit er in seiner wahren Gestalt gesehen werden kann.
[ 27 ] Wie soll der Mensch die Kraft gewinnen zu dem Pfingstgedanken, zu der Ausgießung des Geistes, nachdem am achten allgemeinen ökumenischen Konzil von Konstantinopel der Pfingstgedanke dogmatisch zur bloßen Phrase erklärt worden ist? Wie soll der Mensch die Kraft gewinnen zu diesem Pfingstgedanken, wenn er nicht durchzudringen vermag zu dem Ostergedanken, zu dem wahren Ostergedanken, zu dem Gedanken von der Auferstehung des Geistes! Es darf der Mensch nicht betäubt werden durch das Bild des sterbenden, des schmerzdurchdrungenen Erlösers. Es muß der Mensch lernen das Verbundensein des Schmerzes mit dem Zusammengefügtsein mit dem materiellen Dasein.
[ 27 ] Wie soll der Mensch die Kraft gewinnen zu dem Pfingstgedanken, zu der Ausgießung des Geistes, nachdem am achten allgemeinen ökumenischen Konzil von Konstantinopel der Pfingstgedanke dogmatisch zur bloßen Phrase erklärt worden ist? Wie soll der Mensch die Kraft gewinnen zu diesem Pfingstgedanken, wenn er nicht durchzudringen vermag zu dem Ostergedanken, zu dem wahren Ostergedanken, zu dem Gedanken von der Auferstehung des Geistes! Es darf der Mensch nicht betäubt werden durch das Bild des sterbenden, des schmerzdurchdrungenen Erlösers. Es muß der Mensch lernen das Verbundensein des Schmerzes mit dem Zusammengefügtsein mit dem materiellen Dasein.
[ 28 ] Das war ein Grundprinzip der alten Weisheit, die noch aus instinktiven Untergründen des menschlichen Erkennens heraus gekommen ist. Wir müssen uns diese Erkenntnis durch bewußtes Erkennen wiederum erringen. Das war aber ein Grundprinzip, daß des Schmerzes Ursprung die Verbindung mit der Materie ist, daß das Leiden stammt von der Verbindung des Menschen mit der Materie. Ein Unding wäre es allerdings, zu glauben, daß der Christus, weil er als göttlich-geistiges Wesen durch den Tod hindurchgegangen ist, den Schmerz nicht erlitten habe. Den Schmerz beim Mysterium von Golgatha für einen bloßen Scheinschmerz zu erklären, wäre unreal gedacht. Er muß im allerbedeutendsten Sinne als wirklich gedacht werden, aber er darf nicht gedacht werden als sein Gegenbild. Es muß wieder etwas gewonnen werden von dem, was vor uns steht, wenn wir mit dem Überblick über die ganze Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha vor uns hinstellen.
[ 28 ] Das war ein Grundprinzip der alten Weisheit, die noch aus instinktiven Untergründen des menschlichen Erkennens heraus gekommen ist. Wir müssen uns diese Erkenntnis durch bewußtes Erkennen wiederum erringen. Das war aber ein Grundprinzip, daß des Schmerzes Ursprung die Verbindung mit der Materie ist, daß das Leiden stammt von der Verbindung des Menschen mit der Materie. Ein Unding wäre es allerdings, zu glauben, daß der Christus, weil er als göttlich-geistiges Wesen durch den Tod hindurchgegangen ist, den Schmerz nicht erlitten habe. Den Schmerz beim Mysterium von Golgatha für einen bloßen Scheinschmerz zu erklären, wäre unreal gedacht. Er muß im allerbedeutendsten Sinne als wirklich gedacht werden, aber er darf nicht gedacht werden als sein Gegenbild. Es muß wieder etwas gewonnen werden von dem, was vor uns steht, wenn wir mit dem Überblick über die ganze Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha vor uns hinstellen.
[ 29 ] Wenn den alten zu initiierenden Schülern der freieste Mensch im Bilde vorgeführt werden sollte, wenn diese zu initiierenden Schüler die verschiedensten Vorstufen durchgemacht hatten, wenn sie durchgegangen waren durch alle die Übungen, durch die sie sich gewisse Erkenntnisse erringen konnten, und die ihnen im Bilde dramatisch vorgeführt worden sind, dann wurden sie zuletzt geführt vor das Bild des ganz und gar in seinem physischen Leibe leidenden Menschen im roten Purpurmantel mit der Dornenkrone auf dem Haupte, vor das Bild des Chrestos. Und im Anschauen dieses Chrestos sollte sich der Seele entringen diejenige Kraft, die den Menschen zum eigentlichen Menschen macht. Und die Blutstropfen, die an allen wichtigeren Stellen jenes alten Chrestos dem Schauenden, dem zu Initiierenden entgegentraten, die sollten da sein zur Beseitigung der Ohnmacht und der menschlichen Schwäche und zum Erheben des triumphierenden Geistes aus dem menschlichen Inneren.
[ 29 ] Wenn den alten zu initiierenden Schülern der freieste Mensch im Bilde vorgeführt werden sollte, wenn diese zu initiierenden Schüler die verschiedensten Vorstufen durchgemacht hatten, wenn sie durchgegangen waren durch alle die Übungen, durch die sie sich gewisse Erkenntnisse erringen konnten, und die ihnen im Bilde dramatisch vorgeführt worden sind, dann wurden sie zuletzt geführt vor das Bild des ganz und gar in seinem physischen Leibe leidenden Menschen im roten Purpurmantel mit der Dornenkrone auf dem Haupte, vor das Bild des Chrestos. Und im Anschauen dieses Chrestos sollte sich der Seele entringen diejenige Kraft, die den Menschen zum eigentlichen Menschen macht. Und die Blutstropfen, die an allen wichtigeren Stellen jenes alten Chrestos dem Schauenden, dem zu Initiierenden entgegentraten, die sollten da sein zur Beseitigung der Ohnmacht und der menschlichen Schwäche und zum Erheben des triumphierenden Geistes aus dem menschlichen Inneren.
[ 30 ] Die Schmerzesanschauung sollte bedeuten die Auferstehung des geistigen Wesens. Im tiefsten Sinne sollte im Bilde vor dem Menschen stehen, was man in einfachen Worten so ausdrücken kann: Deiner Lust magst du manches im Leben verdanken; hast du dir aber Erkenntnis, hast du dir Einsicht in die geistigen Zusammenhänge verschafft, so verdankst du das deinem Leide, deinem Schmerze. Du verdankst es dem Umstande, daß du in deinem Leide und deinem Schmerze nicht untergegangen bist, sondern die Kraft hattest, dich aus ihnen zu erheben. — Deshalb wurde in den alten Mysterien das Bild des leiddenden Chrestos abgelöst durch das andere Bild des triumphierenden Christus, der herunterschaut auf den leidenden Chrestos als auf dasjenige, was überwunden ist.
[ 30 ] Die Schmerzesanschauung sollte bedeuten die Auferstehung des geistigen Wesens. Im tiefsten Sinne sollte im Bilde vor dem Menschen stehen, was man in einfachen Worten so ausdrücken kann: Deiner Lust magst du manches im Leben verdanken; hast du dir aber Erkenntnis, hast du dir Einsicht in die geistigen Zusammenhänge verschafft, so verdankst du das deinem Leide, deinem Schmerze. Du verdankst es dem Umstande, daß du in deinem Leide und deinem Schmerze nicht untergegangen bist, sondern die Kraft hattest, dich aus ihnen zu erheben. — Deshalb wurde in den alten Mysterien das Bild des leiddenden Chrestos abgelöst durch das andere Bild des triumphierenden Christus, der herunterschaut auf den leidenden Chrestos als auf dasjenige, was überwunden ist.
[ 31 ] Wiedergefunden werden muß so die Möglichkeit, den triumphierenden geistigen Christus vor der Seele und in der Seele und namentlich im Willen zu haben. Das ist dasjenige, was uns bevorstehen muß in der Gegenwart und insbesondere in dem, was wir tun wollen in dieser Gegenwart zu der Herbeiführung einer heilsamen menschlichen Zukunft. Aber nimmermehr werden wir diesen Ostergedanken, diesen wahren Ostergedanken fassen können, wenn wir nicht einzusehen vermögen, daß wir hinausblicken müssen von dem bloß Irdischen in das Kosmische, wenn wir überhaupt von dem Christus sprechen wollen.
[ 31 ] Wiedergefunden werden muß so die Möglichkeit, den triumphierenden geistigen Christus vor der Seele und in der Seele und namentlich im Willen zu haben. Das ist dasjenige, was uns bevorstehen muß in der Gegenwart und insbesondere in dem, was wir tun wollen in dieser Gegenwart zu der Herbeiführung einer heilsamen menschlichen Zukunft. Aber nimmermehr werden wir diesen Ostergedanken, diesen wahren Ostergedanken fassen können, wenn wir nicht einzusehen vermögen, daß wir hinausblicken müssen von dem bloß Irdischen in das Kosmische, wenn wir überhaupt von dem Christus sprechen wollen.
[ 32 ] Das neuere Denken hat uns den Kosmos zum Leichnam gemacht. Wir erblicken heute die Sterne und den Gang der Sterne und berechnen das alles. Das heißt, wir rechnen etwas aus über den Leichnam der Welt — und wir sehen nicht, wie in den Sternen lebt das Leben und wie in dem Gang der Sterne walten die Absichten des kosmischen Geistes. Der Christus ist heruntergestiegen in die Menschheit, um die Menschenseelen zu verbinden mit diesem kosmischen Geiste. Und nur derjenige ist ein wahrer Verkünder des Evangeliums von Christus selber, der da hinweist darauf, daß dasjenige, was physisch-sinnlich in der Sonne erscheint, der äußere Ausdruck ist für den Geist unserer Welt, den auferstehenden Geist unserer Welt.
[ 32 ] Das neuere Denken hat uns den Kosmos zum Leichnam gemacht. Wir erblicken heute die Sterne und den Gang der Sterne und berechnen das alles. Das heißt, wir rechnen etwas aus über den Leichnam der Welt — und wir sehen nicht, wie in den Sternen lebt das Leben und wie in dem Gang der Sterne walten die Absichten des kosmischen Geistes. Der Christus ist heruntergestiegen in die Menschheit, um die Menschenseelen zu verbinden mit diesem kosmischen Geiste. Und nur derjenige ist ein wahrer Verkünder des Evangeliums von Christus selber, der da hinweist darauf, daß dasjenige, was physisch-sinnlich in der Sonne erscheint, der äußere Ausdruck ist für den Geist unserer Welt, den auferstehenden Geist unserer Welt.
[ 33 ] Lebendig muß werden so etwas wie die Zusammengehörigkeit desjenigen, was der Abglanz des Weltengeistes ist im Monde, und desjenigen, was dieser Weltengeist selber ist in der Sonne. Lebendig muß wieder werden, wie das Osterfest bestimmt worden ist durch die Verhältnisse von Sonne und Mond im Frühling. Anknüpfen müssen wir können an dasjenige, was das Osterfest aus dem Kosmos selber für die Erdenentwickelung bestimmt hat. Wir müssen wissen, daß es die schützendsten und wachesten Geister des Kosmos waren, die aus dieser Weltenuhr, deren Zeiger Sonne und Mond für das irdische Dasein sind, verständlich gemacht haben die große, bedeutsame Stunde in der Welt- und Menschheitsentwickelung, in welche die Auferstehung zu setzen ist. Lernen müssen wir es vom Geistigen, zu empfinden den Gang dieser beiden Zeiger Sonne und Mond, wie wir für unsere physischen Angelegenheiten verstehenlernen den Gang der Zeiger der Uhr. Anknüpfen müssen wir das Physische, Irdische an das Überphysische, Überirdische.
[ 33 ] Lebendig muß werden so etwas wie die Zusammengehörigkeit desjenigen, was der Abglanz des Weltengeistes ist im Monde, und desjenigen, was dieser Weltengeist selber ist in der Sonne. Lebendig muß wieder werden, wie das Osterfest bestimmt worden ist durch die Verhältnisse von Sonne und Mond im Frühling. Anknüpfen müssen wir können an dasjenige, was das Osterfest aus dem Kosmos selber für die Erdenentwickelung bestimmt hat. Wir müssen wissen, daß es die schützendsten und wachesten Geister des Kosmos waren, die aus dieser Weltenuhr, deren Zeiger Sonne und Mond für das irdische Dasein sind, verständlich gemacht haben die große, bedeutsame Stunde in der Welt- und Menschheitsentwickelung, in welche die Auferstehung zu setzen ist. Lernen müssen wir es vom Geistigen, zu empfinden den Gang dieser beiden Zeiger Sonne und Mond, wie wir für unsere physischen Angelegenheiten verstehenlernen den Gang der Zeiger der Uhr. Anknüpfen müssen wir das Physische, Irdische an das Überphysische, Überirdische.
[ 34 ] Der Ostergedanke verträgt nur die Interpretation aus dem Überirdischen heraus. Denn geschehen ist mit dem Mysterium von Golgotha, insofern es das Auferstehungsmysterium ist, etwas, was sich unterscheidet von den übrigen Angelegenheiten der Menschen. Die übrigen Angelegenheiten der Menschen verlaufen auf der Erde in einer ganz anderen Art als das, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist. Die Erde hat aufgenommen die kosmischen Kräfte, und aus dem, was sie selber geworden ist, sprießen sie hervor die menschlichen Willenskräfte in den menschlichen Stoffwechsel hinein. Als aber das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, da drang ein neuer Zusammenfluß des Willens in das irdische Geschehen herein. Da geschah auf der Erde etwas, was kosmisches Geschehen ist, und wofür die Erde nur Schauplatz ist. Der Mensch wurde wiederum mit dem Kosmos verbunden.
[ 34 ] Der Ostergedanke verträgt nur die Interpretation aus dem Überirdischen heraus. Denn geschehen ist mit dem Mysterium von Golgotha, insofern es das Auferstehungsmysterium ist, etwas, was sich unterscheidet von den übrigen Angelegenheiten der Menschen. Die übrigen Angelegenheiten der Menschen verlaufen auf der Erde in einer ganz anderen Art als das, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist. Die Erde hat aufgenommen die kosmischen Kräfte, und aus dem, was sie selber geworden ist, sprießen sie hervor die menschlichen Willenskräfte in den menschlichen Stoffwechsel hinein. Als aber das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, da drang ein neuer Zusammenfluß des Willens in das irdische Geschehen herein. Da geschah auf der Erde etwas, was kosmisches Geschehen ist, und wofür die Erde nur Schauplatz ist. Der Mensch wurde wiederum mit dem Kosmos verbunden.
[ 35 ] Das ist es, was verstanden werden muß, und das Verständnis davon gibt erst den Ostergedanken in seinem vollen Umfange. Daher muß vor unserer Seele erstehen nicht nur das Bild des Kruzifixus. Und hätte die Kunst das Schönste, das Größte, das Bedeutendste, das Erhabenste hervorgebracht in dem Bilde des Kruzifixus — erstehen muß der Gedanke: «Der, den ihr suchet, der ist nicht hier.» Erscheinen muß euch über dem Kreuze derjenige, der nun hier ist, und der aus dem Geiste heraus für den Geist, Geist erweckend, zu euch spricht.
[ 35 ] Das ist es, was verstanden werden muß, und das Verständnis davon gibt erst den Ostergedanken in seinem vollen Umfange. Daher muß vor unserer Seele erstehen nicht nur das Bild des Kruzifixus. Und hätte die Kunst das Schönste, das Größte, das Bedeutendste, das Erhabenste hervorgebracht in dem Bilde des Kruzifixus — erstehen muß der Gedanke: «Der, den ihr suchet, der ist nicht hier.» Erscheinen muß euch über dem Kreuze derjenige, der nun hier ist, und der aus dem Geiste heraus für den Geist, Geist erweckend, zu euch spricht.
[ 36 ] Das ist es, was als Ostergedanke in die Menschheitsentwickelung hineinkommen muß; das ist dasjenige, zu dem sich das menschliche Herz und der menschliche Sinn erheben müssen. Von uns wird in unserer Zeit nicht bloß verlangt, daß wir Altes bewundern. Von uns wird nicht bloß verlangt, daß wir uns hineinvertiefen und hineinversenken können in das, was geschaffen worden ist. Wir müssen Neu-Schaffende werden. Und sei es selbst das Kreuz mit all dem Schönen, was Künstler aus ihm gemacht haben, wir dürfen es nicht dabei belassen. Wir müssen hören die Worte der geistigen Wesen, die uns, wenn wir suchen im Tode und im Leiden, zurufen: Der, den ihr suchet, er ist nicht mehr hier! — Und so müssen wir suchen denjenigen, der da hier ist.
[ 36 ] Das ist es, was als Ostergedanke in die Menschheitsentwickelung hineinkommen muß; das ist dasjenige, zu dem sich das menschliche Herz und der menschliche Sinn erheben müssen. Von uns wird in unserer Zeit nicht bloß verlangt, daß wir Altes bewundern. Von uns wird nicht bloß verlangt, daß wir uns hineinvertiefen und hineinversenken können in das, was geschaffen worden ist. Wir müssen Neu-Schaffende werden. Und sei es selbst das Kreuz mit all dem Schönen, was Künstler aus ihm gemacht haben, wir dürfen es nicht dabei belassen. Wir müssen hören die Worte der geistigen Wesen, die uns, wenn wir suchen im Tode und im Leiden, zurufen: Der, den ihr suchet, er ist nicht mehr hier! — Und so müssen wir suchen denjenigen, der da hier ist.
[ 37 ] Wir müssen verstehen, zu Ostern uns hinzuwenden zu dem Geiste, der uns allein in dem Bilde der Auferstehung gegeben werden kann. Dann werden wir in der richtigen Weise vorschreiten können von der Leidens-Karfreitagsstimmung zu der geistigen Stimmung des Ostertages. Dann werden wir aber auch fähig werden, in dieser Stimmung des Ostertages dasjenige zu finden, was unser Wille aufnehmen muß, damit wir Wirkende werden können gegenüber den Niedergangskräften in den Aufgangskräften der Menschheit. Und solche Kräfte, die da mitwirken können, die brauchen wir. Und in dem Augenblicke, wo wir in der richtigen Weise den Auferstehungs-Ostergedanken verstehen, wird dieser Ostergedanke, warm und uns durchleuchtend, die Kräfte in uns entzünden, die wir für die zukünftige Menschheitsentwickelung brauchen.
[ 37 ] Wir müssen verstehen, zu Ostern uns hinzuwenden zu dem Geiste, der uns allein in dem Bilde der Auferstehung gegeben werden kann. Dann werden wir in der richtigen Weise vorschreiten können von der Leidens-Karfreitagsstimmung zu der geistigen Stimmung des Ostertages. Dann werden wir aber auch fähig werden, in dieser Stimmung des Ostertages dasjenige zu finden, was unser Wille aufnehmen muß, damit wir Wirkende werden können gegenüber den Niedergangskräften in den Aufgangskräften der Menschheit. Und solche Kräfte, die da mitwirken können, die brauchen wir. Und in dem Augenblicke, wo wir in der richtigen Weise den Auferstehungs-Ostergedanken verstehen, wird dieser Ostergedanke, warm und uns durchleuchtend, die Kräfte in uns entzünden, die wir für die zukünftige Menschheitsentwickelung brauchen.
