Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203
28 March 1921, Stuttgart
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Human Responsibility for Global Development, tr. SOL
Siebzehnter Vortrag
Seventeenth Lecture
[ 1 ] Es ist in der gegenwärtigen Zeit von einer gewissen Bedeutung, die Gesichtspunkte aufzusuchen, von denen die verschiedenen Geistsucher älterer Zeiten ausgegangen sind, nicht etwa allein darum, weil böswillige und dilettantische Gegnerschaft der hier vertretenen Geisteswissenschaft zumutet, daß sie allerlei aus älteren Zeiten einfach herübergenommen habe, sondern vor allen Dingen darum, weil die Erkenntnis desjenigen, was gegenwärtig aus ursprünglichem geistigem Quell heraus gefunden werden kann, verständlich wird, wenn man es zusammenhält mit den Kräften, welche die Menschheit in älteren Zeiten innegehabt hat, mit den verschiedenen Arten des Suchens nach Geisteserkenntnis in älteren, instinktiven Zeiten der Menschheitsentwickelung. Und um Sie auf so etwas hinzuweisen, möchte ich heute sprechen von einem gewissen Zusammenwerfen, das oftmals gemacht worden ist in bezug auf den Christus Jesus und einen seiner Zeitgenossen, Apollonius von Tyana. Man hat die beiden in einer gewissen Weise zusammengeworfen, und es gibt ja sogar Bestrebungen, welche in unhistorischer Weise das Leben des Apollonius von Tyana mit dem Leben des Christus Jesus vergleichen. Wenn man den Apollonius von Tyana vergleicht mit dem Christus Jesus, so treten ja allerdings eine größere Anzahl von Äußerlichkeiten im biographischen Element zutage, die eine Ähnlichkeit zeigen. Vor allen Dingen wissen wir ja, daß die Evangelienerzählungen, die an den Christus Jesus anknüpfen, manches bringen, was der heutigen Zeit unter den Begriff des Wunders fällt, und auch die Biographen des Apollonius von Tyana erzählen allerlei Wundergeschichten von diesem Apollonius. Die Art und Weise, wie heute solche Dinge erzählt werden, die beweist ja nichts anderes, als daß man sich ganz dilettantisch verhält zu der Menschheitsentwickelung. Was da an Krankenheilungen und ähnlichen Dingen, die in den Evangelien Zeichen genannt werden, erzählt wird, entspricht eben einer ganz anderen Stufe der menschheitlichen Entwickelung, als diejenige ist, in der wir heute leben. Der psychische Einfluß des einen Menschen auf den anderen, ja sogar der psychische Einfluß des Menschen auf die unlebendige Umgebung, sind im Laufe der Zeit für das gewöhnliche Leben sehr zurückgegangen. Und wenn uns für die Zeit vom Beginne unserer christlichen Zeitrechnung von solchen Dingen erzählt wird, so weiß derjenige, welcher die Dinge wirklich innerlich kennt, daß eben das, was ein Mensch in jenen Zeiten darleben konnte, in anderer Weise sich ausnahm als das, was heute in dieser Richtung geschehen kann. Heute muß von anderen Voraussetzungen ausgegangen werden, von Voraussetzungen, die eben durch das geisteswissenschaftliche Erkennen wieder geschaffen werden sollen. Und wenn wir die Evangelien in der rechten Art verstehen wollen, so dürfen wir durchaus nicht den Hauptwert auf die Wundererzählungen legen, sondern wir müssen uns klar sein darüber, daß Wundererzählungen von einem im moralischen Sinne hervorragenden Menschen für die Zeiten, um die es sich hier handelt, etwas ganz selbstverständliches waren. Man setzte gar nicht voraus, daß das anders sein könne bei einem Menschen wie etwa Jesus von Nazareth, in dem der Christus wohnte, oder auch bei einem Menschen wie Apollonius von Tyana.
[ 1 ] In the present day, it is of some importance to explore the perspectives from which the various seekers of truth in earlier times set out—not merely because malicious and amateurish opponents of the spiritual science represented here claim that it has simply adopted all sorts of ideas from earlier times, but above all because an understanding of what can currently be discovered from the original spiritual source becomes clear when it is considered in conjunction with the powers that humanity possessed in earlier times, and with the various ways of seeking spiritual knowledge during earlier, instinctive stages of human development. And to draw your attention to this, I would like to speak today about a certain conflation that has often been made between Jesus Christ and one of his contemporaries, Apollonius of Tyana. The two have been conflated in a certain way, and there are even efforts that, in an ahistorical manner, compare the life of Apollonius of Tyana with that of Jesus Christ. When one compares Apollonius of Tyana with Jesus Christ, a number of external similarities do indeed emerge in their biographical details. Above all, we know that the Gospel accounts concerning Jesus Christ contain many things that today would be classified as miracles, and the biographers of Apollonius of Tyana also recount all sorts of miracle stories about him. The way such things are recounted today proves nothing other than that people are approaching human evolution in a thoroughly amateurish manner. What is recounted there regarding healings and similar events—which are called “signs” in the Gospels—corresponds to a stage of human evolution entirely different from the one in which we live today. The psychological influence of one person on another—and indeed, even the psychological influence of a person on the inanimate environment—has greatly diminished in everyday life over the course of time. And when we are told of such things from the time of the beginning of our Christian era, anyone who truly understands these matters from within knows that what a person could manifest in those times took a different form than what can happen in this regard today. Today we must proceed from different premises—premises that are to be reestablished precisely through spiritual scientific knowledge. And if we wish to understand the Gospels in the right way, we must by no means place the primary emphasis on the miracle narratives; rather, we must be clear that, for the times in question, miracle narratives concerning a person of outstanding moral character were something entirely to be expected. It was not even assumed that things could be any different in the case of a person such as Jesus of Nazareth, in whom the Christ dwelt, or even in the case of a person such as Apollonius of Tyana.
[ 2 ] Verstehen wir uns gerade hierin recht; ich möchte sagen, daß man von einem solchen Menschen dasjenige erzählt, was man Wunder nennt, das ist etwas, was sich von selbst versteht. Man meint gar nichts Besonderes mit solchen Erzählungen. Und wenn die heutige Theologie etwa darnach strebt, die Göttlichkeit des Christus Jesus ganz besonders aus dem Umstande erschließen zu wollen, daß er Wunder tat, so zeigt eben diese Theologie nichts anderes, als daß sie nicht auf christlichem Standpunkte steht, abgesehen davon, daß eine solche Auffassung unhistorisch ist. Niemals handelt es sich bei dem Christus Jesus um das Vollbringen der Wunder, sondern immer um dasjenige, was uns anhand der Wundererzählungen dargelegt wird. Immer handelt es sich darum, daß aufmerksam darauf gemacht wurde, daß, während die früheren Menschen, wenn sie groß wirken wollten, mit einer geringeren Kraft des Ich wirkten, der Christus Jesus gerade aus der Kraft des Ich heraus wirkte. Geradeso würden wir das Vaterunser nicht verstehen, wenn wir es damit erklären wollten, daß wir die einzelnen Sätze schon bei früheren Menschen finden und deshalb sagen würden, das Vaterunser sei alt. Wer diese früheren Gestaltungen der Sätze, die sich im Vaterunser finden, mit dem Vaterunser selbst vergleicht, wird sich eben klarwerden darüber, daß es beim Vaterunser überall darauf ankam, herüberzuleiten dasjenige, was früher gewissermaßen nicht mit der Hinlenkung zum Ich gesagt war, nun mit der Hinlenkung zum Ich zu sagen.
[ 2 ] Let’s be clear on this point: I’d like to say that when people talk about what are called “miracles” in connection with such a person, that goes without saying. Such accounts are not meant to imply anything special. And if contemporary theology, for example, strives to deduce the divinity of Christ Jesus specifically from the fact that he performed miracles, then this very theology demonstrates nothing other than that it does not stand on a Christian foundation—aside from the fact that such a view is ahistorical. With Christ Jesus, it is never a matter of the performing of miracles, but always of what is revealed to us through the miracle narratives. It is always a matter of drawing our attention to the fact that, while people in earlier times, when they wanted to accomplish great deeds, acted with a lesser power of the “I,” Christ Jesus acted precisely out of the power of the “I.” Similarly, we would not understand the Lord’s Prayer if we tried to explain it by pointing out that we find the individual phrases in the speech of earlier peoples and therefore concluded that the Lord’s Prayer is ancient. Anyone who compares these earlier forms of the phrases found in the Lord’s Prayer with the Lord’s Prayer itself will realize that the Lord’s Prayer was intended throughout to convey—with a focus on the “I”—what had previously, so to speak, not been expressed with such a focus on the “I.”
[ 3 ] So dürfen wir auch nicht irgendwie die Ähnlichkeiten aufsuchen, die in bezug auf dieses biographische Moment bei dem Christus Jesus auftraten. Es ist ja auch natürlich, daß in einer gewissen Weise ähnliche Erzählungen dann auftreten werden, wenn es sich um das Verrichten von Wundern handelt, das heißt, um das Verrichten dessen, was man jetzt Wunder nennt. Wir müssen auf ganz anderes hinsehen, wenn wir uns klarwerden wollen, wie eine solche Gestalt wie der Apollonius von Tyana zusammengestellt ist mit dem Christus Jesus. Und da muß zunächst auf das Folgende verwiesen werden.
[ 3 ] Nor should we, in any way, seek out the similarities that arose in connection with this biographical moment in the life of Christ Jesus. It is, after all, only natural that similar accounts will arise in a certain way when it comes to the performing of miracles—that is, the performing of what we now call miracles. We must look at something entirely different if we want to understand how a figure such as Apollonius of Tyana relates to Jesus Christ. And here, we must first point out the following.
[ 4 ] Allerdings wird von Apollonius von Tyana erzählt, wie er schon in seiner Kindheit große Anlagen zeigte, wie er mit diesen großen Anlagen heranwuchs, wie er teilnahm an den vorzüglichsten Unterrichten, die dazumal gegeben werden konnten, wie zum Beispiel dem Unterricht, der aus der Pythagoräerschule herausgewachsen war. Aber dann wird weitererzählt, daß Apollonius von Tyana gerade zur Erlangung des Wissensgroße Reisen angetreten hat, und es werden uns seine Reisen erzählt, zunächst die weniger weit ausholenden, dann aber die weite Reise, die er zu den indischen Weisen gemacht hat. Es wird uns erzählt, wie er die indischen Weisen da verehren und bewundern lernt, wie er durch sie vorgedrungen ist zu gewissen Quellen des Wissens. Es wird uns dann weiter erzählt, wie er wiederum zurückgekommen ist, wie er, man möchte sagen, befeuert von dem, was er angeschaut hat bei diesen indischen Weisen, dann wiederum in Südeuropa in der verschiedensten Weise gelehrt hat. Es wird uns dann aber auch erzählt, wie er nach Ägypten gegangen ist, wie er zunächst im nördlichen Ägypten das aufgenommen hat, was er da aufnehmen konnte und wie es ihm gering erschien, sehr gering gegenüber dem, was er an wunderbarer Weisheit bei den Indern gefunden hatte. Es wird uns dann erzählt, wie er den Nil aufwärts fuhr, zu den Nilquellen hin, aber auch zu den Sitzen der sogenannten Gymnosophisten; das war die Gemeinschaft derjenigen Weisen, die nach den Brahmanen, nach den indischen Weisen, das größte Ansehen in der damaligen Zeit hatten. Es wird aber auch erzählt, wie Apollonius von Tyana schon so durchtränkt war mit indischer Weisheit, daß er unterscheiden konnte zwischen dieser und der geringeren der ägyptischen Gymnosophisten. Und dann wird erzählt, wie er wiederum zurückkehrte, wie er dann seine verschiedenen wunderbaren Reisen machte nach Rom, wo man ihn verfolgte, wo man ihn ins Gefängnis brachte und so weiter.
[ 4 ] However, the story is told of Apollonius of Tyana: how he showed great aptitude even in his childhood; how he grew up with this great aptitude; how he received the finest education available at the time—such as the teachings that had evolved from the Pythagorean school. But the story continues by recounting that Apollonius of Tyana undertook great journeys specifically to acquire knowledge, and we are told of his travels—first the shorter ones, and then the long journey he made to the Indian sages. We are told how he came to revere and admire the Indian sages there, and how, through them, he gained access to certain sources of knowledge. We are then told how he returned, and how—one might say—inspired by what he had witnessed among these Indian sages, he went on to teach in various ways throughout Southern Europe. But we are also told how he went to Egypt, how he first absorbed in northern Egypt whatever he could there, and how it seemed insignificant to him—very insignificant—compared to the marvelous wisdom he had found among the Indians. We are then told how he traveled up the Nile toward its sources, but also to the settlements of the so-called Gymnosophists; this was the community of sages who, after the Brahmins and the Indian sages, enjoyed the greatest prestige in those days. But it is also recounted how Apollonius of Tyana was already so steeped in Indian wisdom that he could distinguish between it and the lesser wisdom of the Egyptian Gymnosophists. And then it is recounted how he returned once more, how he then undertook his various wondrous journeys to Rome, where he was persecuted, where he was imprisoned, and so on.
[ 5 ] Aber für uns ist ja vorzugsweise die Tatsache interessant, daß dem Apollonius von Tyana diese großen Reisen zugeschrieben werden, und daß diese Reisen durchaus zusammengebracht werden mit dem steten Erweitern seiner eigenen Weisheit. Apollonius wird immer weiser und weiser dadurch, daß er zusammenkommt mit den weisesten Menschen seiner damaligen Welt. Er wandert sozusagen von Ort zu Ort. Er sucht diejenigen Menschen auf, welche im Besitze der größten Weisheit der damaligen Zeit waren.
[ 5 ] But what interests us most is the fact that these great journeys are attributed to Apollonius of Tyana, and that these journeys are clearly linked to the constant expansion of his own wisdom. Apollonius becomes wiser and wiser through his encounters with the wisest people of his time. He wanders, so to speak, from place to place. He seeks out those who possessed the greatest wisdom of that era.
[ 6 ] Dadurch unterscheidet er sich von dem Christus Jesus, der sein Erdenwandeln auf einem verhältnismäßig kleinen Fleck verbringt, der das, was er der Menschheit zu sagen hat, ganz aus dem Inneren heraus sagt, der nicht von demjenigen zu sprechen hat, was im Umkreise der Erde selber an Weisheit anzutreffen ist, sondern dasjenige der Menschheit mitzuteilen hat, was er aus außerirdischen Welten auf die Erde herabgebracht hat. Es ist ja manchmal sogar der Versuch gemacht worden, auch dem Christus Jesus allerlei Reisen nach Indien zuzuschreiben, allein das ist ja der purste Dilettantismus. Dasjenige, um was es sich eben gerade handelt, das ist, daß sich in demselben Zeitalter gegenüberstehen zwei Wesenheiten, auf der einen Seite der Christus Jesus, der ganz nur aus dem Überirdischen heraus spricht, und auf der anderen Seite Apollonius von Tyana, der dasjenige sammelt, was auf der Erde zu finden ist, wenn er es auch durch seine großen Anlagen in die eigene Seele aufzunehmen in der Lage ist. Das ist der prinzipielle, der bedeutsame Unterschied, und wer ihn nicht schaut, der erkennt eben dasjenige nicht, was der späteren Zeit gesagt wird durch das Dasein dieser zwei Persönlichkeiten.
[ 6 ] In this way, he differs from Christ Jesus, who spends his time on Earth in a relatively small area and who speaks what he has to say to humanity entirely from within, who does not have to speak of the wisdom to be found within the Earth’s own sphere, but rather has to impart to humanity what he has brought down to Earth from extraterrestrial worlds. Indeed, attempts have even been made at times to attribute all sorts of journeys to India to Christ Jesus as well, but that is sheer dilettantism. The very point at issue here is that two beings stand in opposition to one another in the same era: on the one hand, Christ Jesus, who speaks solely from the super-earthly realm, and on the other hand, Apollonius of Tyana, who gathers what can be found on Earth, even though, thanks to his great gifts, he is able to absorb it into his own soul. This is the fundamental, significant difference, and whoever fails to see it fails to recognize precisely what the existence of these two personalities reveals to later times.
[ 7 ] Nun aber weist uns dasjenige, was sich gerade an die Person des Apollonius von Tyana knüpft, auf gewisse Eigentümlichkeiten älterer Zeiten hin. Ich meine jetzt Zeiten, die weit hinter dem Mysterium zurückliegen, also sehr alte Zeiten der Menschheit. Einiges davon hat sich ja dann in der späteren Menschheit erhalten, und wir werden sehen, wie Apollonius von Tyana das, was sich so erhalten hat, sowohl bei den indischen Weisen, bei den Brahmanen, wie bei den Gymnosophisten in Ägypten antrifft. Aber man erkennt dasjenige, um was es sich handelt, ganz klar, wenn man mit geisteswissenschaftlicher Geschichtsforschung in ältere Zeiten zurückgeht, und Apollonius von Tyana selbst weist — nach seinem Biographen — mit starken Worten auf das hin, worauf es hier ankommt. Er weist darauf hin, wie die schier unermeßliche Weisheit, die er bei den Indern angetroffen hat, gebunden ist an die außerirdischen Einflüsse, die auf den Menschen an einem bestimmten Erdenflecke herabströmen. Hingewiesen werden wir da darauf, daß der Mensch ja nicht nur irdischen Einflüssen ausgesetzt ist. Diese irdischen Einflüsse sind leicht zu studieren, obwohl sie ja auch beim Menschen gegenüber anderen Einflüssen selbst heute noch zurücktreten. Gewisse niedere organische Wesen bekommen die Färbung desjenigen, was sie genießen, dem reinen Stoffwechsel nach. Wir können bei gewissen niederen organischen Wesen genau sehen, wie das, was sie an Stoffwechselprodukten aufnehmen, ihnen ihre Färbung, ihre sonstigen Eigenschaften gibt. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, wie aus der Scholastik heraus Vincenz Knauer, mein alter Freund aus dem Benediktiner-Orden — das heißt nicht, daß ich etwa in diesem Orden war, sondern er war drinnen —, darauf aufmerksam gemacht hat, daß ja doch dasjenige, was in dem geistigen Inhalt des Begriffes liegt, etwas Reales gegenüber dem bloß sinnlichen Dasein des Materiellen ist. Er sagte ja im Sinne der Scholastiker: Wenn man einen Wolf abschließen könnte, und ihm lange Zeit nur Lammfleisch geben könnte, so würde aus dem Wolf noch immer kein Lamm werden, trotzdem er dann aus lauter Lammfleisch bestehen würde. Das bezeugt für Vincenz Knauer, daß im Wolf, in der Gestalt, in der Konfiguration des Wolfes, also in dem, was der Begriff Wolf umfaßt, doch noch etwas anderes liegt als das Materielle, denn dem Materiellen nach wäre der Wolf ja ein Lamm, wenn er immer nur Lämmer gegessen hätte. Das wird er aber nicht. Das ist also schon gewissermaßen bei den höheren Tieren anders als bei den ganz niederen organischen Wesen; die zeigen durchaus bis in die Farbe hinein die Einflüsse ihres Stoffwechsels. Bei Menschen ist das ja nun in einem noch höheren Maße der Fall als beim Wolf, daß sie nicht die Einflüsse des Stoffwechsels zeigen; sonst müßte es in den Gegenden, wo viel Paprika genossen wird, ja bloß gelbe Menschen geben, und man weiß ja, daß höchstens, wenn gewisse Dinge vom Menschen genossen werden, gelbsuchtähnliche Zustände eintreten und dergleichen. Der Mensch ist schon auch jetzt noch in einem hohen Grade unabhängig von den irdischen Stoffwechseleinflüssen. Aber er ist auch heute im materialistischen Zeitalter, das ja nicht nur einen theoretischen, sondern einen durchaus realen Untergrund hat, weniger den Einflüssen der außerirdischen Welt, des Kosmos ausgesetzt, als das früher der Fall war. Und die alte indische Weisheit ist im wesentlichen zurückzuführen — um es zusammenfassend auszudrücken — auf den besonderen Einfall des Sonnenstrahles in den indischen Gegenden. Der Sonnenstrahl fällt dort unter einem anderen Winkel ein als anderswo. Das bedeutet, daß die außerirdischen, die kosmischen Einflüsse auf den Menschen andere sind als woanders. Und wenn so ein alter Inder ganz aus seinem Bewußtsein heraus gesprochen hätte, so hätte er, wenn er überhaupt davon gewußt hätte, was Europa ist und so weiter, etwa folgendes gesagt. Ach, da drüben in Europa können die Menschen niemals zu irgendeiner Weisheit kommen, bei denen fällt ja die Sonne nicht so ein, daß sie zu irgendeiner Weisheit kommen können; die können nur gebunden sein an das, was der Stoffwechsel heraufkocht aus dem Irdischen. Von einer Weisheit kann drüben in Europa nicht die Rede sein. Da sind nur Menschen minderer Sorte, das sind die Halbtiere, denn sie haben gar nicht ein solches Sonnenlicht, wie man es haben muß, wenn man ein weiser Mensch werden will. — So würde der alte Inder, wenn er über diese Dinge überhaupt gesprochen hätte, gesagt haben. Er würde wegen dieses seines besonderen Verhältnisses zum Einfall der Sonnenstrahlen kaum viel anders geredet haben über das, was da als Menschengeschmeiß in Europa ist, wie der heutige Mensch über seine Haustiere redet. Nicht als ob er diese Menschen niederer Sorte nicht geliebt hätte, der Mensch kann ja auch seine Haustiere sehr lieben, aber er wird sie nicht an geistiger Kapazität für gleichwertig halten.
[ 7 ] But now, what is specifically associated with the person of Apollonius of Tyana points us to certain peculiarities of earlier times. I am referring to times that lie far beyond the Mystery, that is, very ancient times in human history. Some of this has indeed been preserved in later human history, and we shall see how Apollonius of Tyana encounters what has been preserved in this way among the Indian sages, the Brahmins, as well as among the Gymnosophists in Egypt. But one recognizes quite clearly what is at stake when one goes back to earlier times through spiritual-scientific historical research, and Apollonius of Tyana himself—according to his biographer—points out in strong terms what is important here. He points out how the almost immeasurable wisdom he encountered among the Indians is linked to the extraterrestrial influences that flow down upon human beings in a specific part of the Earth. We are reminded here that human beings are not exposed solely to earthly influences. These earthly influences are easy to study, although even today they take a back seat to other influences in human beings. Certain lower organic beings take on the character of what they consume, purely in terms of metabolism. In certain lower organic beings, we can see exactly how the metabolic products they absorb give them their color and other characteristics. I have drawn your attention to how, drawing on Scholasticism, Vincenz Knauer—my old friend from the Benedictine Order (which does not mean that I was ever in that Order, but that he was)—pointed out that what lies in the spiritual content of a concept is indeed something real in contrast to the merely sensory existence of the material. He said, in the spirit of the Scholastics: If one could lock up a wolf and feed it nothing but lamb for a long time, the wolf would still not become a lamb, even though it would then consist entirely of lamb. For Vincenz Knauer, this demonstrates that in the wolf—in the form, in the configuration of the wolf, that is, in what the concept of “wolf” encompasses—there is still something other than the material, for, in purely material terms, the wolf would indeed be a lamb if it had eaten nothing but lambs. But it does not become one. So, in a sense, this is already different for higher animals than for the very lowest organic beings; the latter clearly reveal the influences of their metabolism even in their color. In the case of humans, this is even more true than with the wolf: they do not display the effects of their metabolism; otherwise, in regions where a lot of paprika is consumed, there would be nothing but yellow-skinned people, and we know that, at most, when humans consume certain things, jaundice-like conditions may occur and the like. Even now, human beings remain to a high degree independent of earthly metabolic influences. But even today, in the materialistic age—which, after all, has not only a theoretical but also a thoroughly real foundation—they are less exposed to the influences of the extraterrestrial world, the cosmos, than was the case in the past. And ancient Indian wisdom can essentially be traced—to put it succinctly—to the particular angle at which the sun’s rays strike the Indian regions. There, the sun’s rays strike at a different angle than elsewhere. This means that the extraterrestrial, the cosmic influences on human beings are different there than elsewhere. And if such an ancient Indian had spoken entirely from his own consciousness—assuming he had even known what Europe was and so on—he would have said something like this: “Oh, over there in Europe, people can never attain any wisdom; the sun does not strike them in such a way that they can attain any wisdom; they can only be bound to what their metabolism churns up from the earthly realm. There can be no question of wisdom over there in Europe. There are only people of a lower sort—they are half-animals—for they do not have the kind of sunlight one must have if one wants to become a wise person.”—That is what the old Indian would have said, if he had spoken about these things at all. Because of his special relationship to the rays of the sun, he would hardly have spoken much differently about what passes for human vermin in Europe than modern people speak of their domestic animals. Not that he would not have loved these people of a lower order—after all, a person can love their domestic animals very much—but he would not have considered them his equals in terms of spiritual capacity.
[ 8 ] Ich wollte damit nur darauf hinweisen, wie dasjenige, was gerade an älterer Weisheit den Menschen eigen war, abhängig war vom Orte der Erde. Das hängt ja auch mit etwas anderem noch zusammen. In älteren Zeiten der Erdenentwickelung hat sich die Menschheit überhaupt viel mehr durch diese Abhängigkeit differenziert, als das später der Fall war. Die Differenzierung der Menschen ist sogleich aufgetreten, wenn irgendwo seßhafte Menschen den Ort ihrer Seßhaftigkeit verlassen haben und nach anderen Gegenden gezogen sind. Sie haben sich verändert, sie sind seelisch, ja physisch andere geworden. Damit hängt ja die Differenzierung über die Erde hin zusammen. Es war also im wesentlichen dasjenige, was der alte Mensch vom Umkreis der Erde hatte, was er wiederum darstellte, wenn er in entsprechender Weise diese Einflüsse des Umkreises der Erde in sich aufnahm. So können wir sagen: ein richtiger Weiser war in älteren Zeiten derjenige, der an demjenigen Orte der Erde lebte, wo man eben weise werden kann. Aus diesem Grunde sahen diese Alten aber auch mit einem gewissen Rechte nach diesem Orte hin. Würde man heute etwa in derselben Weise glauben, daß die Weisheit irgendwo in Asien umschlossen sei, so würde man damit nur den Beweis liefern, daß man nicht in seiner Zeit, nämlich nicht in der heutigen Zeit lebt. Es gibt ja allerdings merkwürdige Leute, die heute noch immer von solchen besonders günstigen Orten auf der Erdoberfläche reden; aber diese Dinge sind eben in höherem Sinne, im Sinne einer wirklichen Geist-Erkenntnis durchaus dilettantisch zu nennen. Aber wenn wir in die ältesten Zeiten zurückgehen, müssen wir schon den Menschen, der weise war, verbunden denken mit seinem Orte.
[ 8 ] I simply wanted to point out how the ancient wisdom that was characteristic of human beings at that time depended on their location on Earth. This is also connected to something else. In earlier periods of Earth’s development, humanity as a whole became much more differentiated through this dependence than was later the case. The differentiation among people occurred immediately whenever sedentary people left their place of settlement and moved to other regions. They changed; they became different spiritually, and indeed physically. This is how the differentiation across the Earth is connected. It was, in essence, what the ancient human being received from the Earth’s atmosphere—and what he in turn embodied when he absorbed these influences of the Earth’s atmosphere in an appropriate manner. Thus we can say: in earlier times, a true sage was one who lived in that place on Earth where one could indeed become wise. For this reason, however, these ancients also looked toward this place with a certain justification. If one were to believe today, for example, in the same way that wisdom is confined somewhere in Asia, one would thereby only provide proof that one is not living in one’s own time—namely, not in the present age. There are, of course, strange people who still speak today of such particularly favorable places on the Earth’s surface; but in a higher sense—in the sense of true spiritual knowledge—these notions must be called thoroughly amateurish. Yet when we go back to the earliest times, we must indeed conceive of the wise person as inseparably connected to his or her place.
[ 9 ] Was ist daher Apollonius von Tyana für ein Mensch? Apollonius von Tyana will weise werden auf der Erde, trotzdem er nicht an solchen Orten lebt- auch die Gegend in der Nähe der Nilquellen, wo die Gymnosophisten lebten, war ein solcher Ort, wo man in einem ganz hervorragenden Maße weise werden konnte. Er hatte nur den Drang nach solchem Weisewerden in sich. Daher begab er sich auf die Reise, wie ja einstmals Pythagoras auch, der in demselben Falle war.
[ 9 ] What kind of person, then, is Apollonius of Tyana? Apollonius of Tyana seeks to become wise on earth, even though he does not live in such places—even the region near the headwaters of the Nile, where the Gymnosophists lived, was such a place where one could attain wisdom to a truly exceptional degree. He simply had within him the urge to attain such wisdom. Therefore, he set out on a journey, just as Pythagoras had done long ago, who was in the same situation.
[ 10 ] Und so sehen wir, wie Apollonius von Tyana in einem gewissen Sinne ein Mensch ist, der in der Weite der Erde dasjenige sucht, was den Menschen mit innerer Befriedigung erfüllen soll, was ihn dazu bringt, innerliche Geistigkeit sich zu erringen. Denn diejenigen Zeiten, in denen das, was ich jetzt von der Gebundenheit des Menschen an einen Ort der Erde gesagt habe, ganz besonders galt, diese Zeiten lebten ja in der Zeit des Apollonius von Tyana mehr oder weniger nur im Nachklange. Es war noch etwas geblieben im alten Indien von dem, was es einstmals war, und das lernte Apollonius von Tyana kennen. Aber er stellte bereits den Repräsentanten einer neueren Zeit dar, denjenigen Menschen, der darauf angewiesen ist, an jedem Orte der Erde dasjenige zu suchen, was im höchsten Sinne menschliche Weisheit sein kann. Nur ist er darauf angewiesen, es auf weiten Wanderungen zu suchen.
[ 10 ] And so we see how Apollonius of Tyana is, in a certain sense, a person who seeks across the vastness of the earth that which is meant to fill human beings with inner satisfaction, that which leads them to attain inner spirituality. For those times in which what I have just said about humanity’s attachment to a particular place on Earth held true in a very special way were, by the time of Apollonius of Tyana, more or less merely a fading echo. Something of what ancient India once was still remained, and Apollonius of Tyana came to know it. But he already represented a newer era—the kind of person who is compelled to seek, in every corner of the earth, that which can be human wisdom in the highest sense. He is, however, compelled to seek it on long journeys.
[ 11 ] Hier stellt sich richtunggebend für die neuere MenschheitsentwickeJung eben das Mysterium von Golgatha vor uns, stellt sich so vor uns, daß wir sagen können: dadurch, daß in dem Jesus von Nazareth der Christus gewohnt hat, wurde Jesus von Nazareth zugleich diejenige Wesenheit der Erde, die tonangebend geworden ist für dieses Suchen, unabhängig von der Lokalisation auf der Erde selber. Dadurch sind Apollonius von Tyana und der Christus Jesus die größten Gegensätze. Apollonius von Tyana ist gewissermaßen der Zeitgenosse des Christus Jesus, welcher seiner menschheitlichen Verfassung nach nicht mehr in der alten Zeit, sondern schon in einer neuen Zeit lebt. Aber in dieser neuen Zeit kann man nur mit dem Christus-Einschlag leben. Der Christus-Einschlag kommt von dem Jesus von Nazareth. Jesus von Nazareth und Apollonius von Tyana sind die beiden Pole von Menschen vom Beginne unserer Zeitrechnung.
[ 11 ] Here, the Mystery of Golgotha stands before us as the guiding force for the recent development of humanity—it stands before us in such a way that we can say: because the Christ dwelt within Jesus of Nazareth, Jesus of Nazareth simultaneously became the very being on Earth that has set the tone for this quest, regardless of its specific location on Earth itself. Consequently, Apollonius of Tyana and Christ Jesus are the greatest opposites. Apollonius of Tyana is, in a sense, a contemporary of Christ Jesus, who, in terms of his human constitution, no longer lives in the old era but already in a new one. But in this new era, one can only live with the Christ impulse. The Christ impulse comes from Jesus of Nazareth. Jesus of Nazareth and Apollonius of Tyana are the two poles of humanity at the beginning of our era.
[ 12 ] Und gerade dadurch werden wir auf das hingewiesen, was in die Menschheit hereingekommen ist durch den Christus Jesus. Was ich gestern erwähnt habe, daß vor allen Dingen dasjenige, was in die Menschheit hereingekommen ist, in dem Auferstehungsgedanken zum Ausdrucke kommt, das ist vor allen Dingen wichtig für uns zu erfassen. Der Auferstehungsgedanke sagt, daß der Mensch nicht unterzugehen brauche durch dasjenige, was ihn an die Erde bindet, sondern daß er in sich etwas finden kann, was sich erhebt aus dem an die Erde Gebundenen, wenn er den Christus-Impuls aufnimmt. Alles, was da zerrt, was da quält an dem Schmerzensmanne, der am Kreuze hängt, das sind zuletzt doch die Kräfte, die vom Erdendasein aus dem menschlichen Leib und damit dem Menschen überhaupt eingefügt sind. Schauen wir hinauf zu dem Kruzifixus mit dem leidensdurchtränkten Gesichte, mit dem schmerzdurchwühlten Leibe, dann finden wir den tiefsten Ausdruck desjenigen, was das Erdendasein den Menschen einprägen kann. Schauen wir aber zu demjenigen hinauf, worauf ich gestern aufmerksam gemacht habe, das wir im Grunde genommen über dem Kreuze als den Auferstehenden erblicken sollen, dann werden wir aufmerksam auf das, was im Menschen immerdar auferstehen kann, was sich erheben kann aus dem, was die Erdenkräfte nur enthält, und was uns zeigt, wie der Mensch ein kosmisches Wesen ist, wie die Erde nur einem Teil von ihm ihre Kräfte einprägt, wie aber aus diesen Kräften auferstehen kann, was kosmisches Ingrediens des Menschen eigentlich ist.
[ 12 ] And it is precisely this that draws our attention to what has come into humanity through Christ Jesus. What I mentioned yesterday—that, above all, what has come into humanity finds expression in the idea of the Resurrection—is, above all, important for us to grasp. The idea of the Resurrection tells us that human beings need not perish because of what binds them to the earth, but that they can find within themselves something that rises above what is bound to the earth when they receive the Christ impulse. Everything that drags him down, everything that torments the Man of Sorrows hanging on the cross—these are, in the end, the forces that have been instilled into the human body—and thus into humanity as a whole—from earthly existence. When we look up at the Crucified One with His face steeped in suffering and His body ravaged by pain, we find the deepest expression of what earthly existence can imprint upon human beings. But if we look up to that which I drew your attention to yesterday—which, in essence, we are to behold above the cross as the Risen One—then we become aware of what can always rise up within the human being, what can rise above that which is merely contained within the forces of the earth, and what shows us how the human being is a cosmic being, how the Earth imprints its forces on only a part of him, but how what is actually the cosmic essence of the human being can rise from these forces.
[ 13 ] Das sind die Dinge, welchegesehen werden müssen im Zusammenhange mit dem Auferstehungsgedanken, und das sind die Dinge, die besonders in unserer Zeit, wo wir nach der Auferstehung der Geist-Erkenntnis streben, eingesehen werden müssen. Was wir vor allen Dingen erfassen müssen an dem Auferstehungsgedanken, das ist, daß ja in älteren Zeiten eine instinktive Weisheit vorhanden war. Was da vorhanden war, war etwas Großes, mit der ewigen Wesenheit des Menschen durchaus Zusammenhängendes. Wenn wir aber in die alten Zeitalter zurückgehen, so war diese Weisheit immer zugleich etwas Suggestives, etwas, was den Menschen überkam, etwas, worinnen der Mensch nicht in seiner Freiheit lebte. Die Willensnatur des Menschen war in allen älteren Zeiten weniger ausgedrückt. Die Willensnatur des Menschen ist es, die sich in derjenigen Zeit der Erdenentwickelung besonders ausbilden muß, welche auf das Mysterium von Golgatha folgt. In bezug auf seinen Willen lebte der alte Mensch durchaus in einem dumpfen Zustande. Der Wille aber muß durchsetzt werden von Weisheit, von Ideenkraft, von Spiritualität. Darauf kommt es an. Daher ist es vor allen Dingen nötig, daß der Christus-Impuls in den Willen des Menschen seinen Einzug hält. Das muß nur im richtigen Sinne verstanden werden. Auf die Ausbildung des Willens kommt es von der Gegenwart in die Zukunft hinein ganz besonders an. Der Mensch muß in bezug auf seinen Willen immer bewußter und bewußter werden. Heute erleben wir im allgemeinen Zivilisationsleben eben nur die Reaktion, die herausgeboren ist aus dem bequemen Festhalten an alten Vorurteilen, die Reaktion gegen die Ausbildung des Willens. Man möchte in der Gegenwart nur ja nicht den Willen irgendwie ausbilden. Man haßt es geradezu, den Willen auszubilden. Wie benimmt sich in dieser Richtung der Mensch?
[ 13 ] These are the things that must be considered in connection with the idea of the Resurrection, and these are the things that must be understood, especially in our time, when we are striving for spiritual insight into the Resurrection. What we must grasp above all else about the idea of the Resurrection is that in earlier times, an instinctive wisdom existed. What existed then was something great, thoroughly connected with the eternal essence of the human being. But when we look back to those ancient times, this wisdom was always at the same time something suggestive, something that came over a person, something in which a person did not live in freedom. The human will was less fully expressed in all those earlier times. It is the human will that must develop particularly during that period of Earth’s evolution that follows the Mystery of Golgotha. With regard to their will, ancient human beings lived entirely in a dull state. But the will must be permeated by wisdom, by the power of ideas, by spirituality. That is what matters. Therefore, it is necessary above all else for the Christ impulse to take root in the human will. This must simply be understood in the right sense. The development of the will is of particular importance from the present into the future. Human beings must become ever more conscious of their will. Today, in general civilized life, we experience only the reaction born of a complacent clinging to old prejudices—the reaction against the development of the will. People today simply do not want to develop their will in any way. They downright hate developing their will. How does humanity behave in this regard?
[ 14 ] Wenn an ihn die Anforderung gestellt wird, ein ganzer Mensch, ein Vollmensch zu sein, der auch in seinem Willen von der Weisheit ergriffen werde, dann sagt er: Darauf lasse ich mich nicht ein, meinen Willen mag die Kirche lenken. Die Kirche hat ihre alten Gebote, die Kirche wird mir sagen, wie ich mit meinem Willen verfahren soll. Oder wenn er nicht dieses sagt, so sagt der Mensch heute noch anderes; er sagt: Ach, was soll ich meinem Willen eine Richtung geben, ich habe den Staat. Der Staat, der hat seine Gesetze, der Staat hat seine Einrichtungen, der Staat macht alles. Der Staat übernimmt das Kind. Er übernimmt es jetzt schon, wenn es nur irgendwie über die größten Schwierigkeiten hinaus ist. Es wird auch die Zeit noch kommen, wo der Staat es zuwege bringen wird, die Pflege des Kindes auch schon in dem Lebensalter zu übernehmen, wo diese Schwierigkeiten noch mit allerlei verknüpft sind. Aber warum sollte es denn nicht auch Hofleute für das Trockenlegen geben und ein Ministerium des Trockenlegens geben! Das wären ja allerlei interessante Dinge für die zukünftige Gestaltung von irgendwelchen Behörden und dergleichen.
[ 14 ] When he is asked to be a whole person, a complete human being, whose will is also guided by wisdom, he says: “I won’t go along with that; let the Church guide my will.” The Church has its ancient commandments; the Church will tell me how to deal with my will. Or if he does not say this, people today say something else; they say: Oh, why should I give my will a direction—I have the state. The state has its laws; the state has its institutions; the state does everything. The state takes charge of the child. It already takes charge once the child has somehow overcome the greatest difficulties. The time will also come when the state will manage to take over the care of the child even at an age when these difficulties are still linked to all sorts of other issues. But why shouldn’t there also be officials in charge of land reclamation and a Ministry of Land Reclamation! That would certainly offer all sorts of interesting possibilities for the future structure of various government agencies and the like.
[ 15 ] Dann aber, in späteren Zeiten, wo die Dinge nicht mehr so unbehaglich sind, wo sie reinlicher sind in bezug auf die Kindesführung, da läßt sich ja der Staat nicht mehr ein darauf, irgendwie noch jemanden ein Urteil zuzutrauen, und die Menschen sind in ihrer Gänze im Grunde genommen durchaus damit zufrieden. Sie brauchen nicht nachzudenken, was ihren Kindern zum Beispiel frommt, denn — darüber denkt allerdings der Staat auch nicht richtig nach, aber man glaubt wenigstens, daß er nachdenkt. Nun, ich könnte diese Betrachtung noch lange fortsetzen. Wo der Mensch darnach trachten soll, seinen Willen in Tätigkeit zu versetzen, mit Weisheit zu durchtränken, da wird heute der Mensch durchaus dasjenige Wesen, das da appelliert an etwas anderes, was nur ja nicht im Zentrum seines Willens sitzt und dort etwa einiges Licht ausstrahlend ist. Aber darauf kommt es nämlich gerade an, daß der Wille die lichtvollen Impulse aufnimmt, und das ist es gerade, was im richtig verstandenen Christus-Gedanken liegt.
[ 15 ] But then, in later times, when things are no longer so uncomfortable, when they are more orderly in terms of child-rearing, the state no longer interferes by trusting anyone to make judgments, and people are, on the whole, quite satisfied with this. They don’t need to think about what is best for their children, for example, because—admittedly, the state doesn’t really think about that either, but at least people believe that it does. Well, I could go on with this line of thought for a long time. Where a person is supposed to strive to put their will into action and imbue it with wisdom, there the person today becomes precisely the kind of being who appeals to something else—something that certainly does not sit at the center of their will and radiate some light from there. But that is precisely what matters: that the will takes in these luminous impulses, and that is exactly what lies at the heart of the correctly understood idea of Christ.
[ 16 ] Christus ist diejenige Wesenheit, die niemals von Gruppen irgendwie Besitz ergreift, die niemals sich zu tun macht mit irgendwelchen Gruppen. Das größte Unding ist es, von einem deutschen, von einem französischen, von einem skandinavischen, von einem holländischen, montenegrinischen Christus, oder von einem Christus, sagen wir, von Marokko oder dergleichen zu sprechen, sondern der Christus ist dasjenige Wesen, das keine Gruppen kennt, das nur einzelne Individuen kennt, und jeder mißversteht das Christus-Wesen, der glaubt, es gebe vom Christus-Wesen aus irgendwelchen Zusammenhang in den Gruppen.
[ 16 ] Christ is the Being who never takes possession of any group in any way, who never involves himself with any group. The greatest absurdity is to speak of a German, a French, a Scandinavian, a Dutch, or a Montenegrin Christ, or of a Christ, say, from Morocco or the like; rather, the Christ is the Being who knows no groups, who knows only individual human beings, and anyone who believes that there is any connection to the groups originating from the Christ-being.
[ 17 ] Aber dieses Christus-Verständnis, es muß ja erst kommen, es muß kommen mit dem Verständnis der menschlichen Individualität überhaupt. Dann, wenn das eintritt, wird auch wieder der Auferstehungsgedanke da sein, denn auferstehen kann der Geist eben nur in der einzelnen menschlichen Individualität. Auferstehen kann der Geist nur, wenn den einzelnen menschlichen Individualitäten die Möglichkeit gegeben wird, sich zu entfalten. Das kann natürlich nur geschehen, wenn man das Geistesleben in seiner Verwaltung herausnimmt aus der übrigen staatlichen Konfiguration, so wie es gemeint ist durch die Dreigliederung des sozialen Organismus. Es kann heute vielen Menschen noch, ich möchte sagen, gewaltsam gedacht erscheinen, wenn man den Auferstehungsgedanken zusammenbringt mit so etwas, wie es der Dreigliederungsgedanke ist. Aber derjenige, der Sinn und Verständnis hat für die Einheitlichkeit der menschlichen Zivilisation, der wird auch begreifen, wie dasjenige, was für das soziale Leben gedacht ist, durchaus hervorgehen muß aus demjenigen Erfassen, das für den Menschen nach dem Höchsten, das ihm überhaupt zugänglich ist, hingeht. Der Auferstehungsgedanke, er muß im geistigen Sinne erfaßt werden. Das wird er nur, wenn man nicht sich bloß auf das Betrachten, das heißt, auf das Intellektualistische verlegt, sondern wenn man in der richtigen Weise zu verstehen versucht, wie der Wille des Menschen ergriffen werden muß.
[ 17 ] But this understanding of Christ—it has yet to come; it must come along with an understanding of human individuality itself. Then, when that happens, the idea of resurrection will also return, for the spirit can only rise again within the individual human being. The spirit can only rise again if individual human beings are given the opportunity to unfold. Of course, this can only happen if spiritual life is separated in its administration from the rest of the state structure, as intended by the threefold social order. To many people today, I would say, it may still seem like a forced connection to link the idea of resurrection with something like the concept of the threefold social order. But anyone who has a sense of and understanding for the unity of human civilization will also grasp how what is conceived for social life must necessarily arise from that understanding which leads the human being toward the highest that is accessible to him at all. The idea of resurrection must be grasped in a spiritual sense. This can only happen if one does not limit oneself merely to observation—that is, to the intellectual—but rather attempts to understand in the right way how the human will must be grasped.
[ 18 ] Und Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, ist ja durchaus etwas, was auf den Willen des Menschen geht. Alles übrige Reden versteht die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, doch nicht. Nehmen Sie alles dasjenige, was in unserer Literatur steht. Wozu werden denn die Menschen kommen, wenn sie nur darauf gehen wollen, das, was in unserer Literatur an Begriffen, an Ideen steht, bloß mit dem Intellekt zu umfassen? Nur zu holperigen Diskussionen! Sie werden allerlei profane Diskussionen anstellen können über dasjenige, was die Geisteswissenschaft sagt. Aber dasjenige, was in der Geisteswissenschaft an Gedanken und Ideen enthalten ist, das will vom Willen ergriffen werden, das will den ganzen Menschen in Anspruch nehmen. Man muß schon begreifen wollen, wenn man Geisteswissenschaft verstehen will. Und so fängt die Willenskultur gegenüber der Geisteswissenschaft eben schon im Begreifen an.
[ 18 ] And spiritual science, as it is understood here, is indeed something that appeals to the human will. Spiritual science, as it is understood here, does not, however, understand all the rest of the talk. Take everything that is written in our literature. Where will people end up if they seek only to grasp the concepts and ideas in our literature with their intellect alone? Only in convoluted discussions! They will be able to engage in all sorts of mundane discussions about what spiritual science says. But the thoughts and ideas contained in spiritual science must be grasped by the will; they demand the whole person. One must truly want to comprehend if one wishes to understand spiritual science. And so the cultivation of the will in relation to spiritual science begins precisely with comprehension.
[ 19 ] Ich möchte sagen, diese müßte so recht eingehen in das ganze menschliche Wesen derjenigen, welche sich hineinstellen in dasjenige, was hier die geisteswissenschaftliche Bewegung genannt wird. Diese geisteswissenschaftliche, diese anthroposophische Bewegung mußte ja erst aus ihrem Wesen heraus, aber namentlich aus ihrem Verhältnis zur Zeitentwickelung heraus in der neuesten Zeit sich auch nach allem möglichen Praktischen wenden. Nicht um irgend etwas, ich möchte sagen, anzüglich zu charakterisieren — das liegt mir in diesem Augenblicke ganz fern —, aber um auf einiges aufmerksam zu machen, was so oder so sein kann, sei das Folgende angeführt.
[ 19 ] I would like to say that this ought to truly permeate the entire human being of those who immerse themselves in what is here called the spiritual science movement. This spiritual-scientific, this anthroposophical movement has, of course, had to turn its attention to all manner of practical matters in recent times, first and foremost out of its very nature, but especially out of its relationship to the course of history. Not to characterize anything in a—I would say—inappropriate way—that is the last thing on my mind at this moment—but to draw attention to certain things that may or may not be the case, let the following be cited.
[ 20 ] Sehen Sie, wir haben in der letzten Zeit allerlei praktische Einrichtungen getroffen. Zu den praktischen Einrichtungen brauchen wir Menschen, wir müssen Menschen in ihnen beschäftigen. Wir beschäftigen selbstverständlich diejenigen, die von den Intentionen, die innerhalb der anthroposophischen Bewegung sind, etwas verstehen, wenigstens etwas verstehen sollten. Nun setzt man voraus — das könnte die eine Art der Auffassung sein, ich will nur Eventualitäten hinstellen —, daß Anthroposophen nun in unsere praktischen Stellungen hineinkommen und aus dem ganzen Feuer der Anthroposophie heraus in diesen praktischen Stellungen wirken und sich sagen: Jetzt muß, wenn die praktischen Dinge gemacht werden, aus einem anderen Untergrunde heraus gewirkt werden; ich bin nun, wie ich stehe, wirklich als Anthroposoph drinnen in der ganzen Sache, und es kommt mir nicht darauf an, auch einmal viel mehr zu tun, als es sonst üblich ist in der heutigen Zeit. Ich bin eins mit demjenigen, was da gewollt wird durch diese praktischen Dinge. — Das wäre eine mögliche Auffassung. Die andere mögliche Auffassung wäre diese, daß gesehen wird: Nun ja, da sind allerlei praktische Einrichtungen, da gibt es eine Möglichkeit, nun auch irgendwie sich zu betätigen als Anthroposoph. Aber ich bin Anthroposoph, deshalb will ich mich nicht so behandeln lassen, wie es bei den alten Ämtern und dergleichen üblich war. Ja, bei den alten Ämtern, da mußte man pünktlich erscheinen, pünktlich wiederum verlassen — das gibt es nun nicht mehr, da gehe ich hinein, wie es mir gefällt, gehe wieder heraus, wie es mir gefällt, zuweilen gehe ich gar nicht hin, oder ich mache irgend etwas anderes, als gemacht werden soll, denn in der Anthroposophie muß es anders zugehen als in der alten philiströsen Welt. — Das wäre die extreme andere Auffassung. Ich will nur Eventualitäten hinstellen, denn auf diese Eventualitäten darf schon heute aufmerksam gemacht werden, weil dasjenige, mit dem wir zu tun haben, allerdings viel zu ernst ist, als daß wir etwa weiter fortsetzen könnten dasjenige, was ganz aus den selbstverständlichen Untergründen heraus weitere Kreise von Anthroposophen, die am alten sektiererischen Geist solcher Dinge Lust haben, weiter verbreiten. Diese Kreise finden es ja zuweilen als das allernatürlichste: Nun ja, seit so und so vielen Zeiten trinken die Menschen Tee, haben die Menschen beim Tee geredet — nun ja, lassen wir das weg, über was alles die Menschen beim Tee oder Kaffee oder nach dem schwarzen Kaffee am Nachmittag geredet haben! Aber warum soll man nicht einmal auch reden beim Tee oder Kaffee von Saturn, Sonne, Mond, warum nicht auch von Wiederverkörperungen, warum soll man da nicht sich allerlei ausdenken über dasjenige, was dieser oder jener Mensch in der vorigen Inkarnation gewesen sein könnte! Warum soll man mit anderen Worten, nicht etwas Salon-Anthroposophie oder so etwas ähnliches treiben?
[ 20 ] You see, we have recently established all sorts of practical institutions. For these practical institutions, we need people; we must employ people in them. Naturally, we employ those who understand—or at least should understand—something of the intentions within the anthroposophical movement. Now, one might assume—this could be one way of looking at it; I’m just laying out possibilities—that anthroposophists will now take on these practical roles and, drawing on the full passion of anthroposophy, work in these practical roles while telling themselves: Now, when practical matters are being carried out, we must act from a different foundation; I am now, as I stand, truly part of the whole endeavor as an anthroposophist, and it does not matter to me whether I do much more than is customary in today’s world. I am one with what is intended through these practical endeavors.—That would be one possible perspective. The other possible perspective would be this: Well, there are all sorts of practical arrangements; there is an opportunity to be active as an anthroposophist in some way. But I am an anthroposophist, so I do not want to be treated the way it used to be customary in the old offices and the like. Yes, with the old offices, you had to arrive on time and leave on time—that’s no longer the case. Now I go in as I please, come out as I please; sometimes I don’t go at all, or I do something other than what’s supposed to be done, because in anthroposophy things must be different from the old philistine world. — That would be the extreme opposite view. I merely want to point out possibilities, for attention must be drawn to these possibilities even today, because what we are dealing with is indeed far too serious for us to allow what is spreading—entirely from the unquestioned underlying currents—among wider circles of anthroposophists who take pleasure in the old sectarian spirit of such things, to continue any further. These circles sometimes find it perfectly natural: Well, people have been drinking tea for so and so many ages, and people have talked over tea—well, let’s leave aside all the things people have talked about over tea or coffee or after their afternoon black coffee! But why shouldn’t we also talk over tea or coffee about Saturn, the Sun, and the Moon—why not also about reincarnations? Why shouldn’t we let our imaginations run wild about what this or that person might have been in a previous incarnation? In other words, why shouldn’t we engage in a bit of “salon anthroposophy” or something similar?
[ 21 ] Über diese Dinge sind wir allerdings hinaus. Das geht nicht mehr. Darauf kann der Blick nicht mehr fallen. Der Blick kann heute nur fallen auf die zwei anderen Eventualitäten. Ich will ja nur charakterisieren und sage jetzt auch gar nicht, daß ich irgend etwas, was es schon gibt, hinstellen möchte, sondern ich mache nur darauf aufmerksam, daß diese zwei Eventualitäten ja so wären ungefähr, daß man mit der einen gut vorwärtskommen könnte, daß mit der anderen, wo die Anthroposophen gerade einen anderen, einen neuen Ton, etwas ganz Besonderes wollen und nicht mehr etwa um acht Uhr erscheinen, sondern um halb elf Uhr, weil sie bis dahin meditieren müssen vielleicht und so weiter, daß mit dieser Eventualität sich ganz gewiß eine richtige Willenskultur, wie sie jetzt charakterisiert werden mußte, nicht eigentlich verbinden lassen wird. Die Zeit ist zu ernst, um nicht doch diese zwei polaren Gegensätze anthroposophischer Handhabung der Dinge ins Auge zu fassen. Ich will darüber selber nichts aussagen, aber ich rate Ihnen an, ein wenig Umschau zu halten, ob diese zwei Eventualitäten vorhanden sind, und sich dann ein Urteil zu bilden, und eventuell nach diesem Urteil dann in irgendeiner Weise sich zu verhalten. Es ist sehr schön, sich zu bekennen zum Anthroposophentum; aber das ist für die heutige Zeit nicht genug. Die heutige Zeit erfordert vom Menschen dasjenige, was an den Willen geht, dasjenige, was auch unbedingt fördernd in die Menschheitsentwickelung selber eingreift.
[ 21 ] We’ve moved beyond these things, though. That’s no longer possible. Our attention can no longer be drawn to them. Today, our attention can only be drawn to the other two possibilities. I merely wish to characterize the situation, and I am certainly not saying that I want to propose anything that already exists; rather, I am simply pointing out that these two possibilities would be, roughly speaking, such that one could make good progress with one of them, while with the other—where the anthroposophists are currently seeking a different, new tone, something quite special, and no longer wish to appear at eight o’clock, but rather at half past ten, perhaps because they have to meditate until then and so on—that this scenario would certainly not be compatible with a true culture of the will, as it had to be characterized just now. The times are too serious not to take these two polar opposites of the anthroposophical approach to things into account. I do not wish to comment on this myself, but I advise you to look around a little to see if these two possibilities exist, and then to form a judgment, and, if necessary, to act in some way in accordance with that judgment. It is very fine to profess one’s commitment to anthroposophy; but that is not enough in today’s world. Today’s world demands of human beings that which appeals to the will, that which also intervenes in the very development of humanity in a way that is absolutely conducive to it.
[ 22 ] Es ist ja ganz außerordentlich erhebend vielleicht, zu sagen: Da oder dort, irgendwo im Verborgenen unzugänglich, da sitzt dieser oder jener «Meister». — Von gewisser Seite her wurde ja einmal für Ungarn ein solcher bestimmter Ort angegeben, und einige naive Budapester haben dann nachforschen lassen in den Polizeiakten und haben an dem betreffenden Ort diesen Meistersitz nicht gefunden! Wenn einem dann so etwas erzählt worden ist, daß auf diese Weise nachgegangen worden ist den großen geistigen Mächten der Erde, dann konnte man ja nichts anderes tun, als zu diesen Dingen etwas lächeln, denn es war eben auf seiten derjenigen, die den Dingen nachgingen, auf diese Art, die also gewissermaßen nach den Postadressen der geistigen Leiter der Menschheit suchten, naiv; wie es manchmal naiv war auf seiten derjenigen, die so hindeuteten auf diese Dinge, als ob man nach Postadressen fragen könnte. Das will ich aber lieber nicht ausführen! Über diese Dinge haben allerdings mancherlei Menschen mancherlei Ansichten. So zum Beispiel trieb sich einmal unter uns herum ein gewisser — ja, wie nannte er sich dazumal? In seinen Büchern nannte er sich dann Max Heindel, aber hier hatte er einen anderen Namen, Grashof nannte er sich. Dieser Mann hatte hier zunächst alles dasjenige aufgenommen, was er in öffentlichen Vorträgen und Büchern aufnehmen konnte. Davon hat er, etwas mystisch, ein Buch «Rosicrucian Cosmo Conception» gemacht, und dann hat er in eine zweite Auflage auch dasjenige aufgenommen, was in den Zyklen steht, und was er sich sonst abgeschrieben hat. Dann hat er seinen Leuten drüben in Amerika erzählt, daß er ja allerdings die erste Stufe hier aufgenommen habe, aber um die zweite zu erringen, sei er tief nach Ungarn gewandert zu einem Meister. Von dem behauptete er dann dasjenige bekommen zu haben, was allerdings bloß abgeschrieben war aus den Zyklen, die er bekommen hatte, und namentlich aus all denjenigen Vorträgen, die er sich erlistet hatte, und die nachzuschreiben ein bloßes Plagiat war! Einige von Ihnen werden ja wissen, daß dann auch noch das Urkomische eingetreten ist, daß diese Sache wiederum zurückübersetzt worden ist ins Deutsche, mit dem Bemerken, daß man ja zwar in Europa auch so etwas haben kann, daß es aber besser sei, es in derjenigen Gestalt zu bekommen, in der es entstehen konnte unter der freien Sonne Amerikas.
[ 22 ] It is, after all, perhaps extraordinarily uplifting to say: Here or there, somewhere hidden and inaccessible, this or that “Master” resides. — From a certain quarter, a specific location was once indicated for Hungary, and some naive Budapest residents then had the police records searched but found no trace of this master’s abode at the location in question! When one is told something like this—that the great spiritual powers of the earth were investigated in this way—one can do nothing but smile a little at such things, for it was naive on the part of those who investigated them in this manner, who were, so to speak, searching for the mailing addresses of humanity’s spiritual leaders; just as it was sometimes naive on the part of those who alluded to these matters as if one could simply ask for postal addresses. But I’d rather not go into that! People do, however, have all sorts of views on these matters. For example, a certain man once hung around among us—yes, what did he call himself back then? In his books he called himself Max Heindel, but here he had a different name; he called himself Grashof. This man had initially absorbed everything here that he could from public lectures and books. From this, he compiled—in a somewhat mystical way—a book titled *Rosicrucian Cosmo-Conception*, and then, in a second edition, he also included what is found in the cycles and whatever else he had copied down. He then told his followers over in America that he had indeed absorbed the first stage here, but that in order to attain the second, he had journeyed deep into Hungary to a Master. He then claimed to have received from that master what was, in fact, merely transcribed from the cycles he had received—and specifically from all those lectures he had eavesdropped on—and transcribing them was nothing but plagiarism! Some of you will know that something truly hilarious then happened: this material was translated back into German, with the remark that while such things might indeed exist in Europe, it was better to receive them in the form in which they could have originated under the free sun of America.
[ 23 ] Die Menschheit läßt sich eben sehr gern dasjenige bieten, was sie ohne den Willen aufnehmen darf. Die Willenskultur, die bringt schon auch durchaus, wenn sie wirklich durchgeführt wird, dasjenige, daß so etwas nicht möglich sein kann. Wenn der Wille schwach bleibt, dann wird er auch immer schwächer und schwächer gegenüber der Beurteilungsmöglichkeit desjenigen, was ihm von der Außenwelt entgegentritt. Wir müssen lernen das Höchste anzuknüpfen an dasjenige, was wir im Alltag erleben. Wir dürfen doch nicht über diese Dinge gewissermaßen eine getrennte Buchführung haben. Wir müssen uns klarsein, daß wir, wenn wir den Geist erfassen, dann auch über die oberflächliche Beurteilung des gewöhnlichen Lebens hinauskommen. Und wenn wir gefühlsmäßig manches vorbringen, dann sind wir, so sonderbar das erscheinen kann, wenn man es so ausspricht, dem Elemente des Auferstehungsglaubens nahe, das wir heute gerade brauchen. Wir brauchen das erste Element, möchte ich sagen, den allerersten Anfang, der darinnen besteht, daß wir in unseren Willen aufnehmen dasjenige, was aus Geisteswissenschaft kommen kann. Dann liegt in der Linie, die wir da einschlagen, in der Richtung, in der wir gewiesen werden, der Weg zum wahren Auferstehungsglauben. Wir müssen heute zu einer Erweiterung des Ostergedankens kommen. Wir müssen zusammenbringen dasjenige, was uns als Menschen Anthroposophie sein soll, mit demjenigen, was eigentlich heute für die Menschen im weiteren Umkreise nur ein Wort ist, das eigentlich keinen Inhalt mehr hat. Und ein solches Wort ist das Wort Auferstehung, das Wort Ostern für die weitesten Kreise der Menschen. Sinn muß wiederum verbunden werden können mit diesen Dingen. Wir müssen im Menschen Erkenntnis erringen, Erkenntnis der menschheitlichen Entwickelung, und wir müssen wieder verstehen lernen, allerdings vom vollen klaren Lichte menschlichen Bewußtseins aus, was das paulinische Wort bedeutet: «Ist Christus nicht auferstanden, dann ist euer Glaube eitel.» Eitel ist auch alles Erkenntnis- und alles menschliche Streben, wenn es nicht den wirklichen Ostergedanken von der Auferstehung in das Innerste des menschlichen Gemütes aufnehmen kann.
[ 23 ] Humanity is all too willing to accept whatever it is allowed to take in without exercising its will. The cultivation of the will, when truly put into practice, ensures that such a thing cannot be possible. If the will remains weak, it will grow ever weaker and weaker in its ability to judge what confronts it from the outside world. We must learn to connect the highest truths to what we experience in everyday life. We must not, so to speak, keep these things in separate accounts. We must be clear that when we grasp the spirit, we also rise above the superficial judgment of ordinary life. And when we express certain things emotionally, then—as strange as it may seem when put this way—we are close to the element of faith in the Resurrection that we need most of all today. We need the first element, I would say—the very first beginning—which consists in taking into our will that which can come from spiritual science. Then, in the path we take there, in the direction in which we are guided, lies the way to true faith in the Resurrection. Today we must arrive at an expansion of the Easter concept. We must bring together what anthroposophy is meant to be for us as human beings with that which, for people in the wider world today, is actually just a word that no longer has any real content. And such a word is the word “resurrection,” the word “Easter,” for the vast majority of people. Meaning must once again be able to be connected to these things. We must gain insight into humanity—insight into human evolution—and we must learn once again, though from the full, clear light of human consciousness, what the Pauline words mean: “If Christ has not been raised, then your faith is in vain.” All knowledge and all human striving are also in vain if they cannot take the true Easter idea of the Resurrection into the very depths of the human soul.
