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The Rudolf Steiner Archive

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Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung
durch seinen geistigen Zusammenhang
mit dem Erdplaneten und der Sternenwelt
GA 203

6 Februar 1921, Stuttgart

Elfter Vortrag

[ 1 ] Gestern habe ich Sie darauf aufmerksam gemacht, wie im Urteil des Orients die moderne europäische Zivilisation sich etwa ausnimmt, und ich habe dann zum Schlusse darauf hingewiesen, welche von den drei Welten, die da gesehen werden, die dritte ist, nämlich — hinzu zu dieser modernen europäischen Zivilisation und zu dem, was die ältere asiatische Kultur ist — der römische Katholizismus. Wir dürfen an einem solchen Urteil durchaus nicht achtlos vorbeigehen, kein denkender Mensch sollte das tun, denn es handelt sich dabei um etwas, was innerhalb der Zivilisationsströmungen der Gegenwart eine außerordentlich tiefe Bedeutung hat. Wir werden demjenigen, was da eigentlich vorliegt, am nächsten kommen, wenn ich Sie noch einmal erinnere an dasjenige, was ich von einem gewissen Gesichtspunkte über unsere gegenwärtige Zivilisation am letzten Dienstag im öffentlichen Vortrag in Basel ausgeführt habe. Ich möchte es hier, gemäß den Gepflogenheiten, die wir für solche Betrachtungen innerhalb des anthroposophischen Kreises haben, noch einmal kurz erwähnen. In den älteren Kulturen und in derjenigen Zeit, auf die ich gestern als die griechische hingewiesen habe, war durchaus ein volles Bewußtsein davon vorhanden und es wurde überall in diesen alten Kulturen hingewiesen auf dasjenige, was man die Schwelle und den Hüter der Schwelle nennt. Man hat sich vorgestellt, daß man aus den Vorbedingungen der menschlichen Erkenntnis heraus etwas wissen könne über die Welt, über den Menschen, daß man aber unvorbereitet nicht über dasjenige hinausdringen dürfe, was eben die Schwelle genannt worden ist.

[ 2 ] Hinter der Schwelle, also jenseits einer gewissen Erkenntnisgrenze, vermutete man Dinge, welche von der menschlichen Seelenverfassung deshalb in jenen alten Zeiten nicht unvorbereitet aufgenommen werden durften, weil die Menschen fürchteten, wenn sie unvorbereitet in diese Erkenntnisgebiete hineinkämen, sie würden ihr Selbstbewußtsein, den Grad des Selbstbewußtseins, den sie damals gehabt haben, verlieren müssen, sie würden gewissermaßen in einen Zustand seelischer Ohnmacht kommen. Daher wurde eine gewisse Willenszucht, eine gewisse Willenskultur von denjenigen gefordert, welche Schüler der Weisheit, Schüler der Mysterien werden sollten. Durch diese Zucht des Willens wurde das Selbstbewußtsein so gestärkt, daß die Betreffenden die Schwelle überschreiten und an dem Hüter vorbeigehen konnten. Und dann kamen sie in ein Gebiet, welches ihnen sonst, wenn sie in der gewöhnlichen Seelenverfassung hineingekommen wären, eben diese seelische Ohnmacht verursacht hätte, ihnen das Selbstbewußtsein genommen haben würde.

[ 3 ] Nun muß man durchaus darauf hinweisen, daß durch den ganzen Gang der menschheitlichen Entwickelung heute dasjenige allgemeines, populäres Menschenbewußitsein ist, was dazumal in jenen älteren Zeiten hinter der Schwelle vermutet worden ist. Ich habe ja in jenem öffentlichen Vortrag darauf hingewiesen, daß zum Beispiel die Alten in ihren Eingeweihtenschulen die sogenannte heliozentrische Weltanschauung hatten, daß sie die Sonne durchaus in den Mittelpunkt unseres Planetensystems stellten. Aber diese Lehre wurde behütet, und nur einzelne, die gewissermaßen sie nicht behüten wollten, veröffentlichten etwas davon, wie Aristarch von Samos. Man fürchtete eben von solchen Lehren, daß sie so auf die Seele wirkten, daß der Mensch den Boden unter den Füßen verlieren würde. Also gerade dasjenige war es, was man nicht herankommen lassen wollte in jenen alten Zeiten an die unvorbereiteten Menschenseelen, was heute eigentlich jeder Mensch weiß. Denn dasjenige, was in bezug auf die heliozentrische Weltanschauung gesagt werden kann, könnte in bezug auf viele Gebiete gesagt werden, die heute ganz allgemein menschliche Anschauungen sind. Dasjenige, was heute unter dem Einflusse des naturwissenschaftlichen Zeitalters populäre Vorstellung ist, das wurde jenseits der Schwelle vermutet. Daher haben diejenigen konfessionellen Traditionen, welche die Urteile der alten Zeiten zurückbehalten haben, sich immer gewendet gegen das Verbreiten dieser modernen naturwissenschaftlichen Anschauung. Daher der GalileiProzeß, daher die Tatsache, daß es bis zum Jahre 1827 innerhalb der katholischen Gläubigengemeinschaft verboten war, sich zu der Lehre des Kopernikus zu bekennen oder sie zu verbreiten. Man hatte eben ein altes Urteil über diese Dinge beibehalten, und hat natürlich damit nicht den Gang der Menschheitsentwickelung aufhalten können. DieMenschheit ist von einer anderen Seite hereingeschritten in dasjenige Gebiet, das man dort als jenseits der Schwelle bezeichnet hat.

[ 4 ] Warum konnte die Menschheit in dieses Gebiet hineinschreiten, ohne in seelische Ohnmacht zu verfallen, wie die Alten aus ihrer Seelenverfassung heraus zweifellos verfallen wären? Die Menschheit konnte in dieses Gebiet hineinschreiten, weil sie — Sie ersehen das aus der Darstellung in meinen «Rätseln der Philosophie» — zu einer Art des Selbstbewußtseins gekommen ist durch die besondere Auslebung der Begriffswelt, bei der nicht mehr jene seelische Ohnmacht eintreten kann. Die Menschen können nunmehr, ohne in eine seelische Ohnmacht zu verfallen, sich bekennen zu demjenigen, was nicht nur kopernikanische Weltanschauung ist, sondern was auch Vorstellungen sind, die in derselben Richtung liegen. Also fassen wir das nur einmal ganz präzise ins Auge.

[ 5 ] Dasjenige, was heute populäre Anschauung ist, das lag für die Alten, das lag im Grunde genommen bis in das 14. Jahrhundert hinein jenseits der Schwelle, wurde als solches jenseits der Schwelle Liegendes angesehen, und den Hüter der Schwelle bezeichnete man als diejenige Macht — sie ist mehr als eine Personifikation, sie ist eine reale Wesenheit —, an der man vorbeischreiten mußte, wenn man in jenes Gebiet hineinkommen wollte, das dasjenige der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung ist. Die modernen Menschen verlieren dabei nicht mehr ihr seelisches Selbstbewußtsein, sie fallen nicht in eine seelische Ohnmacht. Aber sie verlieren doch etwas, nachdem sie in das Gebiet gelangt sind, das die Alten als jenseits der Schwelle liegend betrachtet haben. Die heutigen Menschen haben zwar nicht ihr Selbstbewußtsein verloren, aber sie haben zunächst das Weltbewußtsein verloren. Sie haben ein Wissen von unzähligen Einzelheiten über das sinnliche Dasein aufgenommen, sie haben durch Verstandeskombination sich allerlei Gesetze angeeignet über den Zusammenhang in diesem sinnlichen Dasein, aber sie sind nicht dazu gelangt, dasjenige zu erkennen innerhalb dieses weiten Gebietes der einzelnen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die ja heute durchaus schon populär geworden sind, was der geistige Inhalt, der geistige Hintergrund desjenigen ist, was da den Menschen sinnlich umgibt, und was er in den Begriff der modernen Naturwissenschaft zusammenfaßt. Der Mensch ist gewissermaßen, indem er sich den Entwickelungsphasen der neueren Zeit genähert hat, in das Gebiet jenseits der Schwelle hinübergetreten, ohne ein Bewußtsein davon, daß die Welt überall durchgeistigt ist. Er hat nicht sich selbst zu verlieren gehabt, er hat aber den Geist der Welt zu verlieren gehabt. Und dieser Geist der Welt, der ist verloren worden.

[ 6 ] Dasjenige Bekenntnis, welches gerade darauf gehalten hat, diese Schwelle nicht zu überschreiten, diesseits dieser Schwelle zu bleiben, hat die Wege in das Gebiet, in dem heute die Menschheit im allgemeinen drinnensteht, so abzuschließen, so zu hemmen versucht, daß es, wie Ihnen bekannt ist, im Jahre 869 auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel, das Geistige als solches aus der Reihe der Kräfte, die der Mensch zu erkennen hat, ausgeschieden hat. Es wurde Dogma, sich nur zu Leib und Seele als Bestandteilen des Menschen zu bekennen und vom Geistigen zu sagen, daß die Seele einige geistige Eigenschaften besitze. Aber es wurde verboten, vom Menschen zu sprechen als bestehend aus Leib, Seele und Geist. Es war also ein Sich-Stemmen gegen das Hereintragen einer geistigen Erkenntnis. Damit hat man bewirkt, daß der Mensch eingetreten ist in das Gebiet jenseits der Schwelle ohne ein Bewußtsein von dem Geistigen der Welt. Der Mensch ist also eingetreten in dieses Gebiet, das von den Alten nur unter Vorbereitung betreten wurde, das in den Mysterien nur denjenigen Schülern überliefert worden ist, die eine strenge Willenszucht durchgemacht hatten. Aber es ist so betreten worden, daß der Mensch zwar nicht sein Selbstbewußtsein, wohl aber das Weltbewußtsein des Geistes verloren hat. Daher handelt es sich heute um dasjenige, was ich oftmals in meinen Schriften als die Schwelle bezeichnet habe, die nun der neuere Mensch kennen muß, die Schwelle, welche überschritten werden muß, indem man über die Grenze der äußeren Sinnesbeobachtung und der Verstandeskombination heraus eintritt in das Gebiet des Geistes, das man finden kann von dem eröffneten Sinnesgebiet aus.

[ 7 ] Dieses liegt durchaus zugrunde den Darstellungen, die innerhalb der anthroposophischen Geisteswissenschaft gegeben werden, und dieses unterscheidet sich ja auch radikal von alldem, was etwa als theosophische Lehre aufgetreten ist. Die theosophischen Lehren sind durchaus nur Aufwärmungen des Alten. Wenn sie von dem Hüter der Schwelle reden, reden sie genauso, wie die Alten von dem Hüter der Schwelle geredet haben. Lesen Sie nach, wie in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» von dem Hüter der Schwelle gesprochen wird, und Sie werden dort eine ganz moderne Darstellung finden, die unmittelbar aus dem Bewußtsein der Gegenwart heraus geschöpft ist. Wenn diejenigen, die heute anthroposophische Geisteswissenschaft zu beurteilen sich erkühnen, nur auf solche Dinge sehen würden, so würden sie nicht in das Verleumderische hinein verfallen, Anthroposophie zusammenzuwerfen mit demjenigen, was Aufwärmung alter gnostischer Lehren oder ähnliches ist.

[ 8 ] Solche Dinge müssen scharf ins Auge gefaßt werden, denn sie zeigen uns zugleich, wie die moderne Zivilisation in ihren tieferen Grundlagen sich entwickelt hat, und man wird dann mit der richtigen Vorbereitung an ein solches Urteil herangehen können wie dasjenige es ist, das ich Ihnen gestern am Schlusse angeführt habe, das dahin geht, vom orientalischen Gesichtspunkte aus innerhalb der zerfallenden modernen Zivilisation den Katholizismus als diejenige Macht anzuerkennen, die wirklich noch Geistiges in sich trägt. Man muß ja durchaus so etwas auf der einen Seite verstehen, aber zugleich auf der anderen Seite die Gefahren durchschauen, die gerade von Bestrebungen herkommen, die mit solchen Anschauungen gekennzeichnet werden. Man muß sich nämlich über folgendes klar sein: Wenn der römische Katholizismus in seiner Totalität heute genommen wird, selbstverständlich nicht so, wie ihn die einzelnen Pfarrer verstehen, die ja gemeiniglich sehr schlecht unterrichtet sind, sondern wenn er in seiner Totalität genommen wird, wenn er so genommen wird, wie er vertreten werden kann als theologisches System, als Inhalt einer umfassenden Weltanschauung, dann ist der Katholizismus ein solches inhaltvolles System einer umfassenden Weltanschauung. Das ist ja das Grandiose der katholischen Lehre, wie sie im Mittelalter als Scholastik auftrat, daß sie ein nach allen Seiten hin geschlossenes und im einzelnen logisch und auch sonst ontologisch durchgearbeitetes Weltanschauungsgebilde ist. Es ist ein Weltanschauungsgebilde, das von alten Zeiten bewahrt hat die Vorstellung vom Vater, vom Sohne, vom Geist, ein Weltanschauungsgebilde, welches also gewisse die Welt umspannende dogmatische Lehren über die Trinität hat, ein Weltanschauungsgebilde, welches in der augustinisch-thomistischen Weltanschauung es dazu gebracht hat, auch eine Anschauung über die soziale Menschenordnung aus sich hervorzubringen. Es ist ein Gebilde, das nach allen Seiten geschlossen ist, und es erfordert vor allen Dingen ein sorgfältiges Studium, um da einzudringen. Man muß, um das katholische System, die katholische Glaubenslehre, wenn man es so nennen will, zu verstehen, in der schärfsten Weise mit Begriffen operieren können, man muß klare und deutliche Begriffsübergänge haben, man muß in einer Weise mit Begriffen operieren können, die moderne Philosophen schon im höchsten Grade unbequem finden, und die insbesondere auch protestantische Theologen unbequem finden. Das ist es, was eigentlich bekannt sein sollte: daß über alles dasjenige, wonach der Mensch eine Sehnsucht hat, mit seiner Erkenntnis einzudringen — wenn es auch nur eine geoffenbarte Erkenntnis, eine Glaubenserkenntnis ist für die höheren Gebiete —, zusammenhängende Lehren im Katholizismus vorhanden sind, daß der Katholizismus niemals in den Irrtum verfallen wird, den ich gestern bezeichnet habe als eine rachitisch gewordene Weltanschauung; denn der Katholizismus hat ein festgefügtes, knochenstarkes Glaubensgebäude, das von den Naturprinzipien ausgeht und sich hinaufarbeitet, das sich von unten aufbaut und zu einer umfassenden Weltanschauung gelangt, die der Mensch dann mit seiner Seele vereinigen kann, wenn auch die höheren Gebiete als die bloß geoffenbarten Wahrheiten anerkannt werden. Was aber der Katholizismus in sich trägt, das ist, daß er im Grunde genommen doch nichts anderes als das letzte Überbleibsel derjenigen alten Weltanschauungen ist, welche ganz darauf gebaut waren, nicht über die Schwelle zu kommen in jenes Gebiet, in dem die moderne Menschheit eigentlich drinnensteht.

[ 9 ] Das ist der große Gegensatz zwischen dem Katholizismus und der modernen Zivilisation. Der Katholizismus hat sich in der mannigfaltigsten Weise im Laufe der Zeit durch Konzilien, durch sonstige dogmatische Festsetzungen ausgebaut. Er ist aber doch nur ein Nachklang alter Lehren insoferne, als er dasjenige eben zusammenbringt, was der alte Mensch aufgefaßt hat, ohne vorbereitet zu sein, die Schwelle zu überschreiten. Und so steht der Katholizismus da wie ein architektonisch großartig aufgeführtes Gebäude, das aber aus alten Zeiten herüberragt, in denen noch nicht gerechnet worden ist mit dem, was nun doch hereinkommen muß in die ganze Entwickelung durch die moderne Naturwissenschaft, durch die moderne Begriffswelt und durch dasjenige, was schon hereingekommen ist und was hereinkommen muß durch die sozialen Begriffe, die wir aufnehmen.

[ 10 ] Sehen Sie, wenn der Katholizismus die einzige Lehre sein sollte, welche sich über die Menschheit verbreitet, dann könnte die Erde in ihrer Entwickelung auch heute aufhören. Von einem wahren Gesichtspunkte aus gesehen ist es so, daß die menschlichen Seelen dasjenige, was sie durch den Katholizismus als System, durch das dem Katholizismus zugrunde Liegende haben aufnehmen können, sie in ihren bisherigen Lebensläufen bereits aufgenommen haben. Wenn der Katholizismus als einzige allgemeine Lehre dastehen sollte, so könnte ganz gut schon jetzt die Erdenentwickelung ihr Ende erreichen, denn der Katholizismus rechnet nur mit demjenigen, was sozusagen bis zum 14., 15. Jahrhundert der Menschheitsentwickelung eigen war. Dann kamen Zeiten herauf, in die eben die moderne Naturwissenschaft sich hineinstellen mußte, Zeiten, in denen der Mensch, indem er sich äußerlich der Welt hingab, eigentlich nur dasjenige aufnahm, was ihn nicht zum Geistigen führte. Diejenigen Zeiten kamen, wo der Mensch gewissermaßen, indem er gerade den scharfsinnigsten Erkenntnissen sich hingab, in bezug auf die wirkliche Welt doch einem Leichenfelde gegenüberstand. Denn dasjenige, was wir mit unseren naturwissenschaftlichen Begriffen umfassen, ist und bleibt das Tote und bleibt ein Leichenfeld, gleichgültig ob wir unsere physiologischen, anatomischen Erkenntnisse im Seziersaal erwerben, oder ob wir im chemischen Laboratorium experimentieren. Indem wir im Seziersaal uns die physiologischen, anatomischen Kenntnisse verschaffen, verschaffen wir sie uns aus demjenigen Menschenleib, aus dem die Seele heraus ist. Indem wir im chemischen Laboratorium experimentieren, experimentieren wir mit den Kräften der Natur in einer Weise, daß der Geist draußen ist. Wir stehen überall einer Welt gegenüber, die, gegen das Grundlebendige der Welt gehalten, ein Leichenfeld ist. Und das stimmt auch zu den Forderungen, die der modernen Menschheit gestellt sind. Dieser modernen Menschheit ist einmal die Aufgabe gestellt, daß sie um so mehr dem Geiste entfremdet wird, je mehr sie um sich blickt, ja gerade je genauer sie um sich blickt, je mehr sie sich bewaffnet mit dem Teleskop, mit dem Mikroskop, mit dem Röntgenapparat, mit dem Spektroskop und so weiter, je mehr sie in die Umwelt eindringt und sie durch minuziöse Statistik untersuchen will. Unsere moderne Wissenschaft geht durchaus darauf aus, den Menschen nichts vom Geistigen finden zu lassen. Er muß dasjenige, was das Geistige ist, zu dem, was er von außen erringen kann, von innen aus hinzubringen. Er muß eine neue Geisteswissenschaft haben. Er muß gewissermaßen über die Leichenfelder schreiten, die sich ihm nur als Totes zeigen, die ihm in den physischen oder in den geistigen Museen höchstens die Schatten desjenigen zeigen, was einmal als Geist da war. Er muß hindurchschreiten durch diese Schatten und muß in sich die Fähigkeit haben, hinschreitend über das Leichenfeld der modernen Wissenschaft, hineinzutragen in dieses Leichenfeld dasjenige, was eine neue geistige Offenbarung gibt, was eine neue Geisteswissenschaft gibt, was wirklich anthroposophisch aus dem Menschen entspringen kann. Nur dabei kommt der Mensch zu seiner vollen Kraft. Das Selbstbewußtsein kann er nicht verlieren; aber indem er hinschreitet zu demjenigen, was für die Alten jenseits der Schwelle gelegen hat, muß er nicht nur dieses Selbstbewußtsein erhalten, er muß es verstärken durch ein Wissen von der geistigen Welt, das aus diesem Selbstbewußtsein erquellen kann, damit er in der äußeren Sinneswelt die volle Welt, die wahre Wirklichkeit finde.

[ 11 ] Das ist aber dasjenige, vor dem der Mensch der neueren Zivilisation erst steht. Aber bewußt muß sich die Menschheit werden, daß sie vor dieser Schwelle steht, daß diese Schwelle überschritten werden muß. Bewußt muß sich die Menschheit werden, daß nicht irgendwie angeklagt oder ausgelöscht werden darf dasjenige, was die neuere Erkenntnis gebracht hat, daß man nicht aus Bequemlichkeit abweisen darf dasjenige, was die moderne Naturanschauung liefert, daß man aber hineintragen muß in diese moderne Naturanschauung ein ganz neues Geistwissen; denn dadurch stückelt sich an an das, was in der Erdenentwickelung vorhergegangen ist, dasjenige, was noch kommen muß, damit die Erdenentwickelung an ihr‘Ziel kommen kann. Niemals kann der Katholizismus die Menschen weiterbringen, als wo sie schon sind. Die Menschen sind seit drei bis vier Jahrhunderten in bezug auf äußere Welterkenntnis weitergekommen. Aber die Menschen dürfen so nicht fortschreiten innerhalb der modernen Zivilisation. Sie müssen in diese Zivilisation das geistige Leben hineintragen.

[ 12 ] Das ist dasjenige, was morgenländisches Urteil heute noch verkennt an der modernen Zivilisation. Morgenländisches Urteil sieht an der modernen Zivilisation nur das Leichenfeld, dasjenige, aus dem hervorgeht, was ich Ihnen gestern in der Kritik vom morgenländischen Gesichtspunkte aus gezeigt habe. Das morgenländische Urteil weiß noch nicht, weil es auch nur kennt dasjenige, was ererbte Gotteslehren sind, daß der Mensch, indem er in der modernen Zivilisation einem Leichenfeld gegenübersteht, gerade dadurch in sich eine Kraft finden kann, um den echt menschlichen, den ganz intim mit dem Menschlichen verbundenen Geist aus sich selber herauszuarbeiten, der wiederum Licht verbreitet über den ganzen Kosmos.

[ 13 ] Hier ist es, wo sich die Geister scharf scheiden. Wir sehen hin auf dasjenige, was der Katholizismus gebracht hat. Er hat in der neuesten Zeit den Jesuitismus gebracht, nicht den Christismus. Er hat gebracht diejenige dogmatische Anschauung innerhalb des Jesuitismus, welche hindeutet auf den Jesus als einen Imperator, als einen Triumphator, als denjenigen, der im Grunde genommen doch nur, ich möchte sagen, so aus der Seele heraus geistige Eigenschaften enthält, wie die Seele überhaupt — gemäß dem Entscheid des Konzils von Konstantinopel 869 geistige Eigenschaften enthält. Des Christus ist im Grunde genommen das neuere Bewußtsein noch nicht inne geworden. Der Christus als ein überirdisches, übersinnliches Wesen soll von anthroposophischer Geisteswissenschaft erkannt werden, er soll erkannt werden als dasjenige, was sich aus außerirdischen Sphären mit der Erdenentwickelung verbunden hat, weil diese Erdenentwickelung etwas braucht, was eben bisher nicht da war. Im Grunde genommen handelt der Katholizismus noch gar nicht von dem Christus, er handelt nur von dem Jesus. Und die modernen evangelischen Bekenntnisse sind ihm in dieser Beziehung durchaus nachgefolgt. Eine wirkliche Christologie ist noch nicht entstanden außerhalb der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Und diese wirkliche Christologie hängt damit zusammen, daß der Mensch den Geist aus seinem freien geistigen Bewußtsein heraus findet, daß er ihn findet, trotzdem er hinschreitet über ein Leichenfeld mit einer Naturwissenschaft, die ihm überall Geistloses zeigt und zeigen muß. Das sieht das orientalische Bewußtsein nicht. Es sieht noch nicht, daß gerade dadurch der Mensch das Weltbewußstsein verliert in seinem wissenschaftlichen, technischen und sonstigen, in der neueren Zeit auch künstlerischen Verkehr mit der Außenwelt. Dadurch, daß der Mensch dieses Weltbewußtsein verliert, wird er um so mehr aufgefordert, aus seiner inneren Kraft heraus ein solches geistiges Weltbewußtsein zu finden.

[ 14 ] In der Tat, dieses Weltbewußtsein ist da. Es ist im Keime vorhanden. Es strebt aus dem Goetheanismus heraus, aus demjenigen, was angestrebt worden ist um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, es strebt also heraus aus demjenigen, was da gesucht worden ist. Und man kann einen geraden Weg finden, indem man immer weiter und weiter geht, vom Goetheanismus in die moderne Geisteswissenschaft hinein. Nur handelt es sich durchaus darum, daß man fähig werde, den lebendigen Geist zu ergreifen und zu erkennen, wie in der modernen Geisteswissenschaft nicht eine Ideologie gegeben wird, nicht bloß Ideen gegeben werden über den Geist, sondern Ideen gegeben werden, die der Geist selber in die Welt hereinschickt. Das ist dasjenige, was durchschaut werden muß, daß man in den modernen abstrakten Lehren überall nur Ideen hat von irgend etwas, daß aber in der Geisteswissenschaft Ideen gegeben werden, die aus dem Geiste selber hervorquellen, die gewissermaßen eine geistige Uroffenbarung wieder sind, daß also die Welt durch ihren Geist sich selber ausspricht in der Geisteswissenschaft, daß wir wiederum den lebendigen Geist haben.

[ 15 ] Nun aber müssen wir uns durchaus klar sein darüber, daß vieles überwunden werden muß von dem Kleinlichen in unserem gegenwärtigen Zivilisationsleben, wenn wir uns so stellen wollen zu diesen großen Dingen. Die Menschen neigen heute in großen Scharen, auf großen Gebieten, zum Katholizismus hin, und der Katholizismus hat ein innerliches Triumphatorgefühl, indem alle Zeichen dafür sprechen, daß er es vermag, das neue Geistesstreben zunächst totzutreten, daß er es vermag, alles dasjenige auszulöschen, was irgendwie da war als Beginn eines solchen neuen Geistesstrebens, daß er gewissermaßen damit auslöschen kann alles dasjenige, was Neues in der Erdenentwickelung hinzukommen soll zu dem Alten. Dieser Wille des Auslöschens ist durchaus vorhanden.

[ 16 ] Nun ist aber heraufgezogen in der neueren Zeit innerhalb der Menschengemüter im Grunde genommen ein furchtbarer seelischer Agnostizismus, verbunden eben mit der rachitischen Art, nach Weltanschauung zu streben. Die Menschen wollen ein Bewußtsein in ihre Seele hereinbekommen, daß diese Seele mit einer geistigen Welt in Beziehung steht; aber sie wollen nicht ihren Willen anspornen, sie wollen nicht ihre «Freiheit» verlieren, um an dasjenige heranzukommen, was allerdings eine innere Tätigkeit fordert: das Ergreifen des Geistes durch die Geisteswissenschaft. Sie wollen passiv ihre Seele vereinigen mit dem Geistigen, sie wollen nicht durch die Schwierigkeiten hindurchgehen, durch die man allerdings hindurchgehen muß im aktiven Ergreifen des Geistes. Ich möchte sagen: die faulen Gemüter, die aber doch Ewigkeitssehnsüchte entwickeln, die suchen heute den Weg zurück zu alten Weltanschauungen, weil sie nicht die Kraft in sich fühlen, aktiv den Gott in ihrer Seele aufzunehmen. Die Menschen sind ja heute überall darauf aus, ihre Urteile ganz kurz zu schürzen, überall nur dasjenige zu sehen, was ihnen auf dem Präsentierteller dargeboten wird. Sie wollen sich politische, soziale Urteile aus demjenigen, was offen zutage liegt, verschaffen und sind dann von einem solchen seelischen Egoismus, daß sie gar nicht merken, wenn ihnen von anderer Seite einmal ein Urteil entgegentritt, das auf der breiten Basis eines reicheren Wissens sich aufzubauen versucht. Das ist gerade dasjenige, was heute so schmerzlich berührt in unserer dekadenten Zivilisation, daß die Menschen so leicht sich schürzen mit ihren Urteilen. Ich möchte, um das zu erhärten, Ihnen ein Beispiel vorführen, das weit abliegt von den Betrachtungen, die wir eben gepflogen haben. Sehen Sie, hier wurde ja vieles zusammengertragen, nicht um dogmatische Anschauungen zu verbreiten über die letzten katastrophalen Jahre der modernen Zivilisation, sondern um eben die Grundlage zum selbständigen Urteilen abzugeben. Es wurde immer versucht, diese Urteile in eine möglichst weitherzige, aber damit auch wahre Richtung zu bringen.

[ 17 ] Nun, wie viele Menschen sind heute zufrieden, wenn sie nur ein paar Urteile oder das oder jenes haben, was ihnen der allgemeine Journalismus bietet. Da ergehen sich zum Beispiel die Menschen über die Entstehung dieser Kriegskatastrophe, die in den letzten Jahren so viele Menschenleben gefordert hat, da hören sie die Staatsmänner reden und dergleichen, und sie nehmen diese Dinge hin, weil erstorben ist — innerhalb des allgemeinen Leichenfeldes der modernen Weltanschauung können eben solche Dinge ersterben — das Gefühl dafür, daß an einer bestimmten Stelle stärker die Wahrheit zutage tritt als an einer anderen Stelle, daß man unterscheiden muß zwischen der einen und der anderen Stelle. Denn sehen Sie, für die Beurteilung der europäischen Lage scheint mir wichtiger als manches, was sich die Leute in der neueren Zeit haben aufbinden lassen, zum Beispiel das Folgende, das jetzt herausgekommen ist dadurch — an diesem Ort ist das Urteil längst in diese Richtung gebracht worden, und Dinge, wie sie jetzt herausgekommen sind, sind ja nur neuerliche Belege dafür —, daß unter anderen auch der im Jahre 1914 am russischen Hof befindliche französische Botschafter Paleologue mit einer wirklich senilen Art von Geschwätzigkeit seine Memoiren geschrieben hat. Sie schreiben ja alle Memoiren, nur ist einer ein wenig verlogener, der andere ein wenig geschwätziger; und dieser französische Botschafter hat mit einer großen Geschwätzigkeit berichtet, was er in Petersburg erlebt hat. Da wurden ja bei der Anwesenheit des Präsidenten der französischen Republik, Poincare, großartige Feste gefeiert. Am Vorabende eines solchen Festes sprachen mit dem französischen Botschafter die beiden dämonischen Menschen, Anastasia und Militza, die Töchter des Königs Nikita von Montenegro. Diese beiden Unheilsfrauen haben dazumal ihr Herz dem französischen Botschafter ausgeleert. Es war am 22. Juli 1914. Der französische Botschafter teilt wörtlich mit, was sie ihm gesagt haben: «Wissen Sie, daß wir historische, ja heilige Tage durchleben? ... Morgen, während der Truppenschau, werden die Militärkapellen nur die «Marche Lorraine und «Sambre et Meuse» spielen. Ich habe heute von meinem Vater ein Telegramm in der vereinbarten Fassung erhalten. Er meldet mir, daß der Krieg noch vor Schluß dieses Monats ausbrechen wird... Ach, was ist mein Vater für ein Held!» ... «Von Österreich wird nichts mehr übrig bleiben... Sie werden sich Elsaß und Lothringen zurücknehmen... Unsere Armeen werden sich in Berlin vereinigen...»

[ 18 ] Auf solche Dinge muß auch hingeschaut werden, wenn. man die Situation der Gegenwart beurteilen will. Da gibt es keine Ausrede, daß man ja solche Dinge nicht gewußt habe, insbesondere keine Ausrede unter denen, vor denen gearbeitet worden ist nicht auf ein dogmatisches Urteil hin, sondern so, daß die Grundlagen geschaffen worden sind, um ein Urteil zu bilden. Aber ich will ja das nur als ein Beispiel anführen dafür. Sie können in den Memoiren von Paléologue noch manche andere interessante 'Tatsache finden, denn der schwätzt eben mit einer gewissen Senilität tatsächlich das Merkwürdigste aus. Es wird das von mir nicht angeführt jetzt, um über die Ursachen des Krieges etwa zu sprechen, sondern es wird angeführt für dasjenige, was der modernen Menschheit so nötig ist, sich anzueignen. Man hört so vieles in der Welt. Man muß sich ein Gefühl aneignen dafür: da ist etwas von der Wahrheit zu finden, dort ist nichts von der Wahrheit zu finden. Die Welt äußert sich nicht so, daß man zufrieden sein kann mit einem leichtgeschürzten Urteile. Die Welt äußert sich so, daß man ein Gefühl dafür haben muß, an welchem Orte die eigentliche Wahrheit zu finden ist. Die äußere Sinneswelt ist durchaus eine Maja, und sie ist sogar soweit eine Maja, daß auch im Gebiete des Moralisch-Ethisch-Politischen unter Umständen wichtiger sein können als die Urteile der Gesandten und Minister die Urteile von zwei solchen Unheilsfrauen, wie die Anastasia und die Militza es gewesen sind. Denn schließlich ist dasjenige, was die Minister im Jahre 1914 vorausgesagt haben, nicht eingetroffen; aber wenn die Anastasia und die Militza sagten: Vor Ende des Monats haben wir einen Krieg, welch ein Held, unser Vater! Von Österreich wird nichts übrig bleiben; Sie werden Elsaß-Lothringen wieder nehmen —, dann waren diese dämonischen Weiber durchaus Prophetinnen, denn, was die gesagt haben, ist eingetroffen, und nicht, was die Minister oder Generäle gesagt haben. Die Welt ist durchaus ein kompliziertes Gebilde, und nur derjenige begreift, wie kompliziert es ist, was uns als Welt entgegentritt, was uns da zunächst als Maja vorliegt, der einen guten Willen hat zur Wahrheit, zur Wahrheitserforschung. In den Wissenschaften haben wir gelernt, auf die Wahrheit nur oberflächlich hinzuschauen. Das hat sich aber in bitterer Weise hineingetragen in das ganze moderne Leben. Das ist etwas, was durchaus gerade auf unserem Boden gründlich berücksichtigt werden muß. Denn wenn wir uns nicht aufraffen zum Aufwachen über dem Sumpfe von Urteilen, in dem die Menschheit sich heute befindet, so können wir solche über alles Kleinliche hinausgehende Gesichtspunkte, wie sie notwendig sind, um den modernen Hüter der Schwelle von dem antiken Hüter der Schwelle zu unterscheiden, um zu wissen, was der Menschheit wirklich frommt, nicht finden. Wir müssen uns klar sein darüber, daß die in sich trägen Gemüter, die aber eine lebendige Sehnsucht nach dem Ewigen haben, und die außerdem egoistische Seelen sind, in großen Scharen dort hinlaufen möchten, wo etwas Altbewahrtes ist, und daß sie es vermeiden, ihre Seele aufzuraffen, um mitzuarbeiten an der Aufnahme des göttlichen Geistes in den unmittelbaren Willen des Menschen. Es ist heute die schwere Entscheidungsstunde, in der sich zeigen muß, ob innerhalb der modernen Zivilisation die Kraft vorhanden ist, auf dem Leichenfelde des modernen Naturerkennens den Geist zu finden. Wenn das sein kann, dann mögen noch so viele in ihrer Passivität das Ewige bei dem schon Bestehenden suchen, und es mögen noch so viele orientalische Kritiken kommen, sie werden nur dasjenige treffen, was dekadent ist in der europäischen Zivilisation, nicht aber dasjenige, was in ihr fruchtbar ist, was werdend ist, woran aber allerdings gearbeitet werden muß.

[ 19 ] Die Entscheidung ist um so bedeutungsvoller, als ja die alte orientalische Kultur noch Geistigkeit hat, und sie tatsächlich eine ihr verwandte Geistigkeit findet im römischen Katholizismus. Wenn die moderne Zivilisation nicht zur Geistigkeit kommt, dann werden Orientalismus und Römertum unbedingt die Welt überschwemmen. Wenn die moderne Zivilisation aus sich heraus zur Geistigkeit kommen will, so werden sie nichts wider diese Geistigkeit vermögen, denn diese Geistigkeit entspricht einmal den letzten Entwickelungsstadien unserer Erdenentfaltung. Aber die große Entscheidungsstunde ist da. Nur derjenige weiß, was heute vorgeht, der das Wesentliche in dieser Entscheidungsstunde sieht, und der entschlossen ist, diese Dinge wirklich im allertiefsten Ernste zu nehmen.

[ 20] Dazu ist allerdings notwendig, daß die Menschen sich aneignen ein gründliches, tiefes, ernstes Wahrheitsgefühl. Anthroposophische Geisteswissenschaft verkennt nicht dasjenige, was an Geistesinhalt in den alten Strömungen lebt. Anthroposophische Geisteswissenschaft kennt die Gefahr, die darinnen besteht, daß orientalisches Chinesentum sich europäischem Chinesentum verwandt findet, und daher verstehen wir, wie gerade auch Intellektuelle in Scharen hinlaufen zu dem europäischen Chinesentum, denn da finden sie, wenn sie nur passiv bleiben wollen, dasjenige, was sie als Ewiges mit ihrer Seele vereinen können. Sie finden es eben nur auf luziferische Weise, indem sie zurückbleiben in denjenigen Epochen der Erdenentwickelung, die eigentlich vergangene sind. Es würde die Erde um ihre Entwickelung gebracht, wenn das geschehen würde. Man braucht durchaus nicht blind zu sein gegen die Größe der katholischen Glaubenslehre; aber gerade wenn man nicht blind ist, sondern wenn man sie anerkennt, dann erkennt man auch ihren Zusammenhang mit demjenigen, was die Menschenseelen bereits durchgemacht haben, und man erkennt die Notwendigkeit, daß ein Neues hereindringe. Die Frage kann aber entstehen: Wie kommt es denn, daß das viel ehrlichere orientalische Geistesstreben, das aus alten Zeiten herübergekommen ist, noch gar nichts sieht von demjenigen, was aus der ganz modernen europäischen Zivilisation heraufdringt, sich heraufarbeitet, und was eigentlich in seiner Geistverwandtschaft von dem Orientalen durchschaut werden könnte?

[ 21 ] Ja, die Menschen hängen, auch wenn sie Orientalen sind, doch eben an demjenigen, was ihnen äußerlich entgegentritt. Und was tritt äußerlich den Leuten entgegen? Gewiß, anthroposophische Geisteswissenschaft wird immer bekannter und bekannter; aber sehen Sie auch, wie man an zahlreichen Stellen eben sattsam dafür gesorgt findet, wie anthroposophische Geisteswissenschaft bekannt wird! Das ist ein Kapitel, über das immer wieder und wiederum gesprochen werden muß, denn für diejenigen, die sich überhaupt bekennen wollen zu dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft, ist es durchaus notwendig, daß dies bekannt werde.

[ 2 ] Hier haben Sie zum Beispiel ein Blatt, Evangelisches Missionsmagazin, herausgegeben von Fr. Wirz, neue Folge, 65. Jahrgang, Februar 1921, Basel, Verlag der Basler Missionsbuchhandlung. Hier steht die Besprechung eines Buches von D.L. J. Frohnmeyer, «Die theosophische Bewegung, ihre Geschichte, Darstellung und Beurteilung», aus der klar hervorgeht, daß dieses Buch hinaufgehoben werden soll innerhalb der christlich-evangelischen Glaubensgemeinschaft zu einem tonangebenden Katechismus über dasjenige, was Anthroposophie ist. Es wird dieses Büchelchen von Frohnmeyer geradezu als dasjenige hingestellt, was mit großer Gewissenhaftigkeit der Menschheit enthüllt, was die anthroposophische Bewegung enthält, das heißt, es wird das Urteil verbreitet: Willman wissen, was Anthroposophie ist, so lese man den Frohnmeyer.Die Leute wissen, wie man es macht. Die stellen einen Katechismus hin, aus dem sich ihre Gläubigen unterrichten können. Und gleich angefügt ist eine Besprechung des Buches: «Die Hetze gegen das Goetheanum», in der unter anderem recht schön gesagt wird, unerfreulich sei diese Entgegnung, diese Hetze, weil auch die Entgegnungen von anthroposophischer Seite nicht vorbildlich seien. Dr. Steiner gerate auf diese Weise in eine Unwahrheit wider besseres Wissen.

[ 23 ] Nun habe ich nachgeschaut auf Seite 20 des Büchelchens: «Die Hetze gegen das Goetheanum», ob da irgend etwas steht, was in dieser Richtung charakterisiert werden könnte. Da steht aber: «Dr. Boos hat, um den Fehdehandschuh aufzunehmen, geschrieben: das ist eine wissentliche Unwahrheit. Es ist selbstverständlich eine wissentliche Unwahrheit, denn man muß wissen, daß man die Akasha-Chronik in keinem Bücherschrank finden kann, weil man sie nicht als physisches Dokument haben kann. Sie existiert nicht als solches.»

[ 24 ] Hier ist keine Definition enthalten, hier ist nichts enthalten, was etwa gegen die «Definition» verstoßen würde, daß das eine Unwahrheit wider besseres Wissen ist; denn derjenige, der von der Akasha-Chronik als von einem physischen Dokument schreibt, der muß wissen, daß er sie ja in seiner Bibliothek nicht haben kann, so wie man die Upanishaden oder die Bhagavad-Gita in seinem Bücherschrank stehen hat.

[ 25 ] Es wird ja geradezu nachgewiesen, daß das wider besseres Wissen gesagt sein muß, und dann schreibt der Rezensent, daß ich eine «Definition» gegeben habe! Es steht auf der ganzen Seite keine Definition, sondern es ist gerade nachgewiesen, daß dieser Kully wider besseres Wissen behauptet habe, die Akasha-Chronik sei ein physisches Dokument. Trotzdem wird hier gesagt, ich hätte definiert wissentliche Unwahrheit — wider besseres Wissen! Natürlich ist es außerdem noch eine scheußliche Anschauung, die Heinzelmann vertritt, denn dahinter kann sich jeder mit allem verschanzen, indem er nachher behauptet, er hätte es nicht wider besseres Wissen gesagt, sondern er hätte es eben geglaubt. Daß das überhaupt möglich ist, das ist wieder eine andere Frage, die unseren ganzen dekadenten oberflächlichen und bequemen Wissenschaftsbetrieb betrifft. Aber das andere, was hier gesagt wird, das ist wiederum eine wissentliche Unwahrheit, denn dasjenige, was hier geschrieben ist, kann man nur schreiben wider besseres Wissen. Es steht keine Definition auf Seite 20, es ist darauf hingewiesen, daß da wider besseres Wissen etwas behauptet worden ist. Es ist also hier wiederum eine Unwahrheit gesagt wider besseres Wissen von demselben Menschen, der da oben sagt: «Gewiß finden sich auch irrtümliche Angaben über Anthroposophie in der Frohnmeyerschen Schrift.»

[ 26 ] Weil man den Leuten die Sache vorgehalten hat, können sie jetzt nicht mehr diese Verlogenheit verbreiten, aber sie beginnen nun sie zu entschuldigen, indem sie sagen, daß ja der Pfarrer Frohnmeyer diese Behauptung von einem anderen Pfarrer übernommen hätte, der durchaus für wahrhaftig gilt. — Nun, wie wahrhaftig er ist, das zeigt sich daran, daß dieser andere wahrscheinlich die Sache gesehen hat und dennoch diese Behauptung getan hat. So gehen die Leute mit der Wahrheit um. Und diejenigen, die so mit der Wahrheit umgehen, nennen sich Träger der Theologie, sind die Lehrer unserer Jugend! Mir ist es hier nie darum zu tun gewesen, gegen Frohnmeyer oder Heinzelmann oder dergleichen irgend etwas zu sagen, weil sie die Anthroposophie angegriffen haben; mir handelt es sich darum, daß Menschen, die so mit der Wahrheit umgeben, die einen solchen Begriff von der Wissenschaftlichkeit haben, die Zerstörer der jugendlichen Gemüter sind, mir handelt es sich . darum, zu zeigen, wohin unsere Wissenschaft gekommen ist, ganz abgesehen davon, welche Angriffe gegen Anthroposophie gemacht werden. Die sind mir ganz gleichgültig, weil ich ja zu gut weiß, daß ein solcher Satz eine andere Bedeutung hat als diejenige, die dieser Heinzelmann mir beilegt. Da wird gesagt, daß der Pfarrer Frohnmeyer dem jetzigen Mittelpunkt der Anthroposophie räumlich nahe stehe und sich in die Schriften nach Möglichkeit gründlich eingelesen habe. — Daß diese Möglichkeit eben keine große ist, das weiß ich so genau, daß ich gegen das, was der Pfarrer Frohnmeyer gegen die Anthroposophie sagt, im Grunde genommen gar nichts Besonderes einzuwenden habe. Denn alle diese Leute, die können die Sache nicht verstehen. Die Hauptsache ist, daß man sich gegen den Geist, der hier in die Wissenschaftlichkeit hineingekommen ist, ganz entschieden auflehnen muß. Das ist es, worauf es ankommt, denn es ist der Geist der Unwahrhaftigkeit, es ist der Geist, der diese Unwahrhaftigkeit hinter allen möglichen Mäntelchen verbirgt. Und das ist dasjenige, was nicht oft und nicht scharf genug hervorgehoben werden kann: Solange an den Universitäten in dieser Weise mit der Wahrheit umgegangen wird, so lange können wir nicht über dasjenige hinauskommen, in dem wir so tief drinnen stecken, denn diese Leute sind es, die systematisch das Urteil formen. Wenn von den autoritativen Seiten aus die Frohnmeyerische Schrift wie ein Katechismus ausgegeben wird, und wenn diese Dinge gelesen werden im Oriente, dann liest selbstverständlich der Orientale zunächst aus der Darstellung der Theosophie all das Gewäsche, welches nur eine Verwässerung desjenigen ist, was er in seinem Orientalismus selbstverständlich viel besser kennt, und er findet als ein Kapitel innerhalb dieser europäischen Verwaschung der orientalischen theosophischen Lehre die Anthroposophie eingereiht nach den Begriffen von Heinzelmanns und Frohnmeyers und er kann sich natürlich daraus keine Vorstellung machen, was da eigentlich gewollt ist. Denn es wird ihm eingetrichtert, daß es sich um Aufwärmung alter gnostischer Lehren und so weiter handle. Kurz, es wird dem Orientalen ein Bild beigebracht, das ihm durchaus keine Vorstellung geben kann, wie man aus der ganz modernen europäischen Zivilisation wiederum eine Geistanschauung finden kann. Kein Wunder also, daß auch derjenige, der fähig wäre im Oriente, solche Dinge zu sehen, sie im falschen Lichte sehen muß.

[ 27 ] Das ist es, was doch wieder und immer wiederum unter unsgesagt werden muß, weil es ganz scharf und intensiv in das moderne Bewußtsein hineingehen muß; und auch die Frage muß eigentlich berührt werden, warum denn ein solcher Wust von Unwahrheit über die Anthroposophie ausgeladen wird? Ja, weildieHerren sich gestört fühlen! Denken Sie doch nur, wenninderFrohnmeyerischen Weise vor derGläubigenschaft gelehrt und gearbeitet wird, dann rechnet man selbstverständlich damit, daß nicht nachgerechnet wird, daß nicht nachgeschaut wird. So kann man nur schreiben, wenn man eine urteilslose Menge vor sich hat, die auf blindes Autoritätsgefühl und auf blinden Glauben wie eine Herde nachfolgt demjenigen, was ja von höheren Mächten über sie eingesetzt ist. Das ist den Herrschaften unangenehm, daß herangezogen werden soll innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft eine Menge von Menschen, die urteilsfähig werden über diese Dinge, die nachsehen in diesen Dingen.

[ 28 ] Dann allerdings muß es aber auch so sein, daß sich diejenigen, die Angehörige sind der Anthroposophischen Gesellschaft, verpflichtet fühlen, wirklich nachzusehen. Mir kommt es heute nicht darauf an, daß gar so viel Wesens gemacht wird von den Verteidigungen gegenüber den Verleumdungen und den Unwahrheiten der Gegner, sondern heute kommt es darauf an, daß diesen Gegnern ihr eigenes Spiegelbild vor Augen gehalten wird, daß zum Beispiel so etwas charakterisiert wird, was in unserem modernen wissenschaftlichen Leben an Wahrhaftigkeit herrscht. Derjenige dient uns am besten, der dieser modernen Wissenschaft den Spiegel vorhält aus den Tatsachen heraus, die ja auf Schritt und Tritt gefunden werden können. Wir kommen selbstverständlich auf keinen grünen Zweig, wenn wir uns bloß verteidigen gegen dasjenige, was da als Verleumdung und Unwahrhaftigkeit heute auftritt, denn bei solchen Verteidigungen kommt doch nichts heraus als Rede und Gegenrede, und wenn man die Wahrheit der Unwahrheit gegenüberstellt, so verquasseln diejenigen, denen man gegenübersteht, die Sache so, daß man niemals mit den Dingen fertig wird. Denken Sie sich, welche Bandwürmer schon entstanden sind dadurch, daß Gegner immer gedreht und gewendet haben. Dasjenige, worauf es ankommt, ist, aufmerksam zu machen, welcher Geist oder Ungeist in der modernen Wissenschaftlichkeit, in dem modernen Religionsbetrieb und so weiter drinnensteckt und den Leuten ihre eigene Gestalt im Spiegel einer wirklichen geistigen Charakteristik, die man geben kann vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus, vorzuhalten. So daß wirklich endlich eine Diskussion entsteht über dasjenige, was in der Gegenwart besprochen werden muß. Dadurch kommen keine Diskussionen heraus, daß wir uns nur immer verteidigen. Das muß selbstverständlich im entscheidenden Augenblicke, und es muß auch immer wieder und wiederum geschehen. Es ist aber im Grunde genommen das Untergeordnete. Das Wichtige ist, daß wir uns bekanntmachen mit dem Ungeist, der herrscht, und daß wir diesen Ungeist überall — in seinen Schlupfwinkeln braucht man nicht zu sagen, denn er prangert sich an auf öffentlichen Straßen —, daß wir ihn überall charakterisieren. Das ist es, worauf es ankommt.

[ 29 ] Das ist allerdings etwas schwieriger, als bloß zu verteidigen. Denn man kann natürlich sehr leicht die Prozedur machen und auf jeder Seite die Wahrheiten und Unwahrheiten nachweisen. Aber darum allein handelt es sich nicht, sondern es handelt sich darum, aus der ganzen Dekadenz der Gegenwart heraus so etwas zu charakterisieren, vor allen Dingen darauf Wert zu legen, was das für einen Niedergang bedeutet, wenn solcher Geist herrscht, für den es nur ein Exempel sein soll, was einem da als Charakteristik der Anthroposophie entgegentritt. Uns soll nichts daran liegen, wenn die Leute schimpfen, uns aber soll alles daran liegen, was es für ein Geist ist, der sich ausspricht, dieser Geist der Unwahrhaftigkeit und Verleumdungssucht, die auftritt. Das Exempel soll Symptom sein, größere Gesichtspunkte über dasjenige abzugeben, was gegenwärtig herrscht. Das ist etwas, was ich durchaus einmal aussprechen mußte, namentlich weil die Arbeit ja ohnedies immer schwieriger wird. Mit der Verbreitung der anthroposophischen Lehre geschieht es, daß man wahrhaftig schon froh ist, wenn man noch einen Zeitungsbericht in die Hand bekommt, wo nichts steht über Anthroposophie. Man kann aus den unglaublichsten Schlupfwinkeln etwas über sie herauskommen sehen. Man liest ein Feuilleton über Carlyle und Nietzsche in der «Neuen Zürcher Zeitung», und man kommt plötzlich an eine Zeile, die gar nichts mit dem übrigen zu tun hat und wo es heißt, Nietzsche habe den Goethe ebenso verballhornt wie es der Steiner tut.— Überall finden Sie da und dort solche Dinge. Und das ist die Methode, wie man die Urteile schmiedet.

[ 30 ] Wenn wir nicht auf dem Plane stehen und einmal diese ganze Geistigkeit in ihrer ganz unglaublichen, dekadenten Art vor die Welt hinstellen, so daß die Welt es begreift, so kommen wir nicht weiter. Das ist es einmal, was in der Gegenwart immer mehr und mehr an uns herantritt, so daß die Ausbreitung der Aufgaben ja auch meine Arbeitskraft — ich darf das heute wohl sagen — überlastet, und ich zu vielem nicht kommen kann, wozu ich gerne kommen würde. Es ist aber auch noch das vorhanden, daß die Zahl derjenigen, die wirklich mitarbeiten in tätiger Weise an dem, was heute notwendig ist, leider eine viel zu geringe ist. Es handelt sich heute darum, daß durch dasjenige, was durch die Anthroposophische Gesellschaft als Notwendigkeiten entsteht, die Bewegung Formen angenommen hat, die notwendig machen, daß viele Mitarbeiter da sind. Ein einzelner Mensch könnte durchaus die Lehre, um die es sich handelt, als einzelner Mensch vertreten; dann würde er auch die Mittel und Wege finden, um alles dasjenige zu tun, was notwendig ist, um diese Lehre in die Welt hineinzustellen, soweit es ein einzelner Mensch vermag. Da es sich aber hier um eine Gesellschaft handelt, so wachsen aus der Gesellschaft heraus Verpflichtungen, die gar nicht zusammenhängen müssen mit dem, was ein einzelner Mensch vermag. Hier handelt es sich daher darum, daß tatsächlich, nachdem die Gesellschaft gewisse Dinge in Angriff genommen hat, es unbedingt notwendig ist, daß aus dieser Gesellschaft immer mehr und mehr Menschen herauswachsen, welche in entsprechender Weise heute vor der Welt aktiv und tätig für dasjenige eintreten, um was es sich handelt. Die Zahl derer aber, welche heute aktiv arbeiten, aktiv eintreten, ist leider eine sehr geringe, und für die verschiedensten Arbeiten muß man immer wieder und wiederum an dieselben Menschen appellieren.

[ 31 ] Als es sich hier einmal um die Gründung von irgend etwas handelte, sagte ich, alles andere mache mir keine Sorge, als einzig und allein das, daß man in der Gegenwart so wenige Menschen finde, die irgendeiner Lage wirklich gewachsen sind. Das ist es, was man auf der einen Seite berücksichtigen muß; auf der anderen Seite ist es aber auch das, daß es sich hier nicht um die Taxierung von ursprünglichen Fähigkeiten handelt, die wären da, aber sie werden nicht aus den Gemütern der Menschen herausgeholt. Die Menschen wollen nicht Aktivität aus ihren Seelen herausholen. Das ist es, um was es sich heute handelt. Sie möchten sich passiv an dasjenige hingeben, was da ist. Es ist leichter, sich zu fragen: Welcher Partei schließe ich mich an? — als: Was ist die Wahrheit über eine Sache? — Denn die Partei ist da, die Kirche ist da und so weiter, da kann man sich passiv verhalten. Dasjenige aber, um was es sich heute für den Menschen handelt, ist, seinen Weg in die Wahrheit selber zu suchen und aktiv an dem Wahren mitzuarbeiten. Wenn dieses nicht in hinlänglicher Weise verstanden wird, dann wird eben auch die große Entscheidung nicht verstanden, vor der der Mensch in der neueren Zeit steht, und dann kommen wir nicht weiter. Weiter kommen können wir heute nur dadurch, daß wir dasjenige, was so eindringlich vor die Welt hingestellt werden kann durch die Geisteswissenschaft, auch wirklich beherzigen, wirklich die Mittel und Wege finden, in den notwendigen Richtlinien zu arbeiten, daß wir uns nicht scheuen, einzudringen in das, was ist, um es in der entsprechenden Weise vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft vor die Welt wie aus einem Spiegel hinzustellen.

[ 32 ] Ich stehe vor einer holländischen Reise, muß vorher noch eine Zeitlang in Deutschland sein. Bevor ich abreise, werde ich noch an dem einzigen Tage, der gegeben ist, und zwar am Dienstag um halb neun Uhr, damit ich die eurythmischen Übungen nicht störe, einen letzten Vortrag vor meiner Abreise halten, in dem ich Verschiedenes zusammenfassen werde, was ich Ihnen gerade jetzt zu sagen noch für notwendig halte.