Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203
6 February 1921, Stuttgart
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Human Responsibility for Global Development, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Gestern habe ich Sie darauf aufmerksam gemacht, wie im Urteil des Orients die moderne europäische Zivilisation sich etwa ausnimmt, und ich habe dann zum Schlusse darauf hingewiesen, welche von den drei Welten, die da gesehen werden, die dritte ist, nämlich — hinzu zu dieser modernen europäischen Zivilisation und zu dem, was die ältere asiatische Kultur ist — der römische Katholizismus. Wir dürfen an einem solchen Urteil durchaus nicht achtlos vorbeigehen, kein denkender Mensch sollte das tun, denn es handelt sich dabei um etwas, was innerhalb der Zivilisationsströmungen der Gegenwart eine außerordentlich tiefe Bedeutung hat. Wir werden demjenigen, was da eigentlich vorliegt, am nächsten kommen, wenn ich Sie noch einmal erinnere an dasjenige, was ich von einem gewissen Gesichtspunkte über unsere gegenwärtige Zivilisation am letzten Dienstag im öffentlichen Vortrag in Basel ausgeführt habe. Ich möchte es hier, gemäß den Gepflogenheiten, die wir für solche Betrachtungen innerhalb des anthroposophischen Kreises haben, noch einmal kurz erwähnen. In den älteren Kulturen und in derjenigen Zeit, auf die ich gestern als die griechische hingewiesen habe, war durchaus ein volles Bewußtsein davon vorhanden und es wurde überall in diesen alten Kulturen hingewiesen auf dasjenige, was man die Schwelle und den Hüter der Schwelle nennt. Man hat sich vorgestellt, daß man aus den Vorbedingungen der menschlichen Erkenntnis heraus etwas wissen könne über die Welt, über den Menschen, daß man aber unvorbereitet nicht über dasjenige hinausdringen dürfe, was eben die Schwelle genannt worden ist.
[ 1 ] Yesterday I drew your attention to how modern European civilization appears in the judgment of the Orient, and I concluded by pointing out which of the three worlds seen there is the third—namely, alongside this modern European civilization and what constitutes the older Asian culture—Roman Catholicism. We must by no means pass over such a judgment carelessly; no thinking person should do so, for it concerns something that has an extraordinarily profound significance within the currents of contemporary civilization. We will come closest to understanding what is actually at stake here if I remind you once more of what I said from a certain perspective about our present-day civilization last Tuesday in my public lecture in Basel. I would like to briefly mention it again here, in accordance with the customs we have for such reflections within the anthroposophical circle. In the older cultures and in the era I referred to yesterday as the Greek era, there was indeed a full awareness of this, and throughout these ancient cultures reference was made to what is called the threshold and the guardian of the threshold. It was imagined that, based on the prerequisites of human knowledge, one could know something about the world and about human beings; however, one was not permitted to venture beyond what was called the threshold without proper preparation.
[ 2 ] Hinter der Schwelle, also jenseits einer gewissen Erkenntnisgrenze, vermutete man Dinge, welche von der menschlichen Seelenverfassung deshalb in jenen alten Zeiten nicht unvorbereitet aufgenommen werden durften, weil die Menschen fürchteten, wenn sie unvorbereitet in diese Erkenntnisgebiete hineinkämen, sie würden ihr Selbstbewußtsein, den Grad des Selbstbewußtseins, den sie damals gehabt haben, verlieren müssen, sie würden gewissermaßen in einen Zustand seelischer Ohnmacht kommen. Daher wurde eine gewisse Willenszucht, eine gewisse Willenskultur von denjenigen gefordert, welche Schüler der Weisheit, Schüler der Mysterien werden sollten. Durch diese Zucht des Willens wurde das Selbstbewußtsein so gestärkt, daß die Betreffenden die Schwelle überschreiten und an dem Hüter vorbeigehen konnten. Und dann kamen sie in ein Gebiet, welches ihnen sonst, wenn sie in der gewöhnlichen Seelenverfassung hineingekommen wären, eben diese seelische Ohnmacht verursacht hätte, ihnen das Selbstbewußtsein genommen haben würde.
[ 2 ] Beyond the threshold—that is, beyond a certain limit of knowledge—people suspected the existence of things that the human soul in those ancient times could not be allowed to encounter unprepared, because people feared that if they entered these realms of knowledge unprepared, they would have to lose their self-awareness—the degree of self-awareness they possessed at that time—and would, so to speak, fall into a state of spiritual helplessness. Therefore, a certain discipline of the will, a certain cultivation of the will, was required of those who were to become students of wisdom, students of the mysteries. Through this discipline of the will, self-consciousness was strengthened to such an extent that the individuals in question could cross the threshold and pass by the Guardian. And then they entered a realm which, had they entered it in their ordinary state of mind, would have caused them precisely this spiritual helplessness and robbed them of their self-consciousness.
[ 3 ] Nun muß man durchaus darauf hinweisen, daß durch den ganzen Gang der menschheitlichen Entwickelung heute dasjenige allgemeines, populäres Menschenbewußitsein ist, was dazumal in jenen älteren Zeiten hinter der Schwelle vermutet worden ist. Ich habe ja in jenem öffentlichen Vortrag darauf hingewiesen, daß zum Beispiel die Alten in ihren Eingeweihtenschulen die sogenannte heliozentrische Weltanschauung hatten, daß sie die Sonne durchaus in den Mittelpunkt unseres Planetensystems stellten. Aber diese Lehre wurde behütet, und nur einzelne, die gewissermaßen sie nicht behüten wollten, veröffentlichten etwas davon, wie Aristarch von Samos. Man fürchtete eben von solchen Lehren, daß sie so auf die Seele wirkten, daß der Mensch den Boden unter den Füßen verlieren würde. Also gerade dasjenige war es, was man nicht herankommen lassen wollte in jenen alten Zeiten an die unvorbereiteten Menschenseelen, was heute eigentlich jeder Mensch weiß. Denn dasjenige, was in bezug auf die heliozentrische Weltanschauung gesagt werden kann, könnte in bezug auf viele Gebiete gesagt werden, die heute ganz allgemein menschliche Anschauungen sind. Dasjenige, was heute unter dem Einflusse des naturwissenschaftlichen Zeitalters populäre Vorstellung ist, das wurde jenseits der Schwelle vermutet. Daher haben diejenigen konfessionellen Traditionen, welche die Urteile der alten Zeiten zurückbehalten haben, sich immer gewendet gegen das Verbreiten dieser modernen naturwissenschaftlichen Anschauung. Daher der GalileiProzeß, daher die Tatsache, daß es bis zum Jahre 1827 innerhalb der katholischen Gläubigengemeinschaft verboten war, sich zu der Lehre des Kopernikus zu bekennen oder sie zu verbreiten. Man hatte eben ein altes Urteil über diese Dinge beibehalten, und hat natürlich damit nicht den Gang der Menschheitsentwickelung aufhalten können. DieMenschheit ist von einer anderen Seite hereingeschritten in dasjenige Gebiet, das man dort als jenseits der Schwelle bezeichnet hat.
[ 3 ] It must certainly be pointed out that, throughout the entire course of human development, what is today the general, popular human consciousness is precisely what was once, in those earlier times, believed to lie beyond the threshold. I did, in fact, point out in that public lecture that, for example, the ancients in their schools of initiation held the so-called heliocentric worldview—that they placed the Sun squarely at the center of our planetary system. But this teaching was kept secret, and only a few individuals—who, in a sense, did not wish to keep it secret—made anything of it public, such as Aristarchus of Samos. People feared that such teachings would affect the soul in such a way that people would lose their footing. So it was precisely this—which today every person actually knows—that people in those ancient times did not want to allow to reach the unprepared human souls. For what can be said about the heliocentric worldview could also be said about many areas that are now generally accepted human views. What is now a popular conception under the influence of the age of natural science was once merely surmised beyond the threshold. Consequently, those religious traditions that clung to the judgments of ancient times have always opposed the spread of this modern scientific worldview. Hence the trial of Galileo, and hence the fact that, until 1827, it was forbidden within the Catholic community to profess or disseminate the teachings of Copernicus. An old judgment on these matters had simply been upheld, and naturally, this could not halt the course of human development. Humanity has entered from another direction into the very realm that was once described there as lying beyond the threshold.
[ 4 ] Warum konnte die Menschheit in dieses Gebiet hineinschreiten, ohne in seelische Ohnmacht zu verfallen, wie die Alten aus ihrer Seelenverfassung heraus zweifellos verfallen wären? Die Menschheit konnte in dieses Gebiet hineinschreiten, weil sie — Sie ersehen das aus der Darstellung in meinen «Rätseln der Philosophie» — zu einer Art des Selbstbewußtseins gekommen ist durch die besondere Auslebung der Begriffswelt, bei der nicht mehr jene seelische Ohnmacht eintreten kann. Die Menschen können nunmehr, ohne in eine seelische Ohnmacht zu verfallen, sich bekennen zu demjenigen, was nicht nur kopernikanische Weltanschauung ist, sondern was auch Vorstellungen sind, die in derselben Richtung liegen. Also fassen wir das nur einmal ganz präzise ins Auge.
[ 4 ] Why was humanity able to venture into this realm without succumbing to spiritual collapse, as the ancients would undoubtedly have done given their spiritual state? Humanity was able to venture into this realm because—as you can see from the exposition in my *Riddles of Philosophy*—it has arrived at a form of self-consciousness through the specific lived experience of the conceptual world, in which that spiritual helplessness can no longer occur. People can now, without succumbing to a spiritual powerlessness, profess their belief in what is not only the Copernican worldview but also in ideas that point in the same direction. So let us consider this very precisely for a moment.
[ 5 ] Dasjenige, was heute populäre Anschauung ist, das lag für die Alten, das lag im Grunde genommen bis in das 14. Jahrhundert hinein jenseits der Schwelle, wurde als solches jenseits der Schwelle Liegendes angesehen, und den Hüter der Schwelle bezeichnete man als diejenige Macht — sie ist mehr als eine Personifikation, sie ist eine reale Wesenheit —, an der man vorbeischreiten mußte, wenn man in jenes Gebiet hineinkommen wollte, das dasjenige der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung ist. Die modernen Menschen verlieren dabei nicht mehr ihr seelisches Selbstbewußtsein, sie fallen nicht in eine seelische Ohnmacht. Aber sie verlieren doch etwas, nachdem sie in das Gebiet gelangt sind, das die Alten als jenseits der Schwelle liegend betrachtet haben. Die heutigen Menschen haben zwar nicht ihr Selbstbewußtsein verloren, aber sie haben zunächst das Weltbewußtsein verloren. Sie haben ein Wissen von unzähligen Einzelheiten über das sinnliche Dasein aufgenommen, sie haben durch Verstandeskombination sich allerlei Gesetze angeeignet über den Zusammenhang in diesem sinnlichen Dasein, aber sie sind nicht dazu gelangt, dasjenige zu erkennen innerhalb dieses weiten Gebietes der einzelnen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die ja heute durchaus schon populär geworden sind, was der geistige Inhalt, der geistige Hintergrund desjenigen ist, was da den Menschen sinnlich umgibt, und was er in den Begriff der modernen Naturwissenschaft zusammenfaßt. Der Mensch ist gewissermaßen, indem er sich den Entwickelungsphasen der neueren Zeit genähert hat, in das Gebiet jenseits der Schwelle hinübergetreten, ohne ein Bewußtsein davon, daß die Welt überall durchgeistigt ist. Er hat nicht sich selbst zu verlieren gehabt, er hat aber den Geist der Welt zu verlieren gehabt. Und dieser Geist der Welt, der ist verloren worden.
[ 5 ] What is now a popular view was, for the ancients—and, in fact, well into the 14th century—beyond the threshold; it was regarded as something lying beyond the threshold, and the guardian of the threshold was described as that power—it is more than a personification, it is a real entity—that one had to pass by if one wished to enter that realm which is the domain of the modern scientific worldview. Modern people no longer lose their spiritual self-awareness in the process; they do not fall into a state of spiritual powerlessness. But they do lose something once they have entered the realm that the ancients regarded as lying beyond the threshold. Although people today have not lost their self-awareness, they have, for the time being, lost their awareness of the world. They have acquired knowledge of countless details concerning sensory existence, and through intellectual synthesis they have acquired all manner of laws governing the interrelationships within this sensory existence; yet they have not succeeded in recognizing, within this vast realm of individual scientific findings—which have, after all, already become quite widespread today—what constitutes the spiritual content, the spiritual background of that which sensually surrounds human beings, and what they summarize under the concept of modern natural science. In a sense, as human beings have approached the developmental phases of modern times, they have crossed over into the realm beyond the threshold without any awareness that the world is permeated by spirit everywhere. They have not had to lose themselves, but they have had to lose the spirit of the world. And this spirit of the world has been lost.
[ 6 ] Dasjenige Bekenntnis, welches gerade darauf gehalten hat, diese Schwelle nicht zu überschreiten, diesseits dieser Schwelle zu bleiben, hat die Wege in das Gebiet, in dem heute die Menschheit im allgemeinen drinnensteht, so abzuschließen, so zu hemmen versucht, daß es, wie Ihnen bekannt ist, im Jahre 869 auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel, das Geistige als solches aus der Reihe der Kräfte, die der Mensch zu erkennen hat, ausgeschieden hat. Es wurde Dogma, sich nur zu Leib und Seele als Bestandteilen des Menschen zu bekennen und vom Geistigen zu sagen, daß die Seele einige geistige Eigenschaften besitze. Aber es wurde verboten, vom Menschen zu sprechen als bestehend aus Leib, Seele und Geist. Es war also ein Sich-Stemmen gegen das Hereintragen einer geistigen Erkenntnis. Damit hat man bewirkt, daß der Mensch eingetreten ist in das Gebiet jenseits der Schwelle ohne ein Bewußtsein von dem Geistigen der Welt. Der Mensch ist also eingetreten in dieses Gebiet, das von den Alten nur unter Vorbereitung betreten wurde, das in den Mysterien nur denjenigen Schülern überliefert worden ist, die eine strenge Willenszucht durchgemacht hatten. Aber es ist so betreten worden, daß der Mensch zwar nicht sein Selbstbewußtsein, wohl aber das Weltbewußtsein des Geistes verloren hat. Daher handelt es sich heute um dasjenige, was ich oftmals in meinen Schriften als die Schwelle bezeichnet habe, die nun der neuere Mensch kennen muß, die Schwelle, welche überschritten werden muß, indem man über die Grenze der äußeren Sinnesbeobachtung und der Verstandeskombination heraus eintritt in das Gebiet des Geistes, das man finden kann von dem eröffneten Sinnesgebiet aus.
[ 6 ] The creed that was specifically committed to not crossing this threshold—to remaining on this side of it—sought to block the paths leading into the realm in which humanity generally finds itself today, in such a way that, as you know, in the year 869 at the Eighth Ecumenical Council in Constantinople, the spiritual as such was excluded from the range of forces that human beings are to recognize. It became dogma to acknowledge only body and soul as components of the human being and to say of the spiritual that the soul possesses certain spiritual qualities. But it was forbidden to speak of the human being as consisting of body, soul, and spirit. It was, therefore, a resistance to the introduction of spiritual knowledge. This resulted in the human being entering the realm beyond the threshold without any awareness of the spiritual aspect of the world. Humanity has thus entered this realm, which the ancients entered only after preparation, and which in the mysteries was handed down only to those students who had undergone rigorous discipline of the will. But it has been entered in such a way that, while humanity has not lost its self-consciousness, it has lost the world-consciousness of the spirit. Therefore, what is at issue today is what I have often referred to in my writings as the threshold that modern humanity must now recognize—the threshold that must be crossed by stepping beyond the limits of external sensory observation and intellectual reasoning into the realm of the spirit, which can be found from within the realm of the senses once they have been opened.
[ 7 ] Dieses liegt durchaus zugrunde den Darstellungen, die innerhalb der anthroposophischen Geisteswissenschaft gegeben werden, und dieses unterscheidet sich ja auch radikal von alldem, was etwa als theosophische Lehre aufgetreten ist. Die theosophischen Lehren sind durchaus nur Aufwärmungen des Alten. Wenn sie von dem Hüter der Schwelle reden, reden sie genauso, wie die Alten von dem Hüter der Schwelle geredet haben. Lesen Sie nach, wie in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» von dem Hüter der Schwelle gesprochen wird, und Sie werden dort eine ganz moderne Darstellung finden, die unmittelbar aus dem Bewußtsein der Gegenwart heraus geschöpft ist. Wenn diejenigen, die heute anthroposophische Geisteswissenschaft zu beurteilen sich erkühnen, nur auf solche Dinge sehen würden, so würden sie nicht in das Verleumderische hinein verfallen, Anthroposophie zusammenzuwerfen mit demjenigen, was Aufwärmung alter gnostischer Lehren oder ähnliches ist.
[ 7 ] This is indeed the foundation of the teachings presented within anthroposophical spiritual science, and it differs radically from everything that has appeared, for example, as theosophical doctrine. Theosophical teachings are, in essence, merely rehashes of the old. When they speak of the Keeper of the Threshold, they speak in exactly the same way that the ancients spoke of the Keeper of the Threshold. Look up how the Keeper of the Threshold is described in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, and you will find there a thoroughly modern account drawn directly from the consciousness of the present. If those who today presume to judge anthroposophical spiritual science would look only at such things, they would not fall into the trap of slander by lumping anthroposophy together with what amounts to a rehash of old Gnostic teachings or the like.
[ 8 ] Solche Dinge müssen scharf ins Auge gefaßt werden, denn sie zeigen uns zugleich, wie die moderne Zivilisation in ihren tieferen Grundlagen sich entwickelt hat, und man wird dann mit der richtigen Vorbereitung an ein solches Urteil herangehen können wie dasjenige es ist, das ich Ihnen gestern am Schlusse angeführt habe, das dahin geht, vom orientalischen Gesichtspunkte aus innerhalb der zerfallenden modernen Zivilisation den Katholizismus als diejenige Macht anzuerkennen, die wirklich noch Geistiges in sich trägt. Man muß ja durchaus so etwas auf der einen Seite verstehen, aber zugleich auf der anderen Seite die Gefahren durchschauen, die gerade von Bestrebungen herkommen, die mit solchen Anschauungen gekennzeichnet werden. Man muß sich nämlich über folgendes klar sein: Wenn der römische Katholizismus in seiner Totalität heute genommen wird, selbstverständlich nicht so, wie ihn die einzelnen Pfarrer verstehen, die ja gemeiniglich sehr schlecht unterrichtet sind, sondern wenn er in seiner Totalität genommen wird, wenn er so genommen wird, wie er vertreten werden kann als theologisches System, als Inhalt einer umfassenden Weltanschauung, dann ist der Katholizismus ein solches inhaltvolles System einer umfassenden Weltanschauung. Das ist ja das Grandiose der katholischen Lehre, wie sie im Mittelalter als Scholastik auftrat, daß sie ein nach allen Seiten hin geschlossenes und im einzelnen logisch und auch sonst ontologisch durchgearbeitetes Weltanschauungsgebilde ist. Es ist ein Weltanschauungsgebilde, das von alten Zeiten bewahrt hat die Vorstellung vom Vater, vom Sohne, vom Geist, ein Weltanschauungsgebilde, welches also gewisse die Welt umspannende dogmatische Lehren über die Trinität hat, ein Weltanschauungsgebilde, welches in der augustinisch-thomistischen Weltanschauung es dazu gebracht hat, auch eine Anschauung über die soziale Menschenordnung aus sich hervorzubringen. Es ist ein Gebilde, das nach allen Seiten geschlossen ist, und es erfordert vor allen Dingen ein sorgfältiges Studium, um da einzudringen. Man muß, um das katholische System, die katholische Glaubenslehre, wenn man es so nennen will, zu verstehen, in der schärfsten Weise mit Begriffen operieren können, man muß klare und deutliche Begriffsübergänge haben, man muß in einer Weise mit Begriffen operieren können, die moderne Philosophen schon im höchsten Grade unbequem finden, und die insbesondere auch protestantische Theologen unbequem finden. Das ist es, was eigentlich bekannt sein sollte: daß über alles dasjenige, wonach der Mensch eine Sehnsucht hat, mit seiner Erkenntnis einzudringen — wenn es auch nur eine geoffenbarte Erkenntnis, eine Glaubenserkenntnis ist für die höheren Gebiete —, zusammenhängende Lehren im Katholizismus vorhanden sind, daß der Katholizismus niemals in den Irrtum verfallen wird, den ich gestern bezeichnet habe als eine rachitisch gewordene Weltanschauung; denn der Katholizismus hat ein festgefügtes, knochenstarkes Glaubensgebäude, das von den Naturprinzipien ausgeht und sich hinaufarbeitet, das sich von unten aufbaut und zu einer umfassenden Weltanschauung gelangt, die der Mensch dann mit seiner Seele vereinigen kann, wenn auch die höheren Gebiete als die bloß geoffenbarten Wahrheiten anerkannt werden. Was aber der Katholizismus in sich trägt, das ist, daß er im Grunde genommen doch nichts anderes als das letzte Überbleibsel derjenigen alten Weltanschauungen ist, welche ganz darauf gebaut waren, nicht über die Schwelle zu kommen in jenes Gebiet, in dem die moderne Menschheit eigentlich drinnensteht.
[ 8 ] Such matters must be closely examined, for they show us at the same time how modern civilization has developed in its deepest foundations; and with the proper preparation, one will then be able to approach a judgment such as the one I cited to you yesterday at the end—one that, from an Eastern perspective, recognizes Catholicism within the crumbling modern civilization as the power that still truly embodies the spiritual. On the one hand, one must certainly understand such a view, but at the same time, on the other hand, one must see through the dangers that arise precisely from endeavors characterized by such views. One must, in fact, be clear about the following: If Roman Catholicism is considered in its entirety today—not, of course, as understood by individual parish priests, who are generally very poorly educated, but if it is considered in its entirety, if it is considered as it can be presented as a theological system, as the content of a comprehensive worldview— then Catholicism is indeed such a substantive system of a comprehensive worldview. This is, after all, the grandeur of Catholic doctrine, as it emerged in the Middle Ages as Scholasticism: that it is a worldview structure that is coherent in every respect and, in its details, logically and ontologically well-developed. It is a worldview that has preserved from ancient times the concept of the Father, the Son, and the Holy Spirit, a worldview that thus contains certain dogmatic teachings about the Trinity that encompass the entire world, a worldview that, within the Augustinian-Thomistic tradition, has succeeded in developing a conception of the social order of humanity. It is a system that is closed off on all sides, and penetrating it requires, above all, careful study. In order to understand the Catholic system—the Catholic doctrine of faith, if one wishes to call it that—one must be able to handle concepts with the utmost precision; one must have clear and distinct conceptual distinctions; one must be able to handle concepts in a way that modern philosophers already find extremely uncomfortable, and that Protestant theologians in particular also find uncomfortable. This is what should actually be known: that, above all, regarding that which human beings long to penetrate with their understanding—even if it is only revealed knowledge, knowledge of faith, in the higher realms—there are coherent doctrines within Catholicism; that Catholicism will never fall into the error I described yesterday as a worldview that has become stunted; for Catholicism possesses a solidly constructed, rock-solid edifice of faith that proceeds from the principles of nature and works its way upward, building itself up from the bottom and culminating in a comprehensive worldview that a person can then unite with their soul, provided that the higher realms are also recognized as truths that are merely revealed. But what Catholicism carries within itself is that, at its core, it is nothing other than the last remnant of those ancient worldviews that were entirely built on the premise of not crossing the threshold into that realm in which modern humanity actually finds itself.
[ 9 ] Das ist der große Gegensatz zwischen dem Katholizismus und der modernen Zivilisation. Der Katholizismus hat sich in der mannigfaltigsten Weise im Laufe der Zeit durch Konzilien, durch sonstige dogmatische Festsetzungen ausgebaut. Er ist aber doch nur ein Nachklang alter Lehren insoferne, als er dasjenige eben zusammenbringt, was der alte Mensch aufgefaßt hat, ohne vorbereitet zu sein, die Schwelle zu überschreiten. Und so steht der Katholizismus da wie ein architektonisch großartig aufgeführtes Gebäude, das aber aus alten Zeiten herüberragt, in denen noch nicht gerechnet worden ist mit dem, was nun doch hereinkommen muß in die ganze Entwickelung durch die moderne Naturwissenschaft, durch die moderne Begriffswelt und durch dasjenige, was schon hereingekommen ist und was hereinkommen muß durch die sozialen Begriffe, die wir aufnehmen.
[ 9 ] This is the great contrast between Catholicism and modern civilization. Catholicism has developed in the most diverse ways over the course of time through councils and other dogmatic decrees. Yet it is merely an echo of ancient teachings insofar as it brings together precisely what the ancient man had grasped without being prepared to cross the threshold. And so Catholicism stands there like an architecturally magnificent building that nevertheless dates back to ancient times, when no account was yet taken of what must now inevitably enter into the entire course of development through modern natural science, through the modern conceptual world, and through what has already entered and what must yet enter through the social concepts we are adopting.
[ 10 ] Sehen Sie, wenn der Katholizismus die einzige Lehre sein sollte, welche sich über die Menschheit verbreitet, dann könnte die Erde in ihrer Entwickelung auch heute aufhören. Von einem wahren Gesichtspunkte aus gesehen ist es so, daß die menschlichen Seelen dasjenige, was sie durch den Katholizismus als System, durch das dem Katholizismus zugrunde Liegende haben aufnehmen können, sie in ihren bisherigen Lebensläufen bereits aufgenommen haben. Wenn der Katholizismus als einzige allgemeine Lehre dastehen sollte, so könnte ganz gut schon jetzt die Erdenentwickelung ihr Ende erreichen, denn der Katholizismus rechnet nur mit demjenigen, was sozusagen bis zum 14., 15. Jahrhundert der Menschheitsentwickelung eigen war. Dann kamen Zeiten herauf, in die eben die moderne Naturwissenschaft sich hineinstellen mußte, Zeiten, in denen der Mensch, indem er sich äußerlich der Welt hingab, eigentlich nur dasjenige aufnahm, was ihn nicht zum Geistigen führte. Diejenigen Zeiten kamen, wo der Mensch gewissermaßen, indem er gerade den scharfsinnigsten Erkenntnissen sich hingab, in bezug auf die wirkliche Welt doch einem Leichenfelde gegenüberstand. Denn dasjenige, was wir mit unseren naturwissenschaftlichen Begriffen umfassen, ist und bleibt das Tote und bleibt ein Leichenfeld, gleichgültig ob wir unsere physiologischen, anatomischen Erkenntnisse im Seziersaal erwerben, oder ob wir im chemischen Laboratorium experimentieren. Indem wir im Seziersaal uns die physiologischen, anatomischen Kenntnisse verschaffen, verschaffen wir sie uns aus demjenigen Menschenleib, aus dem die Seele heraus ist. Indem wir im chemischen Laboratorium experimentieren, experimentieren wir mit den Kräften der Natur in einer Weise, daß der Geist draußen ist. Wir stehen überall einer Welt gegenüber, die, gegen das Grundlebendige der Welt gehalten, ein Leichenfeld ist. Und das stimmt auch zu den Forderungen, die der modernen Menschheit gestellt sind. Dieser modernen Menschheit ist einmal die Aufgabe gestellt, daß sie um so mehr dem Geiste entfremdet wird, je mehr sie um sich blickt, ja gerade je genauer sie um sich blickt, je mehr sie sich bewaffnet mit dem Teleskop, mit dem Mikroskop, mit dem Röntgenapparat, mit dem Spektroskop und so weiter, je mehr sie in die Umwelt eindringt und sie durch minuziöse Statistik untersuchen will. Unsere moderne Wissenschaft geht durchaus darauf aus, den Menschen nichts vom Geistigen finden zu lassen. Er muß dasjenige, was das Geistige ist, zu dem, was er von außen erringen kann, von innen aus hinzubringen. Er muß eine neue Geisteswissenschaft haben. Er muß gewissermaßen über die Leichenfelder schreiten, die sich ihm nur als Totes zeigen, die ihm in den physischen oder in den geistigen Museen höchstens die Schatten desjenigen zeigen, was einmal als Geist da war. Er muß hindurchschreiten durch diese Schatten und muß in sich die Fähigkeit haben, hinschreitend über das Leichenfeld der modernen Wissenschaft, hineinzutragen in dieses Leichenfeld dasjenige, was eine neue geistige Offenbarung gibt, was eine neue Geisteswissenschaft gibt, was wirklich anthroposophisch aus dem Menschen entspringen kann. Nur dabei kommt der Mensch zu seiner vollen Kraft. Das Selbstbewußtsein kann er nicht verlieren; aber indem er hinschreitet zu demjenigen, was für die Alten jenseits der Schwelle gelegen hat, muß er nicht nur dieses Selbstbewußtsein erhalten, er muß es verstärken durch ein Wissen von der geistigen Welt, das aus diesem Selbstbewußtsein erquellen kann, damit er in der äußeren Sinneswelt die volle Welt, die wahre Wirklichkeit finde.
[ 10 ] You see, if Catholicism were to be the only doctrine to spread throughout humanity, then the Earth’s evolution could come to a halt even today. Viewed from a true perspective, it is the case that human souls have already absorbed in their lives to date whatever they are capable of absorbing through Catholicism as a system and through the principles underlying it. If Catholicism were to stand as the sole universal doctrine, the Earth’s development could very well come to an end even now, for Catholicism takes into account only what was, so to speak, characteristic of human development up to the 14th or 15th century. Then came times into which modern natural science had to step, times in which human beings, by devoting themselves outwardly to the world, actually absorbed only that which did not lead them toward the spiritual. Those times came when human beings, so to speak, by devoting themselves precisely to the most acute insights, nevertheless faced a graveyard in relation to the real world. For what we encompass with our scientific concepts is and remains the dead, and remains a graveyard, regardless of whether we acquire our physiological and anatomical knowledge in the dissection room or whether we conduct experiments in the chemistry laboratory. When we acquire physiological and anatomical knowledge in the dissection room, we derive it from the human body from which the soul has departed. When we conduct experiments in the chemistry laboratory, we experiment with the forces of nature in such a way that the spirit is left out. Everywhere we are confronted with a world that, when held up against the fundamental vitality of the world, is a field of corpses. And this also corresponds to the demands placed upon modern humanity. This modern humanity is faced with the task that the more it looks around itself—indeed, the more closely it looks around itself—the more it arms itself with the telescope, the microscope, the X-ray machine, the spectroscope, and so on, the more it penetrates the environment and seeks to examine it through meticulous statistics—the more it becomes alienated from the spirit. Our modern science is entirely geared toward preventing human beings from discovering anything of the spiritual. They must bring what is spiritual—from within—to what they can attain from the outside. He must have a new spiritual science. He must, so to speak, stride across the fields of corpses that appear to him only as dead matter, which, in physical or spiritual museums, show him at most the shadows of what was once present as spirit. He must pass through these shadows and must possess within himself the ability, as he strides across the graveyard of modern science, to carry into this graveyard that which constitutes a new spiritual revelation, that which constitutes a new spiritual science, that which can truly spring forth from the human being in an anthroposophical way. Only in this way does the human being attain his full power. He cannot lose his self-consciousness; but as he strides toward that which for the ancients lay beyond the threshold, he must not only preserve this self-consciousness, he must strengthen it through a knowledge of the spiritual world that can well up from this self-consciousness, so that he may find in the outer sensory world the full world, the true reality.
[ 11 ] Das ist aber dasjenige, vor dem der Mensch der neueren Zivilisation erst steht. Aber bewußt muß sich die Menschheit werden, daß sie vor dieser Schwelle steht, daß diese Schwelle überschritten werden muß. Bewußt muß sich die Menschheit werden, daß nicht irgendwie angeklagt oder ausgelöscht werden darf dasjenige, was die neuere Erkenntnis gebracht hat, daß man nicht aus Bequemlichkeit abweisen darf dasjenige, was die moderne Naturanschauung liefert, daß man aber hineintragen muß in diese moderne Naturanschauung ein ganz neues Geistwissen; denn dadurch stückelt sich an an das, was in der Erdenentwickelung vorhergegangen ist, dasjenige, was noch kommen muß, damit die Erdenentwickelung an ihr‘Ziel kommen kann. Niemals kann der Katholizismus die Menschen weiterbringen, als wo sie schon sind. Die Menschen sind seit drei bis vier Jahrhunderten in bezug auf äußere Welterkenntnis weitergekommen. Aber die Menschen dürfen so nicht fortschreiten innerhalb der modernen Zivilisation. Sie müssen in diese Zivilisation das geistige Leben hineintragen.
[ 11 ] But this is precisely what people in modern civilization are now facing. Humanity must become consciously aware that it stands at this threshold, and that this threshold must be crossed. Humanity must become aware that what modern knowledge has brought about must not be condemned or erased in any way; that what the modern view of nature provides must not be rejected out of convenience; but that a completely new spiritual knowledge must be incorporated into this modern view of nature; for through this, what must still come—so that Earth’s evolution can reach its goal—will be woven into what has preceded it in Earth’s evolution. Catholicism can never take people further than where they already are. For three to four centuries, people have made progress in terms of their external understanding of the world. But people must not continue to progress in this way within modern civilization. They must bring spiritual life into this civilization.
[ 12 ] Das ist dasjenige, was morgenländisches Urteil heute noch verkennt an der modernen Zivilisation. Morgenländisches Urteil sieht an der modernen Zivilisation nur das Leichenfeld, dasjenige, aus dem hervorgeht, was ich Ihnen gestern in der Kritik vom morgenländischen Gesichtspunkte aus gezeigt habe. Das morgenländische Urteil weiß noch nicht, weil es auch nur kennt dasjenige, was ererbte Gotteslehren sind, daß der Mensch, indem er in der modernen Zivilisation einem Leichenfeld gegenübersteht, gerade dadurch in sich eine Kraft finden kann, um den echt menschlichen, den ganz intim mit dem Menschlichen verbundenen Geist aus sich selber herauszuarbeiten, der wiederum Licht verbreitet über den ganzen Kosmos.
[ 12 ] This is precisely what Eastern judgment still fails to recognize in modern civilization today. Eastern judgment sees in modern civilization only a field of corpses—the very thing that gives rise to what I showed you yesterday in my critique from the Eastern perspective. Oriental judgment does not yet realize—because it knows only what has been handed down as divine teachings—that by facing a field of corpses in modern civilization, human beings can, precisely through this, find within themselves the strength to develop from within the truly human spirit, the spirit intimately connected with the human, which in turn spreads light throughout the entire cosmos.
[ 13 ] Hier ist es, wo sich die Geister scharf scheiden. Wir sehen hin auf dasjenige, was der Katholizismus gebracht hat. Er hat in der neuesten Zeit den Jesuitismus gebracht, nicht den Christismus. Er hat gebracht diejenige dogmatische Anschauung innerhalb des Jesuitismus, welche hindeutet auf den Jesus als einen Imperator, als einen Triumphator, als denjenigen, der im Grunde genommen doch nur, ich möchte sagen, so aus der Seele heraus geistige Eigenschaften enthält, wie die Seele überhaupt — gemäß dem Entscheid des Konzils von Konstantinopel 869 geistige Eigenschaften enthält. Des Christus ist im Grunde genommen das neuere Bewußtsein noch nicht inne geworden. Der Christus als ein überirdisches, übersinnliches Wesen soll von anthroposophischer Geisteswissenschaft erkannt werden, er soll erkannt werden als dasjenige, was sich aus außerirdischen Sphären mit der Erdenentwickelung verbunden hat, weil diese Erdenentwickelung etwas braucht, was eben bisher nicht da war. Im Grunde genommen handelt der Katholizismus noch gar nicht von dem Christus, er handelt nur von dem Jesus. Und die modernen evangelischen Bekenntnisse sind ihm in dieser Beziehung durchaus nachgefolgt. Eine wirkliche Christologie ist noch nicht entstanden außerhalb der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Und diese wirkliche Christologie hängt damit zusammen, daß der Mensch den Geist aus seinem freien geistigen Bewußtsein heraus findet, daß er ihn findet, trotzdem er hinschreitet über ein Leichenfeld mit einer Naturwissenschaft, die ihm überall Geistloses zeigt und zeigen muß. Das sieht das orientalische Bewußtsein nicht. Es sieht noch nicht, daß gerade dadurch der Mensch das Weltbewußstsein verliert in seinem wissenschaftlichen, technischen und sonstigen, in der neueren Zeit auch künstlerischen Verkehr mit der Außenwelt. Dadurch, daß der Mensch dieses Weltbewußtsein verliert, wird er um so mehr aufgefordert, aus seiner inneren Kraft heraus ein solches geistiges Weltbewußtsein zu finden.
[ 13 ] This is where opinions sharply diverge. We look at what Catholicism has brought about. In recent times, it has brought about Jesuitism, not Christianity. It has introduced within Jesuitism that dogmatic view which portrays Jesus as an emperor, as a triumphant figure, as one who, when all is said and done, possesses—I would say—spiritual qualities that arise from the soul, just as the soul itself possesses spiritual qualities—in accordance with the decision of the Council of Constantinople in 869. In essence, modern consciousness has not yet come to realize the Christ. The Christ, as a superterrestrial, supersensible being, is to be recognized by anthroposophical spiritual science; he is to be recognized as that which has connected itself to Earth’s evolution from extraterrestrial spheres, because this Earth evolution requires something that simply did not exist until now. Essentially, Catholicism does not yet deal with the Christ at all; it deals only with Jesus. And the modern Protestant confessions have followed suit in this regard. A true Christology has not yet emerged outside of anthroposophical spiritual science. And this true Christology is connected to the fact that human beings find the Spirit through their free spiritual consciousness—that they find it even as they stride across a field of corpses with a natural science that shows them—and must show them—nothing but the spiritless everywhere. The Eastern consciousness does not see this. It does not yet see that it is precisely through this that human beings lose their world consciousness in their scientific, technical, and other—and in more recent times, artistic—interactions with the external world. Because human beings lose this world consciousness, they are all the more called upon to find such a spiritual world consciousness from within their own inner strength.
[ 14 ] In der Tat, dieses Weltbewußtsein ist da. Es ist im Keime vorhanden. Es strebt aus dem Goetheanismus heraus, aus demjenigen, was angestrebt worden ist um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, es strebt also heraus aus demjenigen, was da gesucht worden ist. Und man kann einen geraden Weg finden, indem man immer weiter und weiter geht, vom Goetheanismus in die moderne Geisteswissenschaft hinein. Nur handelt es sich durchaus darum, daß man fähig werde, den lebendigen Geist zu ergreifen und zu erkennen, wie in der modernen Geisteswissenschaft nicht eine Ideologie gegeben wird, nicht bloß Ideen gegeben werden über den Geist, sondern Ideen gegeben werden, die der Geist selber in die Welt hereinschickt. Das ist dasjenige, was durchschaut werden muß, daß man in den modernen abstrakten Lehren überall nur Ideen hat von irgend etwas, daß aber in der Geisteswissenschaft Ideen gegeben werden, die aus dem Geiste selber hervorquellen, die gewissermaßen eine geistige Uroffenbarung wieder sind, daß also die Welt durch ihren Geist sich selber ausspricht in der Geisteswissenschaft, daß wir wiederum den lebendigen Geist haben.
[ 14 ] Indeed, this world consciousness exists. It is present in embryonic form. It emerges from Goetheanism, from what was sought at the turn of the 18th to the 19th century; it thus emerges from what was sought at that time. And one can find a straight path by going further and further, from Goetheanism into modern spiritual science. The crucial point, however, is to become capable of grasping the living spirit and recognizing that modern spiritual science does not present an ideology, nor does it merely offer ideas about the spirit, but rather presents ideas that the spirit itself sends into the world. This is what must be understood: that in modern abstract doctrines, one has everywhere only ideas about something or other, whereas in spiritual science, ideas are presented that spring from the spirit itself—ideas that are, in a sense, a spiritual revelation anew—so that the world, through its spirit, expresses itself in spiritual science, and we once again have the living spirit.
[ 15 ] Nun aber müssen wir uns durchaus klar sein darüber, daß vieles überwunden werden muß von dem Kleinlichen in unserem gegenwärtigen Zivilisationsleben, wenn wir uns so stellen wollen zu diesen großen Dingen. Die Menschen neigen heute in großen Scharen, auf großen Gebieten, zum Katholizismus hin, und der Katholizismus hat ein innerliches Triumphatorgefühl, indem alle Zeichen dafür sprechen, daß er es vermag, das neue Geistesstreben zunächst totzutreten, daß er es vermag, alles dasjenige auszulöschen, was irgendwie da war als Beginn eines solchen neuen Geistesstrebens, daß er gewissermaßen damit auslöschen kann alles dasjenige, was Neues in der Erdenentwickelung hinzukommen soll zu dem Alten. Dieser Wille des Auslöschens ist durchaus vorhanden.
[ 15 ] But now we must be absolutely clear that much of the pettiness in our present civilization must be overcome if we are to take such a stance toward these great matters. Today, people in large numbers and across vast regions are gravitating toward Catholicism, and Catholicism has an inner sense of triumph, for all signs indicate that it is capable of stifling the new spiritual striving in its infancy, that it is capable of eradicate everything that existed in any form as the beginning of such a new spiritual striving—and that, in a sense, it can thereby eradicate everything new that is meant to be added to the old in the development of the Earth. This will to eradicate is very much present.
[ 16 ] Nun ist aber heraufgezogen in der neueren Zeit innerhalb der Menschengemüter im Grunde genommen ein furchtbarer seelischer Agnostizismus, verbunden eben mit der rachitischen Art, nach Weltanschauung zu streben. Die Menschen wollen ein Bewußtsein in ihre Seele hereinbekommen, daß diese Seele mit einer geistigen Welt in Beziehung steht; aber sie wollen nicht ihren Willen anspornen, sie wollen nicht ihre «Freiheit» verlieren, um an dasjenige heranzukommen, was allerdings eine innere Tätigkeit fordert: das Ergreifen des Geistes durch die Geisteswissenschaft. Sie wollen passiv ihre Seele vereinigen mit dem Geistigen, sie wollen nicht durch die Schwierigkeiten hindurchgehen, durch die man allerdings hindurchgehen muß im aktiven Ergreifen des Geistes. Ich möchte sagen: die faulen Gemüter, die aber doch Ewigkeitssehnsüchte entwickeln, die suchen heute den Weg zurück zu alten Weltanschauungen, weil sie nicht die Kraft in sich fühlen, aktiv den Gott in ihrer Seele aufzunehmen. Die Menschen sind ja heute überall darauf aus, ihre Urteile ganz kurz zu schürzen, überall nur dasjenige zu sehen, was ihnen auf dem Präsentierteller dargeboten wird. Sie wollen sich politische, soziale Urteile aus demjenigen, was offen zutage liegt, verschaffen und sind dann von einem solchen seelischen Egoismus, daß sie gar nicht merken, wenn ihnen von anderer Seite einmal ein Urteil entgegentritt, das auf der breiten Basis eines reicheren Wissens sich aufzubauen versucht. Das ist gerade dasjenige, was heute so schmerzlich berührt in unserer dekadenten Zivilisation, daß die Menschen so leicht sich schürzen mit ihren Urteilen. Ich möchte, um das zu erhärten, Ihnen ein Beispiel vorführen, das weit abliegt von den Betrachtungen, die wir eben gepflogen haben. Sehen Sie, hier wurde ja vieles zusammengertragen, nicht um dogmatische Anschauungen zu verbreiten über die letzten katastrophalen Jahre der modernen Zivilisation, sondern um eben die Grundlage zum selbständigen Urteilen abzugeben. Es wurde immer versucht, diese Urteile in eine möglichst weitherzige, aber damit auch wahre Richtung zu bringen.
[ 16 ] In recent times, however, a truly dreadful form of spiritual agnosticism has taken hold in people’s minds, linked precisely to this stunted way of striving for a worldview. People want to instill in their souls the awareness that the soul is connected to a spiritual world; but they do not want to spur on their will; they do not want to lose their “freedom” in order to attain that which does indeed require inner activity: the grasping of the spirit through spiritual science. They want to passively unite their souls with the spiritual; they do not want to go through the difficulties that one must indeed go through in actively grasping the spirit. I would like to say: those lazy minds, who nevertheless develop a longing for eternity, are today seeking a way back to old worldviews because they do not feel the strength within themselves to actively receive God into their souls. People today are, after all, everywhere intent on making their judgments as brief as possible, seeing only what is presented to them on a silver platter. They want to form political and social judgments based solely on what is openly visible, and are so consumed by this kind of spiritual selfishness that they do not even notice when a judgment from another perspective confronts them—one that seeks to build upon the broad foundation of a richer body of knowledge. This is precisely what is so painfully striking in our decadent civilization today—that people are so quick to rush to judgment. To illustrate this point, I’d like to present an example that lies far removed from the considerations we’ve just been discussing. You see, much has been gathered here—not to propagate dogmatic views about the recent catastrophic years of modern civilization, but precisely to provide the foundation for independent judgment. The aim has always been to steer these judgments in a direction that is as broad-minded as possible, yet at the same time true.
[ 17 ] Nun, wie viele Menschen sind heute zufrieden, wenn sie nur ein paar Urteile oder das oder jenes haben, was ihnen der allgemeine Journalismus bietet. Da ergehen sich zum Beispiel die Menschen über die Entstehung dieser Kriegskatastrophe, die in den letzten Jahren so viele Menschenleben gefordert hat, da hören sie die Staatsmänner reden und dergleichen, und sie nehmen diese Dinge hin, weil erstorben ist — innerhalb des allgemeinen Leichenfeldes der modernen Weltanschauung können eben solche Dinge ersterben — das Gefühl dafür, daß an einer bestimmten Stelle stärker die Wahrheit zutage tritt als an einer anderen Stelle, daß man unterscheiden muß zwischen der einen und der anderen Stelle. Denn sehen Sie, für die Beurteilung der europäischen Lage scheint mir wichtiger als manches, was sich die Leute in der neueren Zeit haben aufbinden lassen, zum Beispiel das Folgende, das jetzt herausgekommen ist dadurch — an diesem Ort ist das Urteil längst in diese Richtung gebracht worden, und Dinge, wie sie jetzt herausgekommen sind, sind ja nur neuerliche Belege dafür —, daß unter anderen auch der im Jahre 1914 am russischen Hof befindliche französische Botschafter Paleologue mit einer wirklich senilen Art von Geschwätzigkeit seine Memoiren geschrieben hat. Sie schreiben ja alle Memoiren, nur ist einer ein wenig verlogener, der andere ein wenig geschwätziger; und dieser französische Botschafter hat mit einer großen Geschwätzigkeit berichtet, was er in Petersburg erlebt hat. Da wurden ja bei der Anwesenheit des Präsidenten der französischen Republik, Poincare, großartige Feste gefeiert. Am Vorabende eines solchen Festes sprachen mit dem französischen Botschafter die beiden dämonischen Menschen, Anastasia und Militza, die Töchter des Königs Nikita von Montenegro. Diese beiden Unheilsfrauen haben dazumal ihr Herz dem französischen Botschafter ausgeleert. Es war am 22. Juli 1914. Der französische Botschafter teilt wörtlich mit, was sie ihm gesagt haben: «Wissen Sie, daß wir historische, ja heilige Tage durchleben? ... Morgen, während der Truppenschau, werden die Militärkapellen nur die «Marche Lorraine und «Sambre et Meuse» spielen. Ich habe heute von meinem Vater ein Telegramm in der vereinbarten Fassung erhalten. Er meldet mir, daß der Krieg noch vor Schluß dieses Monats ausbrechen wird... Ach, was ist mein Vater für ein Held!» ... «Von Österreich wird nichts mehr übrig bleiben... Sie werden sich Elsaß und Lothringen zurücknehmen... Unsere Armeen werden sich in Berlin vereinigen...»
[ 17 ] Well, how many people today are satisfied with just a few opinions or this or that which mainstream journalism offers them? For example, people revel in discussions about the origins of this war catastrophe, which has claimed so many lives in recent years, they listen to statesmen speak and the like, and they accept these things because it has died out—within the general graveyard of the modern worldview, such things can indeed die out—the sense that the truth comes to light more strongly in one particular place than in another, that one must distinguish between one place and another. For you see, when it comes to assessing the European situation, the following—which has now come to light—seems to me more important than many of the things people have been led to believe in recent times: in this very place, the judgment has long since been reached in this direction, and the facts that have now come to light are merely further evidence of this—that, among others, the French ambassador Paleologue, who was at the Russian court in 1914, wrote his memoirs with a truly senile kind of verbosity. They all write memoirs, of course; it’s just that one is a little more dishonest, the other a little more talkative; and this French ambassador reported with great verbosity on what he experienced in St. Petersburg. There, magnificent celebrations were held in the presence of the President of the French Republic, Poincaré. On the eve of one such celebration, the two demonic women, Anastasia and Militza—the daughters of King Nikita of Montenegro—spoke with the French ambassador. These two women of ill omen poured out their hearts to the French ambassador at that time. It was July 22, 1914. The French ambassador reports verbatim what they told him: “Do you realize that we are living through historic, indeed sacred, days? ... Tomorrow, during the military review, the military bands will play only the ‘Marche Lorraine’ and ‘Sambre et Meuse.’ Today I received a telegram from my father in the agreed-upon wording. He informs me that war will break out before the end of this month... Oh, what a hero my father is!” ... “Nothing will remain of Austria... They will reclaim Alsace and Lorraine... Our armies will unite in Berlin...”
[ 18 ] Auf solche Dinge muß auch hingeschaut werden, wenn. man die Situation der Gegenwart beurteilen will. Da gibt es keine Ausrede, daß man ja solche Dinge nicht gewußt habe, insbesondere keine Ausrede unter denen, vor denen gearbeitet worden ist nicht auf ein dogmatisches Urteil hin, sondern so, daß die Grundlagen geschaffen worden sind, um ein Urteil zu bilden. Aber ich will ja das nur als ein Beispiel anführen dafür. Sie können in den Memoiren von Paléologue noch manche andere interessante 'Tatsache finden, denn der schwätzt eben mit einer gewissen Senilität tatsächlich das Merkwürdigste aus. Es wird das von mir nicht angeführt jetzt, um über die Ursachen des Krieges etwa zu sprechen, sondern es wird angeführt für dasjenige, was der modernen Menschheit so nötig ist, sich anzueignen. Man hört so vieles in der Welt. Man muß sich ein Gefühl aneignen dafür: da ist etwas von der Wahrheit zu finden, dort ist nichts von der Wahrheit zu finden. Die Welt äußert sich nicht so, daß man zufrieden sein kann mit einem leichtgeschürzten Urteile. Die Welt äußert sich so, daß man ein Gefühl dafür haben muß, an welchem Orte die eigentliche Wahrheit zu finden ist. Die äußere Sinneswelt ist durchaus eine Maja, und sie ist sogar soweit eine Maja, daß auch im Gebiete des Moralisch-Ethisch-Politischen unter Umständen wichtiger sein können als die Urteile der Gesandten und Minister die Urteile von zwei solchen Unheilsfrauen, wie die Anastasia und die Militza es gewesen sind. Denn schließlich ist dasjenige, was die Minister im Jahre 1914 vorausgesagt haben, nicht eingetroffen; aber wenn die Anastasia und die Militza sagten: Vor Ende des Monats haben wir einen Krieg, welch ein Held, unser Vater! Von Österreich wird nichts übrig bleiben; Sie werden Elsaß-Lothringen wieder nehmen —, dann waren diese dämonischen Weiber durchaus Prophetinnen, denn, was die gesagt haben, ist eingetroffen, und nicht, was die Minister oder Generäle gesagt haben. Die Welt ist durchaus ein kompliziertes Gebilde, und nur derjenige begreift, wie kompliziert es ist, was uns als Welt entgegentritt, was uns da zunächst als Maja vorliegt, der einen guten Willen hat zur Wahrheit, zur Wahrheitserforschung. In den Wissenschaften haben wir gelernt, auf die Wahrheit nur oberflächlich hinzuschauen. Das hat sich aber in bitterer Weise hineingetragen in das ganze moderne Leben. Das ist etwas, was durchaus gerade auf unserem Boden gründlich berücksichtigt werden muß. Denn wenn wir uns nicht aufraffen zum Aufwachen über dem Sumpfe von Urteilen, in dem die Menschheit sich heute befindet, so können wir solche über alles Kleinliche hinausgehende Gesichtspunkte, wie sie notwendig sind, um den modernen Hüter der Schwelle von dem antiken Hüter der Schwelle zu unterscheiden, um zu wissen, was der Menschheit wirklich frommt, nicht finden. Wir müssen uns klar sein darüber, daß die in sich trägen Gemüter, die aber eine lebendige Sehnsucht nach dem Ewigen haben, und die außerdem egoistische Seelen sind, in großen Scharen dort hinlaufen möchten, wo etwas Altbewahrtes ist, und daß sie es vermeiden, ihre Seele aufzuraffen, um mitzuarbeiten an der Aufnahme des göttlichen Geistes in den unmittelbaren Willen des Menschen. Es ist heute die schwere Entscheidungsstunde, in der sich zeigen muß, ob innerhalb der modernen Zivilisation die Kraft vorhanden ist, auf dem Leichenfelde des modernen Naturerkennens den Geist zu finden. Wenn das sein kann, dann mögen noch so viele in ihrer Passivität das Ewige bei dem schon Bestehenden suchen, und es mögen noch so viele orientalische Kritiken kommen, sie werden nur dasjenige treffen, was dekadent ist in der europäischen Zivilisation, nicht aber dasjenige, was in ihr fruchtbar ist, was werdend ist, woran aber allerdings gearbeitet werden muß.
[ 18 ] One must also take such things into account when assessing the current situation. There is no excuse for claiming that one was unaware of such things—especially no excuse among those who have been working not toward a dogmatic judgment, but rather to lay the groundwork for forming a judgment. But I am only citing this as an example. You can find many other interesting “facts” in Paléologue’s memoirs, for in his senile ramblings he actually reveals the most remarkable things. I am not citing this now to discuss the causes of the war, for example, but rather to highlight what modern humanity so desperately needs to internalize. One hears so much in the world. One must develop a sense for it: here there is some truth to be found, there is none. The world does not reveal itself in such a way that one can be satisfied with a hastily formed judgment. The world reveals itself in such a way that one must have a sense of where the actual truth is to be found. The external sensory world is entirely an illusion, and it is an illusion to such an extent that, even in the realm of morality, ethics, and politics, the judgments of two such harbingers of doom as Anastasia and Militza may, under certain circumstances, be more important than the judgments of ambassadors and ministers. After all, what the ministers predicted in 1914 did not come to pass; but when Anastasia and Militza said, “Before the end of the month we will have a war—what a hero, our father! “Nothing will remain of Austria; they will take Alsace-Lorraine back”—then these demonic women were indeed prophetesses, for what they said came to pass, and not what the ministers or generals said. The world is indeed a complex entity, and only those who have a genuine desire for truth and for the pursuit of truth can grasp just how complex the world that confronts us is—what initially presents itself to us as Maya. In the sciences, we have learned to look at the truth only superficially. But this has carried over in a bitter way into modern life as a whole. This is something that must be thoroughly taken into account, especially in our own context. For if we do not rouse ourselves to awaken from the quagmire of judgments in which humanity finds itself today, we will not be able to find those perspectives that transcend all triviality—perspectives that are necessary to distinguish the modern Guardian of the Threshold from the ancient Guardian of the Threshold, and to know what truly benefits humanity. We must be clear that those minds which are sluggish in themselves, yet possess a living longing for the eternal, and which are, moreover, selfish souls, would like to flock in great numbers to wherever something traditional is preserved, and that they avoid rousing their souls to cooperate in the reception of the divine spirit into the immediate will of the human being. Today is the moment of grave decision, in which it must become clear whether modern civilization possesses the strength to find the Spirit amidst the ruins of modern scientific understanding. If this is possible, then no matter how many people, in their passivity, seek the eternal in what already exists, and no matter how many Eastern critiques may come, they will strike only at what is decadent in European civilization, but not at what is fruitful within it, what is coming into being—though this, of course, requires work.
[ 19 ] Die Entscheidung ist um so bedeutungsvoller, als ja die alte orientalische Kultur noch Geistigkeit hat, und sie tatsächlich eine ihr verwandte Geistigkeit findet im römischen Katholizismus. Wenn die moderne Zivilisation nicht zur Geistigkeit kommt, dann werden Orientalismus und Römertum unbedingt die Welt überschwemmen. Wenn die moderne Zivilisation aus sich heraus zur Geistigkeit kommen will, so werden sie nichts wider diese Geistigkeit vermögen, denn diese Geistigkeit entspricht einmal den letzten Entwickelungsstadien unserer Erdenentfaltung. Aber die große Entscheidungsstunde ist da. Nur derjenige weiß, was heute vorgeht, der das Wesentliche in dieser Entscheidungsstunde sieht, und der entschlossen ist, diese Dinge wirklich im allertiefsten Ernste zu nehmen.
[ 19 ] This decision is all the more significant because ancient Eastern culture still possesses spirituality, and indeed finds a kindred spirituality in Roman Catholicism. If modern civilization does not attain spirituality, then Orientalism and Roman culture will inevitably flood the world. If modern civilization seeks to attain spirituality from within itself, then Orientalism and Romanism will be powerless against this spirituality, for this spirituality corresponds to the final stages of our earthly evolution. But the great moment of decision has arrived. Only those who see what is essential in this moment of decision—and who are determined to take these matters with the deepest possible seriousness—truly understand what is happening today.
[ 20] Dazu ist allerdings notwendig, daß die Menschen sich aneignen ein gründliches, tiefes, ernstes Wahrheitsgefühl. Anthroposophische Geisteswissenschaft verkennt nicht dasjenige, was an Geistesinhalt in den alten Strömungen lebt. Anthroposophische Geisteswissenschaft kennt die Gefahr, die darinnen besteht, daß orientalisches Chinesentum sich europäischem Chinesentum verwandt findet, und daher verstehen wir, wie gerade auch Intellektuelle in Scharen hinlaufen zu dem europäischen Chinesentum, denn da finden sie, wenn sie nur passiv bleiben wollen, dasjenige, was sie als Ewiges mit ihrer Seele vereinen können. Sie finden es eben nur auf luziferische Weise, indem sie zurückbleiben in denjenigen Epochen der Erdenentwickelung, die eigentlich vergangene sind. Es würde die Erde um ihre Entwickelung gebracht, wenn das geschehen würde. Man braucht durchaus nicht blind zu sein gegen die Größe der katholischen Glaubenslehre; aber gerade wenn man nicht blind ist, sondern wenn man sie anerkennt, dann erkennt man auch ihren Zusammenhang mit demjenigen, was die Menschenseelen bereits durchgemacht haben, und man erkennt die Notwendigkeit, daß ein Neues hereindringe. Die Frage kann aber entstehen: Wie kommt es denn, daß das viel ehrlichere orientalische Geistesstreben, das aus alten Zeiten herübergekommen ist, noch gar nichts sieht von demjenigen, was aus der ganz modernen europäischen Zivilisation heraufdringt, sich heraufarbeitet, und was eigentlich in seiner Geistverwandtschaft von dem Orientalen durchschaut werden könnte?
[ 20] For this, however, it is necessary that people develop a thorough, deep, and sincere sense of truth. Anthroposophical spiritual science does not fail to recognize the spiritual content that lives on in the ancient traditions. Anthroposophical spiritual science recognizes the danger that lies in the fact that Eastern “Chineseness” finds kinship with European “Chineseness,” and therefore we understand how intellectuals, in particular, flock to European “Chineseness,” for there they find—if they wish to remain passive—that which they can unite with their soul as something eternal. They find it, however, only in a Luciferic way, by remaining stuck in those epochs of Earth’s evolution that are actually past. If that were to happen, the Earth would be deprived of its evolution. One need not at all be blind to the greatness of Catholic doctrine; but precisely when one is not blind—when one acknowledges it—one also recognizes its connection to what human souls have already gone through, and one recognizes the necessity for something new to emerge. The question may arise, however: How is it that the far more sincere Eastern spiritual striving, which has come down from ancient times, still perceives nothing of what is emerging from and working its way up out of entirely modern European civilization—and which, in its spiritual kinship, could actually be understood by the Eastern mind?
[ 21 ] Ja, die Menschen hängen, auch wenn sie Orientalen sind, doch eben an demjenigen, was ihnen äußerlich entgegentritt. Und was tritt äußerlich den Leuten entgegen? Gewiß, anthroposophische Geisteswissenschaft wird immer bekannter und bekannter; aber sehen Sie auch, wie man an zahlreichen Stellen eben sattsam dafür gesorgt findet, wie anthroposophische Geisteswissenschaft bekannt wird! Das ist ein Kapitel, über das immer wieder und wiederum gesprochen werden muß, denn für diejenigen, die sich überhaupt bekennen wollen zu dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft, ist es durchaus notwendig, daß dies bekannt werde.
[ 21 ] Yes, people—even if they are from the East—are still attached to whatever they encounter externally. And what do people encounter externally? Certainly, anthroposophical spiritual science is becoming more and more well-known; but do you also see how, in numerous places, ample care has been taken to ensure that anthroposophical spiritual science becomes known! This is a topic that must be discussed again and again, for it is absolutely necessary—for those who wish to profess their commitment to this anthroposophical spiritual science—that it become known.
[ 2 ] Hier haben Sie zum Beispiel ein Blatt, Evangelisches Missionsmagazin, herausgegeben von Fr. Wirz, neue Folge, 65. Jahrgang, Februar 1921, Basel, Verlag der Basler Missionsbuchhandlung. Hier steht die Besprechung eines Buches von D.L. J. Frohnmeyer, «Die theosophische Bewegung, ihre Geschichte, Darstellung und Beurteilung», aus der klar hervorgeht, daß dieses Buch hinaufgehoben werden soll innerhalb der christlich-evangelischen Glaubensgemeinschaft zu einem tonangebenden Katechismus über dasjenige, was Anthroposophie ist. Es wird dieses Büchelchen von Frohnmeyer geradezu als dasjenige hingestellt, was mit großer Gewissenhaftigkeit der Menschheit enthüllt, was die anthroposophische Bewegung enthält, das heißt, es wird das Urteil verbreitet: Willman wissen, was Anthroposophie ist, so lese man den Frohnmeyer.Die Leute wissen, wie man es macht. Die stellen einen Katechismus hin, aus dem sich ihre Gläubigen unterrichten können. Und gleich angefügt ist eine Besprechung des Buches: «Die Hetze gegen das Goetheanum», in der unter anderem recht schön gesagt wird, unerfreulich sei diese Entgegnung, diese Hetze, weil auch die Entgegnungen von anthroposophischer Seite nicht vorbildlich seien. Dr. Steiner gerate auf diese Weise in eine Unwahrheit wider besseres Wissen.
[ 2 ] Here, for example, is a publication, *Evangelisches Missionsmagazin*, edited by Fr. Wirz, new series, Vol. 65, February 1921, Basel, published by the Basler Missionsbuchhandlung. It contains a review of a book by D.L.J. Frohnmeyer, *The Theosophical Movement: Its History, Description, and Evaluation*, from which it is clear that this book is to be elevated within the Christian-Evangelical community to the status of a leading catechism on what anthroposophy is. This little book by Frohnmeyer is presented as the very work that, with great conscientiousness, reveals to humanity the essence of the anthroposophical movement; in other words, the message being spread is: “If you want to know what anthroposophy is, read Frohnmeyer.” These people know how to do it. They present a catechism from which their followers can learn. And immediately appended to it is a review of the book *The Smear Campaign Against the Goetheanum*, in which, among other things, it is quite eloquently stated that this rebuttal—this smear campaign—is regrettable because the responses from the anthroposophical side are not exemplary either. In this way, Dr. Steiner is led, against his better judgment, to tell an untruth.
[ 23 ] Nun habe ich nachgeschaut auf Seite 20 des Büchelchens: «Die Hetze gegen das Goetheanum», ob da irgend etwas steht, was in dieser Richtung charakterisiert werden könnte. Da steht aber: «Dr. Boos hat, um den Fehdehandschuh aufzunehmen, geschrieben: das ist eine wissentliche Unwahrheit. Es ist selbstverständlich eine wissentliche Unwahrheit, denn man muß wissen, daß man die Akasha-Chronik in keinem Bücherschrank finden kann, weil man sie nicht als physisches Dokument haben kann. Sie existiert nicht als solches.»
[ 23 ] I then looked on page 20 of the little book, *Die Hetze gegen das Goetheanum* (*The Smear Campaign Against the Goetheanum*), to see if there was anything there that could be characterized in this way. But it says: “Dr. Boos, in order to take up the gauntlet, wrote: ‘That is a deliberate falsehood.’ It is, of course, a deliberate falsehood, for one must know that the Akashic Records cannot be found on any bookshelf, because they cannot exist as a physical document. They do not exist as such.”
[ 24 ] Hier ist keine Definition enthalten, hier ist nichts enthalten, was etwa gegen die «Definition» verstoßen würde, daß das eine Unwahrheit wider besseres Wissen ist; denn derjenige, der von der Akasha-Chronik als von einem physischen Dokument schreibt, der muß wissen, daß er sie ja in seiner Bibliothek nicht haben kann, so wie man die Upanishaden oder die Bhagavad-Gita in seinem Bücherschrank stehen hat.
[ 24 ] There is no definition here; there is nothing here that would, for example, violate the “definition” that this is a falsehood told against one’s better judgment; for anyone who writes about the Akashic Records as if they were a physical document must know that they cannot have them in their library, just as one does not have the Upanishads or the Bhagavad-Gita on one’s bookshelf.
[ 25 ] Es wird ja geradezu nachgewiesen, daß das wider besseres Wissen gesagt sein muß, und dann schreibt der Rezensent, daß ich eine «Definition» gegeben habe! Es steht auf der ganzen Seite keine Definition, sondern es ist gerade nachgewiesen, daß dieser Kully wider besseres Wissen behauptet habe, die Akasha-Chronik sei ein physisches Dokument. Trotzdem wird hier gesagt, ich hätte definiert wissentliche Unwahrheit — wider besseres Wissen! Natürlich ist es außerdem noch eine scheußliche Anschauung, die Heinzelmann vertritt, denn dahinter kann sich jeder mit allem verschanzen, indem er nachher behauptet, er hätte es nicht wider besseres Wissen gesagt, sondern er hätte es eben geglaubt. Daß das überhaupt möglich ist, das ist wieder eine andere Frage, die unseren ganzen dekadenten oberflächlichen und bequemen Wissenschaftsbetrieb betrifft. Aber das andere, was hier gesagt wird, das ist wiederum eine wissentliche Unwahrheit, denn dasjenige, was hier geschrieben ist, kann man nur schreiben wider besseres Wissen. Es steht keine Definition auf Seite 20, es ist darauf hingewiesen, daß da wider besseres Wissen etwas behauptet worden ist. Es ist also hier wiederum eine Unwahrheit gesagt wider besseres Wissen von demselben Menschen, der da oben sagt: «Gewiß finden sich auch irrtümliche Angaben über Anthroposophie in der Frohnmeyerschen Schrift.»
[ 25 ] It is, in fact, clearly demonstrated that this must have been said against one’s better judgment, and yet the reviewer writes that I have provided a “definition”! There is no definition on the entire page; rather, it has just been demonstrated that this Kully claimed, against his better judgment, that the Akashic Records are a physical document. Nevertheless, it is claimed here that I have defined a deliberate falsehood—against better judgment! Of course, the view that Heinzelmann advocates is also a hideous one, because anyone can hide behind it by later claiming that they did not say it against better judgment, but simply believed it. Whether that is even possible at all is yet another question that concerns our entire decadent, superficial, and complacent scientific establishment. But the other thing stated here is, in turn, a deliberate falsehood, for what is written here can only be written against one’s better judgment. There is no definition on page 20; it is pointed out that something was asserted there against one’s better judgment. So here, once again, a falsehood has been stated against one’s better judgment by the very same person who says above: “Certainly, there are also erroneous statements about anthroposophy in Frohnmeyer’s work.”
[ 26 ] Weil man den Leuten die Sache vorgehalten hat, können sie jetzt nicht mehr diese Verlogenheit verbreiten, aber sie beginnen nun sie zu entschuldigen, indem sie sagen, daß ja der Pfarrer Frohnmeyer diese Behauptung von einem anderen Pfarrer übernommen hätte, der durchaus für wahrhaftig gilt. — Nun, wie wahrhaftig er ist, das zeigt sich daran, daß dieser andere wahrscheinlich die Sache gesehen hat und dennoch diese Behauptung getan hat. So gehen die Leute mit der Wahrheit um. Und diejenigen, die so mit der Wahrheit umgehen, nennen sich Träger der Theologie, sind die Lehrer unserer Jugend! Mir ist es hier nie darum zu tun gewesen, gegen Frohnmeyer oder Heinzelmann oder dergleichen irgend etwas zu sagen, weil sie die Anthroposophie angegriffen haben; mir handelt es sich darum, daß Menschen, die so mit der Wahrheit umgeben, die einen solchen Begriff von der Wissenschaftlichkeit haben, die Zerstörer der jugendlichen Gemüter sind, mir handelt es sich . darum, zu zeigen, wohin unsere Wissenschaft gekommen ist, ganz abgesehen davon, welche Angriffe gegen Anthroposophie gemacht werden. Die sind mir ganz gleichgültig, weil ich ja zu gut weiß, daß ein solcher Satz eine andere Bedeutung hat als diejenige, die dieser Heinzelmann mir beilegt. Da wird gesagt, daß der Pfarrer Frohnmeyer dem jetzigen Mittelpunkt der Anthroposophie räumlich nahe stehe und sich in die Schriften nach Möglichkeit gründlich eingelesen habe. — Daß diese Möglichkeit eben keine große ist, das weiß ich so genau, daß ich gegen das, was der Pfarrer Frohnmeyer gegen die Anthroposophie sagt, im Grunde genommen gar nichts Besonderes einzuwenden habe. Denn alle diese Leute, die können die Sache nicht verstehen. Die Hauptsache ist, daß man sich gegen den Geist, der hier in die Wissenschaftlichkeit hineingekommen ist, ganz entschieden auflehnen muß. Das ist es, worauf es ankommt, denn es ist der Geist der Unwahrhaftigkeit, es ist der Geist, der diese Unwahrhaftigkeit hinter allen möglichen Mäntelchen verbirgt. Und das ist dasjenige, was nicht oft und nicht scharf genug hervorgehoben werden kann: Solange an den Universitäten in dieser Weise mit der Wahrheit umgegangen wird, so lange können wir nicht über dasjenige hinauskommen, in dem wir so tief drinnen stecken, denn diese Leute sind es, die systematisch das Urteil formen. Wenn von den autoritativen Seiten aus die Frohnmeyerische Schrift wie ein Katechismus ausgegeben wird, und wenn diese Dinge gelesen werden im Oriente, dann liest selbstverständlich der Orientale zunächst aus der Darstellung der Theosophie all das Gewäsche, welches nur eine Verwässerung desjenigen ist, was er in seinem Orientalismus selbstverständlich viel besser kennt, und er findet als ein Kapitel innerhalb dieser europäischen Verwaschung der orientalischen theosophischen Lehre die Anthroposophie eingereiht nach den Begriffen von Heinzelmanns und Frohnmeyers und er kann sich natürlich daraus keine Vorstellung machen, was da eigentlich gewollt ist. Denn es wird ihm eingetrichtert, daß es sich um Aufwärmung alter gnostischer Lehren und so weiter handle. Kurz, es wird dem Orientalen ein Bild beigebracht, das ihm durchaus keine Vorstellung geben kann, wie man aus der ganz modernen europäischen Zivilisation wiederum eine Geistanschauung finden kann. Kein Wunder also, daß auch derjenige, der fähig wäre im Oriente, solche Dinge zu sehen, sie im falschen Lichte sehen muß.
[ 26 ] Because people have been confronted with the facts, they can no longer spread this falsehood, but they are now beginning to make excuses for it by saying that Pastor Frohnmeyer had, in fact, taken this claim from another pastor who is widely regarded as truthful. — Well, just how true it is can be seen from the fact that this other pastor probably witnessed the incident himself and yet still made this claim. That is how people handle the truth. And those who handle the truth in this way call themselves bearers of theology—they are the teachers of our youth! My concern here has never been to say anything against Frohnmeyer or Heinzelmann or the like because they have attacked anthroposophy; my concern is that people who handle the truth in this way, who have such a concept of scientific rigor, are the destroyers of young minds; my concern is to show where our science has ended up, quite apart from whatever attacks are made against anthroposophy. I am completely indifferent to them, because I know all too well that such a statement has a different meaning than the one this Heinzelmann attributes to me. It is said that Pastor Frohnmeyer is geographically close to the current center of anthroposophy and has, as far as possible, thoroughly familiarized himself with the writings. — I know so well that this possibility is not a great one that, fundamentally speaking, I have nothing in particular to object to regarding what Pastor Frohnmeyer says against anthroposophy. For all these people—they simply cannot understand the matter. The main thing is that one must resolutely rebel against the spirit that has crept into scholarship here. That is what matters, for it is the spirit of untruthfulness; it is the spirit that conceals this untruthfulness behind all manner of disguises. And this is what cannot be emphasized often enough or strongly enough: As long as the truth is treated in this way at the universities, we cannot move beyond the situation in which we are so deeply mired, for it is these people who systematically shape public opinion. When Frohnmeyer’s work is issued by authoritative sources as if it were a catechism, and when these things are read in the East, then, of course, the Eastern reader first reads in the presentation of theosophy all that drivel, which is merely a watered-down version of what he, in his Orientalism, naturally knows much better, and he finds anthroposophy classified as a chapter within this European watering-down of Eastern theosophical teaching, according to the concepts of Heinzelmann and Frohnmeyer—and naturally he cannot form any conception of what is actually intended there. For it is drummed into him that this is merely a rehash of old Gnostic teachings and so on. In short, the Oriental is taught a picture that can give him absolutely no idea of how one can, from within modern European civilization itself, arrive once again at a spiritual worldview. No wonder, then, that even someone in the East who would be capable of seeing such things must view them in a false light.
[ 27 ] Das ist es, was doch wieder und immer wiederum unter unsgesagt werden muß, weil es ganz scharf und intensiv in das moderne Bewußtsein hineingehen muß; und auch die Frage muß eigentlich berührt werden, warum denn ein solcher Wust von Unwahrheit über die Anthroposophie ausgeladen wird? Ja, weildieHerren sich gestört fühlen! Denken Sie doch nur, wenninderFrohnmeyerischen Weise vor derGläubigenschaft gelehrt und gearbeitet wird, dann rechnet man selbstverständlich damit, daß nicht nachgerechnet wird, daß nicht nachgeschaut wird. So kann man nur schreiben, wenn man eine urteilslose Menge vor sich hat, die auf blindes Autoritätsgefühl und auf blinden Glauben wie eine Herde nachfolgt demjenigen, was ja von höheren Mächten über sie eingesetzt ist. Das ist den Herrschaften unangenehm, daß herangezogen werden soll innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft eine Menge von Menschen, die urteilsfähig werden über diese Dinge, die nachsehen in diesen Dingen.
[ 27 ] This is what must be stated among us again and again, because it must penetrate modern consciousness with great clarity and intensity; and the question must also be addressed: Why is such a deluge of falsehoods being unleashed against anthroposophy? Yes, because these gentlemen feel threatened! Just think: when teaching and working in the Frohnmeyerian manner before the faithful, one naturally expects that nothing will be checked or verified. One can write this way only when faced with an uncritical crowd that, like a herd, follows a blind sense of authority and blind faith in whatever has been imposed upon them by higher powers. It is unpleasant for these gentlemen that, within the Anthroposophical Society, a group of people is to be cultivated who will become capable of making their own judgments about these matters and who will investigate them.
[ 28 ] Dann allerdings muß es aber auch so sein, daß sich diejenigen, die Angehörige sind der Anthroposophischen Gesellschaft, verpflichtet fühlen, wirklich nachzusehen. Mir kommt es heute nicht darauf an, daß gar so viel Wesens gemacht wird von den Verteidigungen gegenüber den Verleumdungen und den Unwahrheiten der Gegner, sondern heute kommt es darauf an, daß diesen Gegnern ihr eigenes Spiegelbild vor Augen gehalten wird, daß zum Beispiel so etwas charakterisiert wird, was in unserem modernen wissenschaftlichen Leben an Wahrhaftigkeit herrscht. Derjenige dient uns am besten, der dieser modernen Wissenschaft den Spiegel vorhält aus den Tatsachen heraus, die ja auf Schritt und Tritt gefunden werden können. Wir kommen selbstverständlich auf keinen grünen Zweig, wenn wir uns bloß verteidigen gegen dasjenige, was da als Verleumdung und Unwahrhaftigkeit heute auftritt, denn bei solchen Verteidigungen kommt doch nichts heraus als Rede und Gegenrede, und wenn man die Wahrheit der Unwahrheit gegenüberstellt, so verquasseln diejenigen, denen man gegenübersteht, die Sache so, daß man niemals mit den Dingen fertig wird. Denken Sie sich, welche Bandwürmer schon entstanden sind dadurch, daß Gegner immer gedreht und gewendet haben. Dasjenige, worauf es ankommt, ist, aufmerksam zu machen, welcher Geist oder Ungeist in der modernen Wissenschaftlichkeit, in dem modernen Religionsbetrieb und so weiter drinnensteckt und den Leuten ihre eigene Gestalt im Spiegel einer wirklichen geistigen Charakteristik, die man geben kann vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus, vorzuhalten. So daß wirklich endlich eine Diskussion entsteht über dasjenige, was in der Gegenwart besprochen werden muß. Dadurch kommen keine Diskussionen heraus, daß wir uns nur immer verteidigen. Das muß selbstverständlich im entscheidenden Augenblicke, und es muß auch immer wieder und wiederum geschehen. Es ist aber im Grunde genommen das Untergeordnete. Das Wichtige ist, daß wir uns bekanntmachen mit dem Ungeist, der herrscht, und daß wir diesen Ungeist überall — in seinen Schlupfwinkeln braucht man nicht zu sagen, denn er prangert sich an auf öffentlichen Straßen —, daß wir ihn überall charakterisieren. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 28 ] But then it must also be the case that those who are members of the Anthroposophical Society feel obligated to truly look into the matter. What matters to me today is not so much making a big deal out of defending ourselves against the slanders and untruths of our opponents, but rather holding up their own reflection to them—for example, by characterizing the kind of truthfulness that prevails in our modern scientific life. The person who serves us best is the one who holds up a mirror to this modern science based on the facts, which can be found at every turn. Of course, we will get nowhere if we merely defend ourselves against what appears today as slander and falsehood, for such defenses result in nothing but a back-and-forth of arguments; and when one contrasts the truth with falsehood, those one is facing will talk the issue to death so that one never comes to terms with the matter. Just imagine what tangled webs have already arisen because opponents have constantly twisted and turned the issues. What matters is to draw attention to the spirit—or lack thereof—that lies at the heart of modern science, modern religious institutions, and so on, and to hold up to people their own image in the mirror of a genuine spiritual characterization that can be provided from the perspective of spiritual science. So that a genuine discussion can finally arise about what needs to be discussed in the present. Merely defending ourselves will not lead to such discussions. Of course, this must happen at the decisive moment, and it must happen again and again. But fundamentally, it is secondary. What is important is that we familiarize ourselves with the anti-spirit that prevails, and that we characterize this anti-spirit everywhere—there is no need to mention its hiding places, for it parades itself openly on the public streets—that we characterize it everywhere. That is what matters.
[ 29 ] Das ist allerdings etwas schwieriger, als bloß zu verteidigen. Denn man kann natürlich sehr leicht die Prozedur machen und auf jeder Seite die Wahrheiten und Unwahrheiten nachweisen. Aber darum allein handelt es sich nicht, sondern es handelt sich darum, aus der ganzen Dekadenz der Gegenwart heraus so etwas zu charakterisieren, vor allen Dingen darauf Wert zu legen, was das für einen Niedergang bedeutet, wenn solcher Geist herrscht, für den es nur ein Exempel sein soll, was einem da als Charakteristik der Anthroposophie entgegentritt. Uns soll nichts daran liegen, wenn die Leute schimpfen, uns aber soll alles daran liegen, was es für ein Geist ist, der sich ausspricht, dieser Geist der Unwahrhaftigkeit und Verleumdungssucht, die auftritt. Das Exempel soll Symptom sein, größere Gesichtspunkte über dasjenige abzugeben, was gegenwärtig herrscht. Das ist etwas, was ich durchaus einmal aussprechen mußte, namentlich weil die Arbeit ja ohnedies immer schwieriger wird. Mit der Verbreitung der anthroposophischen Lehre geschieht es, daß man wahrhaftig schon froh ist, wenn man noch einen Zeitungsbericht in die Hand bekommt, wo nichts steht über Anthroposophie. Man kann aus den unglaublichsten Schlupfwinkeln etwas über sie herauskommen sehen. Man liest ein Feuilleton über Carlyle und Nietzsche in der «Neuen Zürcher Zeitung», und man kommt plötzlich an eine Zeile, die gar nichts mit dem übrigen zu tun hat und wo es heißt, Nietzsche habe den Goethe ebenso verballhornt wie es der Steiner tut.— Überall finden Sie da und dort solche Dinge. Und das ist die Methode, wie man die Urteile schmiedet.
[ 29 ] That is, however, somewhat more difficult than simply defending it. For one can, of course, very easily go through the process and demonstrate the truths and falsehoods on each side. But that is not the sole issue; rather, it is a matter of characterizing this phenomenon against the backdrop of the decadence of the present day—and above all, of emphasizing what kind of decline it signifies when such a spirit prevails, for which what we encounter here as a characteristic of anthroposophy is meant to serve merely as an example. We should not care if people rail against us, but we should care deeply about the nature of the spirit that is expressing itself—this spirit of untruthfulness and a thirst for slander that is emerging. The example should serve as a symptom, offering broader insights into what currently prevails. This is something I simply had to say, particularly because the work is becoming increasingly difficult anyway. As the anthroposophical teachings spread, one is truly glad when one comes across a newspaper article that says nothing at all about anthroposophy. One can see references to it emerging from the most unbelievable nooks and crannies. You read a feature article about Carlyle and Nietzsche in the *Neue Zürcher Zeitung*, and suddenly you come across a line that has nothing to do with the rest of the text, stating that Nietzsche distorted Goethe just as Steiner does.—You find such things here and there everywhere. And that is the method by which judgments are formed.
[ 30 ] Wenn wir nicht auf dem Plane stehen und einmal diese ganze Geistigkeit in ihrer ganz unglaublichen, dekadenten Art vor die Welt hinstellen, so daß die Welt es begreift, so kommen wir nicht weiter. Das ist es einmal, was in der Gegenwart immer mehr und mehr an uns herantritt, so daß die Ausbreitung der Aufgaben ja auch meine Arbeitskraft — ich darf das heute wohl sagen — überlastet, und ich zu vielem nicht kommen kann, wozu ich gerne kommen würde. Es ist aber auch noch das vorhanden, daß die Zahl derjenigen, die wirklich mitarbeiten in tätiger Weise an dem, was heute notwendig ist, leider eine viel zu geringe ist. Es handelt sich heute darum, daß durch dasjenige, was durch die Anthroposophische Gesellschaft als Notwendigkeiten entsteht, die Bewegung Formen angenommen hat, die notwendig machen, daß viele Mitarbeiter da sind. Ein einzelner Mensch könnte durchaus die Lehre, um die es sich handelt, als einzelner Mensch vertreten; dann würde er auch die Mittel und Wege finden, um alles dasjenige zu tun, was notwendig ist, um diese Lehre in die Welt hineinzustellen, soweit es ein einzelner Mensch vermag. Da es sich aber hier um eine Gesellschaft handelt, so wachsen aus der Gesellschaft heraus Verpflichtungen, die gar nicht zusammenhängen müssen mit dem, was ein einzelner Mensch vermag. Hier handelt es sich daher darum, daß tatsächlich, nachdem die Gesellschaft gewisse Dinge in Angriff genommen hat, es unbedingt notwendig ist, daß aus dieser Gesellschaft immer mehr und mehr Menschen herauswachsen, welche in entsprechender Weise heute vor der Welt aktiv und tätig für dasjenige eintreten, um was es sich handelt. Die Zahl derer aber, welche heute aktiv arbeiten, aktiv eintreten, ist leider eine sehr geringe, und für die verschiedensten Arbeiten muß man immer wieder und wiederum an dieselben Menschen appellieren.
[ 30 ] Unless we stick to the plan and present this entire spiritual realm to the world in all its incredible, decadent form—so that the world can understand it—we will not make any progress. That is precisely what is increasingly coming to the fore for us at present, to the point where the expansion of our tasks is indeed overburdening my capacity for work—I think I can safely say that today—and I am unable to attend to many things I would very much like to address. But there is also the fact that the number of those who are truly working actively on what is necessary today is, unfortunately, far too small. The issue today is that, as a result of the needs arising through the Anthroposophical Society, the movement has taken on forms that necessitate the presence of many collaborators. A single person could certainly represent the teaching in question on their own; they would then also find the means and ways to do everything necessary to bring this teaching into the world, to the extent that a single person is capable. But since this is a society, obligations arise from within the society that need not at all correspond to what a single individual is capable of. The point here, therefore, is that now that the Society has undertaken certain tasks, it is absolutely necessary for more and more people to emerge from within this Society who will actively and effectively advocate before the world today for the cause at hand. Unfortunately, however, the number of those who are actively working and advocating today is very small, and for the most diverse tasks, one must repeatedly appeal to the same people over and over again.
[ 31 ] Als es sich hier einmal um die Gründung von irgend etwas handelte, sagte ich, alles andere mache mir keine Sorge, als einzig und allein das, daß man in der Gegenwart so wenige Menschen finde, die irgendeiner Lage wirklich gewachsen sind. Das ist es, was man auf der einen Seite berücksichtigen muß; auf der anderen Seite ist es aber auch das, daß es sich hier nicht um die Taxierung von ursprünglichen Fähigkeiten handelt, die wären da, aber sie werden nicht aus den Gemütern der Menschen herausgeholt. Die Menschen wollen nicht Aktivität aus ihren Seelen herausholen. Das ist es, um was es sich heute handelt. Sie möchten sich passiv an dasjenige hingeben, was da ist. Es ist leichter, sich zu fragen: Welcher Partei schließe ich mich an? — als: Was ist die Wahrheit über eine Sache? — Denn die Partei ist da, die Kirche ist da und so weiter, da kann man sich passiv verhalten. Dasjenige aber, um was es sich heute für den Menschen handelt, ist, seinen Weg in die Wahrheit selber zu suchen und aktiv an dem Wahren mitzuarbeiten. Wenn dieses nicht in hinlänglicher Weise verstanden wird, dann wird eben auch die große Entscheidung nicht verstanden, vor der der Mensch in der neueren Zeit steht, und dann kommen wir nicht weiter. Weiter kommen können wir heute nur dadurch, daß wir dasjenige, was so eindringlich vor die Welt hingestellt werden kann durch die Geisteswissenschaft, auch wirklich beherzigen, wirklich die Mittel und Wege finden, in den notwendigen Richtlinien zu arbeiten, daß wir uns nicht scheuen, einzudringen in das, was ist, um es in der entsprechenden Weise vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft vor die Welt wie aus einem Spiegel hinzustellen.
[ 31 ] When the topic here was the founding of something, I said that nothing else concerned me except the fact that, in the present day, there are so few people who are truly up to the task in any given situation. That is what one must take into account on the one hand; on the other hand, however, it is also the fact that this is not a matter of assessing innate abilities—those abilities are there, but they are not being drawn out of people’s minds. People do not want to draw activity from their own souls. That is what is at stake today. They would rather passively surrender to whatever is already there. It is easier to ask oneself, “Which party should I join?” than “What is the truth about a matter?” For the party is there, the church is there, and so on—one can adopt a passive stance toward them. But what is at stake for people today is to seek their own path to the truth and to actively collaborate with the truth. If this is not sufficiently understood, then the great decision facing humanity in modern times will also not be understood, and then we will not make any progress. Today, we can only move forward by truly taking to heart what spiritual science can so forcefully present to the world, by truly finding the means and ways to work within the necessary guidelines, and by not shying away from delving into what is, in order to present it to the world in the appropriate manner from the perspective of spiritual science, as if from a mirror.
[ 32 ] Ich stehe vor einer holländischen Reise, muß vorher noch eine Zeitlang in Deutschland sein. Bevor ich abreise, werde ich noch an dem einzigen Tage, der gegeben ist, und zwar am Dienstag um halb neun Uhr, damit ich die eurythmischen Übungen nicht störe, einen letzten Vortrag vor meiner Abreise halten, in dem ich Verschiedenes zusammenfassen werde, was ich Ihnen gerade jetzt zu sagen noch für notwendig halte.
[ 32 ] I am about to embark on a trip to the Netherlands, but first I must stay in Germany for a while. Before I leave, I will give one final lecture on the only day available—Tuesday at 8:30 a.m., so as not to disrupt the eurythmy exercises—in which I will summarize various points that I still consider necessary to share with you at this time.
