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The Rudolf Steiner Archive

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Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203

8 February 1921, Stuttgart

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Zwölfter Vortrag

Twelfth Lecture

[ 1 ] Ich habe mir vorgenommen, heute noch diesen Vortrag zu halten, weil vor der bevorstehenden längeren Reise doch über einiges, das gerade zusammenhängt mit wichtigen Aufgaben der anthroposophischen Bewegung, wenigstens mit den Intentionen wichtiger Aufgaben, geredet werden sollte. Ich möchte nur aphoristisch heute auf einiges aufmerksam machen. Wir haben gar sehr Veranlassung, die geschichtliche Entwickelung der anthroposophischen Bewegung immer wieder und wiederum uns vor Augen zu führen, denn diese anthroposophische Bewegung hängt davon ab, daß sie von denjenigen, die ihre Träger sein wollen, in der richtigen Weise aufgefaßt und auch angefaßt werde. Wir müssen durchaus eingedenk des Umstandes sein, daß durch ihre eigene Natur, durch ihre ganze Wesenheit diese anthroposophische Bewegung herausgewachsen ist aus demjenigen Stadium, in dem es möglich war, gewissermaßen vor der Welt eine Art unvermerkten Daseins zu führen. Wir dürfen diese Tatsache, die innerhalb der Entwickelung der anthroposophischen Bewegung eine der wichtigsten ist, durchaus nicht übersehen. Wir müssen uns ja klar darüber sein, daß die anthroposophische Bewegung so begonnen hat und eigentlich auch so beginnen mußte, denn man kann ja überall nur aus den realen Verhältnissen heraus irgend etwas schaffen, daß kleine Gruppen zusammentraten und in kleinen Gruppen gruppenmäßig gearbeitet wurde. In diese kleinen Gruppen wurde aber vielfach, das läßt sich nicht leugnen, hineingetragen etwas von dem durchaus Sektiererischen der alten theosophischen Bewegung. Das wurde von verschiedenen Seiten doch auch als, ich möchte sagen, eine Arbeitsgewohnheit mancher unserer Mitglieder angenommen; aber wiederum ist dasjenige, was der Inhalt der hier gemeinten anthroposophischen Geisteswissenschaft ist, vom Anfange an so gewesen, daß es unmöglich in irgendein sektiererisches Gebaren hineinpaßte. Stark hat sich das ja gezeigt bei allem, was einem entgegentreten konnte, als hier in Dornach der Bau dieses Goetheanums begonnen wurde. Man meinte vielfach in Mitgliederkreisen, daß es möglich sei, einen solchen Bau vor die Welt hinzustellen und doch gewisse alte sektiererische Usancen beizubehalten. Solche sektiererischen Usancen sind ja nur allzu begreiflich, denn sie sind üblich in allen Theosophischen Gesellschaften, sie sind üblich in manchen Orden und dergleichen, wo tatsächlich zumeist in dem Sinne gearbeitet wird, den man einen obskuren Sinn nennen kann, wo sorgfältig vermieden wird, sich auseinanderzusetzen mit demjenigen, was nun einmal betrachtet werden muß, wenn eine Bewegung einen allgemeinmenschlichen Charakter in sich tragen soll.

[ 1 ] I have decided to give this lecture today because, before my upcoming extended journey, there are certain matters—specifically those related to the important tasks of the anthroposophical movement, or at least the intentions behind these important tasks—that should be discussed. Today, I would simply like to draw your attention to a few points in an aphoristic manner. We have every reason to keep reminding ourselves, time and again, of the historical development of the anthroposophical movement, for this movement depends on being properly understood and approached by those who wish to be its bearers. We must be fully mindful of the fact that, by its very nature, by its entire essence, this anthroposophical movement has outgrown the stage in which it was possible, so to speak, to lead a sort of unnoticed existence before the world. We must not overlook this fact, which is one of the most important in the development of the anthroposophical movement. We must, after all, be clear that the anthroposophical movement began this way—and in fact had to begin this way—for one can only create anything based on real circumstances: small groups came together and worked collectively within those small groups. However, it cannot be denied that in many cases, elements of the distinctly sectarian nature of the old theosophical movement were carried into these small groups. This was, after all, accepted by various quarters as—I would say—a working habit of some of our members; but then again, the very content of the anthroposophical spiritual science referred to here has been such from the very beginning that it could not possibly fit into any sectarian behavior. This became very evident in everything that stood in our way when construction of this Goetheanum began here in Dornach. Many in membership circles believed it was possible to present such a building to the world while still maintaining certain old sectarian customs. Such sectarian practices are, of course, all too understandable, for they are common in all theosophical societies; they are common in many orders and the like, where work is in fact carried out mostly in a spirit that might be called obscure, and where one carefully avoids engaging with precisely what must be considered if a movement is to embody a character that is universal to humanity.

[ 2 ] Die Gewohnheiten des Arbeitens in gewissen Orden und in den theosophischen Bewegungen konnten schon deshalb durchaus nicht anwendbar sein auf dasjenige, was der Inhalt war, der sich auswirkte durch die anthroposophische Bewegung, weil diese anthroposophische Bewegung, trotzdem sie zum Herzen und zum Gemüte eines jeden einzelnen Menschen spricht, doch zu gleicher Zeit vom Anfang an voll gewachsen war allen wissenschaftlichen Anforderungen, die nur in der Gegenwart irgendwie gestellt werden können. Das letztere ist ja eine Tatsache, die von vielen Seiten auch innerhalb der Mitgliedschaft durchaus nicht ernst genommen worden ist. Es liegt ja in der Natur der Menschen, daß sie auf der einen Seite voll drinnen stehen bleiben wollen in demjenigen, was nun einmal ihr, sagen wir, angestammter oder gewohnheitsmäßiger Lebenslauf ist. Innerhalb dieses Lebenslaufes gibt es für sie dann eine gewisse isolierte Provinz. Sie sind nicht einverstanden mit demjenigen, was ihnen ihre religiöse Tradition gebracht hat, sie sind nicht einverstanden mit demjenigen, was sonst im populären Verbreiten einer Weltanschauung ihnen geboten werden kann, und da fühlen sie eine gewisse Befriedigung, wenn ihnen etwas geboten wird, was über dasjenige hinausgeht, was sowohl in der religiösen Tradition wie auch im allgemein platten, populären Weltanschauungsleben aus der materialistischen Denkweise der neueren Zeit heraus gegeben werden kann. Aber man möchte doch gewissermaßen dasjenige, was man da bekommt, als etwas erhalten, dem man sich, ich will nicht sagen wie einer Art Sonntagsvergnügen, aber doch wie einer Sache hingibt, die so für sich dasteht, die nicht in das gewöhnliche Leben störend eingreift.

[ 2 ] The working methods of certain religious orders and theosophical movements could not possibly be applied to the substance that was brought to fruition through the anthroposophical movement, simply because this anthroposophical movement, although it speaks to the heart and soul of every single human being, was, at the very same time, from the very beginning fully up to all the scientific standards that can be demanded in any way in the present day. The latter is, after all, a fact that has by no means been taken seriously by many, even within the membership. It is, after all, human nature that, on the one hand, people want to remain fully immersed in what is, so to speak, their traditional or habitual way of life. Within this way of life, there is then a certain isolated realm for them. They do not agree with what their religious tradition has brought them, they do not agree with what is otherwise offered to them in the popular dissemination of a worldview, and so they feel a certain satisfaction when they are offered something that goes beyond what can be provided both by religious tradition and by the generally shallow, popular worldview shaped by the materialistic mindset of modern times. But one would like, in a sense, to regard what one receives there as something to which one devotes oneself—I won’t say as a kind of Sunday pastime, but rather as something that stands on its own, that does not intrude disruptively into ordinary life.

[ 3 ] Eine solche Bewegung, wie sie die anthroposophische ist, die mit allen Lebenskräften der Gegenwart rechnet, kann das natürlich nicht. Eine solche Bewegung ergreift den ganzen Menschen, zieht ihre Kreise hinein in alle Einzelheiten des Lebens. Und man kann sie nicht wie irgend etwas Nebenhergehendes betrachten. Man mag sogar in Einzelheiten in gewisse Konflikte hineinkommen, allein diese Dinge sind eigentlich durchaus unvermeidlich, und es läßt sich nicht leben innerhalb der Lebensgewohnheiten der Gegenwart in den verschiedensten Gebieten, indem man gewissermaßen auf der einen Seite wie ein braver Philister sich in dasjenige fügt, wozu einen das Leben gemacht hat, und dann, auf der anderen Seite, anthroposophische Lektüre pflegt, für sein Herz und sein Gemüt das anthroposophische Leben annimmt. Sehen Sie, das wäre ja das zunächst Bequemste, aber es entspricht nicht dem Inhalte desjenigen, was aus den Lebenskräften der Menschheitsentwikkelung in der Gegenwart herausgegriffen ist als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Ebensowenig ist mit dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, die einen Weltblick notwendig hat, einen Blick wirklich auf alles dasjenige, was das Menschenleben und das Weltleben als solches berührt, vereinbar dasjenige, was geliebt wird in dem Treiben gewisser Kreise, die eigentlich nur mehr aus einer gewissen seelischen Wollust heraus kleine abgeschlossene obskure Kreise bilden wollen und sich da allerlei Illusionen vormachen und allerlei obskure Mystik treiben und dergleichen. Mit solchen Dingen ist einmal dasjenige, was mit einem weiten Weltblick auf alle Verhältnisse des Lebens als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft getrieben werden muß, durchaus nicht vereinbar. Und es ist schon notwendig, daß dieses mit aller Klarheit vor die Seelen unserer Mitglieder tritt, daß mit allem, was erinnert an irgendwelche sektiererische Usancen, gebrochen wird, denn heute steht die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft so vor der Welt, daß sie zunächst ja von allen Seiten angegriffen wird, von allen möglichen Seiten verlästert wird. Das geschieht irgendeiner obskuren Bewegung durchaus nicht. Und ich kann Ihnen gleich etwas vorgreifend von einem Symptom sprechen, welches einem entgegentritt, wenn man das Februarheft der Monatsschrift «Die Tat» in die Hand nimmt. Ich werde gleich nachher noch ausführlich darüber sprechen, weil gerade dieses «Tat»-Heft symptomatisch ist. Es tritt aber dasjenige, was überhaupt dazu führt, daß jetzt in ganzen Heften die anthroposophische Bewegung behandelt wird, im Falle eines ganz besonders unbegabten Behandlers, ich möchte sagen, mit einer brutalen Klarheit hervor.

[ 3 ] A movement such as the anthroposophical one, which takes into account all the life forces of the present, cannot do that, of course. Such a movement encompasses the whole person and extends its influence into every detail of life. And it cannot be regarded as something merely incidental. One may even encounter certain conflicts in specific details, but these things are actually quite inevitable, and it is not possible to live within the habits of contemporary life in its various spheres by, so to speak, on the one hand conforming like a good philistine to what life has made of you, and then, on the other hand, engaging in anthroposophical reading and embracing the anthroposophical way of life for one’s heart and soul. You see, that would indeed be the most convenient approach at first, but it does not correspond to the essence of what has been drawn from the life forces of humanity’s present-day development as an anthroposophically oriented spiritual science. Nor is this anthroposophically oriented spiritual science—which necessarily requires a worldview, a perspective that truly encompasses everything that touches human life and world life as such— is what is cherished in the activities of certain circles that, driven really only by a certain spiritual indulgence, wish to form small, closed, obscure circles where they indulge in all manner of illusions and engage in all sorts of obscure mysticism and the like. Such things are by no means compatible with what must be pursued as an anthroposophically oriented spiritual science with a broad worldview encompassing all aspects of life. And it is indeed necessary that this be made perfectly clear to the souls of our members: that we must break with everything that smacks of any kind of sectarian practice; for today, the anthroposophically oriented spiritual science stands before the world in such a way that it is, for the time being, attacked from all sides and slandered from every possible angle. This is certainly not the case with some obscure movement. And I can tell you right away, looking ahead, about a symptom that one encounters when picking up the February issue of the monthly magazine *Die Tat*. I will speak about this in detail shortly, because this particular issue of *Die Tat* is especially symptomatic. However, the very thing that has led to entire issues now being devoted to the anthroposophical movement stands out—in the case of a particularly inept writer, I might say—with brutal clarity.

[ 4 ] Sie haben da einen Artikel — es sind alles Artikel, vom Anfang bis zum Ende dieses Heftes, über Anthroposophie —, der über «Anthroposophie und Christentum» handelt, der eben von einem ganz besonders unbegabten Behandler herrührt. In diesem Artikel finden Sie, ich möchte sagen, mit plumpen Fingern hingedeutet auf die Gründe, warum jetzt, von der Außenseite her, so viele Auseinandersetzungen stattfinden mit dem, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist. Der Herr sagt: «Solange die Anthroposophie esoterisch in Zirkeln gepflegt wurde, konnte man sie sich selbst überlassen, wie viele andere Nebenströmungen der Geistesgeschichte auch. Jetzt aber, da sie mit dem Anspruch hervortritt, die tragfähige Grundlage der gesellschaftlichen Erneuerung zu werden, und das öffentliche, politische, kulturelle und soziale Leben auf das Denken und ihre aus zweiter und dritter Hand stammenden «Wahrheiten» aufzubauen, ist es an der Zeit, diese durch Kultur- und Geistzerfall begünstigte «Geheimwissenschaft> zu durchschauen und gebührend in ihre Grenzen zurückzuweisen, damit den echten Mächten der Erneuerung nicht ein Vorläufer entstehe, der falsches Zeugnis von ihnen ablegt.

[ 4 ] There is an article there—in fact, every article in this issue, from beginning to end, is about anthroposophy—that deals with “Anthroposophy and Christianity,” written by a particularly inept author. In this article, you will find—I would say—clumsy attempts to point out the reasons why, from the outside, there are now so many disputes regarding what anthroposophically oriented spiritual science is. The gentleman says: “As long as anthroposophy was practiced esoterically in circles, it could be left to its own devices, just like many other offshoots of intellectual history. But now that it has stepped forward with the claim to become the sustainable foundation of social renewal, and seeks to base public, political, cultural, and social life on its thinking and its ‘truths’—it is time to see through this ‘secret science,’ which has been fostered by cultural and spiritual decay, and to reject it and confine it to its proper limits, so that the genuine forces of renewal do not face a precursor that bears false witness to them.

[ 5 ] Unserem Geschlecht aber, das in hellen Haufen sich der Anthroposophie zuwendet, entsteht ein Sinnbild in der ergreifenden Szene des ersten Buches Samuelis, als Saul vor seinem Todestag, gottverlassen, sich der Wahrsagerei ergab.»

[ 5 ] But for our generation, which is turning to anthroposophy in large numbers, a symbol emerges in the poignant scene from the First Book of Samuel, when Saul, forsaken by God, turned to divination on the day before his death.»

[ 6 ] Sie sehen, was den Leuten Veranlassung gibt, daß sie über die Anthroposophie so schimpfend herziehen. Es ist das, was hier mit plumpen Fingern eben angedeutet und ausgesprochen wird in dem Satze: «Unserem Geschlecht aber, das in hellen Haufen sich der Anthroposophie zuwendet...» Das ist es, daß eben Anthroposophie gewisse Wirkungsquellen in sich enthält, durch die man sagen kann, daß die Leute — verzeihen Sie, wenn ich den Ausdruck wiederhole, er ist geschmacklos genug, weil man sich nicht vorstellen kann, was ein «heller Haufen» ist —, daß die Leute sich in «hellen Haufen» der Anthroposophie zuwenden. Aber das ist dasjenige, was die Angriffe bewirkt, und die Leute würden uns ganz gewiß in Ruhe gelassen haben, wenn wir so gearbeitet hätten, wie etwa, sagen wir, vom Jahre 1900 bis 1907 oder 1909. Ich persönlich bin ja dazumal auch nicht in Ruhe gelassen worden, aber jedenfalls haben die Angriffe, ich möchte sagen, aus einer engeren Ecke herausgeweht und waren nicht von einem solchen Willen zur Vernichtung begleitet, wie sie es jetzt sind.

[ 6 ] You can see what prompts people to rail so viciously against anthroposophy. It is precisely what is being crudely implied and stated here in the sentence: “But our generation, which in large numbers is turning to anthroposophy... ” It is precisely that anthroposophy contains within itself certain sources of influence through which one can say that people—forgive me for repeating the expression; it is tasteless enough, because one cannot imagine what a “bright crowd” is—that people are turning to anthroposophy in “bright crowds.” But that is precisely what provokes the attacks, and people would certainly have left us alone if we had worked the way we did, say, from 1900 to 1907 or 1909. Personally, I wasn’t left in peace back then either, but in any case, the attacks—I would say—came from a more limited circle and were not accompanied by such a will to destroy as they are now.

[ 7 ] Was aber innerhalb unserer engeren Bewegung durchaus schwer verstanden zu werden scheint, das ist eben die Notwendigkeit, aus dem Sektiererischen sich herauszuarbeiten. Sehen Sie, man kann von allem übrigen absehen — es könnte ja vieles selbstverständlich nach dieser Richtung angeführt werden —, aber man kann nicht ein solches Gebäude aufführen, wie der Dornacher Bau es ist, und weiter sich an gewisse obskure Sektiererusancen halten, wie sie durchaus gerade von der Mitgliederschaft der anthroposophischen Bewegung noch vielfach gepflegt werden. Man kann auch etwas anderes nicht tun. Man kann nicht ohne einen gewissen weltmännischen Sinn, ohne einen erweiterten Weltblick das tun, was wir tun; von der Art, wie wir es tun. Man kann sich ja zusammensetzen in kleinen Kreisen, ob es nun sechs oder vierzig Leute sind, das ist ganz gleichgültig, und irgendwie jemanden ausposaunen meinetwillen zu einer Wiederinkarnation der heiligen Magdalena oder des Christus sogar und so weiter. Wenn das nicht über die engeren Kreise hinauskommt, kann man das ja tun, und man kann sich darinnen sehr wollüstig ergehen in bezug auf seine Seelenempfindungen. Man kann aber zum Beispiel nicht ohne einen gewissen Weltsinn mit so etwas, wie unsere Eurythmie es ist, vor die Öffentlichkeit hintreten. Es setzt voraus, daß diejenigen, welche sich beteiligen an einer solchen Bewegung, keinen muckerischen oder keinen engherzigen Sinn, sondern etwas Weltsinn haben, daß sie nicht irgendwelche sektiererischen Allüren haben, auch nicht irgendwelche Allüren, die dazu führen, sich nur in kleinen Zirkeln wohlzubefinden, sondern es setzt voraus, daß sie eben wirklich in alles das, was sie mit der Welt zusammenhält, dasjenige hineingetragen sehen möchten, was einer solchen Bewegung eigen sein muß, die ja nicht bloß eine Weltanschauungsbewegung ist, sondern die alles in sich schließt, was Geistiges und auch überhaupt Menschenleben ist. Daher ist es schon notwendig, daß die Auseinandersetzung zum Beispiel mit dem, was als irgendwelche geistigen oder sonstigen Strömungen heute in der Welt existiert, stattfindet. Das Sektiererische hat ja die Eigentümlichkeit, daß es zwar oftmals hochnäsig und mit einer großen Geringschätzung von allem spricht, was außerhalb ist, aber von dem was außerhalb ist, nicht viel versteht, daß es sich eben abschließen will, isolieren will. Das kann bei uns durchaus nicht auf die Dauer durchgeführt werden. Wenn unsere Bewegung ernst genommen werden will, ist es durchaus notwendig, daß nicht in derselben Weise über dieses oder jenes fortgeschwätzt werde, wie es vielfach üblich war, sondern es ist notwendig, daß man mit einem — ich muß das Wort immer wieder gebrauchen — gewissen Weltsinn sich ein Verständnis erwirbt für dasjenige, was vorgeht, und dabei von einem Gesichtspunkte aus, der der anthroposophischen Geisteswissenschaft entnommen ist, diese Dinge beleuchten, behandeln und so weiter kann. Das ist auf allen Gebieten notwendig. Gewiß, man kann sagen, der oder jener habe nicht Gelegenheit, das oder jenes zu tun. Gewiß, man kann von dem, der nicht Gelegenheit hat, das oder jenes zu tun, nicht verlangen, daß er dies oder jenes tue. Wir haben ja gerade in den letzten Wochen ausgiebige Erfahrungen darüber machen können, daß sich gewisse Leute, die in der Bewegung sind, vorgenommen haben, nun auch zu handeln. Dabei ist oftmals etwas ganz Furchtbares herausgekommen. Und dazu muß man sagen: es ist vielleicht nicht durchaus von dem einen oder anderen zu verlangen, das oder jenes zu tun, wozu er sich nicht geeignet glaubt. Aber etwas ist durchaus möglich, nämlich gewisse Dinge zu unterlassen. Denn gewisse Dinge, die nicht unterlassen werden, wirken in der furchtbarsten Weise dann fort.

[ 7 ] But what seems to be quite difficult to understand even within our own movement is precisely the need to break free from sectarianism. You see, one can disregard everything else—there are, of course, many other examples that could be cited in this regard—but one cannot erect a building such as the one in Dornach and at the same time continue to adhere to certain obscure sectarian customs, such as those still widely practiced by members of the anthroposophical movement. Nor can one do anything else. One cannot do what we do—in the way we do it—without a certain worldly sensibility, without a broad worldview. One can, of course, gather in small circles—whether there are six or forty people, it makes no difference—and somehow proclaim someone, for my sake, to be a reincarnation of Saint Mary Magdalene or even Christ himself, and so on. As long as that doesn’t go beyond the inner circles, one can certainly do that, and one can indulge very sensually in one’s spiritual feelings within that context. But one cannot, for example, present something like our eurythmy to the public without a certain sense of the world. It presupposes that those who participate in such a movement do not have a pretentious or narrow-minded attitude, but rather a sense of the world; that they do not have any sectarian airs and graces, nor any airs and graces that lead one to feel at ease only in small circles; rather, it presupposes that they truly wish to see incorporated into everything that binds them to the world that which must be inherent in such a movement—a movement that is not merely a worldview movement, but one that encompasses everything that is spiritual and, indeed, human life in general. Therefore, it is indeed necessary to engage, for example, with what exists in the world today in the form of various spiritual or other currents. Sectarianism, after all, has the peculiarity that, while it often speaks haughtily and with great contempt for everything outside itself, it does not understand much of what lies outside; it simply wants to shut itself off, to isolate itself. This approach is simply not sustainable for us in the long run. If our movement is to be taken seriously, it is absolutely necessary that we not simply chatter on about this or that in the same way that has often been customary, but rather that we acquire an understanding of what is happening with a—I must use this word again and again—certain sense of the world, and in doing so, to be able to illuminate, address, and so on these matters from a perspective drawn from anthroposophical spiritual science. This is necessary in all areas. Certainly, one might say that this or that person does not have the opportunity to do this or that. Certainly, one cannot demand that someone who does not have the opportunity to do this or that should do this or that. Indeed, in recent weeks we have had ample experience of how certain people within the movement have resolved to take action. This has often led to truly terrible results. And in this regard, it must be said: it may not be entirely reasonable to demand that one person or another do this or that if they do not feel suited to it. But one thing is certainly possible: refraining from certain actions. For certain things that are not refrained from continue to have the most terrible effects.

[ 8 ] Meine lieben Freunde, ich meine damit nicht etwa so, daß man sagen könnte: Dann wird uns also zugemutet, daß wir uns in gar keiner Weise beteiligen. — Nein, das meine ich nicht, ich meine das Unterlassen gewisser Dinge, die man schon übersehen kann in ihrem geschwätzigen oder unsinnigen Charakter und dergleichen. Es ist, um nur ein Beispiel herauszugreifen, immerhin die Torheit vorgekommen, daß in Versammlungen, die abgehalten werden, sich in der Gegnerschaft Mitglieder unserer Bewegung beteiligen.

[ 8 ] My dear friends, I do not mean to suggest that one could say: “So we are expected to refrain from participating in any way at all.” — No, that’s not what I mean; I mean refraining from certain things that can easily be overlooked because of their gossipy or nonsensical nature and the like. To give just one example, there has, after all, been the folly of members of our movement participating on the opposing side in meetings that are held.

[ 9 ] Diese Dinge sind selbstverständlich schwer zu besprechen, weil man, sobald sie irgendwie in einer falschen Art vor die Welt hinausgetragen werden, sagen kann, es würde ein blinder Tatwille und eine blinde Anhängerschaft verlangt. Das ist durchaus nicht der Fall, sondern es handelt sich bei den Dingen, die ich meine, eben um grobe Taktlosigkeiten, die gerade wiederum in furchtbarster Weise verhindern, daß gewirkt werde. Denn, wenn immer wieder und wiederum vorgebracht wird als Schlagwort von unseren Mitgliedern, was zum Beispiel von mir getan und gesagt und zu tun unterlassen wird, dann können wir natürlich als anthroposophischeBewegung nicht vorwärtskommen.Ich will wiederum als Beispiel eines erwähnen, das sich ebenfalls in diesem «Tat»—Heft findet.

[ 9 ] These matters are, of course, difficult to discuss, because as soon as they are presented to the world in the wrong way, one might say that they require a blind determination to act and blind followers. That is by no means the case; rather, the things I am referring to are simply gross lapses in tact, which in turn prevent any effective work from being done in the most terrible way. For if our members keep bringing up, time and again, as a catchphrase, what I, for example, have done, said, or failed to do, then we as the anthroposophical movement cannot, of course, move forward. I would like to mention another example, which can also be found in this issue of *Tat*.

[ 10 ] Sehen Sie, es ist ja wirklich nur aus dem Verlangen unserer Mitgliederschaft heraus die Tatsache entstanden, daß manche Zyklen einfach so gedruckt worden sind, wie sie nachgeschrieben worden sind, weil einem die Arbeiten der anthroposophischen Bewegung ja nicht Zeit gelassen haben, die Dinge wirklich nun so zu machen, wie sie gemacht werden sollten. Das Verlangen nach dem Druck der Zyklen ist ja aus der Mitgliederschaft heraus entstanden, aber gewöhnlich entsteht so etwas, ohne daß man das Verantwortlichkeitsgefühl für eine solche Sache hat. Es ist ja natürlich, wenn so etwas entsteht aus der Mitgliederschaft heraus, aber man muß dann das Verantwortlichkeitsgefühl haben, solch eine Sache nicht entstellen zu lassen. Und das taucht jetzt in der schärfsten Weise im Februarheft der «Tat» auf, wo gesagt wird: «Ich will hier nicht dabei verweilen, daß Steiner einen Teil seiner esoterischen Vorträge, z.B. die über die Evangelien, nach Stenogrammen von seinen Schülern hat edieren lassen, ohne die Verantwortung dafür zu übernehmen und sich weiter darum zu kümmern (wie er ausdrücklich auf dem Titelblatt versichert).»

[ 10 ] You see, the fact that some cycles were simply printed exactly as they were transcribed really arose solely from the desire of our membership, because the work of the anthroposophical movement simply did not leave us time to do things the way they should have been done. The desire to have the cycles printed did indeed arise from the membership, but usually such things come about without one having a sense of responsibility for them. It is, of course, natural for something like this to arise from the membership, but one must then have the sense of responsibility not to allow such a thing to be distorted. And this is now evident in the most striking way in the February issue of *Tat*, where it is stated: “I do not wish to dwell here on the fact that Steiner had some of his esoteric lectures—for example, those on the Gospels—edited based on shorthand notes taken by his students, without assuming responsibility for them or continuing to take care of them (as he expressly assures on the title page). »

[ 11 ] Diese Dinge sind ja nicht zur Verbreitung gebracht worden, weil ich sie nötig hätte, sondern weil die Anthroposophische Gesellschaft sie nötig hatte; sie verlangen aber zu gleicher Zeit, daß diese Anthroposophische Gesellschaft ein gewisses Verantwortlichkeitsgefühl entwickelt, daß dasjenige, was um ihretwillen nötig ist, nicht um meinetwillen, nicht immer wiederum rückschlägt auf mich selbst, weil ich ja dadurch gehindert werde, die anthroposophische Sache als solche in der entsprechenden Weise vor der Welt zu vertreten. Es ist durchaus notwendig, daß so etwas klar erkannt werde, sonst wird dasjenige, was Anthroposophische Gesellschaft ist, wirklich im weitesten Sinne die wirkliche Ausbreitung der anthroposophischen Sache behindern. Ich werde natürlich, da wir jetzt vor sehr ernsten Situationen stehen, in diesen Dingen viel strenger werden müssen, als das bisher bloß aus einem gewissen Wohlwollen gegenüber der Mitgliederschaft geschehen ist. Aber es muß außerdem dasjenige, was auf diesem Gebiete zu sagen ist, durchaus gesagt werden. Und in diesem Zusammenhang gerade möchte ich noch einmal betonen, daß es durchaus nicht genügt, in einer solchen Weise, wie es sehr häufig geschehen ist, wenn da oder dort Gegnerschaften gegen uns auftraten — ich habe das schon vorgestern hier gesagt —, bloß diese Gegnerschaften zu widerlegen. Solche Widerlegungen, die man ja allerdings zuweilen machen muß aus einer gewissen Notwendigkeit heraus, sie nützen gar nichts, sie nützen wirklich nichts, denn man hat es in der heutigen Zeit bei gewissen Kategorien, Gruppen von Menschen, die im geistigen oder sonstigen Leben wirken, nicht zu tun mit Leuten, die auf eine Widerlegung, auf eine Verteidigung irgend etwas geben, bei denen es irgendwie auf eine Verteidigung ankäme, sondern man hat es zu tun mit Leuten, denen gar nichts daran liegt, die Wahrheit zu verbreiten, denen es ja darauf ankommt, gerade die Unwahrheiten zu verbreiten.

[ 11 ] These things were not published because I needed them, but because the Anthroposophical Society needed them; but at the same time they demand that the Anthroposophical Society develop a certain sense of responsibility, so that what is necessary for its sake—not for mine—does not always rebound upon me, because this would prevent me from representing the anthroposophical cause as such to the world in the appropriate manner. It is absolutely necessary that this be clearly recognized; otherwise, what the Anthroposophical Society is will truly, in the broadest sense, hinder the actual spread of the anthroposophical cause. Naturally, since we are now facing very serious situations, I will have to become much stricter in these matters than has been the case so far, which was merely out of a certain goodwill toward the membership. But, moreover, whatever needs to be said in this area must be said unequivocally. And in this context, in particular, I would like to emphasize once again that it is by no means sufficient—as has very often been the case when opposition to us arose here and there—to merely refute such opposition, as I already said here the day before yesterday. Such refutations—which, admittedly, one must sometimes make out of a certain necessity—are of no use at all; they really serve no purpose, because in this day and age, when dealing with certain categories or groups of people active in intellectual or other spheres of life, we are not dealing with people who care about a refutation or a defense—people for whom a defense would matter in any way—but rather with people who have no interest whatsoever in spreading the truth, people whose very aim is to spread falsehoods.

[ 12 ] So ist es notwendig, auf gewisse sehr stark mit einer solchen ja durchaus geistigen Bewegung, wie es die anthroposophische Bewegung ja ist, zusammenhängende Dinge hinzuweisen. Man kann nicht an gewissen Ereignissen vorübergehen, weil sie sich immerzu wiederholen. Sehen Sie, da bekam ich neulich einen Brief, in dem mir jemand schrieb, daß er sich an den bekannten Max Dessoir gewendet habe, an jenen Max Dessoir, der ja hinlänglich unter Anthroposophen in bezug auf seine moralischen und intellektuellen Qualitäten charakterisiert ist. Nun schrieb mir der Betreffende, daß er mit diesem Max Dessoir ein Gespräch gehabt hat. Selbstverständlich ist solch ein Mensch wie Dessoir doch nicht durch ein Gespräch zu bekehren, das muß man sich doch sparen. Denn erstens will er nicht, und zweitens ist er zu dumm dazu, um irgend etwas Anthroposophisches zu verstehen. Also es hat gar keinen Sinn, irgendwie mit einem solchen Individuum weiter zu diskutieren.

[ 12 ] It is therefore necessary to point out certain matters that are very closely connected with a movement that is, after all, thoroughly spiritual—as the anthroposophical movement certainly is. One cannot ignore certain events, because they keep recurring. You see, I recently received a letter in which someone wrote to me that he had approached the well-known Max Dessoir—the very same Max Dessoir who is, after all, amply characterized among anthroposophists with regard to his moral and intellectual qualities. Now, the person in question wrote to me that he had had a conversation with this Max Dessoir. Of course, a person like Dessoir cannot be converted through a conversation; one might as well save oneself the trouble. For one thing, he doesn’t want to, and for another, he is too stupid to understand anything about anthroposophy. So there is absolutely no point in continuing to discuss anything with such an individual.

[ 13 ] Im Gespräche stellte sich noch dazu heraus, daß Max Dessoir nächstens eine sehr scharfe Arbeit gegen mich schreiben werde, und da habe der Betreffende sich bereit erklärt, er wolle diese Arbeit erst durchlesen und die Fehler herauskorrigieren, damit der Max Dessoir möglichst nicht Irrtümer schreibe! Nun, man kann kaum glauben, daß diese Dinge unter uns, oftmals von Zelebritäten unter uns, wirklich getan werden. Und was ist die Folge? Wenn man eine solche Sache moniert, und es an den Betreffenden herankommt? Der sagt dann womöglich: Wenn man so etwas nicht tue, dann werde es heißen, daß die Anthroposophie sich nicht auseinandersetze mit den Leuten von der Wissenschaft. Ja, meine lieben Freunde, so dürfen wir nicht denken. Da darf man nicht sogleich abstrakt verallgemeinern, sondern es handelt sich darum, daß man es zu tun hat mit dem einzelnen konkreten, mit dem seiner moralischen und intellektuellen Unfähigkeit nach charakterisierten Individuum Max Dessoir, und man also Max Dessoir überhaupt nicht die Ehre antun kann, ihn wissenschaftlich ernst zu nehmen, daß man sich also in eine Diskussion nicht einlassen kann aus einer gewissen inneren geistigen Reinlichkeit. Diese Dinge müssen tatsächlich aufgefaßt und im einzelnen wirklich durchgeführt und durchgedacht werden, sonst werden wir es ja nun wirklich erleben können, daß gegnerische Schriften korrigiert werden können von unseren Mitgliedern, damit diese gegnerischen Schriften möglichst gut wirken und ja keine «Fehler» darinnen sind, weil die schon durch unsere Mitglieder herauskorrigiert wurden. Diese Dinge sind ja durchaus notwendig einmal zu besprechen, denn wir stehen in einem ernsten Momente der anthroposophischen Bewegung. Vieles wird gemacht durchaus so, daß man sagen kann, es kommen Dinge zustande, die eben von uns aus die Sache zerschlagen, vielleicht manchmal, wie in diesem Falle ja auch, durchaus aus bestem Willen heraus; aber der beste Wille kann durchaus zum Unheil ausschlagen, wenn er nicht von einem ernsten — wiederum muß ich das Wort gebrauchen — von Weltsinn durchhauchten Nachdenken durchsetzt ist. Das ist etwas, worauf so ungeheuer viel in der Gegenwart unserer anthroposophischen Bewegung ankommt.

[ 13 ] During the conversation, it also came to light that Max Dessoir was planning to write a very scathing piece against me soon, and the person in question had agreed to read through the piece first and correct the errors so that Max Dessoir would, if possible, not make any mistakes! Well, it is hard to believe that such things are actually done among us—often by prominent figures among us. And what is the consequence? If one criticizes such a matter, and it comes to the attention of the person in question? He might then say: If we don’t do such things, it will be said that anthroposophy does not engage with people from the scientific community. Yes, my dear friends, we must not think that way. One must not immediately generalize in the abstract; rather, the point is that we are dealing with a specific, concrete individual—Max Dessoir, characterized by his moral and intellectual incompetence—and so we cannot possibly do Max Dessoir the honor of taking him seriously as a scientist; consequently, out of a certain inner spiritual integrity, we cannot engage in a discussion with him. These matters must indeed be grasped and truly carried out and thought through in detail; otherwise, we will indeed find ourselves in a situation where opposing writings can be corrected by our members so that these opposing writings have the greatest possible impact and contain no “errors,” since those have already been corrected by our members. It is indeed absolutely necessary to discuss these matters, for we are at a critical juncture in the anthroposophical movement. Much is being done in such a way that one might say things are coming about that, from our perspective, undermine the cause—perhaps sometimes, as in this case, entirely out of the best of intentions; but even the best of intentions can lead to disaster if they are not permeated by serious—once again, I must use this word—reflection imbued with a sense of the world. This is something on which so much depends in the present state of our anthroposophical movement.

[ 14 ] Sehen Sie, es kommt heute also nicht an auf solches bloßes Verteidigen. Sagen Sie aber jetzt nicht, ich habe etwas gegen das Verteidigen, selbstverständlich muß das ja getan werden, aber es kommt heute darauf an, tatsächlich die Bewegungen, die da sind, als solche zu charakterisieren. In einem solchen Menschen wie Frohnmeyer hat man es ja nicht zu tun mit einem bloßen Gegner und Angreifer der Anthroposophie. Viel wichtiger ist es, wie er das tut und welcher Wahrheitssinn in ihm herrscht. Viel wichtiger ist es, zu wissen, daß ja dieser Pfarrer Frohnmeyer aus einer ganz breiten Masse von Leuten, die ganz genau ebenso sind, herauswächst. Er ist nur etwas freier als diese Masse, er stellt diesen Typus von Menschen, diese Gruppe von Menschen, die eine sehr große ist, als solche vor die Welt hin. Man kann heute nicht hoffen, daß diejenigen Menschen, die aus solchem Sinn heraus reden, irgendwie bekehrt werden. Das ist vollständiger Unsinn, die wollen nicht bekehrt werden. Denen tun wir den größten Gefallen, wenn wir nicht die Wahrheit ihnen entgegenstellen, sondern Dummheiten, denn dann können sie besser zu ihrem Rechte kommen. Also nicht darum handelt es sich, sich irgendwie bloß zu verteidigen gegen solche Leute. Da kommt man außerdem in einen Bandwurm hinein von Rede und Widerrede. Worauf es ankommt, ist, zu charakterisieren, aus welchem geistigen Grund und Boden heraus gearbeitet wird und was das bedeutet für die ganze Versumpfung und Degeneration unseres gegenwärtigen Geisteslebens. Auf diesen allgemeinen großen weltmännischen Standpunkt müssen die Dinge unbedingt gehoben werden, denn man kann leicht mit dem bloßen Verteidigen beim Keifen und Gegenkeifen stehenbleiben. Das ist aber dasjenige, worauf es bei uns nicht ankommt, sondern bei uns kommt es auf umfassende Charakteristik derjenigen Geistesbestrebungen an, die heute durchaus überwunden werden müssen. Nur dadurch kann man den Frohnmeyers und den Gogartens und den Bruhns und den Leeses und so weiter beikommen. Es ist ja gar nicht so ungeheuer wichtig, daß irgendeiner, der in einer solchen Bewegung drinnensteht, gerade Zeit hat, sich hinzusetzen und ein Buch zu schreiben; das kann fast jeder heute, der irgend etwas gelernt hat; sondern darauf kommt es an, aus welchem geistigen Untergrunde heraus diese Dinge vor die Welt sich hinstellen. Man muß ja sich ganz klar sein darüber, daß solche Menschen wie Frohnmeyer gar nicht anders urteilen können über Anthroposophie, als sie eben urteilen. Man sollte da ganz absehen von dem Persönlichen. Mir kommt es niemals auf das Persönliche an. Ich will niemals irgendwie mich verteidigen oder angreifen einen Frohnmeyer oder Bruhns oder einen Heinzelmann oder wie sie alle heißen, sondern ich will dasjenige charakterisieren, was als Geistesströmung dasteht, aus der diese Leute hervorwachsen. Persönlich mögen diese Leute im heutigen Wortsinn ehrenwerte Männer sein — ehrenwerte Männer sind sie ja alle, ich erinnere nur an Shakespeares Drama —, darauf kommt es gar nicht an. Ich will gar nicht den Leuten persönlich etwas anheften. Es kommt zum Beispiel nicht einmal auf den Pfarrer Kully an, der ja auch nur das Produkt einer gewissen Strömung innerhalb der katholischen Kirche ist.

[ 14 ] You see, today it’s not just a matter of mere defense. But don’t go saying that I have anything against defending it—of course that must be done—but what matters today is actually characterizing the movements that exist as such. With a person like Frohnmeyer, we are not dealing with a mere opponent and attacker of anthroposophy. What is far more important is how he does this and what sense of truth prevails within him. It is far more important to realize that this Pastor Frohnmeyer has emerged from a very broad mass of people who are exactly the same. He is simply a bit freer than this mass; he presents this type of people—this group of people, which is a very large one—to the world as such. One cannot hope today that those who speak from such a mindset will somehow be converted. That is utter nonsense; they do not want to be converted. We do them the greatest favor not by confronting them with the truth, but with nonsense, for then they can better assert their rights. So it is not a matter of merely defending oneself against such people. Besides, that leads one into an endless cycle of argument and counterargument. What matters is to characterize the spiritual soil from which this thinking springs and what that means for the overall stagnation and degeneration of our present spiritual life. Things must absolutely be raised to this general, broad, worldly perspective, for one can easily get stuck in a cycle of bickering and counter-bickering if one merely defends oneself. But that is not what matters to us; what matters to us is a comprehensive characterization of those intellectual endeavors that must be thoroughly overcome today. Only in this way can we deal with the Frohnmeyers, the Gogartens, the Bruhns, the Leeses, and so on. After all, it is not at all that important that someone involved in such a movement actually has the time to sit down and write a book; almost anyone who has learned anything can do that today. What really matters is the spiritual foundation from which these ideas are presented to the world. One must be perfectly clear that people like Frohnmeyer simply cannot judge anthroposophy any differently than they do. One should completely set aside the personal aspect here. For me, it is never a matter of the personal. I never wish to defend myself in any way or to attack a Frohnmeyer or a Bruhns or a Heinzelmann—or whatever their names may be—but rather I wish to characterize the spiritual current from which these people spring. Personally, these people may be honorable men in today’s sense of the word—they are all honorable men, after all; I need only recall Shakespeare’s drama—but that is not the point at all. I do not wish to attribute anything to these people personally. It does not even come down to Father Kully, for example, who is, after all, merely the product of a certain current within the Catholic Church.

[ 15 ] Also das sind die Dinge, die unbedingt heute bei diesem Ernst, in dem wir drinnenstehen, berücksichtigt werden müssen. Das ist dasjenige, auf das wir unter allen Umständen hinschauen müssen. Wir müssen ein geistiges Auge haben für dasjenige, was überall als dekadente Geistesbewegung da ist, und was charakterisiert werden muß. Denn man muß sich darüber klar sein, daß heute die Weltlage so ist: In einer ganz großen Anzahl von Menschen sind einfach die Anlagen dazu vorhanden, Geisteswissenschaft durch sich selber einzusehen und alles dasjenige zu ihrem Lebensinhalt zu machen, was aus der Geisteswissenschaft kommt. Vor allen Dingen, wenn Sie suchen und prüfen könnten, was heute als Jugend heranwächst, so würden Sie sich sagen müssen: innerhalb dieser Jugend sind Anlagen, Fähigkeiten durchaus vorhanden, die aus dieser Jugend heraus Geisteswissenschaft als etwas Selbstverständliches erscheinen lassen. Aber das ist auf der anderen Seite das Eigentümliche, daß noch genug Kräfte da sind, die niederhalten können, was eigentlich an die Oberfläche des Daseins kommen will, geradeso wie wir es im politischen Leben auch haben.

[ 15 ] So these are the things that absolutely must be taken into account today, given the gravity of the situation we find ourselves in. This is what we must focus on under all circumstances. We must keep a spiritual eye on what is present everywhere as a decadent spiritual movement, and what must be identified. For we must be clear about the fact that the state of the world today is such that a very large number of people simply possess the innate capacity to grasp spiritual science on their own and to make everything that comes from spiritual science the purpose of their lives. Above all, if you could observe and examine the youth of today as they grow up, you would have to conclude: within this youth, the predispositions and abilities are certainly present that make spiritual science appear to them as something self-evident. But on the other hand, what is peculiar is that there are still enough forces at work that can suppress what is actually striving to come to the surface of existence, just as we see in political life as well.

[ 16 ] Glauben Sie zum Beispiel, daß in den besiegten oder Siegerländern nicht zahlreiche Persönlichkeiten da sind, die heute, wenn sie irgendwie zur Wirksamkeit kommen könnten, etwas Vernünftiges tun könnten? Gewiß, es sind zahlreiche Menschen da, aber man kommt nicht auf sie, weil mit eiserner Hand diejenigen, die das Unglück verursacht haben, die mit allen alten, degenerierten Welt- und Lebensanschauungen zusammenhängen, immer wieder und wiederum an die Oberfläche geworfen werden. Solange man nicht einsieht, daß es ganz unmöglich ist, mit den Menschen, die aus den alten geistigen Strömungen kommen, selbst wenn sie in den radikalen Parteien der Gegenwart drinnenstehen, irgend etwas zu machen, solange man verhandelt mit alle denen, die schwachsinnig herausgewachsen sind aus den alten geistigen Strukturen, solange kommt man nicht weiter. Wir brauchen die Pflege tatsächlich neuer Kräfte, und dasjenige, was das Heft in der Hand hart, hält diese neuen Kräfte zurück.

[ 16 ] Do you believe, for example, that there aren’t numerous individuals in the defeated or victorious countries who, if they could somehow become influential today, might do something sensible? Certainly, there are many such people, but they are not given a chance because those who caused the misfortune—those tied to all the old, degenerate worldviews and philosophies of life—are repeatedly thrust back into the spotlight with an iron fist. As long as one fails to realize that it is entirely impossible to accomplish anything with people who come from the old spiritual currents—even if they are members of today’s radical parties—and as long as one continues to negotiate with all those who have grown up, mentally stunted, within the old spiritual structures, one will make no progress. We truly need to nurture new forces, and the very thing that holds the reins tightly is holding these new forces back.

[ 17 ] So ist es aber auch im allgemeinen Geistesleben. Wir müssen einen dicken Strich ziehen eigentlich zwischen demjenigen, was sich in die Welt hineinarbeiten will als unsere heutige Jugend, und dem, was die Lehrstühle und dergleichen besetzt hat und die Abstempelung durch das Examen gibt. Das ist dasjenige, was ein furchtbarer Druck ist. Es muß eingesehen werden, daß man mit dem, was da hereingezogen ist und besetzt hält die Examina und die Lehrstühle, durchaus nicht zu einer lichtvollen Anschauung desjenigen kommen kann, was heute durchaus not tut. Der Pessimismus, der da etwa sagt, die Kräfte seien nicht da, ist ganz unberechtigt. Man lasse nur einmal irgend etwas kommen, was möglich macht, aus der Degeneration herauszukommen. Hilft es uns denn, wenn wir hier noch so schöne Hochschulkurse halten? Gewiß, wir können einzelne junge Leute begeistern damit. Das ist auch ganz gewiß geschehen und wird noch mannigfaltig geschehen. Aber diese jungen Leute haben Begeisterung so eine Zeitlang, dann wachsen sie ganz und gar in ihre Umgebung, in die Examina und in das Philisterium hinein, weil sie ja ihr Brot suchen müssen, weil sie gar nicht zurecht kommen, weil natürlich niedergedrückt wird die Entwickelung eines wirklich zukunftsicheren Strebens und Schaffens. Diese Dinge müssen doch durchschaut werden, und nach der Richtung hin muß gearbeitet werden, daß diese Dinge überwunden werden. Das können wir nicht, wenn wir heute, in diesem ernsten Momente der Entwickelung sowohl der Menschheit wie namentlich auch unserer anthroposophischen Bewegung, uns nicht besinnen wollen, daß diese Dinge da sind. Und recht charakteristisch ist eben so etwas, wie dieses «Tat»-Heft.

[ 17 ] But this is also true of intellectual life in general. We really must draw a clear line between those who are striving to make their way in the world—such as our youth today—and those who have taken up positions in academic chairs and the like and who bestow the stamp of approval through examinations. That is what constitutes a terrible pressure. It must be recognized that with what has crept in and taken over the exams and university chairs, one can by no means arrive at an enlightened view of what is absolutely necessary today. The pessimism that claims, for example, that the necessary forces are lacking, is completely unjustified. Let something come along—anything at all—that makes it possible to break free from this degeneration. Does it really help us if we continue to offer such wonderful university courses here? Certainly, we can inspire individual young people with them. That has certainly happened and will continue to happen in many ways. But these young people remain enthusiastic only for a while; then they become completely absorbed by their surroundings, by exams, and by philistine culture, because they have to earn a living, because they simply cannot cope, and because, naturally, the development of a truly future-oriented striving and creativity is being suppressed. These things must be seen through, and we must work toward overcoming them. We cannot do this if, today—at this serious juncture in the development of both humanity and, in particular, our anthroposophical movement—we refuse to acknowledge that these things exist. And something like this issue of *Tat* is quite characteristic.

[ 18 ] Sehen Sie, man sollte schon ein wenig darauf geben, wie diese Dinge, die hier auf dem Boden der Geisteswissenschaft erwachsen, aus der breiten Wirklichkeit heraus gedacht sind. Es könnte ja für alles noch — wenn es nicht zunächst darauf ankäme, die Hauptlinien zu ziehen eine viel breitere Beweisführung getroffen werden. In meinem Buche «Von Seelenrätseln» habe ich auf diese Dessoirsche Fähigkeit hingewiesen: Dessoir erzählt ganz naiv als ein sehr schönes Beispiel für seine ganz besondere Geistesanlage in dem Schandbuch, das er geschrieben hat und das sehr viel Anerkennung in der Welt gefunden hat, wie es ihm passieren kann, wenn er einmal vorträgt und meint, so mitten in seinen Gedanken drinnen zu leben, er plötzlich nicht weiter kann. Nun, ich habe das als etwas besonders Charakteristisches angeführt für ein so geartetes Denken, das eben denkt und denkt und dann nicht weiter kann. Ja, nun! Ich fand das außerordentlich charakteristisch. [Lücke im Stenogramm.] Es sind eben Vorbedingungen da dafür, daß man ihn nicht für einen ernsten Gelehrten anzusehen hat, und, nicht wahr, man hat es ja mit einer solchen Welt heute zu tun, aus der heraus so etwas wächst wie die «Tat».

[ 18 ] You see, one should pay a little attention to how these ideas, which arise here within the realm of spiritual science, are conceived out of the broader reality. After all, a much broader line of reasoning could be developed for everything—if it were not first necessary to outline the main points. In my book *On the Mysteries of the Soul*, I pointed out this ability of Dessoir’s: Dessoir recounts quite naively—as a very beautiful example of his very special mental disposition—in the scandalous book he wrote, which has received a great deal of recognition around the world, how it can happen to him that, when he is giving a lecture and feels as though he is living right in the midst of his thoughts, he suddenly can’t go on. Well, I cited this as something particularly characteristic of a mode of thinking of this sort—one that simply thinks and thinks and then can go no further. Yes, well! I found that extraordinarily characteristic. [Gap in the transcript.] There are simply preconditions for not regarding him as a serious scholar, and, isn’t that right, we are dealing today with a world from which something like *Tat* springs.

[ 19 ] Herausgeber der «Tat» ist der Jenenser Verleger Eugen Diederichs. Ich traf ihn einmal in einer Versammlung, die Diederichs abgehalten hatte vor Jenenser Studenten, wo dann in der Diskussion Max Scheler der Hauptredner war. Diederichs hatte mir einige Zeit vorher geschrieben, daß er ein Buch von mir zum Verlegen haben wollte. Es war 1902 oder 1903. Das, was er wollte, das «Christentum als mystische Tatsache», war vorher schon erschienen.. Vor dem Worte «Theosophie» zuckte er sogleich zurück. Dann am nächsten Tage wollte er mit mir sprechen. Dieses Gespräch handelte sonst über eine Verlegerangelegenheit, aus der aber nichts wurde, denn selbstverständlich, bei Diederichs konnte nichts werden, ... [Lücke im Stenogramm]. Er sagte, die mystischen Schriften, Plotin sowohl wie die Schriften der weiteren Mystiker, sollte man viel mehr pflegen, denn die machen so auf das allgemeine Wohlbefinden des Menschen einen ganz besonderen Eindruck. Es ist so, wie wenn man süßen Wein oder so etwas trinkt, das dann so seelisch durch den menschlichen Organismus rinnt. — Und man konnte sich tatsächlich nicht enthalten, den Gedanken zu haben, daß der mit einem etwas dicken Bäuchlein Dasitzende bei dem Verdauen der Mystik sich eben an das dicke Bäuchlein mit den flachen Händen schlage!

[ 19 ] The editor of *Tat* is the Jena publisher Eugen Diederichs. I met him once at a gathering that Diederichs had organized for Jena students, where Max Scheler was the main speaker during the discussion. Some time earlier, Diederichs had written to me saying that he wanted to publish a book of mine. It was 1902 or 1903. The book he wanted, *Christianity as a Mystical Fact*, had already been published. He immediately recoiled at the word “theosophy.” Then the next day he wanted to speak with me. This conversation was otherwise about a publishing matter, but nothing came of it, because, of course, nothing could come of it with Diederichs... [gap in the transcript]. He said that the mystical writings—both those of Plotinus and the writings of other mystics—should be cultivated much more, for they make a very special impression on the general well-being of human beings. It is as if one were drinking sweet wine or something similar, which then flows so soulfully through the human organism. — And one really could not help but think that the man sitting there with a slightly paunchy belly, while digesting mysticism, was simply patting that paunchy belly with his flat hands!

[ 20 ] Später gründete ja dann jener Herr Mystiker die «Tat», und dieses zweite Heft vom Jahre 1921 enthält nun lauter Artikel über die Anthroposophie, zuerst einen, der wirklich von einem Menschen geschrieben ist, der angestellt sein soll von gewissen Gesellschaften zur besonderen Bekämpfung der Anthroposophie. Was er schreibt, ist aus lauter Unverschämtheiten und Unsinn zusammengesetzt: I.W. Hauer «Die Anthroposophie als Weg zum Geist». — Als zweiter Artikel ist eine Widerlegung dieses ersten vorhanden von Walter Johannes Stein, «Anthroposophie als Monismus und als Theosophie», denn Diederichs will zeigen, daß er objektiv ist, wie er meint. Also lädt er natürlich auch die Anhänger ein; aber dadurch ist dieses Heft ganz besonders raffiniert, denn dadurch, daß die Anhänger drinnenstehen, sind die Leute, die das lesen, natürlich sofort überzeugt davon, daß der Diederichs ein objektiver Mann ist, der Gegner und Anhänger zum Worte kommen läßt. Der Unterschied ist der, daß nun unter den Anhänger-Artikeln wirklich ein recht gut geschriebener ist von einem Mann, Wil Salewski, «Das Goetheanum in Dornach bei Basel und die anthroposophischen Hochschulkurse im Herbst 1920». Gewiß, es sind solche einzelne gute Artikel drinnen, aber dasjenige, was gerade just in diesem Heft von Gegnern geschrieben ist, das zeichnet sich nämlich aus durch ganz grandiose Dummkeit, durch ein absolutes Nichtverstehen desjenigen, was eigentlich durch Anthroposophie bewirkt werden soll, was sie bedeutet und so weiter.

[ 20 ] Later, that so-called mystic founded the journal *Tat*, and this second issue from 1921 contains nothing but articles about anthroposophy, starting with one that was actually written by a person who is said to be employed by certain organizations specifically to combat anthroposophy. What he writes is a jumble of sheer insolence and nonsense: I.W. Hauer, “Anthroposophy as a Path to the Spirit.” — The second article is a refutation of this first one by Walter Johannes Stein, “Anthroposophy as Monism and as Theosophy,” because Diederichs wants to show that he is objective, as he claims. So, naturally, he also invites the supporters to contribute; but this is what makes this issue particularly clever, because the fact that the supporters are included means that readers are immediately convinced that Diederichs is an objective man who gives both opponents and supporters a voice. The difference is that among the articles by supporters, there is indeed one that is quite well written, by a man named Wil Salewski, titled “The Goetheanum in Dornach near Basel and the Anthroposophical University Courses in the Fall of 1920.” Certainly, there are such individual good articles in there, but what has been written by opponents in this very issue is characterized by utterly grandiose stupidity, by a complete failure to understand what anthroposophy is actually intended to achieve, what it means, and so on.

[ 21 ] Ganz tragisch-humoristisch, spaßig, möchte ich sagen, ist aber eine Auseinandersetzung, die dann der Verleger Eugen Diederichs gibt, betitelt: «Zum anthroposophischen Sonderheft.» Gestatten Sie, daß ich Ihnen den Schleim vorlese: «Dieses Heft ist der Versuch einer nach Fruchtbarkeit strebenden Auseinandersetzung von religiösen Männern, die über jedem Konfessionalismus stehen, mit dem anthroposophischen Gedankenkreis und dem Führer dieser Bewegung, Dr. Rudolf Steiner. Wie ein solcher Versuch gerät, hängt von den Persönlichkeiten ab, die man dafür als Mitarbeiter findet. Ich muß gestehen, es ist mir trotz allen Bemühens nicht so recht gelungen, die Jünger Steiners zu einer stärkeren Mitarbeiterschaft heranzuziehen.»

[ 21 ] Quite tragicomic—funny, I’d say—is the essay that publisher Eugen Diederichs then contributes, titled: “On the Anthroposophical Special Issue.” Allow me to read this drivel to you: “This issue is an attempt at a fruitful dialogue—by religious men who stand above all denominationalism—with the anthroposophical movement and its leader, Dr. Rudolf Steiner. How such an attempt turns out depends on the personalities one finds to collaborate on it. I must confess that, despite all my efforts, I have not quite succeeded in attracting Steiner’s disciples to contribute more substantially.”

[ 22 ] Ich wollte, sie hätten gar nicht angebissen, damit nicht der Diederichs sein «Tat»-Heft anfüllen konnte mit demjenigen, was gerade aus unserem Kreise kommt.

[ 22 ] I wish they hadn't taken the bait at all, so that Diederichs wouldn't be able to fill his “Tat” magazine with whatever is currently coming out of our circle.

[ 23 ] «Man möchte sagen, es liegt vielleicht an ihrem mangelnden Verhältnis zur im Sinne Mennickes, aber als Herausgeber fühle ich die Pflicht, ganz unparteiisch zu sein und kann die Tatsache nur konstatieren. Ich hoffe aber, daß später noch ein Anthroposoph vom Range des Pfarrers Rittelmeyer ernsthaft sein eigenes Christuserlebnis den Aufsätzen von Michel, Gogarten und Mennicke gegenüberstellen wird.

[ 23 ] “One might say that it is perhaps due to their lack of a relationship to in Mennicke’s sense, but as an editor I feel a duty to be completely impartial and can only state the fact. I hope, however, that at some later date an anthroposophist of the stature of Pastor Rittelmeyer will seriously compare his own experience of Christ with the essays by Michel, Gogarten, and Mennicke.

[ 24 ] Als Privatperson kann ich nur bekennen, daß es mir bisher noch nicht gelungen ist, zur Anthroposophie eine bejahende Stellung zu gewinnen.»

[ 24 ] “As a private individual, I can only admit that I have not yet succeeded in adopting a positive stance toward anthroposophy.”

[ 25 ] Sie scheint eben nicht so wie süßer Wein zu schmecken und nur so hinunterzurinnen!

[ 25 ] It just doesn't seem to taste like sweet wine and go down so easily!

[ 26 ] «Ich stehe da ganz und gar persönlich auf Mennickes Standpunkt, daß die Anthroposophie der Endpunkt des Materialismus und auch des Rationalismus ist und daher letzten Endes auch keinen neuen Aufbau bedeutet. Das schließt nicht aus, daß sie eine Übergangserscheinung zum neuen Aufbau sein kann und daß sie darum allerhand Werte in sich birgt, wie jeder Eklektizismus, der sich auf Werten der Vergangenheit aufbaut. Die Anthroposophie scheint mir nicht aus dem «Unmittelbaren» herzukommen...» — das «Unmittelbare», das kommt wohl in diesem Fall zumeist aus einer unrichtig wirkenden Magensäure — «und darum auch nicht zeugend zu sein — trotz allem Reden von Intuition, Schöpfertum und Goetheschem Schauen. Ich weiß, die Theosophen werden diese Behauptung als höchste Verständnislosigkeit bezeichnen, aber sei es drum, sie ist aus einer eigenen Einstellung zu den geheimnisvollen Kräften des Unterbewußtseins gesprochen.»

[ 26 ] “I personally fully share Mennicke’s view that anthroposophy is the culmination of materialism and also of rationalism, and therefore, in the final analysis, does not represent a new structure. This does not rule out the possibility that it may be a transitional phase toward a new structure and that it therefore embodies all sorts of values, just like any form of eclecticism that builds upon the values of the past. Anthroposophy does not seem to me to stem from the ‘immediate’...” — the “immediate,” in this case, probably stems mostly from what seems to be an imbalance in stomach acid — “and therefore does not appear to be creative either — despite all the talk of intuition, creativity, and Goethean vision. I know the Theosophists will dismiss this assertion as the height of incomprehension, but so be it; it is spoken from my own perspective on the mysterious forces of the subconscious.”

[ 27 ] Diese «Einstellung» habe ich Ihnen ja gerade erzählt! «So sehe ich aus dieser persönlichen Einstellung heraus (die durchaus kein Angriff auf die Anthroposophie sein soll, sondern nur ein Bekenntnis).»

[ 27 ] I just told you about this “attitude”! “So this is how I see it from this personal perspective (which is by no means meant to be an attack on anthroposophy, but merely a statement of my beliefs).”

[ 28 ] Also nicht wahr, es ist sehr nett, denn jetzt können sich diejenigen, die schlau genug sind dazu, sagen: Der greift ja die Anthroposophie gar nicht an. — Es ist ja auch ziemlich gleichgültig, ob er sie angreift. Also er sagt: «So sehe ich ... in ihr eine Gefahr für die geistige Fundierung des kommenden Deutschlands, und halte es für dringende Notwendigkeit, daß sich nicht nur der Leserkreis der «Tat», sondern vor allem auch die neue Jugend mit Rudolf Steiner und mit der von ihm ausgehenden Bewegung gedanklich auseinandersetzt. Denn es liegt gerade heute so nahe, sich aus dem Chaos des neuen Werdens auf einen sicheren Turm retten zu wollen.»

[ 28 ] Well, isn't that nice? Because now those who are smart enough can say: He isn't attacking anthroposophy at all. — It’s actually quite irrelevant whether he attacks it. So he says: “This is how I see it… I see in it a danger to the spiritual foundation of the Germany to come, and I consider it an urgent necessity that not only the readership of *Tat*, but above all the new generation, engage intellectually with Rudolf Steiner and the movement that emanates from him. For it is all too tempting today to seek refuge in a safe tower amid the chaos of the new era.”

[ 29 ] Regierungen haben sich manchmal auf «sichere Türme» gerettet während der Zeit der Revolutionen und Krawalle; davon könnte einiges erzählt werden! Nun aber schließt der Herausgeber: «Mein Mitarbeiter Ernst Michel, den Lesern dieser Zeitschrift durch seine Goetheaufsätze und Goethebücher wohl bekannt, ist in diesem Heft der Anthroposophie vom katholischen Gottes- und Weltgefühl aus gegenübergerreten.»

[ 29 ] Governments have sometimes sought refuge in “safe towers” during times of revolution and unrest; there is much that could be said about this! But now the editor concludes: “My colleague Ernst Michel, well known to the readers of this journal for his essays and books on Goethe, has in this issue of *Anthroposophie* presented a perspective rooted in the Catholic conception of God and the world.”

[ 30 ] Nun, das bitte ich Sie, nun doch etwas genauer anzuhören, denn da werden Sie auf etwas aufmerksam, was ich Ihnen aus den verschiedensten Untergründen ja schon charakterisiert habe, und Sie werden ja nächstens erleben, daß der Katholizismus in einer scheinbar verjüngten Gestalt, zu einer Art Katholo-dadaismus geworden, auch unterkriecht bei Eugen Diederichs in der « Tat». «Sein Aufsatz bildet den Auftakt zu . einem im April erscheinenden, sich an dieses Heft anschließenden Sonderheft der jungkatholischen Bewegung.»

[ 30 ] Well, I ask you to listen to this a little more closely, because you will notice something that I have already described to you from various sources, and you will soon see that Catholicism, in a seemingly rejuvenated form—having become a sort of “Catholo-Dadaism”—is also creeping into Eugen Diederichs’s *Tat*. “His essay serves as the prelude to a special issue of the Young Catholic Movement, to be published in April and following this issue.”

[ 31 ] Also, das meine ich, wenn ich sage Katholo-dadaistische Bewegung. Ich sage das auch nicht ohne Grund, denn ich werde Ihnen gleich nachher einiges von jenem Artikel Ernst Michels: «Anthroposophie und Christentum» noch sagen und da Gelegenheit haben, Sie mit einem Vertreter des religiösen Dadaismus bekanntzumachen.

[ 31 ] So, that’s what I mean when I say “Catholic-Dadaist movement.” I’m not saying this without reason, because I’ll be telling you a bit more about Ernst Michel’s article “Anthroposophy and Christianity” in a moment, and I’ll have the opportunity then to introduce you to a representative of religious Dadaism.

[ 32 ] «Es ist mir eine besondere Genugtuung, mit dem katholischen Heft dem vorwiegend protestantischen Leserkreis der «Tat» die Möglichkeit zu geben, ihren protestantischen Individualismus an dem katholischen Gemeinschaftsgeist zu messen. Ich hoffe, daß aus allen gedanklichen Auseinandersetzungen heraus der Grundgedanke der «Tat» neue Förderung erhält: Stärkung des Verantwortlichkeitsgefühls gegenüber seiner.eigenen Entwicklung und damit auch gegenüber dem Volksganzen.»

[ 32 ] “It gives me particular satisfaction to use the Catholic supplement to offer the predominantly Protestant readership of *Tat* the opportunity to measure their Protestant individualism against the Catholic spirit of community. I hope that, through all these intellectual exchanges, the fundamental idea of *Tat* will receive renewed support: strengthening the sense of responsibility toward one’s own development and, thereby, toward the nation as a whole.”

[ 33 ] Das sind die Worte des Herrn Eugen Diederichs. Hier ist also die Rede von einer jungkatholischen Bewegung, zu der der Auftakt gegeben ist durch den Aufsatz von Ernst Michel: «Anthroposophie und Christentum.» Ich habe ja immer wiederum auf dasjenige hingedeutet, habe auch in den letzten zwei Betrachtungen mit sehr großer Energie darauf hingedeutet, was gerade von dieser Seite her dem modernen Geistesleben droht. Aber nun ist dieser Aufsatz von Ernst Michel in der «Tat», «Anthroposophie und Christentum», eigentlich durch und durch religiöser Dadaismus. Die ältesten Ableger des katholischen, römischkatholischen Christentums werden da in einer schwülstigen Sprache den Lesern aufgebauscht. Man kann da tatsächlich ganz außerordentlich interessante Entdeckungen über diesen religiösen Dadaismus machen. So zum Beispiel findet Ernst Michel eine Grundwahrheit des Christentums: «Es ist eine Grundwahrheit des Christentums, daß der Mensch, die Urschuld gegen Gott, erbhaft im Blute und dem Zustande der Heiligung wesenhaft entrückt, aus eigener Kraft nicht über sich hinauskommt: daß er von sich und aus seinen Anlagen zu keiner höheren Stufe des Menschentums aufzusteigen vermag; daß die Durchbrüche von Zustand zu Zustand, dem Urstand entgegen, echte Zeugungsakte Gottes an der willigen Kreatur sind.»

[ 33 ] These are the words of Mr. Eugen Diederichs. So here we are talking about a Young Catholic movement, which was launched by Ernst Michel’s essay, “Anthroposophy and Christianity.” I have repeatedly pointed this out—and in my last two reflections I have emphasized with great vigor—the very threat that this particular perspective poses to modern spiritual life. But this essay by Ernst Michel in *Die Tat*, “Anthroposophy and Christianity,” is in fact, through and through, religious Dadaism. The oldest offshoots of Catholic, Roman Catholic Christianity are presented to readers there in bombastic language. One can indeed make some extraordinarily interesting discoveries about this religious Dadaism. For example, Ernst Michel identifies a fundamental truth of Christianity: “It is a fundamental truth of Christianity that human beings—burdened with original sin against God, hereditarily removed from the state of sanctification in their very nature—cannot transcend themselves by their own power: that they are incapable of ascending to a higher stage of humanity from within themselves and through their own faculties; that the breakthroughs from one state to another, toward the primordial state, are genuine acts of God’s creation upon the willing creature.”

[ 34 ] Also so viel Worte, so viel Phrasen! — Man könnte nun jeden Satz durchnehmen und würde die kindischsten Bekenntnisse zu einem «Katechismus catholicus» herausfinden können. Interessant ist es nur, daß Ernst Michel sagt, es komme einem einzelnen Menschen nicht zu, eine letzte geistige Wahrheit auszumachen. Sie haben es ja gerade gehört, es kommt bei diesen Dingen auf die «Durchbrüche» an, also es «bricht durch». Der Mensch empfängt das aus Gnade, dann brichts durch. Dem muß man sich überlassen. Es darf der Mensch nicht aus Eigenem zu irgendwelchen höchsten Wahrheiten streben: «Es gibt keine geistige Entwicklung, es gibt nur Entfaltung und Durchbruch.»

[ 34 ] So many words, so many phrases! — One could go through every sentence and find the most childish professions of faith in a “Katechismus catholicus.” The only interesting thing is that Ernst Michel says it is not up to an individual to determine an ultimate spiritual truth. You’ve just heard it: in these matters, it all comes down to “breakthroughs”—that is, it “breaks through.” A person receives this through grace, and then it breaks through. One must surrender to this. A person must not strive on their own toward any kind of supreme truth: “There is no spiritual development; there is only unfolding and breakthrough.”

[ 35 ] Aber es ist doch außerordentlich niedlich, wie dieser Ernst Michel von seinem primitivsten dadaistischen Katechismusstandpunkt aus sagt: Ja, die Dogmen, mit denen ist es was anderes, die muß man glauben, das sind Wahrheiten! — «Im Dogma aber formuliert nicht der Mensch oder eine Gemeinschaft begrifflich ihre religiösen Grunderlebnisse (als «Ansprache des Menschen an Gott:), sondern Gott, das Haupt der Kirche, spricht als heiliger Geist direkt und unmittelbar durch die sichtbare Kirche...»

[ 35 ] But it’s really quite charming how Ernst Michel, from his most primitive Dadaist catechism standpoint, says: “Yes, dogmas—that’s a different matter; you have to believe in them—they’re truths!” — “In dogma, however, it is not man or a community that conceptually formulates its fundamental religious experiences (as ‘man’s address to God’), but God, the head of the Church, who speaks as the Holy Spirit directly and immediately through the visible Church...”

[ 36 ] Also die Väter der Konzilien, die beisammen sind, oder gar der Papst, der ex cathedra spricht, das ist nicht ein Mensch, nicht wahr! Aber zum Überdrusse beruft sich der Dadaist der Religion noch auf den heiligen Paulus, der auch gesagt haben soll, daß man als einzelner Mensch nicht nach den letzten Wahrheiten forschen darf: «Hier ist die Stelle, wo wir, ohne die Gefahr gnostischer Ausdeutung fürchten zu müssen, St. Pauli Worte an die Korinther anführen können: «Was wir reden ist Gottes Weisheit im Geheimnis, die verborgene, welche Gott verordnet hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat... Uns aber hat es Gott enthüllt durch den Geist, denn der Geist erforscht alle Dinge, selbst die Tiefen Gottes. Unter Menschen — wer von ihnen kennt das Innere eines Menschen, als der Geist des Menschen, der in ihm ist? So hat auch noch niemand das Innere Gottes ergründet, als der Geist Gottes. Doch wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, um damit zu verstehen, was uns von Gott geschenkt ist>...» und so weiter.

[ 36 ] So the Fathers of the Councils, when they are gathered together, or even the Pope speaking ex cathedra—that’s not a human being, is it! But to make matters worse, the Dadaist of religion even invokes St. Paul, who is also said to have stated that one must not seek ultimate truths as an individual: “Here is the passage where we can quote St. Paul’s words to the Corinthians without fear of Gnostic interpretation: ‘What we speak is God’s wisdom in a mystery, the hidden wisdom that God ordained before all time for our glory, which none of the rulers of this world has recognized… But God has revealed it to us through the Spirit, for the Spirit searches all things, even the depths of God. Among human beings—who among them knows the innermost thoughts of a person except the spirit of that person, which is within him? In the same way, no one has ever fathomed the innermost thoughts of God except the Spirit of God. Yet we have not received the spirit of the world, but the Spirit who is from God, so that we may understand what has been given to us by God>...”—and so on.

[ 37 ] Nun, sehen Sie, wenn man dieses Paulus-Wort für die Art und Weise der Anthroposophie anführt, so kann das alles stimmen. Wenn man aber den Menschen erst verbietet, irgendwie durch den Geist zur Wahrheit zu kommen und dann diese Worte anführt, muß man ein religiöser Dadaist sein. Ebenso ist es mit der Beschreibung des Christus-Erlebnisses und so weiter. In solche Köpfe geht das natürlich nicht hinein. In weltliche Köpfe kann das hineingehen, aber in solche Köpfe geht dasjenige natürlich nicht hinein, was Anthroposophie auch über den Christus zu sagen hat. Daher ist das ausgewalztestes Blech, was hier über das Christus-Problem in Anknüpfung an die Anthroposophie gesagt wird. Nun, der Ernst Michel ist es ja auch, der sich hier darüber ausspricht, daß man zur Sprache auch ein religiöses Verhältnis haben muß, und aus diesem religiösen Verhältnis, das er zur Sprache hat, gingen ja eben die «hellen Haufen» hervor, welche ich Ihnen vorher zitiert habe. Nicht wahr, das ist ein besonderer Sprachstil.

[ 37 ] Well, you see, if one cites this saying of Paul to describe the nature of anthroposophy, then all of that may be true. But if one first forbids people from coming to the truth through the spirit in any way, and then cites these words, one must be a religious Dadaist. The same applies to the description of the Christ experience and so on. Of course, such ideas don’t sink in with people like that. They might sink in with secular minds, but what anthroposophy has to say about Christ simply doesn’t sink in with people like that. That is why what is said here about the Christ problem in connection with anthroposophy is utter nonsense. Well, it is Ernst Michel himself who speaks out here about the need to have a religious relationship with language, and it was precisely from this religious relationship he has with language that the “bright clusters” emerged, which I quoted to you earlier. Isn’t that a distinctive style of language?

[ 38 ] Dagegen ergeht sich jener Artikel des Dadaisten in Religionssachen in besonderem Geschimpfe über meinen Stil. Aber gerade das ist das Charakteristischste,daß solch plumpe,schmierige Finger nirgends an dasjenige herankommen, was wirklich nötig ist,um darzustellen die geistigen Wahrheiten. Da ist nötig eine gewisse Unbequemlichkeit des Stiles. Da ist nötig, hinauszukommen über einen solchen dadaistischen Schwulst, wie ihn der Herr Ernst Michel entfaltet. Das kann man ja begreifen, daß für Herrn Ernst Michel meine Mysterien nichts sind. Er versteht ganz und gar nichts davon. Er sagt zum Beispiel: «Das Mysterium liegt sicherlich nicht im Nackt-Übersinnlichen: wer es dort sucht, ist Materialist so gut wie der, der es im Stoff sucht. Und man hat kein Mysterium geschaffen, wenn man Ideen-Gespenstern oder magischen Wundern in die Begriffskleider hilft und sie auf der Bühne nach dem Schema «Wirklichkeit agieren läßt. Sondern: das Geheimnis liegt in der schöpferischen Verbindung von Natur und Geist zur unsagbaren Gestalt... »

[ 38 ] In contrast, that article by the Dadaist on religious matters indulges in a particular tirade against my style. But that is precisely what is most characteristic: that such clumsy, slimy fingers cannot come anywhere near what is truly necessary to portray spiritual truths. A certain discomfort in style is necessary here. It is necessary to rise above the kind of Dadaist bombast that Mr. Ernst Michel displays. One can certainly understand that, for Mr. Ernst Michel, my mysteries mean nothing. He understands absolutely nothing about them. He says, for example: “The mystery certainly does not lie in the naked supernatural: whoever seeks it there is just as much a materialist as the one who seeks it in matter. And one has not created a mystery by dressing up spectral ideas or magical wonders in conceptual garb and having them act on stage according to the ‘reality’ formula. Rather: the secret lies in the creative union of nature and spirit into an ineffable form...”

[ 39 ] Nun, soll man sich das vorstellen, die «unsagbare Gestalt», und nachher sich sagen lassen: «in der Einheit von Stoff und Form, von Kraft und Richtung», in der «geprägten Form, die lebend sich entwickelt», das ist natürlich Goethe-Zitat! Jetzt kommt ein Satz — man muß schon ein dadaistisch religiöses Verhältnis zur Sprache haben, um überhaupt so etwas auszuhalten und nicht dabei solche Dinge eben als eine Ausschleimung zu betrachten, die, wenn man sie auf die Zunge nehmen muß, eben zu dem Ausschleimen oder auch zu etwas Stärkerem Veranlassung geben —: «Die Sprache ist das Geheimnis», ja, es steht so da, das ist ein Satz: «Die Sprache ist das Geheimnis, der Menschensohn Jesus Christus ist das Geheimnis...» und «das Kreuz ... ist das Geheimnis». Sehen Sie, man begreift es ganz gut, daß dasjenige, was als anthroposophische Literatur vorliegt, für solchen Sprachstil durchaus nicht geschaffen ist, wenn auch selbstverständlich in den nachgeschriebenen Vorträgen, die von mir nicht korrigiert sind, manches anders stehen könnte. Aber das hindert doch nicht, daß man darauf hinweist, wie es nun wirklich ein starkes Stück ist, wenn durch Diederichs «Verantwortungsgefühl» derlei Zeug vor das Volksganze hingestellt werden soll, und man dadurch in die Notwendigkeit versetzt ist, sich damit auseinanderzusetzen, in die Lage versetzt ist, es auch ein wenig feiner zu charakterisieren. Es ist schon sonderbar, wenn solch ein Dadaist des Religiösen behauptet, daß eine Umsetzung innerer Wirklichkeit in den Klang und Rhythmus des Sprachelementes bei mir nicht zu finden wäre. Er führt dann für diejenigen, bei denen eine solche Umsetzung stattgefunden habe, zwei Menschen an, Nietzsche und Hölderlin. Das ist sehr charakteristisch, solch ein Schmutzfink des Geisteslebens hat nämlich gar kein Gefühl dafür, daß der Stil zu gleicher Zeit, wenn man schwierige geistige Materie darzustellen hat, etwas ist, wodurch man sich in diejenige Lebenslage zu versetzen hat, durch die verhindert werden kann, daß dann, wenn der Stil ein solcher wird, wie bei Hölderlin und bei Nietzsche, jener tragische Ausgang zutage tritt, der bei Hölderlin und Nietzsche zutage trat. Die ganze ruchlose Gedankenlosigkeit dieser zeitgenössischen Sippschaft tritt gerade an solchen Stellen hervor; sie hat weder irgendein Gefühl für die Tragik eines Hölderlin und Nietzsche, noch für die Notwendigkeiten eines objektiven Stiles, der nötig ist, geistige Wahrheiten und geistige Tatsachen zum Ausdrucke zu bringen. Es ist nötig heute, darauf hinzuweisen, daß man einmal in die Lage versetzt ist, sich mit solchen Diederichs-Schmutzfinken auseinanderzusetzen, und es muß auch in energischer Weise geschehen. Man muß sehen, aus welchen Kloaken, aus welchem Dadaismus heraus heute dasjenige, was als anthroposophische Gegnerschaft sich in den Mantel der Objektivität hüllt, seine geistige Nahrung schöpft.

[ 39 ] Well, imagine that—the “unspeakable form”—and then being told: “in the unity of matter and form, of force and direction,” in the “shaped form that develops with life”—that’s a Goethe quote, of course! Now here comes a sentence—you really have to have a Dadaist-religious relationship with language to even endure something like this and not view such things as mere drivel that, when you have to put them on your tongue, simply gives rise to drivel or even something stronger—: “Language is the mystery,” yes, that’s how it’s written there; that’s a sentence: “Language is the mystery, the Son of Man, Jesus Christ, is the mystery...” and “the cross... is the mystery.” You see, it’s quite understandable that what exists as anthroposophical literature is by no means suited to such a style of language, even though, of course, in the transcribed lectures—which I have not corrected—some things might be phrased differently. But that doesn’t prevent one from pointing out just how outrageous it is when, through Diederich’s “sense of responsibility,” such material is presented to the general public, thereby forcing one to grapple with it and to characterize it with a bit more nuance. It is indeed strange when such a Dadaist of religion claims that a translation of inner reality into the sound and rhythm of the linguistic element cannot be found in my work. He then cites two figures—Nietzsche and Hölderlin—as examples of those in whom such a translation has taken place. This is very characteristic, for such a scoundrel of intellectual life has absolutely no sense that, when one has to portray difficult intellectual material, style is at the same time a means by which one must place oneself in the very life situation that can prevent—when the style becomes such as it is in Hölderlin and Nietzsche—the tragic outcome that came to light in Hölderlin and Nietzsche. The utter, shameless thoughtlessness of this contemporary clique is particularly evident in such instances; it has neither any sense of the tragedy of Hölderlin and Nietzsche, nor of the necessities of an objective style required to express intellectual truths and intellectual facts. It is necessary today to point out that we are now in a position to confront such Diederichs-style scoundrels, and this must be done in a forceful manner. One must see from which sewers, from which Dadaism, that which today presents itself as anthroposophical opposition—cloaked in the mantle of objectivity—draws its spiritual nourishment.

[ 40 ] Diese Dinge können nicht anders ausgesprochen werden als so in diesem gegenwärtigen ernsten Momente, denn es darf nicht etwa auch unter Anthroposophen die Meinung auftauchen, daß eine solche «Objektivität» etwas anderes ist als eine Raffiniertheit, um dasjenige, was Anthroposophie ist und in ihr lebt, in Grund und Boden zu bohren. Davon haben solche Leute wie Ernst Michel in ihrem religiösen Dadaismus, und auch ein Eugen Diederichs in seiner Bauchmystik, selbstverständlich nicht den geringsten Dunst. Das ist aber dasjenige, was man wissen muß und was bedacht werden muß. Es ist heute notwendig, eine ernste Sprache zu führen und nicht einzugehen auf dasjenige, was in dieser Weise sich vor die Welt hinstellt. Es muß gesagt werden und muß in allen Formen vor die Welt treten, daß gerade durch dasjenige, was sich als geistige Bestrebungen dieser Art gibt, unsere Menschheit immer mehr und mehr in die Degeneration, in den Sumpf hineingetrieben wird, und daß es notwendig ist, daß Anthroposophie durchaus bei einer Arbeit stehen bleibt, die reinlich ist, und die keine Gemeinschaft kennt mit solchen Sumpfblumen.

[ 40 ] These things cannot be expressed any other way than this at this grave moment, for the opinion must not arise—even among anthroposophists—that such “objectivity” is anything other than a cunning ploy to utterly destroy that which anthroposophy is and what lives within it. People like Ernst Michel, with his religious Dadaism, and Eugen Diederichs, with his “mysticism of the gut,” naturally do not have the slightest inkling of this. But this is precisely what one must know and what must be taken into account. Today it is necessary to speak in serious terms and not to engage with what presents itself to the world in this manner. It must be said—and must be presented to the world in every form—that it is precisely through what presents itself as spiritual endeavors of this kind that humanity is being driven more and more into degeneration, into the swamp; and that it is necessary for anthroposophy to remain steadfast in work that is pure and that has no communion with such swamp flowers.

[ 41 ] Es interessiert mich durchaus nicht, wenn irgendwo von solcher Seite her auch irgend etwas Lobendes erscheint, denn ich gebe weder auf Lob noch auf Tadel etwas, was von einer Seite kommt, die unfähig ist — weil der Wille unfähig ist, nicht der Verstand — heranzukommen an dasjenige, was zum Heile der Menschheit Anthroposophie will. Dieser religiöse Dadaismus kann natürlich auch nicht anders, als dann in solche Sätze auslaufen, wie: «Die Kraft, durch die der Mensch auf dem Fundament des Glaubens zum Geheimnis emporwächst, ist auch nicht in erster Linie die Erkenntnis, sondern die dem Schauen folgende und tiefer wieder ins Schauen hineinführende Liebe.»

[ 41 ] I am not in the least interested if anything laudatory appears anywhere from such a source, for I attach no importance to either praise or criticism coming from a side that is incapable—because the will is incapable, not the intellect—of grasping what anthroposophy aims for the benefit of humanity. This religious Dadaism, of course, cannot help but result in statements such as: “The power through which the human being, on the foundation of faith, rises to the mystery, is not primarily knowledge, but rather the love that follows vision and leads back more deeply into vision.”

[ 42 ] Damit ist aber nichts anderes gemeint als die seelische Wollust, die solche Leute im Auge haben, und der nicht gedient wird durch dasjenige, was in reinem geistigem Schaffen zutage tritt, wo keinen Platz haben dürfen diese ins Seelisch-Geistige umgesetzten religiös-sexuellen Dadaismen, die, wenn sie auch unter allen möglichen Mänteln auftreten, doch nichts anderes sind als schamloses Ausleben seelischer Wollust, wie ja sehr vieles, was sich als religiös drapiert, nichts weiter ist als schamloses Ausleben seelischer Wollust.

[ 42 ] But this means nothing other than the spiritual lust that such people have in mind, and which is not served by that which comes to light in pure spiritual creation, where there must be no place for these religious-sexual Dadaisms transposed into the spiritual-soul realm, which, even if they appear under all manner of guises, are nothing more than the shameless indulgence of psychological lust—just as so much of what is cloaked in religious garb is nothing more than the shameless indulgence of psychological lust.

[ 43 ] Demgegenüber müssen wir uns immer wieder und wiederum klar sein darüber, daß einmal in unserer Zeit lebt dasjenige, was dann sich entfalten kann, wenn es durchkommt gegen alle solche Widerstände, was hinführt zu einem wirklichen Ergreifen des geistigen Lebens, das schaffend an dem materiellen Leben tätig ist. Wir müssen uns immer wieder klar sein darüber, daß wir die Pflege dieser in der Gegenwart vorhandenen Fähigkeiten der Menschen brauchen, daß wir uns durchaus mit jeder Faser unserer Seele dieser Pflege widmen müssen und daß keine Nuance des Ernstes stark genug ist, um zu bezeichnen dasjenige, was an hingebungsvoller Energie aufgewendet werden muß, um auf dieser Bahn vorwärts zu kommen. Da dürfen keine Kompromisse geschlossen werden. Man muß seine Pflicht tun. Man muß selbstverständlich überall da, wo Anthroposophie gehört werden will, Anthroposophie zum Hören bringen; man muß seine Pflicht tun. Man darf sich aber durch keine Weise irgendwelchen Illusionen hingeben. Denn es ist notwendig, kompromißlos aus der Sache selber heraus zu arbeiten. Jeder von uns hat die Verpflichtung, so viel er kann, an der Gesundung der anthroposophischen Bewegung selber zu arbeiten, daß sie herauskomme aus jeglichem Outsidertum, aus jeder Engherzigkeit, und daß sie herauskomme aus jeder seelisch wollüstigen Mystik, daß sie wirklich durchdringe zu einem freien weltsinnigen Ergreifen der Geheimnisse des Daseins. Denn nur dann, wenn in einer solchen Weise die Geheimnisse des Daseins ergriffen werden, kann auch hingewirkt werden auf die Ziele des praktischen Lebens, die ja doch bewältigt werden müssen, wenn sie nicht die Hemmschuhe auf dem weiteren Fortentwickelungswege der Menschheit werden sollen. Gerade auf dem letzteren Gebiete aber wird man in jeglicher Weise mißverstanden. Was geschieht alles, um diese Dinge in der schamlosesten Weise zu verzerren! In dem bekannten «Berliner Tageblatt» wird ein Artikel fabriziert über alles mögliche kloakenhafte Zeug, was sich in Berlin als Wahrsagerei und als Prophetentum dümmster Art geltend macht, und mitten drinnen wird auf die Anthroposophie und mich hingewiesen. Dieser Artikel wird dann hinausgeschickt in die Welt. Er erscheint in englischen ebenso wie in schweizerischen Zeitungen. Es wird in der infamsten, schamlosesten Weise durch fabrizierte Artikel an der Vernichtung anthroposophischer Weltanschauung gearbeitet. Das ist dasjenige, was durchschaut werden muß, und da kommt man nicht bloß mit irgendwelchen Widerlegungen zurecht, sondern man muß die Leute selbst charakterisieren. Es wäre ja gar nicht so schwer durchzukommen selbstverständlich, wenn man den Grund und Boden, aus dem heraus all das Zeug wächst, charakterisierte und ihm im Spiegel sein eigenes Wesen vorhielte. Das ist es aber, was notwendig ist und immer notwendiger wird. Wir können uns nicht bloß darauf beschränken, auf der einen Seite eine anthroposophische Dogmatik hinzustellen und auf der anderen Seite zu verteidigen, wenn angegriffen wird, sondern wir brauchen eine Auseinandersetzung mit alledem, was gegenwärtig in der Welt an der Verblödung und an der Degenerierung der Menschheit arbeitet. Und dessen ist sehr, sehr viel. Das ist dasjenige, was wir uns gewissermaßen jeden Morgen sagen müssen, und was hier wahrhaftig ohne Fanatismus ausgesprochen wird. Denn ich habe ja tatsächlich über diese Dinge nicht immer in dieser Weise gesprochen, und ich rede selten, redete früher selten über diese Dinge, jetzt nur öfter, weil tatsächlich Ihr Blick hingelenkt werden muß auf solchen Unfug, der aus der ganzen Dekadenz unserer Zeit herausfließt, wie dieser in Berlin fabrizierte Artikel, der jetzt seine Runde durch die Welt macht, wie auch andere Dinge ihre Runde durch die Welt machen, und man hätte wahrhaftig ungeheuer viel zu tun, wenn man alle diese Dinge widerlegen wollte. Man könnte wirklich vierundzwanzig Stunden an der Widerlegung dieses Schandzeuges arbeiten. Dann kommen die Frohnmeyers und sagen, sie haben dasjenige, was sie geschrieben haben, niemals widerlegt bekommen. Dr. Boos hat es widerlegt, hat geschrieben an die betreffende Redaktion, die hat aber die Widerlegung nicht aufgenommen, so daß der Frohnmeyer hinterher wohl dasjenige aus dem Blatte herausgenommen hat, was der betreffende Pfarrer, der da war und die Sache gesehen hat, gelogen hat; aber die Erwiderung ist eben einfach nicht aufgenommen worden. Und dann hat, glaube ich, auch noch eine Korrespondenz stattgefunden, in der man gar nichts erwähnt hat davon, daß diese Erwiderung gekommen ist und nicht aufgenommen worden ist. Man hätte eben wirklich sehr viel zu tun, wenn man diese Dinge alle widerlegen wollte. Es ist Frohnmeyersche und Heinzelmannsche Bequemlichkeit, sich darauf zu berufen — wenn sie irgend etwas sagen wollen, was mit der Wirklichkeit durchaus nicht übereinstimmt —, das Betreffende sei da oder dort entlehnt worden und man habe eben geglaubt, daß das wahr sei. Derjenige, der etwas schreibt, hat die Verpflichtung, diese Dinge zu untersuchen, seine Quellen zu untersuchen.

[ 43 ] In contrast, we must be clear, time and again, that what lives in our time is that which can unfold only if it overcomes all such resistance—that which leads to a genuine embrace of spiritual life, which is creatively active in material life. We must constantly remind ourselves that we need to nurture these human capacities that exist in the present, that we must devote ourselves to this task with every fiber of our being, and that no degree of seriousness is strong enough to describe the devoted energy that must be expended to move forward on this path. No compromises may be made here. One must do one’s duty. Of course, wherever anthroposophy is to be heard, one must make it heard; one must do one’s duty. But one must not, under any circumstances, succumb to any illusions. For it is necessary to work uncompromisingly from the essence of the matter itself. Each of us has the obligation to work, as much as we can, toward the healing of the anthroposophical movement itself, so that it may emerge from any sense of being an outsider, from any narrow-mindedness, and from any spiritually indulgent mysticism, and so that it may truly penetrate to a free, worldly grasp of the mysteries of existence. For only when the mysteries of existence are grasped in this way can we also work toward the goals of practical life—goals that must, after all, be achieved if they are not to become stumbling blocks on humanity’s path of further development. Yet it is precisely in this latter area that we are misunderstood in every possible way. What lengths are being gone to in order to distort these things in the most shameless manner! In the well-known *Berliner Tageblatt*, an article is fabricated about all sorts of sewer-like rubbish that passes itself off in Berlin as fortune-telling and prophecy of the most foolish kind, and right in the middle of it, reference is made to anthroposophy and to me. This article is then sent out into the world. It appears in English as well as Swiss newspapers. Through fabricated articles, efforts are being made in the most infamous, shameless way to destroy the anthroposophical worldview. This is what must be seen through, and one cannot get by merely with some refutations; rather, one must characterize the people themselves. Of course, it wouldn’t be all that difficult to get through this if one were to characterize the very soil from which all this nonsense springs and hold up its own nature to it as a mirror. But that is precisely what is necessary and is becoming increasingly so. We cannot limit ourselves merely to presenting an anthroposophical dogma on the one hand and defending it on the other when it is attacked; rather, we need to engage with everything in the world today that is contributing to the dumbing down and degeneration of humanity. And there is a great, great deal of it. This is what we must, so to speak, tell ourselves every morning, and what is truly being expressed here without fanaticism. For I have not, in fact, always spoken about these things in this way, and I rarely speak—and in the past rarely spoke—about these things, only more often now because your attention truly must be drawn to such nonsense, which flows from the very decadence of our time—such as this article fabricated in Berlin, which is now making the rounds around the world, just as other things are making the rounds around the world—and one would truly have an enormous amount of work to do if one wanted to refute all these things. One could truly spend twenty-four hours working on refuting this disgraceful piece. Then the Frohnmeyers come along and say that what they wrote has never been refuted. Dr. Boos refuted it; he wrote to the editorial office in question, but they did not publish the refutation, so that Frohnmeyer subsequently removed from the paper the part where the pastor in question—who was there and witnessed the incident—was accused of lying; but the rebuttal simply was not published. And then, I believe, there was also a correspondence in which there was no mention whatsoever that this rebuttal had been received and not published. One would really have a great deal of work to do if one wanted to refute all these things. It is typical of Frohnmeyer and Heinzelmann to take the easy way out—whenever they want to say something that does not correspond at all to reality—by claiming that the relevant information was borrowed from here or there and that they simply believed it to be true. Anyone who writes has an obligation to investigate these matters and to examine their sources.

[ 44 ] Man wird mit diesen Leuten, die durchaus aus Böswilligkeit und auch aus einem überwiegenden Unverstand heraus ihre Anschauungen entwickeln, nicht fertig, wenn man bloß widerlegen will. Es handelt sich aber darum, die geistigen Untergründe, die man überall finden kann, nun wirklich in das rechte Licht zu setzen.

[ 44 ] You cannot deal with these people—who develop their views out of sheer malice and, to a large extent, out of sheer ignorance—if you merely try to refute them. The point, however, is to truly shed light on the intellectual underpinnings that can be found everywhere.

[Lücke im Stenogramm; es folgen die Schlußworte:]

[Gap in the transcript; the closing remarks follow:]

[ 45 ] Im Interesse der Sache und nicht aus persönlichen Gründen ist es, wenn ich sage, daß ich seit dem April 1919 in Stuttgart unzählige Vorträge gehalten habe, in denen die wichtigsten ökonomischen Tatsachen und Wahrheiten enthalten sind, in denen auch enthalten sind viele Charakteristiken zeitgenössischer Geistesströmungen, die ausgebeutet hätten werden sollen. Es handelt sich durchaus darum, daß da ein wichtiges Material vorhanden wäre. — Es ist «eingesargt». Die Dinge werden gedruckt, werden an die Mitglieder der Dreigliederungskreise gesandt, an die Dreigliederungsbünde gesandt, werden da vorgelesen in kleinen Zirkeln. Dasjenige, was «weltmännisch» gedacht war, wurde wiederum zu einem Sektiererischen gemacht. Es tut einem im Interesse der Sache weh, daß die Dinge nicht aufgegriffen, sondern so behandelt werden.

[ 45 ] It is in the interest of the matter—and not for personal reasons—that I say I have given countless lectures in Stuttgart since April 1919, which contain the most important economic facts and truths, as well as many characteristics of contemporary intellectual currents that should have been exploited. The point is certainly that important material is available. — It is “locked away.” These materials are printed, sent to the members of the Threefold Order circles and to the Threefold Order associations, and read aloud there in small groups. What was originally intended to be “worldly” has once again been turned into something sectarian. It pains one, in the interest of the cause, that these matters are not taken up but are treated in this way.

[ 46 ] Im Grunde genommen eine verlorene Arbeit, die verwendet ist auf so etwas — was wahrhaftig aus Weiten hergeholt wird! —, wenn es nicht aufgegriffen wird, nicht weiterverarbeitet wird, wenn nicht gearbeitet wird in diesem Sinne.

[ 46 ] Essentially, it is a wasted effort to devote oneself to something like this—which is truly drawn from the vast expanse!—if it is not taken up, not developed further, if no work is done in this sense.

[ 47 ] Das ist aber dasjenige, was notwendig ist, und was wir heute vor allen Dingen nötig haben!

[ 47 ] But that is precisely what is necessary, and what we need most of all today!

[ 48 ] Es geht nicht, daß wir diese Dinge in sektiererischer Art in kleinen Zirkeln vorlesen; sondern es sind durchaus Sachen, an denen man weiterarbeiten kann. Überall sind Keimpunkte zur Weiterarbeit! Und warum erarbeitet man denn so etwas, wenn es dann einfach daliegt als gedrucktes Material, und sich niemand im Ernste doch eigentlich darum kümmert? Aber darum handelt es sich: Wenn weitergearbeitet wird, kann man wirklich diejenigen Dinge, auf die im Speziellen hingewiesen worden ist, weiter verfolgen. Das ist es, was nötig ist, daß man die Dinge weiter verfolgt in der Arbeit; es sind ja da Keime, die gegeben werden auf Erden. Wirklich tatkräftiges Arbeiten ist das: Herausheben unserer Bewegung aus dem Zeichen des Sektiererischen, währenddem wir, wenn wir die Dinge einfach so nehmen, wie sie sind, und sie wieder ins Sektiererische hineintragen, nicht weiterkommen können. Es ist der Inhalt der Sachen, die durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gegeben werden, nicht so, daß er irgendwie sich eignet für eine sektiererische Bewegung; sondern er ist durchaus so, daß er hineingestellt werden kann als etwas, was Impulse abgeben kann für Weltwirkung.

[ 48 ] We can’t just read these things aloud in small circles in a sectarian manner; rather, they are definitely topics that can be developed further. Everywhere there are seeds for further work! And why would one develop such material if it is then simply left lying around as printed material, with no one really taking it seriously? But that is the point: if we continue working on it, we can truly pursue the specific points that have been highlighted. That is what is necessary—to pursue these matters further in our work; after all, these are seeds that are given here on earth. Truly active work means this: lifting our movement out of the realm of sectarianism, whereas if we simply take things as they are and carry them back into sectarianism, we cannot make any progress. The content of the teachings provided by anthroposophically oriented spiritual science is not such that it lends itself in any way to a sectarian movement; rather, it is precisely such that it can be presented as something capable of providing impulses for a global impact.

[ 49 ] Aber dazu ist eben notwendig, daß jeder seine Kraft einsetzt. Wir stehen heute vor der Notwendigkeit, die Dinge auch ins Praktische hineinzutreiben. Wir kommen nicht vorwärts, wenn das nicht ernstlich aufgenommen wird, wenn nicht tatsächlich eingesehen wird, wie der wahre Geist auch in die wahre Praxis hinein arbeiten kann.

[ 49 ] But for that to happen, it is essential that everyone contribute their strength. Today we are faced with the need to put things into practice. We will not make progress unless this is taken seriously, unless people truly understand how the true spirit can also work its way into true practice.

[ 50 ] Dann muß aber eben so etwas getan werden, was nicht die Dinge einsargt, sondern was sie aufnimmt, was sie in lebendigem Sinne fortwirkend erweist.

[ 50 ] But then something must be done that does not bury these things, but rather embraces them and demonstrates their continuing influence in a living sense.

[ 51 ] Das ist dasjenige, was ich auch noch sagen wollte zum Schlusse: Es braucht sich niemand, wahrhaftig niemand durch diese Dinge getroffen fühlen. Allein in einer Zeit, in der möglich ist, was ich auch vor kurzem hier zitiert habe: daß durch Feuilletons so gearbeitet wird gegen diese anthroposophische Geisteswissenschaft und gegen dasjenige, was sie getan hat, daß sie ausklingen: der geistigen Feuerfunken seien genug da; es sei jetzt notwendig, daß demnächst auch der wirkliche, physische Feuerfunke über diesem Dornacher Hügel niedergehe — in der Zeit, in der aus der Böswilligkeit der Untergründe dieses an die Oberfläche getrieben werden kann, in dieser Zeit sind schon ernste Worte durchaus notwendig.

[ 51 ] That is what I also wanted to say in closing: No one—truly no one—needs to feel offended by these things. But at a time when what I recently quoted here is possible—namely, that through newspaper columns, efforts are being made against this anthroposophical spiritual science and against what it has accomplished, to the point that it is fading away—there are enough spiritual sparks; it is now necessary that the real, physical spark of fire soon descend upon this hill in Dornach—in a time when such things can be driven to the surface by the malice lurking beneath, in this time, serious words are absolutely necessary.

[ 52 ] Deshalb habe ich Sie heute noch einmal gebeten, hierher zu kommen. Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn die Gelegenheit wahrgenommen worden ist, um ein ganz ernstes Wort zu sprechen! Ich mußte einmal das vor dieser Reise vor Ihre Herzen, vor Ihren Sinn, vor Ihre Gemüter bringen!

[ 52 ] That is why I asked you once again today to come here. Please do not hold it against me that I have taken this opportunity to speak quite seriously! I simply had to bring this to your hearts, to your minds, and to your spirits before this journey!