Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung
durch seinen geistigen Zusammenhang
mit dem Erdplaneten und der Sternenwelt
GA 203
11 März 1921, Stuttgart
Vierzehnter Vortrag
[ 1 ] Seit wir uns das letzte Mal hier gesehen haben, hat unsere anthroposophische Bewegung einige wichtige Fortschritte zu verzeichnen. Wir hatten, nachdem ich von hier abgereist war, in Stuttgart eine längere Reihe von Vorträgen vorbereitet, welche zunächst innerhalb Deutschlands gehalten werden sollten. Meine Tätigkeit in den mittleren Februartagen war dazu bestimmt, diese Vortragstätigkeit vorzubereiten. Und etwa dann von Mitte Februar an begann durch eine größere Zahl unserer Freunde, voran die Lehrer der Waldorfschule und die Stuttgarter Mitarbeiter, aber auch durch eine Reihe von jüngeren Freunden, die sich der anthroposophischen Bewegung erst in letzter Zeit angeschlossen haben, eine etwas ausgebreitetere Vortragstätigkeit über die wichtigsten Städte in Deutschland, die erst abgeschlossen sein wird, wenn der Stuttgarter Hochschulkurs am 12. März beginnen wird.
[ 2 ] Diese Vortragstätigkeit ist ja entsprungen aus der Einsicht in die Notwendigkeit, für die anthroposophische Bewegung und alles dasjenige, was ihr Ergebnis ist — oder wenigstens sein sollte —, was mit ihr zusammenhängt, etwas Durchgreifendes zu tun. Es ist natürlich außerordentlich schwierig, in denjenigen Städten, in denen nur kleine Gruppen von unseren Freunden für unsere Sache arbeiten, einigermaßen gefüllte Säle zu erhalten. Allein es muß eben in der gegenwärtigen schwierigen Zeit alles getan werden, was nur irgend möglich ist.
[ 3 ] Die Vortragstätigkeit hatte namentlich zu ihrem Inhalte, auf der einen Seite zu zeigen, wie anthroposophische Geisteswissenschaft sich hineinzustellen hat in die großen Kultur- und Zivilisationsfragen der Gegenwart, und dann daraus zu zeigen, welche Konsequenzen für das soziale Leben aus dieser anthroposophischen Grundauffassung zu erfolgen haben, Gerade nach dieser Richtung hin ging der Tenor der Vorträge, die über eine große Anzahl von deutschen Städten eben gehalten worden sind und noch gehalten werden. Von hier hat Dr. Boos mit seiner Tätigkeit zu dieser Vortragsserie beigesteuert und wird noch beisteuern in verschiedenen deutschen Städten, und wir werden sehen, ob gewissermaßen dieser starke Vorstoß, den wir damit zu machen versuchten, auf Verständnis in unserer Gegenwart trifft, auf jenes Verständnis, das unserer Gegenwart so nötig wäre.
[ 4 ] Nachdem die vorbereitenden Vorträge für diese Vortragstätigkeit am 17. Februar dann beendet waren, konnte ich mich nach Holland begeben, um dort in einer Reihe von Vorträgen für die anthroposophische Geistesbewegung zu wirken. Die Vorträge, welche ich dort gehalten habe, sind im wesentlichen darauf eingestellt gewesen, zu zeigen, wie anthroposophische Geisteswissenschaft hervorgeht aus allen zivilisatorischen Forderungen der Gegenwart, wie dann diese anthroposophische Geisteswissenschaft gerade denjenigen Seelen der Gegenwart etwas Wesentliches und Wichtiges sein könne, die heute wirklich ernstlich suchende Seelen sind. Ich habe in einer Reihe von holländischen Städten vorgetragen über zwei Themen zunächst, über «Die anthroposophische Geisteswissenschaft in ihrem Wesen und in ihrer Beziehung zu den großen Zivilisationsfragen der Gegenwart» und dann über «Erziehungs-, Unterrichts- und praktische Lebensfragen vom Gesichtspunkte anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft».
[ 5 ] Über diese Fragen habe ich gesprochen am 19. Februar in Amsterdam, am 20. in Hilversum, am 21. in Utrecht; am 22. Februar konnte ich dann in den Nachmittagsstunden einen Lichtbildervortrag halten über unseren Dornacher Bau. Am 23. hielt ich einen Vortrag im Haag, am 24. wiederum in Utrecht; am 25. hielt ich einen Vortrag an der Technischen Hochschule in Delft über die wirtschaftliche Gestaltung unter dem Einflusse der Dreigliederung des sozialen Organismus. Der Vortrag für den 26. war angekündigt, fiel aber aus, weil ich dazumal mit meiner Stimme sparen mußte, denn am 27. hatte ich am Vormittag in einem Zweigvortrag vor unseren Hochschulfreunden im Haag vorzutragen und am Abend dieses Tages hatte ich wiederum im Haag einen öffentlichen Vortrag über Erziehungs- und Unterrichtsfragen vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus. Am 28. nachmittags hielt ich im Haag einen Lichtbildervortrag über unseren Dornacher Bau, an demselben Abend den zweiten öffentlichen Vortrag in Amsterdam. Am 1. März hielt ich einen Vortrag in der Universitätsaula in Amsterdam über das Thema «Anthroposophie und Philosophie». Am 2. März hielt ich einen öffentlichen Vortrag in Rotterdam. Am 3. März hielt ich einen öffentlichen Vortrag in Hengelo in Holland. Es ist derjenige Ort, der ganz besonders dadurch interessant ist, daß er ja im Grunde genommen ein, ich möchte sagen, künstlich erstellter Ort ist. In den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben da Industrielle zunächst besondere Wohlfahrtseinrichtungen getroffen, und aus eigentlich wirklich industriell-sozialem Denken ist Hengelo allmählich gebildet worden. Es tritt einem das ganz besonders deutlich zutage, wenn man dort die Kleinkinderschule besucht. Ich habe ja nur kurze Zeit gehabt, aber ich habe besucht den Unterricht, und da trat einem ganz besonders das zutage, daß diese kleinen Kinder andersartige kleine Kinder sind als zum Beispiel diejenigen, die man heute, sagen wir, in die erste Volksschulklasse der Waldorfschule hereinbekommt. Die bekommt man eben einfach aus dem Volke heraus, wie es die heutige Zivilisation ergeben hat. Das ist in Hengelo anders. In. Hengelo hatte man zunächst gewisse Wohlfahrtseinrichtungen industrieller Art getroffen, und die Leute, die dort angesiedelt worden sind, haben etwa in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dort gearbeitet; deren Kinder arbeiten jetzt in den dortigen ausgebreiteten industriellen Etablissements, und die Kinder dieser arbeitenden Menschen, also die zweitnächste Generation, die waren nun in der Kleinkinderschule, Man sah ihnen das ganz genau an; sie sind nicht eben von der Straße hergeholte Kinder, sondern schon durch mehrere Generationen, wenn ich so sagen darf, von einer in einem gewissen Sinne aus der damaligen Denkweise hervorgegangenen Zivilisation künstlich aufgepäppelt, selbstverständlich zu ihrem Vorteil, aber durchaus künstlich aufgepäppelt und tragen das Gepräge einer künstlichen Zivilisation. Es ist natürlich überall schwierig, dem Vorurteil zu begegnen, das sich in der Welt heute ja vielfach geltend macht, gerade wenn man, ich möchte sagen, in ein solches Milieu sich hineinstellt. Ich habe ja in verschiedenen Vorträgen Ihnen angedeutet, wie wir durchaus, gerade als das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts begann, über Europa hin eine Welle von Liberalismus hatten, eine Welle von freier Geistigkeit, die, wenn sie nach der spirituellen Seite hin eine Fortsetzung hätte finden können, wahrscheinlich außerordentlich Bedeutsames würde haben leisten können. Statt dessen sind wir ja in die Reaktion zurückgetrieben worden, weil wir, dem damaligen liberalen Wollen nicht mehr entsprechend, einen materialistischen wissenschaftlichen Geist hatten. Es ist merkwürdig, wie die karmischen Dinge spielen.
[ 6 ] Ich habe zum Beispiel jetzt, also in den letzten Tagen, diesen Vortrag in Hengelo gehalten für die dortigen Industriellen, die Leute, die damit verknüpft sind, und habe eben gesehen, wie noch hereinwirkt in die Gegenwart dasjenige, dem eigentlich die Spitze ja abgebrochen worden ist, dem nur die spirituelle Fortsetzung fehlt. Als ich jetzt wiederum hierher gekommen bin, griff ich zufällig aus meinem Bücherständer ein Buch heraus, das ein gewisses Interesse hat im Zusammenhang mit diesen Dingen. Dieses Buch, das als Werk nicht besonders bedeutend ist — es ist ein Buch, welches philosophische Fragen behandelt —, hat zum Verfasser den einstmaligen Bonner Universitätsphilosophen Jürgen Bona Meyer; aber es ist das Exemplar, welches dem bekannten Materialisten Arnold Dodel, der ja in Zürich gewirkt hat, gehörte. In diesem Buche kann man sehen, wie weit er es gelesen hat. Es stehen bis zu, ich glaube Seite 114, es hat, sagen wir 460 Seiten, überall seine Bleistiftzeichen, seine Anmerkungen drinnen, und aus diesen Anmerkungen kann man sehen, wie dazumal geradezu «stiermäßig» der Materialismus ankämpft gegen das, was noch aus der alten Philosophie heraus, wenn auch in der ungeschickten Art des Bonner Universitätsphilosophen Bona Meyer, sich geltend machen will; wie da der Materialismus ankämpft, wie da der Materialismus keift, wie der Materialismus aber außerdem mit einem unglaublichen Hochmut auftritt. Das, sehen Sie, meine lieben Freunde, das ist dasjenige, was einem besseren Wollen damals die Spitze abgebrochen hat und was zeigen kann, daß durchaus notwendig ist eine Vertiefung in ein spirituelles Geistesleben, wenn wir weiterkommen wollen in der Zivilisation, wenn wir nicht in den Niedergang, der überall, besonders auch auf wirtschaftlichem Gebiete so deutlich wahrnehmbar ist, ich möchte sagen, einem überall in die Augen springt, wenn wir nicht in den Niedergang hineinsausen wollen. Denn daß die sechziger und siebziger Jahre eben kein spirituelles geistiges Leben aufkommen ließen, das ist dasjenige, was eigentlich das ganze Unglück der neuesten Zeit bewirkt hat.
[ 7 ] Wir haben dann außer diesen Vorträgen, die ich in den verschiedensten Orten gehalten habe, Eurythmieaufführungen gehabt, und zwar am 20. Februar in Hilversum, am 22. Februar in Amsterdam, am 26. Februar in Rotterdam, am 27. Februar im Haag. Am 27. Februar im Haag waren also drei Veranstaltungen: vormittags eine Zweigveranstaltung, am Nachmittag eine eurythmische Vorstellung und am Abend der öffentliche Vortrag. Dann war noch eine Eurythmieveranstaltung am 2.März in Amsterdam, bei der ich aber nicht dabei sein konnte, zu der Herr Stuten die einleitenden Worte gesprochen hat, weil ich an jenem Tage in Rotterdam meinen öffentlichen Vortrag zu halten hatte.
[ 8 ] Was da zu sagen ist, ist eben, daß ja überall durchaus eine gewisse Sehnsucht deutlich bemerkbar ist nach Seelennahrung bei den Menschen, nach demjenigen, was die Seele vorwärtsbringen kann. Eurythmische Vorstellungen sind ja nachträglich dann projektiert, zum Teil schon veranstaltet worden in Köln, in Essen, werden gehalten werden in Mannheim, Karlsruhe, Freiburg und in Stuttgart. Die anderen Dinge, die ich erwähnen möchte, sind solche, wie sie oftmals hier besprochen werden mußten, die wie ein Schatten unsere Bewegung begleiten; je mehr unsere Bewegung ihre innere Notwendigkeit beweist, um so gröfer wird ja die Gegnerschaft. Diese Gegnerschaft hat das Eigentümliche, daß sie mit ihrer Ausbreitung, mit ihrem Größerwerden zu gleicher Zeit immer gemeiner und niedriger wird. So war zum Beispiel am 28. Februar in Amsterdam, als ich das Konzertgebäude betrat, ein Mann aufgestellt, welcher Flugblätter verbreitete, auf denen sich in einer sehr schmierigen Art ungefähr dieselben Sachen befanden, die auch hier durch Pfarrer Kullys Blatt und durch andere ähnliche Blätter verbreitet werden.
[ 9 ] Sie sehen also, die Dinge sind nicht lokalisiert, sondern über die ganze Welt verbreitet, und es wird ja alles getan, um sie zu verbreiten. Die Gegnerschaft ist, das muß ich immer wieder und wiederum erwähnen, eben viel besser organisiert, viel tätiger, als die Anthroposophische Gesellschaft nach dieser Richtung hin organisiert ist oder auch eine organisierte Tätigkeit entfaltet. Im Gegenteil, wenn eine Tätigkeit da oder dort in Angriff genommen wird, dann finden sich zahlreiche unserer Freunde, welchen das nicht gefällt, welche wollen, daß wir uns prügeln ließen und die blauen Flecken herumtragen würden, ohne uns in irgendeiner Weise zu wehren.
[ 10 ] Niedliche Dinge treten einem da entgegen, wenn man zum Beispiel die, man möchte sagen, komisch sich ausnehmende «Weisheitsschule» in Darmstadt betrachtet von dem Grafen Hermann Keyserling. Sie hat eine Art Prospekt herausgegeben, aber ein ziemlich dickes Heft, «Der Weg zur Vollendung», das erschienen ist mit der bekannten sogenannten «Bauchbinde», welche angekündigte Bücher tragen, und dort wird Reklame gemacht damit, daß meine Angriffe «erledigt» würden: «Erledigung der Angriffe Steiners». — Diese Schrift hat tatsächlich erstens etwas außerordentlich Komisches. Es stimmt fast, was mir vor einigen Tagen jemand sagte, der diese Schrift ein bißchen gelesen hat, daß sie nämlich eigentlich zum Inhalte hat: Derjenige, der sich nicht auf dem Parkett der Weisheitsschule in Darmstadt bewegt hat, sei eigentlich in der Welt ein dummer Kerl! — Das ist ja ungefähr tatsächlich der Inhalt dieses «Weges zur Vollendung». Aber ziemlich niedlich ist zum Beispiel auch folgendes. Sie wissen ja, ich habe ganz absichtlich im Öffentlichen Vortrage in Stuttgart den Grafen Hermann Keyserling einen Lügner genannt, weil er wirklich gelogen hat, und das hat er übelgenommen; während er sagt, daß die anderen Beurteilungen, die ich seiner Philosophie habe angedeihen lassen, auf sich beruhen mögen — er läßt sie auf sich beruhen! —, wendet er sich gegen diesen Vorwurf, und zwar mit einer ganz außerordentlich bedeutsamen Begründung: Er sagt: Wenn ich einfach gesagt hätte, daß das, was er behauptet hat, nicht stimmte, dann würde er ja das begreifen; aber er hätte ja keine Zeit zu einer besonderen Steiner-Forschung, daher müsse man es begreifen, daß er auch unrichtige Sachen verbreiten könne. — Nun, sehen Sie, daß ist so richtig charakteristisch für all diese Ignoranten der Gegenwart, die außerdem, daß sie Ignoranten sind, auch noch faul sind, die außerdem entsetzlich faul sind und aus ihrer Faulheit heraus sogar ein gewisses Recht ableiten, gewisse Dinge nicht zu wissen. Wenn man ihnen also vorwirft, sie haben gelogen, so sagen sie, sie haben keine Zeit, Steiner-Forschung zu treiben, das heißt, sie haben keine Zeit, sich zu überzeugen von den Dingen, die sie behaupten. Sie brauchen natürlich keine Steiner-Forschung zu treiben, aber sie sollen dann über das, was sie nicht wissen — ich will höflich sein —, den Mund halten. Wenn sie den Mund halten, wird ihnen ja niemand einen Vorwurf machen; wenn sie aber unrichtige Dinge in die Welt hinausposaunen und dann sagen, sie haben keine Zeit, um die richtigen Dinge kennenzulernen, dann ist das eben durchaus ein Symptom für die fürchterliche moralische und intellektuelle Verlottertheit unserer heutigen sogenannten Geistesmenschen, namentlich eines solchen Parkett-Geistesmenschen, wie es der Graf Hermann Keyserling ist.
[ 11 ] Es ist ja überhaupt das Bemerkenswerte dieses, daß man heute schon deutlich sieht: wissenschaftlich können diese Leute doch nichts machen, wissenschaftlich können sie schon deshalb nichts machen, weil sie viel zu bequem sind, sich überhaupt, insofern sie in wissenschaftlichen Stellungen oder irgendwie in literarischen Positionen sind, ernsthaftig mit der Geisteswissenschaft zu befassen. In dieser Lage sind namentlich auch Leute wie Professor Fuchs in Göttingen. Weil diese Leute wissenschaftlich mit der Geisteswissenschaft nichts anzufangen wissen, so greifen sie zu anderen Mitteln, und diese anderen Mittel bestehen darin, auf irgendeine fragwürdige Weise die Bewegung eben zur Vernichtung zu bringen. Als ich von Holland aus wiederum in Stuttgart ankam, wurde ich nämlich überrascht mit dem ja mittlerweile natürlich weitergegangenen Artikel der «Frankfurter Zeitung», der überschrieben ist wegen unserer Maßnahmen in bezug auf die oberschlesische Frage: «Verräter am Deutschtum», der von Landesverrat und von allem Möglichen redet. Es ist ja sehr charakteristisch, daß man diese Dinge benützt, um von hinten herum diese Sache zu vernichten.
[ 12 ] Nun, es sind diese Dinge nur ein Beweis dafür, zu welch niedrigen Mitteln unsere Vertreter des gegenwärtigen Geisteslebens greifen, und Sie können aus diesen Dingen ersehen, daß nun wirklich kein Wort unberechtigt hier gesprochen worden ist, daß ich gerade unsere Bildungsanstalten, namentlich die Hochschulen, in einer entsprechenden Weise zu charakterisieren genötigt war. Daß wir hier eine gründliche Metamorphose brauchen, daß wir eine gründliche Umgestaltung gerade unserer Hochschulen brauchen, das ist dasjenige, was immer mehr und mehr eingesehen werden muß. Und von diesem Gesichtspunkte aus ist es ja ganz gewiß freudig zu begrüßen, daß immerhin, trotz der wütenden Gegnerschaft, die dann wiederum von der anderen Seite her entsteht, ein kleiner Kreis Hochschuljugend sich jetzt zusammenfindet, der daran arbeitet, gerade in das Hochschulwesen die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hineinzubringen. Das zeigt sich ja bei der Vorbereitung solcher Unternehmungen, wie es der Stuttgarter Hochschulkursus sein wird, und wie es der ja wiederum hier zu haltende Hochschulkursus sein wird, der am 3. April beginnt.
[ 13 ] Das, meine lieben Freunde, wollte ich Ihnen vorbringen, um Ihnen ein Bild zu geben von der Tätigkeit der letzten Wochen.
[ 14 ] Was ich heute vor Ihnen besprechen möchte, das soll sein eine Art Zusammenfassung von Wahrheiten, die wir von dieser oder jener Seite her schon kennen, die aber immer wieder und wiederum vor unsere Seele treten müssen, wenn wir uns aus der ganzen Tiefe des geisteswissenschaftlichen Wissens heraus Impulse bilden wollen für das, was dem Menschenwirken in der Gegenwart notwendig ist.
[ 15 ] Ich habe Ihnen ja öfter davon gesprochen, wie verschiedene Strömungen zusammenwirken zu unserer Gesamtwelt, in die der Mensch hineingestellt ist, und wir kennen ja die Terminologie: Luziferisches, Ahrimanisches und das, was gewissermaßen der Gleichgewichtszustand der beiden Strömungen ist und was sich für uns am besten dadurch ausdrückt, daß wir von der Christus-Strömung sprechen. Sie wissen ja, daß die Mittelpunktsgruppe unseres Baues gerade das Geheimnis dieser Trinität des Luziferisch-Ahrimanisch-Christlichen zum Ausdrucke bringen soll.
[ 16 ] Wir können, wenn wir den Menschen betrachten, der ja schließlich doch der Zusammenfluß der Kräfte des Kosmos ist, genau sehen, wie diese drei Strömungen, man möchte sagen, durch ihn hindurchwirken. Wir wissen ja, daß wir deutlich zu unterscheiden haben am Menschen, was in der Hauptsache — Sie wissen, wie das aufzufassen ist— die Hauptes- oder Kopforganisation ist, die im wesentlichen auch der Träger ist des Nerven-Sinnessystems. Wir wissen, daß dann das rhythmische System zu unterscheiden ist, das als bedeutendsten Teil umfaßt den Atmungsrhythmus und die Zirkulation des Blutes, also alles dasjenige, was rhythmisch abläuft, daß dann als drittes Glied des äußeren Menschen zu betrachten ist das Stoffwechselsystem, und dieses hängt ja innig zusammen mit der Entfaltung des Gliedmaßensystems. Wir wissen aber auch, daß wir diese Trinität des menschlichen Wesens seelisch auffassen können. Denn die Nerven-Sinnesorganisation, die Hauptes- oder Kopforganisation ist im wesentlichen der Träger alles desjenigen, was Vorstellung, Denkleben ist. Die rhythmische Organisation ist der Träger alles dessen, was das Gefühlsleben ist, und die Stoffwechselorganisation ist der Träger des Willenslebens.
[ 17 ] Nun seien wir uns aber über folgendes klar: Ein wirkliches Tagbewußtsein, ein von vollem Lichte durchdrungenes Tagbewußtsein haben wir nur durch unser Nerven-Sinnessystem, durch das Vorstellungsleben, das sich in diesem Nerven-Sinnessystem entwickelt. Das rhythmische System, oder, wir können auch sagen, das Brustsystem, ist der Träger des Gefühlslebens. Da entwickeln sich im mittleren Seelenteil die Gefühle. Und dasjenige, woran die Gefühle ihre körperliche Widerlage haben, das ist das rhythmische System. Dieses Gefühlsleben, wir haben öfter davon gesprochen, ist nicht in derselben Weise von klarem hellem Bewußtsein durchzogen wie das Vorstellungswesen. Wir können, wenn wir unbefangen auf das menschliche Seelenleben eingehen, nicht anders sagen als: Das Gefühlsleben hat keine größere Bewußtseinshelligkeit als das Traumleben. Traumleben, das zwar in Bildern abläuft, und Gefühlsleben sind gleich bewußt und gleich unbewußt. Sie nehmen sich nur anders aus, weil das Gefühlsleben nicht in Bildern erfahren wird, sondern eben in Seelisch-Wesenhaftem, das sich bis zum Bilde nicht konturiert. Die Träume leben sich in Bildern aus. Dadurch unterscheidet sich Gefühlsleben und Traumleben. Aber in bezug auf die Bewußtseinsintensität unterscheiden sich die beiden nicht.
[ 18 ] Ganz in Unbewußtheit gehüllt, wie der Mensch sonst im Schlafen ist, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, ist dann das Willensleben, dessen körperliche Widerlage das Stoffwechsel- und Gliedmaßensystem ist. In bezug auf das Willensleben ist der Mensch, indem er wacht, durchaus ein schlafendes Wesen. Der Mensch sieht, indem er will, eigentlich nur dasjenige, was durch seinen Willen zustande kommt, das stellt er dann vor, wie er etwas anderes auch vorstellt. Aber das, was im Willen eigentlich tätig ist, das innere Seelenerleben im Wollen, das wird eigentlich verschlafen, wie das Gefühlsleben verträumt wird.
[ 19 ] Nun aber betrachten wir dennoch dieses schlafende Willensleben beziehungsweise dessen körperliche Widerlage, dieses schlafende Stoffwechsel- und Gliedmaßenleben. Der Mensch steht mit seinem ganzen Wesen ja nicht bloß in der physischen natürlichen Umwelt darinnen, sondern er steht in einer geistigen Welt darinnen. Er steht mit seinem ganzen Wesen, gleichgültig in welchem Bewußtseinsgrade dieses Wesen auftritt, im geistigen Kosmos darinnen. Nun betrachten wir den Willen. Wir können etwa so sagen: Wenn das der geistige Kosmos ist (siehe Zeichnung, hell), den ich zunächst vorläufig nicht weiter charakterisieren will — Sie wissen, «geistiger Kosmos» ist ja sehr universell, man kann immer nur einen Teil herausnehmen —, so wäre das hier (rot) ein gewisser Teil des geistigen Kosmos, nämlich derjenige, dem vorzugsweise angehört unser Willens- beziehungsweise unser StoffwechselGliedmaßenleben. So daß also, wenn Sie vom Menschen herausgetrennt denken das Willensleben seelisch, das Stoffwechsel-Gliedmaßenleben leiblich, und sich dann fragen: Wie ist das eingegliedert in einen geistigen Kosmos? — so soll dieses ganze Verhältnis zu einem geistigen Kosmos zunächst durch diese Zeichnung dargestellt werden. Und für uns entsteht die Frage: Was ist das Weiße hier? — Von dem Roten wissen wir, es ist das menschliche Willensleben, seelisch betrachtet, oder das menschliche Stoffwechsel-Gliedmaßenleben, leiblich betrachtet; aber was ist dasjenige, zu dem gewissermaßen dieses Leben gehört? — Ich möchte mich noch mit anderen Worten ausdrücken. Wenn Sie beim Menschen irgendein Glied seines Organismus betrachten, sagen wir zum Beispiel die Leber, so werden Sie sich sagen: Diese Leber gehört dem ganzen Organismus an und sie hat eine Bedeutung innerhalb des ganzen Organismus. — Ebenso können wir innerhalb eines großen Organismus, eines Weltorganismus, der hier weiß dargestellt ist, das ganze menschliche Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, das Willenssystem, als ein Glied betrachten. Und dann entsteht die Frage: Welches ist denn dieser große kosmische Organismus, in den da eingebettet gewissermaßen ist das menschliche Willenserleben und Stoffwechsel-Gliedmaßenerleben?
[ 20 ] Sehen Sie, das, in welches ja der Mensch eingebettet ist in bezug auf sein drittes Glied, ist das kosmische Leben derjenigen geistigen Wesenheiten, welche die Bibel Elohim nennt. Tatsächlich, so wie wir in der äußeren Natur leben, die wir durch unsere Sinne sehen, so leben wir mit diesem Teil unseres Wesens, den wir eigentlich in seiner Tätigkeit verschlafen, das Leben der Elohim mit.
[ 21 ] Nun, wir wollen diese Dinge schon genauer besprechen; ich will sie Ihnen zunächst nur charakterisieren. Betrachten wir in der ganzen kosmischen Evolution dieses Leben der Elohim. Wenn Sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» nachlesen, so werden Sie finden, das sind die Geister der Form; sie stiegen auf von früheren Entwickelungsstufen. Gehen wir zurück, so kommen wir zu der früheren Entwickelungsstufe des kosmischen Mondendaseins. Da waren diese Geister der Form Archai, Urkräfte, Urbeginne. Gehen wir zum Sonnendasein zurück, da waren sie Erzengel; gehen wir zum Saturndasein zurück, da waren sie Engel. Also seit jener Zeit sind sie aufgestiegen und sind in das Elohimdasein gekommen, in das Dasein der Geister der Form.
[ 22 ] Wenn wir unsere menschliche Entwickelung betrachten, so müssen wir uns sagen: Wir entwickeln uns auch; wann werden wir auf der Höhe sein, auf der diese Geister jetzt sind? — Wir werden auf dieser Höhe sein, wenn wir durchgemacht haben Jupiter-, Venus-, Vulkandasein, und in dem sind, was dann kommt. Wenn Sie das zusammenzählen, was ich in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe so haben Sie sieben aufeinanderfolgende Entwickelungsstufen, sieben aufeinanderfolgende, man könnte auch sagen, Entwickelungssphären. Und die Geister der Form, die Elohim, sind eingetreten in die achte Entwickelungssphäre.
[ 23 ] Das ist es ja, was, ich möchte sagen, die Lage der Elohim charakterisiert. Sie waren, als die Erde wurde, auf jener Stufe, die wir für uns Menschen als Vulkandasein zu charakterisieren haben. Sie stiegen auf in die achte Sphäre. Nun war die große Frage, die große kosmische Frage: Wie steht es oder wie stand es während dieses Erdendaseins mit den Menschen? — Sehen Sie, der Mensch war in der Lage, so wie er vorher ein Glied in der Entwickelung der Elohim war, ein solches Glied zu bleiben. Die Elohim entwickelten sich durch Saturn-, Sonnen-, Mondendasein bis zu der Stufe, die ich Ihnen beschrieben habe jetzt. Da trugen sie gewissermaßen in ihrem Schoße den Menschen so, wie Sie ihn beschrieben finden in meiner «Geheimwissenschaft». Aber all das, was ich da beschrieben habe, ruhte ja im Schoße der Elohim. Es ist ja so beschrieben, wie wenn ich Ihnen die Leber in ihrer Entwickelung beschreiben würde. Wenn man sie beschreibt in ihren Stadien, so ruht sie ja im Schoße des Menschen. So ruhte die ganze Entwickelung, die ich beschrieben habe von dem Menschen, im Schoße der Elohim.
[ 24 ] Als nun die Erde wurde, da war die Frage: Werden nun die Menschen einfach ein unselbständiges Glied in dem großen Organismus bleiben, der zu seiner achten Sphäre aufstieg, in dem großen kosmischen Organismus der Elohim, oder werden sie sich zur Freiheit herausbilden, werden sie selbständig werden? — Diese Frage: Werden die Menschen selbständig werden? — die entschied sich durch eine ganz bestimmte kosmische Tatsache. In bezug auf unser Willenssystem seelisch und auf unser Stoffwechsel-Gliedmaßensystem leiblich sind wir ja Teile der Elohim; da schlafen wir ja. Da sind wir nicht herausgesondert. Wir sind herausgesondert in bezug auf unser Kopfsystem.
[ 25 ] Und wodurch geschah diese Heraussonderung? — Diese Heraussonderung geschah dadurch, daß gewisse geistige Wesenheiten, welche in der Evolution, wenn sie regelrecht fortgeschritten wären, auch Elohim geworden wären, daß die nicht Elohim geworden sind, sondern zurückgeblieben sind, zurückgeblieben auf der Stufe der Archai oder Archangeloi. Wir können also sagen, das sind Wesenheiten, die eigentlich, wenn sie regelrecht fortgeschritten wären, Elohim hätten sein können. Aber sie schritten nicht regelrecht vor, sie blieben zurück. Sie gehören, wenn wir sie heute okkult betrachten, derselben Sphäre an, der die Engel, die Erzengel angehören; aber sie sind nicht von derselben Art wie die Angeloi oder Archangeloi oder Archai, sondern sie sind eigentlich von derselben Art wie die Elohim, wie die Geister der Form, nur sind sie zurückgeblieben in ihrer Entwickelung und sind daher in die Schar der Engel und Erzengel hineingeraten, tun sich in derselben Sphäre kund, und ihre Wirksamkeit hat sich dadurch darauf beschränken müssen, jetzt nicht auf den ganzen Menschen zu wirken und auf dasjenige zu wirken, was vorzugsweise erst auf der Erde vom Menschen erworben worden ist: das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, sondern sie wirken auf das Kopfsystem des Menschen. So daß wir sagen: In bezug auf das Kopfsystem des Menschen — wenn ich das also hier als den Gegenpol von dem Willenssystem, von dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem zeichne (siehe Zeichnung S.257, rosa) —, da wirkt nicht dieser große kosmische Organismus der Elohim, sondern da wirken die zurückgebliebenen Elohim, die ich so zeichnen will (gelb). In dieser Sphäre drinnen wirken auch Angeloi, Archangeloi und Archai. Diese Wesenheiten, die zurückgebliebene Elohim sind, sind eigentlich die Gegner der anderen Elohim. Die anderen Elohim haben den Menschen von sich abgeschnürt; aber sie hätten ihm nicht geben können die Freiheit, weil sie auf den ganzen Menschen ihren Einfluß haben. Dagegen die zurückgebliebenen Geister der Form, die beschränken sich auf den Kopf, und dadurch gaben sie dem Menschen die Vernunft, den Verstand. Das sind im wesentlichen die luziferischen Geister. Sie sind, wie Sie jetzt sehen können aus der Darstellung, auf einer niedrigeren Stufe Willensgeber. Die Elohim geben den Willen dem ganzen Menschen, sie aber geben dem Kopf seinen Willen. Der Kopf wäre sonst nur durchsetzt von willenslosen Vorstellungen. Vernünftig werden die Vorstellungen nur dadurch, daß sie, vom Willen durchsetzt, zur Urteilskraft werden. Das . rührt von diesen Geistern her.
[ 26 ] Sie sehen jetzt vielleicht gerade an dieser Darstellung wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus, wie man nicht philiströse Begriffe anwenden darf, wenn man die kosmischen Gegensätzlichkeiten ins Auge fassen will. Man darf nicht die luziferischen Geister, wenn ich mich so ausdrücken darf, einfach über die Achsel anschauen, sondern man muß sich klar sein: das sind Geister von wesentlich höherer Ordnung, als der Mensch selber ist. Sie sind im Grunde genommen nicht eigentlich Gegner des Menschen, sie sind Gegner der Elohim, weil sie zurückgeblieben sind, und sie beschränken sich auf das menschliche Haupt. Das ist dasjenige, was wir daran ins Auge fassen müssen.
[ 27 ] Wenn Sie sich nun vorstellen, was eigentlich diese Geister erreichen würden, wenn sie ganz freie Hand hätten über die menschliche Evolution, so kommen Sie auf folgendes. Sie werden sich sagen: Nun ja, als die Erde wurde, da sind die Elohim zu ihrer Würde aufgerückt, die anderen sind zurückgeblieben auf früheren Stufen der Entwickelung; sie sind also die Träger desjenigen, was dem Menschen vorzugsweise eingeprägt wird von der Vergangenheit, vom Saturn-, Sonnen-, Mondendasein, die Träger desjenigen, was in den Menschen gesetzt werden soll von der erhabenen Vergangenheit, die wir in den drei vorigen Metamorphosen der Entwickelung durchgemacht haben.
[ 28 ] Dadurch, daß sie zurückgeblieben sind, gewissermaßen sich widersetzend dem, was die Elohim mit den Menschen der Erde vorhatten, dadurch können wir sie in bezug auf den Menschen auch charakterisieren so, daß wir sagen: Diese Geister, die eigentlich Geister der Form sind, die uns aber entgegentreten in der geistigen Welt unter den Scharen der Angeloi, Archangeloi und Archai, diese Geister prägen dem Menschen alles dasjenige ein, was ihn nicht hinuntersteigen lassen möchte zum vollen Erdendasein. Sie möchten ihn eigentlich über dem mineralischen Reiche erhalten. Sie möchten am liebsten, daß der Mensch nur das erlebte, was in der sprossenden Pflanzenwelt ist, was in der tierischen Welt lebt, was in der menschlichen Welt selber ist. Aber sie möchten ihn nicht herunterkommen lassen zur toten mineralischen Welt. Und insbesondere haben diese Geister gar keinen Hang, dem Menschen irgendwie vermitteln zu lassen alles das, was mit unserer Technik zusammenhängt. Auf das sind sie gewissermaßen wütend. Sie möchten den Menschen in einer geistigen Sphäre erhalten, sie möchten den Menschen nicht heruntersteigen lassen zu dem Irdischen. Daher sind sie auch Gegner der Elohim, weil die Elohim, die den Menschen verfestigt haben im Staub der Erde, wie es die Bibel ausdrückt, ihn ins Mineralreich hinuntergezogen haben. Dem allerdings verdankt er seine Freiheit. Aber auf Freiheit, auf die Freiheit, die der Mensch erleben soll im Irdischen, kommt es gerade den Geistern, die den Menschen freihalten wollen vom Irdischen, eigentlich nicht an.
[ 29 ] Nun ist der Mensch gewissermaßen hineingestellt worden durch die Elohim in die mineralisch-irdische Welt. Dadurch aber haben andere Geister wiederum den Zugang erhalten. Nun achten Sie auf den Unterschied zwischen den Geistern, von denen ich eben gesprochen habe, und den Geistern, von denen ich jetzt werde noch zu sprechen haben. Die, von denen ich jetzt gesprochen habe, sind in der Sphäre, wo die Angeloi, Archangeloi, Archai sind. Wir finden sie unter den Scharen dieser Geister, und sie sind es, die in den menschlichen Kopf Beweglichkeit, bewegliche Vernünftigkeit hineinbringen, Phantasietätigkeit, Kunsttätigkeit und so weiter. Dadurch aber, daß der Mensch ins mineralische Reich hinuntergedrängt worden ist, daß die Elohim ihm eine Selbständigkeit gegeben haben, aber diese Selbständigkeit doch wieder keine volle Selbständigkeit ist, denn er durchlebt sie schlafend in seinem Willen und in seinem Stoffwechsel-Gliedmaßensysterm, dadurch haben andere Geister den Zutritt. Diese anderen Geister, die schleichen sich gewissermaßen in die Evolution hinein. Die Geister, von denen ich gesprochen habe, waren bei der Evolution dabei, sie sind nur zurückgeblieben; sie haben sie nicht mitmachen können, aber sind zurückgebliebene Elohim, sie waren im Kosmos dabei bei den Elohim und wollen nur den Menschen nicht ganz auf die Erde herunterlassen. Er ist aber nun auf die Erde heruntergekommen durch die Elohim. Da kommen nun von auswärts andere Geister. Wir finden sie, wenn wir den okkulten Blick richten auf die Scharen der Cherubime, Seraphime und Throne. Von diesen Geistern, die eigentlich dieser Artung angehören, sind auch einzelne zurückgeblieben. Sie sind nicht in diese Scharen hineingekommen, sie sind nur Geister der Weisheit geworden. Diese geistigen Wesenheiten zeigen sich so, daß man von ihnen sagen kann: sie möchten eigentlich in der Erde eine ganz neue Schöpfung beginnen, sie möchten den Erdenmenschen so recht konservieren. Wie er im Mineralreich durch die Elohim verkörpert ist, so möchten sie ihn als einen Anfang nehmen, und von diesem Anfang an möchten sie weiterführen die Entwickelung. Sie möchten alle Vergangenheit auslöschen: Ach was, Vergangenheit — sagen sie —, das kümmert uns nicht weiter; der Mensch ist einmal ins Mineralreich herunter gekommen, nun — reißen wir ihn weg von den Elohim, die Elohim brauchen ihn ja nicht; reißen wir ihn weg von den Elohim und fangen wir eine neue Evolution an. Lassen wir ihn das Anfangsglied sein, damit er dann weiter und weiter lebt!
[ 30 ] Das sind die ahrimanischen Wesenheiten. Diese ahrimanischen Wesenheiten, die wollen alle Vergangenheit auslöschen und wollen dem Menschen nur das als ein Ergebnis lassen, was also unmittelbar er auf der Erde errungen hat.
[ 31 ] Sie sehen, wie die Elohim mittendrinnen stehen. Die Elohim möchten Vergangenheit mit Zukunft verknüpfen. Diejenigen Geister, die ich vorhin geschildert habe, sie möchten den Menschen mit seiner erhabenen Vergangenheit durchdringen. Die anderen Geister möchten die ganze Vergangenheit auslöschen, den Elohim wegnehmen das, was der Mensch aus dem Staub der Erde ist, und einen neuen Anfang machen, von der Erde aus erst die Entwickelung machen. Weg mit diesem «Ballon» des Kosmos, mit Saturn, Sonne und Mond, davon soll gar nichts für den Menschen eine Bedeutung haben. Mit der Erde soll eine neue Evolution beginnen, die soll ein neuer Saturn sein, dann die Sonne kommen und so weiter. Das ist das Ideal dieser anderen Wesenheiten. Sie stürmen ins Unbewußte des Menschen herein, in das Willensleben, das StoffwechselGliedmaßenleben, da stürmen sie herein. Sie sind dasjenige Geschlecht unter den geistigen Wesenheiten, die dem Menschen beibringen wollen ein besonderes Interesse für alles Mineralisch-Materielle, die dem Menschen beibringen wollen ein Interesse für alles dasjenige, was zum Beispiel Außerlich-Maschinelles, Mechanisches ist. Sie möchten am liebsten alles dasjenige, was die Erde sich vom alten Monde her mitgebracht hat, zerstören, möchten, daß die Tierwelt verschwinde, daß die physische Menschenwelt verschwinde, die Pflanzenwelt verschwinde, daß vom Mineralreich nur die physischen Gesetze bleiben, aber namentlich, daß die Menschen von der Erde weggenommen würden; und einen neuen Saturn aus Maschinen möchten sie bilden, eine neue Welt aus lauter Maschinen. So soll die Welt dann weitergehen. Das ist eigentlich ihr Ideal. Auf äußerem wissenschaftlichem Gebiete haben sie das Ideal, alles zur Materie zu machen, zu mechanisieren. Auf religiösem Gebiete haben wir diese zwei Gegensätze deutlich wahrnehmbar.
[ 32 ] In älteren Zeiten — Sie wissen das aus anderen Vorträgen, die ich auch hier an dieser Stelle gehalten habe — waren die Menschen mehr den Geistern der ersteren Art, welche auf den Kopf wirken, ausgesetzt. Da finden Sie noch bei Plato, daß man ganz besonders, wenn man von der Ewigkeit der Menschenseele gesprochen hat, von dem vorgeburtlichen Dasein gesprochen hat, von dem, woran sich der Mensch eigentlich erinnert aus dem vorigen Dasein. Das hört dann auf, je weiter wir ins Mittelalter hereinkommen, bis die Kirche den Glauben an die Präexistenz ganz verbietet; und heute gilt ja der Glaube an die Präexistenz des Menschen für die Kirche als eine Ketzerei. Da ist also auf der einen Seite die Hinneigung zu dem Wissen von der Präexistenz; auf der anderen Seite ist die verahrimanisierte Kirche, welche das Leben des Menschen nur über den Tod hinaus fortsetzt und es dann nur ein Ergebnis sein läßt dessen, was der Mensch auf der Erde hier ist.
[ 33 ] Da haben Sie das als ein Glaubensbekenntnis: Was der Mensch hier in dem physischen Leib erlebt, das trägt er mit durch den Tod. Seine Seele schaut immer wiederum auf das zurück. — Es ist eigentlich das ganze folgende Leben nur die Fortsetzung desjenigen, was hier zwischen seiner Geburt und dem Tode da war. Es ist genau dasselbe, was die ahrimanischen Geister wollen. Das sind gerade die wichtigen Fragen, die vor der gegenwärtigen Menschheit liegen: Soll es dabei bleiben, daß der ahrimanische Glaube fortwuchert, als ob es nur ein Leben nach dem Tode gebe, oder soll wiederum das Bewußtsein von der Präexistenz erwachen und soll es dann dazu kommen, zu verbinden Präexistenz und Postexistenz durch dasjenige, was mittleres Gleichgewicht ist?
[ 34 ] Das ist dasjenige, was Geisteswissenschaft suchen muß, dieses Christus-Prinzip, das Äquilibrium, das Gleichgewicht zwischen dem Luziferisch-Ahrimanischen — auf der einen Seite der Präexistenz, und der Postexistenz auf der anderen Seite. Das sind die wichtigen Fragen der Gegenwart, daß wir, nachdem eine Zeitlang die Menschheit sich hingegeben hat dem ahrimanischen Glauben an die bloße Postexistenz, wiederum hinzufügen auch das Bewußtsein, die Erkenntnis von der Präexistenz, um dadurch zu einem Begreifen der vollen Menschheit zu kommen.
