Perspectives on Human Evolution
The Materialistic Impulse toward Knowledge
and the Task of Anthroposophy
GA 204
3 April 1921, Dornach
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Perspektiven der Menschheitsentwickelung
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Ich bemerke zuvor ausdrücklich, daß dieser heutige Vortrag nicht in die Reihe der Kursusveranstaltungen gehört, sondern in einer gewissen Beziehung sich anschließen soll an das, was ich gestern Abend ausgeführt habe. Es hat sich gestern darum gehandelt, hinzublicken auf jene besondere Entwickelungsgestaltung des geschichtlichen Menschheitswerdens, die in die Mitte und noch in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt, auf den Entwickelungsimpuls des Materialismus. Ich habe gesagt, daß unser Augenmerk gerichtet sein soll bei diesen Betrachtungen nicht so sehr auf den Materialismus im allgemeinen, der ja wieder andere Gesichtspunkte erfordert, als vielmehr im besonderen auf den theoretischen Materialismus, auf den Materialismus als Weltanschauung. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß es ja notwendig ist, in einer hinreichenden Kritik diesem Materialismus gegenüberzutreten, daß aber auf der anderen Seite dieser Materialismus eine notwendige Entwickelungsphase der Menschheitsgeschichte war, daß wir nicht etwa bloß davon sprechen dürfen, daß dieser Materialismus abzuweisen sei, daß er eine menschliche Verirrung sei, sondern daß dieser Materialismus verstanden sein will. Die beiden Dinge schließen sich nämlich durchaus nicht aus. Und es ist gerade bei einer solchen Betrachtung wichtig, das Gebiet jener Vorstellungen, die sich auf Wahrheit und Irrtum beziehen, weiter auszudehnen, als das gewöhnlich geschieht. Man spricht ja gewöhnlich darüber, daß man sich im logischen Gedankenleben irren kann, oder daß man die Wahrheit findet. Aber man spricht nicht davon, daß unter Umständen auch der auf die äußere Welt fallende Blick in der äußeren Wirklichkeit Irrtümer vorfinden kann. Und so schwer es für das heutige Vorstellen auch noch sein wird, im Naturgeschehen Irrtümer anzuerkennen — was aber auch durch die Geisteswissenschaft geschehen will —, so liegt es doch dem heutigen Menschen schon nahe, in dem, was heraufkommt im Laufe des geschichtlichen Werdens, was gewissermaßen im gemeinsamen, im sozialen Leben der Menschheit sich auswirkt, reale Irrtümer anzuerkennen, Irrtümer, die nicht bloß logisch korrigiert sein wollen, sondern die aus ihren Entstehungsbedingungen heraus begriffen sein wollen.
[ 1 ] Ich bemerke zuvor ausdrücklich, daß dieser heutige Vortrag nicht in die Reihe der Kursusveranstaltungen gehört, sondern in einer gewissen Beziehung sich anschließen soll an das, was ich gestern Abend ausgeführt habe. Es hat sich gestern darum gehandelt, hinzublicken auf jene besondere Entwickelungsgestaltung des geschichtlichen Menschheitswerdens, die in die Mitte und noch in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt, auf den Entwickelungsimpuls des Materialismus. Ich habe gesagt, daß unser Augenmerk gerichtet sein soll bei diesen Betrachtungen nicht so sehr auf den Materialismus im allgemeinen, der ja wieder andere Gesichtspunkte erfordert, als vielmehr im besonderen auf den theoretischen Materialismus, auf den Materialismus als Weltanschauung. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß es ja notwendig ist, in einer hinreichenden Kritik diesem Materialismus gegenüberzutreten, daß aber auf der anderen Seite dieser Materialismus eine notwendige Entwickelungsphase der Menschheitsgeschichte war, daß wir nicht etwa bloß davon sprechen dürfen, daß dieser Materialismus abzuweisen sei, daß er eine menschliche Verirrung sei, sondern daß dieser Materialismus verstanden sein will. Die beiden Dinge schließen sich nämlich durchaus nicht aus. Und es ist gerade bei einer solchen Betrachtung wichtig, das Gebiet jener Vorstellungen, die sich auf Wahrheit und Irrtum beziehen, weiter auszudehnen, als das gewöhnlich geschieht. Man spricht ja gewöhnlich darüber, daß man sich im logischen Gedankenleben irren kann, oder daß man die Wahrheit findet. Aber man spricht nicht davon, daß unter Umständen auch der auf die äußere Welt fallende Blick in der äußeren Wirklichkeit Irrtümer vorfinden kann. Und so schwer es für das heutige Vorstellen auch noch sein wird, im Naturgeschehen Irrtümer anzuerkennen — was aber auch durch die Geisteswissenschaft geschehen will —, so liegt es doch dem heutigen Menschen schon nahe, in dem, was heraufkommt im Laufe des geschichtlichen Werdens, was gewissermaßen im gemeinsamen, im sozialen Leben der Menschheit sich auswirkt, reale Irrtümer anzuerkennen, Irrtümer, die nicht bloß logisch korrigiert sein wollen, sondern die aus ihren Entstehungsbedingungen heraus begriffen sein wollen.
[ 2 ] Im Denken hat man ja den Irrtum einzig und allein abzuweisen. Man hat aus dem Irrtum herauszukommen und durch die Überwindung des Irrtums zur Wahrheit zu gelangen. Wenn es sich aber um Irrtümer handelt, die im Tatsächlichen wurzeln, dann muß man immer sagen, daß diese Irrtümer auch ihre positive Seite haben, daß sie in einer gewissen Weise durchaus für die Menschheitsentwickelung ihren Wert haben. Und so darf auch nicht bloß in einseitig philiströser Weise der theoretische Materialismus des 19. Jahrhunderts verdammt werden, sondern er muß in seiner Bedeutung für die ganze Menschheitsentwickelung begriffen werden. Er bestand ja darin — und was von ihm geblieben ist, besteht noch heute darin —, daß man sich einer gewissenhaften genauen Erforschung der äußeren materiellen Tatsachen hingibt, daß man sich in einer gewissen Weise an diese Tatsachenwelt verliert, und daß man dann, ausgehend von dieser Untersuchung der Tatsachenwelt, an die man sich stark gewöhnt, eine Lebensauffassung findet, dahin zielend, daß es nur diese Tatsachenwelt als Wirklichkeit gebe, daß alles das, was geistig, seelisch ist, im Grunde genommen nur ein Produkt ist, das sich ergibt aus diesem materiellen Geschehen. — Auch diese Lebensauffassung war in einem gewissen Zeitalter notwendig, und das Gefährliche bestünde nur, wenn sie starr festgehalten würde und die weitere Entwickelung der Menschheit in einer Zeit beeinflussen würde, in der schon andere Inhalte in das menschliche Bewußtsein einziehen müssen.
[ 2 ] Im Denken hat man ja den Irrtum einzig und allein abzuweisen. Man hat aus dem Irrtum herauszukommen und durch die Überwindung des Irrtums zur Wahrheit zu gelangen. Wenn es sich aber um Irrtümer handelt, die im Tatsächlichen wurzeln, dann muß man immer sagen, daß diese Irrtümer auch ihre positive Seite haben, daß sie in einer gewissen Weise durchaus für die Menschheitsentwickelung ihren Wert haben. Und so darf auch nicht bloß in einseitig philiströser Weise der theoretische Materialismus des 19. Jahrhunderts verdammt werden, sondern er muß in seiner Bedeutung für die ganze Menschheitsentwickelung begriffen werden. Er bestand ja darin — und was von ihm geblieben ist, besteht noch heute darin —, daß man sich einer gewissenhaften genauen Erforschung der äußeren materiellen Tatsachen hingibt, daß man sich in einer gewissen Weise an diese Tatsachenwelt verliert, und daß man dann, ausgehend von dieser Untersuchung der Tatsachenwelt, an die man sich stark gewöhnt, eine Lebensauffassung findet, dahin zielend, daß es nur diese Tatsachenwelt als Wirklichkeit gebe, daß alles das, was geistig, seelisch ist, im Grunde genommen nur ein Produkt ist, das sich ergibt aus diesem materiellen Geschehen. — Auch diese Lebensauffassung war in einem gewissen Zeitalter notwendig, und das Gefährliche bestünde nur, wenn sie starr festgehalten würde und die weitere Entwickelung der Menschheit in einer Zeit beeinflussen würde, in der schon andere Inhalte in das menschliche Bewußtsein einziehen müssen.
[ 3 ] Heute wollen wir einmal untersuchen, worauf denn dieser Entwickelungsimpuls des theoretischen Materialismus eigentlich beruht. Dazu kommen wir, wenn wir von einem gewissen Gesichtspunkte. aus heute noch einmal uns vor die Seele rücken die «Dreigliederung des menschlichen Organismus». Ich habe bei den verschiedensten Gelegenheiten diese «Dreigliederung des menschlichen Organismus» charakterisiert. Ich habe gesagt: Wir haben zu unterscheiden innerhalb der menschlichen Gesamtorganisation dasjenige, was man nennen kann zunächst für den physischen Menschen die Sinnes-Nervenorganisation; sie ist vorzugsweise im menschlichen Haupte konzentriert, erstreckt sich aber in einer gewissen Art auch über den ganzen menschlichen Organismus, durchdringt auch die anderen Glieder dieses Organismus. Wir haben dann als zweites Glied die rhythmische Organisation des Menschen, deren Hauptsächlichstes uns entgegentritt in dem Atmungsrhythmus und in der Blutzirkulation. Und wir haben als drittes die Stoffwechselorganisation des Menschen im weiteren Sinne, wozu ja auch das gesamte Gliedmaßensystem des Menschen gehört. Das Gliedmaßensystem des Menschen ist Bewegungssystem, und alle Bewegung des Menschen ist im Grunde genommen nur ein Ausdruck seines Stoffwechsels. Wenn man einmal des Näheren wird untersuchen können, was eigentlich im Stoffwechsel vor sich geht, wenn der Mensch in Bewegung ist, dann wird man diesen innigen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Gliedmaßensystem und dem Stoffwechselsystem erkennen.
[ 3 ] Heute wollen wir einmal untersuchen, worauf denn dieser Entwickelungsimpuls des theoretischen Materialismus eigentlich beruht. Dazu kommen wir, wenn wir von einem gewissen Gesichtspunkte. aus heute noch einmal uns vor die Seele rücken die «Dreigliederung des menschlichen Organismus». Ich habe bei den verschiedensten Gelegenheiten diese «Dreigliederung des menschlichen Organismus» charakterisiert. Ich habe gesagt: Wir haben zu unterscheiden innerhalb der menschlichen Gesamtorganisation dasjenige, was man nennen kann zunächst für den physischen Menschen die Sinnes-Nervenorganisation; sie ist vorzugsweise im menschlichen Haupte konzentriert, erstreckt sich aber in einer gewissen Art auch über den ganzen menschlichen Organismus, durchdringt auch die anderen Glieder dieses Organismus. Wir haben dann als zweites Glied die rhythmische Organisation des Menschen, deren Hauptsächlichstes uns entgegentritt in dem Atmungsrhythmus und in der Blutzirkulation. Und wir haben als drittes die Stoffwechselorganisation des Menschen im weiteren Sinne, wozu ja auch das gesamte Gliedmaßensystem des Menschen gehört. Das Gliedmaßensystem des Menschen ist Bewegungssystem, und alle Bewegung des Menschen ist im Grunde genommen nur ein Ausdruck seines Stoffwechsels. Wenn man einmal des Näheren wird untersuchen können, was eigentlich im Stoffwechsel vor sich geht, wenn der Mensch in Bewegung ist, dann wird man diesen innigen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Gliedmaßensystem und dem Stoffwechselsystem erkennen.
[ 4 ] Wenn wir diese drei Systeme des Menschen uns vorhalten, dann haben wir zunächst den tiefgreifenden Unterschied gegeben, welcher zwischen diesen drei Systemen besteht. Ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, wie zwei Menschen von ganz verschiedener Weltauffassung dutch dieselben Zeichnungen sich klarmachen wollten, was sich auf die menschliche Hauptorganisation, aber auch auf das menschliche Vorstellen bezieht. Ich habe darauf hingewiesen, wie es mir einmal passiert ist bei einem Vortrag anwesend zu sein, der gehalten wurde von einem extremen Materialisten. Er wollte das Seelenleben beschreiben, beschrieb aber eigentlich das menschliche Gehirn, beschrieb die einzelnen Partien dieses Gehirnes, ihre Verbindungsfasern und so weiter. Er bekam dadurch ein Bild heraus; dieses Bild, das er auf die Tafel zeichnete, das war bei ihm nur der Ausdruck desjenigen, was materiell physisch im menschlichen Gehirn vorgeht, es war aber zu gleicher Zeit der Ausdruck für ihn des seelischen Erlebens, vorzugsweise des Vorstellungserlebens. Ein anderer, der Herbartischer Philosoph war, sprach von Vorstellungen, von Assoziationen der Vorstellungen, von der Wirkung also einer Vorstellung auf die andere und so weiter, und er sagte, er könne dasselbe Bild gebrauchen. — Es liegt da, ich möchte sagen, ganz empirisch etwas vor, was außerordentlich interessant ist. Es liegt das vor, daß jemand, dem das Seelenleben für die Beobachtung, wenigstens in seinen Vorstellungen — das muß man ja beim Herbartianismus immer hinzusetzen —, etwas Reales ist, daß der durch dasselbe Bild sich klarmacht, wie dieses Seelenleben wirkt, wie der andere, der eigentlich nur die Geschehnisse im Gehirn darstellen will, das Seelenleben beschreibt.
[ 4 ] Wenn wir diese drei Systeme des Menschen uns vorhalten, dann haben wir zunächst den tiefgreifenden Unterschied gegeben, welcher zwischen diesen drei Systemen besteht. Ich habe schon gestern darauf aufmerksam gemacht, wie zwei Menschen von ganz verschiedener Weltauffassung dutch dieselben Zeichnungen sich klarmachen wollten, was sich auf die menschliche Hauptorganisation, aber auch auf das menschliche Vorstellen bezieht. Ich habe darauf hingewiesen, wie es mir einmal passiert ist bei einem Vortrag anwesend zu sein, der gehalten wurde von einem extremen Materialisten. Er wollte das Seelenleben beschreiben, beschrieb aber eigentlich das menschliche Gehirn, beschrieb die einzelnen Partien dieses Gehirnes, ihre Verbindungsfasern und so weiter. Er bekam dadurch ein Bild heraus; dieses Bild, das er auf die Tafel zeichnete, das war bei ihm nur der Ausdruck desjenigen, was materiell physisch im menschlichen Gehirn vorgeht, es war aber zu gleicher Zeit der Ausdruck für ihn des seelischen Erlebens, vorzugsweise des Vorstellungserlebens. Ein anderer, der Herbartischer Philosoph war, sprach von Vorstellungen, von Assoziationen der Vorstellungen, von der Wirkung also einer Vorstellung auf die andere und so weiter, und er sagte, er könne dasselbe Bild gebrauchen. — Es liegt da, ich möchte sagen, ganz empirisch etwas vor, was außerordentlich interessant ist. Es liegt das vor, daß jemand, dem das Seelenleben für die Beobachtung, wenigstens in seinen Vorstellungen — das muß man ja beim Herbartianismus immer hinzusetzen —, etwas Reales ist, daß der durch dasselbe Bild sich klarmacht, wie dieses Seelenleben wirkt, wie der andere, der eigentlich nur die Geschehnisse im Gehirn darstellen will, das Seelenleben beschreibt.
[ 5 ] Nun, was liegt denn einer solchen Sache eigentlich zugrunde? Das liegt zugrunde, daß ja in der Tat das menschliche Gehirn in seiner plastischen Gestaltung ein außerordentlich getreues Abbild ist desjenigen, was wir als Vorstellungsleben kennen. In der Plastik des menschlichen Gehirnes drückt sich wirklich das Vorstellungsleben in einer, man möchte fast sagen adäquaten Weise aus. Um aber diesen Gedanken wirklich zu Ende denken zu können, ist noch etwas notwendig. Dazu ist notwendig, daß man dasjenige, was man als die Vorstellungsverkettungen in der gewöhnlichen Psychologie lernt, zum Beispiel auch in der Herbartischen Psychologie, was man lernt als die Vorstellungsverkettungen im Urteil, im Schließen durch Logik und so weiter, daß man das nicht bei Gedanken beläßt, sondern daß man es wenigstens in der Phantasie — wenn man auch nicht aufsteigen kann zu hellseherischen Imaginationen —, es wenigstens dann in der Phantasie ins Bild auslaufen läßt; also dasjenige, was das Gewebe der Logik ist, was das Gewebe ist, das uns die Psychologie über das Vorstellungsleben gibt, die Seelenkunde, daß man das ins Bild auslaufen läßt. Wenn man in der Tat dazu gelangt, ich möchte sagen, Logik und Psychologie malerisch-plastisch ins Bild hinüberzugestalten, dann kommt die menschliche Gestaltung des Gehirnes heraus, dann haben wir ein Bild hingezeichnet, dessen Verwirklichung das menschliche Gehirn ist.
[ 5 ] Nun, was liegt denn einer solchen Sache eigentlich zugrunde? Das liegt zugrunde, daß ja in der Tat das menschliche Gehirn in seiner plastischen Gestaltung ein außerordentlich getreues Abbild ist desjenigen, was wir als Vorstellungsleben kennen. In der Plastik des menschlichen Gehirnes drückt sich wirklich das Vorstellungsleben in einer, man möchte fast sagen adäquaten Weise aus. Um aber diesen Gedanken wirklich zu Ende denken zu können, ist noch etwas notwendig. Dazu ist notwendig, daß man dasjenige, was man als die Vorstellungsverkettungen in der gewöhnlichen Psychologie lernt, zum Beispiel auch in der Herbartischen Psychologie, was man lernt als die Vorstellungsverkettungen im Urteil, im Schließen durch Logik und so weiter, daß man das nicht bei Gedanken beläßt, sondern daß man es wenigstens in der Phantasie — wenn man auch nicht aufsteigen kann zu hellseherischen Imaginationen —, es wenigstens dann in der Phantasie ins Bild auslaufen läßt; also dasjenige, was das Gewebe der Logik ist, was das Gewebe ist, das uns die Psychologie über das Vorstellungsleben gibt, die Seelenkunde, daß man das ins Bild auslaufen läßt. Wenn man in der Tat dazu gelangt, ich möchte sagen, Logik und Psychologie malerisch-plastisch ins Bild hinüberzugestalten, dann kommt die menschliche Gestaltung des Gehirnes heraus, dann haben wir ein Bild hingezeichnet, dessen Verwirklichung das menschliche Gehirn ist.
[ 6 ] Worauf beruht das eigentlich? Das beruht darauf, daß in der Tat das menschliche Gehirn, überhaupt das ganze Nerven-Sinnessystem, ein Abdruck eines Imaginativen ist. Und vollständig verstehen lernt man den Wunderbau des menschlichen Gehirnes erst, wenn man imaginativ forschen kann. Dann hat man dieses menschliche Gehirn gegeben als realisierte menschliche Imagination. Das imaginative Erkennen lehrt, das äußere Gehirn, das Gehirn, das wir durch die Physiologie und durch die Anatomie kennenlernen, als realisierte Imagination kennenzulernen. Das ist bedeutsam.
[ 6 ] Worauf beruht das eigentlich? Das beruht darauf, daß in der Tat das menschliche Gehirn, überhaupt das ganze Nerven-Sinnessystem, ein Abdruck eines Imaginativen ist. Und vollständig verstehen lernt man den Wunderbau des menschlichen Gehirnes erst, wenn man imaginativ forschen kann. Dann hat man dieses menschliche Gehirn gegeben als realisierte menschliche Imagination. Das imaginative Erkennen lehrt, das äußere Gehirn, das Gehirn, das wir durch die Physiologie und durch die Anatomie kennenlernen, als realisierte Imagination kennenzulernen. Das ist bedeutsam.
[ 7 ] Eine andere Tatsache daneben ist aber nicht minder bedeutsam. Halten wir auf der einen Seite fest: Das menschliche Gehirn ist reale menschliche Imagination. Wir werden ja schon geboren, wenn auch nicht mit dem fertigen Gehirn, so doch mit den Wachstumstendenzen des Gehirnes; es will sich dahin entwickeln, realisierte imaginative Welt zu sein, es will Abdruck werden einer imaginativen Welt. Das ist sozusagen das Fertige an unserem Gehirn, daß es ein Abdruck ist einer imaginativen Welt. In diesen Abdruck der imaginativen Welt bauen wir hinein, was Vorstellungserleben nun ist in der Zeit, die wir durchlaufen zwischen der Geburt und dem Tode. Wir haben in dieser Zeit Vorstellungserlebnisse; wir stellen vor, wir verwandeln die Wahrnehmungen in Vorstellungen, wir urteilen, wir schließen und so weiter. Das bauen wir in unser Gehirn hinein. Was ist dieses für eine Tätigkeit?
[ 7 ] Eine andere Tatsache daneben ist aber nicht minder bedeutsam. Halten wir auf der einen Seite fest: Das menschliche Gehirn ist reale menschliche Imagination. Wir werden ja schon geboren, wenn auch nicht mit dem fertigen Gehirn, so doch mit den Wachstumstendenzen des Gehirnes; es will sich dahin entwickeln, realisierte imaginative Welt zu sein, es will Abdruck werden einer imaginativen Welt. Das ist sozusagen das Fertige an unserem Gehirn, daß es ein Abdruck ist einer imaginativen Welt. In diesen Abdruck der imaginativen Welt bauen wir hinein, was Vorstellungserleben nun ist in der Zeit, die wir durchlaufen zwischen der Geburt und dem Tode. Wir haben in dieser Zeit Vorstellungserlebnisse; wir stellen vor, wir verwandeln die Wahrnehmungen in Vorstellungen, wir urteilen, wir schließen und so weiter. Das bauen wir in unser Gehirn hinein. Was ist dieses für eine Tätigkeit?
[ 8 ] Solange wir im unmittelbaren Wahrnehmen leben, solange wir in der Wechselwirkung stehen mit der Außenwelt, solange wir unsere Augen öffnen den Farben und im Zusammensein mit den Farben leben, solange wir unsere Hörorgane öffnen den Tönen und im Zusammensein in diesen Tönen leben, so lange lebt die Außenwelt, indem sie durch die Sinne wie dutch Golfe eindringt in unseren Organismus, in uns weiter. Wir umfassen mit unserem inneren Leben in uns diese Außenwelt. In dem Augenblicke aber, auf den ich schon gestern aufmerksam machte, wo wir aufhören mit diesem unmittelbaren Erleben der Außenwelt, in dem Augenblicke, wo wit das Auge abwenden von der Farbenwelt, das Ohr unaufmerksam werden lassen in bezug auf das Tönen der Außenwelt, oder in dem Augenblicke, wo wir diese Sinne anderem zuwenden, tritt dasjenige, was Konkretheit hat — unsere Wechselwirkung mit der Außenwelt im Wahrnehmen —, in die Tiefen unserer Seelen hinunter und kann in der Erinnerung wiederum im Bilde hervorgeholt werden. Wir können sagen: Während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod gliedert sich vorstellungsgemäß unser Wechselverkehr mit der Außenwelt in zwei Teile, in das unmittelbare Erleben der Außenwelt in Wahrnehmungen und umgestalteten Vorstellungen. Da sind wir sozusagen an die Gegenwart ganz hingegeben, da hört unsere innere Tätigkeit in der Gegenwart auf. Dann aber setzt sich fort diese gegenwärtige Tätigkeit. Sie entzieht sich zum großen Teile zunächst unserem Bewußtsein; sie tritt in das Unbewußte hinunter, kann aber wiederum heraufgeholt werden in die Erinnerungsvorstellung. Wie ist sie da in uns vorhanden?
[ 8 ] Solange wir im unmittelbaren Wahrnehmen leben, solange wir in der Wechselwirkung stehen mit der Außenwelt, solange wir unsere Augen öffnen den Farben und im Zusammensein mit den Farben leben, solange wir unsere Hörorgane öffnen den Tönen und im Zusammensein in diesen Tönen leben, so lange lebt die Außenwelt, indem sie durch die Sinne wie dutch Golfe eindringt in unseren Organismus, in uns weiter. Wir umfassen mit unserem inneren Leben in uns diese Außenwelt. In dem Augenblicke aber, auf den ich schon gestern aufmerksam machte, wo wir aufhören mit diesem unmittelbaren Erleben der Außenwelt, in dem Augenblicke, wo wit das Auge abwenden von der Farbenwelt, das Ohr unaufmerksam werden lassen in bezug auf das Tönen der Außenwelt, oder in dem Augenblicke, wo wir diese Sinne anderem zuwenden, tritt dasjenige, was Konkretheit hat — unsere Wechselwirkung mit der Außenwelt im Wahrnehmen —, in die Tiefen unserer Seelen hinunter und kann in der Erinnerung wiederum im Bilde hervorgeholt werden. Wir können sagen: Während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod gliedert sich vorstellungsgemäß unser Wechselverkehr mit der Außenwelt in zwei Teile, in das unmittelbare Erleben der Außenwelt in Wahrnehmungen und umgestalteten Vorstellungen. Da sind wir sozusagen an die Gegenwart ganz hingegeben, da hört unsere innere Tätigkeit in der Gegenwart auf. Dann aber setzt sich fort diese gegenwärtige Tätigkeit. Sie entzieht sich zum großen Teile zunächst unserem Bewußtsein; sie tritt in das Unbewußte hinunter, kann aber wiederum heraufgeholt werden in die Erinnerungsvorstellung. Wie ist sie da in uns vorhanden?
[ 9 ] Da ist ein Punkt, wo nur das unmittelbare Anschauen, das errungen werden kann in der Imagination, Aufschluß zu geben vermag. Der Mensch, der ehrlich in seinem Wissenschaftsstreben seinen Weg verfolgt, muß sich unbedingt sagen: in dem Augenblick, wo das Rätsel der Erinnerung an ihn herantritt, kommt er mit seinem Forschen keinen Schritt mehr weiter. Indem sich dasjenige, was in unmittelbarer Gegenwart erlebt wird, hinunterschiebt in das Unterbewußtsein, entrückt es sich dem gewöhnlichen Bewußtsein; man kann es da nicht weiter verfolgen. Wenn nun entsprechend gearbeitet wird in der Menschenseele durch diejenigen seelisch-geistigen Übungen, von denen oftmals gesprochen worden ist in diesen Betrachtungen, dann kommt man dazu, nicht mehr zu verlieren den Anblick der Fortsetzungen unseres unmittelbaren Wahrnehmungs- und Vorstellungserlebens, das dann in die erinnerungsmöglichen Vorstellungen übergeht. Ich habe ja des öfteren auseinandergesetzt, wie eine erste Folge, ein erstes Ergebnis des Aufsteigens zu imaginativen Vorstellungen das ist, daß man wie in einem mächtigen Lebenstableau vor sich hat, vor der Seele hat die Erlebnisse seit der Geburt. Während sonst nur der Strom des Erlebens im Unbewußten hinfließt und die einzelnen Vorstellungen, die in der Erinnerung kommen, aus diesem unbewußten oder unterbewußten Strom herauftauchen durch eine halb träumerische Tätigkeit, wird für denjenigen, der das imaginative Vorstellen entwickelt hat, die Möglichkeit geboten, wie in einem Bilde zu überschauen den Strom der Erlebnisse. Man möchte sagen, die Zeit, die da verflossen ist seit unserer Geburt, nimmt sich dann aus wie der Raum selber. Man sieht im Zusammenhange der Bildform dasjenige, was sonst im Unterbewußtsein ist. Wenn man in dieser Weise in unmittelbares Schauen herauf erhebt dasjenige, was sonst ins Unterbewußtsein entschlüpft, dann kann man beobachten diese Fortsetzung der gegenwärtigen unmittelbaren Wahrnehmungs- und Denkerlebnisse bis zu den erinnerungsmöglichen Vorstellungen; man kann verfolgen, was im menschlichen Wesen vor sich geht, sagen wir, mit irgendeinem Erlebnis, das man in der Vorstellung hat, von dem Zeitpunkte, wo man es zunächst für das Vorstellen verloren hat, bis zu dem Zeitpunkte, wo man sich wiederum daran erinnert. Da geschieht ja fortwährend, vom Erleben bis zum Erinnern, etwas in diesem menschlichen Organismus; für das imaginative Vorstellen wird das anschaubar; es wird in Imaginationen anschaubar, aber es enthüllt sich nun in einer ganz besonderen Weise.
[ 9 ] Da ist ein Punkt, wo nur das unmittelbare Anschauen, das errungen werden kann in der Imagination, Aufschluß zu geben vermag. Der Mensch, der ehrlich in seinem Wissenschaftsstreben seinen Weg verfolgt, muß sich unbedingt sagen: in dem Augenblick, wo das Rätsel der Erinnerung an ihn herantritt, kommt er mit seinem Forschen keinen Schritt mehr weiter. Indem sich dasjenige, was in unmittelbarer Gegenwart erlebt wird, hinunterschiebt in das Unterbewußtsein, entrückt es sich dem gewöhnlichen Bewußtsein; man kann es da nicht weiter verfolgen. Wenn nun entsprechend gearbeitet wird in der Menschenseele durch diejenigen seelisch-geistigen Übungen, von denen oftmals gesprochen worden ist in diesen Betrachtungen, dann kommt man dazu, nicht mehr zu verlieren den Anblick der Fortsetzungen unseres unmittelbaren Wahrnehmungs- und Vorstellungserlebens, das dann in die erinnerungsmöglichen Vorstellungen übergeht. Ich habe ja des öfteren auseinandergesetzt, wie eine erste Folge, ein erstes Ergebnis des Aufsteigens zu imaginativen Vorstellungen das ist, daß man wie in einem mächtigen Lebenstableau vor sich hat, vor der Seele hat die Erlebnisse seit der Geburt. Während sonst nur der Strom des Erlebens im Unbewußten hinfließt und die einzelnen Vorstellungen, die in der Erinnerung kommen, aus diesem unbewußten oder unterbewußten Strom herauftauchen durch eine halb träumerische Tätigkeit, wird für denjenigen, der das imaginative Vorstellen entwickelt hat, die Möglichkeit geboten, wie in einem Bilde zu überschauen den Strom der Erlebnisse. Man möchte sagen, die Zeit, die da verflossen ist seit unserer Geburt, nimmt sich dann aus wie der Raum selber. Man sieht im Zusammenhange der Bildform dasjenige, was sonst im Unterbewußtsein ist. Wenn man in dieser Weise in unmittelbares Schauen herauf erhebt dasjenige, was sonst ins Unterbewußtsein entschlüpft, dann kann man beobachten diese Fortsetzung der gegenwärtigen unmittelbaren Wahrnehmungs- und Denkerlebnisse bis zu den erinnerungsmöglichen Vorstellungen; man kann verfolgen, was im menschlichen Wesen vor sich geht, sagen wir, mit irgendeinem Erlebnis, das man in der Vorstellung hat, von dem Zeitpunkte, wo man es zunächst für das Vorstellen verloren hat, bis zu dem Zeitpunkte, wo man sich wiederum daran erinnert. Da geschieht ja fortwährend, vom Erleben bis zum Erinnern, etwas in diesem menschlichen Organismus; für das imaginative Vorstellen wird das anschaubar; es wird in Imaginationen anschaubar, aber es enthüllt sich nun in einer ganz besonderen Weise.
[ 10 ] Die Gedanken, die da ins Unterbewußte gewissermaßen sich verloren haben, die regen in diesem Unterbewußtsein nicht eine Tätigkeit an, welche mit unserem Lebensimpuls, mit unserem Wachstumsimpuls zusammenhängt, sondern sie regen eine Tätigkeit in uns an, welche zusammenhängt mit unserem Sterbeimpuls. Das ist das bedeutungsvolle Ergebnis, das sich auf dem Wege, den ich heute nur andeuten konnte, dem imaginativen Erkennen ergibt, daß der Mensch seine Erinnerungstätigkeit, die zur Erneuerung von Gedanken, von Vorstellungserlebnissen, von Wahrnehmungserlebnissen führt, nicht knüpft an dasjenige, was uns ins Leben ruft, was uns ins physische Leben ruft, was uns im physischen Leben die Verdauung befördert, so daß wir die unbrauchbar gewordenen Stoffe durch brauchbare ersetzen und so weiter. Nicht mit diesem aufsteigenden Lebenssystem des Menschen hängt das zusammen, was wir als Erinnerungskraft hinunterschicken in die menschliche Wesenheit, sondern mit dem hängt es zusammen, was wir in uns tragen auch schon seit unserer Geburt, mit dem wir ebenso geboren werden wie mit dem, wodurch wir leben und wachsen, es hängt mit dem zusammen, was uns dann, zusammengedrängt in einem einzigen Momente, für den ganzen Organismus erscheint im Sterben.
[ 10 ] Die Gedanken, die da ins Unterbewußte gewissermaßen sich verloren haben, die regen in diesem Unterbewußtsein nicht eine Tätigkeit an, welche mit unserem Lebensimpuls, mit unserem Wachstumsimpuls zusammenhängt, sondern sie regen eine Tätigkeit in uns an, welche zusammenhängt mit unserem Sterbeimpuls. Das ist das bedeutungsvolle Ergebnis, das sich auf dem Wege, den ich heute nur andeuten konnte, dem imaginativen Erkennen ergibt, daß der Mensch seine Erinnerungstätigkeit, die zur Erneuerung von Gedanken, von Vorstellungserlebnissen, von Wahrnehmungserlebnissen führt, nicht knüpft an dasjenige, was uns ins Leben ruft, was uns ins physische Leben ruft, was uns im physischen Leben die Verdauung befördert, so daß wir die unbrauchbar gewordenen Stoffe durch brauchbare ersetzen und so weiter. Nicht mit diesem aufsteigenden Lebenssystem des Menschen hängt das zusammen, was wir als Erinnerungskraft hinunterschicken in die menschliche Wesenheit, sondern mit dem hängt es zusammen, was wir in uns tragen auch schon seit unserer Geburt, mit dem wir ebenso geboren werden wie mit dem, wodurch wir leben und wachsen, es hängt mit dem zusammen, was uns dann, zusammengedrängt in einem einzigen Momente, für den ganzen Organismus erscheint im Sterben.
[ 11 ] Das Sterben erscheint nur solange als ein großes Rätsel, solange es nicht gesehen wird in dem fortgehenden Leben zwischen Geburt und Tod. Wir sterben nicht nur — wenn ich mich paradox ausdrücken darf —, wenn wir sterben, wir sterben im Grunde genommen in jedem Momente unseres physischen Lebens. Und indem ausgebildet wird in unserem Organismus jene Tätigkeit, welche zur Erinnerung führt als das erinnerungsmäßige Denken — und jedes Erkennen im gewöhnlichen physischen Leben ist ja im Grunde genommen an die Erinnerung geheftet —, insofern ausgebildet wird dieses Erkennen, insofern sterben wir fortwährend. Es ist ein leises Sterben, ausgehend von unserer Hauptesorganisation, fortwährend in uns. Indem wir gerade diese Tätigkeit ausführen, die sich fortsetzt in der Erinnerung, beginnen wir den Akt des Sterbens fortwährend. Nur wird diesem Akt des Sterbens entgegengearbeitet durch dasjenige, was in uns Wachstumskräfte in den anderen Gliedern des menschlichen Organismus sind, die überwältigen die Sterbekräfte. Und so halten wir das Leben durch. Käme es auf unsere Hauptesorganisation, auf die Nerven-Sinnesorganisation an, so wäre eigentlich jeder Augenblick im Leben für uns ein Todesaugenblick. Wir besiegen als Menschen fortwährend den Tod, der von unserem Haupte nach unserer übrigen Organisation gewissermaßen hinströmt. Unsere übrige Organisation wirkt diesem Tode entgegen. Und erst wenn unsere übrige Organisation erlahmt, erlahmt durch das Alter oder erlahmt durch irgendeine andere Schädigung, so daß diese andere Organisation nicht den todbringenden Kräften des menschlichen Hauptes entgegenwirken kann, erst dann tritt für den ganzen Organismus der Tod ein.
[ 11 ] Das Sterben erscheint nur solange als ein großes Rätsel, solange es nicht gesehen wird in dem fortgehenden Leben zwischen Geburt und Tod. Wir sterben nicht nur — wenn ich mich paradox ausdrücken darf —, wenn wir sterben, wir sterben im Grunde genommen in jedem Momente unseres physischen Lebens. Und indem ausgebildet wird in unserem Organismus jene Tätigkeit, welche zur Erinnerung führt als das erinnerungsmäßige Denken — und jedes Erkennen im gewöhnlichen physischen Leben ist ja im Grunde genommen an die Erinnerung geheftet —, insofern ausgebildet wird dieses Erkennen, insofern sterben wir fortwährend. Es ist ein leises Sterben, ausgehend von unserer Hauptesorganisation, fortwährend in uns. Indem wir gerade diese Tätigkeit ausführen, die sich fortsetzt in der Erinnerung, beginnen wir den Akt des Sterbens fortwährend. Nur wird diesem Akt des Sterbens entgegengearbeitet durch dasjenige, was in uns Wachstumskräfte in den anderen Gliedern des menschlichen Organismus sind, die überwältigen die Sterbekräfte. Und so halten wir das Leben durch. Käme es auf unsere Hauptesorganisation, auf die Nerven-Sinnesorganisation an, so wäre eigentlich jeder Augenblick im Leben für uns ein Todesaugenblick. Wir besiegen als Menschen fortwährend den Tod, der von unserem Haupte nach unserer übrigen Organisation gewissermaßen hinströmt. Unsere übrige Organisation wirkt diesem Tode entgegen. Und erst wenn unsere übrige Organisation erlahmt, erlahmt durch das Alter oder erlahmt durch irgendeine andere Schädigung, so daß diese andere Organisation nicht den todbringenden Kräften des menschlichen Hauptes entgegenwirken kann, erst dann tritt für den ganzen Organismus der Tod ein.
[ 12 ] Ja, wir arbeiten eigentlich im heutigen Denken, in dem Denken der heutigen Zivilisation, mit Begriffen, die wie erratische Blöcke nebeneinanderliegen, ohne daß wir den Zusammenhang in richtiger Weise erkennen. Licht muß hineinkommen in dieses Chaos von erratischen Blöcken unserer Begriffs- und Vorstellungswelt. Wir haben auf der einen Seite das menschliche Erkennen, das so eng an die Erinnerungsfähigkeit gebunden ist. Wir schauen dieses menschliche Erkennen an und ahnen nicht seine Verwandtschaft mit der Vorstellung, die wir vom Tode haben. Und weil wir diese Verwandtschaft nicht ahnen, deshalb bleibt uns das, was sich sonst im Leben enträtseln könnte, so rätselvoll. Wir können nicht dasjenige, was sich im Alltag erleben läßt, mit den großen außerordentlichen Augenblicken des Erlebens verbinden. Die mangelnde geistige Überschau über das, was als Brocken herumliegt in unserer Vorstellungswelt, die bewirkt, daß das Leben nach und nach trotz der großen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts so undurchschaubar geworden ist.
[ 12 ] Ja, wir arbeiten eigentlich im heutigen Denken, in dem Denken der heutigen Zivilisation, mit Begriffen, die wie erratische Blöcke nebeneinanderliegen, ohne daß wir den Zusammenhang in richtiger Weise erkennen. Licht muß hineinkommen in dieses Chaos von erratischen Blöcken unserer Begriffs- und Vorstellungswelt. Wir haben auf der einen Seite das menschliche Erkennen, das so eng an die Erinnerungsfähigkeit gebunden ist. Wir schauen dieses menschliche Erkennen an und ahnen nicht seine Verwandtschaft mit der Vorstellung, die wir vom Tode haben. Und weil wir diese Verwandtschaft nicht ahnen, deshalb bleibt uns das, was sich sonst im Leben enträtseln könnte, so rätselvoll. Wir können nicht dasjenige, was sich im Alltag erleben läßt, mit den großen außerordentlichen Augenblicken des Erlebens verbinden. Die mangelnde geistige Überschau über das, was als Brocken herumliegt in unserer Vorstellungswelt, die bewirkt, daß das Leben nach und nach trotz der großen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts so undurchschaubar geworden ist.
[ 13 ] Wenden wir jetzt den Blick auf das zweite System, auf das zweite Glied der menschlichen Organisation; da haben wir die rhythmische Organisation. Diese rhythmische Organisation ist ja auch in der menschlichen Hauptesorganisation vorhanden. Das Innere des menschlichen Hauptes atmet mit dem Atmungsorganismus mit. Das ist schon eine äußerliche physiologische Tatsache. Aber die Atmung des menschlichen Hauptes ist gewissermaßen mehr nach innen liegend, sie verbirgt sich vor der Nerven-Sinnesorganisation. Sie ist verdeckt durch dasjenige, was für die Hauptesorganisation die Hauptsache ist. Aber das menschliche Haupt hat durchaus auch seine verborgene rhythmische Tätigkeit. Diese verborgene rhythmische Tätigkeit tritt aber vorzüglich zutage eben in der menschlichen Brustorganisation, in den Verrichtungen des menschlichen Organismus, die ihren Mittelpunkt im Atmungsorgan und im Herzen haben. Wenn wir allerdings diese Organisation, wie sie sich uns äußerlich darbietet, anschauen, so können wir nicht in der gleichen Weise wie bei der Hauptesorganisation in ihr erblicken wie ein plastisches Bild dasjenige, was als seelisches Gegenstück dazu vorhanden ist, nämlich das Gefühlsieben. Unser Gefühlsleben erscheint uns ja schon, wenn wir das seelische Erleben betrachten, als etwas mehr oder weniger ineinander Verschwimmendes. Wir haben von unseren Vorstellungen scharfe Konturen. Wir haben auch von den Assoziationen der Vorstellungen wiederum deutliche Begriffe. Aber wir haben nicht in derselben Weise scharfe Konturen der Einzelheiten unseres Gefühlslebens. Das regt sich und lebt sich ineinander. Und man wird niemals einen Herbartianer finden, der dasjenige, was er als Abbild für das Gefühlsleben schafft, in einer ähnlichen Zeichnung wird charakterisieren wollen, wie etwa der Anatom oder der Physiologe das Lungensystem oder das HerzBlutsystem aufzeichnet. Da findet man schon, daß zwischen demjenigen, was innerlich seelisch ist, und demjenigen, was äußerlich ist, ein solcher Bezug nicht da ist. Daher kann man sich aber auch nicht diesen Zusammenhang des seelischen Gefühlslebens mit dem rhythmischen System durch die Erkenntnis der Imagination vor die Seele führen. Dazu ist notwendig dasjenige, was ich in meinen Schriften charakterisiert habe als die Erkenntnis der Inspiration. Dieser besonderen Erkenntnisart der Inspiration ergibt sich, daß das Gefühlsleben des Menschen einen unmittelbaren Bezug zu dem rhythmischen System hat, daß ebenso wie das Nerven-Sinnessystem dem Vorstellungsleben zugeeignet ist, das rhythmische System dem Gefühlsleben des Menschen zugeeignet ist. Aber — gewissermaßen vergleichsweise gesprochen — der Wachsabdruck des Gefühlslebens ist das rhythmische System nicht so, wie das Gehirnsystem der Wachsabdruck des Vorstellungslebens ist. Daher können wir nicht sagen, in unserem rhythmischen System sei ein imaginatives Abbild gegeben des Gefühlslebens. Dagegen müssen wir sagen, dasjenige, was sich in uns als rhythmisches System ausbildet, was in uns als rhythmisches System lebt, das ist — nun ganz abgesehen von jeder menschlichen Erkenntnis — durch Weltinspiration entstanden. Es ist inspiriert in uns. Die Tätigkeit, die in der Atmung, die in der Blutzirkulation ausgeübt wird, ist ja nicht nur etwas, was in uns lebt innerhalb unserer Haut, sie ist ein Weltgeschehen, wie das Blitzen und Donnern ein Weltgeschehen ist. Wir hängen ja auch durch unser rhythmisches System zusammen mit der Außenwelt. Die Luft, die jetzt in mir ist, sie war vorher draußen; die Luft, die jetzt in mir ist, sie wird nachher draußen sein. Es ist ein Wahn, zu glauben, daß der Mensch nur innerhalb seiner Haut lebt. Er lebt als ein Glied derjenigen Welt, die um ihn ist. Und aus dieser Welt herein inspiriert ist die Gestalt seines rhythmischen Systems, das in engster Beziehung zu seinen Bewegungen steht.
[ 13 ] Wenden wir jetzt den Blick auf das zweite System, auf das zweite Glied der menschlichen Organisation; da haben wir die rhythmische Organisation. Diese rhythmische Organisation ist ja auch in der menschlichen Hauptesorganisation vorhanden. Das Innere des menschlichen Hauptes atmet mit dem Atmungsorganismus mit. Das ist schon eine äußerliche physiologische Tatsache. Aber die Atmung des menschlichen Hauptes ist gewissermaßen mehr nach innen liegend, sie verbirgt sich vor der Nerven-Sinnesorganisation. Sie ist verdeckt durch dasjenige, was für die Hauptesorganisation die Hauptsache ist. Aber das menschliche Haupt hat durchaus auch seine verborgene rhythmische Tätigkeit. Diese verborgene rhythmische Tätigkeit tritt aber vorzüglich zutage eben in der menschlichen Brustorganisation, in den Verrichtungen des menschlichen Organismus, die ihren Mittelpunkt im Atmungsorgan und im Herzen haben. Wenn wir allerdings diese Organisation, wie sie sich uns äußerlich darbietet, anschauen, so können wir nicht in der gleichen Weise wie bei der Hauptesorganisation in ihr erblicken wie ein plastisches Bild dasjenige, was als seelisches Gegenstück dazu vorhanden ist, nämlich das Gefühlsieben. Unser Gefühlsleben erscheint uns ja schon, wenn wir das seelische Erleben betrachten, als etwas mehr oder weniger ineinander Verschwimmendes. Wir haben von unseren Vorstellungen scharfe Konturen. Wir haben auch von den Assoziationen der Vorstellungen wiederum deutliche Begriffe. Aber wir haben nicht in derselben Weise scharfe Konturen der Einzelheiten unseres Gefühlslebens. Das regt sich und lebt sich ineinander. Und man wird niemals einen Herbartianer finden, der dasjenige, was er als Abbild für das Gefühlsleben schafft, in einer ähnlichen Zeichnung wird charakterisieren wollen, wie etwa der Anatom oder der Physiologe das Lungensystem oder das HerzBlutsystem aufzeichnet. Da findet man schon, daß zwischen demjenigen, was innerlich seelisch ist, und demjenigen, was äußerlich ist, ein solcher Bezug nicht da ist. Daher kann man sich aber auch nicht diesen Zusammenhang des seelischen Gefühlslebens mit dem rhythmischen System durch die Erkenntnis der Imagination vor die Seele führen. Dazu ist notwendig dasjenige, was ich in meinen Schriften charakterisiert habe als die Erkenntnis der Inspiration. Dieser besonderen Erkenntnisart der Inspiration ergibt sich, daß das Gefühlsleben des Menschen einen unmittelbaren Bezug zu dem rhythmischen System hat, daß ebenso wie das Nerven-Sinnessystem dem Vorstellungsleben zugeeignet ist, das rhythmische System dem Gefühlsleben des Menschen zugeeignet ist. Aber — gewissermaßen vergleichsweise gesprochen — der Wachsabdruck des Gefühlslebens ist das rhythmische System nicht so, wie das Gehirnsystem der Wachsabdruck des Vorstellungslebens ist. Daher können wir nicht sagen, in unserem rhythmischen System sei ein imaginatives Abbild gegeben des Gefühlslebens. Dagegen müssen wir sagen, dasjenige, was sich in uns als rhythmisches System ausbildet, was in uns als rhythmisches System lebt, das ist — nun ganz abgesehen von jeder menschlichen Erkenntnis — durch Weltinspiration entstanden. Es ist inspiriert in uns. Die Tätigkeit, die in der Atmung, die in der Blutzirkulation ausgeübt wird, ist ja nicht nur etwas, was in uns lebt innerhalb unserer Haut, sie ist ein Weltgeschehen, wie das Blitzen und Donnern ein Weltgeschehen ist. Wir hängen ja auch durch unser rhythmisches System zusammen mit der Außenwelt. Die Luft, die jetzt in mir ist, sie war vorher draußen; die Luft, die jetzt in mir ist, sie wird nachher draußen sein. Es ist ein Wahn, zu glauben, daß der Mensch nur innerhalb seiner Haut lebt. Er lebt als ein Glied derjenigen Welt, die um ihn ist. Und aus dieser Welt herein inspiriert ist die Gestalt seines rhythmischen Systems, das in engster Beziehung zu seinen Bewegungen steht.
[ 14 ] Wenn wir nun zurückblicken darauf, können wir sagen: Im menschlichen Haupte haben wir zugrunde liegend zuerst die Verwirklichung einer imaginativen Welt, dann, ich möchte sagen, unter dem, was sich da als eine imaginative Welt realisiert, die Welt des rhythmischen Systems, also eine inspirierte Welt. Von unserem rhythmischen System können wir nur sagen: Da drinnen ist realisiert eine inspirierte Welt.
[ 14 ] Wenn wir nun zurückblicken darauf, können wir sagen: Im menschlichen Haupte haben wir zugrunde liegend zuerst die Verwirklichung einer imaginativen Welt, dann, ich möchte sagen, unter dem, was sich da als eine imaginative Welt realisiert, die Welt des rhythmischen Systems, also eine inspirierte Welt. Von unserem rhythmischen System können wir nur sagen: Da drinnen ist realisiert eine inspirierte Welt.
[ 15 ] Und wie ist es mit unserem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem? Der Stoffwechsel gehört mit dem Gliedmaßensystem zusammen, wie ich schon vorhin angedeutet habe. Was sich uns im Stoffwechsel des Menschen darbietet, steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der menschlichen Willenstätigkeit. Aber dieser Zusammenhang enthüllt sich weder der imaginativen Erkenntnis noch der inspirierten Erkenntnis. Er enthüllt sich erst der intuitiven Erkenntnis, dem, was ich in meinen Schriften die «intuitive Erkenntnis» genannt habe; daher rührt die Schwierigkeit, dasjenige, was äußerlich-materiell im Stoffwechsel erscheint, als Realisierung einer Weltintuition anzusehen. Aber dieser Stoffwechsel ist ja auch vorhanden im rhythmischen System. Der Stoffwechsel des rhythmischen Systems verbirgt sich unter dem Lebensrhythmus, wie sich unter der Nerven-Sinnestätigkeit im menschlichen Haupte verbirgt der Lebensrhythmus.
[ 15 ] Und wie ist es mit unserem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem? Der Stoffwechsel gehört mit dem Gliedmaßensystem zusammen, wie ich schon vorhin angedeutet habe. Was sich uns im Stoffwechsel des Menschen darbietet, steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der menschlichen Willenstätigkeit. Aber dieser Zusammenhang enthüllt sich weder der imaginativen Erkenntnis noch der inspirierten Erkenntnis. Er enthüllt sich erst der intuitiven Erkenntnis, dem, was ich in meinen Schriften die «intuitive Erkenntnis» genannt habe; daher rührt die Schwierigkeit, dasjenige, was äußerlich-materiell im Stoffwechsel erscheint, als Realisierung einer Weltintuition anzusehen. Aber dieser Stoffwechsel ist ja auch vorhanden im rhythmischen System. Der Stoffwechsel des rhythmischen Systems verbirgt sich unter dem Lebensrhythmus, wie sich unter der Nerven-Sinnestätigkeit im menschlichen Haupte verbirgt der Lebensrhythmus.
[ 16 ] Beim menschlichen Haupte haben wir eine realisierte imaginative Welt, darunter verborgen eine realisierte inspirierte Welt mit Bezug auf den Rhythmus im Haupte. Darunter aber ist auch im Kopfe der Stoffwechsel, also das realisierte Intuitive, so daß wir zunächst unser Haupt begreifen, wenn wir in ihm sehen den Zusammenfluß des realisierten Imaginativen, des realisierten Inspirierten und des realisierten Intuitiven. Im menschlichen rhythmischen System fällt das Imaginative weg, da ist nur die Realisierung des Inspirierten und Intuitiven. Und im Stoffwechselsystem fällt auch die Inspiration weg, da haben wir es nur mit der Realisierung einer Weltintuition zu tun.
[ 16 ] Beim menschlichen Haupte haben wir eine realisierte imaginative Welt, darunter verborgen eine realisierte inspirierte Welt mit Bezug auf den Rhythmus im Haupte. Darunter aber ist auch im Kopfe der Stoffwechsel, also das realisierte Intuitive, so daß wir zunächst unser Haupt begreifen, wenn wir in ihm sehen den Zusammenfluß des realisierten Imaginativen, des realisierten Inspirierten und des realisierten Intuitiven. Im menschlichen rhythmischen System fällt das Imaginative weg, da ist nur die Realisierung des Inspirierten und Intuitiven. Und im Stoffwechselsystem fällt auch die Inspiration weg, da haben wir es nur mit der Realisierung einer Weltintuition zu tun.
[ 17 ] So tragen wir in uns in diesem dreigegliederten menschlichen Organismus zuerst die Hauptesorganisation, ein Abbild desjenigen, was wir anstreben in der Erkenntnis, in der Imagination, Inspiration, Intuition. Wollen wir das menschliche Haupt verstehen, müßten wir uns eigentlich sagen: wenn wir nur die äußere gegenständliche Erkenntnis haben, die ja nicht einmal Imagination ist, die nicht bis zum Intuitiven aufrückt, ist mit dieser Erkenntnis, die nur eine gegenständliche, an der äußeren Sinneswelt gewonnene ist, haltzumachen vor dem menschlichen Haupte. Denn das menschliche Haupt beginnt erst sich in seiner inneren Wesenheit der imaginativen Erkenntnis zu erschließen, und hinter dem, was sich da erschließt, liegt dann ein Tieferes, das sich der Inspiration erschließt, und hinter diesem wiederum dasjenige, was sich dem intuitiven Erkennen erschließt. Das rhythmische System ist auch für die Imagination noch nicht zugänglich, das erschließt sich erst im inspirierten Erkennen. Und dasjenige, was unter ihm verborgen ist, ist das Intuitive. Und den Stoffwechsel sollten wir durchaus unbegreiflich finden innerhalb des menschlichen Organismus. Der richtige Standpunkt gegenüber dem menschlichen Stoffwechsel, er kann kein anderer als der folgende sein. Wir können nur sagen: Draußen beobachten wir den Stoffwechsel der Welt; wir versuchen, ihn mit den Gesetzen des gegenständlichen Erkennens zu durchdringen, erlangen dabei eine Naturerkenntnis des äußerlichen Stoffwechsels. In demselben Momente, wo dieser äußerliche Stoffwechsel sich umwandelt, metamorphosiert in unseren inneren Stoffwechsel, wird er etwas ganz anderes, und er wird etwas, in dem dasjenige lebt, was sich erst der Intuition ergibt.
[ 17 ] So tragen wir in uns in diesem dreigegliederten menschlichen Organismus zuerst die Hauptesorganisation, ein Abbild desjenigen, was wir anstreben in der Erkenntnis, in der Imagination, Inspiration, Intuition. Wollen wir das menschliche Haupt verstehen, müßten wir uns eigentlich sagen: wenn wir nur die äußere gegenständliche Erkenntnis haben, die ja nicht einmal Imagination ist, die nicht bis zum Intuitiven aufrückt, ist mit dieser Erkenntnis, die nur eine gegenständliche, an der äußeren Sinneswelt gewonnene ist, haltzumachen vor dem menschlichen Haupte. Denn das menschliche Haupt beginnt erst sich in seiner inneren Wesenheit der imaginativen Erkenntnis zu erschließen, und hinter dem, was sich da erschließt, liegt dann ein Tieferes, das sich der Inspiration erschließt, und hinter diesem wiederum dasjenige, was sich dem intuitiven Erkennen erschließt. Das rhythmische System ist auch für die Imagination noch nicht zugänglich, das erschließt sich erst im inspirierten Erkennen. Und dasjenige, was unter ihm verborgen ist, ist das Intuitive. Und den Stoffwechsel sollten wir durchaus unbegreiflich finden innerhalb des menschlichen Organismus. Der richtige Standpunkt gegenüber dem menschlichen Stoffwechsel, er kann kein anderer als der folgende sein. Wir können nur sagen: Draußen beobachten wir den Stoffwechsel der Welt; wir versuchen, ihn mit den Gesetzen des gegenständlichen Erkennens zu durchdringen, erlangen dabei eine Naturerkenntnis des äußerlichen Stoffwechsels. In demselben Momente, wo dieser äußerliche Stoffwechsel sich umwandelt, metamorphosiert in unseren inneren Stoffwechsel, wird er etwas ganz anderes, und er wird etwas, in dem dasjenige lebt, was sich erst der Intuition ergibt.
[ 18 ] Man müßte deshalb sagen: In der Welt, die uns zunächst sinnlich vorliegt, gehört zum Unbegreiflichsten des Unbegreiflichen dasjenige, was die Stoffe innerhalb der menschlichen Haut machen, die wir draußen durch Physik, Chemie und so weiter kennenlernen. — Man müßte sich sagen: Zum höchsten geistigen Erfassen muß man aufrücken, wenn man erkennen will, was mit den Stoffen, die wir draufen so gut anschauen nach ihrer Außenseite, was mit denen eigentlich im menschlichen Organismus vor sich geht.
[ 18 ] Man müßte deshalb sagen: In der Welt, die uns zunächst sinnlich vorliegt, gehört zum Unbegreiflichsten des Unbegreiflichen dasjenige, was die Stoffe innerhalb der menschlichen Haut machen, die wir draußen durch Physik, Chemie und so weiter kennenlernen. — Man müßte sich sagen: Zum höchsten geistigen Erfassen muß man aufrücken, wenn man erkennen will, was mit den Stoffen, die wir draufen so gut anschauen nach ihrer Außenseite, was mit denen eigentlich im menschlichen Organismus vor sich geht.
[ 19 ] So sehen wir, daß im Aufbau unseres Organismus dreierlei zunächst tätig ist. In diesem Aufbau des Organismus ist zuerst tätig dasjenige, was der intuitiven Erkenntnis sich erschließt, es baut aus dem Stoffe der Welt zuerst den Organismus auf. Es ist in diesem Organismus außerdem tätig dasjenige, was sich der inspirierten Erkenntnis erschließt; es gliedert ein dem Stoffwechselorganismus das rhythmische System. In diesem menschlichen Organismus ist weiter tätig dasjenige, was sich der imaginativen Erkenntnis erschließt; es gliedert ein das Nervensystem. Dann, wenn dieser Organismus sich in die äußerliche physische Welt durch die Geburt hineinstellt, dann entwickelt sich dasjenige, was ja gewissermaßen durch ihn fertig ist, weiter, indem der Mensch zwischen Geburt und Tod die gegenständliche Erkenntnis entwickelt. Aber wir haben gesehen von dieser gegenständlichen Erkenntnis, daß sie gebunden ist an die Erinnerungstätigkeit, daß sie nun nicht einem Aufbau angehört, sondern einem Abbau angehört. Wir haben gesehen, wie diese Erkenntnis ein langsames Sterben, vom Haupte ausgehend, ist, so daß wir sagen können: Durch dasjenige, was begriffen werden könnte in Intuition, Inspiration, Imagination, ist der menschliche Organismus aufgebaut worden, das lebt auf eine dem heutigen Erkennen unzugängliche Weise in diesem menschlichen Organismus. Dasjenige aber, was er als unsere gegenständlichen Erkenntnisse in ihn hineinbaut zwischen Geburt und Tod, das baut ihn ab, das zerstört ihn. Und in die Zerstörung hinein denken wir eigentlich, stellen wir vor, wenn wit das Vorstellungs-, das Denkleben entwickeln.
[ 19 ] So sehen wir, daß im Aufbau unseres Organismus dreierlei zunächst tätig ist. In diesem Aufbau des Organismus ist zuerst tätig dasjenige, was der intuitiven Erkenntnis sich erschließt, es baut aus dem Stoffe der Welt zuerst den Organismus auf. Es ist in diesem Organismus außerdem tätig dasjenige, was sich der inspirierten Erkenntnis erschließt; es gliedert ein dem Stoffwechselorganismus das rhythmische System. In diesem menschlichen Organismus ist weiter tätig dasjenige, was sich der imaginativen Erkenntnis erschließt; es gliedert ein das Nervensystem. Dann, wenn dieser Organismus sich in die äußerliche physische Welt durch die Geburt hineinstellt, dann entwickelt sich dasjenige, was ja gewissermaßen durch ihn fertig ist, weiter, indem der Mensch zwischen Geburt und Tod die gegenständliche Erkenntnis entwickelt. Aber wir haben gesehen von dieser gegenständlichen Erkenntnis, daß sie gebunden ist an die Erinnerungstätigkeit, daß sie nun nicht einem Aufbau angehört, sondern einem Abbau angehört. Wir haben gesehen, wie diese Erkenntnis ein langsames Sterben, vom Haupte ausgehend, ist, so daß wir sagen können: Durch dasjenige, was begriffen werden könnte in Intuition, Inspiration, Imagination, ist der menschliche Organismus aufgebaut worden, das lebt auf eine dem heutigen Erkennen unzugängliche Weise in diesem menschlichen Organismus. Dasjenige aber, was er als unsere gegenständlichen Erkenntnisse in ihn hineinbaut zwischen Geburt und Tod, das baut ihn ab, das zerstört ihn. Und in die Zerstörung hinein denken wir eigentlich, stellen wir vor, wenn wit das Vorstellungs-, das Denkleben entwickeln.
[ 20 ] Man kann, wenn man durchschaut, worin das Erkennen, das mit der Erinnerungsfähigkeit so innig zusammenhängt, eigentlich besteht, gar nicht Materialist sein. Denn wollte man Materialist sein, so müßte man sich vorstellen,daß der Mensch durch seine Wachstumskräfte aufgebaut wird, daß die Kräfte tätig sind, welche die Stoffe aufnehmen, sie weiterbefördern zu den verschiedenen Organen, um die Verdauung im weiteren Sinne im Organismus zu vollziehen; man müßte sich diese Fähigkeit, die im Wachstum, in der Verdauung und so weiter im Aufbau liegt, fortgesetzt denken, und irgendwo müßte sie dann ausmünden in das Vorstellen, in das Denken, das zum gegenständlichen Erkennen kommt. Das ist aber nicht der Fall. Der menschliche Organismus wird aufgebaut durch etwas, was der Intuition, der Inspiration, der Imagination zugänglich ist. Er ist dann aufgebaut, wenn er diese Kräfte in sich verarbeitet hat. Dann beginnt aber die Rückentwickelung, dann beginnt das Zerfallen. Und dasjenige, wodurch das Zerfallen beginnt, das ist das gewöhnliche Erkennen zwischen Geburt und Tod.
[ 20 ] Man kann, wenn man durchschaut, worin das Erkennen, das mit der Erinnerungsfähigkeit so innig zusammenhängt, eigentlich besteht, gar nicht Materialist sein. Denn wollte man Materialist sein, so müßte man sich vorstellen,daß der Mensch durch seine Wachstumskräfte aufgebaut wird, daß die Kräfte tätig sind, welche die Stoffe aufnehmen, sie weiterbefördern zu den verschiedenen Organen, um die Verdauung im weiteren Sinne im Organismus zu vollziehen; man müßte sich diese Fähigkeit, die im Wachstum, in der Verdauung und so weiter im Aufbau liegt, fortgesetzt denken, und irgendwo müßte sie dann ausmünden in das Vorstellen, in das Denken, das zum gegenständlichen Erkennen kommt. Das ist aber nicht der Fall. Der menschliche Organismus wird aufgebaut durch etwas, was der Intuition, der Inspiration, der Imagination zugänglich ist. Er ist dann aufgebaut, wenn er diese Kräfte in sich verarbeitet hat. Dann beginnt aber die Rückentwickelung, dann beginnt das Zerfallen. Und dasjenige, wodurch das Zerfallen beginnt, das ist das gewöhnliche Erkennen zwischen Geburt und Tod.
[ 21 ] Wir bauen im gewöhnlichen Erkennen nicht in die aufbauenden Kräfte hinein, sondern wir schaffen dabei zuerst, indem wir den Aufbau zerstören, die Grundlagen eines fortwährenden Todeselementes im Menschen. Und in dieses fortdauernde Todeselement setzen wir unsere Erkenntnis hinein. Wir wühlen nicht im Materiellen, indem wir vorstellen, nein, wir zerstören das Materielle, wir übergeben das Materielle den Todeskräften. Und in den Tod hinein denken wir, in das Vernichten des Lebens hinein denken wit. Verwandt ist das Denken, verwandt ist das gewöhnliche Erkennen nicht dem sprießenden, sprossenden Leben, verwandt ist es dem Tode. Und wenn wir auf dieses menschliche Erkennen schauen, so finden wir nicht in den natürlichen Gestaltungen bis zum menschlichen Gehirn hinauf ein Analogon, wir finden allein ein Analogon in dem Leibe, der nach dem Tode zerfällt. Denn dasjenige, was der zerfallende Leib, ich möchte sagen, intensiv darstellt, was der zerfallende Leib in einer gewissen Größe darstellt, das muß fortwährend vor sich gehen in uns, wenn wir im gewöhnlichen Sinne gegenständlich erkennen.
[ 21 ] Wir bauen im gewöhnlichen Erkennen nicht in die aufbauenden Kräfte hinein, sondern wir schaffen dabei zuerst, indem wir den Aufbau zerstören, die Grundlagen eines fortwährenden Todeselementes im Menschen. Und in dieses fortdauernde Todeselement setzen wir unsere Erkenntnis hinein. Wir wühlen nicht im Materiellen, indem wir vorstellen, nein, wir zerstören das Materielle, wir übergeben das Materielle den Todeskräften. Und in den Tod hinein denken wir, in das Vernichten des Lebens hinein denken wit. Verwandt ist das Denken, verwandt ist das gewöhnliche Erkennen nicht dem sprießenden, sprossenden Leben, verwandt ist es dem Tode. Und wenn wir auf dieses menschliche Erkennen schauen, so finden wir nicht in den natürlichen Gestaltungen bis zum menschlichen Gehirn hinauf ein Analogon, wir finden allein ein Analogon in dem Leibe, der nach dem Tode zerfällt. Denn dasjenige, was der zerfallende Leib, ich möchte sagen, intensiv darstellt, was der zerfallende Leib in einer gewissen Größe darstellt, das muß fortwährend vor sich gehen in uns, wenn wir im gewöhnlichen Sinne gegenständlich erkennen.
[ 22 ] Man schaue auf den Tod hin, wenn man das Erkennen begreifen will. Man schaue nicht in materialistischer Weise auf das Leben hin, sondern man schaue auf das hin, was die Negation, die Aufhebung des Lebens ist. Dann kommt man zu einem Begreifen des Denkens. Dann allerdings gewinnt dasjenige, was wir den Tod nennen, eine ganz andere Bedeutung, es gewinnt schon aus dem Leben heraus eine andere Bedeutung.
[ 22 ] Man schaue auf den Tod hin, wenn man das Erkennen begreifen will. Man schaue nicht in materialistischer Weise auf das Leben hin, sondern man schaue auf das hin, was die Negation, die Aufhebung des Lebens ist. Dann kommt man zu einem Begreifen des Denkens. Dann allerdings gewinnt dasjenige, was wir den Tod nennen, eine ganz andere Bedeutung, es gewinnt schon aus dem Leben heraus eine andere Bedeutung.
[ 23 ] Man kann auch an äußeren Erscheinungen so etwas schon ermessen. Ich sagte Ihnen gestern: Die Kulmination der materialistischen Weltanschauung lag in der Mitte des 19. Jahrhunderts oder im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Sie sah auf den Tod hin als auf etwas, was unbedingt abgewiesen werden muß, und sie kam sich in gewisser Weise vornehm vor in diesem Hinschauen auf den Tod, der das Leben schließt, das Leben, das man allein eigentlich betrachten wollte und das man aber selber als abgeschlossen betrachten wollte mit dem Tode. — Man sieht vielfach etwas verächtlich zurück auf das «kindliche Volksbewußtsein». Aber nehmen Sie ein Wort dieses «kindlichen» Volksbewußtseins. Nehmen Sie das Wort «verwesen» für dasjenige, was nach dem Tode geschieht: «ver-wesen», die Vorsilbe «ver» ist immer ein Hinbewegen zu demjenigen, was das Wort ausdrückt; «verbrüdern» heißt, sich nach der Richtung des Bruderwerdens bewegen, «versammeln» heißt, sich nach der Richtung des Sammelns bewegen. «Verwesen» bedeutet im Volksmund nicht auflösen, nicht aufhören, sondern in das Wesen hinein sich bewegen. Solche, mit dem geistigen Erfassen der Welt während eines instinktiven Erkennens zusammenhängende Wortbildungen wurden sehr selten. Im 19. Jahrhundert materialisierte man, lebte man nicht mehr in dem, was die geistmäßige Durchdringung des Wortes war. Und man könnte viele solche Beispiele anführen, welche zeigen würden, daß sich einfach schon in der Sprache der Menschen der Materialismus in seiner Kulmination dargelebt hat.
[ 23 ] Man kann auch an äußeren Erscheinungen so etwas schon ermessen. Ich sagte Ihnen gestern: Die Kulmination der materialistischen Weltanschauung lag in der Mitte des 19. Jahrhunderts oder im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Sie sah auf den Tod hin als auf etwas, was unbedingt abgewiesen werden muß, und sie kam sich in gewisser Weise vornehm vor in diesem Hinschauen auf den Tod, der das Leben schließt, das Leben, das man allein eigentlich betrachten wollte und das man aber selber als abgeschlossen betrachten wollte mit dem Tode. — Man sieht vielfach etwas verächtlich zurück auf das «kindliche Volksbewußtsein». Aber nehmen Sie ein Wort dieses «kindlichen» Volksbewußtseins. Nehmen Sie das Wort «verwesen» für dasjenige, was nach dem Tode geschieht: «ver-wesen», die Vorsilbe «ver» ist immer ein Hinbewegen zu demjenigen, was das Wort ausdrückt; «verbrüdern» heißt, sich nach der Richtung des Bruderwerdens bewegen, «versammeln» heißt, sich nach der Richtung des Sammelns bewegen. «Verwesen» bedeutet im Volksmund nicht auflösen, nicht aufhören, sondern in das Wesen hinein sich bewegen. Solche, mit dem geistigen Erfassen der Welt während eines instinktiven Erkennens zusammenhängende Wortbildungen wurden sehr selten. Im 19. Jahrhundert materialisierte man, lebte man nicht mehr in dem, was die geistmäßige Durchdringung des Wortes war. Und man könnte viele solche Beispiele anführen, welche zeigen würden, daß sich einfach schon in der Sprache der Menschen der Materialismus in seiner Kulmination dargelebt hat.
[ 24 ] So können wir verstehen, wie, nachdem der Mensch aufgebaut war, wie ich gestern sagte, bis zu einer Kulmination durch Kräfte, die sich in der Inspiration, Intuition und Imagination erschließen, er dann zu einer höchsten Kulmination im 19. Jahrhundert kam, und wie dann wieder eine Dekadenz folgte. Wir können begreifen, daß gewissermaßen der Mensch sich entfernte von der Kraft, sich innerlich zu erfassen, indem er am stärksten die Kräfte ausbildete, die dem Tode als Erkenntniskräfte am verwandtesten sind, die Abstraktionskräfte. Und hier ist es, wo dann von der heutigen Betrachtung ausgehend, man fortschreiten kann zu dem, was in der ganzen Menschheitsentwickelung der eigentliche wesentliche Impuls ist desjenigen, was man den materialistischen Erkenntnisimpuls innerhalb der Menschheitsgeschichte nennen kann.
[ 24 ] So können wir verstehen, wie, nachdem der Mensch aufgebaut war, wie ich gestern sagte, bis zu einer Kulmination durch Kräfte, die sich in der Inspiration, Intuition und Imagination erschließen, er dann zu einer höchsten Kulmination im 19. Jahrhundert kam, und wie dann wieder eine Dekadenz folgte. Wir können begreifen, daß gewissermaßen der Mensch sich entfernte von der Kraft, sich innerlich zu erfassen, indem er am stärksten die Kräfte ausbildete, die dem Tode als Erkenntniskräfte am verwandtesten sind, die Abstraktionskräfte. Und hier ist es, wo dann von der heutigen Betrachtung ausgehend, man fortschreiten kann zu dem, was in der ganzen Menschheitsentwickelung der eigentliche wesentliche Impuls ist desjenigen, was man den materialistischen Erkenntnisimpuls innerhalb der Menschheitsgeschichte nennen kann.
