Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in Their Relationship to the World
GA 205
16 June 1921, Stuttgart
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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Es war mir ein Bedürfnis, trotzdem dieser mein Aufenthalt in Stuttgart andern Dingen gewidmet sein sollte, an diesem Abend zu Ihnen über ein anthroposophisches Thema zu sprechen, und ich will heute einiges mitteilen über das Verhältnis des Menschen zu der Weltumgebung dieses Menschen, insoferne diese Weltumgebung in das Wesen des Menschen hereinspielt. Ich möchte dieses Thema so gestalten, daß sein Inhalt ganz besonders bezüglich sein kann auf mancherlei, das notwendig ist, gegenüber dem zivilisatorischen Rückgang in unserer Zeit zu bedenken.
[ 1 ] Although my stay in Stuttgart is intended to be devoted to other matters, I felt compelled to speak to you this evening on an anthroposophical topic, and today I would like to share some thoughts on the relationship between the human being and the world around them, insofar as this world influences the human being’s very nature. I would like to approach this topic in such a way that its content can be particularly relevant to various considerations that are necessary in light of the decline of civilization in our time.
[ 2 ] Wenn wir manches zusammennehmen, das wir im Laufe der Jahre aus anthroposophischer Geisteswissenschaft heraus kennengelernt haben über den Menschen, dann kann sich uns vieles zusammenfassen in jener Dreigliederung des Menschen, die ja auch schon öfters vor unsere Seelen hingetreten ist, in der Dreigliederung Geist, Seele, Leib. Wenn wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte auf unsere heutige Bildung, auf dasjenige hinschauen, was immer mehr und mehr unsere heutige Bildung durchdringt, dann müssen wir sagen, die Entwickelung der Menschheit ist allmählich dahin gekommen, eigentlich nur das Leibliche am Menschen der Betrachtung zu unterwerfen. In bezug auf diese Betrachtung des Leiblichen haben wir allerdings heute ein umfassendes Wissen und noch mehr ein Bestreben, dieses Leibliche in seiner Beziehung zu den übrigen Welterscheinungen kennenzulernen. Allein wir leben in dem Zeitpunkte, in dem immer mehr und mehr auch wiederum der Blick sich hinrichten muß auf das Seelische und auf das Geistige. Gerade wenn man das Leibliche so sorgfältig betrachtet, wie das durch die heute übliche Erkenntnis der Fall ist, so muß man eigentlich durch diese Betrachtung des Leiblichen hingelenkt werden auch zur Betrachtung des Seelischen und des Geistigen.
[ 2 ] If we bring together some of what we have come to know about the human being over the years through anthroposophical spiritual science, then much of it can be summarized in that threefold division of the human being—which has, after all, often been presented to our souls—namely, the threefold division of spirit, soul, and body. When we look at our contemporary education from the standpoint of spiritual science—at that which is increasingly permeating our contemporary education—we must say that the development of humanity has gradually come to the point where, in fact, only the physical aspect of the human being is subject to consideration. With regard to this study of the physical, we certainly possess comprehensive knowledge today—and even more so, a desire to understand the physical in its relationship to the rest of the world’s phenomena. Yet we are living at a time when, more and more, our gaze must once again turn toward the soul and the spirit. Precisely when one observes the physical aspect as carefully as is the case with today’s prevailing understanding, one must actually be led by this observation of the physical to also consider the soul and the spirit.
[ 3 ] Ich möchte von Erscheinungen ausgehen, welche heute eigentlich gar nicht verstanden werden können, weil man nur das Leibliche betrachtet, und welche dennoch, ich möchte sagen, als große Fragen da sind vor dem Menschen. Wenn wir das menschliche Leibliche betrachten, so fügt es sich ein in die ganze Naturordnung, und die Erkenntnis hat sich allmählich bemüht, diese Naturordnung ganz zusammenzusetzen aus notwendig zusammenhängenden Ursachen und Wirkungen. Eingegliedert denkt man sich auch das menschliche Leibliche in diese Kette von Ursachen und Wirkungen und erklärt es daraus. Das ist ja im weiteren und eigentlichen Sinne der materialistische Charakter unseres heutigen Erkennens, daß man den Blick nur hinrichtet auf die natürlichen Ursachen und Wirkungen und die Art, wie sich das menschliche Leibliche herausgliedert aus diesen Ursachen und Wirkungen mit einer Art mechanischer Notwendigkeit.
[ 3 ] I would like to begin with phenomena that cannot really be understood today, because people focus only on the physical, and yet—I would say—these phenomena stand before humanity as great questions. When we consider the human physical realm, it fits into the entire natural order, and scientific inquiry has gradually sought to reconstruct this natural order entirely from necessarily interconnected causes and effects. The human physical realm is also conceived as integrated into this chain of causes and effects and is explained in terms of it. This, in the broader and proper sense, is the materialistic character of our present-day understanding: that we direct our gaze solely toward natural causes and effects and the way in which the human physical realm emerges from these causes and effects with a kind of mechanical necessity.
[ 4 ] Aber da treten vor den Menschen sogleich gewisse Erscheinungen hin, die allerdings in gewissem Sinne abnorme Erscheinungen sind, die aber wie große Rätsel, wie Fragezeichen dastehen, wenn man bloß stehenbleibt bei der rein natürlichen Erklärung nach Ursache und Wirkung. Wir sehen, wie sich die menschliche Leiblichkeit entfaltet. Der Naturforscher kommt und sucht dieselben Gesetze im menschlichen Leibe, die er draußen in der übrigen Natur sucht. Er sagt vielleicht, sie seien nur komplizierter im menschlichen Leibe, aber sie seien dieselben Gesetze, die auch draußen in der Natur sind. Und siehe da, wir sehen einzelne Gesetze, aus denen heraus, allerdings in abnormer Weise, sich gewisse Erscheinungen bilden, welche unmöglich zunächst in diesen Gang der Naturereignisse eingegliedert werden können. Der materialistische Denker bemüht sich — er ist allerdings heute noch nicht dazugekommen, aber er betrachtet es als ein Ideal —, das gewöhnliche Wollen im Menschen, das gewöhnliche Fühlen im Menschen, das Denken oder Vorstellen im Menschen so als Wirkungen der leiblichen Vorgänge zu erklären, wie wir etwa die Flamme erklären durch die Verbrennung des Brennstoffes. Und man kann durchaus sagen, wenn auch natürlich solche Erklärungen heute noch nicht erreicht sind, so darf in einer gewissen Weise der Naturforscher sagen, es werde einmal die Zeit kommen, wo man auch aus der menschlichen Leiblichkeit heraus erklären wird das Denken, das Fühlen, das Wollen, wie man erklärt die Flamme aus dem Verbrennen des Brennstoffes. Wie aber müßten wir uns zum Beispiel zum menschlichen Vorstellen verhalten, wenn diese Anschauung restlos richtig wäre? Wir unterscheiden solche Vorstellungen im Leben, die wir annehmen, weil wir sie als richtig bezeichnen können, und solche Vorstellungen, die wir abweisen, weil wir sie als unrichtig bezeichnen, weil wir von ihnen sagen, sie seien ein Irrtum. Aber in der Naturordnung kann doch nur alles aus den Ursachen folgen und regelrechte Wirkung der Ursachen sein. Wir können also gemäß der Naturordnung sagen: Der Irrtum, die Täuschung, sie gehen ebenso hervor aus notwendigen Ursachen wie die richtige, die berechtigte Vorstellung. — Da also kommen wir schon vor ein Rätsel: Warum bedingen die Erscheinungen der Natur, die doch alle notwendig sein sollen, das eine Mal im Menschen das Wahre, das andere Mal das Falsche?
[ 4 ] But certain phenomena immediately present themselves to people—phenomena that are, admittedly, abnormal in a certain sense, yet stand before us like great mysteries, like question marks, if one limits oneself to a purely natural explanation based on cause and effect. We see how the human physical body unfolds. The natural scientist comes and seeks in the human body the same laws that he seeks out there in the rest of nature. He may say that they are merely more complex in the human body, but that they are the same laws that exist out there in nature. And lo and behold, we see individual laws from which—albeit in an abnormal way—certain phenomena arise that cannot, at first glance, be integrated into this course of natural events. The materialist thinker strives—though he has not yet gotten around to it today, he regards it as an ideal—to explain ordinary volition in humans, ordinary feeling in humans, and thinking or imagination in humans as effects of physical processes, just as we explain, for example, a flame through the combustion of fuel. And one can certainly say that, even though such explanations have not yet been achieved today, the natural scientist may, in a certain sense, say that a time will come when thinking, feeling, and volition will also be explained on the basis of human physicality, just as the flame is explained by the combustion of fuel. But how, for example, should we regard human imagination if this view were entirely correct? In life, we distinguish between ideas that we accept because we can call them true, and ideas that we reject because we call them false—because we say they are errors. But in the order of nature, everything must follow from causes and be a regular effect of those causes. We can therefore say, in accordance with the natural order: error and delusion arise from necessary causes just as much as correct, justified ideas do. — And so we are already faced with a puzzle: Why do the phenomena of nature—which are supposed to be entirely necessary—sometimes produce the true in humans and at other times the false?
[ 5 ] Aber wir werden noch mehr vor ein Rätsel geführt, wenn wir in einzelnen Menschen aufsteigen sehen das, was wir täuschende Visionen, was wir falsche Halluzinationen nennen, von dem wir wissen, daß es uns etwas bis zur Anschaulichkeit vorgaukelt, ohne daß es in einer Wirklichkeit wurzelt. Wie kommen wir dazu, nun etwa zu sagen, wir dürfen etwas als unberechtigte Halluzination hinstellen, wenn doch alles das, was im Menschen sich vollzieht, in notwendiger Weise aus der Naturordnung, die auch in ihm ist, hervorgeht? Wir müßten den Halluzinationen ebenso eine Berechtigung zuschreiben wie demjenigen, was wir wahre Eindrücke und wahre Vorstellungen nennen. Und dennoch, wir sind — und wir dürfen es fühlen und ahnen — mit Recht davon überzeugt, daß Halluzinationen als solche abgewiesen werden müssen. Warum müssen sie abgewiesen werden? Warum dürfen sie nicht als ein berechtigter Inhalt des menschlichen Bewußtseins anerkannt werden? Und wie können wir sie überhaupt als Halluzinationen erkennen?
[ 5 ] But we are faced with an even greater mystery when we observe in individual human beings what we call deceptive visions or false hallucinations—phenomena that we know lead us to believe something is real, even vividly so, without having any basis in reality. How can we then say that we may dismiss something as an unjustified hallucination, when everything that takes place within a human being necessarily arises from the natural order that is also present within them? We would have to attribute just as much validity to hallucinations as to what we call true impressions and true perceptions. And yet, we are—and we may feel and sense this—rightly convinced that hallucinations as such must be rejected. Why must they be rejected? Why can they not be recognized as a legitimate part of human consciousness? And how can we even recognize them as hallucinations?
[ 6 ] Wir werden uns über diese Rätsel nur aufklären können, wenn wir auf anderes hinschauen, das uns zunächst erinnern kann an die Halluzinationen, das aber von uns der Empfindung gemäß nicht in demselben Sinne als unberechtigt anerkannt werden kann wie die Halluzinationen, und das sind die Erzeugnisse der menschlichen Phantasie. Diese Erzeugnisse der menschlichen Phantasie, sie steigen zunächst aus unergründlichen Tiefen des menschlichen Seelenlebens herauf, sie leben sich aus in Bildern, die sich zaubervoll hinstellen vor die menschliche Seele, und sie sind der Ursprung von manchem, was das Leben verschönt, was das Leben erhebt. Alles Künstlerische wäre nicht denkbar ohne diese Erzeugnisse der Phantasie. Dennoch sind wir uns auch gegenüber den Erzeugnissen der Phantasie bewußt, daß sie nicht wurzeln in einer festen Realität, daß wir sie anzusehen haben als etwas, was uns täuscht, wenn wir ihm Wirklichkeit im gewöhnlichen Sinne des Wortes zuschreiben. Dann aber kommen wir noch zu etwas anderem.
[ 6 ] We will only be able to shed light on these mysteries if we turn our attention to something else—something that may at first remind us of hallucinations, but which, based on our intuition, we cannot regard as unfounded in the same sense as hallucinations—namely, the products of the human imagination. These products of the human imagination first rise from the unfathomable depths of the human soul; they manifest themselves in images that appear magically before the human soul, and they are the source of much that beautifies and uplifts life. Nothing artistic would be conceivable without these products of the imagination. Nevertheless, even with regard to the products of the imagination, we are aware that they are not rooted in a solid reality, that we must regard them as something that deceives us if we attribute reality to them in the ordinary sense of the word. But then we come to something else.
[ 7 ] Wir kennen aus unserer Geisteswissenschaft die erste Stufe der übersinnlichen Erkenntnis. Da sprechen wir von Imagination, da sprechen wir von der imaginativen Erkenntnis, da schildern wir, wie die Seele durch gewisse Übungen dazukommt, in der Anschauung einen bildlichen Inhalt zu haben, der aber von dem Geistesforscher jetzt, trotzdem er als ein bildhafter Inhalt auftritt, nicht als ein Traum angesehen wird, sondern angesehen wird als das, was sich auf eine Wirklichkeit bezieht, was eine Wirklichkeit abbildet.
[ 7 ] From our spiritual science, we are familiar with the first stage of supersensible knowledge. Here we speak of imagination; here we speak of imaginative knowledge; here we describe how, through certain exercises, the soul comes to have a pictorial content in its perception—a content which, however, is not regarded by the researcher of the spirit as a dream, even though it appears as a pictorial content, but is regarded as something that relates to a reality, something that depicts a reality.
[ 8 ] Wir haben gewissermaßen drei Stufen des Seelenlebens vor uns: die Halluzination, die wir als eine völlige Täuschung anerkennen, das Phantasiegebilde, von dem wir wissen, daß wir es irgendwie hervorgeholt haben aus der Wirklichkeit, daß es aber dennoch nicht so, wie es auftritt in uns als Phantasiegebilde, mit der Wirklichkeit unmittelbar etwas zu tun hat, und wir haben drittens die Imagination, die auch als Bild auftaucht oder als eine Summe von Bildern in unserem Seelenleben und die wir beziehen auf eine Wirklichkeit. Der Geistesforscher weiß diese Imagination ebenso durch das Leben auf eine Wirklichkeit zu beziehen, wie er die sichere Wahrnehmung der Farbe oder des Tones auf eine Wirklichkeit bezieht. Und derjenige, welcher sagt, die Imagination, die wirkliche Imagination könne man nicht in ihrer Wirklichkeit beweisen, sie könne auch eine Täuschung sein, dem muß man erwidern —, wer sich eingelebt hat in diesen Dingen des Seelenlebens, der sagt: Du kannst auch nicht wissen, daß ein heißes Stück Stahl ein wirkliches heißes Stück Stahl ist und nicht ein bloß gedachtes, ein bloß vorgestellte. — Beweisen kann man das nicht durch Gedanken, wohl aber durch das Leben. Jeder weiß durch die Art, wie er im Leben in Zusammenhang kommt mit der äußeren physischen Wirklichkeit, das bloß vorgestellte heiße Eisen, das einen nicht brennt, von dem wirklichen heißen Eisen zu unterscheiden. Und so weiß im Leben der Geistesforscher zu unterscheiden eben durch die Berührung, in die er durch die Imagination mit der geistigen Welt kommt, das bloß Vorgestellte dieser geistigen Welt von dem, was.durch die Imagination auf eine Wirklichkeit dieser geistigen Welt hinweist.
[ 8 ] We have, so to speak, three stages of soul life before us: the hallucination, which we recognize as a complete delusion; the figment of the imagination, which we know we have somehow drawn from reality, but which, as it appears within us as a figment of the imagination, has no direct connection to reality; and thirdly, we have imagination, which also appears as an image or as a sum of images in our inner life and which we relate to reality. The researcher of the spiritual world knows how to relate this imagination to reality through life, just as he relates the certain perception of color or tone to reality. And to those who say that imagination—true imagination—cannot be proven in its reality, that it might also be an illusion, one must reply: Anyone who has become attuned to these aspects of inner life will say, “You cannot know for certain that a hot piece of steel is a real hot piece of steel and not merely a thought, a mere figment of the imagination.” — This cannot be proven through thought, but it can be proven through life. Everyone knows, through the way they interact with external physical reality in life, how to distinguish the merely imagined hot iron—which does not burn one—from the real hot iron. And so, in life, the spiritual researcher knows how to distinguish—precisely through the contact he establishes with the spiritual world through imagination—between what is merely imagined in this spiritual world and what, through imagination, points to a reality within this spiritual world.
[ 9 ] Nun, man versteht nicht die Beziehung dieses dreigliedrigen Systems, Halluzination, Phantasiegebilde, Imagination, wenn man nicht das Wesen des Menschen im Verhältnis zu seiner ganzen Weltumgebung geisteswissenschaftlich zu durchdringen vermag. Der Mensch ist eben durchaus ein Wesen, das sich gliedert in Geist, Seele und Leib. Wenn wir den Menschen zunächst betrachten so, wie er sich uns darbietet zwischen Geburt oder sagen wir Empfängnis und Tod, dann haben wir ihn ja in bezug auf unsere unmittelbaren Erlebnisse in seiner Leiblichkeit vor uns. Diese Leiblichkeit des Menschen, sie versteht man ja auch mit heutiger Wissenschaft nur zu einem sehr geringen Teil. Diese Leiblichkeit ist eine sehr, sehr komplizierte. Sie wird einem immer mehr und mehr ein wunderbares Gebilde, je mehr man sie gerade bis in ihre Einzelheiten zu verfolgen vermag. Aber die Antwort auf die Frage: Wie versteht man diese Leiblichkeit? — sie muß doch von einer andern Seite her kommen und sie kommt uns nur von der Seite, die uns die Geisteswissenschaft dann bietet, wenn sie uns auf den Geist weist.
[ 9 ] Well, one cannot understand the relationship within this threefold system—hallucination, fantasy, and imagination—unless one is able to penetrate the nature of the human being in relation to his entire worldly environment through the spiritual sciences. Human beings are, after all, beings composed of spirit, soul, and body. If we first consider human beings as they present themselves to us between birth—or, let’s say, conception—and death, then, in terms of our immediate experiences, we have them before us in their physicality. Even with today’s science, we understand only a very small part of this physicality of human beings. This physicality is a very, very complex phenomenon. The more one is able to trace it down to its finest details, the more it reveals itself to be a wondrous structure. But the answer to the question: How do we understand this physicality? — must come from another direction, and it comes to us only from the perspective that spiritual science offers when it directs our attention to the spirit.
[ 10 ] Aber nehmen Sie wiederum vieles zusammen, was in den verschiedenen Vorträgen der verflossenen Jahre gesagt worden ist, so werden Sie sich eigentlich sagen können: So wie wir zwischen der Geburt und dem Tode vom Menschen seineLeiblichkeit vor uns haben, so haben wir in dem Leben, das der Mensch vollbringt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, seine Geistigkeit, seinen Geist vor uns. Und betrachten wir so, wie ich es getan habe in dem Vortragszyklus, den ich 1914 im Frühjahr in Wien gehalten habe, das Leben des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dann betrachten wir in derselben Zeit Wachstum und Entwickelung des menschlichen Geistes, wie wir Wachstum und Entwickelung des menschlichen Leibes betrachten, wenn wir den Menschen verfolgen von seiner Geburt bis zum Tode. Es ist wirklich so, wenn wir den Blick richten auf das eben geborene Kind und wenn wir dann die Entwickelung des Menschen verfolgen, wie er sich aus der Kindheit herausentwickelt, wie er immer reifer und reifer wird, wie dann der Verfall kommt, wie dann der Tod eintritt: Wir verfolgen da mit unseren äußeren Sinnen und kombinieren unsere äußeren Sinneseindrücke mit dem Verstande, wir verfolgen da den menschlichen Leib in seinem Werden. Ebenso verfolgen wir den menschlichen Geist in seinem Werden, wenn wir Wachstum, Reifwerden des Geistes betrachten, wenn wir ankommen bei dem, was ich in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» genannt habe die Mitternachtsstunde des Daseins zwischen Tod und neuer Geburt, wenn wir dann sehen seine Annäherung wiederum zum physischen Leben; wir betrachten da den Geist, und wir müssen dann hinschauen auf die Beziehung dieses Geistes, der uns eigentlich in seiner Urgestalt entgegentritt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, zu dem, was uns hier in der physischen Welt als sein Leib in seinem Werden entgegentritt.
[ 10 ] But if you take into account, once again, much of what has been said in the various lectures over the past years, you will actually be able to say to yourself: Just as we have before us the physical nature of the human being between birth and death, so too do we have before us—in the life the human being lives between death and a new birth—his spiritual nature, his spirit. And if we consider—as I did in the lecture series I gave in Vienna in the spring of 1914—the life of the human being between death and a new birth, then we are observing the growth and development of the human spirit during that same period, just as we observe the growth and development of the human body when we follow a person from birth to death. It is truly the case that when we turn our gaze to the newborn child and then follow the development of the human being—how he develops out of childhood, how he becomes ever more mature, how decline then sets in, and how death then occurs— We observe this with our external senses and combine our external sensory impressions with our intellect; we observe the human body in its becoming. In the same way, we observe the human spirit in its development when we consider the growth and maturation of the spirit, when we arrive at what I have called in my Outline of Esoteric Science the midnight hour of existence between death and new birth, and when we then see its return to physical life; we are then observing the spirit, and we must then look at the relationship of this spirit—which actually appears to us in its primordial form between death and a new birth—to what appears to us here in the physical world as its body in the process of becoming.
[ 11 ] Nun, da tritt uns durch die Geistesforschung die bedeutsame, die wichtige Tatsache entgegen, daß das, was wir als Leib hier erleben, was uns als Leib sich offenbart, daß das in einer gewissen Beziehung ein Bild ist, ein äußeres Bild, ein getreues Abbild ist dessen, was wir als Geist beobachten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und das, was wir als Geist betrachten in der zuletzt jetzt angedeuteten Weise, das ist das Vorbild für das, was wir hier im physischen Leben als Leib betrachten. So müssen wir uns eben die Beziehung des Geistigen zum Leiblichen konkret vorstellen. Derjenige, der nichts weiß von dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, der weiß im Grunde genommen auch nichts von dem menschlichen Geiste.
[ 11 ] Now, spiritual research reveals to us the significant, the important fact that what we experience here as the body—what reveals itself to us as the body—is, in a certain sense, an image, an external image, a faithful representation of what we observe as spirit between death and a new birth, and what we perceive as spirit in the manner just described is the model for what we perceive here in physical life as the body. This is precisely how we must concretely conceive of the relationship between the spiritual and the physical. Anyone who knows nothing of the life between death and a new birth knows, in essence, nothing of the human spirit either.
[ 12 ] Aber wenn wir nun vor dem Menschen stehen, wie er uns in der sich uns offenbarenden Leiblichkeit zwischen Geburt und Tod entgegentritt und wir uns dann mit dem Bewußtsein ausrüsten, daß das ein Abbild des vorgeburtlichen Geistigen ist, dann sagen wir uns: Was vermittelt zwischen dem Vorbild und dem Abbild? Was macht, daß das Vorbild, das ja in der Zeit vorangeht dem Abbilde, was macht, daß dieses Vorbild in dem Abbild sich ausgestaltet? — Wir könnten vielleicht auf eine solche Vermittlung erkennend verzichten, wenn der Mensch gleich ganz vollkommen auftreten würde, wenn er gewissermaßen so geboren würde, daß unmittelbar sein geistiges Vorbild sich gleich in den vollkommenen Menschen verwandeln würde und er nicht mehr wachsen und werden müßte, sondern vollkommen vor uns stehen würde. Dann könnten wir sagen: In einer jenseitigen Geisteswelt ist der Geist des Menschen, hier in der physischen Welt ist das physische Abbild. Wir beziehen das physische Abbild auf das geistige Vorbild. — Aber so ist es ja nicht, wie wir wissen, sondern durch die Geburt tritt der Mensch zunächst als ein unvollkommenes Wesen ins sinnliche Dasein und der Mensch wird erst allmählich, langsam ähnlich seinem Vorbilde. Da muß, da der Geist nur bis zu der Empfängnis oder noch etwas in das Embryonalleben hinein wirkt, also bis zur Geburt wirkt, da muß, da der Geist dann gewissermaßen den Menschen entläßt, eine Vermittlung sein, etwas da sein, was zum Beispiel im zwanzigsten Jahre dasjenige, was vorher noch nicht ganz seinem geistigen Vorbild entsprochen hat, auch jetzt noch so gestaltet, daß es immer mehr seinem geistigen Vorbilde entspricht. Und dasjenige, was da im Physischen nachbildet das geistige Vorbild, das ist das Seelische, das ist die Seele.
[ 12 ] But when we now stand before the human being as he appears to us in the physical form revealed to us between birth and death, and we then arm ourselves with the awareness that this is an image of the pre-birth spiritual realm, we ask ourselves: What mediates between the original and the image? What is it that causes the original—which, after all, precedes the image in time—to take shape within the image? — We might perhaps dispense with such mediation if the human being were to appear fully perfect from the start, if, so to speak, he were born in such a way that his spiritual archetype would immediately transform into the perfect human being, and he would no longer have to grow and develop, but would stand before us in perfection. Then we could say: In a spiritual world beyond, there is the human spirit; here in the physical world, there is the physical image. We relate the physical image to the spiritual archetype. — But as we know, this is not the case; rather, through birth, the human being first enters sensory existence as an imperfect being and only gradually, slowly, becomes like his archetype. Since the spirit acts only up to conception or, to a certain extent, into embryonic life—that is, up to birth— since the spirit then, so to speak, “releases” the human being, there must be a mediating factor—something that, for example, by the age of twenty, shapes that which previously did not yet fully correspond to its spiritual archetype in such a way that it increasingly corresponds to it. And that which in the physical realm replicates the spiritual archetype—that is the soul.
[ 13 ] Und so finden wir den Menschen hineingestellt in seine ganze Weltumgebung. Wir verfolgen sein geistiges Dasein dann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sein leibliches Dasein dann zwischen der Geburt und dem Tode, und wir schauen auf sein seelisches Dasein hin als auf dasjenige, was das Vorbild herausgestaltet nach und nach in dem physischen Leibe, in dem leiblichen Abbilde. Dann kommt für den Menschen gewissermaßen der Mittelpunkt seiner Erdenentwickelung um das fünfunddreißigste Jahr herum. Dann tritt der Verfall ein. Dann wird gewissermaßen der Mensch immer verhärteter und verhärteter seiner Leiblichkeit nach. Aber das, was da in ihm sich ausgestaltet, das bereitet sich schon vor, um im Tode wiederum in seinem Geistigen, rein Geistigen aufzugehen, damit der Mensch dann wiederum in der geistigen Form zwischen dem Tod und einer nächsten Geburt sich ausleben kann. Was ist es da wiederum, was das Leibliche immer mehr bereit macht, so daß es im Tode wiederum geistig werden kann? Es ist wiederum das Seelische. Dieses Seelische bereitet uns also zu einem Abbilde unseres Geistes in der ersten Hälfte unseres Lebens vor. Es bereitet uns vor, wieder Geist zu werden in der zweiten Hälfte unseres Lebens. Und so bekommen wir die menschliche Trinität Geist, Seele, Leib. So bekommen wir ein konkrete Vorstellung von dieser Beziehung zwischen Geist, Seele, Leib. Aber wir bekommen auch noch eine Vorstellung des Leiblichen, welche in sich klar ist, welche in sich in dem Sinne, wie das sein muß, widerspruchslos ist. Denn wenn das Leibliche ein getreues Abbild des Geistigen ist, dann müssen sich auch alle geistigen Verrichtungen in dem Leiblichen abbilden, dann muß in dem Leib in materieller Form verfolgbar sein das, was geistig ist. Und wir brauchen uns dann nicht zu verwundern, daß in der neueren Erkenntnis aufgetreten ist der Materialismus und gesagt hat, das Leibliche, das wäre der Ursprung des Geistigen. Wenn man nur das nimmt, was sich im Menschen zwischen Geburt und Tod entwickelt, namentlich als Vorstellen entwickelt, so findet man alles das, was im Vorstellungsleben lebt, in den Abbildern des menschlichen Leibes. Man kann den Menschen bis zu seinem Vorstellen hin im Leibe verfolgen, und man kann zu der Täuschung der materialistischen Auffassung kommen, weil man in der Tat jene feinen Verästelungen der leiblichen Organisation finden muß, welche im Denken, im Vorstellen zum Vorschein kommen.
[ 13 ] And so we find the human being situated within his entire worldly environment. We then trace his spiritual existence between death and a new birth, his physical existence between birth and death, and we regard his soul life as that which the archetype gradually shapes within the physical body, within the physical image. Then, for the human being, the midpoint of his earthly development comes, so to speak, around the age of thirty-five. Then decay sets in. Then, so to speak, the human being becomes increasingly hardened in his physical nature. But what is taking shape within them is already preparing to merge once again, at death, into their spiritual, purely spiritual being, so that the human being can then live out their existence once more in spiritual form between death and the next birth. What, then, is it that increasingly prepares the physical body so that it can become spiritual again at death? It is, once again, the soul. This soul thus prepares us to be an image of our spirit in the first half of our life. It prepares us to become spirit once more in the second half of our life. And so we arrive at the human trinity of spirit, soul, and body. Thus we gain a concrete conception of this relationship between spirit, soul, and body. But we also gain a conception of the physical that is clear in itself, that is internally consistent in the sense that it must be so. For if the physical is a faithful image of the spiritual, then all spiritual activities must also be reflected in the physical; then what is spiritual must be traceable in the body in material form. And we need not be surprised, then, that materialism has emerged in modern scholarship and claimed that the physical is the origin of the spiritual. If one considers only what develops in the human being between birth and death—namely, what develops as imagination—one finds everything that lives in the life of the imagination reflected in the features of the human body. One can trace the human being back to his or her imagination within the body, and one can fall into the delusion of the materialistic view, because one must indeed find those fine ramifications of the physical organization that come to light in thinking and imagination.
[ 14 ] Man kann also auf diese Weise Materialist werden. Man kann Materialist werden, weil das Leibliche ein getreues Abbild des Geistigen ist. Und wenn man nichts weiß von dem Geistigen, dann kann man mit dem Leiblichen zufrieden sein, sich beschränken auf das Leibliche, dann kann man glauben, in dem Leiblichen sei der ganze Mensch enthalten. Aber dieses Leibliche entsteht mit dem Embryonalleben, löst sich auf nach dem Tode. Dieses Leibliche ist vergänglich, und alles das, was wir auch als Vorstellungsleben entwickeln, gebunden an dieses Leibliche, ist vergänglich. Und dennoch, es ist ein getreues Abbild des Geistigen. Es ist dieses Leibliche namentlich ein getreues Abbild des Geistigen, wenn wir auf die Tätigkeit dieses Leiblichen hinschauen. Wir üben eine Tätigkeit in den feinen Organisationen unseres Nerven-Sinnessystems aus, und diese feine Tätigkeit ist durchaus ein Abbild einer geistigen Tätigkeit, die sich vollzogen hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 14 ] So one can become a materialist in this way. One can become a materialist because the physical is a faithful reflection of the spiritual. And if one knows nothing of the spiritual, then one can be content with the physical, limit oneself to the physical, and believe that the whole human being is contained within the physical. But this physical body arises with embryonic life and dissolves after death. This physical body is transitory, and everything we develop as a life of imagination—bound to this physical body—is also transitory. And yet, it is a true reflection of the spiritual. This physical body is, in particular, a true reflection of the spiritual when we look at the activity of this physical body. We carry out an activity within the fine structures of our nervous-sensory system, and this subtle activity is indeed a reflection of a spiritual activity that took place between death and a new birth.
[ 15 ] Und wenn wir auf diese leibliche Tätigkeit nun hinschauen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie sie — ich habe es angedeutet — wie seelisch vermittelt ist, so müssen wir sagen: Diese Leiblichkeit ist Bild, ist Abbild und das Geistige finden wir erst in der zugehörigen Geisteswelt. — Hier in dieser physischen Welt ist der Mensch, sofern er in dieser physischen Welt ist, durchaus ein materielles Wesen, und in der Organisation seiner Materialität drückt sich zu gleicher Zeit aus das getreue Abbild des Geistigen. Allerdings lebt in ihm die Seele, die das Geistige vermittelt, aber zum ganzen Menschen gehört das, was bis zum Embryonalleben hineinlebt, was sich dann verwandelt in dasjenige, in das sich der Mensch nach dem Tode wiederum zurückverwandelt: das Geistige. Geistiges, Seelisches und Leibliches hängen so zusammen.
[ 15 ] And when we now look at this physical activity, when we consider how it is—as I have indicated—spiritually mediated, we must say: This physicality is an image, a reflection, and we find the spiritual only in the corresponding spiritual world. — Here in this physical world, the human being, insofar as he is in this physical world, is thoroughly a material being, and the organization of his materiality simultaneously expresses the true image of the spiritual. Admittedly, the soul lives within him, mediating the spiritual; but the whole human being includes that which lives within him right down to embryonic life, which then transforms into that into which the human being is transformed back after death: the spiritual. The spiritual, the soul, and the physical are thus interconnected.
[ 16 ] Aber wenn wir das richtig durchschauen — versuchen Sie nur, das, was ich Ihnen vor die Seele gestellt habe, richtig zu durchschauen —, so werden Sie sich sagen: Das, was der Mensch als Kraft des Denkens entfaltet, in das muß hineinspielen, wenn auch nur im Nachklang, durch die Seele vermittelt, das, was vorgegangen ist vor seinem Embryonalleben. — Das heißt mit andern Worten: Wenn ich jetzt Vorstellungen hege, so lebt eine gewisse Kraft in meinem Vorstellungsleben, aber diese Kraft, die ist nicht bloß aus dem Leibe heraus entwickelt; im Leibe ist nur ihr Nachbild. Diese Kraft schwingt gewissermaßen nach, sie ist ein Nachschwingen desjenigen Lebens, das ich vor meinem Embryonalleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zugebracht habe. Dieses Leben muß in mein heutiges hereinspielen. Wenn der gewöhnliche Mensch der heutigen Zeit vorstellt, so ist es in der Tat so, daß in seinem Vorstellen lebt der Nachklang, das Nachschwingen seines vorgeburtlichen Lebens.
[ 16 ] But if we truly grasp this—just try to truly grasp what I have set before your soul—then you will say to yourself: What a human being unfolds as the power of thought must be influenced—even if only as an echo, mediated through the soul—by what preceded his embryonic life. — In other words: When I now form ideas, a certain power lives in my life of imagination, but this power is not merely developed from the body; the body contains only its afterimage. This power resonates, so to speak; it is an after-resonance of the life I spent before my embryonic life, between death and a new birth. This life must play a part in my present life. When the ordinary person of today imagines something, it is indeed the case that the echo, the after-resonance of their prenatal life, lives on in their imagination.
[ 17 ] Und wie kommt der Mensch dazu, sich ein Sein zuzuschreiben? Er kommt dazu, sich ein Sein zuzuschreiben dadurch, daß er unbewußt eine Erkenntnis davon hat: Indem ich vorstelle, lebt in mir nach, schwingt nach mein vorgeburtliches Sein, und mein Leib ist ein Nachbild dieses vorgeburtlichen Seins. — Wenn er nun selbst anfängt, solch eine Tätigkeit zu entwickeln, wie sie eigentlich nur entwickelt werden soll durch Nachschwingen des vorgeburtlichen Daseins, was dann? Dann entwickelt der Leib in diesem physischen Dasein, weil er einmal ein Nachbild ist, unberechtigterweise aus sich heraus etwas, was der vorstellenden Tätigkeit ähnlich ist. Und das kann in der Tat eintreten. Wenn wir im normalen Leben stehen und denken und vorstellen, schwingt in uns nach unser vorgeburtliches Leben, und da der Mensch dreigliedrig ist, so kann das Nerven-Sinnesleben ausgeschaltet werden und jeder andere Teil kann anfangen nachzuäffen diejenige Tätigkeit aus dem rein Leiblichen heraus, welche eigentlich nachschwingen sollte aus dem vorgeburtlichen Dasein. Wenn der rhythmische Mensch oder der Stoffwechsel-Gliedmaßenmensch aus sich heraus eine solche Tätigkeit unberechtigterweise entwickelt, die dem berechtigten Vorstellen, das nachschwingt aus dem vorgeburtlichen Leben, ähnlich ist, dann entsteht die Halluzination. Und Sie können haarscharf, wenn Sie geisteswissenschaftlich die Sache betrachten, unterscheiden die berechtigte Vorstellung, die zu gleicher Zeit, indem man sie anerkennt als berechtigte Vorstellung, ein lebendiger Beweis für das präexistente Leben ist, Sie können sie unterscheiden von der Halluzination, die dadurch, daß sie da sein kann, daß sie die Nachäffung der aus dem Ewigen herauskommenden Vorstellungskraft aus dem Leibe heraus ist, ein lebendiger Beweis ist, weil sie Nachäffung ist, daß auch das Ursprüngliche, das sie nachäfft, vorhanden ist, die aber durchaus aus dem Leibe heraus gekocht ist und die daher als Unberechtigtes dasteht. Denn der Leib hat im physischen Leben nicht die Berechtigung, aus sich heraus nachzuäffen diejenige Vorstellungsweise, die geboren sein soll aus dem geistigen Leben des vorgeburtlichen Menschen heraus.
[ 17 ] And how does a person come to attribute a form of being to himself? He comes to attribute a form of being to himself through an unconscious awareness of it: by imagining that my pre-birth existence lives on within me, resonates within me, and that my body is a reflection of this pre-birth existence. — Now, if a person begins to develop such an activity—one that is actually meant to arise only through the reverberation of prenatal existence—what then? Then, because the body is a reflection of that prenatal existence, it unjustifiably develops, of its own accord, something within this physical existence that resembles the activity of imagination. And this can indeed occur. When we stand in normal life and think and imagine, our prenatal life resonates within us; and since the human being is threefold, the nervous-sensory life can be shut out, and every other part can begin to mimic—from a purely physical perspective—the very activity that should actually be resonating from prenatal existence. When the rhythmic human being—or the metabolic-limb human being—unjustifiably develops from within such an activity that resembles the legitimate imagination resonating from prenatal life, then hallucination arises. And if you view the matter from a spiritual-scientific perspective, you can distinguish with hair’s-breadth precision between the legitimate imagination—which, at the very moment it is recognized as such, serves as living proof of pre-existing life— from a hallucination, which—by virtue of its very existence as an imitation from within the body of the imaginative power emerging from the Eternal—is living proof, precisely because it is an imitation, that the original it imitates also exists; yet this hallucination is entirely concocted from within the body and therefore stands as something unjustified. For in physical life, the body has no right to imitate from within itself that mode of imagination which is to be born out of the spiritual life of the pre-born human being.
[ 18 ] Solche Erwägungen muß man in der Tat anstellen, wenn man über jene törichten Vorstellungen hinwegkommen will, die heute als Definitionen gelten über Halluzinationen und dergleichen. Man muß schon hineinschauen in das Gefüge des ganzen Menschen, wenn man das halluzinatorische Leben unterscheiden will von dem wirklichen Vorstellungsleben. Und wenn dann höher ausgebildet wird das wirkliche Vorstellungsleben, wenn es bewußt aufgenommen wird und wenn ihm hinzugefügt wird dieses Bewußtsein, daß man nicht nur den Nachklang im Vorstellen erlebt vom vorgeburtlichen Leben, sondern wenn man diesen Nachklang nun ganz bewußt zum Bilde macht und dadurch von dem Nachklang zurückschaut zu der Wirklichkeit, dann kommt man zur Imagination. So unterscheidet der wirkliche Geisteswissenschafter Halluzination, die ein Herausgekochtes aus dem physischen Leibe ist, von der Imagination, die ins Geistige hineinweist, die sich zurückversetzt in das Geistige, so daß man sagen kann: Beim Halluzinierenden kombiniert der Leib, beim Imaginierenden, der sich zurückversetzt vom Nachklang in die vorgeburtliche Welt, kombiniert der Geist; er verlängert sein Leben hinaus über das physische Dasein und er läßt den Geist kombinieren. In ihm kombiniert der Geist. Diejenigen Menschen, die aus Vorurteilen oder, wie es heute schon geschieht, aus bösem Willen heraus immer wiederholen, die Imagination der Geisteswissenschaft könne auch Halluzination sein, die übersehen geflissentlich die Tatsache, daß der Geistesforscher streng zu unterscheiden weiß gerade zwischen Halluzination und Imagination, daß er es ist, der im strengsten Sinne des Wortes das eine von dem andern fest abgegrenzt unterschieden hinstellen kann, während das, was heute in der gebräuchlichen Wissenschaft über Halluzinationen gesagt ist, überall ohne Grund und Boden dasteht, überall Willkürdefinitionen sind. Und es ist eigentlich nur ein Beweis dafür, daß die heutige Wissenschaft nicht weiß, was Halluzinationen sind, daß sie das, was ihr als Imagination entgegentritt, nicht unterscheiden kann von dem halluzinatorischen Leben.
[ 18 ] One must indeed make such considerations if one wishes to move beyond those foolish notions that are accepted today as definitions of hallucinations and the like. One must look into the structure of the whole human being if one wishes to distinguish the hallucinatory life from the real life of the imagination. And when the real life of imagination is further developed—when it is consciously embraced and when this awareness is added to it: that one does not merely experience the echo of prenatal life in one’s imagination, but rather consciously transforms this echo into an image and thereby looks back from the echo to reality—then one arrives at imagination. Thus, the true scholar of spiritual science distinguishes hallucination—which is something distilled from the physical body—from imagination, which points toward the spiritual, which transports oneself back into the spiritual, so that one can say: In the case of the hallucinator, the body combines; in the case of the imaginer, who transports himself back from the echo into the prenatal world, the spirit combines; he extends his life beyond physical existence and allows the spirit to combine. Within him, the spirit combines. Those people who, out of prejudice or—as is already happening today—out of malice, repeatedly claim that imagination in spiritual science could also be hallucination, deliberately overlook the fact that the spiritual scientist knows how to make a strict distinction precisely between hallucination and imagination, that it is he who, in the strictest sense of the word, can clearly distinguish one from the other, whereas what is said today in mainstream science about hallucinations stands everywhere without any foundation; everywhere there are arbitrary definitions. And this is really only proof that modern science does not know what hallucinations are, that it cannot distinguish what it encounters as imagination from hallucinatory experience.
[ 19 ] Bei dem Charakter, den die Insinuationen annehmen, die auf diesem Gebiete gemacht werden, muß man heute schon reden von bewußten Verleumdungen, die auf diesem Gebiete getan werden. Es ist nur Faulheit unserer Wissenschafter gegenüber dem, was geisteswissenschaftliche Forschung ist, daß sie überhaupt solche Dinge in die Welt setzen. Würden sie nicht zu faul sein, auf die Geisteswissenschaft einzugehen, so würden sie eben sehen, wie strenge Unterscheidungen zwischen halluzinatorischem und imaginativem Leben in der Geisteswissenschaft statuiert werden.
[ 19 ] Given the nature of the insinuations being made in this field, one must already speak of deliberate slander being perpetrated here. It is merely laziness on the part of our scientists toward what spiritual science research is that they put such things out into the world at all. If they were not too lazy to engage with spiritual science, they would see just how strict the distinctions between hallucinatory and imaginative life are established in spiritual science.
[ 20 ] Das aber muß man in seinem Bewußtsein aufnehmen, wenn man ehrlich sich zu unserer Bewegung bekennen will, daß in unserer Zeitgenossenschaft die Böswilligkeit ist, die aus der Faulheit entstammt, und man muß die Faulheit, die dann bis zur Lügenhaftigkeit führt, in unserer heutigen Zeitbildung verfolgen bis zu ihren Schlupfwinkeln hin; einen andern Weg hat heute das, was Geisteswissenschaft ist, nicht mehr. So daß wir sagen können: Im halluzinatorischen Leben kombiniert der Leib, im imaginativen Leben kombiniert der Geist, und der Mensch fühlt sich auch völlig aus der Welt zwischen Geburt und Tod hinausentrückt, wenn er sich im imaginativen Leben voll drinnen fühlt.
[ 20 ] But one must take this to heart if one wishes to honestly commit to our movement: that in our contemporary society there is malice stemming from laziness, and one must track down this laziness—which then leads to deceitfulness—in our present-day culture, right down to its hiding places; spiritual science has no other path today. So that we can say: In the hallucinatory life, the body combines; in the imaginative life, the spirit combines; and the human being also feels completely removed from the world between birth and death when he feels fully immersed in the imaginative life.
[ 21 ] Zwischen beiden steht die Seele. Die Seele ist die Vermittlerin, gewissermaßen das Geistig-Flüssige, welches vom Geiste, dem Vorbild, zum Leibe, dem Nachbild, hin vermittelt. Das darf nicht nach irgendeiner Seite hin scharf konturiert sein, das muß flüssige Konturen haben, verschwimmende Konturen haben; demgegenüber darf man nicht in bestimmter Weise sagen, es wurzelt in der Wirklichkeit, oder es wurzelt nicht in der Wirklichkeit. Bei den Halluzinationen, weil sie nur gekocht sind aus dem Leibe heraus, der aber nichts Wirkliches kochen kann, wenn er nicht im Nachklange des vorgeburtlichen Lebens lebt, bei dem Leibe und seinen Halluzinationen kann man sagen, das wurzelt nicht in der Wirklichkeit. Bei den Imaginationen und bei ihren abstrakten Abbildern, den Gedanken, kann man sagen, sie wurzeln in der Wirklichkeit.
[ 21 ] Between the two stands the soul. The soul is the mediator—in a sense, the spiritual-fluid substance that mediates between the spirit, the archetype, and the body, the image. It must not be sharply defined on either side; it must have fluid contours, blurring contours; conversely, one cannot say with certainty that it is rooted in reality or that it is not rooted in reality. In the case of hallucinations—because they are merely concocted by the body, which, however, cannot produce anything real unless it lives in the afterglow of prenatal life—one can say of the body and its hallucinations that they are not rooted in reality. As for imaginations and their abstract representations—thoughts—one can say that they are rooted in reality.
[ 22 ] Bei den Gebilden, die aus der Kombination der Seele hervorgehen, bei den Phantasiegebilden haben wir nun etwas Verschwimmendes; sie sind wirklich-unwirklich. Sie werden aus der Wirklichkeit genommen, die scharfen Konturen der Wirklichkeit werden abgetönt, verblassend gemacht, verschwimmend gemacht. Wir fühlen uns herausgehoben aus der Wirklichkeit, aber wir fühlen zu gleicher Zeit, daß das doch etwas ist, was für unser Innenleben, für unser ganzes Weltenleben etwas bedeutet. Wir fühlen den Zwischenzustand zwischen Halluzination, zwischen täuschender Halluzination und wirklicher Imagination in dem vermittelnden Phantasiegebilde, und wir dürfen sagen: In der Halluzination kombiniert der Leib, in den Phantasiegebilden kombiniert die Seele, in der Imagination, deren Abbild die abstrakten Gedanken für das gewöhnliche Leben sind, kombiniert der Geist.— Hier haben Sie die dreifache Wesenheit des Menschen in seiner Betätigung und in seinem Verhältnis zu seiner Weltumgebung. Wir dürfen sagen: Stehen wir im Geiste, ob in dem schattenhaften Abbilde der Gedanken, ob in der Imagination, durch die wir uns dann hinauferheben zu den höheren Stufen der Erkenntnis, kombinieren wir die Wirklichkeit;
[ 22 ] In the images that arise from the interplay of the soul—in the products of the imagination—we now encounter something blurred; they are both real and unreal. They are drawn from reality, but the sharp contours of reality are softened, faded, and blurred. We feel lifted out of reality, but at the same time we sense that this is something that holds significance for our inner life, for our entire experience of the world. We sense the intermediate state between hallucination—between deceptive hallucination and true imagination—in the mediating figment of the imagination, and we may say: In hallucination, the body combines; in figments of the imagination, the soul combines; and in imagination—of which abstract thoughts are the reflection in ordinary life—the spirit combines. — Here you have the threefold nature of the human being in his activity and in his relationship to his surroundings. We may say: When we stand in the spirit—whether in the shadowy image of thoughts or in imagination, through which we then rise to the higher levels of knowledge—we synthesize reality;
[ 23 ] an stehen wir innerhalb der Seele und ihrer Phantasiegebilde, so kombinieren wir etwas, was hin- und herschwebt zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit; kombiniert der Leib, dann gaukeln uns die Halluzinationen etwas vor, was tatsächlich einer Unwirklichkeit entsprechen kann.
[ 23 ] When we are within the soul and its figments of the imagination, we combine something that floats back and forth between reality and unreality; when the body combines them, the hallucinations deceive us into believing something that may in fact correspond to unreality.
[ 24 ] Wenn Sie das, was ich jetzt entwickelt habe, nehmen, dann werden Sie sich sagen: Ja, eine unbefangene Betrachtung des Menschen liefert uns diese Trinität Geist, Seele, Leib. Und sogar in bezug auf das, was sich betätigt durch die Wesenheit des Menschen, können wir in dreifacher Art unterscheiden Halluzination, Phantasiegebilde, Imagination, und werden da hingewiesen auf Leib, Seele und Geist. — Sehen Sie, so ist es bei Anthroposophie, daß man immer tiefer und tiefer in ihr Wesen eindringen muß, um zu sehen, wie sie aus ihrer Ganzheit heraus die Einzelheiten belegt.
[ 24 ] If you take what I have just outlined, you will say to yourself: Yes, an unbiased view of the human being reveals to us this trinity of spirit, soul, and body. And even with regard to what is active through the human being’s essence, we can distinguish three types—hallucination, fantasy, and imagination—and are thereby pointed toward body, soul, and spirit. — You see, this is how it is with anthroposophy: one must penetrate deeper and deeper into its essence to see how it substantiates the details from its wholeness.
[ 25 ] Wir sehen, wie man zuerst hinstellen muß in einer mehr abstrakten Weise die Gliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist, wie das dann sich anfüllt immer mehr und mehr mit konkretem Inhalte. Wenn man die Beziehungen sucht zwischen so etwas, das man so hingestellt hat, zum anderen, so bekommt man immer mehr und mehr Belege. Aber das ist notwendig beim anthroposophischen Leben, daß man immer weiter und weiter dringt. Das ist aber das, was gerade der heutige Mensch, der sich so furchtbar gescheit fühlt, nicht liebt. Der heutige Mensch liebt es nicht, sich etwa zu sagen: Ich habe jetzt einen anthroposophischen Aufsatz gelesen, ich habe einen anthroposophischen Vortrag gehört, ja, klar ist mir die Sache noch nicht, aber ich werde warten, ich werde sehen, was da noch alles kommt. — Würde er warten, dann würde er sehen, daß immer weiter zu andern Dingen vorgeschritten wird, und daß zuletzt dann bestimmt alles zutrifft, daß das eine der Beweis des andern wird. Und demjenigen, der da sagt: Wenn das eine der Beweis des andern ist, dann ist ja das Ganze im Weltenall doch ohne Grund und Boden, dann hält immer eins das andere —, demjenigen, der diese Einwendung macht, sagen Sie nur, er könne nicht annehmen die Beschreibung, die ihm die Astronomie von der Erde gibt. Da wird ihm auch gesagt, daß ein Stück der Erde die ganze trage und daß das Ganze ohne Grund und Boden dasteht. Derjenige, der andere Beweise als dieses Tragen des einen durch das andere will, er beachtet nicht, daß in dem Falle, wo man zu Totalitäten kommt, dies eben das Charakteristische ist, daß eins das andere trägt.
[ 25 ] We see how one must first present, in a more abstract way, the division of the human being into body, soul, and spirit, and how this then becomes filled more and more with concrete content. When one seeks the relationships between what one has presented in this way and other aspects, one finds more and more evidence. But it is essential in the anthroposophical life to keep delving deeper and deeper. Yet this is precisely what modern people—who feel so terribly clever—do not like. Modern people do not like to say to themselves, for example: “I’ve just read an anthroposophical essay; I’ve heard an anthroposophical lecture; yes, the matter isn’t clear to me yet, but I’ll wait; I’ll see what else comes.” — If they were to wait, they would see that progress is constantly being made toward other things, and that in the end everything will certainly prove true, that one thing becomes the proof of the other. And to the person who says: “If one thing is proof of another, then the whole universe is without foundation, with one thing always holding up the other”—to the person who raises this objection, simply tell them that they cannot accept the description of the Earth provided by astronomy. There, too, he is told that one part of the Earth supports the whole and that the whole stands without any foundation. Anyone who wants evidence other than this support of one thing by another fails to consider that, in cases where one arrives at totalities, this is precisely the defining characteristic: that one thing supports the other.
[ 26 ] Das, was notwendig ist, um überhaupt so etwas, wie wir es heute entwickelt haben, vor unsere Seele hinzustellen, das ist, daß nicht nur geredet wird immer vom Geiste — man kann natürlich gut vom Geiste reden und eigentlich einen blauen Dunst meinen —, sondern daß man geistig vom Geiste redet, daß man tatsächlich vom Geiste erfaßt ist und das eine an das andere in der Welt so gliedert, daß das Schaffen des Geistes zum Vorschein kommt. Derjenige, der nur materiell denkt, der kann eben nicht unterscheiden Halluzination von Imagination und von Phantasiegebilden, wenn er sie nebeneinanderstellt. Derjenige aber, der den lebendigen Geist sieht in der Vermittlung der drei, der zieht die Fäden von dem einen zu dem andern hinüber, der ist in seiner Betrachtungsweise mit lebendigem Seeleninhalte erfüllt, der redet, indem der Geist in seinen Worten lebt. Man soll nicht bloß von dem Geiste reden in der Wissenschaft, man soll den Geist reden lassen in der Geisteswissenschaft. Bitte, denken Sie über diesen Satz nach, der in der Tat sehr wichtig ist, wenn das Wesen der Geisteswissenschaft verstanden werden soll: Man soll nicht bloß über den Geist oder von dem Geist reden, man soll in geistiger Weise den Geist reden lassen. — Gerade darin wird man frei, denn der Geist nimmt einen in freier Weise auf und man drückt durch den eigenen Geist das Wesen desselben aus. Über den Geist muß in geistiger Art gesprochen werden, das ist mit flüssigem Denken, nicht mit den verhärteten Gedanken, die einer materialistisch denkenden Wissenschaft entsprechen.
[ 26 ] What is necessary in order to even bring before our souls something like what we have developed today is not merely that we always speak of the spirit — of course, one can easily speak of the spirit and actually mean nothing at all — but that one speaks of the spirit in a spiritual sense, that one is truly gripped by the spirit and structures one thing in relation to another in the world in such a way that the creative work of the spirit comes to light. Those who think only in material terms simply cannot distinguish between hallucination, imagination, and figments of the imagination when they set them side by side. But those who see the living spirit in the interplay of these three, who draw the threads from one to the other, are filled with living spiritual content in their way of looking at things; they speak with the spirit living in their words. One should not merely speak of the spirit in science; one should let the spirit speak in spiritual science. Please reflect on this sentence, which is indeed very important if the essence of spiritual science is to be understood: One should not merely speak about the spirit or of the spirit; one should, in a spiritual way, let the spirit speak. — It is precisely in this that one becomes free, for the Spirit receives one freely, and one expresses the essence of the Spirit through one’s own spirit. One must speak of the Spirit in a spiritual manner—that is, with fluid thinking, not with the rigid thoughts characteristic of materialistically oriented science.
[ 27 ] Wenn wir aber dieses nehmen, dann ist es, was gerade, ich möchte sagen, in den Kernpunkt dessen führt, was eigentlich innerste Aufgabe unserer Zeit ist, und was uns allein hinüberretten kann über den Verfall, der als ein so starker Impuls in unserer ganzen heutigen Zivilisation drinnen ist. Wir können sagen: Fühlen wir uns heute ganz unbefangen mit echter, wirklicher Hingabe an das Erkennen in der Welt darinnen, dann werden wir wie durch eine sich über uns ausgießende Weltengnade dazu geführt, so zu denken, daß wir geistig über die Welt denken. Dies ist dasjenige, was im Grunde genommen als eine Eigenschaft der Weltenentwickelung erst eingetreten ist am Ende des 19. Jahrhunderts. Derjenige, der unbefangen die Menschheitsentwickelung verfolgt, der wird sehen, daß die Weltenentwickelung so war, daß sie vor dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine andere Aufgabe hatte, daß aber, man möchte sagen, die Tore des Geistigen sich geöffnet haben und daß wir heute vor der Aufgabe stehen, nachdem die materialistische Betrachtung der Natur die großen Triumphe gefeiert hat, die Welt wiederum geistig zu betrachten. Denn rhythmische Bewegung ist auch des Menschen Werden, durch das der Mensch als einzelner hindurchgeht im Rhythmus der wiederholten Erdenleben. Rhythmisch ist dieses Leben. In rhythmischer Wiederkehr geht der Mensch dasjenige durch, was sich einmal auslebt in solchem geistigen Menschheitsstreben, wie es zum Beispiel in der Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Höhepunkt hatte, wo man nur den Sinn auf das Materielle hinrichtete und alles materiell erklären will, und unserer jetzigen Zeit, wo wir wiederum zurückkehren müssen zu einer geistigen Betrachtung, weil, wenn wir unbefangen unsere Seele erfüllen lassen von dem, was aus der Welt kommt, diese Seele eben angefüllt wird mit dem Drang zu einer geistigen Betrachtung der Welt.
[ 27 ] But if we take this, then it is precisely what leads, I would say, to the very heart of what is actually the innermost task of our time, and what alone can save us from the decline that is such a powerful force within our entire civilization today. We can say: If we feel today, completely uninhibited and with genuine, true devotion to knowledge, at home within the world, then we will be led—as if by a grace of the worlds pouring down upon us—to think in such a way that we think spiritually about the world. This is what, fundamentally speaking, first emerged as a characteristic of world development at the end of the 19th century. Anyone who follows the development of humanity with an open mind will see that the development of the world was such that, before the last third of the 19th century, it had a different task; but one might say that the gates of the spiritual have opened, and that today, after the materialistic view of nature has celebrated its great triumphs, we are faced with the task of once again viewing the world from a spiritual perspective. For human development, too, is a rhythmic process through which the individual passes in the rhythm of repeated earthly lives. This life is rhythmic. In rhythmic recurrence, the human being passes through that which once found its full expression in such spiritual human striving as, for example, reached its peak in the mid-19th century, when people directed their attention solely toward the material and sought to explain everything in material terms, and our present time, when we must once again return to a spiritual perspective, because when we allow our soul to be filled without prejudice by what comes from the world, that soul is precisely filled with the urge toward a spiritual contemplation of the world.
[ 28 ] Das ist im Grunde genommen das Geheimnis, möchte ich sagen, des heutigen Tages. Derjenige, der heute mit dem Geiste lebt, der muß sich sagen: Die Tore von der übersinnlichen Welt zur sinnlichen Welt sind eröffnet für das Erdendasein. So wie die Dinge der sinnlichen Außenwelt zu uns sprechen durch Farben und Töne, so spricht heute deutlich eine geistige Welt zu den Menschen. Aber die Menschen sind noch gewöhnt, die alte, bloß abbildliche materielle Welt zu sich sprechen zu lassen, und sie haben daher den Kampf eröffnet in allen Formen gegen das Hereinströmen der geistigen Art der Betrachtung. Dieser Kampf tritt auf in der materialistisch wissenschaftlichen Betrachtungsweise; dieser Kampf tritt auf in den furchtbaren materialistischen Kämpfen, die den Anfang des 20. Jahrhunderts erschüttert haben. Aber geradeso wie in einer älteren Zeit der Menschheitsentwickelung einmal die Menschen zu stark zum Geistigen aufgestrebt haben und daher in Illusionen und Schwärmereien verfallen sind, welche in ihrem Leibe haben aussprechen lassen wollen das Geistige, so gerät derjenige, der heute den Geist bekämpft, wie es im Grunde genommen noch die Mehrzahl der zivilisierten Menschen tun, in die Fangarme der Macht, die dem Herabkommen des Geistigen in die physische Welt heute widerstrebt. Und wir haben daher heraufziehen sehen das, was unbedingt kommt in diejenigen Seelen, die dem Hereinströmen des Geistigen widerstreben: wir kommen zu dem, was das Auftreten der Lüge ist, was wir so furchtbar haben hereinströmen sehen während der Zeit des Weltkrieges. Es war allerdings schon vorher vorbereitet, und wir leben heute in einer Zeit, wo nicht nur die Welt widerstrebt der Erkenntnis, wo die Welt geradezu in einer furchtbaren Weise den Hang entwickelt, Unwahres zu sagen. Und Unwahres ist im Grunde genommen das meiste von dem, was heute gerade gegen Anthroposophie und gegen alles das, was mit Anthroposophie zusammenhängt, von den Gegnern heraufgebracht wird. Welch tiefe Unwahrhaftigkeit tritt bei denjenigen auf, welche heute sich geradezu gerieren als die Träger der Wahrheit, welche sich nennen die Verkünder der Wahrheit!
[ 28 ] That, I would say, is essentially the secret of this day. Anyone who lives in the spirit today must tell themselves: The gates from the supersensible world to the sensory world are open to earthly existence. Just as the things of the sensory outer world speak to us through colors and sounds, so too does a spiritual world speak clearly to people today. But people are still accustomed to letting the old, merely representational material world speak to them, and they have therefore waged a struggle in every form against the influx of the spiritual mode of perception. This struggle manifests itself in the materialistic-scientific worldview; this struggle manifests itself in the terrible materialistic conflicts that shook the beginning of the 20th century. But just as in an earlier period of human development people once aspired too strongly toward the spiritual and thus fell into illusions and fanaticism—seeking to express the spiritual through their physical bodies—so too does anyone who fights against the spirit today—as, in essence, the majority of civilized people still do— into the clutches of the power that today resists the descent of the spiritual into the physical world. And we have therefore seen the emergence of what inevitably arises in those souls who resist the influx of the spiritual: we arrive at what constitutes the emergence of falsehood, which we have seen pouring in so terribly during the time of the World War. It had, however, already been prepared beforehand, and we are living today in a time when not only does the world resist knowledge, but when the world is developing, in a truly terrible way, a tendency to speak untruths. And falsehood is, in essence, the bulk of what is being put forward today by opponents against anthroposophy and against everything connected with anthroposophy. What profound insincerity is evident in those who today actually present themselves as the bearers of truth, who call themselves the heralds of truth!
[ 29 ] Dafür ein Beispiel — ich muß immer naheliegende Beispiele anführen, so leid es mir tut —: Es erscheint in Stuttgart ein Blatt, das heißt sich: Stuttgarter Evangelisches Sonntagsblatt. Dieses Stuttgarter Evangelische Sonntagsblatt brachte in Nr. 19 auf Seite 149 einige Sätze, welche unter anderem das Folgende enthalten. Da hat jemand etwas vorgetragen, ein Stadtpfarrer a.D. Jehle, über die kirchenfeindlichen Strömungen der Gegenwart. Da sei viel Wertvolles zum Verständnis des Monismus und des Freidenkertums gesagt worden, und da legte jener Stadtpfarrer a.D. Jehle die tieferen Gründe des von A. Drews so erbittert geführten Kampfes gegen die Geschichtlichkeit Jesu klar, und er beleuchtet sodann die christliche Wissenschaft, die im schärfsten Gegensatz zur materialistischen Weltauffassung alles Materielle für unwirklich erklärt, und weiter: «die Theosophie Steiners, der den Pfarrer Rittelmeyer zum Dank für seine Gefolgschaft zum wiedergekommenen Bernhard von Clairvaux erklärt».
[ 29 ] Here is an example—I must always cite obvious examples, much as I regret it—: A newspaper is published in Stuttgart called the Stuttgarter Evangelisches Sonntagsblatt. In issue No. 19, on page 149, this Stuttgarter Evangelisches Sonntagsblatt published a few sentences that included, among other things, the following. Someone—a retired city pastor named Jehle—had given a talk on the current anti-church movements. Much of value was said there regarding the understanding of monism and freethinking, and the retired city pastor Jehle clearly explained the deeper reasons behind A. Drews’s bitter struggle against the historicity of Jesus; he then shed light on Christian Science, which—in the sharpest contrast to the materialistic worldview—declares all material things to be unreal, and further: “Steiner’s theosophy, which Pastor Rittelmeyer, in gratitude for his allegiance, declares to be the reincarnation of Bernard of Clairvaux.”
[ 30 ] Nun, meine lieben Freunde, ein Freund von uns hat sich bemüht, eine Richtigstellung dieser Sache zu erlangen. Die Sache ist auch an den Pfarrer Rittelmeyer herangekommen, und der Pfarrer Rittelmeyer hat dann an diejenigen, die so etwas in die Welt setzen, den folgenden Brief geschrieben:
[ 30 ] Well, my dear friends, a friend of ours has tried to set the record straight on this matter. The matter also came to the attention of Pastor Rittelmeyer, and Pastor Rittelmeyer then wrote the following letter to those who are spreading such rumors:
[ 31 ] «In Nr.19 des Stuttgarter Evangelischen Sonntagsblattes vom 8. Mai lese ich soeben einen Bericht über die Jahresversammlung der Evangelisch-Kirchlichen Vereinigung, auf der Herr Pfarrer Jehle in einem Vortrag über die kirchenfeindlichen Strömungen der Gegenwart behauptet hat, Herr Dr. Steiner habe «den Pfarrer Rittelmeyer zum Dank für seine Gefolgschaft zum wiedergekommenen Bernhard von Clairvaux erklärt. Dieser Satz widerspricht in allem völlig der Wahrheit. Weder hat Herr Dr. Steiner mich je direkt oder andeutend zum wiedergekommenen Bernhard von Clairvaux oder zu etwas Ähnlichem erklärt — weder mir selbst gegenüber, noch, wie ich mit Bestimmtheit sagen kann, irgend einem andern gegenüber — noch habe ich selbst etwas Derartiges von mir gesagt oder gedacht. Ich bitte Sie, auf Grund der Pressegepflogenheiten dieser Richtigstellung nach ihrem vollen Inhalt Raum zu geben. Gestatten Sie noch, daß ich meiner tiefen Trauer Ausdruck gebe über den Tiefstand der kirchlichen Polemik, die hier wieder einmal zum Ausdruck kommt. Jedes törichte Geschwätz ist willkommen, wenn es nur den vermeintlichen Gegner herabsetzt, und nicht einmal die unter anständigen Menschen sonst allgemein üblichen Gepflogenheiten der vorherigen Vergewisserung werden eingehalten. Ich erhoffe mir doch recht sehr von Ihnen eine Empfindung dafür, welche niedrige Gesinnung hier Herrn Dr. Steiner sowohl wie mir zugetraut ist, und an welche tiefstehenden Instinkte sich eine solche Mitteilung, nur auf Grund eines leicht als unwahr festzustellenden Klatsches, im Hörer und im Leser wendet.»
[ 31 ] “In issue No. 19 of the Stuttgart Evangelical Sunday Journal dated May 8, I have just read a report on the annual meeting of the Evangelical Church Association, at which Pastor Jehle, in a lecture on contemporary anti-church trends, claimed that Dr. Steiner had ‘declared Pastor Rittelmeyer to be the reincarnation of Bernard of Clairvaux in gratitude for his loyalty.’ This statement is completely contrary to the truth in every respect. Not only has Dr. Steiner never—either directly or by implication—declared me to be the reincarnated Bernard of Clairvaux or anything of the sort—neither to me personally nor, as I can say with certainty, to anyone else—but I myself have never said or thought anything of the kind. I ask you, in accordance with press conventions, to give this correction the space it deserves in its entirety. Allow me also to express my deep sorrow at the low level of ecclesiastical polemics, which is once again evident here. Any foolish drivel is welcome, so long as it disparages the supposed opponent, and not even the customary practice of prior verification—which is otherwise generally observed among decent people—is observed. I very much hope that you will appreciate the low character attributed here to both Dr. Steiner and myself, and the base instincts to which such a statement—based solely on gossip that can easily be proven false—appeals in the listener and the reader.”
[ 32 ] Nun, sehen Sie, die letzten Worte hat das Stuttgarter Evangelische Sonntagsblatt überhaupt nicht abgedruckt, von der niedrigen Gesinnung und so weiter, sondern nur die ersten Worte, und läßt dazusetzen:
[ 32 ] Well, you see, the Stuttgarter Evangelische Sonntagsblatt did not print the last words at all—the part about the lowly mindset and so on—but only the first words, and added the following:
[ 33 ] «Zu dieser Erklärung» — die also unvollständig abgedruckt ist! — «können wir hier nur bemerken: Persönliche Mitteilungen des Redners (die dann auch dem Betroffenen zugegangen sind) sowie seine so vielen unserer Leser bekannte und bewährte Persönlichkeit schließen für jeden, der ihn kennt, auch den leisesten Zweifel aus, daß er die Außerung nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben hat.» Also man muß hören, daß derjenige, der zunächst apostrophiert wird, erstens sagt, daß die ganze Sache erlogen ist, zweitens sagt, daß die Sache von einer niedrigen Gesinnung ist. Dann zieht man sich in dieser Weise aus der Affäre und fügt noch hinzu: «Betreffs ihrer Formulierung und Wiedergabe im Bericht unseres Blattes, die ohne Wissen und Willen des Redners und ohne die letzte Durchsicht des mittlerweile in Urlaub gereisten Schriftleiters erfolgt ist» — also der Redner hat das zwar gesagt, aber man entschuldigt die Wiedergabe damit, daß man ihm die Wiedergabe nicht gesagt hat, und man entschuldigt denjenigen, der in übler Weise demjenigen, der dann die Wiedergabe getadelt hat, gedient hat, entschuldigt diesen wieder damit, daß er im Bade ist — «bedauert der Berichterstatter und mit ihm der Redner wie der Schriftleiter, daß sie wider unsere Absicht von verschiedenen Lesern» — also sie bedauern nicht, daß sie eine Lüge verbreitet haben, sondern das Folgende, sie bedauern — «daß sie wider unsere Absicht von verschiedenen Lesern, wie Herr Pfarrer Dr. Rittelmeyer uns mitteilt, dahin mißverstanden werden konnte, als trauten wir ihm die Eitelkeit zu, an solcher Ernennung Freude zu haben, und als hätte Herr Dr. Steiner mit dieser Eitelkeit gerechnet.»
[ 33 ] “Regarding this statement”—which is, in other words, printed incompletely! — “we can only note here: Personal communications from the speaker (which were also sent to the person concerned), as well as his character—well-known and proven to so many of our readers—rule out even the slightest doubt for anyone who knows him that he reproduced the statement to the best of his knowledge and belief.” So one must hear that the person who is initially addressed first says that the whole thing is a lie, and second, that the matter reflects a base mindset. Then one extricates oneself from the situation in this manner and adds: “Regarding its wording and reproduction in our newspaper’s report, which took place without the speaker’s knowledge or consent and without a final review by the editor-in-chief, who had since gone on vacation”— — so while the speaker did say that, one excuses the reporting by claiming that he was not informed of the version, and one excuses the person who maliciously served the one who then criticized the reporting, excusing him in turn by saying that he is at the spa — “the reporter, along with the speaker and the editor, regrets that, contrary to our intention, various readers” — so they do not regret that they spread a lie, but rather the following: they regret — “that, contrary to our intention, it could have been misunderstood by various readers, as Pastor Dr. Rittelmeyer informs us, as though we attributed to him the vanity of taking pleasure in such an appointment, and as though Dr. Steiner had counted on this vanity.”
[ 34 ] Also es wird nicht zugestanden, daß man eine Lüge verbreitet hat, sondern bedauert, daß die Leser so etwas verstanden haben, als ob man auf die Eitelkeit gerechnet hätte. Und nun geht es weiter: «So sehr wir aus sachlichen Gründen die Förderung der Sache Rudolf Steiners durch einen Vertreter der Kirche bedauern, so fern lag uns doch der Gedanke einer persönlichen Herabsetzung. Wir zweifeln auch nicht, daß Herr Pfarrer Rittelmeyer von dem Gedanken an eine solche Ernennung durch Rudolf Steiner peinlich überrascht worden ist.»
[ 34 ] So, while it is not admitted that a lie was spread, regret is expressed that readers interpreted it as if one had been counting on their vanity. And now it continues: “As much as we regret, for objective reasons, the promotion of Rudolf Steiner’s cause by a representative of the church, the idea of personally disparaging him was far from our minds. We also have no doubt that Pastor Rittelmeyer was unpleasantly surprised by the thought of such an appointment by Rudolf Steiner.”
[ 35 ] Da wird also der Schein hervorgerufen, als ob Herr Pfarrer Rittelmeyer peinlich überrascht worden wäre, als er hörte, daß ich ihn dazu ernannt habe, während er ausdrücklich meint, er sei peinlich überrascht worden, daß eine solche Lüge von dem Evangelischen Sonntagsblatt verbreitet wird.
[ 35 ] This creates the impression that Pastor Rittelmeyer was taken aback when he heard that I had appointed him, whereas he explicitly states that he was taken aback that such a lie was being spread by the Evangelisches Sonntagsblatt.
[ 36 ] «Im übrigen kennen uns, glaube ich, unsere regelmäßigen Leser zu gut, um uns eine Absicht persönlicher Verunglimpfung oder gar falscher Nachrede zuzutrauen, sie wissen auch, daß wir mit besserer und schönerer Arbeit reichlich beschäftigt sind.» — Dies zu beurteilen, überlasse ich den Lesern des Evangelischen Stuttgarter Sonntagsblattes.
[ 36 ] “Incidentally, I believe our regular readers know us too well to suspect us of any intention to personally disparage or even slander anyone; they also know that we are fully occupied with better and more beautiful work.” — I leave it to the readers of the Evangelisches Stuttgarter Sonntagsblatt to judge this.
[ 37 ] Sehen Sie, so arbeiten heute diejenigen, die sich die Vertreter, die offiziellen Vertreter der Wahrheit nennen und welche zahlreiche Menschen für verpflichtet halten zu dieser Vertretung der Wahrheit. Man braucht nur so etwas hinzustellen, um aufmerksam darauf zu machen, wo heute der Hang zur Unwahrheit ist. Aber es ist noch nicht in genug weite Kreise der Abscheu, der genügend große Abscheu verbreitet vor solcher Unmoral, vor solcher Wider-Religion, die sich christlicher Sonntags-Gottesdienst nennt.
[ 37 ] You see, this is how those who call themselves the representatives—the official representatives—of the truth operate today, and whom many people consider obligated to uphold this truth. One need only point this out to draw attention to where the tendency toward untruth lies today. But there is still not enough widespread revulsion—sufficiently deep revulsion—against such immorality, against such anti-religion, which calls itself the Christian Sunday service.
[ 38 ] Man braucht ja nur auf ein einzelnes solches Symptom, von denen man heute Hunderte vorführen könnte, hinzuweisen, um zu zeigen, wo überall heute — und das wird noch viel schlimmer werden, denn wir leben eben in unserer Zeit —, wo heute die Ausgangspunkte sind, die sich dann zusammenballen zu jenen pöbelhaften Auftritten, wie sie bei unseren letzten Eurythmievorstellungen in Frankfurt und Baden-Baden stattgefunden haben. Genau dieselbe Eurythmievorstellung, die man hier mit voller Anteilnahme am letzten Sonntag gesehen hat, dieselbe Eurythmievorstellung wurde in Frankfurt und Baden-Baden mit allerlei Schlüsseln und ähnlichen Instrumenten ausgejohlt und ausgepfiffen, natürlich nicht aus sachlichem Urteil, sondern aus dem Zusammentreffen von zwei Dingen. Erstens aus dem Kampf, der geführt wird aus Gründen, die Sie ja wohl wiederum heute und schon öfter von mir gehört haben, in weiter Ausdehnung geführt wird gegen die Geltendmachung des Hereinströmens des geistigen Lebens in unsere physische Welt und geltend gemacht wird heraus aus dem Hang zur Unwahrhaftigkeit. Man hat nicht viel Augen noch für sie, aber sie muß verfolgt werden bis in ihre äußersten Schlupfwinkel hinein. Und das andere, das ist die Unfähigkeit, die mit der Faulheit, mit der Unbequemlichkeit im Bunde ist. Wenn sich ein angesehenes Blatt von hier, ich habe es bereits hier erwähnt, dazu herbeiläßt, ein autoritatives Urteil für seine Leser prägen zu wollen, dann wendet es sich an eine der gegenwärtigen Autoritäten, zum Beispiel den Professor Traub in Tübingen; und in einem dieser Artikel, ich habe es hier schon erwähnt, fand man ganz merkwürdige Worte. Da schreibt einfach dieser Universitätsprofessor hin, der das Recht heute noch hat, so viele junge Seelen, wie man sagt, für ihren Beruf vorzubereiten, da schreibt der hin: In der Weltanschauung Rudolf Steiners bewegen sich die geistigen Dinge, geistigen Wesenheiten in der geistigen Welt wie Tische und Stühle in der physischen Welt! — Nun, hat jemand schon jemals bei nüchternem Kopfe Tische und Stühle sich bewegen sehen in der physischen Welt? Der Professor Traub in Tübingen, der hat den Stil, nunmehr zu schreiben, daß ich in meinen Schriften davon rede, daß sich in der geistigen Welt die Wesenheiten bewegen wie Tische und Stühle in der physischen Welt. Da er wahrscheinlich nicht zugibt, ein Spiritist zu sein, der Professor Traub, so will ich wenigstens nicht so unhöflich sein, ihm den andern Zustand zuzumuten, während er diesen Artikel geschrieben hat, in dem man gewöhnlich die Tische und Stühle bewegt sieht.
[ 38 ] One need only point to a single such symptom—of which hundreds could be cited today— to show where, everywhere today—and this will get much worse, because we are living in these times—where the starting points are today that then coalesce into those rowdy outbursts, such as those that took place at our most recent eurythmy performances in Frankfurt and Baden-Baden. The very same eurythmy performance that was viewed here with such deep appreciation last Sunday—that very same performance—was jeered at and booed in Frankfurt and Baden-Baden with all sorts of keys and similar instruments, not, of course, out of objective judgment, but due to the convergence of two factors. First, the struggle—which is being waged for reasons you have no doubt heard from me again today and on many previous occasions—is being waged on a broad scale against the assertion of the inflow of spiritual life into our physical world, and is being driven by a tendency toward untruthfulness. People no longer have much regard for it, but it must be pursued right into its most remote hiding places. And the other factor is the inability that goes hand in hand with laziness and a reluctance to make an effort. When a respected newspaper from here—I have already mentioned this—deigns to offer an authoritative judgment for its readers, it turns to one of the current authorities, for example, Professor Traub in Tübingen; and in one of these articles—I have already mentioned this—one found quite peculiar words. This university professor—who still has the right today to prepare, as they say, so many young souls for their professions—simply writes: “In Rudolf Steiner’s worldview, spiritual things and spiritual beings move in the spiritual world just as tables and chairs move in the physical world!” — Well, has anyone ever, with a clear head, seen tables and chairs move in the physical world? Professor Traub in Tübingen has taken to writing that in my writings I speak of spiritual beings moving in the spiritual world just as tables and chairs move in the physical world. Since Professor Traub probably does not admit to being a spiritualist, I will at least not be so rude as to assume he was in that other state of mind while writing this article, in which one usually sees tables and chairs being moved.
[ 39 ] Aber das sind die Autoritäten, an die man sich wendet, wenn man ein Urteil verlangt über das, was als Geisteswissenschaft heute auftritt. Diese Dinge werden nur immer nicht mit genügender Schärfe hingestellt, und sie werden vor allen Dingen auch von vielen unserer Freunde nicht mit genügender Schärfe gedacht und empfunden. Und immer wiederum erleben wir es, daß das geschieht, daß wenn jemand irgend etwas gegen uns sagt und wir schildern ihn seinem ganzen Charakter nach, daß man nicht ihm das übel nimmt, daß er ein Lügner ist, sondern man nimmt uns das übel, daß wir sagen, er ist ein Lügner. Das haben wir gerade in den letzten Wochen, man möchte sagen, von Tag zu Tag gerade hier und sonstwo erlebt.
[ 39 ] But these are the authorities one turns to when seeking a judgment on what is presented today as spiritual science. These matters are simply not always presented with sufficient clarity, and above all, they are not thought through or felt with sufficient clarity by many of our friends. And time and again we experience that when someone says something against us and we describe him in terms of his entire character, people do not hold it against him that he is a liar, but rather they hold it against us that we say he is a liar. We have experienced this particularly in recent weeks—one might say, day by day, right here and elsewhere.
[ 40 ] Man darf schon von einer Unfähigkeit sprechen, wenn solches Zeug hingeschrieben wird, wie der Professor Traub in Tübingen hinschrieb, der außerdem in demselben Aufsatz geschrieben hat: Geheimwissenschaft kann keine Wissenschaft sein, einfach weil sich die Begriffe «geheim» und «Wissenschaft» ausschließen; was geheim ist, ist keine Wissenschaft. — Nun frage ich Sie, wenn einer ein wissenschaftliches Buch schrieb und ein anderer die Schrulle hat, das hundert Jahre geheimzuhalten, ist das deshalb weniger wissenschaftlich, weil es geheimgehalten wurde? Wissenschaftlich ist es doch gewiß nicht dadurch, daß es geheim oder öffentlich gehalten wird, sondern durch seinen wissenschaftlichen Charakter! Man muß wirklich von allen Geistern eines gesunden Denkens verlassen sein, wenn man einen solchen Satz nur hinschreiben kann.
[ 40 ] One can certainly speak of incompetence when such nonsense is written, as Professor Traub of Tübingen did; he also wrote in the same essay: “Secret science cannot be science, simply because the terms ‘secret’ and ‘science’ are mutually exclusive; what is secret is not science.” — Now I ask you: if one person wrote a scientific book and another had the whim to keep it secret for a hundred years, would it be any less scientific simply because it was kept secret? Surely it is not scientific because it is kept secret or made public, but because of its scientific character! One must truly be devoid of all sound reasoning to even write such a sentence.
[ 41 ] Und ein anderes, hier darf es gesagt werden, wir sind unter uns, es muß eben von mir manches gesagt werden, weil es leider von anderer Seite zu wenig gesagt wird. Wir bemühen uns jetzt in der Begleitung der Eurythmie seit vielen Jahren einer Rezitations- und Deklamationskunst, welche wiederum zu den alten guten Kunstprinzipien zurückgeht, wiederum erinnert an dasjenige, was in der Poesie eigentlich Kunst ist, der Rhythmus, der Takt, das Tonhafte, das Bildhafte, während in unserer unkünstlerischen Zeit eigentlich die Dichtung nur mehr prosaisch rezitiert wird. Man rezitiert das Prosaische, das Wortwörtliche, man geht nicht zurück zu dem Untergrunde des Rhythmischen, des Taktmäßigen; und weil in Begleitung unserer Eurythmie das wiederum gesucht wird, was zum Beispiel Goethe meinte, als er mit dem Taktstock wie ein Kapellmeister selbst seine Jambendramen einstudierte mit seinen Schauspielern, indem er auf das wirklich Künstlerische in der Poesie hinwies, weil wir von einem Unkünstlerschen wiederum zu einem Künstlerischen zurückgehen, deshalb erheben die Protektoren oder die Leute selbst, die heute, während sie vorgeben, Dichterisches zu rezitieren, allerlei Prosaisches quaken und blöken, die erheben sich quakend und blökend aus ihrer Unfähigkeit heraus und pöbeln an diejenigen, die sich widmen dem Rezitieren, das wiederum die wirkliche Kunst dieses Rezitierens zur Geltung bringen will.
[ 41 ] And another thing—it’s okay to say this here, since we’re among ourselves—I simply have to say a few things myself, because, unfortunately, too little is being said from other quarters. For many years now, in our work accompanying eurythmy, we have been striving for an art of recitation and declamation that returns to the good old principles of art, that once again recalls what is truly art in poetry—rhythm, meter, the musical quality, the imagery—whereas in our unartistic age, poetry is actually recited only in a prosaic manner. People recite the prosaic, the literal; they do not go back to the underlying foundation of rhythm and meter; and because, in conjunction with our eurythmy, we are once again seeking what Goethe, for example, meant when he himself rehearsed his iambic dramas with his actors, conducting them with a baton like a music director, thereby pointing to what is truly artistic in poetry—because we are moving back from the inartistic to the artistic, that is why the patrons—or the people themselves—who today, while pretending to recite poetry, croak and bleat all manner of prosaic nonsense, rise up, croaking and bleating, out of their own incompetence and hurl abuse at those who devote themselves to recitation that, in turn, seeks to bring the true art of recitation to the fore.
[ 42 ] Ich bedaure, daß ich das selbst sagen muß, aber was nützt es; wenn die Dinge nicht formuliert werden von andern, so müssen sie eben schon von mir formuliert werden. Und ich kann nicht anders, als gerade in diesem Kampf sehen eine andere Form des Kampfes der Unfähigkeit, wie sie zum Beispiel bei Traub bis in die Gedankenlosigkeit hinein nachgewiesen werden kann, ein Kampf der Unfähigkeit der Blöker gegen das, was versucht, eine wirkliche Rezitation zu sein. Man kann begreifen, daß das, was aus der Unfähigkeit heraus wirkt, selbst blökt oder seine Protektoren blöken läßt, aber wir haben die Verpflichtung, das Geistesgut zu schützen, und wir müssen, wenn es uns auch übelgenommen wird, mit starken Worten auf das hinweisen, was der Grundschaden unserer Zeit ist. Ich habe Ihnen heute gesprochen von einem der Geisteswissenschaft entsprechenden Thema und ich mußte — nun, es war schon in der Zeit, wo unsere Stunde vorüber war, es war also eine Zugabe — wiederum auslaufen lassen meine Betrachtungen in etwas, was aber zeitgeschichtlich gar sehr mit dem rein geisteswissenschaftlichen Hauptthema zusammenhängt. Ich bedaure es, daß ich meine Betrachtungen in solche Auseinandersetzungen auslaufen lassen muß, allein wir leben nicht in einem Wolkenkuckucksheim, wir leben in der Welt drinnen, und wenn wir den nötigen Enthusiasmus haben, wenn wir fühlen die heilige Verpflichtung, heute einzutreten für die Sache der anthroposophischen Erkenntnis und ihres Auswirkens, dann müssen wir mit klaren Augen sehen, wo die Gegnerschaft liegt, und dann müssen wir in uns, indem wir uns über diese Dinge verständigen, den starken Willen entwickeln, dieser Gegnerschaft heimzuleuchten. Denn einzig und allein dadurch werden wir uns verbinden demjenigen, was gegenüber dem Niedergang wiederum zu einem Aufgang führt, was die Impulse sind, die gegenüber dem Kampf gegen Geist und Seele die Geltendmachung des Geistes und der Seele im irdischen Leben bewirken wollen. Damit wir in richtigem Sinne miteinander zusammen empfinden können in der starken Geltendmachung der Kraft, die Geist und Seele zur Geltung bringen will, zur Geltung bringen kann, darum müssen wir uns verständigen über all das, was wider Geist und wider Seele ist.
[ 42 ] I regret having to say this myself, but what good does it do? If others do not articulate these things, then I must simply articulate them myself. And I cannot help but see in this very struggle another form of the struggle of incompetence—as can be demonstrated, for example, in Traub’s work, which descends into thoughtlessness—a struggle of the incompetence of the bleaters against what attempts to be a genuine recitation. One can understand that what arises from incompetence itself bleats—or causes its protectors to bleat—but we have an obligation to protect intellectual heritage, and we must, even if it is taken amiss, point out in strong terms what constitutes the fundamental damage of our time. I have spoken to you today about a topic relevant to the humanities, and I had to—well, it was already after our session had ended—so it was an encore—once again let my reflections drift into something that, in terms of contemporary history, is very much connected to the main topic of pure spiritual science. I regret that I must let my reflections drift into such controversies, but we do not live in a cloud cuckoo land; we live right here in the world, and if we have the necessary enthusiasm, if we feel the sacred obligation to stand up today for the cause of anthroposophical knowledge and its effects, then we must see with clear eyes where the opposition lies, and then we must develop within ourselves—by coming to an understanding about these things—the strong will to shed light on this opposition. For only in this way will we connect with that which, in the face of decline, leads once again to a rise—the impulses that, in opposition to the struggle against spirit and soul, seek to bring about the assertion of spirit and soul in earthly life. So that we may truly feel in unison with one another in the powerful assertion of the force that seeks to—and can—bring spirit and soul to the fore, we must come to an understanding about everything that is opposed to spirit and soul.
[ 43 ] Nicht wollte ich über die Gegner klagen oder schimpfen, zu Ihnen aber wollte ich sprechen, um das anklingen zu lassen, was notwendig ist, damit unsere Seelen zusammenklingen in der Arbeit für Geist und Seele. Davon dann weiter, wenn wir uns wiederum sehen.
[ 43 ] I did not wish to complain about or rail against our opponents, but I wanted to speak to you to hint at what is necessary so that our souls may resonate together in our work for the spirit and the soul. More on that when we meet again.
