Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in Their Relationship to the World
GA 205

28 June 1921, Bern

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist I
  1. Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I, tr. SOL

Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Es soll heute hier von etwas ausgegangen werden in der Betrachtung, das zum Teil schon angedeutet worden ist, als ich das letzte Mal von dieser Stelle aus zu Ihnen sprechen konnte. Was heute immer wiederum vor dem Menschen auftauchen muß als eine Art von Zeitenrätsel, das zu gleicher Zeit aber ein tiefes Menschheitsrätsel ist, das ist die Frage: Wie hängen denn zusammen die Erscheinungen der Natur, denen wir ja als physische Menschen unterworfen sind, und die Erscheinungen der moralischen, der ethischen, der sittlichen Welt, zu der wir uns doch in irgendeiner Weise bekennen müssen, weil wir uns sonst nicht unsere eigene Menschenwürde zuerkennen können? — Es mag jemand noch so materialistisch gesinnt sein in bezug auf Erkenntnis, aber wenn er nur einigermaßen ein Bewußtsein hat von seiner Menschenwürde, so wird er den Unterschied zwischen Gut und Böse, Sittlich und Unsittlich gelten lassen, und er wird von der sittlichen Welt vielleicht, wenn er materialistisch gesinnt ist, widerwillig, aber doch in irgendeiner Weise wenigstens fragend, wenigstens zweifelnd zu dem aufblicken, was eine geistige Welt ist, eine geistige Weltenordnung, welche die natürliche Welt durchzieht, der wir durch unseren physischinnlichen Leib angehören. Aber wenn man das, was aus der heutigen Zeitenbildung herauskommen kann, um uns gewissermaßen über das Wesen der Welt aufzuklären, ins Auge faßt, so ergibt sich unbedingt heute ein tiefer Zwiespalt für das menschliche Denken, für das menschliche Empfinden, für alle menschlichen Impulse, ein Zwiespalt, der so ohne weiteres nicht auszugleichen ist, aus dem sich der Mensch heute nicht leicht herausfinden kann. Auf der einen Seite steht das, wovon ihm die Naturwissenschaft berichtet, die heute so ungeheure Erfolge hat, jene Naturwissenschaft, welche von der Betrachtung der äußeren sinnlichen Welt aufsteigt zu berechtigten oder unberechtigten hypothetischen Anschauungen sogar über den Weltenanfang und das Weltenende, und auf der andern Seite steht da die Forderung der sittlichen, der moralischen Welt. Aber wie soll der Zwiespalt zwischen beiden ausgeglichen werden, wenn man aus ganz notwendig naturwissenschaftlichen Betrachtungen heraus erfährt: Einstmals war eine Art von Weltennebel; aus diesem Weltennebel heraus hat sich der Kosmos, hat sich unsere Erde geformt, zunächst so, daß sie nur eine Art von mineralischem Gewoge darstellte. Dann allmählich hat sich herausgebildet das Pflanzliche, das Tierische. Zuletzt ist der Mensch aufgetreten. Und wenn man dann dieselbe Denkweise, dieselbe Art von Gesetzmäßigkeit, die man ins Auge gefaßt hat, weiter ausdehnt auf das Erdenwerden, so kommt man darauf, wie dereinst diese Erde wiederum in eine Art mineralisches Gewoge zurückkehren wird, wie der Schauplatz, auf dem wir herumgehen, nicht mehr lebendige Wesen wird tragen können, wie, mit einem andern Worte, dieser Schauplatz ein großer Kirchhof sein wird, der alles begraben hält, was an Lebendigem, an Durchseeltem und Durchgeistigtem einmal vorhanden war. Da stehen wir also zwischen der mineralisierten Welt und wiederum der mineralisierten Welt mitten darinnen, sind herausgebildet aus dieser mineralisierten Welt mit allen unseren Organen, die eigentlich nur Gebilde darstellen, in denen sich die Stoffe, die die äußere Welt konstituieren, komplizierter ineinanderweben, als das in der Außenwelt der Fall ist.

[ 1 ] Es soll heute hier von etwas ausgegangen werden in der Betrachtung, das zum Teil schon angedeutet worden ist, als ich das letzte Mal von dieser Stelle aus zu Ihnen sprechen konnte. Was heute immer wiederum vor dem Menschen auftauchen muß als eine Art von Zeitenrätsel, das zu gleicher Zeit aber ein tiefes Menschheitsrätsel ist, das ist die Frage: Wie hängen denn zusammen die Erscheinungen der Natur, denen wir ja als physische Menschen unterworfen sind, und die Erscheinungen der moralischen, der ethischen, der sittlichen Welt, zu der wir uns doch in irgendeiner Weise bekennen müssen, weil wir uns sonst nicht unsere eigene Menschenwürde zuerkennen können? — Es mag jemand noch so materialistisch gesinnt sein in bezug auf Erkenntnis, aber wenn er nur einigermaßen ein Bewußtsein hat von seiner Menschenwürde, so wird er den Unterschied zwischen Gut und Böse, Sittlich und Unsittlich gelten lassen, und er wird von der sittlichen Welt vielleicht, wenn er materialistisch gesinnt ist, widerwillig, aber doch in irgendeiner Weise wenigstens fragend, wenigstens zweifelnd zu dem aufblicken, was eine geistige Welt ist, eine geistige Weltenordnung, welche die natürliche Welt durchzieht, der wir durch unseren physischinnlichen Leib angehören. Aber wenn man das, was aus der heutigen Zeitenbildung herauskommen kann, um uns gewissermaßen über das Wesen der Welt aufzuklären, ins Auge faßt, so ergibt sich unbedingt heute ein tiefer Zwiespalt für das menschliche Denken, für das menschliche Empfinden, für alle menschlichen Impulse, ein Zwiespalt, der so ohne weiteres nicht auszugleichen ist, aus dem sich der Mensch heute nicht leicht herausfinden kann. Auf der einen Seite steht das, wovon ihm die Naturwissenschaft berichtet, die heute so ungeheure Erfolge hat, jene Naturwissenschaft, welche von der Betrachtung der äußeren sinnlichen Welt aufsteigt zu berechtigten oder unberechtigten hypothetischen Anschauungen sogar über den Weltenanfang und das Weltenende, und auf der andern Seite steht da die Forderung der sittlichen, der moralischen Welt. Aber wie soll der Zwiespalt zwischen beiden ausgeglichen werden, wenn man aus ganz notwendig naturwissenschaftlichen Betrachtungen heraus erfährt: Einstmals war eine Art von Weltennebel; aus diesem Weltennebel heraus hat sich der Kosmos, hat sich unsere Erde geformt, zunächst so, daß sie nur eine Art von mineralischem Gewoge darstellte. Dann allmählich hat sich herausgebildet das Pflanzliche, das Tierische. Zuletzt ist der Mensch aufgetreten. Und wenn man dann dieselbe Denkweise, dieselbe Art von Gesetzmäßigkeit, die man ins Auge gefaßt hat, weiter ausdehnt auf das Erdenwerden, so kommt man darauf, wie dereinst diese Erde wiederum in eine Art mineralisches Gewoge zurückkehren wird, wie der Schauplatz, auf dem wir herumgehen, nicht mehr lebendige Wesen wird tragen können, wie, mit einem andern Worte, dieser Schauplatz ein großer Kirchhof sein wird, der alles begraben hält, was an Lebendigem, an Durchseeltem und Durchgeistigtem einmal vorhanden war. Da stehen wir also zwischen der mineralisierten Welt und wiederum der mineralisierten Welt mitten darinnen, sind herausgebildet aus dieser mineralisierten Welt mit allen unseren Organen, die eigentlich nur Gebilde darstellen, in denen sich die Stoffe, die die äußere Welt konstituieren, komplizierter ineinanderweben, als das in der Außenwelt der Fall ist.

[ 2 ] Aus dem, was da als Mensch entstanden ist innerhalb dieser naturwissenschaftlich hypothetischen Welt, tritt nun die Forderung auf, sittlich zu sein, gut zu sein, treten Ideen, Ideale auf im Menschen, und die Frage muß entstehen: Was wird aus diesen Forderungen der sittlichen Welt, was wird aus den Idealen, aus den Ideen, wenn einstmals alles das, was wir naturwissenschaftlich begreifen, einschließlich des Menschen, dem großen Endfriedhof verfallen sein wird?

[ 2 ] Aus dem, was da als Mensch entstanden ist innerhalb dieser naturwissenschaftlich hypothetischen Welt, tritt nun die Forderung auf, sittlich zu sein, gut zu sein, treten Ideen, Ideale auf im Menschen, und die Frage muß entstehen: Was wird aus diesen Forderungen der sittlichen Welt, was wird aus den Idealen, aus den Ideen, wenn einstmals alles das, was wir naturwissenschaftlich begreifen, einschließlich des Menschen, dem großen Endfriedhof verfallen sein wird?

[ 3 ] Gewiß, man kann ja sagen, das ist die Ausdehnung naturwissenschaftlicher Denkweise bis zum Hypothetischen, und man braucht eigentlich so weit nicht zu gehen. Aber dann müßte man ja wenigstens die Frage aufwerfen: Wohin soll man sich also wenden? Wo kann man irgendeinen Aufschluß über die Stellung des Menschen im Weltenall gewinnen, insofern er ein sittliches Wesen ist, ein Wesen, das in sich Ideen und Ideale trägt? — Diese Frage müßte man aufwerfen, wenn man der Naturwissenschaft nicht zugesteht, Hypothesen zu bilden über Erdenende und Erdenanfang. Aber aus alldem, was die gegenwärtig anerkannte menschliche Wissenschaft, die im Grunde genommen ganz aus der Naturwissenschaft heraus sich gebildet hat, dem Menschen darbietet, kann eben einfach nicht Aufschluß gegeben werden über die Stellung des Menschen innerhalb des Weltenalls. Ich möchte das, was da als ein Zwiespalt hereintritt in alles menschliche Fühlen in der Gegenwart und was im Grunde genommen innig zusammenhängt mit all den Niedergangskräften, die sich so furchtbar geltend machen in unserer Zeit, erläutern, indem ich einen solchen Menschen der Gegenwart hinstelle, der so recht alles das aufgenommen hat, was man als Aufklärung, als Bildung, als wissenschaftliche Erkenntnis in unserer Zeit gelten läßt, was da anerkannt ist, einen Menschen also, der sich so recht gescheit fühlt in der Gegenwart. Ich will ihn auf die eine Seite stellen, und auf die andere Seite will ich einen Menschen der griechischen Kulturgemeinschaft stellen, einen Menschen, der in der vorsokratischen Zeit gelebt hat, etwa noch in der Zeit, aus der so weniges erhalten ist, wie einzelne Aussprüche der großen Philosophen Heraklit, Anaxagoras und so weiter. Einen solchen gebildeten Griechen möchte ich hinstellen neben den ganz gescheiten Menschen der Gegenwart. Und zwar nicht etwa einen Griechen in seiner gegenwärtigen Wiederverkörperung, da würde er ja wahrscheinlich auch, wenn er in einem Menschenleib drinnen wäre, ein ganz gescheiter Mensch der Gegenwart sein, sondern ich möchte ihn hier hereinstellen, wie er als Grieche war. Also in seiner Verkörperung als Grieche möchte ich ihn gegenüberstellen einem ganz gescheiten Menschen der Gegenwart.

[ 3 ] Gewiß, man kann ja sagen, das ist die Ausdehnung naturwissenschaftlicher Denkweise bis zum Hypothetischen, und man braucht eigentlich so weit nicht zu gehen. Aber dann müßte man ja wenigstens die Frage aufwerfen: Wohin soll man sich also wenden? Wo kann man irgendeinen Aufschluß über die Stellung des Menschen im Weltenall gewinnen, insofern er ein sittliches Wesen ist, ein Wesen, das in sich Ideen und Ideale trägt? — Diese Frage müßte man aufwerfen, wenn man der Naturwissenschaft nicht zugesteht, Hypothesen zu bilden über Erdenende und Erdenanfang. Aber aus alldem, was die gegenwärtig anerkannte menschliche Wissenschaft, die im Grunde genommen ganz aus der Naturwissenschaft heraus sich gebildet hat, dem Menschen darbietet, kann eben einfach nicht Aufschluß gegeben werden über die Stellung des Menschen innerhalb des Weltenalls. Ich möchte das, was da als ein Zwiespalt hereintritt in alles menschliche Fühlen in der Gegenwart und was im Grunde genommen innig zusammenhängt mit all den Niedergangskräften, die sich so furchtbar geltend machen in unserer Zeit, erläutern, indem ich einen solchen Menschen der Gegenwart hinstelle, der so recht alles das aufgenommen hat, was man als Aufklärung, als Bildung, als wissenschaftliche Erkenntnis in unserer Zeit gelten läßt, was da anerkannt ist, einen Menschen also, der sich so recht gescheit fühlt in der Gegenwart. Ich will ihn auf die eine Seite stellen, und auf die andere Seite will ich einen Menschen der griechischen Kulturgemeinschaft stellen, einen Menschen, der in der vorsokratischen Zeit gelebt hat, etwa noch in der Zeit, aus der so weniges erhalten ist, wie einzelne Aussprüche der großen Philosophen Heraklit, Anaxagoras und so weiter. Einen solchen gebildeten Griechen möchte ich hinstellen neben den ganz gescheiten Menschen der Gegenwart. Und zwar nicht etwa einen Griechen in seiner gegenwärtigen Wiederverkörperung, da würde er ja wahrscheinlich auch, wenn er in einem Menschenleib drinnen wäre, ein ganz gescheiter Mensch der Gegenwart sein, sondern ich möchte ihn hier hereinstellen, wie er als Grieche war. Also in seiner Verkörperung als Grieche möchte ich ihn gegenüberstellen einem ganz gescheiten Menschen der Gegenwart.

[ 4 ] Ein solcher Mensch der Griecheazeit würde sagen: Ja, ihr neueren Menschen, ihr wißt ja überhaupt nichts mehr vom Menschen, weil ihr auch von der Welt im Grunde genommen nichts Wirkliches wißt. — Wieso? — würde der gescheite Mensch der Gegenwart sagen. Er würde sagen: Wir haben kennengelernt etliche siebzig Elemente, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel und so weiter. Wir sind allerdings jetzt auf dem Punkte, wo es scheint, daß alle diese Elemente wiederum auf eines zurückgeführt werden können; aber so weit sind wir halt noch nicht, daß wir sie auf eines zurückführen. Wir erkennen an diese zweiundsiebzig Elemente, die sich vermischen und entmischen, verbinden und entbinden, und die eigentlich alles miteinander ausmachen, was da in der physisch-sinnlichen Welt vorgeht. Was man auch sieht, es beruht auf der Verbindung und Entbindung dieser Elemente.

[ 4 ] Ein solcher Mensch der Griecheazeit würde sagen: Ja, ihr neueren Menschen, ihr wißt ja überhaupt nichts mehr vom Menschen, weil ihr auch von der Welt im Grunde genommen nichts Wirkliches wißt. — Wieso? — würde der gescheite Mensch der Gegenwart sagen. Er würde sagen: Wir haben kennengelernt etliche siebzig Elemente, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel und so weiter. Wir sind allerdings jetzt auf dem Punkte, wo es scheint, daß alle diese Elemente wiederum auf eines zurückgeführt werden können; aber so weit sind wir halt noch nicht, daß wir sie auf eines zurückführen. Wir erkennen an diese zweiundsiebzig Elemente, die sich vermischen und entmischen, verbinden und entbinden, und die eigentlich alles miteinander ausmachen, was da in der physisch-sinnlichen Welt vorgeht. Was man auch sieht, es beruht auf der Verbindung und Entbindung dieser Elemente.

[ 5 ] Da würde der Grieche sagen: Das ist ja recht schön, daß ihr jetzt so viele Elemente habt, etliche siebzig; aber mit all diesen Elementen lernt ihr den Menschen ganz gewiß nicht kennen. Davon kann gar keine Rede sein, denn der Anfang der Menschenerkenntnis — würde der alte Grieche sagen —, der muß damit gemacht werden, daß man nicht von zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elementen, von Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und so weiter spricht, sondern der Anfang der Menschenerkenntnis muß damit gemacht werden, daß man sagt: Alles, was uns äußerlich sinnlich umgibt, besteht aus Erde, Wasser, Luft und Feuer.

[ 5 ] Da würde der Grieche sagen: Das ist ja recht schön, daß ihr jetzt so viele Elemente habt, etliche siebzig; aber mit all diesen Elementen lernt ihr den Menschen ganz gewiß nicht kennen. Davon kann gar keine Rede sein, denn der Anfang der Menschenerkenntnis — würde der alte Grieche sagen —, der muß damit gemacht werden, daß man nicht von zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elementen, von Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und so weiter spricht, sondern der Anfang der Menschenerkenntnis muß damit gemacht werden, daß man sagt: Alles, was uns äußerlich sinnlich umgibt, besteht aus Erde, Wasser, Luft und Feuer.

[ 6 ] Nun würde der gescheite Mensch der Gegenwart sagen: Ja, das war einmal, das war in der kindlichen Zeit, als man noch nicht so viel gewußt hat wie wir heute. Da hat man gesagt: Erde, Wasser, Luft und Feuer, aber über diese Kindereien sind wir hinaus. Da hat man vier Elemente angenommen; jetzt wissen wir, daß es sechsundsiebzig Elemente gibt. Das war eine ganz kindliche Anschauungsweise. Wir wissen, daß das Wasser kein Element ist. Wir wissen, daß die Luft auch nicht als Element angesprochen werden darf. Wir wissen, daß die Wärme, das Feuer überhaupt kein Stoff ist. Wir sind ungeheuer gescheit. Ihr wart eben noch auf einer kindlichen Stufe der Weltanschauung.

[ 6 ] Nun würde der gescheite Mensch der Gegenwart sagen: Ja, das war einmal, das war in der kindlichen Zeit, als man noch nicht so viel gewußt hat wie wir heute. Da hat man gesagt: Erde, Wasser, Luft und Feuer, aber über diese Kindereien sind wir hinaus. Da hat man vier Elemente angenommen; jetzt wissen wir, daß es sechsundsiebzig Elemente gibt. Das war eine ganz kindliche Anschauungsweise. Wir wissen, daß das Wasser kein Element ist. Wir wissen, daß die Luft auch nicht als Element angesprochen werden darf. Wir wissen, daß die Wärme, das Feuer überhaupt kein Stoff ist. Wir sind ungeheuer gescheit. Ihr wart eben noch auf einer kindlichen Stufe der Weltanschauung.

[ 7 ] Nun könnte vielleicht der Grieche erwidern: Ich habe mich schon etwas befaßt mit eueren etlichen siebzig Elementen, und so, wie ihr sie betrachtet — und auf die Art der Betrachtung kommt es an —, gehören diese etlichen siebzig Elemente für unser Vorstellungsleben zu der Erde, gar nicht zum Wasser, gar nicht zur Luft, gar nicht zum Feuer, sondern zu der Erde. Es ist ja schön von euch, daß ihr diese Erde differenziert und spezifiziert und sie auch in großer Mannigfaltigkeit in zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elemente gespalten denken könnt, das ist alles schön; wir waren noch nicht so weit, diese interessanten Einzelheiten kennenzulernen, aber wir haben das alles zusammengefaßt unter dem Ausdrucke «Erde». Aber was wir unter Wasser, unter Luft und unter Feuer verstanden, davon versteht ihr gar nichts, und weil ihr davon nichts versteht, könnt ihr auch keine Menschenerkenntnis haben. Denn seht ihr — so würde der Grieche dieser Zeit sagen —, vom Menschen gibt es zweierlei, erstens den Menschen, der zunächst zwischen Geburt und Tod, zuerst als Kind, dann als erwachsener Mensch herumwandelt, und dann den Menschen, der einige Tage als Leichnam daliegt und dann im Grabe ist. Wir reden nur vom physischen Menschen — würde der Grieche sagen —, und da gibt es eben diese zweifache Gestalt: den Menschen, der von der Geburt bis zum Tode herumwandelt, und dann den Menschen, den man ein paar Tage als Leichnam sieht und der nachher im Grabe liegt. Und das, was ihr kennenlernt aus euren zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elementen, die sich verbinden und entbinden, das bezieht sich nur auf den Menschen, der im Grabe liegt, auf den menschlichen Leichnam. So wie sich die Dinge verhalten im Menschen als menschlicher Leichnam, das kann man erkennen mit eurer Chemie und Physik; aber gar nichts kann man erkennen damit von dem Menschen, der zwischen Geburt und Tod lebendig herumwandelt. Ihr habt eine Wissenschaft, die sich nur auf das Beobachten des Menschen, nachdem er gestorben ist, bezieht. Ihr versteht gar nichts vom Menschen, der lebt. Ihr habt glücklich eure Wissenschaft dazugebracht, daß sie eine Wissenschaft vom toten Menschen ist, gar nicht vom lebenden Menschen. Denn wollt ihr die Wissenschaft von dem lebenden Menschen haben, dann müßt ihr zunächst betrachten das umfassende, das universelle Weben und Leben desjenigen, was wir «Wasser» nennen. Wir nennen auch nicht das grobe, flüssige Element, das im Bache rinnt, Wasser, sondern wir nennen alles das Wasser, wo Kaltes und Feuchtes in der Welt ineinanderspielt; das nennen wir Wasser — so würde der Grieche sagen. Und indem wir uns eine lebendige Vorstellung machen wollen von dem, was da ineinanderspielt von Feuchte und Kälte in allen Formen, dann bekommen wir zunächst die Notwendigkeit, jetzt nicht mehr mit bloßen Begriffen, mit bloßen Ideen, mit bloßen Abstraktionen vorzustellen, sondern in Bildern. Und der Grieche wird nun sagen: Wenn man wahrnehmen kann Feuchtigkeit mit irgendeiner Empfindung von Kälte, wenn das in anderes Feuchtes übergeht, gestaltet durch das feuchte Element oder sich offenbarend in einer andern Empfindung von Kälte, dann bekommt man webende, lebende Bilder in Feuchtigkeit und Kälte. Und man steigt auf zum Begreifen des Pflanzlichen und man fängt an, das Ineinanderweben des Feuchten und Kalten so zu verstehen, daß, nun nicht in dem grob materiellen Wasser, sondern in diesem Weben von Kälte und Feuchte die Pflanzenwelt im Frühling ersteht in Bildern, wie sie sich dem Boden entreißt, wie sie durch das Feuchte in sich sich dem Kalten entreißt, denn die Erde ist trocken und kalt. Und in dem Bilden der Pflanzenwelt durch Frühling, Sommer und Herbst hindurch sieht man ein anderes von diesem Weben des wässerigen Elementes, und in eins wächst uns die gewaltige Imagination dieses äußeren Webens und Lebens des Wässerigen. Aber da ist die ganze Pflanzenwelt mit ihren Gestaltungen drinnen.

[ 7 ] Nun könnte vielleicht der Grieche erwidern: Ich habe mich schon etwas befaßt mit eueren etlichen siebzig Elementen, und so, wie ihr sie betrachtet — und auf die Art der Betrachtung kommt es an —, gehören diese etlichen siebzig Elemente für unser Vorstellungsleben zu der Erde, gar nicht zum Wasser, gar nicht zur Luft, gar nicht zum Feuer, sondern zu der Erde. Es ist ja schön von euch, daß ihr diese Erde differenziert und spezifiziert und sie auch in großer Mannigfaltigkeit in zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elemente gespalten denken könnt, das ist alles schön; wir waren noch nicht so weit, diese interessanten Einzelheiten kennenzulernen, aber wir haben das alles zusammengefaßt unter dem Ausdrucke «Erde». Aber was wir unter Wasser, unter Luft und unter Feuer verstanden, davon versteht ihr gar nichts, und weil ihr davon nichts versteht, könnt ihr auch keine Menschenerkenntnis haben. Denn seht ihr — so würde der Grieche dieser Zeit sagen —, vom Menschen gibt es zweierlei, erstens den Menschen, der zunächst zwischen Geburt und Tod, zuerst als Kind, dann als erwachsener Mensch herumwandelt, und dann den Menschen, der einige Tage als Leichnam daliegt und dann im Grabe ist. Wir reden nur vom physischen Menschen — würde der Grieche sagen —, und da gibt es eben diese zweifache Gestalt: den Menschen, der von der Geburt bis zum Tode herumwandelt, und dann den Menschen, den man ein paar Tage als Leichnam sieht und der nachher im Grabe liegt. Und das, was ihr kennenlernt aus euren zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elementen, die sich verbinden und entbinden, das bezieht sich nur auf den Menschen, der im Grabe liegt, auf den menschlichen Leichnam. So wie sich die Dinge verhalten im Menschen als menschlicher Leichnam, das kann man erkennen mit eurer Chemie und Physik; aber gar nichts kann man erkennen damit von dem Menschen, der zwischen Geburt und Tod lebendig herumwandelt. Ihr habt eine Wissenschaft, die sich nur auf das Beobachten des Menschen, nachdem er gestorben ist, bezieht. Ihr versteht gar nichts vom Menschen, der lebt. Ihr habt glücklich eure Wissenschaft dazugebracht, daß sie eine Wissenschaft vom toten Menschen ist, gar nicht vom lebenden Menschen. Denn wollt ihr die Wissenschaft von dem lebenden Menschen haben, dann müßt ihr zunächst betrachten das umfassende, das universelle Weben und Leben desjenigen, was wir «Wasser» nennen. Wir nennen auch nicht das grobe, flüssige Element, das im Bache rinnt, Wasser, sondern wir nennen alles das Wasser, wo Kaltes und Feuchtes in der Welt ineinanderspielt; das nennen wir Wasser — so würde der Grieche sagen. Und indem wir uns eine lebendige Vorstellung machen wollen von dem, was da ineinanderspielt von Feuchte und Kälte in allen Formen, dann bekommen wir zunächst die Notwendigkeit, jetzt nicht mehr mit bloßen Begriffen, mit bloßen Ideen, mit bloßen Abstraktionen vorzustellen, sondern in Bildern. Und der Grieche wird nun sagen: Wenn man wahrnehmen kann Feuchtigkeit mit irgendeiner Empfindung von Kälte, wenn das in anderes Feuchtes übergeht, gestaltet durch das feuchte Element oder sich offenbarend in einer andern Empfindung von Kälte, dann bekommt man webende, lebende Bilder in Feuchtigkeit und Kälte. Und man steigt auf zum Begreifen des Pflanzlichen und man fängt an, das Ineinanderweben des Feuchten und Kalten so zu verstehen, daß, nun nicht in dem grob materiellen Wasser, sondern in diesem Weben von Kälte und Feuchte die Pflanzenwelt im Frühling ersteht in Bildern, wie sie sich dem Boden entreißt, wie sie durch das Feuchte in sich sich dem Kalten entreißt, denn die Erde ist trocken und kalt. Und in dem Bilden der Pflanzenwelt durch Frühling, Sommer und Herbst hindurch sieht man ein anderes von diesem Weben des wässerigen Elementes, und in eins wächst uns die gewaltige Imagination dieses äußeren Webens und Lebens des Wässerigen. Aber da ist die ganze Pflanzenwelt mit ihren Gestaltungen drinnen.

[ 8 ] Und so sagt der Grieche: Nicht auf ein Sinnliches kommt es uns an, sondern auf das, was man als Übersinnliches hat; webendes Kaltes und Feuchtes, auf das kommt es uns an. Und wir gewahren das Weben und Leben der Pflanzenwelt in diesem flüssigen, wässerigen Elemente darinnen. Lernen wir das kennen, aber jetzt nicht durch abstrakte Begriffe, sondern durch diese Bilder, die uns selber zu innerer Regsamkeit stimmen, dann brauchen wir nur einen Blick in uns zurückzuwerfen und wir gewahren in dem, was wir draußen verfolgen können im Frühling, Sommer, Herbst und Winter, in der aufsprießenden Pflanzenwelt, in dem Überwundenwerden der Kälte durch Wärme, in alledem, was sich da abspielt gegen den Herbst hin und wiederum gegen den Winter zu, in alldem gewahren wir eben etwas, das wir dann als Miniaturbild uns vorstellen können. Wenn der Mensch einschläft, geschieht in ihm etwas, das ganz ähnlich ist dem Frühling, und indem der Mensch weiterschläft, geschieht etwas Ähnliches in ihm, wie das sprießende, sprossende Sommerleben ist. Und indem der Mensch dann wieder wach wird, geht es dem Winterleben zu. Man sieht ein Miniaturbild des äußeren Lebens, insofern dieses äußere Leben das Vegetative hervorbringt, in dem, was der menschliche Atherleib ist. Der Grieche würde gesagt haben: In euren zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elementen lernt ihr eben nur den menschlichen Leichnam kennen. Aber dieser menschliche Leichnam ist durchzogen von etwas, das man nur in Bildern kennenlernen kann, aber in solchen Bildern, die einem entstehen, wenn man das Vegetative also durchsetzt denkt von dem wäßrigen Element. Da lernt man erkennen, was von der Geburt bis zum Tode als der ätherische Leib das regsam macht, was ihr durch eure etlichen siebzig Elemente kennenlernt als das Element des Todes. Und indem ihr nicht aufsteigt zu dem wäßrigen Elemente, lernt ihr auch niemals den Menschen als ein Lebendiges kennen.

[ 8 ] Und so sagt der Grieche: Nicht auf ein Sinnliches kommt es uns an, sondern auf das, was man als Übersinnliches hat; webendes Kaltes und Feuchtes, auf das kommt es uns an. Und wir gewahren das Weben und Leben der Pflanzenwelt in diesem flüssigen, wässerigen Elemente darinnen. Lernen wir das kennen, aber jetzt nicht durch abstrakte Begriffe, sondern durch diese Bilder, die uns selber zu innerer Regsamkeit stimmen, dann brauchen wir nur einen Blick in uns zurückzuwerfen und wir gewahren in dem, was wir draußen verfolgen können im Frühling, Sommer, Herbst und Winter, in der aufsprießenden Pflanzenwelt, in dem Überwundenwerden der Kälte durch Wärme, in alledem, was sich da abspielt gegen den Herbst hin und wiederum gegen den Winter zu, in alldem gewahren wir eben etwas, das wir dann als Miniaturbild uns vorstellen können. Wenn der Mensch einschläft, geschieht in ihm etwas, das ganz ähnlich ist dem Frühling, und indem der Mensch weiterschläft, geschieht etwas Ähnliches in ihm, wie das sprießende, sprossende Sommerleben ist. Und indem der Mensch dann wieder wach wird, geht es dem Winterleben zu. Man sieht ein Miniaturbild des äußeren Lebens, insofern dieses äußere Leben das Vegetative hervorbringt, in dem, was der menschliche Atherleib ist. Der Grieche würde gesagt haben: In euren zweiundsiebzig oder sechsundsiebzig Elementen lernt ihr eben nur den menschlichen Leichnam kennen. Aber dieser menschliche Leichnam ist durchzogen von etwas, das man nur in Bildern kennenlernen kann, aber in solchen Bildern, die einem entstehen, wenn man das Vegetative also durchsetzt denkt von dem wäßrigen Element. Da lernt man erkennen, was von der Geburt bis zum Tode als der ätherische Leib das regsam macht, was ihr durch eure etlichen siebzig Elemente kennenlernt als das Element des Todes. Und indem ihr nicht aufsteigt zu dem wäßrigen Elemente, lernt ihr auch niemals den Menschen als ein Lebendiges kennen.

[ 9 ] Aber nun beginnt noch etwas anderes. Das ist eben Erde, was im Menschen das Tote darstellt. In dem Augenblick, wo der Mensch stirbt, wird sein Leichnam von der Erde übernommen, da wird er übernommen von den etlichen siebzig Elementen; da dehnt sich über ihn die Gesetzmäßigkeit aus, die irdische Gesetzmäßigkeit, die Gesetzmäßigkeit des Erdenelementes. Wo ist die Gesetzmäßigkeit desjenigen Elementes, das das Wässerige ist? Diese Gesetzmäßigkeit ist eben nicht auf der Erde, diese Gesetzmäßigkeit ist draußen im Kosmos. Und willst du suchen — so würde der Grieche sagen —, wer da hervorbringt dieses Wogen des Kalten und Feuchten durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter, so mußt du hinaufschauen in das kosmische Element, zunächst zu den Planeten, dann zu den Fixsternen, hinaufschauen in die Weiten des Kosmos. Dein irdisches Element, das hat nur Geltung in bezug auf den Menschen, wenn er im Grabe liegt; der Mensch, der hier auf der Erde herumwandelt, steht in jedem einzelnen Momente, insofern er seinen Ätherleib in sich trägt, unter den Gesetzen des Kosmos. Es sind die Gesetze, die hereinwirken aus dem Weben der Planeten oder aus den Kräften der Fixsterne. — Und so wesentlich war für den Griechen in derjenigen Zeit noch, die ich angedeutet habe, das wäßrige Element, daß er gesagt hätte: In dem, was das wäßrige Element ist, das die Erde umgibt, umnebelt, oder wiederum in Gewittern sich entlädt, insofern dieses wässerige Element wirkt, wirkt der Kosmos in die Erde herein mit seinen Kräften. Was da vorgeht in dem wäßrigen Elemente, das hat man nicht im Elemente der Erde oder unten im Irdischen überhaupt zu suchen, sondern man hat es zu suchen im Kosmos, und der Mensch steigt da schon hinauf in das kosmische Element, indem er einfach regsam in sich hat seinen Ätherleib, das, was die Elemente entreißt dem Schicksal, nun, sagen wir der Chemie, zwischen Geburt und Tod.

[ 9 ] Aber nun beginnt noch etwas anderes. Das ist eben Erde, was im Menschen das Tote darstellt. In dem Augenblick, wo der Mensch stirbt, wird sein Leichnam von der Erde übernommen, da wird er übernommen von den etlichen siebzig Elementen; da dehnt sich über ihn die Gesetzmäßigkeit aus, die irdische Gesetzmäßigkeit, die Gesetzmäßigkeit des Erdenelementes. Wo ist die Gesetzmäßigkeit desjenigen Elementes, das das Wässerige ist? Diese Gesetzmäßigkeit ist eben nicht auf der Erde, diese Gesetzmäßigkeit ist draußen im Kosmos. Und willst du suchen — so würde der Grieche sagen —, wer da hervorbringt dieses Wogen des Kalten und Feuchten durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter, so mußt du hinaufschauen in das kosmische Element, zunächst zu den Planeten, dann zu den Fixsternen, hinaufschauen in die Weiten des Kosmos. Dein irdisches Element, das hat nur Geltung in bezug auf den Menschen, wenn er im Grabe liegt; der Mensch, der hier auf der Erde herumwandelt, steht in jedem einzelnen Momente, insofern er seinen Ätherleib in sich trägt, unter den Gesetzen des Kosmos. Es sind die Gesetze, die hereinwirken aus dem Weben der Planeten oder aus den Kräften der Fixsterne. — Und so wesentlich war für den Griechen in derjenigen Zeit noch, die ich angedeutet habe, das wäßrige Element, daß er gesagt hätte: In dem, was das wäßrige Element ist, das die Erde umgibt, umnebelt, oder wiederum in Gewittern sich entlädt, insofern dieses wässerige Element wirkt, wirkt der Kosmos in die Erde herein mit seinen Kräften. Was da vorgeht in dem wäßrigen Elemente, das hat man nicht im Elemente der Erde oder unten im Irdischen überhaupt zu suchen, sondern man hat es zu suchen im Kosmos, und der Mensch steigt da schon hinauf in das kosmische Element, indem er einfach regsam in sich hat seinen Ätherleib, das, was die Elemente entreißt dem Schicksal, nun, sagen wir der Chemie, zwischen Geburt und Tod.

[ 10 ] Aber damit hat man eigentlich noch lange nicht den Menschen in Wahrheit erfaßt. Man hat da erst erfaßt, was ihn als Lebekräfte durchzieht, was ihn wachsen macht, was bewirkt, daß er verdauen kann, was ihn begleitet als Lebekräfte zwischen Geburt und Tod. Aber ein drittes — und der Grieche der Zeit, von der ich gesprochen habe, würde auch darauf noch hinweisen —, ein drittes macht sich ja im Menschen geltend, das gewiß schon tätig ist die ganze Zeit zwischen der Geburt und dem Tode, aber doch eigentlich in einer ganz besonderen, eigentümlichen Weise sich geltend zeigt, nicht so, wie die gewöhnlichen Lebenskräfte. Das sind die Kräfte, die in unserem rhythmischen System liegen, in unserem Atmungssystem, in unserem Blutzirkulationssystem und so weiter, alles das, was in uns Rhythmus, rhythmische Tätigkeit ist,

[ 10 ] Aber damit hat man eigentlich noch lange nicht den Menschen in Wahrheit erfaßt. Man hat da erst erfaßt, was ihn als Lebekräfte durchzieht, was ihn wachsen macht, was bewirkt, daß er verdauen kann, was ihn begleitet als Lebekräfte zwischen Geburt und Tod. Aber ein drittes — und der Grieche der Zeit, von der ich gesprochen habe, würde auch darauf noch hinweisen —, ein drittes macht sich ja im Menschen geltend, das gewiß schon tätig ist die ganze Zeit zwischen der Geburt und dem Tode, aber doch eigentlich in einer ganz besonderen, eigentümlichen Weise sich geltend zeigt, nicht so, wie die gewöhnlichen Lebenskräfte. Das sind die Kräfte, die in unserem rhythmischen System liegen, in unserem Atmungssystem, in unserem Blutzirkulationssystem und so weiter, alles das, was in uns Rhythmus, rhythmische Tätigkeit ist,

[ 11 ] Sie werden einen gewissen Zusammenhang ahnen können zwischen Ihrem nun nicht bloßen Leben, sondern seelischen Wesen, und dem Atmen, wenn Sie folgendes, was ja jeder Mensch kennt, sich vor die Seele rücken. Sie werden schon manchmal aufgewacht sein mit einer besonderen Angst. Sie tauchen mit dem Bewußtsein auf aus einer Ängstlichkeit und Sie merken: Es ist irgend etwas mit Ihrem Atmen nicht richtig. Gewiß, der Zusammenhang zwischen dem Atmen und dem Seelenleben ist ein geheimnisvoller; aber wahrgenommen wenigstens kann er werden, wenn der Mensch mit Alpdrücken aufwacht, und wenn er merkt, in welcher Unregelmäßigkeit des Atmens er drinnen ist. Es ist schon ein Zusammenhang zwischen dem seelischen Leben, zwischen all den in uns wogenden Empfindungen und Gefühlen, den Angst- und Furchtgefühlen, den Freude-, den Lustgefühlen und dem Atmungsrhythmus und dem Zirkulationsrhythmus. Dieses rhythmische System ist noch etwas anderes als das bloße Lebenssystem. Dieses rhythmische System hat mit unserem seelischen Wesen zu tun, es hat stark mit unserem Seelenleben und Seelenwesen zu tun. Die Luft ist es ja, die man atmet, die eigentlich anregt das ganze rhythmische System, und in alten Zeiten hat man noch gesprochen von dem Elemente der Luft und seinem Verhältnis zum Menschen, zum Beispiel in der Zeit, wo in den Mysterienschulen jene Rhythmen studiert wurden, die die menschliche innere Tätigkeit regeln, jene Rhythmen, aus denen aber zu gleicher Zeit hervorgeholt worden ist das Versmaß des Homer, der Hexameter. Sie haben, wenn Sie das Durchschnittsnormalmaß des Atmungsrhythmus und des Zirkulationsrhythmus nehmen, das Folgende: Sie haben ungefähr in der Minute achtzehn Atemzüge und viermal so viel Pulsschläge. Blutrhythmus zum Atmungsrhythmus verhält sich wie vier zu eins. Nehmen Sie den Hexameter: lang, kurz, kurz — lang, kurz, kurz — lang, kurz, kurz: drei Versfüße und die Zäsur ist das vierte. Die vier Pulsschläge, die auf die Hälfte des Atemzuges gehen; nach der Zäsur: Daktylus, Daktylus, Daktylus, wiederum die Zäsur. Die innere Gestaltung des Homerverses und überhaupt die innere Gestaltung der alten Verse, sie ist hergenommen von dem menschlichen rhythmischen System. In der eigentümlichen Gestaltung des Homerischen Verses finden wir den Ausdruck des Verhältnisses von Blutzirkulation zu Atmungsrhythmus. Man fühlte, indem man ernst nahm das Luftelement, das sich mit dem Menschen vereinigt und wiederum sich vom Menschen trennt, daß man mit dem Luftelement etwas in sich aufsaugt, was mit den regulären Erlebnissen der menschlichen Seele zu tun hat. Und indem der Grieche angefangen hat, von dem Luftelemente zu sprechen, hat er angefangen, von den schönsten und auch von den gewöhnlichen Seiten des menschlichen Seelenlebens zu sprechen, und er hat sich erinnert, daß der Mensch im Laufe eines vierundzwanzigstündigen Tages 25 920 Atemzüge zählt, und daß die Sonne einmal herumgeht mit ihrem Frühlingspunkt in 25 920 Jahren um das ganze Himmelsgewölbe. Und er hat den Weltenrhythmus in Einklang gebracht mit dem Tagesrhythmus des Menschen. Er hat hingewiesen auf den Zusammenhang zwischen Weltenseele und Menschenseele, und er hat gesagt: Mit dem Leben, das zwischen Geburt und Tod verfließt, das uns in seinem vierundzwanzigstündigen Verlauf jeweils ein Miniaturbild darstellt von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, von dieser wäßrigen Gesetzmäßigkeit, die sich ausbreitet für das Kalte und Feuchte im Weltenraum, die beherrscht wird vom Kosmischen, in diesem Verhältnis zwischen dem menschlichen Ätherischen und dem Kosmischen, das sich in den Jahreszeiten, das sich in dem Witterungswechsel ausdrückt, das geregelt wird durch die Bewegungen der Planeten, in diesem Verhältnis haben wir das, was sich im menschlichen Atherleib ausdrückt. Kommen wir zum rhythmischen System, so müssen wir uns zum Luftelemente wenden. Wir müssen uns wenden an das, was in alten Zeiten, in denen man es noch besser verstanden hat, Veranlassung gegeben hat zur Bildung jenes Seelischen, das im Versbau zutage getreten ist, weil man ahnte den Zusammenhang zwischen Menschenseele und Weltenseele. Man kommt noch in das Räumliche, wenn man das Leben betrachtet. Man muß allerdings aufsteigen in das KosmischRäumliche. Aber man kommt aus dem Raume heraus und nimmt das wahr, was hereingeschickt wird aus der Zeit als der Rhythmus in den Raum, wenn wir uns zum rhythmischen System wenden.

[ 11 ] Sie werden einen gewissen Zusammenhang ahnen können zwischen Ihrem nun nicht bloßen Leben, sondern seelischen Wesen, und dem Atmen, wenn Sie folgendes, was ja jeder Mensch kennt, sich vor die Seele rücken. Sie werden schon manchmal aufgewacht sein mit einer besonderen Angst. Sie tauchen mit dem Bewußtsein auf aus einer Ängstlichkeit und Sie merken: Es ist irgend etwas mit Ihrem Atmen nicht richtig. Gewiß, der Zusammenhang zwischen dem Atmen und dem Seelenleben ist ein geheimnisvoller; aber wahrgenommen wenigstens kann er werden, wenn der Mensch mit Alpdrücken aufwacht, und wenn er merkt, in welcher Unregelmäßigkeit des Atmens er drinnen ist. Es ist schon ein Zusammenhang zwischen dem seelischen Leben, zwischen all den in uns wogenden Empfindungen und Gefühlen, den Angst- und Furchtgefühlen, den Freude-, den Lustgefühlen und dem Atmungsrhythmus und dem Zirkulationsrhythmus. Dieses rhythmische System ist noch etwas anderes als das bloße Lebenssystem. Dieses rhythmische System hat mit unserem seelischen Wesen zu tun, es hat stark mit unserem Seelenleben und Seelenwesen zu tun. Die Luft ist es ja, die man atmet, die eigentlich anregt das ganze rhythmische System, und in alten Zeiten hat man noch gesprochen von dem Elemente der Luft und seinem Verhältnis zum Menschen, zum Beispiel in der Zeit, wo in den Mysterienschulen jene Rhythmen studiert wurden, die die menschliche innere Tätigkeit regeln, jene Rhythmen, aus denen aber zu gleicher Zeit hervorgeholt worden ist das Versmaß des Homer, der Hexameter. Sie haben, wenn Sie das Durchschnittsnormalmaß des Atmungsrhythmus und des Zirkulationsrhythmus nehmen, das Folgende: Sie haben ungefähr in der Minute achtzehn Atemzüge und viermal so viel Pulsschläge. Blutrhythmus zum Atmungsrhythmus verhält sich wie vier zu eins. Nehmen Sie den Hexameter: lang, kurz, kurz — lang, kurz, kurz — lang, kurz, kurz: drei Versfüße und die Zäsur ist das vierte. Die vier Pulsschläge, die auf die Hälfte des Atemzuges gehen; nach der Zäsur: Daktylus, Daktylus, Daktylus, wiederum die Zäsur. Die innere Gestaltung des Homerverses und überhaupt die innere Gestaltung der alten Verse, sie ist hergenommen von dem menschlichen rhythmischen System. In der eigentümlichen Gestaltung des Homerischen Verses finden wir den Ausdruck des Verhältnisses von Blutzirkulation zu Atmungsrhythmus. Man fühlte, indem man ernst nahm das Luftelement, das sich mit dem Menschen vereinigt und wiederum sich vom Menschen trennt, daß man mit dem Luftelement etwas in sich aufsaugt, was mit den regulären Erlebnissen der menschlichen Seele zu tun hat. Und indem der Grieche angefangen hat, von dem Luftelemente zu sprechen, hat er angefangen, von den schönsten und auch von den gewöhnlichen Seiten des menschlichen Seelenlebens zu sprechen, und er hat sich erinnert, daß der Mensch im Laufe eines vierundzwanzigstündigen Tages 25 920 Atemzüge zählt, und daß die Sonne einmal herumgeht mit ihrem Frühlingspunkt in 25 920 Jahren um das ganze Himmelsgewölbe. Und er hat den Weltenrhythmus in Einklang gebracht mit dem Tagesrhythmus des Menschen. Er hat hingewiesen auf den Zusammenhang zwischen Weltenseele und Menschenseele, und er hat gesagt: Mit dem Leben, das zwischen Geburt und Tod verfließt, das uns in seinem vierundzwanzigstündigen Verlauf jeweils ein Miniaturbild darstellt von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, von dieser wäßrigen Gesetzmäßigkeit, die sich ausbreitet für das Kalte und Feuchte im Weltenraum, die beherrscht wird vom Kosmischen, in diesem Verhältnis zwischen dem menschlichen Ätherischen und dem Kosmischen, das sich in den Jahreszeiten, das sich in dem Witterungswechsel ausdrückt, das geregelt wird durch die Bewegungen der Planeten, in diesem Verhältnis haben wir das, was sich im menschlichen Atherleib ausdrückt. Kommen wir zum rhythmischen System, so müssen wir uns zum Luftelemente wenden. Wir müssen uns wenden an das, was in alten Zeiten, in denen man es noch besser verstanden hat, Veranlassung gegeben hat zur Bildung jenes Seelischen, das im Versbau zutage getreten ist, weil man ahnte den Zusammenhang zwischen Menschenseele und Weltenseele. Man kommt noch in das Räumliche, wenn man das Leben betrachtet. Man muß allerdings aufsteigen in das KosmischRäumliche. Aber man kommt aus dem Raume heraus und nimmt das wahr, was hereingeschickt wird aus der Zeit als der Rhythmus in den Raum, wenn wir uns zum rhythmischen System wenden.

[ 12 ] Sie sehen, in dem rhythmischen Elemente, das das Luftelement ist, nahm der Grieche noch etwas wahr von dem, wovon er sagte: Menschenseele wurzelt in Weltenseele, und die Weltenseele selber ist es, die in ihrem Rhythmus lebt und die die Miniaturbilder ihres Rhythmus’ hereinschickt in das menschliche Leben. Draußen bewirkt die Weltenseele, daß der Frühlingsaufgangspunkt jedes Jahr um ein Stückchen vorrückt, in 25920 Jahren rückt er herum um den ganzen Sonnenlauf, und in 25 920 Atemzügen hat der Mensch im Tage ein Miniaturbild in seinem Rhythmus von einem ungeheuer langen Weltenrhythmus. Der Mensch stellt in vierundzwanzig Stunden in sich einen Rhythmus dar, der ein Abbild ist eines 25920 Jahre lang dauernden Weltenjahres. So wurzelt der Mensch in der Weltenseele, indem er mit seiner Seele in der Weltenseele drinnen ist, drinnen lebt.

[ 12 ] Sie sehen, in dem rhythmischen Elemente, das das Luftelement ist, nahm der Grieche noch etwas wahr von dem, wovon er sagte: Menschenseele wurzelt in Weltenseele, und die Weltenseele selber ist es, die in ihrem Rhythmus lebt und die die Miniaturbilder ihres Rhythmus’ hereinschickt in das menschliche Leben. Draußen bewirkt die Weltenseele, daß der Frühlingsaufgangspunkt jedes Jahr um ein Stückchen vorrückt, in 25920 Jahren rückt er herum um den ganzen Sonnenlauf, und in 25 920 Atemzügen hat der Mensch im Tage ein Miniaturbild in seinem Rhythmus von einem ungeheuer langen Weltenrhythmus. Der Mensch stellt in vierundzwanzig Stunden in sich einen Rhythmus dar, der ein Abbild ist eines 25920 Jahre lang dauernden Weltenjahres. So wurzelt der Mensch in der Weltenseele, indem er mit seiner Seele in der Weltenseele drinnen ist, drinnen lebt.

[ 13 ] Erhebt man sich dann herauf zum Elemente des Feuers, dann hat man nicht bloß das Seelische, sondern das Geistige, das uns mit dem Ich durchdringt, dann hat man auch das, was mit dem Elemente des Blutes seinen physischen Ausdruck gewinnt. Wie man das Verhältnis der Menschenseele zur Weltenseele durch das Luftelement wahrnimmt, so durch das Wärme- oder Feuerelement das Verhältnis des Menschengeistes, des Menschen-Ich zu dem Weltengeiste. Hinaufgeführt in geistige Regionen wurde der Mensch in früheren Zeiten, indem er hörte von jenen Elementen, von denen der heutige ganz gescheite Mensch meint, sie seien einer kindlichen Vorstellungsweise entsprungen. Im Gegenteil, wir müssen wiederum den Rückweg finden zu dieser Vorstellungsweise; nur müssen wir sie voll bewußt erreichen, nicht instinktiv, wie es in der damaligen Zeit war. Dringen wir aber zunächst ins wäßrige Element hinein, so erleben wir die Welt selber als ein großes Lebendiges, denn wir werden gleich in den Kosmos mit seinen Quellen des Lebendigen hinausgeführt. Wir erleben die Welt als ein Lebendiges. Indem wir in das rhythmische Element hineinkommen, erleben wir die Welt als ein Durchseeltes, und dringen wir dann in das Wärmeelement hinein, so erleben wir die Welt als ein Durchgeistigtes.

[ 13 ] Erhebt man sich dann herauf zum Elemente des Feuers, dann hat man nicht bloß das Seelische, sondern das Geistige, das uns mit dem Ich durchdringt, dann hat man auch das, was mit dem Elemente des Blutes seinen physischen Ausdruck gewinnt. Wie man das Verhältnis der Menschenseele zur Weltenseele durch das Luftelement wahrnimmt, so durch das Wärme- oder Feuerelement das Verhältnis des Menschengeistes, des Menschen-Ich zu dem Weltengeiste. Hinaufgeführt in geistige Regionen wurde der Mensch in früheren Zeiten, indem er hörte von jenen Elementen, von denen der heutige ganz gescheite Mensch meint, sie seien einer kindlichen Vorstellungsweise entsprungen. Im Gegenteil, wir müssen wiederum den Rückweg finden zu dieser Vorstellungsweise; nur müssen wir sie voll bewußt erreichen, nicht instinktiv, wie es in der damaligen Zeit war. Dringen wir aber zunächst ins wäßrige Element hinein, so erleben wir die Welt selber als ein großes Lebendiges, denn wir werden gleich in den Kosmos mit seinen Quellen des Lebendigen hinausgeführt. Wir erleben die Welt als ein Lebendiges. Indem wir in das rhythmische Element hineinkommen, erleben wir die Welt als ein Durchseeltes, und dringen wir dann in das Wärmeelement hinein, so erleben wir die Welt als ein Durchgeistigtes.

[ 14 ] Aber man kann das wäßrige Element nicht kennenlernen durch unsere abstrakten Begriffe, durch alle die Begriffe, die Sie heute bekommen können, wenn Sie durch die Volksschule, durch die Realschule, durch Gymnasium, Universitäten durchgehen; mit allen diesen Begriffen erlangen Sie nichts, womit Sie das wäßrige Element begreifen könnten. Das muß mit Imagination erfaßt werden, das enthüllt sich nur in Bildern. Dann muß auch in einer gewissen Beziehung die gewöhnliche abstrakte Denkweise in eine konkrete Denkweise umgewandelt werden, in künstlerisches Auffassen der Welt. Da wird nun sogleich der heutige Philosoph kommen und sagen: Das gibt es nicht, in Bildern die Welt erfassen; künstlerisch die Welt erfassen, das gibt es nicht. Ich konstruiere eine Erkenntnistheorie; die Naturgesetze müssen mit Logik umspannt werden. Man muß alles das, was man von der Welt begreifen will, in abstrakte Begriffe, in abstrakte Gesetze bringen können. — Das mag der Mensch halt fordern und er mag solche Erkenntnistheorien begründen, aber wenn die Natur künstlerisch schafft, dann läßt sie sich eben nicht mit solchen Erkenntnistheorien einfangen; dann muß sie eben in Bildern begriffen werden. Nicht wir können der Natur vorschreiben, wodurch sie sich begreifen lassen soll, sondern wir müssen es ihr ablauschen, wodurch sie sich begreifen lassen will. Und sie läßt sich nun schon einmal in ihrem wäßrigen Elemente der Pflanzenwelt nur durch Imagination begreifen, und sie läßt sich in ihrem rhythmischen Leben bis hinaus in die Weltenweitenrhythmen nur begreifen durch die Inspiration, durch das Verfolgen des rhythmischen Lebens, durch das Sich-Hineinleben in das Atmungsleben.

[ 14 ] Aber man kann das wäßrige Element nicht kennenlernen durch unsere abstrakten Begriffe, durch alle die Begriffe, die Sie heute bekommen können, wenn Sie durch die Volksschule, durch die Realschule, durch Gymnasium, Universitäten durchgehen; mit allen diesen Begriffen erlangen Sie nichts, womit Sie das wäßrige Element begreifen könnten. Das muß mit Imagination erfaßt werden, das enthüllt sich nur in Bildern. Dann muß auch in einer gewissen Beziehung die gewöhnliche abstrakte Denkweise in eine konkrete Denkweise umgewandelt werden, in künstlerisches Auffassen der Welt. Da wird nun sogleich der heutige Philosoph kommen und sagen: Das gibt es nicht, in Bildern die Welt erfassen; künstlerisch die Welt erfassen, das gibt es nicht. Ich konstruiere eine Erkenntnistheorie; die Naturgesetze müssen mit Logik umspannt werden. Man muß alles das, was man von der Welt begreifen will, in abstrakte Begriffe, in abstrakte Gesetze bringen können. — Das mag der Mensch halt fordern und er mag solche Erkenntnistheorien begründen, aber wenn die Natur künstlerisch schafft, dann läßt sie sich eben nicht mit solchen Erkenntnistheorien einfangen; dann muß sie eben in Bildern begriffen werden. Nicht wir können der Natur vorschreiben, wodurch sie sich begreifen lassen soll, sondern wir müssen es ihr ablauschen, wodurch sie sich begreifen lassen will. Und sie läßt sich nun schon einmal in ihrem wäßrigen Elemente der Pflanzenwelt nur durch Imagination begreifen, und sie läßt sich in ihrem rhythmischen Leben bis hinaus in die Weltenweitenrhythmen nur begreifen durch die Inspiration, durch das Verfolgen des rhythmischen Lebens, durch das Sich-Hineinleben in das Atmungsleben.

[ 15 ] Wenn Sie Alpdrücken haben, dann drückt Sie der Rhythmus der Welt, der so vehement über Sie kommt, daß Sie ihn nicht aushalten können. Wenn Sie aber, nachdem Sie gewisse Übungen durchgemacht haben, nun selber hineinkriechen können in dieses Luftelement, selber sich bewegen können mit dem Rhythmus, dann geraten Sie in die Welt der Inspiration hinein, dann sind Sie außerhalb Ihres Leibes, so wie die Luft selber, die einzieht, außerhalb Ihres Leibes ist. Dann bewegen Sie sich mit der Luft in den Leib hinein, heraus. Dann gehen Sie über zum Begriff dessen, was der Mensch in Wahrheit ist, nicht dessen, was nach seinem Tode im Grabe liegt und was die heutige Wissenschaft begreifen kann.

[ 15 ] Wenn Sie Alpdrücken haben, dann drückt Sie der Rhythmus der Welt, der so vehement über Sie kommt, daß Sie ihn nicht aushalten können. Wenn Sie aber, nachdem Sie gewisse Übungen durchgemacht haben, nun selber hineinkriechen können in dieses Luftelement, selber sich bewegen können mit dem Rhythmus, dann geraten Sie in die Welt der Inspiration hinein, dann sind Sie außerhalb Ihres Leibes, so wie die Luft selber, die einzieht, außerhalb Ihres Leibes ist. Dann bewegen Sie sich mit der Luft in den Leib hinein, heraus. Dann gehen Sie über zum Begriff dessen, was der Mensch in Wahrheit ist, nicht dessen, was nach seinem Tode im Grabe liegt und was die heutige Wissenschaft begreifen kann.

[ 16 ] Aber man muß sich zugleich aufschwingen von abstrakten Begriffen, von bloß logischen Bildern zu Imaginationen, zu Inspirationen und dann zu Intuitionen. Heute aber wird das abstrakte Leben ganz besonders weit gebracht. Es ist geistvoll. Man kann sich ja so schön das Folgende ausdenken. Ich habe es vielleicht auch hier schon einmal angeführt, aber es ist wichtig, auf solche Dinge immer wieder hinzuweisen.

[ 16 ] Aber man muß sich zugleich aufschwingen von abstrakten Begriffen, von bloß logischen Bildern zu Imaginationen, zu Inspirationen und dann zu Intuitionen. Heute aber wird das abstrakte Leben ganz besonders weit gebracht. Es ist geistvoll. Man kann sich ja so schön das Folgende ausdenken. Ich habe es vielleicht auch hier schon einmal angeführt, aber es ist wichtig, auf solche Dinge immer wieder hinzuweisen.

[ 17 ] Man fährt mit einer annehmbaren Geschwindigkeit an zwei Orten vorüber. An dem einen Ort wird ein Kanone losgelassen, in einem andern Orte, den man später passierte, wird in einem etwas späteren Zeitpunkte auch eine Kanone losgelassen. Dann hört man den Kanonenknall von dem Orte, wo später losgeschossen wird, natürlich erst, nachdem man den Knall von dem ersten Orte gehört hat. Nun kann man sich recht gut das Folgende ausdenken: Wenn man sich immer schneller und schneller bewegt, dann kommt man endlich dazu, daß man sich mit der Geschwindigkeit des Schalles bewegt. Wenn man sich so schnell bewegt, wie der Schall sich bewegt, dann wird man, wenn man am zweiten Orte vorbeikommt, die zwei Knalle zu gleicher Zeit wahrnehmen können. Und bewegt man sich dann noch schneller als der Schall, so wird man den späteren Knall zuerst wahrnehmen und den früheren später, weil man ihm davongeflogen ist, indem man sich schneller bewegt als der Schall.

[ 17 ] Man fährt mit einer annehmbaren Geschwindigkeit an zwei Orten vorüber. An dem einen Ort wird ein Kanone losgelassen, in einem andern Orte, den man später passierte, wird in einem etwas späteren Zeitpunkte auch eine Kanone losgelassen. Dann hört man den Kanonenknall von dem Orte, wo später losgeschossen wird, natürlich erst, nachdem man den Knall von dem ersten Orte gehört hat. Nun kann man sich recht gut das Folgende ausdenken: Wenn man sich immer schneller und schneller bewegt, dann kommt man endlich dazu, daß man sich mit der Geschwindigkeit des Schalles bewegt. Wenn man sich so schnell bewegt, wie der Schall sich bewegt, dann wird man, wenn man am zweiten Orte vorbeikommt, die zwei Knalle zu gleicher Zeit wahrnehmen können. Und bewegt man sich dann noch schneller als der Schall, so wird man den späteren Knall zuerst wahrnehmen und den früheren später, weil man ihm davongeflogen ist, indem man sich schneller bewegt als der Schall.

[ 18 ] Solche Spekulationen macht man heute viele. Man denkt sich: Wie höre ich zwei Kanonen, die losgelassen werden, wenn ich mich schneller bewege als der Schall? Ich fliege dem Schall davon; dann, nicht wahr, muß ich auch das später Abgeschossene früher hören als das, was früher losgelassen ist und dem ich ja davongelaufen bin! — Sehen Sie, da haben Sie die Möglichkeit, etwas ganz Logisches zu bilden, aber wirklichkeitsgemäß ist es nicht. Denn wenn Sie sich so schnell bewegen würden wie der Schall, würden Sie selbst Schall sein und Sie würden selbst tönen, Sie würden ins Tönen übergehen, Sie würden zusammenfließen mit dem Schall. Es ist überhaupt unmöglich für jemanden, der wirklichkeitsgemäß denkt, solche Spekulationen anzustellen. Aber solche Spekulationen werden heute angestellt. Man nennt sie Einsteinsche Theorie. Einstein geht nach Amerika; die Zeitungen verbreiten, daß er riesige Erfolge gehabt hat, daß er aber in London gesagt hätte, kein einziger Mensch hätte ihn in Amerika verstanden. Dann hat er also seinen Erfolg gehabt bei all denen, die ihn nicht verstanden haben. Mag sein. In London aber war eine große Narretei, indem man diese Abstraktionen, die ja aus einem ganz abstrakten Kopfe entsprungen sind, als das größte, bedeutsamste Weltereignis hingestellt hat, und selbst der alte Lord Haldane sich noch bemüßigt gefunden hat, hervorzuheben, was da eigentlich geschehen ist. Im Grunde genommen ist wirklich nichts anderes geschehen, als daß durch einen Menschen auf die Spitze getrieben worden ist die Abstraktionskraft, der Unwirklichkeitsgeist, die Beschäftigung mit Begriffen und Ideen, die jeder Wirklichkeit völlig fremd sind, die noch weniger in sich haben als die Kraft derjenigen Logik, die sich auf den toten Menschen im Grab bezieht; denn mit Einsteinschen Begriffen kann man nicht einmal mehr den Leichnam begreifen, sondern nur noch einen Extrakt des Leichnams. Aber es ist im Grunde genommen gar kein Korrektiv vorhanden gegen das, was da sich unter der Menschheit heute ausbreitet. Dieses Korrektiv ist lediglich in der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorhanden, die wiederum zu wirklichkeitsgemäßen Begriffen den Weg zu finden sucht. Und diese wirklichkeitsgemäßen Begriffe führen uns wiederum hinaus in die Welten zum Beispiel, die sich als die kosmischen Welten noch räumlich ausnehmen. Da haben wir die Welt als ein großes Lebendiges vor uns, so ungefähr, wie Goethe aus einer mächtigen Intuition in dem Prosahymnus «Die Natur» von dieser Welt gesprochen hat. Dann aber kommt man, von dieser Welt aufsteigend, zur Weltenseele, zum Weltenrhythmus, zu demjenigen, was im Grunde genommen einmal die Sphärenharmonie genannt worden ist. Zu Weltenrhythmen kommt man, wenn man es ausbildet, wenn man es umsetzt in Imaginationen, in Rhythmen, wo man das hat, was ich versuchte, in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» darzustellen, wo also der Weltenrhythmus dargestellt ist und aus dem Weltenrhythmus heraus die Gestaltung der Saturn-, Sonnen-, Monden- und der Erdenzeit und der zukünftigen Jupiterzeit, Venuszeit, Vulkanzeit. Diese Dinge, sie sind die Herausgestaltung des Weltengeschehens aus dem Weltenrhythmus. Aber schauen Sie sich die Art und Weise an, wie da gesprochen wird von diesen aufeinanderfolgenden, sich vollziehenden Weltenrhythmen! Erstens gehört der Mensch diesen Weltenrhythmen an. Der Mensch entsteht nicht aus irgendeinem Gewirbel heraus, aus einem mineralischen oder aus einem tierischen Gewirbel heraus, sondern der Mensch entsteht aus dem durchgeistigten Weltenganzen heraus, und so weit wir Welt finden, finden wir auch den Menschen. Aber Sie finden noch etwas anderes; wenn Sie herankommen an diejenige Welt, wo von Rhythmen die Rede ist, können Sie nicht anders, als, indem Sie von dieser Welt sprechen, zugleich von göttlich-geistigen Wesenheiten sprechen. Glauben Sie, daß es einen Sinn hat, von der Welt, von der einem ein heutiges Physikbuch oder Chemiebuch erzählt, da von Angeloi, Archangeloi, Archai zu reden? Natürlich wäre das sehr deplaciert, wenn man erst von den besonderen Verbindungen des Kohlenstoffs, von den Ätherverbindungen des Kohlenstoffs in der Chemie sprechen würde, von Alkohol und so weiter! Wenn man alle diese Formeln aufführen würde mit ihrem Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und so weiter und dann sagen würde: Das ist von Engeln, das ist von Erzengeln —, das geht natürlich nicht. Aber wenn man hinaufkommt in diejenige Region, wo man genötigt ist, das Werden der Erde hervorgehen zu lassen aus Saturn-, Sonnen-, Mondenwerden, wenn man dieses Gewebe erschaut, das in der Welt, in den Weltenrhythmen lebt, das hereinspielt in die menschliche Seele durch den inneren menschlichen Rhythmus, den man seeelisch bis in den Vers hinein verfolgen kann, wenn man gleichzeitig hinweisen kann, wie sich der Vers baut im Verhältnis vom Blutrhythmus zum Atmungsrhythmus; wenn man in diese Regionen hinaufkommt, wo man schildert Saturn, Sonne, Mond und so weiter, dann ist man genötigt, von Wesenheiten der geistigen Hierarchien zu sprechen. Man kommt hinein in eine Welt, in der wirkliche geistige Wesenheiten sind, nicht bloß in eine Welt, in der jener verschwommene Pantheismus leben soll, zu dem sich heute noch manche, die nicht Materialisten sein wollen, aufschwingen und sagen: Die Welt ist durchgeistigt.

[ 18 ] Solche Spekulationen macht man heute viele. Man denkt sich: Wie höre ich zwei Kanonen, die losgelassen werden, wenn ich mich schneller bewege als der Schall? Ich fliege dem Schall davon; dann, nicht wahr, muß ich auch das später Abgeschossene früher hören als das, was früher losgelassen ist und dem ich ja davongelaufen bin! — Sehen Sie, da haben Sie die Möglichkeit, etwas ganz Logisches zu bilden, aber wirklichkeitsgemäß ist es nicht. Denn wenn Sie sich so schnell bewegen würden wie der Schall, würden Sie selbst Schall sein und Sie würden selbst tönen, Sie würden ins Tönen übergehen, Sie würden zusammenfließen mit dem Schall. Es ist überhaupt unmöglich für jemanden, der wirklichkeitsgemäß denkt, solche Spekulationen anzustellen. Aber solche Spekulationen werden heute angestellt. Man nennt sie Einsteinsche Theorie. Einstein geht nach Amerika; die Zeitungen verbreiten, daß er riesige Erfolge gehabt hat, daß er aber in London gesagt hätte, kein einziger Mensch hätte ihn in Amerika verstanden. Dann hat er also seinen Erfolg gehabt bei all denen, die ihn nicht verstanden haben. Mag sein. In London aber war eine große Narretei, indem man diese Abstraktionen, die ja aus einem ganz abstrakten Kopfe entsprungen sind, als das größte, bedeutsamste Weltereignis hingestellt hat, und selbst der alte Lord Haldane sich noch bemüßigt gefunden hat, hervorzuheben, was da eigentlich geschehen ist. Im Grunde genommen ist wirklich nichts anderes geschehen, als daß durch einen Menschen auf die Spitze getrieben worden ist die Abstraktionskraft, der Unwirklichkeitsgeist, die Beschäftigung mit Begriffen und Ideen, die jeder Wirklichkeit völlig fremd sind, die noch weniger in sich haben als die Kraft derjenigen Logik, die sich auf den toten Menschen im Grab bezieht; denn mit Einsteinschen Begriffen kann man nicht einmal mehr den Leichnam begreifen, sondern nur noch einen Extrakt des Leichnams. Aber es ist im Grunde genommen gar kein Korrektiv vorhanden gegen das, was da sich unter der Menschheit heute ausbreitet. Dieses Korrektiv ist lediglich in der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorhanden, die wiederum zu wirklichkeitsgemäßen Begriffen den Weg zu finden sucht. Und diese wirklichkeitsgemäßen Begriffe führen uns wiederum hinaus in die Welten zum Beispiel, die sich als die kosmischen Welten noch räumlich ausnehmen. Da haben wir die Welt als ein großes Lebendiges vor uns, so ungefähr, wie Goethe aus einer mächtigen Intuition in dem Prosahymnus «Die Natur» von dieser Welt gesprochen hat. Dann aber kommt man, von dieser Welt aufsteigend, zur Weltenseele, zum Weltenrhythmus, zu demjenigen, was im Grunde genommen einmal die Sphärenharmonie genannt worden ist. Zu Weltenrhythmen kommt man, wenn man es ausbildet, wenn man es umsetzt in Imaginationen, in Rhythmen, wo man das hat, was ich versuchte, in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» darzustellen, wo also der Weltenrhythmus dargestellt ist und aus dem Weltenrhythmus heraus die Gestaltung der Saturn-, Sonnen-, Monden- und der Erdenzeit und der zukünftigen Jupiterzeit, Venuszeit, Vulkanzeit. Diese Dinge, sie sind die Herausgestaltung des Weltengeschehens aus dem Weltenrhythmus. Aber schauen Sie sich die Art und Weise an, wie da gesprochen wird von diesen aufeinanderfolgenden, sich vollziehenden Weltenrhythmen! Erstens gehört der Mensch diesen Weltenrhythmen an. Der Mensch entsteht nicht aus irgendeinem Gewirbel heraus, aus einem mineralischen oder aus einem tierischen Gewirbel heraus, sondern der Mensch entsteht aus dem durchgeistigten Weltenganzen heraus, und so weit wir Welt finden, finden wir auch den Menschen. Aber Sie finden noch etwas anderes; wenn Sie herankommen an diejenige Welt, wo von Rhythmen die Rede ist, können Sie nicht anders, als, indem Sie von dieser Welt sprechen, zugleich von göttlich-geistigen Wesenheiten sprechen. Glauben Sie, daß es einen Sinn hat, von der Welt, von der einem ein heutiges Physikbuch oder Chemiebuch erzählt, da von Angeloi, Archangeloi, Archai zu reden? Natürlich wäre das sehr deplaciert, wenn man erst von den besonderen Verbindungen des Kohlenstoffs, von den Ätherverbindungen des Kohlenstoffs in der Chemie sprechen würde, von Alkohol und so weiter! Wenn man alle diese Formeln aufführen würde mit ihrem Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und so weiter und dann sagen würde: Das ist von Engeln, das ist von Erzengeln —, das geht natürlich nicht. Aber wenn man hinaufkommt in diejenige Region, wo man genötigt ist, das Werden der Erde hervorgehen zu lassen aus Saturn-, Sonnen-, Mondenwerden, wenn man dieses Gewebe erschaut, das in der Welt, in den Weltenrhythmen lebt, das hereinspielt in die menschliche Seele durch den inneren menschlichen Rhythmus, den man seeelisch bis in den Vers hinein verfolgen kann, wenn man gleichzeitig hinweisen kann, wie sich der Vers baut im Verhältnis vom Blutrhythmus zum Atmungsrhythmus; wenn man in diese Regionen hinaufkommt, wo man schildert Saturn, Sonne, Mond und so weiter, dann ist man genötigt, von Wesenheiten der geistigen Hierarchien zu sprechen. Man kommt hinein in eine Welt, in der wirkliche geistige Wesenheiten sind, nicht bloß in eine Welt, in der jener verschwommene Pantheismus leben soll, zu dem sich heute noch manche, die nicht Materialisten sein wollen, aufschwingen und sagen: Die Welt ist durchgeistigt.

[ 19 ] Nun ja, die Welt ist durchgeistigt, ein Geistiges breitet sich überall aus — es ist ungefähr so, wie wenn einer sagt: Ein Löwe; du behauptest, der hat einen Kehlkopf, mit dem er brüllt, und eine Speiseröhre und Luftröhre und Lunge und Magen —, das geht mich nichts an, von dem will ich nicht reden, der ist nur ganz «durchlöwt». — So ungefähr, wie wenn einer sagen würde, der ist ganz durchlöwt, ist das philosophische Getue der Pantheisten, die überall das nebulos Geistige ausgebreitet denken.

[ 19 ] Nun ja, die Welt ist durchgeistigt, ein Geistiges breitet sich überall aus — es ist ungefähr so, wie wenn einer sagt: Ein Löwe; du behauptest, der hat einen Kehlkopf, mit dem er brüllt, und eine Speiseröhre und Luftröhre und Lunge und Magen —, das geht mich nichts an, von dem will ich nicht reden, der ist nur ganz «durchlöwt». — So ungefähr, wie wenn einer sagen würde, der ist ganz durchlöwt, ist das philosophische Getue der Pantheisten, die überall das nebulos Geistige ausgebreitet denken.

[ 20 ] Will man aber wirklich von dem Geistigen reden, so muß man von einzelnen geistigen Wesenheiten reden. Dann muß man wissen, wie man, sobald man vom Wasserelement ins Luftelement hinaufsteigt, den geistigen Wesenheiten begegnet, die gerade in den Hierarchien beschrieben werden. Sobald man in das Feuerelement hineinkommt, kommt man zu der höchsten Hierarchie: Throne, Cherubim, Seraphim, und dann erst zu der eigentlichen geistigen Weltengestaltung, in der allerdings dann der Mensch nicht mehr einzelnes unterscheiden kann. Aber bevor man in das hineinkommt, was oberflächliche Pantheisten als das nebulose All-Eine bezeichnen möchten, kommt man eben durch die Welt, in der die einzelnen konkreten geistigen Wesenheiten leben. Und in diesen konkreten geistigen Wesenheiten erkennt man jetzt das, was auch in der uns umgebenden Natur lebt. Denn man kommt ja der uns umgebenden Natur auf ihre Grundlagen. In der Natur, die uns umgibt und die wir mit unserer Chemie und Physik betrachten, kann ja der Mensch nicht drinnen sein. Der Mensch kann nur in einer Natur drinnen sein, in der auch das wässerige, das Luft-, das Feuerelement ist.

[ 20 ] Will man aber wirklich von dem Geistigen reden, so muß man von einzelnen geistigen Wesenheiten reden. Dann muß man wissen, wie man, sobald man vom Wasserelement ins Luftelement hinaufsteigt, den geistigen Wesenheiten begegnet, die gerade in den Hierarchien beschrieben werden. Sobald man in das Feuerelement hineinkommt, kommt man zu der höchsten Hierarchie: Throne, Cherubim, Seraphim, und dann erst zu der eigentlichen geistigen Weltengestaltung, in der allerdings dann der Mensch nicht mehr einzelnes unterscheiden kann. Aber bevor man in das hineinkommt, was oberflächliche Pantheisten als das nebulose All-Eine bezeichnen möchten, kommt man eben durch die Welt, in der die einzelnen konkreten geistigen Wesenheiten leben. Und in diesen konkreten geistigen Wesenheiten erkennt man jetzt das, was auch in der uns umgebenden Natur lebt. Denn man kommt ja der uns umgebenden Natur auf ihre Grundlagen. In der Natur, die uns umgibt und die wir mit unserer Chemie und Physik betrachten, kann ja der Mensch nicht drinnen sein. Der Mensch kann nur in einer Natur drinnen sein, in der auch das wässerige, das Luft-, das Feuerelement ist.

[ 21 ] Sobald wir in das luftige Element kommen, haben wir da die Wesenheiten, die wir als Angeloi, Archangeloi und so weiter beschreiben. Da kommen wir in das konkrete geistige Weltenwesen hinein. Da kommen wir auch in eine Welt hinein, die wir zugleich moralisch und physisch begreifen können. Man sieht es nur nicht, weil man sich heute den Blick benebelt, daß aus derselben Welt, aus der real zum Beispiel das Versmaß heraustönt, auch die reale Moral heraustönt. In der Welt, in der die sechsundsiebzig Elemente sind, ist allerdings nicht der Ursprung der Moral; aber da ist auch nicht das vom Menschen enthalten, was den Menschen belebt; auch in der Welt, die kosmisch-räumlich ist, in der Welt, die vom Elemente des Wassers beherrscht wird, ist noch nicht die moralische Welt. Aber in dem Augenblicke, wo wir das rhythmische Element betreten, kommen wir zugleich in die Welt des Moralischen hinein. Und vor dieser Aufgabe steht der Mensch der Gegenwart, die moralische Welt wiederum als eine reale zu erkennen, zu erkennen, daß derselbe Stoff oder dieselbe Substanz, woraus sein astralischer Leib geformt ist, enthalten ist in den moralischen Ideen. Dieselbe Substanz, aus der unser Ich geformt ist, ist enthalten in den religiösen Ideen und in dem religiösen Ideai.

[ 21 ] Sobald wir in das luftige Element kommen, haben wir da die Wesenheiten, die wir als Angeloi, Archangeloi und so weiter beschreiben. Da kommen wir in das konkrete geistige Weltenwesen hinein. Da kommen wir auch in eine Welt hinein, die wir zugleich moralisch und physisch begreifen können. Man sieht es nur nicht, weil man sich heute den Blick benebelt, daß aus derselben Welt, aus der real zum Beispiel das Versmaß heraustönt, auch die reale Moral heraustönt. In der Welt, in der die sechsundsiebzig Elemente sind, ist allerdings nicht der Ursprung der Moral; aber da ist auch nicht das vom Menschen enthalten, was den Menschen belebt; auch in der Welt, die kosmisch-räumlich ist, in der Welt, die vom Elemente des Wassers beherrscht wird, ist noch nicht die moralische Welt. Aber in dem Augenblicke, wo wir das rhythmische Element betreten, kommen wir zugleich in die Welt des Moralischen hinein. Und vor dieser Aufgabe steht der Mensch der Gegenwart, die moralische Welt wiederum als eine reale zu erkennen, zu erkennen, daß derselbe Stoff oder dieselbe Substanz, woraus sein astralischer Leib geformt ist, enthalten ist in den moralischen Ideen. Dieselbe Substanz, aus der unser Ich geformt ist, ist enthalten in den religiösen Ideen und in dem religiösen Ideai.

[ 22 ] Wir müssen wiederum die Brücke finden zwischen der Naturbetrachtung und der Betrachtung der geistigen Welt, aber nicht nur der allgemein verschwommenen geistigen Welt, sondern der geistigen Welt, aus der unsere moralischen Intuitionen kommen. Auf dieses Ineinanderspielen der Welt der Wahrnehmungen und der Welt der Intuitionen wollte ich ja schon hinweisen in meiner «Philosophie der Freiheit», 1893. Ich wollte zeigen, wie die konkreten moralischen Intuitionen einer Welt, die jenseits der Welt der Wahrnehmungen liegt, entnommen werden und eingefügt werden der Welt.

[ 22 ] Wir müssen wiederum die Brücke finden zwischen der Naturbetrachtung und der Betrachtung der geistigen Welt, aber nicht nur der allgemein verschwommenen geistigen Welt, sondern der geistigen Welt, aus der unsere moralischen Intuitionen kommen. Auf dieses Ineinanderspielen der Welt der Wahrnehmungen und der Welt der Intuitionen wollte ich ja schon hinweisen in meiner «Philosophie der Freiheit», 1893. Ich wollte zeigen, wie die konkreten moralischen Intuitionen einer Welt, die jenseits der Welt der Wahrnehmungen liegt, entnommen werden und eingefügt werden der Welt.

[ 23 ] Das ist eben schließlich die große Aufgabe der Gegenwart, nicht stehenzubleiben bei derjenigen Welt, die eigentlich für den Menschen nur anwendbar ist dann, wenn er im Grabe liegt, sondern aufzusteigen zu derjenigen Welt, die uns den Menschen zeigt, wenn er das Seelische darlebt in dem Rhythmus des Physischen. Aber eben in dem Rhythmus des Physischen lernt man den Rhythmus in seinem Wesen verstehen. So lernt man den Weltenrhythmus verstehen, und den Weltenrhythmus kann man nicht verstehen, ohne zu verstehen die Quellen, die Ursprünge der moralischen Welt. Dann erst kann ein solches Verstehen dazu kommen, sich zu sagen: Ja, ich habe gegenwärtig eine Naturwissenschaft, sie ist anwendbar auf den Menschen als Leichnam. — Selbstverständlich muß sie dann überhaupt von dem Weltenleichnam stammen, hergenommen sein von dem in der Welt, was zugrunde geht. Sie muß sich beziehen auf dasjenige von der Erde, was einmal der Erdenleichnam wird. In dem aber, was wir erfassen im Rhythmischen, was wir zum Beispiel ausgießen in Versen, in Bildern, überhaupt in Geistigem, so daß es lebt, wie es in den Rhythmen lebt, und was wir intuitiv erfassen in unseren moralischen Idealen, in dem schaffen wir etwas, was den Erdentod überdauert, wie die einzelne menschliche Seele den menschlichen Tod überdauert. Die Erde wird zugrunde gehen nach den Naturgesetzen, die wir heute erkennen; nach diesen Gesetzen wird die Erde zugrunde gehen. Und nach den Gesetzen, die wir erkennen, indem wir uns der geistigen Welt nähern, und nach den Gesetzen, die wir erkennen, wenn wir moralische Intuitionen fassen, wenn wir wirklich religiöse Intuitionen fassen, nach diesen Gesetzen bildet sich die Seele, bilden sich die Menschenseelen, die die Erde, wenn sie tot abfällt, verlassen werden zu neuem zukünftigem Dasein.

[ 23 ] Das ist eben schließlich die große Aufgabe der Gegenwart, nicht stehenzubleiben bei derjenigen Welt, die eigentlich für den Menschen nur anwendbar ist dann, wenn er im Grabe liegt, sondern aufzusteigen zu derjenigen Welt, die uns den Menschen zeigt, wenn er das Seelische darlebt in dem Rhythmus des Physischen. Aber eben in dem Rhythmus des Physischen lernt man den Rhythmus in seinem Wesen verstehen. So lernt man den Weltenrhythmus verstehen, und den Weltenrhythmus kann man nicht verstehen, ohne zu verstehen die Quellen, die Ursprünge der moralischen Welt. Dann erst kann ein solches Verstehen dazu kommen, sich zu sagen: Ja, ich habe gegenwärtig eine Naturwissenschaft, sie ist anwendbar auf den Menschen als Leichnam. — Selbstverständlich muß sie dann überhaupt von dem Weltenleichnam stammen, hergenommen sein von dem in der Welt, was zugrunde geht. Sie muß sich beziehen auf dasjenige von der Erde, was einmal der Erdenleichnam wird. In dem aber, was wir erfassen im Rhythmischen, was wir zum Beispiel ausgießen in Versen, in Bildern, überhaupt in Geistigem, so daß es lebt, wie es in den Rhythmen lebt, und was wir intuitiv erfassen in unseren moralischen Idealen, in dem schaffen wir etwas, was den Erdentod überdauert, wie die einzelne menschliche Seele den menschlichen Tod überdauert. Die Erde wird zugrunde gehen nach den Naturgesetzen, die wir heute erkennen; nach diesen Gesetzen wird die Erde zugrunde gehen. Und nach den Gesetzen, die wir erkennen, indem wir uns der geistigen Welt nähern, und nach den Gesetzen, die wir erkennen, wenn wir moralische Intuitionen fassen, wenn wir wirklich religiöse Intuitionen fassen, nach diesen Gesetzen bildet sich die Seele, bilden sich die Menschenseelen, die die Erde, wenn sie tot abfällt, verlassen werden zu neuem zukünftigem Dasein.

[ 24 ] Und so ist es, daß wir heute eine offiziell anerkannte Wissenschaft haben: sie lehrt das Tote, sie lehrt das, nach dem die Erde einstmals im großen Weltengrabe zugrunde gehen wird. Und wir brauchen eine Geisteswissenschaft, die sich ernsthaft bemüht um das Wort des Christus Jesus: « Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Eine Geisteswissenschaft brauchen wir, die die wirkliche, die wahre Inhaltlichkeit dieser Christus-Worte sucht, denn diese Worte, die handeln von Rhythmus, handeln von Moral, handeln von dem Göttlichen, handeln von dem, was zu neuen Daseinsstufen übergeht, wenn die Erde und auch der Kosmos auseinanderfallen und Leichnam werden. Und wir müssen das Bewußtsein davon haben, daß wir heraus müssen aus einer Wissenschaft, die nur vom Tode erzählt, und hinüber müssen zu der Wissenschaft, die sich zum Lebendigen und durch das Lebendige zum Seelischen und Geistigen erhebt.

[ 24 ] Und so ist es, daß wir heute eine offiziell anerkannte Wissenschaft haben: sie lehrt das Tote, sie lehrt das, nach dem die Erde einstmals im großen Weltengrabe zugrunde gehen wird. Und wir brauchen eine Geisteswissenschaft, die sich ernsthaft bemüht um das Wort des Christus Jesus: « Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Eine Geisteswissenschaft brauchen wir, die die wirkliche, die wahre Inhaltlichkeit dieser Christus-Worte sucht, denn diese Worte, die handeln von Rhythmus, handeln von Moral, handeln von dem Göttlichen, handeln von dem, was zu neuen Daseinsstufen übergeht, wenn die Erde und auch der Kosmos auseinanderfallen und Leichnam werden. Und wir müssen das Bewußtsein davon haben, daß wir heraus müssen aus einer Wissenschaft, die nur vom Tode erzählt, und hinüber müssen zu der Wissenschaft, die sich zum Lebendigen und durch das Lebendige zum Seelischen und Geistigen erhebt.

[ 25 ] Bis zum Jahre 333, ungefähr bis zu der ersten Hälfte des 4. nachchristlichen Jahrhunderts, gab es eigentlich immer noch eine Mysterienwissenschaft; eigentlich sind erst im 6. Jahrhundert die letzten griechischen Weisen vollständig vertrieben worden. Aber diese Mysterienwissenschaft, was wollte sie eigentlich? Diese Mysterienwissenschaft wollte den Menschen hinweghelfen über die große Gefahr des physischen Lebens. Und dazumal war noch verhältnismäßig leicht hinwegzuhelfen über die große Gefahr des physischen Lebens, weil die Menschen noch etwas von zusammenfassender Kraft, von Gruppenseelen gehabt haben. Diese Gruppenseelenhaftigkeit war noch immer sehr groß bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert. Erst seitdem die Völkerwanderung gekommen ist und die Gruppenseelenhaftigkeit durch das besondere Element, das von den germanischen Völkerschaften ausging, durchbrochen worden ist, ist die Sache anders geworden. Aber diese Mysterien haben ja nur einzelne herangezogen, die sie als besonders Auserlesene betrachtet haben, und sie in den Mysterien zu besonderem geistigem Bildungsgrade hinaufentwickelt. Aber dadurch haben sie nicht nur für diese einzelnen Initiierten und Eingeweihten etwas getan, sondern, weil Gruppengeist gewaltet hat, war für die übrige Umgebung, innerhalb welcher der Lehrende oder sonst Eingeweihte wirkte, alles zugleich mitgetan. Besonders wenn wir zurückgehen in die ältere ägyptische Zeit, da waren einige wenige Eingeweihte, aber die waren zugleich die intellektuellen Leiter auf allen Gebieten, die Leiter des gesamten ägyptischen Volkes, und weil Gruppenseelenhaftigkeit da war, ging ihre Kraft über auf die andern Leute, die nicht eingeweiht waren. So hatte man damals nur einzelne einzuweihen.

[ 25 ] Bis zum Jahre 333, ungefähr bis zu der ersten Hälfte des 4. nachchristlichen Jahrhunderts, gab es eigentlich immer noch eine Mysterienwissenschaft; eigentlich sind erst im 6. Jahrhundert die letzten griechischen Weisen vollständig vertrieben worden. Aber diese Mysterienwissenschaft, was wollte sie eigentlich? Diese Mysterienwissenschaft wollte den Menschen hinweghelfen über die große Gefahr des physischen Lebens. Und dazumal war noch verhältnismäßig leicht hinwegzuhelfen über die große Gefahr des physischen Lebens, weil die Menschen noch etwas von zusammenfassender Kraft, von Gruppenseelen gehabt haben. Diese Gruppenseelenhaftigkeit war noch immer sehr groß bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert. Erst seitdem die Völkerwanderung gekommen ist und die Gruppenseelenhaftigkeit durch das besondere Element, das von den germanischen Völkerschaften ausging, durchbrochen worden ist, ist die Sache anders geworden. Aber diese Mysterien haben ja nur einzelne herangezogen, die sie als besonders Auserlesene betrachtet haben, und sie in den Mysterien zu besonderem geistigem Bildungsgrade hinaufentwickelt. Aber dadurch haben sie nicht nur für diese einzelnen Initiierten und Eingeweihten etwas getan, sondern, weil Gruppengeist gewaltet hat, war für die übrige Umgebung, innerhalb welcher der Lehrende oder sonst Eingeweihte wirkte, alles zugleich mitgetan. Besonders wenn wir zurückgehen in die ältere ägyptische Zeit, da waren einige wenige Eingeweihte, aber die waren zugleich die intellektuellen Leiter auf allen Gebieten, die Leiter des gesamten ägyptischen Volkes, und weil Gruppenseelenhaftigkeit da war, ging ihre Kraft über auf die andern Leute, die nicht eingeweiht waren. So hatte man damals nur einzelne einzuweihen.

[ 26 ] Was wurde durch diese Einweihung eigentlich beabsichtigt? Es war eigentlich nichts Geringeres beabsichtigt, als daß man die Menschen über die Gefahr hinwegbrachte, sterblich zu werden in ihren Seelen. In Ägypten hatte man nämlich noch eine andere Auffassung von der Unsterblichkeit als heute. Heute denkt man sich eigentlich die Unsterblichkeit als etwas, was einem jedenfalls zukommt, dessen man gar nicht verlustig gehen kann. In den samothrakischen Mysterien hat man zum Beispiel gelehrt: Es gibt vier Kabiren; drei von diesen töten immer den vierten. — Aber eigentlich meinte man, der Mensch habe physischen Leib, Atherleib, astralischen Leib und Ich. Physischer Leib ist zunächst als physischer Leichnam dem Tode verfallen. Der Ätherleib zerstiebt im Kosmischen, der astralische Leib geht auch in einer gewissen Weise auf, wie ich es dargestellt habe in meiner « Theosophie». Wenn das Ich sein Selbstbewußtsein nicht rettet durch Teilnahme an dem Geistigen, dann töten die drei auch das Ich und ziehen es hinunter in die Sterblichkeit. Man suchte in den Mysterien die Unsterblichkeit des Menschen zu retten. Man stellte sich nicht vor, daß man sich die Unsterblichkeit durch Gebete erwerben könnte; man stellte sich nicht vor, daß man bloß passiv zu der Unsterblichkeit sich verhalten kann und dergleichen, sondern man stellte sich vor, daß diejenigen, die initiiert wurden, durch die besondere Umwandlung ihres Seelenwesens, durch ihre Auferweckung, durch das Aufwachen ihres Ich über die Gefahr hinwegkamen, sich nicht im Geiste zu erfassen und dadurch den Weg ihres sterblichen Leibes gehen zu müssen. Und indem einzelne Eingeweihte diese Kraft hatten, jenseits des sterblichen Leibes noch denken zu können, konnten sie auch, weil Gruppenseelengeist da war, sie den andern Menschen mitteilen. Heute ist nicht mehr Gruppenseelenhaftigkeit. Seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts hat sich das immer mehr und mehr vorbereitet; heute sind wir dazu berufen, die Freiheit als individuelle Menschen auszubilden. Heute sind wir im Grunde genommen auf dem Punkt, wo wir der entgegengesetzten Gefahr gegenüberstehen.

[ 26 ] Was wurde durch diese Einweihung eigentlich beabsichtigt? Es war eigentlich nichts Geringeres beabsichtigt, als daß man die Menschen über die Gefahr hinwegbrachte, sterblich zu werden in ihren Seelen. In Ägypten hatte man nämlich noch eine andere Auffassung von der Unsterblichkeit als heute. Heute denkt man sich eigentlich die Unsterblichkeit als etwas, was einem jedenfalls zukommt, dessen man gar nicht verlustig gehen kann. In den samothrakischen Mysterien hat man zum Beispiel gelehrt: Es gibt vier Kabiren; drei von diesen töten immer den vierten. — Aber eigentlich meinte man, der Mensch habe physischen Leib, Atherleib, astralischen Leib und Ich. Physischer Leib ist zunächst als physischer Leichnam dem Tode verfallen. Der Ätherleib zerstiebt im Kosmischen, der astralische Leib geht auch in einer gewissen Weise auf, wie ich es dargestellt habe in meiner « Theosophie». Wenn das Ich sein Selbstbewußtsein nicht rettet durch Teilnahme an dem Geistigen, dann töten die drei auch das Ich und ziehen es hinunter in die Sterblichkeit. Man suchte in den Mysterien die Unsterblichkeit des Menschen zu retten. Man stellte sich nicht vor, daß man sich die Unsterblichkeit durch Gebete erwerben könnte; man stellte sich nicht vor, daß man bloß passiv zu der Unsterblichkeit sich verhalten kann und dergleichen, sondern man stellte sich vor, daß diejenigen, die initiiert wurden, durch die besondere Umwandlung ihres Seelenwesens, durch ihre Auferweckung, durch das Aufwachen ihres Ich über die Gefahr hinwegkamen, sich nicht im Geiste zu erfassen und dadurch den Weg ihres sterblichen Leibes gehen zu müssen. Und indem einzelne Eingeweihte diese Kraft hatten, jenseits des sterblichen Leibes noch denken zu können, konnten sie auch, weil Gruppenseelengeist da war, sie den andern Menschen mitteilen. Heute ist nicht mehr Gruppenseelenhaftigkeit. Seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts hat sich das immer mehr und mehr vorbereitet; heute sind wir dazu berufen, die Freiheit als individuelle Menschen auszubilden. Heute sind wir im Grunde genommen auf dem Punkt, wo wir der entgegengesetzten Gefahr gegenüberstehen.

[ 27 ] Während die Menschen bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert vor der Gefahr standen, gewissermaßen sich im geistigen Element nicht erfassen zu können, so daß man sie zum Aufwachen bringen mußte in diesem geistigen Elemente, ist der Mensch heute durch die besondere Ausbildung seines physischen Leibes, durch die besondere Ausbildung der Materie eigentlich so recht ein Denker, und er lebt furchtbar stark in Gedanken. Diejenigen Menschen, die glauben, sie leben in der Wirklichkeit, die leben erst recht in Gedanken. Die Menschen sind heute furchtbare Abstraktlinge, fallen auch auf alles Abstrakte sofort herein, weil sie eine innere Verwandtschaft zum Abstrakten haben. Aber dieses Abstrakte, diese Gedanken, die da ausgeheckt werden, sind nicht nur falsch ausgedeutet, wenn man sagt, sie sind vom Gehirn abhängig; die sind wirklich vom Gehirn abhängig, weil das Gehirn die Vorgänge nachmacht, die der Mensch vor der Geburt oder vor der Konzeption, vor der Empfängnis in der geistigen Welt macht. Das Gehirn ist der Imitator desjenigen, was meine Seele getan hat, bevor sie heruntergestiegen ist. Indem nun dieses Denken, das heute mit einer besonderen Vollkommenheit ausgebildet ist, ein bloßes Gehirndenken ist, hat der Materialismus recht. Es muß immer wieder betont werden: Mit Bezug auf das heute geltende Denken hat der Materialismus recht, denn es ist die bloße Imitation des wahren, lebendigen Denkens. Und daher muß der Mensch dazukommen, die Freiheit zu erfassen im Denken und sich dadurch zu retten, das heißt, er muß dazukommen, nicht bloß sein Gehirn denken zu lassen, sondern so sein Denken zu ergreifen, daß er gewahr wird: er ist ein freies Wesen. Deshalb habe ich den großen Wert gelegt auf das reine Denken, auf das freie Denken, das sich zugleich erfaßt als Wille, so daß man denkt, aber eigentlich will, so daß das Wollen und das Denken ein Substantielles sind, das sich in reiner Freiheit erfaßt, wie ich das in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe. Es soll dem Menschen zeigen: Du bist nur frei, wenn du dasjenige in dir erfassest, dein Unsterbliches, durch das du dich retten kannst, durch das du dich hinüberretten kannst über den Tod der vier Kabiren.

[ 27 ] Während die Menschen bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert vor der Gefahr standen, gewissermaßen sich im geistigen Element nicht erfassen zu können, so daß man sie zum Aufwachen bringen mußte in diesem geistigen Elemente, ist der Mensch heute durch die besondere Ausbildung seines physischen Leibes, durch die besondere Ausbildung der Materie eigentlich so recht ein Denker, und er lebt furchtbar stark in Gedanken. Diejenigen Menschen, die glauben, sie leben in der Wirklichkeit, die leben erst recht in Gedanken. Die Menschen sind heute furchtbare Abstraktlinge, fallen auch auf alles Abstrakte sofort herein, weil sie eine innere Verwandtschaft zum Abstrakten haben. Aber dieses Abstrakte, diese Gedanken, die da ausgeheckt werden, sind nicht nur falsch ausgedeutet, wenn man sagt, sie sind vom Gehirn abhängig; die sind wirklich vom Gehirn abhängig, weil das Gehirn die Vorgänge nachmacht, die der Mensch vor der Geburt oder vor der Konzeption, vor der Empfängnis in der geistigen Welt macht. Das Gehirn ist der Imitator desjenigen, was meine Seele getan hat, bevor sie heruntergestiegen ist. Indem nun dieses Denken, das heute mit einer besonderen Vollkommenheit ausgebildet ist, ein bloßes Gehirndenken ist, hat der Materialismus recht. Es muß immer wieder betont werden: Mit Bezug auf das heute geltende Denken hat der Materialismus recht, denn es ist die bloße Imitation des wahren, lebendigen Denkens. Und daher muß der Mensch dazukommen, die Freiheit zu erfassen im Denken und sich dadurch zu retten, das heißt, er muß dazukommen, nicht bloß sein Gehirn denken zu lassen, sondern so sein Denken zu ergreifen, daß er gewahr wird: er ist ein freies Wesen. Deshalb habe ich den großen Wert gelegt auf das reine Denken, auf das freie Denken, das sich zugleich erfaßt als Wille, so daß man denkt, aber eigentlich will, so daß das Wollen und das Denken ein Substantielles sind, das sich in reiner Freiheit erfaßt, wie ich das in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe. Es soll dem Menschen zeigen: Du bist nur frei, wenn du dasjenige in dir erfassest, dein Unsterbliches, durch das du dich retten kannst, durch das du dich hinüberretten kannst über den Tod der vier Kabiren.

[ 28 ] Allerdings, man betritt da einen Boden, der, ich möchte sagen, aus dünnem Eis besteht, den der moderne Mensch nicht gern betreten will, weil er am liebsten möchte, daß ihm von irgendwelchen äußeren weltlichen Mächten seine Unsterblichkeit auf irgendeine Weise garantiert würde, daß er nicht irgend etwas dazu tun müßte, um in sich das aufzuwecken, was sonst einschlafen könnte, was sonst den Tod mitmachen könnte, indem der menschliche Leib durch den Tod geht. Und indem wir in der modernen Menschheit das Denken immer ähnlicher machen dem physischen Ablauf der Gehirnvorgänge, geht in der Tat diese moderne Menschheit nicht etwa nur der Gefahr entgegen, nichts mehr von der Unsterblichkeit zu verstehen, sondern die moderne Menschheit geht der Gefahr entgegen, die Unsterblichkeit zu verlieren. Das ist ja das größte Ideal des Ahriman, den Menschen in seiner Individualität zu vernichten, ihn nicht mehr individuell sein zu lassen, aber die Kräfte, die er hat, die Denkkraft, hereinzunehmen in die irdischen Kräfte, daß, wenn einmal die Erde ein großer Leichnam sein wird, dieser Leichnam durchwoben sein wird von all den Kräften, die der Mensch durch seine Logik der Erde einverleibt. So daß man eine große Erdenspinne haben würde, in der die etlichen siebzig Elemente vollständig zerpulvert leben würden; aber darinnen wie riesige, ineinander sich verfilzende Spinnen das menschliche Denken, nach dem Muster des bloßen abstrakten Denkens hineinverwoben. Das ist das Ideal, das Ahriman erreichen möchte: den Menschen die Individualitäten zu vernichten, um die Erde umzuformen aus der Kraft des menschlichen Denkens in ein Gewebe von riesigen Gedankenspinnen, aber realen Spinnen. Das ist das ahrimanische Ziel, dem entgangen werden muß dadurch, daß der Mensch nun wirklich erfaßt ist von der Geistsprache: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», indem das wahre Ich lebendig in ihm wird, das unsterbliche Ich, das verstehen kann die Worte: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Diejenige Weisheit kann nicht vergehen, die Realität ist, die jene Realität in sich faßt, durch welche, wenn die Erde ein Leichnam ist, das ganze Wesen des Menschen sich zu neuem Dasein fortpflanzt. Mit dem neuen Jerusalem in der Apokalypse soll von solchem Dasein gesprochen werden. Aber verstanden müssen diese Dinge wiederum werden. Das größte Hindernis solchen Verständnisses ist selbstverständlich alle Einsteinerei und dergleichen, all das, was heute als die große, furchtbare Abstraktionssucht durch die Welt geht, die ganz dazu geeignet ist, die Niedergangskräfte weiterzuentwickeln; während es zum Heile der Menschheit einzig und allein nur sein kann, sich der Aufgangskräfte zu bedienen, der wirklichen Leibes- und Seelen- und geistigen Kräfte. Das ist es, was ich heute zu Ihnen sprechen wollte.

[ 28 ] Allerdings, man betritt da einen Boden, der, ich möchte sagen, aus dünnem Eis besteht, den der moderne Mensch nicht gern betreten will, weil er am liebsten möchte, daß ihm von irgendwelchen äußeren weltlichen Mächten seine Unsterblichkeit auf irgendeine Weise garantiert würde, daß er nicht irgend etwas dazu tun müßte, um in sich das aufzuwecken, was sonst einschlafen könnte, was sonst den Tod mitmachen könnte, indem der menschliche Leib durch den Tod geht. Und indem wir in der modernen Menschheit das Denken immer ähnlicher machen dem physischen Ablauf der Gehirnvorgänge, geht in der Tat diese moderne Menschheit nicht etwa nur der Gefahr entgegen, nichts mehr von der Unsterblichkeit zu verstehen, sondern die moderne Menschheit geht der Gefahr entgegen, die Unsterblichkeit zu verlieren. Das ist ja das größte Ideal des Ahriman, den Menschen in seiner Individualität zu vernichten, ihn nicht mehr individuell sein zu lassen, aber die Kräfte, die er hat, die Denkkraft, hereinzunehmen in die irdischen Kräfte, daß, wenn einmal die Erde ein großer Leichnam sein wird, dieser Leichnam durchwoben sein wird von all den Kräften, die der Mensch durch seine Logik der Erde einverleibt. So daß man eine große Erdenspinne haben würde, in der die etlichen siebzig Elemente vollständig zerpulvert leben würden; aber darinnen wie riesige, ineinander sich verfilzende Spinnen das menschliche Denken, nach dem Muster des bloßen abstrakten Denkens hineinverwoben. Das ist das Ideal, das Ahriman erreichen möchte: den Menschen die Individualitäten zu vernichten, um die Erde umzuformen aus der Kraft des menschlichen Denkens in ein Gewebe von riesigen Gedankenspinnen, aber realen Spinnen. Das ist das ahrimanische Ziel, dem entgangen werden muß dadurch, daß der Mensch nun wirklich erfaßt ist von der Geistsprache: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», indem das wahre Ich lebendig in ihm wird, das unsterbliche Ich, das verstehen kann die Worte: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Diejenige Weisheit kann nicht vergehen, die Realität ist, die jene Realität in sich faßt, durch welche, wenn die Erde ein Leichnam ist, das ganze Wesen des Menschen sich zu neuem Dasein fortpflanzt. Mit dem neuen Jerusalem in der Apokalypse soll von solchem Dasein gesprochen werden. Aber verstanden müssen diese Dinge wiederum werden. Das größte Hindernis solchen Verständnisses ist selbstverständlich alle Einsteinerei und dergleichen, all das, was heute als die große, furchtbare Abstraktionssucht durch die Welt geht, die ganz dazu geeignet ist, die Niedergangskräfte weiterzuentwickeln; während es zum Heile der Menschheit einzig und allein nur sein kann, sich der Aufgangskräfte zu bedienen, der wirklichen Leibes- und Seelen- und geistigen Kräfte. Das ist es, was ich heute zu Ihnen sprechen wollte.