Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in the Course of History
GA 206
12 August 1921, Dornach
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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II, tr. SOL
Zwanzigster Vortrag
Twentieth Lecture
[ 1 ] Es ist nun schon einmal so, daß in die anthroposophische Geisteswissenschaft nicht so ohne weiteres die Methoden des Beobachtens, des Erwägens, des Beurteilens hereingetragen werden können, die sonst heute üblich sind nach den Gewohnheiten des Denkens, welche sich heraufentwickelt haben in den letzten drei bis vier Jahrhunderten. Das, worauf zunächst durch intellektuelle Begriffe hingewiesen wird, das ist eigentlich in der Anthroposophie nur eine Art Richtlinie, um die Lebensbeobachtung, die Weltbeobachtung in diejenige Richtung zu bringen, in der man die Wirklichkeit, die vollständige Wirklichkeit überschauen kann. Daher hat man in den anfänglichen Begriffen der Geisteswissenschaft kaum mehr als eine Art Schema, das einen auf gewisse Beobachtungsmethoden aufmerksam macht. Diese Schemata sind hergenommen von der bis zu einem gewissen Grade fertigen Geisteswissenschaft, so daß derjenige, der sich auf Geisteswissenschaft einläßt, allerdings etwas bekommt, was dem gesunden Menschenverstand zunächst zwar einleuchten kann, was aber vollständig doch erst verstanden werden kann, wenn man das, was Wissenschaft und Leben sonst geben, an diese Schemata heranbringt.
[ 1 ] It is simply the case that the methods of observation, consideration, and judgment that are otherwise common today—based on the habits of thought that have developed over the last three to four centuries—cannot be readily applied to anthroposophical spiritual science. What is initially indicated by intellectual concepts is, in anthroposophy, really only a kind of guideline for directing the observation of life and the world in a direction in which one can grasp reality—complete reality. Therefore, the initial concepts of spiritual science offer little more than a kind of outline that draws one’s attention to certain methods of observation. These schemas are drawn from spiritual science, which is to a certain degree already developed, so that anyone who engages with spiritual science does indeed receive something that may at first seem plausible to common sense, but which can only be fully understood when one brings what science and life otherwise provide into relation with these schemas.
[ 2 ] Ein solches Schema erhält man ja verhältnismäßig früh, wenn man sich darauf einläßt, die anthroposophische Geisteswissenschaft kennenzulernen. Und ein solches Schema ist es, was uns anleitet, den Menschen so zu betrachten, daß wir zugrunde legen dieser Betrachtungsweise physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Ich habe ja in meinem Buche «Theosophie» sogleich versucht, mit diesen vier Gliedern der Menschennatur nicht ein bloßes Schema zu geben, sondern durch die Art, wie das dort dargestellt ist, diese abstrakten vier Begriffe mit einem gewissen konkreten Inhalt auszufüllen. So daß man bis zu einem gewissen Grade — mehr kann ja niemals getan werden — einsieht, wie berechtigt es ist, den Menschen nach diesen vier Einteilungsgliedern zu betrachten.
[ 2 ] One gains such a framework relatively early on when one begins to explore anthroposophical spiritual science. And it is this framework that guides us to view the human being in such a way that we take the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I” as the basis for this perspective. In my book Theosophy, I immediately sought not merely to present these four aspects of human nature as a mere schema, but—through the way they are presented there—to imbue these four abstract concepts with a certain concrete content. So that one can see, to a certain extent—more can never be done—how justified it is to view human beings according to these four components.
[ 3 ] Aber recht gegenständlich lebendig werden einem diese Dinge dann, wenn man eingeht auf das, was sich im Menschenleben, was sich in den Beziehungen des Menschen zur Welt, was sich in der Welt überhaupt offenbart und was dann die zunächst schematisch hingepfahlten Begriffe mit einem ganz bestimmten Inhalte erfüllt. Nach einem gewissen Gesichtspunkte wollen wir das auch heute wiederum versuchen.
[ 3 ] But these things truly come to life in a concrete way when one delves into what is revealed in human life, in human relationships with the world, and in the world itself—and when this then fills the concepts, which were initially outlined in a schematic way, with very specific content. From a certain perspective, let us try to do that again today.
[ 4 ] Wir wollen zunächst einmal beginnen bei dem, was wir unser Ich nennen, insofern wir dieses Ich bewußt erleben, was dieses unser Ich eigentlich darstellt. Sie wissen ja, dieses Ich als Bewußtsein ist im Verlaufe des Lebens unterbrochen durch alle die Zustände, die da verlaufen zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Mit Ausnahme des Träumens, und eigentlich bis zu einem gewissen Grade auch im Träumen ist dieses Ich-Bewußtsein für die Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen dahin. Wir können sagen: Dieses Ich-Bewußtsein entzündet sich immer im Augenblicke des Aufwachens — wobei natürlich Entzünden nur ein bildhaft gebrauchter Ausdruck ist — und es dämpft sich ab im Momente des Einschlafens.
[ 4 ] Let us begin, first of all, with what we call our “I”—insofar as we consciously experience this “I”—and consider what this “I” of ours actually represents. As you know, this “I” as consciousness is interrupted throughout the course of life by all the states that occur between falling asleep and waking up. With the exception of dreaming—and, in fact, to a certain extent even during dreaming—this sense of self is absent during the time between falling asleep and waking up. We can say: This sense of self always “ignites” at the moment of waking up—though “ignites” is, of course, merely a figurative expression—and it “fades” at the moment of falling asleep.
[ 5 ] Wenn wir uns Beobachtungsvermögen für solche Dinge aneignen, dann merken wir, daß dieses Ich-Bewußtsein im engsten Sinne gebunden ist an den ganzen Umfang der Sinneswahrnehmungen, aber eigentlich nur an diesen. Sie brauchen nur einmal eine Art Seelenexperiment auszuführen, das darinnen besteht, im Wachzustand zu versuchen, allen Sinnesinhalt zu tilgen, gewissermaßen von allem Sinnesinhalt abzusehen. Wir kommen später noch einmal von einem andern Gesichtspunkte auf die Sache zurück. Aber Sie werden schon bemerken, wenn Sie versuchen, von allem Sinnesinhalt abzusehen, daß in den weitaus meisten Fällen und bei den weitaus meisten Menschen eine gewisse Tendenz vorhanden ist, dann in eine Art Schlafzustand zu versinken; das heißt aber eben, das Ich abdämpfen. Man kann schon bemerken, daß das Ich-Bewußtsein, so wie es im Tagwachen waltet, wesentlich geknüpft ist an die Anwesenheit von Sinnesinhalt. So daß wir sagen können: Wir erleben zu gleicher Zeit mit dem Sinnesinhalt unser Ich. Wir erleben eigentlich für das alltägliche Bewußtsein nicht anders unser Ich als mit dem Sinnesinhalt. So weit der Sinnesinhalt reicht, ist Ich-Bewußtsein vorhanden, und so weit — wenigstens eben für das gewöhnliche Leben — Ich-Bewußtsein vorhanden ist, so weit reicht der Sinnesinhalt. Es ist durchaus zunächst gerechtfertigt, wenn man vom Standpunkte dieses alltäglichen Bewußtseins ausgeht, das Ich nicht zu trennen von dem Sinnesinhalt, sondern sich zu sagen: Indem Rot, indem dieser oder jener Ton, indem diese oder jene Wärmeempfindung, Tastempfindung, diese oder jene Geschmacks-, Geruchsempfindung vorhanden ist, ist auch das Ich vorhanden, und insofern diese Empfindungen nicht vorhanden sind, ist auch das Ich, wie es im gewöhnlichen Wachzustand erlebt wird, nicht vorhanden.
[ 5 ] If we develop the ability to observe such things, we realize that this sense of self is, in the strictest sense, bound to the entire scope of sensory perceptions—and, in fact, to nothing else. You need only conduct a kind of mental experiment once, which consists of trying, while awake, to erase all sensory content—to, so to speak, disregard all sensory content. We will return to this matter later from a different perspective. But you will already notice, when you try to set aside all sensory content, that in the vast majority of cases and for the vast majority of people, there is a certain tendency to then sink into a kind of sleep-like state; but that precisely means dampening the “I.” One can already observe that ego-consciousness, as it prevails during waking hours, is essentially linked to the presence of sensory content. So that we can say: We experience our ego at the same time as we experience sensory content. In fact, in everyday consciousness, we do not experience our ego any differently than in conjunction with sensory content. As far as sensory content extends, self-consciousness is present, and as far as—at least in ordinary life—self-consciousness is present, so far does sensory content extend. It is certainly justified, at first, when proceeding from the standpoint of this everyday consciousness, not to separate the self from sensory content, but to say to oneself: Insofar as red, this or that sound, this or that sensation of warmth, tactile sensation, or this or that sensation of taste or smell is present, the “I” is also present; and insofar as these sensations are not present, the “I,” as experienced in the ordinary waking state, is also not present.
[ 6 ] Ich habe das öfter als einen Befund der Seelenbeobachtung hingestellt. Insbesondere deutlich habe ich es einmal hingestellt in einem Vortrage, den ich gehalten habe beim Philosophenkongreß in Bologna 1911, wo ich versuchte zu zeigen, wie eigentlich das, was als Ich erlebt wird, nicht abgetrennt werden sollte von dem ganzen Umfang der Sinneserlebnisse. Wir müssen daher sagen: Das Ich ist im wesentlichen zunächst gebunden — ich rede immer vom Erleben — an die Sinneswahrnehmungen. Nicht wahr, wir betrachten jetzt nicht das Ich als Realität; wir wollen im Gegenteil erst im Verlauf dieser drei Vorträge, heute, morgen und übermorgen, auf das Ich als Realität hinweisen. Wir wollen jetzt zunächst allein auf das eingehen, was wir im Bereiche unseres Lebens das Ich-Erlebnis nennen.
[ 6 ] I have often presented this as a finding based on the observation of the soul. I made this particularly clear once in a lecture I gave at the Philosophers’ Congress in Bologna in 1911, where I attempted to show how what is experienced as the “I” should not, in fact, be separated from the entire scope of sensory experiences. We must therefore say: The “I” is, in essence, initially bound—I am always speaking of experience—to sensory perceptions. After all, we are not now considering the “I” as a reality; on the contrary, it is only in the course of these three lectures—today, tomorrow, and the day after tomorrow—that we intend to point to the “I” as a reality. For now, we want to focus solely on what we call the “I-experience” in the realm of our lives.
[ 7 ] Sie wissen, wie schwierig es wird, in abstrakten Vorstellungen zu leben, in Vorstellungen, die nicht getränkt sind von dem Inhalte der Sinneserlebnisse. Das geht so weit, daß es viele Philosophen gibt, die überhaupt behaupten, daß ein solches sinnlichkeitsfreies Denken, ein Vorstellen, ohne daß zugleich anwesend wären irgendwelche Sinneswahrnehmungen, wenn es auch nur von innen heraus reflektierte Sinneswahrnehmungen sind, gar nicht mögich sei. Nun aber, bei wirklicher Seelenbeobachtung wird es ja bald klar, daß allerdings das innere Erleben sich nicht in den Sinneswahrnehmungen erschöpft, daß wir eben einfach vordringen von den Sinneswahrnehmungen zu dem, was wir Vorstellungen nennen. Das reine Bild des Vorstellens bekommen wir ja allerdings nur dann, wenn wir klar darauf sehen, was da wird aus einem Komplex von Sinneswahrnehmungen, von denen wir uns abgewendet haben und die wir hinterher doch noch vorstellen, allerdings jetzt mit Zuhilfenahme derselben Kräfte, die uns sonst bei der Erinnerung dienen. Nicht darf natürlich behauptet werden, daß nicht der Inhalt der Sinneswahrnehmungen in diese Vorstellungen hineingeht. Aber die Aktivität, die zu beobachten ist im menschlichen Seelenleben, ist eine andere, wenn wir im Zusammenhange mit der Außenwelt eine Sinneswahrnehmung erleben, oder wenn wir diese Sinneswahrnehmung bloß vorstellen.
[ 7 ] You know how difficult it becomes to live in abstract ideas—ideas that are not imbued with the content of sensory experiences. This goes so far that there are many philosophers who claim outright that such senseless thinking—imagining without any sensory perceptions being present at the same time, even if they are merely sensory perceptions reflected from within—is not possible at all. However, upon genuine self-observation, it soon becomes clear that inner experience is by no means limited to sensory perceptions; rather, we simply move beyond sensory perceptions to what we call ideas. We do, however, obtain the pure image of imagination only when we clearly observe what emerges from a complex of sensory perceptions from which we have turned away and which we subsequently still imagine—albeit now with the aid of the very same powers that otherwise serve us in memory. Of course, it cannot be claimed that the content of sensory perceptions does not enter into these mental images. But the activity observable in human mental life is different when we experience a sensory perception in connection with the external world, and when we merely imagine that sensory perception.
[ 8 ] Aber dieses Vorstellungsleben, es führt uns in hohem Grade ab von dem, was gerade das Wesentliche unseres Ich-Erlebnisses im Sinneswahrnehmen ist. Wir können nicht sagen, daß wir in demselben Sinne ein starkes Ich-Bewußtsein haben, wenn wir bloß vorstellen; im Gegenteil, es spielt beim bloßen Vorstellen immerfort das herein, daß dieses Ich-Erlebnis sich verdunkeln will, was eben in dem Übergang in einen träumerischen Zustand oder sogar in eine Art schlaftrunkenen Zustand beim bloßen Vorstellen sich äußert. Wir tauchen tiefer in unser Inneres hinein, wenn wir bloß vorstellen, als wenn wir im Zusammenhange mit der Außenwelt in der Sinneswahrnehmung leben. Es muß da verwiesen werden auf die Selbstbeobachtung jedes einzelnen. Man wird bemerken können, wie die Tendenz vorliegt, das Ich abzudämpfen, wenn die Sinneswahrnehmung abgedämpft ist. Wir dringen dann eben vor, wenn wir an das Sinneserlebnis die Vorstellung anknüpfen, von unserem Ich in unseren astralischen Leib hinein.
[ 8 ] But this life of imagination leads us far away from what is, in fact, the very essence of our sense of self in sensory perception. We cannot say that we have a strong sense of self in the same sense when we are merely imagining; on the contrary, in mere imagination, there is always a tendency for this sense of self to fade, which manifests itself precisely in the transition to a dreamlike state or even a kind of sleep-dazed state during mere imagination. We delve deeper into our inner self when we are merely imagining than when we are engaged in sensory perception in connection with the external world. Here, one must refer to each individual’s self-observation. One will be able to notice how there is a tendency to dampen the “I” when sensory perception is dampened. We then penetrate precisely when we link the sensory experience to the idea of our “I” entering our astral body.
[ 9 ] So daß wir sagen können: Ebenso wie das Leben in der Sinneswahrnehmung zusammengehört mit dem Ich-Erlebnis, so gehört das Vorstellungserleben zusammen mit dem astralischen Leibe. Vor allen Dingen drückt sich dieses Abdämpfen des Ich dadurch aus — und das ist eigentlich das Bedeutsamste, an das man anknüpfen muß, wenn man einsehen will, was ich eigentlich jetzt ausführe —, daß wir, indem wir beim Sinneswahrnehmen bleiben, etwas ganz Individuelles haben. Der Komplex von Sinneswahrnehmungen, den wir gerade vor uns haben, ihn kann kein zweiter genau so vor sich haben. Er ist eben etwas ganz Individuelles, und an diesem ganz Individuellen haben wir zugleich unser Ich-Erlebnis. Insofern wir aufsteigen zum Vorstellungserleben, haben wir ja zugleich die Macht, zu etwas Allgemeinerem zu kommen, zum Beispiel Abstraktionen zu bilden, die dann in derselben Gestalt sich mitteilen lassen an andere, für die andere das gleiche Verständnis haben wie wir. Für das, was wir individuell während unseres ganzen Lebens an Sinneswahrnehmungen haben, können wir sogar nur selbst Verständnis haben; für das aber, was wir daran an Vorstellungen anknüpfen, ergibt sich uns eine solche Gestalt, daß sie allgemeiner gilt, daß sie gewissermaßen einer größeren Anzahl von Menschen mitgeteilt werden kann.
[ 9 ] So we can say: Just as life in sensory perception is connected to the experience of the “I,” so too is the experience of imagination connected to the astral body. Above all, this dampening of the “I” is expressed—and this is actually the most important point to bear in mind if one wants to understand what I am actually explaining now—in the fact that, by remaining within sensory perception, we have something entirely individual. The complex of sensory perceptions that we have before us at this very moment—no one else can have it exactly the same way. It is, in fact, something entirely individual, and in this very individuality we simultaneously have our sense of self. To the extent that we ascend to the experience of representation, we simultaneously have the power to arrive at something more general—for example, to form abstractions—which can then be communicated in the same form to others who share our understanding. As for the sensory perceptions we individually experience throughout our entire lives, we can in fact only understand them ourselves; but as for the ideas we associate with them, they take on a form that is more general in nature, such that they can, so to speak, be communicated to a larger number of people.
[ 10 ] Das bezeugt aber schon, daß das Ich sich abdämpft, indem wir von dem Sinneserleben zu dem Vorstellungserleben aufrücken. Doch wir gehen zu gleicher Zeit tiefer in uns hinein; das ist ja auch ein unmittelbares Erlebnis. Nun, indem sich aber die Vorstellungen, oder besser gesagt das, was sich zu ihrer Entstehung in uns abspielt und was wir zunächst für heute unbestimmt lassen wollen, indem sich das fortentwickelt, werden aus den Vorstellungen Erinnerungen. Vorstellungen verschwinden eigentlich zunächst aus unserem Bewußtsein. Aus irgendwelchen Untergründen herauf — wir wollen sie heute unbestimmt sein lassen — ergeben sich Tatsachen, in deren Folge wir dieselben Vorstellungen hervorrufen können.
[ 10 ] This already attests to the fact that the “I” becomes subdued as we move from sensory experience to the experience of ideas. Yet at the same time, we delve deeper into ourselves; this, too, is a direct experience. Now, as the ideas—or rather, what takes place within us in their formation, which we shall leave undefined for the time being—as this continues to develop, the ideas become memories. Ideas actually disappear from our consciousness at first. From some underlying depths—which we will leave undefined for now—facts emerge, as a result of which we can evoke the same ideas.
[ 11 ] Das ist einzig und allein das, was wir behaupten können. Nicht wahr, man kann, wenn man beim Tatbestand bleibt, nicht mit denjenigen Psychologen gehen, die etwa sagen: Die Vorstellungen gehen dann ins Unterbewußtsein hinunter, da gehen sie spazieren, ohne daß das Bewußtsein etwas davon weiß, und wenn man sich erinnert, dann spazieren sie wiederum herauf. — Das ist ja nicht der Tatbestand. Nichts spricht zunächst dafür, daß eine Vorstellung, die ich mir vor drei Jahren gebildet habe, fortexistiert hat bis zum heutigen Tage und irgendwo spazierengegangen ist in den Untergründen der Seele, dann heute wiederum, wenn ich mich erinnere, heraufkommt. Sondern das einzige, was gesagt werden darf, wenn man genau sprechen will, ist dieses: Damals habe ich mir die Vorstellungen gebildet; diejenigen Fähigkeiten, die sich angeschlossen haben an dieses Vorstellungsbilden, diese Fähigkeiten sind in ihrem weiteren Verlauf dazu geeignet, daß heute diese Vorstellung wiederum bewußt in mir hervortreten kann. Das ist einzig und allein der Tatbestand. Und würde man überall geneigt sein, die genauen Tatbestände anzufassen, so würde es ganz gewiß viel weniger Theorien und Hypothesen in der Welt geben, als es gibt. Denn gerade mit Bezug auf das, was ich jetzt hier ausführe, glauben ja die meisten Menschen, daß das, was sie einmal als Vorstellung sich gebildet haben, irgendwo im Unbestimmten herumlebt und dann wiederum heraufspaziert.
[ 11 ] That is the only thing we can claim. Isn’t that right? If we stick to the facts, we can’t agree with those psychologists who say, for example: These ideas then descend into the subconscious, where they wander around without the conscious mind knowing anything about it, and when one remembers them, they wander back up again. — That’s not what actually happens. There’s nothing to suggest, at first glance, that an idea I formed three years ago has continued to exist to this day, wandering somewhere in the depths of the soul, only to resurface today when I recall it. Rather, the only thing that can be said, if one wishes to speak precisely, is this: At that time, I formed those ideas; the faculties associated with this process of idea-formation are, in their subsequent development, such that today this idea can once again emerge consciously within me. That is the sole fact of the matter. And if people were inclined everywhere to grasp the precise facts, there would certainly be far fewer theories and hypotheses in the world than there are. For precisely with regard to what I am now explaining here, most people believe that what they once formed as a concept lives on somewhere in the vague and then resurfaces.
[ 12 ] Aber wir wissen auch, daß die Vorstellung, die man in Anknüpfung an ein Sinneserlebnis bildet, eben vorübergehend ist, und daß, wenn das auch bisweilen sich kaschiert, doch eine innere Kraft entfaltet werden muß, die erlebt werden kann, wenn ein vergangenes Erlebnis in der Erinnerung wiederum Vorstellung wird. Es sitzt eben dasjenige tiefer in uns, was da die Veranlassung zu Erinnerungsvorstellungen wird, als die gewöhnliche an eine Sinnesempfindung angeknüpfte Vorstellung. Sie ist in unserer Organisation begründete Erinnerungsvorstellung. Sie hängt ja auch mit demjenigen zusammen, was wir als zeitliches Wesen sind. Wir wissen, daß Vorstellungen in verschiedener Weise erinnerbar sind, je nachdem sie mehr oder weniger weit in der Zeit zurückliegen. Wenn wir alle die Tatsachen, die da in Betracht kommen, zusammenfassen, so müssen wir uns sagen: Jedenfalls ist das, was in einer an eine Sinneswahrnehmung angeknüpften Vorstellung gelebt hat, in den Zeitenstrom eingezogen, in dem wir selbst leben. Gewisse Empfindungen, die wir durchaus haben, während eine Erinnerung herauftaucht, sagen uns, wie eigentlich mit unserer ganzen Organisation zusammenhängt das Erinnern. Wir wissen ja auch, wie in den verschiedenen Lebensaltern, also in der Zeitenfolge unseres Lebens zwischen Geburt und Tod, die Kraft des Erinnerns eine größere oder geringere ist.
[ 12 ] But we also know that the mental image formed in connection with a sensory experience is, in fact, fleeting, and that—even if this is sometimes concealed—an inner force must be unleashed, one that can be experienced when a past experience becomes a mental image again in memory. That which serves as the basis for memories lies deeper within us than the ordinary mental image linked to a sensory perception. It is a memory rooted in our very constitution. It is, after all, connected to our nature as temporal beings. We know that mental images can be recalled in various ways, depending on how far back in time they lie. If we summarize all the relevant facts, we must conclude: In any case, what was once experienced in a mental image linked to a sensory perception has been drawn into the stream of time in which we ourselves live. Certain sensations that we definitely experience while a memory surfaces tell us how closely remembering is actually connected to our entire organism. We also know how, at different stages of life—that is, in the sequence of time in our lives between birth and death—the power of memory is greater or lesser.
[ 13 ] Wenn wir alle diese Tatsachen verfolgen, dann werden wir uns sagen können, daß, ebenso wie die Kraft des Vorstellens in dem astralischen Leibe, die Kraft des Erinnerns in dem Ätherleibe liegt. So daß wir etwa, wenn wir das Erinnern in dem Worte Gedächtnis zusammenfassen, sagen können: Das Gedächtnis ist ebenso mit dem Ätherleib eins, wie das Vorstellungsleben mit dem Astralleib, das Sinneswahrnehmen mit dem Ich eins ist. Jedenfalls wird das, was dem Vorstellen zugrunde liegt, in den Zeitverlauf unseres Daseins aufgenommen. Geradeso wie unser Wachstum, unsere Fortentwickelung zwischen Geburt und Tod in einem gewissen Zeitenstrome drinnen ist, so ist das, was als Erinnerung sich da erlebt, das, was als Gedächtnis sich darlebt, in diesem selben Strom drinnen und wir fühlen dieZusammengehörigkeit. Nun tritt allerdings dann etwas zu denjenigen Dingen hinzu, die ich bis jetzt besprochen habe, und die schon bei einiger subtiler Aufmerksamkeit in treuer Selbstbeobachtung von jedem gefunden werden können. Daß das Ich mit dem Sinneswahrnehmen zusammenhängt, das ist eine ganz offenkundige Tatsache, und derjenige, der sie nicht zugibt, der will eben einfach eine ganz offenkundige Tatsache nicht beobachten. Daß das Vorstellungserleben mit dem astralischen Leibe zusammenhängt, das ist etwas, worauf man auch noch durchaus mit dem gewöhnlichen Beobachten kommen kann. Ein feineres Beobachten gehört allerdings schon dazu, wenn man gewissermaßen die Zusammengehörigkeit von Ätherleib und Gedächtnis prüfen will. Aber man kann auch da noch sogar, ich möchte sagen, naturwissenschaftlich zurechtkommen, namentlich wenn man pathologische Fälle, Gedächtnisstörungen und dergleichen beobachtet und sieht, wie sie zusammenhängen mit Wachstums-, mit Ernährungsstörungen namentlich. Und die Ernährungskräfte müssen wir ja durchaus in derselben Richtung liegend betrachten wie die Wachstumskräfte oder wie die Reproduktionskräfte. Man kann schon durchaus eine Beobachtungsreihe zusammenstellen, die dieses Gebundensein des Gedächtnisses an den Ätherleib noch ins Auge fassen läßt.
[ 13 ] If we consider all these facts, we will be able to say that, just as the power of imagination resides in the astral body, the power of memory resides in the etheric body. So that, for example, when we summarize the act of remembering in the word “memory,” we can say: Memory is just as one with the etheric body as the life of imagination is with the astral body, and sensory perception is with the “I.” In any case, what underlies the act of imagining is incorporated into the flow of time throughout our existence. Just as our growth and our ongoing development between birth and death are part of a certain flow of time, so too is what we experience as recollection—what lives on as memory—part of this same flow, and we sense this interconnectedness. Now, however, something is added to the things I have discussed so far—things that anyone can discover through faithful self-observation with even a modicum of subtle attention. That the “I” is connected to sensory perception is a completely obvious fact, and anyone who does not acknowledge this simply refuses to observe a completely obvious fact. That the experience of imagination is connected to the astral body is something one can certainly arrive at even through ordinary observation. A more subtle form of observation is, however, required if one wishes, so to speak, to examine the connection between the etheric body and memory. But even here, one can—I would say—rely on scientific methods, particularly when observing pathological cases, memory disorders, and the like, and seeing how they are connected specifically to growth and nutritional disorders. And we must certainly regard the forces of nutrition as lying in the same direction as the forces of growth or the forces of reproduction. It is certainly possible to compile a series of observations that allows us to grasp this connection between memory and the etheric body.
[ 14 ] Dagegen ergibt sich das, was ich jetzt hinzuzufügen habe, allerdings erstder imaginativen Beobachtung, und es kann, ich möchte sagen, höchstens noch geahnt werden von der gewöhnlichen Beobachtung. Aber wenn es durch imaginative Beobachtung gefunden ist, so ergibt der ganze Zusammenhang, in den man diese Dinge hineinstellen kann, für den gesunden Menschenverstand durchaus die Richtigkeit der Sache. Wir dringen gewissermaßen von außen gehend nach innen immer weiter in unser eigenes Wesen hinein, wenn wir ausgehen von Sinneswahrnehmung und Ich, Vorstellungserleben und Astralleib, Erinnerungserleben und Ätherleib, und dann in den physischen Leib hinuntertauchen.
[ 14 ] On the other hand, what I now have to add, however, only becomes apparent through imaginative observation, and—I would say—can at most be intuited by ordinary observation. But once it has been discovered through imaginative observation, the entire context in which these things can be placed makes their truth perfectly clear to common sense. We penetrate, as it were, from the outside in, ever deeper into our own being, starting with sensory perception and the “I,” the experience of imagination and the astral body, the experience of memory and the etheric body, and then diving down into the physical body.
[ 15 ] Im physischen Leibe, da haben wir es allerdings zu tun mit etwas, was noch mit der Erinnerung zusammenhängt, aber doch nicht so wie der Atherleib. Man kann zu Hilfe nehmen, um das besser einzusehen, was der imaginativen Beobachtung vorliegt und was ich gleich charakterisieren will, man kann zu Hilfe nehmen das Ergebnis, das ja bei manchen krankhaften Störungen vorliegt. Es erhält dann der Mensch in seinen physischen Leib hinein gewisse Neigungen, ich möchte sagen, Tendenzen; sie brauchen nicht so weit zu gehen, daß unwillkürliche Bewegungen, Zuckungen entstehen, sie könnten natürlich so weit gehen, daß es bis zum Tode kommt, aber das gehört eigentlich schon auf ein anderes Feld. Wenn unwillkürliche Bewegungen eintreten, ich möchte sagen, unschuldigerer Art, dann kann derjenige, der überhaupt eingehen will auf solche Sachen, schon sehen, daß in einer gewissen Kategorie von unwillkürlichen Bewegungen Nachwirkungen liegen von Erlebnissen. Wenn jemand die Neigung zeigt, mit seinen Fingern dieses oder jenes gewohnheitsmäßig, aber unwillkürlich auszuführen, so kann man immer hinweisen, wenn man nur genügend Untersuchungsunterlagen hat, wie dieser oder jener Erlebniskomplex gerade zu diesen Dingen führt. Es dürfen nicht über einen gewissen Grad der Unwillkürlichkeit hinausgehende Bewegungen sein, sondern, ich möchte sagen, halb unwillkürliche Bewegungen.
[ 15 ] In the physical body, however, we are dealing with something that is still connected to memory, but not in the same way as the etheric body. To better understand this—what is revealed to imaginative observation and what I am about to characterize—one can draw on the findings that are evident in certain pathological disorders. The person then develops certain inclinations—I would say tendencies—within their physical body; these need not go so far as to produce involuntary movements or twitches, though they could, of course, go so far as to result in death—but that actually belongs to a different field. When involuntary movements occur—I would say of a more innocent nature—then anyone who is willing to delve into such matters at all can already see that within a certain category of involuntary movements there are aftereffects of experiences. If someone shows a tendency to perform this or that action with their fingers habitually but involuntarily, one can always point out—provided one has sufficient research data—how this or that complex of experiences leads precisely to these actions. These movements must not exceed a certain degree of involuntariness; rather, I would say, they are semi-involuntary movements.
[ 16 ] Sehen Sie, da ist es so, daß dasjenige, was erlebt worden ist, zu stark sich im physischen Leibe abdrückt; es darf sich noch abdrücken im ätherischen Leibe, aber nicht zu stark im physischen Leibe. Wenn es sich zu stark im physischen Leibe abdrückt, dann kommt dieser physische Leib unter den Einfluß der Erinnerungen. Das darf er nicht. Die imaginative Beobachtung zeigt uns, daß, was im Gedächtnis wirkt, im Ätherleib noch Bewegung ist, im Ätherleib gewissermaßen noch Bewegungsentwickelung ist. Im physischen Leibe staut es sich. Es darf nicht den physischen Leib völlig durchdringen; es muß vom physischen Leib zurückgestoßen werden.
[ 16 ] You see, the problem is that what has been experienced leaves too strong an imprint on the physical body; it may still leave an imprint on the etheric body, but not too strongly on the physical body. If it leaves too strong an imprint on the physical body, then this physical body comes under the influence of memories. It must not. Imaginative observation shows us that what is at work in memory is still movement in the etheric body—in a sense, it is still a developing movement within the etheric body. In the physical body, it becomes blocked. It must not completely permeate the physical body; it must be repelled by the physical body.
[ 17 ] Wenn ich ein Schema aufzeichnen wollte, so würde es so sein: Nehmen wir einmal an, wir haben hier den physischen Leib (siehe Zeichnung, rot), wir haben hier den Ätherleib (orange), wir haben hier den astralischen Leib (grün),und wir haben endlich hier das Ich (weiß). Jetzt wirkt ein Sinneserlebnis. Dieses Sinneserlebnis wird zunächst aufgenommen in das Ich. Es wird die Vorstellung daran geknüpft, indem es sich einlebt in den astralischen Leib; es wirkt die Kraft, die dann die Erinnerung möglich macht, indem es sich einlebt als Bewegung in den Atherleib. Nun muß es sich aber stauen. Es darf nicht weitergehen, es darf nicht den physischen Leib ganz durchdringen, sondern muß sich hier stauen. Im physischen Leib entsteht nämlich, natürlich zunächst ganz unbewußt, von dem, was in der Erinnerung lebt, ein Bild. Das Bild ist gar nicht ähnlich dem, was das Erlebnis war, es ist eine Metamorphose; aber es entsteht ein Bild. So daß gesagt werden muß: Ebenso wie mit dem Atherleib das Gedächtnis verbunden ist, so ist mit dem physischen Leib ein wirkliches inneres Bild verbunden. — Wir haben immer im physischen Leib, wenn sich solch eine Bewegung staut, die vom Ätherleib ausgeht, eine Imprägnierung, ein Bild; dieses Bild kann natürlich erst erreicht werden mit imaginativem Vorstellen. Da sieht man, wie in der Tat der physische Leib der Träger wird von all diesen Bildern. Sie können sagen: Aber ich kann ja unmöglich zum Beispiel in meinem physischen Leibe das Bild eines Kirchturms haben! — Ich will Ihnen zunächst eine Vorstellung davon geben, wie Sie doch in Ihrem physischen Leib das Bild eines Kirchturms haben können, indem ich Ihnen die Sache bildhaft nahe bringe.
[ 17 ] If I were to draw a diagram, it would look like this: Let’s assume we have the physical body here (see diagram, red), the etheric body here (orange), the astral body here (green), and finally the “I” here (white). Now a sensory experience occurs. This sensory experience is first taken up by the “I.” A mental image is formed of it as it becomes embedded in the astral body; the force that then makes memory possible takes effect as it becomes embedded as a movement in the etheric body. But now it must be held back. It must not proceed further; it must not penetrate the physical body entirely, but must be held back here. For within the physical body—naturally, at first entirely unconsciously—an image arises from what lives in memory. The image bears no resemblance to the experience itself; it is a metamorphosis; yet an image does arise. So it must be said: Just as memory is connected to the etheric body, so a real inner image is connected to the physical body. — Whenever such a movement originating from the etheric body becomes blocked in the physical body, we always have an imprint, an image; this image, of course, can only be accessed through imaginative visualization. There you see how, in fact, the physical body becomes the bearer of all these images. You may say: “But I can’t possibly have, for example, the image of a church tower in my physical body!” — I will first give you an idea of how you can indeed have the image of a church tower in your physical body by illustrating the matter to you in a vivid way.
[ 18 ] Nehmen Sie an, Sie haben meinetwillen vor sich ein Gesicht, und dieses Gesicht, das lassen Sie sich abspiegeln in irgendeinem Spiegel, der das Gesicht ganz entstellt (es wird gezeichnet). Nehmen wir an, da entsteht etwas Furchtbares drinnen, etwas Schreckliches. Nun meine ich nicht, daß von dem äußeren Erlebnis, sagen wir eines Kirchturmes, so etwas Schreckliches als Imprägnierung im physischen Leibe entsteht, aber jedenfalls muß natürlich etwas Unähnliches entstehen. Nun denken Sie einmal, wenn Sie hier von dieser schönen Stirn so ein Ungetüm bekommen, so ist das hervorgerufen durch die Krümmung des Spiegels. Wenn nun hier die Möglichkeit besteht, mit dieser Krümmung des Spiegels zu rechnen, so können Sie — wenn Sie auch gar nicht jetzt dieses Gesicht vor sich haben — aus der Karikatur in Verbindung mit der Krümmung des Spiegels sich das Gesicht rekonstruieren. Sie können also, wenn Sie die Natur des karikierenden Spiegels verstehen, durch den Sie die Karikatur bekommen, sich das schöne Gesicht rekonstruieren. So muß auch gar nicht im Inneren des Menschen irgend etwas einem Kirchturm oder einem Drama Ähnliches vorhanden sein, das man erlebt hat oder dergleichen, sondern was da entsteht in Verbindung mit der Natur des ganzen Menschen, macht natürlich dann möglich, die Sache in derselben Weise zu rekonstruieren.
[ 18 ] Suppose, for my sake, that you have a face in front of you, and you let that face be reflected in some mirror that completely distorts it (it is drawn). Let’s assume that something dreadful arises within you, something terrifying. Now, I don’t mean that from an external experience—say, a church tower—something so terrifying is imprinted on the physical body, but in any case, something dissimilar must naturally arise. Now think about this: if you see such a monstrosity emerging from this beautiful forehead, it is caused by the curvature of the mirror. If you can take this curvature of the mirror into account, then—even if you don’t actually have that face in front of you right now—you can reconstruct the face from the caricature in conjunction with the mirror’s curvature. So if you understand the nature of the caricaturing mirror through which you see the caricature, you can reconstruct the beautiful face. Thus, there need not be anything inside a person that resembles a church tower or a drama—something they have experienced or the like—but what arises in connection with the nature of the whole person naturally makes it possible to reconstruct the matter in the same way.
[ 19 ] Also davon kann kein Einwand hergenommen werden, daß ja natürlich, weil die Welt groß ist und anders gestaltet als das Menscheninnere, im Menscheninneren nicht eben das Bild da sein kann. Das Bild ist da, und Bild ist gewissermaßen im Menschen das letzte, wobei das äußere Erlebnis ankommt. Das andere, Vorstellen, Erinnern, sind Durchgangsmomente. Es darf nicht, was wir an der Außenwelt erleben, einfach durch uns durchgehen. Wir müssen ein Isolator sein; wir müssen es zurückhalten, und das tut zuletzt unser physischer Leib. Unser astralischer Leib verändert es, macht es blaß in der Vorstellung; unser Ätherleib nimmt ihm allen Inhalt und enthält nur die Möglichkeit, es wiederum hervorzurufen. Aber das, was in uns eigentlich bewirkt wird, das drückt sich bildhaft in uns ein. Mit dem leben wir weiter. Aber wir dürfen es nicht durch uns durchlassen. Nehmen wir an, wir würden die Vorstellung gleich durchlassen, so würde sie nicht gewissermaßen elastisch zurückgeworfen durch den Ätherleib; sie würde durch den Atherleib durchgehen, durch den physischen Leib durchgehen, wir würden in der Welt immer so herumzappeln, wie die Ereignisse uns das gebieten. Bei Komplizierterem läßt sich das gar nicht gut beschreiben, aber wenn ich zum Beispiel sehen würde, wie ein Mensch von rechts nach links sich bewegt, so würde ich gleich von links nach rechts tanzen, gleich alles nachmachen wollen, was ich sehe. Ich würde in mir, in meiner Gestalt alles dasjenige nachahmen wollen, was ich äußerlich erlebe. Es ist eben dieses angekommen zuerst im astralischen Leib, der gewissermaßen schon lähmend wirkt, dann in dem elastisch zurückwerfenden Ätherleib, dann namentlich in dem die ganze Sache stauenden physischen Leibe. In diesem ist eine Isolierung desjenigen da, was ich von außen wahrnehme. Und auf diese Weise wirkt das in mir, was ich an der Außenwelt erlebe.
[ 19 ] So no objection can be raised on the grounds that, naturally, because the world is large and structured differently from the human interior, the image cannot simply be present within the human interior. The image is there, and in a sense, the image is the final stage in a person through which external experience passes. The other processes—imagination and memory—are transitional moments. What we experience in the external world must not simply pass through us. We must act as an insulator; we must hold it back, and ultimately it is our physical body that does this. Our astral body transforms it, making it pale in our imagination; our etheric body strips it of all content and retains only the possibility of evoking it again. But what is actually brought about within us is imprinted upon us as an image. We continue to live with that. But we must not let it pass right through us. Suppose we were to let the image pass through us immediately; it would not, so to speak, be elastically reflected back by the etheric body; it would pass through the etheric body, pass through the physical body, and we would be constantly flitting about in the world as events dictate. This is difficult to describe in more complex cases, but if, for example, I were to see a person moving from right to left, I would immediately start dancing from left to right, wanting to imitate everything I see. I would want to imitate within myself, in my own form, everything I experience externally. It is precisely this that first reaches the astral body—which, in a sense, already has a paralyzing effect—then the elastic, repulsive etheric body, and finally, in particular, the physical body, which contains the whole experience. In the physical body, there is an isolation of what I perceive from the outside. And in this way, what I experience in the external world takes effect within me.
[ 20 ] Daran, daß man weiß, der Mensch besteht aus physischem Leib, Atherleib, astralischem Leib und Ich, kennt man ein Schema; aber darauf kommt es an, daß man dann in dieses Schema hineinfüllt die konkreten Ergebnisse, also hier Sinneswahrnehmen, Vorstellen, Gedächtnis und dann das ganz konkrete Bild. Das gibt erst diesen schematischen Begriffen Inhalt. Und immer mehr und mehr muß man zu einem solchen Inhalt kommen, wenn man zum Verständnis dessen aufrücken will, was in der Welt Wirklichkeit ist. Man kann zum Beispiel nicht sagen: Ja, da gliedert man den Menschen in physischen Leib, Atherleib, Astralleib und Ich, als ob es da Grenzen gäbe! — Man behauptet zunächst ja gar nicht, wenn man ein vernünftiger Mensch ist, daß es andere Grenzen gibt als die, die sich ergeben, wenn man die Bildentstehung nimmt, das Gedächtniserleben, das Vorstellungserleben und das Sinneswahrnehmungserleben. Aber man muß für die Unterschiede dieser vier Erlebnisarten ein unbefangenes Auffassungsvermögen haben.
[ 20 ] The fact that we know human beings consist of a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I” provides us with a framework; but what matters is that we then fill this framework with concrete results—that is, sensory perception, imagination, memory, and then the very concrete image. That is what gives these schematic concepts their content. And one must arrive at such content more and more if one wishes to advance toward an understanding of what is reality in the world. One cannot, for example, say: “Yes, there we divide the human being into physical body, etheric body, astral body, and ego, as if there were boundaries there!” — After all, if one is a reasonable person, one does not claim in the first place that there are any boundaries other than those that arise when one considers the formation of images, the experience of memory, the experience of imagination, and the experience of sensory perception. But one must have an unbiased capacity for understanding the differences between these four types of experience.
[ 21 ] Das ist zunächst die eine Art, wie man sich an diese Dinge heranmachen kann. Nun aber wollen wir uns dem Menschen und seinem Verhalten zur Welt von einer andern Seite nähern. Nehmen Sie an, wir gehen herum. Indem wir herumgehen — ich habe das schon einmal hier in einem andern Zusammenhange berührt —, können wir in der äußeren Beobachtung keinen Unterschied machen zwischen unserem Herumgehen und zwischen der Bewegung, in der sich ein unbelebter Gegenstand befindet. Ob ich schließlich einen geworfenen Stein in seiner Bahn äußerlich betrachte bloß in bezug auf die Bewegung, oder ob ich einen Menschen, der läuft, beobachte — wenn beide die gleiche Geschwindigkeit haben, so ist zunächst für das äußere Bild dasselbe Faktum vorliegend. Wenn ich von allem andern absehe, nur den in Bewegung befindlichen Körper ansehe, so habe ich es zu tun bei dem Stein sowohl wie beim Menschen mit Ortsveränderung. Ich beobachte diese Ortsveränderung, diese Geschwindigkeit. Und dies ist letzten Endes im Grunde genommen das, was wir im Bewußtsein haben von unserer Bewegung im gewöhnlichen Leben; denn wir müssen unterscheiden zwischen der Absicht, eine Bewegung auszuführen und der wirklichen Bewegung. Wenn ich eine Bewegung denke, so kann ich ganz ruhig bleiben. Ich kann mich in Bewegung denken, und wenn ich einigermaßen Phantasie habe, so kann ich mich bewegt vorstellen. Die Vorstellung, die ich dann habe, wenn ich mich wirklich bewege, die braucht sich ja gar nicht zu unterscheiden von der Phantasievorstellung, die ich habe, wenn ich ruhig bin und mich bloß bewegt denke.
[ 21 ] That is, to begin with, one way of approaching these matters. But now let us approach human beings and their relationship to the world from another angle. Suppose we are walking around. As we walk around—I have touched on this before here in a different context—we cannot, in our external observation, distinguish between our walking and the motion of an inanimate object. Whether I observe a thrown stone in its trajectory from the outside, considering only its motion, or whether I observe a person running—if both are moving at the same speed, then, at first glance, the same phenomenon is present in the external picture. If I disregard everything else and look only at the body in motion, I am dealing with a change in position in the case of both the stone and the person. I observe this change in position, this velocity. And this is, in the final analysis, essentially what we are aware of regarding our own movement in everyday life; for we must distinguish between the intention to perform a movement and the actual movement itself. When I think of a movement, I can remain perfectly still. I can imagine myself in motion, and if I have even a little imagination, I can picture myself moving. The image I have when I am actually moving need not differ at all from the imaginary image I have when I am at rest and merely imagine myself moving.
[ 22 ] Also wir müssen sehr sorgfältig unterscheiden zwischen dem Denken von unseren Bewegungen und unseren wirklichen Bewegungen. Aber diese wirklichen Bewegungen, sie stellen wir uns ja auch nur äußerlich vor, gar nicht anders als wir unbewegte Gegenstände vorstellen. Wir sehen, wie wir dadurch andere Entfernungen bekommen von diesen oder jenen Gegenständen. Wir konstatieren unsere Bewegungen ganz äußerlich; das kommt dazu. Und wenn wir von Bewegungen sprechen — ich will mich jetzt nicht einlassen darauf, ob nun hier eine hypothetische Vorstellung oder eine mehr oder weniger begründete Vorstellung vorliegt, das ist Sache eines andern Kapitels —, aber wenn wir Bewegungen vorliegend haben, so haben wir auch Kraft vorliegen.
[ 22 ] So we must distinguish very carefully between thinking about our movements and our actual movements. But we also imagine these actual movements only externally, in exactly the same way that we imagine motionless objects. We see how this results in different distances from these or those objects. We observe our movements entirely externally; that is an additional factor. And when we speak of movements—I do not wish to get into whether this involves a hypothetical conception or a more or less well-founded conception; that is a matter for another chapter—but when we have movements present, we also have force present.
[ 23 ] Ich will also zunächst mich nur ganz an den gewöhnlichen Tatbestand halten: Wo Bewegung vorliegt, liegt natürlich die Entfaltung einer gewissen Kraft vor. So daß wir sagen können: Der bewegte Mensch entfaltet eine gewisse Kraft. — Wir können nicht von mehr sprechen als von Kraft, und müssen diese Kraft, die er entfaltet, auch identifizieren mit irgendeinem, selbst unorganischen Gegenstande. Betrachten wir also nur den physischen Leib, entweder als Ganzes oder in seinen einzelnen Teilen; indem er sich bewegt, bewegt er sich wie irgendein anderer lebloser Gegenstand. Also indem wir uns in Bewegung denken und auf den physischen Leib sehen, können wir hier nur von Kraft sprechen.
[ 23 ] So I will begin by sticking strictly to the ordinary facts: Where there is motion, there is naturally the exertion of a certain force. Thus we can say: The person in motion exerts a certain force. — We cannot speak of anything more than force, and we must also identify this force that he exerts with some object, even an inorganic one. Let us therefore consider only the physical body, either as a whole or in its individual parts; when it moves, it moves just like any other inanimate object. Thus, when we imagine ourselves in motion and look at the physical body, we can speak here only of force.
[ 24 ] Anders schon wird die Sache, wenn wir nun beginnen, ins Innere der Wesenheit hineinzuschauen. Wir müssen uns ja klar sein darüber: Während wir eine Bewegung ausführen, gehen in uns innere Vorgänge vor. Es werden Stoffe verbraucht. Es geht etwas vor, was einen Zusammenhang hat mit den Wachstums-, mit den Ernährungs-, Reproduktionskräften. Das sind Kräfte, die wir nicht in derselben Weise ansprechen können, wie wir ansprechen die Kräfte, die wir wahrnehmen bei einer äußeren Bewegung eines unbelebten Körpers. Wenn wir eine Pflanze in ihrem Wachstum betrachten, so müssen wir über dasjenige, was da vorliegt, indem die Pflanze immer größer und größer wird — und für das Tier und den Menschen ist ja zunächst in bezug auf die Wachstumskräfte dasselbe vorliegend —, uns klar sein, daß die Kraftentfaltung eine andere ist als diejenige, die zugrunde liegt, wenn wir einen bloß äußerlich beobachtbaren bewegten Körper haben, sei es den äußerlich beobachtbaren bewegten eigenen Körper oder überhaupt einen menschlichen Körper. Was da vorliegt, wenn Wachstumsvorgänge stattfinden — und Wachstumsvorgänge im weiteren Sinne nenne ich auch diejenigen nun, die eben vor sich gehen, wenn wir zum Beispiel in Bewegung sind —, was da vorgeht, das müssen wir durchaus im Ätherischen, im Ätherleibe suchen. Dasjenige, was wir an der äuReren Bewegung beobachten, an dem Verhältnis des Menschen, der in äußerer Bewegung ist, zu dieser äußeren Welt, das veranlaßt uns nicht, auf den Ätherleib hinzuschauen. In dem Augenblicke, wo wir das beobachten, was innerlich vorgeht, müssen wir auf den Ätherleib hinschauen. Und wir können, wenn wir den Wachstumsbegriff so weit fassen wie ich es jetzt eben getan habe, sagen: Die spezifische Wachstumskraft, in der also auch Ernährung, Stoffverbrauch und so weiter enthalten ist, diese spezifische Kraft drängt uns dazu, nun eben schon zum Ätherleib hinaufzukommen. — Wir sehen in der Pflanzenwelt diese Wachstumskraft.
[ 24 ] The situation is quite different, however, when we begin to look into the inner workings of the being. We must be clear about this: While we perform a movement, internal processes are taking place within us. Substances are being consumed. Something is happening that is connected to the forces of growth, nutrition, and reproduction. These are forces that we cannot address in the same way that we address the forces we perceive in the external movement of an inanimate body. When we observe a plant as it grows—and the same applies, at least initially, to animals and humans with regard to their growth forces—we must it must be clear to us that the unfolding of forces is different from that which underlies the case when we have a body in motion that is merely observable from the outside, be it our own body in motion as observed from the outside or a human body in general. What is at work when growth processes take place—and by growth processes in the broader sense I now also mean those that occur, for example, when we are in motion—what is happening there, we must certainly seek in the etheric, in the etheric body. What we observe in external movement—in the relationship of the human being who is in external motion to this external world—does not lead us to look toward the etheric body. The moment we observe what is happening internally, we must look toward the etheric body. And if we define the concept of growth as broadly as I have just done, we can say: The specific power of growth—which thus also includes nutrition, metabolism, and so on—this specific power compels us to ascend to the etheric body. — We see this power of growth in the plant world.
[ 25 ] Damit Sie sehen, daß die Dinge nun nicht etwa bloß erklügelt sind, sondern zugleich erhärtet werden können durch die geisteswissenschaftlichen Beobachtungen, möchte ich doch ausdrücklich sagen, daß das, was wir am wachsenden oder überhaupt sich innerlich verändernden Organismus sehen, namentlich also am Pflanzenorganismus, wo es rein hervortritt, durchaus darauf beruht, daß die Kraft, die sich sonst nur in der äußeren Bewegung äußert, zu dem, was man Ather in Wirklichkeit nennen kann, in ein gewisses Verhältnis kommt. Auch das möchte ich Ihnen bildlich nahebringen.
[ 25 ] So that you may see that these ideas are not merely theoretical but can also be substantiated by observations in the field of spiritual science, I would like to state explicitly that what we observe in a growing organism—or indeed in any organism undergoing internal change— namely in the plant organism, where it appears in its purest form, is entirely based on the fact that the force, which otherwise expresses itself only in external movement, enters into a certain relationship with what can in reality be called Ather. I would also like to illustrate this for you.
[ 26 ] Sie kennen das oft Erwähnte, daß ein fester Körper in einer Flüssigkeit so viel von seinem Gewichte verliert, einen Auftrieb erhält, als das Gewicht des verdrängten Wasserkörpers beträgt. Nun, die Kräfte, die zugrunde liegen den äußeren Bewegungen der physischen Körper, sind in einer gewissen Weise starr. Sie haben eine innere Starrheit, geradeso wie ein fester Körper ein gewisses Gewicht hat. Wenn Sie einen festen Körper ins Wasser geben, so verliert er von seinem Gewichte. Wenn Sie dieKräfte, die sonst die äußere Bewegung verursachen, innerlich durchdringen mit den Kräften des Äthers, so verlieren sie ihre Starrheit; sie werden innerlich beweglich. Also eine Kraft, die als bewegende Kraft des Unorganischen so groß ist und gar nicht größer werden kann, wenn sie nur eine äußere Bewegungskraft ist, die verliert, wenn sie sich nun verbindet mit dem Äther, ihre Starrheit, sie kann sich ausdehnen oder auch zusammenziehen. Und als solche Kraft ist sie dann im Wachstum, überhaupt in den innerlichen Vorgängen tätig.
[ 26 ] You are familiar with the often-mentioned fact that a solid object in a liquid loses as much of its weight—and experiences buoyancy—as the weight of the displaced water. Now, the forces underlying the external movements of physical bodies are, in a certain sense, rigid. They possess an inner rigidity, just as a solid body has a certain weight. When you place a solid body in water, it loses some of its weight. When you interpenetrate the forces that otherwise cause external motion with the forces of the ether, they lose their rigidity; they become internally mobile. Thus, a force that is so great as the moving force of the inorganic—and cannot become any greater if it is merely an external moving force—loses its rigidity when it unites with the ether; it can then expand or contract. And as such a force, it is then active in growth and in internal processes in general.
[ 27 ] Dieses Archimedische Prinzip kann man nämlich so aussprechen, daß man sagt: Jeder feste Körper verliert in einer Flüssigkeit so viel von seinem Gewichte, als das Gewicht des verdrängten Flüssigkeitskörpers ist. Jede Kraft, so kann man weiterhin sagen, verliert, wenn sie sich mit den Ätherkräften verbindet, von ihrer Starrheit so viel, als die Ätherkräfte an ihr Saugkräfte sind, als die Atherkräfte ihr an Saugkräften entgegenbringen. Sie wird Bewegung, und damit wird sie das, als was sie tätig wird, sagen wir, im Pflanzenorganismus, aber auch tätig bleibt im Tierorganismus und im Menschenorganismus. Wenn wir nun weiter heraufgehen vom Ätherleib zum astralischen Leib, also in der äußeren Anschauung von der Pflanze zum Tier, so wird das, was zunächst in der Wachstumskraft eine innerlich bewegliche Kraft gewesen ist, jetzt frei — ähnlich wie ich das geschildert habe beim Freiwerden der Kräfte, die im siebenten Jahre mit dem Zahnwechsel frei werden —, innerlich frei, so daß jetzt das, was da vorgeht, nicht mehr gebunden ist an die Kräfte des festen Körpers. Was sich da als freie Kräfte äußert, sind die Instinktkräfte beim Tier und beim Menschen. So daß wir also heraufdringen zum Astralleib und das, was unten noch Kraft ist, als Instinkt bekommen. Und dringen wir herauf bis zum Ich, so wird der Instinkt Wille.
[ 27 ] This Archimedean principle can be stated as follows: Every solid body loses, in a liquid, an amount of its weight equal to the weight of the displaced liquid. One can further say that every force, when it unites with the etheric forces, loses as much of its rigidity as the etheric forces exert as suction forces upon it—that is, as much as the etheric forces counteract it with suction forces. It becomes movement, and thus it becomes what it acts as—for example, in the plant organism—but it also remains active in the animal organism and in the human organism. If we now proceed further upward from the etheric body to the astral body—that is, in the external view, from the plant to the animal—then what was initially an internally dynamic force within the power of growth now becomes free—similar to how I described the liberation of the forces that are set free in the seventh year with the change of teeth—internally free, so that what takes place there is no longer bound to the forces of the solid body. What manifests there as free forces are the instinctive forces in animals and humans. Thus, as we ascend to the astral body, what was still a force below becomes instinct. And as we ascend to the “I,” instinct becomes will.
[ 28 ] Ich : Sinneswahrnehmungen Wille
Astralleib : Vorstellungsleben Instinkt
Ätherleib : Gedächtnis Wachstumskraft
Physischer Leib: Bild Kraft
[ 28 ] I: Sensory Perceptions, Will
Astral Body: Imagination, Instinct
Etheric Body: Memory, Growth Force
Physical Body: Form, Force
[ 29 ] Diese Beziehung des Willens zu den Instinkten, die ergibt sich bei einer unbefangenen Beobachtung des gewöhnlichen Seelenlebens schon wiederum für eine vernünftige Selbstschau. Wir haben von einer andern Seite das, was hier nur ein bloßes Schema ist, mit dem erfüllt, was Erlebnisinhalt ist.
[ 29 ] This relationship between the will and the instincts becomes apparent once again to a rational self-examination through an unbiased observation of ordinary mental life. From another perspective, we have filled what is here merely a schematic outline with the content of experience.
[ 30 ] Wir können sagen, wenn wir den physischen Leib betrachten, von innen stellt er sich uns dar als das, was fortwährend sich entgegenstaut den Erlebnissen und Bild wird; von außen angesehen ist er eine Kraftorganisation. Und es ist auch beim physischen Leibe richtig beobachtet so, daß er tatsächlich besteht in einem Ineinanderwirken von Kräften mit Bildern. Wenn Sie sich nämlich ein gemaltes Bild vorstellen — allerdings müßte man es sich dann räumlich vorstellen, derart, daß es jetzt nicht starres Bild, sondern innerlich bewegtes Bild ist, daß Kraft wirkt in jedem Punkt —, dann bekommen Sie etwa das, was in Wirklichkeit vorgestellt werden muß unter dem physischen Leib.
[ 30 ] We can say that when we consider the physical body, from within it presents itself to us as that which continually responds to experiences and becomes an image; viewed from the outside, it is an organization of forces. And it is also correctly observed with regard to the physical body that it actually consists of an interplay of forces and images. For if you imagine a painted picture—though you would have to imagine it spatially, in such a way that it is not a rigid image but an image in inner motion, with force acting at every point—then you get something like what must actually be conceived of as the physical body.
[ 31 ] Wenn Sie sich die Wachstumskräfte vorstellen von der Innenseite und sie durchtränkt denken auf der andern Seite von dem, was der Erinnerung zugrunde liegt — aber jetzt nicht als sich untereinander kaschierende Vorstellungen, sondern eben als das, was der Erinnerung zugrunde liegt —, also Atherbewegungen auf der einen Seite, die da heraufwellen, heraufstauen durch die innere Bearbeitung der aufgenommenen Nahrungsstoffe, die da heraufstauen durch die Bewegungen des Menschen, im Konflikt mit dem, was hinunterwellt aus alldem, was sinnlich wahrgenommen und Vorstellung geworden ist und dann abgeschwungen hat im Ätherleib zur Bewahrung der Erinnerung, wenn Sie sich dieses Ineinanderwirken von oben und unten denken, also desjenigen, was von der Vorstellung hinunterschwingt, und desjenigen, was von unten hinauf, aus dem Ernährungs-, Wachstums- und Eßprozeß heraufkommt, beides ineinanderspielend: dann bekommen Sie ein lebendiges Bild des Atherleibes. Und wiederum, wenn Sie sich alles das denken, was Sie selbst erleben, wenn Instinkte tätig sind, wobei Sie ja doch gut begreifen können, wie in den Instinkten wirkt Blutzirkulation, Atmung, wie das ganze rhythmische System ja dadrinnen wirkt in den Instinkten, und wie diese Instinkte abhängig sind von unserer Erziehung, von demjenigen, was wir aufgenommen haben: dann haben Sie das lebendige Ineinanderspielen desjenigen, was Astralleib ist. Und wenn Sie sich endlich denken ein Ineinanderspielen der Willensakte da sei angefacht alles das, was Wollungen bei Ihnen sind — mit dem, was die Sinneswahrnehmungen sind, so haben Sie ein lebendiges Bild desjenigen, was da als Ich ins Bewußtsein sich hereinlebt.
[ 31 ] If you imagine the forces of growth from the inside and think of them as permeating the other side of what underlies memory—but not as ideas that obscure one another, but precisely as what underlies memory— that is, etheric movements on one side that well up and surge upward through the inner processing of ingested nutrients—which surge upward through human movements—in conflict with what ripples downward from all that has been sensually perceived and become a mental image, and has then settled in the etheric body for the preservation of memory—if you conceive of this interplay between above and below, that is, what swings down from the imagination and what rises up from below, arising from the processes of nutrition, growth, and eating—both interacting with one another—then you will gain a vivid picture of the etheric body. And again, if you consider everything you experience yourself when instincts are at work—and you can surely understand how blood circulation and respiration operate within the instincts, how the entire rhythmic system is at work there, and how these instincts depend on our upbringing and on what we have absorbed— then you have the living interplay of what the astral body is. And when you finally imagine an interplay of acts of will—in which all your volitional acts are intertwined with your sensory perceptions—then you have a vivid picture of what enters consciousness as the “I.”
[ 32 ] Allein, das ist ein bloßes Schema. Man muß die Erlebnisse, wobei wir ja jetzt nur einen sehr kleinen Ausschnitt von Erlebnissen hatten, in ein Schema hineinpassen. Man muß zunächst den Schrank haben, bevor man die Gegenstände hineintun kann. Nicht wahr, der gewöhnliche Psychologe oder Physiologe, der beobachtet zunächst diese Dinge. Und wenn es jemandem passiert, daß er nun alle möglichen Wäscheund Kleidungsstücke hat, aber keinen Schrank, daß er sie alle aufeinanderlegt, nicht wahr, dann wird ja doch mit der Zeit ein Chaos daraus! Das ist ja unsere gegenwärtige Psychologie und Physiologie. Man braucht schon einen Schrank. So wie derjenige, der den Schrank macht, in einer gewissen Weise wissen soll, wie der Schrank eingeteilt sein muß, damit man da nun wirklich das hineinkriegt, was man hineintun will, so muß nun auch das, was da gegliedert wird, trotzdem es nur noch abstrakt sein kann — wie der Schrank auch, wenn er noch leer ist, abstrakt ist im Verhältnis zu dem, wenn er dann voll ist —, in einer gewissen Weise noch unerklärlich sein. Wenn irgendwo ein leerer Schrank steht, so ist er auch unerklärlich.
[ 32 ] However, that is merely a schema. One must fit the experiences—and we have, after all, only had a very small sample of them—into a schema. You have to have the closet first before you can put the items inside. Isn’t that right? The typical psychologist or physiologist first observes these things. And if someone happens to have all kinds of laundry and clothing but no closet—if they just pile them all on top of each other—well, over time that’s bound to turn into chaos! That’s our current psychology and physiology. You really do need a closet. Just as the person who makes the closet must, in a certain sense, know how the closet needs to be organized so that you can actually fit what you want to put in there, so too must what is being structured there, even though it can only be abstract—just as the cabinet, when it is still empty, is abstract in relation to when it is full—must still be inexplicable in a certain sense. If there is an empty cabinet somewhere, it, too, is inexplicable.
[ 33 ] Also Sie sehen, es gibt natürlich furchtbar viele Angriffspunkte auf Anthroposophie, je nachdem man da oder dort einsetzt. Aber man kann ja auch, und ich habe das in meiner «Theosophie» versucht, schon merken lassen, daß während man genötigt ist, zunächst den Schrank hinzustellen, da schon etwas Konkretes dazu drängt. Aber man muß dann die Geduld haben, eben aufzusteigen zu demjenigen, was Fülle hineinbringt in das Schema. Und das ist das, was immer wiederum insbesondere den Anthroposophen gesagt werden muß, man sollte nicht vor der Welt die Vorstellung hervorrufen, als ob schon alles gesagt wäre, wenn man solche abstrakten Begriffe hinpfahlt, wie physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Wenn man bloß sagt: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Atherleib, Astralleib und Ich —, so hat man gar nichts gesagt als vier Worte. Denn es ist natürlich ein großer Unterschied, ob dieses selbe aus der Fülle der Erkenntnis heraus zunächst gesagt wird als eine Gliederung, die man zur Hilfe nehmen kann, um etwas daran aufzureihen, oder ob dann damit so verfahren wird, daß man es dogmatisiert und als Dogmen mitteilt.
[ 33 ] So you see, there are of course an awful lot of points of attack against anthroposophy, depending on where one chooses to focus. But one can also—and I have tried to make this clear in my Theosophy—point out that while one is compelled to start by setting up the framework, since something concrete is already demanding it, But one must then have the patience to ascend to that which brings richness to the framework. And this is what must always be said, time and again, especially to anthroposophists: one should not give the world the impression that everything has already been said simply by throwing around abstract terms like physical body, etheric body, astral body, and I. If one merely says: “The human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and an ‘I’”—then one has said nothing more than four words. For there is, of course, a great difference between stating this—out of the fullness of knowledge—as a framework that can be used to organize one’s thoughts, and proceeding in such a way that it is dogmatized and communicated as dogma.
[ 34 ] Daher macht es einen so abstoßenden Eindruck, wenn einfach tradiert wird: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich. Es kommt überall dabei darauf an, wie man solche Sachen sagt. Man braucht nicht so weit zu gehen, wie einmal in einem anthroposophischen Vortrage gesagt worden sein soll: Der Einfachheit halber teilen wir den Menschen in sieben Glieder ein. — Der Unfug ist schon groß, wenn man glaubt, irgend etwas Reales zu treffen, indem man nur irgendein Schema hinstellt. Es ist zunächst dazu da, damit man Richtungslinien hat, innerhalb derer die Beobachtungen gemacht werden können.
[ 34 ] That is why it makes such a repulsive impression when people simply repeat the conventional wisdom: “The human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and an ‘I.’” It all depends on how one says such things. One need not go as far as was supposedly said once in an anthroposophical lecture: “For the sake of simplicity, we divide the human being into seven parts.” — It is already a great absurdity to believe that one is grasping something real simply by presenting some arbitrary schema. Its primary purpose is to provide guidelines within which observations can be made.
[ 35 ] Nachdem ich Ihnen gezeigt habe, wie man gewisse gangbare Begriffe, wie Wille, Gedächtnis und so weiter in das anthroposophische Begriffsschema hineinbringen kann, werden wir morgen zu einer weiteren Betrachtung des Menschen aufsteigen.
[ 35 ] Now that I have shown you how certain commonly used concepts—such as will, memory, and so on—can be incorporated into the anthroposophical conceptual framework, we will move on to a further consideration of the human being tomorrow.
