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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in the Course of History
GA 206

7 August 1921, Dornach

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Neunzehnter Vortrag

Nineteenth Lecture

[ 1 ] Wenn man durchschauen will die Bedeutung des materialistischen Zeitalters, so muß man eingehen auf die Entwickelung des Menschen, insofern bei dieser Entwickelung die sämtlichen wesentlichen Grundkräfte dieses Menschen in Betracht kommen. Wir wollen zunächst einmal heute von einem gewissen Gesichtspunkte aus diese menschliche Entwickelung ins Auge fassen. Ich werde anknüpfen an manches, was ich bereits im Laufe der letzten Zeit vorgebracht habe, um zu einem bestimmten Ziele zu kommen.

[ 1 ] If one wishes to understand the significance of the materialistic age, one must examine human development, insofar as this development takes into account all the essential fundamental forces of the human being. Today, let us first consider this human development from a certain perspective. I will build on some of what I have already presented in recent times in order to arrive at a specific goal.

[ 2 ] Ich habe ja öfter hingewiesen auf die große Bedeutung desjenigen Zeitabschnittes in der individuellen menschlichen Entwickelung, die zusammenfällt mit dem Zahnwechsel etwa um das siebente Lebensjahr herum. Dieser Zahnwechsel bedeutet ja, daß gewisse Kräfte, die im menschlichen Organismus bis zu diesem Zeitpunkt vorhanden waren und an diesem Organismus tätig waren, in einer gewissen Weise frei werden, nicht mehr jene Tätigkeit ausüben, die sie bis zu diesem Zahnwechsel ausübten. Der Mensch ist tatsächlich in dem Augenblick, in dem dieser Zahnwechsel beginnt, und in der Zeit oder durch die Zeit, in der er sich abspielt, im Grunde ein umgewandeltes, ein metamorphosiertes Wesen. Was in dem Erscheinen der zweiten Zähne, in diesem Ausstoßen der zweiten Zähne zum Vorschein kommt, das hat bisher gearbeitet im menschlichen Organismus. Und dann, wenn es zum Vorschein kommt, wenn es gewissermaßen aus dem Organismus heraus sich befreit, dann erscheint es im Gegensatz zu früher als eine mehr seelische Kraft. Wir kommen, indem wir das verfolgen, zu der Anschauung, daß bis zu diesen sieben Jahren hin im Menschen eine seelische Kraft arbeitet, die gewissermaßen den Schlußpunkt ihrer Arbeit am Organismus macht mit dem Zahnwechsel. Wenn wir uns eine gewisse Neigung und Fähigkeit, solche Dinge zu beobachten, angeeignet haben, so können wir sehen, wie die ganze Seelenkonstitution des Kindes in diesem Lebensabschnitt verwandelt wird, wie namentlich von diesem Lebensabschnitt an die Fähigkeit auftritt, konturierte Begriffe zu bilden, wie andere seelische Fähigkeiten auftreten. Diese seelischen Fähigkeiten, wo waren sie denn bis zum Zahnwechsel? Sie waren im Organismus, sie haben am Organismus gearbeitet. Dasjenige, was später Seelisches wird, das arbeitet vorher am Organismus.

[ 2 ] I have often pointed out the great significance of that period in individual human development that coincides with the change of teeth, around the age of seven. This change of teeth signifies that certain forces, which were present in the human organism up to that point and were active within it, are in a certain sense set free and no longer perform the functions they had performed prior to this change of teeth. In fact, at the very moment this change of teeth begins, and during the time it takes place, the human being is essentially a transformed, metamorphosed being. What comes to light with the appearance of the second set of teeth—in this eruption of the second set of teeth—is what has been at work in the human organism up to that point. And then, when it comes to the fore—when it, so to speak, frees itself from the organism—it appears, in contrast to before, as a more soul-related force. By observing this, we come to the view that up until the age of seven, a soul-related force is at work within the human being, which, so to speak, brings its work on the organism to a close with the change of teeth. If we have acquired a certain inclination and ability to observe such things, we can see how the child’s entire soul constitution is transformed during this stage of life, how—particularly from this stage onward—the ability to form defined concepts emerges, and how other soul capacities arise. These soul capacities—where were they until the change of teeth? They were within the organism; they were working on the organism. That which later becomes a psychological faculty is first at work on the organism.

[ 3 ] Wir kommen da zu einer ganz andern Anschauung über das Zusammenwirken des Seelischen mit dem Leiblichen, als es etwa geschildert wird in all den abstrakten psychologischen Darstellungen, die von einem psycho-physischen Parallelismus oder von einer abstrakten Wechselwirkung zwischen Seele und Leib und dergleichen reden. Wir kommen zu einer wirklichen Anschauung dessen, was in einer wichtigen Weise in den ersten sieben Lebensjahren des Menschen im Organismus arbeitet. Wir sehen gewissermaßen das, was da verborgen ist bis zu diesem Zeitpunkte, dann frei ist, nun als seelische Kraft auftreten. Wir müssen uns nur für solche Dinge eine Beobachtungsgabe aneignen, dann werden wir in diesem Zeitabschnitte des Menschen, eben in den ersten sieben Lebensjahren, ein gewisses Kraftsystem gewissermaßen leiblich arbeiten sehen, und nach diesem Lebenseinschnitt werden wir es hervortreten sehen als Seelisches. Wir wissen also dann, was eigentlich arbeitet im menschlichen Organismus, wenigstens zum Teil, für diese Substantialität; wir wissen dann, was da arbeitet am menschlichen Organismus in den ersten sieben Lebensjahren.

[ 3 ] We arrive at a completely different understanding of the interaction between the soul and the body than is described, for example, in all those abstract psychological accounts that speak of a psychophysical parallelism or of an abstract interaction between soul and body and the like. We arrive at a genuine understanding of what is at work in the human organism in a significant way during the first seven years of life. We see, as it were, what has been hidden until this point, and which is now free to emerge as a spiritual force. We need only cultivate the ability to observe such things; then, during this phase of human life—specifically the first seven years—we will see a certain system of forces at work, so to speak, in the physical body, and after this turning point in life, we will see it emerge as a soul force. We will then know, at least in part, what is actually at work in the human organism to bring about this substantiality; we will then know what is at work in the human organism during the first seven years of life.

[ 4 ] Nun, wenn der Mensch sich in dem Zustande seines Lebens befindet, der da abläuft zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, dann spielt das, was ich eben beschrieben habe, in zwei aufeinanderfolgenden Zuständen eine bedeutsame Rolle. Man kann auch beobachten, wie das Kind in einer gewissen Weise noch anders schläft als der Mensch, der dann aus dem Kinde wird nach dem Zahnwechsel. Zwar ist der Unterschied nicht so augenfällig, aber er ist da. Das Kind kann nämlich bis zu seinem siebenten Jahre in seinen Schlafzustand — in den Zustand, der da der Seele eigen ist zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen — noch nicht mit derselben Kraft dasjenige hineinsenden, was es später als seelische Kräfte hineinsendet; denn diese Kräfte haben noch zu tun mit Körperlichem, eben mit dem leiblichen Organismus. Daher sendet das Kind noch nicht die scharf konturierten Begriffe in den Schlafzustand hinein. Es sendet in den Schlafzustand hinein noch wenig scharf umrissene Begriffe, noch wenig scharf umrissene Vorstellungen; aber diese weniger scharf umrissenen Vorstellungen haben die Eigentümlichkeit, daß sie das seelisch-geistig Reale in einer besseren Weise umfassen können als die scharf umrissenen Vorstellungen.

[ 4 ] Now, when a person is in that state of life that lies between falling asleep and waking up, what I have just described plays a significant role in two successive states. One can also observe how a child sleeps in a certain way that is still different from the way a person sleeps—the person the child will become after losing their baby teeth. Admittedly, the difference is not so obvious, but it is there. For up until the age of seven, a child cannot yet send into its sleep state—that state peculiar to the soul between falling asleep and waking up—with the same intensity what it will later send in as soul forces; for these forces are still connected to the physical, specifically to the physical organism. Therefore, the child does not yet send sharply defined concepts into the state of sleep. It sends into the state of sleep concepts that are not yet sharply defined, as well as images that are not yet sharply defined; but these less sharply defined images have the peculiarity that they can encompass the soul-spiritual reality in a better way than the sharply defined images.

[ 5 ] Das ist etwas Wichtiges, je schärfer konturiert für das wache Tagesleben unsere Begriffe werden, desto weniger senden wir in den Schlafzustand hinein, um da die Realitäten zu erfassen. Daher ist es, daß das Kind in sehr vielen Fällen tatsächlich sich aus seinem Schlafzustande heraus ein gewisses Wissen bringt von geistiger Realität. Das hört dann auf in demselben Maße, in dem mit dem Zahnwechsel die geschilderten Kräfte frei werden, scharf umrissene Begriffe auftreten und diese dann dasSchlafleben beeinflussen. Diese scharf umrissenen Begriffe dämpfen gewissermaßen den Hinblick auf die geistigen Realitäten ab, innerhalb derer wir leben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen.

[ 5 ] This is an important point: the more sharply defined our concepts become for waking life, the less we project into the state of sleep in order to grasp realities there. That is why, in very many cases, a child actually brings a certain knowledge of spiritual reality with it from its state of sleep. This then ceases to the same extent that, with the change of teeth, the forces described become free, sharply defined concepts emerge, and these then influence the life of sleep. These sharply defined concepts, in a sense, dampen our perception of the spiritual realities within which we live between falling asleep and waking up.

[ 6 ] Das, was ich jetzt ausgesprochen habe, kann geprüft werden durch das übersinnliche Schauen, wenn dieses übersinnliche Schauen die Kraft entwickelt, die ich öfter beschrieben habe, die Sie auch beschrieben finden in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Wenn das übersinnliche Schauen zur Kraft der Imagination kommt, wenn also jene Bilder auftreten, von denen wir wissen, daß ihnen geistige Realitäten unterliegen, dann kommen wir ja dazu, allmählich diejenigen geistigen Realitäten zu schauen, in deren Mitte wir sind zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, und dann können wir auch beurteilen, wie der Unterschied ist zwischen dem schlafenden Kinde vor dem siebenten Jahre und dem schlafenden Kinde nach dem siebenten Jahre. Dann können wir sehen, wie gewissermaßen abgedämpft wird das Hinschauen auf dasjenige, was uns ja in der Imagination bis zu einem gewissen Grade wiederum ganz klar wird, das Hinschauen auf diese geistigen Realitäten, in deren Mitte wir sind zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen.

[ 6 ] What I have just said can be verified through supersensible perception, provided that this supersensible perception develops the power I have often described—a power you will also find described in my Outline of Esoteric Science and in my treatise How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. When supersensible perception reaches the power of imagination—that is, when those images arise that we know are underpinned by spiritual realities—then we gradually come to perceive those very spiritual realities in the midst of which we find ourselves between falling asleep and waking up, and then we can also assess the difference between a sleeping child under the age of seven and a sleeping child over the age of seven. Then we can see how, in a sense, our perception of what becomes quite clear to us again to a certain degree in the imagination—our perception of these spiritual realities in whose midst we find ourselves between falling asleep and waking up—is somewhat muted.

[ 7 ] Wenn der Zahnwechsel eingetreten ist, so bildet sich bis zur Geschlechtsreife im Seelischen aus, was durch die Imagination in einer gewissen Weise erfaßt werden kann. Man erlangt einfach durch die Imagination Erfahrungen über das, was sich da in der menschlichen Seele ausbildet. Die Erfahrung, die ich eben geschildert habe bezüglich des Zustandes zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, ist ja nur eine der Erfahrungen, die man durch das imaginative Erkennen macht. In jenen interessanten Zuständen, die sich abspielen beim Kinde vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, da sehen wir, wie eigentlich in dem werdenden Menschen in starkem Maße ein Kampf vorhanden ist. Es kämpft gewissermaßen in diesem Lebensabschnitte der ätherische Leib, der ja seine besonderen Organisationen durchmacht bis zur Geschlechtsreife, gegen den astralischen Leib. Es ist ein wirklicher Kampfzustand, der in dem Kinde stattfindet. Und wenn wir das physische Korrelat ins Auge fassen, das diesem Kampfzustande entspricht, so können wir sagen: Es ist in diesem Lebensabschnitte des Kindes in ausgesprochenem Maße vorhanden ein Kampf zwischen den Wachstumskräften und denjenigen Kräften, die in uns hereinspielen durch die physische Inspiration, durch die Atmung. — Das ist ein sehr bedeutsamer Prozeß im menschlichen Inneren, ein Prozeß, der, um den Menschen zu kennen, immer mehr und mehr wird studiert werden müssen. Denn das, was zum Teil seelisch frei wird durch den Zahnwechsel, das sind ja die Wachstumskräfte. Es bleibt natürlich ein beträchtlicher Teil dieser Wachstumskräfte noch im Leiblichen zurück und besorgt da das Wachstum; es wird ein Teil frei beim Zahnwechsel, und der tritt als seelische Kräfte auf.

[ 7 ] Once the change of teeth has begun, the soul develops in a way that can be grasped to a certain extent through imagination until sexual maturity is reached. One gains insight into what is developing in the human soul simply through imagination. The experience I have just described regarding the state between falling asleep and waking up is, after all, only one of the experiences one has through imaginative perception. In those interesting states that unfold in the child from the change of teeth until sexual maturity, we see how, in fact, a struggle is taking place to a great extent within the developing human being. In this phase of life, the etheric body—which, after all, undergoes its specific developmental stages up to sexual maturity—is, so to speak, struggling against the astral body. A genuine state of struggle is taking place within the child. And when we consider the physical counterpart that corresponds to this state of struggle, we can say: During this stage of the child’s life, there is a pronounced struggle between the forces of growth and those forces that act within us through physical inspiration—through breathing. — This is a very significant process within the human being, a process that will have to be studied more and more in order to understand the human being. For what is partly liberated into the soul through the change of teeth are, after all, the forces of growth. Naturally, a considerable portion of these forces of growth remains in the physical body, where they continue to ensure growth; a portion is liberated during the change of teeth and manifests as soul forces.

[ 8 ] Dasjenige aber, was da als Wachstumskräfte weiter funktioniert im Kinde, das stemmt sich gegen etwas, was in dem Kinde nun im wesentlichen durch den Atmungsprozeß auftritt. Was da durch den Atmungsprozeß auftritt, das konnte früher nicht auftreten. Der Atmungsprozeß ist gewiß beim Kinde auch vorhanden, aber solange das Kind in seinem leiblichen Wachsen und leiblichen Organisieren überhaupt die Kräfte hat, die dann beim Zahnwechsel herauskommen, so lange findet im Organismus des Kindes nichts statt von dem, was eigentlich der Atmungsprozeß im menschlichen Leibe so auffällig, so bedeutsam später bewirkt. Denn ein großer Teil dessen, was wir an Entwickelung durchmachen, hängt ja an diesem Atmungsprozesse. Daher jene orientalischen Übungen, die sich besonders an den Atmungsprozeß halten, weil man mit diesem Einleben in den Atmungsprozeß, das gegeben ist durch diese Übungen, tatsächlich mit etwas in Berührung kommt, was den Menschen durchorganisiert, was den Menschen leiblich in eine innere Beweglichkeit bringt, die etwas zu tun hat mit dem Durchschauen der Geheimnisse der Welt.

[ 8 ] But what continues to function as growth forces within the child is in conflict with something that now arises in the child essentially through the process of breathing. What arises through the process of breathing could not have arisen earlier. The respiratory process is certainly present in the child as well, but as long as the child, in its physical growth and physical organization, possesses the forces that then emerge during the change of teeth, nothing takes place in the child’s organism that corresponds to what the respiratory process later brings about so strikingly and significantly in the human body. For a large part of the development we undergo depends on this respiratory process. Hence those Eastern exercises that focus particularly on the respiratory process: by immersing oneself in the respiratory process—which these exercises facilitate—one actually comes into contact with something that permeates the entire human being, something that brings the human body into a state of inner mobility that has to do with penetrating the mysteries of the world.

[ 9 ] Wie gesagt, bevor der Zahnwechsel eingetreten ist, kann das, was eigentlich das Atmen mit uns will, nicht zur Tätigkeit kommen im menschlichen Organismus. Dann aber tritt ein Kampf ein der noch Wachstumskräfte gebliebenen Kräfte gegen das Eindringen dessen, was aus dem Atmungsprozesse heraus in den Menschen eindringt. Denn das erste große Bedeutsame, das in leiblicher Beziehung als eine Folge des Atmungsprozesses auftritt, das ist die Geschlechtsreife.

[ 9 ] As I said, before the change of teeth has taken place, what breathing actually seeks to accomplish within us cannot become active in the human organism. But then a struggle ensues between the remaining growth forces and the intrusion of what enters the human being as a result of the breathing process. For the first major event that occurs physically as a consequence of the breathing process is sexual maturity.

[ 10 ] Diesen Zusammenhang zwischen dem Atmen und der Geschlechtsreife durchschaut ja die Naturwissenschaft noch nicht. Er ist aber durchaus vorhanden. Wir atmen eigentlich dasjenige ein, was uns geschlechtsreif macht, was uns aber auch im weiteren Sinne die Möglichkeit gibt, mit der Welt in ein Verhältnis des liebenden Umfangens zu treten. Das atmen wir eigentlich ein. In jedem Naturprozeß liegt ja auch ein Geistiges. Im Atmungsprozesse liegt eben ein Geistiges und ein Geistig-Seelisches. Dieses Geistig-Seelische dringt in uns ein durch den Atmungsprozeß. Es kann erst herein, wenn die Kräfte seelisch geworden sind, die vorher im Organismus gewirkt haben und die mit dem Zahnwechsel aufhören im Organismus zu wirken. Da strömt dann dasjenige in den Menschen herein, was aus dem Atmungsprozeß kommen will.

[ 10 ] Science has not yet grasped this connection between breathing and sexual maturity. Yet it certainly exists. We actually breathe in that which makes us sexually mature, but which also, in a broader sense, gives us the ability to enter into a relationship of loving embrace with the world. That is what we actually breathe in. Every natural process also contains a spiritual element. The breathing process contains both a spiritual and a spiritual-soul aspect. This spiritual-soul aspect enters us through the breathing process. It can only enter once the forces that previously acted within the organism—and which cease to act there with the change of teeth—have become soul forces. Then what seeks to emerge from the breathing process flows into the human being.

[ 11 ] Dem aber wirkt entgegen — und daher kommt der Kampf — dasjenige, was aus den Wachstumsprozessen kommt, die eben noch Wachstumsprozesse geblieben sind, was aus den Atherkräften mit andern Worten kommt. Und dieser Kampf ist vorhanden zwischen den Atherkräften, zwischen den Kräften, die aus unserem Ätherleib aufsteigen und die ihr physisches Korrelat finden in dem Stoffsystem, in dem Stoffwechselsystem, in der Blutzirkulation, und den astralischen Kräften. Da spielt der Stoffwechsel in das Zirkulations-, in das rhythmische System hinein. So daß wir schematisch sagen können: Wir haben unser Stoffwechselsystem, das aber in unseren Blutrhythmus, in das Blutrhythmussystem hineinspielt; das Stoffwechselsystem, das ich hier schematisch weiß zeichne, das spielt in das Zirkulationssystem hinein (siehe Zeichnung, rot). Das ist dasjenige, was von seiten des Ätherleibes gewissermaßen im Menschen nach oben stürmt in dieser Zeit zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre.

[ 11 ] But this is counteracted—and this is where the struggle arises—by that which arises from the growth processes that have remained just that—growth processes—in other words, by the etheric forces. And this struggle exists between the etheric forces—the forces that rise from our etheric body and find their physical counterpart in the material system, in the metabolic system, in the blood circulation—and the astral forces. Here, metabolism interacts with the circulatory system and the rhythmic system. So that we can say schematically: We have our metabolic system, which, however, interacts with our blood rhythm, with the blood rhythm system; the metabolic system, which I am drawing here schematically, interacts with the circulatory system (see drawing, red). This is what, from the side of the etheric body, so to speak, surges upward within the human being during this period between the seventh and fourteenth years.

Blackboard DrawingBlackboard Drawing

[ 12 ] Der astralische Leib wirkt dem entgegen. Wir haben dann einströmend dasjenige Rhythmische im körperlichen Korrelat, was vom Atmen herkommt, und es findet dieser Kampf statt zwischen dem Blutzirkulationsrhythmus und dem Atmungsrhythmus (blau). Das ist das, was sich innerlich im Menschen in diesem Lebensabschnitte abspielt.

[ 12 ] The astral body works against this. We then have the rhythmic element flowing into the physical counterpart, which originates from breathing, and this struggle takes place between the rhythm of blood circulation and the rhythm of breathing (blue). This is what takes place internally within a person during this stage of life.

[ 13 ] Und man kann sagen, wenn man ein wenig bildhaft spricht, in einem vielleicht radikal erscheinenden Bilde: Es ist ungefähr zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre, da wird bei jedem Kinde dasjenige, was vorher, ich möchte sagen, im Vortreffen sich abgespielt hat, was in den Scharmützeln vor dem eigentlichen Hauptkampf sich abgespielt hat, übergeführt in den Hauptkampf. Astralischer Leib und Ätherleib führen ihre hauptsächlichste Attacke aus zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre.

[ 13 ] And one could say—to put it somewhat figuratively, using an image that might seem radical—: It is roughly between the ages of nine and ten that, in every child, what previously took place—I would say—in the preliminary skirmishes, what occurred in the skirmishes before the actual main battle, is carried over into the main battle. The astral body and the etheric body carry out their most significant attack between the ages of nine and ten.

[ 14 ] Daher ist dieser Zeitabschnitt, dieser Zeitpunkt für den Pädagogen so wichtig zu beobachten. Es ist einmal so, daß man als Lehrer, Erzieher, Unterrichter sorgfältig achtgeben muß auf irgend etwas — bei fast jedem Menschen spielt es sich ja anders ab —, was sich etwa zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre abspielt. Da sieht man bei jedem Kinde etwas ganz Besonderes. Es kommen gewisse Temperamentseigenschaften zu einer gewissen Metamorphose. Es treten gewisse Ideen auf. Aber vor allen Dingen ist es in diesem Zeitpunkte, wo man anfangen soll — während man vorher gut tut, das Kind nichts merken zu lassen von dem Unterschied zwischen dem Ich und der Außenwelt —, diesen Unterschied zwischen dem Ich und der Außenwelt hervortreten zu lassen. Während es vorher gut ist, dem Kinde in Märchendarstellungen und so weiter zu reden, wie wenn die Vorgänge der Natur so wären wie menschliche Vorgänge, indem man sie personifiziert und erläutert, kann man dann anfangen, in mehr lehrhafter Weise das Kind über die Natur zu unterrichten.

[ 14 ] That is why it is so important for educators to observe this period, this specific time. The fact is that as a teacher, educator, or instructor, one must pay close attention to something—though it plays out differently for almost every person—that takes place roughly between the ages of nine and ten. At this time, one observes something quite special in every child. Certain temperamental traits undergo a kind of metamorphosis. Certain ideas begin to emerge. But above all, it is at this point that one should begin—whereas previously it is best not to let the child become aware of the difference between the “I” and the outside world—to bring this difference between the “I” and the outside world into focus. While it is good beforehand to speak to the child through fairy tales and the like, as if natural processes were human processes—by personifying and explaining them—one can then begin to teach the child about nature in a more instructive manner.

[ 15 ] Naturgeschichte, auch in ihrer elementarsten Form, sollte man eigentlich erst von diesem Zeitpunkte an an das Kind heranbringen. Denn das Kind hat da, wo es im ersten Lebensabschnitte anfängt, sein Ich deutlich zu erfühlen, das Ich eben erst erfühlt. Daß es einen scharf umrissenen Begriff, mehr oder weniger natürlich scharf umrissenen Begriff mit diesem Ich verbindet, das tritt in diesem Zeitpunkte ein. Das Kind lernt sich erst in diesem Zeitpunkte so recht von der Außenwelt unterscheiden. Und dem entspricht ein ganz bestimmtes Gegeneinanderstürmen des Atmungsrhythmus und des Zirkulationsrhythmus, des astralischen Leibes und des ätherischen Leibes.

[ 15 ] Natural history, even in its most basic form, should really only be introduced to the child from this point on. For it is at this point—when the child begins to clearly sense its “I” in the first stage of life—that the child is just beginning to sense that “I.” It is at this point that the child begins to associate a sharply defined concept—a concept that is more or less naturally sharply defined—with this “I.” It is only at this point that the child truly learns to distinguish itself from the outside world. And this corresponds to a very specific interplay between the respiratory rhythm and the circulatory rhythm, between the astral body and the etheric body.

[ 16 ] Diese Dinge haben ja im Menschen immer zwei Seiten. Die eine Seite stellt sich dar in dem Zustande zwischen dem Aufwachen und Einschlafen. Für diesen Zustand habe ich eben jetzt die Sache geschildert. In dem Zustande zwischen dem Einschlafen und Aufwachen stellt sich die Sache etwas anders dar. Wenn wir eben zur Imagination vorgeschritten sind und dann etwas von Inspiration entwickelt haben, so daß wir beurteilen können, was da durch Inspiration geschieht durch den Atmungsprozeß, der das physische Korrelat ist, so finden wir, daß eigentlich erst in diesem Zeitpunkte — der für das eine Kind etwas früher, für das andere etwas später eintritt, aber im Durchschnitte zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre — so recht eine wirkliche Loslösung des Ich und des astralischen Leibes vom ätherischen Leib und vom physischen Leib im Schlafe stattfindet. Das Kind ist, namentlich mit seinem Ich, sehr innig verbunden mit seinem physischen und mit seinem ätherischen Leib, auch wenn es schläft. Aber von diesem Zeitpunkte an beginnt das Ich wie ein selbständiges Wesen aufzuleuchten, wenn eben Ich und astralischer Leib nicht an den Funktionen des Ätherleibes und des physischen Leibes teilnehmen.

[ 16 ] These things always have two sides in human beings. One side manifests itself in the state between waking and falling asleep. I have just described this state. In the state between falling asleep and waking up, the situation presents itself somewhat differently. Once we have progressed to imagination and then developed some capacity for inspiration, so that we can assess what happens through inspiration via the breathing process—which is the physical counterpart—we find that it is actually only at this point—which occurs somewhat earlier for one child and somewhat later for another, but on average between the ages of nine and ten—that a true detachment of the “I” and the astral body from the etheric body and the physical body actually takes place during sleep. The child is, particularly through its “I,” very intimately connected to its physical and etheric bodies, even while sleeping. But from this point on, the “I” begins to emerge as an independent entity whenever the “I” and the astral body do not participate in the functions of the etheric body and the physical body.

[ 17 ] Daher ist es auch so, daß Kinder, die vor diesem Zeitpunkte sterben, im Grunde genommen in dem Leben, das sie da bis zum fünften, sechsten, siebenten, selbst noch bis zum achten, neunten Lebensjahre durchmachen, etwas haben, was sie noch wenig getrennt hat von jener geistseelischen Welt, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchgemacht wird; so daß die Kinder verhältnismäßig leicht wiederum zurückgerissen werden in diese geistig-seelische Welt, daß sie gewissermaßen nur etwas anstückeln an das Leben, das sie vollendet haben mit der Empfängnis oder mit der Geburt, daß ein eigentliches Abschnüren eines neuen Lebens, wenn wir dieses Sterben in Betracht ziehen, eigentlich erst da ist, wenn die Kinder nach diesem Zeitpunkte sterben. Da bindet sich gewissermaßen das neue Leben nicht in so intensiver Weise an das alte Leben. Da erst werden deutlich durchgemacht jene Zustände, die ich in meiner «Theosophie» beschrieben habe, während es bei Kindern, die früher sterben, so ist, daß sie gewissermaßen wiederum zurückgeworfen werden und anstückeln das Leben, das sie auf der Erde durchgemacht haben, an das Leben, das sie geführt haben bis zur Konzeption oder bis zur Geburt. Man muß eben sagen: Dasjenige, was man in dem Kinde vor sich hat bis zu diesem Zeitpunkte zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre, das ist eigentlich so, daß es viel ungetrennter das Leiblich-Seelische und das Geistig-Seelische enthält, als der spätere Mensch es enthält. Der spätere Mensch ist viel mehr ein dualistisches Wesen als das Kind. Das Kind hat in seinem Leibe drinnenstecken das Geistig-Seelische, und es arbeitet das Seelisch-Geistige am Leibe. Als eine Zweiheit erscheint das Geistig-Seelische gegenüber dem Leiblich-Seelischen erst nach diesem geschilderten Zeitpunkte. So daß man sagen muß: Von diesem Zeitpunkt ab bekümmert sich das Geistig-Seelische im Menschen weniger um das Leibliche, als es sich vorher bekümmert hat. Das Kind ist als leibliches Wesen ein viel seelischeres Wesen als der spätere Mensch. Der Leib des Kindes ist eben durchaus noch in seinem Wachstum von den Seelenkräften durchsetzt, denn es bleiben noch immer seelische Kräfte zurück, auch wenn sich ein großer Teil mit dem Zahnwechsel eben verwandelt hat.

[ 17 ] This is why children who die before this point essentially have, in the life they experience up to the fifth, sixth, seventh, or even eighth or ninth year of life, something that has only slightly separated them from that spiritual-soul world experienced between death and a new birth; so that children are relatively easily drawn back into this spiritual-soul world, so that, in a sense, they merely append something to the life they completed at conception or birth; and so that, when we consider this death, a true severing of a new life actually occurs only when children die after this point. In a sense, the new life does not bind itself to the old life in such an intense way. It is only then that the states I described in my Theosophy are clearly experienced, whereas in the case of children who die earlier, they are, so to speak, thrown back again and append the life they have lived on Earth to the life they led up to conception or birth. One must simply say: What we see in the child up to this point—between the ages of nine and ten—actually contains the physical-soul and spiritual-soul aspects in a much more inseparable way than the adult does. The adult is a far more dualistic being than the child. The child has the spiritual-soul aspect embedded within its body, and the soul-spiritual aspect works upon the body. It is only after the period described above that the spiritual-soul aspect appears as a duality in relation to the physical-soul aspect. Thus, one must say: From this point on, the spiritual-soul aspect in the human being is less concerned with the physical than it was before. As a physical being, the child is a much more soulful being than the adult. The child’s body is, in its growth, still thoroughly permeated by soul forces, for soul forces still remain, even though a large part of them has just been transformed with the change of teeth.

[ 18 ] Dann können wir sagen: Es beruhigt sich in einer gewissen Weise nach und nach so vom zwölften Lebensjahre ab dieser Kampf, den ich geschildert habe, und mit der Geschlechtsreife tritt ja dann der astralische Leib in seine volle Berechtigung in der menschlichen Konstitution ein. Das aber, was sich da loslöst vom Menschen, was sich später gewissermaßen um das Leibliche weniger kümmert, das ist dann auch dasjenige, was den Menschen wieder durch die Pforte des Todes in die geistig-seelische Welt hineinträgt, wenn er stirbt. Wie gesagt, das Kind in seinem früheren Lebensalter wird mehr zurückgeworfen zu seinem vorigen Leben, der Mensch nach diesem Zeitabschnitte ist getrennt von seinem vorigen Leben. Und was sich da loslöst, das enthält in sich die Keime, um durchzugehen durch die Pforte des Todes. Man kann mit imaginativer Erkenntnis sehr genau diese Dinge durchschauen, und man kann auf die Einzelheiten sehr genau hindeuten. Man kann hindeuten darauf, wie die Kräfte, die da auftreten, zu scharf konturierten Begriffen führen — die aber abdämpfen die geistigen Realitäten, in deren Mitte wir im Schlafzustande leben — und die den Menschen eben zu einem selbständigen Wesen machen.

[ 18 ] Then we can say: In a certain sense, the struggle I have described gradually subsides from the age of twelve onward, and with sexual maturity, the astral body comes into its own within the human constitution. But that which detaches itself from the human being—that which, in a sense, later pays less attention to the physical body—is also what carries the human being back through the gate of death into the spiritual-soul world when he dies. As I said, the child in his earlier years is drawn back more toward his previous life, whereas the human being after this period is separated from his previous life. And what detaches itself in this way contains within itself the seeds necessary to pass through the gate of death. Through imaginative insight, one can perceive these things very clearly, and one can point out the details with great precision. One can point out how the forces that arise there lead to sharply defined concepts—which, however, dampen the spiritual realities in the midst of which we live during sleep—and which are precisely what make a human being an independent being.

[ 19 ] Dadurch daß er sich abschnürt, daß er abdämpft die geistigen Realitäten, wird ja der Mensch neuerdings der Geist unter Geistern, der er sein muß, wenn er durch die Pforte des Todes geht. Das Kind schlüpft, ich möchte sagen, in die geistigen Realitäten immer hinein; der spätere Mensch löst sich los von diesen geistigen Realitäten, wird in sich selber konsistent. Allerdings, das was da konsistent wird, man kann es erst durchschauen mit imaginativer und inspirierter Erkenntnis, aber vorhanden ist es ja beim Menschen. Es findet der Prozeß doch statt, auf den ich gestern hingedeutet habe. Wenn der Mensch nicht Geisteswissenschaft auf sich wirken läßt, dann ist es schon so: Was sich da loslöst — insbesondere in dem Zeitalter, wo der Mensch nur materialistische Begriffe und intellektualistische Begriffe empfängt, wo also in die Schule schon, und gerade in die Schule hineingetragen wird dasjenige, was Intellektualismus und Materialismus ist, denn unsere einzelnen Schulfächer sind ja materialistisch gestaltet —, was sich da loslöst, das wird nach der ahrimanischen Richtung hin organisiert. Weil wir eben in bezug auf unseren Willen, also auch in bezug auf unsere Instinkte auch bei Tag schlafend sind, so nimmt das, was sich da loslöst, die Instinkte gefangen. Wir erziehen uns zur Überwindung dieses instinktiven Lebens, indem wir gerade die geisteswissenschaftlichen Begriffe aufnehmen.

[ 19 ] By cutting himself off, by dampening spiritual realities, man once again becomes the spirit among spirits that he must be when he passes through the gate of death. The child, I might say, is always slipping into spiritual realities; the adult, however, detaches himself from these spiritual realities and becomes consistent within himself. Admittedly, what becomes consistent there can only be grasped through imaginative and inspired insight, but it is indeed present in the human being. The process I alluded to yesterday does indeed take place. If a person does not allow spiritual science to take effect within him, then it is indeed the case that: What detaches itself there—especially in an age when people receive only materialistic and intellectualistic concepts, when, in fact, what constitutes intellectualism and materialism is already being introduced into schools, and particularly into schools, since our individual school subjects are, after all, structured materialistically—what detaches itself there is organized along Ahrimanic lines. Because we are, as it were, asleep even during the day with regard to our will—and thus also with regard to our instincts—what is breaking free there captures the instincts. We educate ourselves to overcome this instinctive life precisely by taking in the concepts of spiritual science.

[ 20 ] Wer ein bloßer Intellektualist und Materialist oder Sensualist ist, der sagt ja von diesen geisteswissenschaftlichen Begriffen: Ja, diese geisteswissenschaftlichen Begriffe sind Phantasien, sie bezeichnen ja nichts von dem, was wirklich ist! — Er nennt nämlich «wirklich» nur, was die Sinne überschauen können. Das wollen aber diese Begriffe gar nicht bezeichnen. Alles, was Sie in meiner «Geheimwissenschaft» an Begriffen vorgeführt finden, das will ja gar nicht die äußere Sinneswelt bezeichnen, das will ja eine Beschreibung einer übersinnlichen Welt sein. Nimmt man diese Begriffe auf, so nimmt man eben Begriffe über diese übersinnliche Welt auf, auch wenn man noch nicht hineinschauen kann. Man nimmt Begriffe auf, die geeignet sind für die übersinnliche Welt, die nicht anwendbar sind für die sinnliche, physische Welt, und man reißt sich los auch von demjenigen, was an sich vom Menschen in der physisch-sinnlichen Welt lebt, das heißt von den Instinkten.

[ 20 ] Anyone who is a mere intellectualist, materialist, or sensualist will say of these concepts of the spiritual sciences: “Yes, these concepts of the spiritual sciences are fantasies; they do not describe anything that really exists!” — For he considers “real” only what the senses can perceive. But that is not at all what these concepts are intended to denote. All the concepts you will find presented in my Occult Science are not meant to describe the external sensory world at all; rather, they are intended to be a description of a supersensory world. When one takes these concepts on board, one is taking on concepts about this supersensory world, even if one cannot yet see into it. One adopts concepts that are suited to the supersensible world—concepts that are not applicable to the sensory, physical world—and one also breaks free from that which, in and of itself, lives within the human being in the physical-sensory world, that is, from the instincts.

[ 21 ] Diese Erziehung braucht aber das Menschengeschlecht, sonst würde die Menschheit immer mehr und mehr in das soziale Chaos einlaufen. Denn die wirkliche Folge — das ist so, wie ich es gestern gesagt habe —, die wirkliche Folge des Intellektualismus und Materialismus in der Wissenschaft, die wirkliche Folge überhaupt unserer gegenwärtigen Wissenschaftlichkeit ist ein sozialer Zustand, der chaotisch ist und der jetzt im Osten von Europa in einer so furchtbaren Weise aufgeht.

[ 21 ] But the human race needs this kind of education; otherwise, humanity would slide further and further into social chaos. For the real consequence—as I said yesterday—the real consequence of intellectualism and materialism in science, the real consequence of our current scientific mindset in general, is a chaotic social state that is now unfolding in such a terrible way in Eastern Europe.

[ 22 ] Wie gesagt, mit Logik kann man nicht aus Machscher, Avenariusscher Philosophie oder aus Bergsons Philosophie Bolschewismus ableiten; aber die reale Logik, die bringt einen dazu, die leitet das ab. Das ist etwas, was die gegenwärtige Menschheit schon einmal ins Auge fassen muß, daß durch die Entwickelung der letzten Jahrhunderte heraufgezogen ist ein Dualismus zwischen der Naturanschauung und der moralischen Ideenwelt des Menschen. Wir haben auf der einen Seite eine Naturanschauung, die nur mit der Naturnotwendigkeit arbeitet, wie ich öfter auseinandergesetzt habe, die streng, die exakt sein will, die alles zurückführen will auf gewisse ursächliche Zusammenhänge, Kausalitäten, wie man sagt. Diese Naturanschauung setzt zusammen ein Weltengebäude, bildet Hypothesen über Erdenanfang und Erdenende.

[ 22 ] As I said, logic alone cannot be used to deduce Bolshevism from the philosophies of Mach, Avenarius, or Bergson; but real logic—that is what leads one to that conclusion. This is something that humanity today must take into account: that the developments of the past few centuries have given rise to a dualism between humanity’s view of nature and its moral world of ideas. On the one hand, we have a view of nature that operates solely on the basis of natural necessity—as I have often explained—a view that seeks to be strict and precise, that seeks to reduce everything to certain causal relationships, or “causalities,” as they are called. This view of nature constructs a cosmic edifice and formulates hypotheses about the beginning and end of the Earth.

[ 23 ] Ihr steht gegenüber dasjenige, was der Mensch an moralischen und religiösen Idealen erlebt. Das ist aber gänzlich losgerissen von dem, was in der Naturanschauung lebt. Deshalb hat man ja so sehr das Bestreben, diesen moralisch-religiösen Inhalt durch eine bloße Glaubensgewißheit zu rechtfertigen. Man hat es geradezu zu einem System erhoben, diesen moralisch-religiösen Inhalt allein für sich stehen zu lassen, ihn gewissermaßen nicht berührt werden zu lassen von dem Inhalte, den man hat, wenn man die äußere Natur beschreibt, denn man fühlt, wie das eine das andere zerstört, neben sich nicht bestehen läßt. Und unsere heutige Naturanschauung, wie sie gerade in ihrer neuesten Phase ist, wo sie Optik und Elektrodynamik vereinigt hat, diese Naturanschauung, die da in der neuesten Phase lebt, zieht notwendigerweise die Vorstellung des Wärmetodes nach sich. Aber dann stirbt die Erde mit all ihren Menschen am Erdenende, und dann entwickelt sich keine Menschenseele trotz aller moralischen Ideale. Über dieses Erdenende hinaus gilt das Gesetz von der Erhaltung der Kraft, von der Erhaltung der Energie; dann ist durch dieses Gesetz von der Erhaltung der Energie der Erdentod gegeben, dann stirbt die Erde mit allen Menschenseelen, so wie nach der Ansicht des Materialisten sterben muß die Menschenseele mit dem menschlichen Leib. Einzig und allein wenn wir uns klar sind darüber, daß dasjenige, was moralisch in uns lebt, was von religiösen Idealen durchsetzt ist, in uns lebt wie ein Keim, der eine Realität in sich enthält, so wie der Keim in einer Pflanze, der im folgenden Jahre in der nächsten Gestalt der Pflanze aufgeht; nur wenn wir uns klar darüber sind, daß dasjenige, was moralisch in uns lebt, Anfang und Keim eines künftigen natürlichen Daseins ist, und daß die Erde mit allem, was sie in sich enthält, für unsere Augen schaubar, für unsere Ohren hörbar, für unsere übrigen Sinne vernehmbar, nicht dem Gesetze der Erhaltung der Kraft unterliegt, sondern abstirbt, abfällt von allen Menschenseelen, die dann die moralischen Ideale hinaustragen als ein neues Naturgeschehen, als das Jupiter-, Venus-, Vulkandasein; nur wenn wir uns darüber klar sind: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte, das heißt der Logos, der sich in den Menschenseelen ausbildet, wird nicht vergehen —, wenn wir uns klar sind, wörtlich klar sind über dieses Wort, dann erst können wir mit Ehrlichkeit sprechen von einer moralischen und einer religiösen Inhaltlichkeit unserer Menschenseele. Sonst ist es unehrlich. Sonst setzen wir gewissermaßen das Moralische hinein in die Welt und halten uns an eine andere Gewißheit als diejenige, die die Naturgewißheit ist. Sind wir uns aber klar, daß, wenn die Worte des Christus wahr sind, mit dem Moralischen ein Kosmos anfängt, der sich den toten Hüllen entringen wird, wenn dieser Kosmos in Staub zerfällt, dann haben wir eine Weltanschauung, die das Moralische und das Natürliche in ihren Metamorphosen zeigt.

[ 23 ] Opposite this stands what human beings experience in terms of moral and religious ideals. But this is completely detached from what lives in our view of nature. That is why there is such a strong desire to justify this moral-religious content through mere certainty of faith. People have practically elevated it to a system: to let this moral-religious content stand on its own, so to speak, not allowing it to be touched by the content one has when describing external nature—for one senses how one destroys the other and does not allow it to coexist. And our current view of nature, as it stands in its latest phase—where it has united optics and electrodynamics—this view of nature, which exists in its latest phase, necessarily entails the concept of heat death. But then the Earth, with all its people, will die at the end of the Earth, and then no human soul will develop, despite all moral ideals. Beyond this end of the Earth, the law of the conservation of force—the conservation of energy—applies; then, by this law of the conservation of energy, the death of the Earth is determined, and the Earth dies along with all human souls, just as, according to the materialist’s view, the human soul must die with the human body. Only and exclusively if we are clear about the fact that that which lives within us morally—that which is imbued with religious ideals—lives within us like a seed that contains a reality within itself, just as the seed in a plant sprouts the following year into the plant’s next form; only if we are clear that what lives within us morally is the beginning and seed of a future natural existence, and that the Earth, with all that it contains—visible to our eyes, audible to our ears, and perceptible to our other senses—is not subject to the law of conservation of energy, but dies away, falling away from all human souls, who then carry the moral ideals forth as a new natural phenomenon, as the existence of Jupiter, Venus, and Vulcan; only if we are clear about this: Heaven and Earth will pass away, but my words—that is, the Logos that takes shape within human souls—will not pass away—if we are clear, literally clear, about this word, only then can we speak honestly of a moral and religious substance within our human soul. Otherwise, it is dishonest. Otherwise, we are, so to speak, imposing the moral onto the world and clinging to a certainty other than that which is the certainty of nature. But if we are clear that, if the words of Christ are true, the moral gives rise to a cosmos that will break free from its dead shells, and that when this cosmos crumbles to dust, then we have a worldview that reveals the moral and the natural in their metamorphoses.

[ 24 ] Das ist es, was die gegenwärtige Menschheit durchdringen muß. Denn mit jener Anwendung des Naturdenkens, die sich herausgebildet hat in den letzten Jahrhunderten, ist es unmöglich, auch nur zu dem einfachsten Sozialbegriff zu kommen, den wir gebrauchen. Denn in diesen Sozialbegriffen muß etwas leben von dem, was die Moralität zu gleicher Zeit erkennt in ihrer kosmischen Bedeutung. Der Mensch muß wiederum lernen, wie er ein kosmisches Wesen ist. Nicht früher wird er die sozialen Angelegenheiten hier auf dem Erdenrund zu ordnen verstehen, bevor er erkannt hat, wie er als Menschenwesen zusammenhängt mit kosmischen Absichten, mit kosmischen Entitäten.

[ 24 ] This is what humanity today must come to understand. For with that approach to thinking about nature that has developed over the last few centuries, it is impossible to arrive even at the simplest social concept that we use. For these social concepts must embody something of what morality simultaneously recognizes in its cosmic significance. Human beings must learn once again that they are cosmic beings. They will not be able to organize social affairs here on Earth until they have recognized how, as human beings, they are connected to cosmic purposes and cosmic entities.

[ 25 ] Das ist dasjenige, was gespürt wird von denjenigen Menschen unseres Zeitalters, die diese ganze Tragik in ihrer Seele empfinden können, die gekommen ist durch den Abgrund zwischen der Naturanschauung und der moralischen Anschauung, die wir haben. Vielleicht fühlen erst wenige die ganze Bedeutung dieses Abgrundes, aber er muß überbrückt werden, dieser Abgrund. Es muß wiederum die Möglichkeit kommen, ein solches Wort wörtlich zu nehmen: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Das heißt: Was in der Menschenseele erkeimt, das wird sich entfalten, gerade wenn die Erde zugrunde gegangen sein wird.

[ 25 ] This is what is felt by those people of our age who can sense in their souls the full tragedy that has arisen from the chasm between our view of nature and our moral outlook. Perhaps only a few people yet feel the full significance of this gulf, but this gulf must be bridged. The possibility must once again arise to take such a saying literally: “Heaven and earth will pass away, but my words will not pass away.” This means: What takes root in the human soul will unfold, precisely when the earth has perished.

[ 26 ] Man kann aber nicht ein ehrlicher Anhänger des Gesetzes der Erhaltung der Energie sein und zu gleicher Zeit glauben, daß die moralische Welt eine ewige Bedeutung hat. Nur insofern man den Mut finden wird, gerade aus diesem Zentrum das Wesen unserer Naturanschauung zu durchblicken, wird man einen Ausweg finden aus dem Chaos der Gegenwart. Dieser Ausweg kann nur gefunden werden, wenn sich die Menschen entschließen, wiederum, und jetzt bewußt, zu jener Weisheit zurückzukehren, die die Menschheit einmal in jenen alten Mysterien gehabt hat auf instinktive Weise. Würde die Menschheit sich entschließen, bewußt zu der geistigen Welt vorzudringen, die objektive Möglichkeit ist dazu vorhanden, meine lieben Freunde. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts will eine Welle geistiger Welt in unsere physische Welt herein. Ich möchte sagen, sie stürmt herein, sie ist da. Die Menschen brauchen bloß ihr Herz und ihren Sinn zu öffnen, und sie wird zu den Menschenherzen und zu den Menschenseelen sprechen. Die übersinnliche Welt meint es gut, aber die Menschheit stemmt sich noch dagegen. Und dasjenige, was das zweite Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in so furchtbarer Weise erlebt hat, letzten Endes ist es das Stemmen der Menschheit gegen die hereinbrechenwollende Welle der geistigen Welt. Aber man möchte sagen, am schlimmsten ist es da, wo gerade der wissenschaftliche Geist sich wendet gegen dieses Hereinströmen der geistigen Welt. Man will ja, nachdem einmal die materialistischen, intellektualistischen Denkgewohnheiten heraufgezogen sind, nicht in irgendeiner Form dasjenige zur Handhabung bringen, was aus der geistigen Welt heraus gewonnen werden kann.

[ 26 ] However, one cannot be a sincere adherent to the law of conservation of energy and at the same time believe that the moral world has eternal significance. Only to the extent that we find the courage to perceive the essence of our view of nature from this very center will we find a way out of the chaos of the present. This way out can only be found if people resolve, once again—and now consciously—to return to that wisdom which humanity once possessed instinctively in those ancient mysteries. If humanity were to resolve to consciously penetrate the spiritual world, the objective possibility for this exists, my dear friends. Since the end of the 19th century, a wave from the spiritual world has been seeking to enter our physical world. I would say it is storming in; it is already here. People need only open their hearts and minds, and it will speak to human hearts and souls. The supersensible world means well, but humanity is still resisting it. And what the second decade of the 20th century experienced in such a terrible way is, ultimately, humanity’s resistance to the wave of the spiritual world that is seeking to break in. But one might say that the situation is worst precisely where the scientific spirit turns against this influx of the spiritual world. After all, now that materialistic and intellectualistic habits of thought have taken hold, people do not want to make use, in any form, of what can be gained from the spiritual world.

[ 27 ] In dieser Beziehung hat eben doch die intellektualistisch-materialistische Welle ihren Höhepunkt, ihren Höhenschlag gehabt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Natürlich hat sich der Materialismus lange vorbereitet. Ich habe immer hingewiesen auf seinen eigentlichen weltgeschichtlichen Anfang; denn was im Griechentum gelebt hat als Materialismus, ist ja nur ein Vorspiel gewesen, etwa in Demokrit und in andern. Seine weltgeschichtliche Bedeutung hat der Materialismus erst nach und nach entwickelt seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Gewiß hat er sich ja langsam entwickelt, aber es waren, wenn auch die dogmatische, wenn auch die wirkliche Tradition erloschen war, immer noch, ich möchte sagen, Empfindungen davon vorhanden, daß eine geistige Welt da ist wie eine physische Welt, daß diese geistige Welt erfaßt werden kann, aber nicht erfaßt werden kann durch das bloße intellektualistische menschliche Gebaren.

[ 27 ] In this regard, the intellectualist-materialist wave did indeed reach its peak, its high point, in the second half of the 19th century. Of course, materialism had been developing for a long time. I have always pointed to its actual beginning in world history; for what existed in ancient Greece as materialism was, after all, merely a prelude, as seen in Democritus and others. Materialism only gradually developed its significance in world history beginning in the mid-15th century. Certainly, it developed slowly, but even after both the dogmatic and the actual traditions had died out, there were still—I would say—sensations present that a spiritual world exists just as a physical world does, that this spiritual world can be grasped, but not through mere intellectualistic human behavior.

[ 28 ] Heute weisen manche Menschen, die das Wesentliche davon noch nicht sehen, mit einer gewissen Wehmut selbst auf noch nicht lange hinter uns liegende Zeiten zurück, wo auch die positivistisch und materialistisch gearteten Denker eigentlich noch immer sich geschämt hätten, dasjenige, was Mensch ist, so ganz und gar unmenschlich zu betrachten. Darnach hat man im Grunde genommen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gestrebt, ist darauf verfallen, ganz und gar unmenschlich den Menschen zu betrachten, auszulöschen das spezifisch Menschliche. Es hat sich das dann dadurch gerächt, daß der Mensch nach und nach ausgebildet hat ein verhältnismäßig ganz abstraktes Denken, wie es etwa hervorgetreten ist in der neueren Gestalt der Relativitätstheorie. Daher ist es immerhin interessant, und man sollte sich daran halten, daß es noch immer einige Geister gibt, die zurückverweisen auf die Zeiten, wo selbst noch materialistisch orientierte Geister dasjenige, was in bezug auf den Menschen unternommen werden sollte, vom Geiste aus behandelt wissen wollten.

[ 28 ] Today, some people—who have not yet grasped the essence of this—look back with a certain wistfulness to a time not so long ago, when even thinkers of a positivist and materialist bent would still have been ashamed to view what it means to be human in such a completely inhuman way. It was not until the second half of the 19th century, in essence, that people began to strive for—and ultimately succumbed to—viewing human beings in a completely inhuman way, seeking to eradicate what is specifically human. This then backfired in that human beings gradually developed a relatively abstract mode of thinking, as has become evident, for example, in the more recent form of the theory of relativity. It is therefore interesting, at any rate—and one should bear this in mind—that there are still some minds that look back to the times when even materialistically oriented thinkers wanted what was to be undertaken with regard to human beings to be approached from a spiritual perspective.

[ 29 ] Gewiß, ein durch und durch intellektualistischer, positivistischer Geist war Auguste Comte, aber er lebte eben noch nicht in dem Zeitalter vom Ende des 19. Jahrhunderts, wo der Mensch schon ganz und gar herausgeworfen war aus der menschlichen Anschauung, wo man weil ja durch Intellektualismus und Materialismus nur die äußere Natur begriffen wird — nur noch die äußere Natur begriff, wo man das eigene Menschliche nicht mehr ins Auge faßte beziehungsweise nur so, daß man auch sein eigenes Menschliches in den Bildern der bloß außermenschlichen Natur dachte. Und so ist es interessant, wenn wir jetzt lesen können, daß ein englischer Denker, Frederick Harrison, vor kurzem eine Äußerung getan hat über Auguste Comte. Er sagt: Ich denke an eine prägnante Bemerkung Auguste Comtes, die er vor mehr als siebzig Jahren gemacht hat. — Auguste Comte, der Positivist, der Intellektualist, der aber noch etwas berührt war von der Geistigkeit der alten Zeit, er sieht schon heraufkommen die Zeit, wo der Mensch vollständig ausgeschaltet ist. Aber trotz seines Positivismus, trotz seines Intellektualismus mißfällt ihm das, was da heraufzieht und was er in der Ausprägung, die es dann bekommen hat im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, gar noch nicht gesehen hat: Unsere modernen Ärzte, sagte Comte, scheinen mir im wesentlichen Tierärzte zu sein. — Er meinte — so sagt Harrison dann weiter —, daß sie den Menschen zu oft und besonders die Frauen so behandeln, als ob sie Pferde oder Kühe wären.

[ 29 ] Certainly, Auguste Comte was a thoroughly intellectualist and positivist thinker, but he did not yet live in the era of the late 19th century, when humanity had already been completely cast out of human perception—an era in which, because intellectualism and materialism comprehend only external nature — only external nature was understood, where one no longer took one’s own humanity into account, or rather, did so only in such a way that one conceived of one’s own humanity through the images of purely non-human nature. And so it is interesting that we can now read that an English thinker, Frederick Harrison, recently made a statement about Auguste Comte. He says: I am thinking of a pithy remark Auguste Comte made more than seventy years ago. — Auguste Comte, the positivist, the intellectualist, who was, however, still somewhat touched by the spirituality of the old era, already sees the time approaching when the human being will be completely sidelined. But despite his positivism, despite his intellectualism, he was displeased by what was on the horizon—and which he had not yet even seen in the form it eventually took in the last third of the 19th century: “Our modern doctors,” said Comte, “seem to me, in essence, to be veterinarians.” — He meant — as Harrison goes on to say — that they too often treat people, and especially women, as if they were horses or cows.

[ 30 ] Comte betonte, daß Krankheiten gewöhnlich von mehr als einer Seite betrachtet werden müssen, daß sie ein geistiges Element in sich haben, zuweilen sogar in hervorstechender Art ein geistiges Element, so daß ein Arzt für Menschen ebensogut ein Philosoph der Seele sein sollte wie ein Anatom des Körpers. Er behauptete, das wahre Heilmittel habe zwei Seiten. Aus diesem Grunde — so sagt jetzt Harrison dazu — würde er die Freudsche Einseitigkeit abweisen. Und dann sagt Harrison weiter, wie diese Comtesche Anschauungsweise in einer gewissen Art weitergebildet worden ist, aber wie man doch immer mehr und mehr verfallen ist in diejenige Anschauungsweise, die eben die Menschen behandelt wie Pferde und Kühe und die die Menschheitsärzte allmählich zu Tierärzten gemacht hat. Und er sagt, man sehe nirgends die Hauptlehre des Auguste Comte: Alles ist relativ — was schon den berechtigten Kern der Relativitätslehre in sich enthielt. Diese Hauptlehre des Auguste Comte hat eine bessere Grundlage und eine gründlichere Tiefe in Philosophie und Leben als Einstein. — Es ist immerhin erfrischend, wenn man heute noch einen solchen Ausspruch hört, denn wir leben einmal in dem Zeitalter, in dem sich gerade der Wissenschaftsgeist stemmt gegen alles, was von geistiger Seite herkommt, und namentlich was den Geist überführen will in das menschliche Leben, in das menschliche Handeln, insbesondere in so wichtige Gebiete wie das medizinische Handeln.

[ 30 ] Comte emphasized that diseases must usually be considered from more than one perspective, that they contain a mental element—sometimes even a prominent mental element—so that a physician should be as much a philosopher of the soul as an anatomist of the body. He asserted that the true remedy has two aspects. For this reason—as Harrison now comments—he would reject Freudian one-sidedness. Harrison goes on to explain how this Comtean perspective has been developed in a certain way, but how we have nevertheless increasingly fallen into the very mindset that treats people like horses and cows and has gradually turned physicians of humanity into veterinarians. And he says that nowhere is Auguste Comte’s central doctrine to be found: “Everything is relative”—which already contained the legitimate core of the theory of relativity. This central doctrine of Auguste Comte has a better foundation and a more profound depth in philosophy and life than Einstein’s. — It is, after all, refreshing to hear such a statement even today, for we live in an age in which the spirit of science is rebelling against everything that comes from the spiritual realm, and especially against anything that seeks to bring the spirit into human life, into human action, and particularly into such important areas as medical practice.

[ 31 ] Wenn wir uns nun fragen: Was ist es denn, was den Materialismus und den Intellektualismus gerade für die gegenwärtige Wissenschaftlichkeit so anziehend macht? Nun, sehen Sie sich an, wie da die Dinge vor sich gehen. So wie nun einmal unser Schulwesen eingerichtet ist, möchte man, daß der Lehrer möglichst wenig an die ganze Konfiguration des Kindes herangeht. Der Lehrer ist viel zu bequem, und er wird schon selber viel zu bequem erzogen, um an die Feinheiten der kindlichen Entwickelung, wie ich sie auch heute wieder geschildert habe, wirklich heranzugehen. Mit solchen Dingen will man sich ja nicht beschäftigen. Denn was fordern solche Dinge? Solche Dinge fordern, daß man jenen Übergang nicht scheut von dem gewöhnlichen Leben, wo man in einer Täuschung lebt, zu einem ganz andern Leben, wo uns erst Erkenntnis der Wirklichkeit wird.

[ 31 ] If we now ask ourselves: What is it, exactly, that makes materialism and intellectualism so appealing, particularly to contemporary science? Well, just look at how things are going there. Given the way our school system is currently structured, the expectation is that the teacher should engage as little as possible with the child’s overall development. Teachers are far too complacent—and they themselves have been raised to be far too complacent—to truly engage with the subtleties of a child’s development, as I have described once again today. No one wants to deal with such matters. For what do such matters demand? Such matters require that we not shy away from that transition from ordinary life—where we live in an illusion—to a completely different life, where we first come to know reality.

[ 32 ] Dieses Umwandeln des Menschen, dieses Anderswerden des Menschen behufs Erkenntnis, das ist es, was man heute gerade scheut, was man nicht will. Man will möglichst bequem zu den höchsten Wahrheiten aufsteigen, die dann aber nur höchste Abstraktionen sein können, denn allerdings zu Abstraktionen kommt man mit einer gewissen Bequemlichkeit. Da braucht man sich nicht zu etwas anderem zu machen. Aber zu einem wirklichen Lebensgehalt, wie er zugrunde liegt unserem äußeren sinnlichen Inhalt, kann man nicht kommen, wenn man nicht wenigstens sich zu Begriffen aufschwingt, die für dieses gewöhnliche Sinnesleben eben keinen Sinn haben, deren Sinn man erst durchdringen muß aus der Kraft des eigenen Inneren heraus. Der Mensch ist schon einmal hineingestellt in das Leben, das auch hinaufreicht in diese übersinnliche Welt, und er ist in unserem Zeitalter darauf angewiesen, daß ihm in gesunder Weise hineingeleuchtet wird in diese übersinnliche Welt. Und wenn ich gestern gesagt habe, daß die materialistisch-intellektualistische Weltanschauung nicht etwa nur die paar wissenschaftlich gebildeten Leute umfaßt, die eben durch eine wissenschaftliche Bildung hindurchgehen, sondern daß sie populär ist, daß sie in populären Begriffen auch bei den einfachsten Leuten lebt, die heute glauben, noch den alten Bekenntnissen anzugehören, so muß gesagt werden: Es ist eben dringend notwendig, daß einfließe in unser Gesamtleben wiederum in populärer Art auch dasjenige, was Kunde von der geistigen Welt gibt.

[ 32 ] This transformation of the human being, this becoming something else for the sake of knowledge—that is precisely what people shy away from today, what they do not want. They want to ascend as comfortably as possible to the highest truths, which, however, can then only be the highest abstractions, for one does indeed arrive at abstractions with a certain degree of ease. There is no need to transform oneself into something else. But one cannot attain a true substance of life—such as that which underlies our external sensory experience—unless one at least rises to concepts that make no sense to this ordinary sensory life, concepts whose meaning one must first penetrate through the power of one’s own inner being. Human beings are already placed within a life that extends up into this supersensible world, and in our age they are dependent on being guided in a healthy way into this supersensible world. And if I said yesterday that the materialistic-intellectualistic worldview does not merely encompass the few scientifically educated people who have undergone a scientific education, but that it is widespread—that it lives on in popular terms even among the simplest people who today believe they still belong to the old faiths—then it must be said: It is indeed urgently necessary that what conveys knowledge of the spiritual world also find its way back into our everyday lives in a popular form.

[ 33 ] Aber es treten einem überall da die charakteristischen Eigenschaften der Gegenwart entgegen, wo der Versuch gemacht wird, hineinzutragen in die Lebensgebiete, was aus anthroposophischer Geisteswissenschaft kommen kann. In Medizin, in Religion, in das soziale Leben, überall muß hineingetragen werden dasjenige, was gewiß nicht sektiererisch gemeint ist: anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, dasjenige, was auftritt mit demselben wissenschaftlichen Ernste, der in der Menschheit heranerzogen worden ist seit der Mitte des 15. Jahrhunderts an der Naturwissenschaft, die ja voll anerkannt wird.

[ 33 ] But the characteristic features of the present age confront us wherever an attempt is made to bring into the various spheres of life what can come from anthroposophical spiritual science. In medicine, in religion, in social life—everywhere, we must bring in what is certainly not meant to be sectarian: anthroposophically oriented spiritual science, which is approached with the same scientific seriousness that has been cultivated in humanity since the mid-15th century through the natural sciences, which are, of course, fully recognized.

[ 34 ] Und wenn dann das Kind herangewachsen ist, wenn es das Glück hat, durch irgendeine höhere Bildung hindurchzugehen — nun, sehen Sie, wie das heute ist: Diese jungen Leute, die Mediziner, Theologen, Philologen, Juristen, sie sollen ja dadurch nichts anderes werden, sie sollen sich ja nicht umwandeln, sie sollen ja so bleiben, wie sie sind, und nur in Abstraktionen aufnehmen, was eben ihre Wissenschaft ist. Wird der Versuch gemacht, irgend etwas von Erkenntnis der Welt zu geben, dann wird er gleich von denen, die dieses Leben so bequem in Abstraktionen weiterleben wollen — was aber in das Chaos hineinführen würde —, insbesondere da zurückgewiesen. Und so sehen wir denn ein interessantes Symptom uns entgegentreten, das ich als einzelnes Symptom doch anführen will. Bei der Gelegenheit von jetzt schon ziemlich vielen Vorträgen, die der Nürnberger Hauptprediger Geyer in verschiedenen Orten gehalten hat, zeigte es sich: Da witterten die Menschen, namentlich witterten das auch die Wissenschafter, daß der Versuch gemacht wird, in ihr Lebensgebiet anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hineinzutragen. Das wollen die Leute nicht. Und selbst Gutmeinende wollen das nicht. Sie verspüren: Da müssen sie ja umlernen in bezug auf ihre ganze Wissenschaftlichkeit, da müssen sie ja über ihre eigenen Grundbegriffe ganz anders denken. Daher ziehen sie es vor, wo so etwas auftritt, nach ihren eigenen Grundbegriffen, nach den bequemen Abstraktionen die Dinge zu beurteilen. Und so sehen wir denn gerade in Anknüpfung an die Geyerschen Vorträge einen Aufsatz von einem Obermedizinalrat Kolb hervortreten, Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen, Psychiater, also ein Mensch, der es eigentlich gerade mit innigster Befriedigung und freudig begrüßen müßte, wenn in diejenigen Gebiete, in die nur durch Geisteswissenschaft fruchtbar hineingeleuchtet werden kann, in die psychiatrischen Gebiete, da fruchtbar hineingeleuchtet würde.

[ 34 ] And then, when the child has grown up, if he is fortunate enough to pursue some form of higher education—well, look at how things are today: these young people—doctors, theologians, philologists, lawyers—are not supposed to become anything else through this; they are not supposed to transform themselves; they are supposed to remain just as they are, and to absorb only in abstractions what their respective sciences entail. If an attempt is made to impart any understanding of the world, it is immediately rejected—especially by those who wish to continue living this life so comfortably in abstractions—which, however, would lead into chaos. And so we see an interesting symptom emerging, which I would like to cite as a single example. On the occasion of the now quite numerous lectures that Geyer, the chief preacher of Nuremberg, has given in various places, it became apparent: People sensed—and scientists in particular sensed—that an attempt was being made to introduce anthroposophically oriented spiritual science into their sphere of life. People do not want that. And even those with good intentions do not want this. They sense that they would have to rethink their entire scientific approach and reconsider their own fundamental concepts in a completely different way. Therefore, when something like this arises, they prefer to judge matters according to their own fundamental concepts—according to the comfortable abstractions they are accustomed to. And so, precisely in connection with Geyer’s lectures, we see an essay emerge by Senior Medical Councilor Kolb, director of the Erlangen Sanatorium and Nursing Home, a psychiatrist, in other words, a person who should actually welcome it with the deepest satisfaction and joy if those areas—into which only the spiritual sciences can shed fruitful light, namely the fields of psychiatry—were indeed illuminated in this way.

[ 35 ] Geisteswissenschaft verfolgt in gesunder Weise die Wege, die der Psychiater in krankhafter Art durchlaufen muß, und Psychiatrie kann selber nur gesund werden, wenn sie beleuchtet wird auf allen ihren Gebieten, in allen ihren Einzelheiten von dem, was in gesunder Weise durch anthroposophische Geisteswissenschaft gefunden wird. Daher sollte ein Psychiater sich aufschwingen, seine Psychiatrie zunächst durchdringen zu lassen von Geisteswissenschaft; denn diese Psychiatrie ist ja im Grunde genommen endlich nichts anderes geworden als eine Psychopathographie. Sie ist ja etwas Furchtbares in der Gegenwart, diese Psychiatrie. Was tut denn der Psychiater? Er verspürt nicht, wie die Lichtstrahlen, die ihm von anthroposophischer Geisteswissenschaft kommen können, in die Psychiatrie hineinleuchten, sondern er stellt die Geisteswissenschaft so dar, wie sie ihm nach der bisherigen Psychiatrie erscheint, das heißt, er legt den psychiatrischen Maßstab an die Geisteswissenschaft an. Und wenn er noch dazu gutmeinend ist, dann wird das ganz besonders interessant, denn dann sehen wir, wie eben, wenn Sie sich in einer Gartenkugel spiegeln und Ihr Gesicht sehen: wenn es ein schönes Gesicht ist, so wird man ja die Schönheit noch immer sehen, aber sie ist karikiert. So muß natürlich Geisteswissenschaft karikiert erscheinen, wenn sie von jemandem, der sich mit allen Kräften dagegen stemmt und der doch gutmeinend ist, dargestellt wird. Es ist immerhin interessant, einige der Worte zu lesen, die dieser Dr.Kolb, Obermedizinalpsychiater, immerhin von guter Meinung aus, sagt:

[ 35 ] Spiritual science follows in a healthy way the paths that the psychiatrist must traverse in a pathological manner, and psychiatry itself can only become healthy if it is illuminated in all its fields and in all its details by what is discovered in a healthy way through anthroposophical spiritual science. Therefore, a psychiatrist should strive to allow spiritual science to permeate his practice of psychiatry first and foremost; for this psychiatry has, after all, ultimately become nothing more than a psychopathography. This psychiatry is, indeed, a terrible thing in the present day. What does the psychiatrist do? He does not sense how the rays of light that can come to him from anthroposophical spiritual science shine into psychiatry; rather, he portrays spiritual science as it appears to him in light of conventional psychiatry—that is, he applies the psychiatric yardstick to spiritual science. And if, on top of that, he means well, then it becomes particularly interesting, for then we see what happens when, for example, you catch your reflection in a garden mirror and see your face: if it is a beautiful face, one will still see the beauty, but it is caricatured. So, of course, spiritual science must appear caricatured when it is portrayed by someone who opposes it with all his might yet is well-meaning. It is, after all, interesting to read some of the words spoken by this Dr. Kolb, Chief Medical Psychiatrist, who is, at least, well-intentioned:

[ 36 ] «Den bekannten Anthroposophen Rudolf Steiner halte ich für eine» — verzeihen Sie, ich muß das vorlesen — «geniale, aber außerordentlich ungleich veranlagte Persönlichkeit mit manchen auffallenden, nur an Hand psychiatrischer Kenntnisse verständlichen Zügen. Auf dem Boden der Steinerschen Lehren scheint Herr Hauptprediger Geyer, Nürnberg, zu stehen. Ich habe zweimal einen öffentlichen Vortrag dieses von vielen hochgeschätzten Geistlichen gehört. Der Vortrag war als Kunstwerk entzückend. Ich würde es für eine Barbarei halten, die blaue Blume der Poesie, die uns in so anmutiger Weise gereicht wurde, zu zerpflücken, und den blauen Duft» — das Blaue scheint also nicht kritisch zu sein an dem Duft —, «in dem er uns das Herannahen des Steinerschen Zeitalters malte, durch kritische Farben zu trüben. Nur eins muß ich als Psychiater sagen: Das «Hellsehen» Steiners ist nichts anderes als gewöhnliches Denken, das durch eine Art von AutoHypnose beeinflußt wird; wenn eine geniale und, wie ich zunächst annehmen möchte» — nachher wird es schon anders kommen! — «sittlich hochstehende Persönlichkeit mit glänzender naturwissenschaftlicher und allgemeiner Bildung, genau unterrichtet über die bisherigen religions-philosophischen Lehren, wie Steiner es ist, gewissermaßen in ihr Gehirn hineinsieht und uns den Inhalt ihres Gehirns als «Anthroposophie darbietet, so werden neben zahlreichen phantastischen Zügen doch auch viele gute, edle und sittlich hochstehende, vereinzelt sogar vielleicht wissenschaftlich wertvolle Gedanken sich finden.»

[ 36 ] “I consider the well-known anthroposophist Rudolf Steiner to be a”—forgive me, I must read this aloud—“brilliant but extraordinarily unbalanced personality with many striking traits that can only be understood through psychiatric knowledge. Chief Preacher Geyer of Nuremberg seems to base his views on Steiner’s teachings. I have twice heard a public lecture by this clergyman, who is highly esteemed by many. The lecture was delightful as a work of art. I would consider it barbaric to pluck the blue flower of poetry that was so gracefully bestowed upon us, and to cloud the “blue fragrance”—so the “blue” does not seem to be the subject of criticism here—with which he painted for us the approach of the Steiner era, by tainting it with critical hues. There is only one thing I must say as a psychiatrist: Steiner’s “clairvoyance” is nothing other than ordinary thinking influenced by a kind of self-hypnosis; when a brilliant and—as I would like to assume at first”—though things will turn out differently later!—“morally upright personality with a brilliant education in the natural sciences and general knowledge, thoroughly versed in the religious and philosophical teachings to date, as Steiner is, looks into his own mind, so to speak, and presents the contents of his mind to us as “anthroposophy,” then, alongside numerous fantastical elements, one will also find many good, noble, and morally upright thoughts—and in isolated cases, perhaps even scientifically valuable ones.”

[ 37 ] Nun also bitte ich Sie, hören Sie sich das an: Das gewöhnliche Denken, durch Autohypnose beeinflußt, sieht in das Gehirn hinein, und was man dann im Gehirn sieht, das stellt man als Anthroposophie dar! Bitte, nehmen Sie nur diesen genialen Satz dieses Psychiaters: also alles beim Hineinschauen in das Gehirn, ein wenig von Autosuggestion beeinflußt!

[ 37 ] So now I ask you to listen to this: Ordinary thinking, influenced by self-hypnosis, looks into the brain, and whatever one then sees in the brain is presented as anthroposophy! Please, just consider this brilliant statement by this psychiatrist: so everything one sees when looking into the brain is influenced a little by autosuggestion!

[ 38 ] «Wenn aber seine bisher nur den Gebildeten zugängliche Lehre von der Kanzel unters Volk geworfen würde, dann würden auch minder geniale Menschen, ohne Vorbildung, den staunenden Menschen die Produkte ihres «Hellsehens» verkünden.»

[ 38 ] “But if his teachings—which until now have been accessible only to the educated—were to be hurled from the pulpit down to the people, then even less gifted individuals, without any prior education, would proclaim the products of their ‘clairvoyance’ to an astonished public.”

[ 39 ] Die haben es nämlich schon genug getan, diese weniger Gebildeten! Es ist tatsächlich, als ob dieser Psychiater, der in der Anthroposophie ein von Autohypnose beeinflußtes Denken, das in das Gehirn hineinsieht, erblickt, überhaupt außerhalb der wirklichen Welt lebte.

[ 39 ] Those less educated people have already done enough! It really is as if this psychiatrist, who sees in anthroposophy a way of thinking influenced by self-hypnosis that peers into the brain, were living completely outside the real world.

[ 40 ] «Da der Okkultismus ähnlich dem Kommunismus eine verhängnisvolle Anziehungskraft besitzt auf Geistesschwache, auf die noch unreife Jugend, auf das vorzeitig gealterte Alter, auf Phantasten, auf Hysterische, vor allem auf die Psychopathen, die Haltlosen, die krankhaften Lügner und Schwindler, so würden wir erleben, daß in unserem durch Krieg, Tod und Not und Sorge um die Zukunft zermürbten und empfänglich gemachten Volk «Propheten» aufstehen, ähnlich denen, von deren Taten wir in der Geschichte der Münsterschen Wiedertäufer mit Schaudern lesen. Es ist ein hohes Verdienst der katholischen Kirche, daß sie mit vollster Klarheit und Schärfe Steiner abgelehnt hat» — diese «Klarheit und Schärfe» lesen Sie ja bei hier recht nahe Lebenden! «und ich möchte als Protestant jeden einzelnen protestantischen Geistlichen recht herzlich bitten, doch jene Gefahr und die Gefahr des Verfalls unserer Kirche in eine öde und gefährliche Sektiererei recht genau zu prüfen, bevor er die gerade für ideal gerichtete Christen vielfach gefährlich verlockende, aber mit pathologischen Zügen schwer durchsetzte Lehre Steiners empfiehlt.»

[ 40 ] “Since occultism, much like communism, exerts a fatal attraction on the mentally weak, on immature youth, on the prematurely aged, on dreamers, on hysterical individuals, and above all on psychopaths, the unstable, pathological liars, and swindlers, we would see ‘prophets’ rise up among our people—a people worn down and made susceptible by war, death, hardship, and anxiety about the future—similar to those whose deeds we read about with horror in the history of the Münster Anabaptists. It is to the Catholic Church’s great credit that it has rejected Steiner with the utmost clarity and severity”—you can indeed observe this “clarity and severity” among those living quite close to us! “And as a Protestant, I would like to earnestly ask every single Protestant clergyman to examine very carefully that danger—and the danger of our church’s descent into a barren and dangerous sectarianism—before recommending Steiner’s doctrine, which is often dangerously alluring, especially to idealistic Christians, but is heavily laced with pathological traits.”

[ 41 ] Diese Lektion hat also von einem Psychiater, Obermedizinalrat Dr. Gustav Kolb, Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen, Hauptprediger Geyer empfangen.

[ 41 ] This lesson was thus delivered by a psychiatrist, Senior Medical Officer Dr. Gustav Kolb, director of the Erlangen Sanatorium and Nursing Home, to Chief Preacher Geyer.

[ 42 ] Sie sehen, wie die Seelenverfassung eines Menschen beschaffen ist, der ganz und gar die Denkgewohnheiten des modernen Wissenschaftsgeistes in sich aufgenommen hat. Und bitte, bedenken Sie jetzt einmal ein bißchen, meinetwillen meditieren Sie sogar darüber, was herauskommen würde, wenn man, statt den Blick in die Außenwelt zu richten, statt ihn geistig durch Imagination, Inspiration, Intuition zu schärfen und dann dasjenige hervorzubringen, was etwa in meiner «Geheimwissenschaft» steht, diesen Blick nach innen richten würde und nun das menschliche Gehirn schildern würde, etwas durch Autohypnose beeinflußt. Nicht wahr, es ist schon Wahnsinn, was da der Psychiater schildert! Es ist tatsächlich in Psychiatrie getaucht die Schilderung, die da auftaucht! Aber man muß sagen, solch ein Mensch, wie dieser Gustav Kolb, ist ja sogar gutmeinend, denn er findet, daß er den blauen Duft nicht durch andere kritische Farben zerpflücken soll, er findet es sogar eine Barbarei, gegen die blaue Blume, die der Pastor Geyer heranträgt, aufzutreten. Also er ist von der einen Seite sogar gutmütig; aber er ist ein wirklich typischer Repräsentant der modernen Wissenschaftlichkeit.

[ 42 ] You can see what the state of mind is like for a person who has completely internalized the habits of thought characteristic of the modern scientific spirit. And please, take a moment to consider—for my sake, even meditate on—what would result if, instead of directing one’s gaze toward the external world, instead of sharpening it mentally through imagination, inspiration, intuition, and then bring forth what is written, for example, in my Occult Science, were to turn that gaze inward and describe the human brain—perhaps under the influence of self-hypnosis. Isn’t it sheer madness what the psychiatrist describes there! The description that emerges here is indeed steeped in psychiatry! But one must say that a person like this Gustav Kolb is actually well-meaning, for he feels he shouldn’t pick apart the blue scent with other critical colors; he even considers it barbaric to oppose the blue flower that Pastor Geyer is bringing forward. So, in a way, he’s even good-natured; but he’s a truly typical representative of modern scientific thinking.

[ 43 ] Das ist dasjenige,was von der modernen Wissenschaftlichkeit durchaus zu hoffen und zu erwarten ist für anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft! Deshalb muß immer erwähnt werden: Es brauchte schon diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft aktive Mitarbeiter, die in jedem Winkel, in jeder Ecke aufspüren, was in dieser Weise vorgebracht wird, und die es nun wirklich in das rechte Licht rücken, in das es gerückt wird dann, wenn man darauf hinweist, erstens, daß es aus der gegenwärtigen Wissenschaftlichkeit heraus nicht anders sein kann, und zweitens, wie es ist: Gehirn statt Anthroposophie.

[ 43 ] This is precisely what we can hope for and expect from modern scientific rigor in the context of anthroposophically oriented spiritual science! That is why it must always be emphasized: This anthroposophically oriented spiritual science needed active collaborators who would track down, in every nook and cranny, what is put forward in this way, and who would then truly place it in the proper light—the light in which it is placed when one points out, first, that it cannot be otherwise from the perspective of contemporary scientific thought, and second, how it really is: the brain instead of anthroposophy.

[ 44 ] Wirklich, man muß sich von dem Vorurteile frei machen, daß es heute möglich ist, da oder dort irgend jemanden von denjenigen überzeugen zu können, die ganz durchdrungen sind von diesem modern wissenschaftlich Gewohnten. Die Freude, die einige kurzdenkende Anhänger von uns immer wieder haben, daß man den oder jenen herüberziehen kann, diese Freude ist schlecht am Platze. Um was es sich handelt, ist, daß die unbefangene Menschheit durchdrungen werde von dem, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft geben kann, und daß dann mit Unerbittlichkeit charakterisiert wird gerade diese moderne Wissenschaftlichkeit da, wo sie zum Nonsens wird, selbst wenn sie gutartig ist. Wir stehen heute vor einem ungeheuren Ernst. Deshalb muß es immer wieder betont werden, daß unter uns möglichst viele aufstehen müssen, die diesen Ernst verspüren, die nicht bloß sich hinsetzen wollen und ein wenig zuhören wollen, um ein Wohlgefallen an den anthroposophischen Wahrheiten zu empfinden, sondern die in alles Leben aktiv einführen wollen dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft dem Leben sein will, und die auch den Mut und die Kraft haben aufzutreten da, wo es nötig ist. Immer wieder mache ich aufmerksam: Der Kampf, der gegen Geisteswissenschaft geführt wird, er hat alle möglichen grotesken, lächerlichen, lügenhaften und gutmütigen, aber impotenten Formen angenommen. Der Kampf, der gegen diesen Kampf geführt wird, der ist noch ein sehr spärlicher. Er muß aber wegen des Heiles der Fortentwickelung der Menschheit geführt werden. Gesunden muß dasjenige wieder, was gerade durch den modernen Wissenschaftsgeist — der, wie Sie ja wissen, da wo er berechtigt ist, auch von der Geisteswissenschaft voll geschätzt wird —, weil er sich auch aufspielen will auf denjenigen Gebieten, von denen er nichts versteht, krank gemacht wird.

[ 44 ] Truly, one must free oneself from the prejudice that it is possible today to convince anyone—here or there—among those who are thoroughly imbued with this modern, scientific way of thinking. The joy that some of our short-sighted followers repeatedly take in being able to win over this or that person—that joy is out of place. What is at stake is that open-minded humanity be imbued with what anthroposophically oriented spiritual science has to offer, and that this modern scientific mindset—precisely where it becomes nonsense, even if it is benign—be then characterized with relentless clarity. We face an immense gravity of situation today. That is why it must be emphasized again and again that as many among us as possible must stand up—those who sense this gravity, who do not merely want to sit back and listen a little in order to take pleasure in the anthroposophical truths, but who want to actively introduce into all of life that which anthroposophically oriented spiritual science seeks to be for life, and who also have the courage and strength to take a stand where necessary. Time and again I draw attention to this: The battle waged against spiritual science has taken on all manner of grotesque, ridiculous, mendacious, and well-meaning but impotent forms. The battle waged against this battle is still very meager. Yet it must be waged for the sake of humanity’s continued development. That which is being made sick precisely by the modern scientific spirit—which, as you know, is fully appreciated by spiritual science where it is justified—must be restored to health, because that spirit also seeks to assert itself in fields of which it understands nothing.