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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in the Course of History
GA 206

20 August 1921, Dornach

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Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist II
  1. Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II, tr. SOL

Vierundzwanzigster Vortrag

Vierundzwanzigster Vortrag

[ 1 ] Es war gestern mein Bestreben, zu zeigen, wie sich die Seelenverfassung beziehungsweise der Bewußtseinszustand der Menschheit im Laufe geschichtlicher Zeiten und auch vorgeschichtlicher Zeiten geändert hat, und ich wollte dies zeigen aus dem Grunde, damit man leichter den Weg finden könne zur Anerkennung der Notwendigkeit, daß man sich, um wirkliche, wesentliche Erkenntnis zu gewinnen, nun wieder zu einem andern Seelenzustande erheben müsse. Und zwar zu einem Seelenzustande, der abweicht von dem, in den man sich eingewöhnt hat, den man heute im alltäglichen und im wissenschaftlichen Leben pflegt und den man als etwas Absolutes anerkennt, das es gegeben habe, solange es Menschen gibt, und das es geben werde, solange man eine Berechtigung haben wird, von auf der Erde wandelnden Menschen zu sprechen. Wenn man nämlich sieht, wie schon durch den geschichtlichen Verlauf der Menschheitsentwickelung hindurch die Seele eine andere innere Verfassung angenommen hat, dann wird man sich leichter zu einer Verwandlung auch der gegenwärtigen Seelenverfassung bekennen.

[ 1 ] Es war gestern mein Bestreben, zu zeigen, wie sich die Seelenverfassung beziehungsweise der Bewußtseinszustand der Menschheit im Laufe geschichtlicher Zeiten und auch vorgeschichtlicher Zeiten geändert hat, und ich wollte dies zeigen aus dem Grunde, damit man leichter den Weg finden könne zur Anerkennung der Notwendigkeit, daß man sich, um wirkliche, wesentliche Erkenntnis zu gewinnen, nun wieder zu einem andern Seelenzustande erheben müsse. Und zwar zu einem Seelenzustande, der abweicht von dem, in den man sich eingewöhnt hat, den man heute im alltäglichen und im wissenschaftlichen Leben pflegt und den man als etwas Absolutes anerkennt, das es gegeben habe, solange es Menschen gibt, und das es geben werde, solange man eine Berechtigung haben wird, von auf der Erde wandelnden Menschen zu sprechen. Wenn man nämlich sieht, wie schon durch den geschichtlichen Verlauf der Menschheitsentwickelung hindurch die Seele eine andere innere Verfassung angenommen hat, dann wird man sich leichter zu einer Verwandlung auch der gegenwärtigen Seelenverfassung bekennen.

Blackboard Drawing I
Blackboard Drawing I
Blackboard Drawing I
Blackboard Drawing I

[ 2 ] Ich möchte nun, damit ich anknüpfen kann an das gestern Gesagte, mit ein paar Worten noch einmal zusammenfassend wiederholen, was sich aus den letzten Betrachtungen ergeben kann. Ich sagte, die Menschheit, insofern sie als die zivilisierte Menschheit betrachtet werden kann, ist zu der gegenwärtigen Seelenverfassung in Wirklichkeit eigentlich erst gekommen vom 15. Jahrhundert ab, und diese Seelenverfassung ist charakterisiert auf der einen Seite innerlich dadurch, daß wir nach einer intellektualistischen Interpretation der Welt streben, daß wir uns des Verstandes bedienen, um das, was wir Welt nennen, zu begreifen.

[ 2 ] Ich möchte nun, damit ich anknüpfen kann an das gestern Gesagte, mit ein paar Worten noch einmal zusammenfassend wiederholen, was sich aus den letzten Betrachtungen ergeben kann. Ich sagte, die Menschheit, insofern sie als die zivilisierte Menschheit betrachtet werden kann, ist zu der gegenwärtigen Seelenverfassung in Wirklichkeit eigentlich erst gekommen vom 15. Jahrhundert ab, und diese Seelenverfassung ist charakterisiert auf der einen Seite innerlich dadurch, daß wir nach einer intellektualistischen Interpretation der Welt streben, daß wir uns des Verstandes bedienen, um das, was wir Welt nennen, zu begreifen.

[ 3 ] Dieser intellektualistischen Hinordnung auf die Welt entspricht nun auch ein ganz bestimmtes Gebiet der Welt, das dadurch ergriffen, verstanden werden kann. Es ist die Welt des mineralischen Geschehens und der mineralischen Formen, der Welt, die noch nicht sich erhoben hat zum Lebendigen. Man glaubt ja heute vielfach, daß auch innerhalb des rein intellektualistischen Strebens vielleicht einmal das Lebendige ergriffen werden könne; allein das geschieht nur deshalb, weil man nicht die Zusammengehörigkeit des Intellekts im Inneren und des Unlebendigen in der äußeren Welt erkennt. Wenn wir hinter das 15. Jahrhundert zurückgehen und den Zeitraum betreten, der, zurückgerechnet, etwa vom 15. Jahrhundert bis ins 8. vorchristliche Jahrhundert dauert, dann finden wir eine andere Hinordnung des menschlichen Seelenwesens. Und am charakteristischesten tritt diese Hinordnung uns im griechischen Wesen entgegen.

[ 3 ] Dieser intellektualistischen Hinordnung auf die Welt entspricht nun auch ein ganz bestimmtes Gebiet der Welt, das dadurch ergriffen, verstanden werden kann. Es ist die Welt des mineralischen Geschehens und der mineralischen Formen, der Welt, die noch nicht sich erhoben hat zum Lebendigen. Man glaubt ja heute vielfach, daß auch innerhalb des rein intellektualistischen Strebens vielleicht einmal das Lebendige ergriffen werden könne; allein das geschieht nur deshalb, weil man nicht die Zusammengehörigkeit des Intellekts im Inneren und des Unlebendigen in der äußeren Welt erkennt. Wenn wir hinter das 15. Jahrhundert zurückgehen und den Zeitraum betreten, der, zurückgerechnet, etwa vom 15. Jahrhundert bis ins 8. vorchristliche Jahrhundert dauert, dann finden wir eine andere Hinordnung des menschlichen Seelenwesens. Und am charakteristischesten tritt diese Hinordnung uns im griechischen Wesen entgegen.

[ 4 ] Da haben wir es nicht mit einer intellektualistischen Seelenverfassung zu tun, da werden Begriffe von den Worten noch nicht im strengen Sinne des Wortes abgesondert. Der Grieche gelangte zu seinem Seelenleben im wesentlichen dadurch, daß er innerlich nicht so mit einer gewissen Abstraktion die Begriffe sich vergegenwärtigte, wie wir das tun, sondern er hörte gewissermaßen klanghaft, wenn auch nicht äußerlich hörbar, er verspürte innerlich den Klang der Worte. Es tingierte sich dasjenige, was für uns in der Abstraktheit der Begriffe lebt, bei ihm durch den geistig erfaßten Laut, wenn ich das Paradoxon bilden darf: durch den tonlos, rein innerlich erlebten Laut. Ebenso wie wir in abstrakten Begriffen leben, so lebte der Grieche in dem äußerlich tonlosen Klanglaut. Dadurch aber war ihm möglich, lebendig aufzufassen als äußere Welt auch das Lebendige. Und wir sehen daher, daß der Grieche überall da, wo er aus seinen Voraussetzungen sich, sagen wir, Vorstellungen über das Universum, über den Kosmos bilden will, er nicht, wie wir heute, die aus der Geologie, aus der Physik, aus der Chemie hergenommenen Vorstellungen verwendet, sondern daß er verwendet dasjenige, was sich in seiner Seele eingelebt hat durch das Wachsen, Werden, Gedeihen, Entstehen, Vergehen desjenigen, was vegetabilisch lebt.

[ 4 ] Da haben wir es nicht mit einer intellektualistischen Seelenverfassung zu tun, da werden Begriffe von den Worten noch nicht im strengen Sinne des Wortes abgesondert. Der Grieche gelangte zu seinem Seelenleben im wesentlichen dadurch, daß er innerlich nicht so mit einer gewissen Abstraktion die Begriffe sich vergegenwärtigte, wie wir das tun, sondern er hörte gewissermaßen klanghaft, wenn auch nicht äußerlich hörbar, er verspürte innerlich den Klang der Worte. Es tingierte sich dasjenige, was für uns in der Abstraktheit der Begriffe lebt, bei ihm durch den geistig erfaßten Laut, wenn ich das Paradoxon bilden darf: durch den tonlos, rein innerlich erlebten Laut. Ebenso wie wir in abstrakten Begriffen leben, so lebte der Grieche in dem äußerlich tonlosen Klanglaut. Dadurch aber war ihm möglich, lebendig aufzufassen als äußere Welt auch das Lebendige. Und wir sehen daher, daß der Grieche überall da, wo er aus seinen Voraussetzungen sich, sagen wir, Vorstellungen über das Universum, über den Kosmos bilden will, er nicht, wie wir heute, die aus der Geologie, aus der Physik, aus der Chemie hergenommenen Vorstellungen verwendet, sondern daß er verwendet dasjenige, was sich in seiner Seele eingelebt hat durch das Wachsen, Werden, Gedeihen, Entstehen, Vergehen desjenigen, was vegetabilisch lebt.

[ 5 ] Wenn wir noch weiter zurückgehen, dann kommen wir allerdings in Zeiten, die wir nicht mehr im strengen Sinne des Wortes zu den historischen rechnen können, dann kommen wir hinter das 8. vorchristliche Jahrhundert, in einen Zeitraum etwa bis zum Beginn des 3. vorchristlichen Jahrtausends. Und wenn wir Umschau halten bei denjenigen Völkern, die dazumal als die zivilisierten haben gelten können, so finden wir, daß nicht mehr in den innerlich erlebten Worten das Wesentliche des Seelenlebens gesucht wurde, sondern in der imaginativen Gestaltung des Wortgefüges, des Sprachgefüges. Rhythmus und Thematisches — also das, was Ton an Ton reiht, was in die Tonwelt und auch in die Lautwelt eindringt, so daß wir es nur noch in unserer Seele lebendig machen, wenn wir aufsteigen zur poetischen Gestaltung des Sprachlichen —, das war das eigentliche Lebenselement der, wenn ich das Wort gebrauchen darf, gebildeten Völker dieser Zeit. Und nicht indem sie wie die Griechen durch das Wort irgendein äußerliches Ding oder Geschehen ausdrückten, fanden sie sich befriedigt, sondern indem sie gewissermaßen innerlich nachfühlten das, wovon sie glaubten, daß es überall in der Welt lebt als Rhythmus, als Harmonien.

[ 5 ] Wenn wir noch weiter zurückgehen, dann kommen wir allerdings in Zeiten, die wir nicht mehr im strengen Sinne des Wortes zu den historischen rechnen können, dann kommen wir hinter das 8. vorchristliche Jahrhundert, in einen Zeitraum etwa bis zum Beginn des 3. vorchristlichen Jahrtausends. Und wenn wir Umschau halten bei denjenigen Völkern, die dazumal als die zivilisierten haben gelten können, so finden wir, daß nicht mehr in den innerlich erlebten Worten das Wesentliche des Seelenlebens gesucht wurde, sondern in der imaginativen Gestaltung des Wortgefüges, des Sprachgefüges. Rhythmus und Thematisches — also das, was Ton an Ton reiht, was in die Tonwelt und auch in die Lautwelt eindringt, so daß wir es nur noch in unserer Seele lebendig machen, wenn wir aufsteigen zur poetischen Gestaltung des Sprachlichen —, das war das eigentliche Lebenselement der, wenn ich das Wort gebrauchen darf, gebildeten Völker dieser Zeit. Und nicht indem sie wie die Griechen durch das Wort irgendein äußerliches Ding oder Geschehen ausdrückten, fanden sie sich befriedigt, sondern indem sie gewissermaßen innerlich nachfühlten das, wovon sie glaubten, daß es überall in der Welt lebt als Rhythmus, als Harmonien.

Blackboard Drawing II
Blackboard Drawing II
Blackboard Drawing II
Blackboard Drawing II

[ 6 ] So war innerlicher Rhythmus, innerliche Harmonie dasjenige, was die Seelenverfassung ausmachte in dem charakterisierten Zeitraume. Und wenn wir fragen, welches Gebiet denn äußerlich durchdrungen werden konnte durch eine solche innerliche Seelenverfassung, so kommen wir darauf, daß es das Gebiet desjenigen Wesenhaften ist, das in sich die Empfindung erleben kann. Also was tierische Welt ist, was empfindende Welt ist, was in der Empfindung des Objektiven lebt, das verlebendigte sich innerlich für die Menschen jener alten Zeit in der Seelenverfassung, von der ich gesprochen habe.

[ 6 ] So war innerlicher Rhythmus, innerliche Harmonie dasjenige, was die Seelenverfassung ausmachte in dem charakterisierten Zeitraume. Und wenn wir fragen, welches Gebiet denn äußerlich durchdrungen werden konnte durch eine solche innerliche Seelenverfassung, so kommen wir darauf, daß es das Gebiet desjenigen Wesenhaften ist, das in sich die Empfindung erleben kann. Also was tierische Welt ist, was empfindende Welt ist, was in der Empfindung des Objektiven lebt, das verlebendigte sich innerlich für die Menschen jener alten Zeit in der Seelenverfassung, von der ich gesprochen habe.

[ 7 ] Und kommen wir in noch ältere Zeiten zurück, so werden Sie ahnen können, daß dann in einer gewissen Beziehung vorhanden gewesen sein muß ein Erkennen des Menschen selbst. Wir haben in unserem Zeitalter ein Erkennen der toten Natur; ihr ging voran ein Erkennen der lebendigen Natur. Und wenn wir zurückgehen hinter diese Epoche, dann kommen wir zu jenen Zeiten, von denen eigentlich heute aus gewissen Untergründen heraus nur noch sprechen jene Weltanschauungsdarstellungen, die aus dem mehr oder weniger aufgeklärten Katholizismus hervorgegangen sind. Gerade diejenigen Denkernaturen, welche sich eingelebt haben, selbstverständlich nicht in den Dekadenzzustand des Katholizismus, sondern in das, was in älteren Zeiten katholische Philosophie war, die reden von einer Uroffenbarung der Menschheit. Man muß ja da überhaupt manches im richtigen Lichte sehen, wenn man diese Dinge angemessen beurteilen will. Die katholische Kirche ist ja etwas anderes geworden, als sie zum Beispiel war in den Zeiten der katholischen Kirchenväter.

[ 7 ] Und kommen wir in noch ältere Zeiten zurück, so werden Sie ahnen können, daß dann in einer gewissen Beziehung vorhanden gewesen sein muß ein Erkennen des Menschen selbst. Wir haben in unserem Zeitalter ein Erkennen der toten Natur; ihr ging voran ein Erkennen der lebendigen Natur. Und wenn wir zurückgehen hinter diese Epoche, dann kommen wir zu jenen Zeiten, von denen eigentlich heute aus gewissen Untergründen heraus nur noch sprechen jene Weltanschauungsdarstellungen, die aus dem mehr oder weniger aufgeklärten Katholizismus hervorgegangen sind. Gerade diejenigen Denkernaturen, welche sich eingelebt haben, selbstverständlich nicht in den Dekadenzzustand des Katholizismus, sondern in das, was in älteren Zeiten katholische Philosophie war, die reden von einer Uroffenbarung der Menschheit. Man muß ja da überhaupt manches im richtigen Lichte sehen, wenn man diese Dinge angemessen beurteilen will. Die katholische Kirche ist ja etwas anderes geworden, als sie zum Beispiel war in den Zeiten der katholischen Kirchenväter.

[ 8 ] Man braucht nur einmal den Blick auf Origenes zu werfen und man wird finden, wie schon durch Origenes versucht wird, alles, was zu seiner Zeit an philosophischer Vertiefung hat gewonnen werden können, hereinzutragen in das christliche Denken. Und so finden wir denn auch bei den älteren Kirchenvätern durchaus ein Bewußtsein davon, daß es einstmals in der Menschheit eine Uroffenbarung gegeben hat. Und diejenigen katholischen Schriftsteller, die sich noch die besseren Kräfte des Katholizismus erhalten haben, reden auch heute noch von den Uroffenbarungen, die nur später in dem mehr und mehr der Dekadenz entgegengehenden Heidentum verschwinden, so daß sich das Wissen verlor. So daß sich in diesen Uroffenbarungen einer instinktiven Menschheit dasjenige gezeigt hat, was dann später durch das Christentum in seiner entwickelten Gestalt entgegengebracht worden ist.

[ 8 ] Man braucht nur einmal den Blick auf Origenes zu werfen und man wird finden, wie schon durch Origenes versucht wird, alles, was zu seiner Zeit an philosophischer Vertiefung hat gewonnen werden können, hereinzutragen in das christliche Denken. Und so finden wir denn auch bei den älteren Kirchenvätern durchaus ein Bewußtsein davon, daß es einstmals in der Menschheit eine Uroffenbarung gegeben hat. Und diejenigen katholischen Schriftsteller, die sich noch die besseren Kräfte des Katholizismus erhalten haben, reden auch heute noch von den Uroffenbarungen, die nur später in dem mehr und mehr der Dekadenz entgegengehenden Heidentum verschwinden, so daß sich das Wissen verlor. So daß sich in diesen Uroffenbarungen einer instinktiven Menschheit dasjenige gezeigt hat, was dann später durch das Christentum in seiner entwickelten Gestalt entgegengebracht worden ist.

[ 9 ] Es ist interessant, wenn von Schriftstellern wie zum Beispiel Otto Willmann über die Uroffenbarung gesprochen wird, wenn da zurückgegangen wird bis zu den Mysterien und hinter die Mysterien und auf eine solche Uroffenbarung verwiesen wird, durch welche die Menschen eben in jenen Zeiten im 3. und hinter dem 3. Jahrtausend der vorchristlichen Zeitrechnung inspiriert wurden, wenn da eine solche Uroffenbarung gesucht wird. Es ist nicht nötig, daß wir uns auf eine genauere Beschreibung dessen einlassen, was da von der Uroffenbarung gesagt wird. Aber wir wollen in einem geisteswissenschaftlichen Sinne charakterisieren, was man finden kann, wenn man in diese vorhistorischen Zeiten der Menschheitszivilisation zurückgeht, da wo durch eine, ich will sie zunächst nennen instinktive Seelenverfassung, erkundet werden kann jetzt nicht nur das Empfindende, sondern das Menschliche selber, dasjenige also, was über dem Tierischen im Menschen lebt, das eigentliche, das spezifisch Menschliche. Ja, es hat eine solche Zeit gegeben, wo die entsprechende Erkenntnis zwar instinktiv war, gar nicht einmal etwas war, was man heute als Erkenntnis gelten lassen würde, wo sie eine Art unmittelbaren Erlebens, dumpf traumhaften Erlebens war, aber eines Erlebens, das durchaus in sich enthielt etwas von dem Wesen des Menschen, so daß man wie durch ein innerliches Hineinleben in dieses Menschenwesen sich vergegenständlichen konnte, was der Mensch eigentlich ist. Geschichtlich kann ja diese Epoche nicht betrachtet werden, obwohl durchaus geschichtliche Überreste aus ihr geblieben sind. Wie man auf diese geschichtlichen Überreste hinzusehen hat, das wird Ihnen hervorgehen aus dem, was ich nun als Charakteristik.dieser Epoche selber geben möchte.

[ 9 ] Es ist interessant, wenn von Schriftstellern wie zum Beispiel Otto Willmann über die Uroffenbarung gesprochen wird, wenn da zurückgegangen wird bis zu den Mysterien und hinter die Mysterien und auf eine solche Uroffenbarung verwiesen wird, durch welche die Menschen eben in jenen Zeiten im 3. und hinter dem 3. Jahrtausend der vorchristlichen Zeitrechnung inspiriert wurden, wenn da eine solche Uroffenbarung gesucht wird. Es ist nicht nötig, daß wir uns auf eine genauere Beschreibung dessen einlassen, was da von der Uroffenbarung gesagt wird. Aber wir wollen in einem geisteswissenschaftlichen Sinne charakterisieren, was man finden kann, wenn man in diese vorhistorischen Zeiten der Menschheitszivilisation zurückgeht, da wo durch eine, ich will sie zunächst nennen instinktive Seelenverfassung, erkundet werden kann jetzt nicht nur das Empfindende, sondern das Menschliche selber, dasjenige also, was über dem Tierischen im Menschen lebt, das eigentliche, das spezifisch Menschliche. Ja, es hat eine solche Zeit gegeben, wo die entsprechende Erkenntnis zwar instinktiv war, gar nicht einmal etwas war, was man heute als Erkenntnis gelten lassen würde, wo sie eine Art unmittelbaren Erlebens, dumpf traumhaften Erlebens war, aber eines Erlebens, das durchaus in sich enthielt etwas von dem Wesen des Menschen, so daß man wie durch ein innerliches Hineinleben in dieses Menschenwesen sich vergegenständlichen konnte, was der Mensch eigentlich ist. Geschichtlich kann ja diese Epoche nicht betrachtet werden, obwohl durchaus geschichtliche Überreste aus ihr geblieben sind. Wie man auf diese geschichtlichen Überreste hinzusehen hat, das wird Ihnen hervorgehen aus dem, was ich nun als Charakteristik.dieser Epoche selber geben möchte.

[ 10 ] Wenn wir sprechen von jener Seelenverfassung, die wir jetzt als die in der Menschheit maßgebende haben, die intellektualistische, so sprechen wir von etwas, was für die gewöhnliche Erfahrung, für das gewöhnliche Erleben im Seelischen liegt, so wie wir das Seelische mehr oder weniger klar oder mehr oder weniger trivial heute bezeichnen. Auch wenn wir es in jener Zeitepoche betrachten, für die typisch das griechische Anschauen ist, sprechen wir von einem innerlichen Erleben des Wortes, also wiederum von etwas, was innerhalb des Seelischen ist. Und auch wenn wir zurückgehen in das 9., 10. vorchristliche Jahrhundert, in das 2. Jahrtausend, in die Endzeiten des 3. Jahrtausends, so sprechen wir, indem wir hinschauen auf den Rhythmus, auf die thematischen Vorgänge und Erlebnisse des seelischen Daseins, von etwas, was sich in der Seele abspielt, obwohl zugestanden werden muß von dem, der diese Dinge aus eigener Anschauung genau kennt, daß in dem Augenblicke, wo das seelische Erleben aus dem Wort heraustritt und hineintritt in dieses rhythmische Erleben, in dieses Erleben von Harmonien und, ich möchte sagen, musikalisch-imaginativen Themen, dann schon immer mit demjenigen, was seelisch erlebt wird, leise mitschwingt das Körperliche. So wie empfunden werden kann, daß jedesmal, wenn der Mensch einen lebhaften Traum hat, in seinem Körperlichen etwas vorgeht, das zu der Konstitution des Träumens führt, so wußte der Mensch des charakterisierten Zeitraumes, daß, wenn er in sich lebendig machte Harmonisches, Rhythmisches, Thematisches, das für ihn so war, wie wenn es ihm die Weltengeheimnisse enthüllte oder offenbarte, da sich leise etwas von dem Körperlichen mitbewegte. Wenn wir sprechen von unserem abstrakten, intellektualistischen Auffassen der Welt, haben wir in unserem Bewußtsein nichts von einem körperlichen Mitschwingen. Theorien können wir ersinnen darüber, was etwa geschehen könnte im menschlichen Nervensystem, wenn sich das logisch-intellektualistische Denken abspielt. Aber solche Theorien sind eben auch nur gedacht, sie sind nichts Lebendiges, nichts, was erlebt wird.

[ 10 ] Wenn wir sprechen von jener Seelenverfassung, die wir jetzt als die in der Menschheit maßgebende haben, die intellektualistische, so sprechen wir von etwas, was für die gewöhnliche Erfahrung, für das gewöhnliche Erleben im Seelischen liegt, so wie wir das Seelische mehr oder weniger klar oder mehr oder weniger trivial heute bezeichnen. Auch wenn wir es in jener Zeitepoche betrachten, für die typisch das griechische Anschauen ist, sprechen wir von einem innerlichen Erleben des Wortes, also wiederum von etwas, was innerhalb des Seelischen ist. Und auch wenn wir zurückgehen in das 9., 10. vorchristliche Jahrhundert, in das 2. Jahrtausend, in die Endzeiten des 3. Jahrtausends, so sprechen wir, indem wir hinschauen auf den Rhythmus, auf die thematischen Vorgänge und Erlebnisse des seelischen Daseins, von etwas, was sich in der Seele abspielt, obwohl zugestanden werden muß von dem, der diese Dinge aus eigener Anschauung genau kennt, daß in dem Augenblicke, wo das seelische Erleben aus dem Wort heraustritt und hineintritt in dieses rhythmische Erleben, in dieses Erleben von Harmonien und, ich möchte sagen, musikalisch-imaginativen Themen, dann schon immer mit demjenigen, was seelisch erlebt wird, leise mitschwingt das Körperliche. So wie empfunden werden kann, daß jedesmal, wenn der Mensch einen lebhaften Traum hat, in seinem Körperlichen etwas vorgeht, das zu der Konstitution des Träumens führt, so wußte der Mensch des charakterisierten Zeitraumes, daß, wenn er in sich lebendig machte Harmonisches, Rhythmisches, Thematisches, das für ihn so war, wie wenn es ihm die Weltengeheimnisse enthüllte oder offenbarte, da sich leise etwas von dem Körperlichen mitbewegte. Wenn wir sprechen von unserem abstrakten, intellektualistischen Auffassen der Welt, haben wir in unserem Bewußtsein nichts von einem körperlichen Mitschwingen. Theorien können wir ersinnen darüber, was etwa geschehen könnte im menschlichen Nervensystem, wenn sich das logisch-intellektualistische Denken abspielt. Aber solche Theorien sind eben auch nur gedacht, sie sind nichts Lebendiges, nichts, was erlebt wird.

[ 11 ] In ebensolcher Weise müssen wir noch von der griechischen Seele sprechen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie das Wort in dieser Seele lebte. Aber wie gesagt, wir kommen schon aus dem rein Seelischen heraus zu einem leisen Mittun des Leiblichen, wenn wir bis zu dem vorangehenden Zeitraum aufsteigen. Und noch mehr kommen wir aus dem, was wir heute das Seelische nennen, in das Leibliche hinein, wenn wir zu dem alten instinktiven Erkennen aufsteigen, das in den früheren Jahrhunderten des 3. vorchristlichen Jahrtausends und noch früher vorhanden war. Da war ein unmittelbar seelisches Erleben durchaus mit dem Charakter eines leiblichen Erlebens vorhanden. Da erlebte man in jenen älteren Zeiten eigentlich einen Vorgang, den wir heute durchaus als leiblich bezeichnen — ich will jetzt nicht auseinandersetzen, ob mit völligem Rechte oder mit teilweisem Unrechte —, einen körperlich bezeichneten Vorgang da, wo später Seelisches, wie wir es nennen, erlebt worden ist.

[ 11 ] In ebensolcher Weise müssen wir noch von der griechischen Seele sprechen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie das Wort in dieser Seele lebte. Aber wie gesagt, wir kommen schon aus dem rein Seelischen heraus zu einem leisen Mittun des Leiblichen, wenn wir bis zu dem vorangehenden Zeitraum aufsteigen. Und noch mehr kommen wir aus dem, was wir heute das Seelische nennen, in das Leibliche hinein, wenn wir zu dem alten instinktiven Erkennen aufsteigen, das in den früheren Jahrhunderten des 3. vorchristlichen Jahrtausends und noch früher vorhanden war. Da war ein unmittelbar seelisches Erleben durchaus mit dem Charakter eines leiblichen Erlebens vorhanden. Da erlebte man in jenen älteren Zeiten eigentlich einen Vorgang, den wir heute durchaus als leiblich bezeichnen — ich will jetzt nicht auseinandersetzen, ob mit völligem Rechte oder mit teilweisem Unrechte —, einen körperlich bezeichneten Vorgang da, wo später Seelisches, wie wir es nennen, erlebt worden ist.

[ 12 ] Ich bemerke ausdrücklich, daß wenn man in solche, von den unseren so verschiedenen Erlebnisse der Menschheit kommt, man es auch schwer hat mit dem Gebrauch der Worte. Die Dinge selbst werden ja anders, werden sehr unähnlich dem, was man heute in der Erfahrung hat. Unsere Sprachen sind für unsere heutigen Erfahrungen gebildet, und man muß versuchen, die Sprachen so zu benützen, daß man zurückkommen kann in etwas, was ja heute nicht mehr unmittelbar gegenwärtige Erfahrung ist, was daher nur schwach noch anzutasten ist mit den Wortgebräuchen, die wir heute haben. Daher muß ich sagen, was wir heute als Seelisches bezeichnen, das lebte nicht eigentlich in der inneren Seelenverfassung dieser alten Menschen. Es lebte eigentlich etwas in ihnen, was wir heute als leiblich, sogar als körperlich unmittelbar bezeichnen, wie heute das Denken oder das innerliche Hören des Wortes im Menschen ist. So erlebte dieser alte Mensch Einatmen, Atemhalten, Ausatmen nicht so wie wir, die wir hinausgewachsen sind aus dem Miterleben mit dem Atmungsprozesse. Er erlebte dieses Atmen so mit, wie wir es nur noch in abnormen Zuständen erleben, wenn wir etwa Angstzustände durchmachen im Traume und dann aufwachen und merken, daß unser Atem gestört ist. Da merken wir im Pathologischen etwas von diesem Zusammenwirken des Atmungsprozesses mit dem Auftreten von Bildern vor dem Bewußtsein. Aus den Bildern, die vor dem Bewußtsein auftreten, wenn der normale Atmungsprozeß abläuft, sind wir herausgewachsen, weil wir heraufgewachsen sind zum Wahrnehmen des Rhythmischen in der Sprache, des Harmonischen in der Sprache, des Thematischen in der Sprache, zu der innerlichen Tingierung des Wortes, weil wir ganz heraufgewachsen sind in unserer Zeit zu dem abstrakten Vorstellen, zu dem intellektualistischen Vorstellen über die Welt.

[ 12 ] Ich bemerke ausdrücklich, daß wenn man in solche, von den unseren so verschiedenen Erlebnisse der Menschheit kommt, man es auch schwer hat mit dem Gebrauch der Worte. Die Dinge selbst werden ja anders, werden sehr unähnlich dem, was man heute in der Erfahrung hat. Unsere Sprachen sind für unsere heutigen Erfahrungen gebildet, und man muß versuchen, die Sprachen so zu benützen, daß man zurückkommen kann in etwas, was ja heute nicht mehr unmittelbar gegenwärtige Erfahrung ist, was daher nur schwach noch anzutasten ist mit den Wortgebräuchen, die wir heute haben. Daher muß ich sagen, was wir heute als Seelisches bezeichnen, das lebte nicht eigentlich in der inneren Seelenverfassung dieser alten Menschen. Es lebte eigentlich etwas in ihnen, was wir heute als leiblich, sogar als körperlich unmittelbar bezeichnen, wie heute das Denken oder das innerliche Hören des Wortes im Menschen ist. So erlebte dieser alte Mensch Einatmen, Atemhalten, Ausatmen nicht so wie wir, die wir hinausgewachsen sind aus dem Miterleben mit dem Atmungsprozesse. Er erlebte dieses Atmen so mit, wie wir es nur noch in abnormen Zuständen erleben, wenn wir etwa Angstzustände durchmachen im Traume und dann aufwachen und merken, daß unser Atem gestört ist. Da merken wir im Pathologischen etwas von diesem Zusammenwirken des Atmungsprozesses mit dem Auftreten von Bildern vor dem Bewußtsein. Aus den Bildern, die vor dem Bewußtsein auftreten, wenn der normale Atmungsprozeß abläuft, sind wir herausgewachsen, weil wir heraufgewachsen sind zum Wahrnehmen des Rhythmischen in der Sprache, des Harmonischen in der Sprache, des Thematischen in der Sprache, zu der innerlichen Tingierung des Wortes, weil wir ganz heraufgewachsen sind in unserer Zeit zu dem abstrakten Vorstellen, zu dem intellektualistischen Vorstellen über die Welt.

[ 13 ] Aber es ging eben diesen drei Zeiträumen der andere voran, wo der Mensch noch, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, unten in dem lebte, was wir heute seine Leiblichkeit nennen, in dem lebte mit seinem Erkenntnisprozeß, was Einatmen, Atemhalten, Ausatmen war. Und was erlebte der Mensch mit dem Einatmen? Das kann heute nur die imaginative Erkenntnis lehren, von der ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» gesprochen habe. Denn was in jener alten Epoche erlebt worden ist beim Einatmen, das war im wesentlichen eine Imagination; die Imagination des Menschen selber, die Imagination des Menschen als Gestalt wurde erlebt im Einatmen. Der Mensch fühlte das im Einatmen — natürlich mußte er die Aufmerksamkeit darauf richten, im Alltäglichen richtete er nicht immer die Aufmerksamkeit darauf —, aber er konnte gewissermaßen das alltägliche Seelenleben anhalten und dann konnte er das erleben. Er erlebte es insbesondere in Augenblicken, wo das alltäglicheBewußtsein etwas herabgestimmt war. Das war dazu notwendig. Wir würden heute sagen, in Zuständen, die sich dem Einschlafen oder Aufwachen nähern, da erlebte er mit dem Einziehen des Atmungsprozesses die Gestalt des Menschen; mit dem Anhalten des Atmens erlebte er das Zusammengehen dieser Gestalt mit dem inneren Seelenhaften. Er hatte gewissermaßen die Möglichkeit vor sich, im Einatmen zu erleben die menschliche Gestalt, in dem Atemhalten zu erleben das Nebelhaftwerden dieser Gestalt und das Verbinden dieses aurisch Nebelhaftwerdens der Gestalt mit dem Seelischen. Dann, im Ausatmen, erlebte er das Sich-Hingeben des Seelischen an die Außenwelt, den Zusammenklang des Menschen mit der Außenwelt.

[ 13 ] Aber es ging eben diesen drei Zeiträumen der andere voran, wo der Mensch noch, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, unten in dem lebte, was wir heute seine Leiblichkeit nennen, in dem lebte mit seinem Erkenntnisprozeß, was Einatmen, Atemhalten, Ausatmen war. Und was erlebte der Mensch mit dem Einatmen? Das kann heute nur die imaginative Erkenntnis lehren, von der ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» gesprochen habe. Denn was in jener alten Epoche erlebt worden ist beim Einatmen, das war im wesentlichen eine Imagination; die Imagination des Menschen selber, die Imagination des Menschen als Gestalt wurde erlebt im Einatmen. Der Mensch fühlte das im Einatmen — natürlich mußte er die Aufmerksamkeit darauf richten, im Alltäglichen richtete er nicht immer die Aufmerksamkeit darauf —, aber er konnte gewissermaßen das alltägliche Seelenleben anhalten und dann konnte er das erleben. Er erlebte es insbesondere in Augenblicken, wo das alltäglicheBewußtsein etwas herabgestimmt war. Das war dazu notwendig. Wir würden heute sagen, in Zuständen, die sich dem Einschlafen oder Aufwachen nähern, da erlebte er mit dem Einziehen des Atmungsprozesses die Gestalt des Menschen; mit dem Anhalten des Atmens erlebte er das Zusammengehen dieser Gestalt mit dem inneren Seelenhaften. Er hatte gewissermaßen die Möglichkeit vor sich, im Einatmen zu erleben die menschliche Gestalt, in dem Atemhalten zu erleben das Nebelhaftwerden dieser Gestalt und das Verbinden dieses aurisch Nebelhaftwerdens der Gestalt mit dem Seelischen. Dann, im Ausatmen, erlebte er das Sich-Hingeben des Seelischen an die Außenwelt, den Zusammenklang des Menschen mit der Außenwelt.

[ 14 ] Ich sagte ausdrücklich, daß der Mensch dieses in besonderen Augenblicken erleben konnte. Er konnte gewissermaßen seine Aufmerksamkeit richten auf den Atmungsprozeß und nahm solches dann wahr. Er erlangte also wirklich eine instinktive Erkenntnis — wenn man das Erkenntnis nennen will — durch dieBeobachtung seines Atmungsprozesses, insbesondere dann, wenn er diesen Atmungsprozeß noch etwas innerlich lenkte, was sich ihm durch Üben ergab, er erlangte Erkenntnis des menschlichen Wesens. Es war also gewissermaßen ein Hinuntersteigen in die Leiblichkeit, durch die das menschliche Wesen zur Erkenntnis gebracht werden konnte.

[ 14 ] Ich sagte ausdrücklich, daß der Mensch dieses in besonderen Augenblicken erleben konnte. Er konnte gewissermaßen seine Aufmerksamkeit richten auf den Atmungsprozeß und nahm solches dann wahr. Er erlangte also wirklich eine instinktive Erkenntnis — wenn man das Erkenntnis nennen will — durch dieBeobachtung seines Atmungsprozesses, insbesondere dann, wenn er diesen Atmungsprozeß noch etwas innerlich lenkte, was sich ihm durch Üben ergab, er erlangte Erkenntnis des menschlichen Wesens. Es war also gewissermaßen ein Hinuntersteigen in die Leiblichkeit, durch die das menschliche Wesen zur Erkenntnis gebracht werden konnte.

[ 15 ] Natürlich darf man sich nicht vorstellen, daß in jenen alten Zeiten der Mensch den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend nur sich selber erkannte. Ich sagte deshalb: wenn er die Aufmerksamkeit darauf richtete. Aber diese Aufmerksamkeit war eben leicht herauszuholen aus der Gesamtkonstitution des Menschen.

[ 15 ] Natürlich darf man sich nicht vorstellen, daß in jenen alten Zeiten der Mensch den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend nur sich selber erkannte. Ich sagte deshalb: wenn er die Aufmerksamkeit darauf richtete. Aber diese Aufmerksamkeit war eben leicht herauszuholen aus der Gesamtkonstitution des Menschen.

[ 16 ] Nun, ich sagte, das geht allerdings in weit zurückliegende Zeiten zurück; aber historisch hat sich aus jenen Zeiten dasjenige erhalten, was in gewissen Schulen Indiens die Erkenntnismethode ist, die Atmungsmethode, das Jogaatmen, das sich durchaus dadurch auf eine spätere Zeit übertragen hat, daß es in einer früheren Zeit elementar und natürlich war. Für eine spätere Zeit waren gewisse Vorbereitungen, gewisse Handhabungen des Atmungsprozesses notwendig. In einer früheren Zeit ergaben sich diese Handhabungen wie etwas, was der Mensch eben lernte im Laufe seines Lebens, so wie man heute sprechen lernt.

[ 16 ] Nun, ich sagte, das geht allerdings in weit zurückliegende Zeiten zurück; aber historisch hat sich aus jenen Zeiten dasjenige erhalten, was in gewissen Schulen Indiens die Erkenntnismethode ist, die Atmungsmethode, das Jogaatmen, das sich durchaus dadurch auf eine spätere Zeit übertragen hat, daß es in einer früheren Zeit elementar und natürlich war. Für eine spätere Zeit waren gewisse Vorbereitungen, gewisse Handhabungen des Atmungsprozesses notwendig. In einer früheren Zeit ergaben sich diese Handhabungen wie etwas, was der Mensch eben lernte im Laufe seines Lebens, so wie man heute sprechen lernt.

[ 17 ] Was man das Jogaatmen nennt, das ist eine Erbschaft aus einer früheren Zeit, in der eben die ganze Seelenkonstitution anders war als später, und in der der Mensch durch diese andere Seelenkonstitution in einer instinktiven Art der Welt gegenüberstand. Denn natürlich war es sehr instinktiv, wenn man im Atmen, nicht im Denken und innerlichen Sprechen, sondern im Atmen dasjenige erfaßte, was das Wesen, das Geheimnis der Dinge ist. Wo wir heute denkerisch nachgrübeln, um einzelne Tatsachen zu Gesamtphänomenen zusammenzustellen und um Naturgesetze zu finden durch den rechnenden Verstand und so weiter, da atmete man dasjenige ein, was als das Wesen des Menschen selber als instinktive Erkenntnis innerhalb der menschlichen Natur auftreten sollte.

[ 17 ] Was man das Jogaatmen nennt, das ist eine Erbschaft aus einer früheren Zeit, in der eben die ganze Seelenkonstitution anders war als später, und in der der Mensch durch diese andere Seelenkonstitution in einer instinktiven Art der Welt gegenüberstand. Denn natürlich war es sehr instinktiv, wenn man im Atmen, nicht im Denken und innerlichen Sprechen, sondern im Atmen dasjenige erfaßte, was das Wesen, das Geheimnis der Dinge ist. Wo wir heute denkerisch nachgrübeln, um einzelne Tatsachen zu Gesamtphänomenen zusammenzustellen und um Naturgesetze zu finden durch den rechnenden Verstand und so weiter, da atmete man dasjenige ein, was als das Wesen des Menschen selber als instinktive Erkenntnis innerhalb der menschlichen Natur auftreten sollte.

[ 18 ] Es ist von großer Bedeutung, sich bekanntzumachen damit, daß nicht jedes jeder menschlichen Epoche in der gleichen Weise entspricht. Wie sich die Seelenkonstitution der Menschen geändert hat, so hat sich auch geändert, wenn auch im feineren, die leibliche Konstitution. Und man muß schon sagen, diejenigen, die heute glauben, etwa durch einen Atmungsprozeß wieder erwecken zu können das Eindringen in die Geheimnisse der Welt, so wie ein solcher Atmungsprozeß in alten Zeiten vollzogen wurde und wie er sich bei Naturen erhalten hat, die eben doch anders konstituiert sind als die modernen europäischen Naturen, die sind auf einem falschen Wege. Es ist eben durchaus notwendig, daß man außer dem Verfolgen der äußeren Entwickelungsgeschichte der Menschheit, das ja insbesondere zu einer Angelegenheit des 19. Jahrhunderts geworden ist, sich nun eingewöhnt in ein innerliches Verfolgen desjenigen, was sich als Entwickelung des Seelischen parallel mit dieser äußerlichen physischen Entwickelung vollzogen hat. Man wird viel mehr gerecht der Darstellung der äußerlich-physischen Entwickelung, wenn man auf der andern Seite hinschauen kann auf die geistigseelische Entwickelung.

[ 18 ] Es ist von großer Bedeutung, sich bekanntzumachen damit, daß nicht jedes jeder menschlichen Epoche in der gleichen Weise entspricht. Wie sich die Seelenkonstitution der Menschen geändert hat, so hat sich auch geändert, wenn auch im feineren, die leibliche Konstitution. Und man muß schon sagen, diejenigen, die heute glauben, etwa durch einen Atmungsprozeß wieder erwecken zu können das Eindringen in die Geheimnisse der Welt, so wie ein solcher Atmungsprozeß in alten Zeiten vollzogen wurde und wie er sich bei Naturen erhalten hat, die eben doch anders konstituiert sind als die modernen europäischen Naturen, die sind auf einem falschen Wege. Es ist eben durchaus notwendig, daß man außer dem Verfolgen der äußeren Entwickelungsgeschichte der Menschheit, das ja insbesondere zu einer Angelegenheit des 19. Jahrhunderts geworden ist, sich nun eingewöhnt in ein innerliches Verfolgen desjenigen, was sich als Entwickelung des Seelischen parallel mit dieser äußerlichen physischen Entwickelung vollzogen hat. Man wird viel mehr gerecht der Darstellung der äußerlich-physischen Entwickelung, wenn man auf der andern Seite hinschauen kann auf die geistigseelische Entwickelung.

[ 19 ] Sie werden erfühlen können, wie derjenige, dem nun völlig gegenständlich sind diese vier Arten der menschlichen Seelenverfassung, die Seele in einer besonderen Weise anschaut. Wir haben zuerst eine Seelenverfassung, die eigentlich kaum mehr eine Seelenverfassung, sondern eine Leibesverfassung ist, die im Atmungsprozesse lebt, dann diejenige, die im rhythmisch-harmonischen, im imaginativ-thematischen Prozesse lebt, dann diejenige des lautlosen Erlebens des Wortes, und zuletzt diejenige, die im intellektualistischen Prozesse lebt; und wenn man das alles gegenständlich hat, dann sieht man eben hin auf die Seele so, daß man ihr zuschreiben muß die verschiedensten Möglichkeiten, sich zur Welt zu stellen. Und das ist der Gegenwart notwendig, zu wissen, daß es solche verschiedene Möglichkeiten, sagen wir, solche verschiedene Bewußtseinsarten gibt, und daß für jeden Bewußtseinszustand andere Stufen des kosmischen Lebens und kosmischen Daseins zum Vorschein kommen.

[ 19 ] Sie werden erfühlen können, wie derjenige, dem nun völlig gegenständlich sind diese vier Arten der menschlichen Seelenverfassung, die Seele in einer besonderen Weise anschaut. Wir haben zuerst eine Seelenverfassung, die eigentlich kaum mehr eine Seelenverfassung, sondern eine Leibesverfassung ist, die im Atmungsprozesse lebt, dann diejenige, die im rhythmisch-harmonischen, im imaginativ-thematischen Prozesse lebt, dann diejenige des lautlosen Erlebens des Wortes, und zuletzt diejenige, die im intellektualistischen Prozesse lebt; und wenn man das alles gegenständlich hat, dann sieht man eben hin auf die Seele so, daß man ihr zuschreiben muß die verschiedensten Möglichkeiten, sich zur Welt zu stellen. Und das ist der Gegenwart notwendig, zu wissen, daß es solche verschiedene Möglichkeiten, sagen wir, solche verschiedene Bewußtseinsarten gibt, und daß für jeden Bewußtseinszustand andere Stufen des kosmischen Lebens und kosmischen Daseins zum Vorschein kommen.

[ 20 ] Man glaubt heute vielfach, es gebe nur den einen Bewußtseinszustand, den man sich dann zu schildern bemüht wie etwas, was absolut nur allein genommen werden könne. Aber indem man sich beschränken will auf diesen einen Bewußtseinszustand, beschränkt man sich zu gleicher Zeit auf eine einzige Stufe des kosmischen Daseins und des kosmischen Erlebens. Und wir dürfen ja wirklich sagen von dem heutigen Bewußtseinszustand, daß er der Erkenntnis des eigentlichen Menschenwesens fern steht. Er klammert sich daran, aus Physiologie, aus Biologie heraus ein Menschenwesen zu konstruieren. Denn was wir heute Psychologie nennen, das ist ja im Grunde genommen eine Zusammenfassung von abgebrauchten Worten für etwas, wofür keine wirklichen Seeleninhalte mehr vorhanden sind.

[ 20 ] Man glaubt heute vielfach, es gebe nur den einen Bewußtseinszustand, den man sich dann zu schildern bemüht wie etwas, was absolut nur allein genommen werden könne. Aber indem man sich beschränken will auf diesen einen Bewußtseinszustand, beschränkt man sich zu gleicher Zeit auf eine einzige Stufe des kosmischen Daseins und des kosmischen Erlebens. Und wir dürfen ja wirklich sagen von dem heutigen Bewußtseinszustand, daß er der Erkenntnis des eigentlichen Menschenwesens fern steht. Er klammert sich daran, aus Physiologie, aus Biologie heraus ein Menschenwesen zu konstruieren. Denn was wir heute Psychologie nennen, das ist ja im Grunde genommen eine Zusammenfassung von abgebrauchten Worten für etwas, wofür keine wirklichen Seeleninhalte mehr vorhanden sind.

[ 21 ] Die Menschheit muß erst wiederum aufrücken dazu, das Lebendige neben dem Toten, das Empfindende neben dem Lebendigen, das Menschliche neben dem bloß empfindenden Erkennen zu erfassen. Wie gesagt, ich habe diese Ausführungen gemacht, um eine Vorstellung zu erleichtern, die hinführt zu dem, was heute notwendig ist, wenn wir uns wieder einer Erkenntnis des Menschlichen nähern wollen, wenn wir das Menschliche wiederum kennenlernen wollen. Denn dieses Menschliche enthüllt sich nicht dem Bewußtseinszustande, der vorzugsweise für das Tote, für das Mineralische eingerichtet ist.

[ 21 ] Die Menschheit muß erst wiederum aufrücken dazu, das Lebendige neben dem Toten, das Empfindende neben dem Lebendigen, das Menschliche neben dem bloß empfindenden Erkennen zu erfassen. Wie gesagt, ich habe diese Ausführungen gemacht, um eine Vorstellung zu erleichtern, die hinführt zu dem, was heute notwendig ist, wenn wir uns wieder einer Erkenntnis des Menschlichen nähern wollen, wenn wir das Menschliche wiederum kennenlernen wollen. Denn dieses Menschliche enthüllt sich nicht dem Bewußtseinszustande, der vorzugsweise für das Tote, für das Mineralische eingerichtet ist.

[ 22 ] Wir sprechen vom Ich, wir meinen, vom Ich sprechen zu können. Daß wir ein Wort haben für dieses Ich, das ist ja kein Beweis, daß wir bei diesem Worte auch einen Seeleninhalt haben. Es gibt heute Philosophen, die fassen das Ich überhaupt nur als eine Zusammenfassung desjenigen auf, was als Vorstellung, als Gefühl erlebt wird. Gewissermaßen nur dasjenige, was von einer Vorstellung zu der andern, von einer Empfindung zu der andern, von der Empfindung zur Vorstellung hin als Verbindungsstriche gezogen wird, was also selber ganz abstrakt ist, das wird oftmals heute als das Ich aufgefaßt. Aber man kann sagen, in gewissem Sinne hat sogar diese Auffassung eine eingeschränkte Berechtigung. Denn was in der Seele erlebt wird, wenn man von solchem Bewußtsein des Ich spricht, das ist im Grunde genommen gar nicht einmal ein Inhalt.

[ 22 ] Wir sprechen vom Ich, wir meinen, vom Ich sprechen zu können. Daß wir ein Wort haben für dieses Ich, das ist ja kein Beweis, daß wir bei diesem Worte auch einen Seeleninhalt haben. Es gibt heute Philosophen, die fassen das Ich überhaupt nur als eine Zusammenfassung desjenigen auf, was als Vorstellung, als Gefühl erlebt wird. Gewissermaßen nur dasjenige, was von einer Vorstellung zu der andern, von einer Empfindung zu der andern, von der Empfindung zur Vorstellung hin als Verbindungsstriche gezogen wird, was also selber ganz abstrakt ist, das wird oftmals heute als das Ich aufgefaßt. Aber man kann sagen, in gewissem Sinne hat sogar diese Auffassung eine eingeschränkte Berechtigung. Denn was in der Seele erlebt wird, wenn man von solchem Bewußtsein des Ich spricht, das ist im Grunde genommen gar nicht einmal ein Inhalt.

[ 23 ] Sehen Sie, wir können eine weiße Fläche haben, können sprechen von Weiß — ich habe das Bild schon öfter gebraucht —, wir sehen das Weiß, aber wir sehen hier in der Mitte auch das Schwarz. Da ist kein Weiß, da fehlt das Weiß, und doch sehen wir durch das Weiß das Schwarze (es wird gezeichnet).

[ 23 ] Sehen Sie, wir können eine weiße Fläche haben, können sprechen von Weiß — ich habe das Bild schon öfter gebraucht —, wir sehen das Weiß, aber wir sehen hier in der Mitte auch das Schwarz. Da ist kein Weiß, da fehlt das Weiß, und doch sehen wir durch das Weiß das Schwarze (es wird gezeichnet).

[ 24 ] Wer wirklich das Seelenleben analysieren kann, der kann einsehen, daß wir heute in der Seele etwas erleben, was sich vergleichen läßt mit diesem Weiß. Wir erleben Schmerz und Lust, wir erleben diese und jene Empfindung, Liebe, Haß und so weiter. Wir erleben Vorstellungen, obwohl die schon für das gewöhnliche Bewußtsein etwas recht Graues sind, wenn sie rückerlebt werden wollen in der Reflexion; aber wir erleben mit diesem Bewußtsein das Ich so, wie hier das Schwarze im Weißen. Da, wo wir nichts erleben, wo wir gewissermaßen ein Loch erleben in unserem Bewußtsein, da setzen wir das Ich hin für das gewöhnliche Bewußtsein. Kein Wunder, daß wir vom Ich sprechen; wir sprechen auch hier vom schwarzen Loch. In dem, was der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen erlebt, ist das Ich nicht enthalten. Die Frage kann sich uns vor die Seele stellen: Wie kommen wir denn überhaupt zu einer Möglichkeit, für das Ich Vorstellungen zu gewinnen? — Ja, da wird derjenige, der nun ernsthaft nach Erkenntnis frägt, auf etwas anderes geführt. Er findet überall in dem, was uns umgibt in der Welt, keinen Anhaltspunkt, für das Ich Vorstellungen zu gewinnen. In der Regel ist ja das, was uns umgibt, das eine Mal draußen, das andere Mal drinnen in der Seele. Es ist ja im Grunde genommen dasselbe. Und wenn wir innerlich für das Ich nur ein Loch finden, so können wir auch unter den gewöhnlichen Verhältnissen nicht äußerlich einen Anhaltspunkt finden, wohin wir unser Ich gewissermaßen stellen können.

[ 24 ] Wer wirklich das Seelenleben analysieren kann, der kann einsehen, daß wir heute in der Seele etwas erleben, was sich vergleichen läßt mit diesem Weiß. Wir erleben Schmerz und Lust, wir erleben diese und jene Empfindung, Liebe, Haß und so weiter. Wir erleben Vorstellungen, obwohl die schon für das gewöhnliche Bewußtsein etwas recht Graues sind, wenn sie rückerlebt werden wollen in der Reflexion; aber wir erleben mit diesem Bewußtsein das Ich so, wie hier das Schwarze im Weißen. Da, wo wir nichts erleben, wo wir gewissermaßen ein Loch erleben in unserem Bewußtsein, da setzen wir das Ich hin für das gewöhnliche Bewußtsein. Kein Wunder, daß wir vom Ich sprechen; wir sprechen auch hier vom schwarzen Loch. In dem, was der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen erlebt, ist das Ich nicht enthalten. Die Frage kann sich uns vor die Seele stellen: Wie kommen wir denn überhaupt zu einer Möglichkeit, für das Ich Vorstellungen zu gewinnen? — Ja, da wird derjenige, der nun ernsthaft nach Erkenntnis frägt, auf etwas anderes geführt. Er findet überall in dem, was uns umgibt in der Welt, keinen Anhaltspunkt, für das Ich Vorstellungen zu gewinnen. In der Regel ist ja das, was uns umgibt, das eine Mal draußen, das andere Mal drinnen in der Seele. Es ist ja im Grunde genommen dasselbe. Und wenn wir innerlich für das Ich nur ein Loch finden, so können wir auch unter den gewöhnlichen Verhältnissen nicht äußerlich einen Anhaltspunkt finden, wohin wir unser Ich gewissermaßen stellen können.

[ 25 ] Wer ernsthaft nach Erkenntnis strebt, findet in dem Geschehen der Welt eine Möglichkeit, an das Ich heranzukommen, nur bei einer Erscheinung: das ist die des Todes. Gerade dann, wenn mit dem Tode das Menschenwesen aufhört, wenn gewissermaßen der menschliche Leib den äußeren Kräften übergeben wird, denen er entzogen war von der

[ 25 ] Wer ernsthaft nach Erkenntnis strebt, findet in dem Geschehen der Welt eine Möglichkeit, an das Ich heranzukommen, nur bei einer Erscheinung: das ist die des Todes. Gerade dann, wenn mit dem Tode das Menschenwesen aufhört, wenn gewissermaßen der menschliche Leib den äußeren Kräften übergeben wird, denen er entzogen war von der

[ 26 ] Tafel 15 Geburt oder von der Empfängnis bis zum Tode, dann, wenn wir nun in der Lage sind, uns nunmehr noch eine Vorstellung vom Menschen zu bilden, jetzt, wo wir keine Möglichkeit mehr haben, vom Leibe aus auf den Menschen zu schließen, dann beginnt für uns erst die Möglichkeit, an das Ich heranzutreten. Wir müssen bei derjenigen Erscheinung beginnen, die gewissermaßen am unerklärlichsten ist unter den äußeren Erscheinungen, am unerklärlichsten deshalb, weil sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht mehr zu erfassen, am wenigsten hereinzubringen ist in das Bewußtsein.

[ 26 ] Tafel 15 Geburt oder von der Empfängnis bis zum Tode, dann, wenn wir nun in der Lage sind, uns nunmehr noch eine Vorstellung vom Menschen zu bilden, jetzt, wo wir keine Möglichkeit mehr haben, vom Leibe aus auf den Menschen zu schließen, dann beginnt für uns erst die Möglichkeit, an das Ich heranzutreten. Wir müssen bei derjenigen Erscheinung beginnen, die gewissermaßen am unerklärlichsten ist unter den äußeren Erscheinungen, am unerklärlichsten deshalb, weil sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht mehr zu erfassen, am wenigsten hereinzubringen ist in das Bewußtsein.

[ 27 ] Aber wenn wir uns entschließen können, den Tod so zu betrachten, wenn wir mit der Erscheinung des Todes es ähnlich machen, wie ich es beschrieben habe für das Ringen mit Begriffen überhaupt, wo das bloße abstrakte Erkennen zu einem innerlichen Erleben wird, wenn wir so an die Erscheinung des Todes herantreten, dann lernen wir allmählich durchschauen, daß der Tod, wenn er uns entgegentritt beim Aufhören des Lebens, eigentlich nur etwas ist wie eine Summe, wie ein Integral, möchte ich sagen, von einzelnen Vorgängen, die sich von der Geburt an im Menschen immer vollziehen. Wir sterben im Grunde genommen immer, aber wir sterben sozusagen in ganz kleinen Portionen. Wenn wir unser Leben auf der Erde beginnen, beginnen wir auch zu sterben. Aber immer wieder und wiederum überwindet dasjenige, was uns als Vitalität durch die Geburt übergeben wird, den Tod. Der Tod will immer in uns wirken. Er bringt es immer nur zu einer ganz kleinen Portion seines Wirkens und wird dann überwunden. Aber das, was uns wie anschaulich in dem einen Momente summarisch zusammengedrängt scheint im Tode, das geht wie Differentiale immerfort im Leben vor sich, das ist ein kontinuierlicher, fortdauernder Prozeß.

[ 27 ] Aber wenn wir uns entschließen können, den Tod so zu betrachten, wenn wir mit der Erscheinung des Todes es ähnlich machen, wie ich es beschrieben habe für das Ringen mit Begriffen überhaupt, wo das bloße abstrakte Erkennen zu einem innerlichen Erleben wird, wenn wir so an die Erscheinung des Todes herantreten, dann lernen wir allmählich durchschauen, daß der Tod, wenn er uns entgegentritt beim Aufhören des Lebens, eigentlich nur etwas ist wie eine Summe, wie ein Integral, möchte ich sagen, von einzelnen Vorgängen, die sich von der Geburt an im Menschen immer vollziehen. Wir sterben im Grunde genommen immer, aber wir sterben sozusagen in ganz kleinen Portionen. Wenn wir unser Leben auf der Erde beginnen, beginnen wir auch zu sterben. Aber immer wieder und wiederum überwindet dasjenige, was uns als Vitalität durch die Geburt übergeben wird, den Tod. Der Tod will immer in uns wirken. Er bringt es immer nur zu einer ganz kleinen Portion seines Wirkens und wird dann überwunden. Aber das, was uns wie anschaulich in dem einen Momente summarisch zusammengedrängt scheint im Tode, das geht wie Differentiale immerfort im Leben vor sich, das ist ein kontinuierlicher, fortdauernder Prozeß.

[ 28 ] Wenn wir also dem nachgehen, dann sehen wir, wie im menschlichen inneren organischen Wirken nicht bloß Aufbauprozesse vorhanden sind. Wären bloß Aufbauprozesse vorhanden, wir würden niemals ein denkendes Bewußtsein erreichen können, denn das, was bloß lebt, was bloß vital ist, das nimmt uns das Bewußtsein, das macht uns bewußtlos. Die Todesprozesse in uns,.die Sterbeprozesse, die Vernichtungsprozesse des Vitalen, die sich immer differential in uns vollziehen, die sind es, die uns das Bewußtsein bringen, die uns zum denkenden, besonnenen Wesen machen. Wir würden immer in eine Art Unbesonnenheit, in eine Art Bewußtlosigkeit kommen, wenn wir nur leben würden. Wenn es wahr wäre, daß in der Pflanze das Leben auf einer gewissen Stufe ist, im Tiere auf einer höheren Stufe, im Menschen auf einer noch höheren Stufe, wenn es sich also nur immer handeln würde um eine Erhöhung, um eine Potenzierung des Lebens, wir würden niemals denkerisches Bewußtsein entwickeln.

[ 28 ] Wenn wir also dem nachgehen, dann sehen wir, wie im menschlichen inneren organischen Wirken nicht bloß Aufbauprozesse vorhanden sind. Wären bloß Aufbauprozesse vorhanden, wir würden niemals ein denkendes Bewußtsein erreichen können, denn das, was bloß lebt, was bloß vital ist, das nimmt uns das Bewußtsein, das macht uns bewußtlos. Die Todesprozesse in uns,.die Sterbeprozesse, die Vernichtungsprozesse des Vitalen, die sich immer differential in uns vollziehen, die sind es, die uns das Bewußtsein bringen, die uns zum denkenden, besonnenen Wesen machen. Wir würden immer in eine Art Unbesonnenheit, in eine Art Bewußtlosigkeit kommen, wenn wir nur leben würden. Wenn es wahr wäre, daß in der Pflanze das Leben auf einer gewissen Stufe ist, im Tiere auf einer höheren Stufe, im Menschen auf einer noch höheren Stufe, wenn es sich also nur immer handeln würde um eine Erhöhung, um eine Potenzierung des Lebens, wir würden niemals denkerisches Bewußtsein entwickeln.

[ 29 ] Wir haben in der Pflanze das Leben. Aber indem das Leben bis zum Tier heraufgeht, dämpft es sich im Tier auch schon ab. Im Menschen aber existiert ein fortwährender Sterbeprozeß. Dieser fortwährende Sterbeprozeß, der das Leben nicht nur dämpft, sondern es untergräbt — es wird nur wiederum aufgebaut —, das ist der organische Prozeß, der dem bewußten Denken zugrunde liegt. In dem Maße, in dem wir den kontinuierlichen Sterbeprozeß in uns haben, in dem Maße haben wir ja die Möglichkeit, im physischen Leben zu denken.

[ 29 ] Wir haben in der Pflanze das Leben. Aber indem das Leben bis zum Tier heraufgeht, dämpft es sich im Tier auch schon ab. Im Menschen aber existiert ein fortwährender Sterbeprozeß. Dieser fortwährende Sterbeprozeß, der das Leben nicht nur dämpft, sondern es untergräbt — es wird nur wiederum aufgebaut —, das ist der organische Prozeß, der dem bewußten Denken zugrunde liegt. In dem Maße, in dem wir den kontinuierlichen Sterbeprozeß in uns haben, in dem Maße haben wir ja die Möglichkeit, im physischen Leben zu denken.

[ 30 ] Wenn man aber das beobachten lernt, daß es den Aufbauprozeß gibt (siehe Zeichnung, rot), den vitalen Aufbauprozeß des Vegetabilischen, der auch in uns wirkt, und wenn man dann zu beobachten versteht, wie durch das Tierische dieser Aufbauprozeß herabgedämpft wird (grün), wie aber ein fortwährender Herausfall stattfindet (schwarz), ein innerer Zerfall, und wenn man sich dann endlich dazu aufschwingt, eine Erkenntnis zu haben dieses inneren Zerfalls, dann hat man auch dasjenige, was sich nun immer aufrechterhält gegenüber diesem Zerfall. Man hat den Sterbeprozeß, man hat aber auch einen immerwährenden Kämpfer gegen den Sterbeprozeß; man hat den Prozeß, der das Leben des Ich darstellt.

[ 30 ] Wenn man aber das beobachten lernt, daß es den Aufbauprozeß gibt (siehe Zeichnung, rot), den vitalen Aufbauprozeß des Vegetabilischen, der auch in uns wirkt, und wenn man dann zu beobachten versteht, wie durch das Tierische dieser Aufbauprozeß herabgedämpft wird (grün), wie aber ein fortwährender Herausfall stattfindet (schwarz), ein innerer Zerfall, und wenn man sich dann endlich dazu aufschwingt, eine Erkenntnis zu haben dieses inneren Zerfalls, dann hat man auch dasjenige, was sich nun immer aufrechterhält gegenüber diesem Zerfall. Man hat den Sterbeprozeß, man hat aber auch einen immerwährenden Kämpfer gegen den Sterbeprozeß; man hat den Prozeß, der das Leben des Ich darstellt.

[ 31 ] Da lebt das Ich. Indem man in höherer Erkenntnis, in höherer Anschauung sieht, wie durch den nervösen Prozeß des Menschen ein fortwährendes Ablagern stattfindet, gewissermaßen ein inneres Sediment sich bildet, schaut man auch, wie sich fortwährend herausringt aus dieser Sedimentbildung, aus dieser inneren Sedimentbildung das Ich. Nicht früher kann man eine Anschauung des wahren Ich gewinnen, ehe man nicht diese innere Sedimentbildung zu beobachten vermag. Das Ich lebt natürlich im Menschen, aber der Mensch nimmt dieses Ich dadurch wahr, daß er den Sterbeprozeß erlebt, den Prozeß des innerlichen Zersetzens. Und derjenige, der nun erfaßt hat, wie das Ich ein fortwährender Kämpfer gegen diesen Sterbeprozeß ist, der hat erfaßt, wie das Ich etwas ist, was als solches mit dem Tode gar nichts zu tun hat; der hat anschaulich erfaßt, was man sonst dialektisch oder logisch als die Unsterblichkeit bezeichnet.

[ 31 ] Da lebt das Ich. Indem man in höherer Erkenntnis, in höherer Anschauung sieht, wie durch den nervösen Prozeß des Menschen ein fortwährendes Ablagern stattfindet, gewissermaßen ein inneres Sediment sich bildet, schaut man auch, wie sich fortwährend herausringt aus dieser Sedimentbildung, aus dieser inneren Sedimentbildung das Ich. Nicht früher kann man eine Anschauung des wahren Ich gewinnen, ehe man nicht diese innere Sedimentbildung zu beobachten vermag. Das Ich lebt natürlich im Menschen, aber der Mensch nimmt dieses Ich dadurch wahr, daß er den Sterbeprozeß erlebt, den Prozeß des innerlichen Zersetzens. Und derjenige, der nun erfaßt hat, wie das Ich ein fortwährender Kämpfer gegen diesen Sterbeprozeß ist, der hat erfaßt, wie das Ich etwas ist, was als solches mit dem Tode gar nichts zu tun hat; der hat anschaulich erfaßt, was man sonst dialektisch oder logisch als die Unsterblichkeit bezeichnet.

[ 32 ] Aber dies ist der Weg, die Unsterblichkeit zu schauen, denn man gelangt dadurch zu Entitäten, welche einer andern Daseinsordnung angehören als dasjenige, was da als Sediment herausfällt. Man gelangt in eine Region, wo Tod keine Bedeutung hat, wo Tod die Möglichkeit verliert, als irdische Empfindung gebildet zu werden. So kommen wir an das Ich heran, wenn wir den Tod studieren. Ich habe das zunächst nur angedeutet, denn dieses Studium des Todes ist ein sehr ausführliches, und denen, welche einen gewissen Wert darauf legen, kann auch gesagt werden, daß das Verfolgen dieses fortwährenden Sedimentierens, dieses Sedimentbildens, in der Anschauung sich so ausnimmt, als ob ein fortwährendes inneres Aufflackern von Finsternisfunken da wäre also im Gegensatz zu Lichtfunken: Finsternisfunken — in einer gleichmäßigen Leuchteaura.

[ 32 ] Aber dies ist der Weg, die Unsterblichkeit zu schauen, denn man gelangt dadurch zu Entitäten, welche einer andern Daseinsordnung angehören als dasjenige, was da als Sediment herausfällt. Man gelangt in eine Region, wo Tod keine Bedeutung hat, wo Tod die Möglichkeit verliert, als irdische Empfindung gebildet zu werden. So kommen wir an das Ich heran, wenn wir den Tod studieren. Ich habe das zunächst nur angedeutet, denn dieses Studium des Todes ist ein sehr ausführliches, und denen, welche einen gewissen Wert darauf legen, kann auch gesagt werden, daß das Verfolgen dieses fortwährenden Sedimentierens, dieses Sedimentbildens, in der Anschauung sich so ausnimmt, als ob ein fortwährendes inneres Aufflackern von Finsternisfunken da wäre also im Gegensatz zu Lichtfunken: Finsternisfunken — in einer gleichmäßigen Leuchteaura.

[ 33 ] Aber wir müssen noch andere Begriffe uns bilden, wenn wir an das herantreten wollen, was uns wiederum zu einer Art Erkenntnis des Menschen führen kann. Ich muß von etwas anderem ausgehen, wenn ich diesen andern Begriff bilden will. Ich mußte Sie auf den Tod verweisen und seine Überwindung, da es sich darum handelte, an das Ich heranzukommen. Ich möchteSie nun auf folgendes verweisen: Betrachten Sie das Leben des Pflanzlichen, aber zunächst des eigentlich Pflanzlichen. Das ist das einjährig Pflanzliche, denn in der mehrjährigen Pflanze und im Baum tritt uns schon eine Komplikation entgegen, die eine eigene Betrachtung notwendig machen würde. In der einjährigen Pflanze finden Sie das Aufgehen des Wachstums vom Keim, das Schießen in die Blätter, das Heraufkommen des Wachsens bis zur Blüte, bis zur Befruchtung, das Entwickeln der Frucht, die den Keim enthält für die folgende Pflanze. Wir sehen gewissermaßen das Ergebnis der Frucht, das sich wiederum bis zur Pflanze hin entwickelt.

[ 33 ] Aber wir müssen noch andere Begriffe uns bilden, wenn wir an das herantreten wollen, was uns wiederum zu einer Art Erkenntnis des Menschen führen kann. Ich muß von etwas anderem ausgehen, wenn ich diesen andern Begriff bilden will. Ich mußte Sie auf den Tod verweisen und seine Überwindung, da es sich darum handelte, an das Ich heranzukommen. Ich möchteSie nun auf folgendes verweisen: Betrachten Sie das Leben des Pflanzlichen, aber zunächst des eigentlich Pflanzlichen. Das ist das einjährig Pflanzliche, denn in der mehrjährigen Pflanze und im Baum tritt uns schon eine Komplikation entgegen, die eine eigene Betrachtung notwendig machen würde. In der einjährigen Pflanze finden Sie das Aufgehen des Wachstums vom Keim, das Schießen in die Blätter, das Heraufkommen des Wachsens bis zur Blüte, bis zur Befruchtung, das Entwickeln der Frucht, die den Keim enthält für die folgende Pflanze. Wir sehen gewissermaßen das Ergebnis der Frucht, das sich wiederum bis zur Pflanze hin entwickelt.

[ 34 ] Sie werden leicht sich die Vorstellung bilden können, daß die Pflanze, indem sie sich aus jenen Vorstadien heranentwickelt, wo das Blatt entsteht, bis zur Befruchtung, in sich Kräfte entfaltet, die ihre Kulmination erreichen eben im Momente der Befruchtung. Dann aber beginnt der absteigende Weg, dann zerfällt die Pflanze wiederum. Und indem Sie diesen Kreislauf des Pflanzlichen betrachten, werden Sie das eigentliche Wesen der Pflanze sehen. Wie gesagt, die mehrjährige Pflanze und solche Pflanzen, die einen Stamm zurücklassen wie der Baum, die sollen uns jetzt nicht beschäftigen. Es würde dasjenige, was ich bei der einjährigen Pflanze sagte, die bei der einmaligen Befruchtung ihrem Ende entgegengeht, nur komplizierter sein; aber das eigentliche Wesen erfassen wir an dem Wesen derjenigen Pflanze, die in der Befruchtung zugleich ihrem Ende entgegengeht. Richtig betrachtet liegt das Pflanzliche gerade in dem Leben, das in der Befruchtung kulminiert und, indem es in der Befruchtung kulminiert, nach der andern Seite absteigt. Darinnen liegt das Pflanzliche. Suchen wir das Wesen der Pflanze, so müssen wir ähnlich suchen, wie wir beim Menschen sein Ich-Wesen suchen müssen in dem kontinuierlichen Sterben. Wir sagen beim Menschen, der Tod, mit dem er zunächst sein physisches Wesen endet, der ist eigentlich als Kraft immer in ihm. Wenn er geboren wird, fängt er an zu sterben, fängt er an, ich möchte sagen, Differentiale des Sterbens zu entwickeln, er stirbt fortwährend. Es ist der Sterbeprozeß in ihm. Bei der Pflanze ist dasjenige fortwährend da, was zuletzt kulminiert. So wie wir im Tode kulminieren, so kulminiert sie in der Befruchtung. Wie wir unser inneres Wesen, unser Ich im Tode gerade erfassen, so erfaßt man das Wesen der Pflanze in der Befruchtung. Die Pflanze lebt in der Befruchtung auf; was sich im Blatt entwickelt, ist nur eine Metamorphose, ist nur eine Vorstufe der Befruchtung.

[ 34 ] Sie werden leicht sich die Vorstellung bilden können, daß die Pflanze, indem sie sich aus jenen Vorstadien heranentwickelt, wo das Blatt entsteht, bis zur Befruchtung, in sich Kräfte entfaltet, die ihre Kulmination erreichen eben im Momente der Befruchtung. Dann aber beginnt der absteigende Weg, dann zerfällt die Pflanze wiederum. Und indem Sie diesen Kreislauf des Pflanzlichen betrachten, werden Sie das eigentliche Wesen der Pflanze sehen. Wie gesagt, die mehrjährige Pflanze und solche Pflanzen, die einen Stamm zurücklassen wie der Baum, die sollen uns jetzt nicht beschäftigen. Es würde dasjenige, was ich bei der einjährigen Pflanze sagte, die bei der einmaligen Befruchtung ihrem Ende entgegengeht, nur komplizierter sein; aber das eigentliche Wesen erfassen wir an dem Wesen derjenigen Pflanze, die in der Befruchtung zugleich ihrem Ende entgegengeht. Richtig betrachtet liegt das Pflanzliche gerade in dem Leben, das in der Befruchtung kulminiert und, indem es in der Befruchtung kulminiert, nach der andern Seite absteigt. Darinnen liegt das Pflanzliche. Suchen wir das Wesen der Pflanze, so müssen wir ähnlich suchen, wie wir beim Menschen sein Ich-Wesen suchen müssen in dem kontinuierlichen Sterben. Wir sagen beim Menschen, der Tod, mit dem er zunächst sein physisches Wesen endet, der ist eigentlich als Kraft immer in ihm. Wenn er geboren wird, fängt er an zu sterben, fängt er an, ich möchte sagen, Differentiale des Sterbens zu entwickeln, er stirbt fortwährend. Es ist der Sterbeprozeß in ihm. Bei der Pflanze ist dasjenige fortwährend da, was zuletzt kulminiert. So wie wir im Tode kulminieren, so kulminiert sie in der Befruchtung. Wie wir unser inneres Wesen, unser Ich im Tode gerade erfassen, so erfaßt man das Wesen der Pflanze in der Befruchtung. Die Pflanze lebt in der Befruchtung auf; was sich im Blatt entwickelt, ist nur eine Metamorphose, ist nur eine Vorstufe der Befruchtung.

[ 35 ] Wenn Sie zum Tiere heraufkommen, so ist die Sache so: das Tier wird befruchtet, aber es bedeutet zunächst die Befruchtung nicht das Hinwelken, sondern es kann wieder befruchtet werden. Wir kommen natürlich da immer zu Grenzfragen, aber wir wollen das Lebendige und Empfindende in gewissen charakteristischen Hauptpunkten erfassen. Geradeso wie das Pflanzenwesen, das eigentliche Pflanzenwesen mit der Befruchtung seine Kulmination hat — es kann natürlich jeder bezweifeln, daß dies das eigentliche Pflanzenwesen ist, aber wir erfassen eben das Pflanzenwesen da, wo es sich äußert —, so hat das Tier ja seine Kulmination nicht mit der Befruchtung, sondern es überwindet die Befruchtung. Dasjenige, was das höhere Tier ist, trägt noch etwas anderes in sich. Würde es nur das, was in der Befruchtung lebt, in sich tragen, so würde es dasselbe durchmachen müssen wie die charakteristische Pflanze: es müßte absterben. Aber es trägt etwas heraus über die Befruchtung. Und wenn wir zum Menschen heraufkommen, so überwindet er nicht nur das, was das Tier überwindet, sondern er überwindet den Tod selber.

[ 35 ] Wenn Sie zum Tiere heraufkommen, so ist die Sache so: das Tier wird befruchtet, aber es bedeutet zunächst die Befruchtung nicht das Hinwelken, sondern es kann wieder befruchtet werden. Wir kommen natürlich da immer zu Grenzfragen, aber wir wollen das Lebendige und Empfindende in gewissen charakteristischen Hauptpunkten erfassen. Geradeso wie das Pflanzenwesen, das eigentliche Pflanzenwesen mit der Befruchtung seine Kulmination hat — es kann natürlich jeder bezweifeln, daß dies das eigentliche Pflanzenwesen ist, aber wir erfassen eben das Pflanzenwesen da, wo es sich äußert —, so hat das Tier ja seine Kulmination nicht mit der Befruchtung, sondern es überwindet die Befruchtung. Dasjenige, was das höhere Tier ist, trägt noch etwas anderes in sich. Würde es nur das, was in der Befruchtung lebt, in sich tragen, so würde es dasselbe durchmachen müssen wie die charakteristische Pflanze: es müßte absterben. Aber es trägt etwas heraus über die Befruchtung. Und wenn wir zum Menschen heraufkommen, so überwindet er nicht nur das, was das Tier überwindet, sondern er überwindet den Tod selber.

[ 36 ] Diese Dinge, von denen ich jetzt gesprochen habe, sollen nur nicht dogmatisch genommen werden; sie sollen auch nicht so genommen werden, daß man aus ihnen Definitionen formuliert, denn dann kommt man gleich auf den Holzweg, sondern sie sollen so genommen werden, daß man in ihnen sich Begriffe erringt. Wer nun wiederum sagt: Eine Pflanze ist das, was in der Befruchtung zugrunde geht, ein Tier ist das, was über die Befruchtung hinaus sich etwas behält —, der formt Definitionen, statt sich Begriffe zu erringen. Man kann nur zu einer Erkenntnis kommen, wenn man sich für gewisse Stufen des Lebens und Daseins Begriffe erringt. Und so wie man sich den Ich-Begriff durch dasHeranbringen des Ich an den Tod erringen muß, so muß man den Begriff des Tieres erringen, indem man beobachtet, wie die Befruchtung überwunden wird in etwas, was über die Befruchtung hinaus in dem Tiere lebt. Man muß die Pflanze betrachten, indem man die Befruchtung beziehungsweise das, was in der Befruchtung vor sich geht, als einen kontinuierlichen Vorgang betrachtet.

[ 36 ] Diese Dinge, von denen ich jetzt gesprochen habe, sollen nur nicht dogmatisch genommen werden; sie sollen auch nicht so genommen werden, daß man aus ihnen Definitionen formuliert, denn dann kommt man gleich auf den Holzweg, sondern sie sollen so genommen werden, daß man in ihnen sich Begriffe erringt. Wer nun wiederum sagt: Eine Pflanze ist das, was in der Befruchtung zugrunde geht, ein Tier ist das, was über die Befruchtung hinaus sich etwas behält —, der formt Definitionen, statt sich Begriffe zu erringen. Man kann nur zu einer Erkenntnis kommen, wenn man sich für gewisse Stufen des Lebens und Daseins Begriffe erringt. Und so wie man sich den Ich-Begriff durch dasHeranbringen des Ich an den Tod erringen muß, so muß man den Begriff des Tieres erringen, indem man beobachtet, wie die Befruchtung überwunden wird in etwas, was über die Befruchtung hinaus in dem Tiere lebt. Man muß die Pflanze betrachten, indem man die Befruchtung beziehungsweise das, was in der Befruchtung vor sich geht, als einen kontinuierlichen Vorgang betrachtet.

[ 37 ] Dann aber, wenn man sich zu solchen Begriffen aufgeschwungen hat, dann werden diese Begriffe selber zu etwas Lebendigem im Seelenleben. Und diese Begriffe, einmal gefaßt, befruchten selbst das Seelenleben. So daß wir in die Lage kommen, nun nicht nur das Ich des Menschen zu erfassen, sondern dadurch, daß wir uns das aneignen, was beim Tiere bleibend ist über die Befruchtung hinaus, gelangen wir allmählich heran zu einem Begriff von dem astralischen Leib des Menschen. Und wenn wir uns dasjenige aneignen, was in der Befruchtung fortwährend kontinuierlich lebt, gelangen wir auch zu einem Begriff von dem ätherischen Leib des Menschen. Erfassen wir das eigentliche Ich als das, was sich dieser Sedimentbildung entringt, dann müssen wir den astralischen Leib in einer andern Weise fassen. Wir müssen diesen astralischen Leib in der folgenden Art fassen. Betrachten wir das, was wächst, sich ernährt, was sich fortpflanzt, zunächst nicht als absterbend. Ersterbend betrachten wir hier das ganze physische Wesen, wenn wir auf das Ich kommen wollen. Also betrachten wir jetzt dasjenige, was wächst, was reproduziert, nicht als ersterbend, sondern nur als abgelähmt, fortwährend abgelähmt, so daß jetzt nicht etwas da ist, was über den Tod siegt, sondern etwas, was über die Herunterlähmung der Vitalität siegt, was also immer wiederum, wenn die Vitalität heruntersinkt, diese Vitalität aufpeitscht.

[ 37 ] Dann aber, wenn man sich zu solchen Begriffen aufgeschwungen hat, dann werden diese Begriffe selber zu etwas Lebendigem im Seelenleben. Und diese Begriffe, einmal gefaßt, befruchten selbst das Seelenleben. So daß wir in die Lage kommen, nun nicht nur das Ich des Menschen zu erfassen, sondern dadurch, daß wir uns das aneignen, was beim Tiere bleibend ist über die Befruchtung hinaus, gelangen wir allmählich heran zu einem Begriff von dem astralischen Leib des Menschen. Und wenn wir uns dasjenige aneignen, was in der Befruchtung fortwährend kontinuierlich lebt, gelangen wir auch zu einem Begriff von dem ätherischen Leib des Menschen. Erfassen wir das eigentliche Ich als das, was sich dieser Sedimentbildung entringt, dann müssen wir den astralischen Leib in einer andern Weise fassen. Wir müssen diesen astralischen Leib in der folgenden Art fassen. Betrachten wir das, was wächst, sich ernährt, was sich fortpflanzt, zunächst nicht als absterbend. Ersterbend betrachten wir hier das ganze physische Wesen, wenn wir auf das Ich kommen wollen. Also betrachten wir jetzt dasjenige, was wächst, was reproduziert, nicht als ersterbend, sondern nur als abgelähmt, fortwährend abgelähmt, so daß jetzt nicht etwas da ist, was über den Tod siegt, sondern etwas, was über die Herunterlähmung der Vitalität siegt, was also immer wiederum, wenn die Vitalität heruntersinkt, diese Vitalität aufpeitscht.

[ 38 ] Dann haben wir, geradeso wie hier (siehe Zeichnung Seite 195) aus dem Lichte die dunklen Funken heraussprühen, hier (siehe Zeichnung Seite 200, rot) fortwährend ein aus einem in hellen Farben Erglänzendem herauswolkendes, wenn ich so sagen darf, wolkendes Dunkles (blau). Man muß diese Ausdrücke gebrauchen, um in diesen Partien des Seins eben Vorstellungen zu haben. Ich möchte sagen, es funkt dunkel aus dem Hellen heraus das Ich, es wolkt dunkel heraus, tingierend, wolkig tingierend ein hell Tingiertes, wenn das Astralische aus dem Ätherischen siegt über das Ablähmen der Vitalität. Ich versuche möglichst genau zu sprechen, aber Sie begreifen, daß diese Dinge, die ja nicht mehr dem intellektualistischen Erkennen zugänglich sind, sondern nur dem imaginativen, auch nicht ausgedrückt werden können durch intellektualistische Begriffe, sondern daß sie ausgedrückt werden müssen durch Imaginationen.

[ 38 ] Dann haben wir, geradeso wie hier (siehe Zeichnung Seite 195) aus dem Lichte die dunklen Funken heraussprühen, hier (siehe Zeichnung Seite 200, rot) fortwährend ein aus einem in hellen Farben Erglänzendem herauswolkendes, wenn ich so sagen darf, wolkendes Dunkles (blau). Man muß diese Ausdrücke gebrauchen, um in diesen Partien des Seins eben Vorstellungen zu haben. Ich möchte sagen, es funkt dunkel aus dem Hellen heraus das Ich, es wolkt dunkel heraus, tingierend, wolkig tingierend ein hell Tingiertes, wenn das Astralische aus dem Ätherischen siegt über das Ablähmen der Vitalität. Ich versuche möglichst genau zu sprechen, aber Sie begreifen, daß diese Dinge, die ja nicht mehr dem intellektualistischen Erkennen zugänglich sind, sondern nur dem imaginativen, auch nicht ausgedrückt werden können durch intellektualistische Begriffe, sondern daß sie ausgedrückt werden müssen durch Imaginationen.

[ 39 ] Es kann ja auch vorkommen, nicht wahr, daß Leute solche Imaginationen für die Sache nehmen und sich dann nicht auskennen, wie es gewisse Kritiker der Anthroposophie machen. Aber diese Leute begehen den Fehler, den etwa derjenige begehen würde — so paradox es ist, aber es ist so —, der glaubt, wenn ihm jemand das Wort Igel sagt, er hätte einen wirklichen stacheligen Igel. Das Wort Igel ist ja natürlich nicht der Igel. Ebensowenig sind diese Bilder das entsprechende Sein, aber wir können nur durch diese Bilder durchdringen zu dem, was wirklich da ist im übersinnlichen Sein. Es ist ja schließlich ein Versinnlichen.

[ 39 ] Es kann ja auch vorkommen, nicht wahr, daß Leute solche Imaginationen für die Sache nehmen und sich dann nicht auskennen, wie es gewisse Kritiker der Anthroposophie machen. Aber diese Leute begehen den Fehler, den etwa derjenige begehen würde — so paradox es ist, aber es ist so —, der glaubt, wenn ihm jemand das Wort Igel sagt, er hätte einen wirklichen stacheligen Igel. Das Wort Igel ist ja natürlich nicht der Igel. Ebensowenig sind diese Bilder das entsprechende Sein, aber wir können nur durch diese Bilder durchdringen zu dem, was wirklich da ist im übersinnlichen Sein. Es ist ja schließlich ein Versinnlichen.

[ 40 ] Derjenige, der den ganzen Prozeß kennt, der braucht sich natürlich nicht sagen zu lassen, was etwa Bruhn in seinem Büchelchen über die Anthroposophie sagt: daß die Anthroposophie das Übersinnliche mit dem Sinnlichen verwechselt. Das ist ungefähr ebenso gescheit, wie wenn man einem Mathematiker vorwerfen würde, daß er das, was er auf die Tafel schreibt, mit der Mathematik verwechsle. Aber so werden ja in der Regel Kritiken über das geschrieben, was man nicht verstehen will, weil man nicht die Wege dazu wählen will, die eben schon einmal notwendig sind. Also um was es sich handelt, das ist, daß zurückgefunden werden muß der Weg zu dem, was den Menschen vor unsere Seele wiederum hinstellen kann. Es sind Imaginationen einmal im Verlauf des Atmungsprozesses aufgetreten; es müssen wiederum Imaginationen werden, durch die wir an das wahre Wesen des Menschen herankommen. Nur können wir sie nicht durch einen Atmungsprozeß erreichen, sondern durch diejenigen Vorgänge, die ich versuchte zu beschreiben in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft».

[ 40 ] Derjenige, der den ganzen Prozeß kennt, der braucht sich natürlich nicht sagen zu lassen, was etwa Bruhn in seinem Büchelchen über die Anthroposophie sagt: daß die Anthroposophie das Übersinnliche mit dem Sinnlichen verwechselt. Das ist ungefähr ebenso gescheit, wie wenn man einem Mathematiker vorwerfen würde, daß er das, was er auf die Tafel schreibt, mit der Mathematik verwechsle. Aber so werden ja in der Regel Kritiken über das geschrieben, was man nicht verstehen will, weil man nicht die Wege dazu wählen will, die eben schon einmal notwendig sind. Also um was es sich handelt, das ist, daß zurückgefunden werden muß der Weg zu dem, was den Menschen vor unsere Seele wiederum hinstellen kann. Es sind Imaginationen einmal im Verlauf des Atmungsprozesses aufgetreten; es müssen wiederum Imaginationen werden, durch die wir an das wahre Wesen des Menschen herankommen. Nur können wir sie nicht durch einen Atmungsprozeß erreichen, sondern durch diejenigen Vorgänge, die ich versuchte zu beschreiben in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft».

[ 41 ] Ich wollte Ihnen damit heute einige Andeutungen darüber geben, wie aus der heutigen intellektualistischen Seelenverfassung heraus wiederum eine andere gesucht werden muß. Diese andere Seelenverfassung ist nicht etwa schon das schauende Bewußtsein. Es ist gar nicht nötig, daß man das schauende Bewußtsein erhält, aber diese andere Seelenverfassung kann man haben. Sie entwickelt sich bei einer wirklich intellektualistischen Innenbildung dann, wenn man es nur ernst und ehrlich meint mit dieser intellektualistischen Innenbildung und weiß, wo ihre Grenzen sind. Dann entwickelt sie sich unbedingt. Und derjenige wird am allerehesten zu einer solchen Anschauung von einer inneren metamorphosierten Seelenverfassung kommen, der sich gerade in die naturwissenschaftlichen Begriffe der neueren Zeit einlebt. Denn lebt er sich in sie so ein, wie man mit ihnen leben kann, nimmt er sie nicht bloß demütig auf, sondern lebt er sich in sie so ein, wie man sie wirklich innerlich durchleben kann, dann wird er durch sie nicht geführt zu einem Ignorabimus, sondern er wird gerade an der Grenze, wo sonst das Ignorabimus hingesetzt, hingepfahlt wird, zu einem besonderen Erleben, zu einem wirklichen Ringen geführt. Da entzündet sich dann eben diese andere Seelenverfassung. Aber alles hängt davon ab, daß man in ehrlicher und innerlich durch und durch wahrhaftiger Weise an die naturwissenschaftlichen Begriffe selbst herantrete. Dann befriedigt man sich nicht bei ihnen, dann werden sie zu Keimen, aus denen etwas anderes herauswächst; dann bleibt man nicht dabei stehen, diese naturwissenschaftlichen Begriffe wie Bohnen nebeneinander hinzulegen und sie anzuschauen, sondern dann versenkt man diese Bohnenkeime in die Erde, das heißt die intellektualistischen Naturbegriffe in das Innere der Seele. Da gehen sie auf in einer neuen Seelenverfassung. Was die letzten Jahrhunderte selbst entwickelt haben, das trägt in sich die Möglichkeit, neue Keime der Erkenntnis aufgehen zu lassen. Wir müssen hinschauen auf ein Zeitalter, welches wiederum eine andere Seelenverfassung zeigt als diejenige, die die Galilei-Zeit, die Zeit des 15. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Wir müssen vorrücken zu einer tieferen Erkenntnis der Welt dadurch, daß wir zu einem intensiveren Erleben in dem eigenen menschlichen Inneren kommen.

[ 41 ] Ich wollte Ihnen damit heute einige Andeutungen darüber geben, wie aus der heutigen intellektualistischen Seelenverfassung heraus wiederum eine andere gesucht werden muß. Diese andere Seelenverfassung ist nicht etwa schon das schauende Bewußtsein. Es ist gar nicht nötig, daß man das schauende Bewußtsein erhält, aber diese andere Seelenverfassung kann man haben. Sie entwickelt sich bei einer wirklich intellektualistischen Innenbildung dann, wenn man es nur ernst und ehrlich meint mit dieser intellektualistischen Innenbildung und weiß, wo ihre Grenzen sind. Dann entwickelt sie sich unbedingt. Und derjenige wird am allerehesten zu einer solchen Anschauung von einer inneren metamorphosierten Seelenverfassung kommen, der sich gerade in die naturwissenschaftlichen Begriffe der neueren Zeit einlebt. Denn lebt er sich in sie so ein, wie man mit ihnen leben kann, nimmt er sie nicht bloß demütig auf, sondern lebt er sich in sie so ein, wie man sie wirklich innerlich durchleben kann, dann wird er durch sie nicht geführt zu einem Ignorabimus, sondern er wird gerade an der Grenze, wo sonst das Ignorabimus hingesetzt, hingepfahlt wird, zu einem besonderen Erleben, zu einem wirklichen Ringen geführt. Da entzündet sich dann eben diese andere Seelenverfassung. Aber alles hängt davon ab, daß man in ehrlicher und innerlich durch und durch wahrhaftiger Weise an die naturwissenschaftlichen Begriffe selbst herantrete. Dann befriedigt man sich nicht bei ihnen, dann werden sie zu Keimen, aus denen etwas anderes herauswächst; dann bleibt man nicht dabei stehen, diese naturwissenschaftlichen Begriffe wie Bohnen nebeneinander hinzulegen und sie anzuschauen, sondern dann versenkt man diese Bohnenkeime in die Erde, das heißt die intellektualistischen Naturbegriffe in das Innere der Seele. Da gehen sie auf in einer neuen Seelenverfassung. Was die letzten Jahrhunderte selbst entwickelt haben, das trägt in sich die Möglichkeit, neue Keime der Erkenntnis aufgehen zu lassen. Wir müssen hinschauen auf ein Zeitalter, welches wiederum eine andere Seelenverfassung zeigt als diejenige, die die Galilei-Zeit, die Zeit des 15. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Wir müssen vorrücken zu einer tieferen Erkenntnis der Welt dadurch, daß wir zu einem intensiveren Erleben in dem eigenen menschlichen Inneren kommen.