Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in the Course of History
GA 206
20 August 1921, Dornach
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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II, tr. SOL
Vierundzwanzigster Vortrag
Twenty-fourth Lecture
[ 1 ] Es war gestern mein Bestreben, zu zeigen, wie sich die Seelenverfassung beziehungsweise der Bewußtseinszustand der Menschheit im Laufe geschichtlicher Zeiten und auch vorgeschichtlicher Zeiten geändert hat, und ich wollte dies zeigen aus dem Grunde, damit man leichter den Weg finden könne zur Anerkennung der Notwendigkeit, daß man sich, um wirkliche, wesentliche Erkenntnis zu gewinnen, nun wieder zu einem andern Seelenzustande erheben müsse. Und zwar zu einem Seelenzustande, der abweicht von dem, in den man sich eingewöhnt hat, den man heute im alltäglichen und im wissenschaftlichen Leben pflegt und den man als etwas Absolutes anerkennt, das es gegeben habe, solange es Menschen gibt, und das es geben werde, solange man eine Berechtigung haben wird, von auf der Erde wandelnden Menschen zu sprechen. Wenn man nämlich sieht, wie schon durch den geschichtlichen Verlauf der Menschheitsentwickelung hindurch die Seele eine andere innere Verfassung angenommen hat, dann wird man sich leichter zu einer Verwandlung auch der gegenwärtigen Seelenverfassung bekennen.
[ 1 ] Yesterday, my aim was to show how the spiritual disposition—or state of consciousness—of humanity has changed over the course of historical and prehistoric times, and I wanted to demonstrate this so that people might more easily recognize the necessity of once again elevating themselves to a different spiritual state in order to gain true, essential knowledge. Namely, to a state of soul that differs from the one to which we have become accustomed—the one we cultivate today in everyday and scientific life—and which we recognize as something absolute that has existed as long as humans have existed and will continue to exist as long as we have grounds to speak of human beings walking the earth. For when one sees how, throughout the historical course of human development, the soul has already assumed a different inner constitution, it becomes easier to commit to a transformation of the present state of the soul as well.
[ 2 ] Ich möchte nun, damit ich anknüpfen kann an das gestern Gesagte, mit ein paar Worten noch einmal zusammenfassend wiederholen, was sich aus den letzten Betrachtungen ergeben kann. Ich sagte, die Menschheit, insofern sie als die zivilisierte Menschheit betrachtet werden kann, ist zu der gegenwärtigen Seelenverfassung in Wirklichkeit eigentlich erst gekommen vom 15. Jahrhundert ab, und diese Seelenverfassung ist charakterisiert auf der einen Seite innerlich dadurch, daß wir nach einer intellektualistischen Interpretation der Welt streben, daß wir uns des Verstandes bedienen, um das, was wir Welt nennen, zu begreifen.
[ 2 ] To follow up on what I said yesterday, I would now like to briefly summarize once again what can be inferred from my recent reflections. I said that humanity—insofar as it can be regarded as civilized humanity—has in reality only arrived at its present state of mind since the 15th century, and this state of mind is characterized, on the one hand, by our striving for an intellectualistic interpretation of the world, by our use of reason to comprehend what we call the world.
[ 3 ] Dieser intellektualistischen Hinordnung auf die Welt entspricht nun auch ein ganz bestimmtes Gebiet der Welt, das dadurch ergriffen, verstanden werden kann. Es ist die Welt des mineralischen Geschehens und der mineralischen Formen, der Welt, die noch nicht sich erhoben hat zum Lebendigen. Man glaubt ja heute vielfach, daß auch innerhalb des rein intellektualistischen Strebens vielleicht einmal das Lebendige ergriffen werden könne; allein das geschieht nur deshalb, weil man nicht die Zusammengehörigkeit des Intellekts im Inneren und des Unlebendigen in der äußeren Welt erkennt. Wenn wir hinter das 15. Jahrhundert zurückgehen und den Zeitraum betreten, der, zurückgerechnet, etwa vom 15. Jahrhundert bis ins 8. vorchristliche Jahrhundert dauert, dann finden wir eine andere Hinordnung des menschlichen Seelenwesens. Und am charakteristischesten tritt diese Hinordnung uns im griechischen Wesen entgegen.
[ 3 ] This intellectualistic orientation toward the world corresponds to a very specific realm of the world that can thereby be grasped and understood. It is the world of mineral phenomena and mineral forms—the world that has not yet risen to the level of the living. It is widely believed today that even within a purely intellectual pursuit, the living might one day be grasped; but this is only because people fail to recognize the interconnectedness of the intellect within and the non-living in the external world. If we go back beyond the 15th century and enter the period that, counting backward, lasts roughly from the 15th century to the 8th century B.C., then we find a different orientation of the human soul. And this orientation is most characteristically revealed to us in the Greek spirit.
[ 4 ] Da haben wir es nicht mit einer intellektualistischen Seelenverfassung zu tun, da werden Begriffe von den Worten noch nicht im strengen Sinne des Wortes abgesondert. Der Grieche gelangte zu seinem Seelenleben im wesentlichen dadurch, daß er innerlich nicht so mit einer gewissen Abstraktion die Begriffe sich vergegenwärtigte, wie wir das tun, sondern er hörte gewissermaßen klanghaft, wenn auch nicht äußerlich hörbar, er verspürte innerlich den Klang der Worte. Es tingierte sich dasjenige, was für uns in der Abstraktheit der Begriffe lebt, bei ihm durch den geistig erfaßten Laut, wenn ich das Paradoxon bilden darf: durch den tonlos, rein innerlich erlebten Laut. Ebenso wie wir in abstrakten Begriffen leben, so lebte der Grieche in dem äußerlich tonlosen Klanglaut. Dadurch aber war ihm möglich, lebendig aufzufassen als äußere Welt auch das Lebendige. Und wir sehen daher, daß der Grieche überall da, wo er aus seinen Voraussetzungen sich, sagen wir, Vorstellungen über das Universum, über den Kosmos bilden will, er nicht, wie wir heute, die aus der Geologie, aus der Physik, aus der Chemie hergenommenen Vorstellungen verwendet, sondern daß er verwendet dasjenige, was sich in seiner Seele eingelebt hat durch das Wachsen, Werden, Gedeihen, Entstehen, Vergehen desjenigen, was vegetabilisch lebt.
[ 4 ] Here we are not dealing with an intellectualistic state of mind; concepts are not yet separated from words in the strict sense of the term. The Greeks arrived at their inner life essentially because they did not mentally visualize concepts with a certain degree of abstraction, as we do, but rather heard them, so to speak, as sounds—even if not audibly—and sensed the inner sound of the words. What for us lives in the abstract nature of concepts was, for them, colored by the sound perceived spiritually—if I may pose this paradox—by the soundless, purely inwardly experienced sound. Just as we live in abstract concepts, so the Greeks lived in the outwardly soundless sound. This, however, enabled them to perceive the living world as an external reality in a vivid way. And we therefore see that wherever the Greeks, based on their presuppositions, wished to form—let us say—concepts about the universe or the cosmos, they did not, as we do today, use concepts derived from geology, physics, or chemistry, but rather employed that which had taken root in their souls through the growth, development, flourishing, coming into being, and passing away of the plant world.
[ 5 ] Wenn wir noch weiter zurückgehen, dann kommen wir allerdings in Zeiten, die wir nicht mehr im strengen Sinne des Wortes zu den historischen rechnen können, dann kommen wir hinter das 8. vorchristliche Jahrhundert, in einen Zeitraum etwa bis zum Beginn des 3. vorchristlichen Jahrtausends. Und wenn wir Umschau halten bei denjenigen Völkern, die dazumal als die zivilisierten haben gelten können, so finden wir, daß nicht mehr in den innerlich erlebten Worten das Wesentliche des Seelenlebens gesucht wurde, sondern in der imaginativen Gestaltung des Wortgefüges, des Sprachgefüges. Rhythmus und Thematisches — also das, was Ton an Ton reiht, was in die Tonwelt und auch in die Lautwelt eindringt, so daß wir es nur noch in unserer Seele lebendig machen, wenn wir aufsteigen zur poetischen Gestaltung des Sprachlichen —, das war das eigentliche Lebenselement der, wenn ich das Wort gebrauchen darf, gebildeten Völker dieser Zeit. Und nicht indem sie wie die Griechen durch das Wort irgendein äußerliches Ding oder Geschehen ausdrückten, fanden sie sich befriedigt, sondern indem sie gewissermaßen innerlich nachfühlten das, wovon sie glaubten, daß es überall in der Welt lebt als Rhythmus, als Harmonien.
[ 5 ] If we go back even further, however, we enter times that we can no longer consider “historical” in the strict sense of the word; we go back beyond the 8th century B.C., to a period extending roughly to the beginning of the 3rd millennium B.C. And if we look around at those peoples who could be considered civilized at that time, we find that the essence of spiritual life was no longer sought in words experienced inwardly, but rather in the imaginative shaping of the structure of words, the structure of language. Rhythm and thematic structure—that is, what strings sounds together, what penetrates the world of tones and also the world of sounds, so that we can only bring it to life in our souls when we rise to the poetic shaping of language—that was the very lifeblood of the, if I may use the term, cultured peoples of that time. And they were not satisfied by expressing, through words, some external thing or event, as the Greeks did, but rather by inwardly sensing, as it were, that which they believed to be alive everywhere in the world as rhythm and harmony.
[ 6 ] So war innerlicher Rhythmus, innerliche Harmonie dasjenige, was die Seelenverfassung ausmachte in dem charakterisierten Zeitraume. Und wenn wir fragen, welches Gebiet denn äußerlich durchdrungen werden konnte durch eine solche innerliche Seelenverfassung, so kommen wir darauf, daß es das Gebiet desjenigen Wesenhaften ist, das in sich die Empfindung erleben kann. Also was tierische Welt ist, was empfindende Welt ist, was in der Empfindung des Objektiven lebt, das verlebendigte sich innerlich für die Menschen jener alten Zeit in der Seelenverfassung, von der ich gesprochen habe.
Select source language. Currently selected: English (detected)[ 7 ] Und kommen wir in noch ältere Zeiten zurück, so werden Sie ahnen können, daß dann in einer gewissen Beziehung vorhanden gewesen sein muß ein Erkennen des Menschen selbst. Wir haben in unserem Zeitalter ein Erkennen der toten Natur; ihr ging voran ein Erkennen der lebendigen Natur. Und wenn wir zurückgehen hinter diese Epoche, dann kommen wir zu jenen Zeiten, von denen eigentlich heute aus gewissen Untergründen heraus nur noch sprechen jene Weltanschauungsdarstellungen, die aus dem mehr oder weniger aufgeklärten Katholizismus hervorgegangen sind. Gerade diejenigen Denkernaturen, welche sich eingelebt haben, selbstverständlich nicht in den Dekadenzzustand des Katholizismus, sondern in das, was in älteren Zeiten katholische Philosophie war, die reden von einer Uroffenbarung der Menschheit. Man muß ja da überhaupt manches im richtigen Lichte sehen, wenn man diese Dinge angemessen beurteilen will. Die katholische Kirche ist ja etwas anderes geworden, als sie zum Beispiel war in den Zeiten der katholischen Kirchenväter.
Select target language. Currently selected: German[ 8 ] Man braucht nur einmal den Blick auf Origenes zu werfen und man wird finden, wie schon durch Origenes versucht wird, alles, was zu seiner Zeit an philosophischer Vertiefung hat gewonnen werden können, hereinzutragen in das christliche Denken. Und so finden wir denn auch bei den älteren Kirchenvätern durchaus ein Bewußtsein davon, daß es einstmals in der Menschheit eine Uroffenbarung gegeben hat. Und diejenigen katholischen Schriftsteller, die sich noch die besseren Kräfte des Katholizismus erhalten haben, reden auch heute noch von den Uroffenbarungen, die nur später in dem mehr und mehr der Dekadenz entgegengehenden Heidentum verschwinden, so daß sich das Wissen verlor. So daß sich in diesen Uroffenbarungen einer instinktiven Menschheit dasjenige gezeigt hat, was dann später durch das Christentum in seiner entwickelten Gestalt entgegengebracht worden ist.
Toolbar Source text[ 9 ] Es ist interessant, wenn von Schriftstellern wie zum Beispiel Otto Willmann über die Uroffenbarung gesprochen wird, wenn da zurückgegangen wird bis zu den Mysterien und hinter die Mysterien und auf eine solche Uroffenbarung verwiesen wird, durch welche die Menschen eben in jenen Zeiten im 3. und hinter dem 3. Jahrtausend der vorchristlichen Zeitrechnung inspiriert wurden, wenn da eine solche Uroffenbarung gesucht wird. Es ist nicht nötig, daß wir uns auf eine genauere Beschreibung dessen einlassen, was da von der Uroffenbarung gesagt wird. Aber wir wollen in einem geisteswissenschaftlichen Sinne charakterisieren, was man finden kann, wenn man in diese vorhistorischen Zeiten der Menschheitszivilisation zurückgeht, da wo durch eine, ich will sie zunächst nennen instinktive Seelenverfassung, erkundet werden kann jetzt nicht nur das Empfindende, sondern das Menschliche selber, dasjenige also, was über dem Tierischen im Menschen lebt, das eigentliche, das spezifisch Menschliche. Ja, es hat eine solche Zeit gegeben, wo die entsprechende Erkenntnis zwar instinktiv war, gar nicht einmal etwas war, was man heute als Erkenntnis gelten lassen würde, wo sie eine Art unmittelbaren Erlebens, dumpf traumhaften Erlebens war, aber eines Erlebens, das durchaus in sich enthielt etwas von dem Wesen des Menschen, so daß man wie durch ein innerliches Hineinleben in dieses Menschenwesen sich vergegenständlichen konnte, was der Mensch eigentlich ist. Geschichtlich kann ja diese Epoche nicht betrachtet werden, obwohl durchaus geschichtliche Überreste aus ihr geblieben sind. Wie man auf diese geschichtlichen Überreste hinzusehen hat, das wird Ihnen hervorgehen aus dem, was ich nun als Charakteristik.dieser Epoche selber geben möchte.

[ 10 ] Wenn wir sprechen von jener Seelenverfassung, die wir jetzt als die in der Menschheit maßgebende haben, die intellektualistische, so sprechen wir von etwas, was für die gewöhnliche Erfahrung, für das gewöhnliche Erleben im Seelischen liegt, so wie wir das Seelische mehr oder weniger klar oder mehr oder weniger trivial heute bezeichnen. Auch wenn wir es in jener Zeitepoche betrachten, für die typisch das griechische Anschauen ist, sprechen wir von einem innerlichen Erleben des Wortes, also wiederum von etwas, was innerhalb des Seelischen ist. Und auch wenn wir zurückgehen in das 9., 10. vorchristliche Jahrhundert, in das 2. Jahrtausend, in die Endzeiten des 3. Jahrtausends, so sprechen wir, indem wir hinschauen auf den Rhythmus, auf die thematischen Vorgänge und Erlebnisse des seelischen Daseins, von etwas, was sich in der Seele abspielt, obwohl zugestanden werden muß von dem, der diese Dinge aus eigener Anschauung genau kennt, daß in dem Augenblicke, wo das seelische Erleben aus dem Wort heraustritt und hineintritt in dieses rhythmische Erleben, in dieses Erleben von Harmonien und, ich möchte sagen, musikalisch-imaginativen Themen, dann schon immer mit demjenigen, was seelisch erlebt wird, leise mitschwingt das Körperliche. So wie empfunden werden kann, daß jedesmal, wenn der Mensch einen lebhaften Traum hat, in seinem Körperlichen etwas vorgeht, das zu der Konstitution des Träumens führt, so wußte der Mensch des charakterisierten Zeitraumes, daß, wenn er in sich lebendig machte Harmonisches, Rhythmisches, Thematisches, das für ihn so war, wie wenn es ihm die Weltengeheimnisse enthüllte oder offenbarte, da sich leise etwas von dem Körperlichen mitbewegte. Wenn wir sprechen von unserem abstrakten, intellektualistischen Auffassen der Welt, haben wir in unserem Bewußtsein nichts von einem körperlichen Mitschwingen. Theorien können wir ersinnen darüber, was etwa geschehen könnte im menschlichen Nervensystem, wenn sich das logisch-intellektualistische Denken abspielt. Aber solche Theorien sind eben auch nur gedacht, sie sind nichts Lebendiges, nichts, was erlebt wird.
[ 11 ] In ebensolcher Weise müssen wir noch von der griechischen Seele sprechen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie das Wort in dieser Seele lebte. Aber wie gesagt, wir kommen schon aus dem rein Seelischen heraus zu einem leisen Mittun des Leiblichen, wenn wir bis zu dem vorangehenden Zeitraum aufsteigen. Und noch mehr kommen wir aus dem, was wir heute das Seelische nennen, in das Leibliche hinein, wenn wir zu dem alten instinktiven Erkennen aufsteigen, das in den früheren Jahrhunderten des 3. vorchristlichen Jahrtausends und noch früher vorhanden war. Da war ein unmittelbar seelisches Erleben durchaus mit dem Charakter eines leiblichen Erlebens vorhanden. Da erlebte man in jenen älteren Zeiten eigentlich einen Vorgang, den wir heute durchaus als leiblich bezeichnen — ich will jetzt nicht auseinandersetzen, ob mit völligem Rechte oder mit teilweisem Unrechte —, einen körperlich bezeichneten Vorgang da, wo später Seelisches, wie wir es nennen, erlebt worden ist.
[ 12 ] Ich bemerke ausdrücklich, daß wenn man in solche, von den unseren so verschiedenen Erlebnisse der Menschheit kommt, man es auch schwer hat mit dem Gebrauch der Worte. Die Dinge selbst werden ja anders, werden sehr unähnlich dem, was man heute in der Erfahrung hat. Unsere Sprachen sind für unsere heutigen Erfahrungen gebildet, und man muß versuchen, die Sprachen so zu benützen, daß man zurückkommen kann in etwas, was ja heute nicht mehr unmittelbar gegenwärtige Erfahrung ist, was daher nur schwach noch anzutasten ist mit den Wortgebräuchen, die wir heute haben. Daher muß ich sagen, was wir heute als Seelisches bezeichnen, das lebte nicht eigentlich in der inneren Seelenverfassung dieser alten Menschen. Es lebte eigentlich etwas in ihnen, was wir heute als leiblich, sogar als körperlich unmittelbar bezeichnen, wie heute das Denken oder das innerliche Hören des Wortes im Menschen ist. So erlebte dieser alte Mensch Einatmen, Atemhalten, Ausatmen nicht so wie wir, die wir hinausgewachsen sind aus dem Miterleben mit dem Atmungsprozesse. Er erlebte dieses Atmen so mit, wie wir es nur noch in abnormen Zuständen erleben, wenn wir etwa Angstzustände durchmachen im Traume und dann aufwachen und merken, daß unser Atem gestört ist. Da merken wir im Pathologischen etwas von diesem Zusammenwirken des Atmungsprozesses mit dem Auftreten von Bildern vor dem Bewußtsein. Aus den Bildern, die vor dem Bewußtsein auftreten, wenn der normale Atmungsprozeß abläuft, sind wir herausgewachsen, weil wir heraufgewachsen sind zum Wahrnehmen des Rhythmischen in der Sprache, des Harmonischen in der Sprache, des Thematischen in der Sprache, zu der innerlichen Tingierung des Wortes, weil wir ganz heraufgewachsen sind in unserer Zeit zu dem abstrakten Vorstellen, zu dem intellektualistischen Vorstellen über die Welt.
[ 13 ] Aber es ging eben diesen drei Zeiträumen der andere voran, wo der Mensch noch, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, unten in dem lebte, was wir heute seine Leiblichkeit nennen, in dem lebte mit seinem Erkenntnisprozeß, was Einatmen, Atemhalten, Ausatmen war. Und was erlebte der Mensch mit dem Einatmen? Das kann heute nur die imaginative Erkenntnis lehren, von der ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» gesprochen habe. Denn was in jener alten Epoche erlebt worden ist beim Einatmen, das war im wesentlichen eine Imagination; die Imagination des Menschen selber, die Imagination des Menschen als Gestalt wurde erlebt im Einatmen. Der Mensch fühlte das im Einatmen — natürlich mußte er die Aufmerksamkeit darauf richten, im Alltäglichen richtete er nicht immer die Aufmerksamkeit darauf —, aber er konnte gewissermaßen das alltägliche Seelenleben anhalten und dann konnte er das erleben. Er erlebte es insbesondere in Augenblicken, wo das alltäglicheBewußtsein etwas herabgestimmt war. Das war dazu notwendig. Wir würden heute sagen, in Zuständen, die sich dem Einschlafen oder Aufwachen nähern, da erlebte er mit dem Einziehen des Atmungsprozesses die Gestalt des Menschen; mit dem Anhalten des Atmens erlebte er das Zusammengehen dieser Gestalt mit dem inneren Seelenhaften. Er hatte gewissermaßen die Möglichkeit vor sich, im Einatmen zu erleben die menschliche Gestalt, in dem Atemhalten zu erleben das Nebelhaftwerden dieser Gestalt und das Verbinden dieses aurisch Nebelhaftwerdens der Gestalt mit dem Seelischen. Dann, im Ausatmen, erlebte er das Sich-Hingeben des Seelischen an die Außenwelt, den Zusammenklang des Menschen mit der Außenwelt.
[ 14 ] Ich sagte ausdrücklich, daß der Mensch dieses in besonderen Augenblicken erleben konnte. Er konnte gewissermaßen seine Aufmerksamkeit richten auf den Atmungsprozeß und nahm solches dann wahr. Er erlangte also wirklich eine instinktive Erkenntnis — wenn man das Erkenntnis nennen will — durch dieBeobachtung seines Atmungsprozesses, insbesondere dann, wenn er diesen Atmungsprozeß noch etwas innerlich lenkte, was sich ihm durch Üben ergab, er erlangte Erkenntnis des menschlichen Wesens. Es war also gewissermaßen ein Hinuntersteigen in die Leiblichkeit, durch die das menschliche Wesen zur Erkenntnis gebracht werden konnte.
Translation results[ 15 ] Natürlich darf man sich nicht vorstellen, daß in jenen alten Zeiten der Mensch den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend nur sich selber erkannte. Ich sagte deshalb: wenn er die Aufmerksamkeit darauf richtete. Aber diese Aufmerksamkeit war eben leicht herauszuholen aus der Gesamtkonstitution des Menschen.

[ 16 ] Nun, ich sagte, das geht allerdings in weit zurückliegende Zeiten zurück; aber historisch hat sich aus jenen Zeiten dasjenige erhalten, was in gewissen Schulen Indiens die Erkenntnismethode ist, die Atmungsmethode, das Jogaatmen, das sich durchaus dadurch auf eine spätere Zeit übertragen hat, daß es in einer früheren Zeit elementar und natürlich war. Für eine spätere Zeit waren gewisse Vorbereitungen, gewisse Handhabungen des Atmungsprozesses notwendig. In einer früheren Zeit ergaben sich diese Handhabungen wie etwas, was der Mensch eben lernte im Laufe seines Lebens, so wie man heute sprechen lernt.
[ 17 ] Was man das Jogaatmen nennt, das ist eine Erbschaft aus einer früheren Zeit, in der eben die ganze Seelenkonstitution anders war als später, und in der der Mensch durch diese andere Seelenkonstitution in einer instinktiven Art der Welt gegenüberstand. Denn natürlich war es sehr instinktiv, wenn man im Atmen, nicht im Denken und innerlichen Sprechen, sondern im Atmen dasjenige erfaßte, was das Wesen, das Geheimnis der Dinge ist. Wo wir heute denkerisch nachgrübeln, um einzelne Tatsachen zu Gesamtphänomenen zusammenzustellen und um Naturgesetze zu finden durch den rechnenden Verstand und so weiter, da atmete man dasjenige ein, was als das Wesen des Menschen selber als instinktive Erkenntnis innerhalb der menschlichen Natur auftreten sollte.
[ 18 ] Es ist von großer Bedeutung, sich bekanntzumachen damit, daß nicht jedes jeder menschlichen Epoche in der gleichen Weise entspricht. Wie sich die Seelenkonstitution der Menschen geändert hat, so hat sich auch geändert, wenn auch im feineren, die leibliche Konstitution. Und man muß schon sagen, diejenigen, die heute glauben, etwa durch einen Atmungsprozeß wieder erwecken zu können das Eindringen in die Geheimnisse der Welt, so wie ein solcher Atmungsprozeß in alten Zeiten vollzogen wurde und wie er sich bei Naturen erhalten hat, die eben doch anders konstituiert sind als die modernen europäischen Naturen, die sind auf einem falschen Wege. Es ist eben durchaus notwendig, daß man außer dem Verfolgen der äußeren Entwickelungsgeschichte der Menschheit, das ja insbesondere zu einer Angelegenheit des 19. Jahrhunderts geworden ist, sich nun eingewöhnt in ein innerliches Verfolgen desjenigen, was sich als Entwickelung des Seelischen parallel mit dieser äußerlichen physischen Entwickelung vollzogen hat. Man wird viel mehr gerecht der Darstellung der äußerlich-physischen Entwickelung, wenn man auf der andern Seite hinschauen kann auf die geistigseelische Entwickelung.
Dictionary[ 19 ] Sie werden erfühlen können, wie derjenige, dem nun völlig gegenständlich sind diese vier Arten der menschlichen Seelenverfassung, die Seele in einer besonderen Weise anschaut. Wir haben zuerst eine Seelenverfassung, die eigentlich kaum mehr eine Seelenverfassung, sondern eine Leibesverfassung ist, die im Atmungsprozesse lebt, dann diejenige, die im rhythmisch-harmonischen, im imaginativ-thematischen Prozesse lebt, dann diejenige des lautlosen Erlebens des Wortes, und zuletzt diejenige, die im intellektualistischen Prozesse lebt; und wenn man das alles gegenständlich hat, dann sieht man eben hin auf die Seele so, daß man ihr zuschreiben muß die verschiedensten Möglichkeiten, sich zur Welt zu stellen. Und das ist der Gegenwart notwendig, zu wissen, daß es solche verschiedene Möglichkeiten, sagen wir, solche verschiedene Bewußtseinsarten gibt, und daß für jeden Bewußtseinszustand andere Stufen des kosmischen Lebens und kosmischen Daseins zum Vorschein kommen.
Click on a word to look it up or to see alternative translations.[ 20 ] Man glaubt heute vielfach, es gebe nur den einen Bewußtseinszustand, den man sich dann zu schildern bemüht wie etwas, was absolut nur allein genommen werden könne. Aber indem man sich beschränken will auf diesen einen Bewußtseinszustand, beschränkt man sich zu gleicher Zeit auf eine einzige Stufe des kosmischen Daseins und des kosmischen Erlebens. Und wir dürfen ja wirklich sagen von dem heutigen Bewußtseinszustand, daß er der Erkenntnis des eigentlichen Menschenwesens fern steht. Er klammert sich daran, aus Physiologie, aus Biologie heraus ein Menschenwesen zu konstruieren. Denn was wir heute Psychologie nennen, das ist ja im Grunde genommen eine Zusammenfassung von abgebrauchten Worten für etwas, wofür keine wirklichen Seeleninhalte mehr vorhanden sind.
You’re logged in and have a DeepL Pro plan. Your content is secure.[ 21 ] Die Menschheit muß erst wiederum aufrücken dazu, das Lebendige neben dem Toten, das Empfindende neben dem Lebendigen, das Menschliche neben dem bloß empfindenden Erkennen zu erfassen. Wie gesagt, ich habe diese Ausführungen gemacht, um eine Vorstellung zu erleichtern, die hinführt zu dem, was heute notwendig ist, wenn wir uns wieder einer Erkenntnis des Menschlichen nähern wollen, wenn wir das Menschliche wiederum kennenlernen wollen. Denn dieses Menschliche enthüllt sich nicht dem Bewußtseinszustande, der vorzugsweise für das Tote, für das Mineralische eingerichtet ist.
[ 22 ] Wir sprechen vom Ich, wir meinen, vom Ich sprechen zu können. Daß wir ein Wort haben für dieses Ich, das ist ja kein Beweis, daß wir bei diesem Worte auch einen Seeleninhalt haben. Es gibt heute Philosophen, die fassen das Ich überhaupt nur als eine Zusammenfassung desjenigen auf, was als Vorstellung, als Gefühl erlebt wird. Gewissermaßen nur dasjenige, was von einer Vorstellung zu der andern, von einer Empfindung zu der andern, von der Empfindung zur Vorstellung hin als Verbindungsstriche gezogen wird, was also selber ganz abstrakt ist, das wird oftmals heute als das Ich aufgefaßt. Aber man kann sagen, in gewissem Sinne hat sogar diese Auffassung eine eingeschränkte Berechtigung. Denn was in der Seele erlebt wird, wenn man von solchem Bewußtsein des Ich spricht, das ist im Grunde genommen gar nicht einmal ein Inhalt.
Translation copied[ 23 ] Sehen Sie, wir können eine weiße Fläche haben, können sprechen von Weiß — ich habe das Bild schon öfter gebraucht —, wir sehen das Weiß, aber wir sehen hier in der Mitte auch das Schwarz. Da ist kein Weiß, da fehlt das Weiß, und doch sehen wir durch das Weiß das Schwarze (es wird gezeichnet).
[ 6 ] Thus, inner rhythm and inner harmony were what defined the state of mind during the period described. And if we ask which realm could be permeated externally by such an inner state of mind, we come to the conclusion that it is the realm of that which is essential and capable of experiencing sensation within itself. Thus, what constitutes the animal world, what constitutes the sentient world—that which lives in the perception of the objective—came to life inwardly for the people of that ancient time in the state of mind of which I have spoken.
[ 24 ] Wer wirklich das Seelenleben analysieren kann, der kann einsehen, daß wir heute in der Seele etwas erleben, was sich vergleichen läßt mit diesem Weiß. Wir erleben Schmerz und Lust, wir erleben diese und jene Empfindung, Liebe, Haß und so weiter. Wir erleben Vorstellungen, obwohl die schon für das gewöhnliche Bewußtsein etwas recht Graues sind, wenn sie rückerlebt werden wollen in der Reflexion; aber wir erleben mit diesem Bewußtsein das Ich so, wie hier das Schwarze im Weißen. Da, wo wir nichts erleben, wo wir gewissermaßen ein Loch erleben in unserem Bewußtsein, da setzen wir das Ich hin für das gewöhnliche Bewußtsein. Kein Wunder, daß wir vom Ich sprechen; wir sprechen auch hier vom schwarzen Loch. In dem, was der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen erlebt, ist das Ich nicht enthalten. Die Frage kann sich uns vor die Seele stellen: Wie kommen wir denn überhaupt zu einer Möglichkeit, für das Ich Vorstellungen zu gewinnen? — Ja, da wird derjenige, der nun ernsthaft nach Erkenntnis frägt, auf etwas anderes geführt. Er findet überall in dem, was uns umgibt in der Welt, keinen Anhaltspunkt, für das Ich Vorstellungen zu gewinnen. In der Regel ist ja das, was uns umgibt, das eine Mal draußen, das andere Mal drinnen in der Seele. Es ist ja im Grunde genommen dasselbe. Und wenn wir innerlich für das Ich nur ein Loch finden, so können wir auch unter den gewöhnlichen Verhältnissen nicht äußerlich einen Anhaltspunkt finden, wohin wir unser Ich gewissermaßen stellen können.
[ 7 ] And if we go back to even earlier times, you can surmise that, in a certain sense, there must have been an understanding of human beings themselves. In our own age, we have an understanding of inanimate nature; this was preceded by an understanding of living nature. And if we go back beyond this epoch, we arrive at those times of which, for certain underlying reasons, only those worldviews that have emerged from more or less enlightened Catholicism actually speak today. It is precisely those thinkers who have immersed themselves—not, of course, in the decadent state of Catholicism, but in what was once Catholic philosophy in earlier times—who speak of a primordial revelation to humanity. One must, after all, view many things in their proper light if one wishes to judge these matters appropriately. The Catholic Church has, after all, become something different from what it was, for example, in the times of the Catholic Church Fathers.
[ 25 ] Wer ernsthaft nach Erkenntnis strebt, findet in dem Geschehen der Welt eine Möglichkeit, an das Ich heranzukommen, nur bei einer Erscheinung: das ist die des Todes. Gerade dann, wenn mit dem Tode das Menschenwesen aufhört, wenn gewissermaßen der menschliche Leib den äußeren Kräften übergeben wird, denen er entzogen war von der
[ 8 ] One need only take a look at Origen to see how he, even in his time, sought to incorporate into Christian thought all the philosophical insights that had been gained. And so we also find among the early Church Fathers a clear awareness that there was once a primordial revelation among humanity. And those Catholic writers who have retained the better aspects of Catholicism still speak today of these primordial revelations, which only later disappeared amid a paganism that was increasingly heading toward decadence, so that this knowledge was lost. Thus, in these primordial revelations to an instinctive humanity, that which was later embodied by Christianity in its developed form had already been revealed.
[ 26 ] Tafel 15 Geburt oder von der Empfängnis bis zum Tode, dann, wenn wir nun in der Lage sind, uns nunmehr noch eine Vorstellung vom Menschen zu bilden, jetzt, wo wir keine Möglichkeit mehr haben, vom Leibe aus auf den Menschen zu schließen, dann beginnt für uns erst die Möglichkeit, an das Ich heranzutreten. Wir müssen bei derjenigen Erscheinung beginnen, die gewissermaßen am unerklärlichsten ist unter den äußeren Erscheinungen, am unerklärlichsten deshalb, weil sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht mehr zu erfassen, am wenigsten hereinzubringen ist in das Bewußtsein.
[ 9 ] It is interesting when writers such as Otto Willmann speak of the primordial revelation, when they go back to the mysteries and beyond the mysteries and refer to such a primordial revelation through which people were inspired in those very times in the third millennium and beyond the third millennium of the pre-Christian era, when such a primordial revelation is sought. It is not necessary for us to delve into a more detailed description of what is said about this primordial revelation. But let us characterize, in a spiritual-scientific sense, what one can find when going back to these prehistoric times of human civilization, where—through what I will for now call an instinctive state of the soul—one can explore not only the sentient aspect but the human aspect itself: that which lives in the human being above the animal nature, the very essence of what is specifically human. Yes, there was indeed such a time when the corresponding insight was instinctive—not even something that would be regarded as insight today—when it was a kind of immediate experience, a dim, dreamlike experience, but an experience that certainly contained within itself something of the essence of the human being, so that, as if through an inner immersion into this human being, one could make tangible what a human being actually is. Historically, of course, this epoch cannot be considered, although historical remnants of it have certainly remained. How one should view these historical remnants will become clear to you from what I would now like to present as a characterization of this epoch itself.
[ 27 ] Aber wenn wir uns entschließen können, den Tod so zu betrachten, wenn wir mit der Erscheinung des Todes es ähnlich machen, wie ich es beschrieben habe für das Ringen mit Begriffen überhaupt, wo das bloße abstrakte Erkennen zu einem innerlichen Erleben wird, wenn wir so an die Erscheinung des Todes herantreten, dann lernen wir allmählich durchschauen, daß der Tod, wenn er uns entgegentritt beim Aufhören des Lebens, eigentlich nur etwas ist wie eine Summe, wie ein Integral, möchte ich sagen, von einzelnen Vorgängen, die sich von der Geburt an im Menschen immer vollziehen. Wir sterben im Grunde genommen immer, aber wir sterben sozusagen in ganz kleinen Portionen. Wenn wir unser Leben auf der Erde beginnen, beginnen wir auch zu sterben. Aber immer wieder und wiederum überwindet dasjenige, was uns als Vitalität durch die Geburt übergeben wird, den Tod. Der Tod will immer in uns wirken. Er bringt es immer nur zu einer ganz kleinen Portion seines Wirkens und wird dann überwunden. Aber das, was uns wie anschaulich in dem einen Momente summarisch zusammengedrängt scheint im Tode, das geht wie Differentiale immerfort im Leben vor sich, das ist ein kontinuierlicher, fortdauernder Prozeß.
[ 10 ] When we speak of that state of mind that we now regard as predominant in humanity—the intellectualistic one—we are speaking of something that lies within ordinary experience, within the ordinary life of the soul, as we define the soul today, more or less clearly or more or less trivially. Even when we consider the era characterized by the Greek way of seeing, we are speaking of an inner experience of the word—that is, once again, of something that lies within the soul. And even when we go back to the 9th and 10th centuries B.C., to the 2nd millennium, to the end of the 3rd millennium, we speak—by looking at the rhythm, the thematic processes, and the experiences of soul life—of something that takes place within the soul, although it must be acknowledged by anyone who knows these things intimately from personal experience that at the very moment when the soul experience steps out of the word and enters into this rhythmic experience—this experience of harmonies and, I would say, musical-imaginative themes—the physical aspect has always been quietly resonating alongside what is experienced in the soul. Just as one can sense that every time a person has a vivid dream, something takes place in their physical being that leads to the constitution of dreaming, so the people of the period described knew that when they brought to life within themselves the harmonious, the rhythmic, thematic elements—which were for them as if they were unveiling or revealing the mysteries of the world—something physical would gently move along with them. When we speak of our abstract, intellectualistic conception of the world, there is nothing in our consciousness of a physical resonance. We can devise theories about what might happen in the human nervous system when logical-intellectual thinking takes place. But such theories are, after all, merely theoretical; they are not something living, not something that is experienced.
[ 28 ] Wenn wir also dem nachgehen, dann sehen wir, wie im menschlichen inneren organischen Wirken nicht bloß Aufbauprozesse vorhanden sind. Wären bloß Aufbauprozesse vorhanden, wir würden niemals ein denkendes Bewußtsein erreichen können, denn das, was bloß lebt, was bloß vital ist, das nimmt uns das Bewußtsein, das macht uns bewußtlos. Die Todesprozesse in uns,.die Sterbeprozesse, die Vernichtungsprozesse des Vitalen, die sich immer differential in uns vollziehen, die sind es, die uns das Bewußtsein bringen, die uns zum denkenden, besonnenen Wesen machen. Wir würden immer in eine Art Unbesonnenheit, in eine Art Bewußtlosigkeit kommen, wenn wir nur leben würden. Wenn es wahr wäre, daß in der Pflanze das Leben auf einer gewissen Stufe ist, im Tiere auf einer höheren Stufe, im Menschen auf einer noch höheren Stufe, wenn es sich also nur immer handeln würde um eine Erhöhung, um eine Potenzierung des Lebens, wir würden niemals denkerisches Bewußtsein entwickeln.
[ 11 ] In exactly the same way, we must still speak of the Greek soul when we consider how the word lived within that soul. But as I said, we are already moving beyond the purely spiritual realm toward a subtle involvement of the physical as we go back to the preceding period. And we move even further from what we today call the soul into the physical realm when we go back to the ancient instinctive cognition that existed in the early centuries of the third millennium B.C. and even earlier. At that time, there was a direct soul experience that had the character of a physical experience. In those earlier times, people actually experienced a process that we today would definitely describe as physical—I do not wish to discuss here whether this is entirely correct or partly incorrect—a physically described process where, later on, what we call a soul experience was experienced.
[ 29 ] Wir haben in der Pflanze das Leben. Aber indem das Leben bis zum Tier heraufgeht, dämpft es sich im Tier auch schon ab. Im Menschen aber existiert ein fortwährender Sterbeprozeß. Dieser fortwährende Sterbeprozeß, der das Leben nicht nur dämpft, sondern es untergräbt — es wird nur wiederum aufgebaut —, das ist der organische Prozeß, der dem bewußten Denken zugrunde liegt. In dem Maße, in dem wir den kontinuierlichen Sterbeprozeß in uns haben, in dem Maße haben wir ja die Möglichkeit, im physischen Leben zu denken.
[ 12 ] I would like to expressly note that when one encounters such experiences of humanity—so different from our own—one also finds it difficult to use words appropriately. The things themselves, after all, become different; they become very unlike what we experience today. Our languages are shaped by our present-day experiences, and one must try to use them in such a way that one can return to something that is no longer an immediate, present experience today—something that can therefore only be faintly grasped through the linguistic conventions we have today. That is why I must say that what we today call the “soul” did not actually exist in the inner state of mind of these ancient people. What actually lived within them was something we today describe as bodily, even as immediately physical—just as thinking or the inner hearing of a word is for people today. Thus, these ancient people did not experience inhaling, holding their breath, and exhaling in the same way we do, since we have outgrown the direct experience of the breathing process. They experienced this breathing in a way that we now experience only in abnormal states—such as when we go through states of anxiety in a dream and then wake up to find that our breathing is disturbed. In such pathological states, we catch a glimpse of this interplay between the breathing process and the emergence of images in our consciousness. We have outgrown the images that arise before our consciousness when the normal breathing process is taking place, because we have developed the ability to perceive the rhythmic, the harmonious, and the thematic aspects of language, as well as the inner coloring of the word; because in our time we have fully developed the capacity for abstract thinking, for intellectualistic thinking about the world.
[ 30 ] Wenn man aber das beobachten lernt, daß es den Aufbauprozeß gibt (siehe Zeichnung, rot), den vitalen Aufbauprozeß des Vegetabilischen, der auch in uns wirkt, und wenn man dann zu beobachten versteht, wie durch das Tierische dieser Aufbauprozeß herabgedämpft wird (grün), wie aber ein fortwährender Herausfall stattfindet (schwarz), ein innerer Zerfall, und wenn man sich dann endlich dazu aufschwingt, eine Erkenntnis zu haben dieses inneren Zerfalls, dann hat man auch dasjenige, was sich nun immer aufrechterhält gegenüber diesem Zerfall. Man hat den Sterbeprozeß, man hat aber auch einen immerwährenden Kämpfer gegen den Sterbeprozeß; man hat den Prozeß, der das Leben des Ich darstellt.
[ 13 ] But these three periods were preceded by another, during which human beings still lived—if I may use the expression—down within what we today call their physicality, and their process of cognition was intertwined with inhaling, holding their breath, and exhaling. And what did human beings experience when they inhaled? Today, this can only be taught through imaginative insight, which I have discussed in my book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds and in my Outline of Esoteric Science. For what was experienced during inhalation in that ancient epoch was essentially an imagination; the imagination of the human being itself, the imagination of the human being as a form, was experienced during inhalation. The human being felt this during inhalation—of course, they had to direct their attention to it; in everyday life, they did not always do so—but they could, so to speak, pause their everyday soul life and then experience it. They experienced it especially in moments when their everyday consciousness was somewhat subdued. That was necessary for it. We would say today that in states approaching sleep or waking, they experienced the human form as the breath drew in; as they held their breath, they experienced this form merging with the inner soul. In a sense, he had the opportunity to experience the human form as he inhaled, to experience the form becoming misty as he held his breath, and to perceive the connection between this auric misting of the form and the soul. Then, as he exhaled, he experienced the soul’s surrender to the outer world—the harmony of the human being with the outer world.
[ 31 ] Da lebt das Ich. Indem man in höherer Erkenntnis, in höherer Anschauung sieht, wie durch den nervösen Prozeß des Menschen ein fortwährendes Ablagern stattfindet, gewissermaßen ein inneres Sediment sich bildet, schaut man auch, wie sich fortwährend herausringt aus dieser Sedimentbildung, aus dieser inneren Sedimentbildung das Ich. Nicht früher kann man eine Anschauung des wahren Ich gewinnen, ehe man nicht diese innere Sedimentbildung zu beobachten vermag. Das Ich lebt natürlich im Menschen, aber der Mensch nimmt dieses Ich dadurch wahr, daß er den Sterbeprozeß erlebt, den Prozeß des innerlichen Zersetzens. Und derjenige, der nun erfaßt hat, wie das Ich ein fortwährender Kämpfer gegen diesen Sterbeprozeß ist, der hat erfaßt, wie das Ich etwas ist, was als solches mit dem Tode gar nichts zu tun hat; der hat anschaulich erfaßt, was man sonst dialektisch oder logisch als die Unsterblichkeit bezeichnet.
[ 14 ] I explicitly stated that a person could experience this at certain moments. He could, so to speak, focus his attention on the breathing process and then perceive it. Thus, they truly gained an instinctive insight—if one wishes to call it insight—through the observation of their breathing process, especially when they guided this breathing process somewhat inwardly, which came about through practice; they gained insight into the human being. It was, so to speak, a descent into physicality through which the human being could be brought to insight.
[ 32 ] Aber dies ist der Weg, die Unsterblichkeit zu schauen, denn man gelangt dadurch zu Entitäten, welche einer andern Daseinsordnung angehören als dasjenige, was da als Sediment herausfällt. Man gelangt in eine Region, wo Tod keine Bedeutung hat, wo Tod die Möglichkeit verliert, als irdische Empfindung gebildet zu werden. So kommen wir an das Ich heran, wenn wir den Tod studieren. Ich habe das zunächst nur angedeutet, denn dieses Studium des Todes ist ein sehr ausführliches, und denen, welche einen gewissen Wert darauf legen, kann auch gesagt werden, daß das Verfolgen dieses fortwährenden Sedimentierens, dieses Sedimentbildens, in der Anschauung sich so ausnimmt, als ob ein fortwährendes inneres Aufflackern von Finsternisfunken da wäre also im Gegensatz zu Lichtfunken: Finsternisfunken — in einer gleichmäßigen Leuchteaura.
[ 15 ] Of course, one must not imagine that in those ancient times, people spent the entire day, from morning to evening, merely recognizing themselves. That is why I said: “when they directed their attention to it.” But this attention was, in fact, easy to draw out of the human being’s overall constitution.
[ 33 ] Aber wir müssen noch andere Begriffe uns bilden, wenn wir an das herantreten wollen, was uns wiederum zu einer Art Erkenntnis des Menschen führen kann. Ich muß von etwas anderem ausgehen, wenn ich diesen andern Begriff bilden will. Ich mußte Sie auf den Tod verweisen und seine Überwindung, da es sich darum handelte, an das Ich heranzukommen. Ich möchteSie nun auf folgendes verweisen: Betrachten Sie das Leben des Pflanzlichen, aber zunächst des eigentlich Pflanzlichen. Das ist das einjährig Pflanzliche, denn in der mehrjährigen Pflanze und im Baum tritt uns schon eine Komplikation entgegen, die eine eigene Betrachtung notwendig machen würde. In der einjährigen Pflanze finden Sie das Aufgehen des Wachstums vom Keim, das Schießen in die Blätter, das Heraufkommen des Wachsens bis zur Blüte, bis zur Befruchtung, das Entwickeln der Frucht, die den Keim enthält für die folgende Pflanze. Wir sehen gewissermaßen das Ergebnis der Frucht, das sich wiederum bis zur Pflanze hin entwickelt.
[ 16 ] Well, I said that this does indeed go back to times long past; but historically, what has been preserved from those times is the method of knowledge practiced in certain schools in India—the breathing method, yogic breathing—which has certainly been carried over to a later period precisely because it was elementary and natural in earlier times. For a later period, certain preparations and certain techniques for managing the breathing process were necessary. In earlier times, these techniques arose as something that people simply learned in the course of their lives, just as one learns to speak today.
[ 34 ] Sie werden leicht sich die Vorstellung bilden können, daß die Pflanze, indem sie sich aus jenen Vorstadien heranentwickelt, wo das Blatt entsteht, bis zur Befruchtung, in sich Kräfte entfaltet, die ihre Kulmination erreichen eben im Momente der Befruchtung. Dann aber beginnt der absteigende Weg, dann zerfällt die Pflanze wiederum. Und indem Sie diesen Kreislauf des Pflanzlichen betrachten, werden Sie das eigentliche Wesen der Pflanze sehen. Wie gesagt, die mehrjährige Pflanze und solche Pflanzen, die einen Stamm zurücklassen wie der Baum, die sollen uns jetzt nicht beschäftigen. Es würde dasjenige, was ich bei der einjährigen Pflanze sagte, die bei der einmaligen Befruchtung ihrem Ende entgegengeht, nur komplizierter sein; aber das eigentliche Wesen erfassen wir an dem Wesen derjenigen Pflanze, die in der Befruchtung zugleich ihrem Ende entgegengeht. Richtig betrachtet liegt das Pflanzliche gerade in dem Leben, das in der Befruchtung kulminiert und, indem es in der Befruchtung kulminiert, nach der andern Seite absteigt. Darinnen liegt das Pflanzliche. Suchen wir das Wesen der Pflanze, so müssen wir ähnlich suchen, wie wir beim Menschen sein Ich-Wesen suchen müssen in dem kontinuierlichen Sterben. Wir sagen beim Menschen, der Tod, mit dem er zunächst sein physisches Wesen endet, der ist eigentlich als Kraft immer in ihm. Wenn er geboren wird, fängt er an zu sterben, fängt er an, ich möchte sagen, Differentiale des Sterbens zu entwickeln, er stirbt fortwährend. Es ist der Sterbeprozeß in ihm. Bei der Pflanze ist dasjenige fortwährend da, was zuletzt kulminiert. So wie wir im Tode kulminieren, so kulminiert sie in der Befruchtung. Wie wir unser inneres Wesen, unser Ich im Tode gerade erfassen, so erfaßt man das Wesen der Pflanze in der Befruchtung. Die Pflanze lebt in der Befruchtung auf; was sich im Blatt entwickelt, ist nur eine Metamorphose, ist nur eine Vorstufe der Befruchtung.
[ 17 ] What is called “yoga breathing” is a legacy from an earlier time, when the entire constitution of the soul was different from what it became later, and when, because of this different constitution, human beings related to the world in an instinctive way. For, of course, it was very instinctive to grasp—not through thinking or inner speech, but through breathing—the very essence, the mystery of things. Whereas today we ponder intellectually to piece together individual facts into overall phenomena and to discover laws of nature through the calculating intellect and so on, in those days people breathed in what was to emerge as the very essence of the human being itself—as instinctive knowledge within human nature.
[ 35 ] Wenn Sie zum Tiere heraufkommen, so ist die Sache so: das Tier wird befruchtet, aber es bedeutet zunächst die Befruchtung nicht das Hinwelken, sondern es kann wieder befruchtet werden. Wir kommen natürlich da immer zu Grenzfragen, aber wir wollen das Lebendige und Empfindende in gewissen charakteristischen Hauptpunkten erfassen. Geradeso wie das Pflanzenwesen, das eigentliche Pflanzenwesen mit der Befruchtung seine Kulmination hat — es kann natürlich jeder bezweifeln, daß dies das eigentliche Pflanzenwesen ist, aber wir erfassen eben das Pflanzenwesen da, wo es sich äußert —, so hat das Tier ja seine Kulmination nicht mit der Befruchtung, sondern es überwindet die Befruchtung. Dasjenige, was das höhere Tier ist, trägt noch etwas anderes in sich. Würde es nur das, was in der Befruchtung lebt, in sich tragen, so würde es dasselbe durchmachen müssen wie die charakteristische Pflanze: es müßte absterben. Aber es trägt etwas heraus über die Befruchtung. Und wenn wir zum Menschen heraufkommen, so überwindet er nicht nur das, was das Tier überwindet, sondern er überwindet den Tod selber.
[ 18 ] It is of great importance to realize that not every human epoch corresponds to each other in the same way. Just as the spiritual constitution of human beings has changed, so too has their physical constitution, albeit in a more subtle way. And it must be said that those who today believe they can, for example, through a breathing process, rekindle the ability to penetrate the mysteries of the world—just as such a breathing process was practiced in ancient times and as it has been preserved in people who are, after all, constituted differently from modern European people—are on the wrong path. It is indeed absolutely necessary that, in addition to tracing the external history of human development—which has, after all, become a matter particularly associated with the nineteenth century—we now accustom ourselves to an inner exploration of what has unfolded as the development of the soul in parallel with this external physical development. One does much greater justice to the portrayal of external-physical development when one can also look at spiritual and psychological development.
[ 36 ] Diese Dinge, von denen ich jetzt gesprochen habe, sollen nur nicht dogmatisch genommen werden; sie sollen auch nicht so genommen werden, daß man aus ihnen Definitionen formuliert, denn dann kommt man gleich auf den Holzweg, sondern sie sollen so genommen werden, daß man in ihnen sich Begriffe erringt. Wer nun wiederum sagt: Eine Pflanze ist das, was in der Befruchtung zugrunde geht, ein Tier ist das, was über die Befruchtung hinaus sich etwas behält —, der formt Definitionen, statt sich Begriffe zu erringen. Man kann nur zu einer Erkenntnis kommen, wenn man sich für gewisse Stufen des Lebens und Daseins Begriffe erringt. Und so wie man sich den Ich-Begriff durch dasHeranbringen des Ich an den Tod erringen muß, so muß man den Begriff des Tieres erringen, indem man beobachtet, wie die Befruchtung überwunden wird in etwas, was über die Befruchtung hinaus in dem Tiere lebt. Man muß die Pflanze betrachten, indem man die Befruchtung beziehungsweise das, was in der Befruchtung vor sich geht, als einen kontinuierlichen Vorgang betrachtet.
[ 19 ] You will be able to sense how the person to whom these four types of human soul states are now fully concrete perceives the soul in a special way. First, we have a state of the soul that is actually hardly a state of the soul at all, but rather a physical state that lives in the process of breathing; then there is the one that lives in rhythmic-harmonic and imaginative-thematic processes; then there is the one of the silent experience of the word; and finally, there is the one that lives in intellectual processes; and when one has all of this concretely before one, then one looks upon the soul in such a way that one must attribute to it the most diverse possibilities of relating to the world. And it is necessary for the present day to know that such diverse possibilities—let us say, such diverse kinds of consciousness—exist, and that for each state of consciousness, different levels of cosmic life and cosmic existence come to light.
[ 37 ] Dann aber, wenn man sich zu solchen Begriffen aufgeschwungen hat, dann werden diese Begriffe selber zu etwas Lebendigem im Seelenleben. Und diese Begriffe, einmal gefaßt, befruchten selbst das Seelenleben. So daß wir in die Lage kommen, nun nicht nur das Ich des Menschen zu erfassen, sondern dadurch, daß wir uns das aneignen, was beim Tiere bleibend ist über die Befruchtung hinaus, gelangen wir allmählich heran zu einem Begriff von dem astralischen Leib des Menschen. Und wenn wir uns dasjenige aneignen, was in der Befruchtung fortwährend kontinuierlich lebt, gelangen wir auch zu einem Begriff von dem ätherischen Leib des Menschen. Erfassen wir das eigentliche Ich als das, was sich dieser Sedimentbildung entringt, dann müssen wir den astralischen Leib in einer andern Weise fassen. Wir müssen diesen astralischen Leib in der folgenden Art fassen. Betrachten wir das, was wächst, sich ernährt, was sich fortpflanzt, zunächst nicht als absterbend. Ersterbend betrachten wir hier das ganze physische Wesen, wenn wir auf das Ich kommen wollen. Also betrachten wir jetzt dasjenige, was wächst, was reproduziert, nicht als ersterbend, sondern nur als abgelähmt, fortwährend abgelähmt, so daß jetzt nicht etwas da ist, was über den Tod siegt, sondern etwas, was über die Herunterlähmung der Vitalität siegt, was also immer wiederum, wenn die Vitalität heruntersinkt, diese Vitalität aufpeitscht.
[ 20 ] It is widely believed today that there is only one state of consciousness, which people then attempt to describe as something that can be considered in absolute isolation. But by limiting oneself to this one state of consciousness, one simultaneously limits oneself to a single level of cosmic existence and cosmic experience. And we can truly say of today’s state of consciousness that it is far removed from an understanding of the true human being. It clings to the idea of constructing a human being based on physiology and biology. For what we call psychology today is, after all, essentially a collection of worn-out words for something that no longer contains any real spiritual content.
[ 38 ] Dann haben wir, geradeso wie hier (siehe Zeichnung Seite 195) aus dem Lichte die dunklen Funken heraussprühen, hier (siehe Zeichnung Seite 200, rot) fortwährend ein aus einem in hellen Farben Erglänzendem herauswolkendes, wenn ich so sagen darf, wolkendes Dunkles (blau). Man muß diese Ausdrücke gebrauchen, um in diesen Partien des Seins eben Vorstellungen zu haben. Ich möchte sagen, es funkt dunkel aus dem Hellen heraus das Ich, es wolkt dunkel heraus, tingierend, wolkig tingierend ein hell Tingiertes, wenn das Astralische aus dem Ätherischen siegt über das Ablähmen der Vitalität. Ich versuche möglichst genau zu sprechen, aber Sie begreifen, daß diese Dinge, die ja nicht mehr dem intellektualistischen Erkennen zugänglich sind, sondern nur dem imaginativen, auch nicht ausgedrückt werden können durch intellektualistische Begriffe, sondern daß sie ausgedrückt werden müssen durch Imaginationen.
[ 21 ] Humanity must once again advance to the point where it can grasp the living alongside the dead, the sentient alongside the living, and the human alongside mere sentient cognition. As I said, I have made these remarks to facilitate an understanding that leads to what is necessary today if we wish to approach an understanding of the human again, if we wish to get to know the human anew. For this human aspect does not reveal itself to a state of consciousness that is primarily attuned to the inanimate, to the mineral.
[ 39 ] Es kann ja auch vorkommen, nicht wahr, daß Leute solche Imaginationen für die Sache nehmen und sich dann nicht auskennen, wie es gewisse Kritiker der Anthroposophie machen. Aber diese Leute begehen den Fehler, den etwa derjenige begehen würde — so paradox es ist, aber es ist so —, der glaubt, wenn ihm jemand das Wort Igel sagt, er hätte einen wirklichen stacheligen Igel. Das Wort Igel ist ja natürlich nicht der Igel. Ebensowenig sind diese Bilder das entsprechende Sein, aber wir können nur durch diese Bilder durchdringen zu dem, was wirklich da ist im übersinnlichen Sein. Es ist ja schließlich ein Versinnlichen.
[ 22 ] We speak of the “I”; we believe we can speak of the “I.” The fact that we have a word for this “I” is, of course, no proof that this word also has any spiritual content. There are philosophers today who conceive of the “I” solely as a synthesis of what is experienced as a thought or a feeling. In a sense, only that which is drawn as connecting lines from one thought to another, from one sensation to another, or from sensation to thought—that which is itself entirely abstract—is often understood today as the “I.” But one could say that, in a certain sense, even this view has limited validity. For what is experienced in the soul—when one speaks of such an awareness of the “I”—is, strictly speaking, not even a content at all.
[ 40 ] Derjenige, der den ganzen Prozeß kennt, der braucht sich natürlich nicht sagen zu lassen, was etwa Bruhn in seinem Büchelchen über die Anthroposophie sagt: daß die Anthroposophie das Übersinnliche mit dem Sinnlichen verwechselt. Das ist ungefähr ebenso gescheit, wie wenn man einem Mathematiker vorwerfen würde, daß er das, was er auf die Tafel schreibt, mit der Mathematik verwechsle. Aber so werden ja in der Regel Kritiken über das geschrieben, was man nicht verstehen will, weil man nicht die Wege dazu wählen will, die eben schon einmal notwendig sind. Also um was es sich handelt, das ist, daß zurückgefunden werden muß der Weg zu dem, was den Menschen vor unsere Seele wiederum hinstellen kann. Es sind Imaginationen einmal im Verlauf des Atmungsprozesses aufgetreten; es müssen wiederum Imaginationen werden, durch die wir an das wahre Wesen des Menschen herankommen. Nur können wir sie nicht durch einen Atmungsprozeß erreichen, sondern durch diejenigen Vorgänge, die ich versuchte zu beschreiben in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft».
[ 23 ] Look, we can have a white area—we can talk about white—I’ve used this image many times before—we see the white, but we also see the black here in the middle. There is no white there; the white is missing, and yet we see the black through the white (it is drawn).
[ 41 ] Ich wollte Ihnen damit heute einige Andeutungen darüber geben, wie aus der heutigen intellektualistischen Seelenverfassung heraus wiederum eine andere gesucht werden muß. Diese andere Seelenverfassung ist nicht etwa schon das schauende Bewußtsein. Es ist gar nicht nötig, daß man das schauende Bewußtsein erhält, aber diese andere Seelenverfassung kann man haben. Sie entwickelt sich bei einer wirklich intellektualistischen Innenbildung dann, wenn man es nur ernst und ehrlich meint mit dieser intellektualistischen Innenbildung und weiß, wo ihre Grenzen sind. Dann entwickelt sie sich unbedingt. Und derjenige wird am allerehesten zu einer solchen Anschauung von einer inneren metamorphosierten Seelenverfassung kommen, der sich gerade in die naturwissenschaftlichen Begriffe der neueren Zeit einlebt. Denn lebt er sich in sie so ein, wie man mit ihnen leben kann, nimmt er sie nicht bloß demütig auf, sondern lebt er sich in sie so ein, wie man sie wirklich innerlich durchleben kann, dann wird er durch sie nicht geführt zu einem Ignorabimus, sondern er wird gerade an der Grenze, wo sonst das Ignorabimus hingesetzt, hingepfahlt wird, zu einem besonderen Erleben, zu einem wirklichen Ringen geführt. Da entzündet sich dann eben diese andere Seelenverfassung. Aber alles hängt davon ab, daß man in ehrlicher und innerlich durch und durch wahrhaftiger Weise an die naturwissenschaftlichen Begriffe selbst herantrete. Dann befriedigt man sich nicht bei ihnen, dann werden sie zu Keimen, aus denen etwas anderes herauswächst; dann bleibt man nicht dabei stehen, diese naturwissenschaftlichen Begriffe wie Bohnen nebeneinander hinzulegen und sie anzuschauen, sondern dann versenkt man diese Bohnenkeime in die Erde, das heißt die intellektualistischen Naturbegriffe in das Innere der Seele. Da gehen sie auf in einer neuen Seelenverfassung. Was die letzten Jahrhunderte selbst entwickelt haben, das trägt in sich die Möglichkeit, neue Keime der Erkenntnis aufgehen zu lassen. Wir müssen hinschauen auf ein Zeitalter, welches wiederum eine andere Seelenverfassung zeigt als diejenige, die die Galilei-Zeit, die Zeit des 15. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Wir müssen vorrücken zu einer tieferen Erkenntnis der Welt dadurch, daß wir zu einem intensiveren Erleben in dem eigenen menschlichen Inneren kommen.
[ 24 ] Anyone who can truly analyze the life of the soul can see that what we experience in the soul today is comparable to this “white.” We experience pain and pleasure; we experience this or that sensation—love, hate, and so on. We experience ideas, even though they are something rather gray for ordinary consciousness when we try to relive them in reflection; but with this consciousness, we experience the “I” just as the black is experienced here within the white. Where we experience nothing—where, so to speak, we experience a hole in our consciousness—that is where we place the “I” for ordinary consciousness. No wonder we speak of the “I”; here, too, we speak of a black hole. The “I” is not contained in what a person experiences from waking up until falling asleep. The question may arise in our souls: How do we even come to have the possibility of forming concepts of the “I”? — Yes, anyone who is now earnestly seeking knowledge is led to something else. Everywhere in what surrounds us in the world, they find no point of reference for forming concepts of the “I.” As a rule, what surrounds us is sometimes outside and sometimes inside the soul. It is, after all, essentially the same thing. And if we find only a void within ourselves for the “I,” then under ordinary circumstances we cannot find an external point of reference either—a place where we can, so to speak, situate our “I.”
