Old and New Initiation Methods
Drama and Poetry in the Shift
of Consciousness in the Modern Era
GA 210
7 January 1922, Dornach
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Old and New Methods of Initiation, tr. Collis
2. Westen, Osten und Mitte
Lecture II
[ 1 ] Zu den Betrachtungen, die in diesen Tagen über die ChristusWesenheit angestellt worden sind, vor und nach Weihnachten, sei heute noch einiges hinzugefügt. Es sei diejenige Seite des ChristusProblems heute mit einigen Strichen gezeichnet, welche vorzugsweise eine Bedeutung für das Welt-Sozialproblem hat. Die Menschen haben gerade in dem gegenwärtigen Zeitalter die größte Notwendigkeit, über den Erdkreis hin zu einer Verständigung zu kommen. Und auf welche Angelegenheiten des Lebens wir heute auch hinblicken, von einer solchen Verständigung kann kaum irgend etwas bemerkt werden. Die Notwendigkeit zur Verständigung ist da. Nicht aber ist da, man möchte sagen die Begabung der Menschen, eine solche Verständigungsmöglichkeit zu finden. Wir sehen, wie über wichtige Angelegenheiten des Lebens heute versucht wird, zu beraten. Wir sehen, wie überall sich Kongresse abspielen. In den Tiefen der Menschenseelen sieht es gegenüber den Angelegenheiten, die auf solchen Kongressen zur Besprechung kommen sollen, anders aus als in den Worten, die da gewechselt werden. In den Worten, die da gewechselt werden, lebt viel Schein, und dieser Schein will den Eindruck erwecken, als ob überall der einzelne Mensch mit dem andern irgendwie einen Ausgleich oder ähnliches finden wolle. Aber nirgends kann ein solcher Ausgleich eintreten, denn im Grunde genommen sprechen heute nicht Menschen miteinander, sondern es sprechen die Angehörigen verschiedener Nationen miteinander. Es sprechen Menschen dem äußeren Scheine nach. Aus ihnen aber spricht dasjenige, was als ganz differenziertes Wesen der einzelnen Nationen lebt. Und da die Menschen nun eben einmal im gegenwärtigen Zeitalter so sind, daß sie bei den Worten nur auf den wörtlichen Inhalt sehen, nicht auf das, woraus die Worte kommen, worin die Worte wurzeln, weil sie nicht sehen auf die durchgreifenden Lebensverhältnisse, so wird eben gar nicht bemerkt, wie im Grunde genommen die Verschiedenheit der einzelnen Volksdämonen miteinander spricht, nicht aber der Mensch zum Menschen redet.
[ 1 ] Today I shall add to what has been said over the past few days, both, before and after Christmas, about the Being of Christ. Our angle of approach to the question of Christ will be to relate it in a brief sketch chiefly to the world-wide social question. Mankind has at the present time an urgent need to reach a global understanding. Yet whatever sphere of life we turn to, we find precious little of any such understanding. The need for an understanding is there. What is not there is any talent on the part of human beings to come to such an understanding. We see how attempts are made to consult one another about important aspects of life. We see congresses taking place everywhere. With regard to the matters being discussed at these congresses, what is to be found in the depths of human souls is quite different from the words which are exchanged there. In the words exchanged at these congresses there are appearances which are deceptive. These appearances are supposed to give the impression that individual human beings everywhere desire to come to terms with one another, or something similar. But such coming to terms cannot be achieved anywhere, because it is not actually individual human beings who are speaking with one another but members of various nations. Only the external appearance makes it seem as though individuals were speaking with one another. What is actually speaking through each one are the very varied beings of the different nations. And since it is in the very nature of human beings these days to notice only the verbal content of words and not the source of the words—not the soil in which they are rooted—since human beings fail to discern these fundamental aspects of life, it is simply not noticed that it is the folk daemons who are speaking with one another, rather than human being with human being.
[ 2 ] Kaum könnte man durch etwas anderes einen klareren Beweis erlangen, daß das Christentum heute nicht in der Welt realisiert ist, als durch das eben Angeführte. Das Christentum ist nicht realisiert, denn den Christus voll verstehen, heißt, den Menschen als Menschen in sich finden. Der Christus ist kein Volksgott, der Christus ist kein Rassengott, der Christus ist überhaupt nicht der Gott irgendeiner Menschengruppe, sondern der Christus ist der Gott des einzelnen Menschen, insofern dieser einzelne Mensch nur ein Angehöriger der gesamten Menschheit ist. Und erst, wenn man die Christus-Wesenheit aus allen Voraussetzungen heraus, denen der Mensch zugänglich ist, wird so verstehen können, daß man sie als den Menschheitsgott versteht, erst dann wird der Christus, aber dann auch gewiß die größte soziale Bedeutung über das ganze Erdenrund hin haben.
[ 2 ] We would be hard put to it to find clearer proof of the fact that Christianity is today not realized in the world. Christianity is not realized, for fully to understand Christ means: to find man as man within oneself. Christ is no folk god, no god of any race. Christ is not the god of any group of human beings. He is the god of the individual, in so far as the individual is a member of the human race as a whole. Only when we can understand the Christ-being, through all the means available to us, as the God of mankind, only then will Christ come to have what will certainly be the greatest possible social significance for the globe as a whole.
[ 3 ] Man muß sich nur einmal klarmachen, daß gerade in den "Tiefen der Seele heute Dinge walten, die nicht übergehen in die Worte, die festgehalten werden in ihren äußeren Phraseninhalten durch die Differenzierung der Volksdämonen. Man kann nicht mit dem, worin die Menschheit heute auf bequeme Weise stehenbleiben will, dasjenige herbeiführen, was heute nur aus den Tiefen des Menschenwesens heraus wirklich zustande gebracht werden kann. Heute bedarf es der Tiefe, des Eingehens auf die Tiefe des Menschenwesens, wenn wiederum Aufgangs-, wenn wiederum Fruchtkräfte in die Entwickelung der Erde hineinkommen sollen. Was heute hörbar wird über die verschiedenen Teile der Erde hin berührt nicht einmal wesentlich an der Oberfläche das, was im Menschenwesen wurzelt. Und das Suchen nach diesem im tiefsten Menschenwesen Wurzelnden, das müßte in die Menschheit einziehen.
[ 3 ] We have to understand very clearly that there are things which hold sway in the depths of the soul, things which do not find their way into those words that remain stuck in empty phrases as a result of the differences between the folk daemons. Out of the situation in which people are content to reside at present, it is not possible to bring about what can actually only be brought about today out of the profound depths of man's being. Today what is needed is profundity, a willingness to enter into the profound depths of man's being, if forces of advance, forces of fruitful progress are to enter into earth evolution. What can be heard today in every corner of the earth does not to any extent even touch the surface of all that is rooted in the human being. What ought now to enter into mankind is the quest for what is most profoundly rooted in the being of man.
[ 4 ] Wollen wir uns doch heute einmal mit ein paar Strichen hinstellen, wie verschieden, wenigstens nach Hauptpunkten, die Auffassung der Menschen ist in bezug auf das, was zum Erkennen, zum Durchschauen des Christus-Problems führen könnte. Ich habe oftmals vor Ihnen angeführt die Differenzierung der Menschen nach westlichen Menschen, nach östlichen Menschen und nach Menschen der Mitte zwischen dem Westen und Osten. Man kann von den verschiedensten Gesichtspunkten aus diese Differenzierung betrachten. Man wird ihr nur gerecht, wenn man sie ohne jedes Vorurteil in voller Unbefangenheit ins Auge faßt, wenn man nicht von vornherein dem einen oder dem andern Gliede in dieser Differenzierung Sympathie und Antiipathie entgegenbringt, etwa dadurch, daß man gerade selber in dem einen oder in dem andern Gliede darinnensteht. Es ist heute schon einmal notwendig, daß alle Menschen der Erde zusammenwirken, um die rechte Christus-Einheit hervorzubringen. Denn man kann sagen, über die verschiedensten Teile der Erde hin sind gerade in den Tiefen der Menschheit die Impulse vorhanden, die Einheit zu finden. Aber es muß eben in den Tiefen gesucht werden.
[ 4 ] Let us now show in a few simple outlines the main differences that exist in people's attitudes to what could lead to a recognition and an understanding of the question of Christ. I have often drawn the distinction for you between people of the West, people of the East, and people of the middle region between West and East. This distinction can be viewed from very varied standpoints. Justice can only be done to it if it is considered without any kind of prejudice and with the utmost impartiality, if we refrain from looking with sympathy or antipathy at one or other of these divisions, perhaps because we happen to belong to one or the other of them ourselves. Today all the people of the world must work together in order to bring forth true unity in Christ. It can certainly be said that in the most varied parts of the world, in the very depths of mankind, the impulse exists towards finding this unity. But the search must take us into the profound depths.
[ 5 ] Wenn wir zunächst unsere Blicke auf dasjenige werfen, was insbesondere aus den Zivilisationen des Westens heute zutage tritt, so finden wir, daß das, was in den westlichen Zivilisationen das Wesentliche ist, sich ausdrücken läßt gerade durch die besondere Geistigkeit von heute. Diese besondere Geistigkeit von heute hat ja die Eigentümlichkeit, daß sie sich in Abstraktionen ergeht, daß sie gewissermaßen im Abstrakt-Ideellen ihre größten Triumphe feiert. Dieses Ideelle, dieses Abstrakte ist am besten geeignet, gerade die Natur so, wie sie sich den Sinnen darbietet, und diejenige Seite des sozialen Lebens, die sich abspielen muß durch die Kräfte dieser Sinneswelt, kennenzulernen. Man kann mit diesen Kräften, die ich die westlichen Kräfte nennen will, durchaus in die Tiefen des Menschheitswesens und des Weltenalls eindringen. Vor allen Dingen haben diese Kräfte des Westens die Grundkonstitution des naturwissenschaftlichen Denkens begründet und jene Impulse des sozialen Lebens in Anlehnung an dieses naturwissenschaftliche Denken gesucht, welche die Menschheit der Zukunft brauchen wird, um das Erdenleben in einer möglichen Weise zu gestalten. Denn man kann nicht das Erdenleben mit den Kräften des Ostens in einer möglichen Weise gestalten. Das wird aus den folgenden Betrachtungen schon hervorgehen. Es ist lange nicht alles an die Oberfläche gehoben, was in den Schätzen des westlichen Geisteslebens liegt.
[ 5 ] Turning first to what appears now in the civilizations of the West, we discover that the essential element in these western civilizations finds an expression in the type of spirituality which is valid today. This special spirituality of today has the characteristic of taking the form of abstractness; it celebrates its greatest triumphs in ideas and abstractions. These ideas, these abstractions, are most suited to gaining a knowledge of nature as it appears to our senses, and a knowledge of that aspect of social life which has to take place as a result of the forces of the sense-perceptible world. With these forces, which I shall call the western forces, it is quite possible to penetrate into the depths of the human being and of the universe. Above all, these forces of the West have provided the foundation for scientific thinking and have sought those impulses of social life which derive from scientific thinking and which mankind will need in the future in order to shape life on earth in a possible way. What follows will show this to be so. By no means all the treasures of western spiritual life have been brought to the surface.
[ 6 ] Es ist zunächst durchaus eine Wahrheit, daß die Naturwissenschaft der Gegenwart nur hat begründet werden können aus Grundkräften des menschlichen Wesens heraus, welche man am adäquatesten, am treffendsten gerade durch die heutige Geistigkeit, durch die abstraktideelle Geistigkeit ausdrücken kann. Aber es ist auch wahr, daß in alldem, was da zutage getreten ist, noch ein Wesentliches mehr vorhanden ist. Was in den naturwissenschaftlichen und in der zu ihr gehörigen sozialen Denkweise an den Tag getreten ist, das kann bis zum Geistigen gebracht werden. Es kann fortgeschritten werden von der Gesetzmäßigkeit der Natur bis zur Erkenntnis des Wesenhaften in der Natur. Dieses Wesenhafte in der Natur ist aber das Göttlich-Geistige. Und wird man in einer den neuesten Menschheitsbedürfnissen angemessenen Weise das Christentum verstehen wollen, so wird man es durchdringen müssen mit demjenigen Geiste, der bisher sich eben nur über die Naturwissenschaft mit ihrer sozialen Konsequenz durch die Kräfte des Westens ergossen hat. Man ist nicht befriedigt, wenn man aus diesen Kräften des Westens heraus irgend etwas Weltanschauungsgemäßes faßt, ohne es in klar umrissene, scharf konturierte ideelle Begriffe gebracht zu haben. Der Mensch wird für die Erdenzukunft solche klare, scharf umrissene Begriffe brauchen. Er wird dazu kommen müssen, das höchste Geistige in ebenso klar umrissenen Begriffen vor die Menschheit hinzustellen, wie es gelungen ist, aus den Kräften des Westens das Naturalistische und Naturalistisch-Soziale hinzustellen.
[ 6 ] To start with, it is perfectly true that today's natural science could only be founded on those fundamental forces of man's being which can be most adequately expressed in the spirituality of abstractness and ideas. But it is also true that in everything that has been revealed there is another essential element as well. What has been revealed in the thought processes of natural science, and the social thought processes that go with it, can indeed be taken right up to the spiritual realm. A progression can be made from the laws of nature to a recognition of the spiritual beings within nature. These beings of nature are divine and spiritual. And if Christianity is to be understood in a way that befits mankind's most current needs, it will have to be permeated with that very spirit which has so far only poured itself out into natural science and its social consequences through the forces of the West. Any world conception gained out of these forces of the West can only be satisfying if it can be expressed in clearly defined, sharply contoured concepts and ideas. Human beings will need such clear, sharply defined concepts for the future of the earth. They will have to learn to present the highest spiritual content to mankind in terms which are every bit as clearly defined as are the natural and social concepts arising out of the forces of the West.
[ 7 ] Und sehen wir nach den Kräften des Ostens, so tritt uns als Klarstes das zutage, daß, wenn wir den Versuch machen wollen, aus den Kräften des Ostens heraus mit solch klaren, scharfen Begriffen das Christliche oder überhaupt das Göttlich-Geistige zu charakterisieren, dies ein vergebliches Unternehmen sein wird. Schon von Rußland an genommen und durch Asien dann weiter hindurch bringt der ganze Osten solche Volkskräfte hervor, welche nicht in der Lage sind, in scharf konturierten Begriffen sich zu dem Göttlich-Geistigen zu erheben, welche aber dazu veranlagt sind, aus den Gefühlstiefen heraus diese Erhebung zu den geistigen Kräften zu vollziehen.
[ 7 ] Let us turn now to the forces of the East. Here, what is made clearest to us is the following: If, out of the forces of the East, we want to attempt to describe Christianity, or indeed anything divine and spiritual, in sharp, clearly-defined terms, our efforts will be invain. Starting with Russia and going eastwards through Asia, the whole of the East brings forth forces in its peoples which are not capable of rising up to spiritual, divine realms in sharply defined concepts. The forces here are suitable for rising up to the spirit out of the depths of feeling.
[ 8 ] Will man im Sinn des Westens das Christentum charakterisieren, so braucht man Philosophie, braucht man eine in moderne Gedankenformen gekleidete Weltanschauung. Will man das Christentum mit den Kräften des Ostens charakterisieren, so findet man solche Gedankenformen nicht, wenn man beim Volkstümlichen stehenbleibt. Man muß da, wenn man im äußeren sinnlichen Leben bleibt, zu anderem greifen. Man muß etwa die Empfindungen charakterisieren, die man sogleich findet, wenn man von dem Westen nach dem Osten immer weiter und weiter kommt, und die man schon in den Gegenden Mitteleuropas, die an den Osten angrenzen, finden kann. Man muß sich die Stuben der einfachen Leute ansehen, welche in einer Ecke einen Altar mit dem Muttergottesbilde haben; man muß sich ansehen, wie dieses Muttergottesbild behandelt wird von den Besuchern, die da ankommen. Der erste Gruß, der da überall gegeben wird, ist der an das Muttergottesbild; dann werden erst die Menschen, die etwa in der Stube sind, begrüßt. Es ist etwas, das aus allen andern Kräften der menschlichen Wesenheit hervorgeht, als etwa aus den abstrakt-ideellen Kräften. Es ist ein radikaler Gegensatz vorhanden zwischen dem innersten Empfinden gegenüber dem Göttlich-Geistigen wie es im Westen auf der einen Seite, im Osten auf der andern Seite ist. Aber alle diese Kräfte sind Wurzelkräfte, die sich weiter entwickeln können, die Blätter und Triebe und zuletzt Früchte treiben können, wenn sie sich nur gründlich selber verstehen.
[ 8 ] In order to describe Christianity in a manner befitting the West we need philosophy, we need a concept of the world which is clothed in modern thought forms. But to describe Christianity with the forces of the East we cannot find such thought forms if we remain at the level of outer nationality. If we remain in the external, sense-perceptible world we have to grasp other means. For instance, we have to describe the feelings which are found as soon as we start going further and further eastwards, even in the regions of central Europe bordering on the East. Look at the living rooms of simple people and see the altar with the Mother of God in the corner. See how the image of the Mother of God is greeted by visitors as they arrive. Everywhere the first greeting is for the Mother of God, and only then are greetings exchanged with the people in the room. This is something that emanates from all the forces of the human being, with the exception of those of abstract ideas. There exists a radical contrast between West and East in the inmost feelings for what is divine and spiritual. Yet all these forces are root forces which can develop further, which can put forth leaves and shoots and finally bear fruit, if only they can come to a fundamental understanding of themselves.
[ 9 ] Der Westen ist in der Lage, in einer dem neueren Menschengeiste angemessenen Form wiederum eine solche Vorstellung, eine solche Empfindung vom Vatergotte zu erlangen, neben welcher die andern göttlich-geistigen Wesenhaftigkeiten des Sohnes und des Geistes stehen können. Aber vor allen Dingen ist es die Aufgabe des Westens, jenen Beitrag zu liefern, der in anderer Weise zu Vorstellungen, zu Empfindungen über den Vatergott hinführt, als das frühere Zeiten gekonnt haben, die nur Ahnungen in dieser Beziehung erweckt haben. Und wenn diejenigen Kräfte sich ausbilden, welche im Osten vorzugsweise vorhanden sind, und die man nur in jener, man möchte sagen unverstandesmäßigen Art charakterisieren kann, daß man eine äußere Gebärde anführen muß, wenn man sie treffen will, diese Empfindungen, diese Gefühle, und die Willensimpulse, die sie im Gefolge haben, die werden, wenn sie sich weiter entwickeln, wenn sie aufnehmen die Kräfte, die ihnen vom Westen her zustrahlen, einen angemessenen Begriff, eine angemessene Empfindung von dem Sohnesgott entwickeln können. So daß man die Entwickelung in die Zukunft hinein nur richtig verstehen kann, wenn man das, was auf einzelnen Erdengebieten geleistet werden kann, als Beiträge auffaßt zu einem Gesamtergebnis.
[ 9 ] The West is capable of reaching a conception and a feeling of the Father God in a manner which befits the new human spirit, a conception and a feeling beside which those other divine spiritual beings, the Son and the Spirit, can stand. But above all it is the task of the West to contribute to the world concepts and feelings about the Father God which are different from those possible in earlier times, when only vague presentiments could be achieved in this respect. On the other hand, if the forces mainly present in the East are developed—the forces which can only be described suitably in what might be called a non-intellectual way with the help of external gestures—if these forces are developed with the feelings and will impulses they entail, and if they take up also the forces streaming towards them from the West, they will be able to come to a fitting concept and a fitting feeling of the Son God. In this way mankind's development into the future can only be rightly understood when the things that are achieved in the different regions of the earth are taken to be contributions to a total outcome.
[ 10 ] Wenn wir heute gerade die hervorragendsten westlichen Geister betrachten, so sehen wir sie, wenn sie sich auch oftmals oder meistens dessen selbst nicht bewußt sind, in einem Ringen nach dem Begriff des Vatergottes, der sich aus den naturwissenschaftlichen Untergründen heraus ergibt. Wenn wir nach dem Osten hinüberschauen, sehen wir, man möchte sagen aus den äußeren Gebärden der Menschen heraus, aus dem was aus Gemüt und Wille kommt, ein Ringen nach einem Erfassen des Sohnesgottes, des Christus. Die Mitte ist hineingestellt zwischen diese beiden Extreme. Und gerade das, was im Laufe der neueren Zeit in der Kultur der Mitte sich entwickelt hat, zeigt uns dieses Hineingestelltsein. Das Charakteristische gerade der modernsten Theologie der europäischen Mitte ist dieses, daß sie überall schwankt sowohl in bezug auf eine Vater- Auffassung wie in bezug auf eine Sohnes- oder Christus-Auffassung. Es wird das Streben nach einer solchen Auffassung ungeheuer ernst genommen. Aber gerade der Ernst dieses Strebens hat dieses Streben selber in zwei gesonderte Glieder auseinander getrieben. Wir sehen auf der einen Seite das Wissen sich entwickeln, und auf der andern Seite sehen wir den Glauben. Wir sehen, wie dem Wissen nur zugeteilt werden soll, was sich auf die Sinneswelt und alles, was zur Sinneswelt gehört, erstreckt, und wir sehen, wie einem Glauben, der nicht Wissen werden soll, zugeteilt wird alles, was des Menschen Verhältnis zum Göttlich-Geistigen ausmacht. In diesem zwiespältigen Streben drückt sich das aus, was auf der Suche ist, was aber ohne die Vereinigung mit den andern Gebieten der Erde, mit Ost und West, weder die ihnen adäquate Vorstellung und Empfindung des Vatergottes noch des Sohnesgottes bekommen kann.
[ 10 ] Especially the more outstanding spirits in the West—though mostly they are not aware of this themselves—may be seen to be struggling for a concept of the Father God, a concept arising from the foundations of natural science. And in the East we see in the external gestures of the people, in what comes out of their feelings and their will, how they are wrestling for an understanding of the Son God, the Christ. The middle region stands between these two extremes. This is shown clearly by what has been developing more recently in the culture of the middle region. It is characteristic of modern theology in Central Europe that it is uncertain in its understanding of the Father and also in its understanding of the Son, the Christ. Endeavours to find such an understanding are taken immensely earnestly. But this very earnestness has caused the endeavours to be split in two separate directions. On the one hand we see knowledge developing, and on the other we see faith. We see how knowledge is to contain only what applies to the sense-perceptible world and everything that belongs to it. And we see how faith, which must not be allowed to become knowledge, is allotted everything that makes up man's relationship to what is divine and spiritual. These divergent endeavours express the quest, a quest which cannot achieve an adequate concept and feeling for either the Father God or the Son God without joining forces with the other regions of the earth, with East and West.
[ 11 ] Wie auf dem geistigen Gebiete ein solches Zusammenarbeiten über den Erdkreis stattfinden soll, zeigt sich ganz besonders in den Anfängen, die damit gemacht worden sind bei dem russischen Philosophen Wladimir Solowjow. Dieser russische Philosoph hat aufgenommen in sein Denken die Gedankenformen des Westens. Wer sich eingelebt hat in die Gedankenformen des Westens, der findet bei Solowjow überall diese Form, aber er findet sie anders gehandhabt, als sie im Westen gehandhabt wird. Er muß, wenn er mit den Vorbereitungen des Westens an Solowjow herankommt, zunächst nicht in bezug auf den Gedankeninhalt, wohl aber auf die Stellung des Menschen zu diesem Gedankeninhalt, umlernen. Er muß eine vollständige innere Metamorphose durchmachen.
[ 11 ] How such a global working together in the spirit should take place can be seen especially in the beginnings made by the Russian philosopher Vladimir Soloviev.1 Vladimir Soloviev, 1853-1900. The quotation in German is from Die geistigen Grundlagen des Lebens, Part One (The Spiritual Foundations of Life), Selected Works translated by H Kohler, Stuttgart 1922. This Russian philosopher has taken western thought forms into his own thinking. If you are thoroughly familiar with the thought forms of the West, you will find them everywhere in Soloviev's work. But you will find that they are handled differently from the way in which they are handled in the West. If you approach Soloviev with a thinking prepared in the West you will have to relearn something—not about the content of thoughts, but about the attitude of the human being towards the content of thoughts. You will have to undergo a complete inner metamorphosis.
[ 12 ] Man nehme einmal einen, ich möchte sagen Kardinalsatz Solowjows, in den er hineingelegt hat vieles vom menschlichen Streben nach einer Erkenntnis des Menschenwesens selber und seines Verhältnisses zur Welt. Er sagt: Der Mensch muß streben nach Vollkommenheit. Und dieses Streben drückt sich in seinem Wahrheitsstreben aus. Indem der Mensch die Wahrheit immer mehr und mehr mit seiner Seele vereinigen wird, wird er immer vollkommener und vollkommener werden. Und ohne dieses Vollkommenerwerden wäre das Leben des Menschen wertlos. Der Mensch muß die Aussicht haben, zu den höchsten Spitzen der Vollkommenheit durch die Wahrheit vordringen zu können, sonst wäre das Leben eine Nichtigkeit, eine Wertlosigkeit. Aber der Mensch muß zugleich teilhaftig werden der Unsterblichkeit, denn ein Sich-Vervollkommnen, das dem Tode verfallen würde, wäre ein großer Weltbetrug. [Zitat siehe Hinweis.)
[ 12 ] Take what I regard as one of the cardinal passages in Soloviev's work, a passage he has invested with a great deal of human striving towards a knowledge of man's being and his relationship with the world. He says: Human beings must strive for perfection. This endeavour is expressed in the way they strive for the truth. By uniting truth ever more and more closely with their souls they will become ever more and more perfect. Without this movement towards perfection human life would be worthless. Human beings must have the prospect of reaching the highest pinnacles of perfection through truth, as otherwise their lives would be null and void. At the same time they must have a part in immortality, for a striving for perfection destined only to be forfeited in death would be a fraud of universal proportions.
[ 13 ] So etwas ist ausgedrückt durchaus in Wort- und Gedankenformen, die dem Westen nachgebildet sind, die Gedankenform entlehnt, die Wortform nachgebildet. Aber so, wie es ausgesprochen wird und so, wie der Impuls da ist, um es auszusprechen, so ist es im Westen unmöglich. Man kann das nicht bei irgendeinem Philosophen des Westens in derselben Weise ausgesprochen finden. Man stelle sich nur einmal vor, daß Mill oder Bergson so etwas aussprechen sollten! Man kann es sich nicht vorstellen. Und für solche Dinge muß man heute eine Empfindung haben. Man muß eine Empfindung dafür haben, aus welchen Lebensquellen irgendwelche Worte hervorkommen. Der Wortinhalt wird immer bedeutungsloser gegenüber einer Weltanschauung. Die Empfindung, aus welchen Lebensquellen die Dinge herauskommen, das ist es, was eine Bedeutung hat.
[ 13 ] This is expressed by Soloviev in words and thought forms which imitate those of the West, or rather the thought forms are borrowed and the word forms imitated. But the way in which it is expressed, and the way the impulse to express it is present—this is impossible in the West. You will not find it expressed in this way by any western philosopher. Just imagine Mill or Bergson saying such a thing! It is unimaginable. These are the things for which we must develop a sense nowadays. We must develop a sense for the living sources from which words flow. The content of words is growing ever more insignificant in comparison with world concepts. A sense for the living source of things is what has real significance.
[ 14 ] Heute kann man sich in dieser Weise ein Sprechen über den Menschen, wie es Solowjow tut, nur bei einem Menschen vorstellen, der noch leibhaftig gewußt hat dasjenige, was im Grunde genommen jeder seiner Volksgenossen der Ikona, dem Muttergottesbilde gegenüber übt, der drinnensteht in diesem Volkstum, aus dem heraus man ohne abstrakt-logische Gründe beweisen darf; in jenem Volkstum, dem die Beweise aus bloßer abstrakter Logik heraus ein Geringeres gelten als solche Beweise aus dem ganzen Menschen heraus.
[ 14 ] We can today only imagine a person to be capable of speaking in the way Soloviev does if he still has a true experience of what every one of his compatriots does before the icon of the Mother of God. Such a person must stand immersed in his people, a people capable of bringing proof without having to base it on abstract, logical foundations, a people for whom proofs based on mere abstract logic are less important than those which come out of the whole human being.
[ 15 ] Bis in diese Zeilen des Solowjow hinein fühlt man, daß es vom Osten herüber aus dem ganzen Menschen herausklingt, nicht nur aus dem bloßen intellektuellen menschlichen Verstande. Weil Solowjow aus seinem Volkstum heraus spricht und denkt und empfindet, trägt seine ganze Weltanschauung den Zug hin zu dem Christus. Weil er, ich möchte sagen wie ein Äußerliches aufgenommen hat die Gedankenformen des Westens, trägt seine Weltanschauung zu gleicher Zeit neben dem Christus-Zug den Zug hin zum Vatergotte. Daher finden wir bei ihm, was wir sonst in der Gegenwart fast nirgends mehr finden, eine ursprüngliche, klare Scheidung im menschlichen Empfinden zwischen dem Wege zum Vatergott und dem Wege zum Christus, zum Sohnesgott. Man kann schon in einem solchen Geiste wie Wladimir Solowjow eine Andeutung finden zu dem, was für die Zukunft kommen muß. Denn kommen muß ein Zusammenarbeiten der verschiedensten Lebensgebiete über die Erde hin. Das kann aber nicht kommen, wenn irgendein Lebensgebiet glaubt, das Ganze zu haben.
[ 15 ] We feel in these words of Soloviev how, coming from the East, what is said comes out of the total being of man, not just out of mere intellectual human understanding. Because Soloviev speaks and thinks and feels out of the very foundations of his people, the whole of his world conception tends in the direction of the Christ. Because he has also taken on, as something from outside, the thought forms of the West, his world conception at the same time tends in the direction of the Father God as well as the Christ. Thus we discover in him something which it is almost impossible to find anywhere in the present, and that is a fundamental, clear distinction in the feelings of a human being between the way to the Father God and the way to Christ, the Son God. In a spirit such as Vladimir Soloviev we find a hint of what must come about in the future. For what must come about is a working together of the different regions of the earth, and this cannot come about if any one region imagines itself to be in possession of the whole.
[ 16 ] Meine lieben Freunde, die Menschheit ist ausgegangen von einer Einheit. Und gehen wir zurück in die dunklen grauen Urzeiten der Menschheitsentwickelung, finden wir eine Urweltweisheit, die allerdings noch instinktiv war, die aber gerade als solche instinktive Weisheit den ganzen Menschen erfüllte. Über die ganze Erde hin verständigte man sich noch nicht durch den logischen Gehalt der Sprache, sondern man verständigte sich in der Urweltweisheit äußerlich, weil man noch die innere Fähigkeit hatte, sich, ich möchte sagen in Gebärden zu verstehen, von denen der heutige Mensch keine Ahnung mehr hat. Man verständigte sich durch etwas, was heute höchstens erhalten geblieben ist in jenen Resten unserer Sprachschätze, die wir als Interjektionen, als Empfindungswörter bezeichnen. Natürlich, wenn der Mensch seufzt: «Ach!», wenn der Mensch äußert: «Oh!», dann versteht man ihn überall! Solch einem Verstehen war das Verstehen zur Zeit der instinktiven Urweltweisheit ähnlich. Heute haben wir verlernt, in der ganzen Sprache so zu empfinden, wie die Urweltweisheit empfunden hat, und geblieben ist ein solches Empfinden nur gegenüber den Interjektionen, den Empfindungswörtern, welche wir ja nur ausnahmsweise gebrauchen.
[ 16 ] Mankind came forth out of a unity. If we go back into the obscure, remote antiquity of human evolution we come to an archetypal wisdom which was still instinctive and which, because of this, still filled the whole human being. Throughout the whole of the earth people communicated with one another, not yet by means of the logical content of language but externally, by means of the then still existing inner capacity to communicate in gestures, of which today we no longer have the faintest idea. People communicated with one another by means of something which today, if at all, remains only in those remnants of the treasure-house of language which we call interjections. Naturally, if you exclaim: Whew! or sigh: Oh! you will be understood world over. This kind of understanding resembles the communication that took place at the time of instinctive archetypal wisdom. Today we no longer know how to feel in language as a whole what the archetypal wisdom felt in it. All that remains for us is our feeling or the interjections which, of course, we only use occasionally.
[ 17 ] Nur in Parenthese soll gesagt werden, daß es jetzt gerade charakteristisch ist, daß aus der Unbefriedigtheit der Menschen, die aus dem ganzen Chaotischen unseres Geisteslebens heraus erwächst, die Romanschriftsteller anfangen, in Interjektionen zu schreiben. Man kann es heute schon antreffen, und ich zitiere dabei nicht, sondern ich charakterisiere nur, wie es sein könnte. [Es wird an die Tafel geschrieben.] Man kann heute schon in irgendeinem Prosawerke etwa finden: «Ah! Oh! Au! Jeh!», und dann beginnt es: «Wer» — dann kommen wieder einige Interjektionen. Wenigstens manche neuere Romanprodukte zeigen, daß wir auf diesem Wege sind. Sie sind symptomatisch nicht ohne Bedeutung. Das sei nur in Parenthese gesagt.
[ 17 ] In parenthesis let me add that it is quite in keeping that, out of people's dissatisfaction arising from the whole chaos of our spiritual life, authors are starting to write novels in interjections. This does happen nowadays. I am not quoting, but simply mention that you can find prose passages today which read: Ah! Oh! Wow! Eh! Then the writer begins: Once there was—and then come more interjections. Some recent novels are tending in this direction. As symptoms they are not without significance. As I said, this just in passing.
[ 18 ] Aber wir haben verlernt, in die Sprache hineinzutragen dasjenige, was wir heute nur in die Empfindungswörter hineintragen. Denken Sie nur einmal, wenn wir «Anthropos» sagen — es bedeutet «Mensch». Ich will jetzt die Untergründe nicht hervorheben, warum es «Mensch» bedeutet. Wenn wir «Anthropoiden» sagen, so sind das die höheren, menschenähnlichen Tiere. Es hängt das zusammen mit demjenigen Worte, welches «ähnlich sein» bedeutet, ein Dem-Menschenähnlich-Sein. In der Endsilbe «oiden» drückt sich das Ähnlichsein aus. Nun besteht ein merkwürdiger Zusammenhang zwischen dem Griechischen und zum Beispiel dem Deutschen. Nur ist im Deutschen dieses, was sich hier in dem Ähnlichsein ausdrückt, in der Nachsilbe «ig» oder «ich» enthalten. Wenn wir also zum Beispiel «Wicht» haben, was zusammenhängt mit «Gewicht», mit demjenigen, was schwer ist: Wenn wir es spöttisch sagen, sagen wir es auch durch die Kontrastwirkung für das besonders «Leichte»; wenn wir es aber anwenden wollen in Eigenschaftsform, so daß die Eigenschaft ähnlich ist demjenigen, was im «Gewicht» liegt, dann sagen wir «wichtig». Wir drücken also in diesem «wichtig» etwas aus wie: ähnlich dem Gewichte.
[ 18 ] We have lost the ability to invest the whole of language with what we today only invest in interjections. Consider the following: ‘Anthropos’ means man, human being. ‘Anthropoid’ means man-like, that is, the higher animals. The final syllable, ‘oid’, is connected with the word which means ‘like, similar to’. Now there is a remarkable connection between Greek and, for instance, German.
[ 19 ] Aber denken Sie, wenn wir das «ig», das wir ja so aussprechen wie «ich», wenn wir dieses «ich» für sich aussprechen, so haben wir die deutsche Bezeichnung für das Ego, für das eigene Wesen, wenn wir es bezeichnen wollen. Und das ist durchaus auch eine etymologische Wahrheit. In dem «Ich» liegt das Hinstreben nach demjenigen Wesen in dem Menschen, das durch seine Totalität Welt-ähnlich werden kann. «Ich» — All-ähnlich, [ein] Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos. Man darf allerdings, wenn man solche Dinge einsehen will, nicht bloß auf jene oberflächlichen Betrachtungen eingehen, die heute von Etymologie oder Sprachwissenschaft betrieben werden, sondern man muß um eine Schicht, um eine Stufe tiefer gehen und sich für die Lautzusammenhänge einen gewissen Sinn erwerben können.
[ 19 ] In German the final syllable meaning ‘like’ is ‘ig’. This is pronounced ‘ich’. If we speak this final syllable by itself, we have the German word for ego, for our own being. This is one kind of etymological truth. The ‘ich’ in the human being is what strives in its totality to become like the universe. ‘Ich’ is like, is similar to, everything; microcosm compared with macrocosm. Of course to go into things in this way cannot be done in the superficial manner in which etymology and linguistics are conducted nowadays. One has to go down to a more profound level and gain a sense for the way in which the sounds are connected with one another.
[ 20 ] Das führte ich nur an, um einen der Züge zu charakterisieren, die uns dahin bringen müssen, in die Sprache wiederum unterzutauchen nach einem viel lebendigeren Inhalte, als wir ihn heute in den Sprachen der Welt haben. Wir müssen eben dahin kommen, die Worte nicht als Worte zu nehmen, sondern sie aufzusuchen in ihren Lebenswurzeln. Wir müssen verstehen lernen, daß zwei das vollständig Gleiche sagen können und daß es dennoch verschieden ist, je nachdem es aus der einen oder der andern Lebensweise stammt. Eine solche Vertiefung der Empfindungen werden wir aber brauchen, wenn wir in jenes Zusammenarbeiten der Menschheit über den Erdball hin eingehen wollen, das notwendig sein wird, wenn die Menschheit wiederum einen Aufstieg erleben soll.
[ 20 ] I brought this up merely to show one of the facets of what we must do to enter into language in search of a far more alive content than exists nowadays in the languages of the world. We must strive not to take words merely as words but to seek out their living roots. We must learn to understand that two people can say the same thing and yet mean something quite different, depending on the way of life from which it stems. We shall need such a deepening of our feelings in order to enter into the kind of global working together which will be necessary if mankind is to set out once more on the upward path.
[ 21 ] Es genügt nicht, daß man den Christus nur anspricht als: «Herr, Herr!» — Der Christus muß etwas werden, was den ganzen Menschen ausfüllt. Das kann nur geschehen, wenn man sich eben mit seinem Verstande an etwas anlehnt, das uns etwa dann entgegentritt, wenn wir hinblicken zu der Urweltweisheit und uns sagen: Sie machte die Menschheit zu einer Einheit. — Das war aber eine Einheit, innerhalb welcher die Individualität des einzelnen verlorenging. Dann ging die Evolution weiter. Immer mehr und mehr trat die Individualisierung der Menschheit ein. Immer mehr fühlten sich die Menschen jenem Punkte entgegengehend, wo jeder sich als Einzelner fühlen mußte, denn das ist allein die Gewähr für das Erfühlen der Freiheit. Da mußte in die Menschenentwickelung sich etwas ergießen, was nun wiederum über die ganze Erde hin Einheit bringen kann, und das, was sich da ergossen hat, das ist die Christus-Wesenheit. Und erst dann wird man die Christus-Wesenheit richtig verstehen, wenn man im Hinblicke auf sie fühlen wird den Impuls zu einer sozialen Menschheitsvereinigung über die ganze Erde hin. Und auch umgekehrt kann man sagen: Zu einem richtigen sozialen Impuls über die ganze Erde hin führt nur die richtig verstandene Christus-Wesenheit.
[ 21 ] It is not enough to address Christ as: Lord, Lord! Christ must become something which fills the whole human being. This can only happen if we support our understanding with something which comes to meet us when we look towards the archetypal wisdom of the world and remind ourselves that that wisdom made mankind into a totality. It was, though, a totality in which all individuality was lost. But evolution progressed. Human beings became ever more individualized. They felt more and more that they were approaching the point at which each one feels separated from all the others, for that alone guarantees the experience of freedom. So something had to be poured out into human evolution which might once more bring unity to the whole earth. This was the Christ-being. The Christ-being will only be fully understood when we gain from it a feeling for the impulse to bring about a social unity of human beings over the whole earth. Or looked at the other way round: Only the Christ-being, fully understood, can lead to a right social impulse throughout the world.
[ 22 ] Wir blicken hin auf die Urweltweisheit, die sich aus gewissen instinktiven Untergründen heraus zu gewissen Höhen des Schauens nicht unseres heutigen, sondern des alten Schauens — entwickelt hat. Wir finden dieses Schauen in seinem letzten Ausbildungsstadium wie durch ein Weltsymbolum ausgedrückt bei demjenigen, was die drei Weisen aus dem Morgenlande, die Magier aus dem Morgenlande zu dem Christus Jesus hin getragen haben. Was sie zu dem Christus Jesus führte, ist urälteste und damals höchste Menschenweisheit. Und wir finden zu gleicher Zeit durch einen andern Evangelisten ausgedrückt die Art, wie der einzelne Mensch einfach aus den innersten Kräften seiner Seele heraus, wie im 'Traume, wo der einzelne auch mit sich allein ist— auch wenn er in Gesellschaft ist, allein ist —, wir finden, wie aus der Einsamkeit ihrer Seele träumend die Hirten auf dem Felde nun auch zu dem Christus Jesus hingeführt werden: der erste Aufgang eines neuen Zeitalters. Die Menschheit hatte schon vom 4. nachchristlichen Jahrhundert ab nicht mehr die Weisheit der Magier aus dem Morgenlande. Und in dem Zeitpunkte des Mysteriums von Golgatha haben wir Urweltweisheit in ihrer höchsten Ausbildung, die dann verglimmt, sich begegnend, verschlungen mit demjenigen, was zunächst in höchster Weisheitsarmut auftritt, was aber immer weitere Ausbildung erfahren muß, so daß es zuletzt in jedem einzelnen Menschen wurzeln kann, aber auch alle Menschen miteinander verbindet. Diejenige Weisheit, welche die Magier aus dem Morgenlande hingeführt hat zu dem Christus Jesus, sie hat in seiner Jugend Augustinus noch versucht, aus ihren letzten Resten zu erhalten. Aber Augustinus hat sie bereits in einer Form empfangen, in der er sich auf die Dauer nicht zu ihr bekennen konnte. Sie war eben in den vollständigen Niedergang gekommen. Und Augustinus mußte sich wenden zu dem, was im Anfange der Entwickelung da war, was immer weiter und weiter gehen muß, was gesucht werden muß, damit die Menschheit wiederum zur Vereinigung über den ganzen Erdkreis kommen kann.
[ 22 ] We look to the archetypal wisdom, which developed out of instinctive foundations to a certain high degree of vision—not our vision but an ancient vision. We find this vision in its final phase expressed in the archetypal symbol of what the three wise men, the three Magi from the East, brought to Christ Jesus. What led them to Christ Jesus was the most ancient and, at that time, the highest wisdom of mankind. And at the same time we are told by another evangelist how the individual human being, out of the inmost forces of his soul, as though in a dream—for the individual is alone when he dreams, even though he may be in company with others—is also led to Christ Jesus, how the shepherds in the field, dreaming in their solitary souls, are led to Christ Jesus: the first beginning of a new age. By the fourth century AD mankind had lost the wisdom of the Magi from the East. At the time of the Mystery of Golgotha the highest archetypal wisdom—about to fade—meets and mingles with something that appears at first utterly devoid of wisdom, something which must be developed ever further, until in the end it can take root in every individual human being, uniting all mankind. In his youth, Augustine2 See Lecture One, Note 4 endeavoured to save the last remnants of the wisdom brought to Christ Jesus by the Magi from the East. But Augustine had already received it in a form to which he could not confess in the long run. It was even then too degenerate. So he had to turn to what had been present at the beginning of evolution, to what will have to progress ever further and further, to what must be sought in order that mankind may once again find unity over the whole face of the earth.
[ 23 ] Wenn wir diese Andeutungen — denn Andeutungen sollen es zunächst nur sein — in der richtigen Weise verfolgen, dann werden sie Kräfte abgeben, die tiefer und immer tiefer in das Verständnis der Christus-Wesenheit, in das Verständnis des Mysteriums von Golgatha hineinführen. Das ist es, was ich zu den Betrachtungen der letzten Woche heute noch habe hinzufügen wollen.
[ 23 ] If we pursue these hints—for that is all they are for the moment—in the right way, they will give us forces which will lead ever more profoundly into an understanding of the Christ-being, to an understanding of the Mystery of Golgotha. This is what I wanted to add to what we have been saying about the Being of Christ.
[ 24 ] Den nächsten Vortrag werde ich dann morgen um 8 Uhr hier halten.
[ 24 ] Not translated

