Old and New Initiation Methods
Drama and Poetry in the Shift
of Consciousness in the Modern Era
GA 210
19 March 1922, Dornach
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Alte und neue Einweihungsmethoden
12. Das Freiheitsideal bei Schiller und Goethe
12. Das Freiheitsideal bei Schiller und Goethe
[ 1 ] Verschiedene Anlässe haben uns dazu geführt, zu betrachten, wie im Übergange vom 13. ins 14. und 15. Jahrhundert das Zeitalter des Intellektualismus beginnt, das Zeitalter, das wir auch oft bezeichnet haben als das der fünften nachatlantischen Kultur. Es ist gerade dadurch charakterisiert, daß in diesem Zeitalter der Mensch dazu kommt, als das Tonangebende in allem seinem Streben das Intellektuelle zu betrachten. Wie sich dieser Intellektualismus auf den verschiedenen Gebieten des inneren Lebens ausgebildet hat, davon haben wir ja oft gesprochen. Alles, was charakteristisch ist für die Menschheitsentwickelung, hat eine innere Seite, durch die es sich mehr auslebt in den Empfindungen, in den Anschauungen der Menschen, in den herrschenden Willensimpulsen und dergleichen. Zugleich hat es aber auch eine äußere Seite, durch die es sich darlebt in den Zuständen, die sich geschichtlich in der Menschheitsentwickelung ergeben, und da muß man sagen, daß vorläufig der am meisten bezeichnende Ausdruck für das intellektualistische Zeitalter geschichtlich die Französische Revolution ist, diese große Weltbewegung vom Ende des 18. Jahrhunderts.
[ 1 ] Verschiedene Anlässe haben uns dazu geführt, zu betrachten, wie im Übergange vom 13. ins 14. und 15. Jahrhundert das Zeitalter des Intellektualismus beginnt, das Zeitalter, das wir auch oft bezeichnet haben als das der fünften nachatlantischen Kultur. Es ist gerade dadurch charakterisiert, daß in diesem Zeitalter der Mensch dazu kommt, als das Tonangebende in allem seinem Streben das Intellektuelle zu betrachten. Wie sich dieser Intellektualismus auf den verschiedenen Gebieten des inneren Lebens ausgebildet hat, davon haben wir ja oft gesprochen. Alles, was charakteristisch ist für die Menschheitsentwickelung, hat eine innere Seite, durch die es sich mehr auslebt in den Empfindungen, in den Anschauungen der Menschen, in den herrschenden Willensimpulsen und dergleichen. Zugleich hat es aber auch eine äußere Seite, durch die es sich darlebt in den Zuständen, die sich geschichtlich in der Menschheitsentwickelung ergeben, und da muß man sagen, daß vorläufig der am meisten bezeichnende Ausdruck für das intellektualistische Zeitalter geschichtlich die Französische Revolution ist, diese große Weltbewegung vom Ende des 18. Jahrhunderts.
[ 2 ] Allerdings, vieles hat im Menschheitsleben durch lange Zeiten hindurch darauf hingewiesen, wie eine solche Art des sozialen Zusammenseins angestrebt werden soll, wie sie dann in der Französischen Revolution tumultuarisch zum Ausdrucke gekommen ist. Und vieles ist wiederum von der Französischen Revolution geblieben, das in der einen oder in der andern Form da oder dort auflebt, und zwar auflebt in den äußeren sozialen Zuständen der Menschheit. Man braucht sich ja nur zu überlegen, wie die Französische Revolution etwas darstellt, was in der Art, wie sie sich am Ende des 18. Jahrhunderts dargelebt hat, vorher nicht möglich gewesen wäre, und zwar aus dem Grunde, weil für alles, was der Mensch hier auf der Erde anstrebte, er eigentlich nicht die volle Befriedigung auch auf dieser Erde gesucht hat.
[ 2 ] Allerdings, vieles hat im Menschheitsleben durch lange Zeiten hindurch darauf hingewiesen, wie eine solche Art des sozialen Zusammenseins angestrebt werden soll, wie sie dann in der Französischen Revolution tumultuarisch zum Ausdrucke gekommen ist. Und vieles ist wiederum von der Französischen Revolution geblieben, das in der einen oder in der andern Form da oder dort auflebt, und zwar auflebt in den äußeren sozialen Zuständen der Menschheit. Man braucht sich ja nur zu überlegen, wie die Französische Revolution etwas darstellt, was in der Art, wie sie sich am Ende des 18. Jahrhunderts dargelebt hat, vorher nicht möglich gewesen wäre, und zwar aus dem Grunde, weil für alles, was der Mensch hier auf der Erde anstrebte, er eigentlich nicht die volle Befriedigung auch auf dieser Erde gesucht hat.
[ 3 ] Seien Sie sich doch klar darüber, es hat vor dem Zeitalter der Französischen Revolution in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit niemals eine Epoche gegeben, in der sich die Menschen gesagt hätten: Alles, was der Mensch durch sein Denken, Fühlen, Wollen anstreben kann, das muß auch einen äußeren entsprechenden Ausdruck im irdischen Dasein selber finden. — In jenem Zeitalter, das der Französischen Revolution vorangegangen ist, war man sich klar darüber, daß die Erde nicht alles hergeben kann, was der Mensch an Bedürfnissen seines Geistes, seiner Seele und seines Leibes haben kann. Der Mensch hat sich immer mit einer übersinnlichen Welt verbunden gefühlt und hat es dieser übersinnlichen Welt zugeschrieben, daß sie befriedigen müsse, was auf der Erde nicht befriedigt werden kann.
[ 3 ] Seien Sie sich doch klar darüber, es hat vor dem Zeitalter der Französischen Revolution in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit niemals eine Epoche gegeben, in der sich die Menschen gesagt hätten: Alles, was der Mensch durch sein Denken, Fühlen, Wollen anstreben kann, das muß auch einen äußeren entsprechenden Ausdruck im irdischen Dasein selber finden. — In jenem Zeitalter, das der Französischen Revolution vorangegangen ist, war man sich klar darüber, daß die Erde nicht alles hergeben kann, was der Mensch an Bedürfnissen seines Geistes, seiner Seele und seines Leibes haben kann. Der Mensch hat sich immer mit einer übersinnlichen Welt verbunden gefühlt und hat es dieser übersinnlichen Welt zugeschrieben, daß sie befriedigen müsse, was auf der Erde nicht befriedigt werden kann.
[ 4 ] Allerdings, lange bevor die Französische Revolution ihren tumultuarischen Ausdruck fand, strebte man auf den verschiedensten Gebieten der zivilisierten Welt dahin, eine soziale Ordnung herbeizuführen, durch die auf der Erde möglichst viel von den menschlichen Bedürfnissen befriedigt werden kann. Die Französische Revolution aber hat ihren Grundcharakter darin, daß einfach ein sozialer Zustand hervorgerufen werden sollte, der ein entsprechender Ausdruck für menschliches Denken, Fühlen und Wollen schon hier auf der Erde ist. Das ist im wesentlichen das Streben des Intellektualismus.
[ 4 ] Allerdings, lange bevor die Französische Revolution ihren tumultuarischen Ausdruck fand, strebte man auf den verschiedensten Gebieten der zivilisierten Welt dahin, eine soziale Ordnung herbeizuführen, durch die auf der Erde möglichst viel von den menschlichen Bedürfnissen befriedigt werden kann. Die Französische Revolution aber hat ihren Grundcharakter darin, daß einfach ein sozialer Zustand hervorgerufen werden sollte, der ein entsprechender Ausdruck für menschliches Denken, Fühlen und Wollen schon hier auf der Erde ist. Das ist im wesentlichen das Streben des Intellektualismus.
[ 5 ] Der Intellektualismus hat als sein Gebiet das irdische Dasein. Alles, was in der sinnlich-physischen Welt vorliegt, das will der Intellektualismus befriedigen. Er will also auch innerhalb der physischen Erdenordnung solche soziale Zustände herbeiführen, welche ein Ausdruck für das Intellektuelle sind. Bis zur Anbetung der Göttin der Vernunft, womit aber eigentlich gemeint war die Göttin des Intellekts, geht ja dieses Streben, in den sozialen Zuständen das hervorzurufen, was der Mensch anstreben kann. Man kann also sagen: Von sehr alten Zuständen, in denen die Menschen sich richteten nach den Impulsen, die ihnen von den Eingeweihten und Mysterienschülern kamen, durch welche sie das Göttlich-Geistige selbst in ihre soziale Ordnung aufnahmen, von jenen alten Zuständen her bewegte sich das soziale Streben der Menschheit etwa zu den ägyptischen Zuständen, wo in die soziale Ordnung aufgenommen wurde dasjenige, was die Könige von den Priestern erfuhren über den Willen der Menschheitsentwickelung, wie er sich etwa in den Sternen ausspricht. Später dann, im älteren Rom, noch im königlichen Rom, versuchte man — es wird das angedeutet durch die Unterredung des Numa Pompilius mit der Nymphe Egeria —, durch die Erforschung der geistigen Welt das hervorzurufen, was soziale Zustände sein sollten. Immer mehr und mehr entwickelte sich dann aus diesem Ineinanderweben des Geistigen mit dem Sinnlich-Sozialen die Forderung: Alles soll auf der Erde so gestaltet werden, daß es ein unmittelbarer Ausdruck des Intellekts sei.
[ 5 ] Der Intellektualismus hat als sein Gebiet das irdische Dasein. Alles, was in der sinnlich-physischen Welt vorliegt, das will der Intellektualismus befriedigen. Er will also auch innerhalb der physischen Erdenordnung solche soziale Zustände herbeiführen, welche ein Ausdruck für das Intellektuelle sind. Bis zur Anbetung der Göttin der Vernunft, womit aber eigentlich gemeint war die Göttin des Intellekts, geht ja dieses Streben, in den sozialen Zuständen das hervorzurufen, was der Mensch anstreben kann. Man kann also sagen: Von sehr alten Zuständen, in denen die Menschen sich richteten nach den Impulsen, die ihnen von den Eingeweihten und Mysterienschülern kamen, durch welche sie das Göttlich-Geistige selbst in ihre soziale Ordnung aufnahmen, von jenen alten Zuständen her bewegte sich das soziale Streben der Menschheit etwa zu den ägyptischen Zuständen, wo in die soziale Ordnung aufgenommen wurde dasjenige, was die Könige von den Priestern erfuhren über den Willen der Menschheitsentwickelung, wie er sich etwa in den Sternen ausspricht. Später dann, im älteren Rom, noch im königlichen Rom, versuchte man — es wird das angedeutet durch die Unterredung des Numa Pompilius mit der Nymphe Egeria —, durch die Erforschung der geistigen Welt das hervorzurufen, was soziale Zustände sein sollten. Immer mehr und mehr entwickelte sich dann aus diesem Ineinanderweben des Geistigen mit dem Sinnlich-Sozialen die Forderung: Alles soll auf der Erde so gestaltet werden, daß es ein unmittelbarer Ausdruck des Intellekts sei.


[ 6 ] Will man schematisch solch einen Gang darstellen, so muß man ihn in der Form einer absteigenden Kurve darstellen. Im Tiefpunkt steht dann die Französische Revolution (siehe Zeichnung), von hier aus mußte es dann wieder aufwärtsgehen. Dieses Aufwärtsgehen wurde auch sogleich wiederum als eine Reaktion auf die Französische Revolution versucht, und wir sehen ja genau, wie zum Beispiel Schiller wir können es in den Briefen «Über die ästhetische Erziehung» selber lesen — angeregt worden ist, durch das, was durchaus in der Französischen Revolution auf äußerliche Weise zum Ausdruck kam, nun im Inneren des Menschen wiederum einen Anschluß an die geistige Welt zu suchen. Für Schiller entstand die Frage: Wenn es unmöglich ist, hier auf der Erde eine vollkommene soziale Ordnung hervorzurufen, wie kann der Mensch zu dem kommen, was ihn in bezug auf sein Denken, Fühlen und Wollen befriedigen kann; wie kann der Mensch auf dieser Erde zur Freiheit kommen?
[ 6 ] Will man schematisch solch einen Gang darstellen, so muß man ihn in der Form einer absteigenden Kurve darstellen. Im Tiefpunkt steht dann die Französische Revolution (siehe Zeichnung), von hier aus mußte es dann wieder aufwärtsgehen. Dieses Aufwärtsgehen wurde auch sogleich wiederum als eine Reaktion auf die Französische Revolution versucht, und wir sehen ja genau, wie zum Beispiel Schiller wir können es in den Briefen «Über die ästhetische Erziehung» selber lesen — angeregt worden ist, durch das, was durchaus in der Französischen Revolution auf äußerliche Weise zum Ausdruck kam, nun im Inneren des Menschen wiederum einen Anschluß an die geistige Welt zu suchen. Für Schiller entstand die Frage: Wenn es unmöglich ist, hier auf der Erde eine vollkommene soziale Ordnung hervorzurufen, wie kann der Mensch zu dem kommen, was ihn in bezug auf sein Denken, Fühlen und Wollen befriedigen kann; wie kann der Mensch auf dieser Erde zur Freiheit kommen?
[ 7 ] Und Schiller beantwortete diese Frage dahin, daß er sagte: Wenn der Mensch logisch, der Vernunftnotwendigkeit nachlebt, so ist er eben ein Diener der Vernunftnotwendigkeit, er ist kein freies Wesen. Wenn der Mensch seinen sinnlichen Trieben folgt, seinen bloßen Instinkten, dann gehorcht er wiederum der Naturnotwendigkeit, er ist kein freies Wesen. — Und Schiller kam dazu, sich zu sagen: Eigentlich ist der Mensch ein freies Wesen nur dann, wenn er entweder künstlerisch schafft oder genießt. Eine Verwirklichung der Freiheit in der Welt kann es einzig und allein nur dadurch geben, daß der Mensch künstlerisch arbeitend oder künstlerisch genießend ist. Da wird im künstlerischen Anschauen ausgeglichen, was sonst Zwang der Vernunftnotwendigkeit ist oder Zwang der Naturnotdurft, wie Schiller sich ausdrückt. Indem der Mensch im Künstlerischen lebt, ist es Ja so, daß er in dem Kunstobjekte nicht einen solchen Zwang des Gedankens empfindet wie beim logischen Forschen. Auch in dem, was ihm entgegentritt durch die Sinne, empfindet er nicht den sinnlichen Reiz, sondern dersinnlicheReiz wird geadelt durch das geistige Anschauen im Künstlerischen. Der Mensch ist also, insofern er ein der Kunst fähiges Wesen ist, auch fähig, die Freiheit innerhalb des irdischen Daseins zu entfalten.
[ 7 ] Und Schiller beantwortete diese Frage dahin, daß er sagte: Wenn der Mensch logisch, der Vernunftnotwendigkeit nachlebt, so ist er eben ein Diener der Vernunftnotwendigkeit, er ist kein freies Wesen. Wenn der Mensch seinen sinnlichen Trieben folgt, seinen bloßen Instinkten, dann gehorcht er wiederum der Naturnotwendigkeit, er ist kein freies Wesen. — Und Schiller kam dazu, sich zu sagen: Eigentlich ist der Mensch ein freies Wesen nur dann, wenn er entweder künstlerisch schafft oder genießt. Eine Verwirklichung der Freiheit in der Welt kann es einzig und allein nur dadurch geben, daß der Mensch künstlerisch arbeitend oder künstlerisch genießend ist. Da wird im künstlerischen Anschauen ausgeglichen, was sonst Zwang der Vernunftnotwendigkeit ist oder Zwang der Naturnotdurft, wie Schiller sich ausdrückt. Indem der Mensch im Künstlerischen lebt, ist es Ja so, daß er in dem Kunstobjekte nicht einen solchen Zwang des Gedankens empfindet wie beim logischen Forschen. Auch in dem, was ihm entgegentritt durch die Sinne, empfindet er nicht den sinnlichen Reiz, sondern dersinnlicheReiz wird geadelt durch das geistige Anschauen im Künstlerischen. Der Mensch ist also, insofern er ein der Kunst fähiges Wesen ist, auch fähig, die Freiheit innerhalb des irdischen Daseins zu entfalten.
[ 8 ] Schiller sucht also die Frage zu beantworten: Wie kann der Mensch als soziales Wesen zur Freiheit kommen? — Und er kommt zu der Antwort, daß der Mensch nur als ein für Kunst empfängliches Wesen zur Freiheit kommen kann, daß er nicht frei sein könne in der Hingabe an die Vernunftnotwendigkeit, und ebensowenig i in der Hingabe an die Naturnotwendigkeit.
[ 8 ] Schiller sucht also die Frage zu beantworten: Wie kann der Mensch als soziales Wesen zur Freiheit kommen? — Und er kommt zu der Antwort, daß der Mensch nur als ein für Kunst empfängliches Wesen zur Freiheit kommen kann, daß er nicht frei sein könne in der Hingabe an die Vernunftnotwendigkeit, und ebensowenig i in der Hingabe an die Naturnotwendigkeit.
[ 9 ] Es kam in der Zeit, in der Schiller seine Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» schrieb, dies gerade im wechselseitigen Verkehr Goethes und Schillers in einer großartigen Weise zum Ausdrucke. Dies zeigt sich darin, wie Schiller aufgenommen hat dasjenige, was Goethe dazumal umarbeitete an seinem «Wilhelm Meister», wie er hingerissen war von dieser Art der Darstellung, von dieser innerlichen Freiheitsdarstellung, weil Goethe als Künstler gar nicht ein intellektualistischer, sondern ein im freien Gedanken schaffender Geist war, der aber auf der andern Seite durchaus innerhalb des sinnlichen Erlebens in der Kunst stehenblieb. Das empfand Schiller. Er empfand Goethes künstlerische Betätigung so frei, wie das Spiel des Kindes frei ist. Und wir sehen, wie Schiller enthusiasmiert ist von dieser an das Spiel des Kindes erinnernden freien künstlerischen Betätigung des Menschen. Das begeisterte ihn ja zu dem Ausspruche: Der Künstler ist der einzige wahre Mensch, und der beste Philosoph ist gegen ihn nur eine Karikatur — wie es in einem Brief an Goethe heißt. Das begeisterte ihn aber auch zu dem Ausspruch: Der Mensch ist nur dann ganz Mensch, wenn er spielt, und er spielt eigentlich nur, wenn er ganz Mensch ist. — Damit ist nicht ein frivoles oder ein unterhaltsames Spiel gemeint, sondern es ist das künstlerische Tun und das künstlerische Genießen gemeint. Es ist das Verweilen des Menschen im künstlerischen Erleben gemeint, und es ist damit gemeint das wirkliche Freiwerden des Menschen.
[ 9 ] Es kam in der Zeit, in der Schiller seine Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» schrieb, dies gerade im wechselseitigen Verkehr Goethes und Schillers in einer großartigen Weise zum Ausdrucke. Dies zeigt sich darin, wie Schiller aufgenommen hat dasjenige, was Goethe dazumal umarbeitete an seinem «Wilhelm Meister», wie er hingerissen war von dieser Art der Darstellung, von dieser innerlichen Freiheitsdarstellung, weil Goethe als Künstler gar nicht ein intellektualistischer, sondern ein im freien Gedanken schaffender Geist war, der aber auf der andern Seite durchaus innerhalb des sinnlichen Erlebens in der Kunst stehenblieb. Das empfand Schiller. Er empfand Goethes künstlerische Betätigung so frei, wie das Spiel des Kindes frei ist. Und wir sehen, wie Schiller enthusiasmiert ist von dieser an das Spiel des Kindes erinnernden freien künstlerischen Betätigung des Menschen. Das begeisterte ihn ja zu dem Ausspruche: Der Künstler ist der einzige wahre Mensch, und der beste Philosoph ist gegen ihn nur eine Karikatur — wie es in einem Brief an Goethe heißt. Das begeisterte ihn aber auch zu dem Ausspruch: Der Mensch ist nur dann ganz Mensch, wenn er spielt, und er spielt eigentlich nur, wenn er ganz Mensch ist. — Damit ist nicht ein frivoles oder ein unterhaltsames Spiel gemeint, sondern es ist das künstlerische Tun und das künstlerische Genießen gemeint. Es ist das Verweilen des Menschen im künstlerischen Erleben gemeint, und es ist damit gemeint das wirkliche Freiwerden des Menschen.
[ 10 ] Nun, um welchen Preis wollte man sich denn da, wo man von dem, was in der Französischen Revolution als soziale Ordnung angestrebt worden war, wieder hinaufstrebte zu etwas, was der Mensch sich innerlich erringen muß, was ihm nicht durch äußere staatliche Einrichtungen gegeben werden kann — um welchen Preis wollte sich denn da der Mensch diese soziale Freiheit erkaufen? Er wollte sie sich erkaufen um den Preis, daß sie ihm nicht gegeben werden könne beim logischen Nachdenken, nicht gegeben werden könne äußerlich im gewöhnlichen physischen Leben, sondern nur in der ausschließlichen Betätigung im künstlerischen Erleben.
[ 10 ] Nun, um welchen Preis wollte man sich denn da, wo man von dem, was in der Französischen Revolution als soziale Ordnung angestrebt worden war, wieder hinaufstrebte zu etwas, was der Mensch sich innerlich erringen muß, was ihm nicht durch äußere staatliche Einrichtungen gegeben werden kann — um welchen Preis wollte sich denn da der Mensch diese soziale Freiheit erkaufen? Er wollte sie sich erkaufen um den Preis, daß sie ihm nicht gegeben werden könne beim logischen Nachdenken, nicht gegeben werden könne äußerlich im gewöhnlichen physischen Leben, sondern nur in der ausschließlichen Betätigung im künstlerischen Erleben.
[ 11 ] Man möchte sagen, man findet einen Abdruck dieser Empfindungen gerade bei den besten Geistern dieses Zeitalters, bei Schiller in theoretischer Form, bei Goethe, der ja praktisch dies Leben in der Freiheit geübt hat. Sehen wir uns einmal die Gestalten Goethes an, die er aus dem Leben heraus schuf und an denen er darstellen wollte das echt Menschliche, das wahrhaft Menschliche. Sehen wir uns den «Wilhelm Meister» an. Wilhelm Meister ist eine Persönlichkeit, an der Goethe das echte, wahre Menschentum darstellen wollte. Aber für das Gesamtauffassen des Lebens ist ja Wilhelm Meister im Grunde genommen ein Bummler. Er ist kein Mensch, der im höchsten Sinne des Wortes nach einer die Seele tragenden Weltanschauung sucht. Er ist auch kein Mensch, der im äußeren Leben einen Beruf, eine Arbeit ergreifen kann. Er bummelt so durch das Leben. Dem liegt zugrunde, daß eigentlich jenes Freiheitsideal, das bei Goethe und Schiller angestrebt wurde, nur erreicht werden konnte von Menschen, die sich aus dem denkerischen und arbeitsamen Leben herausreißen. Man möchte sagen, Schiller und Goethe wollten hinweisen auf die Illusion der Französischen Revolution, auf den illusionären Glauben, als ob irgend etwas Äußeres, ein Staat, dem Menschen die Freiheit geben könne. Sie wollten darauf hinweisen, wie der Mensch sich diese Freiheit nur im Inneren erringen könne.
[ 11 ] Man möchte sagen, man findet einen Abdruck dieser Empfindungen gerade bei den besten Geistern dieses Zeitalters, bei Schiller in theoretischer Form, bei Goethe, der ja praktisch dies Leben in der Freiheit geübt hat. Sehen wir uns einmal die Gestalten Goethes an, die er aus dem Leben heraus schuf und an denen er darstellen wollte das echt Menschliche, das wahrhaft Menschliche. Sehen wir uns den «Wilhelm Meister» an. Wilhelm Meister ist eine Persönlichkeit, an der Goethe das echte, wahre Menschentum darstellen wollte. Aber für das Gesamtauffassen des Lebens ist ja Wilhelm Meister im Grunde genommen ein Bummler. Er ist kein Mensch, der im höchsten Sinne des Wortes nach einer die Seele tragenden Weltanschauung sucht. Er ist auch kein Mensch, der im äußeren Leben einen Beruf, eine Arbeit ergreifen kann. Er bummelt so durch das Leben. Dem liegt zugrunde, daß eigentlich jenes Freiheitsideal, das bei Goethe und Schiller angestrebt wurde, nur erreicht werden konnte von Menschen, die sich aus dem denkerischen und arbeitsamen Leben herausreißen. Man möchte sagen, Schiller und Goethe wollten hinweisen auf die Illusion der Französischen Revolution, auf den illusionären Glauben, als ob irgend etwas Äußeres, ein Staat, dem Menschen die Freiheit geben könne. Sie wollten darauf hinweisen, wie der Mensch sich diese Freiheit nur im Inneren erringen könne.
[ 12 ] Damit ist allerdings jener große Gegensatz zwischen Mitteleuropa und dem romanischen Westeuropa gegeben. Das romanische Westeuropa glaubte in einem absoluten Sinne an die Macht des Staates, glaubt ja bis heute daran. Und in Mitteleuropa entstand dagegen die Reaktion, daß das Menschenideal eigentlich nur innerlich gefunden werden könne. Aber es geschah eben auf Kosten des sich voll Hineinstellens in das Leben. Heraus aus dem Leben mußte solch ein Mensch wie Wilhelm Meister streben.
[ 12 ] Damit ist allerdings jener große Gegensatz zwischen Mitteleuropa und dem romanischen Westeuropa gegeben. Das romanische Westeuropa glaubte in einem absoluten Sinne an die Macht des Staates, glaubt ja bis heute daran. Und in Mitteleuropa entstand dagegen die Reaktion, daß das Menschenideal eigentlich nur innerlich gefunden werden könne. Aber es geschah eben auf Kosten des sich voll Hineinstellens in das Leben. Heraus aus dem Leben mußte solch ein Mensch wie Wilhelm Meister streben.
[ 13 ] Man sieht, im ersten Anhub konnte nicht das volle Menschentum in dem wirklichen Menschen gefunden werden. Natürlich, wenn alle Menschen Künstler werden sollten, um, wie Schiller sagte, die «ästhetische Gesellschaft» zu begründen, dann würden wir vielleicht eine ästhetische Gesellschaft haben, aber sehr lebensfähig würde diese ästhetische Gesellschaft nicht sein. Ich kann mir zum Beispiel, um gleich etwas Radikales zu sagen, nicht recht vorstellen, wie in dieser ästhetischen Gesellschaft die Kloaken geräumt würden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie in dieser ästhetischen Gesellschaft mancherlei von dem geleistet werden sollte, was nun einmal nach strengen logischen Begriffen zu leisten ist. Das Ideal der Freiheit stand leuchtend vor den Menschen, aber der Mensch konnte nicht aus einem vollen Darinnenstehen im Leben nach einer Verwirklichung dieses Ideals der Freiheit streben. Es mußte jener Hinaufschwung nach dem Übersinnlichen wiederum gesucht werden, und zwar jetzt in bewußter Form, wie früher ein Herunterschwung atavistisch stattgefunden hatte; es mußte ein Wiederhinaufschwung in die geistige Welt gesucht werden. Das Ideal der Freiheit mußte festgehalten werden, aber der Aufschwung mußte gesucht werden. Man mußte zunächst die Möglichkeit gewinnen, für das Handeln des Menschen, für das Darinnenstehen im handelnden Leben die Freiheit zu sichern. Das konnte man nur, wie mir schien, auf dem Wege, der in meiner «Philosophie der Freiheit» vorgezeichnet ist.
[ 13 ] Man sieht, im ersten Anhub konnte nicht das volle Menschentum in dem wirklichen Menschen gefunden werden. Natürlich, wenn alle Menschen Künstler werden sollten, um, wie Schiller sagte, die «ästhetische Gesellschaft» zu begründen, dann würden wir vielleicht eine ästhetische Gesellschaft haben, aber sehr lebensfähig würde diese ästhetische Gesellschaft nicht sein. Ich kann mir zum Beispiel, um gleich etwas Radikales zu sagen, nicht recht vorstellen, wie in dieser ästhetischen Gesellschaft die Kloaken geräumt würden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie in dieser ästhetischen Gesellschaft mancherlei von dem geleistet werden sollte, was nun einmal nach strengen logischen Begriffen zu leisten ist. Das Ideal der Freiheit stand leuchtend vor den Menschen, aber der Mensch konnte nicht aus einem vollen Darinnenstehen im Leben nach einer Verwirklichung dieses Ideals der Freiheit streben. Es mußte jener Hinaufschwung nach dem Übersinnlichen wiederum gesucht werden, und zwar jetzt in bewußter Form, wie früher ein Herunterschwung atavistisch stattgefunden hatte; es mußte ein Wiederhinaufschwung in die geistige Welt gesucht werden. Das Ideal der Freiheit mußte festgehalten werden, aber der Aufschwung mußte gesucht werden. Man mußte zunächst die Möglichkeit gewinnen, für das Handeln des Menschen, für das Darinnenstehen im handelnden Leben die Freiheit zu sichern. Das konnte man nur, wie mir schien, auf dem Wege, der in meiner «Philosophie der Freiheit» vorgezeichnet ist.
[ 14 ] Wenn der Mensch sich zu jener inneren Seelenverfassung aufschwingt, durch die er überhaupt fähig wird, im reinen Gedanken, wie ich jetzt dargestellt habe, sittliche Impulse zu finden, dann wird er ein freier Mensch trotz dem völligsten Sich-Hineinstellen ins Leben. Daher mußte ich in meiner «Philosophie der Freiheit» einen Begriff einführen, den man sonst in Moralbeschreibungen, in Moralpredigten nicht findet: den Begriff des sittlichen Taktes, des selbstverständlichen Handelns aus sittlichem Takt, des Übergehens sittlicher Impulse in gewohnheitsmäßiges Handeln.
[ 14 ] Wenn der Mensch sich zu jener inneren Seelenverfassung aufschwingt, durch die er überhaupt fähig wird, im reinen Gedanken, wie ich jetzt dargestellt habe, sittliche Impulse zu finden, dann wird er ein freier Mensch trotz dem völligsten Sich-Hineinstellen ins Leben. Daher mußte ich in meiner «Philosophie der Freiheit» einen Begriff einführen, den man sonst in Moralbeschreibungen, in Moralpredigten nicht findet: den Begriff des sittlichen Taktes, des selbstverständlichen Handelns aus sittlichem Takt, des Übergehens sittlicher Impulse in gewohnheitsmäßiges Handeln.
[ 15 ] Nehmen Sie die Rolle, die der Takt, der moralische Takt in meiner «Philosophie der Freiheit» spielt, so werden Sie sehen, wie da nicht bloß, wie in der ästhetischen Gesellschaft, in das Fühlen, sondern wie da auch in das Wollen die wirkliche menschliche Freiheit, das heißt das gesamte Menschtum eingeführt werden sollte. Derjenige Mensch, der dann überhaupt dazu gekommen ist, eine solche Seelenverfassung zu haben, daß in seinem Wollen reine Gedanken als sittliche Impulse leben können, der darf sich dann in das Leben, und wenn es sonst noch so lastend ist, hineinstellen — er wird die Möglichkeit haben, als ein freier Mensch in diesem Leben drinnenzustehen, insofern das Leben Handlung, Tat von uns verlangt.
[ 15 ] Nehmen Sie die Rolle, die der Takt, der moralische Takt in meiner «Philosophie der Freiheit» spielt, so werden Sie sehen, wie da nicht bloß, wie in der ästhetischen Gesellschaft, in das Fühlen, sondern wie da auch in das Wollen die wirkliche menschliche Freiheit, das heißt das gesamte Menschtum eingeführt werden sollte. Derjenige Mensch, der dann überhaupt dazu gekommen ist, eine solche Seelenverfassung zu haben, daß in seinem Wollen reine Gedanken als sittliche Impulse leben können, der darf sich dann in das Leben, und wenn es sonst noch so lastend ist, hineinstellen — er wird die Möglichkeit haben, als ein freier Mensch in diesem Leben drinnenzustehen, insofern das Leben Handlung, Tat von uns verlangt.
[ 16 ] Und dazu mußte dann die Möglichkeit gesucht werden, auch für das, was Vernunftnotwendigkeit ist, was gedankliche Erfassung der Welt ist, das zu finden, was dem Menschen die Freiheit sichert, die Unabhängigkeit von dem äußeren Zwange. Das wiederum konnte nur geschehen durch anthroposophische Geisteswissenschaft. Dadurch, daß der Mensch die Möglichkeit verstehen lernt, sich in das hineinzufinden, was im Geiste von den Weltengeheimnissen und Weltenrätseln erlebt wird, lebt er sich in Gedanken mit seinem Menschtum zusammen mit dem inneren Geiste der Welt. Und er gelangt durch Freiheit in die Wissenschaft vom Geiste hinein.
[ 16 ] Und dazu mußte dann die Möglichkeit gesucht werden, auch für das, was Vernunftnotwendigkeit ist, was gedankliche Erfassung der Welt ist, das zu finden, was dem Menschen die Freiheit sichert, die Unabhängigkeit von dem äußeren Zwange. Das wiederum konnte nur geschehen durch anthroposophische Geisteswissenschaft. Dadurch, daß der Mensch die Möglichkeit verstehen lernt, sich in das hineinzufinden, was im Geiste von den Weltengeheimnissen und Weltenrätseln erlebt wird, lebt er sich in Gedanken mit seinem Menschtum zusammen mit dem inneren Geiste der Welt. Und er gelangt durch Freiheit in die Wissenschaft vom Geiste hinein.
[ 17 ] Was da vorliegt kann man am besten daran sehen, wie die Menschen auf diesem Gebiete eigentlich heute noch sich furchtbar sträuben, frei zu werden. Das ist wiederum ein Gesichtspunkt, von dem aus man die Gegnerschaft gegen die Anthroposophie verstehen kann. Die Menschen wollen nicht frei sein auf geistigem Gebiete. Sie wollen durch irgend etwas gezwungen, geführt, gelenkt werden. Und weil es jedem freisteht, das Geistige anzuerkennen oder abzulehnen, so lehnen die Menschen es eben ab und wählen dasjenige, demgegenüber es dem Menschen nicht freisteht, es anzuerkennen oder abzulehnen.
[ 17 ] Was da vorliegt kann man am besten daran sehen, wie die Menschen auf diesem Gebiete eigentlich heute noch sich furchtbar sträuben, frei zu werden. Das ist wiederum ein Gesichtspunkt, von dem aus man die Gegnerschaft gegen die Anthroposophie verstehen kann. Die Menschen wollen nicht frei sein auf geistigem Gebiete. Sie wollen durch irgend etwas gezwungen, geführt, gelenkt werden. Und weil es jedem freisteht, das Geistige anzuerkennen oder abzulehnen, so lehnen die Menschen es eben ab und wählen dasjenige, demgegenüber es dem Menschen nicht freisteht, es anzuerkennen oder abzulehnen.
[ 18 ] Ob es blitzt und donnert, ob im Laboratorium durch einen gewissen Vorgang sich Sauerstoff und Wasserstoff vereinigen, darüber gibt es keinen Entschluß, es anzuerkennen, oder nicht anzuerkennen. Ob es Angeloi und Archangeloi gibt, das anzuerkennen steht dem Menschen frei. Er kann es auch leugnen. Der Mensch aber, der nun einen wirklichen Freiheitsimpuls hat, der kommt schon durch diesen Freiheitsimpuls zur Anerkennung des Geistigen im Denken. Es kann dasjenige, was als erster Anhub in Schillers Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen», in Goethes ganzem künstlerischem Wirken enthalten war — die Verwirklichung der menschlichen Freiheit durch inneres Ringen, durch inneres Streben —, es kann das eben nur dann erreicht werden, wenn man anerkennt, daß der Mensch zu dem, was er im künstlerischen Erleben als freies Wesen hat, auch hinzufügen kann ein freies Erleben in dem Reiche des Denkens, ein freies Erleben im Reiche des Wollens, das nur in der richtigen Weise ausgebildet werden muß.
[ 18 ] Ob es blitzt und donnert, ob im Laboratorium durch einen gewissen Vorgang sich Sauerstoff und Wasserstoff vereinigen, darüber gibt es keinen Entschluß, es anzuerkennen, oder nicht anzuerkennen. Ob es Angeloi und Archangeloi gibt, das anzuerkennen steht dem Menschen frei. Er kann es auch leugnen. Der Mensch aber, der nun einen wirklichen Freiheitsimpuls hat, der kommt schon durch diesen Freiheitsimpuls zur Anerkennung des Geistigen im Denken. Es kann dasjenige, was als erster Anhub in Schillers Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen», in Goethes ganzem künstlerischem Wirken enthalten war — die Verwirklichung der menschlichen Freiheit durch inneres Ringen, durch inneres Streben —, es kann das eben nur dann erreicht werden, wenn man anerkennt, daß der Mensch zu dem, was er im künstlerischen Erleben als freies Wesen hat, auch hinzufügen kann ein freies Erleben in dem Reiche des Denkens, ein freies Erleben im Reiche des Wollens, das nur in der richtigen Weise ausgebildet werden muß.
[ 19 ] Schiller nahm eben einfach das, was das intellektuelle Zeitalter dargeboten hat. Die Kunst strebte im Zeitalter Schillers noch aus diesem Intellektualismus heraus. Darin fand Schiller noch die menschliche Freiheit. Was aber der Intellektualismus dem Gedanken darbietet, ist unfrei, unterliegt dem logischen Zwang. Da erkannte Schiller nicht die Möglichkeit an, daß Freiheit walte, ebensowenig im Handeln, im gewöhnlichen harten Leben. Das mußten wir uns erst erringen durch die Einführung anthroposophischer Geisteswissenschaft, daß die Freiheit auch anerkannt werden konnte auf dem Gebiete des Denkens und auf dem Gebiete des Wollens. Denn Schiller und Goethe erkannten sie nur an auf dem Gebiete des Fühlens.
[ 19 ] Schiller nahm eben einfach das, was das intellektuelle Zeitalter dargeboten hat. Die Kunst strebte im Zeitalter Schillers noch aus diesem Intellektualismus heraus. Darin fand Schiller noch die menschliche Freiheit. Was aber der Intellektualismus dem Gedanken darbietet, ist unfrei, unterliegt dem logischen Zwang. Da erkannte Schiller nicht die Möglichkeit an, daß Freiheit walte, ebensowenig im Handeln, im gewöhnlichen harten Leben. Das mußten wir uns erst erringen durch die Einführung anthroposophischer Geisteswissenschaft, daß die Freiheit auch anerkannt werden konnte auf dem Gebiete des Denkens und auf dem Gebiete des Wollens. Denn Schiller und Goethe erkannten sie nur an auf dem Gebiete des Fühlens.
[ 20 ] Aber ein solcher Weg zur vollen Anerkennung der menschlichen Freiheit ist ja nur möglich, wenn der Mensch auch zu einer inneren Anschauung von dem Zusammenhang dessen, was ihm in der Seele als Geistiges erlebbar ist, mit dem Natürlichen kommt. Solange wie zwei abstrakte Begriffe, Natur und Geist, nebeneinander stehen für die menschliche Anschauung, so lange kann der Mensch nicht in einem solchen Sinne zu einer wirklichen Auffassung der Freiheit fortschreiten, wie ich es angeführt habe. Derjenige, der, ohne daß er sich selber durch Meditation, Konzentration und so weiter in die geistige Welt hineinlebt, der nur durch seinen gesunden Menschenverstand das anerkennt, was durch Imagination, Inspiration und Intuition gefunden ist, der erlebt aber bei diesem Anerkennen durchaus etwas. So zum Beispiel wird jemand, der einfach in den Büchern liest oder in Vorträgen hört — ohne daß er dabei schläft — was durch Imagination aus der Welt hervorgeholt wird, der wird schon nötig haben, sich anders an diese Offenbarungen der geistigen Welt heranzumachen als an das, was in einem heutigen Physik- oder Chemiebuche oder in einer Botanik oder in einer Zoologie geschrieben ist, obwohl alles durch den gesunden Menschenverstand geschehen kann.
[ 20 ] Aber ein solcher Weg zur vollen Anerkennung der menschlichen Freiheit ist ja nur möglich, wenn der Mensch auch zu einer inneren Anschauung von dem Zusammenhang dessen, was ihm in der Seele als Geistiges erlebbar ist, mit dem Natürlichen kommt. Solange wie zwei abstrakte Begriffe, Natur und Geist, nebeneinander stehen für die menschliche Anschauung, so lange kann der Mensch nicht in einem solchen Sinne zu einer wirklichen Auffassung der Freiheit fortschreiten, wie ich es angeführt habe. Derjenige, der, ohne daß er sich selber durch Meditation, Konzentration und so weiter in die geistige Welt hineinlebt, der nur durch seinen gesunden Menschenverstand das anerkennt, was durch Imagination, Inspiration und Intuition gefunden ist, der erlebt aber bei diesem Anerkennen durchaus etwas. So zum Beispiel wird jemand, der einfach in den Büchern liest oder in Vorträgen hört — ohne daß er dabei schläft — was durch Imagination aus der Welt hervorgeholt wird, der wird schon nötig haben, sich anders an diese Offenbarungen der geistigen Welt heranzumachen als an das, was in einem heutigen Physik- oder Chemiebuche oder in einer Botanik oder in einer Zoologie geschrieben ist, obwohl alles durch den gesunden Menschenverstand geschehen kann.
[ 21 ] Man kann, ohne innerlich viel zur Aktivität überzugehen, alles das aufnehmen, was in einer heutigen Botanik oder Zoologie geschrieben ist. Man kann aber nicht, ohne sich innerlich in Tätigkeit, in Aktivität zu versetzen — wie es aber durchaus im gesunden Menschenverstand möglich ist —, das aufnehmen, was zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt ist. Alles kann begriffen werden, und wer da sagt, es sei unbegreiflich, der will einfach nicht innerlich aktiv mit seinem Denken vorgehen, sondern er will es so passiv nehmen, wie man die Vorstellungen eines Kinos passiv hinnimmt. Da braucht man allerdings sein Denken nicht viel in Bewegung zu setzen, und so möchten die Menschen heute alles hinnehmen. Sie können auch das, was im Laboratorium dargeboten ist, so hinnehmen. Dasjenige, was in meiner «Geheimwissenschaft» gesagt wird, das kann so nicht hingenommen werden. Höchstens stellt es sich manchmal heraus, daß gewisse Professorengemüter das so hinnehmen möchten. Dann machen sie wohl den Vorschlag, daß diejenigen, die so etwas schauen, in psychologischen Laboratorien, wie man das heute nennt, sich untersuchen lassen. Es ist das ebenso gescheit, wie wenn jemand verlangen würde, daß der, welcher mathematische Probleme löst, sich untersuchen ließe, ob er fähig ist, mathematische Probleme zu lösen. Jenem wird man sagen: Wenn du einsehen willst, ob die mathematischen Probleme richtig gelöst sind, dann mußt du eben lernen, sie lösen zu können, dann kannst du es nachprüfen. — Und töricht wäre es, zu antworten: Nein, das will ich nicht, ich will nicht lernen sie nachzuprüfen, sondern ich werde dann in einem psychologischen Laboratorium untersuchen, ob es richtig gelöst ist! — Ja, so ungefähr sind die Anforderungen, die zuweilen heute von Professorengemütern gestellt werden, denen dann allerlei «Generäle» in einer böswilligen Absicht die Sache nachplappern. Sie sind töricht, sie sind dumm, diese Forderungen, aber es ist das kein Hindernis, daß diese Dinge heute mit großem Aplomb behauptet werden können.
[ 21 ] Man kann, ohne innerlich viel zur Aktivität überzugehen, alles das aufnehmen, was in einer heutigen Botanik oder Zoologie geschrieben ist. Man kann aber nicht, ohne sich innerlich in Tätigkeit, in Aktivität zu versetzen — wie es aber durchaus im gesunden Menschenverstand möglich ist —, das aufnehmen, was zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt ist. Alles kann begriffen werden, und wer da sagt, es sei unbegreiflich, der will einfach nicht innerlich aktiv mit seinem Denken vorgehen, sondern er will es so passiv nehmen, wie man die Vorstellungen eines Kinos passiv hinnimmt. Da braucht man allerdings sein Denken nicht viel in Bewegung zu setzen, und so möchten die Menschen heute alles hinnehmen. Sie können auch das, was im Laboratorium dargeboten ist, so hinnehmen. Dasjenige, was in meiner «Geheimwissenschaft» gesagt wird, das kann so nicht hingenommen werden. Höchstens stellt es sich manchmal heraus, daß gewisse Professorengemüter das so hinnehmen möchten. Dann machen sie wohl den Vorschlag, daß diejenigen, die so etwas schauen, in psychologischen Laboratorien, wie man das heute nennt, sich untersuchen lassen. Es ist das ebenso gescheit, wie wenn jemand verlangen würde, daß der, welcher mathematische Probleme löst, sich untersuchen ließe, ob er fähig ist, mathematische Probleme zu lösen. Jenem wird man sagen: Wenn du einsehen willst, ob die mathematischen Probleme richtig gelöst sind, dann mußt du eben lernen, sie lösen zu können, dann kannst du es nachprüfen. — Und töricht wäre es, zu antworten: Nein, das will ich nicht, ich will nicht lernen sie nachzuprüfen, sondern ich werde dann in einem psychologischen Laboratorium untersuchen, ob es richtig gelöst ist! — Ja, so ungefähr sind die Anforderungen, die zuweilen heute von Professorengemütern gestellt werden, denen dann allerlei «Generäle» in einer böswilligen Absicht die Sache nachplappern. Sie sind töricht, sie sind dumm, diese Forderungen, aber es ist das kein Hindernis, daß diese Dinge heute mit großem Aplomb behauptet werden können.
[ 22 ] Wer sich mit innerlicher Aktivität in das hineinversetzt, was aus der Imagination stammt, der hat davon allerdings eine gewisse Frucht für seine Seele. Es bleibt ja nicht unbedeutend für die Seele, wenn jemand sich bemüht, das imaginativ Erkannte zu verstehen. Es gibt gewisse Heilmittel, die auf diese oder jene Krankheitszustände des Menschen wirken. Heute ist es schon außerordentlich schwierig, bei den Menschen Heilmittel überhaupt zur Wirksamkeit zu bringen. Wer aber sich bemüht hat, das Imaginative durch den gesunden Menschenverstand zu verstehen, der macht von seiner Lebenskraft wiederum so viel aktiv, daß Heilmittel, wenn sie die richtigen sind, bei ihm auch wiederum wirksamer werden, daß der Organismus sie nicht zurückwirft.
[ 22 ] Wer sich mit innerlicher Aktivität in das hineinversetzt, was aus der Imagination stammt, der hat davon allerdings eine gewisse Frucht für seine Seele. Es bleibt ja nicht unbedeutend für die Seele, wenn jemand sich bemüht, das imaginativ Erkannte zu verstehen. Es gibt gewisse Heilmittel, die auf diese oder jene Krankheitszustände des Menschen wirken. Heute ist es schon außerordentlich schwierig, bei den Menschen Heilmittel überhaupt zur Wirksamkeit zu bringen. Wer aber sich bemüht hat, das Imaginative durch den gesunden Menschenverstand zu verstehen, der macht von seiner Lebenskraft wiederum so viel aktiv, daß Heilmittel, wenn sie die richtigen sind, bei ihm auch wiederum wirksamer werden, daß der Organismus sie nicht zurückwirft.
[ 23 ] Die Torheit redet heute davon, daß anthroposophische Medizin die Menschen durch Hypnose und Suggestion und so weiter, wie man es nennt, auf geistigem Wege heilen wolle. Sie können das in allen möglichen Blättern lesen in Anknüpfung an die Bemerkungen, die ich gerade über Medizin auf meinen Vortragsreisen in den letzten Monaten gemacht habe. Aber darum handelt es sich zunächst nicht. Es handelt sich darum, die heutige Medizin wirklich weiterzuführen durch geistige Erkenntnisse. Man kann natürlich nicht durch Einimpfen eines Gedankens heilen, doch hat trotzdem das geistige Leben, ganz konkret gefaßt, soweit eine Bedeutung für die Wirksamkeit der Heilmittel, daß derjenige, der sich bemüht, Imaginatives zu verstehen, dadurch seinen physischen Organismus geeigneter macht, für richtige Heilmittel empfänglich zu sein, wenn er sie durch seine Krankheitszustände braucht, als ein anderer, der in dem bloßen äußerlichen Intellektualismus, das heißt in dem heutigen Materialismus mit seinem Gedankensystem verharrt. |
[ 23 ] Die Torheit redet heute davon, daß anthroposophische Medizin die Menschen durch Hypnose und Suggestion und so weiter, wie man es nennt, auf geistigem Wege heilen wolle. Sie können das in allen möglichen Blättern lesen in Anknüpfung an die Bemerkungen, die ich gerade über Medizin auf meinen Vortragsreisen in den letzten Monaten gemacht habe. Aber darum handelt es sich zunächst nicht. Es handelt sich darum, die heutige Medizin wirklich weiterzuführen durch geistige Erkenntnisse. Man kann natürlich nicht durch Einimpfen eines Gedankens heilen, doch hat trotzdem das geistige Leben, ganz konkret gefaßt, soweit eine Bedeutung für die Wirksamkeit der Heilmittel, daß derjenige, der sich bemüht, Imaginatives zu verstehen, dadurch seinen physischen Organismus geeigneter macht, für richtige Heilmittel empfänglich zu sein, wenn er sie durch seine Krankheitszustände braucht, als ein anderer, der in dem bloßen äußerlichen Intellektualismus, das heißt in dem heutigen Materialismus mit seinem Gedankensystem verharrt. |
[ 24 ] Die Menschheit wird ein Aufnehmen dessen, was imaginativ erfaßt werden kann, schon aus dem Grunde brauchen, weil sonst der physische Leib der Menschen immer mehr und mehr in solche Zustände verfallen würde, daß er gar nicht mehr geheilt werden kann, wenn er erkrankt. Denn dazu muß immer das Geistig-Seelische nachhelfen. Alles dasjenige, was an Prozessen in der Natur vorhanden ist, spricht sich ja nicht bloß aus in dem, was sichtlich vor sich geht, sondern es spricht sich so aus, daß dieses sichtlich Vor-sich-Gehende überall durchsetzt ist von Geistig-Seelischem. Will man daher eine sinnliche Substanz in dem menschlichen Organismus zur Wirksamkeit bringen, so muß man in einem gewissen Sinne das Seelisch-Geistige haben, das diese sinnliche Substanz zur Wirksamkeit bringt. Der ganze Menschheitsprozeß fordert, daß die menschliche Seelenverfassung wiederum durchsetzt werde von dem, was in seelisch-geistigem Sinne zu ergreifen ist.
[ 24 ] Die Menschheit wird ein Aufnehmen dessen, was imaginativ erfaßt werden kann, schon aus dem Grunde brauchen, weil sonst der physische Leib der Menschen immer mehr und mehr in solche Zustände verfallen würde, daß er gar nicht mehr geheilt werden kann, wenn er erkrankt. Denn dazu muß immer das Geistig-Seelische nachhelfen. Alles dasjenige, was an Prozessen in der Natur vorhanden ist, spricht sich ja nicht bloß aus in dem, was sichtlich vor sich geht, sondern es spricht sich so aus, daß dieses sichtlich Vor-sich-Gehende überall durchsetzt ist von Geistig-Seelischem. Will man daher eine sinnliche Substanz in dem menschlichen Organismus zur Wirksamkeit bringen, so muß man in einem gewissen Sinne das Seelisch-Geistige haben, das diese sinnliche Substanz zur Wirksamkeit bringt. Der ganze Menschheitsprozeß fordert, daß die menschliche Seelenverfassung wiederum durchsetzt werde von dem, was in seelisch-geistigem Sinne zu ergreifen ist.
[ 25 ] Man kann nun allerdings sagen: Sehnsucht ist heute viel vorhanden innerhalb der Menschheit nach diesem Seelisch-Geistigen. Aber diese Sehnsucht bleibt vielfach im Unbewußten und Unterbewußten stekken. Und das, was die Menschen im Bewußtsein haben, was ja ganz und gar ein bloßer Rest des Intellektualismus ist, das lehnt sich auf, das wehrt sich gegen das Spirituelle, und es ist zuweilen grotesk, wie man sich wehrt gegen dieses Spirituelle. Es wird zumeist vor Eurythmievorstellungen von mir auseinandergesetzt, wie das Eurythmische auf einer wirklichen sichtbaren Sprache beruht; ebenso wie die Lautsprache aus Einrichtungen des Organismus heraus sich entwickelt, so auch die sichtbare Sprache der Eurythmie. So wie Laut um Laut, Selbstlaut, Mitlaut, alle Vokale und Konsonanten sich herausringen in Anlehnung an das Erleben des Menschen aus dem menschlichen Organismus, so wird in der Eurythmie sichtbarlich Laut für Laut herausgeholt, und es wird da nun wirklich gesprochen. Man müßte glauben, daß nun die Menschen, denen solches Eurythmisches vorgeführt wird, versuchen würden, sich vor allen Dingen hineinzufinden in den Grundimpuls, daß Eurythmie eben eine Sprache ist.
[ 25 ] Man kann nun allerdings sagen: Sehnsucht ist heute viel vorhanden innerhalb der Menschheit nach diesem Seelisch-Geistigen. Aber diese Sehnsucht bleibt vielfach im Unbewußten und Unterbewußten stekken. Und das, was die Menschen im Bewußtsein haben, was ja ganz und gar ein bloßer Rest des Intellektualismus ist, das lehnt sich auf, das wehrt sich gegen das Spirituelle, und es ist zuweilen grotesk, wie man sich wehrt gegen dieses Spirituelle. Es wird zumeist vor Eurythmievorstellungen von mir auseinandergesetzt, wie das Eurythmische auf einer wirklichen sichtbaren Sprache beruht; ebenso wie die Lautsprache aus Einrichtungen des Organismus heraus sich entwickelt, so auch die sichtbare Sprache der Eurythmie. So wie Laut um Laut, Selbstlaut, Mitlaut, alle Vokale und Konsonanten sich herausringen in Anlehnung an das Erleben des Menschen aus dem menschlichen Organismus, so wird in der Eurythmie sichtbarlich Laut für Laut herausgeholt, und es wird da nun wirklich gesprochen. Man müßte glauben, daß nun die Menschen, denen solches Eurythmisches vorgeführt wird, versuchen würden, sich vor allen Dingen hineinzufinden in den Grundimpuls, daß Eurythmie eben eine Sprache ist.
[ 26 ] Gewiß, vielleicht wird man nicht gleich darauf kommen, wie das gemeint ist. Man kann aber unschwer bald sich hineinfinden in das, was da gemeint ist, wenn man ernstlich dazu den Willen hat. Aber da habe man neulich — in Berlin nennt man es Ulkiges — etwas ungemein Ulkiges gelesen als Kritik einer Eurythmievorstellung. Da sagte jemand: Ja, das Unmögliche dieser Eurythmievorstellungen zeigte sich darin, daß die Leute zuerst Ernstes, Seriöses darstellten und nachher Humoristisches, und sonderbarerweise — so fand der geistvolle Kritiker heraus — wurde das Humoristische mit denselben Bewegungen dargestellt wie das Ernste, Seriöse. Sehen Sie, er hat soviel von der Sache verstanden, daß er glaubt, es müßte das Humoristische mit andern Lautzeichen dargestellt werden als das Ernste, Seriöse! Wenn man ernst zu verstehen vermag, daß Eurythmie eine wirklich sichtbare Sprache ist, dem entspräche, daß eine jede Sprache für das Ernste eigene Laute braucht und für das Komische wieder andere Laute! Also wenn jemand in der deutschen oder französischen Sprache zu deklamieren begänne, dann würde er sich vielleicht des «I», des «U» und so weiter bedienen, aber er müßte, wenn er dann Humoristisches deklamierte, andere Laute haben. Ich weiß nicht, wie viele Leute darauf gekommen sind, wie dieser Kritiker einer der ersten deutschen Zeitungen Blitzdummes zutage gefördert hat; aber so stellt es sich dar, wenn man es in Wirklichkeit sieht. Es ist also etwas, was bedeutet, daß in diesen Köpfen bereits jede Möglichkeit des Denkens aufgehört hat; sie können gar nicht mehr denken. Denn das ist das Ergebnis, das Fazit des Intellektualismus, wie er sich auf allen Gebieten des Lebens heute breitmacht, daß die Menschen zuerst ihre Gedanken zu toten inneren Seeleninhalten werden lassen. Wie steif, wie tot sind die meisten Gedanken, die heute produziert werden, wie wenig innerliche Beweglichkeit haben sie, wie sehr sind sie nachgeäfft dem, was da oder dort vorgeschaffen ist! Wir haben in unserem Zeitalter im Grunde genommen außerordentlich wenig originelle Gedanken. Aber das, was gestorben ist — und die Gedanken unseres Zeitalters sind ja meistens gestorben —, das bleibt nicht in demselben Zustande. Sehen Sie sich einen Leichnam nach drei Tagen an, sehen Sie ihn nach fünf Jahren an, oder gar nach vierzig Jahren: das stirbt ja weiter, das verwest weiter. Und daß so etwas nicht gemerkt wird, wie die Gedanken da schon in einen Verwesungszustand gekommen sind, wenn jemand sagt: Das Unmögliche der Eurythmie zeigt sich darin, daß es für die humoristischen Sachen dieselben Bewegungen sind, wie für die ernsten —, das beruht lediglich darauf, daß die Menschen nicht in der Lage sind, ihren gesunden Menschenverstand heranzuschulen zum Beispiel an inspirierten Wahrheiten, wie sie sich in der Anthroposophie ergeben. Schult man den gesunden Menschenverstand, ohne daß man selber eine okkulte Entwickelung durchmacht, an inspirierten Wahrheiten, dann bekommt man ein feines Gefühl für die lebendige Wahrheit, für das Gesunde und Ungesunde im menschlichen Denken, im menschlichen Forschen. Und dann, verzeihen Sie den Ausdruck, dann beginnen solche Behauptungen wie die, welche ich Ihnen eben gesagt habe, zu «stinken». Dann erwirbt man sich die Möglichkeit, den Verwesungsgeruch dieser Gedanken zu riechen. Diese Fähigkeit des Riechens, die fehlt unseren Zeitgenossen eben in hohem Grade. Aber das merkt ein großer Teil unserer Zeitgenossenschaft nicht, sondern liest über diese Dinge hinweg.
[ 26 ] Gewiß, vielleicht wird man nicht gleich darauf kommen, wie das gemeint ist. Man kann aber unschwer bald sich hineinfinden in das, was da gemeint ist, wenn man ernstlich dazu den Willen hat. Aber da habe man neulich — in Berlin nennt man es Ulkiges — etwas ungemein Ulkiges gelesen als Kritik einer Eurythmievorstellung. Da sagte jemand: Ja, das Unmögliche dieser Eurythmievorstellungen zeigte sich darin, daß die Leute zuerst Ernstes, Seriöses darstellten und nachher Humoristisches, und sonderbarerweise — so fand der geistvolle Kritiker heraus — wurde das Humoristische mit denselben Bewegungen dargestellt wie das Ernste, Seriöse. Sehen Sie, er hat soviel von der Sache verstanden, daß er glaubt, es müßte das Humoristische mit andern Lautzeichen dargestellt werden als das Ernste, Seriöse! Wenn man ernst zu verstehen vermag, daß Eurythmie eine wirklich sichtbare Sprache ist, dem entspräche, daß eine jede Sprache für das Ernste eigene Laute braucht und für das Komische wieder andere Laute! Also wenn jemand in der deutschen oder französischen Sprache zu deklamieren begänne, dann würde er sich vielleicht des «I», des «U» und so weiter bedienen, aber er müßte, wenn er dann Humoristisches deklamierte, andere Laute haben. Ich weiß nicht, wie viele Leute darauf gekommen sind, wie dieser Kritiker einer der ersten deutschen Zeitungen Blitzdummes zutage gefördert hat; aber so stellt es sich dar, wenn man es in Wirklichkeit sieht. Es ist also etwas, was bedeutet, daß in diesen Köpfen bereits jede Möglichkeit des Denkens aufgehört hat; sie können gar nicht mehr denken. Denn das ist das Ergebnis, das Fazit des Intellektualismus, wie er sich auf allen Gebieten des Lebens heute breitmacht, daß die Menschen zuerst ihre Gedanken zu toten inneren Seeleninhalten werden lassen. Wie steif, wie tot sind die meisten Gedanken, die heute produziert werden, wie wenig innerliche Beweglichkeit haben sie, wie sehr sind sie nachgeäfft dem, was da oder dort vorgeschaffen ist! Wir haben in unserem Zeitalter im Grunde genommen außerordentlich wenig originelle Gedanken. Aber das, was gestorben ist — und die Gedanken unseres Zeitalters sind ja meistens gestorben —, das bleibt nicht in demselben Zustande. Sehen Sie sich einen Leichnam nach drei Tagen an, sehen Sie ihn nach fünf Jahren an, oder gar nach vierzig Jahren: das stirbt ja weiter, das verwest weiter. Und daß so etwas nicht gemerkt wird, wie die Gedanken da schon in einen Verwesungszustand gekommen sind, wenn jemand sagt: Das Unmögliche der Eurythmie zeigt sich darin, daß es für die humoristischen Sachen dieselben Bewegungen sind, wie für die ernsten —, das beruht lediglich darauf, daß die Menschen nicht in der Lage sind, ihren gesunden Menschenverstand heranzuschulen zum Beispiel an inspirierten Wahrheiten, wie sie sich in der Anthroposophie ergeben. Schult man den gesunden Menschenverstand, ohne daß man selber eine okkulte Entwickelung durchmacht, an inspirierten Wahrheiten, dann bekommt man ein feines Gefühl für die lebendige Wahrheit, für das Gesunde und Ungesunde im menschlichen Denken, im menschlichen Forschen. Und dann, verzeihen Sie den Ausdruck, dann beginnen solche Behauptungen wie die, welche ich Ihnen eben gesagt habe, zu «stinken». Dann erwirbt man sich die Möglichkeit, den Verwesungsgeruch dieser Gedanken zu riechen. Diese Fähigkeit des Riechens, die fehlt unseren Zeitgenossen eben in hohem Grade. Aber das merkt ein großer Teil unserer Zeitgenossenschaft nicht, sondern liest über diese Dinge hinweg.
[ 27 ] Es ist schon notwendig, daß man ganz gründlich hineinsieht in das, wessen da die Menschheit bedarf. Die Menschheit bedarf wirklich auch jener Freiheit in der Seelenverfassung dem Gedanken gegenüber, die nur möglich ist dadurch, daß der Mensch sich dazu aufschwingt, spirituelle Wahrheiten in sich aufzunehmen. Sonst kommen wir natürlich zu jenem Untergange der Kultur, der heute auf allen Gebieten sehr deutlich wahrzunehmen ist. Die Gesundheit des Urteils, das Unmittelbare des Eindruckes, das sind Dinge, die den Menschen wirklich schon zum großen Teile verlorengegangen sind und die nicht verlorengehen dürfen, die aber nur dann nicht verlorengehen werden, wenn der Mensch sich hindurchfindet zu dem Erfassen des Spirituellen.
[ 27 ] Es ist schon notwendig, daß man ganz gründlich hineinsieht in das, wessen da die Menschheit bedarf. Die Menschheit bedarf wirklich auch jener Freiheit in der Seelenverfassung dem Gedanken gegenüber, die nur möglich ist dadurch, daß der Mensch sich dazu aufschwingt, spirituelle Wahrheiten in sich aufzunehmen. Sonst kommen wir natürlich zu jenem Untergange der Kultur, der heute auf allen Gebieten sehr deutlich wahrzunehmen ist. Die Gesundheit des Urteils, das Unmittelbare des Eindruckes, das sind Dinge, die den Menschen wirklich schon zum großen Teile verlorengegangen sind und die nicht verlorengehen dürfen, die aber nur dann nicht verlorengehen werden, wenn der Mensch sich hindurchfindet zu dem Erfassen des Spirituellen.
[ 28 ] Es ist eben durchaus ins Auge zu fassen, daß der Mensch an der Anthroposophie einen Lebensinhalt hat, wenn er mit seinem gesunden Menschenverstand sich heranmacht an das, was durch Imagination, Inspiration und Intuition gewonnen werden kann. In der Hingabe an das imaginativ Erforschte findet der Mensch zum Beispiel jene innerliche Lebendigkeit, die ihn für Heilmittel empfänglich macht, neben anderem, neben dem zum Beispiel, daß es ihn überhaupt zu einer freien Persönlichkeit macht, die nicht für alle möglichen öffentlichen Suggestionen zugänglich ist.
[ 28 ] Es ist eben durchaus ins Auge zu fassen, daß der Mensch an der Anthroposophie einen Lebensinhalt hat, wenn er mit seinem gesunden Menschenverstand sich heranmacht an das, was durch Imagination, Inspiration und Intuition gewonnen werden kann. In der Hingabe an das imaginativ Erforschte findet der Mensch zum Beispiel jene innerliche Lebendigkeit, die ihn für Heilmittel empfänglich macht, neben anderem, neben dem zum Beispiel, daß es ihn überhaupt zu einer freien Persönlichkeit macht, die nicht für alle möglichen öffentlichen Suggestionen zugänglich ist.
[ 29 ] Durch das Hineinleben in inspirierte Wahrheiten gelangt der Mensch dazu, ein sicheres Empfinden zu haben von dem Wahren und dem Falschen. Er gelangt auch dazu, dieses sichere Empfinden im Sozialen auszuleben. Wie wenige Menschen zum Beispiel können denn heute noch zuhören! Sie können ja nicht zuhören, sie reagieren immer gleich mit ihrer eigenen Meinung. Gerade dieses Hinhören auch auf den andern Menschen, das wird in einer schönen Weise dadurch entwickelt, daß der Mensch sich mit seinem gesunden Menschenverstand in inspirierte Wahrheiten einlebt. Und das, was der Mensch für das Leben braucht: ein gewisses Loskommen von seinem eigenen Selbst, eine gewisse Selbstlosigkeit, das wird in hohem Grade entwickelt durch das Einleben in intuitive Wahrheiten. Und dieses Einleben in imaginative, inspirierte, intuitive Wahrheiten, das ist ein Lebensinhalt.
[ 29 ] Durch das Hineinleben in inspirierte Wahrheiten gelangt der Mensch dazu, ein sicheres Empfinden zu haben von dem Wahren und dem Falschen. Er gelangt auch dazu, dieses sichere Empfinden im Sozialen auszuleben. Wie wenige Menschen zum Beispiel können denn heute noch zuhören! Sie können ja nicht zuhören, sie reagieren immer gleich mit ihrer eigenen Meinung. Gerade dieses Hinhören auch auf den andern Menschen, das wird in einer schönen Weise dadurch entwickelt, daß der Mensch sich mit seinem gesunden Menschenverstand in inspirierte Wahrheiten einlebt. Und das, was der Mensch für das Leben braucht: ein gewisses Loskommen von seinem eigenen Selbst, eine gewisse Selbstlosigkeit, das wird in hohem Grade entwickelt durch das Einleben in intuitive Wahrheiten. Und dieses Einleben in imaginative, inspirierte, intuitive Wahrheiten, das ist ein Lebensinhalt.
[ 30 ] Es ist natürlich bequemer, wenn gesagt wird, die Leute können einen solchen Lebensinhalt aus dem bekommen, was Waldo Trine verspricht: daß man die Dinge nur ihrem Inhalte nach durchzulesen braucht und damit einen Lebensinhalt bekommt — während es schwerer ist, sich den Lebensinhalt auf anthroposophische Weise zu verschaffen. Der kann nur arbeitend erworben werden, arbeitend in dem Hineinleben ins Imaginative oder in das imaginativ Erforschte, ins inspiriert Erforschte und ins intuitiv Erforschte. Aber dann ist das auch ein Lebensinhalt, der sich intensiv mit der menschlichen Persönlichkeit, mit dem ganzen Wesen des Menschen verbindet. Und einen solch sicheren Lebensinhalt gibt gerade dasjenige, was als Anthroposophie in die Welt treten will.
[ 30 ] Es ist natürlich bequemer, wenn gesagt wird, die Leute können einen solchen Lebensinhalt aus dem bekommen, was Waldo Trine verspricht: daß man die Dinge nur ihrem Inhalte nach durchzulesen braucht und damit einen Lebensinhalt bekommt — während es schwerer ist, sich den Lebensinhalt auf anthroposophische Weise zu verschaffen. Der kann nur arbeitend erworben werden, arbeitend in dem Hineinleben ins Imaginative oder in das imaginativ Erforschte, ins inspiriert Erforschte und ins intuitiv Erforschte. Aber dann ist das auch ein Lebensinhalt, der sich intensiv mit der menschlichen Persönlichkeit, mit dem ganzen Wesen des Menschen verbindet. Und einen solch sicheren Lebensinhalt gibt gerade dasjenige, was als Anthroposophie in die Welt treten will.
[ 31 ] Wir werden davon dann am nächsten Freitag weitersprechen, meine lieben Freunde. Für nächsten Sonntag will ich ankündigen, daß um 5 Uhr eine öffentlichen Eurythmie-Vorstellung stattfindet.
[ 31 ] Wir werden davon dann am nächsten Freitag weitersprechen, meine lieben Freunde. Für nächsten Sonntag will ich ankündigen, daß um 5 Uhr eine öffentlichen Eurythmie-Vorstellung stattfindet.
