The Mystery of the Sun
and
The Mystery of Death and Resurrection
Exoteric and Esoteric Christianity
GA 211
25 March 1922, Dornach
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Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung
3. Vom Wandel der Weltanschauung
3. Vom Wandel der Weltanschauung
[ 1 ] Wir haben schon öfter unseren Blick zurückgewendet in die Anschauungen älterer Zeiten, wir wollen dies in einem gewissen Sinne auch heute tun, und zwar zu dem Ziele, um einige Gesichtspunkte zu gewinnen für geschichtliche Einblicke in die Menschheit und in die Menschheitsentwickelung. Wenn wir Jahrtausende zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, zu den Zeiten zum Beispiel, die wir in unserer Terminologie als die altindische Kulturperiode bezeichnen, so finden wir, daß die Anschauungsweise der Menschen damals eine ganz andere war, als — wenn wir nun gleich einen sehr weit davon abliegenden Zeitraum nehmen — die Anschauungsweise in unserer Zeit. Wenn wir in jene älteren Zeiten zurückgehen, so wissen wir, die Menschen sahen einfach die Natur nicht so, wie wir sie heute sehen. Die Menschen sahen die Natur so, daß sie in allem, in den einzelnen Gliedern der Erdoberfläche, in Berg und Fluß, aber auch in alledem, was zunächst die Erde umgibt, in Wolken, im Lichte und so weiter, noch unmittelbar geistige Wesenheiten wahrnahmen. Es wäre undenkbar gewesen für einen Menschen jener älteren Zeiten, so von der Natur zu sprechen, wie wir es tun. Denn er würde sich so vorgekommen sein, wie wir uns vorkommen würden, wenn wir — das Bild ist etwas grotesk, aber es entspricht durchaus den Tatsachen — einer Sammlung von Leichnamen gegenübersitzen könnten und dann sagen würden, daß wir unter Menschen wären. Was heute dem Menschen sich als Natur darbietet, das würde Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung der Mensch nur als den Leichnam der Natur empfunden haben. Denn in allem, was ihn umgab, hat er Geistig-Seelisches wahrgenommen.
[ 1 ] Wir haben schon öfter unseren Blick zurückgewendet in die Anschauungen älterer Zeiten, wir wollen dies in einem gewissen Sinne auch heute tun, und zwar zu dem Ziele, um einige Gesichtspunkte zu gewinnen für geschichtliche Einblicke in die Menschheit und in die Menschheitsentwickelung. Wenn wir Jahrtausende zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, zu den Zeiten zum Beispiel, die wir in unserer Terminologie als die altindische Kulturperiode bezeichnen, so finden wir, daß die Anschauungsweise der Menschen damals eine ganz andere war, als — wenn wir nun gleich einen sehr weit davon abliegenden Zeitraum nehmen — die Anschauungsweise in unserer Zeit. Wenn wir in jene älteren Zeiten zurückgehen, so wissen wir, die Menschen sahen einfach die Natur nicht so, wie wir sie heute sehen. Die Menschen sahen die Natur so, daß sie in allem, in den einzelnen Gliedern der Erdoberfläche, in Berg und Fluß, aber auch in alledem, was zunächst die Erde umgibt, in Wolken, im Lichte und so weiter, noch unmittelbar geistige Wesenheiten wahrnahmen. Es wäre undenkbar gewesen für einen Menschen jener älteren Zeiten, so von der Natur zu sprechen, wie wir es tun. Denn er würde sich so vorgekommen sein, wie wir uns vorkommen würden, wenn wir — das Bild ist etwas grotesk, aber es entspricht durchaus den Tatsachen — einer Sammlung von Leichnamen gegenübersitzen könnten und dann sagen würden, daß wir unter Menschen wären. Was heute dem Menschen sich als Natur darbietet, das würde Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung der Mensch nur als den Leichnam der Natur empfunden haben. Denn in allem, was ihn umgab, hat er Geistig-Seelisches wahrgenommen.
[ 2 ] Wir wissen, wenn die heutige Menschheit aus Dichtungen oder aus den Mitteilungen der Mythen und Legenden vernimmt, wie man einstmals geglaubt hat, daß sich in der Quelle, im strömenden Flusse, in dem Berginnern und so weiter Geistig-Seelisches findet, so glaubt sie ja, daß eben die Alten ihre Phantasie haben wirken lassen, daß sie gedichtet haben. Nun, das ist ein naiver Standpunkt. Die Alten haben durchaus nicht gedichtet, sondern sie haben das Geistig-Seelische ebenso wahrgenommen, wie man die Farben wahrnimmt, wie man die Bewegungen der Blätter des Baumes wahrnimmt und so weiter. Sie haben unmittelbar das Geistig-Seelische wahrgenommen, und sie würden eben das, was wir heute Natur nennen, nur für den Leichnam der Natur gehalten haben. Aber in einem gewissen Sinne strebten einzelne Menschen bei diesen Älteren danach, eine andere Anschauungsweise zu gewinnen als diejenige, die die allgemeine war.
[ 2 ] Wir wissen, wenn die heutige Menschheit aus Dichtungen oder aus den Mitteilungen der Mythen und Legenden vernimmt, wie man einstmals geglaubt hat, daß sich in der Quelle, im strömenden Flusse, in dem Berginnern und so weiter Geistig-Seelisches findet, so glaubt sie ja, daß eben die Alten ihre Phantasie haben wirken lassen, daß sie gedichtet haben. Nun, das ist ein naiver Standpunkt. Die Alten haben durchaus nicht gedichtet, sondern sie haben das Geistig-Seelische ebenso wahrgenommen, wie man die Farben wahrnimmt, wie man die Bewegungen der Blätter des Baumes wahrnimmt und so weiter. Sie haben unmittelbar das Geistig-Seelische wahrgenommen, und sie würden eben das, was wir heute Natur nennen, nur für den Leichnam der Natur gehalten haben. Aber in einem gewissen Sinne strebten einzelne Menschen bei diesen Älteren danach, eine andere Anschauungsweise zu gewinnen als diejenige, die die allgemeine war.
[ 3 ] Sie wissen ja, heute, wenn Menschen danach streben, eine andere Anschauungsweise zu gewinnen, als es die gewöhnliche ist, und wenn sie überhaupt dazu in der Lage sind, dann werden sie «studierte Leute», dann bekommen sie Begriffe übermittelt über das, was sie sonst nur äußerlich sehen. Dann nehmen sie Wissenschaft, wie man das nennt, in sich auf. Diese Wissenschaft, die gab es in jenen Zeiten, von denen wir jetzt sprechen, nicht. Wohl aber strebten auch einzelne Menschen über das allgemeine Anschauen, über das, was man eben im alltäglichen Leben wußte, hinaus. Nur studierten sie nicht so, wie heute studiert wird. Sie machten gewisse Übungen. Diese Übungen waren nicht solche, wie die, von denen wir heute in der Anthroposophie sprechen, sondern es waren Übungen, welche gerade in jenen älteren Zeiten mehr an den menschlichen Organismus gebunden waren. Es waren zum Beispiel Übungen, durch welche der Atmungsprozeß zu etwas anderem ausgebildet wurde, als was er von Natur aus ist. Man setzte sich also nicht in Laboratorien, machte nicht Experimente, aber man machte gewissermaßen an sich selber Experimente. Man regulierte seinen Atem. Man atmete zum Beispiel ein, man hielt den Atem zurück und suchte zu erleben, was bei so verändertem Atem im Innern des Organismus vorging. Solche Atemübungen sollen heute nicht nachgemacht werden. Aber sie waren durchaus einmal ein Mittel, durch welches die Menschen glaubten, zu höheren Erkenntnissen zu kommen, als zu denen sie kommen konnten, wenn sie eben mit ihren gewöhnlichen Anschauungen die Natur betrachteten, wenn sie also die äußeren Naturdinge sahen, wie wir sie sehen, aber außerdem noch in allen Naturdingen das Geistig-Seelische darinnen sahen.
[ 3 ] Sie wissen ja, heute, wenn Menschen danach streben, eine andere Anschauungsweise zu gewinnen, als es die gewöhnliche ist, und wenn sie überhaupt dazu in der Lage sind, dann werden sie «studierte Leute», dann bekommen sie Begriffe übermittelt über das, was sie sonst nur äußerlich sehen. Dann nehmen sie Wissenschaft, wie man das nennt, in sich auf. Diese Wissenschaft, die gab es in jenen Zeiten, von denen wir jetzt sprechen, nicht. Wohl aber strebten auch einzelne Menschen über das allgemeine Anschauen, über das, was man eben im alltäglichen Leben wußte, hinaus. Nur studierten sie nicht so, wie heute studiert wird. Sie machten gewisse Übungen. Diese Übungen waren nicht solche, wie die, von denen wir heute in der Anthroposophie sprechen, sondern es waren Übungen, welche gerade in jenen älteren Zeiten mehr an den menschlichen Organismus gebunden waren. Es waren zum Beispiel Übungen, durch welche der Atmungsprozeß zu etwas anderem ausgebildet wurde, als was er von Natur aus ist. Man setzte sich also nicht in Laboratorien, machte nicht Experimente, aber man machte gewissermaßen an sich selber Experimente. Man regulierte seinen Atem. Man atmete zum Beispiel ein, man hielt den Atem zurück und suchte zu erleben, was bei so verändertem Atem im Innern des Organismus vorging. Solche Atemübungen sollen heute nicht nachgemacht werden. Aber sie waren durchaus einmal ein Mittel, durch welches die Menschen glaubten, zu höheren Erkenntnissen zu kommen, als zu denen sie kommen konnten, wenn sie eben mit ihren gewöhnlichen Anschauungen die Natur betrachteten, wenn sie also die äußeren Naturdinge sahen, wie wir sie sehen, aber außerdem noch in allen Naturdingen das Geistig-Seelische darinnen sahen.
[ 4 ] Wenn sich Menschen nun solchen Übungen hingaben, deren Wesen sich ja, obwohl in Abschwächung, in dem erhalten hat, was heute aus dem Oriente herüber als Joga-Übungen geschildert wird, wenn sie also ihr Atmen gegenüber dem gewöhnlichen Atem veränderten, dann verschwand aus dem Anblicke der Umgebung das Geistig-Seelische, und es wurde gerade durch solches Atmen die Natur für diese Menschen so, wie wir sie selber heute sehen. Also, um die Natur so zu sehen, wie wir sie heute sehen, mußten solche Menschen erst Übungen machen in jenen alten Zeiten. Sonst sprangen ihnen gewissermaßen für ihr Anschauen aus allen Wesen ihrer Umgebung geistig-seelische Wesenhaftigkeiten entgegen. Sie vertrieben gewissermaßen diese geistig-seelischen Wesenhaftigkeiten dadurch, daß sie ihren Atmungsprozeß veränderten.
[ 4 ] Wenn sich Menschen nun solchen Übungen hingaben, deren Wesen sich ja, obwohl in Abschwächung, in dem erhalten hat, was heute aus dem Oriente herüber als Joga-Übungen geschildert wird, wenn sie also ihr Atmen gegenüber dem gewöhnlichen Atem veränderten, dann verschwand aus dem Anblicke der Umgebung das Geistig-Seelische, und es wurde gerade durch solches Atmen die Natur für diese Menschen so, wie wir sie selber heute sehen. Also, um die Natur so zu sehen, wie wir sie heute sehen, mußten solche Menschen erst Übungen machen in jenen alten Zeiten. Sonst sprangen ihnen gewissermaßen für ihr Anschauen aus allen Wesen ihrer Umgebung geistig-seelische Wesenhaftigkeiten entgegen. Sie vertrieben gewissermaßen diese geistig-seelischen Wesenhaftigkeiten dadurch, daß sie ihren Atmungsprozeß veränderten.
[ 5 ] So hatten sie — wenn ich den Ausdruck gebrauche, der heute gebräuchlich ist für diejenigen, die so hinausstreben über das allgemeine Anschauen — als «Gelehrte» das Bestreben, die Natur nicht mehr durchseelt und durchgeistigt um sich zu haben, sondern sie so um sich zu haben, daß sie sie wie eine Art Leichnam empfanden. Man könnte auch so sagen: Diese Menschen fühlten sich, indem sie hinausschauten in die Natur, wie in einem wellenden, wogenden, seelisch-geistigen Weltenall, aber sie fühlten sich darinnen so, wie sich der Mensch der Gegenwart fühlen würde, wenn er in lebhaften Bildern träumte und aus diesem Träumen kaum aufwachen könnte. So fühlten sie sich. Was erreichten aber diese einzelnen — wir wollen sie also die Gelehrten jener alten Zeit nennen —, wenn sie durch solche besondere Übungen sich heraushoben aus diesem lebendig Wogenden und es abtöteten in der Anschauung, so daß sie wirklich das Gefühl hatten, sie haben nunmehr ein Totes, ein Leichnamartiges um sich? Was strebten sie dadurch an?
[ 5 ] So hatten sie — wenn ich den Ausdruck gebrauche, der heute gebräuchlich ist für diejenigen, die so hinausstreben über das allgemeine Anschauen — als «Gelehrte» das Bestreben, die Natur nicht mehr durchseelt und durchgeistigt um sich zu haben, sondern sie so um sich zu haben, daß sie sie wie eine Art Leichnam empfanden. Man könnte auch so sagen: Diese Menschen fühlten sich, indem sie hinausschauten in die Natur, wie in einem wellenden, wogenden, seelisch-geistigen Weltenall, aber sie fühlten sich darinnen so, wie sich der Mensch der Gegenwart fühlen würde, wenn er in lebhaften Bildern träumte und aus diesem Träumen kaum aufwachen könnte. So fühlten sie sich. Was erreichten aber diese einzelnen — wir wollen sie also die Gelehrten jener alten Zeit nennen —, wenn sie durch solche besondere Übungen sich heraushoben aus diesem lebendig Wogenden und es abtöteten in der Anschauung, so daß sie wirklich das Gefühl hatten, sie haben nunmehr ein Totes, ein Leichnamartiges um sich? Was strebten sie dadurch an?
[ 6 ] Sie strebten dadurch ein stärkeres Selbstgefühl an. Sie strebten etwas an, wodurch sie sich selber erlebten, wodurch sie sich selber empfanden. Der heutige Mensch sagt alle Augenblicke: «Ich bin». «Ich» ist für ihn überhaupt ein Wort, das er vom Morgen bis zum Abend sehr häufig im Munde führt, denn es ist ihm natürlich, es ist ihm selbstverständlich. Bei diesen alten Menschen war es für das gewöhnliche alltägliche Erleben nicht selbstverständlich, das «Ich» oder gar das «Ich bin» auszusprechen. Das mußten sie sich erwerben. Dazu mußten sie erst solche Übungen machen. Und indem sie diese Übungen machten, kamen sie zu einem solchen inneren Erleben, daß sie mit einer gewissen Wahrheit sagen konnten: «Ich bin». Sie kamen erst damit zum Bewußtsein ihres eigenen Seins.
[ 6 ] Sie strebten dadurch ein stärkeres Selbstgefühl an. Sie strebten etwas an, wodurch sie sich selber erlebten, wodurch sie sich selber empfanden. Der heutige Mensch sagt alle Augenblicke: «Ich bin». «Ich» ist für ihn überhaupt ein Wort, das er vom Morgen bis zum Abend sehr häufig im Munde führt, denn es ist ihm natürlich, es ist ihm selbstverständlich. Bei diesen alten Menschen war es für das gewöhnliche alltägliche Erleben nicht selbstverständlich, das «Ich» oder gar das «Ich bin» auszusprechen. Das mußten sie sich erwerben. Dazu mußten sie erst solche Übungen machen. Und indem sie diese Übungen machten, kamen sie zu einem solchen inneren Erleben, daß sie mit einer gewissen Wahrheit sagen konnten: «Ich bin». Sie kamen erst damit zum Bewußtsein ihres eigenen Seins.
[ 7 ] Also das, was für uns etwas Selbstverständliches ist, das wurde für diese Menschen erst dann ein Erlebnis, wenn sie sich anstrengten in einem inneren Atmungsprozesse. Sie mußten erst die Umgebung gewissermaßen für die Anschauung töten, sich selber aufwecken. Dadurch kamen sie zu der Überzeugung, daß sie auch selber sind, daß sie «Ich bin» zu sich sagen konnten. Aber mit diesem «Ich bin» war ihnen etwas gegeben, was uns heute wieder selbstverständlich ist. Es war ihnen die innere Entfaltung des Intellektuellen gegeben. Sie entwickelten dadurch die Möglichkeit, ein innerliches, abgesondertes Denken zu haben.
[ 7 ] Also das, was für uns etwas Selbstverständliches ist, das wurde für diese Menschen erst dann ein Erlebnis, wenn sie sich anstrengten in einem inneren Atmungsprozesse. Sie mußten erst die Umgebung gewissermaßen für die Anschauung töten, sich selber aufwecken. Dadurch kamen sie zu der Überzeugung, daß sie auch selber sind, daß sie «Ich bin» zu sich sagen konnten. Aber mit diesem «Ich bin» war ihnen etwas gegeben, was uns heute wieder selbstverständlich ist. Es war ihnen die innere Entfaltung des Intellektuellen gegeben. Sie entwickelten dadurch die Möglichkeit, ein innerliches, abgesondertes Denken zu haben.
[ 8 ] Wenn wir also zurückgehen in Zeiten, in denen für die Zivilisation die alten orientalischen Anschauungen tonangebend waren, so war es eben so, daß die Menschen im alltäglichen Leben eine beseelte Natur empfanden, aber ein ganz schwaches, fast gar kein Selbstgefühl hatten, gar nicht dieses Selbstgefühl in der Überzeugung «Ich bin» zusammenfaßten, daß aber einzelne Menschen, welche durch die Mysterienanstalten geschult wurden, dazu gebracht wurden, dieses «Ich bin» zu erleben. Dann erlebten sie aber dieses «Ich bin» nicht so, wie wir es heute als eine Selbstverständlichkeit hinnehmen, sondern in dem Momente, wo sie durch ihren Atmungsprozeß dazu gebracht waren, überhaupt «Ich bin» aus innerlicher Überzeugung, aus innerlichem Erleben heraus sagen zu können, erlebten sie etwas, was auch der heutige Mensch zunächst nicht wirklich erlebt.
[ 8 ] Wenn wir also zurückgehen in Zeiten, in denen für die Zivilisation die alten orientalischen Anschauungen tonangebend waren, so war es eben so, daß die Menschen im alltäglichen Leben eine beseelte Natur empfanden, aber ein ganz schwaches, fast gar kein Selbstgefühl hatten, gar nicht dieses Selbstgefühl in der Überzeugung «Ich bin» zusammenfaßten, daß aber einzelne Menschen, welche durch die Mysterienanstalten geschult wurden, dazu gebracht wurden, dieses «Ich bin» zu erleben. Dann erlebten sie aber dieses «Ich bin» nicht so, wie wir es heute als eine Selbstverständlichkeit hinnehmen, sondern in dem Momente, wo sie durch ihren Atmungsprozeß dazu gebracht waren, überhaupt «Ich bin» aus innerlicher Überzeugung, aus innerlichem Erleben heraus sagen zu können, erlebten sie etwas, was auch der heutige Mensch zunächst nicht wirklich erlebt.
[ 9 ] Denken Sie zurück in Ihre Kindheit: Sie können bis zu einem gewissen Punkte zurückdenken, dann hört es auf. Sie waren einmal ein Baby, und wie Sie da innerlich gelebt haben als Baby, das wissen Sie nicht. Es hört einmal das Erinnerungsvermögen auf. Sie waren ganz gewiß schon da, sind auf der Erde herumgekrochen, sind geliebkost worden von Ihrer Mutter oder von Ihrem Vater. Da haben Sie vielleicht gezappelt, haben die Hände bewegt, aber was Sie da innerlich erlebt haben, das wissen Sie im gewöhnlichen Bewußtsein nicht. Dennoch war es ein regeres, ein intensiveres Seelenleben als das spätere. Denn dieses intensivere Seelenleben hat zum Beispiel Ihr Gehirn plastisch ausgestaltet, hat Ihren übrigen Körper durchdrungen und ihn plastisch ausgestaltet. Es war ein intensives Seelenleben vorhanden, und in dieses Seelenleben fühlte sich der alte Inder versetzt in demselben Momente, wo er zu sich «Ich bin» sagte.
[ 9 ] Denken Sie zurück in Ihre Kindheit: Sie können bis zu einem gewissen Punkte zurückdenken, dann hört es auf. Sie waren einmal ein Baby, und wie Sie da innerlich gelebt haben als Baby, das wissen Sie nicht. Es hört einmal das Erinnerungsvermögen auf. Sie waren ganz gewiß schon da, sind auf der Erde herumgekrochen, sind geliebkost worden von Ihrer Mutter oder von Ihrem Vater. Da haben Sie vielleicht gezappelt, haben die Hände bewegt, aber was Sie da innerlich erlebt haben, das wissen Sie im gewöhnlichen Bewußtsein nicht. Dennoch war es ein regeres, ein intensiveres Seelenleben als das spätere. Denn dieses intensivere Seelenleben hat zum Beispiel Ihr Gehirn plastisch ausgestaltet, hat Ihren übrigen Körper durchdrungen und ihn plastisch ausgestaltet. Es war ein intensives Seelenleben vorhanden, und in dieses Seelenleben fühlte sich der alte Inder versetzt in demselben Momente, wo er zu sich «Ich bin» sagte.
[ 10 ] Stellen Sie sich das nur ganz lebhaft vor, wie das war. Er fühlte sich nicht im gegenwärtigen Augenblicke, wenn er zu sich «Ich bin» sagte, er fühlte sich zurückversetzt in seine Babyzeit, er fühlte sich so, wie er in der Babyzeit gefühlt hat, und sagte von da aus zu seinem ganzen späteren Leben . Er hatte gar nicht das Gefühl, daß er jetzt Aber das ist erst hineingezogen in dieses Innere, nachdem es vorher in der geistig-seelischen Welt gelebt hat. Das heißt, indem dieser alte indische Jogi zuerst sich durch seinen Atmungsprozeß in seine Babyzeit zurückversetzte, wurde er gewahr der Zeit vor seinem Erdendasein. Das kam ihm vor wie eine Erinnerung. Genau so, wie wenn sich der Mensch heute an etwas erinnert, was er vor zehn Jahren erlebt hat, so war es wie das Auftreten einer Erinnerung in dem Momente, wo das «Ich bin> durch die Seele schoß, wenn in dieser alten indischen Zeit der Mensch durch Atmungsübungen innerlich sich stärkte und die Außenwelt um sich herum abtötete, dafür aber lebendig machte das,was nicht jetzt seine Außenwelt war, sondern was Außenwelt war, bevor der Mensch in die physische Erdenwelt heruntergestiegen war.
[ 10 ] Stellen Sie sich das nur ganz lebhaft vor, wie das war. Er fühlte sich nicht im gegenwärtigen Augenblicke, wenn er zu sich «Ich bin» sagte, er fühlte sich zurückversetzt in seine Babyzeit, er fühlte sich so, wie er in der Babyzeit gefühlt hat, und sagte von da aus zu seinem ganzen späteren Leben . Er hatte gar nicht das Gefühl, daß er jetzt Aber das ist erst hineingezogen in dieses Innere, nachdem es vorher in der geistig-seelischen Welt gelebt hat. Das heißt, indem dieser alte indische Jogi zuerst sich durch seinen Atmungsprozeß in seine Babyzeit zurückversetzte, wurde er gewahr der Zeit vor seinem Erdendasein. Das kam ihm vor wie eine Erinnerung. Genau so, wie wenn sich der Mensch heute an etwas erinnert, was er vor zehn Jahren erlebt hat, so war es wie das Auftreten einer Erinnerung in dem Momente, wo das «Ich bin> durch die Seele schoß, wenn in dieser alten indischen Zeit der Mensch durch Atmungsübungen innerlich sich stärkte und die Außenwelt um sich herum abtötete, dafür aber lebendig machte das,was nicht jetzt seine Außenwelt war, sondern was Außenwelt war, bevor der Mensch in die physische Erdenwelt heruntergestiegen war.
[ 11 ] Man wurde wirklich dazumal — wenn ich es wiederum mit einem heutigen Ausdruck bezeichnen will, der aber natürlich unendlich philiströs klingt, wenn ich ihn für jene alten Zeiten gebrauche — durch das Jogi-Studium herausgehoben aus dem gegenwärtigen Erdendasein und in das geistig-seelische Dasein hineingehoben. Man verdankte also dem damaligen Studium das Hinaufgehobenwerden in die geistig-seelischen Welten. Man hatte ein etwas anderes Bewußtsein, als wir es heute haben. Aber gerade wenn man im damaligen Sinne ein Joga-Gelehrter war, konnte man denken — die anderen Menschen konnten nicht den ken, die anderen Menschen konnten nur träumen —, aber man dachte hinein in die übersinnliche Welt, aus der man ins Erdendasein heruntergestiegen war.
[ 11 ] Man wurde wirklich dazumal — wenn ich es wiederum mit einem heutigen Ausdruck bezeichnen will, der aber natürlich unendlich philiströs klingt, wenn ich ihn für jene alten Zeiten gebrauche — durch das Jogi-Studium herausgehoben aus dem gegenwärtigen Erdendasein und in das geistig-seelische Dasein hineingehoben. Man verdankte also dem damaligen Studium das Hinaufgehobenwerden in die geistig-seelischen Welten. Man hatte ein etwas anderes Bewußtsein, als wir es heute haben. Aber gerade wenn man im damaligen Sinne ein Joga-Gelehrter war, konnte man denken — die anderen Menschen konnten nicht den ken, die anderen Menschen konnten nur träumen —, aber man dachte hinein in die übersinnliche Welt, aus der man ins Erdendasein heruntergestiegen war.
[ 12 ] Das ist zugleich eine Charakteristik jener Zeit der Erdenentwickelung, die, wenn wir es etwas grob charakterisieren> vorangegangen ist zum Beispiel den griechisch-römischen Anschauungen im vierten nach- atlantischen Zeitraum. Da war das «Ich bin» schon mehr in den Menschen hereingedrungen im gewöhnlichen Alltagsbewußtsein. Zwar hatte die Sprache damals noch im Verbum das Ich drinnenliegen, das war noch nicht so abgesondert wie bei uns, aber es war immerhin schon ein deutliches Ich-Erlebnis vorhanden. Dieses deutliche Ich-Erlebnis war nun eine natürliche, selbstverständliche Tatsache des inneren Lebens. Dafür aber war schon die äußere Natur mehr oder weniger entseelt. Der Grieche hatte immerhin noch die Fähigkeit, die zwei Gesichtspunkte nebeneinander zu erleben, und zwar ohne besondere Schulung. Der Grieche erlebte noch deutlich, wenn auch schwächer als die Menschen älterer Zeiten, in Quelle, im Fluß, im Berg, im Baum das GeistigSeelische. Aber zu gleicher Zeit konnte er absehen von dem Geistig-Seelischen, auch das Tote in der Natur erleben und ein Selbstgefühl haben. Das gibt namentlich dem Griechentum seinen besonderen Charakter. Der Grieche hatte noch nicht eine solche Anschauung der Welt wie wir. Er konnte zwar schon solche Begriffe und Ideen von der Welt entwickeln wie wir, aber er konnte zu gleicher Zeit diejenigen Anschauungen ernst nehmen, die noch in Bildern gegeben waren. Er lebte überhaupt anders, als wir heute leben. Wir gehen zum Beispiel ins Theater, um uns zu unterhalten. Um sich zu unterhalten, ging man in Griechenland eigentlich erst ins Theater — wenn ich mich so ausdrücken darf — zu Euripides Zeiten, kaum zu Sophokles Zeiten, und jedenfalls nicht in den Zeiten des Äschylos, oder gar in noch älteren Zeiten. Da ging man zu anderen Zielen in die dramatischen Vorstellungen. Man hatte ein deutliches Gefühl, daß in allem, in Baum und Strauch, in Quelle und Fluß geistig-seelische Wesenheiten leben. Wenn man diese geistig- seelischen Wesenheiten erlebt, da hat man eben Lebensaugenblicke, wo man kein starkes Selbstgefühl hat. Wenn man aber wiederum dieses starke Selbstgefühl entwickelt, was die Alten noch durch Joga-Schulung haben suchen müssen, und was der Grieche nicht mehr durch JogaSchulung zu suchen brauchte, dann wird alles tot um einen herum, dann sieht man gewissermaßen nur den Leichnam der Natur. Dadurch aber verbraucht man sich. Man sagte sich: Das Leben verbraucht den Menschen. Der Grieche fühlte das wie eine Art seelischen und leiblichen Erkrankens, nur die tote Natur anzuschauen. Man empfand das lebhaft in älteren griechischen Zeiten, daß einen das Tagesleben krank macht, daß man etwas braucht, wodurch man wieder gesund wird: und das war die Tragödie. Um gesund zu werden, weil man fühlte, man verbraucht sich, man macht sich in einem gewissen Sinne krank, man braucht, wenn man überhaupt ganz Mensch bleiben will, eine Heilung, deshalb ging man zur Tragödie. Und die Tragödie wurde noch in Aschylos Zeiten so gespielt, daß man denjenigen, der die Tragödie bildete, der sie gestaltete, als den Arzt empfand, der den verbrauchten Menschen in einem gewissen Sinne wieder gesund machte. Die Gefühle, die da erregt 'wurden von Furcht, von Mitleid mit den Helden, die auftraten, wirkten wie eine Arznei. Sie durchdrangen den Menschen, und indem er sie überwand> diese Gefühle von Furcht und Mitleid, bildeten sie in ihm eine Krisis, wie sich zum Beispiel bei der Pneunomie eine Krisis bildet. Und indem man die Krisis überwindet, wird man gesund. So wurden die Schauspiele aufgeführt, um die Menschen, die sich als Menschen verbraucht fühlten, gesund zu machen. Das war das Gefühl, das man in der älteren Griechenzeit der Tragödie, dem Schauspiel entgegenbrachte. Und das war aus dem Grunde, weil sich die Menschen sagten: Wenn man sein Ich fühlt, dann wird die Welt entgöttert. Das Schauspiel führt wieder den Gott vor, denn es war Im wesentlichen ein Vorführen der göttlichen Welt und des Schicksals, das selbst die Götter erdulden müssen, also ein Vorführen dessen, was hinter der Welt als Geistiges sich geltend macht. Das war es, was in der Tragödie vorgeführt wurde.
[ 12 ] Das ist zugleich eine Charakteristik jener Zeit der Erdenentwickelung, die, wenn wir es etwas grob charakterisieren> vorangegangen ist zum Beispiel den griechisch-römischen Anschauungen im vierten nach- atlantischen Zeitraum. Da war das «Ich bin» schon mehr in den Menschen hereingedrungen im gewöhnlichen Alltagsbewußtsein. Zwar hatte die Sprache damals noch im Verbum das Ich drinnenliegen, das war noch nicht so abgesondert wie bei uns, aber es war immerhin schon ein deutliches Ich-Erlebnis vorhanden. Dieses deutliche Ich-Erlebnis war nun eine natürliche, selbstverständliche Tatsache des inneren Lebens. Dafür aber war schon die äußere Natur mehr oder weniger entseelt. Der Grieche hatte immerhin noch die Fähigkeit, die zwei Gesichtspunkte nebeneinander zu erleben, und zwar ohne besondere Schulung. Der Grieche erlebte noch deutlich, wenn auch schwächer als die Menschen älterer Zeiten, in Quelle, im Fluß, im Berg, im Baum das GeistigSeelische. Aber zu gleicher Zeit konnte er absehen von dem Geistig-Seelischen, auch das Tote in der Natur erleben und ein Selbstgefühl haben. Das gibt namentlich dem Griechentum seinen besonderen Charakter. Der Grieche hatte noch nicht eine solche Anschauung der Welt wie wir. Er konnte zwar schon solche Begriffe und Ideen von der Welt entwickeln wie wir, aber er konnte zu gleicher Zeit diejenigen Anschauungen ernst nehmen, die noch in Bildern gegeben waren. Er lebte überhaupt anders, als wir heute leben. Wir gehen zum Beispiel ins Theater, um uns zu unterhalten. Um sich zu unterhalten, ging man in Griechenland eigentlich erst ins Theater — wenn ich mich so ausdrücken darf — zu Euripides Zeiten, kaum zu Sophokles Zeiten, und jedenfalls nicht in den Zeiten des Äschylos, oder gar in noch älteren Zeiten. Da ging man zu anderen Zielen in die dramatischen Vorstellungen. Man hatte ein deutliches Gefühl, daß in allem, in Baum und Strauch, in Quelle und Fluß geistig-seelische Wesenheiten leben. Wenn man diese geistig- seelischen Wesenheiten erlebt, da hat man eben Lebensaugenblicke, wo man kein starkes Selbstgefühl hat. Wenn man aber wiederum dieses starke Selbstgefühl entwickelt, was die Alten noch durch Joga-Schulung haben suchen müssen, und was der Grieche nicht mehr durch JogaSchulung zu suchen brauchte, dann wird alles tot um einen herum, dann sieht man gewissermaßen nur den Leichnam der Natur. Dadurch aber verbraucht man sich. Man sagte sich: Das Leben verbraucht den Menschen. Der Grieche fühlte das wie eine Art seelischen und leiblichen Erkrankens, nur die tote Natur anzuschauen. Man empfand das lebhaft in älteren griechischen Zeiten, daß einen das Tagesleben krank macht, daß man etwas braucht, wodurch man wieder gesund wird: und das war die Tragödie. Um gesund zu werden, weil man fühlte, man verbraucht sich, man macht sich in einem gewissen Sinne krank, man braucht, wenn man überhaupt ganz Mensch bleiben will, eine Heilung, deshalb ging man zur Tragödie. Und die Tragödie wurde noch in Aschylos Zeiten so gespielt, daß man denjenigen, der die Tragödie bildete, der sie gestaltete, als den Arzt empfand, der den verbrauchten Menschen in einem gewissen Sinne wieder gesund machte. Die Gefühle, die da erregt 'wurden von Furcht, von Mitleid mit den Helden, die auftraten, wirkten wie eine Arznei. Sie durchdrangen den Menschen, und indem er sie überwand> diese Gefühle von Furcht und Mitleid, bildeten sie in ihm eine Krisis, wie sich zum Beispiel bei der Pneunomie eine Krisis bildet. Und indem man die Krisis überwindet, wird man gesund. So wurden die Schauspiele aufgeführt, um die Menschen, die sich als Menschen verbraucht fühlten, gesund zu machen. Das war das Gefühl, das man in der älteren Griechenzeit der Tragödie, dem Schauspiel entgegenbrachte. Und das war aus dem Grunde, weil sich die Menschen sagten: Wenn man sein Ich fühlt, dann wird die Welt entgöttert. Das Schauspiel führt wieder den Gott vor, denn es war Im wesentlichen ein Vorführen der göttlichen Welt und des Schicksals, das selbst die Götter erdulden müssen, also ein Vorführen dessen, was hinter der Welt als Geistiges sich geltend macht. Das war es, was in der Tragödie vorgeführt wurde.
[ 13 ] So war dem Griechen die Kunst noch eine Art Heilungsprozeß. Und indem die ersten Christen nachlebten, was in der Verkörperung des Christus in dem Jesus gegeben war und was in den Evangelien nachgedacht und nachempfunden werden kann: der Hingang des Christus Jesus zum Leiden und zum Kreuzestod, zur Auferstehung, zur Himmelfahrt-empfanden sie gewissermaßen eine innerliche Tragödie. Deshalb nannten sie auch den Christus, und nannte man ihn immer mehr den Arzt, den Heiland, den großen Arzt der Welt. Der Grieche hat in den älteren Zeiten dieses Heilende bei seiner Tragödie empfunden. Die Menschheit sollte allmählich dazu kommen, das historisch, das geschichtlich Heilende im Anblicke, im Gemütserleben des Mysteriums von Golgatha, der großen Tragödie von Golgatha zu erleben und zu empfinden.
[ 13 ] So war dem Griechen die Kunst noch eine Art Heilungsprozeß. Und indem die ersten Christen nachlebten, was in der Verkörperung des Christus in dem Jesus gegeben war und was in den Evangelien nachgedacht und nachempfunden werden kann: der Hingang des Christus Jesus zum Leiden und zum Kreuzestod, zur Auferstehung, zur Himmelfahrt-empfanden sie gewissermaßen eine innerliche Tragödie. Deshalb nannten sie auch den Christus, und nannte man ihn immer mehr den Arzt, den Heiland, den großen Arzt der Welt. Der Grieche hat in den älteren Zeiten dieses Heilende bei seiner Tragödie empfunden. Die Menschheit sollte allmählich dazu kommen, das historisch, das geschichtlich Heilende im Anblicke, im Gemütserleben des Mysteriums von Golgatha, der großen Tragödie von Golgatha zu erleben und zu empfinden.
[ 14 ] Im alten Griechenland ging man, namentlich in der Zeit Vor Äschylos, in der das, was früher nur im Dunkel der Mysterien gefeiert wurde, schon mehr öffentlich geworden war, in die Tragödie. Was sahen die Menschen in dieser älteren Tragödie? Der Gott Dionysos erschien, der Gott Dionysos war es, welcher aus den Erdenkräften, aus der geistigen Erde sich herausarbeitete. — Der Gott Dionysos, weil er sich aus den geistigen Kräften herausarbeitete und an die Oberfläche der Erde drang, machte das Leiden der Erde mit. Er fühlte gewissermaßen als Gott seelisch — nicht so, wie es beim Mysterium von Golgatha war, auch körperlich —, was es hieß, unter Wesen zu leben, welche durch den Tod gehen. Er lernte den Tod nicht an sich selbst erleben, aber er lernte ihn anschauen. Man fühlte, da ist der Gott Dionysos, der tief leidet unter den Menschen, weil er den Anblick haben mußte von alledem, was die Menschen erleiden. Es war nur eine einzige Wesenheit auf der Bühne zunächst, der Gott Dionysos, der leidende Dionysos, und um ihn herum ein Chor, der da rezitierend sprach, damit die Leute es hören konnten, was in dem Gotte Dionysos vorging. Denn das war überhaupt die erste Gestalt des Schauspieles, der Tragödie, daß die einzig wirklich handelnde Person, die auftritt, der Gott Dionysos war, und um ihn herum der Chor, welcher rezitierte, was in des Dionysos Seele vorging. Nach und nach nur wurden dann aus der einen Person, die den Gott Dionysos in den älteren Zeiten darstellte, mehrere Personen, und dann aus dem einen Schauspiele das spätere Drama. So erlebte man im Bilde den Gott Dionysos. Und man erlebte später in Wirklichkeit, als eine historische Tatsache der Menschheitsentwickelung, den leidenden und sterbenden Gott, den Christus. Einmal als historische Tatsache sollte sich das vor der Menschheit abspielen, so daß alle Menschen es empfinden konnten, was sonst in Griechenland im Schauspiel erlebt worden war. Aber indem die Menschheit diesem großen Geschichtsdrama entgegenlebte, wurde das Drama, das so heilig war in der alten Griechenzeit, daß man in ihm den Heiland, die wunderwirkende Menschheitsarznei empfand, immer mehr und mehr, ich möchte sagen, von seinem Podest herabgeworfen und wurde zum Unterhaltungsstoff, wIe es schon bei Euripides der Fall ist.
[ 14 ] Im alten Griechenland ging man, namentlich in der Zeit Vor Äschylos, in der das, was früher nur im Dunkel der Mysterien gefeiert wurde, schon mehr öffentlich geworden war, in die Tragödie. Was sahen die Menschen in dieser älteren Tragödie? Der Gott Dionysos erschien, der Gott Dionysos war es, welcher aus den Erdenkräften, aus der geistigen Erde sich herausarbeitete. — Der Gott Dionysos, weil er sich aus den geistigen Kräften herausarbeitete und an die Oberfläche der Erde drang, machte das Leiden der Erde mit. Er fühlte gewissermaßen als Gott seelisch — nicht so, wie es beim Mysterium von Golgatha war, auch körperlich —, was es hieß, unter Wesen zu leben, welche durch den Tod gehen. Er lernte den Tod nicht an sich selbst erleben, aber er lernte ihn anschauen. Man fühlte, da ist der Gott Dionysos, der tief leidet unter den Menschen, weil er den Anblick haben mußte von alledem, was die Menschen erleiden. Es war nur eine einzige Wesenheit auf der Bühne zunächst, der Gott Dionysos, der leidende Dionysos, und um ihn herum ein Chor, der da rezitierend sprach, damit die Leute es hören konnten, was in dem Gotte Dionysos vorging. Denn das war überhaupt die erste Gestalt des Schauspieles, der Tragödie, daß die einzig wirklich handelnde Person, die auftritt, der Gott Dionysos war, und um ihn herum der Chor, welcher rezitierte, was in des Dionysos Seele vorging. Nach und nach nur wurden dann aus der einen Person, die den Gott Dionysos in den älteren Zeiten darstellte, mehrere Personen, und dann aus dem einen Schauspiele das spätere Drama. So erlebte man im Bilde den Gott Dionysos. Und man erlebte später in Wirklichkeit, als eine historische Tatsache der Menschheitsentwickelung, den leidenden und sterbenden Gott, den Christus. Einmal als historische Tatsache sollte sich das vor der Menschheit abspielen, so daß alle Menschen es empfinden konnten, was sonst in Griechenland im Schauspiel erlebt worden war. Aber indem die Menschheit diesem großen Geschichtsdrama entgegenlebte, wurde das Drama, das so heilig war in der alten Griechenzeit, daß man in ihm den Heiland, die wunderwirkende Menschheitsarznei empfand, immer mehr und mehr, ich möchte sagen, von seinem Podest herabgeworfen und wurde zum Unterhaltungsstoff, wIe es schon bei Euripides der Fall ist.
[ 15 ] Die Menschheit lebte entgegen der Zeit, in der sie etwas anderes brauchte, als im Bilde vorgeführt zu bekommen die geistig-seelische Welt, nachdem für das Anschauen die Natur entseelt war. Die Menschheit brauchte das historische Mysterium von Golgatha. Der alte Joga- Schüler der indischen Zeit hatte den Atem aufgenommen, den Atem gewissermaßen in seinem eigenen Leib zurückgehalten, um in diesem Atmen zu empfinden: In dir lebt der göttliche Ich-Impuls. — Der Mensch erlebte als Joga-Schüler den Gott in sich selber durch den Atmungsprozeß. Spätere Zeiten kamen. Der Mensch erlebte nicht mehr in sich den Gottesimpuls im Atmungsprozeß. Aber er hatte denken gelernt, und er sagte: Durch den Atem kam die Seele in den Menschen hinein. — Der alte Joga-Schüler machte das durch. Der spätere Mensch sagte: Und Gott blies dem Menschen den lebendigen Odem ein, und er ward eine Seele. — Der ältere Joga-Schüler erlebte das, der spätere Mensch sagte es. Und indem man das im hebräischen Altertum sagte, erlebte man schon in einem gewissen Sinne abstrakt, was man früher konkret erlebt hatte. Aber man schaute auch nicht im hebräischen Altertum, dafür aber im griechischen Altertum. Es spielt sich immer das eine auf dem einen Erdenfleck, das andere auf einem andern Erdenfleck ab. Man erlebte nicht mehr den Gott in sich wie der alte Joga-Schüler, dafür aber erlebte man im Bilde das Dasein des Gottes im Menschen. Und dieses Erleben im Bilde des Daseins des Gottes im Menschen, das war eben im älteren griechischen Drama durchaus vorhanden. Aber dieses Drama wurde nun weltgeschichtliches Ereignis. Dieses Drama wurde das Mysterium von Golgatha. Dafür aber wurde auch das Bild nunmehr abgesetzt. Das Bild wurde bloßes Bild, wie der Atmungsprozeß bloß in Gedanken noch geschildert wurde. Die ganze menschliche Seelenverfassung wurde eine andere.
[ 15 ] Die Menschheit lebte entgegen der Zeit, in der sie etwas anderes brauchte, als im Bilde vorgeführt zu bekommen die geistig-seelische Welt, nachdem für das Anschauen die Natur entseelt war. Die Menschheit brauchte das historische Mysterium von Golgatha. Der alte Joga- Schüler der indischen Zeit hatte den Atem aufgenommen, den Atem gewissermaßen in seinem eigenen Leib zurückgehalten, um in diesem Atmen zu empfinden: In dir lebt der göttliche Ich-Impuls. — Der Mensch erlebte als Joga-Schüler den Gott in sich selber durch den Atmungsprozeß. Spätere Zeiten kamen. Der Mensch erlebte nicht mehr in sich den Gottesimpuls im Atmungsprozeß. Aber er hatte denken gelernt, und er sagte: Durch den Atem kam die Seele in den Menschen hinein. — Der alte Joga-Schüler machte das durch. Der spätere Mensch sagte: Und Gott blies dem Menschen den lebendigen Odem ein, und er ward eine Seele. — Der ältere Joga-Schüler erlebte das, der spätere Mensch sagte es. Und indem man das im hebräischen Altertum sagte, erlebte man schon in einem gewissen Sinne abstrakt, was man früher konkret erlebt hatte. Aber man schaute auch nicht im hebräischen Altertum, dafür aber im griechischen Altertum. Es spielt sich immer das eine auf dem einen Erdenfleck, das andere auf einem andern Erdenfleck ab. Man erlebte nicht mehr den Gott in sich wie der alte Joga-Schüler, dafür aber erlebte man im Bilde das Dasein des Gottes im Menschen. Und dieses Erleben im Bilde des Daseins des Gottes im Menschen, das war eben im älteren griechischen Drama durchaus vorhanden. Aber dieses Drama wurde nun weltgeschichtliches Ereignis. Dieses Drama wurde das Mysterium von Golgatha. Dafür aber wurde auch das Bild nunmehr abgesetzt. Das Bild wurde bloßes Bild, wie der Atmungsprozeß bloß in Gedanken noch geschildert wurde. Die ganze menschliche Seelenverfassung wurde eine andere.
[ 16 ] Der Mensch sah die Außenwelt tot, und das war für ihn das Elementare, das Natürliche, daß er die Außenwelt tot sah. Entgöttert sah er sie. Sich selbst als Außenwelt, als leibliche Außenwelt, sah er entgöttert. Aber er hatte den Trost dafür, daß einmal in diese entgötterte Welt der wirkliche Gott heruntergekommen war, der Christus, und in einem Menschen gelebt hatte, und durch die Auferstehung als Christus-Impuls in die ganze Erdenentwickelung übergegangen war. Und so konnte der Mensch eine gewisse Anschauung nunmehr in der folgenden Art entwickeln. Er konnte sich sagen: Ich sehe die Welt, aber sie ist ein Leichnam. — Er sagte es sich freilich nicht, denn es blieb im Unbewußten, der Mensch weiß nicht, daß er die Welt als Leichnam sieht. Aber allmählich bildete sich in seiner Anschauung der Leichnam am Kreuz, der gestorbene Christus Jesus. Und blickt man hin auf den Kruzifixus, auf den gestorbenen Christus Jesus, dann hat man die Natur. Man hat das Bild der Natur, jener Natur, in welcher der Mensch gekreuzigt ist. Und blickt man hin auf den, der aus dem Grabe auferstand, der dann von den Jüngern und von Paulus erlebt worden ist als der in der Welt lebende Christus, dann hat man das, was in älteren Zeiten in der ganzen Natur gesehen worden ist. Gewiß, in einer Vielheit, in vielen geistigen Wesenheiten, in Gnomen und Nymphen, in Sylphen und Salamandern, in allen möglichen anderen Wesenheiten der Erden-Hierarchien, erblickte man das Göttlich-Geistige; man erblickte die Natur durchgeistigt und beseelt. Nunmehr aber bekam man den Drang, durch den schon aufkeimenden Intellektualismus das, was zerstreut ist in der Natur, zusammenzufassen. Man hat es zusammengefaßt in dem toten Christus Jesus am Kreuze. Aber man schaut in dem Christus Jesus alles das, was man in der äußeren Natur verloren hat. Alle Geistigkeit schaut man, indem man hinschaut zu der Tatsache: Aus diesem Leibe hat sich erhoben der Christus, der Gottesgeist, der überwunden hat den Tod, und an dessen Wesenheit teilnehmen kann nunmehr jede Menschenseele. Man hat die Fähigkeit verloren, im Umkreise der Natur das Göttlich-Geistige zu sehen. Man hat die Fähigkeit gewonnen, im Hinblick auf das Mysterium von Golgatha dieses Göttlich-Geistige im Christus wieder zu finden.
[ 16 ] Der Mensch sah die Außenwelt tot, und das war für ihn das Elementare, das Natürliche, daß er die Außenwelt tot sah. Entgöttert sah er sie. Sich selbst als Außenwelt, als leibliche Außenwelt, sah er entgöttert. Aber er hatte den Trost dafür, daß einmal in diese entgötterte Welt der wirkliche Gott heruntergekommen war, der Christus, und in einem Menschen gelebt hatte, und durch die Auferstehung als Christus-Impuls in die ganze Erdenentwickelung übergegangen war. Und so konnte der Mensch eine gewisse Anschauung nunmehr in der folgenden Art entwickeln. Er konnte sich sagen: Ich sehe die Welt, aber sie ist ein Leichnam. — Er sagte es sich freilich nicht, denn es blieb im Unbewußten, der Mensch weiß nicht, daß er die Welt als Leichnam sieht. Aber allmählich bildete sich in seiner Anschauung der Leichnam am Kreuz, der gestorbene Christus Jesus. Und blickt man hin auf den Kruzifixus, auf den gestorbenen Christus Jesus, dann hat man die Natur. Man hat das Bild der Natur, jener Natur, in welcher der Mensch gekreuzigt ist. Und blickt man hin auf den, der aus dem Grabe auferstand, der dann von den Jüngern und von Paulus erlebt worden ist als der in der Welt lebende Christus, dann hat man das, was in älteren Zeiten in der ganzen Natur gesehen worden ist. Gewiß, in einer Vielheit, in vielen geistigen Wesenheiten, in Gnomen und Nymphen, in Sylphen und Salamandern, in allen möglichen anderen Wesenheiten der Erden-Hierarchien, erblickte man das Göttlich-Geistige; man erblickte die Natur durchgeistigt und beseelt. Nunmehr aber bekam man den Drang, durch den schon aufkeimenden Intellektualismus das, was zerstreut ist in der Natur, zusammenzufassen. Man hat es zusammengefaßt in dem toten Christus Jesus am Kreuze. Aber man schaut in dem Christus Jesus alles das, was man in der äußeren Natur verloren hat. Alle Geistigkeit schaut man, indem man hinschaut zu der Tatsache: Aus diesem Leibe hat sich erhoben der Christus, der Gottesgeist, der überwunden hat den Tod, und an dessen Wesenheit teilnehmen kann nunmehr jede Menschenseele. Man hat die Fähigkeit verloren, im Umkreise der Natur das Göttlich-Geistige zu sehen. Man hat die Fähigkeit gewonnen, im Hinblick auf das Mysterium von Golgatha dieses Göttlich-Geistige im Christus wieder zu finden.
[ 17 ] So ist die Entwickelung. Was die Menschheit verloren hat, es wurde ihr in Christus wiedergegeben. In dem, was sie verloren hat, hat sie den Egoismus gewonnen, die Möglichkeit des Selbstgefühles. Wäre die Natur nicht tot geworden für die menschliche Anschauung, so wäre der Mensch niemals zu dem Erlebnis «Ich bin» gekommen. Er ist zu dem Erlebnis «Ich bin» gekommen, er konnte sich erfühlen, innerlich sich erleben, aber er brauchte eine geistige Außenwelt. Die wurde der Christus. Aber das «Ich bin», die Egoität, die ist errichtet auf dem Leichnam der Natur.
[ 17 ] So ist die Entwickelung. Was die Menschheit verloren hat, es wurde ihr in Christus wiedergegeben. In dem, was sie verloren hat, hat sie den Egoismus gewonnen, die Möglichkeit des Selbstgefühles. Wäre die Natur nicht tot geworden für die menschliche Anschauung, so wäre der Mensch niemals zu dem Erlebnis «Ich bin» gekommen. Er ist zu dem Erlebnis «Ich bin» gekommen, er konnte sich erfühlen, innerlich sich erleben, aber er brauchte eine geistige Außenwelt. Die wurde der Christus. Aber das «Ich bin», die Egoität, die ist errichtet auf dem Leichnam der Natur.
[ 18 ] Das empfand Paulus. Konstruieren wir uns einmal diese Empfindung des Paulus. Ringsherum der Leichnam dessen, was einstmals die Menschen geschaut hatten in alten Zeiten. Die Menschen haben die Natur geschaut als den Leib des Göttlichen, Seelisch-Geistigen. Wie wir heute unsere Finger sehen, so sahen diese Menschen Berge. Es fiel ihnen gar nicht ein, die Berge als leblose Natur zu denken, so wenig, wie wir den Finger als lebloses Glied denken; sondern sie sagten: Da ist ein Geistig-Seelisches, das ist die Erde; die hat Glieder, und ein solches Glied ist der Berg. — Aber die Natur wurde tot. Der Mensch erlebte das «Ich bin» im Innern. Aber er würde nur dastehen als der Eremit auf der entgeistigten, entseelten Erde, wenn er nicht hinblicken könnte zu dem Christus. Diesen Christus aber, er darf ihn nicht bloß von außen anschauen, so daß er äußerlich bleibt, er muß ihn nun in das Ich aufnehmen. Er muß sagen können, indem er sich hinweghebt aus dem alltäglichen «Ich bin»: Nicht ich, sondern der Christus in mir.—Wenn wir schematisch darstellen, was da war, so könnten wir sagen: Der Mensch empfand dereinst um sich herum die Natur (grün), aber diese Natur überall durchseelt und durchgeistigt (rot). Das war in einer älteren Periode der Menschheit.
[ 18 ] Das empfand Paulus. Konstruieren wir uns einmal diese Empfindung des Paulus. Ringsherum der Leichnam dessen, was einstmals die Menschen geschaut hatten in alten Zeiten. Die Menschen haben die Natur geschaut als den Leib des Göttlichen, Seelisch-Geistigen. Wie wir heute unsere Finger sehen, so sahen diese Menschen Berge. Es fiel ihnen gar nicht ein, die Berge als leblose Natur zu denken, so wenig, wie wir den Finger als lebloses Glied denken; sondern sie sagten: Da ist ein Geistig-Seelisches, das ist die Erde; die hat Glieder, und ein solches Glied ist der Berg. — Aber die Natur wurde tot. Der Mensch erlebte das «Ich bin» im Innern. Aber er würde nur dastehen als der Eremit auf der entgeistigten, entseelten Erde, wenn er nicht hinblicken könnte zu dem Christus. Diesen Christus aber, er darf ihn nicht bloß von außen anschauen, so daß er äußerlich bleibt, er muß ihn nun in das Ich aufnehmen. Er muß sagen können, indem er sich hinweghebt aus dem alltäglichen «Ich bin»: Nicht ich, sondern der Christus in mir.—Wenn wir schematisch darstellen, was da war, so könnten wir sagen: Der Mensch empfand dereinst um sich herum die Natur (grün), aber diese Natur überall durchseelt und durchgeistigt (rot). Das war in einer älteren Periode der Menschheit.


[ 19 ] In späteren Zeiten empfand der Mensch auch die Natur, aber er empfand die Möglichkeit, gegenüber der nun entseelten Natur das eigene «Ich bin» wahrzunehmen (gelb). Da aber brauchte er dafür das Bild des im Menschen vorhandenen Gottes, und er empfand das in dem Gotte Dionysos, der ihm vorgeführt wurde im griechischen Drama.
[ 19 ] In späteren Zeiten empfand der Mensch auch die Natur, aber er empfand die Möglichkeit, gegenüber der nun entseelten Natur das eigene «Ich bin» wahrzunehmen (gelb). Da aber brauchte er dafür das Bild des im Menschen vorhandenen Gottes, und er empfand das in dem Gotte Dionysos, der ihm vorgeführt wurde im griechischen Drama.


[ 20 ] In noch späterer Zeit empfand der Mensch wiederum die entseelte Natur (grün), in sich das «Ich bin» (gelb). Das Drama aber wird zur Tatsache. Auf Golgatha erhebt sich das Kreuz. Aber zu gleicher Zeit geht das, was der Mensch ursprünglich verloren hatte, ihm in seinem eigenen Innern auf und strahlt (rot) aus dem eigenen Innern aus: Nicht ich, sondern der Christus in mir.
[ 20 ] In noch späterer Zeit empfand der Mensch wiederum die entseelte Natur (grün), in sich das «Ich bin» (gelb). Das Drama aber wird zur Tatsache. Auf Golgatha erhebt sich das Kreuz. Aber zu gleicher Zeit geht das, was der Mensch ursprünglich verloren hatte, ihm in seinem eigenen Innern auf und strahlt (rot) aus dem eigenen Innern aus: Nicht ich, sondern der Christus in mir.


[ 21 ] Wie hat der Mensch der alten Zeiten gesagt? Er hat es nicht sagen können, aber er erlebte es: Nicht ich, sondern das Göttlich-Geistige um mich, in mir, überall. — Der Mensch hat dieses «Göttlich-Geistiges überall, um mich, in mir» verloren; er hat es in sich wiedergefunden und im bewußten Sinne sagt er jetzt dasselbe, was er ursprünglich unbewußt erlebt hat: Nicht ich, sondern der Christus in mir.— Die Urtatsache, die unbewußt erlebt worden ist in der Zeit, bevor der Mensch sein Ich erlebte, die wird zur bewußten Tatsache, zum Erlebnis des Christus im menschlichen Inneren, im menschlichen Herzen, im menschlichen Seelenhaften.
[ 21 ] Wie hat der Mensch der alten Zeiten gesagt? Er hat es nicht sagen können, aber er erlebte es: Nicht ich, sondern das Göttlich-Geistige um mich, in mir, überall. — Der Mensch hat dieses «Göttlich-Geistiges überall, um mich, in mir» verloren; er hat es in sich wiedergefunden und im bewußten Sinne sagt er jetzt dasselbe, was er ursprünglich unbewußt erlebt hat: Nicht ich, sondern der Christus in mir.— Die Urtatsache, die unbewußt erlebt worden ist in der Zeit, bevor der Mensch sein Ich erlebte, die wird zur bewußten Tatsache, zum Erlebnis des Christus im menschlichen Inneren, im menschlichen Herzen, im menschlichen Seelenhaften.
[ 22 ] Sehen Sie da nicht, wenn man ein solches triviales Schema aufzeichnet, förmlich das, was man dann darstellen muß in Ideen? Sehen Sie nicht die ganze Welt erfüllt von dem Christus-Geist, der im Innern des Menschen aufgeht, daß der aus dem Kosmos erst hereinzieht in den Menschen? Und machen Sie sich klar, was für eine Bedeutung das Sonnenlicht für den Menschen hat, wie der Mensch physisch ohne das Sonnenlicht nicht leben kann, wie das Licht überall uns umgibt, dann werden Sie auch verstehen können, wenn ich Ihnen sage, daß in jenen älteren Zeiten, von denen ich heute gesprochen habe, der Mensch sich durchaus als Licht im Lichte fühlte. Er fühlte sich zum Licht hinzugehörig. Er sagte nicht «Ich bin», er nahm die Sonnenstrahlen wahr, die auf die Erde fielen, und er unterschied sich nicht von den Sonnenstrahlen. Wo er das Licht wahrnahm, nahm er auch sich wahr, denn da drinnen fühlte er sich. Wenn das Licht ankam, fühlte er sich auf den Wogen des Lichtes, auf den Wogen des Sonnenhaften, der Sonne.
[ 22 ] Sehen Sie da nicht, wenn man ein solches triviales Schema aufzeichnet, förmlich das, was man dann darstellen muß in Ideen? Sehen Sie nicht die ganze Welt erfüllt von dem Christus-Geist, der im Innern des Menschen aufgeht, daß der aus dem Kosmos erst hereinzieht in den Menschen? Und machen Sie sich klar, was für eine Bedeutung das Sonnenlicht für den Menschen hat, wie der Mensch physisch ohne das Sonnenlicht nicht leben kann, wie das Licht überall uns umgibt, dann werden Sie auch verstehen können, wenn ich Ihnen sage, daß in jenen älteren Zeiten, von denen ich heute gesprochen habe, der Mensch sich durchaus als Licht im Lichte fühlte. Er fühlte sich zum Licht hinzugehörig. Er sagte nicht «Ich bin», er nahm die Sonnenstrahlen wahr, die auf die Erde fielen, und er unterschied sich nicht von den Sonnenstrahlen. Wo er das Licht wahrnahm, nahm er auch sich wahr, denn da drinnen fühlte er sich. Wenn das Licht ankam, fühlte er sich auf den Wogen des Lichtes, auf den Wogen des Sonnenhaften, der Sonne.
[ 23 ] Mit dem Christus wurde das in seinem eigenen Inneren wirksam. Es ist die Sonne, die in das eigene Innere einzieht und in dem eigenen Inneren wirksam wird. Es steht das natürlich vielfach in der Bibel, dieser Vergleich des Christus mit dem Lichte, aber wenn heute die Anthroposophie wiederum aufmerksam machen will, daß man es da mit einer Wirklichkeit zu tun hat, dann lehnen sich heute am meisten diejenigen Menschen auf, für deren Fakultät in den Verzeichnissen der Universitäten steht: «Gottesgelahrtheit». Sie lehnen das Wissen über diese Dinge eigentlich ab. Und es ist schon eine tief bedeutsame Tatsache, daß es gerade in Basel einmal einen solchen Gottesgelahrten gegeben hat, der auch ein Freund Nietzsches war: Overbeck, der das Buch geschrieben hat über die Christlichkeit der heutigen Theologie. Mit diesem Buche wollte er eigentlich als Theologe konstatieren, daß man noch das Christliche hat, daß es damals, in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, noch dieses Christliche gab, daß aber auch schon vieles unchristlich geworden sei, daß jedenfalls aber die Theologie nicht mehr christlich sei. Das wollte der an der theologischen Fakultät in Basel wirksame Theologieprofessor Overbeck durch sein Buch über die Christlichkeit der heutigen Theologie zum Beweise erheben. Es ist ihm auch in hohem Grade gelungen. Und wer das Buch ernst nimmt, der kommt eben zu der Überzeugung: Es mag heute noch manches Christliche geben, aber die moderne Theologie ist jedenfalls unchristlich geworden. Und es mag heute noch manches Christliche geben, aber wenn die Theologen anfangen, über Christus zu reden, so sind ihre Worte jedenfalls nicht mehr christlich. Diese Dinge werden nur gewöhnlich nicht ernst genug genommen. Aber sie sollten ernst genommen werden, denn würden sie ernst genommen, dann würde man nicht nur die Notwendigkeit des heutigen anthroposophischen Wirkens einsehen, sondern man würde auch die ganze Bedeutung der Anthroposophie einsehen. Und man würde sich vor allen Dingen der Verantwortung bewußt sein, die man heute der gegenwärtigen Menschheit gegenüber hat in bezug auf so etwas wie anthroposophisches Wissen. Denn dieses anthroposophische Wissen müßte eigentlich heute allem Wissen zugrunde liegen. Es müßte alles Wissen, insbesondere das soziale Wissen, aus diesem anthroposophischen Wissen herausgeholt werden. Denn indem die Menschen lernen, daß das Licht des Christus in ihnen lebt — Christus in mir —, indem sie das voll erleben, lernen sie, sich als etwas anderes anzusehen als das, was man bekommt, wenn man nur den Menschen als dem Leichnam der Natur angehörig ansieht. Aus dieser Anschauung aber, daß der Mensch der zum Leichnam gewordenen Natur angehört, ist unsere antisoziale, unsoziale Gegenwart entstanden. Und zu einer wirklichen Anschauung, die wiederum die Menschen zu Brüdern machen kann, die wiederum wirkliche Moralimpulse in die Menschheit bringen kann, kann es doch nur kommen, wenn der Mensch zum Verständnis des Wortes vordringt: Nicht ich, sondern der Christus in mir —, wenn der Christus, gerade im Umgange von Mensch zu Mensch, gefunden wird als eine wirksame Kraft. Ohne diese Erkenntnis kommen wir nicht vorwärts. Wir brauchen diese Erkenntnis, und diese Erkenntnis muß gefunden werden. Kommen wir vorwärts bis zu ihr, dann kommen wir auch über diese hinaus vorwärts, dann kommen wir zu der Durchchristung unseres sozialen Lebens.
[ 23 ] Mit dem Christus wurde das in seinem eigenen Inneren wirksam. Es ist die Sonne, die in das eigene Innere einzieht und in dem eigenen Inneren wirksam wird. Es steht das natürlich vielfach in der Bibel, dieser Vergleich des Christus mit dem Lichte, aber wenn heute die Anthroposophie wiederum aufmerksam machen will, daß man es da mit einer Wirklichkeit zu tun hat, dann lehnen sich heute am meisten diejenigen Menschen auf, für deren Fakultät in den Verzeichnissen der Universitäten steht: «Gottesgelahrtheit». Sie lehnen das Wissen über diese Dinge eigentlich ab. Und es ist schon eine tief bedeutsame Tatsache, daß es gerade in Basel einmal einen solchen Gottesgelahrten gegeben hat, der auch ein Freund Nietzsches war: Overbeck, der das Buch geschrieben hat über die Christlichkeit der heutigen Theologie. Mit diesem Buche wollte er eigentlich als Theologe konstatieren, daß man noch das Christliche hat, daß es damals, in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, noch dieses Christliche gab, daß aber auch schon vieles unchristlich geworden sei, daß jedenfalls aber die Theologie nicht mehr christlich sei. Das wollte der an der theologischen Fakultät in Basel wirksame Theologieprofessor Overbeck durch sein Buch über die Christlichkeit der heutigen Theologie zum Beweise erheben. Es ist ihm auch in hohem Grade gelungen. Und wer das Buch ernst nimmt, der kommt eben zu der Überzeugung: Es mag heute noch manches Christliche geben, aber die moderne Theologie ist jedenfalls unchristlich geworden. Und es mag heute noch manches Christliche geben, aber wenn die Theologen anfangen, über Christus zu reden, so sind ihre Worte jedenfalls nicht mehr christlich. Diese Dinge werden nur gewöhnlich nicht ernst genug genommen. Aber sie sollten ernst genommen werden, denn würden sie ernst genommen, dann würde man nicht nur die Notwendigkeit des heutigen anthroposophischen Wirkens einsehen, sondern man würde auch die ganze Bedeutung der Anthroposophie einsehen. Und man würde sich vor allen Dingen der Verantwortung bewußt sein, die man heute der gegenwärtigen Menschheit gegenüber hat in bezug auf so etwas wie anthroposophisches Wissen. Denn dieses anthroposophische Wissen müßte eigentlich heute allem Wissen zugrunde liegen. Es müßte alles Wissen, insbesondere das soziale Wissen, aus diesem anthroposophischen Wissen herausgeholt werden. Denn indem die Menschen lernen, daß das Licht des Christus in ihnen lebt — Christus in mir —, indem sie das voll erleben, lernen sie, sich als etwas anderes anzusehen als das, was man bekommt, wenn man nur den Menschen als dem Leichnam der Natur angehörig ansieht. Aus dieser Anschauung aber, daß der Mensch der zum Leichnam gewordenen Natur angehört, ist unsere antisoziale, unsoziale Gegenwart entstanden. Und zu einer wirklichen Anschauung, die wiederum die Menschen zu Brüdern machen kann, die wiederum wirkliche Moralimpulse in die Menschheit bringen kann, kann es doch nur kommen, wenn der Mensch zum Verständnis des Wortes vordringt: Nicht ich, sondern der Christus in mir —, wenn der Christus, gerade im Umgange von Mensch zu Mensch, gefunden wird als eine wirksame Kraft. Ohne diese Erkenntnis kommen wir nicht vorwärts. Wir brauchen diese Erkenntnis, und diese Erkenntnis muß gefunden werden. Kommen wir vorwärts bis zu ihr, dann kommen wir auch über diese hinaus vorwärts, dann kommen wir zu der Durchchristung unseres sozialen Lebens.

