The Secret of the Trinity
GA 214
20 August 1922, Dornach
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The Secret of the Trinity, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Der so freundlichen Einladung, heute abend hier zu sprechen, will ich dadurch nachkommen, daß ich einiges davon mitteile, wie man durch unmittelbare Forschung zu jener spirituellen Erkenntnis kommt, von der ja hier die erzieherischen Konsequenzen auseinandergesetzt werden sollen. Ich bemerke von vornherein, daß ich heute vorzugsweise zu sprechen haben werde von der Methode, forschend in übersinnliche Welten hineinzukommen; vielleicht wird sich bei einer anderen Gelegenheit noch die Möglichkeit bieten, etwas von übersinnlichen Forschungsresultaten mitzuteilen. Aber außerdem muß ich einleitend sagen, daß alles das, was ich heute zu sagen habe, sich im strengen Sinne auf die Erforschung der spirituellen, der übersinnlichen Welten bezieht, nicht auf das Verstehen der übersinnlichen Erkenntnisse. Die übersinnlichen Erkenntnisse, die erforscht sind und mitgeteilt werden, können mit dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstand eingesehen werden, wenn sich dieser gesunde Menschenverstand nur nicht die Unbefangenheit nimmt dadurch, daß er von dem ausgeht, was man für die äußere sinnliche Welt Beweise, logische Ableitungen und dergleichen nennt. Nur wegen dieser Hindernisse wird sehr häufig gesagt, daß man die übersinnlichen Forschungsresultate nicht verstehen könne, wenn man nicht selber ein übersinnlicher Forscher werden kann.
[ 1 ] I would like to accept this kind invitation to speak here this evening by sharing some insights into how one can, through direct research, attain that spiritual knowledge whose educational implications are to be discussed here. I would like to note from the outset that today I will be speaking primarily about the method of entering the supersensible worlds through research; perhaps another opportunity will arise to share some of the results of supersensible research. But I must also say by way of introduction that everything I have to say today relates, in the strict sense, to the exploration of the spiritual, supersensible worlds—not to the understanding of supersensible insights. The supersensible insights that have been researched and communicated can be understood with ordinary common sense, provided that this common sense does not lose its objectivity by relying solely on what is called evidence, logical deductions, and the like in the external sensory world. It is solely because of these obstacles that it is very often said that one cannot understand the results of supersensory research unless one becomes a supersensory researcher oneself.
[ 2 ] Was hier mitgeteilt werden soll, ist ja Gegenstand der sogenannten Initiationserkenntnis, derjenigen Erkenntnis, die in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung in einer etwas anderen Form gepflegt worden ist, als wir sie heute in unserem Zeitalter pflegen müssen. Nicht Altes — ich habe das schon in den anderen Vorträgen bemerkt — soll wieder heraufgeholt werden, sondern im Sinne des Denkens und Empfindens unseres Zeitalters soll der Forschungsweg in die übersinnlichen Welten angetreten werden. Und da kommt es vor allen Dingen gerade mit Bezug auf die Initiationserkenntnis darauf an, daß man imstande ist, eine prinzipielle Umorientierung mit der ganzen menschlichen Seelenverfassung zu vollziehen.
[ 2 ] What is to be conveyed here is, in fact, the subject of what is known as “initiatory knowledge”—the kind of knowledge that, in earlier periods of human development, was cultivated in a somewhat different form than we must cultivate it in our own age today. It is not a matter of reviving the old—as I have already noted in the other lectures—but rather of embarking on the path of research into the supersensible worlds in a manner suited to the thinking and feeling of our age. And here, especially with regard to initiatory knowledge, it is of the utmost importance that one be capable of effecting a fundamental reorientation of the entire human soul constitution.
[ 3 ] Derjenige, der Initiationserkenntnis hat, unterscheidet sich von dem, der andere Erkenntnis im heutigen Sinne des Wortes hat, nicht etwa nur dadurch, daß seine Initiationserkenntnis eine höhere Stufe der gewöhnlichen Erkenntnis ist. Sie wird allerdings auf der Grundlage der gewöhnlichen Erkenntnis erreicht; diese Grundlage muß da sein; das intellektuelle Denken muß voll entwickelt sein, wenn man zur Initiationserkenntnis kommen will. Dann aber ist eine prinzipielle Umorientierung notwendig, so daß der Besitzer von Initiationserkenntnissen überhaupt von einem ganz anderen Gesichtspunkte aus die Welt anschauen muß, als sie angeschaut wird ohne diese Initiationserkenntnis. Ich kann in einer einfachen Formel ausdrücken, wodurch sich prinzipiell die Initiationserkenntnis unterscheidet von der gewöhnlichen Erkenntnis: In der gewöhnlichen Erkenntnis sind wir uns bewußt unseres Denkens, überhaupt unserer inneren Seelenerlebnisse, durch die wir uns Erkenntnisse erwerben, als Subjekt der Erkenntnis. Wir denken zum Beispiel und glauben, durch die Gedanken etwas zu erkennen. Da sind wir, wenn wir uns als denkende Menschen auffassen, das Subjekt. Wir suchen die Objekte, indem wir die Natur beobachten, indem wir das Menschenleben beobachten, indem wir experimentieren. Wir suchen immer die Objekte. Die Objekte sollen an uns herandringen. Die Objekte sollen sich uns ergeben, so daß wir sie mit unseren Gedanken umfassen können, daß wir unser Denken auf sie anwenden können. Wir sind das Subjekt; das, was an uns herantritt, sind die Objekte. Bei demjenigen Menschen, der Initiationserkenntnis anstrebt, tritt eine völlig andere Orientierung ein. Er muß gewahr werden, daß er als Mensch Objekt ist, und er muß zu diesem Objekte Mensch das Subjekt suchen. Also das völlig Entgegengesetzte muß eintreten. In der gewöhnlichen Erkenntnis fühlen wir uns als Subjekt, suchen die Objekte, die außer uns sind. In der Initiationserkenntnis sind wir selber das Objekt und suchen dazu das Subjekt; beziehungsweise in der wirklichen Initiationserkenntnis ergeben sich dann die Subjekte. Aber das ist dann erst Gegenstand einer späteren Erkenntnis.
[ 3 ] The person who possesses initiatory knowledge differs from the person who possesses other forms of knowledge in the modern sense of the word not merely in that his initiatory knowledge is a higher stage of ordinary knowledge. It is, however, attained on the basis of ordinary knowledge; this foundation must be in place; intellectual thinking must be fully developed if one is to attain initiatory knowledge. But then a fundamental reorientation is necessary, so that the possessor of initiatory knowledge must view the world from a completely different perspective than it is viewed without this initiatory knowledge. I can express in a simple formula the fundamental difference between initiatory knowledge and ordinary knowledge: In ordinary knowledge, we are conscious of our thinking—and indeed of our inner soul experiences through which we acquire knowledge—as the subject of that knowledge. For example, we think and believe that we recognize something through our thoughts. Here, when we regard ourselves as thinking human beings, we are the subject. We seek out the objects by observing nature, by observing human life, and by conducting experiments. We are always seeking the objects. The objects are supposed to come to us. The objects are supposed to present themselves to us so that we can grasp them with our thoughts, so that we can apply our thinking to them. We are the subject; what approaches us are the objects. For the person who strives for initiatory knowledge, a completely different orientation arises. He must become aware that, as a human being, he is the object, and he must seek the subject in relation to this human object. Thus, the exact opposite must occur. In ordinary cognition, we feel ourselves to be the subject and seek the objects that are outside of us. In initiatory knowledge, we ourselves are the object and seek the subject accordingly; or rather, in true initiatory knowledge, the subjects then yield themselves. But that is the subject of a later insight.
[ 4 ] Sie sehen also, es ist gerade so, wie wenn wir schon durch die bloßen Begriffsdefinitionen einsehen müßten, daß wir eigentlich in der Initiationserkenntnis aus uns herausflüchten müssen, daß wir so werden müssen wie die Pflanzen, die Steine, wie der Blitz und der Donner, die für uns Objekte werden. Wir selber schlüpfen gewissermaßen aus uns heraus in der Initiationserkenntnis und werden zum Objekt, und suchen die Subjekte dazu. Wenn ich mich etwas paradox ausdrücken darf, so möchte ich sagen, indem wir gerade auf das Denken abzielen: In der gewöhnlichen Erkenntnis denken wir über die Dinge nach. In der Initiationserkenntnis müssen wir suchen, wie wir gedacht werden im Kosmos.
[ 4 ] So you see, it is just as if, through the mere definitions of the concepts alone, we were compelled to realize that in the knowledge of initiation we must actually step outside of ourselves, that we must become like the plants, the stones, the lightning, and the thunder—which become objects for us. We ourselves, so to speak, slip out of ourselves in initiatory knowledge and become an object, and we seek the subjects for this. If I may express myself somewhat paradoxically, I would like to say—since we are focusing specifically on thinking—that in ordinary knowledge we think about things. In initiatory knowledge, we must seek how we are thought of within the cosmos.
[ 5 ] Das sind ja nichts anderes als abstrakte Richtlinien, aber diese abstrakten Richtlinien werden Sie nun in den konkreten Tatsachen der Initiationsmethode überall verfolgt finden.
[ 5 ] These are nothing more than abstract guidelines, but you will find these abstract guidelines reflected everywhere in the concrete details of the initiation method.
[ 6 ] Zunächst geht, wenn wir eben heute nur von der modernen, von der heute gültigen Initiationserkenntnis Mitteilungen empfangen wollen, diese Initiationserkenntnis vom Denken aus. Das Gedankenleben muß voll entwickelt sein, wenn man heute zur Initiationserkenntnis kommen will. Dieses Gedankenleben kann ja besonders herangeschult werden, wenn man sich in die naturwissenschaftliche Entwickelung der letzten Jahrhunderte, insbesondere des 19. Jahrhunderts, vertieft. Mit diesem naturwissenschaftlichen Erkennen geht es ja den Menschen in verschiedener Weise. Die einen nehmen die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse auf, hören selbst mit einer gewissen, ich möchte sagen, Naivität, wie sich die organischen Wesen von den einfachsten, primitivsten heraufentwickelt haben sollen bis zum Menschen. Sie bilden sich über diese Entwickelung Ideen aus, und sie sehen wenig zurück auf sich selber, daß sie da nun eine Idee haben, daß sie da in sich selber etwas in der Anschauung der äußeren Vorgänge entwickeln, was Gedankenleben ist.
[ 6 ] First of all, if we wish to receive messages today based solely on modern initiatory knowledge—that is, the knowledge currently in force—this initiatory knowledge arises from thinking. One’s life of thought must be fully developed if one wishes to attain initiatory knowledge today. This life of thought can be particularly cultivated by delving into the development of the natural sciences over the past few centuries, especially the 19th century. People relate to this scientific knowledge in various ways. Some people take in scientific findings and listen—with a certain, I might say, naivety—to how organic beings are said to have evolved from the simplest and most primitive forms up to the human being. They form ideas about this evolution, and they pay little attention to the fact that they themselves have an idea—that within themselves, in their perception of external processes, they are developing something that is their own life of thought.
[ 7 ] Derjenige aber, der nicht die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse entgegennehmen kann, ohne auf sich selbst kritisch zu sehen, der muß sich allerdings fragen: Was bedeutet das, was ich da selber tue, indem ich Wesen für Wesen vom Unvollkommenen zum Vollkommenen verfolge? Oder aber, er muß sich fragen: Indem ich mathematisiere, indem ich die Mathematik ausbilde, da bilde ich ja Gedanken rein aus mir heraus. Die Mathematik ist im richtigen Sinne ein Gespinst, das ich aus mir selber heraushole. Ich wende dann dieses Gespinst auf die äußeren Dinge an, und es paßt. Da kommen wir zu der großen, zu der, ich möchte sagen, für den Denker geradezu tragischen Frage: Wie steht es mit dem, was ich bei aller Erkenntnis anwende, mit dem Denken selber?
[ 7 ] But anyone who cannot accept scientific findings without taking a critical look at themselves must indeed ask: What does it mean, what am I actually doing here, as I trace being after being from the imperfect to the perfect? Or else, he must ask himself: When I engage in mathematics, when I develop mathematical concepts, I am, after all, forming thoughts purely from within myself. Mathematics, in the true sense, is a web that I draw out of myself. I then apply this web to external things, and it fits. This brings us to the great question—one that, I would say, is downright tragic for the thinker: What about that which I apply in all my cognition—what about thought itself?
[ 8 ] Nun kann man nicht finden, wie es mit diesem Denken steht, wenn man noch so lange nachdenkt; denn da bleibt das Denken nur immer auf demselben Flecke stehen, da dreht man sich sozusagen nur immer um die Achse, die man sich schon gebildet hat. Man muß mit dem Denken etwas vollziehen. Man muß dasjenige mit dem Denken ausführen, was ich in meiner Schrift: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» — «The Way of Initiation» im Englischen —, beschrieben habe als Meditation.
[ 8 ] No matter how long one thinks about it, one cannot determine the nature of this thinking; for thinking simply remains stuck in the same place—one merely revolves, so to speak, around the axis one has already formed for oneself. One must accomplish something through thinking. One must carry out through thinking what I have described as meditation in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*—*The Way of Initiation* in English.
[ 9 ] Über die Meditation soll man nicht «mystisch» denken, aber man soll auch nicht leicht über sie denken. Die Meditation muß etwas völlig Klares sein in unserem heutigen Sinne. Aber sie ist zugleich etwas, zu dem Geduld und innere Seelenenergie gehört. Und vor allen Dingen gehört etwas dazu, was niemand einem anderen Menschen geben kann: daß man sich selber etwas versprechen und es dann halten kann. Wenn der Mensch einmal beginnt, Meditationen zu machen, so vollzieht er damit die einzige wirklich völlig freie Handlung in diesem menschlichen Leben. Wir haben in uns immer die Tendenz zur Freiheit, haben auch ein gut Teil der Freiheit verwirklicht. Aber wenn wir nachdenken, werden wir finden: Wir sind mit dem einen abhängig von unserer Vererbung, mit dem anderen von unserer Erziehung, mit dem dritten von unserem Leben. Und fragen Sie sich, inwiefern wir imstande sind, das, was wir durch Vererbung, durch Erziehung und durch das Leben uns angeeignet haben, plötzlich zu lassen. Wir wären ziemlich dem Nichts gegenübergestellt, wenn wir das plötzlich lassen wollten. Wenn wir uns aber vornehmen, abends und morgens eine Meditation zu machen, damit wir allmählich lernen, in die übersinnliche Welt hineinzuschauen, dann können wir das jeden Tag tun oder lassen. Nichts steht dem entgegen. Und die Erfahrung lehrt auch, daß die meisten, die mit großen Vorsätzen an das meditative Leben herangehen, es sehr bald wiederum lassen. Wir sind darin vollständig frei. Es ist dieses Meditieren eine urfreie Handlung.
[ 9 ] One should not think of meditation in “mystical” terms, but neither should one take it lightly. Meditation must be something completely clear in our modern sense. But at the same time, it is something that requires patience and inner spiritual energy. And above all, it requires something that no one can give to another person: the ability to make a promise to oneself and then keep it. Once a person begins to meditate, they are thereby performing the only truly completely free act in this human life. We always have within us a tendency toward freedom, and we have also realized a good portion of that freedom. But if we reflect, we will find that in one respect we are dependent on our heredity, in another on our upbringing, and in a third on our life experiences. And ask yourself to what extent we are capable of suddenly letting go of what we have acquired through heredity, upbringing, and life experiences. We would be faced with nothingness if we were to suddenly let go of all that. But if we resolve to meditate in the morning and evening so that we may gradually learn to look into the supersensible world, then we can choose to do so or not each day. Nothing stands in the way of this. And experience also teaches us that most people who approach the meditative life with grand resolutions give it up again very soon. We are completely free in this regard. Meditation is an act of primordial freedom.
[ 10 ] Können wir uns trotzdem treu bleiben, versprechen wir uns — nicht einem anderen, sondern nur uns selber einmal — daß wir diesem Meditieren treu bleiben, dann ist das an sich eine ungeheure Kraft im Seelischen.
[ 10 ] If we can remain true to ourselves despite everything—if we promise ourselves—not to anyone else, but only to ourselves—that we will remain faithful to this practice of meditation, then that in itself is a tremendous source of spiritual strength.
[ 11 ] Nun, nachdem ich das auseinandergesetzt habe, möchte ich aufmerksam machen darauf, wie die Meditation selber in ihren einfachsten Formen vollzogen wird. Ich kann mich ja heute nur mit dem Prinzipiellen beschäftigen.
[ 11 ] Now that I have explained this, I would like to draw attention to how meditation itself is practiced in its simplest forms. Today, I can only address the fundamental principles.
[ 12 ] Es handelt sich darum, daß wir irgendeine Vorstellung oder einen Vorstellungskomplex in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins rücken; es kommt gar nicht darauf an, welches der Gehalt dieses Vorstellungskomplexes ist; aber er soll unmittelbar sein, so daß er keine Reminiszenzen aus der Erinnerung oder dergleichen vorstellt. Daher ist es gut, wenn wir ihn nicht aus unserem Erinnerungsschatze heraufholen, sondern uns von einem anderen, der erfahren ist in solchen Dingen, die Meditation geben lassen, nicht, weil der auf uns irgendeine Suggestion ausüben will, sondern weil wir sicher sein können, daß dasjenige, was wir dann meditieren, etwas Neues für uns ist. Wir könnten ebensogut irgendein altes Werk, das wir ganz sicher noch nicht gelesen haben, nehmen, und uns einen Meditationssatz daraus suchen. Es handelt sich darum, daß wir uns nicht aus dem Unterbewußten und Unbewußten einen Satz heraufholen, der uns überwältigt. Das ist nicht überschaubar, weil sich alle möglichen Empfindungsreste und Gefühlsreste hineinmischen. Es handelt sich darum, daß es so überschaubar sein soll, wie ein Mathematiksatz überschaubar ist.
[ 12 ] The point is that we bring a particular idea or complex of ideas to the center of our consciousness; the content of this complex of ideas is entirely irrelevant; but it must be immediate, so that it does not involve any recollections from memory or the like. Therefore, it is best not to draw it from our own store of memories, but rather to have someone else—who is experienced in such matters—provide us with a meditation topic, not because they wish to exert any kind of suggestion on us, but because we can be certain that what we then meditate on will be something new to us. We might just as well take some old work that we are quite certain we have not yet read and find a sentence for meditation from it. The point is that we should not draw a phrase from our subconscious or unconscious that overwhelms us. That is not manageable, because all sorts of residual sensations and emotions get mixed in. The point is that it should be as manageable as a mathematical theorem is.
[ 13 ] Nehmen wir etwas ganz Einfaches, den Satz «Im Lichte lebt die Weisheit». Das ist zunächst gar nicht darauf zu prüfen, ob es wahr ist. Es ist ein Bild. Aber es kommt nicht darauf an, daß wir irgendwie mit dem Inhalte als solchem uns anders beschäftigen, als daß wir ihn innerlich seelisch überschauen, daß wir darauf ruhen mit dem Bewußtsein. Wir werden es anfangs nur zu einem sehr kurzen Ruhen mit dem Bewußtsein auf einem solchen Inhalte bringen. Immer länger und länger wird die Zeit werden.
[ 13 ] Let’s take something very simple: the sentence “Wisdom lives in the light.” At first, there is no need to examine whether it is true. It is a metaphor. But what matters is not that we engage with the content as such in any particular way, but rather that we take it in inwardly and spiritually, that we rest in it with our consciousness. At first, we will only be able to rest our consciousness on such content for a very brief moment. That time will grow longer and longer.
[ 14 ] Worauf kommt es denn an? Es kommt darauf an, daß wir den ganzen seelischen Menschen zusammennehmen, um all das, was in uns Denkkraft, Empfindungskraft ist, auf den einen Inhalt zu konzentrieren. Geradeso wie die Muskeln des Armes stark werden, wenn wir mit ihnen arbeiten, so verstärken sich die seelischen Kräfte dadurch, daß sie immer wieder und wieder auf einen Inhalt gerichtet werden. Möglichst sollte dieser eine Inhalt durch Monate, vielleicht durch Jahre derselbe bleiben. Denn die seelischen Kräfte müssen zur wirklichen übersinnlichen Forschung erst gestärkt, erkraftet werden.
[ 14 ] What, then, is essential? It is essential that we take the whole spiritual being into account in order to concentrate all that within us—our power of thought and our power of feeling—on a single subject. Just as the muscles of the arm grow strong when we work with them, so the spiritual powers are strengthened by being directed again and again toward a single subject. As far as possible, this single subject should remain the same for months, perhaps even years. For the spiritual powers must first be strengthened and developed before true supersensible research can take place.
[ 15 ] Wenn man in dieser Weise fortübt, dann kommt der Tag, ich möchte sagen, der große Tag, an dem man eine ganz bestimmte Beobachtung macht. Die Beobachtung macht man, daß man allmählich in einer seelischen Tätigkeit ist, die ganz unabhängig ist vom Leibe. Und man merkt auch: Vorher war man mit allem Denken und Empfinden vom Leibe abhängig, mit dem Vorstellen vom Sinnes-Nervensystem, mit dem Fühlen vom Zirkulationssystem und so weiter; jetzt fühlt man sich in einer geistig-seelischen Tätigkeit, die völlig unabhängig von jeder Leibestätigkeit ist. Und das merkt man daran, daß man nunmehr in die Lage kommt, etwas im Kopfe selber in Vibration zu versetzen, das vorher ganz unbewußt geblieben ist. Man macht jetzt die merkwürdige Entdeckung, worin der Unterschied des Schlafens vom Wachen besteht. Dieser Unterschied besteht nämlich darin, daß, wenn man wacht, etwas in dem ganzen menschlichen Organismus vibriert, nur nicht im Haupte: da ist dasselbe, was sonst im übrigen menschlichen Organismus in Bewegung ist, in Ruhe.
[ 15 ] If one continues to practice in this way, the day will come—I would say, the great day—when one makes a very specific observation. You realize that you are gradually engaged in a mental activity that is entirely independent of the body. And you also notice: Before, all your thinking and feeling depended on the body—your imagination on the sensory-nervous system, your feelings on the circulatory system, and so on; now you feel yourself engaged in a spiritual-mental activity that is completely independent of any bodily activity. And one notices this because one is now able to set something in one’s own mind into vibration that had previously remained entirely unconscious. One now makes the remarkable discovery of what distinguishes sleep from wakefulness. This distinction lies in the fact that, when one is awake, something vibrates throughout the entire human organism—except in the head: there, the same force that is otherwise in motion throughout the rest of the human organism is at rest.
[ 16 ] Um was es sich da handelt, werden wir besser einsehen, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, daß wir ja als Menschen nicht diese robusten, festen Körper sind, die wir gewöhnlich zu sein glauben. Wir bestehen nämlich zu neunzig Prozent ungefähr aus Flüssigkeit, und die festen Bestandteile sind nur zu etwa zehn Prozent in diese Flüssigkeit eingetaucht, schwimmen da drinnen. So daß wir vom Festen im Menschen nicht anders als in einem unbestimmten Sinne sprechen können. Zu neunzig Prozent sind wir, wenn ich so sagen darf, Wasser. Und zu einem gewissen Teile pulsiert in diesem Wasser Luft, und dann wiederum Wärme.
[ 16 ] We will better understand what this is all about if I point out to you that we, as human beings, are not these robust, solid bodies that we usually believe ourselves to be. In fact, we consist of approximately ninety percent liquid, and the solid components are immersed in this liquid—floating within it—to only about ten percent. Thus, we can speak of the solid aspects of the human being only in a vague sense. Ninety percent of us, if I may say so, is water. And to a certain extent, air pulsates within this water, and then, in turn, warmth.
[ 17 ] Wenn Sie sich so vorstellen, daß der Mensch, der zum geringen Teile ein fester Leib ist, zum großen Teile Wasser, Luft und die darinnen vibrierende Wärme, so werden Sie es auch nicht mehr so sehr unglaubhaft finden, daß da etwas noch Feineres in uns ist. Und dieses Feinere will ich jetzt den Ätherleib nennen. Dieser Ätherleib, der ist feiner als die Luft. Er ist so fein, daß er uns durchzieht, ohne daß wir im gewöhnlichen Leben etwas davon wissen. Dieser Ätherleib, der ist es, welcher im Wachen in innerlicher Bewegung ist, in einer regelmäßigen Bewegung im ganzen übrigen menschlichen Leib, nur nicht im Kopfe. Im Kopfe ist der Ätherleib innerlich ruhig.
[ 17 ] If you imagine that human beings consist, to a small extent, of a solid body, and to a large extent of water, air, and the heat vibrating within them, then you will no longer find it so hard to believe that there is something even more subtle within us. And I will now call this more subtle aspect the etheric body. This etheric body is finer than air. It is so fine that it permeates us without our being aware of it in everyday life. It is this etheric body that, while we are awake, is in a state of inner movement—a regular movement throughout the rest of the human body, except for the head. In the head, the etheric body is internally at rest.
[ 18 ] Im Schlafe ist das anders. Das Schlafen beginnt damit und dauert dann in der Art und Weise an, daß der Ätherleib auch im Kopfe anfängt in Bewegung zu sein. So daß wir im Schlafe als ganzer Mensch, nach Kopf und übrigem Menschen, einen innerlich bewegten Ätherleib haben. Und wenn wir träumen, sagen wir, beim Aufwachen, dann ist es so, daß wir die letzten Bewegungen des Ätherleibes gerade im Aufwachen noch wahrnehmen. Die stellen sich uns als die Träume dar. Die letzten Kopf-Ätherbewegungen nehmen wir beim Aufwachen noch wahr; beim schnellen Aufwachen kann das nicht der Fall sein.
[ 18 ] It is different during sleep. Sleep begins with this and continues in such a way that the etheric body also begins to move within the head. Thus, during sleep, as a whole human being—including the head and the rest of the body—we have an etheric body that is in inner motion. And when we dream—as we say upon waking—we are still perceiving the final movements of the etheric body just as we are waking up. These appear to us as dreams. We still perceive the final etheric movements in the head as we wake up; this cannot be the case when we wake up quickly.
[ 19 ] Wer lange in der Weise, wie ich es angedeutet habe, meditiert, der kommt aber in die Lage, in den ruhigen Ätherleib des Kopfes allmählich Bilder hineinzuformen. Das nenne ich in dem Buche, das ich angeführt habe, Imaginationen. Und diese Imaginationen, die unabhängig vom physischen Leibe im Ätherleib erlebt werden, sind der erste übersinnliche Eindruck, den wir haben können. Der bringt uns dann in die Lage, ganz abzusehen von unserem physischen Leibe, und unser Leben bis zu der Geburt hin in seinem Handeln, in seiner Bewegung wie in einem Bilde anzuschauen. Was oftmals von den Leuten beschrieben wird, die im Wasser untergesunken, am Ertrinken waren: daß sie ihr Leben rückwärtsschauend in bewegten Bildern gesehen haben — das kann hier systematisch ausgebildet werden, so daß man alle Ergebnisse unseres gegenwärtigen Erdenlebens darinnen sehen kann.
[ 19 ] Anyone who meditates for a long time in the way I have described, however, will gradually be able to form images within the calm etheric body of the head. In the book I have cited, I call these “imaginations.” And these imaginations, which are experienced in the etheric body independently of the physical body, constitute the first supersensible impression we can have. This then enables us to look entirely beyond our physical body and to view our life up to the moment of birth—in its actions and movements—as if in a picture. What is often described by people who have gone under in water and were drowning—that they saw their lives in moving images as they looked back—can be systematically developed here, so that one can see all the results of our present earthly life within it.
[ 20 ] Das erste, was die Initiationserkenntnis gibt, ist die Anschauung des eigenen seelischen Lebens. Das ist allerdings anders, als man es gewöhnlich vermutet. Gewöhnlich vermutet man in der Abstraktion dieses seelische Leben als etwas, das aus Vorstellungen gewoben ist. Wenn man es in seiner wahren Gestalt entdeckt, da ist es etwas Schöpferisches, da ist es zugleich dasjenige, was in unserer Kindheit gewirkt hat, was unser Gehirn plastisch gebildet hat, was den übrigen Leib durchdringt und in ihm eine plastische, bildsame Tätigkeit bewirkt, indem es unser Wachen, sogar unsere Verdauungstätigkeit jeden Tag bewirkt.
[ 20 ] The first thing that initiatory knowledge provides is an insight into one’s own soul life. This, however, is different from what one usually assumes. Usually, in the realm of abstraction, one conceives of this soul life as something woven from ideas. When one discovers it in its true form, it is something creative; it is at the same time that which was at work in our childhood, that which shaped our brain plastically, that which permeates the rest of the body and brings about a plastic, formative activity within it by sustaining our waking state and even our digestive processes every day.
[ 21 ] Wir sehen dieses innerlich Tätige im Organismus als den ÄÄtherleib des Menschen. Das ist kein räumlicher Leib, das ist ein zeitlicher Leib. Daher können Sie auch als Raumesform den Ätherleib nur beschreiben, wenn Sie sich bewußt sind, Sie tun dabei dasselbe, wie wenn Sie einen Blitz abmalen. Wenn Sie den Blitz abmalen, malen Sie natürlich einen Augenblick; Sie halten den Augenblick fest. Den menschlichen Ätherleib kann man auch nur so räumlich festhalten, daß das ein Augenblick ist. In Wirklichkeit haben wir einen physischen Raumesleib und einen Zeitleib, einen Ätherleib, der immer in Bewegung ist. Und es bekommt nur einen Sinn, von dem Ätherleib zu sprechen, wenn wir von diesem als Zeitleib sprechen, den wir als Einheit überschauen bis zu unserer Geburt hin, von dem Augenblick ab, wo wir in die Lage kommen, diese Entdeckung zu machen. Das ist das erste, was wir an übersinnlichen Anlagen in uns selbst zunächst entdecken können.
[ 21 ] We perceive this inner activity within the organism as the human etheric body. This is not a spatial body; it is a temporal body. Therefore, you can only describe the etheric body as a spatial form if you are aware that you are doing the same thing as when you sketch a flash of lightning. When you sketch a flash of lightning, you are, of course, depicting an instant; you are capturing that instant. The human etheric body, too, can only be depicted spatially in such a way that it represents an instant. In reality, we have a physical, spatial body and a temporal body—an etheric body that is always in motion. And it only makes sense to speak of the etheric body when we speak of it as a temporal body—one that we can survey as a unified whole all the way back to our birth, starting from the moment we are able to make this discovery. This is the first thing we can initially discover within ourselves regarding our supersensible faculties.
[ 22 ] Was in der Entwickelung der Seele bewirkt wird durch solche Seelenvorgänge, wie ich sie geschildert habe, das zeigt sich vor allen Dingen an der ganzen Veränderung der Seelenstimmung, der Seelenverfassung desjenigen Menschen, der nach der Initiationserkenntnis hinstrebt. Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. Ich meine nicht, daß der zur Initiation Kommende nun plötzlich ein vollständig ausgewechselter, anderer Mensch wird. Im Gegenteil, die moderne Initiationserkenntnis muß den Menschen voll in der Welt drinnen stehen lassen, so daß er auch, wenn er zu ihr kommt, sein Leben so fortzusetzen vermag, wie er es einmal begonnen hat. Aber für diejenigen Stunden und Augenblicke, in denen übersinnliche Forschung getrieben wird, ist der Mensch allerdings durch die Initiationserkenntnis ein anderer geworden, als er im gewöhnlichen Leben ist.
[ 22 ] What is brought about in the development of the soul through such soul processes as I have described is evident, above all, in the complete transformation of the soul’s mood and state of mind in the person who strives toward the knowledge of initiation. Please do not misunderstand me. I do not mean that the person approaching initiation suddenly becomes a completely different person. On the contrary, modern initiatory knowledge must allow the person to remain fully engaged in the world, so that even when he comes to it, he is able to continue his life as he once began it. But during those hours and moments in which supersensible research is pursued, the person has indeed, through initiatory knowledge, become someone different from who he is in ordinary life.
[ 23 ] Vor allen Dingen möchte ich ein wichtiges Moment hervorheben, das die Initiationserkenntnis auszeichnet. Das ist dies, daß der Mensch immer mehr und mehr fühlt, je weiter er vordringt in dem Erleben des Übersinnlichen, wie ihm seine eigene Leiblichkeit entschwindet, das heißt mit Bezug auf das, woran diese Leiblichkeit im gewöhnlichen Leben beteiligt ist. Fragen wir uns einmal, wie unsere Urteile im Leben zustande kommen. Wir wachsen auf, entwickeln uns als Kind. Es setzt sich in unserem Leben Sympathie und Antipathie fest. Sympathie und Antipathie mit Naturerscheinungen, Sympathie und Antipathie vor allen Dingen mit anderen Menschen. An alledem ist unser Körper beteiligt. Wir legen selbstverständlich da hinein diese Sympathie und Antipathie, die zum großen Teil sogar in physischen Vorgängen unseres Leibes ihren Grund haben. In dem Augenblicke, in dem der zu Initiierende in die übersinnliche Welt aufsteigt, lebt er sich in eine Welt ein, worin ihm diese Sympathie und Antipathie, die mit der Körperlichkeit zusammenhängen, für das Verweilen im Übersinnlichen immer fremder und fremder werden. Er ist demjenigen entrückt, womit er durch seine Leiblichkeit zusammenhängt. Er muß, wenn er wiederum das gewöhnliche Leben aufnehmen will, sich gewissermaßen erst wieder hineinstecken in seine gewöhnlichen Sympathien und Antipathien, was sonst ja selbstverständlich geschieht. Wenn man des Morgens aufwacht, steckt man in seinem Leibe darinnen, entwickelt dieselbe Liebe zu den Dingen und Menschen, dieselbe Sympathie oder Antipathie, die man vorher gehabt hat. Das geschieht von selbst. Wenn man nun im Übersinnlichen verweilt und wiederum zu seinen Sympathien und Antipathien zurück will, dann muß man das mit Anstrengung tun, muß man gewissermaßen untertauchen in seine eigene Leiblichkeit. Dieses Entrücktwerden der eigenen Leiblichkeit, das ist eine der Erscheinungen, die zeigt, daß man wirklich etwas vorwärtsgekommen ist. Überhaupt ist das Auftreten von weitherzigen Sympathien und Antipathien das, was dem Initiierten allmählich sich einverleibt.
[ 23 ] Above all, I would like to highlight an important aspect that characterizes initiatory knowledge. This is that the further a person advances in the experience of the supersensible, the more and more they feel their own physicality slipping away—that is, in relation to the aspects of ordinary life in which this physicality is involved. Let us ask ourselves how our judgments in life come about. We grow up and develop as children. Sympathy and antipathy take root in our lives—sympathy and antipathy toward natural phenomena, and above all, sympathy and antipathy toward other people. Our body is involved in all of this. We naturally attribute these feelings of sympathy and antipathy to our body, and to a large extent, they are even rooted in physical processes within our body. The moment the initiate ascends into the supersensible world, he enters a realm in which these sympathies and antipathies—which are connected to physicality—become increasingly alien to him as he remains in the supersensible realm. He is detached from that with which he is connected through his physicality. If he wishes to resume ordinary life, he must, so to speak, first re-immerse himself in his usual sympathies and antipathies—something that otherwise happens quite naturally. When one wakes up in the morning, one is already within one’s body, developing the same love for things and people, the same sympathies or antipathies that one had before. This happens of its own accord. If, however, one dwells in the supersensible realm and wishes to return to one’s sympathies and antipathies, then one must do so with effort; one must, so to speak, immerse oneself in one’s own physicality. This detachment from one’s own physicality is one of the signs that indicates one has truly made progress. In general, the emergence of magnanimous sympathies and antipathies is what gradually becomes a part of the initiate.
[ 24 ] In einem zeigt sich die Entwickelung zur Initiation hin ganz besonders stark, das ist in der Wirkung des Gedächtnisses, der Erinnerung während der Initiationserkenntnis. Wir erleben uns im gewöhnlichen Leben. Unsere Erinnerung, unser Gedächtnis ist manchmal ein bißchen besser, manchmal ein bißchen schlechter; aber wir erwerben uns das Gedächtnis. Wir haben Erlebnisse, wir erinnern uns später an sie. Mit dem, was wir in den übersinnlichen Welten erleben, ist es nicht so. Das können wir erleben in Größe, in Schönheit, in Bedeutsamkeit; wenn es erlebt worden ist, ist es vorbei. Und es muß wieder erlebt werden, wenn es wiederum vor der Seele stehen soll. Es prägt sich nicht im gewöhnlichen Sinne der Erinnerung ein. Es prägt sich ihr nur dann ein, wenn man erst mit aller Mühe das, was man im Übersinnlichen schaut, in Begriffe bringt, wenn man seinen Verstand mit hinüberschickt in die übersinnliche Welt. Das ist ganz schwierig. Man muß drüben nämlich geradeso denken, ohne daß einem der Leib bei diesem Denken hilft. Daher muß man vorher seine Begriffe gefestigt haben, muß vorher ein ordentlicher Logiker geworden sein, damit man diese Logik nicht immer vergißt, wenn man hineinsieht. Gerade die primitiven Hellseher können manches schauen, aber sie vergessen die Logik, wenn sie drüben sind. Und so ist es, daß gerade dann, wenn man übersinnliche Wahrheiten jemand anderem mitzuteilen hat, man diese Veränderung des Gedächtnisses in bezug auf übersinnliche Wahrheiten merkt. Und man sieht daran, wie unser physischer Leib daran beteiligt ist bei der Ausübung des Gedächtnisses, nicht beim Denken, aber bei der Ausübung des Gedächtnisses, das ja ins Übersinnliche immer hineinspielt.
[ 24 ] There is one area in which the development toward initiation is particularly evident: the functioning of memory during the initiatory insight. We experience ourselves in ordinary life. Our memory is sometimes a little better, sometimes a little worse; but we acquire it. We have experiences; we remember them later. It is not the same with what we experience in the supersensible worlds. We can experience these in grandeur, in beauty, in significance; once they have been experienced, they are over. And it must be experienced again if it is to stand before the soul once more. It does not become imprinted in the ordinary sense of memory. It becomes imprinted only when one first, with great effort, translates what one sees in the supersensible into concepts—when one sends one’s intellect over into the supersensible world. This is quite difficult. For one must think just as one does here, without the body assisting in this thinking. Therefore, one must have consolidated one’s concepts beforehand; one must have become a proper logician beforehand, so that one does not constantly forget this logic when looking into that world. It is precisely the primitive clairvoyants who can perceive many things, but they forget the logic when they are over there. And so it is that precisely when one has to communicate supersensible truths to someone else, one notices this change in memory with regard to supersensible truths. And one sees from this how our physical body is involved in the exercise of memory—not in thinking, but in the exercise of memory, which, after all, always plays a role in the supersensible realm.
[ 25 ] Wenn ich etwas Persönliches sagen darf, so ist es das: Wenn ich selbst Vorträge halte, so ist es anders, als man sonst Vorträge hält. Da wird aus der Erinnerung oftmals gesprochen; was man gelernt hat, was man gedacht hat, wird aus der Erinnerung oftmals entwickelt. Derjenige, der wirklich übersinnliche Wahrheiten entwickelt, muß sie eigentlich immer in dem Momente, wo er sie entwickelt, erzeugen. So daß ich selber dreißig-, vierzig-, fünfzigmal denselben Vortrag halten kann, und er ist für mich nie derselbe. Das ist auch natürlich schon sonst so; aber in erhöhtem Maße ist es der Fall, dieses Unabhängigsein vom Gedächtnis, dieses Hineintragen in ein inneres Leben, wenn eine innere Stufe des Gedächtnisses erreicht ist.
[ 25 ] If I may say something personal, it is this: When I give lectures myself, it is different from the way lectures are usually given. Often, one speaks from memory; what one has learned, what one has thought, is often drawn from memory. The person who truly develops supersensible truths must, in fact, always create them in the very moment they are developed. So that I myself can give the same lecture thirty, forty, or fifty times, and it is never the same for me. Of course, this is true in other contexts as well; but this independence from memory—this immersion into an inner life—is particularly pronounced once an inner level of memory has been attained.
[ 26 ] Was ich Ihnen jetzt erzählt habe von der Fähigkeit, in den Ätherleib seines Hauptes die Formen hineinzubringen, die einem dann möglich machen, den Zeitleib, den Ätherleib bis zu seiner Geburt hin zu durchschauen, das bringt schon überhaupt in eine ganz besondere Stimmung gegenüber dem Kosmos. Man verliert sozusagen seine eigene Leiblichkeit, aber man fühlt sich hineinlebend in den Kosmos. Das Bewußtsein dehnt sich gewissermaßen in der Weite des Äthers aus. Man schaut keine Pflanze mehr an, ohne daß man untertaucht in ihr Wachstum. Man verfolgt sie von der Wurzel bis zur Blüte. Man lebt in ihren Säften, in ihrem Blühen, in ihrem Fruchten. Man kann sich vertiefen in das Leben der Tiere nach ihrer Form, insbesondere aber in das Leben des anderen Menschen. Der leiseste Zug, der einem entgegentritt am anderen Menschen, führt einen sozusagen hinein in das ganze Seelenleben, so daß man fühlt, man ist jetzt nicht in sich, sondern man ist, während dieses übersinnlichen Erkennens, außer sich.
[ 26 ] What I have just told you about the ability to bring forms into the etheric body of one’s head—forms that then make it possible to see through the temporal body and the etheric body all the way back to one’s birth—this in itself already puts one in a very special state of mind toward the cosmos. One loses, so to speak, one’s own physicality, but one feels oneself living within the cosmos. Consciousness expands, as it were, into the vastness of the ether. One no longer looks at a plant without immersing oneself in its growth. One follows it from the root to the flower. One lives in its sap, in its blooming, in its fruiting. One can immerse oneself in the life of animals according to their form, but especially in the life of another human being. The slightest trait one encounters in another person leads one, so to speak, into the entirety of that person’s soul life, so that one feels one is no longer within oneself, but rather, during this supersensible perception, outside of oneself.
[ 27 ] Aber man muß immer wieder — das ist notwendig — zurückkehren können, sonst ist man ein träger, nebuloser Mystiker, ein Schwärmer und kein Erkenner der übersinnlichen Welten. Man muß zu gleicher Zeit in den übersinnlichen Welten leben können und zu gleicher Zeit sich wiederum zurückversetzen können, so daß man fest auf seinen beiden Beinen stehen kann. Daher muß ich schon, wenn ich solche Dinge über die übersinnlichen Welten auseinandersetze, betonen, daß für mich eigentlich zu einem guten Philosophen, noch mehr als die Logik, dies gehört, daß man weiß, wie ein Schuh oder ein Rock genäht wird, daß man praktisch im Leben wirklich drinnensteht. Man sollte eigentlich nicht über das Leben denken, wenn man nicht praktisch im Leben wirklich drinnensteht. Das aber ist in einem noch erhöhten Maße der Fall für denjenigen, der übersinnliche Erkenntnisse sucht. Übersinnliche Erkenner können keine Träumer, keine Schwärmer werden, keine Menschen, die nicht auf beiden Beinen dastehen. Sonst verliert man sich, weil man ja tatsächlich außer sich kommen muß. Aber dieses Außersich-Kommen darf nicht dazu führen, daß man sich verliert. Aus einer solchen Erkenntnis, wie ich sie geschildert habe, ist das Buch geschrieben das im Deutschen heißt: «Geheimwissenschaft im Umriß» und im Englischen: «Occult Science — An Outline».
[ 27 ] But one must always be able to return—this is essential—otherwise one is a sluggish, vague mystic, a dreamer, and not one who truly knows the supersensible worlds. One must be able to live in the supersensible worlds at the same time as being able to bring oneself back again, so that one can stand firmly on both feet. That is why, whenever I discuss such matters concerning the supersensible worlds, I must emphasize that, for me, what truly makes a good philosopher—even more than logic—is knowing how a shoe or a coat is sewn, that is, being truly immersed in practical life. One really shouldn’t reflect on life unless one is truly immersed in it in a practical sense. But this is even more true for those who seek supersensible knowledge. Those who seek supersensible knowledge cannot become dreamers or dreamers; they cannot be people who do not stand firmly on both feet. Otherwise, one loses oneself, because one must, in fact, step outside of oneself. But this stepping outside of oneself must not lead to losing oneself. The book is written from such an insight as I have described; it is titled *Geheimwissenschaft im Umriß* in German and *Occult Science — An Outline* in English.
[ 28 ] Dann aber handelt es sich darum, daß man in dieser übersinnlichen Erkenntnis weiterdringen kann. Das geschieht dadurch, daß man die Meditation jetzt weiter ausbildet. Man ruht zunächst mit der Meditation auf bestimmten Vorstellungen oder Vorstellungskomplexen und verstärkt dadurch das Seelenleben. Das genügt noch nicht, um völlig in die übersinnliche Welt hineinzukommen, sondern dazu ist notwendig, daß man sich auch noch darin übt, nicht nur auf Vorstellungen zu ruhen, nicht nur gewissermaßen die ganze Seele hin zu konzentrieren auf diese Vorstellungen, sondern sie immer nach Willkür auch aus dem Bewußtsein hinauswerfen zu können. So wie im sinnlichen Leben man auf irgend etwas hin- und wieder wegschauen kann, so muß man lernen, in der übersinnlichen Entwickelung sich auf einen Seeleninhalt scharf zu konzentrieren und ihn wiederum aus der Seele hinauswerfen zu können.
[ 28 ] But then the point is that one can delve deeper into this supersensible knowledge. This is achieved by further developing one’s meditation practice. At first, one focuses one’s meditation on specific images or complexes of images, thereby strengthening one’s inner life. This is not yet sufficient to enter fully into the supersensible world; rather, it is also necessary to practice not only resting on these images—not merely concentrating the entire soul, as it were, on them—but also being able to cast them out of consciousness at will. Just as in sensory life one can look at something and then look away again, so in supersensible development one must learn to focus sharply on a soul content and then to be able to cast it out of the soul again.
[ 29 ] Das ist manchmal schon im gewöhnlichen Leben nicht leicht. Denken Sie, wie wenig der Mensch es in der Hand hat, seine Gedanken immer wieder wegzutreiben. Manchmal verfolgen Gedanken, namentlich wenn sie unangenehm sind, den Menschen tagelang. Er kann sie nicht wegwerfen. Es wird das aber noch viel schwieriger, wenn wir uns erst daran gewöhnt haben, uns auf den Gedanken zu konzentrieren. Ein Gedankeninhalt, auf den wir uns konzentriert haben, der beginnt uns zuletzt festzuhalten, und wir müssen alle Mühe aufwenden, ihn wieder wegzuschaffen. Wenn wir uns darin lange geübt haben, dann bringen wir uns dahin, diesen ganzen Rückblick auf das Leben bis zur Geburt hin, diesen ganzen Ätherleib, wie ich ihn nenne, diesen Zeitleib, auch wegzuschaffen, hinauszuwerfen aus unserem Bewußtsein.
[ 29 ] Sometimes this isn’t easy even in everyday life. Think how little control a person has over constantly pushing thoughts away. Sometimes thoughts—especially when they’re unpleasant—haunt a person for days on end. They can’t shake them off. But it becomes even more difficult once we’ve gotten used to focusing on that thought. A thought we have focused on eventually begins to hold us fast, and we must exert every effort to banish it again. If we have practiced this for a long time, we bring ourselves to banish this entire retrospective view of life back to birth—this entire “etheric body,” as I call it, this “body of time”—and cast it out of our consciousness.
[ 30 ] Das ist natürlich eine Entwickelungsstufe, zu der wir es bringen müssen. Wir müssen erst reif werden; durch Wegschaffen von meditierten Vorstellungen müssen wir uns die Kraft aneignen, diesen seelischen Koloß, diesen seelischen Riesen wegzuschaffen; der ganze furchtbare Haifisch unseres bisherigen Lebens zwischen unserem jetzigen Augenblick und der Geburt steht vor uns — den müssen wir wegschaffen. Schaffen wir ihn weg, dann tritt für uns etwas ein, was ich nennen möchte «wacheres Bewußtsein». Dann sind wir bloß wach, ohne daß in dem wachen Bewußtsein etwas darinnen ist. Aber das füllt sich jetzt. Geradeso wie einströmt in die Lunge die Luft, deren sie bedürftig ist, so strömt jetzt in das leere Bewußtsein, das auf die Weise, wie ich es geschildert habe, entstanden ist, die wirklich geistige Welt ein.
[ 30 ] This, of course, is a stage of development that we must reach. We must first mature; by dispelling meditative images, we must acquire the strength to remove this spiritual colossus, this spiritual giant; the whole dreadful shark of our life up to now stands before us between this very moment and birth—we must eliminate it. Once we eliminate it, something will emerge for us that I would like to call “more awakened consciousness.” Then we are simply awake, without anything present within that awakened consciousness. But it is now filling up. Just as the air the lungs need flows into them, so now the true spiritual world flows into the empty consciousness that has arisen in the way I have described.
[ 31 ] Das ist die Inspiration. Da strömt jetzt etwas ein, was nicht etwa ein feinerer Stoff ist, sondern was sich zum Stoffe verhält, wie sich zu dem Positiven das Negative verhält. Was das Entgegengesetzte des Stoffes ist, das strömt jetzt in die vom Äther frei gewordene Menschlichkeit herein. Das ist das Wichtige, daß wir gewahr werden können: Geist ist nicht nur ein noch feinerer, ein noch ätherischer gewordener Stoff; das ist nicht wahr. Wenn wir den Stoff das Positive nennen — wir könnten ja auch den Stoff das Negative nennen, darauf kommt es nicht an, die Dinge sind relativ —, dann müssen wir den Geist in bezug auf das Positive das Negative nennen. Es ist so, wie wenn ich, sagen wir, das große Vermögen von fünf Shilling im Portemonnaie habe. Ich gebe einen heraus, dann habe ich noch vier Shilling; ich gebe noch einen heraus, habe noch drei und so weiter, bis ich keinen mehr habe. Dann kann ich Schulden machen. Wenn ich einen Shilling Schulden habe, habe ich weniger als keinen Shilling.
[ 31 ] That is inspiration. Something is now flowing in that is not, as it were, a finer form of matter, but rather relates to matter in the same way that the negative relates to the positive. That which is the opposite of matter is now flowing into humanity, which has been liberated from the ether. This is the important point we can become aware of: Spirit is not merely a still finer, even more ethereal form of matter; that is not true. If we call matter the positive—we could just as well call matter the negative; it doesn’t matter, since things are relative—then we must call spirit the negative in relation to the positive. It is as if, let’s say, I have the vast fortune of five shillings in my wallet. I give one away, then I have four shillings left; I give another one away, have three left, and so on, until I have none left. Then I can go into debt. If I am one shilling in debt, I have less than one shilling.
[ 32 ] Wenn ich durch die Methode, die ich ausgebildet habe, den Ätherleib weggeschafft habe, komme ich nicht in einen noch feineren Äther hinein, sondern in etwas, was dem Äther entgegengesetzt ist, wie die Schulden dem Vermögen. Und jetzt weiß ich erst aus Erfahrung, was Geist ist. Der Geist kommt durch Inspiration in einen herein, und das erste, was wir jetzt erleben, das ist dasjenige, was vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis mit unserer Seele und mit unserem Geiste in einer geistigen Welt war. Das ist das präexistente Leben unseres Seelisch-Geistigen. Vorher haben wir es im Äther geschaut bis zu unserer Geburt hin. Jetzt schauen wir über die Geburt beziehungsweise Empfängnis hinaus in die geistig-seelische Welt und kommen dazu, uns wahrzunehmen, wie wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind aus geistigen Welten und einen physischen Leib durch die Vererbungslinie angenommen haben.
[ 32 ] When I have removed the etheric body using the method I have developed, I do not enter into an even finer ether, but into something that is the opposite of ether, just as debt is the opposite of wealth. And now, for the first time, I know from experience what spirit is. The spirit enters us through inspiration, and the first thing we now experience is that which existed in a spiritual world with our soul and our spirit before birth—or rather, before conception. This is the pre-existent life of our soul-spiritual being. Before that, we had beheld it in the ether right up until our birth. Now we look beyond birth—or rather, conception—into the spiritual-soul world and come to perceive ourselves as we were before we descended from the spiritual worlds and took on a physical body through the line of inheritance.
[ 33 ] Diese Dinge sind für die Initiationserkenntnis nicht philosophische Wahrheiten, die man erdenkt, sie sind Erfahrungen, aber Erfahrungen, die erst erworben werden müssen, indem man sich so für sie vorbereitet, wie ich es jetzt angedeutet habe. Und so ist das erste, was uns wird, indem wir in die geistige Welt eintreten, die Wahrheit von der Präexistenz der Menschenseele beziehungsweise des Menschengeistes, und wir lernen jetzt das Ewige unmittelbar anschauen.
[ 33 ] For initiatory knowledge, these things are not philosophical truths that one conceives in the mind; they are experiences—but experiences that must first be acquired by preparing oneself for them in the way I have just indicated. And so the first thing that becomes clear to us as we enter the spiritual world is the truth of the pre-existence of the human soul—or rather, the human spirit—and we now learn to behold the Eternal directly.
[ 34 ] Seit vielen Jahrhunderten hat die europäische Menschheit die Ewigkeit immer nur nach der einen Seite angesehen, nach der Seite der Unsterblichkeit. Sie hat immer nur gefragt: Was wird aus der Seele, wenn sie den Leib verläßt mit dem Tode? Es ist das ja das egoistische Recht der Menschen, denn die Menschen interessieren sich dafür, was dann folgt, wenn der Tod eingetreten ist, aus egoistischen Gründen. Wir werden gleich nachher sehen, daß wir auch über die Unsterblichkeit sprechen können, aber zumeist wird über die Unsterblichkeit aus egoistischen Gründen gesprochen. Das, was vor der Geburt war, dafür interessieren sich die Menschen weniger. Sie sagen sich: Wir sind ja da. Was vorhergegangen ist, hat nur einen Erkenntniswert. — Aber einen wahren Erkenntniswert gewinnt man nicht, wenn man nicht seine Erkenntnisse auf das richtet, was unser Dasein vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption enthält.
[ 34 ] For many centuries, the people of Europe have viewed eternity solely from one perspective: that of immortality. They have always asked only this: What becomes of the soul when it leaves the body at death? This is, of course, the selfish right of human beings, for people are interested in what follows after death for selfish reasons. We will see shortly that we can also speak of immortality, but for the most part, people speak of immortality for selfish reasons. People are less interested in what came before birth. They tell themselves: We are here, after all. What preceded that has only intellectual value. — But one does not gain true insight unless one directs one’s understanding toward what our existence entailed before birth or, more precisely, before conception.
[ 35 ] Wir brauchen in den modernen Sprachen ein Wort, wodurch das Ewige erst vollständig wird. Wir sollten nicht nur von Unsterblichkeit reden, wir sollten auch — das wird etwas schwer zu übersetzen sein — von Ungeborenheit sprechen; denn die Ewigkeit besteht aus Unsterblichkeit und Ungeborenheit. Und die Ungeborenheit entdeckt die Initiationserkenntnis vor der Unsterblichkeit.
[ 35 ] We need a word in modern languages that makes the eternal truly complete. We should not only speak of immortality; we should also—and this will be somewhat difficult to translate—speak of non-birth; for eternity consists of immortality and non-birth. And non-birth is discovered by initiatic knowledge before immortality.
[ 36 ] Eine weitere Stufe der Entwickelung nach der übersinnlichen Welt hin kann dadurch erreicht werden, daß wir in unserer geistig-seelischen Betätigung noch weiter loszukommen suchen von der leiblichen Stütze. Das kann dadurch geschehen, daß wir nun die Übungen der Meditation und Konzentration mehr hinüberlenken nach Willensübungen.
[ 36 ] A further stage of development toward the supersensible world can be attained by seeking to free ourselves even further from physical support in our spiritual and psychological activities. This can be achieved by shifting our meditation and concentration exercises more toward exercises of the will.
[ 37 ] Nun möchte ich Ihnen eine einfache Willensübung als konkretes Beispiel vor die Seele führen, an der Sie das Prinzip, das hier in Betracht kommt, studieren können. Wir sind im gewöhnlichen Leben daran gewöhnt, mit dem Verlauf der Welt zu denken. Wir lassen die Dinge, wie sie geschehen, an uns herantreten. Das, was früher an uns herantrat, denken wir früher, was später an uns herantrat, denken wir später. Und selbst wenn wir in dem mehr logischen Denken nicht mit dem zeitlichen Verlauf mitdenken, so ist doch im Hintergrunde die Bemühung vorhanden, uns an den äußeren, wirklichen Verlauf der Tatsachen zu halten. Um uns im geistig-seelischen Kräfteverhältnis zu üben, müssen wir loskommen von dem äußerlichen Verlauf der Dinge. Und da ist eine gute Übung, die zugleich eine Willensübung ist, diese, wenn wir versuchen, unsere Tageserlebnisse, wie wir sie vom Morgen bis zum Abend erleben, eben nicht vom Morgen bis zum Abend, sondern vom Abend zum Morgen hin rückwärts durchzudenken und dabei möglichst auf die Einzelheiten einzugehen.
[ 37 ] Now I would like to present you with a simple exercise of the will as a concrete example through which you can study the principle under consideration here. In everyday life, we are accustomed to thinking in step with the course of the world. We let things come to us as they happen. We think about what came to us earlier first, and what came to us later later. And even if, in more logical thinking, we do not follow the chronological sequence, there is still, in the background, an effort to adhere to the external, actual sequence of events. To train ourselves in the balance of spiritual and soul forces, we must detach ourselves from the external course of events. And here is a good exercise—one that is also an exercise of the will—in which we try to think through our daily experiences, as we live them from morning to evening, not from morning to evening, but backward from evening to morning, going into as much detail as possible.
[ 38 ] Nehmen wir an, wir kommen bei einer solchen Rückschau auf das Tagesleben dazu: Wir gingen eine Treppe hinan. Wir stellen uns vor, wir sind zuerst oben, dann auf der letzten, vorletzten Stufe und so weiter. Wir gehen umgekehrt herunter. — Wir werden anfangs nur in der Lage sein, uns Episoden vom Tagesleben auf diese Weise rückwärts vorzustellen, etwa von sechs bis drei, von zwölf bis neun Uhr und so weiter, bis zum Momente des Aufwachens. Aber wir werden uns allmählich eine Art Technik aneignen, durch die wir in der Tat wie in einem rückwärtsgewendeten Tableau am Abend oder am nächsten Morgen in der Lage sind, das Tagesleben oder das vorherige Tagesleben vor unserer Seele in Bildern nach rückwärts vorüberziehen zu lassen. Wenn wir in der Lage sind — und darauf kommt es an —, mit unserem Denken ganz loszukommen von der Art, wie die Wirklichkeit verläuft, dreidimensional, dann werden wir sehen, wie eine ganz ungeheure Verstärkung unseres Willens eintritt. Wir werden das auch erreichen, wenn wir in die Lage kommen, eine Melodie umgekehrt zu empfinden, oder wenn wir uns vorstellen ein Drama von fünf Akten, rückwärts verlaufend vom fünften, vierten Akt und so weiter zum ersten. Durch alle diese Mittel stärken wir den Willen, indem wir ihn innerlich erkraften und äußerlich losreißen von seinem sinnlichen Gebundensein an die Ereignisse.
[ 38 ] Let’s suppose we come to this point while looking back on our daily life: We were walking up a flight of stairs. We imagine ourselves first at the top, then on the last step, the second-to-last step, and so on. We go back down in reverse. — At first, we’ll only be able to recall episodes from daily life in this backward manner—for example, from six to three, from twelve to nine, and so on, until the moment we wake up. But we will gradually acquire a kind of technique through which we will indeed be able—as if in a tableau played in reverse in the evening or the next morning—to let the day’s events or the previous day’s events pass before our mind’s eye in reverse. If we are able—and this is what matters—to free our thinking entirely from the way reality unfolds, three-dimensionally, then we will see how an immense strengthening of our will takes place. We will also achieve this when we become able to perceive a melody in reverse, or when we imagine a five-act drama unfolding in reverse order, from the fifth act to the fourth, and so on to the first. Through all these means, we strengthen the will by invigorating it internally and tearing it away externally from its sensory bondage to events.
[ 39 ] Dazu können solche Übungen treten, wie ich sie schon in vorigen Vorträgen angedeutet habe, daß wir uns anschauen, wie wir die eine oder die andere Gewohnheit haben. Wir nehmen uns fest vor und wenden eisernen Willen an, um dann in ein paar Jahren in dieser Richtung eine andere Gewohnheit angenommen zu haben. Ich erwähne zum Beispiel nur, daß jeder Mensch in der Schrift etwas hat, was man den Charakter derselben nennt. Wenn wir uns anstrengen, eine andere Schrift zu bekommen, die gar nicht mehr der früheren ähnlich ist, so gehört dazu eine innere starke Kraft. Nur muß uns dann die zweite Schrift ebenso habituell, ebenso geläufig werden wie die erste. Das ist nur eine Kleinigkeit. So gibt es vieles, wodurch wir die ganze Grundrichtung unseres Willens durch unsere eigene Energie ändern können. Dadurch bringen wir es allmählich dahin, nun nicht nur die geistige Welt als Inspiration in uns hereinzubekommen, sondern wirklich mit unserem vom Leibe frei gewordenen Geiste in die anderen geistigen Wesen, die außer uns sind, unterzutauchen. Denn wirklich geistiges Erkennen ist ein Untertauchen in die Wesenheiten, die geistig um uns sind, wenn wir physische Dinge anschauen. Wenn wir Geistiges erkennen wollen, müssen wir erstens aus uns heraus. Das habe ich geschildert. Dann aber müssen wir uns auch die Fähigkeit aneignen, uns wiederum in die Dinge, nämlich in die geistigen Dinge und Wesenheiten hinein zu versenken.
[ 39 ] This can be supplemented by exercises such as those I have already hinted at in previous lectures—namely, examining the habits we have. We make a firm resolution and apply iron will so that, in a few years, we will have adopted a different habit in this regard. For example, I’ll just mention that every person has something in their handwriting that is called its “character.” If we strive to develop a different handwriting that no longer resembles the previous one at all, this requires a strong inner force. But then the second handwriting must become just as habitual and second nature to us as the first. That is just a minor point. There are many ways in which we can change the entire fundamental direction of our will through our own energy. Through this, we gradually bring ourselves to the point where we not only receive the spiritual world as inspiration within us, but truly immerse ourselves—with our spirit, now freed from the body—into the other spiritual beings that exist outside of us. For true spiritual perception is an immersion into the beings that surround us spiritually when we look at physical things. If we want to perceive the spiritual, we must first step outside of ourselves. I have described this. But then we must also acquire the ability to immerse ourselves once again into things—namely, into spiritual things and beings.
[ 40 ] Das können wir nur, nachdem wir auch solche Initiationsübungen gemacht haben, wie ich sie eben jetzt beschrieben habe, wo wir in der Tat gar nicht mehr gestört werden durch unseren eigenen Körper, sondern wo wir in das Geistige der Dinge untertauchen können; wo uns auch nicht mehr die Farben der Pflanzen erscheinen, sondern wo wir in die Farben selber hineintauchen, wo wir nicht mehr die Pflanzen gefärbt, sondern sich färben sehen. Indem wir wissen, daß die Zichorie, die am Wege wächst, nicht nur blau ist, wenn wir sie anschauen, sondern daß wir in die Blüte innerlich untertauchen können und das Blauwerden mitmachen, stehen wir intuitiv in diesem Prozesse drinnen, und dann können wir, von da ausgehend, unsere geistige Erkenntnis immer mehr und mehr ausdehnen.
[ 40 ] We can only do this after we have also performed initiation exercises such as those I have just described, in which we are in fact no longer disturbed by our own bodies, but can immerse ourselves in the spiritual essence of things; in which the colors of the plants no longer appear to us, but we dive into the colors themselves; in which we no longer see the plants as colored, but see them taking on color. By knowing that the chicory growing by the wayside is not merely blue when we look at it, but that we can inwardly immerse ourselves in the flower and participate in the process of it turning blue, we stand intuitively within this process, and then, starting from there, we can expand our spiritual insight more and more.
[ 41 ] Daß wir wirklich vorwärts gekommen sind mit solchen Übungen, können wir dann an einzelnen Symptomen sehen. Ich möchte zwei anführen, aber es gibt viele. Das erste besteht darin, daß wir über die moralische Welt ganz andere Anschauungen bekommen als vorher. Die moralische Welt hat für den reinen Intellektualismus etwas Unreales. Gewiß, der Mensch fühlt sich verpflichtet, wenn er noch anständig.geblieben ist innerhalb der materialistischen Zeit, das, was althergebrachtes Gutes ist, pflichtgemäß zu tun; aber er denkt doch, wenn er es sich auch nicht gesteht: damit, daß man das Gute getan hat, ist nicht so etwas geschehen, wie wenn ein Blitz durch den Raum fährt, oder ein Donner durch den Raum rollt. An Reales in solchem Sinne denkt er nicht. Wenn man sich in die geistige Welt hineinlebt, wird man gewahr, daß die moralische Weltordnung nicht nur eine solche Realität hat wie die physische, sondern daß sie eine höhere Realität hat. Man lernt allmählich verstehen, daß diese ganze Zeit mit ihren physischen Ingredienzen und Vorgängen zugrunde gehen kann, sich auflösen kann; aber das, was moralisch aus uns fließt, besteht fort in seinen Wirkungen. Die Realität der moralischen Welt geht uns auf. Und physische und moralische Welt, Sein und Werden, das wird Eines. Wir erleben wirklich, daß die Welt auch moralische Gesetze als objektive Gesetze hat.
[ 41 ] We can see from certain symptoms that we have truly made progress with such exercises. I would like to cite two, but there are many. The first is that we come to have a completely different view of the moral world than before. To pure intellectualism, the moral world has something unreal about it. Certainly, if a person has remained decent in this materialistic age, they feel obligated to do what is traditionally considered good; but they still think—even if they do not admit it to themselves—that doing good does not result in something as dramatic as a flash of lightning cutting through space or a clap of thunder rolling through it. He does not think of anything as real in that sense. When one immerses oneself in the spiritual world, one becomes aware that the moral world order not only possesses a reality comparable to that of the physical world, but that it possesses a higher reality. One gradually comes to understand that this entire age, with its physical elements and processes, can perish, can dissolve; but what flows from us morally endures in its effects. The reality of the moral world becomes clear to us. And the physical and moral worlds, being and becoming—these become one. We truly experience that the world also has moral laws as objective laws.
[ 42 ] Das steigert die Verantwortlichkeit gegenüber der Welt. Das gibt uns überhaupt ein ganz anderes Bewußtsein, ein Bewußtsein, das die moderne Mezischheit gar sehr braucht. Diese moderne Menschheit, die hinschaut auf den Erdenanfang, wie die Erde sich herausgebildet hat aus einem Urnebel, wie da aufgestiegen ist aus diesem Urnebel das Leben, der Mensch, und aus diesem heraus wie eine Fata Morgana die Ideenwelt. Diese Menschheit, die hinschaut auf den Wärmetod, so daß alles, worin die Menschheit lebt, wiederum untergetaucht wird in ein großes Gräberfeld desjenigen, worin die Menschheit lebt, diese Menschheit braucht die Erkenntnis von der moralischen Weltordnung. Sie wird im Grunde genommen durch spirituelle Erkenntnis voll errungen. Das kann ich nur andeuten.
[ 42 ] This increases our sense of responsibility toward the world. It gives us an entirely different consciousness—a consciousness that modern humanity desperately needs. This modern humanity, which looks back to the Earth’s origins, to how the Earth emerged from a primordial nebula, to how life and humanity arose from this primordial nebula, and from this, like a mirage, the world of ideas. This humanity, which looks toward the heat death of the universe, so that everything in which humanity lives will once again be submerged in a vast graveyard of that very existence—this humanity needs an understanding of the moral world order. This understanding is, in essence, fully attained through spiritual knowledge. I can only hint at this.
[ 43 ] Das andere aber ist, daß man nicht zu diesem intuitiven Erkennen, zu diesem Untertauchen in die äußeren Dinge kommen kann, ohne daß man durch ein gesteigertes Leiden durchgegangen ist, gesteigert gegenüber demjenigen Schmerz, den ich schon früher bei der imaginativen Erkenntnis charakterisieren mußte, indem ich sagte, daß man sich ja mit Mühe erst wiederum hineinfinden muß in seine Sympathien und Antipathien, was eigentlich immer, wenn es geschehen muß, schmerzt. Jetzt wird der Schmerz zu einem kosmischen Miterleben alles Leidens, das auf dem Grunde des Daseins liegt.
[ 43 ] The other point, however, is that one cannot attain this intuitive recognition—this immersion in external things—without having gone through heightened suffering, an intensified form of the pain I had to characterize earlier in connection with imaginative cognition, when I said that one must first, with great effort, find one’s way back into one’s sympathies and antipathies—which, whenever it must happen, is actually always painful. Now the pain becomes a cosmic sharing in all the suffering that lies at the very foundation of existence.
[ 44 ] Man kann leicht fragen, warum die Götter oder Gott das Leiden schaffen. Das Leiden muß da sein, wenn sich die Welt in ihrer Schönheit erheben soll. Daß wir Augen haben — ich will mich populär ausdrücken —, das rührt nur davon her, daß zuerst in einem noch undifferenzierten Organismus gewissermaßen ausgegraben worden ist dasjenige an Organischem, was zur Sehkraft und dann umgewandelt zum Auge geführt hat. Würden wir heute noch die kleinen, unbedeutendsten Prozesse wahrnehmen, die in unserer Netzhaut beim Sehen vor sich gehen, so würden wir wahrnehmen, daß selbst das ein auf dem Grunde des Daseins ruhender Schmerz ist. Auf dem Grunde des Leidens ruht alle Schönheit. Schönheit kann sich nur aus dem Schmerz heraus entwickeln. Diesen Schmerz, dieses Leiden, man muß sie fühlen können. Nur dadurch kann man sich wirklich hineinfinden in die übersinnliche Welt, daß man durch Schmerz hindurchgeht. Das kann man schon in einem minderen Grade auf einer niederen Stufe der Erkenntnis sagen. Jeder, der sich ein wenig Erkenntnis erworben hat, wird Ihnen ein Geständnis machen können; er wird Ihnen sagen: Für das, was ich Glückliches, Erfreuliches im Leben gehabt habe, bin ich meinem Schicksal dankbar, meine Erkenntnisse aber habe ich nur durch meine Schmerzen, nur durch meine Leiden errungen.
[ 44 ] One might easily ask why the gods or God create suffering. Suffering must exist if the world is to rise to its full beauty. The fact that we have eyes—to put it in layman’s terms—stems solely from the fact that, in an initially undifferentiated organism, the organic elements that led to the sense of sight—and were subsequently transformed into the eye—were, so to speak, “dug out.” If we were still able today to perceive the smallest, most insignificant processes taking place in our retinas as we see, we would realize that even this is a pain rooted in the very foundation of existence. All beauty rests upon the foundation of suffering. Beauty can develop only out of pain. One must be able to feel this pain, this suffering. It is only by passing through pain that one can truly find one’s way into the supersensible world. This can already be said, to a lesser degree, at a lower level of knowledge. Anyone who has gained even a little insight will be able to make a confession to you; they will tell you: “For the happiness and joy I have experienced in life, I am grateful to fate; but I have attained my insights only through my pain, only through my suffering.”
[ 45 ] Fühlt man das schon im Anfange niederer Erkenntnis gegenüber, so kann man es durchleben, indem man sich überwindet, indem man sich durch den Schmerz, der als kosmischer Schmerz gefühlt wird, hindurchwindet zum neutralen Erleben im geistigen Kosmos. Man muß sich zum Miterleben des Geschehens und Wesens aller Dinge hindurcharbeiten, dann ist die intuitive Erkenntnis da. Dann ist man aber auch vollständig in einem erkennenden Erleben drinnen, das nicht mehr an den Leib gebunden ist, das frei zurückkehren kann zum Leibe, um wiederum in der sinnlichen Welt zu sein bis zum Tode, das aber jetzt voll weiß, was es heißt, real sein, geistig-seelisch wirklich sein außerhalb des Leibes.
[ 45 ] If one senses this even at the very beginning of lower knowledge, one can live through it by overcoming oneself, by working one’s way through the pain—which is felt as cosmic pain—toward a neutral experience within the spiritual cosmos. One must work one’s way toward sharing in the unfolding and essence of all things; then intuitive knowledge is present. But then one is also fully immersed in a state of knowing experience that is no longer bound to the body, that can freely return to the body to be in the sensory world once more until death, but which now fully knows what it means to be real—to be truly spiritual and soulful outside the body.
[ 46 ] Hat man das begriffen, dann hat man ein Erkenntnisbild desjenigen, was geschieht, wenn man im wirklichen Tode den physischen Leib verläßt, dann weiß man, was es heißt, durch die Pforte des Todes zu gehen. Die Realität, die einem entgegentritt, daß das GeistigSeelische in eine geistig-seelische Welt übertritt, indem es den Leib zurückläßt, das erlebt man erkennend vor, wenn man bis zur intuitiven Erkenntnis aufgestiegen ist, das heißt, wenn man weiß, wie es ist in der Welt, wenn man keinen Leib hat, der zur Stütze dient. Man kehrt dann mit dieser Erkenntnis, wenn man sie zum Begriffe gebracht hat, wiederum in den Leib zurück. Aber das Wesentliche ist, daß man auch ohne den Leib leben lernt, und damit sich auch eine Erkenntnis erwirbt, wie es ist, wenn man einmal den Leib nicht mehr brauchen kann, wenn man ihn ablegt mit dem Tode und übertritt in eine geistigseelische Welt.
[ 46 ] Once one has grasped this, one has a clear picture of what happens when one leaves the physical body at the moment of actual death; then one knows what it means to pass through the gate of death. The reality that confronts one—that the spiritual-soul aspect passes into a spiritual-soul world by leaving the body behind—is experienced with clear understanding once one has risen to intuitive knowledge; that is, once one knows what it is like in the world when one has no body to serve as a support. One then returns to the body with this insight, once one has grasped it. But the essential point is that one learns to live even without the body, and thereby also gains an understanding of what it is like when one can no longer use the body—when one sheds it at death and passes into a spiritual-soul world.
[ 47 ] Wieder ist es nicht eine philosophische Spekulation, die von der Initiationserkenntnis über die Unsterblichkeit gegeben wird, sondern eine Erfahrung, die, ich möchte sagen, eine Vorerfahrung, ein Vorerlebnis ist. Man weiß, wie es dann sein wird. Man erlebt nicht die volle Realität, aber man erlebt ein reales Bild, das sich in einer gewissen Weise deckt mit der vollen Realität des Sterbens. Man erlebt die Unsterblichkeit. Es ist also auch in dieser Beziehung ein Erlebnis, das hereingeholt wird in die Erkenntnis.
[ 47 ] Once again, it is not a philosophical speculation derived from the initiatory knowledge of immortality, but an experience—or, I would say, a foretaste, a preview. One knows what it will be like then. One does not experience the full reality, but one experiences a real image that, in a certain way, corresponds to the full reality of dying. One experiences immortality. So in this respect, too, it is an experience that is brought into the realm of knowledge.
[ 48 ] Nun, ich habe versucht, Ihnen zu schildern, wie man aufsteigt durch Imagination zur Inspiration und Intuition, und wie man dadurch zunächst sich selbst als Menschen in seiner vollen Realität kennenlernt. Im Leibe lernt man sich erkennen, solange man eben im Leibe ist. Mit dem Geistig-Seelischen frei werden muß man vom Leibe, dann löst man erst den ganzen Menschen. Denn, was man erkennt durch den Leib, durch seine Sinne, durch das, was sich anschließt an die Sinneserfahrungen als Denken, und was für das gewöhnliche Denken doch an den Leib, nämlich an das Sinnes-Nervensystem gebunden ist: mit dem lernt man nur ein Glied des Menschen kennen. Den ganzen vollen Menschen lernt man nur erkennen, wenn man den Willen hat, aufzusteigen zu denjenigen Erkenntnissen, die eben aus der Initiationswissenschaft kommen.
[ 48 ] Well, I have tried to describe to you how one ascends through imagination to inspiration and intuition, and how, through this, one first comes to know oneself as a human being in one’s full reality. One comes to know oneself in the body as long as one is in the body. One must free oneself from the body through the spiritual-soul aspect; only then does one truly liberate the whole human being. For what one perceives through the body, through the senses, and through what follows from sensory experiences as thinking—and what, for ordinary thinking, is bound to the body, namely the sensory-nervous system—with all of this, one comes to know only one aspect of the human being. One can only come to know the whole, complete human being if one has the will to ascend to those insights that come precisely from the science of initiation.
[ 49 ] Noch einmal möchte ich betonen: Sind die Dinge erforscht, dann kann jeder, wenn er mit unbefangenem Sinn an sie herangeht, sie mit dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstand einsehen, ebenso wie man das, was die Astronomen, was die Biologen über die Welt sagen, mit dem gesunden Menschenverstand nachprüfen kann. Und man wird dann finden, daß dieses Nachprüfen die erste Stufe der Initiationserkenntnis ist. Man muß zuerst, weil der Mensch nicht auf Unwahrheit und Irrtum, sondern auf Wahrheit angelegt ist, einen Wahrheitseindruck haben von der Initiationserkenntnis; dann wird man, soweit es das Schicksal möglich macht, schon in diesem Erdenleben immer weiter in die geistige Welt eindringen können. Es muß sich auch in der neueren Zeit, und zwar in einer höheren Weise erfüllen, was über dem griechischen Tempel als Aufforderung stand: «Mensch, erkenne dich selbst!» Damit war gewiß nicht gemeint ein Hineintreten in das menschliche Innere, sondern eine Aufforderung, zu forschen nach der menschlichen Wesenheit: nach dem Wesen der Unsterblichkeit = Leib, nach dem Wesen der Ungeborenheit = unsterblicher Geist, und nach der Vermittlung zwischen der Erde, dem Zeitlichen und dem Geiste = Seelisches. Denn der wahre, der wirkliche Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. Den Leib kann der Leib, die Seele kann die Seele, den Geist kann nur der Geist erkennen. Daher muß versucht werden, selber den Geist in sich als tätig zu finden, damit der Geist auch in der Welt erkannt werden kann.
[ 49 ] I would like to emphasize once again: Once these matters have been thoroughly investigated, anyone who approaches them with an open mind can understand them using ordinary common sense, just as one can verify with common sense what astronomers and biologists say about the world. And one will then find that this verification is the first stage of initiatory knowledge. Since human beings are not predisposed to falsehood and error but to truth, one must first have an impression of truth from initiatory knowledge; then, as far as fate permits, one will be able to penetrate ever further into the spiritual world even in this earthly life. What was inscribed above the Greek temple as an exhortation—“Man, know thyself!”—must also be fulfilled in modern times, and indeed in a higher way. This certainly did not mean a journey into the human inner self, but rather a call to investigate the human being: the essence of immortality = the body; the essence of the unborn = the immortal spirit; and the mediating principle between the earth, the temporal, and the spirit = the soul. For the true, the real human being consists of body, soul, and spirit. The body can be known by the body, the soul by the soul, but the spirit can be known only by the spirit. Therefore, one must strive to find the spirit active within oneself, so that the spirit may also be recognized in the world.
