Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Secret of the Trinity
GA 214

22 August 1922, Dornach

Translate the original German text into any language:

Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Heute wollen wir einiges betrachten, was manche von den uns bekannten Wahrheiten für einen weiteren Kreis von Anthroposophen zusammenfassen kann. Sie kennen vielleicht die Art der Beschreibung, die ich in meinem Buche «Theosophie» gegeben habe, von jenen Welten, die der Mensch zu durchleben hat zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Ich will heute einiges aus diesen Welten zunächst von einem etwas anderen Gesichtspunkte aus schildern, als es in jenem Buche gegeben ist.

[ 1 ] Today we want to consider some of the truths we know that can be summarized for a wider circle of anthroposophists. You may be familiar with the kind of description I gave in my book *Theosophy* of those worlds that a human being must pass through between death and a new birth. Today I would like to describe some aspects of these worlds, initially from a slightly different perspective than the one presented in that book.

[ 2 ] In jenem Buche sind zum größten Teil Imaginationen gebraucht für die seelische und für die geistige Welt, durch die der Mensch durchgeht, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, um sich hinauf zu entwickeln zu einem neuen Erdenleben. Ich will heute nicht so sehr von einem imaginativen Standpunkte aus Ihnen die Sache schildern, als von dem Standpunkte, der sich mehr der Inspiration ergibt. Da können wir, um überhaupt die Möglichkeit eines Verständnisses zu gewinnen, von den Erlebnissen, die wir innerhalb des Erdenlebens haben, ausgehen.

[ 2 ] That book draws largely on imaginative depictions of the soul and spiritual worlds through which a person passes after crossing the threshold of death, on the way to evolving toward a new earthly life. Today I do not wish to describe the matter to you so much from an imaginative standpoint as from a standpoint that arises more from inspiration. In order to gain even the possibility of understanding, we can start from the experiences we have during our earthly life.

[ 3 ] Da stehen wir in irgendeinem Zeitpunkte zwischen Geburt und Tod in unserem physischen Leib der Welt gegenüber. Wir nennen dasjenige, was innerhalb unserer Haut ist, was innerhalb unseres physischen Leibes ist, eben unseren Menschen, unser Menschenwesen. Wir setzen voraus, daß dieses Menschenwesen nicht nur die anatomischen und die physiologischen Vorgänge birgt, sondern setzen voraus, daß da drinnen auch irgendwie die seelischen und geistigen Vorgänge spielen. Aber wir sprechen von uns, indem wir dabei dasjenige meinen, was innerhalb unserer Haut liegt, und wir sehen in die Welt hinaus, die Welt ist um uns herum, die nennen wir unsere Außenwelt. Nun wissen wir, daß wir uns Vorstellungsbilder machen von dieser Außenwelt, diese Vorstellungsbilder leben dann in uns. So daß wir um uns herum die Außenwelt haben und gewissermaßen Spiegelbilder der Außenwelt in unserem Seelenleben drinnen.

[ 3 ] At some point between birth and death, we face the world in our physical body. We call that which is within our skin—that which is within our physical body—simply our human being, our human existence. We assume that this human being encompasses not only anatomical and physiological processes, but also that psychological and spiritual processes are somehow at work within it. But when we speak of ourselves, we mean what lies within our skin, and we look out into the world—the world is all around us—which we call our external world. Now we know that we form mental images of this external world, and these mental images then live within us. So we have the external world around us and, in a sense, mirror images of the external world within our inner life.

[ 4 ] Wenn wir nun in dem Leben sind zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, da sind wir in derselben Welt drinnen, die jetzt unsere Außenwelt ist hier auf Erden. Alles dasjenige, was Sie genauer sehen können oder nur ahnen können als Außenwelt, das ist dann Ihre Innenwelt. Zu dem sagen Sie dann: Mein Ich. — So wie Sie jetzt zu Ihrem Ich gehörend Ihre Lunge ansehen, so sehen Sie dann zwischen dem Tode und einer neuen Geburt die Sonne und den Mond als Ihre Organe an, als dasjenige, was in Ihnen drinnen ist. Und die einzige Außenwelt, die Sie dann haben, das sind Sie selbst, wie Sie auf Erden sind, das sind Ihre irdischen Organe.

[ 4 ] When we are in the state of life between death and a new birth, we are within the same world that is now our external world here on Earth. Everything that you can see more clearly or can only sense as the external world—that is then your inner world. You will then refer to this as: “My self.” — Just as you now regard your lungs as belonging to your self, so between death and a new birth you will regard the sun and the moon as your organs, as that which is within you. And the only external world you will then have is yourself, as you are on Earth—that is, your earthly organs.

[ 5 ] Wenn wir hier auf der Erde sagen: In uns eine Lunge, in uns ein Herz; außer uns eine Sonne, außer uns ein Mond, außer uns ein Tierkreis —, so sagen wir in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt: In uns ein Tierkreis, in uns die Sonne, in uns der Mond, außer uns Lunge, außer uns Herz. — Alles dasjenige, was wir jetzt innerhalb unserer Haut tragen, das wird immer mehr und mehr zwischen dem Tode und einer neuen Geburt unsere Außenwelt, unser Universum, unser Kosmos. Es ist die Anschauung über das Verhältnis von Welt und Mensch völlig entgegengesetzt, wenn wir leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 5 ] When we say here on Earth: “Within us a lung, within us a heart; outside us a sun, outside us a moon, outside us the zodiac”—then in the life between death and a new birth we say: “Within us the zodiac, within us the sun, within us the moon; outside us a lung, outside us a heart.” — Everything that we now carry within our skin becomes, more and more, our outer world, our universe, our cosmos during the time between death and a new birth. Our view of the relationship between the world and the human being is completely reversed when we live between death and a new birth.

[ 6 ] Und so ist es, daß, wenn wir den Tod durchleben, wenn wir also durch die Pforte des Todes schreiten, wir zunächst ein deutliches Bild haben von dem, was da war, wie wir auf Erden waren — nur ein Bild. Sie müssen sich vorstellen, daß dieses Bild auf Sie den Eindruck der Außenwelt macht. Zuerst haben Sie dieses Bild als eine Art Erscheinung in sich. Und Sie haben nach dem Tode zuerst noch ein Bewußtsein von dem, was Sie auf Erden hier als Mensch waren, in der Gestalt von irdischen Erinnerungen und irdischen Bildern.

[ 6 ] And so it is that when we pass through death—that is, when we step through the gate of death—we initially have a clear image of what was there, of how we were on Earth—just an image. You must imagine that this image gives you the impression of the external world. At first, you have this image within you as a kind of apparition. And after death, you initially still have an awareness of what you were here on Earth as a human being, in the form of earthly memories and earthly images.

[ 7 ] Aber die hören immer mehr und mehr auf, und Sie schreiten immer mehr und mehr fort in der Anschauung des Menschen: Ich-Welt, Universum-Mensch. Das steigert sich immer mehr und mehr. Nur müssen Sie nicht sich vorstellen, daß dann die Lunge so aussieht, wie sie jetzt aussieht. Es würde nicht ein Anblick sein, der Ihnen ersetzen könnte den schönen Anblick von Sonne und Mond; aber dasjenige, was dann Lunge ist, was Herz ist, das ist etwas viel Großartigeres, etwas viel Gewaltigeres, als was jetzt Sonne und Mond vor dem menschlichen Auge sind.

[ 7 ] But these are ceasing more and more, and you are progressing further and further in your conception of humanity: the “I-world,” the “universe-human.” This is intensifying more and more. Just don’t imagine that the lungs will look the same as they do now. It would not be a sight that could replace the beautiful sight of the sun and moon for you; but what the lungs and heart will then be is something far more magnificent, something far more awe-inspiring than what the sun and moon are now to the human eye.

[ 8 ] Man bekommt auf diese Weise wirklich erst einen Eindruck von dem, was eigentlich Maja ist. Die Menschen sprechen von Maja, von der großen Täuschung, die die irdische Welt hier ist, aber sie glauben nicht recht daran; die Menschen, sie glauben doch immer im Geheimen, daß alles so ist, wie es hier vor irdischen Augen ausschaut. Das ist aber nicht der Fall. Die Lunge ist nur ein Scheingebilde, das Herz ist nur ein Scheingebilde. In Wahrheit ist unsere Lunge nur ein großartiger Teil unseres Kosmos, und unser Herz erst recht; denn unser Herz ist in seiner Wahrheit etwas viel Majestätischeres, etwas viel Großartigeres als eine Sonne.

[ 8 ] It is only in this way that one truly begins to get a sense of what Maja actually is. People speak of Maja, of the great illusion that is the earthly world here, but they do not really believe in it; people, after all, secretly believe that everything is just as it appears to earthly eyes. But that is not the case. The lungs are only an illusion; the heart is only an illusion. In truth, our lungs are merely a magnificent part of our cosmos, and our heart even more so; for in its true nature, our heart is something far more majestic, something far more magnificent than a sun.

[ 9 ] Wir sehen allmählich tatsächlich eine ungeheure kosmische Welt aufgehen, von der wir so sprechen, daß wir dann auch sagen: Unten ist der Himmel. Aber wir meinen eigentlich: Unten ist dasjenige, was das menschliche Haupt vorbereitet in der nächsten Inkarnation; oben, sagen wir dann, ist das Untere. Es kehrt sich alles um. Dort sind alle die Kräfte, welche den Menschen vorbereiten, um zu der Erde zu gehen, um gewissermaßen im nächsten irdischen Leben auf seinen zwei Beinen zu stehen.

[ 9 ] We are indeed gradually seeing an immense cosmic world dawn, about which we speak in such a way that we then also say: “Below is heaven.” But what we actually mean is: Below is that which prepares the human head for the next incarnation; above, we then say, is the lower realm. Everything is turned upside down. There are all the forces that prepare the human being to go to Earth, so to speak, to stand on his own two feet in the next earthly life.

[ 10 ] Das können wir dann zusammenfassen in die Worte: Je mehr wir uns einem neuen Erdenleben nähern, desto mehr zieht sich gewissermaßen das Universum Mensch für uns zusammen. Wir werden immer mehr und mehr gewahr, wie dieses zuerst majestätische Universum — majestätisch ist es insbesondere in der Mitte zwischen dem Tode und einer neuen Geburt —, wie dieses majestätische Universum Mensch gewissermaßen zusammenschrumpft, wie aus den Planeten, die wir in uns tragen, aus dem Weben der Planeten dasjenige wird, was dann im menschlichen Ätherleib vibriert, pulsiert; wie aus demjenigen, was die Fixsterne im Tierkreis sind, dasjenige wird, was unser Sinnes-Nervenleben ausbildet. Das schrumpft zusammen, das bildet sich, wird ein zuerst geistiger, dann ätherischer Leib. Er wird erst dann aufgenommen vom mütterlichen Schoß und mit irdischer Materie umkleidet, wenn er ganz klein geworden ist.

[ 10 ] We can summarize this as follows: The closer we come to a new earthly life, the more the human universe, so to speak, contracts around us. We become increasingly aware of how this initially majestic universe—which is particularly majestic at the midpoint between death and a new birth—how this majestic human universe, so to speak, shrinks together; how the planets we carry within us, the interweaving of the planets, becomes that which then vibrates and pulsates in the human etheric body; how what the fixed stars in the zodiac represent becomes what constitutes our sensory-nervous life. This shrinks together, takes shape, and becomes a body that is first spiritual, then etheric. It is only then—once it has become very small—that it is received by the mother’s womb and clothed in earthly matter.

[ 11 ] Und da kommt dann der Augenblick, wo wir uns dem irdischen Leben nähern, wo wir gewissermaßen entschwinden fühlen das Universum, das wir früher gehabt haben. Es schrumpft zusammen, es wird kleiner. Und das erzeugt in uns die Sehnsucht, wiederum herunterzukommen auf die Erde, uns wiederum zu verbinden mit einem physischen Leib, weil gewissermaßen vor dem geistigen Blick dieses Universum sich zurückzieht. Wir sehen hin, wie wir Mensch werden. Und wir müssen da mit ganz anderen Zeiträumen rechnen. Das Leben zwischen Tod und neuer Geburt ist Jahrhunderte lang, und wenn ein Mensch im 20. Jahrhundert geboren ist, so bereitet sich langsam, etwa schon im 16. Jahrhundert, sein Herunterstieg vor. Und da ist er es, der Mensch, der dann in einer gewissen Beziehung auf die irdischen Verhältnisse herunterwirkt.

[ 11 ] And then comes the moment when we approach earthly life, when we feel, as it were, that the universe we once had is slipping away. It shrinks, it becomes smaller. And this creates within us a longing to come down to Earth once more, to reconnect with a physical body, because, in a sense, this universe withdraws from our spiritual gaze. We observe how we become human. And we must reckon with entirely different time frames here. Life between death and a new birth spans centuries, and if a person is born in the 20th century, their descent begins to take shape slowly, as early as the 16th century. And there he is, the human being, who then, in a certain sense, exerts an influence on earthly conditions.

[ 12 ] Ein Ururgroßvater von Ihnen hat im 16. Jahrhunderte sich verliebt in eine Ururgroßmutter; die fühlten einen Drang, zueinander zu kommen. Da, in diesem Drang zusammenzukommen, da wirkten Sie schon aus den geistigen Welten herein. Und als dann im 17. Jahrhundert ein weniger ferner Ururgroßvater eine weniger ferne Ururgroßmutter liebte, da waren Sie wiederum in gewissem Sinne der Vermittler. Sie suchten sich die ganze Generation zusammen, damit zuletzt dasjenige herauskomme, was Ihre Mutter und Ihr Vater sein konnten.

[ 12 ] One of your great-great-grandfathers fell in love with a great-great-grandmother in the 16th century; they felt an urge to be together. In that urge to come together, you were already at work from the spiritual worlds. And when, in the 17th century, a more recent great-great-grandfather fell in love with a more recent great-great-grandmother, you were once again, in a certain sense, the mediator. You brought the entire generation together so that, ultimately, what could become your mother and father would come into being.

[ 13 ] Und in diesem mysteriösen Unbestimmten, das in den irdischen Liebeverhältnissen liegt, sind die Kräfte im Spiele, die von denen ausgehen, welche künftige Inkarnationen suchen. Daher ist auch niemals völlige Freiheit, völliges Bewußtsein bei dem, was für die äußeren Verhältnisse zusammenführt die männlichen und die weiblichen Personen. Das sind Dinge, die heute ganz außerhalb des Verständnisses der Menschen liegen.

[ 13 ] And within this mysterious uncertainty inherent in earthly love relationships, forces are at work that emanate from those who seek future incarnations. That is why there is never complete freedom or complete awareness regarding what brings male and female individuals together under external circumstances. These are matters that lie entirely beyond human understanding today.

[ 14 ] Was wir heute Geschichte nennen, ist ja eigentlich nur etwas ganz Außerliches. Von der Seelengeschichte der Menschen haben wir ja im äußeren Leben heute nicht viel drin. Daß die Seelen der Menschen ganz anders gefühlt haben im 12.,13. Jahrhundert noch, davon wissen ja die heutigen Menschen nichts. Nicht so deutlich, wie ich es jetzt ausgesprochen habe, mehr traumhaft wußten die Menschen im 10., 11., 12. Jahrhunderte noch von solchen geheimnisvollen Kräften, die aus der geistigen Welt hereinwirken, aber von Menschenseelen hereinwirken. Man hat nicht viel im Abendlande ausgesprochen von den wiederholten Erdenleben, von der Reinkarnation. Aber überall hat es Menschen gegeben, die von diesen Dingen gewußt haben. Nur die Kirchen haben immer alle Gedanken gerade an wiederholte Erdenleben ausgeschaltet, verdammt. Und Sie müssen sich eigentlich eine Vorstellung darüber machen, daß viele Menschen in Europa bis ins 12., 13. Jahrhundert herein gewußt haben, daß der Mensch wiederholte Erdenleben durchmacht.

[ 14 ] What we call history today is, after all, really just something quite external. In our external lives today, we don’t have much of the spiritual history of humanity. People today know nothing of the fact that human souls still felt quite differently in the 12th and 13th centuries. Not as clearly as I have just described it—but rather in a dreamlike way—people in the 10th, 11th, and 12th centuries still knew of such mysterious forces that work their way into our lives from the spiritual world, but specifically through human souls. In the West, not much has been said about repeated earthly lives, about reincarnation. But everywhere there have been people who knew about these things. Only the churches have always suppressed and condemned any thoughts of repeated earthly lives. And you really need to understand that many people in Europe, right up into the 12th and 13th centuries, knew that human beings go through repeated earthly lives.

[ 15 ] Dann kam die Zeit, in welcher die Menschheit des Abendlandes sich entwickeln sollte durch die Intellektualität hindurch. Der Mensch muß sich allmählich seine Freiheit erwerben. Freiheit gab es nicht in alten Zeiten, wo traumhaftes Hellsehen ‚war. Freiheit gibt es auch nicht in jenen Menschenverhältnissen — höchstens einen Glauben an die Freiheit —, die, sagen wir, von der irdischen Liebe beherrscht sind, wie ich sie jetzt eben geschildert habe. Da ist immer das Interesse der auf die Erde herabkommenden Seelen im Spiele.

[ 15 ] Then came the time when Western humanity was to develop through intellectualism. Human beings must gradually earn their freedom. There was no freedom in ancient times, when dreamlike clairvoyance existed. Nor is there freedom in those human relationships—at most a belief in freedom—that are, shall we say, dominated by earthly love, as I have just described. The interests of the souls descending to Earth are always at play there.

[ 16 ] Aber die Menschheit muß doch innerhalb der Erdenentwickelung immer freier und freier werden. Nur dann erreicht die Erde das Ziel der Entwickelung, wenn die Menschheit immer freier und freier wird. Dazu ist aber Intellektualität in einem bestimmten Zeitalter notwendig gewesen. Dieses Zeitalter ist das unsrige. Denn wenn Sie zurückschauen in frühere Erdenverhältnisse, wo die Menschen ein traumhaftes Hellsehen gehabt haben, da lebten in dem traumhaften Hellsehen immer geistige Wesenheiten darinnen. Der Mensch konnte damals nicht sagen: Ich habe meine Gedanken im Kopfe. — Das wäre falsch gewesen. Er mußte in alten Zeiten sagen: Ich habe das Leben von Engeln im Kopfe. — Und später mußte er sagen: Ich habe das Leben von Elementargeistern im Kopfe. — Dann kam erst das 15. Jahrhundert, und im 19., 20., da hat der Mensch gar nichts mehr von Geistigem im Kopfe, nur Gedanken hat er im Kopfe, Gedanken.

[ 16 ] But humanity must become freer and freer within the course of Earth’s evolution. Only when humanity becomes freer and freer will the Earth reach the goal of its evolution. However, intellectuality has been necessary for this in a specific age. That age is ours. For if you look back at earlier conditions on Earth, when people possessed a dreamlike clairvoyance, spiritual beings always lived within that dreamlike clairvoyance. At that time, a person could not say, “I have my thoughts in my head.” — That would have been wrong. In ancient times, they had to say: “I have the life of angels in my head.” — And later, they had to say: “I have the life of elemental spirits in my head.” — Then came the 15th century, and in the 19th and 20th centuries, human beings no longer have anything spiritual in their heads—they have only thoughts in their heads, thoughts.

[ 17 ] Dadurch, daß er nichts mehr von einem höheren Geistigen in sich hatte, nur Gedanken, dadurch konnte er sich Bilder von der Außenwelt machen. Aber konnte der Mensch frei sein, solange die Geister in ihm lebten? Das konnte er nicht. Die dirigierten ihn ganz und gar, gaben alles. Der Mensch konnte erst frei werden, als keine Geister ihn mehr dirigierten, als er nur Gedankenbilder hatte.

[ 17 ] Because he no longer possessed anything of a higher spiritual nature within himself—only thoughts—he was able to form images of the external world. But could human beings be free as long as the spirits lived within them? They could not. The spirits controlled them completely and dictated everything. Human beings could only become free when no spirits were directing them anymore, when they had only mental images.

[ 18 ] Gedankenbilder können Sie zu nichts zwingen. Wenn Sie sich vor den Spiegel stellen — die Spiegelbilder können noch so böse Menschen sein, sie werden Ihnen nie eine Ohrfeige geben; eine wirkliche Ohrfeige nie, weil sie keine Realität haben, weil sie Bilder sind. Wenn ich mich zu etwas entschließen will, so kann ich das im Spiegelbild nachbilden lassen; aber das Bild kann sich zu nichts entschließen.

[ 18 ] Mental images cannot force you to do anything. When you stand in front of the mirror—no matter how evil the people in the reflection may be, they will never slap you; they will never actually slap you, because they have no reality—they are merely images. If I want to make a decision about something, I can have my reflection mimic that decision; but the image itself cannot make any decisions.

[ 19 ] In dem Zeitalter, wo die Intellektualität nur Gedanken in unseren Kopf setzt, da entsteht die Freiheit, denn Gedanken können nicht zwingen. Wenn wir unsere moralischen Impulse nur reine Gedanken sein lassen, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe, dann können wir uns die Freiheit in unserem Zeitalter erringen. So mußte die intellektualistische Zeit heraufkommen. Es klingt sonderbar, aber es ist so: Im wesentlichen ist die Zeit vorüber, in der die Menschen die bloße Intellektualität, das bloße Bilddenken ausbilden durften. Das ist mit dem 19. Jahrhundert vorübergegangen. Und wenn jetzt die Menschen weiter diese bloßen Bildgedanken ausbilden, dann verfallen die Gedanken den ahrimanischen Mächten, dann finden die ahrimanischen Mächte den Zugang zum Menschen, dann verliert er seine Freiheit wiederum an die ahrimanischen Mächte. Und vor dieser Gefahr steht die Menschheit gegenwärtig.

[ 19 ] In an age when intellectuality merely plants thoughts in our minds, freedom arises, for thoughts cannot compel. If we allow our moral impulses to remain mere thoughts, as I have outlined in my *Philosophy of Freedom*, then we can attain freedom in our age. Thus, the intellectualistic era had to come about. It sounds strange, but it is true: essentially, the time when people were allowed to develop mere intellectuality—mere conceptual thinking—is over. That came to an end with the 19th century. And if people now continue to cultivate these mere image-thoughts, then these thoughts will fall prey to the Ahrimanic forces; then the Ahrimanic forces will find a way into the human being; and then he will once again lose his freedom to the Ahrimanic forces. And this is the danger facing humanity at present.

[ 20 ] Die Menschheit steht gegenwärtig vor der Eventualität, entweder das spirituelle Leben zu begreifen, zu begreifen, daß so etwas Realität ist, wie ich es heute im Anfang dieser Auseinandersetzung geschildert habe, oder es zu leugnen. Dann kann man aber nicht mehr frei denken, wenn man es heute leugnet, sondern dann fängt Ahriman — die ahrimanischen Mächte fangen dann an, in der Menschheit zu denken Und dann geht die ganze Menschheitsentwickelung in einer absteigenden Linie vor sich.

[ 20 ] Humanity currently faces the choice of either grasping spiritual life—understanding that such a thing is real, as I described at the beginning of this discussion today—or denying it. But if one denies it today, one can no longer think freely; instead, Ahriman—the Ahrimanic forces—begin to think within humanity. And then the entire development of humanity proceeds along a downward path.

[ 21 ] Es ist also im höchsten Grade notwendig, daß immer mehr und mehr Menschen der Gegenwart begreifen: Man muß wiederum zum spirituellen Leben zurück. Und dieses Fühlen, daß man wiederum zum spirituellen Leben zurück muß, das ist das, was heute die Menschen in sich suchen sollten. Wenn sie es nicht suchen, so verfällt die Menschheit dem Ahriman. So ernst ist von einem höheren Gesichtspunkte angesehen heute die Lage der Erdenmenschen. Und man sollte jedem anderen Gedanken eigentlich diesen Gedanken voranstellen, jeden anderen Gedanken im Lichte dieses Gedankens betrachten.

[ 21 ] It is therefore of the utmost importance that more and more people today come to understand: We must return to the spiritual life. And this sense that we must return to the spiritual life—that is what people today should seek within themselves. If they do not seek it, humanity will fall prey to Ahriman. From a higher perspective, the situation of the people of Earth today is that serious. And one should actually place this thought before every other thought, and consider every other thought in the light of this thought.

[ 22 ] Das wollte ich als den ersten Teil der heutigen Betrachtung geben. Vielleicht ist Herr Kaufmann so liebenswürdig, den ersten Teil zu übersetzen. Ich werde dann weitersprechen.

[ 22 ] I wanted to present this as the first part of today’s discussion. Perhaps Mr. Kaufmann would be so kind as to translate the first part. I will then continue speaking.



[ 23 ] Durch solche Darstellungen wird es vielleicht anschaulich, daß das Leben, das wir durchmachen in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, durchaus verschieden ist von dem, was wir hier zwischen Geburt und Tod durchmachen. Daher genügen auch Bilder, die von dem Erdenleben genommen sind, wenn sie noch so geistreich sind, nicht dazu, das eigentliche Geistesleben des Menschen zu charakterisieren, sondern man kann nur langsam und allmählich zu einem Verstehen desjenigen hinführen, was in der geistigen Welt Realität ist. Ich will dafür Beispiele anführen.

[ 23 ] Such descriptions may help illustrate that the life we experience in the spiritual world between death and a new birth is quite different from what we experience here between birth and death. Therefore, even images drawn from earthly life—no matter how ingenious they may be—are not sufficient to characterize the actual spiritual life of the human being; rather, one can only slowly and gradually guide people toward an understanding of what is real in the spiritual world. I will cite some examples of this.

[ 24 ] Nehmen Sie an, der Mensch verläßt hier seinen irdischen Leib und geht mit seinem seelisch-geistigen Leben über in die geistig-seelische Welt. Und nehmen wir an, es wird jemandem, der sich im intimeren Sinne Initiationserkenntnis erworben hat, hier möglich, die Seelen in ihrem Leben nach dem Tode weiter zu beobachten. Dazu sind viele Vorbereitungen notwendig, dazu ist ein bestimmtes Karma notwendig, das den Menschen hier mit dem Menschen drüben verbindet. Da handelt es sich darum, daß man nun eine Verständigungsmöglichkeit gewinnt mit einem Verstorbenen. Ich rede Ihnen dabei von außerordentlich schwierigen geistigen Erlebnissen, denn es ist im allgemeinen leichter, die Welt geistig zu beschreiben, als nur im geringsten an einen Toten heranzukommen. Die Menschen glauben leicht, daß es nicht schwer wäre, an einen Toten heranzukommen; es ist viel schwerer, an den Toten wirklich heranzukommen, als allgemeine spirituelle Erkenntnisse zu gewinnen.

[ 24 ] Suppose a person leaves their earthly body here and passes into the spiritual-soul world with their soul-spiritual life. And let us assume that someone who has attained initiatory knowledge in the deeper sense is able here to continue observing souls in their life after death. This requires a great deal of preparation, as well as a certain karma that connects the person here with the person on the other side. The point is that one now gains the ability to communicate with a deceased person. I am speaking to you here of extraordinarily difficult spiritual experiences, for it is generally easier to describe the spiritual world than to make even the slightest contact with a deceased person. People readily believe that it would not be difficult to make contact with a deceased person; it is much more difficult to truly make contact with the deceased than it is to gain general spiritual insights.

[ 25 ] Nun möchte ich Ihnen einige Eigentümlichkeiten des Verkehrs mit den Toten angeben. Zunächst ist es ja nur möglich, mit den Toten zu verkehren, indem man sich versetzen kann in ihr Erinnerungsvermögen an die physische Welt. Die Toten. haben noch einen Anklang an die menschliche Sprache, sogar an die besondere Sprache, die sie hier auf der Erde hauptsächlich gesprochen haben. Aber es verändert sich ihr Verhältnis zur Sprache. So zum Beispiel bemerkt man, wenn man mit einem Toten verkehrt, daß er sehr bald kein Verständnis, nicht das geringste Verständnis mehr hat für Hauptwörter, für Substantiva. Die Substantiva sind Wörter, die der Lebende hier an den Toten richten kann, der Tote, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, hört sie einfach nicht. Dagegen behält der Tote für alle Verben, also Tätigkeitswörter, verhältnismäßig lange noch ein Verständnis.

[ 25 ] Now I would like to describe to you some peculiarities of communicating with the dead. First of all, it is only possible to communicate with the dead by putting oneself in their position and accessing their memories of the physical world. The dead still retain a certain affinity for human language, even for the specific language they primarily spoke here on Earth. But their relationship to language changes. For example, when communicating with a dead person, one notices that very soon they no longer have any understanding—not the slightest understanding—of nouns. Nouns are words that the living here can address to the dead; the dead, if I may use the expression, simply do not hear them. In contrast, the dead retain an understanding of all verbs—that is, action words—for a relatively long time.

[ 26 ] Sie bekommen in der Regel nur eine Verständigung mit dem Toten, wenn Sie verstehen, in der richtigen Weise Fragen an ihn zu stellen. Man muß manchmal mit diesen Fragen so vorgehen, daß man an einem Tage möglichst in vollständiger Ruhe sich auf den Toten konzentriert, mit ihm in etwas lebt, was recht konkret ist — denn Bilder hat er nach dem Tode mehr in seiner Seele als abstrakte Vorstellungen —, also man muß sich auf etwas konzentrieren, was ein reales konkretes Erlebnis ist, das er gern hier gehabt hat im Leben, da kann man allmählich an den Toten herankommen. .

[ 26 ] You can usually only communicate with the deceased if you know how to ask him questions in the right way. Sometimes you have to approach these questions in such a way that, on a given day, you concentrate on the deceased in as complete a state of calm as possible, sharing with them something that is quite concrete—for after death, their soul contains more images than abstract ideas—so you must focus on something that is a real, concrete experience that they enjoyed having here in life, and in this way you can gradually draw closer to the deceased. .

[ 27 ] Man bekommt in der Regel nicht gleich Antwort. Man muß oftmals darüber schlafen, vielleicht mehrmals schlafen, und man bekommt nach Tagen Antwort. Aber man bekommt eigentlich nie von Toten Antwort, wenn man die Frage an sie stellt mit Substantiven. Man muß versuchen, alles Substantivische in Verbalform zu kleiden. Diese Vorbereitung ist durchaus notwendig. Das beste, was der Tote versteht, sind Verben, die man recht anschaulich macht. Also der Tote versteht zum Beispiel niemals das Wort «Tisch»; aber wenn es einem gelingt, etwas lebhaft vorzustellen von dem, was in Tätigkeit ist, wenn ein Tisch gemacht wird, was also ein Werdendes ist, dann kann man allmählich für den Toten so verständlich werden, daß er die Frage auffaßt und daß man Antworten bekommt, die immer in Verbalform sind, die aber sehr häufig nicht einmal in Verbalform sind, sondern die in dem sind, was wir hier auf der Erde als Interjektion, als Empfindungswörter ansprechen würden.

[ 27 ] You don’t usually get an answer right away. You often have to sleep on it—maybe even sleep on it several times—and you’ll get an answer after a few days. But you actually never get an answer from the dead if you ask them a question using nouns. You have to try to express everything that is a noun in verbal form. This preparation is absolutely necessary. What the dead understand best are verbs that you make quite vivid. For example, the dead never understand the word “table”; but if you manage to vividly describe what is happening when a table is being made—that is, something in the process of becoming— then one can gradually become so understandable to the deceased that he grasps the question and that one receives answers that are always in verbal form—though very often they are not even in verbal form, but rather in what we here on Earth would refer to as interjections or words of feeling.

[ 28 ] Namentlich spricht der Tote in Buchstaben-, in Lautzusammensetzungen. Und er kommt, je länger er in der geistigen Welt verweilt nach dem Tode, desto mehr dazu, in einer Sprache zu sprechen, die man sich erst aneignet, wenn man für die irdische Sprache ein Unterscheidungsverständnis sich erwirbt, wenn man sich nicht mehr hält an die abstrakte Bedeutung der Worte, sondern wenn man eindringt in den Empfindungsgehalt der Laute.

[ 28 ] Specifically, the deceased speaks in combinations of letters and sounds. And the longer he remains in the spiritual world after death, the more he is able to speak in a language that one can only master once one has acquired a discerning understanding of earthly language—when one no longer clings to the abstract meaning of words, but instead penetrates the emotional content of the sounds.

[ 29 ] Es ist ja so, wie ich auch in den Vorträgen über Erziehung gesagt habe: Bei A empfinden wir etwas wie Staunen. Das Staunen nehmen wir gewissermaßen in unsere eigene Seele herein, wenn wir nicht bloß A sagen, sondern Ach. Das heißt: A= ich staune, und das Staunen geht in mich herein: ch. Und wenn ich jetzt noch m voranstelle und sage: mach — so habe ich ein Verfolgen desjenigen, was mich erstaunen macht, so wie wenn es in Schritten — m — herankäme, und ich bin völlig drin! In diesen Lautverständnissen kommen oftmals die Antworten der 'Toten. Die sprechen nicht englisch, die sprechen nicht deutsch, nicht russisch, die sprechen so, daß es nur Seele und Herz verstehen kann, wenn Seele und Herz mit den Ohren zusammenhängen.

[ 29 ] It’s just as I’ve said in my lectures on education: With “A,” we feel something like wonder. We take that sense of wonder into our own soul, so to speak, when we don’t just say “A,” but “Ah.” That is to say: A = I am amazed, and that sense of wonder enters into me: ch. And if I now add an “m” at the beginning and say, “mach”—then I have a sense of pursuing whatever it is that amazes me, as if it were approaching in steps—“m”—and I am completely immersed in it! It is often within these understandings of sound that the answers of the “dead” come. They do not speak English, they do not speak German, nor Russian; they speak in a way that only the soul and the heart can understand, when the soul and the heart are connected to the ears.

[ 30 ] Ich habe Ihnen vorhin gesagt: Das Herz ist majestätischer als die Sonne. Für die irdische Anschauung ist das Herz da irgendwo drinnen, und wenn wir es anatomisch herausschneiden, bietet es keinen schönen Anblick. In Wahrheit ist das Herz im ganzen Menschen, durchdringt alle übrigen Organe, sitzt auch im Ohre. Wir müssen uns immer mehr gewöhnen an diese Herzenssprache der Toten, wenn ich sie so nennen darf. |

[ 30 ] I told you earlier: The heart is more majestic than the sun. From an earthly perspective, the heart is located somewhere inside, and if we were to remove it anatomically, it would not be a pretty sight. In truth, the heart is present throughout the entire human being, permeates all the other organs, and is even found in the ear. We must become increasingly accustomed to this “language of the heart” of the dead, if I may call it that. |

[ 31 ] Daran gewöhnen wir uns, wenn wir nach und nach alles Substantivische wegwerfen, ins Verbale hineinkommen. Die Tätigkeit, das Werden, das versteht der Tote noch ziemlich lange nach dem Tode. Aber später versteht er eine Sprache, die keine wirkliche Sprache ist. Das, was wir dann vom Toten empfangen, müssen wir erst rückübersetzen in eine irdische Sprache.

[ 31 ] We grow accustomed to this as we gradually discard everything substantive and enter into the verbal realm. The dead continue to understand activity and becoming for quite some time after death. But later, they come to understand a language that is not a real language. What we then receive from the dead, we must first translate back into an earthly language.

[ 32 ] So wächst der Mensch heraus aus seinem Leibe und wächst allmählich in die geistige Welt hinein, indem sein ganzes Seelenleben ein anderes wird. Und wenn nun die Zeit allmählich herankommt, wo der Mensch zur Erde heruntersteigt, da muß er wiederum sein ganzes Seelenleben ändern, denn da rückt immer mehr und mehr der Augenblick nahe, wo er vor einer gewaltigen Aufgabe steht, wo er zuerst die Astralform und dann die Ätherform des ganzen künftigen, hier auf der Erde physisch stehenden Menschen selber zusammensetzen muß.

[ 32 ] Thus, a person outgrows his physical body and gradually grows into the spiritual world as his entire soul life undergoes a transformation. And when the time gradually approaches for a human being to descend to Earth, he must once again transform his entire soul life, for the moment is drawing ever closer when he will face a monumental task: first assembling the astral form and then the etheric form of the entire future human being who will physically dwell here on Earth.

[ 33 ] Was wir hier auf der Erde tun, ist äußerliche Arbeit. Es betätigen sich unsere Hände an irgend etwas, was äußerlich geschieht. Wenn wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sind, da beschäftigt sich unsere Seele damit, unseren Leib zusammenzustellen. Daß der Mensch durch Vererbung entsteht, ist nur scheinbar. Durch Vererbung wird ihm nur die alleräußerste physische Hülle umkleidet, aber die Form seiner Organe sogar muß der Mensch entwickeln. Dafür will ich Ihnen ein Beispiel geben, möchte aber dazu einen Handschuh haben.

[ 33 ] What we do here on Earth is external work. Our hands are engaged in something that takes place externally. When we are between death and a new birth, our soul is occupied with putting our body together. It is only seemingly the case that a human being comes into being through heredity. Through heredity, only the outermost physical shell is provided; but even the form of one’s organs must be developed by the individual. I’d like to give you an example of this, but I’d need a glove to do so.

[ 34 ] Wenn der Mensch sich nähert dem irdischen Leben, dann hat er ja Sonne und Mond noch in sich. Aber allmählich schrumpfen Sonne und Mond zusammen. Sie empfinden dann in sich so, wie wenn Sie in sich die beiden Lungenflügel zusammenschrumpfen fühlen würden. So fühlen Sie dann Ihr kosmisches Dasein, Ihr Sonnen- und Mondorgan zusammenschrumpfen. Und dann löst sich etwas von der Sonne los, und etwas vom Monde los. Nun hat man dann — statt daß man früher Sonne und Mond in sich gehabt hat — vor sich etwas, das eine Art Abbild ist von Sonne und Mond. Erglänzend, glitzernd hat man vor sich zwei zunächst riesige Kugeln, wovon die eine Kugel die vergeistigte Sonne, die andere Kugel der vergeistigte Mond ist: die eine Kugel in hellglänzendem Lichte, die andere Kugel glimmend, mehr in sich warm, wärmend feurig und mehr das Licht wie egoistisch an sich haltend.

[ 34 ] When a person approaches earthly life, they still have the sun and moon within them. But gradually, the sun and moon shrink together. They then feel within themselves as if their two lungs were shrinking together. That is how you then feel your cosmic existence—your sun and moon organs—shrinking together. And then something detaches itself from the sun, and something from the moon. Now, instead of having had the sun and moon within you as before, you have before you something that is a kind of image of the sun and moon. Shining and glittering, you see before you two spheres that at first appear enormous, one of which is the spiritualized Sun, the other the spiritualized Moon: one sphere in bright, shining light, the other glowing, more warm within, with a warming, fiery quality, and holding the light more selfishly to itself.

[ 35 ] Diese zwei Kugeln, die sich loslösen von dem kosmisch umgewandelten Menschen — von diesem heute noch bestehenden Adam Kadmon —, diese zwei Kugeln, die sich loslösen, die nähern sich immer mehr und mehr. Man sagt dann, wenn man herunterkommt zur Erde: Sonne und Mond werden eins. Und das ist dasjenige, was einen führt, das ist dasjenige, was einen — schon von Urururgroßmutter, Ururgroßmutter, Urgroßmutter, Großmutter her und so weiter — hinführt, hinleitet bis zuletzt zu derjenigen Mutter, die einen gebären soll. Da leiten einen Sonne und Mond, die sich aber dabei immer mehr und mehr nähern.

[ 35 ] These two spheres that detach themselves from the cosmically transformed human being—from this Adam Kadmon, who still exists today—these two spheres that detach themselves draw ever closer and closer together. It is said that when one descends to Earth, the sun and the moon become one. And that is what guides one; that is what leads one—all the way back from one’s great-great-great-grandmother, great-great-grandmother, great-grandmother, grandmother, and so on—until finally to the mother who is to give birth to one. There, the Sun and the Moon guide one, while drawing ever closer and closer to one another.

[ 36 ] Und dann sieht man eine Aufgabe vor sich. Dann sieht man gewissermaßen wie einen einzigen Punkt dasjenige, was noch fern ist im menschlichen Embryo. Und man sieht das, was da aus Sonne und Mond wie ein Einheitliches entstanden ist, sich der Mutter nähernd. Aber man sieht eine Aufgabe vor sich, die ich so charakterisieren kann.

[ 36 ] And then one sees a task before oneself. Then, in a sense, one sees—as a single point—that which is still distant in the human embryo. And one sees what has emerged from the sun and moon as a unified whole, drawing closer to the mother. But one sees a task before oneself that I can characterize as follows.

[ 37 ] Denken Sie sich, dieses hier [der Handschuh] wäre nun dasjenige, was als vereinigte Sonne und Mond vor einem herzieht, und man weiß: Wenn nun dein kosmisches Bewußtsein ganz geschwunden sein wird, wenn du durch eine Finsternis durchgehen wirst — das ist nach der Empfängnis, nach der Konzeption, wenn der Mensch untertaucht in den Embryo —, so wirst du das umstülpen müssen, so daß das Innere nach außen kommt. Das, was Sonne und Mond gewesen sind, mußt du umstülpen, und da entsteht eine kleine Öffnung, durch diese mußt du hinein mit deinem Ich, und dies wird im Abbild dann dein Menschenkörper auf der Erde sein.

[ 37 ] Imagine that this [the glove] is what moves before you as the united sun and moon, and you know: When your cosmic consciousness has completely faded away, when you pass through a darkness—that is, after conception, when the human being is immersed in the embryo—you will have to turn it inside out so that the inside faces outward. You must turn inside out what was once the sun and moon, and a small opening will appear; through this you must enter with your “I,” and this will then be your human body on Earth in its image.

[ 38 ] Sehen Sie, das ist die Pupille im menschlichen Auge. Aus demjenigen, was da dieses Eins ist, wird dann die Zwei gemacht, wie wenn zwei Spiegelbilder entstehen würden: Das sind die beiden menschlichen Augen, zunächst vereinigt für sich, aber als vereinigte Sonne und Mond, dann da sich umstülpend.

[ 38 ] Look, this is the pupil of the human eye. From that single point, a “two” is formed, as if two mirror images were being created: these are the two human eyes, initially united in themselves, but like the united sun and moon, then turning inside out.

[ 39 ] Es obliegt einem diese Aufgabe, die man unbewußt vollzieht: Man muß das Ganze umdrehen, das Innere nach außen stülpen und durch die kleine Öffnung hineingehen. Dann geht das auseinander: Es werden im embryonalen Zustande zwei physische Abbilder gebildet. Denn die physischen embryonalen Augen sind zwei Bilder: dasjenige, was aus Sonne und Mond entstanden ist.

[ 39 ] It is up to one to carry out this task, which is performed unconsciously: One must turn the whole thing inside out, turn the inside out, and enter through the small opening. Then it splits apart: two physical images are formed in the embryonic state. For the physical embryonic eyes are two images: that which arose from the sun and the moon.

[ 40 ] So arbeitet man — indem man dasjenige, was man als das ganze Universum erlebt, zusammennimmt, indem man eine bestimmte Form dem gibt — die einzelnen Teile des menschlichen Organismus aus, die dann nur aus dem plastischen Material, aus der Materie sich durchkleiden und umkleiden. Das nehmen sie nur an. Aber die Kräfte, die bildet man aus: die bildet man aus dem Universum heraus.

[ 40 ] This is how one works—by taking what one experiences as the entire universe and giving it a specific form—to develop the individual parts of the human organism, which then clothe themselves and re-clothe themselves solely from the plastic material, from matter. They merely take this on. But the forces—those are formed: they are formed from the universe itself.

[ 41 ] Es ist zum Beispiel so, daß wenn man in der vor der Geburt zurückliegenden Zeit durch die Sonne so durchgeht, daß die Sonne im Zeichen des Löwen steht — es braucht das nicht bei der Geburt zu sein, es kann weiter zurückliegen —, man sich in dieser Zeit nicht aus Sonne und Mond das Auge macht, das geschieht zu einer anderen Zeit; in dieser Zeit aber vereinigt man sich mit dem Inneren der Sonne. Dieses Innere der Sonne, wenn man es betreten würde, würde ganz anders ausschauen, als sich die Physiker heute vorstellen. Jene physische Vorstellung ist so ahnungslos! Dieses Innere der Sonne ist nicht ein Gasball, sondern etwas, was weniger ist als Raum, wo der Raum sogar weggenommen ist. Wenn man sich den Raum als etwas Ausgedehntes denkt, was drückt, so müßte man sich das Innere der Sonne als saugend vorstellen, negativer Raum, leerer als der Raum! Die wenigsten Menschen kommen zu einer adäquaten Vorstellung. Wenn man da durchgeht, dann erlebt man etwas, was nun wiederum ausgebildet werden kann, und was sich zum Beispiel dann weiter formt zum menschlichen Herzen.

[ 41 ] For example, if one passes through the period preceding birth in such a way that the Sun is in the sign of Leo—it need not be at the moment of birth; it can lie further back in time—one does not form one’s eye from the Sun and Moon during this time; that happens at a different time; but during this time one unites with the innermost core of the Sun. If one were to enter this innermost core of the Sun, it would look entirely different from what physicists imagine today. That physical conception is so clueless! This innermost core of the Sun is not a ball of gas, but something that is less than space—where space itself has even been removed. If one thinks of space as something expansive that exerts pressure, then one would have to imagine the interior of the sun as suction-like—negative space, emptier than space itself! Very few people arrive at an adequate conception of it. When one passes through it, one experiences something that can then be further developed and that, for example, goes on to take the form of the human heart.

[ 42 ] Es ist nicht so, daß etwa aus Sonne und Mond nur die Augenform gebildet wird; es wird auch die Herzform aus der Sonne gebildet, aber nur, wenn die Sonne zugleich die Kräfte in sich enthält, die aus dem Sternbilde des Löwen kommen.

[ 42 ] It is not the case that only the shape of the eyes is formed from the sun and the moon; the shape of the heart is also formed from the sun, but only if the sun simultaneously contains within itself the forces that come from the constellation of Leo.

[ 43 ] So baut der Mensch tatsächlich, sei es aus den Bewegungen, sei es aus den Konstellationen der Sterne im Universum, seinen ganzen menschlichen Organismus auf. Dieser menschliche Organismus ist ein Abbild der Sternenwelt, und ein großer Teil der Arbeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt besteht darinnen, daß wir aus dem Universum unseren Leib herausarbeiten. Das menschliche Wesen, wie es dasteht auf der Erde, ist ein Universum, aber ein zusammengeschrumpftes. Und die Naturwissenschaft ist so naiv, daß sie meint, der Mensch entstehe nur aus dem physischen Menschenkeim! Das ist gerade so naiv, wie wenn einer eine Magnetnadel sich anschaut, die immer nach Norden mit dem einen Ende zeigt, mit dem anderen Ende nach Süden — und er sucht die Kräfte, durch die sie sich gerade so stellt, nur in der Magnetnadel darinnen, sieht nicht die ganze Erde als einen Magneten an.

[ 43 ] Thus, human beings do indeed build their entire human organism, whether from the movements or from the constellations of the stars in the universe. This human organism is a reflection of the world of the stars, and a large part of the work between death and a new birth consists in shaping our body out of the universe. The human being, as it stands on Earth, is a universe—but a shrunken one. And natural science is so naive that it believes human beings arise solely from the physical human germ! This is just as naive as if someone were to look at a magnetic needle that always points north with one end and south with the other—and were to seek the forces that cause it to align in this way solely within the magnetic needle itself, without regarding the entire Earth as a magnet.

[ 44 ] So ist es, wenn einer sagt: Aus dem physischen Menschenkeim entsteht der Mensch. — Er entsteht gar nicht aus dem physischen Menschenkeim, sondern aus dem ganzen Universum heraus. Und sein GeistigSeelisches zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist ein Mitarbeiten an der übersinnlich-ätherisch-seelischen Menschenform, die dann nur so zusammenschrumpft, daß sie sich mit der physischen Materie umkleiden kann. Der Mensch ist wirklich nur der Schauplatz desjenigen, was das Universum und was er selber mit seinen umgewandelten Kräften an seinem Physischen vollzieht.

[ 44 ] This is what happens when someone says: “The human being arises from the physical human germ.” — The human being does not arise from the physical human germ at all, but from the entire universe. And his spiritual-soul aspect between death and a new birth is a collaboration in the supersensible-etheric-soul form of the human being, which then shrinks just enough to be able to clothe itself in physical matter. The human being is truly only the stage upon which the universe—and the human being himself, with his transformed forces—acts upon his physical body.

[ 45 ] So entwickelt sich der Mensch allmählich. Mit der Sprache fängt es an, indem er mit dem Gebrauch der Substantive aufhört und in eine besondere Sprache, in das Verbale hineingeht. Dann geht es von der Sprache über zum innerlichen Anschauen der Sternenwelt, dann lebt er in der Sternenwelt. Und dann fängt er an, aus der Sternenwelt heraus abzugliedern, zu formen dasjenige, was er wird, was er in der nächsten Inkarnation wird. So geht es aus dem Physischen durch das Umformen der Sprache ins Geistige hinein; so geht es wiederum zurück durch das Umformen des Universums zum Menschen. Und in der Tat, nur wenn man begreift, wie das Geistig-Seelische, das sich in der Sprache so verliert, eins wird mit der Sternenwelt und dann sich wiederum zurücknimmt aus der Sternenwelt, begreift man diesen ganzen Lebenskreis des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. |

[ 45 ] This is how human beings gradually develop. It begins with language, as they cease to use nouns and enter into a special language—the verbal. Then the process moves from language to the inner contemplation of the world of the stars, and then the human being lives within the world of the stars. And then he begins to distill from the world of the stars and shape that which he will become—that which he will become in his next incarnation. Thus, through the transformation of language, the process moves from the physical into the spiritual; and in turn, through the transformation of the universe, it returns to the human being. And indeed, only when one understands how the spiritual-soul aspect—which is so lost in language—becomes one with the world of the stars and then withdraws again from the world of the stars, does one comprehend this entire cycle of human life between death and a new birth. |

[ 46 ] Diese Dinge, sie waren vielen Menschen noch klar zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha auf der Erde sich vollzogen hat. Da hat man eigentlich niemals die Meinung gehabt, der Christus Jesus sei hauptsächlich dasjenige Wesen, das sich auf der Erde entwickelt hat, sondern da hat man die Meinung gehabt: Der Christus Jesus war früher in derjenigen Welt, der man selber zwischen dem Tod und einer neuen Geburt angehört — und man hat nachgedacht, wie er da heruntergestiegen ist und in die Erde übergegangen ist.

[ 46 ] These things were still clear to many people at the time when the Mystery of Golgotha unfolded on Earth. People never really held the view that Christ Jesus was primarily the being who had developed on Earth; rather, they believed that Christ Jesus had previously been in the world to which one belongs between death and a new birth—and they reflected on how he had descended from there and entered into the Earth.

[ 47 ] Die Initiationswissenschaft wurde gerade von der römischen Welt ausgerottet; da sollten nur die alten Dogmen bleiben. Eine besondere Körperschaft, die im 4. Jahrhunderte unserer Zeitrechnung nach dem Mysterium von Golgatha in Italien war, die hat alle Anstrengungen gemacht, daß die alten Initiationsmethoden sich nicht in neue verwandeln sollten; es sollte den Menschen nur die Erkenntnis der äußeren physischen Welt bleiben, und von den übersinnlichen Welten sollten nur die alten Dogmen künden, die sie allmählich mit ihrem Intellekt nur als Begriffe aufnehmen und nicht einmal mehr begreifen, sondern nur an sie glauben sollten. Und so wurde zerrissen das Wissen, das es schon einmal gegeben hat, in ein Wissen von der irdischen Welt und in ein Glauben an eine andere Welt, bis dann dieses Glauben so zusammengeschrumpft ist, daß es für die einen nur noch aus einer Summe von Dogmen besteht, die nicht mehr verstanden werden, die für die anderen überhaupt nur ein Anhaltspunkt sind, um glauben zu können. Was glaubt denn der moderne Mensch, der nicht mehr an den Dogmen der Trinität festhält? Er glaubt etwas Verschwommenes, ganz allgemein Geistiges. Aber wir müssen wiederum zurückkommen zu der wirklichen Anschauung, bei der wir uns hineinleben ins Geistige; das heißt, wir brauchen wiederum eine Initiationswissenschaft, eine Wissenschaft, die uns aber von solchen Dingen spricht wie: Bewundere das menschliche Auge, das ja eine kleine Welt für sich ist. — Es ist nicht ein bloßes Bild, es ist etwas Reales aus den Gründen, die ich Ihnen jetzt eben gesagt habe. Denn dieses Auge war einmal, als wir zwischen Tod und neuer Geburt waren, eines, und diese Einheit, die sich dann umgestülpt hat, die war eigentlich ein Zusammenfluß der Abbilder von Sonne und Mond. Und wir haben aus dem Grunde zwei Augen, weil, wenn wir veranlagt wären, nur mit einem Auge zu sehen wie die Zyklopen, wir niemals das Ich in einer sichtbaren Welt entwickeln könnten; wir würden es nur in der Gefühlswelt entwickeln.

[ 47 ] The science of initiation had just been eradicated by the Roman world; only the old dogmas were to remain. A special organization that existed in Italy in the 4th century A.D., following the Mystery of Golgotha, made every effort to ensure that the old methods of initiation would not be transformed into new ones; people were to be left with only knowledge of the outer physical world, and the supersensible worlds were to be revealed only through the old dogmas, which they would gradually take in with their intellect merely as concepts—no longer even comprehending them, but merely believing in them. And so the knowledge that once existed was torn apart into knowledge of the earthly world and belief in another world, until this belief had shrunk to such an extent that for some it consists only of a collection of dogmas that are no longer understood, while for others it is merely a point of reference for being able to believe. What, then, does modern man believe, who no longer clings to the dogmas of the Trinity? He believes in something vague, something spiritual in the most general sense. But we must return once more to the true vision in which we immerse ourselves in the spiritual; that is to say, we need once again a science of initiation—a science that speaks to us of such things as: “Marvel at the human eye, which is indeed a small world in itself.” — It is not merely an image; it is something real for the reasons I have just explained to you. For this eye was once, when we were between death and new birth, a single entity, and this unity, which was then turned inside out, was actually a confluence of the images of the sun and the moon. And that is why we have two eyes: because if we were predisposed to see with only one eye, like the Cyclopes, we could never develop the “I” in the visible world; we would develop it only in the world of feelings.

[ 48 ] Helen Keller hat eine andere Gefühls-, eine andere Vorstellungswelt als die anderen Menschen; sie kann sich nur verständigen, weil ihr die Sprache klargemacht worden ist. Ohne diese würden wir nicht eine Ich-Vorstellung entwickeln. Wir entwickeln sie ja dadurch, daß wir die rechte Hand über die linke Hand legen können, insbesondere wenn wir die symmetrischen Glieder übereinanderlegen. So entwickeln wir auch eine feine Vorstellung vom Ich, weil wir mit den zwei Augen die Augenachse kreuzen beim Visieren. Geradeso wie wir die Hände kreuzen, so kreuzen wir die zwei Augenachsen. Immer, wenn wir etwas anschauen, kreuzen wir die Augen.

[ 48 ] Helen Keller has a different emotional world and a different world of imagination than other people; she is able to communicate only because language has been made clear to her. Without it, we would not develop a sense of self. We develop it, after all, by being able to place our right hand over our left hand, especially when we overlap the symmetrical limbs. In the same way, we also develop a subtle sense of the self because we cross the visual axes of our two eyes when focusing on an object. Just as we cross our hands, so do we cross the two visual axes. Whenever we look at something, we cross our eyes.

[ 49 ] Die materiellen zwei Augen sind im Geistigen eines. Und das sitzt hier hinter der Nasenwurzel, dieses eine Auge, dieses geistige, das sich abbildet und zu den zwei Augen wird. Dadurch, daß der Mensch ein rechter und ein linker Mensch sein kann, kann er sich als Mensch fühlen. Wenn er nur rechts oder nur links wäre, nicht ein symmetrisches Wesen wäre, so würde alles Vorstellen in die Welt hinauslaufen; man würde nicht zu einem geschlossenen Ich kommen.

[ 49 ] The two physical eyes are one in the spiritual realm. And this one eye—this spiritual eye—sits here behind the bridge of the nose; it projects itself and becomes the two eyes. It is precisely because a person can be both a “right” and a “left” person that they can feel themselves to be human. If a person were only right or only left—if they were not a symmetrical being—then all imagination would flow out into the world; one would not arrive at a unified self.

[ 50 ] Indem wir die zwei Abbilder von Sonne und Mond in eines bilden, erbilden wir uns so für die künftige Inkarnation. Wir sagen uns: Du kannst aber doch nicht in die ganze Welt zerfallen; du kannst doch nicht ein Sonnenmensch werden und neben dir den Mondenmenschen haben. Du mußt ein einheitlicher werden. — Dann aber, damit man dieses Einheitliche auch fühlen kann, entsteht wiederum jenes einheitliche Sonnenmond-Menschenauge. Das Sonnenmond-Menschenauge ist das Umwandeln in der Gestalt desjenigen, was wir dann als Auge an uns tragen, und unsere zwei Augen sind eben die Abbilder des einheitlichen Sonnenmond-Menschenauges.

[ 50 ] By uniting the two images of the sun and the moon into one, we thus prepare ourselves for our future incarnation. We tell ourselves: You cannot, after all, be scattered throughout the entire world; you cannot become a sun-human and have the moon-human beside you. You must become a unified being. — But then, so that this unity can also be felt, that unified Sun-Moon human eye arises once more. The Sun-Moon human eye is the transformation into the form of what we then carry within us as an eye, and our two eyes are precisely the images of the unified Sun-Moon human eye.



[ 51 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute sagen wollte, meine lieben Freunde, über die ganz andersartige Erfahrung, die wir haben, wenn wir in der geistigen Welt sind, als hier in der physischen. Und doch wiederum hängen die Dinge zusammen. Aber sie hängen so zusammen, daß wir ganz umgestülpt sind. Wenn wir hier den Menschen so umstülpen könnten, daß wir sein Inneres nach außen wenden würden, daß also zum Beispiel das Innere, das Herz dann die Oberfläche des Menschen wäre — er würde dabei nicht leben bleiben als physischer Mensch, das können Sie ja glauben —, aber wenn man ihn umstülpen könnte, im Herzen innerlich anfassen und ihn so wie einen Handschuh umstülpen, dann bliebe er nicht ein solcher Mensch, wie er hier ist, dann vergrößerte er sich zu einem Universum. Denn wenn man sich in einen Punkt, ins Herz hinein konzentriert und dann die Fähigkeit hat, im Geiste sich selber umzustülpen, dann wird man diese Welt, die man sonst erlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Das ist das Geheimnis des menschlichen Inneren, welches nur in der physischen Welt nicht nach außen gestülpt werden kann. Aber das menschliche Herz ist eine umgestülpte Welt auch, und so hängt wiederum zusammen die physische Erdenwelt mit der geistigen Welt. Wir müssen uns gewöhnen an dieses Umstülpen. Wenn wir uns nicht daran gewöhnen, so bekommen wir nie eine richtige Vorstellung von dem, wie sich eigentlich die hiesige physische Welt zu der geistigen Welt verhält.

[ 51 ] That is what I wanted to tell you today, my dear friends, about the very different experience we have when we are in the spiritual world compared to here in the physical world. And yet, once again, these things are connected. But they are connected in such a way that we are completely turned inside out. If we could turn a person here inside out—so that his inner self were turned outward, so that, for example, the inner self, the heart, would then become the person’s outer surface—he would not survive as a physical human being, as you can well imagine— but if one could turn them inside out—grasp them inwardly at the heart and turn them inside out like a glove—then they would no longer remain the kind of human being they are here; instead, they would expand into a universe. For if one concentrates on a single point—the heart—and then has the ability to turn oneself inside out in the spirit, one becomes that world which one otherwise experiences between death and a new birth. This is the mystery of the human inner being, which cannot be turned inside out in the physical world alone. But the human heart is also an inside-out world, and thus the physical earthly world is connected to the spiritual world. We must get used to this turning inside out. If we do not get used to it, we will never gain a true understanding of how the physical world here actually relates to the spiritual world.