Das Geheimnis der Trinität
GA 214
22 August 1922, Dornach
Neunter Vortrag
[ 1 ] Heute wollen wir einiges betrachten, was manche von den uns bekannten Wahrheiten für einen weiteren Kreis von Anthroposophen zusammenfassen kann. Sie kennen vielleicht die Art der Beschreibung, die ich in meinem Buche «Theosophie» gegeben habe, von jenen Welten, die der Mensch zu durchleben hat zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Ich will heute einiges aus diesen Welten zunächst von einem etwas anderen Gesichtspunkte aus schildern, als es in jenem Buche gegeben ist.
[ 2 ] In jenem Buche sind zum größten Teil Imaginationen gebraucht für die seelische und für die geistige Welt, durch die der Mensch durchgeht, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, um sich hinauf zu entwickeln zu einem neuen Erdenleben. Ich will heute nicht so sehr von einem imaginativen Standpunkte aus Ihnen die Sache schildern, als von dem Standpunkte, der sich mehr der Inspiration ergibt. Da können wir, um überhaupt die Möglichkeit eines Verständnisses zu gewinnen, von den Erlebnissen, die wir innerhalb des Erdenlebens haben, ausgehen.
[ 3 ] Da stehen wir in irgendeinem Zeitpunkte zwischen Geburt und Tod in unserem physischen Leib der Welt gegenüber. Wir nennen dasjenige, was innerhalb unserer Haut ist, was innerhalb unseres physischen Leibes ist, eben unseren Menschen, unser Menschenwesen. Wir setzen voraus, daß dieses Menschenwesen nicht nur die anatomischen und die physiologischen Vorgänge birgt, sondern setzen voraus, daß da drinnen auch irgendwie die seelischen und geistigen Vorgänge spielen. Aber wir sprechen von uns, indem wir dabei dasjenige meinen, was innerhalb unserer Haut liegt, und wir sehen in die Welt hinaus, die Welt ist um uns herum, die nennen wir unsere Außenwelt. Nun wissen wir, daß wir uns Vorstellungsbilder machen von dieser Außenwelt, diese Vorstellungsbilder leben dann in uns. So daß wir um uns herum die Außenwelt haben und gewissermaßen Spiegelbilder der Außenwelt in unserem Seelenleben drinnen.
[ 4 ] Wenn wir nun in dem Leben sind zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, da sind wir in derselben Welt drinnen, die jetzt unsere Außenwelt ist hier auf Erden. Alles dasjenige, was Sie genauer sehen können oder nur ahnen können als Außenwelt, das ist dann Ihre Innenwelt. Zu dem sagen Sie dann: Mein Ich. — So wie Sie jetzt zu Ihrem Ich gehörend Ihre Lunge ansehen, so sehen Sie dann zwischen dem Tode und einer neuen Geburt die Sonne und den Mond als Ihre Organe an, als dasjenige, was in Ihnen drinnen ist. Und die einzige Außenwelt, die Sie dann haben, das sind Sie selbst, wie Sie auf Erden sind, das sind Ihre irdischen Organe.
[ 5 ] Wenn wir hier auf der Erde sagen: In uns eine Lunge, in uns ein Herz; außer uns eine Sonne, außer uns ein Mond, außer uns ein Tierkreis —, so sagen wir in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt: In uns ein Tierkreis, in uns die Sonne, in uns der Mond, außer uns Lunge, außer uns Herz. — Alles dasjenige, was wir jetzt innerhalb unserer Haut tragen, das wird immer mehr und mehr zwischen dem Tode und einer neuen Geburt unsere Außenwelt, unser Universum, unser Kosmos. Es ist die Anschauung über das Verhältnis von Welt und Mensch völlig entgegengesetzt, wenn wir leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
[ 6 ] Und so ist es, daß, wenn wir den Tod durchleben, wenn wir also durch die Pforte des Todes schreiten, wir zunächst ein deutliches Bild haben von dem, was da war, wie wir auf Erden waren — nur ein Bild. Sie müssen sich vorstellen, daß dieses Bild auf Sie den Eindruck der Außenwelt macht. Zuerst haben Sie dieses Bild als eine Art Erscheinung in sich. Und Sie haben nach dem Tode zuerst noch ein Bewußtsein von dem, was Sie auf Erden hier als Mensch waren, in der Gestalt von irdischen Erinnerungen und irdischen Bildern.
[ 7 ] Aber die hören immer mehr und mehr auf, und Sie schreiten immer mehr und mehr fort in der Anschauung des Menschen: Ich-Welt, Universum-Mensch. Das steigert sich immer mehr und mehr. Nur müssen Sie nicht sich vorstellen, daß dann die Lunge so aussieht, wie sie jetzt aussieht. Es würde nicht ein Anblick sein, der Ihnen ersetzen könnte den schönen Anblick von Sonne und Mond; aber dasjenige, was dann Lunge ist, was Herz ist, das ist etwas viel Großartigeres, etwas viel Gewaltigeres, als was jetzt Sonne und Mond vor dem menschlichen Auge sind.
[ 8 ] Man bekommt auf diese Weise wirklich erst einen Eindruck von dem, was eigentlich Maja ist. Die Menschen sprechen von Maja, von der großen Täuschung, die die irdische Welt hier ist, aber sie glauben nicht recht daran; die Menschen, sie glauben doch immer im Geheimen, daß alles so ist, wie es hier vor irdischen Augen ausschaut. Das ist aber nicht der Fall. Die Lunge ist nur ein Scheingebilde, das Herz ist nur ein Scheingebilde. In Wahrheit ist unsere Lunge nur ein großartiger Teil unseres Kosmos, und unser Herz erst recht; denn unser Herz ist in seiner Wahrheit etwas viel Majestätischeres, etwas viel Großartigeres als eine Sonne.
[ 9 ] Wir sehen allmählich tatsächlich eine ungeheure kosmische Welt aufgehen, von der wir so sprechen, daß wir dann auch sagen: Unten ist der Himmel. Aber wir meinen eigentlich: Unten ist dasjenige, was das menschliche Haupt vorbereitet in der nächsten Inkarnation; oben, sagen wir dann, ist das Untere. Es kehrt sich alles um. Dort sind alle die Kräfte, welche den Menschen vorbereiten, um zu der Erde zu gehen, um gewissermaßen im nächsten irdischen Leben auf seinen zwei Beinen zu stehen.
[ 10 ] Das können wir dann zusammenfassen in die Worte: Je mehr wir uns einem neuen Erdenleben nähern, desto mehr zieht sich gewissermaßen das Universum Mensch für uns zusammen. Wir werden immer mehr und mehr gewahr, wie dieses zuerst majestätische Universum — majestätisch ist es insbesondere in der Mitte zwischen dem Tode und einer neuen Geburt —, wie dieses majestätische Universum Mensch gewissermaßen zusammenschrumpft, wie aus den Planeten, die wir in uns tragen, aus dem Weben der Planeten dasjenige wird, was dann im menschlichen Ätherleib vibriert, pulsiert; wie aus demjenigen, was die Fixsterne im Tierkreis sind, dasjenige wird, was unser Sinnes-Nervenleben ausbildet. Das schrumpft zusammen, das bildet sich, wird ein zuerst geistiger, dann ätherischer Leib. Er wird erst dann aufgenommen vom mütterlichen Schoß und mit irdischer Materie umkleidet, wenn er ganz klein geworden ist.
[ 11 ] Und da kommt dann der Augenblick, wo wir uns dem irdischen Leben nähern, wo wir gewissermaßen entschwinden fühlen das Universum, das wir früher gehabt haben. Es schrumpft zusammen, es wird kleiner. Und das erzeugt in uns die Sehnsucht, wiederum herunterzukommen auf die Erde, uns wiederum zu verbinden mit einem physischen Leib, weil gewissermaßen vor dem geistigen Blick dieses Universum sich zurückzieht. Wir sehen hin, wie wir Mensch werden. Und wir müssen da mit ganz anderen Zeiträumen rechnen. Das Leben zwischen Tod und neuer Geburt ist Jahrhunderte lang, und wenn ein Mensch im 20. Jahrhundert geboren ist, so bereitet sich langsam, etwa schon im 16. Jahrhundert, sein Herunterstieg vor. Und da ist er es, der Mensch, der dann in einer gewissen Beziehung auf die irdischen Verhältnisse herunterwirkt.
[ 12 ] Ein Ururgroßvater von Ihnen hat im 16. Jahrhunderte sich verliebt in eine Ururgroßmutter; die fühlten einen Drang, zueinander zu kommen. Da, in diesem Drang zusammenzukommen, da wirkten Sie schon aus den geistigen Welten herein. Und als dann im 17. Jahrhundert ein weniger ferner Ururgroßvater eine weniger ferne Ururgroßmutter liebte, da waren Sie wiederum in gewissem Sinne der Vermittler. Sie suchten sich die ganze Generation zusammen, damit zuletzt dasjenige herauskomme, was Ihre Mutter und Ihr Vater sein konnten.
[ 13 ] Und in diesem mysteriösen Unbestimmten, das in den irdischen Liebeverhältnissen liegt, sind die Kräfte im Spiele, die von denen ausgehen, welche künftige Inkarnationen suchen. Daher ist auch niemals völlige Freiheit, völliges Bewußtsein bei dem, was für die äußeren Verhältnisse zusammenführt die männlichen und die weiblichen Personen. Das sind Dinge, die heute ganz außerhalb des Verständnisses der Menschen liegen.
[ 14 ] Was wir heute Geschichte nennen, ist ja eigentlich nur etwas ganz Außerliches. Von der Seelengeschichte der Menschen haben wir ja im äußeren Leben heute nicht viel drin. Daß die Seelen der Menschen ganz anders gefühlt haben im 12.,13. Jahrhundert noch, davon wissen ja die heutigen Menschen nichts. Nicht so deutlich, wie ich es jetzt ausgesprochen habe, mehr traumhaft wußten die Menschen im 10., 11., 12. Jahrhunderte noch von solchen geheimnisvollen Kräften, die aus der geistigen Welt hereinwirken, aber von Menschenseelen hereinwirken. Man hat nicht viel im Abendlande ausgesprochen von den wiederholten Erdenleben, von der Reinkarnation. Aber überall hat es Menschen gegeben, die von diesen Dingen gewußt haben. Nur die Kirchen haben immer alle Gedanken gerade an wiederholte Erdenleben ausgeschaltet, verdammt. Und Sie müssen sich eigentlich eine Vorstellung darüber machen, daß viele Menschen in Europa bis ins 12., 13. Jahrhundert herein gewußt haben, daß der Mensch wiederholte Erdenleben durchmacht.
[ 15 ] Dann kam die Zeit, in welcher die Menschheit des Abendlandes sich entwickeln sollte durch die Intellektualität hindurch. Der Mensch muß sich allmählich seine Freiheit erwerben. Freiheit gab es nicht in alten Zeiten, wo traumhaftes Hellsehen ‚war. Freiheit gibt es auch nicht in jenen Menschenverhältnissen — höchstens einen Glauben an die Freiheit —, die, sagen wir, von der irdischen Liebe beherrscht sind, wie ich sie jetzt eben geschildert habe. Da ist immer das Interesse der auf die Erde herabkommenden Seelen im Spiele.
[ 16 ] Aber die Menschheit muß doch innerhalb der Erdenentwickelung immer freier und freier werden. Nur dann erreicht die Erde das Ziel der Entwickelung, wenn die Menschheit immer freier und freier wird. Dazu ist aber Intellektualität in einem bestimmten Zeitalter notwendig gewesen. Dieses Zeitalter ist das unsrige. Denn wenn Sie zurückschauen in frühere Erdenverhältnisse, wo die Menschen ein traumhaftes Hellsehen gehabt haben, da lebten in dem traumhaften Hellsehen immer geistige Wesenheiten darinnen. Der Mensch konnte damals nicht sagen: Ich habe meine Gedanken im Kopfe. — Das wäre falsch gewesen. Er mußte in alten Zeiten sagen: Ich habe das Leben von Engeln im Kopfe. — Und später mußte er sagen: Ich habe das Leben von Elementargeistern im Kopfe. — Dann kam erst das 15. Jahrhundert, und im 19., 20., da hat der Mensch gar nichts mehr von Geistigem im Kopfe, nur Gedanken hat er im Kopfe, Gedanken.
[ 17 ] Dadurch, daß er nichts mehr von einem höheren Geistigen in sich hatte, nur Gedanken, dadurch konnte er sich Bilder von der Außenwelt machen. Aber konnte der Mensch frei sein, solange die Geister in ihm lebten? Das konnte er nicht. Die dirigierten ihn ganz und gar, gaben alles. Der Mensch konnte erst frei werden, als keine Geister ihn mehr dirigierten, als er nur Gedankenbilder hatte.
[ 18 ] Gedankenbilder können Sie zu nichts zwingen. Wenn Sie sich vor den Spiegel stellen — die Spiegelbilder können noch so böse Menschen sein, sie werden Ihnen nie eine Ohrfeige geben; eine wirkliche Ohrfeige nie, weil sie keine Realität haben, weil sie Bilder sind. Wenn ich mich zu etwas entschließen will, so kann ich das im Spiegelbild nachbilden lassen; aber das Bild kann sich zu nichts entschließen.
[ 19 ] In dem Zeitalter, wo die Intellektualität nur Gedanken in unseren Kopf setzt, da entsteht die Freiheit, denn Gedanken können nicht zwingen. Wenn wir unsere moralischen Impulse nur reine Gedanken sein lassen, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe, dann können wir uns die Freiheit in unserem Zeitalter erringen. So mußte die intellektualistische Zeit heraufkommen. Es klingt sonderbar, aber es ist so: Im wesentlichen ist die Zeit vorüber, in der die Menschen die bloße Intellektualität, das bloße Bilddenken ausbilden durften. Das ist mit dem 19. Jahrhundert vorübergegangen. Und wenn jetzt die Menschen weiter diese bloßen Bildgedanken ausbilden, dann verfallen die Gedanken den ahrimanischen Mächten, dann finden die ahrimanischen Mächte den Zugang zum Menschen, dann verliert er seine Freiheit wiederum an die ahrimanischen Mächte. Und vor dieser Gefahr steht die Menschheit gegenwärtig.
[ 20 ] Die Menschheit steht gegenwärtig vor der Eventualität, entweder das spirituelle Leben zu begreifen, zu begreifen, daß so etwas Realität ist, wie ich es heute im Anfang dieser Auseinandersetzung geschildert habe, oder es zu leugnen. Dann kann man aber nicht mehr frei denken, wenn man es heute leugnet, sondern dann fängt Ahriman — die ahrimanischen Mächte fangen dann an, in der Menschheit zu denken Und dann geht die ganze Menschheitsentwickelung in einer absteigenden Linie vor sich.
[ 21 ] Es ist also im höchsten Grade notwendig, daß immer mehr und mehr Menschen der Gegenwart begreifen: Man muß wiederum zum spirituellen Leben zurück. Und dieses Fühlen, daß man wiederum zum spirituellen Leben zurück muß, das ist das, was heute die Menschen in sich suchen sollten. Wenn sie es nicht suchen, so verfällt die Menschheit dem Ahriman. So ernst ist von einem höheren Gesichtspunkte angesehen heute die Lage der Erdenmenschen. Und man sollte jedem anderen Gedanken eigentlich diesen Gedanken voranstellen, jeden anderen Gedanken im Lichte dieses Gedankens betrachten.
[ 22 ] Das wollte ich als den ersten Teil der heutigen Betrachtung geben. Vielleicht ist Herr Kaufmann so liebenswürdig, den ersten Teil zu übersetzen. Ich werde dann weitersprechen.
[ 23 ] Durch solche Darstellungen wird es vielleicht anschaulich, daß das Leben, das wir durchmachen in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, durchaus verschieden ist von dem, was wir hier zwischen Geburt und Tod durchmachen. Daher genügen auch Bilder, die von dem Erdenleben genommen sind, wenn sie noch so geistreich sind, nicht dazu, das eigentliche Geistesleben des Menschen zu charakterisieren, sondern man kann nur langsam und allmählich zu einem Verstehen desjenigen hinführen, was in der geistigen Welt Realität ist. Ich will dafür Beispiele anführen.
[ 24 ] Nehmen Sie an, der Mensch verläßt hier seinen irdischen Leib und geht mit seinem seelisch-geistigen Leben über in die geistig-seelische Welt. Und nehmen wir an, es wird jemandem, der sich im intimeren Sinne Initiationserkenntnis erworben hat, hier möglich, die Seelen in ihrem Leben nach dem Tode weiter zu beobachten. Dazu sind viele Vorbereitungen notwendig, dazu ist ein bestimmtes Karma notwendig, das den Menschen hier mit dem Menschen drüben verbindet. Da handelt es sich darum, daß man nun eine Verständigungsmöglichkeit gewinnt mit einem Verstorbenen. Ich rede Ihnen dabei von außerordentlich schwierigen geistigen Erlebnissen, denn es ist im allgemeinen leichter, die Welt geistig zu beschreiben, als nur im geringsten an einen Toten heranzukommen. Die Menschen glauben leicht, daß es nicht schwer wäre, an einen Toten heranzukommen; es ist viel schwerer, an den Toten wirklich heranzukommen, als allgemeine spirituelle Erkenntnisse zu gewinnen.
[ 25 ] Nun möchte ich Ihnen einige Eigentümlichkeiten des Verkehrs mit den Toten angeben. Zunächst ist es ja nur möglich, mit den Toten zu verkehren, indem man sich versetzen kann in ihr Erinnerungsvermögen an die physische Welt. Die Toten. haben noch einen Anklang an die menschliche Sprache, sogar an die besondere Sprache, die sie hier auf der Erde hauptsächlich gesprochen haben. Aber es verändert sich ihr Verhältnis zur Sprache. So zum Beispiel bemerkt man, wenn man mit einem Toten verkehrt, daß er sehr bald kein Verständnis, nicht das geringste Verständnis mehr hat für Hauptwörter, für Substantiva. Die Substantiva sind Wörter, die der Lebende hier an den Toten richten kann, der Tote, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, hört sie einfach nicht. Dagegen behält der Tote für alle Verben, also Tätigkeitswörter, verhältnismäßig lange noch ein Verständnis.
[ 26 ] Sie bekommen in der Regel nur eine Verständigung mit dem Toten, wenn Sie verstehen, in der richtigen Weise Fragen an ihn zu stellen. Man muß manchmal mit diesen Fragen so vorgehen, daß man an einem Tage möglichst in vollständiger Ruhe sich auf den Toten konzentriert, mit ihm in etwas lebt, was recht konkret ist — denn Bilder hat er nach dem Tode mehr in seiner Seele als abstrakte Vorstellungen —, also man muß sich auf etwas konzentrieren, was ein reales konkretes Erlebnis ist, das er gern hier gehabt hat im Leben, da kann man allmählich an den Toten herankommen. .
[ 27 ] Man bekommt in der Regel nicht gleich Antwort. Man muß oftmals darüber schlafen, vielleicht mehrmals schlafen, und man bekommt nach Tagen Antwort. Aber man bekommt eigentlich nie von Toten Antwort, wenn man die Frage an sie stellt mit Substantiven. Man muß versuchen, alles Substantivische in Verbalform zu kleiden. Diese Vorbereitung ist durchaus notwendig. Das beste, was der Tote versteht, sind Verben, die man recht anschaulich macht. Also der Tote versteht zum Beispiel niemals das Wort «Tisch»; aber wenn es einem gelingt, etwas lebhaft vorzustellen von dem, was in Tätigkeit ist, wenn ein Tisch gemacht wird, was also ein Werdendes ist, dann kann man allmählich für den Toten so verständlich werden, daß er die Frage auffaßt und daß man Antworten bekommt, die immer in Verbalform sind, die aber sehr häufig nicht einmal in Verbalform sind, sondern die in dem sind, was wir hier auf der Erde als Interjektion, als Empfindungswörter ansprechen würden.
[ 28 ] Namentlich spricht der Tote in Buchstaben-, in Lautzusammensetzungen. Und er kommt, je länger er in der geistigen Welt verweilt nach dem Tode, desto mehr dazu, in einer Sprache zu sprechen, die man sich erst aneignet, wenn man für die irdische Sprache ein Unterscheidungsverständnis sich erwirbt, wenn man sich nicht mehr hält an die abstrakte Bedeutung der Worte, sondern wenn man eindringt in den Empfindungsgehalt der Laute.
[ 29 ] Es ist ja so, wie ich auch in den Vorträgen über Erziehung gesagt habe: Bei A empfinden wir etwas wie Staunen. Das Staunen nehmen wir gewissermaßen in unsere eigene Seele herein, wenn wir nicht bloß A sagen, sondern Ach. Das heißt: A= ich staune, und das Staunen geht in mich herein: ch. Und wenn ich jetzt noch m voranstelle und sage: mach — so habe ich ein Verfolgen desjenigen, was mich erstaunen macht, so wie wenn es in Schritten — m — herankäme, und ich bin völlig drin! In diesen Lautverständnissen kommen oftmals die Antworten der 'Toten. Die sprechen nicht englisch, die sprechen nicht deutsch, nicht russisch, die sprechen so, daß es nur Seele und Herz verstehen kann, wenn Seele und Herz mit den Ohren zusammenhängen.
[ 30 ] Ich habe Ihnen vorhin gesagt: Das Herz ist majestätischer als die Sonne. Für die irdische Anschauung ist das Herz da irgendwo drinnen, und wenn wir es anatomisch herausschneiden, bietet es keinen schönen Anblick. In Wahrheit ist das Herz im ganzen Menschen, durchdringt alle übrigen Organe, sitzt auch im Ohre. Wir müssen uns immer mehr gewöhnen an diese Herzenssprache der Toten, wenn ich sie so nennen darf. |
[ 31 ] Daran gewöhnen wir uns, wenn wir nach und nach alles Substantivische wegwerfen, ins Verbale hineinkommen. Die Tätigkeit, das Werden, das versteht der Tote noch ziemlich lange nach dem Tode. Aber später versteht er eine Sprache, die keine wirkliche Sprache ist. Das, was wir dann vom Toten empfangen, müssen wir erst rückübersetzen in eine irdische Sprache.
[ 32 ] So wächst der Mensch heraus aus seinem Leibe und wächst allmählich in die geistige Welt hinein, indem sein ganzes Seelenleben ein anderes wird. Und wenn nun die Zeit allmählich herankommt, wo der Mensch zur Erde heruntersteigt, da muß er wiederum sein ganzes Seelenleben ändern, denn da rückt immer mehr und mehr der Augenblick nahe, wo er vor einer gewaltigen Aufgabe steht, wo er zuerst die Astralform und dann die Ätherform des ganzen künftigen, hier auf der Erde physisch stehenden Menschen selber zusammensetzen muß.
[ 33 ] Was wir hier auf der Erde tun, ist äußerliche Arbeit. Es betätigen sich unsere Hände an irgend etwas, was äußerlich geschieht. Wenn wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sind, da beschäftigt sich unsere Seele damit, unseren Leib zusammenzustellen. Daß der Mensch durch Vererbung entsteht, ist nur scheinbar. Durch Vererbung wird ihm nur die alleräußerste physische Hülle umkleidet, aber die Form seiner Organe sogar muß der Mensch entwickeln. Dafür will ich Ihnen ein Beispiel geben, möchte aber dazu einen Handschuh haben.
[ 34 ] Wenn der Mensch sich nähert dem irdischen Leben, dann hat er ja Sonne und Mond noch in sich. Aber allmählich schrumpfen Sonne und Mond zusammen. Sie empfinden dann in sich so, wie wenn Sie in sich die beiden Lungenflügel zusammenschrumpfen fühlen würden. So fühlen Sie dann Ihr kosmisches Dasein, Ihr Sonnen- und Mondorgan zusammenschrumpfen. Und dann löst sich etwas von der Sonne los, und etwas vom Monde los. Nun hat man dann — statt daß man früher Sonne und Mond in sich gehabt hat — vor sich etwas, das eine Art Abbild ist von Sonne und Mond. Erglänzend, glitzernd hat man vor sich zwei zunächst riesige Kugeln, wovon die eine Kugel die vergeistigte Sonne, die andere Kugel der vergeistigte Mond ist: die eine Kugel in hellglänzendem Lichte, die andere Kugel glimmend, mehr in sich warm, wärmend feurig und mehr das Licht wie egoistisch an sich haltend.
[ 35 ] Diese zwei Kugeln, die sich loslösen von dem kosmisch umgewandelten Menschen — von diesem heute noch bestehenden Adam Kadmon —, diese zwei Kugeln, die sich loslösen, die nähern sich immer mehr und mehr. Man sagt dann, wenn man herunterkommt zur Erde: Sonne und Mond werden eins. Und das ist dasjenige, was einen führt, das ist dasjenige, was einen — schon von Urururgroßmutter, Ururgroßmutter, Urgroßmutter, Großmutter her und so weiter — hinführt, hinleitet bis zuletzt zu derjenigen Mutter, die einen gebären soll. Da leiten einen Sonne und Mond, die sich aber dabei immer mehr und mehr nähern.
[ 36 ] Und dann sieht man eine Aufgabe vor sich. Dann sieht man gewissermaßen wie einen einzigen Punkt dasjenige, was noch fern ist im menschlichen Embryo. Und man sieht das, was da aus Sonne und Mond wie ein Einheitliches entstanden ist, sich der Mutter nähernd. Aber man sieht eine Aufgabe vor sich, die ich so charakterisieren kann.
[ 37 ] Denken Sie sich, dieses hier [der Handschuh] wäre nun dasjenige, was als vereinigte Sonne und Mond vor einem herzieht, und man weiß: Wenn nun dein kosmisches Bewußtsein ganz geschwunden sein wird, wenn du durch eine Finsternis durchgehen wirst — das ist nach der Empfängnis, nach der Konzeption, wenn der Mensch untertaucht in den Embryo —, so wirst du das umstülpen müssen, so daß das Innere nach außen kommt. Das, was Sonne und Mond gewesen sind, mußt du umstülpen, und da entsteht eine kleine Öffnung, durch diese mußt du hinein mit deinem Ich, und dies wird im Abbild dann dein Menschenkörper auf der Erde sein.
[ 38 ] Sehen Sie, das ist die Pupille im menschlichen Auge. Aus demjenigen, was da dieses Eins ist, wird dann die Zwei gemacht, wie wenn zwei Spiegelbilder entstehen würden: Das sind die beiden menschlichen Augen, zunächst vereinigt für sich, aber als vereinigte Sonne und Mond, dann da sich umstülpend.
[ 39 ] Es obliegt einem diese Aufgabe, die man unbewußt vollzieht: Man muß das Ganze umdrehen, das Innere nach außen stülpen und durch die kleine Öffnung hineingehen. Dann geht das auseinander: Es werden im embryonalen Zustande zwei physische Abbilder gebildet. Denn die physischen embryonalen Augen sind zwei Bilder: dasjenige, was aus Sonne und Mond entstanden ist.
[ 40 ] So arbeitet man — indem man dasjenige, was man als das ganze Universum erlebt, zusammennimmt, indem man eine bestimmte Form dem gibt — die einzelnen Teile des menschlichen Organismus aus, die dann nur aus dem plastischen Material, aus der Materie sich durchkleiden und umkleiden. Das nehmen sie nur an. Aber die Kräfte, die bildet man aus: die bildet man aus dem Universum heraus.
[ 41 ] Es ist zum Beispiel so, daß wenn man in der vor der Geburt zurückliegenden Zeit durch die Sonne so durchgeht, daß die Sonne im Zeichen des Löwen steht — es braucht das nicht bei der Geburt zu sein, es kann weiter zurückliegen —, man sich in dieser Zeit nicht aus Sonne und Mond das Auge macht, das geschieht zu einer anderen Zeit; in dieser Zeit aber vereinigt man sich mit dem Inneren der Sonne. Dieses Innere der Sonne, wenn man es betreten würde, würde ganz anders ausschauen, als sich die Physiker heute vorstellen. Jene physische Vorstellung ist so ahnungslos! Dieses Innere der Sonne ist nicht ein Gasball, sondern etwas, was weniger ist als Raum, wo der Raum sogar weggenommen ist. Wenn man sich den Raum als etwas Ausgedehntes denkt, was drückt, so müßte man sich das Innere der Sonne als saugend vorstellen, negativer Raum, leerer als der Raum! Die wenigsten Menschen kommen zu einer adäquaten Vorstellung. Wenn man da durchgeht, dann erlebt man etwas, was nun wiederum ausgebildet werden kann, und was sich zum Beispiel dann weiter formt zum menschlichen Herzen.
[ 42 ] Es ist nicht so, daß etwa aus Sonne und Mond nur die Augenform gebildet wird; es wird auch die Herzform aus der Sonne gebildet, aber nur, wenn die Sonne zugleich die Kräfte in sich enthält, die aus dem Sternbilde des Löwen kommen.
[ 43 ] So baut der Mensch tatsächlich, sei es aus den Bewegungen, sei es aus den Konstellationen der Sterne im Universum, seinen ganzen menschlichen Organismus auf. Dieser menschliche Organismus ist ein Abbild der Sternenwelt, und ein großer Teil der Arbeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt besteht darinnen, daß wir aus dem Universum unseren Leib herausarbeiten. Das menschliche Wesen, wie es dasteht auf der Erde, ist ein Universum, aber ein zusammengeschrumpftes. Und die Naturwissenschaft ist so naiv, daß sie meint, der Mensch entstehe nur aus dem physischen Menschenkeim! Das ist gerade so naiv, wie wenn einer eine Magnetnadel sich anschaut, die immer nach Norden mit dem einen Ende zeigt, mit dem anderen Ende nach Süden — und er sucht die Kräfte, durch die sie sich gerade so stellt, nur in der Magnetnadel darinnen, sieht nicht die ganze Erde als einen Magneten an.
[ 44 ] So ist es, wenn einer sagt: Aus dem physischen Menschenkeim entsteht der Mensch. — Er entsteht gar nicht aus dem physischen Menschenkeim, sondern aus dem ganzen Universum heraus. Und sein GeistigSeelisches zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist ein Mitarbeiten an der übersinnlich-ätherisch-seelischen Menschenform, die dann nur so zusammenschrumpft, daß sie sich mit der physischen Materie umkleiden kann. Der Mensch ist wirklich nur der Schauplatz desjenigen, was das Universum und was er selber mit seinen umgewandelten Kräften an seinem Physischen vollzieht.
[ 45 ] So entwickelt sich der Mensch allmählich. Mit der Sprache fängt es an, indem er mit dem Gebrauch der Substantive aufhört und in eine besondere Sprache, in das Verbale hineingeht. Dann geht es von der Sprache über zum innerlichen Anschauen der Sternenwelt, dann lebt er in der Sternenwelt. Und dann fängt er an, aus der Sternenwelt heraus abzugliedern, zu formen dasjenige, was er wird, was er in der nächsten Inkarnation wird. So geht es aus dem Physischen durch das Umformen der Sprache ins Geistige hinein; so geht es wiederum zurück durch das Umformen des Universums zum Menschen. Und in der Tat, nur wenn man begreift, wie das Geistig-Seelische, das sich in der Sprache so verliert, eins wird mit der Sternenwelt und dann sich wiederum zurücknimmt aus der Sternenwelt, begreift man diesen ganzen Lebenskreis des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. |
[ 46 ] Diese Dinge, sie waren vielen Menschen noch klar zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha auf der Erde sich vollzogen hat. Da hat man eigentlich niemals die Meinung gehabt, der Christus Jesus sei hauptsächlich dasjenige Wesen, das sich auf der Erde entwickelt hat, sondern da hat man die Meinung gehabt: Der Christus Jesus war früher in derjenigen Welt, der man selber zwischen dem Tod und einer neuen Geburt angehört — und man hat nachgedacht, wie er da heruntergestiegen ist und in die Erde übergegangen ist.
[ 47 ] Die Initiationswissenschaft wurde gerade von der römischen Welt ausgerottet; da sollten nur die alten Dogmen bleiben. Eine besondere Körperschaft, die im 4. Jahrhunderte unserer Zeitrechnung nach dem Mysterium von Golgatha in Italien war, die hat alle Anstrengungen gemacht, daß die alten Initiationsmethoden sich nicht in neue verwandeln sollten; es sollte den Menschen nur die Erkenntnis der äußeren physischen Welt bleiben, und von den übersinnlichen Welten sollten nur die alten Dogmen künden, die sie allmählich mit ihrem Intellekt nur als Begriffe aufnehmen und nicht einmal mehr begreifen, sondern nur an sie glauben sollten. Und so wurde zerrissen das Wissen, das es schon einmal gegeben hat, in ein Wissen von der irdischen Welt und in ein Glauben an eine andere Welt, bis dann dieses Glauben so zusammengeschrumpft ist, daß es für die einen nur noch aus einer Summe von Dogmen besteht, die nicht mehr verstanden werden, die für die anderen überhaupt nur ein Anhaltspunkt sind, um glauben zu können. Was glaubt denn der moderne Mensch, der nicht mehr an den Dogmen der Trinität festhält? Er glaubt etwas Verschwommenes, ganz allgemein Geistiges. Aber wir müssen wiederum zurückkommen zu der wirklichen Anschauung, bei der wir uns hineinleben ins Geistige; das heißt, wir brauchen wiederum eine Initiationswissenschaft, eine Wissenschaft, die uns aber von solchen Dingen spricht wie: Bewundere das menschliche Auge, das ja eine kleine Welt für sich ist. — Es ist nicht ein bloßes Bild, es ist etwas Reales aus den Gründen, die ich Ihnen jetzt eben gesagt habe. Denn dieses Auge war einmal, als wir zwischen Tod und neuer Geburt waren, eines, und diese Einheit, die sich dann umgestülpt hat, die war eigentlich ein Zusammenfluß der Abbilder von Sonne und Mond. Und wir haben aus dem Grunde zwei Augen, weil, wenn wir veranlagt wären, nur mit einem Auge zu sehen wie die Zyklopen, wir niemals das Ich in einer sichtbaren Welt entwickeln könnten; wir würden es nur in der Gefühlswelt entwickeln.
[ 48 ] Helen Keller hat eine andere Gefühls-, eine andere Vorstellungswelt als die anderen Menschen; sie kann sich nur verständigen, weil ihr die Sprache klargemacht worden ist. Ohne diese würden wir nicht eine Ich-Vorstellung entwickeln. Wir entwickeln sie ja dadurch, daß wir die rechte Hand über die linke Hand legen können, insbesondere wenn wir die symmetrischen Glieder übereinanderlegen. So entwickeln wir auch eine feine Vorstellung vom Ich, weil wir mit den zwei Augen die Augenachse kreuzen beim Visieren. Geradeso wie wir die Hände kreuzen, so kreuzen wir die zwei Augenachsen. Immer, wenn wir etwas anschauen, kreuzen wir die Augen.
[ 49 ] Die materiellen zwei Augen sind im Geistigen eines. Und das sitzt hier hinter der Nasenwurzel, dieses eine Auge, dieses geistige, das sich abbildet und zu den zwei Augen wird. Dadurch, daß der Mensch ein rechter und ein linker Mensch sein kann, kann er sich als Mensch fühlen. Wenn er nur rechts oder nur links wäre, nicht ein symmetrisches Wesen wäre, so würde alles Vorstellen in die Welt hinauslaufen; man würde nicht zu einem geschlossenen Ich kommen.
[ 50 ] Indem wir die zwei Abbilder von Sonne und Mond in eines bilden, erbilden wir uns so für die künftige Inkarnation. Wir sagen uns: Du kannst aber doch nicht in die ganze Welt zerfallen; du kannst doch nicht ein Sonnenmensch werden und neben dir den Mondenmenschen haben. Du mußt ein einheitlicher werden. — Dann aber, damit man dieses Einheitliche auch fühlen kann, entsteht wiederum jenes einheitliche Sonnenmond-Menschenauge. Das Sonnenmond-Menschenauge ist das Umwandeln in der Gestalt desjenigen, was wir dann als Auge an uns tragen, und unsere zwei Augen sind eben die Abbilder des einheitlichen Sonnenmond-Menschenauges.
[ 51 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute sagen wollte, meine lieben Freunde, über die ganz andersartige Erfahrung, die wir haben, wenn wir in der geistigen Welt sind, als hier in der physischen. Und doch wiederum hängen die Dinge zusammen. Aber sie hängen so zusammen, daß wir ganz umgestülpt sind. Wenn wir hier den Menschen so umstülpen könnten, daß wir sein Inneres nach außen wenden würden, daß also zum Beispiel das Innere, das Herz dann die Oberfläche des Menschen wäre — er würde dabei nicht leben bleiben als physischer Mensch, das können Sie ja glauben —, aber wenn man ihn umstülpen könnte, im Herzen innerlich anfassen und ihn so wie einen Handschuh umstülpen, dann bliebe er nicht ein solcher Mensch, wie er hier ist, dann vergrößerte er sich zu einem Universum. Denn wenn man sich in einen Punkt, ins Herz hinein konzentriert und dann die Fähigkeit hat, im Geiste sich selber umzustülpen, dann wird man diese Welt, die man sonst erlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Das ist das Geheimnis des menschlichen Inneren, welches nur in der physischen Welt nicht nach außen gestülpt werden kann. Aber das menschliche Herz ist eine umgestülpte Welt auch, und so hängt wiederum zusammen die physische Erdenwelt mit der geistigen Welt. Wir müssen uns gewöhnen an dieses Umstülpen. Wenn wir uns nicht daran gewöhnen, so bekommen wir nie eine richtige Vorstellung von dem, wie sich eigentlich die hiesige physische Welt zu der geistigen Welt verhält.
