Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Fundamental Impulses
of Humanity's Development
Throughout World History
GA 216

1 October 1922, Dornach

Translate the original German text into any language:

Achter Vortrag

Achter Vortrag

[ 1 ] Wir haben in den letzten Betrachtungen auf umfassende Impulse innerhalb der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit hingewiesen. Solche umfassende Impulse müssen für die geschichtliche Betrachtung gewissermaßen als die leuchtenden Sterne dastehen, welche das einzelne, das im Laufe der Menschheitsentwickelung geschehen ist, für die Erkenntnis beleuchten können. Jede einzelne geschichtliche Epoche kann ja eigentlich nur in einer ganz äußerlichen Weise kennengelernt werden, wenn man nicht diese dahinterstehenden Impulse zu empfinden und zu durchschauen vermag. Diese Impulse wirken. Sie wirken zumeist durch die unbewußten Kräfte der menschlichen Seele am allerstärksten. Und das, was sich äußerlich für die Menschen vor deren Bewußtsein abspielt, erscheint eben erst im rechten Lichte, wenn man es auf solche Impulse zurückzuführen vermag.

[ 1 ] Wir haben in den letzten Betrachtungen auf umfassende Impulse innerhalb der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit hingewiesen. Solche umfassende Impulse müssen für die geschichtliche Betrachtung gewissermaßen als die leuchtenden Sterne dastehen, welche das einzelne, das im Laufe der Menschheitsentwickelung geschehen ist, für die Erkenntnis beleuchten können. Jede einzelne geschichtliche Epoche kann ja eigentlich nur in einer ganz äußerlichen Weise kennengelernt werden, wenn man nicht diese dahinterstehenden Impulse zu empfinden und zu durchschauen vermag. Diese Impulse wirken. Sie wirken zumeist durch die unbewußten Kräfte der menschlichen Seele am allerstärksten. Und das, was sich äußerlich für die Menschen vor deren Bewußtsein abspielt, erscheint eben erst im rechten Lichte, wenn man es auf solche Impulse zurückzuführen vermag.

[ 2 ] Nehmen wir einmal ein Ereignis, das ja allen aus der Geschichte wohlbekannt ist, ein Ereignis oder besser gesagt eine Ereignisreihe, welche in der Mitte des Mittelalters für das ganze Leben des Abendlandes tief einschneidend war, eine Ereignisreihe, die ja äußerlich verhältnismäßig bald, nach ein oder anderthalb Jahrhunderten, vorübergegangen ist, die aber in ihren Wirkungen fortdauerte und eigentlich für den, der tiefere Strömungen im weltgeschichtlichen Werden verstehen kann, noch heute andauert: Nehmen wir die Ereignisreihe der Kreuzzüge, die im 11. Jahrhundert — gewöhnlich wird das Jahr 1096 genannt — ihren Anfang nehmen und dann äußerlich sich erstrecken bis zu jenem Jahre, das gewöhnlich als 1270 angenommen wird. Wir sehen ja auch, daß schon in der äußerlichen Geschichte darauf aufmerksam gemacht wird, wie sich aus der Ereignisreihe der Kreuzzüge Mannigfaltiges an Lebenseinrichtungen herausgestaltet.

[ 2 ] Nehmen wir einmal ein Ereignis, das ja allen aus der Geschichte wohlbekannt ist, ein Ereignis oder besser gesagt eine Ereignisreihe, welche in der Mitte des Mittelalters für das ganze Leben des Abendlandes tief einschneidend war, eine Ereignisreihe, die ja äußerlich verhältnismäßig bald, nach ein oder anderthalb Jahrhunderten, vorübergegangen ist, die aber in ihren Wirkungen fortdauerte und eigentlich für den, der tiefere Strömungen im weltgeschichtlichen Werden verstehen kann, noch heute andauert: Nehmen wir die Ereignisreihe der Kreuzzüge, die im 11. Jahrhundert — gewöhnlich wird das Jahr 1096 genannt — ihren Anfang nehmen und dann äußerlich sich erstrecken bis zu jenem Jahre, das gewöhnlich als 1270 angenommen wird. Wir sehen ja auch, daß schon in der äußerlichen Geschichte darauf aufmerksam gemacht wird, wie sich aus der Ereignisreihe der Kreuzzüge Mannigfaltiges an Lebenseinrichtungen herausgestaltet.

[ 3 ] Es werden zum Beispiel die Tempelritter genannt, die während der Kreuzzüge erst ihre richtige Bedeutung für das äußere Leben erhalten haben; es werden genannt solche Ordensgemeinschaften wie die Johanniter, die späteren Malteserritter, und andere. Und was durch solche Lebens- und Geistesgemeinschaften aus der Kreuzzugsstimmung heraus den Anfang genommen hat, das entwickelte sich später so, daß sein Ursprung aus dieser Kreuzzugsstimmung heraus weniger genannt wurde, daß aber doch die Wirkungen im abendländischen Leben deutlich vorhanden waren.

[ 3 ] Es werden zum Beispiel die Tempelritter genannt, die während der Kreuzzüge erst ihre richtige Bedeutung für das äußere Leben erhalten haben; es werden genannt solche Ordensgemeinschaften wie die Johanniter, die späteren Malteserritter, und andere. Und was durch solche Lebens- und Geistesgemeinschaften aus der Kreuzzugsstimmung heraus den Anfang genommen hat, das entwickelte sich später so, daß sein Ursprung aus dieser Kreuzzugsstimmung heraus weniger genannt wurde, daß aber doch die Wirkungen im abendländischen Leben deutlich vorhanden waren.

[ 4 ] Wenn wir das äußere Geschichtliche zunächst uns vor die Seele rücken, so wissen wir ja, daß die Kreuzzüge dadurch entstanden sind, daß jene christlichen Angehörigen des Abendlandes, welche ihre christlichen Impulse immer wieder durch Pilgerzüge nach Palästina aufzufrischen glaubten, Widerstand fanden dadurch, daß Palästina, Jerusalem allmählich in die Hände einer ganz andersartigen Bevölkerung, der türkischen Bevölkerung, gekommen war, daß sich die Pilger, die nach Jerusalem zogen, durch diese türkische Bevölkerung mißhandelt fanden, was dann zu einer allgemeinen Klage in Europa wurde. Wir sehen, wie aus dieser allgemeinen Klage heraus sich eben die Kreuzzugsstimmung, die in anderer Art schon lange vorhanden war, dadurch entlädt, daß sich Menschen finden, welche auffordern, die heiligen Stätten des Morgenlandes, die christlichen Stätten von der Türkennot zu befreien. Es wird erzählt, wie zunächst Peter von Amiens, der selbst diese Türkennot kennengelernt hatte, im Westen von Europa wallfahrtend herumgezogen ist, wie er durch seine innigen Reden das Herz von vielen gewonnen hat, die sich aufmachen wollten, um Jerusalem von der Not der Türken zu befreien. Wir wissen aber auch, wie das zunächst zu nichts geführt hat und wie dann ein erster Kreuzzug dadurch zustande gekommen ist, daß sich eine ganze Anzahl von Rittern des Abendlandes unter der Anführung von Gottfried von Bouillon zusammengefunden hat, der es dann wirklich wenigstens bis zu einer zeitweiligen Befreiung Jerusalems von den Türken gebracht hat.

[ 4 ] Wenn wir das äußere Geschichtliche zunächst uns vor die Seele rücken, so wissen wir ja, daß die Kreuzzüge dadurch entstanden sind, daß jene christlichen Angehörigen des Abendlandes, welche ihre christlichen Impulse immer wieder durch Pilgerzüge nach Palästina aufzufrischen glaubten, Widerstand fanden dadurch, daß Palästina, Jerusalem allmählich in die Hände einer ganz andersartigen Bevölkerung, der türkischen Bevölkerung, gekommen war, daß sich die Pilger, die nach Jerusalem zogen, durch diese türkische Bevölkerung mißhandelt fanden, was dann zu einer allgemeinen Klage in Europa wurde. Wir sehen, wie aus dieser allgemeinen Klage heraus sich eben die Kreuzzugsstimmung, die in anderer Art schon lange vorhanden war, dadurch entlädt, daß sich Menschen finden, welche auffordern, die heiligen Stätten des Morgenlandes, die christlichen Stätten von der Türkennot zu befreien. Es wird erzählt, wie zunächst Peter von Amiens, der selbst diese Türkennot kennengelernt hatte, im Westen von Europa wallfahrtend herumgezogen ist, wie er durch seine innigen Reden das Herz von vielen gewonnen hat, die sich aufmachen wollten, um Jerusalem von der Not der Türken zu befreien. Wir wissen aber auch, wie das zunächst zu nichts geführt hat und wie dann ein erster Kreuzzug dadurch zustande gekommen ist, daß sich eine ganze Anzahl von Rittern des Abendlandes unter der Anführung von Gottfried von Bouillon zusammengefunden hat, der es dann wirklich wenigstens bis zu einer zeitweiligen Befreiung Jerusalems von den Türken gebracht hat.

[ 5 ] Diese äußeren Ereignisse braucht man nur anzuschlagen, sie sind aus der äußerlichen Geschichte genugsam bekannt. Aber es handelt sich darum, auch innerlich einmal wirklich verstehend zu betrachten, was da mehr oder weniger unbewußt durch die Seelen hindurch gewirkt hat, so daß in einer so langen Zeit fortwährend zahlreiche Menschen in zum Teil außerordentlich hingebungsvoller, tapferer Weise diese sieben Kreuzzüge nach dem Morgenlande unternommen und die Führung der angesehensten Fürsten des Abendlandes gefunden haben. Wir müssen uns vor allen Dingen fragen, woher denn dieser Enthusiasmus der Kreuzzüge gekommen ist, der namentlich am Anfange der Kreuzzüge innerhalb des europäischen Lebens geherrscht hat. Später allerdings, als einmal die Sache, wenn ich mich so ausdrücken darf, eingeleitet war, schon vom vierten Kreuzzuge ab, haben sich dann auch andere Interessen in die Sache hineingemischt. Europäische Fürsten zogen dann aus ganz andern Untergründen heraus nach dem Oriente, zum Beispiel um ihr Ansehen, ihre Macht zu befestigen und dergleichen. Aber es ist doch ein außerordentlich bedeutungsvolles historisches Ereignis, das den Anfang der Kreuzzüge darstellt.

[ 5 ] Diese äußeren Ereignisse braucht man nur anzuschlagen, sie sind aus der äußerlichen Geschichte genugsam bekannt. Aber es handelt sich darum, auch innerlich einmal wirklich verstehend zu betrachten, was da mehr oder weniger unbewußt durch die Seelen hindurch gewirkt hat, so daß in einer so langen Zeit fortwährend zahlreiche Menschen in zum Teil außerordentlich hingebungsvoller, tapferer Weise diese sieben Kreuzzüge nach dem Morgenlande unternommen und die Führung der angesehensten Fürsten des Abendlandes gefunden haben. Wir müssen uns vor allen Dingen fragen, woher denn dieser Enthusiasmus der Kreuzzüge gekommen ist, der namentlich am Anfange der Kreuzzüge innerhalb des europäischen Lebens geherrscht hat. Später allerdings, als einmal die Sache, wenn ich mich so ausdrücken darf, eingeleitet war, schon vom vierten Kreuzzuge ab, haben sich dann auch andere Interessen in die Sache hineingemischt. Europäische Fürsten zogen dann aus ganz andern Untergründen heraus nach dem Oriente, zum Beispiel um ihr Ansehen, ihre Macht zu befestigen und dergleichen. Aber es ist doch ein außerordentlich bedeutungsvolles historisches Ereignis, das den Anfang der Kreuzzüge darstellt.

[ 6 ] Es ist namentlich historisch außerordentlich bedeutsam, wenn man hinschaut auf die ungeheure Gewalt, die da plötzlich eine große Zahl von europäischen Menschen aller Stände ergriff, um etwas zu unternehmen, was mit den heiligsten Herzensangelegenheiten der europäischen Menschheit zusammenhängen sollte. Man fühlte allerdings, daß diese heiligsten Herzensangelegenheiten durchaus zusammenhingen mit der Befreiung Jerusalems von den Türken, mit der Eröffnung der Möglichkeit, daß die europäischen Christen wiederum die freien Wege nach der Grabstätte ihres Erlösers fanden. Wenn so trocken die historischen Tatsachen erzählt oder in den Büchern gelesen werden, so fühlt man zumeist nicht das ungeheure Feuer, das dazumal durch Europa brannte, als die edle Ritterschaft im ersten Kreuzzuge die Fahrt unternahm und als dann aus der ganzen Innigkeit und dem Feuer seines Seelenwesens heraus etwa ein Bernhard von Clairvaux oder andere wiederum dieses Feuer, diese Strömung angefacht haben. Es ist etwas ungeheuer Großes in der ersten Entstehung dieser Kreuzzüge. Und fragen muß man sich schon: Was wirken da für Impulse in den europäischen Herzen, in den europäischen Seelen, Impulse, die dann eben in die Kreuzzugsstimmung einliefen?

[ 6 ] Es ist namentlich historisch außerordentlich bedeutsam, wenn man hinschaut auf die ungeheure Gewalt, die da plötzlich eine große Zahl von europäischen Menschen aller Stände ergriff, um etwas zu unternehmen, was mit den heiligsten Herzensangelegenheiten der europäischen Menschheit zusammenhängen sollte. Man fühlte allerdings, daß diese heiligsten Herzensangelegenheiten durchaus zusammenhingen mit der Befreiung Jerusalems von den Türken, mit der Eröffnung der Möglichkeit, daß die europäischen Christen wiederum die freien Wege nach der Grabstätte ihres Erlösers fanden. Wenn so trocken die historischen Tatsachen erzählt oder in den Büchern gelesen werden, so fühlt man zumeist nicht das ungeheure Feuer, das dazumal durch Europa brannte, als die edle Ritterschaft im ersten Kreuzzuge die Fahrt unternahm und als dann aus der ganzen Innigkeit und dem Feuer seines Seelenwesens heraus etwa ein Bernhard von Clairvaux oder andere wiederum dieses Feuer, diese Strömung angefacht haben. Es ist etwas ungeheuer Großes in der ersten Entstehung dieser Kreuzzüge. Und fragen muß man sich schon: Was wirken da für Impulse in den europäischen Herzen, in den europäischen Seelen, Impulse, die dann eben in die Kreuzzugsstimmung einliefen?

[ 7 ] Diese Impulse kann man nur in der richtigen Weise verstehen, wenn man durch die Jahrhunderte zurückverfolgt, wie sie sich eigentlich entwickelt haben. Ich möchte sagen, ein Knotenpunkt historischer Entwickelung innerhalb Europas, an dem man außerordentlich viel sehen kann von dem, was später bedeutend und einschneidend geworden ist, ein solcher Knotenpunkt europäischer Entwickelung ist die Regierungszeit des Papstes Nikolaus I., etwa in der Mitte des 9. Jahrhunderts, gewesen. Nikolaus I., er regierte von 858 bis 867, war jener römische Papst, der vor seiner Seele drei geistige Strömungen stehen sah, die, ich möchte sagen, wie große Fragezeichen der Zivilisation vor ihm auftraten.

[ 7 ] Diese Impulse kann man nur in der richtigen Weise verstehen, wenn man durch die Jahrhunderte zurückverfolgt, wie sie sich eigentlich entwickelt haben. Ich möchte sagen, ein Knotenpunkt historischer Entwickelung innerhalb Europas, an dem man außerordentlich viel sehen kann von dem, was später bedeutend und einschneidend geworden ist, ein solcher Knotenpunkt europäischer Entwickelung ist die Regierungszeit des Papstes Nikolaus I., etwa in der Mitte des 9. Jahrhunderts, gewesen. Nikolaus I., er regierte von 858 bis 867, war jener römische Papst, der vor seiner Seele drei geistige Strömungen stehen sah, die, ich möchte sagen, wie große Fragezeichen der Zivilisation vor ihm auftraten.

[ 8 ] Die eine Strömung bewegte sich wie in einer Art geistiger Höhe von Asien herüber nach Europa. Wir können sagen: diese Strömung setzt in einer sehr modifizierten, veränderten Form orientalische Religionserkenntnisse über den Süden von Europa, über den Norden von Afrika fort nach Spanien, nach Frankreich, nach den Britischen Inseln, aber namentlich nach Irland. Nehmen wir also ihren Ausgangspunkt an etwa von den arabischen Gegenden Asiens. Dann zieht sie herüber über Griechenland, Italien, aber auch über Afrika nach Spanien hinein und über den Westen herauf, aber verschiedentlich ihr Wesen auch nach dem übrigen Europa ausstrahlend.

[ 8 ] Die eine Strömung bewegte sich wie in einer Art geistiger Höhe von Asien herüber nach Europa. Wir können sagen: diese Strömung setzt in einer sehr modifizierten, veränderten Form orientalische Religionserkenntnisse über den Süden von Europa, über den Norden von Afrika fort nach Spanien, nach Frankreich, nach den Britischen Inseln, aber namentlich nach Irland. Nehmen wir also ihren Ausgangspunkt an etwa von den arabischen Gegenden Asiens. Dann zieht sie herüber über Griechenland, Italien, aber auch über Afrika nach Spanien hinein und über den Westen herauf, aber verschiedentlich ihr Wesen auch nach dem übrigen Europa ausstrahlend.

[ 9 ] Diese Strömung spricht sich wenig in dem aus, was als äußerliche Geschichte erzählt wird. Diese Strömung, die eigentlich ungeheuer vieles enthält, wollen wir heute nur nach zweien ihrer Eigentümlichkeiten charakterisieren. Das eine, das in ihr lebt, ist etwas, was man nennen könnte eine esoterische Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Ich habe Sie öfters darauf aufmerksam gemacht, wie diejenigen Persönlichkeiten, die noch Reste der alten, vor dem Mysterium von Golgatha liegenden Initiationserkenntnisse bewahrt hatten, das Mysterium von Golgatha aufgefaßt haben. In der Bibel selbst ist das in der Erscheinung der drei Magier oder Könige aus dem Morgenlande zu erkennen, die aus dem Geheimnis der Sternenwelt heraus das ChristusEreignis erahnen und suchen, die also vorzugsweise zu denjenigen gehören, denen die irdische Persönlichkeit des Jesus von Nazareth weniger bekannt war, denen vor allen Dingen die Tatsache wichtig war, daß eine geistige Wesenheit, der Christus, heruntergestiegen war aus geistig-seelischen Welten, in dem Leibe des Jesus von Nazareth Wohnung genommen hatte und einen Impuls auf die fernere Erdenentwickelung ausüben sollte. Ganz übersinnlich schauten diese Menschen das Ereignis von Golgatha an, und diese übersinnliche Anschauung konnte nur in solchen Seelen stattfinden, die noch die alten Initiationsprinzipien bewahrten. Denn mit Hilfe dieser Initiationsprinzipien ließ sich so etwas verstehen, was ja innerhalb der natürlichen und der historischen Erdenwelt nicht verstanden werden kann. Innerhalb dieser Initiationsprinzipien ließ sich dieses rein übersinnliche Ereignis verstehen.

[ 9 ] Diese Strömung spricht sich wenig in dem aus, was als äußerliche Geschichte erzählt wird. Diese Strömung, die eigentlich ungeheuer vieles enthält, wollen wir heute nur nach zweien ihrer Eigentümlichkeiten charakterisieren. Das eine, das in ihr lebt, ist etwas, was man nennen könnte eine esoterische Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Ich habe Sie öfters darauf aufmerksam gemacht, wie diejenigen Persönlichkeiten, die noch Reste der alten, vor dem Mysterium von Golgatha liegenden Initiationserkenntnisse bewahrt hatten, das Mysterium von Golgatha aufgefaßt haben. In der Bibel selbst ist das in der Erscheinung der drei Magier oder Könige aus dem Morgenlande zu erkennen, die aus dem Geheimnis der Sternenwelt heraus das ChristusEreignis erahnen und suchen, die also vorzugsweise zu denjenigen gehören, denen die irdische Persönlichkeit des Jesus von Nazareth weniger bekannt war, denen vor allen Dingen die Tatsache wichtig war, daß eine geistige Wesenheit, der Christus, heruntergestiegen war aus geistig-seelischen Welten, in dem Leibe des Jesus von Nazareth Wohnung genommen hatte und einen Impuls auf die fernere Erdenentwickelung ausüben sollte. Ganz übersinnlich schauten diese Menschen das Ereignis von Golgatha an, und diese übersinnliche Anschauung konnte nur in solchen Seelen stattfinden, die noch die alten Initiationsprinzipien bewahrten. Denn mit Hilfe dieser Initiationsprinzipien ließ sich so etwas verstehen, was ja innerhalb der natürlichen und der historischen Erdenwelt nicht verstanden werden kann. Innerhalb dieser Initiationsprinzipien ließ sich dieses rein übersinnliche Ereignis verstehen.

[ 10 ] Es wurde aber im Verlaufe der Zeiten immer schwieriger, diese alten Initiationsprinzipien festzuhalten, und so wurde es immer weniger möglich, sich überhaupt auszudrücken, wenn man sagen wollte, wie der Christus aus überirdischen Welten heruntergestiegen ist und das Mysterium von Golgatha so vollendet hat, daß seine Wirkung durch die geschichtliche Erdenentwickelung fortdauert. Die Menschen hatten einfach keine Möglichkeit, ihre Begriffe so auszubilden, ihre Ideen so zu gestalten, daß sie in einer ideellen Form hätten Worte finden können, um zu sagen, was durch den Christus mit Hilfe des Mysteriums von Golgatha geschehen ist.

[ 10 ] Es wurde aber im Verlaufe der Zeiten immer schwieriger, diese alten Initiationsprinzipien festzuhalten, und so wurde es immer weniger möglich, sich überhaupt auszudrücken, wenn man sagen wollte, wie der Christus aus überirdischen Welten heruntergestiegen ist und das Mysterium von Golgatha so vollendet hat, daß seine Wirkung durch die geschichtliche Erdenentwickelung fortdauert. Die Menschen hatten einfach keine Möglichkeit, ihre Begriffe so auszubilden, ihre Ideen so zu gestalten, daß sie in einer ideellen Form hätten Worte finden können, um zu sagen, was durch den Christus mit Hilfe des Mysteriums von Golgatha geschehen ist.

[ 11 ] Und so war man immer mehr und mehr genötigt, um dieses Geheimnis auszudrücken, zu bildhaften Darstellungen zu greifen. Eine solche bildhafte Darstellung ist die Erzählung von dem Heiligen Gral, von jener kostbaren Schale, von der einerseits gesagt wird, daß in ihr der Christus Jesus mit seinen Aposteln das Abendmahl genommen hat, und andererseits, daß es dieselbe Schale sei, mit der der römische Kriegsknecht unter dem Kreuze das Blut des Erlösers aufgefangen hat. Diese Schale wird dann von Engeln nach dem Montsalvatsch getragen. Sie sehen, es wird da auf Übersinnliches angespielt, und man stammelt, was alte Initiierte noch in konturierten Begriffen hätten ausdrücken können und was man jetzt nur noch ausdrücken konnte, indem man zu Bildern griff. Engel trugen also diese Schale herüber nach dem spanischen Berge Montsalvatsch, wo sie von dem erhabenen König Titurel empfangen wurde, der dieser Schale einen Tempel gründete, den dann die Ritter des Heiligen Grals bewohnten, um so zu bewachen und zu bewahren, was eigentlich der Hort des Fortwirkens jenes Impulses ist, der von dem Mysterium von Golgatha ausgegangen war.

[ 11 ] Und so war man immer mehr und mehr genötigt, um dieses Geheimnis auszudrücken, zu bildhaften Darstellungen zu greifen. Eine solche bildhafte Darstellung ist die Erzählung von dem Heiligen Gral, von jener kostbaren Schale, von der einerseits gesagt wird, daß in ihr der Christus Jesus mit seinen Aposteln das Abendmahl genommen hat, und andererseits, daß es dieselbe Schale sei, mit der der römische Kriegsknecht unter dem Kreuze das Blut des Erlösers aufgefangen hat. Diese Schale wird dann von Engeln nach dem Montsalvatsch getragen. Sie sehen, es wird da auf Übersinnliches angespielt, und man stammelt, was alte Initiierte noch in konturierten Begriffen hätten ausdrücken können und was man jetzt nur noch ausdrücken konnte, indem man zu Bildern griff. Engel trugen also diese Schale herüber nach dem spanischen Berge Montsalvatsch, wo sie von dem erhabenen König Titurel empfangen wurde, der dieser Schale einen Tempel gründete, den dann die Ritter des Heiligen Grals bewohnten, um so zu bewachen und zu bewahren, was eigentlich der Hort des Fortwirkens jenes Impulses ist, der von dem Mysterium von Golgatha ausgegangen war.

[ 12 ] So haben wir, ich möchte sagen, in ein Geheimnisvolles auslaufend, eine tief esoterische Strömung. Wir sehen auf der einen Seite, wie diese Strömung in Asien drüben Schulen begründet, die den alten griechischen Philosophen Aristoteles studieren, die dort mit Hilfe der griechischen Begriffe des Aristoteles das Ereignis von Golgatha verstehen wollen. Wir sehen, wie aus der europäischen Zivilisation heraus später in einer Dichtung wie im «Parzival» versucht wird, in bildhafte Worte zu fassen, was in dieser Strömung lebte. Wir sehen, wie in den Lehren, die namentlich in den Schulen Irlands auftreten, all das durchschimmert, was in dieser Strömung lebt. Wir sehen, wie in diese Strömung hineingegossen ist das Beste, was von den Arabern gekommen ist, wie da aber zu gleicher Zeit ein fremdes Element dutch die Araber hineinkommt, das in Asien drüben durch das türkische Element noch ganz besonders vergröbert und verbarbarisiert wird.

[ 12 ] So haben wir, ich möchte sagen, in ein Geheimnisvolles auslaufend, eine tief esoterische Strömung. Wir sehen auf der einen Seite, wie diese Strömung in Asien drüben Schulen begründet, die den alten griechischen Philosophen Aristoteles studieren, die dort mit Hilfe der griechischen Begriffe des Aristoteles das Ereignis von Golgatha verstehen wollen. Wir sehen, wie aus der europäischen Zivilisation heraus später in einer Dichtung wie im «Parzival» versucht wird, in bildhafte Worte zu fassen, was in dieser Strömung lebte. Wir sehen, wie in den Lehren, die namentlich in den Schulen Irlands auftreten, all das durchschimmert, was in dieser Strömung lebt. Wir sehen, wie in diese Strömung hineingegossen ist das Beste, was von den Arabern gekommen ist, wie da aber zu gleicher Zeit ein fremdes Element dutch die Araber hineinkommt, das in Asien drüben durch das türkische Element noch ganz besonders vergröbert und verbarbarisiert wird.

[ 13 ] Welchen Charakter diese Strömung hier durch die Araber annahm, durch den immer weiteren Fortgang vom Osten nach dem Westen, das wollen wir gleich nachher erörtern, wenn wir die andern Strömungen haben auf uns wirken lassen. Aber wenn wir den Grundcharakter dieser Strömung angeben wollen, so müssen wir ihn etwa so charakterisieren: Diejenigen, die irgendwie innerhalb dieser Geistesströmung lebten, die sahen eigentlich alles Heil darin — und man kann das noch nachklingen hören in der Parzival-Dichtung des Wolfram von Eschenbach —, von dem Sinnlichen aus sich hinaufzuheben ins Übersinnliche, also eine Art von wenigstens annäherndem Schauen der übersinnlichen Welten zu haben, den Menschen an den übersinnlichen Welten Anteil nehmen zu lassen, ihn wissen zu lassen, daß seine Seele einer Strömung angehört, die nicht unmittelbar wahrgenommen werden kann, wenn man die Sinne auf die irdischen Ereignisse richtet. Das war das Eigentümliche: dieses Hinaufschauen in überirdische, in übersinnliche Regionen, dieses Empfinden, daß der Mensch, wenn er ein vollständiger Mensch sein will, Welten angehören müsse, die gewissermaßen über dem Sinnlich-Natürlichen dahinschweben, in denen Ereignisse geschehen, die sich dem äußeren Auge so verbergen wie die Taten der Gralsritter. Für das äußere Auge sollte das Geheimnis nicht zu schauen sein, das innerhalb dieser Strömung dahinflutete. Das war die eine Strömung, die im 9. Jahrhundert nur ganz leise, aber doch als etwas Feindliches wahrgenommen wurde innerhalb des Rom, in dem Nikolaus I. dazumal Papst war. Es war schon in Rom vollständig die Stimmung vorhanden, diese Strömung als eine feindliche zu betrachten, als eine solche, welche eigentlich den abendländischen Menschen unheilsam ist, wenn sie sich ihr hingeben. Nichts Esoterisches und nichts, was auch nur vom Esoterischen herstammt, sollte innerhalb des Religiösen und des Erkenntnislebens in Europa sein.

[ 13 ] Welchen Charakter diese Strömung hier durch die Araber annahm, durch den immer weiteren Fortgang vom Osten nach dem Westen, das wollen wir gleich nachher erörtern, wenn wir die andern Strömungen haben auf uns wirken lassen. Aber wenn wir den Grundcharakter dieser Strömung angeben wollen, so müssen wir ihn etwa so charakterisieren: Diejenigen, die irgendwie innerhalb dieser Geistesströmung lebten, die sahen eigentlich alles Heil darin — und man kann das noch nachklingen hören in der Parzival-Dichtung des Wolfram von Eschenbach —, von dem Sinnlichen aus sich hinaufzuheben ins Übersinnliche, also eine Art von wenigstens annäherndem Schauen der übersinnlichen Welten zu haben, den Menschen an den übersinnlichen Welten Anteil nehmen zu lassen, ihn wissen zu lassen, daß seine Seele einer Strömung angehört, die nicht unmittelbar wahrgenommen werden kann, wenn man die Sinne auf die irdischen Ereignisse richtet. Das war das Eigentümliche: dieses Hinaufschauen in überirdische, in übersinnliche Regionen, dieses Empfinden, daß der Mensch, wenn er ein vollständiger Mensch sein will, Welten angehören müsse, die gewissermaßen über dem Sinnlich-Natürlichen dahinschweben, in denen Ereignisse geschehen, die sich dem äußeren Auge so verbergen wie die Taten der Gralsritter. Für das äußere Auge sollte das Geheimnis nicht zu schauen sein, das innerhalb dieser Strömung dahinflutete. Das war die eine Strömung, die im 9. Jahrhundert nur ganz leise, aber doch als etwas Feindliches wahrgenommen wurde innerhalb des Rom, in dem Nikolaus I. dazumal Papst war. Es war schon in Rom vollständig die Stimmung vorhanden, diese Strömung als eine feindliche zu betrachten, als eine solche, welche eigentlich den abendländischen Menschen unheilsam ist, wenn sie sich ihr hingeben. Nichts Esoterisches und nichts, was auch nur vom Esoterischen herstammt, sollte innerhalb des Religiösen und des Erkenntnislebens in Europa sein.

[ 14 ] Es war ganz ohne Zweifel das erste, aber auch das furchtbarste Fragezeichen gerade für Nikolaus I., denn er empfand noch das Grandiose des spirituellen Lebens in dieser Strömung, die ja schon seit dem 3., 4. Jahrhundert stark verglommen war — man hatte sogar in Italien eine Gesellschaft zur Ausrottung aller spirituellen Erkenntniswege begründet —, die aber dennoch auf mancherlei geheimnisvollen Wegen in die Herzen der Menschen hereinleuchtete und sich da und dort zeigte. Was da oftmals aus geheimnisvollen Untergründen des welthistorischen Geschehens durchbrach in den Erlebnissen der Menschenseelen, das klagte man der Ketzerei an. Man hatte auch das Gefühl, daß sich allmählich das römisch-lateinische Wesen so entwickelt hatte, daß es in seinen Begriffen, die sich immer mehr aus der früheren griechisch-orientalischen Innigkeit zu der römisch-lateinischen Rhetorik, also zu einer gewissen Äußerlichkeit, gebildet hatten, nicht mehr aufnehmen konnte, was da noch von verglimmender Esoterik lebte. Auf der andern Seite aber war wiederum das Aufleben im einzelnen Menschen und in einzelnen Gemeinschaften, die man als Sekten denunzierte, doch ein außerordentlich Mächtiges.

[ 14 ] Es war ganz ohne Zweifel das erste, aber auch das furchtbarste Fragezeichen gerade für Nikolaus I., denn er empfand noch das Grandiose des spirituellen Lebens in dieser Strömung, die ja schon seit dem 3., 4. Jahrhundert stark verglommen war — man hatte sogar in Italien eine Gesellschaft zur Ausrottung aller spirituellen Erkenntniswege begründet —, die aber dennoch auf mancherlei geheimnisvollen Wegen in die Herzen der Menschen hereinleuchtete und sich da und dort zeigte. Was da oftmals aus geheimnisvollen Untergründen des welthistorischen Geschehens durchbrach in den Erlebnissen der Menschenseelen, das klagte man der Ketzerei an. Man hatte auch das Gefühl, daß sich allmählich das römisch-lateinische Wesen so entwickelt hatte, daß es in seinen Begriffen, die sich immer mehr aus der früheren griechisch-orientalischen Innigkeit zu der römisch-lateinischen Rhetorik, also zu einer gewissen Äußerlichkeit, gebildet hatten, nicht mehr aufnehmen konnte, was da noch von verglimmender Esoterik lebte. Auf der andern Seite aber war wiederum das Aufleben im einzelnen Menschen und in einzelnen Gemeinschaften, die man als Sekten denunzierte, doch ein außerordentlich Mächtiges.

[ 15 ] Das zweite Fragezeichen, das in welthistorischer Beziehung vor Nikolaus I. stand, war dieses, daß er nach allem, was die katholisch-christliche Kirche bis dahin an Erfahrungen gesammelt hatte, die Bevölkerung des europäischen Abendlandes für nicht geeignet halten mußte, die hochgeistige Spannung zu ertragen, die in den Seelen bewirkt wird, wenn sie sich in der geschilderten Weise zu einem spirituell-esoterischen Erfassen hinaufranken sollen. Man möchte sagen, in der Seele dieses Nikolaus 1. lagerte sich ab der große Zweifel: Was soll werden, wenn zuviel von dieser esoterisch-spirituellen Strömung in europäische Seelen hineinkommt?

[ 15 ] Das zweite Fragezeichen, das in welthistorischer Beziehung vor Nikolaus I. stand, war dieses, daß er nach allem, was die katholisch-christliche Kirche bis dahin an Erfahrungen gesammelt hatte, die Bevölkerung des europäischen Abendlandes für nicht geeignet halten mußte, die hochgeistige Spannung zu ertragen, die in den Seelen bewirkt wird, wenn sie sich in der geschilderten Weise zu einem spirituell-esoterischen Erfassen hinaufranken sollen. Man möchte sagen, in der Seele dieses Nikolaus 1. lagerte sich ab der große Zweifel: Was soll werden, wenn zuviel von dieser esoterisch-spirituellen Strömung in europäische Seelen hineinkommt?

[ 16 ] Im Orient selbst verwirrte sich immer mehr und mehr, was da vothanden war. Eigentlich am reinsten hielt sich diese eine Strömung, die sich bis nach Irland hinein erstreckte, und in Irland waren wirklich eine Zeitlang spirituelle Schulen, welche die heiligen Geheimnisse dieser Strömung in einer hohen Reinheit bewahrten.

[ 16 ] Im Orient selbst verwirrte sich immer mehr und mehr, was da vothanden war. Eigentlich am reinsten hielt sich diese eine Strömung, die sich bis nach Irland hinein erstreckte, und in Irland waren wirklich eine Zeitlang spirituelle Schulen, welche die heiligen Geheimnisse dieser Strömung in einer hohen Reinheit bewahrten.

[ 17 ] Nun aber sagte sich Nikolaus I.: Für die europäische Bevölkerung taugt das nichts. — Er wollte im Grunde genommen nur dasselbe, was in einer etwas andern Weise schon ‚Bonifatius gewollt hatte, der es als eine europäische Eigentümlichkeit angesehen hatte, daß die europäische Bevölkerung nicht geeignet sei, das spirituelle Leben in die Seelen aufzunehmen. Und so stellt sich denn das Eigentümliche heraus, daß im Orient der eigentliche esoterische Gehalt abschmolz. Die Menschen im Orient, auch im europäischen Orient nach dem heutigen Rußland herein, konnten ihre Seelen nicht zusammenbringen mit diesem esoterisch-spirituellen Gehalt. Sie hatten aber ein Empfinden dafür, insofern solche Empfindungen nicht von den heranrückenden turanischen Bevölkerungen gründlich ausgerottet wurden, die dann eben sich als die Türken offenbarten. Es hatten diese Menschen des Ostens ein dumpfes, stumpfes Gefühl davon, daß alles das, was hohe Esoterik ist und vom Menschen mit seinem heranrückenden Intellekt nicht erfaßt werden kann, im Kultus strömt und flutet, aber nur dann, wenn der Kultus zu gleicher Zeit einen äußerlich realen Mittelpunkt, gewissermaßen ein geographisches Zentrum hat.

[ 17 ] Nun aber sagte sich Nikolaus I.: Für die europäische Bevölkerung taugt das nichts. — Er wollte im Grunde genommen nur dasselbe, was in einer etwas andern Weise schon ‚Bonifatius gewollt hatte, der es als eine europäische Eigentümlichkeit angesehen hatte, daß die europäische Bevölkerung nicht geeignet sei, das spirituelle Leben in die Seelen aufzunehmen. Und so stellt sich denn das Eigentümliche heraus, daß im Orient der eigentliche esoterische Gehalt abschmolz. Die Menschen im Orient, auch im europäischen Orient nach dem heutigen Rußland herein, konnten ihre Seelen nicht zusammenbringen mit diesem esoterisch-spirituellen Gehalt. Sie hatten aber ein Empfinden dafür, insofern solche Empfindungen nicht von den heranrückenden turanischen Bevölkerungen gründlich ausgerottet wurden, die dann eben sich als die Türken offenbarten. Es hatten diese Menschen des Ostens ein dumpfes, stumpfes Gefühl davon, daß alles das, was hohe Esoterik ist und vom Menschen mit seinem heranrückenden Intellekt nicht erfaßt werden kann, im Kultus strömt und flutet, aber nur dann, wenn der Kultus zu gleicher Zeit einen äußerlich realen Mittelpunkt, gewissermaßen ein geographisches Zentrum hat.

[ 18 ] So entstand im Osten von Europa, wo das eigentlich EsoterischSpirituelle vergessen wurde, die Hinneigung zum Kultus, verbunden aber mit einem ungeheuren Hängen an dem, was man als den Mittelpunkt des Kultus empfand, mit einem Hängen an dem Grab des Erlösers. Da an dem Grab des Erlösers in Jerusalem war die Stätte, wo der Erlöser mit seinen Aposteln zusammen das Abendmahl zuerst gefeiert hatte, jenes Abendmahl, das dann in seiner weiteren Metamorphose zu dem Tode auf Golgatha geworden war, sich durch den Tod auf Golgatha erst erfüllt hatte, und das dann fortlebte in der Mittelpunktszeremonie, in dem Meßopfer und in dem übrigen Zeremoniell. Und indem man gewissermaßen sich von dem eigentlichen Spirituellen entfremdete, weil man nicht hinaufgelangte bis zum esoterischen Erfassen, hing man mit dem Herzen an dem Kultus und an dem, womit dieser Kultus äußerlich zusammenhing, an dem Grab des Erlösers, an der Stätte in Jerusalem. Das Pilgern nach Jerusalem sollte, ich möchte sagen, krönen die zeremoniellen Festlichkeiten, die an jenen Orten begangen werden konnten. All die Zeremonien mit ihren Ritualien, die an den einzelnen Orten begangen werden konnten, sollten für den einzelnen Menschen die Krönung finden dadurch, daß er gewissermaßen das, was er im Abbilde, im Zeremoniell erlebte, dann mit seinem Herzen durchdrang, indem er selber einmal hinpilgerte zu dem Grabe des Erlösers.

[ 18 ] So entstand im Osten von Europa, wo das eigentlich EsoterischSpirituelle vergessen wurde, die Hinneigung zum Kultus, verbunden aber mit einem ungeheuren Hängen an dem, was man als den Mittelpunkt des Kultus empfand, mit einem Hängen an dem Grab des Erlösers. Da an dem Grab des Erlösers in Jerusalem war die Stätte, wo der Erlöser mit seinen Aposteln zusammen das Abendmahl zuerst gefeiert hatte, jenes Abendmahl, das dann in seiner weiteren Metamorphose zu dem Tode auf Golgatha geworden war, sich durch den Tod auf Golgatha erst erfüllt hatte, und das dann fortlebte in der Mittelpunktszeremonie, in dem Meßopfer und in dem übrigen Zeremoniell. Und indem man gewissermaßen sich von dem eigentlichen Spirituellen entfremdete, weil man nicht hinaufgelangte bis zum esoterischen Erfassen, hing man mit dem Herzen an dem Kultus und an dem, womit dieser Kultus äußerlich zusammenhing, an dem Grab des Erlösers, an der Stätte in Jerusalem. Das Pilgern nach Jerusalem sollte, ich möchte sagen, krönen die zeremoniellen Festlichkeiten, die an jenen Orten begangen werden konnten. All die Zeremonien mit ihren Ritualien, die an den einzelnen Orten begangen werden konnten, sollten für den einzelnen Menschen die Krönung finden dadurch, daß er gewissermaßen das, was er im Abbilde, im Zeremoniell erlebte, dann mit seinem Herzen durchdrang, indem er selber einmal hinpilgerte zu dem Grabe des Erlösers.

[ 19 ] Was sich schon die alten Ägypter mit einem riesigen Zwang herausgebildet hatten, so wie ich es an der Betrachtung der Mumie, des mumifizierten Menschen dargestellt habe, die Begriffe: einzelne Schulen drüben in Asien konnten es noch erfassen, aber der Bevölkerung ging es verloren. Man konnte sich nicht hinaufringen zu dem, was das Geheimnis des Menschen und damit das Geheimnis der göttlichen Welt ist.

[ 19 ] Was sich schon die alten Ägypter mit einem riesigen Zwang herausgebildet hatten, so wie ich es an der Betrachtung der Mumie, des mumifizierten Menschen dargestellt habe, die Begriffe: einzelne Schulen drüben in Asien konnten es noch erfassen, aber der Bevölkerung ging es verloren. Man konnte sich nicht hinaufringen zu dem, was das Geheimnis des Menschen und damit das Geheimnis der göttlichen Welt ist.

[ 20 ] Je weiter man daher in der Zeit des Papstes Nikolaus I. vorrückte, um so mehr sah man im Osten eine innige, herzliche Verehrung des Kultus und ein inniges, herzliches Hängen an dem Zusammenwirken des Kultus und alles dessen, was man am Kultus erleben, empfinden konnte, mit dem, was man dann als die Krönung dieser Empfindungen, gewissermaßen als die größte Kultushandlung empfand: das Hinpilgern zu dem Heiligen Grabe. Wenn man von dem Rom des 9. Jahrhunderts, von dem Rom des Papstes Nikolaus I. nach Osten hinübersah, da sah man das eine, wovon sich Nikolaus I. und seine Ratgeber sagten, daß das nicht für die europäische, nicht für die mittel und nicht für die westeuropäische Bevölkerung tauge. Diese mittel- und diese westeuropäische Bevölkerung habe zuviel von dem in der Menschheitsentwickelung heranstürmenden Intellekt, um an dem bloßen, allerdings durch das Herz innig durchtränkten Anschauen des Zeremoniells und an dem Gange nach dem Heiligen Grabe zu hängen. Zuviel habe die europäische Menschheit von heraufkommendem Intellektualismus, um in einer solchen Weise ganz Mensch sein zu können. Man sah, daß das im Osten möglich ist, aber mutete es der Menschheit Mitteleuropas und des Westens nicht zu.

[ 20 ] Je weiter man daher in der Zeit des Papstes Nikolaus I. vorrückte, um so mehr sah man im Osten eine innige, herzliche Verehrung des Kultus und ein inniges, herzliches Hängen an dem Zusammenwirken des Kultus und alles dessen, was man am Kultus erleben, empfinden konnte, mit dem, was man dann als die Krönung dieser Empfindungen, gewissermaßen als die größte Kultushandlung empfand: das Hinpilgern zu dem Heiligen Grabe. Wenn man von dem Rom des 9. Jahrhunderts, von dem Rom des Papstes Nikolaus I. nach Osten hinübersah, da sah man das eine, wovon sich Nikolaus I. und seine Ratgeber sagten, daß das nicht für die europäische, nicht für die mittel und nicht für die westeuropäische Bevölkerung tauge. Diese mittel- und diese westeuropäische Bevölkerung habe zuviel von dem in der Menschheitsentwickelung heranstürmenden Intellekt, um an dem bloßen, allerdings durch das Herz innig durchtränkten Anschauen des Zeremoniells und an dem Gange nach dem Heiligen Grabe zu hängen. Zuviel habe die europäische Menschheit von heraufkommendem Intellektualismus, um in einer solchen Weise ganz Mensch sein zu können. Man sah, daß das im Osten möglich ist, aber mutete es der Menschheit Mitteleuropas und des Westens nicht zu.

[ 21 ] Auf der andern Seite sah man auch das erste Fragezeichen. Man sah es als eine ungeheure Gefahr an, wenn nach Europa herüberkommen sollte, was innerhalb dieser Strömung lag, die so viel von Esoterik, so viel von dem in sich hatte, was nun wirklich durch die spiritualisierten Ideen eigentlich erst völlig begriffen werden kann. Und so möchte ich sagen: Wenn man. von dem Rom des Papstes Nikolaus 1. nach dem Westen hinüber Ausblick hielt, dann sah man Gefahr; blickte man nach dem Osten, sah man Gefahr. Im Osten sah man eine Strömung sich ausbreiten, die tief nach Europa hereinging — eigentlich eine Reihe von Strömungen —, die Strömung des esoterischen Kultus, im Gegensatz zu jener andern esoterischen Strömung. Mitteleuropa kann und darf nicht ergriffen werden, weder von der einen noch von der andern Strömung — so sagte man sich an dem päpstlichen Hofe von Nikolaus I. Was hat zu geschehen? Es muß dasjenige Gut, das die richtigen Angehörigen dieser esoterischen Strömung schauten, es muß dieses spirituelle Gut in dogmatische Formen gebracht werden. Man muß Worte, Sätze dafür haben, es muß ausgesprochen werden. Aber man muß die Menschen davor behüten, daß sie das Ausgesprochene schauen können, erkennen können.

[ 21 ] Auf der andern Seite sah man auch das erste Fragezeichen. Man sah es als eine ungeheure Gefahr an, wenn nach Europa herüberkommen sollte, was innerhalb dieser Strömung lag, die so viel von Esoterik, so viel von dem in sich hatte, was nun wirklich durch die spiritualisierten Ideen eigentlich erst völlig begriffen werden kann. Und so möchte ich sagen: Wenn man. von dem Rom des Papstes Nikolaus 1. nach dem Westen hinüber Ausblick hielt, dann sah man Gefahr; blickte man nach dem Osten, sah man Gefahr. Im Osten sah man eine Strömung sich ausbreiten, die tief nach Europa hereinging — eigentlich eine Reihe von Strömungen —, die Strömung des esoterischen Kultus, im Gegensatz zu jener andern esoterischen Strömung. Mitteleuropa kann und darf nicht ergriffen werden, weder von der einen noch von der andern Strömung — so sagte man sich an dem päpstlichen Hofe von Nikolaus I. Was hat zu geschehen? Es muß dasjenige Gut, das die richtigen Angehörigen dieser esoterischen Strömung schauten, es muß dieses spirituelle Gut in dogmatische Formen gebracht werden. Man muß Worte, Sätze dafür haben, es muß ausgesprochen werden. Aber man muß die Menschen davor behüten, daß sie das Ausgesprochene schauen können, erkennen können.

[ 22 ] Es entstand die Glaubensvorstellung. Es entstand die Vorstellung: man muß den Menschen, ohne ihnen die Möglichkeit des Schauens zu geben, in abstrakt-dogmatischer Form den Inhalt geben, an den sie glauben können. Und so entstand diese dritte Strömung, die Mittel- und Westeuropa religiös und auch wissenschaftlich ergriff, die zunächst für den heranstürmenden Intellekt die Dogmen hatte, aber nicht so, daß diese Dogmen in Begriffe gefaßtes Schauen gewesen wären, sondern diese Strömung hatte die Dogmen so, daß sie ausgesprochen wurden. Das, was sie darstellten, schaute man nicht mehr, man sollte nur daran glauben.

[ 22 ] Es entstand die Glaubensvorstellung. Es entstand die Vorstellung: man muß den Menschen, ohne ihnen die Möglichkeit des Schauens zu geben, in abstrakt-dogmatischer Form den Inhalt geben, an den sie glauben können. Und so entstand diese dritte Strömung, die Mittel- und Westeuropa religiös und auch wissenschaftlich ergriff, die zunächst für den heranstürmenden Intellekt die Dogmen hatte, aber nicht so, daß diese Dogmen in Begriffe gefaßtes Schauen gewesen wären, sondern diese Strömung hatte die Dogmen so, daß sie ausgesprochen wurden. Das, was sie darstellten, schaute man nicht mehr, man sollte nur daran glauben.

[ 23 ] Hätte diese esoterische Strömung, die bis nach Irland hineingereicht hat und da in den neueren Zeiten verglommen ist, sachgemäß verfolgt werden sollen, dann hätten die Menschen sich innerhalb ihrer einleben müssen in eine Vereinigung der Seele mit der spirituellen Welt. Denn im Grunde genommen war das, was in dieser esoterischen Strömung lebte, die große Frage: Wie gelangt der Mensch dazu, in der ätherischen Welt, im ätherischen Kosmos sich zurechtzufinden? Denn die Schauungen, die auch das Geheimnis von Golgatha in der Art einschlossen, wie ich es gerade vorhin wiederum charakterisiert habe, bezogen sich auf das Ätherische des Kosmos. So daß man sagen konnte: Hier war die große Frage nach der Eigentümlichkeit des ätherischen Kosmos. Aber was sich auf den ätherischen Kosmos bezog, das wurde für die mittlere Strömung, für diejenige Strömung, die vorzugsweise in die Form des Lateinertums, bis tief ins Mittelalter hinein, gefaßt worden ist, zum dogmatischen Inhalt.

[ 23 ] Hätte diese esoterische Strömung, die bis nach Irland hineingereicht hat und da in den neueren Zeiten verglommen ist, sachgemäß verfolgt werden sollen, dann hätten die Menschen sich innerhalb ihrer einleben müssen in eine Vereinigung der Seele mit der spirituellen Welt. Denn im Grunde genommen war das, was in dieser esoterischen Strömung lebte, die große Frage: Wie gelangt der Mensch dazu, in der ätherischen Welt, im ätherischen Kosmos sich zurechtzufinden? Denn die Schauungen, die auch das Geheimnis von Golgatha in der Art einschlossen, wie ich es gerade vorhin wiederum charakterisiert habe, bezogen sich auf das Ätherische des Kosmos. So daß man sagen konnte: Hier war die große Frage nach der Eigentümlichkeit des ätherischen Kosmos. Aber was sich auf den ätherischen Kosmos bezog, das wurde für die mittlere Strömung, für diejenige Strömung, die vorzugsweise in die Form des Lateinertums, bis tief ins Mittelalter hinein, gefaßt worden ist, zum dogmatischen Inhalt.

[ 24 ] Im Westen war die Frage, unbewußt, nach dem Geheimnis des ätherischen Kosmos. Im Osten war die große Frage innerhalb der Menschheit heraufgetaucht: Wie verhält es sich mit der ätherischen Organisation, mit dem ätherischen Menschenorganismus?

[ 24 ] Im Westen war die Frage, unbewußt, nach dem Geheimnis des ätherischen Kosmos. Im Osten war die große Frage innerhalb der Menschheit heraufgetaucht: Wie verhält es sich mit der ätherischen Organisation, mit dem ätherischen Menschenorganismus?

[ 25 ] In allen in Kultus, Zeremonie und Ritual ablaufenden Stimmungen und Erkenntnissen des Ostens lebte unbewußt die Frage: Wie kommt der Mensch mit seinem ätherischen Leibe zurecht? — In der südwestlichen Strömung lebte die Frage: Wie kommt der Mensch mit dem ätherischen Kosmos zurecht? — Früher hatte der Mensch die Wahrheiten über die übersinnliche Welt durch ein traumhaftes Hellsehen wie von selbst erlangt; er brauchte sich nicht des Ätherischen in der Welt und in sich selbst bewußt zu werden. Das war das Bedeutsame, was die neuere Zeit heraufbrachte, daß an den Menschen die große Frage nach dem Inhalt des Ätherischen herantrat — im Westen die Frage nach dem ätherischen Kosmos, im Osten die Frage nach dem eigenen ätherischen Leibe.

[ 25 ] In allen in Kultus, Zeremonie und Ritual ablaufenden Stimmungen und Erkenntnissen des Ostens lebte unbewußt die Frage: Wie kommt der Mensch mit seinem ätherischen Leibe zurecht? — In der südwestlichen Strömung lebte die Frage: Wie kommt der Mensch mit dem ätherischen Kosmos zurecht? — Früher hatte der Mensch die Wahrheiten über die übersinnliche Welt durch ein traumhaftes Hellsehen wie von selbst erlangt; er brauchte sich nicht des Ätherischen in der Welt und in sich selbst bewußt zu werden. Das war das Bedeutsame, was die neuere Zeit heraufbrachte, daß an den Menschen die große Frage nach dem Inhalt des Ätherischen herantrat — im Westen die Frage nach dem ätherischen Kosmos, im Osten die Frage nach dem eigenen ätherischen Leibe.

[ 26 ] Die Frage nach dem ätherischen Kosmos ruft den Menschen zu höchster Entfaltung seiner Geistigkeit auf. Er muß die stärkste Kraft der Ideen entwickeln, um in die Geheimnisse des Kosmos einzudringen. Ich habe Ihnen gestern angedeutet, wie man sie zuerst findet, wenn man in Goethescher Form die Pflanzenmetamorphose betrachtet, dann aber aufsteigt zu jener umfassenden Metamorphose, die von einem Erdenleben ins andere Erdenleben hinüberführt. Aber das wurde in Rom für gefährlich gehalten, namentlich in der angedeuteten Zeit des Papstes Nikolaus I. Es sollte gewissermaßen ausgefüllt und zugedeckt werden, was in dieser Strömung lebte.

[ 26 ] Die Frage nach dem ätherischen Kosmos ruft den Menschen zu höchster Entfaltung seiner Geistigkeit auf. Er muß die stärkste Kraft der Ideen entwickeln, um in die Geheimnisse des Kosmos einzudringen. Ich habe Ihnen gestern angedeutet, wie man sie zuerst findet, wenn man in Goethescher Form die Pflanzenmetamorphose betrachtet, dann aber aufsteigt zu jener umfassenden Metamorphose, die von einem Erdenleben ins andere Erdenleben hinüberführt. Aber das wurde in Rom für gefährlich gehalten, namentlich in der angedeuteten Zeit des Papstes Nikolaus I. Es sollte gewissermaßen ausgefüllt und zugedeckt werden, was in dieser Strömung lebte.

[ 27 ] Aber auch die andere Strömung, die östliche Strömung, bestand in einer Auseinandersetzung mit dem Ätherischen, nur mit dem Ätherischen der eigenen Organisation, mit dem eigenen ätherischen Menschenleib. Mit dem, was sich in dem äußeren Naturreich darlebt, mit Tieren, Pflanzen, Mineralien, lebt der physische Menschenleib, mit alldem, was der Mensch an Maschinen fabriziert, lebt der physische Menschenleib. Will der Mensch aber mit seinem ätherischen Leib hier auf der Erde leben, dann kann er das nur in äußerlicher Weise, wenn er in Zeremonien, wenn er innerhalb des Ritualismus lebt, wenn er innerhalb von Geschehnissen lebt, die nicht irdisch-sinnlich-reale sind. In solche Geschehnisse wollte man sich im Osten einleben, um die innere Eigentümlichkeit des eigenen menschlichen ätherischen Organismus zu erleben.

[ 27 ] Aber auch die andere Strömung, die östliche Strömung, bestand in einer Auseinandersetzung mit dem Ätherischen, nur mit dem Ätherischen der eigenen Organisation, mit dem eigenen ätherischen Menschenleib. Mit dem, was sich in dem äußeren Naturreich darlebt, mit Tieren, Pflanzen, Mineralien, lebt der physische Menschenleib, mit alldem, was der Mensch an Maschinen fabriziert, lebt der physische Menschenleib. Will der Mensch aber mit seinem ätherischen Leib hier auf der Erde leben, dann kann er das nur in äußerlicher Weise, wenn er in Zeremonien, wenn er innerhalb des Ritualismus lebt, wenn er innerhalb von Geschehnissen lebt, die nicht irdisch-sinnlich-reale sind. In solche Geschehnisse wollte man sich im Osten einleben, um die innere Eigentümlichkeit des eigenen menschlichen ätherischen Organismus zu erleben.

[ 28 ] Auch das fand man in dem Rom des 9. Jahrhunderts, in dem Rom des Papstes Nikolaus I., nicht geeignet für Europa. Vom Westen behielt man bloß — und erstreckte es dann wieder weiter zum Westen hin, so daß diese esoterische Strömung ganz verdeckt wurde — dasjenige, was der Intellekt bis zur Dogmatik heraufbringt, wo an die übersinnlichen Wahrheiten nur noch geglaubt wird, wo sie nicht mehr geschaut werden. Aber auch jenes innere Verhältnis zum Kultus, das in Osteuropa sich entwickelt hatte, glaubte man für die mittel- und westeuropäische Bevölkerung nicht geeignet, und daraus entstand dann jene Modifikation des Kultus, die man eben in der römischkatholischen Kirche hat.

[ 28 ] Auch das fand man in dem Rom des 9. Jahrhunderts, in dem Rom des Papstes Nikolaus I., nicht geeignet für Europa. Vom Westen behielt man bloß — und erstreckte es dann wieder weiter zum Westen hin, so daß diese esoterische Strömung ganz verdeckt wurde — dasjenige, was der Intellekt bis zur Dogmatik heraufbringt, wo an die übersinnlichen Wahrheiten nur noch geglaubt wird, wo sie nicht mehr geschaut werden. Aber auch jenes innere Verhältnis zum Kultus, das in Osteuropa sich entwickelt hatte, glaubte man für die mittel- und westeuropäische Bevölkerung nicht geeignet, und daraus entstand dann jene Modifikation des Kultus, die man eben in der römischkatholischen Kirche hat.

[ 29 ] Wenn Sie einmal den Kultus, wie er in der östlichen, in der russisch-orthodoxen Kirche ist, mit der Art und Weise des Kultus vergleichen, wie er in der römisch-katholischen Kirche lebt, dann finden Sie folgenden Unterschied: In der römisch-katholischen Kirche ist mehr ein angeschautes Symbolum, im Osten ist mehr etwas, in das sich die Seele mit einer vollen Inbrunst hineinlebt. Im Westen war stets das Bedürfnis vorhanden, von dem Kultus, der sich mit der dogmatischen Auffassung verband, immer wieder zu den Dogmen hinüberzugehen und von den Dogmen aus den Kultus zu beleuchten. Im Osten wirkte der Kultus für sich. Und das, was nach dem Westen ging, beschränkte sich schließlich darauf, allmählich zu dem zu werden, was dann in äußerlicher Weise in verschiedenen okkulten Gemeinschaften bewahrt wurde, die ja auch heute noch vorhanden sind, die heute zwar eine große Rolle spielen, aber von aller Esoterik der alten Zeit entblößt sind.

[ 29 ] Wenn Sie einmal den Kultus, wie er in der östlichen, in der russisch-orthodoxen Kirche ist, mit der Art und Weise des Kultus vergleichen, wie er in der römisch-katholischen Kirche lebt, dann finden Sie folgenden Unterschied: In der römisch-katholischen Kirche ist mehr ein angeschautes Symbolum, im Osten ist mehr etwas, in das sich die Seele mit einer vollen Inbrunst hineinlebt. Im Westen war stets das Bedürfnis vorhanden, von dem Kultus, der sich mit der dogmatischen Auffassung verband, immer wieder zu den Dogmen hinüberzugehen und von den Dogmen aus den Kultus zu beleuchten. Im Osten wirkte der Kultus für sich. Und das, was nach dem Westen ging, beschränkte sich schließlich darauf, allmählich zu dem zu werden, was dann in äußerlicher Weise in verschiedenen okkulten Gemeinschaften bewahrt wurde, die ja auch heute noch vorhanden sind, die heute zwar eine große Rolle spielen, aber von aller Esoterik der alten Zeit entblößt sind.

[ 30 ] In Europa einen Kultus zu inaugurieren, der nicht so in das Ätherische der Menschennatur eingreift, wie es im Osten geschieht, und eine Dogmatik einzurichten, die es dem Menschen ersparen soll, sein Schauen zu der spirituellen Welt hinaufzuführen, eine solche Doppelströmung einzuführen, das war das dritte große Fragezeichen, das vor Nikolaus I. stand. Und daran arbeitete er. Dadurch ist es geschehen, daß später die griechisch-orientalische Kirche sich vollständig von der römisch-katholischen getrennt hat. In dem, was ich angeführt habe, liegen eigentlich die inneren Gründe.

[ 30 ] In Europa einen Kultus zu inaugurieren, der nicht so in das Ätherische der Menschennatur eingreift, wie es im Osten geschieht, und eine Dogmatik einzurichten, die es dem Menschen ersparen soll, sein Schauen zu der spirituellen Welt hinaufzuführen, eine solche Doppelströmung einzuführen, das war das dritte große Fragezeichen, das vor Nikolaus I. stand. Und daran arbeitete er. Dadurch ist es geschehen, daß später die griechisch-orientalische Kirche sich vollständig von der römisch-katholischen getrennt hat. In dem, was ich angeführt habe, liegen eigentlich die inneren Gründe.

[ 31 ] Das alles, was ich Ihnen hier auseinandergesetzt habe, ist eigentlich auf dem Grunde der Seelen sehr deutlich noch zur Zeit der Regierung des Papstes Nikolaus I. in der Mitte des 9. nachchristlichen Jahrhunderts vorhanden gewesen. Da waren auch durchaus noch Reste von Esoterik im Westen vorhanden. Da waren, namentlich in Spanien, in Frankreich, in Irland, esoterische Schulen. Da waren Menschen, die in die geistigen Welten hineinschauen konnten, die auch ein Christentum hatten, das durch Schauen gelehrt war. Später erhielten sich von dem, was da als Schauen vorhanden war, eben nur die in Andeutungen vorhandenen, in geheimnisvoller Weise immer wieder und wiederum geprägten Hinblicke auf den Heiligen Gral oder auf sein verweltlichtes Gegenbild, auf die Tafelrunde des Königs Artus. Aber man hatte schon das Gefühl: dadrinnen liegt etwas, was mit einem Schauen überirdischer Welten, was mit einem Erleben überirdischer Welten zusammenhängt.

[ 31 ] Das alles, was ich Ihnen hier auseinandergesetzt habe, ist eigentlich auf dem Grunde der Seelen sehr deutlich noch zur Zeit der Regierung des Papstes Nikolaus I. in der Mitte des 9. nachchristlichen Jahrhunderts vorhanden gewesen. Da waren auch durchaus noch Reste von Esoterik im Westen vorhanden. Da waren, namentlich in Spanien, in Frankreich, in Irland, esoterische Schulen. Da waren Menschen, die in die geistigen Welten hineinschauen konnten, die auch ein Christentum hatten, das durch Schauen gelehrt war. Später erhielten sich von dem, was da als Schauen vorhanden war, eben nur die in Andeutungen vorhandenen, in geheimnisvoller Weise immer wieder und wiederum geprägten Hinblicke auf den Heiligen Gral oder auf sein verweltlichtes Gegenbild, auf die Tafelrunde des Königs Artus. Aber man hatte schon das Gefühl: dadrinnen liegt etwas, was mit einem Schauen überirdischer Welten, was mit einem Erleben überirdischer Welten zusammenhängt.

[ 32 ] In Mitteleuropa und übergreifend dann in die Stätten, wo im Westen noch Esoterik vorhanden war, lebte eben dasjenige, was innige, Glauben tragende Dogmatik in Verbindung mit einer nicht voll mit dem menschlichen Ätherleib zusammenhängenden Zeremonienwelt ergab. Und im Osten lebte, was ich ja charakterisiert habe. Man müßte, wenn man für das 9. Jahrhundert die europäische Seele schildert, überall in den verschiedenen Varianten diese drei verschiedenen Seelenstimmungen charakterisieren. Das andere, was in der Geschichte erzählt wird, ist alles nur ein flüchtiger äußerer Ausdruck dessen, was in den Tiefen auf solche Art waltete.

[ 32 ] In Mitteleuropa und übergreifend dann in die Stätten, wo im Westen noch Esoterik vorhanden war, lebte eben dasjenige, was innige, Glauben tragende Dogmatik in Verbindung mit einer nicht voll mit dem menschlichen Ätherleib zusammenhängenden Zeremonienwelt ergab. Und im Osten lebte, was ich ja charakterisiert habe. Man müßte, wenn man für das 9. Jahrhundert die europäische Seele schildert, überall in den verschiedenen Varianten diese drei verschiedenen Seelenstimmungen charakterisieren. Das andere, was in der Geschichte erzählt wird, ist alles nur ein flüchtiger äußerer Ausdruck dessen, was in den Tiefen auf solche Art waltete.

[ 33 ] Aber nun kamen die späteren Zeiten. Es kamen jene Zeiten, in denen dieser esoterischen Strömung sozusagen nachgeschoben wurde, was im Arabismus immer mehr und mehr sich veräußerlichte. Man möchte sagen, was da in Asien drüben aus dem Aristoteles gemacht worden war, das strömte auch herüber; und in diesem späteren Nachströmen vermaterialisierte sich diese esoterische Strömung, die aus einer sehr spirituellen Auffassung kam. Und wir sehen, daß zum Beispiel schon im 11., 12. Jahrhundert die Esoterik immer mehr und mehr hinunterglimmt, abschmilzt, und daß gerade diese esoterische Strömung jene materialistische Denkungsform annimmt, die dann in späterer Metamorphose zum Materialismus in der Naturwissenschaft wurde; denn der ist eigentlich aus dem Arabismus heraus entsprungen.

[ 33 ] Aber nun kamen die späteren Zeiten. Es kamen jene Zeiten, in denen dieser esoterischen Strömung sozusagen nachgeschoben wurde, was im Arabismus immer mehr und mehr sich veräußerlichte. Man möchte sagen, was da in Asien drüben aus dem Aristoteles gemacht worden war, das strömte auch herüber; und in diesem späteren Nachströmen vermaterialisierte sich diese esoterische Strömung, die aus einer sehr spirituellen Auffassung kam. Und wir sehen, daß zum Beispiel schon im 11., 12. Jahrhundert die Esoterik immer mehr und mehr hinunterglimmt, abschmilzt, und daß gerade diese esoterische Strömung jene materialistische Denkungsform annimmt, die dann in späterer Metamorphose zum Materialismus in der Naturwissenschaft wurde; denn der ist eigentlich aus dem Arabismus heraus entsprungen.

[ 34 ] Die mittlere Strömung, die eigentliche Schöpfung des Papstes Nikolaus 1., die aber schon von Bonifatius genährt worden war, die eine wesentliche Stütze an den Merowingern und an den Karolingern gefunden hatte und die Jahrhunderte hindurch nur noch wenig tingiert war von dem, was durch die Gralssage und die andern heiligen Sagen den Blick der Menschenseele in die übersinnliche Welt lenkte, sie kam immer mehr und mehr dazu, den Kultus und die Dogmatik zu vermaterialisieren. Aus jenen reineren Anschauungen, die man zum Beispiel in den älteren Zeiten von der Transsubstantiation, von dem Verlaufe der Messehandlungen und so weiter hatte, wurden dann jene derbmateriellen Auffassungen, die einzig und allein dazu führen konnten, daß man anfing, sich über das Abendmahl zu streiten. Die Streite über das Abendmahl waren ein Beweis dafür, daß man es nicht mehr so verstand, wie es ursprünglich aufgefaßt war. Man kann es eben nur verstehen, wenn es von spiritueller Erkenntnis durchzogen ist. So vermaterialisierte sich diese westliche, ost-süd-westliche Strömung, so vermaterialisierte sich die mittlere Strömung, und immer mehr und mehr vermaterialisierte sich in wesentlicher Art auch die östliche Strömung. Die Welle des Materialismus kam herauf. Aber überall bäumte sich dennoch die Menschheit gegen diese Welle des Materialismus in einer gewissen Weise auf.

[ 34 ] Die mittlere Strömung, die eigentliche Schöpfung des Papstes Nikolaus 1., die aber schon von Bonifatius genährt worden war, die eine wesentliche Stütze an den Merowingern und an den Karolingern gefunden hatte und die Jahrhunderte hindurch nur noch wenig tingiert war von dem, was durch die Gralssage und die andern heiligen Sagen den Blick der Menschenseele in die übersinnliche Welt lenkte, sie kam immer mehr und mehr dazu, den Kultus und die Dogmatik zu vermaterialisieren. Aus jenen reineren Anschauungen, die man zum Beispiel in den älteren Zeiten von der Transsubstantiation, von dem Verlaufe der Messehandlungen und so weiter hatte, wurden dann jene derbmateriellen Auffassungen, die einzig und allein dazu führen konnten, daß man anfing, sich über das Abendmahl zu streiten. Die Streite über das Abendmahl waren ein Beweis dafür, daß man es nicht mehr so verstand, wie es ursprünglich aufgefaßt war. Man kann es eben nur verstehen, wenn es von spiritueller Erkenntnis durchzogen ist. So vermaterialisierte sich diese westliche, ost-süd-westliche Strömung, so vermaterialisierte sich die mittlere Strömung, und immer mehr und mehr vermaterialisierte sich in wesentlicher Art auch die östliche Strömung. Die Welle des Materialismus kam herauf. Aber überall bäumte sich dennoch die Menschheit gegen diese Welle des Materialismus in einer gewissen Weise auf.

[ 35 ] Und nun gehen wir aus dem Zeitalter des 9. Jahrhunderts, aus dem Zeitalter des Papstes Nikolaus I., herauf bis in das 11. Jahrhundert. Wir müssen uns durchaus vorstellen, daß die drei Fragezeichen wirklich wie drei furchtbare, seelenquälende Gewalten vor einer solchen Persönlichkeit wie dem Papste Nikolaus I. standen. Denn er konnte nicht etwa sagen, wie man es später in Kongressen gemacht hat, wo man Landkartenstriche gezogen hat, so wie man es aus äußeren Verhältnissen heraus für richtig hielt, er konnte nicht sagen: Ich befehle, daß hier und hier eine Grenze ist. — Das konnte er nicht sagen, denn so ließen sich die Seelen nicht abgrenzen. Er konnte gewissermaßen Richtungen angeben und der einen, der mittleren Richtung, eine besondere Stärke verleihen. Darin war Nikolaus I. ganz besonders genial, der mittleren europäischen Strömung eine besondere Stärke zu gewähren. Aber das war dennoch der Fall, daß zum Beispiel die Stimmung, die im Osten war, bis weit in den Westen hereinging, jene Stimmung, welche die innere Glut des menschlichen ätherischen Organismus an den heiligen Weihehandlungen des Kultus entzündete und die zu gleicher Zeit, jetzt in einer mehr westeuropäischen Weise, den AblaufdieserWeihehandlungenmitdem Zentrum in Jerusalem verband.

[ 35 ] Und nun gehen wir aus dem Zeitalter des 9. Jahrhunderts, aus dem Zeitalter des Papstes Nikolaus I., herauf bis in das 11. Jahrhundert. Wir müssen uns durchaus vorstellen, daß die drei Fragezeichen wirklich wie drei furchtbare, seelenquälende Gewalten vor einer solchen Persönlichkeit wie dem Papste Nikolaus I. standen. Denn er konnte nicht etwa sagen, wie man es später in Kongressen gemacht hat, wo man Landkartenstriche gezogen hat, so wie man es aus äußeren Verhältnissen heraus für richtig hielt, er konnte nicht sagen: Ich befehle, daß hier und hier eine Grenze ist. — Das konnte er nicht sagen, denn so ließen sich die Seelen nicht abgrenzen. Er konnte gewissermaßen Richtungen angeben und der einen, der mittleren Richtung, eine besondere Stärke verleihen. Darin war Nikolaus I. ganz besonders genial, der mittleren europäischen Strömung eine besondere Stärke zu gewähren. Aber das war dennoch der Fall, daß zum Beispiel die Stimmung, die im Osten war, bis weit in den Westen hereinging, jene Stimmung, welche die innere Glut des menschlichen ätherischen Organismus an den heiligen Weihehandlungen des Kultus entzündete und die zu gleicher Zeit, jetzt in einer mehr westeuropäischen Weise, den AblaufdieserWeihehandlungenmitdem Zentrum in Jerusalem verband.

[ 36 ] Was noch vom Osten nach Mitteleuropa und nach dem Westen hereinragte an Pilgerstimmung, an Hinneigung zu dem realen Mittelpunkte, dem konnte ein Peter von Amiens zunächst ein wenig, nachher aber ein Bernhard von Clairvaux mit einer wirklichen blendenden Glut das Kreuz predigen. Und dem, was in Europa an solcher Pilgerströmung vorhanden war, mischte sich die Strömung bei, die übriggeblieben war aus diesem Westlichen auf dem Umwege durch das Gralstum, durch das Artustum: was da übriggeblieben war, als die Esoterik, ich möchte sagen, ausgeflossen war und der Mensch da war mit dieser äußeren Form, jener Mensch, dem die Erde nicht eigentlich die Erde war, sondern ein besonderer Ort im ganzen Kosmos.

[ 36 ] Was noch vom Osten nach Mitteleuropa und nach dem Westen hereinragte an Pilgerstimmung, an Hinneigung zu dem realen Mittelpunkte, dem konnte ein Peter von Amiens zunächst ein wenig, nachher aber ein Bernhard von Clairvaux mit einer wirklichen blendenden Glut das Kreuz predigen. Und dem, was in Europa an solcher Pilgerströmung vorhanden war, mischte sich die Strömung bei, die übriggeblieben war aus diesem Westlichen auf dem Umwege durch das Gralstum, durch das Artustum: was da übriggeblieben war, als die Esoterik, ich möchte sagen, ausgeflossen war und der Mensch da war mit dieser äußeren Form, jener Mensch, dem die Erde nicht eigentlich die Erde war, sondern ein besonderer Ort im ganzen Kosmos.

[ 37 ] So etwas lebte tatsächlich als Anschauung in dem westeuropäischen und mitteleuropäischen Rittertum, das dann sich der Kreuzzugsstimmung anschloß. Und nur wie ein leiser Unterton, der allerdings dann, als die Kreuzzüge weitergingen, immer stärker und stärker wurde, mischte sich da hinein, was Nikolaus I. als die eigentliche europäische Zivilisationsstimmung in Religion und Erkenntnis begründet hatte. Deshalb muten uns die Kreuzzüge als etwas an, was aus den späteren Verhältnissen heraus eigentlich gar nicht mehr voll zu verstehen ist. Denn die mittlere Strömung hat sich dann ausgebreitet. Daneben ist die osteuropäische Strömung geblieben, die innerhalb Europas eben als eine zurückgebliebene Religionsströmung angesehen wird. Die westeuropäische Strömung hat sich verwandelt in die Ranken des Okkult-Esoterischen, in allerlei okkulte Gesellschaften, Freimaurerorden und so weiter. Die mittlere hat endlich auch die Wissenschaft ergriffen in der Scholastik, in der neueren Naturwissenschaft.

[ 37 ] So etwas lebte tatsächlich als Anschauung in dem westeuropäischen und mitteleuropäischen Rittertum, das dann sich der Kreuzzugsstimmung anschloß. Und nur wie ein leiser Unterton, der allerdings dann, als die Kreuzzüge weitergingen, immer stärker und stärker wurde, mischte sich da hinein, was Nikolaus I. als die eigentliche europäische Zivilisationsstimmung in Religion und Erkenntnis begründet hatte. Deshalb muten uns die Kreuzzüge als etwas an, was aus den späteren Verhältnissen heraus eigentlich gar nicht mehr voll zu verstehen ist. Denn die mittlere Strömung hat sich dann ausgebreitet. Daneben ist die osteuropäische Strömung geblieben, die innerhalb Europas eben als eine zurückgebliebene Religionsströmung angesehen wird. Die westeuropäische Strömung hat sich verwandelt in die Ranken des Okkult-Esoterischen, in allerlei okkulte Gesellschaften, Freimaurerorden und so weiter. Die mittlere hat endlich auch die Wissenschaft ergriffen in der Scholastik, in der neueren Naturwissenschaft.

[ 38 ] Wer nur das sieht, was da in der neueren Zeit geworden ist, der begreift die Kreuzzugsstimmung nicht. Die Kreuzzugsstimmung begreift nur, wer fassen kann, was von jenem Impuls gerade vom 4., 5. nachchristlichen Jahrhundert bis in das 12., 13. Jahrhundert lebte und was Papst Nikolaus I. im 9. Jahrhundert besonders stark empfunden hat, die Frage: Wie verbindet man dasjenige, was in der äußeren Welt vorhanden ist an Geschehnissen, in die der Mensch selbst eingreift und von denen die Kultushandlungen die vorzüglichsten sind, mit dem lebendigen Strom des spirituellen Lebens, des Lebens der spirituellen Wesenheiten? Man möchte sagen, beim europäischen Menschen fing es im 9., 10., 11. Jahrhundert an: so wie ihm die Realitäten des Kultus auf der einen Seite entfallen mußten, entfielen ihm die Realitäten des spirituellen Schauens auf der andern Seite. Während die Realitäten des Kultus in das Unbestimmte Asiens hinüber entschwanden und in der Eroberung durch die Türken den heiligen Ort zudeckten, an den für den Christen diese Kultushandlungen anknüpfen sollten, fielen durch die Entdeckung Amerikas — wenn ich mich bildlich ausdrücken darf — die esoterischen Geheimnisse der westlichen Strömungen in den Atlantischen Ozean hinein. Es entstand als eine Reaktion die Stimmung: Wie erfüllt man das, was doch da sein muß, die heiligen Weihehandlungen und ihr Zentrum, den Ort in Jerusalem, wie erfüllt man das mit spirituellem Leben?

[ 38 ] Wer nur das sieht, was da in der neueren Zeit geworden ist, der begreift die Kreuzzugsstimmung nicht. Die Kreuzzugsstimmung begreift nur, wer fassen kann, was von jenem Impuls gerade vom 4., 5. nachchristlichen Jahrhundert bis in das 12., 13. Jahrhundert lebte und was Papst Nikolaus I. im 9. Jahrhundert besonders stark empfunden hat, die Frage: Wie verbindet man dasjenige, was in der äußeren Welt vorhanden ist an Geschehnissen, in die der Mensch selbst eingreift und von denen die Kultushandlungen die vorzüglichsten sind, mit dem lebendigen Strom des spirituellen Lebens, des Lebens der spirituellen Wesenheiten? Man möchte sagen, beim europäischen Menschen fing es im 9., 10., 11. Jahrhundert an: so wie ihm die Realitäten des Kultus auf der einen Seite entfallen mußten, entfielen ihm die Realitäten des spirituellen Schauens auf der andern Seite. Während die Realitäten des Kultus in das Unbestimmte Asiens hinüber entschwanden und in der Eroberung durch die Türken den heiligen Ort zudeckten, an den für den Christen diese Kultushandlungen anknüpfen sollten, fielen durch die Entdeckung Amerikas — wenn ich mich bildlich ausdrücken darf — die esoterischen Geheimnisse der westlichen Strömungen in den Atlantischen Ozean hinein. Es entstand als eine Reaktion die Stimmung: Wie erfüllt man das, was doch da sein muß, die heiligen Weihehandlungen und ihr Zentrum, den Ort in Jerusalem, wie erfüllt man das mit spirituellem Leben?

[ 39 ] Wer die Reden Bernhard von Clairvaux’ liest, kann heute noch fühlen, wie aus ihm heraus das inbrünstige Hängen an dem Kultus spricht, an dem äußerlich-sinnlichen, in welchem Esoterik lebt, und wie andererseits sein Herz durchglüht ist von dem, was einmal in jener esoterischen Stimmung des Westens gelebt hat. In die Predigten, in die Reden des Bernhard von Clairvaux tönt, wenn er es auch nicht ausspricht, aber indem er es grandios künstlerisch anklingen läßt, das hinein, was der ätherische Kosmos dem Menschen enthüllen möchte und nicht mehr enthüllen kann, und gleichzeitig das, was in dem eigenen menschlichen ätherischen Organismus von der Erde aus wirken möchte. Das treibt die Menschen nach Asien hinüber, um wiederum zu suchen, was sie nach Westen hinüber verloren hatten. Die Esoterik war dennoch der treibende Impuls. Was man nach Westen hinüber verloren hatte, dessen wollte man ansichtig werden, indem man sich wiederum mit dem Grab des Erlösers verband. Darin besteht die Tragik der nachfolgenden Zeit, daß man das nicht begriffen hat, daß man zum Beispiel nicht hören konnte auf so etwas, wie es dann die rosenkreuzerische Stimmung — ich meine in ihrer wahren Gestalt — geworden ist, die allerdings den Christus in geistigen Höhen, nicht am physischen Grabe hat suchen wollen. Heute aber ist die Zeit gekommen, wo die Menschheit begreifen soll, daß, ebenso wie den Persönlichkeiten, die nach dem Tode des Erlösers an das Grab gekommen sind, gesagt worden ist: «Der, den ihr suchet, ist nicht mehr hier, suchet ihn woanders», daß auch den Kreuzfahrern gesagt worden ist: «Der, den ihr suchet, ist nicht mehr hier, suchet ihn woanders.» Heute ist die Zeit, wo man wieder woanders suchen muß den, der nicht mehr hier ist, wo man ihn suchen muß durch eine neue Erschließung der geistigen Welten.

[ 39 ] Wer die Reden Bernhard von Clairvaux’ liest, kann heute noch fühlen, wie aus ihm heraus das inbrünstige Hängen an dem Kultus spricht, an dem äußerlich-sinnlichen, in welchem Esoterik lebt, und wie andererseits sein Herz durchglüht ist von dem, was einmal in jener esoterischen Stimmung des Westens gelebt hat. In die Predigten, in die Reden des Bernhard von Clairvaux tönt, wenn er es auch nicht ausspricht, aber indem er es grandios künstlerisch anklingen läßt, das hinein, was der ätherische Kosmos dem Menschen enthüllen möchte und nicht mehr enthüllen kann, und gleichzeitig das, was in dem eigenen menschlichen ätherischen Organismus von der Erde aus wirken möchte. Das treibt die Menschen nach Asien hinüber, um wiederum zu suchen, was sie nach Westen hinüber verloren hatten. Die Esoterik war dennoch der treibende Impuls. Was man nach Westen hinüber verloren hatte, dessen wollte man ansichtig werden, indem man sich wiederum mit dem Grab des Erlösers verband. Darin besteht die Tragik der nachfolgenden Zeit, daß man das nicht begriffen hat, daß man zum Beispiel nicht hören konnte auf so etwas, wie es dann die rosenkreuzerische Stimmung — ich meine in ihrer wahren Gestalt — geworden ist, die allerdings den Christus in geistigen Höhen, nicht am physischen Grabe hat suchen wollen. Heute aber ist die Zeit gekommen, wo die Menschheit begreifen soll, daß, ebenso wie den Persönlichkeiten, die nach dem Tode des Erlösers an das Grab gekommen sind, gesagt worden ist: «Der, den ihr suchet, ist nicht mehr hier, suchet ihn woanders», daß auch den Kreuzfahrern gesagt worden ist: «Der, den ihr suchet, ist nicht mehr hier, suchet ihn woanders.» Heute ist die Zeit, wo man wieder woanders suchen muß den, der nicht mehr hier ist, wo man ihn suchen muß durch eine neue Erschließung der geistigen Welten.

[ 40 ] Das ist es, was als die Aufgabe vor dem Menschen der Gegenwart dasteht, das ist es, was ich gewissermaßen im Anschlusse an die Betrachtungen, die in den letzten Tagen hier gepflogen worden sind, noch sagen wollte. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich doch nicht versäumen, anschließend an das, was ich nun versucht habe, wenn auch ganz skizzenhaft, aus der anthroposophischen Esoterik herauszuholen, Ihnen zu sagen, daß doch wirklich in den Seelen, die sich zur Anthroposophischen Gesellschaft zählen und die Anthroposophie als ihr Bekenntnis haben wollen, leben möge die Empfindung von der ungeheuren Bedeutung des gegenwärtigen historischen Momentes, der Bedeutung von dem Aufsuchen der spirituellen Welten. Und deshalb möchte ich heute im Anschlusse an diese einschneidenden Betrachtungen, die ich eben gepflogen habe, sagen: Möchte es doch innerhalb der einzelnen Kreise der Anthroposophischen Gesellschaft versucht werden, sich des Ernstes des gegenwärtigen historischen Momentes bewußt zu werden und sich selber und die Verhältnisse zu fragen, ob es nicht möglich wäre, diese Anthroposophische Gesellschaft in einem gewissen Sinne wiederum zu galvanisieren, so daß sie aus einem gewissen schläfrigen Zustande herauskommen und erwachen würde zu einem wirklichen Leben. Wir brauchen es heute, wo einzelnes Bedeutungsvolles auf den verschiedensten Gebieten des wissenschaftlichen und des praktischen Lebens aus der Anthroposophischen Gesellschaft herauskommen soll, wir brauchten es heute, daß die Anthroposophische Gesellschaft im weitesten Umfange Seelen habe, in denen reges Leben ist, die von der Einsicht in die Wichtigkeit des historischen Momentes befeuert sind.

[ 40 ] Das ist es, was als die Aufgabe vor dem Menschen der Gegenwart dasteht, das ist es, was ich gewissermaßen im Anschlusse an die Betrachtungen, die in den letzten Tagen hier gepflogen worden sind, noch sagen wollte. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich doch nicht versäumen, anschließend an das, was ich nun versucht habe, wenn auch ganz skizzenhaft, aus der anthroposophischen Esoterik herauszuholen, Ihnen zu sagen, daß doch wirklich in den Seelen, die sich zur Anthroposophischen Gesellschaft zählen und die Anthroposophie als ihr Bekenntnis haben wollen, leben möge die Empfindung von der ungeheuren Bedeutung des gegenwärtigen historischen Momentes, der Bedeutung von dem Aufsuchen der spirituellen Welten. Und deshalb möchte ich heute im Anschlusse an diese einschneidenden Betrachtungen, die ich eben gepflogen habe, sagen: Möchte es doch innerhalb der einzelnen Kreise der Anthroposophischen Gesellschaft versucht werden, sich des Ernstes des gegenwärtigen historischen Momentes bewußt zu werden und sich selber und die Verhältnisse zu fragen, ob es nicht möglich wäre, diese Anthroposophische Gesellschaft in einem gewissen Sinne wiederum zu galvanisieren, so daß sie aus einem gewissen schläfrigen Zustande herauskommen und erwachen würde zu einem wirklichen Leben. Wir brauchen es heute, wo einzelnes Bedeutungsvolles auf den verschiedensten Gebieten des wissenschaftlichen und des praktischen Lebens aus der Anthroposophischen Gesellschaft herauskommen soll, wir brauchten es heute, daß die Anthroposophische Gesellschaft im weitesten Umfange Seelen habe, in denen reges Leben ist, die von der Einsicht in die Wichtigkeit des historischen Momentes befeuert sind.

[ 41 ] Wenn es irgend geht, dann fragen Sie sich und fragen Sie andere, ob es nicht doch in der nächsten Zeit möglich ist, die alte Anthroposophischen Gesellschaft wiederum etwas zu galvanisieren und ihr Leben zuzuführen von dem Leben ihrer Einzelseelen. Notwendig wäre es! Gekonnt werden, das ist auch eine Möglichkeit! Aber die Menschenseelen, die ihr Leben an der Einsicht in den wichtigen historischen Moment entzünden möchten, müssen sich auf unserem Grund und Boden finden. Tun Sie für die anthroposophische Bewegung, was für sie zu tun in der letzten Zeit doch mehr oder weniger von vielen vergessen worden ist.

[ 41 ] Wenn es irgend geht, dann fragen Sie sich und fragen Sie andere, ob es nicht doch in der nächsten Zeit möglich ist, die alte Anthroposophischen Gesellschaft wiederum etwas zu galvanisieren und ihr Leben zuzuführen von dem Leben ihrer Einzelseelen. Notwendig wäre es! Gekonnt werden, das ist auch eine Möglichkeit! Aber die Menschenseelen, die ihr Leben an der Einsicht in den wichtigen historischen Moment entzünden möchten, müssen sich auf unserem Grund und Boden finden. Tun Sie für die anthroposophische Bewegung, was für sie zu tun in der letzten Zeit doch mehr oder weniger von vielen vergessen worden ist.