Spiritual Forces Working in the Shared Lives
of the Older and Younger Generations
GA 217
10 October 1922, Stuttgart
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Geistige Wirkenskräfte im Zusammenleben von alter und junger Generation
Achter Vortrag
Achter Vortrag
[ 1 ] Wir haben bisher versucht, von außen zu charakterisieren, was der heranwachsende Mensch um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts erleben konnte, indem wir den Seelenblick auf die besondere Art, welche die menschliche Geisteskultur angenommen hat, gerichtet haben. Heute wollen wir einmal, um einen Übergang zu einer echten Selbsterkenntnis zu finden, die Menschenwesenheit von innen betrachten.
[ 1 ] Wir haben bisher versucht, von außen zu charakterisieren, was der heranwachsende Mensch um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts erleben konnte, indem wir den Seelenblick auf die besondere Art, welche die menschliche Geisteskultur angenommen hat, gerichtet haben. Heute wollen wir einmal, um einen Übergang zu einer echten Selbsterkenntnis zu finden, die Menschenwesenheit von innen betrachten.
[ 2 ] So, wie man für eine mehr äußerliche Betrachtung der Geistesentwickelung des Abendlandes auf das erste Drittel des fünfzehnten Jahrhunderts zurückgewiesen wird, so muß man für eine mehr innerliche Betrachtung in das vierte nachchristliche Jahrhundert zurückgehen. Wenn Sie ein Jahr haben wollen, das gewissermaßen einen markanten Punkt andeutet, dann ist es das Jahr 333 unserer Zeitrechnung. Dieses Jahr ist natürlich nur approximativ zu nehmen; es ist nicht rechnungsmäßig gemeint, sondern so, daß es wie ein Näherungspunkt auf wichtige Dinge hinweist, die mit einem recht großen Teile der europäischen Menschheit geschehen sind.
[ 2 ] So, wie man für eine mehr äußerliche Betrachtung der Geistesentwickelung des Abendlandes auf das erste Drittel des fünfzehnten Jahrhunderts zurückgewiesen wird, so muß man für eine mehr innerliche Betrachtung in das vierte nachchristliche Jahrhundert zurückgehen. Wenn Sie ein Jahr haben wollen, das gewissermaßen einen markanten Punkt andeutet, dann ist es das Jahr 333 unserer Zeitrechnung. Dieses Jahr ist natürlich nur approximativ zu nehmen; es ist nicht rechnungsmäßig gemeint, sondern so, daß es wie ein Näherungspunkt auf wichtige Dinge hinweist, die mit einem recht großen Teile der europäischen Menschheit geschehen sind.
[ 3 ] Versuchen wir einmal, in eine Menschenseele hineinzuschauen, die sich vor diesem Zeitpunkt in jene Kultur hineingelebt hatte, die dazumal im Süden von Europa, vielleicht auch in einzelnen Gegenden des Nordens von Afrika zu finden war. Diese Gegenden kommen ja vorzugsweise in Betracht, wenn man das eigentlich maßgebende Geistesleben der damaligen Zeit ins Auge fassen will. Die Seelen der Menschen, die ich hier meine, hatten damals noch ein durchaus unmittelbares Bewußtsein davon, daß die menschlichen Gedanken nicht etwa im Kopfe ausgearbeitet werden, sondern etwas Geoffenbartes sind, sei es dem einzelnen Menschen, sei es, daß der Mensch, der selber nicht zu solcher Offenbarung imstande war, durch Mitteilung auf Vertrauen hin eine solche Offenbarung von anderen Menschen mittelbar erhalten konnte. Das heute seelisch maßgebende Gefühl bei dem Studierten und bei dem Nichtstudierten, daß Gedanken etwas sind, was man in seinem Kopfe sich selber erarbeitet, hatte man damals nicht. Man stand eigentlich gerade am Übergange. In Vorderasien drüben beschäftigten sich die hervorragendsten geistigen Persönlichkeiten mit der Frage, wie die Gedanken aus einem geistigen Reiche zu den Menschen kämen. Im Süden von Europa, im Norden von Afrika fing man eben an zu zweifeln, daß der Mensch die Fähigkeit habe, die Gedankenoffenbarungen zu empfangen. Es muß aber durchaus festgehalten werden, daß diese Zweifel erst ganz leise vorhanden waren und daß dasGefühl noch überwiegend war: Wenn ich einen Gedanken habe, so hat ein Gott ihn mir eingegeben, mag das auch indirekt sein, mag er mir durch menschliche Vererbung übermittelt sein, durch Tradition, nicht durch natürliche Vererbung. Hereinkommen in die irdische Entwickelung kann der Gedanke nur als ein geoffenbarter.
[ 3 ] Versuchen wir einmal, in eine Menschenseele hineinzuschauen, die sich vor diesem Zeitpunkt in jene Kultur hineingelebt hatte, die dazumal im Süden von Europa, vielleicht auch in einzelnen Gegenden des Nordens von Afrika zu finden war. Diese Gegenden kommen ja vorzugsweise in Betracht, wenn man das eigentlich maßgebende Geistesleben der damaligen Zeit ins Auge fassen will. Die Seelen der Menschen, die ich hier meine, hatten damals noch ein durchaus unmittelbares Bewußtsein davon, daß die menschlichen Gedanken nicht etwa im Kopfe ausgearbeitet werden, sondern etwas Geoffenbartes sind, sei es dem einzelnen Menschen, sei es, daß der Mensch, der selber nicht zu solcher Offenbarung imstande war, durch Mitteilung auf Vertrauen hin eine solche Offenbarung von anderen Menschen mittelbar erhalten konnte. Das heute seelisch maßgebende Gefühl bei dem Studierten und bei dem Nichtstudierten, daß Gedanken etwas sind, was man in seinem Kopfe sich selber erarbeitet, hatte man damals nicht. Man stand eigentlich gerade am Übergange. In Vorderasien drüben beschäftigten sich die hervorragendsten geistigen Persönlichkeiten mit der Frage, wie die Gedanken aus einem geistigen Reiche zu den Menschen kämen. Im Süden von Europa, im Norden von Afrika fing man eben an zu zweifeln, daß der Mensch die Fähigkeit habe, die Gedankenoffenbarungen zu empfangen. Es muß aber durchaus festgehalten werden, daß diese Zweifel erst ganz leise vorhanden waren und daß dasGefühl noch überwiegend war: Wenn ich einen Gedanken habe, so hat ein Gott ihn mir eingegeben, mag das auch indirekt sein, mag er mir durch menschliche Vererbung übermittelt sein, durch Tradition, nicht durch natürliche Vererbung. Hereinkommen in die irdische Entwickelung kann der Gedanke nur als ein geoffenbarter.
[ 4 ] Die ersten Teilnehmer am abendländischen Geistesleben, die nach dieser Richtung hin starke Zweifel hatten, waren Menschen, die aus den nördlichen Völkern in die südlichen Kulturen hineingekommen waren. Sie waren aus germanisch-keltischem Blute und vom Norden mit den verschiedenen Völkerwanderungsströmen nach dem Süden gelangt. Sie wären vielleicht aus ihrer eigenen Wesensart heraus schon dazugekommen zu sagen: Gedanken sind etwas, das wir erarbeiten. Dieses Gefühl wurde aber gedämpft durch alles das, was man als griechisch-lateinische, als morgenländische Kultur vorfand. Die Kulturen waren bis in das vierte Jahrhundert hinein in einer ganz außerordentlichen Mischung, alle möglichen Faktoren spielten da hinein. Aber das jedenfalls empfand man beim Wandern nach dem Süden stark, daß man hineinerzogen wurde in die Anschauung: Gedanken können nur dadurch von den Menschen gefaßt werden, daß sie aus einer übersinnlichen Welt in die sinnliche hereingezogen werden.
[ 4 ] Die ersten Teilnehmer am abendländischen Geistesleben, die nach dieser Richtung hin starke Zweifel hatten, waren Menschen, die aus den nördlichen Völkern in die südlichen Kulturen hineingekommen waren. Sie waren aus germanisch-keltischem Blute und vom Norden mit den verschiedenen Völkerwanderungsströmen nach dem Süden gelangt. Sie wären vielleicht aus ihrer eigenen Wesensart heraus schon dazugekommen zu sagen: Gedanken sind etwas, das wir erarbeiten. Dieses Gefühl wurde aber gedämpft durch alles das, was man als griechisch-lateinische, als morgenländische Kultur vorfand. Die Kulturen waren bis in das vierte Jahrhundert hinein in einer ganz außerordentlichen Mischung, alle möglichen Faktoren spielten da hinein. Aber das jedenfalls empfand man beim Wandern nach dem Süden stark, daß man hineinerzogen wurde in die Anschauung: Gedanken können nur dadurch von den Menschen gefaßt werden, daß sie aus einer übersinnlichen Welt in die sinnliche hereingezogen werden.
[ 5 ] Wir haben ja nur eine äußerliche Geschichte, keine Gefühls- und Gedankengeschichte, keine Seelengeschichte. Daher wird man nicht aufmerksam darauf gemacht, wie die Seelenverfassung in den aufeinanderfolgenden Jahrhunderten in der Menschheit eine ganz andere geworden ist. Es ist ungeheuer, wie stark der Umschwung im inneren menschlichen Empfinden gerade im vierten nachchristlichen Jahrhundert war. Es war damals etwas da, was zum allerersten Mal den Menschen über den Ursprung der Gedankenwelt nachdenken ließ, so daß das, was vorher eine Selbstverständlichkeit war — daß die Gedanken geoffenbart waren —, allmählich zu etwas wurde, was einer Theorie bedurfte, um eingesehen zu werden. Aber daß der Mensch aus sich selber heraus die Gedankenwelt erarbeiten könne, war für diese Seelen noch durchaus keine irgendwie überzeugende Tatsache.
[ 5 ] Wir haben ja nur eine äußerliche Geschichte, keine Gefühls- und Gedankengeschichte, keine Seelengeschichte. Daher wird man nicht aufmerksam darauf gemacht, wie die Seelenverfassung in den aufeinanderfolgenden Jahrhunderten in der Menschheit eine ganz andere geworden ist. Es ist ungeheuer, wie stark der Umschwung im inneren menschlichen Empfinden gerade im vierten nachchristlichen Jahrhundert war. Es war damals etwas da, was zum allerersten Mal den Menschen über den Ursprung der Gedankenwelt nachdenken ließ, so daß das, was vorher eine Selbstverständlichkeit war — daß die Gedanken geoffenbart waren —, allmählich zu etwas wurde, was einer Theorie bedurfte, um eingesehen zu werden. Aber daß der Mensch aus sich selber heraus die Gedankenwelt erarbeiten könne, war für diese Seelen noch durchaus keine irgendwie überzeugende Tatsache.
[ 6 ] Bedenken Sie, welch großer Unterschied gerade in dieser Beziehung zwischen den Seelen der heutigen Zeit und den damaligen vorhanden ist. Ich spreche immer nur von einer Anzahl von Seelen. Was ich Ihnen schildere, war natürlich in den verschiedensten Nuancen vorhanden. Bei einem Teile der Menschheit war es so, wie ich es Ihnen jetzt schildere; bei einem anderen war ein noch unbesieglich starker, intensiver Glaube vorhanden, daß sich geistig-seelisches Wesen in ihrem Organismus niederlasse und die Gedanken vermittle. Es war gewissermaßen eine Art Elite der Menschheit, welche die Gedanken dazumal so faßte, daß die Frage entstehen konnte: Woher hat man die Gedanken? — Den anderen waren Gedanken etwas ganz selbstverständlich Eingegebenes.
[ 6 ] Bedenken Sie, welch großer Unterschied gerade in dieser Beziehung zwischen den Seelen der heutigen Zeit und den damaligen vorhanden ist. Ich spreche immer nur von einer Anzahl von Seelen. Was ich Ihnen schildere, war natürlich in den verschiedensten Nuancen vorhanden. Bei einem Teile der Menschheit war es so, wie ich es Ihnen jetzt schildere; bei einem anderen war ein noch unbesieglich starker, intensiver Glaube vorhanden, daß sich geistig-seelisches Wesen in ihrem Organismus niederlasse und die Gedanken vermittle. Es war gewissermaßen eine Art Elite der Menschheit, welche die Gedanken dazumal so faßte, daß die Frage entstehen konnte: Woher hat man die Gedanken? — Den anderen waren Gedanken etwas ganz selbstverständlich Eingegebenes.
[ 7 ] Nun nehmen Sie diejenigen Seelen, die nach dem Jahre 333 — wie gesagt approximativ — geboren worden sind. Diese Seelen konnten sich über den Ursprung des Gedankens nicht mehr aus einem natürlichen Gefühl heraus einen selbstverständlichen Aufschluß verschaffen. Die folgende Zeit war daher bei den Theoretikern, den Philosophen, den philosophischen Theologen ein Ringen danach, welche Bedeutung in der Welt eigentlich die Gedanken haben. Es kamen die Zeiten, in denen man über den Nominalismus und den Realismus stritt. Nominalisten waren im Mittelalter diejenigen, welche sagten: Die Gedanken leben eigentlich nur in der menschlichen Individualität, sind nur eine Zusammenfassung dessen, was draußen in der Welt und in den einzelnen Individuen vorhanden ist. — Realisten waren diejenigen, welche, ich möchte sagen, noch eine starke Erinnerung hatten an jene alten Zeiten, in denen die Menschen die Gedanken als etwas Substantielles, als substantiell sich Offenbarendes nahmen. Sie nahmen den Gedanken so, daß sie sich sagten: Nicht ich bin es, der den Gedanken denkt, nicht ich bin es, der alle Hunde zusammenfaßt in den allgemeinen Gedanken «Hund», sondern es gibt in Realität einen solchen Gedanken, der sich aus einer geistigen Welt heraus dem Menschen offenbart, wie sich für die Sinne die Farbe oder der Ton offenbart. — Aber es war ein Ringen danach, den Gedanken, der sich gewissermaßen nun wie ein selbständiges Gut in der Menschenseele niedergelassen hatte, in der richtigen Weise zu verstehen. Gerade von diesem Gesichtspunkte aus ist es außerordentlich interessant, sich in die Geistesgeschichte des Mittelalters zu vertiefen.
[ 7 ] Nun nehmen Sie diejenigen Seelen, die nach dem Jahre 333 — wie gesagt approximativ — geboren worden sind. Diese Seelen konnten sich über den Ursprung des Gedankens nicht mehr aus einem natürlichen Gefühl heraus einen selbstverständlichen Aufschluß verschaffen. Die folgende Zeit war daher bei den Theoretikern, den Philosophen, den philosophischen Theologen ein Ringen danach, welche Bedeutung in der Welt eigentlich die Gedanken haben. Es kamen die Zeiten, in denen man über den Nominalismus und den Realismus stritt. Nominalisten waren im Mittelalter diejenigen, welche sagten: Die Gedanken leben eigentlich nur in der menschlichen Individualität, sind nur eine Zusammenfassung dessen, was draußen in der Welt und in den einzelnen Individuen vorhanden ist. — Realisten waren diejenigen, welche, ich möchte sagen, noch eine starke Erinnerung hatten an jene alten Zeiten, in denen die Menschen die Gedanken als etwas Substantielles, als substantiell sich Offenbarendes nahmen. Sie nahmen den Gedanken so, daß sie sich sagten: Nicht ich bin es, der den Gedanken denkt, nicht ich bin es, der alle Hunde zusammenfaßt in den allgemeinen Gedanken «Hund», sondern es gibt in Realität einen solchen Gedanken, der sich aus einer geistigen Welt heraus dem Menschen offenbart, wie sich für die Sinne die Farbe oder der Ton offenbart. — Aber es war ein Ringen danach, den Gedanken, der sich gewissermaßen nun wie ein selbständiges Gut in der Menschenseele niedergelassen hatte, in der richtigen Weise zu verstehen. Gerade von diesem Gesichtspunkte aus ist es außerordentlich interessant, sich in die Geistesgeschichte des Mittelalters zu vertiefen.
[ 8 ] Je mehr wir uns dem fünfzehnten Jahrhundert nähern, desto mehr zeigt sich uns, wie die Menschen intensiv ringen, mit demjenigen zurechtzukommen, was sich durch das Denken in der menschlichen Natur offenbart. Vor dem Jahre 333 hatten die Menschen das Gefühl: Es ist wie ein Weben eines Göttlichen, das die Erde umspült, geradeso, wie im Physischen die Atmosphäre die Erde umspült, und bei diesem Umspülen bleiben im Menschen als Offenbarung Wesenheiten, die Gedanken, zurück. Es sind gewissermaßen die Spuren der die Erde umgebenden göttlichen Welt, die eingegraben werden in den Menschen als Gedanken. — Während bei den Seelen, die vor dem Jahre 333 so dachten, gerade durch die Gedankenwelt eine Empfindung des Zusammenhanges mit der geistigen Welt vorhanden war, sehen wir das Mittelalter von Tragik durchzogen, weil die Menschen versuchten, die Gedanken noch irgendwie an ein Göttlich-Geistiges anzubinden.
[ 8 ] Je mehr wir uns dem fünfzehnten Jahrhundert nähern, desto mehr zeigt sich uns, wie die Menschen intensiv ringen, mit demjenigen zurechtzukommen, was sich durch das Denken in der menschlichen Natur offenbart. Vor dem Jahre 333 hatten die Menschen das Gefühl: Es ist wie ein Weben eines Göttlichen, das die Erde umspült, geradeso, wie im Physischen die Atmosphäre die Erde umspült, und bei diesem Umspülen bleiben im Menschen als Offenbarung Wesenheiten, die Gedanken, zurück. Es sind gewissermaßen die Spuren der die Erde umgebenden göttlichen Welt, die eingegraben werden in den Menschen als Gedanken. — Während bei den Seelen, die vor dem Jahre 333 so dachten, gerade durch die Gedankenwelt eine Empfindung des Zusammenhanges mit der geistigen Welt vorhanden war, sehen wir das Mittelalter von Tragik durchzogen, weil die Menschen versuchten, die Gedanken noch irgendwie an ein Göttlich-Geistiges anzubinden.
[ 9 ] Warum war denn bei jenen Seelen, die bis in das fünfzehnte Jahrhundert hinein, wenn ich so sagen darf, über die Gedanken dachten, ein so reges Streben vorhanden, den Gedanken an ein Göttlich-Geistiges im Weltall anzubinden? Darum, weil diese Seelen alle einen inneren Impuls in sich fühlten, den sie nicht mit klaren Begriffen ausdrücken konnten, der aber als ganz deutliches Seelenerlebnis in ihnen war. Dieser Impuls kam davon her, daß alle Seelen, welche als führende Seelen der Menschheit vom vierten bis ins vierzehnte Jahrhundert geboren worden waren, wiederverkörperte Seelen waren aus der Zeit, die verhältnismäßig mehr oder weniger weit hinter dem Jahre 333 zurücklag, und daß sich lebendig stritten über die Realität oder über das bloß Nominalistische der Begriffe solche, welche Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha gewesen waren.
[ 9 ] Warum war denn bei jenen Seelen, die bis in das fünfzehnte Jahrhundert hinein, wenn ich so sagen darf, über die Gedanken dachten, ein so reges Streben vorhanden, den Gedanken an ein Göttlich-Geistiges im Weltall anzubinden? Darum, weil diese Seelen alle einen inneren Impuls in sich fühlten, den sie nicht mit klaren Begriffen ausdrücken konnten, der aber als ganz deutliches Seelenerlebnis in ihnen war. Dieser Impuls kam davon her, daß alle Seelen, welche als führende Seelen der Menschheit vom vierten bis ins vierzehnte Jahrhundert geboren worden waren, wiederverkörperte Seelen waren aus der Zeit, die verhältnismäßig mehr oder weniger weit hinter dem Jahre 333 zurücklag, und daß sich lebendig stritten über die Realität oder über das bloß Nominalistische der Begriffe solche, welche Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha gewesen waren.
[ 10 ] Das Mysterium von Golgatha hat sich ja in einer gewissen Einsamkeit in Vorderasien drüben zugetragen; was sich aber in Vorderasien zugetragen hat, ist nur das Äußere eines Ereignisses, das sich allerdings in der physischen Welt als ein geistiges Ereignis abgespielt hat. Da ist etwas vorgegangen in den Seelen, die eine gewisse Reife erlangt hatten. Wenn wir aber die eigentlichen Streiter um die Realität oder Irrealität der Gedanken ins Auge fassen, so sind es Seelen, die wiederverkörpert waren aus den ersten drei nachchristlichen Jahrhunderten. Im wesentlichen bestand aber die damalige zivilisierte Menschheit aus Seelen, die vor dem Mysterium von Golgatha verkörpert gewesen waren. Aus der damals durchaus vorhandenen Verbindung zwischen der Menschenseele und der göttlich-geistigen Welt, die sich dadurch ausdrückte, daß man die Gedanken ganz selbstverständlich als geoffenbarte hinnahm, aus diesem Erlebnis, das die im Mittelalter lebenden Seelen vor vielen Jahrhunderten in einem früheren Erdenleben gehabt hatten, bildete sich der Impuls heraus, um die Realität oder Irrealität der Gedankenwelt zu streiten.
[ 10 ] Das Mysterium von Golgatha hat sich ja in einer gewissen Einsamkeit in Vorderasien drüben zugetragen; was sich aber in Vorderasien zugetragen hat, ist nur das Äußere eines Ereignisses, das sich allerdings in der physischen Welt als ein geistiges Ereignis abgespielt hat. Da ist etwas vorgegangen in den Seelen, die eine gewisse Reife erlangt hatten. Wenn wir aber die eigentlichen Streiter um die Realität oder Irrealität der Gedanken ins Auge fassen, so sind es Seelen, die wiederverkörpert waren aus den ersten drei nachchristlichen Jahrhunderten. Im wesentlichen bestand aber die damalige zivilisierte Menschheit aus Seelen, die vor dem Mysterium von Golgatha verkörpert gewesen waren. Aus der damals durchaus vorhandenen Verbindung zwischen der Menschenseele und der göttlich-geistigen Welt, die sich dadurch ausdrückte, daß man die Gedanken ganz selbstverständlich als geoffenbarte hinnahm, aus diesem Erlebnis, das die im Mittelalter lebenden Seelen vor vielen Jahrhunderten in einem früheren Erdenleben gehabt hatten, bildete sich der Impuls heraus, um die Realität oder Irrealität der Gedankenwelt zu streiten.
[ 11 ] Was ist es denn, was man gerade an der Schwelle der neueren Zeit im dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten Jahrhundert als die Hochscholastik bezeichnet? Was ist es, was diese Hochscholastiker innerlich beseelte? Es ist die Tatsache, daß ein Entscheidendes in der Menschheitsentwickelung herbeigekommen ist, das nicht ausgesprochen, aber gefühlt wurde von diesen hervorragenden Seelen der eben gekennzeichneten Zeit. Es war ihnen, als ob die Götter das Gebiet der menschlichen Gedankenwelt verlassen hätten, als ob die Menschen nur noch ausgepreßte Gedanken hätten. Und wenn wir in die Seelen, die vom fünfzehnten Jahrhundert an gelebt haben, hineinschauen, so sehen wir, daß es solche waren, die in ihrem früheren Erdenleben nicht lange nach dem Jahre 333 gelebt haben, und bis ins achte, neunte nachchristliche Jahrhundert hatte wenigstens die lehrende Menschheit durchaus noch ein Gefühl dafür, daß der menschliche Gedanke gottgegeben ist. Den Menschen aber, welche in ihrem vorhergegangenen Erdenleben die Gedankenwelt schon ganz als etwas Gottverlassenes fühlten — es ist selbstverständlich wiederum nur ein Teil der Menschheit —, ihnen war es aufbehalten, um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts geboren zu werden. Wenn wir also nicht bloß auf das äußere Schicksal, sondern auch auf das innere Schicksal der Menschenseele sehen, dann müssen wir absehen von dem, was von unserer Kindheit an aus den Tiefen, aus den Untergründen der menschlichen Seele herauf will. Wir müssen auf die Zeit hinblicken, wo jene Seelen verkörpert waren, die nicht mehr von Lehrern haben hören können, daß die Gedanken gottdurchwallte, gottdurchwirkte Wesenheiten seien. Es entstand dadurch dieses innere Gefühl, als ob man die Gedanken fliehen müsse, als ob man etwas viel Wärmeres, viel Substanzdurchtränkteres haben müsse als die Gedanken. Es entstand dieses Gefühl dadurch, daß einem schon in der vorigen Inkarnation der göttliche Charakter der Gedanken im höchsten Grade zweifelhaft geworden oder ganz verlorengegangen war. Man erlebte als Tragik dasjenige, was so aus dem vorigen Erdenleben in das jetzige hineinleuchtet, am allerstärksten um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts. Aus der göttlich-geistigen Welt heraus Gedanken zu empfangen, war dem Menschen schon verlorengegangen seit dem ersten Drittel des fünfzehnten Jahrhunderts. Weil man aus der göttlich-geistigen Welt heraus keine Gedanken mehr erhalten konnte, griff man die Gedanken auf aus der äußeren Beobachtung. Diese und die Experimentierkunst erreichten eine solche Größe, weil an die Stelle des inneren Konzipierens das Aufklauben aus der äußeren Sinneswelt trat. Aber im weltgeschichtlichen Werden tritt nicht gleich dasjenige zutage, was nicht von äußeren Umständen abhängig ist. Denn wenn man auch schon seit dem fünfzehnten Jahrhundert die Fähigkeit verloren hatte, Gedanken von innen heraus zu konzipieren, Gedanken aus der göttlich-geistigen Welt geoffenbart zu erhalten, so waren doch diejenigen Seelen noch nicht da, welche die ganze Tragik dieses Verlassenseins von der Gedankenoffenbarung hätten empfinden können. Bei den Seelen, die noch vor dem sechsten, siebenten nachchristlichen Jahrhundert, namentlich vor dem vierten nachchristlichen Jahrhundert ihr voriges Erdenleben zugebracht haben, lebte noch im Gefühl etwas, was sich so aussprechen ließe: Wir müssen zugeben, daß wir die Gedanken von der Außenwelt empfangen; dennoch sagt uns unsere Seele, daß selbst die Gedanken, die wir von der Außenwelt empfangen, gottgegeben sind. Wir wissen nicht mehr, wie man sie als solche erlebt, aber unser Inneres sagt uns, daß sie gottgegeben sind.
[ 11 ] Was ist es denn, was man gerade an der Schwelle der neueren Zeit im dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten Jahrhundert als die Hochscholastik bezeichnet? Was ist es, was diese Hochscholastiker innerlich beseelte? Es ist die Tatsache, daß ein Entscheidendes in der Menschheitsentwickelung herbeigekommen ist, das nicht ausgesprochen, aber gefühlt wurde von diesen hervorragenden Seelen der eben gekennzeichneten Zeit. Es war ihnen, als ob die Götter das Gebiet der menschlichen Gedankenwelt verlassen hätten, als ob die Menschen nur noch ausgepreßte Gedanken hätten. Und wenn wir in die Seelen, die vom fünfzehnten Jahrhundert an gelebt haben, hineinschauen, so sehen wir, daß es solche waren, die in ihrem früheren Erdenleben nicht lange nach dem Jahre 333 gelebt haben, und bis ins achte, neunte nachchristliche Jahrhundert hatte wenigstens die lehrende Menschheit durchaus noch ein Gefühl dafür, daß der menschliche Gedanke gottgegeben ist. Den Menschen aber, welche in ihrem vorhergegangenen Erdenleben die Gedankenwelt schon ganz als etwas Gottverlassenes fühlten — es ist selbstverständlich wiederum nur ein Teil der Menschheit —, ihnen war es aufbehalten, um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts geboren zu werden. Wenn wir also nicht bloß auf das äußere Schicksal, sondern auch auf das innere Schicksal der Menschenseele sehen, dann müssen wir absehen von dem, was von unserer Kindheit an aus den Tiefen, aus den Untergründen der menschlichen Seele herauf will. Wir müssen auf die Zeit hinblicken, wo jene Seelen verkörpert waren, die nicht mehr von Lehrern haben hören können, daß die Gedanken gottdurchwallte, gottdurchwirkte Wesenheiten seien. Es entstand dadurch dieses innere Gefühl, als ob man die Gedanken fliehen müsse, als ob man etwas viel Wärmeres, viel Substanzdurchtränkteres haben müsse als die Gedanken. Es entstand dieses Gefühl dadurch, daß einem schon in der vorigen Inkarnation der göttliche Charakter der Gedanken im höchsten Grade zweifelhaft geworden oder ganz verlorengegangen war. Man erlebte als Tragik dasjenige, was so aus dem vorigen Erdenleben in das jetzige hineinleuchtet, am allerstärksten um die Wende des neunzehnten, zwanzigsten Jahrhunderts. Aus der göttlich-geistigen Welt heraus Gedanken zu empfangen, war dem Menschen schon verlorengegangen seit dem ersten Drittel des fünfzehnten Jahrhunderts. Weil man aus der göttlich-geistigen Welt heraus keine Gedanken mehr erhalten konnte, griff man die Gedanken auf aus der äußeren Beobachtung. Diese und die Experimentierkunst erreichten eine solche Größe, weil an die Stelle des inneren Konzipierens das Aufklauben aus der äußeren Sinneswelt trat. Aber im weltgeschichtlichen Werden tritt nicht gleich dasjenige zutage, was nicht von äußeren Umständen abhängig ist. Denn wenn man auch schon seit dem fünfzehnten Jahrhundert die Fähigkeit verloren hatte, Gedanken von innen heraus zu konzipieren, Gedanken aus der göttlich-geistigen Welt geoffenbart zu erhalten, so waren doch diejenigen Seelen noch nicht da, welche die ganze Tragik dieses Verlassenseins von der Gedankenoffenbarung hätten empfinden können. Bei den Seelen, die noch vor dem sechsten, siebenten nachchristlichen Jahrhundert, namentlich vor dem vierten nachchristlichen Jahrhundert ihr voriges Erdenleben zugebracht haben, lebte noch im Gefühl etwas, was sich so aussprechen ließe: Wir müssen zugeben, daß wir die Gedanken von der Außenwelt empfangen; dennoch sagt uns unsere Seele, daß selbst die Gedanken, die wir von der Außenwelt empfangen, gottgegeben sind. Wir wissen nicht mehr, wie man sie als solche erlebt, aber unser Inneres sagt uns, daß sie gottgegeben sind.
[ 12 ] Ein ganz hervorleuchtender Geist mit einer solchen Seelenverfassung war Johannes Kepler. Kepler war ebensosehr Naturforscher der früheren wie der späteren Zeit. Er entnahm die Gedanken der äußeren Beobachtung, hatte aber in seinem inneren Erleben durchaus noch das Gefühl, daß göttliche Wesen dabei sind, wenn der Mensch aus der Natur heraus die Gedanken empfängt. Kepler fühlte sich ja im Grunde genommen wie ein halber Eingeweihter, und wie etwas Selbstverständliches wurde der in Abstraktion von ihm erfaßte Bau des Weltengebäudes von ihm künstlerisch durchempfunden.
[ 12 ] Ein ganz hervorleuchtender Geist mit einer solchen Seelenverfassung war Johannes Kepler. Kepler war ebensosehr Naturforscher der früheren wie der späteren Zeit. Er entnahm die Gedanken der äußeren Beobachtung, hatte aber in seinem inneren Erleben durchaus noch das Gefühl, daß göttliche Wesen dabei sind, wenn der Mensch aus der Natur heraus die Gedanken empfängt. Kepler fühlte sich ja im Grunde genommen wie ein halber Eingeweihter, und wie etwas Selbstverständliches wurde der in Abstraktion von ihm erfaßte Bau des Weltengebäudes von ihm künstlerisch durchempfunden.
[ 13 ] Es ist wissenschaftlich außerordentlich wertvoll, sich in den durch Kepler bewirkten Fortschritt der menschlichen Gedankenwelt zu vertiefen, Menschlich stärker wird man jedoch ergriffen, wenn man sich in Keplers Seelenleben vertieft. Ein solches Seelenleben war eigentlich in der späteren Zeit in dieser Intensität und Innerlichkeit bei keinem Naturforscher mehr vorhanden, vor allem bei keinem maßgebenden Lehrer des größeren Teils der Menschheit. In der Zeit zwischen dem fünfzehnten und dem neunzehnten Jahrhundert ging eben das Gefühl ganz verloren, daß in der menschlichen Seele durch den Gedanken eine Verbindung mit dem Göttlich-Geistigen gegeben ist.
[ 13 ] Es ist wissenschaftlich außerordentlich wertvoll, sich in den durch Kepler bewirkten Fortschritt der menschlichen Gedankenwelt zu vertiefen, Menschlich stärker wird man jedoch ergriffen, wenn man sich in Keplers Seelenleben vertieft. Ein solches Seelenleben war eigentlich in der späteren Zeit in dieser Intensität und Innerlichkeit bei keinem Naturforscher mehr vorhanden, vor allem bei keinem maßgebenden Lehrer des größeren Teils der Menschheit. In der Zeit zwischen dem fünfzehnten und dem neunzehnten Jahrhundert ging eben das Gefühl ganz verloren, daß in der menschlichen Seele durch den Gedanken eine Verbindung mit dem Göttlich-Geistigen gegeben ist.
[ 14 ] Wer nicht bloß grobklotzig die Zeitenfolgen studiert, indem er das Inhaltliche aufnimmt, sondern wer etwas empfinden kann an der Zeitenfolge, dem offenbart sich etwas ganz Merkwürdiges. Ich will gar nicht davon sprechen, daß die besondere Art, über die Natur zu denken, die bei Goethe vorhanden war, für die Wissenschaft der folgenden Zeit zunächst eine Unmöglichkeit geworden ist. Ich meine für die äußere Wissenschaft der folgenden Zeit, weil diese Wissenschaft gar nicht wußte, worauf die Differenz zwischen Goethe und ihr selbst beruhte. Aber davon will ich gar nicht sprechen. Sie brauchen nur naturwissenschaftliche Bücher aus dem ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts in die Hand zu nehmen, die in gewissem Sinne tonangebend geworden sind für die Begründung der späteren Geistesrichtung, wie etwa Henles oder Burdachs physiologische Werke — letzterer gehört durchaus noch dem ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts an, wenn sein Werk auch etwas später geschrieben ist —, und Sie werden sehen, daß in alledem noch ein anderer Stil herrscht. Es ist noch etwas von Geist da, der unmittelbar aus der Seele quillt, wenn zum Beispiel von Embryonen oder vom Bau des menschlichen Gehirns gesprochen wird. Es ist noch etwas da, was bei den Späteren ganz und gar verlorengegangen ist.
[ 14 ] Wer nicht bloß grobklotzig die Zeitenfolgen studiert, indem er das Inhaltliche aufnimmt, sondern wer etwas empfinden kann an der Zeitenfolge, dem offenbart sich etwas ganz Merkwürdiges. Ich will gar nicht davon sprechen, daß die besondere Art, über die Natur zu denken, die bei Goethe vorhanden war, für die Wissenschaft der folgenden Zeit zunächst eine Unmöglichkeit geworden ist. Ich meine für die äußere Wissenschaft der folgenden Zeit, weil diese Wissenschaft gar nicht wußte, worauf die Differenz zwischen Goethe und ihr selbst beruhte. Aber davon will ich gar nicht sprechen. Sie brauchen nur naturwissenschaftliche Bücher aus dem ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts in die Hand zu nehmen, die in gewissem Sinne tonangebend geworden sind für die Begründung der späteren Geistesrichtung, wie etwa Henles oder Burdachs physiologische Werke — letzterer gehört durchaus noch dem ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts an, wenn sein Werk auch etwas später geschrieben ist —, und Sie werden sehen, daß in alledem noch ein anderer Stil herrscht. Es ist noch etwas von Geist da, der unmittelbar aus der Seele quillt, wenn zum Beispiel von Embryonen oder vom Bau des menschlichen Gehirns gesprochen wird. Es ist noch etwas da, was bei den Späteren ganz und gar verlorengegangen ist.
[ 15 ] Hier ist es außerordentlich bedeutsam, an eine Persönlichkeit zu erinnern, die im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts noch gewirkt hat, aber bereits dem Austreiben des geistigen Lebens aus der Wissenschaft unterlegen war, in deren Seele aber dennoch dieses Geistesleben vorhanden war — ich meine den Anatomen Hyrtl, der nur noch zum geringsten Teile dem letzten Drittel, hauptsächlich dem zweiten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts angehört. Versuchen Sie einmal, Hyrtls Anatomiebücher auf sich wirken zu lassen. Sie sind schon im Stile der späteren Anatomen geschrieben, aber man sieht, daß Hyrtl das schwer wird. Er schreibt Kapitel nach Kapitel und muß sich überall versagen, noch etwas von Seelischem in seine Sätze einfließen zu lassen. Manchmal guckt dieses jedoch aus dem Stile, manchmal sogar aus dem Inhalt der Sätze ein wenig hervor. Aber es ist, wie wenn die eiserne Notwendigkeit bestünde, das aus dem Innern des Menschen aufsteigende Seelisch-Geistige zu tilgen, wenn man über irgendwelches Naturgeschehen schreibt. Man kann sich heute nur schwer vorstellen, was man durchleben kann, wenn man etwa von einem gegenwärtigen Anatomiebuche zurückgreift zu Hyrtl oder Burdach. Man spürt gegenüber dem geringen Grad von Wärme, die im wissenschaftlichen Empfinden des ersten und namentlich des zweiten Drittels des neunzehnten Jahrhunderts entwickelt wird, wie wenn da etwas eingeheizt würde. Gewiß war da die Wissenschaft nicht auf der Höhe. Das ist eine triviale Wahrheit, über die man sich gar nicht weiter auszulassen braucht. Aber ich spreche von dem, was der Mensch an der Wissenschaft erlebt. Und da kann man sagen: An dem inneren Gang, den die Seelen der Wissenschafter nahmen, kann man sehen, was uns Geisteswissenschaft zeigt, nämlich daß am Ende des neunzehnten Jahrhunderts immer mehr Seelen heraufkamen, die eigentlich aus dem früheren Erdenleben den Impuls nicht mehr haben, den Gedanken als ein Göttlich-Geistiges zu empfinden, nicht einmal den Nachklang davon. Die Empfindung für das einzelne vergangene Erdenleben war ja längst verlorengegangen, aber ein Nachklang davon war doch noch lange Zeit vorhanden gewesen.
[ 15 ] Hier ist es außerordentlich bedeutsam, an eine Persönlichkeit zu erinnern, die im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts noch gewirkt hat, aber bereits dem Austreiben des geistigen Lebens aus der Wissenschaft unterlegen war, in deren Seele aber dennoch dieses Geistesleben vorhanden war — ich meine den Anatomen Hyrtl, der nur noch zum geringsten Teile dem letzten Drittel, hauptsächlich dem zweiten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts angehört. Versuchen Sie einmal, Hyrtls Anatomiebücher auf sich wirken zu lassen. Sie sind schon im Stile der späteren Anatomen geschrieben, aber man sieht, daß Hyrtl das schwer wird. Er schreibt Kapitel nach Kapitel und muß sich überall versagen, noch etwas von Seelischem in seine Sätze einfließen zu lassen. Manchmal guckt dieses jedoch aus dem Stile, manchmal sogar aus dem Inhalt der Sätze ein wenig hervor. Aber es ist, wie wenn die eiserne Notwendigkeit bestünde, das aus dem Innern des Menschen aufsteigende Seelisch-Geistige zu tilgen, wenn man über irgendwelches Naturgeschehen schreibt. Man kann sich heute nur schwer vorstellen, was man durchleben kann, wenn man etwa von einem gegenwärtigen Anatomiebuche zurückgreift zu Hyrtl oder Burdach. Man spürt gegenüber dem geringen Grad von Wärme, die im wissenschaftlichen Empfinden des ersten und namentlich des zweiten Drittels des neunzehnten Jahrhunderts entwickelt wird, wie wenn da etwas eingeheizt würde. Gewiß war da die Wissenschaft nicht auf der Höhe. Das ist eine triviale Wahrheit, über die man sich gar nicht weiter auszulassen braucht. Aber ich spreche von dem, was der Mensch an der Wissenschaft erlebt. Und da kann man sagen: An dem inneren Gang, den die Seelen der Wissenschafter nahmen, kann man sehen, was uns Geisteswissenschaft zeigt, nämlich daß am Ende des neunzehnten Jahrhunderts immer mehr Seelen heraufkamen, die eigentlich aus dem früheren Erdenleben den Impuls nicht mehr haben, den Gedanken als ein Göttlich-Geistiges zu empfinden, nicht einmal den Nachklang davon. Die Empfindung für das einzelne vergangene Erdenleben war ja längst verlorengegangen, aber ein Nachklang davon war doch noch lange Zeit vorhanden gewesen.
[ 16 ] So standen die Seelen, die nun wirklich lebendige Wärme in sich hatten, die nicht ausgetrocknet waren durch das Vorurteil, man müsse in der Wissenschaft in dem Sinne objektiv sein, wie die Wissenschaft es zu definieren pflegt — das, was in der Geisteswissenschaft angestrebt wird, ist ja erst recht objektiv, aber nicht in dem Sinne, wie jene es meinen — und fragten: Was in uns ist denn noch verbunden mit dem Göttlich-Geistigen, von dem wir schon in der vorigen Erdeninkarnation abgerissen worden sind? — Sie fragten sich dies selbstverständlich nicht bewußt, sondern unterbewußt. Es war wirklich schon ein Auftauchen der Empfindung in das Bewußtsein, daß der Mensch seinen Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt verloren hat. Aber auf der andern Seite ist es eben so, daß er ihn nicht verlieren darf, weil er ohne ein Bewußtsein dieses Zusammenhanges, sei es auch noch so dunkel, eigentlich seelisch nicht leben kann. Deshalb entstand so stark die Hinneigung zu jener unbestimmten Sehnsucht nach dem Geiste, und zu gleicher Zeit das Unvermögen, zu diesem Geiste zu kommen.
[ 16 ] So standen die Seelen, die nun wirklich lebendige Wärme in sich hatten, die nicht ausgetrocknet waren durch das Vorurteil, man müsse in der Wissenschaft in dem Sinne objektiv sein, wie die Wissenschaft es zu definieren pflegt — das, was in der Geisteswissenschaft angestrebt wird, ist ja erst recht objektiv, aber nicht in dem Sinne, wie jene es meinen — und fragten: Was in uns ist denn noch verbunden mit dem Göttlich-Geistigen, von dem wir schon in der vorigen Erdeninkarnation abgerissen worden sind? — Sie fragten sich dies selbstverständlich nicht bewußt, sondern unterbewußt. Es war wirklich schon ein Auftauchen der Empfindung in das Bewußtsein, daß der Mensch seinen Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt verloren hat. Aber auf der andern Seite ist es eben so, daß er ihn nicht verlieren darf, weil er ohne ein Bewußtsein dieses Zusammenhanges, sei es auch noch so dunkel, eigentlich seelisch nicht leben kann. Deshalb entstand so stark die Hinneigung zu jener unbestimmten Sehnsucht nach dem Geiste, und zu gleicher Zeit das Unvermögen, zu diesem Geiste zu kommen.
[ 17 ] Das charakterisiert gerade die heranwachsende Generation von der Wende des neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert, auch von dem Beginne des zwanzigsten Jahrhunderts, daß sie gewissermaßen die Frage an die älteren Generationen stellte: Gibt es denn überhaupt die Möglichkeit, in demjenigen, was einem im Erdendasein als Umgebung entgegentritt, noch ein Geistiges zu entdecken? — Und die Führer, die von der Jugend eigentlich unbewußt gefragt wurden: Wie finden wir in der Natur, wie finden wir im Menschenleben selbst das Geistige? diese Führer lehnten es als unwissenschaftlich ab, in die Betrachtung der Natur und selbst in die Betrachtung des Menschenlebens Geist hineinzubringen.
[ 17 ] Das charakterisiert gerade die heranwachsende Generation von der Wende des neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert, auch von dem Beginne des zwanzigsten Jahrhunderts, daß sie gewissermaßen die Frage an die älteren Generationen stellte: Gibt es denn überhaupt die Möglichkeit, in demjenigen, was einem im Erdendasein als Umgebung entgegentritt, noch ein Geistiges zu entdecken? — Und die Führer, die von der Jugend eigentlich unbewußt gefragt wurden: Wie finden wir in der Natur, wie finden wir im Menschenleben selbst das Geistige? diese Führer lehnten es als unwissenschaftlich ab, in die Betrachtung der Natur und selbst in die Betrachtung des Menschenlebens Geist hineinzubringen.
[ 18 ] In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ist ja das Ungeheuerliche geschehen, daß das Schlagwort aufkommen konnte: Psychologie, Seelenkunde ohne Seele. Ich lege keinen großen Wert darauf, daß einzelne Philosophen gesagt haben, man brauche eine Seelenkunde ohne Seele. Was die Philosophen sagen, das wirkt nicht so sehr, aber es ist ein Symptom für dasjenige, was in den weitesten Kreisen als Empfindung figuriert und wonach die Jungen in der Welt behandelt werden. Gewiß haben nur wenige Philosophen ausgesprochen: Wir brauchen eine Psychologie ohne Seele. — Aber das ganze Zeitalter sagt: Wir Älteren wollen euch Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Anthropologie, ja selbst eine Geschichte lehren, die vor euch hintritt, als wenn es höchstens seelische Erlebnisse gäbe, aber nicht eine Menschenseele.—So mußte die ganze Welt, insofern man sie wissenschaftlich betrachtete, eigentlich als seelenlos empfunden werden. Und die Seelen, die als erste aus dem vorigen Erdenleben diese Tragik der Empfindung der Seelenlosigkeit mitbrachten, mußten am stärksten fragen: Wo finden wir wiederum eine Erfüllung der Seele mit dem Geiste? — Bei dem aber, was von dem Zeitalter am meisten geschätzt wurde, in anderer Beziehung mit Recht am meisten geschätzt wurde, fanden sie am allerwenigsten Auskunft.
[ 18 ] In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ist ja das Ungeheuerliche geschehen, daß das Schlagwort aufkommen konnte: Psychologie, Seelenkunde ohne Seele. Ich lege keinen großen Wert darauf, daß einzelne Philosophen gesagt haben, man brauche eine Seelenkunde ohne Seele. Was die Philosophen sagen, das wirkt nicht so sehr, aber es ist ein Symptom für dasjenige, was in den weitesten Kreisen als Empfindung figuriert und wonach die Jungen in der Welt behandelt werden. Gewiß haben nur wenige Philosophen ausgesprochen: Wir brauchen eine Psychologie ohne Seele. — Aber das ganze Zeitalter sagt: Wir Älteren wollen euch Mineralogie, Zoologie, Botanik, Biologie, Anthropologie, ja selbst eine Geschichte lehren, die vor euch hintritt, als wenn es höchstens seelische Erlebnisse gäbe, aber nicht eine Menschenseele.—So mußte die ganze Welt, insofern man sie wissenschaftlich betrachtete, eigentlich als seelenlos empfunden werden. Und die Seelen, die als erste aus dem vorigen Erdenleben diese Tragik der Empfindung der Seelenlosigkeit mitbrachten, mußten am stärksten fragen: Wo finden wir wiederum eine Erfüllung der Seele mit dem Geiste? — Bei dem aber, was von dem Zeitalter am meisten geschätzt wurde, in anderer Beziehung mit Recht am meisten geschätzt wurde, fanden sie am allerwenigsten Auskunft.
[ 19 ] Die Menschen, die im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts so Bücher geschrieben haben, daß man daraus etwas über ihr Seelenleben entnehmen kann, sind natürlich selbst im neunzehnten Jahrhundert die verschwindende Minorität, und ich kann Ihnen die Versicherung geben: im großen und ganzen sind diejenigen, die Bücher geschrieben haben, nicht gerade die Allergescheitesten. Es gibt unter denen, die keine Bücher geschrieben haben, wesentlich Gescheitere als die sind, die dazu kommen, Bücher zu schreiben. Wenn man aber — was durch geisteswissenschaftliche Methoden möglich ist — in diejenigen hineinschaut, die im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts als tiefere Naturen unter den oberflächlichen Naturen, die mit der geistlosen Wissenschaft zufrieden waren, gelebt haben, so findet man ein gewisses Ringen mit tiefen Problemen. Aber die dieses innerliche Leben hatten, wurden sozusagen schon nicht mehr gehört. Sie kamen nicht mehr dazu, mit ihrem Seelenleben irgendwie «führend» zu werden.
[ 19 ] Die Menschen, die im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts so Bücher geschrieben haben, daß man daraus etwas über ihr Seelenleben entnehmen kann, sind natürlich selbst im neunzehnten Jahrhundert die verschwindende Minorität, und ich kann Ihnen die Versicherung geben: im großen und ganzen sind diejenigen, die Bücher geschrieben haben, nicht gerade die Allergescheitesten. Es gibt unter denen, die keine Bücher geschrieben haben, wesentlich Gescheitere als die sind, die dazu kommen, Bücher zu schreiben. Wenn man aber — was durch geisteswissenschaftliche Methoden möglich ist — in diejenigen hineinschaut, die im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts als tiefere Naturen unter den oberflächlichen Naturen, die mit der geistlosen Wissenschaft zufrieden waren, gelebt haben, so findet man ein gewisses Ringen mit tiefen Problemen. Aber die dieses innerliche Leben hatten, wurden sozusagen schon nicht mehr gehört. Sie kamen nicht mehr dazu, mit ihrem Seelenleben irgendwie «führend» zu werden.
[ 20 ] Da waren viele, die herankommen sahen, was das Mikroskop in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mehr und mehr mit sich brachte. Es waren solche Seelen gerade unter denen, die am Geistesleben teilnahmen, aber in dieses nicht wirklich eindrangen, weil sie mit dem geistlosen Geistesleben nicht zurechtkamen. Sie verstummten daher selbst gedanklich vor den Anschauungen der Wissenschaft. Sie erlebten aber in einer tiefen Empfindung die Frage: Wie kann man die mikroskopische Entwickelung mit der makrokosmischen Entwickelung in Zusammenhang bringen? — Immer mehr fanden sie sich vor dieses Gefühlsproblem gestellt.
[ 20 ] Da waren viele, die herankommen sahen, was das Mikroskop in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mehr und mehr mit sich brachte. Es waren solche Seelen gerade unter denen, die am Geistesleben teilnahmen, aber in dieses nicht wirklich eindrangen, weil sie mit dem geistlosen Geistesleben nicht zurechtkamen. Sie verstummten daher selbst gedanklich vor den Anschauungen der Wissenschaft. Sie erlebten aber in einer tiefen Empfindung die Frage: Wie kann man die mikroskopische Entwickelung mit der makrokosmischen Entwickelung in Zusammenhang bringen? — Immer mehr fanden sie sich vor dieses Gefühlsproblem gestellt.
[ 21 ] Dann gab es Menschen, die durch ihre Erziehung mit der geistlos werdenden wissenschaftlichen Tradition mitgingen, die von einer weiteren Ausbildung der Mikroskope immer mehr wissenschaftliche Erfolge erhofften. Aber es gab auch viele tiefer veranlagte Seelen, die der fortschreitenden Ausbildung des Mikroskops und namentlich den Ansichten, welche daraus entstanden, mit unangenehmen Empfindungen gegenüberstanden. Die Hoffnungen der einen gipfelten darin, daß, wenn man immer weiter ins Kleine hineinblicke, man auch das Lebendige immer besser würde schauen können, und andere empfanden dieses ganze Treiben, wie wenn ihnen eigentlich die Welt versinken würde. Ja, es gab durchaus Menschen, die das Mikroskopieren wie ein Ausgesaugtwerden des Seelischen empfanden. Sie werden mir nicht zumuten, in einer mystisch-phantastischen Weise ein Spottlied auf das Mikroskopieren singen zu wollen; das fällt mir gar nicht ein. Ich kenne natürlich die Verdienste des Mikroskops ganz gut und ich denke nicht daran, die Wissenschaft in irgendeinem Punkte zurückschrauben zu wollen. Was ich erzähle, sind aber Tatsachen des Seelenlebens.
[ 21 ] Dann gab es Menschen, die durch ihre Erziehung mit der geistlos werdenden wissenschaftlichen Tradition mitgingen, die von einer weiteren Ausbildung der Mikroskope immer mehr wissenschaftliche Erfolge erhofften. Aber es gab auch viele tiefer veranlagte Seelen, die der fortschreitenden Ausbildung des Mikroskops und namentlich den Ansichten, welche daraus entstanden, mit unangenehmen Empfindungen gegenüberstanden. Die Hoffnungen der einen gipfelten darin, daß, wenn man immer weiter ins Kleine hineinblicke, man auch das Lebendige immer besser würde schauen können, und andere empfanden dieses ganze Treiben, wie wenn ihnen eigentlich die Welt versinken würde. Ja, es gab durchaus Menschen, die das Mikroskopieren wie ein Ausgesaugtwerden des Seelischen empfanden. Sie werden mir nicht zumuten, in einer mystisch-phantastischen Weise ein Spottlied auf das Mikroskopieren singen zu wollen; das fällt mir gar nicht ein. Ich kenne natürlich die Verdienste des Mikroskops ganz gut und ich denke nicht daran, die Wissenschaft in irgendeinem Punkte zurückschrauben zu wollen. Was ich erzähle, sind aber Tatsachen des Seelenlebens.
[ 22 ] Diese vereinzelten Geister wurden immer seltener. Fortlage war noch einer von ihnen, der als Jenenser Professor gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts gelebt hat. Der sagte ungefähr: Man kann immer gründlicher in das Mikroskop hineinschauen und immer Kleineres entdecken; aber in der Kleinheit verliert sich das substantiell Wahre. Wollt ihr das wirklich schauen, was man finden will, wenn man ins Mikroskop hineinschaut, so richtet euren Blick hinaus in den unendlichen Weltenraum. In Wahrheit spricht dasjenige, was ihr da im Kleinen sucht, von den Sternen zu euch herunter. Ihr sprecht sogar von einem Geheimnis des Lebens und sucht es im Kleinen und Kleinsten. Aber im Kleinsten geht das Leben verloren; nicht für dieRealität zwar, aber für die Erkenntnis. Wiederfinden könnt Ihr es, wenn ihr es in den Sternen zu lesen versteht.
[ 22 ] Diese vereinzelten Geister wurden immer seltener. Fortlage war noch einer von ihnen, der als Jenenser Professor gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts gelebt hat. Der sagte ungefähr: Man kann immer gründlicher in das Mikroskop hineinschauen und immer Kleineres entdecken; aber in der Kleinheit verliert sich das substantiell Wahre. Wollt ihr das wirklich schauen, was man finden will, wenn man ins Mikroskop hineinschaut, so richtet euren Blick hinaus in den unendlichen Weltenraum. In Wahrheit spricht dasjenige, was ihr da im Kleinen sucht, von den Sternen zu euch herunter. Ihr sprecht sogar von einem Geheimnis des Lebens und sucht es im Kleinen und Kleinsten. Aber im Kleinsten geht das Leben verloren; nicht für dieRealität zwar, aber für die Erkenntnis. Wiederfinden könnt Ihr es, wenn ihr es in den Sternen zu lesen versteht.
[ 23 ] Einzelne haben zwar gesagt: Das Leben wird aus dem Kosmos her AA abgetragen, aber sie suchten eine materielle Vermittlung, etwa durch Meteormassen, die den Weltenraum durchfliegen und die Keime aus anderen Welten einmal auf dieErde getragen haben. Schaut man jedoch von der Erde in den «unendlichen» Raum hinaus, so ist der Raum gar nicht unendlich. Für die mechanisch-mathematische Betrachtungsweise hat Giordano Bruno das Firmament weggenommen, aber für die innerliche Betrachtung ist es wieder da in dem Sinne, daß man nicht einfach einen Radius ziehen kann von der Erde ins Unendliche und immer weiter. In Wirklichkeit hat der Radius ein Ende, und bis da, wo er ein Ende hat, ist an der inneren Weltenperipherie überall Leben zu finden und nicht Tod. Von dieser Weltenperipherie strahlt von überall her Leben herein.
[ 23 ] Einzelne haben zwar gesagt: Das Leben wird aus dem Kosmos her AA abgetragen, aber sie suchten eine materielle Vermittlung, etwa durch Meteormassen, die den Weltenraum durchfliegen und die Keime aus anderen Welten einmal auf dieErde getragen haben. Schaut man jedoch von der Erde in den «unendlichen» Raum hinaus, so ist der Raum gar nicht unendlich. Für die mechanisch-mathematische Betrachtungsweise hat Giordano Bruno das Firmament weggenommen, aber für die innerliche Betrachtung ist es wieder da in dem Sinne, daß man nicht einfach einen Radius ziehen kann von der Erde ins Unendliche und immer weiter. In Wirklichkeit hat der Radius ein Ende, und bis da, wo er ein Ende hat, ist an der inneren Weltenperipherie überall Leben zu finden und nicht Tod. Von dieser Weltenperipherie strahlt von überall her Leben herein.
[ 24 ] Mit solchen Dingen will ich Ihnen nur andeuten, vor welche inneren Empfindungsprobleme sich die Seele um die Wende des neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert gestellt sah. Es war wirklich so, daß aus der dumpfsten Seelenempfindung heraus die Frage gestellt war: Wo finden wir wiederum ein Geistiges?
[ 24 ] Mit solchen Dingen will ich Ihnen nur andeuten, vor welche inneren Empfindungsprobleme sich die Seele um die Wende des neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert gestellt sah. Es war wirklich so, daß aus der dumpfsten Seelenempfindung heraus die Frage gestellt war: Wo finden wir wiederum ein Geistiges?
[ 25 ] Sehen Sie, das ist es, was Stimmung werden muß, wenn irgendeine Phase desjenigen, was man Jugendbewegung nennt, einen richtigen Inhalt bekommen soll, die Empfindungsfrage: Wo finde ich das Geistige, wie erlebt man das Geistige?—Da handelt es sich wirklich darum, daß neben allem sehnsüchtigen Erwarten sich auch einzelne Ideale in der Jugend finden, die nach innerer Seelenarbeit drängen. Ich möchte dasjenige, was ich Ihnen morgen hierzu zu sagen haben werde, heute durch das Folgende einleiten.
[ 25 ] Sehen Sie, das ist es, was Stimmung werden muß, wenn irgendeine Phase desjenigen, was man Jugendbewegung nennt, einen richtigen Inhalt bekommen soll, die Empfindungsfrage: Wo finde ich das Geistige, wie erlebt man das Geistige?—Da handelt es sich wirklich darum, daß neben allem sehnsüchtigen Erwarten sich auch einzelne Ideale in der Jugend finden, die nach innerer Seelenarbeit drängen. Ich möchte dasjenige, was ich Ihnen morgen hierzu zu sagen haben werde, heute durch das Folgende einleiten.
[ 26 ] In dem, was ich anthroposophische Geisteswissenschaft nenne, schon in meinem Vorwort zu der «Philosophie der Freiheit», tritt Ihnen etwas entgegen, was Sie nicht erfassen können, wenn Sie sich nur jenem passiven Denken hingeben, das man heute besonders liebt, jenem gottverlassenen Denken, dem sich die meisten Menschen hingeben, und das schon im vorigen Leben gottverlassen war; sondern Sie können es nur erfassen, wenn Sie in Freiheit den inneren Impuls entwickeln, Aktivität in das Denken hineinzubringen. Sie kommen eben mit demjenigen, was in der Geisteswissenschaft lebt, nicht mit, wenn nicht jener Funke, jener Blitz hineinschlägt, durch den das Denken voller Aktivität wird. Durch diese Aktivität müssen wir uns auch wieder die Göttlichkeit des Denkens erobern.
[ 26 ] In dem, was ich anthroposophische Geisteswissenschaft nenne, schon in meinem Vorwort zu der «Philosophie der Freiheit», tritt Ihnen etwas entgegen, was Sie nicht erfassen können, wenn Sie sich nur jenem passiven Denken hingeben, das man heute besonders liebt, jenem gottverlassenen Denken, dem sich die meisten Menschen hingeben, und das schon im vorigen Leben gottverlassen war; sondern Sie können es nur erfassen, wenn Sie in Freiheit den inneren Impuls entwickeln, Aktivität in das Denken hineinzubringen. Sie kommen eben mit demjenigen, was in der Geisteswissenschaft lebt, nicht mit, wenn nicht jener Funke, jener Blitz hineinschlägt, durch den das Denken voller Aktivität wird. Durch diese Aktivität müssen wir uns auch wieder die Göttlichkeit des Denkens erobern.
[ 27 ] Da ist die anthroposophische Literatur und macht Anspruch darauf, daß man aktiv denken soll. Die meisten können nur passiv denken und meinen, aktiv zu denken sei nicht möglich. Es läßt sich dabei weder schlafen noch intellektualistisch träumen. Man muß mit, man muß das Denken in Bewegung setzen; in dem Augenblicke, wo man das tut, kommt man mit. Da hört auf dasjenige, was ich modernes Hellsehen nennen möchte, etwas Wunderbares zu sein. Daß das immer noch als etwas besonders Wunderbares erscheint, kommt daher, daß die Menschen noch nicht die Energie entwickeln wollen, Aktivität in das Denken hineinzutragen. Es ist oft zum Verzweifeln in dieser Beziehung. Man fühlt manchmal, wenn man diese Forderung der Aktivität an das Denken stellt, daß es dem Betreffenden zumute ist wie einem Manne, der im Straßengraben lag, seine Hände und Beine nicht bewegte, nicht einmal seine Augenlider aufmachte, und von einem Vorübergehenden gefragt wurde: Warum sind Sie so traurig? — Er antwortete: Weil ich nichts tun möchte. — Der Fragende war erstaunt darüber, denn der Liegende tat anscheinend schon seit langer Zeit nichts. Aber er wollte noch mehr «nichts tun»! Da sagte der Fragende: Ja, Sie tun ja wirklich nichts! — Darauf bekam er die Antwort: Ich muß ja die Umdrehung der Erde mitmachen, und ich möchte selbst das nicht tun.
[ 27 ] Da ist die anthroposophische Literatur und macht Anspruch darauf, daß man aktiv denken soll. Die meisten können nur passiv denken und meinen, aktiv zu denken sei nicht möglich. Es läßt sich dabei weder schlafen noch intellektualistisch träumen. Man muß mit, man muß das Denken in Bewegung setzen; in dem Augenblicke, wo man das tut, kommt man mit. Da hört auf dasjenige, was ich modernes Hellsehen nennen möchte, etwas Wunderbares zu sein. Daß das immer noch als etwas besonders Wunderbares erscheint, kommt daher, daß die Menschen noch nicht die Energie entwickeln wollen, Aktivität in das Denken hineinzutragen. Es ist oft zum Verzweifeln in dieser Beziehung. Man fühlt manchmal, wenn man diese Forderung der Aktivität an das Denken stellt, daß es dem Betreffenden zumute ist wie einem Manne, der im Straßengraben lag, seine Hände und Beine nicht bewegte, nicht einmal seine Augenlider aufmachte, und von einem Vorübergehenden gefragt wurde: Warum sind Sie so traurig? — Er antwortete: Weil ich nichts tun möchte. — Der Fragende war erstaunt darüber, denn der Liegende tat anscheinend schon seit langer Zeit nichts. Aber er wollte noch mehr «nichts tun»! Da sagte der Fragende: Ja, Sie tun ja wirklich nichts! — Darauf bekam er die Antwort: Ich muß ja die Umdrehung der Erde mitmachen, und ich möchte selbst das nicht tun.
[ 28 ] So kommen einem diejenigen vor, die durchaus nicht Aktivität in das Denken hineintragen möchten, die Kraft, die allein aus dem Menschen heraus wiederum einen Zusammenhang bringen kann zwischen der Menschenseele und dem göttlich-geistigen Weltinhalt. Viele von Ihnen haben das Denken verachten gelernt, weil es Ihnen nur als passives Denken entgegengetreten ist. Das gilt aber nur vom Kopfdenken, bei dem das Herz des Menschen nicht dabei ist. Aber versuchen Sie es einmal mit einem aktiven Denken, dann werden Sie sehen, wie dabei das Herz engagiert wird. Am intensivsten kommt der Mensch unserer Epoche in die geistige Welt hinein, wenn es ihm gelingt, das aktive Denken zu entwickeln. Denn durch das aktive Denken kommen wir dazu, in den Gedanken wiederum herzhafte Kräfte zu haben.
[ 28 ] So kommen einem diejenigen vor, die durchaus nicht Aktivität in das Denken hineintragen möchten, die Kraft, die allein aus dem Menschen heraus wiederum einen Zusammenhang bringen kann zwischen der Menschenseele und dem göttlich-geistigen Weltinhalt. Viele von Ihnen haben das Denken verachten gelernt, weil es Ihnen nur als passives Denken entgegengetreten ist. Das gilt aber nur vom Kopfdenken, bei dem das Herz des Menschen nicht dabei ist. Aber versuchen Sie es einmal mit einem aktiven Denken, dann werden Sie sehen, wie dabei das Herz engagiert wird. Am intensivsten kommt der Mensch unserer Epoche in die geistige Welt hinein, wenn es ihm gelingt, das aktive Denken zu entwickeln. Denn durch das aktive Denken kommen wir dazu, in den Gedanken wiederum herzhafte Kräfte zu haben.
[ 29 ] Wenn Sie nicht den Geist auf dem Gedankenwege suchen, der herzhaft gegangen werden muß, obwohl das schwer ist, wenn Sie nicht auf diesem Wege das Geistesleben suchen, das von Urbeginn durch die Menschheit geflossen ist, so sind Sie wie der Säugling, der glaubt, sich aus sich selbst heraus ernähren zu können und nicht aus der Mutterbrust. Nur dann kommen Sie zu einer inhaltsvollen Bewegung, wenn Sie das Geheimnis finden, eine solche Aktivität in Ihrem Inneren zu entwickeln, daß sie Sie saugen läßt aus dem Weltendasein wiederum wirkliche Geistesnahrung, wirklichen geistigen Trank. Das aber ist zunächst ein Willensproblem, ein gefühlsmäßig zu erlebendes Willensproblem. Ungeheuer viel hängt heute ab von dem guten Willen, von dem energischen Willen, und kein Theoretisches wird dasjenige lösen, was wir heute suchen, sondern einzig und allein der mutige Wille, der starke Wille wird die Lösung bringen.
[ 29 ] Wenn Sie nicht den Geist auf dem Gedankenwege suchen, der herzhaft gegangen werden muß, obwohl das schwer ist, wenn Sie nicht auf diesem Wege das Geistesleben suchen, das von Urbeginn durch die Menschheit geflossen ist, so sind Sie wie der Säugling, der glaubt, sich aus sich selbst heraus ernähren zu können und nicht aus der Mutterbrust. Nur dann kommen Sie zu einer inhaltsvollen Bewegung, wenn Sie das Geheimnis finden, eine solche Aktivität in Ihrem Inneren zu entwickeln, daß sie Sie saugen läßt aus dem Weltendasein wiederum wirkliche Geistesnahrung, wirklichen geistigen Trank. Das aber ist zunächst ein Willensproblem, ein gefühlsmäßig zu erlebendes Willensproblem. Ungeheuer viel hängt heute ab von dem guten Willen, von dem energischen Willen, und kein Theoretisches wird dasjenige lösen, was wir heute suchen, sondern einzig und allein der mutige Wille, der starke Wille wird die Lösung bringen.
[ 30 ] Wollen wir uns einmal in den nächsten Tagen damit beschäftigen, wie wir den guten Willen, den starken Willen finden.
[ 30 ] Wollen wir uns einmal in den nächsten Tagen damit beschäftigen, wie wir den guten Willen, den starken Willen finden.
