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Spiritual Forces Working in the Shared Lives
of the Older and Younger Generations
GA 217

13 October 1922, Stuttgart

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Elfter Vortrag

Elfter Vortrag

[ 1 ] Wenn auch auf der einen Seite im Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung im Inneren des Menschen bewußt das allerabstrakteste Element zum Leben kommt, so besteht auf der anderen Seite doch wiederum die Tatsache, daß im Unterbewußten, in den Sehnsuchten, in demjenigen, was der Mensch vom Leben begehrt, das Allerkonkreteste sich zum Dasein herausarbeiten will.

[ 1 ] Wenn auch auf der einen Seite im Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung im Inneren des Menschen bewußt das allerabstrakteste Element zum Leben kommt, so besteht auf der anderen Seite doch wiederum die Tatsache, daß im Unterbewußten, in den Sehnsuchten, in demjenigen, was der Mensch vom Leben begehrt, das Allerkonkreteste sich zum Dasein herausarbeiten will.

[ 2 ] Auf der einen Seite steckt heute der Mensch, der in das Bewußtseinsseelenzeitalter hineinwächst, in seinen abstrakten Kopfideen darinnen. Auf der andern Seite aber lebt — wenn ich mich so ausdrücken darf außerhalb des Kopfes das Begehren, mehr zu erleben, als was der Kopf erleben kann. Mit der Natur hat der Mensch ja zunächst nur ein Verhältnis, das sich eben zwischen seinem Kopfe und der Natur bildet: alles, was der Mensch heute in seiner Wissenschaft von der Natur aufnimmt, ist für ihn nur insofern gültig, als er es durch den Kopf erworben hat. Es steht heute eigentlich immer zwischen dem Menschen und der Natur der Kopf des Menschen. Es ist, als ob alles, was von der Welt an den Menschen herankommt, sich zusammenschoppen würde im Kopfe, als ob der Kopf ganz verstopft wäre — verzeihen Sie den harten Ausdruck —, so daß er durch seine dicken Schichten nichts durchläßt von dem, was Verhältnis zur Welt werden könnte. Es bleibt alles im Kopfe stecken, man denkt alles nur mit dem Kopfe durch. Aber man kann doch nicht als bloßer Kopf leben, man hat ja an den Kopf angewachsen noch den übrigen Organismus. Das Leben dieses übrigen Organismus bleibt dumpf, unbewußt, weil der Mensch alles nach dem Kopfe hinleitet. Und da stockt alles. Der übrige Mensch hat nichts von der Welt, weil der Kopf ihm nichts zukommen läßt. Der Kopf ist allmählich ein Nimmersatt geworden. Er will alles von der Außenwelt haben und der Mensch muß dann mit seinem Herzen, mit seinem übrigen Organismus so leben, als ob er überhaupt gar nicht in diese Welt hereingekommen wäre, als ob er gar nichts mit dieser Umwelt zu tun hätte.

[ 2 ] Auf der einen Seite steckt heute der Mensch, der in das Bewußtseinsseelenzeitalter hineinwächst, in seinen abstrakten Kopfideen darinnen. Auf der andern Seite aber lebt — wenn ich mich so ausdrücken darf außerhalb des Kopfes das Begehren, mehr zu erleben, als was der Kopf erleben kann. Mit der Natur hat der Mensch ja zunächst nur ein Verhältnis, das sich eben zwischen seinem Kopfe und der Natur bildet: alles, was der Mensch heute in seiner Wissenschaft von der Natur aufnimmt, ist für ihn nur insofern gültig, als er es durch den Kopf erworben hat. Es steht heute eigentlich immer zwischen dem Menschen und der Natur der Kopf des Menschen. Es ist, als ob alles, was von der Welt an den Menschen herankommt, sich zusammenschoppen würde im Kopfe, als ob der Kopf ganz verstopft wäre — verzeihen Sie den harten Ausdruck —, so daß er durch seine dicken Schichten nichts durchläßt von dem, was Verhältnis zur Welt werden könnte. Es bleibt alles im Kopfe stecken, man denkt alles nur mit dem Kopfe durch. Aber man kann doch nicht als bloßer Kopf leben, man hat ja an den Kopf angewachsen noch den übrigen Organismus. Das Leben dieses übrigen Organismus bleibt dumpf, unbewußt, weil der Mensch alles nach dem Kopfe hinleitet. Und da stockt alles. Der übrige Mensch hat nichts von der Welt, weil der Kopf ihm nichts zukommen läßt. Der Kopf ist allmählich ein Nimmersatt geworden. Er will alles von der Außenwelt haben und der Mensch muß dann mit seinem Herzen, mit seinem übrigen Organismus so leben, als ob er überhaupt gar nicht in diese Welt hereingekommen wäre, als ob er gar nichts mit dieser Umwelt zu tun hätte.

[ 3 ] Aber dieser übrige Organismus entwickelt eben Wunsch, Wille, Begehrungsvermögen, und die fühlen sich dann vereinsamt. Weil zum Beispiel die Augen alle Farben auffangen und im Kopfe nur noch einen spärlichen Rest davon erleben lassen, so können die Farben nicht hinunter, sie können nicht ins Blut, nicht in das außerhalb des Kopfes befindliche Nervensystem. Der Mensch weiß nur noch in seinem Kopfe etwas von der Welt. Ein um so intensiveres Begehrungsvermögen hat er aber, auch mit seinem übrigen Organismus mit der Welt in irgendeiner Weise zusammenzukommen. In dem aufwachsenden Menschen lebt das Begehren, nicht nur mit dem Kopfe, sondern auch mit dem übrigen Organismus sich irgendwie mit der Welt zusammenzufinden, denken zu lernen, die Welt erfahren zu lernen nicht nur mit dem Kopfe, sondern mit dem ganzen Menschen.

[ 3 ] Aber dieser übrige Organismus entwickelt eben Wunsch, Wille, Begehrungsvermögen, und die fühlen sich dann vereinsamt. Weil zum Beispiel die Augen alle Farben auffangen und im Kopfe nur noch einen spärlichen Rest davon erleben lassen, so können die Farben nicht hinunter, sie können nicht ins Blut, nicht in das außerhalb des Kopfes befindliche Nervensystem. Der Mensch weiß nur noch in seinem Kopfe etwas von der Welt. Ein um so intensiveres Begehrungsvermögen hat er aber, auch mit seinem übrigen Organismus mit der Welt in irgendeiner Weise zusammenzukommen. In dem aufwachsenden Menschen lebt das Begehren, nicht nur mit dem Kopfe, sondern auch mit dem übrigen Organismus sich irgendwie mit der Welt zusammenzufinden, denken zu lernen, die Welt erfahren zu lernen nicht nur mit dem Kopfe, sondern mit dem ganzen Menschen.

[ 4 ] Dieses Vermögen, die Welt mit dem ganzen Menschen kennenzulernen, hat man heute eigentlich nur noch in dem Lebensalter, das man früh verlassen muß. Denn alles, was ich jetzt gesprochen habe, bezieht sich auf den erwachsenen Menschen. Das Kind vor dem Zahnwechsel hat noch die Fähigkeit, mit seinem ganzen Menschen die Welt aufzufassen. Man würde sich zum Beispiel sehr irren, wenn man glaubte, daß das Kind so abstrakt wie der erwachsene Mensch erlebt, wenn es als Säugling die Milch bekommt. Wenn heute der Erwachsene Milch trinkt, so schmeckt er sie eben auf seiner Zunge, vielleicht noch in einiger Umgebung von der Zunge, aber er verliert das Geschmackserlebnis, wenn die Milch durch die Kehle gegangen ist. Der Mensch müßte sich zwar fragen, warum sein Magen weniger sollte schmecken können als sein Gaumen. Er kann auch nicht weniger schmecken, er kann ebensogut schmecken, nur ist der Kopf ein Nimmersatt, der beim erwachsenen Menschen alle «Geschmäcke» in Anspruch nimmt. Das Kind aber schmeckt mit seinem ganzen Organismus, es schmeckt auch mit dem Magen. Der Säugling ist ganz Sinnesorgan. In ihm ist nichts, was nicht Sinnesorgan wäre. Durch und durch schmeckt der Säugling. Das vergißt der Mensch nur später, und dieses Schmecken mit dem ganzen Organismus wird schon beeinträchtigt, wenn man sprechen lernt, denn da regt sich der Kopf, der sich beteiligen muß am Sprechenlernen, und entwickelt das erste Stadium seiner Unersättlichkeit. Dafür, daß er sich dazu hergibt, sprechen zu lernen, behält er sich auch das Wohltuende des Schmeckens zurück. Also selbst in bezug auf dieses «Die-WeltSchmecken» geht einem das totale Verhältnis zur Welt schon sehr frühzeitig verloren. Nun kommt es ja auf dieses «Die-Welt-Schmecken» nicht so besonders an; aber in anderer Beziehung kommt eben auf ein totales menschliches Verhältnis zur Welt wirklich außerordentlich viel an.

[ 4 ] Dieses Vermögen, die Welt mit dem ganzen Menschen kennenzulernen, hat man heute eigentlich nur noch in dem Lebensalter, das man früh verlassen muß. Denn alles, was ich jetzt gesprochen habe, bezieht sich auf den erwachsenen Menschen. Das Kind vor dem Zahnwechsel hat noch die Fähigkeit, mit seinem ganzen Menschen die Welt aufzufassen. Man würde sich zum Beispiel sehr irren, wenn man glaubte, daß das Kind so abstrakt wie der erwachsene Mensch erlebt, wenn es als Säugling die Milch bekommt. Wenn heute der Erwachsene Milch trinkt, so schmeckt er sie eben auf seiner Zunge, vielleicht noch in einiger Umgebung von der Zunge, aber er verliert das Geschmackserlebnis, wenn die Milch durch die Kehle gegangen ist. Der Mensch müßte sich zwar fragen, warum sein Magen weniger sollte schmecken können als sein Gaumen. Er kann auch nicht weniger schmecken, er kann ebensogut schmecken, nur ist der Kopf ein Nimmersatt, der beim erwachsenen Menschen alle «Geschmäcke» in Anspruch nimmt. Das Kind aber schmeckt mit seinem ganzen Organismus, es schmeckt auch mit dem Magen. Der Säugling ist ganz Sinnesorgan. In ihm ist nichts, was nicht Sinnesorgan wäre. Durch und durch schmeckt der Säugling. Das vergißt der Mensch nur später, und dieses Schmecken mit dem ganzen Organismus wird schon beeinträchtigt, wenn man sprechen lernt, denn da regt sich der Kopf, der sich beteiligen muß am Sprechenlernen, und entwickelt das erste Stadium seiner Unersättlichkeit. Dafür, daß er sich dazu hergibt, sprechen zu lernen, behält er sich auch das Wohltuende des Schmeckens zurück. Also selbst in bezug auf dieses «Die-WeltSchmecken» geht einem das totale Verhältnis zur Welt schon sehr frühzeitig verloren. Nun kommt es ja auf dieses «Die-Welt-Schmecken» nicht so besonders an; aber in anderer Beziehung kommt eben auf ein totales menschliches Verhältnis zur Welt wirklich außerordentlich viel an.

[ 5 ] Sehen Sie, man kann zum Beispiel einen bedeutenden Philosophen, wie Johann Gottlieb Fichte, auf verschiedene Art kennenlernen. Jede Art ist richtig; ich will von denen, die ich aufzählen werde, nicht eine besonders hervorheben. Aber wenn es auch etwas außerordentlich Schönes ist und man sehr viel davon hat, sich in die Philosophie Fichtes zu vertiefen — was ja heute nicht sehr viele Leute mehr tun, weil es ihnen zu schwer ist —, mehr noch hätten die Menschen von ihr haben können, die einmal jenem Fichte mit totaler menschlicher Empfindung nachgegangen wären und gesehen hätten, wie er stets mit seiner ganzen Fußsohle, besonders mit der Ferse, aufgetreten ist. In diesem Auftreten Johann Gottlieb Fichtes, diesem eigentümlichen Aufstellen der Ferse auf die Erde, liegt eine ungeheure Kraft. Für Menschen, die jeden Schritt miterleben können, wäre Fichtes Art des Auftretens eine intensivere Philosophie gewesen als alles, was er den Leuten vom Katheder herab hat sagen können. Es nimmt sich grotesk aus, aber vielleicht werden Sie fühlen, was ich damit sagen will.

[ 5 ] Sehen Sie, man kann zum Beispiel einen bedeutenden Philosophen, wie Johann Gottlieb Fichte, auf verschiedene Art kennenlernen. Jede Art ist richtig; ich will von denen, die ich aufzählen werde, nicht eine besonders hervorheben. Aber wenn es auch etwas außerordentlich Schönes ist und man sehr viel davon hat, sich in die Philosophie Fichtes zu vertiefen — was ja heute nicht sehr viele Leute mehr tun, weil es ihnen zu schwer ist —, mehr noch hätten die Menschen von ihr haben können, die einmal jenem Fichte mit totaler menschlicher Empfindung nachgegangen wären und gesehen hätten, wie er stets mit seiner ganzen Fußsohle, besonders mit der Ferse, aufgetreten ist. In diesem Auftreten Johann Gottlieb Fichtes, diesem eigentümlichen Aufstellen der Ferse auf die Erde, liegt eine ungeheure Kraft. Für Menschen, die jeden Schritt miterleben können, wäre Fichtes Art des Auftretens eine intensivere Philosophie gewesen als alles, was er den Leuten vom Katheder herab hat sagen können. Es nimmt sich grotesk aus, aber vielleicht werden Sie fühlen, was ich damit sagen will.

[ 6 ] Solche Dinge sind den Menschen heute ganz verlorengegangen. Wenn man nicht gerade vor zwanzig, sondern vor fünfzig Jahren klein gewesen ist, so kann man sich noch erinnern, wie eine solche Philosophie bei den Leuten auf dem Lande durchaus noch vorhanden war. Da lernten die Leute einander noch so kennen, und mancher Dialektausdruck verrät in seiner ungeheuren Plastik, wie man dasjenige, was heute die Menschen nur im Kopfe sehen, im ganzen Menschen gesehen hat. So hieß es zum Beispiel von irgendeiner «Dame» auf dem Lande, ich will mich einmal so ausdrücken: «Die schneuzt daher». Ja, unter uns Kopfmenschen bedeutet schneuzen sich die Nase putzen, vielleicht auf eine nicht ganz stubenreine Weise. Das hat es damals nicht geheißen. Da «schneuzte» der ganze Mensch. Die Art und Weise, wie er ging, wie er sich hielt, wie er seine Füße voreinander setzte, sein ganzes Gehaben, das war «schneuzen». Ein «Schneuzen» am ganzen Menschen, das man verwandt fand mit jenem nicht ganz stubenreinen Sich-die-Nase-Putzen.

[ 6 ] Solche Dinge sind den Menschen heute ganz verlorengegangen. Wenn man nicht gerade vor zwanzig, sondern vor fünfzig Jahren klein gewesen ist, so kann man sich noch erinnern, wie eine solche Philosophie bei den Leuten auf dem Lande durchaus noch vorhanden war. Da lernten die Leute einander noch so kennen, und mancher Dialektausdruck verrät in seiner ungeheuren Plastik, wie man dasjenige, was heute die Menschen nur im Kopfe sehen, im ganzen Menschen gesehen hat. So hieß es zum Beispiel von irgendeiner «Dame» auf dem Lande, ich will mich einmal so ausdrücken: «Die schneuzt daher». Ja, unter uns Kopfmenschen bedeutet schneuzen sich die Nase putzen, vielleicht auf eine nicht ganz stubenreine Weise. Das hat es damals nicht geheißen. Da «schneuzte» der ganze Mensch. Die Art und Weise, wie er ging, wie er sich hielt, wie er seine Füße voreinander setzte, sein ganzes Gehaben, das war «schneuzen». Ein «Schneuzen» am ganzen Menschen, das man verwandt fand mit jenem nicht ganz stubenreinen Sich-die-Nase-Putzen.

[ 7 ] Wie gesagt, das ist verlorengegangen. Die Menschen haben sich auf die Köpfe reduziert, und man hat sich zu dem Glauben hindurchgerungen, daß der Kopf das Allerwertvollste am Menschen ist. Nur ist man damit nicht am allerglücklichsten geworden, weil die übrige Menschennatur im Unterbewußten ihre Ansprüche durchaus weiter geltend macht. Aber das Miterleben durch etwas anderes als durch den Kopf geht eben heute dem Menschen mit seiner ersten Kindheit, mit dem Zahnwechsel ganz verloren. Wenn Sie ein Auge dafür haben, werden Sie bei einem Menschen den Schritt des Vaters oder der Mutter nach zwei bis drei Jahrzehnten noch bei Sohn oder Tochter wiederfinden können. So genau hat sich das Kind in die Erwachsenen seiner Umgebung eingelebt, daß das, was es da empfunden hat, zu seiner eigenen Natur geworden ist. Aber dieses Einleben wird ja nicht mehr Kultur bei uns. Kultur wird bei uns, was der Kopf beobachtet und was man mit Hilfe des Kopfes ausarbeiten kann. Manchmal dispensieren die Leute auch noch den Kopf; dann schreiben sie sich alles auf und legen es in die Archive. Da geht es aus dem Kopfe heraus in die Haare und da können sie es nicht erhalten, weil sie mit dreißig Jahren schon keine mehr haben.

[ 7 ] Wie gesagt, das ist verlorengegangen. Die Menschen haben sich auf die Köpfe reduziert, und man hat sich zu dem Glauben hindurchgerungen, daß der Kopf das Allerwertvollste am Menschen ist. Nur ist man damit nicht am allerglücklichsten geworden, weil die übrige Menschennatur im Unterbewußten ihre Ansprüche durchaus weiter geltend macht. Aber das Miterleben durch etwas anderes als durch den Kopf geht eben heute dem Menschen mit seiner ersten Kindheit, mit dem Zahnwechsel ganz verloren. Wenn Sie ein Auge dafür haben, werden Sie bei einem Menschen den Schritt des Vaters oder der Mutter nach zwei bis drei Jahrzehnten noch bei Sohn oder Tochter wiederfinden können. So genau hat sich das Kind in die Erwachsenen seiner Umgebung eingelebt, daß das, was es da empfunden hat, zu seiner eigenen Natur geworden ist. Aber dieses Einleben wird ja nicht mehr Kultur bei uns. Kultur wird bei uns, was der Kopf beobachtet und was man mit Hilfe des Kopfes ausarbeiten kann. Manchmal dispensieren die Leute auch noch den Kopf; dann schreiben sie sich alles auf und legen es in die Archive. Da geht es aus dem Kopfe heraus in die Haare und da können sie es nicht erhalten, weil sie mit dreißig Jahren schon keine mehr haben.

[ 8 ] Das alles sage ich aber wirklich nicht zum Spaß, auch nicht, um irgend etwas zu kritisieren, denn das liegt in der notwendigen Entwickelung der Menschheit. Die Menschen mußten so werden, um das, was sie auf eine natürliche Weise nicht mehr finden können, durch innere Anstrengung, durch innere Aktivität zu finden, mit anderen Worten, um zur Möglichkeit des Freiheitserlebnisses zu kommen.

[ 8 ] Das alles sage ich aber wirklich nicht zum Spaß, auch nicht, um irgend etwas zu kritisieren, denn das liegt in der notwendigen Entwickelung der Menschheit. Die Menschen mußten so werden, um das, was sie auf eine natürliche Weise nicht mehr finden können, durch innere Anstrengung, durch innere Aktivität zu finden, mit anderen Worten, um zur Möglichkeit des Freiheitserlebnisses zu kommen.

[ 9 ] Daher müssen wir heute nach dem Zahnwechsel zu einem anderen Erleben der Umwelt übergehen als dieses «mit dem ganzen Menschen erleben», das bei den Kindern noch vorhanden ist, und die Volksschulerziehung der Zukunft muß darauf beruhen, daß auf dem Umwege über das Künstlerische, wie ich es gestern charakterisiert habe, die jungen Menschen die Fähigkeit erwerben, durch den äußeren Menschen hindurch das ganze Seelische des anderen Menschen empfinden zu können.Wenn man den Menschen mit abstraktem wissenschaftlichem Inhalt erziehen —will, so erlebt er nichts von Ihrer Seele. Von Ihrer Seele erlebt er nur dann etwas, wenn Sie ihm künstlerisch entgegentreten, denn im Künstlerischen muß jeder individuell sein, im Künstlerischen ist jeder ein anderer. Das wissenschaftliche Ideal ist ja gerade, daß jeder so wie der andere ist. Es wäre eine schöne Geschichte — so sagt man heutzutage —, wenn jeder eine andere Wissenschaft lehrte, Das kann ja nicht sein, weil die Wissenschaft reduziert ist auf dasjenige, was für alle Menschen gleich ist. Im Künstlerischen ist aber jeder Mensch eine Individualität. Durch das Künstlerische kann daher auch ein individuelles Verhältnis desKindes zu dem sich regenden und betätigenden Menschen zustandekommen, und das ist notwendig. Zwar hat man dadurch nicht, wie in den ersten Kinderjahren, ein totales physisches Empfinden des anderen Menschen, wohl aber die totale Empfindung von der Seele desjenigen, der einem als Führer gegenübersteht.

[ 9 ] Daher müssen wir heute nach dem Zahnwechsel zu einem anderen Erleben der Umwelt übergehen als dieses «mit dem ganzen Menschen erleben», das bei den Kindern noch vorhanden ist, und die Volksschulerziehung der Zukunft muß darauf beruhen, daß auf dem Umwege über das Künstlerische, wie ich es gestern charakterisiert habe, die jungen Menschen die Fähigkeit erwerben, durch den äußeren Menschen hindurch das ganze Seelische des anderen Menschen empfinden zu können.Wenn man den Menschen mit abstraktem wissenschaftlichem Inhalt erziehen —will, so erlebt er nichts von Ihrer Seele. Von Ihrer Seele erlebt er nur dann etwas, wenn Sie ihm künstlerisch entgegentreten, denn im Künstlerischen muß jeder individuell sein, im Künstlerischen ist jeder ein anderer. Das wissenschaftliche Ideal ist ja gerade, daß jeder so wie der andere ist. Es wäre eine schöne Geschichte — so sagt man heutzutage —, wenn jeder eine andere Wissenschaft lehrte, Das kann ja nicht sein, weil die Wissenschaft reduziert ist auf dasjenige, was für alle Menschen gleich ist. Im Künstlerischen ist aber jeder Mensch eine Individualität. Durch das Künstlerische kann daher auch ein individuelles Verhältnis desKindes zu dem sich regenden und betätigenden Menschen zustandekommen, und das ist notwendig. Zwar hat man dadurch nicht, wie in den ersten Kinderjahren, ein totales physisches Empfinden des anderen Menschen, wohl aber die totale Empfindung von der Seele desjenigen, der einem als Führer gegenübersteht.

[ 10 ] Die Erziehung muß Seele haben, aber als Wissenschafter kann man nicht Seele haben. Seele kann man nur haben durch dasjenige, was man künstlerisch ist. Seele kann man haben, wenn man die Wissenschaft künstlerisch gestaltet durch die Art des Vorbringens, aber nicht durch den Inhalt der Wissenschaft, so wie sie heute aufgefaßt wird. Die Wissenschaft ist keine individuelle Angelegenheit. Daher begründet sie kein Verhältnis zwischen Führendem und Geführtem im volksschulpflichtigen Alter. Da muß der ganze Unterricht von Kunst,von menschlicher Individualität durchdrungen sein, und mehr als alles ausgedachte Programmatische bedeutet eben die Individualität des Unterrichtenden und Erziehenden. Diese ist es, die in der Schule wirken muß.

[ 10 ] Die Erziehung muß Seele haben, aber als Wissenschafter kann man nicht Seele haben. Seele kann man nur haben durch dasjenige, was man künstlerisch ist. Seele kann man haben, wenn man die Wissenschaft künstlerisch gestaltet durch die Art des Vorbringens, aber nicht durch den Inhalt der Wissenschaft, so wie sie heute aufgefaßt wird. Die Wissenschaft ist keine individuelle Angelegenheit. Daher begründet sie kein Verhältnis zwischen Führendem und Geführtem im volksschulpflichtigen Alter. Da muß der ganze Unterricht von Kunst,von menschlicher Individualität durchdrungen sein, und mehr als alles ausgedachte Programmatische bedeutet eben die Individualität des Unterrichtenden und Erziehenden. Diese ist es, die in der Schule wirken muß.

[ 11 ] Was bildet sich da eigentlich zwischen dem Führenden und dem Geführten, wenn wir die Zeit ins Auge fassen zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, was bindet da die beiden aneinander? Lediglich dasjenige bindet die beiden aneinander, was der Mensch aus übersinnlichen geistigen Welten, aus seinem vorirdischen Dasein in das irdische mitbringt. Meine lieben Freunde, der Kopf erkennt das niemals an, was man als Mensch aus seinem vorirdischen Dasein mitbringt. Der Kopf ist daraufhin veranlagt, nur dasjenige zu erfassen, was auf der Erde ist, und auf der Erde ist eben der physische Mensch. Der Kopf begreift nichts von demjenigen im anderen Menschen, was aus dessen vorirdischem Dasein stammt. In jener besonderen menschlichen Nuance jedoch, die der künstlerische Einschlag der menschlichen Seele gibt, west und webt dasjenige, was der Mensch aus dem vorirdischen Dasein heruntergebracht hat, und das Kind ist ganz besonders zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife dazu veranlagt, in seinem Herzen das zu empfinden, was ihm im Lehrer als aus diesem vorirdischen Dasein stammend gegenübersteht. So wie das kleine Kind daraufhin veranlagt ist, die äußere menschliche Gestalt, wie sie sich innerhalb des Erdenlebens gebildet hat, zu empfinden, so sucht das Kind vom siebenten bis zum vierzehnten, fünfzehnten Jahre durch das Zusammenleben mit den Menschen etwas, was sich, ohne daß es sich in Begriffe fassen läßt, in dem führenden Menschen darlebt; was sich so darlebt, daß es, wenn man es in Begriffe fassen wollte, sich gegen die konturierten Begriffe sträuben würde. Begriffe haben Konturen, das heißt äußerliche Begrenzungen. Was aber in der eben geschilderten Art menschliche Individualität ist, hat nicht äußere Begrenzungen, hat nur Intensität, Qualität, und wird als Qualität, als Intensität erlebt. Man erlebt es ganz besonders in dem angegebenen Lebensalter, und man erlebt es durch keine andere Atmosphäre als die künstlerische.

[ 11 ] Was bildet sich da eigentlich zwischen dem Führenden und dem Geführten, wenn wir die Zeit ins Auge fassen zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, was bindet da die beiden aneinander? Lediglich dasjenige bindet die beiden aneinander, was der Mensch aus übersinnlichen geistigen Welten, aus seinem vorirdischen Dasein in das irdische mitbringt. Meine lieben Freunde, der Kopf erkennt das niemals an, was man als Mensch aus seinem vorirdischen Dasein mitbringt. Der Kopf ist daraufhin veranlagt, nur dasjenige zu erfassen, was auf der Erde ist, und auf der Erde ist eben der physische Mensch. Der Kopf begreift nichts von demjenigen im anderen Menschen, was aus dessen vorirdischem Dasein stammt. In jener besonderen menschlichen Nuance jedoch, die der künstlerische Einschlag der menschlichen Seele gibt, west und webt dasjenige, was der Mensch aus dem vorirdischen Dasein heruntergebracht hat, und das Kind ist ganz besonders zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife dazu veranlagt, in seinem Herzen das zu empfinden, was ihm im Lehrer als aus diesem vorirdischen Dasein stammend gegenübersteht. So wie das kleine Kind daraufhin veranlagt ist, die äußere menschliche Gestalt, wie sie sich innerhalb des Erdenlebens gebildet hat, zu empfinden, so sucht das Kind vom siebenten bis zum vierzehnten, fünfzehnten Jahre durch das Zusammenleben mit den Menschen etwas, was sich, ohne daß es sich in Begriffe fassen läßt, in dem führenden Menschen darlebt; was sich so darlebt, daß es, wenn man es in Begriffe fassen wollte, sich gegen die konturierten Begriffe sträuben würde. Begriffe haben Konturen, das heißt äußerliche Begrenzungen. Was aber in der eben geschilderten Art menschliche Individualität ist, hat nicht äußere Begrenzungen, hat nur Intensität, Qualität, und wird als Qualität, als Intensität erlebt. Man erlebt es ganz besonders in dem angegebenen Lebensalter, und man erlebt es durch keine andere Atmosphäre als die künstlerische.

[ 12 ] Aber wir leben eben im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Der erste Reichtum, den wir in diesem Zeitalter für unsere Seelen erwerben, besteht in intellektuellen Begriffen, besteht eigentlich in Abstraktionen. Heute ist ja schon der Bauer ein Abstraktling. Wie sollte es auch anders sein, da er sich der allerabstraktesten Lektüre hingibt, der Dorfzeitung und manchem anderen. Unser Reichtum besteht eben in Abstraktionen. Daher müssen wir aus diesem Denken durch die Entwickelung, die ich gestern angedeutet habe, heraus, indem wir das Denken ganz reinigen und es zum Willen machen, zum Willen gestalten. Wir müssen uns dazu durchringen, unsere Individualität immer kräftiger zu machen, und das erreichen wir nur, wenn wir uns zu diesem reinen Denken durcharbeiten. Ich sage das nicht aus einer eitlen Albernheit heraus, sondern weil mir das so erscheint. Wer sich zu einem solchen reinen Denken durcharbeitet, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» angedeutet habe, wird finden, daß man es da ganz und gar nicht bringt zu einem Haben von einigen Begriffen, die ein philosophisches System ausmachen, sondern daß es sich um ein Ergreifen der menschlichen Individualität und ihres vorirdischen Daseins handelt.

[ 12 ] Aber wir leben eben im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Der erste Reichtum, den wir in diesem Zeitalter für unsere Seelen erwerben, besteht in intellektuellen Begriffen, besteht eigentlich in Abstraktionen. Heute ist ja schon der Bauer ein Abstraktling. Wie sollte es auch anders sein, da er sich der allerabstraktesten Lektüre hingibt, der Dorfzeitung und manchem anderen. Unser Reichtum besteht eben in Abstraktionen. Daher müssen wir aus diesem Denken durch die Entwickelung, die ich gestern angedeutet habe, heraus, indem wir das Denken ganz reinigen und es zum Willen machen, zum Willen gestalten. Wir müssen uns dazu durchringen, unsere Individualität immer kräftiger zu machen, und das erreichen wir nur, wenn wir uns zu diesem reinen Denken durcharbeiten. Ich sage das nicht aus einer eitlen Albernheit heraus, sondern weil mir das so erscheint. Wer sich zu einem solchen reinen Denken durcharbeitet, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» angedeutet habe, wird finden, daß man es da ganz und gar nicht bringt zu einem Haben von einigen Begriffen, die ein philosophisches System ausmachen, sondern daß es sich um ein Ergreifen der menschlichen Individualität und ihres vorirdischen Daseins handelt.

[ 13 ] Man braucht ja nicht gleich ein Hellseher zu werden. Das wäre man erst, wenn man das vorirdische Dasein schauen könnte. Aber bestätigen kann man die Richtigkeit des Gesagten, indem man jene Willensstärke gewinnt, die im reinen Gedankenflusse erworben wird. Da geht die Individualität heraus. Da fühlt man sich auch gar nicht wohl mit einem philosophischen System, wo ein Begriff in den andern eingreift und alles feste Konturen hat; sondern man fühlt sich gedrängt, in einem Lebenden und Webenden darinnen zu wesen. Es ist eine besondere Art des Seelenlebens, die man sich aneignet, wenn man in der richtigen Weise das durchlebt, was mit der «Philosophie der Freiheit» gemeint ist.

[ 13 ] Man braucht ja nicht gleich ein Hellseher zu werden. Das wäre man erst, wenn man das vorirdische Dasein schauen könnte. Aber bestätigen kann man die Richtigkeit des Gesagten, indem man jene Willensstärke gewinnt, die im reinen Gedankenflusse erworben wird. Da geht die Individualität heraus. Da fühlt man sich auch gar nicht wohl mit einem philosophischen System, wo ein Begriff in den andern eingreift und alles feste Konturen hat; sondern man fühlt sich gedrängt, in einem Lebenden und Webenden darinnen zu wesen. Es ist eine besondere Art des Seelenlebens, die man sich aneignet, wenn man in der richtigen Weise das durchlebt, was mit der «Philosophie der Freiheit» gemeint ist.

[ 14 ] Es ist wirklich das Hereinziehen des vorirdischen Daseins in das Leben des Menschen, was dadurch bewirkt werden kann, und so ist es die Vorbereitung zu dem Berufe des Lehrers, des Unterrichters, des Erziehers. Wir können nicht durch Studium Erzieher werden. Wir können andere zum Erzieher nicht dressieren, schon aus dem Grunde nicht, weil jeder von uns einer ist. In jedem Menschen ist ein Erzieher; aber dieser Erzieher schläft, er muß aufgeweckt werden, und das Künstlerische ist das Mittel zum Aufwecken. Wenn das entwickelt wird, bringt es den Erziehenden als Menschen denjenigen näher, die er führen will. Menschlich muß der zu Erziehende dem Erzieher nahekommen, er muß menschlich etwas von ihm haben. Es wäre gräßlich, wenn jemand glauben wollte, er könne dadurch ein Erzieher sein, daß er viel weiß oder im Sinne des Wissens — was man heute ja sogar auch schon sagen kann — viel «kann». Das führt zu einer ungeheuren Absurdität, die Ihnen klar werden kann, wenn Sie folgendes Bild bedenken.

[ 14 ] Es ist wirklich das Hereinziehen des vorirdischen Daseins in das Leben des Menschen, was dadurch bewirkt werden kann, und so ist es die Vorbereitung zu dem Berufe des Lehrers, des Unterrichters, des Erziehers. Wir können nicht durch Studium Erzieher werden. Wir können andere zum Erzieher nicht dressieren, schon aus dem Grunde nicht, weil jeder von uns einer ist. In jedem Menschen ist ein Erzieher; aber dieser Erzieher schläft, er muß aufgeweckt werden, und das Künstlerische ist das Mittel zum Aufwecken. Wenn das entwickelt wird, bringt es den Erziehenden als Menschen denjenigen näher, die er führen will. Menschlich muß der zu Erziehende dem Erzieher nahekommen, er muß menschlich etwas von ihm haben. Es wäre gräßlich, wenn jemand glauben wollte, er könne dadurch ein Erzieher sein, daß er viel weiß oder im Sinne des Wissens — was man heute ja sogar auch schon sagen kann — viel «kann». Das führt zu einer ungeheuren Absurdität, die Ihnen klar werden kann, wenn Sie folgendes Bild bedenken.

[ 15 ] Sie haben eine Schulklasse mit vielleicht dreißig Schülern. Unter diesen seien, sagen wir, zwei Genies, oder nur eines, das genügt ja schon. Nun können wir nicht immer, wenn wir eine Schule zu versehen haben, just ein solches Genie als Lehrer hinstellen, damit das künftige Genie so viel von dem Lehrer lernen kann, wie es können muß. Sie werden zwar sagen, in der Volksschule mache das nichts, denn ein Genie komme ja doch in die höhere Schule und da finde es ganz gewiß diese Genies als Lehrer, die es brauche. Das könnten Sie aber nicht aufrechterhalten, denn die Erfahrung spricht dagegen. Man muß also schon zugeben, daß durchaus der Fall eintreten kann, daß der Lehrer Kindern gegenübersteht, die prädestiniert sind, gescheiter zu werden als er selber ist. Die pädagogische Aufgabe besteht nun darin, die Kinder nicht nur zu dem Grade der Gescheitheit zu bringen, den wir selber haben, sondern zu dem, der in ihnen veranlagt ist.

[ 15 ] Sie haben eine Schulklasse mit vielleicht dreißig Schülern. Unter diesen seien, sagen wir, zwei Genies, oder nur eines, das genügt ja schon. Nun können wir nicht immer, wenn wir eine Schule zu versehen haben, just ein solches Genie als Lehrer hinstellen, damit das künftige Genie so viel von dem Lehrer lernen kann, wie es können muß. Sie werden zwar sagen, in der Volksschule mache das nichts, denn ein Genie komme ja doch in die höhere Schule und da finde es ganz gewiß diese Genies als Lehrer, die es brauche. Das könnten Sie aber nicht aufrechterhalten, denn die Erfahrung spricht dagegen. Man muß also schon zugeben, daß durchaus der Fall eintreten kann, daß der Lehrer Kindern gegenübersteht, die prädestiniert sind, gescheiter zu werden als er selber ist. Die pädagogische Aufgabe besteht nun darin, die Kinder nicht nur zu dem Grade der Gescheitheit zu bringen, den wir selber haben, sondern zu dem, der in ihnen veranlagt ist.

[ 16 ] So können wir also als Erzieher durchaus in dieLage kommen, etwas heranziehen zu müssen, was uns überragt, und es ist unmöglich, die Schulen mit genügend Lehrern zu versorgen, wenn man nicht auf dem Standpunkt steht, daß es nichts macht, wenn der Lehrer nicht so gescheit ist, wie es der Schüler einmal sein wird. Er wird gleichwohl ein guter Lehrer sein können, weil es nicht auf die Übermittlung von Wissen ankommt, sondern auf die Individualität, auf das Lebendigmachen des vorirdischen Daseins. Dann erzieht sich eigentlich das Kind selber an uns, und das ist auch richtig; denn in Wirklichkeit sind nicht wir es, die erziehen. Wir stören nur die Erziehung, wenn wir unmittelbar zu stark in sie eingreifen. Wir erziehen, indem wir uns so benehmen, daß durch unser Benehmen das Kind sich selber erziehen kann. Wir schicken dasKind in dieVolksschule, damit wir die störenden Dinge wegschaffen. Der Lehrer soll dafür sorgen, daß das Kind wegkommt von den Umständen, unter denen es sich nicht entwickeln kann. Deshalb müssen wir uns klar sein: hineinpfropfen können wir in den Menschen nichts durch Unterricht und Erziehung. Aber wir können uns so verhalten, daß der Mensch dazu kommt, als Aufwachsender die in ihm vorhandenen Anlagen hervorzuholen. Das können wir aber nicht durch das, was wir wissen, sondern nur durch das, was auf künstlerische Art in uns regsam ist. Und selbst wenn einmal der seltene Fall eintritt, daß wir als Lehrer und Erzieher nicht besonders genial wären — man darf das ja nicht sagen, aber trotz Ihrer Jugendbewegung sind Sie schon so alt, daß ich das sagen darf —, dann kann ein Lehrer, der sogar bloß eine Art instinktiv-künstlerischen Sinn in sich hat, dem Kinde weniger Hindernisse bieten zum Heranwachsen in seiner Seele als der Lehrer, der unkünstlerisch und dabei ein ungeheurer Gelehrter ist. Ein ungeheuer Gelehrter zu sein ist ja nicht schwer.

[ 16 ] So können wir also als Erzieher durchaus in dieLage kommen, etwas heranziehen zu müssen, was uns überragt, und es ist unmöglich, die Schulen mit genügend Lehrern zu versorgen, wenn man nicht auf dem Standpunkt steht, daß es nichts macht, wenn der Lehrer nicht so gescheit ist, wie es der Schüler einmal sein wird. Er wird gleichwohl ein guter Lehrer sein können, weil es nicht auf die Übermittlung von Wissen ankommt, sondern auf die Individualität, auf das Lebendigmachen des vorirdischen Daseins. Dann erzieht sich eigentlich das Kind selber an uns, und das ist auch richtig; denn in Wirklichkeit sind nicht wir es, die erziehen. Wir stören nur die Erziehung, wenn wir unmittelbar zu stark in sie eingreifen. Wir erziehen, indem wir uns so benehmen, daß durch unser Benehmen das Kind sich selber erziehen kann. Wir schicken dasKind in dieVolksschule, damit wir die störenden Dinge wegschaffen. Der Lehrer soll dafür sorgen, daß das Kind wegkommt von den Umständen, unter denen es sich nicht entwickeln kann. Deshalb müssen wir uns klar sein: hineinpfropfen können wir in den Menschen nichts durch Unterricht und Erziehung. Aber wir können uns so verhalten, daß der Mensch dazu kommt, als Aufwachsender die in ihm vorhandenen Anlagen hervorzuholen. Das können wir aber nicht durch das, was wir wissen, sondern nur durch das, was auf künstlerische Art in uns regsam ist. Und selbst wenn einmal der seltene Fall eintritt, daß wir als Lehrer und Erzieher nicht besonders genial wären — man darf das ja nicht sagen, aber trotz Ihrer Jugendbewegung sind Sie schon so alt, daß ich das sagen darf —, dann kann ein Lehrer, der sogar bloß eine Art instinktiv-künstlerischen Sinn in sich hat, dem Kinde weniger Hindernisse bieten zum Heranwachsen in seiner Seele als der Lehrer, der unkünstlerisch und dabei ein ungeheurer Gelehrter ist. Ein ungeheuer Gelehrter zu sein ist ja nicht schwer.

[ 17 ] Man muß diese Dinge einmal mit aller Deutlichkeit aussprechen. Denn wenn man sie nur mit Deutlichkeit ausspricht, hört sie unser Zeitalter nicht. Unser Zeitalter ist für solche Dinge furchtbar unempfänglich. Und bei denjenigen, die einem versichern, sie haben das alles verstanden, zeigt sich oftmals nach dreißig Jahren, daß sie gar nichts verstanden haben. Es handelt sich also darum, daß die seelische Konfiguration des Menschen das Wesentliche des pädagogischen Wirkens, des Unterrichtens und Erziehens für dasLebensalter des Kindes vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife ausmacht. Nachher tritt der Mensch in ein Lebensalter ein, wo gerade im Zeitalter der Bewußtseinsseele noch tiefereKräfte aus der Menschennatur heraufwirken müssen, wenn die Menschen etwas aufeinander geben sollen.

[ 17 ] Man muß diese Dinge einmal mit aller Deutlichkeit aussprechen. Denn wenn man sie nur mit Deutlichkeit ausspricht, hört sie unser Zeitalter nicht. Unser Zeitalter ist für solche Dinge furchtbar unempfänglich. Und bei denjenigen, die einem versichern, sie haben das alles verstanden, zeigt sich oftmals nach dreißig Jahren, daß sie gar nichts verstanden haben. Es handelt sich also darum, daß die seelische Konfiguration des Menschen das Wesentliche des pädagogischen Wirkens, des Unterrichtens und Erziehens für dasLebensalter des Kindes vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife ausmacht. Nachher tritt der Mensch in ein Lebensalter ein, wo gerade im Zeitalter der Bewußtseinsseele noch tiefereKräfte aus der Menschennatur heraufwirken müssen, wenn die Menschen etwas aufeinander geben sollen.

[ 18 ] Sehen Sie, die Art und Weise der Empfindung, die ein Mensch dem andern entgegenbringt, ist ja etwas ungeheuer Kompliziertes. Und wenn Sie definieren wollten den Kreis von Sympathien und Antipathien und das Zusammenwirken der Sympathien und Antipathien, die Sie einem andern Menschen entgegenbringen, Sie würden mit dem Definieren überhaupt nicht fertig werden. Nicht einmal in fünfzig Jahren würden Sie fertig werden, eine Definition auszubilden für das, was Sie in fünf Minuten an Lebensbeziehungen von Mensch zu Mensch erleben können. Vor der Geschlechtsreife ist es vorzüglich das Erleben des Vorirdischen. Durch jede Handbewegung, jeden Blick, durch die Betonung der Worte schimmert es hindurch. Im Grunde ist es das Timbre, das durch Geste, Worte, Gedanke des Erziehers zu dem Kinde hindurchwirkt, und was von dem Kinde gesucht wird.

[ 18 ] Sehen Sie, die Art und Weise der Empfindung, die ein Mensch dem andern entgegenbringt, ist ja etwas ungeheuer Kompliziertes. Und wenn Sie definieren wollten den Kreis von Sympathien und Antipathien und das Zusammenwirken der Sympathien und Antipathien, die Sie einem andern Menschen entgegenbringen, Sie würden mit dem Definieren überhaupt nicht fertig werden. Nicht einmal in fünfzig Jahren würden Sie fertig werden, eine Definition auszubilden für das, was Sie in fünf Minuten an Lebensbeziehungen von Mensch zu Mensch erleben können. Vor der Geschlechtsreife ist es vorzüglich das Erleben des Vorirdischen. Durch jede Handbewegung, jeden Blick, durch die Betonung der Worte schimmert es hindurch. Im Grunde ist es das Timbre, das durch Geste, Worte, Gedanke des Erziehers zu dem Kinde hindurchwirkt, und was von dem Kinde gesucht wird.

[ 19 ] Und wenn wir nun als erwachsene Menschen — so erwachsen, daß wir das fünfzehnte, sechzehnte Jahr erreicht haben oder darüber hinaus sind in das Unbegrenzte — andern Menschen gegenübertreten, so ist die Sache noch komplizierter. Dann hüllt sich dasjenige, was in einem Menschen andere abstößt oder anzieht, wirklich in ein für die abstrakte Begriffswelt undurchdringliches Dunkel. Erforscht man aber mit Hilfe anthroposophischer Geisteswissenschaft, was das eigentlich ist, was man da in fünf Minuten erleben kann und in fünfzig Jahren nicht zu beschreiben vermag, dann ist es das, was aus dem früheren oder einer Reihe von früheren Erdenleben in das gegenwärtige Leben der Seele hineinragt und was in den Seelen ausgetauscht wird. Dieses Unbestimmte, Undefinierbare, das über uns kommt, wenn wir als Erwachsener dem Erwachsenen gegenüberstehen, das ist dasjenige, was aus dessen früheren Erdenleben in unsere früheren Erdenleben hereinleuchtet, und umgekehrt. Da wirkt nicht nur das vorirdische Dasein, sondern alles, was der Mensch schicksalsmäßig in den aufeinanderfolgenden Erdenleben jemals durchgemacht hat.

[ 19 ] Und wenn wir nun als erwachsene Menschen — so erwachsen, daß wir das fünfzehnte, sechzehnte Jahr erreicht haben oder darüber hinaus sind in das Unbegrenzte — andern Menschen gegenübertreten, so ist die Sache noch komplizierter. Dann hüllt sich dasjenige, was in einem Menschen andere abstößt oder anzieht, wirklich in ein für die abstrakte Begriffswelt undurchdringliches Dunkel. Erforscht man aber mit Hilfe anthroposophischer Geisteswissenschaft, was das eigentlich ist, was man da in fünf Minuten erleben kann und in fünfzig Jahren nicht zu beschreiben vermag, dann ist es das, was aus dem früheren oder einer Reihe von früheren Erdenleben in das gegenwärtige Leben der Seele hineinragt und was in den Seelen ausgetauscht wird. Dieses Unbestimmte, Undefinierbare, das über uns kommt, wenn wir als Erwachsener dem Erwachsenen gegenüberstehen, das ist dasjenige, was aus dessen früheren Erdenleben in unsere früheren Erdenleben hereinleuchtet, und umgekehrt. Da wirkt nicht nur das vorirdische Dasein, sondern alles, was der Mensch schicksalsmäßig in den aufeinanderfolgenden Erdenleben jemals durchgemacht hat.

[ 20 ] Und betrachten wir diese gegenseitigen Wirkungen, so sehen wir, daß — weil heute im Zeitalter der Bewußtseinsseele alles, was wir von der Umwelt aufnehmen, sich im Kopfe anschoppt und nicht zum ganzen Menschen gelangt — unsere heutige «Kopf»-Kultur sich dem entgegenstellt, was allein von Mensch zu Mensch wirken kann. Die Menschen gehen aneinander vorbei, weil sie sich nur mit den Köpfen oder, sagen wir, mit den Augen angucken — ich will nicht sagen, weil sie sich die Köpfe einschlagen. Die Menschen gehen aneinander vorbei, weil von Mensch zu Mensch nur dasjenige wirken kann, was aus den wiederholten Erdenleben herüberspielt, die heutige Kultur aber nichts tut, um einen Sinn für dieses Herüberspielende zu entwickeln. Das muß in unsere Erziehung, in unseren Unterricht aufgenommen werden: daß wir als erwachsene Menschen den Sinn haben, jenes Tiefere im Menschen zu erfühlen, zu empfinden, was aus früheren Erdenleben herüberspielt. Das wird nicht erreicht, wenn wir in die Erziehung nicht einbeziehen lernen das ganze menschliche Leben, so wie es sich auf der Erde abspielt.

[ 20 ] Und betrachten wir diese gegenseitigen Wirkungen, so sehen wir, daß — weil heute im Zeitalter der Bewußtseinsseele alles, was wir von der Umwelt aufnehmen, sich im Kopfe anschoppt und nicht zum ganzen Menschen gelangt — unsere heutige «Kopf»-Kultur sich dem entgegenstellt, was allein von Mensch zu Mensch wirken kann. Die Menschen gehen aneinander vorbei, weil sie sich nur mit den Köpfen oder, sagen wir, mit den Augen angucken — ich will nicht sagen, weil sie sich die Köpfe einschlagen. Die Menschen gehen aneinander vorbei, weil von Mensch zu Mensch nur dasjenige wirken kann, was aus den wiederholten Erdenleben herüberspielt, die heutige Kultur aber nichts tut, um einen Sinn für dieses Herüberspielende zu entwickeln. Das muß in unsere Erziehung, in unseren Unterricht aufgenommen werden: daß wir als erwachsene Menschen den Sinn haben, jenes Tiefere im Menschen zu erfühlen, zu empfinden, was aus früheren Erdenleben herüberspielt. Das wird nicht erreicht, wenn wir in die Erziehung nicht einbeziehen lernen das ganze menschliche Leben, so wie es sich auf der Erde abspielt.

[ 21 ] Heute hat man eigentlich nur Sinn für die unmittelbare Gegenwart. Daher frägt man auch bei der Erziehung nur, was dem Kinde frommt. Aber mit dieser Frage ist dem Leben wenig gedient. Erstens wird man, weil die Frage einseitig gestellt ist, nur eine einseitige Antwort bekommen. Zweitens soll man das Kind erziehen für das ganze Leben, nicht nur für das Schulzimmer oder für die kurze Zeit nach der Schule, damit es uns keine Schande macht. Da muß der Mensch aber Verständnis haben für gewisse Imponderabilien des Lebens, für die Einheit des ganzen Menschenlebens, so wie es sich auf der Erde abspielt.

[ 21 ] Heute hat man eigentlich nur Sinn für die unmittelbare Gegenwart. Daher frägt man auch bei der Erziehung nur, was dem Kinde frommt. Aber mit dieser Frage ist dem Leben wenig gedient. Erstens wird man, weil die Frage einseitig gestellt ist, nur eine einseitige Antwort bekommen. Zweitens soll man das Kind erziehen für das ganze Leben, nicht nur für das Schulzimmer oder für die kurze Zeit nach der Schule, damit es uns keine Schande macht. Da muß der Mensch aber Verständnis haben für gewisse Imponderabilien des Lebens, für die Einheit des ganzen Menschenlebens, so wie es sich auf der Erde abspielt.

[ 22 ] Sie wissen, es gibt Menschen, die, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, durch ihre Gegenwart so wirken, daß diese Gegenwart von ihrer Umwelt als ein Segen empfunden wird. Solche Menschen gibt es. Wenn man erforschte, wodurch diese Menschen dazu gekommen sind, nicht durch ihr Tun, sondern durch ihr Wesen für ihre Umwelt zum Segen zu werden, dann würde man darauf kommen, daß solche Menschen einmal selber das Wohltätige erlebt haben, als Kinder zu einer verehrten Autorität in selbstverständlicher Weise aufzuschauen, sie verehren zu können. Das haben sie durchgemacht im richtigen Lebensalter. Dadurch, daß sie selber einmal haben verehren können, werden sie nach vielen Jahren zum Segen für ihre Umwelt. Man kann das, ich möchte sagen, paradigmatisch ausdrücken, indem man sagt: Es gibt Menschen, die segnen können. Viele sind es ja nicht, aber es gibt Menschen, die im späteren Alter dieKraft des Segnens erlangen. Das kommt daher, daß sie in ihrer Kindheit beten gelernt haben. Da haben Sie zwei Gesten, die kausal miteinander verknüpft sind: Beten und Segnen. Niemand lernt segnen, der es nicht aus dem Beten heraus lernt. Man muß das nicht sentimental verstehen, sondern ganz ohne mystischen Beigeschmack, wie man eine Naturerscheinung betrachtet, nur daß einem diese Erscheinung menschlich näher steht.

[ 22 ] Sie wissen, es gibt Menschen, die, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, durch ihre Gegenwart so wirken, daß diese Gegenwart von ihrer Umwelt als ein Segen empfunden wird. Solche Menschen gibt es. Wenn man erforschte, wodurch diese Menschen dazu gekommen sind, nicht durch ihr Tun, sondern durch ihr Wesen für ihre Umwelt zum Segen zu werden, dann würde man darauf kommen, daß solche Menschen einmal selber das Wohltätige erlebt haben, als Kinder zu einer verehrten Autorität in selbstverständlicher Weise aufzuschauen, sie verehren zu können. Das haben sie durchgemacht im richtigen Lebensalter. Dadurch, daß sie selber einmal haben verehren können, werden sie nach vielen Jahren zum Segen für ihre Umwelt. Man kann das, ich möchte sagen, paradigmatisch ausdrücken, indem man sagt: Es gibt Menschen, die segnen können. Viele sind es ja nicht, aber es gibt Menschen, die im späteren Alter dieKraft des Segnens erlangen. Das kommt daher, daß sie in ihrer Kindheit beten gelernt haben. Da haben Sie zwei Gesten, die kausal miteinander verknüpft sind: Beten und Segnen. Niemand lernt segnen, der es nicht aus dem Beten heraus lernt. Man muß das nicht sentimental verstehen, sondern ganz ohne mystischen Beigeschmack, wie man eine Naturerscheinung betrachtet, nur daß einem diese Erscheinung menschlich näher steht.

[ 23 ] Ein Kind muß ja seiner Natur gemäß wachsen können. Wenn Sie einen Apparat ersinnen würden, der es in einer bestimmten Größe erhielte, der es am Wachsen verhindern und es zwingen würde, sein Leben lang so zu bleiben wie es ist, so würden Sie etwas ungeheuerlich Schlechtes tun. Der Mensch muß wachsen können. In der Schule bringen wir aber den Kindern Begriffe bei, bei denen wir das Ideal haben: die sollen so bleiben das ganze Leben hindurch. Das Kind soll sie gedächtnismäßig behalten, und sie sollen nach fünfzig Jahren noch immer so sein wie heute. Durch unsere Lehrbücher wird die Seele des Kindes so bearbeitet, daß sie klein bleiben muß. Das Richtige ist, das Kind so zu erziehen, daß alle seine Begriffe wachsen können, daß seine Begriffe, seine Willensimpulse lebendig sind. Es ist nicht sehr bequem, aber der künstlerischen Erziehungsgesinnung gelingt es. Und das Kind empfindet es anders, wenn wir ihm lebendige statt toter Begriffe beibringen, denn unbewußt weiß es: Was der mir beibringt, das wächst mit mir, wie meine Arme mit mir wachsen.

[ 23 ] Ein Kind muß ja seiner Natur gemäß wachsen können. Wenn Sie einen Apparat ersinnen würden, der es in einer bestimmten Größe erhielte, der es am Wachsen verhindern und es zwingen würde, sein Leben lang so zu bleiben wie es ist, so würden Sie etwas ungeheuerlich Schlechtes tun. Der Mensch muß wachsen können. In der Schule bringen wir aber den Kindern Begriffe bei, bei denen wir das Ideal haben: die sollen so bleiben das ganze Leben hindurch. Das Kind soll sie gedächtnismäßig behalten, und sie sollen nach fünfzig Jahren noch immer so sein wie heute. Durch unsere Lehrbücher wird die Seele des Kindes so bearbeitet, daß sie klein bleiben muß. Das Richtige ist, das Kind so zu erziehen, daß alle seine Begriffe wachsen können, daß seine Begriffe, seine Willensimpulse lebendig sind. Es ist nicht sehr bequem, aber der künstlerischen Erziehungsgesinnung gelingt es. Und das Kind empfindet es anders, wenn wir ihm lebendige statt toter Begriffe beibringen, denn unbewußt weiß es: Was der mir beibringt, das wächst mit mir, wie meine Arme mit mir wachsen.

[ 24 ] Es ist herzzerbrechend, wenn ein Kind so erzogen wird, daß es einen Begriff definieren und ihn dann in einer Definition besitzen soll. Das ist wirklich, wie wenn man seine Glieder in einen Apparat einschnüren wollte. Das Kind muß wachstumsfähige Bilder bekommen, die ganz etwas anderes werden nach zehn bis zwanzig Jahren. Nur wenn man ihm solche wachstumsfähigen Bilder überliefert, regt man es an, sich empfindend einzuleben in das, was in den Tiefen einer anderen menschlichen Individualität oft verborgen ist. Sie sehen, wie kompliziert die Zusammenhänge sind: Wir lernen zu den Menschen ein tieferes Verhältnis dadurch gewinnen, daß uns in der Jugend das seelische Wachsen möglich gemacht wird.

[ 24 ] Es ist herzzerbrechend, wenn ein Kind so erzogen wird, daß es einen Begriff definieren und ihn dann in einer Definition besitzen soll. Das ist wirklich, wie wenn man seine Glieder in einen Apparat einschnüren wollte. Das Kind muß wachstumsfähige Bilder bekommen, die ganz etwas anderes werden nach zehn bis zwanzig Jahren. Nur wenn man ihm solche wachstumsfähigen Bilder überliefert, regt man es an, sich empfindend einzuleben in das, was in den Tiefen einer anderen menschlichen Individualität oft verborgen ist. Sie sehen, wie kompliziert die Zusammenhänge sind: Wir lernen zu den Menschen ein tieferes Verhältnis dadurch gewinnen, daß uns in der Jugend das seelische Wachsen möglich gemacht wird.

[ 25 ] Was heißt denn: den anderen Menschen erleben? Einen anderen Menschen kann man nicht erleben mit toten Begriffen. Man kann einen anderen Menschen nur begreifen, wenn man ihm gegenübertritt und einem dies zum Erlebnis wird, was einen selber innerlich ergreift. Dazu braucht man aber innere Regsamkeit. Heute gehen die Menschen durch Frühstücke, Diners zu Tees, ohne viel übereinander zu wissen. Über sich selber wissen die heutigen Menschen allerdings verhältnismäßig noch am meisten. Aber wie richten sie ihre Erfahrungen instinktiv ein? Wie urteilen sie über die vielen Menschen, die sie bei Frühstücken oder Diners finden? Sie urteilen höchstens so: Ist er so wie ich selber, oder ist er etwas anderes? — Und wenn man glaubt, er ist so wie man selber, dann ist der andere ein rechter Kerl. Ist er aber nicht so, wie man selber ist, dann ist er kein rechter Kerl, dann beschäftigt man sich nicht mit ihm. Und da die meisten Menschen nicht so sind, wie man selber ist, kann man höchstens manchmal glauben — weil es einem schließlich zu fad wird, gar keinen rechten Kerl zu finden —, man finde einen Menschen, der so ist, wie man selber. Aber eigentlich findet man auf diese Art keinen anderen Menschen, sondern immer nur sich selber. Man sieht sich in jedem anderen Menschen. Für viele Menschen ist das noch ganz gut, denn wenn sie jemandem entgegentreten würden, der für sie zwar nicht vollständig, aber doch bis zu einem gewissen Grade ein richtiger Kerl ist, und sie würden ihn erfassen, so würde das ein so starkes Erleben sein, daß es ihren eigenen Menschen ganz übertönen würde. Beim zweiten würde ihr Ich noch mehr übertönt, und beim dritten und vierten kämen sie schon gar nicht mehr heran, da hätten sie sich schon verloren. Es wird eben zu wenig innere Stärke und Aktivität, zu wenig Kern, zu wenig Individualität entwickelt, so daß die Menschen aus Furcht, sich selber zu verlieren, den anderen Menschen nicht erleben mögen. Und so gehen sie aneinander vorüber.

[ 25 ] Was heißt denn: den anderen Menschen erleben? Einen anderen Menschen kann man nicht erleben mit toten Begriffen. Man kann einen anderen Menschen nur begreifen, wenn man ihm gegenübertritt und einem dies zum Erlebnis wird, was einen selber innerlich ergreift. Dazu braucht man aber innere Regsamkeit. Heute gehen die Menschen durch Frühstücke, Diners zu Tees, ohne viel übereinander zu wissen. Über sich selber wissen die heutigen Menschen allerdings verhältnismäßig noch am meisten. Aber wie richten sie ihre Erfahrungen instinktiv ein? Wie urteilen sie über die vielen Menschen, die sie bei Frühstücken oder Diners finden? Sie urteilen höchstens so: Ist er so wie ich selber, oder ist er etwas anderes? — Und wenn man glaubt, er ist so wie man selber, dann ist der andere ein rechter Kerl. Ist er aber nicht so, wie man selber ist, dann ist er kein rechter Kerl, dann beschäftigt man sich nicht mit ihm. Und da die meisten Menschen nicht so sind, wie man selber ist, kann man höchstens manchmal glauben — weil es einem schließlich zu fad wird, gar keinen rechten Kerl zu finden —, man finde einen Menschen, der so ist, wie man selber. Aber eigentlich findet man auf diese Art keinen anderen Menschen, sondern immer nur sich selber. Man sieht sich in jedem anderen Menschen. Für viele Menschen ist das noch ganz gut, denn wenn sie jemandem entgegentreten würden, der für sie zwar nicht vollständig, aber doch bis zu einem gewissen Grade ein richtiger Kerl ist, und sie würden ihn erfassen, so würde das ein so starkes Erleben sein, daß es ihren eigenen Menschen ganz übertönen würde. Beim zweiten würde ihr Ich noch mehr übertönt, und beim dritten und vierten kämen sie schon gar nicht mehr heran, da hätten sie sich schon verloren. Es wird eben zu wenig innere Stärke und Aktivität, zu wenig Kern, zu wenig Individualität entwickelt, so daß die Menschen aus Furcht, sich selber zu verlieren, den anderen Menschen nicht erleben mögen. Und so gehen sie aneinander vorüber.

[ 26 ] Deshalb ist das Wichtigste, daß wir eine Erziehung ausprägen, durch welche die Menschen wiederum miteinander leben lernen. Das kann man nicht durch Phrasen. Man kann das nur durch eine Erziehungskunst, die auf wahrer Menschenkenntnis begründet ist, eben die Erziehungskunst, von der hier gesprochen wird. Aber im großen und ganzen hat eben das intellektualistische Zeitalter das ganze Leben in Intellektualität getaucht. Wir leben eigentlich, in bezug auf unsere Institutionen, vielfach gar nicht mehr unter Menschen, sondern wir leben in einem verkörperten Intellekt, indem wir darinnen eingesponnen sind, nicht wie eine Spinne in ihrem eigenen Netze, sondern wie unzählige Fliegen, die sich in einem Spinnennetze verfangen haben.

[ 26 ] Deshalb ist das Wichtigste, daß wir eine Erziehung ausprägen, durch welche die Menschen wiederum miteinander leben lernen. Das kann man nicht durch Phrasen. Man kann das nur durch eine Erziehungskunst, die auf wahrer Menschenkenntnis begründet ist, eben die Erziehungskunst, von der hier gesprochen wird. Aber im großen und ganzen hat eben das intellektualistische Zeitalter das ganze Leben in Intellektualität getaucht. Wir leben eigentlich, in bezug auf unsere Institutionen, vielfach gar nicht mehr unter Menschen, sondern wir leben in einem verkörperten Intellekt, indem wir darinnen eingesponnen sind, nicht wie eine Spinne in ihrem eigenen Netze, sondern wie unzählige Fliegen, die sich in einem Spinnennetze verfangen haben.

[ 27 ] Haben wir denn überhaupt eineEmpfindung, wenn wir einem Menschen gegenübertreten, was uns dieser Mensch sein kann? Urteilen wir heute überhaupt so menschlich? Nein, das tun wir ja zumeist nicht, sondern wir fragen, ob nicht vielleicht an der Türe dieses Menschen ein Täfelchen angebracht ist, worauf irgendein Begriff steht, zum Beispiel «Gerichtsadvokat», wie es in Wien heißt, oder in Deutschland «Rechtsanwalt», oder bei einem anderen heißt es «Praktischer Arzt». Von dem wissen wir, daß er uns heilen kann! Bei einem anderen heißt es «Professor für die englische Sprache». Jetzt wissen wir, was wir an ihm haben. Wenn wir etwas über Chemie wissen wollen, so haben wir keine andere Wahl, als zu fragen, ob irgendwo ein Mensch lebt, dem ein Diplom erteilt worden ist als Chemiker. Was der uns dann sagt, das ist Chemie. Und so geht es weiter. Wir sind wirklich in dieses Spinnennetz von Begriffen eingesponnen. Wir leben nicht unter Menschen. Was einen kümmert, ist das, was auf dem Papier steht; das ist für viele Menschen der einzige Anhaltspunkt. Wie wüßten sie denn auch sonst, was ich für ein Mensch bin, wenn es nicht auf irgendeinem Papier stünde!

[ 27 ] Haben wir denn überhaupt eineEmpfindung, wenn wir einem Menschen gegenübertreten, was uns dieser Mensch sein kann? Urteilen wir heute überhaupt so menschlich? Nein, das tun wir ja zumeist nicht, sondern wir fragen, ob nicht vielleicht an der Türe dieses Menschen ein Täfelchen angebracht ist, worauf irgendein Begriff steht, zum Beispiel «Gerichtsadvokat», wie es in Wien heißt, oder in Deutschland «Rechtsanwalt», oder bei einem anderen heißt es «Praktischer Arzt». Von dem wissen wir, daß er uns heilen kann! Bei einem anderen heißt es «Professor für die englische Sprache». Jetzt wissen wir, was wir an ihm haben. Wenn wir etwas über Chemie wissen wollen, so haben wir keine andere Wahl, als zu fragen, ob irgendwo ein Mensch lebt, dem ein Diplom erteilt worden ist als Chemiker. Was der uns dann sagt, das ist Chemie. Und so geht es weiter. Wir sind wirklich in dieses Spinnennetz von Begriffen eingesponnen. Wir leben nicht unter Menschen. Was einen kümmert, ist das, was auf dem Papier steht; das ist für viele Menschen der einzige Anhaltspunkt. Wie wüßten sie denn auch sonst, was ich für ein Mensch bin, wenn es nicht auf irgendeinem Papier stünde!

[ 28 ] Es ist das alles etwas radikal gesprochen, aber es charakterisiert eben doch unser Zeitalter. Die Intellektualität ist nicht mehr bloß in unserem Kopfe, sondern sie umspinnt uns in der Tat schon überall. Wir richten uns nur nach Begriffen. Wir richten uns nicht nach menschlichen Impulsen.

[ 28 ] Es ist das alles etwas radikal gesprochen, aber es charakterisiert eben doch unser Zeitalter. Die Intellektualität ist nicht mehr bloß in unserem Kopfe, sondern sie umspinnt uns in der Tat schon überall. Wir richten uns nur nach Begriffen. Wir richten uns nicht nach menschlichen Impulsen.

[ 29 ] Ich war noch ziemlich jung, da lernte ich in Baden bei Wien den österreichischen Dichter Hermann Rollett kennen, der jetzt schon lange gestorben ist. Der war der Ansicht, daß das Richtige eine Entwickelung zum Intellektualismus hin sei. Gleichzeitig aber hatte er eine heillose Angst davor, denn er spürte, daß das nur den menschlichen Kopf ergreift. Und als ich ihn einmal mit Schröer besuchte, kam er in dichterischer Art auf seine heillose Kulturangst zu sprechen. Er sagte: Wenn man heute die Menschen ansieht: ihre Finger können sie gar nicht ordentlich gebrauchen, viele können nicht schreiben, sie kriegen Schreibkrampf, die Finger verkümmern. Wenn es darauf ankommt, nicht einmal Hosenknöpfe können sie annähen, das können nur die Schneider. Und nicht nur werden die Finger und Gliedmaßen ungeschickter werden, sondern sie werden auch kleiner werden, sie werden verkümmern, die Köpfe aber werden immer größer werden. — So schilderte er seinen Dichtertraum und meinte dann, es würde die Zeit kommen, wo nur noch Kugeln von Köpfen über die Erde hinrollen.

[ 29 ] Ich war noch ziemlich jung, da lernte ich in Baden bei Wien den österreichischen Dichter Hermann Rollett kennen, der jetzt schon lange gestorben ist. Der war der Ansicht, daß das Richtige eine Entwickelung zum Intellektualismus hin sei. Gleichzeitig aber hatte er eine heillose Angst davor, denn er spürte, daß das nur den menschlichen Kopf ergreift. Und als ich ihn einmal mit Schröer besuchte, kam er in dichterischer Art auf seine heillose Kulturangst zu sprechen. Er sagte: Wenn man heute die Menschen ansieht: ihre Finger können sie gar nicht ordentlich gebrauchen, viele können nicht schreiben, sie kriegen Schreibkrampf, die Finger verkümmern. Wenn es darauf ankommt, nicht einmal Hosenknöpfe können sie annähen, das können nur die Schneider. Und nicht nur werden die Finger und Gliedmaßen ungeschickter werden, sondern sie werden auch kleiner werden, sie werden verkümmern, die Köpfe aber werden immer größer werden. — So schilderte er seinen Dichtertraum und meinte dann, es würde die Zeit kommen, wo nur noch Kugeln von Köpfen über die Erde hinrollen.

[ 30 ] Das trat mir dazumal als eine Kulturangst bei diesem Manne entgegen. Er war ein Kind seiner Zeit, das heißt ein Materialist, und deshalb hatte er eine so große Angst gehabt, daß in der Zukunft solche Köpfe über die Erde hinrollen werden. Das werden ja die physischen Köpfe nicht tun; aber die ätherischen und astralischen Köpfe tun es schon heute in ganz bedenklicher Weise. Davor muß eine gesunde Jugenderziehung die Menschen bewahren. Sie muß die Menschen wieder auf ihre Beine stellen und sie so führen, daß sie wieder ihren Herzschlag verspüren, wenn sie über etwas nachdenken, nicht bloß etwas für ihr Wissen haben. Das sind die Dinge, die wir durchaus berücksichtigen müssen, wenn wir uns hineinleben wollen in das, was Einschlag werden muß für die pädagogische Kunst, für die Erziehungskunst, gegen die Zukunft der Menschheit hin. Was dazu noch Ergänzendes zu sagen ist, werde ich versuchen, morgen vor Ihnen zu entwickeln.

[ 30 ] Das trat mir dazumal als eine Kulturangst bei diesem Manne entgegen. Er war ein Kind seiner Zeit, das heißt ein Materialist, und deshalb hatte er eine so große Angst gehabt, daß in der Zukunft solche Köpfe über die Erde hinrollen werden. Das werden ja die physischen Köpfe nicht tun; aber die ätherischen und astralischen Köpfe tun es schon heute in ganz bedenklicher Weise. Davor muß eine gesunde Jugenderziehung die Menschen bewahren. Sie muß die Menschen wieder auf ihre Beine stellen und sie so führen, daß sie wieder ihren Herzschlag verspüren, wenn sie über etwas nachdenken, nicht bloß etwas für ihr Wissen haben. Das sind die Dinge, die wir durchaus berücksichtigen müssen, wenn wir uns hineinleben wollen in das, was Einschlag werden muß für die pädagogische Kunst, für die Erziehungskunst, gegen die Zukunft der Menschheit hin. Was dazu noch Ergänzendes zu sagen ist, werde ich versuchen, morgen vor Ihnen zu entwickeln.