Knowledge — The Task of Youth
Supplements to the Pedagogical Youth Course
GA 217a
1 October 1920, Dornach
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Die Erkenntnis—Aufgabe der Jugend
1. Ein Weg zu freier wissenschaftlicher Arbeit
1. Ein Weg zu freier wissenschaftlicher Arbeit
Ansprache während des ersten anthroposophischen Hochschulkurses im Goetheanum, zu dem damals erschienenen Aufruf an die akademische Jugend
Ansprache während des ersten anthroposophischen Hochschulkurses im Goetheanum, zu dem damals erschienenen Aufruf an die akademische Jugend
[ 1 ] Meine verehrten Kommilitonen! Sie werden begreifen, daß ich natürlich nicht in irgendeiner Weise zu dem Inhalt des Aufrufes selbst sprechen kann, da er in zu enge Verbindung mit meiner Person gebracht ist. Und daher wird es am besten sein, wenn ich in den Worten, die ich zu Ihnen heute sprechen darf, mich mehr beziehe auf dasjenige, was eigentlich als ein Wollen sich ankündigt aus der gegenwärtigen Studentenschaft heraus für neue wissenschaftliche und allgemeine Kulturziele sowie auch für das soziale Leben.
[ 1 ] Meine verehrten Kommilitonen! Sie werden begreifen, daß ich natürlich nicht in irgendeiner Weise zu dem Inhalt des Aufrufes selbst sprechen kann, da er in zu enge Verbindung mit meiner Person gebracht ist. Und daher wird es am besten sein, wenn ich in den Worten, die ich zu Ihnen heute sprechen darf, mich mehr beziehe auf dasjenige, was eigentlich als ein Wollen sich ankündigt aus der gegenwärtigen Studentenschaft heraus für neue wissenschaftliche und allgemeine Kulturziele sowie auch für das soziale Leben.
[ 2 ] Wenn ich diesen Aufruf mir vor Augen halte, dann erinnert er mich an einen anderen Aufruf, der vor einiger Zeit auch seinen Weg von Stuttgart aus gehen sollte: an den Aufruf, der dazumal ein solcher sein sollte zur Bildung eines Kulturrates.
[ 2 ] Wenn ich diesen Aufruf mir vor Augen halte, dann erinnert er mich an einen anderen Aufruf, der vor einiger Zeit auch seinen Weg von Stuttgart aus gehen sollte: an den Aufruf, der dazumal ein solcher sein sollte zur Bildung eines Kulturrates.
[ 3 ] Im Jahre 1919, als unsere Arbeit in Stuttgart begann, basierte sie sich ja zunächst auf jenen «Aufruf an das deutsche Volk und an die Kulturwelt», den ich verfassen durfte, und der im März vorigen Jahres seinen Weg durch die Welt nahm. Und es basierte sich diese Arbeit auf dasjenige, was von mir versucht wurde als soziale Richtlinien anzugeben in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Als eine der wichtigsten Angelegenheiten wurde damals von einer Anzahl von Persönlichkeiten, die sich zu der Gesinnung und zu den sozialen Zielen der «Kernpunkte» bekannten, die Bildung eines Kulturrates beschlossen, und man hatte die Absicht, der Welt vor Augen zu stellen, wie es wirklich notwendig ist, an eine Art Erneuerung des Geisteslebens, an eine Durchdringung des Geisteslebens mit neuen Impulsen heranzugehen.
[ 3 ] Im Jahre 1919, als unsere Arbeit in Stuttgart begann, basierte sie sich ja zunächst auf jenen «Aufruf an das deutsche Volk und an die Kulturwelt», den ich verfassen durfte, und der im März vorigen Jahres seinen Weg durch die Welt nahm. Und es basierte sich diese Arbeit auf dasjenige, was von mir versucht wurde als soziale Richtlinien anzugeben in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Als eine der wichtigsten Angelegenheiten wurde damals von einer Anzahl von Persönlichkeiten, die sich zu der Gesinnung und zu den sozialen Zielen der «Kernpunkte» bekannten, die Bildung eines Kulturrates beschlossen, und man hatte die Absicht, der Welt vor Augen zu stellen, wie es wirklich notwendig ist, an eine Art Erneuerung des Geisteslebens, an eine Durchdringung des Geisteslebens mit neuen Impulsen heranzugehen.
[ 4 ] Sie wissen ja, in den «Kernpunkten der sozialen Frage» wird darauf aufmerksam gemacht, wie das wichtigste Streben unserer Zeit sein müsse, ein unterbewußtes Ziel der gegenwärtigen Menschheit zum bewußten Tun heraufzuheben. Das ist eben: das Gestalten des sozialen Organismus zu einem dreigliedrigen.
[ 4 ] Sie wissen ja, in den «Kernpunkten der sozialen Frage» wird darauf aufmerksam gemacht, wie das wichtigste Streben unserer Zeit sein müsse, ein unterbewußtes Ziel der gegenwärtigen Menschheit zum bewußten Tun heraufzuheben. Das ist eben: das Gestalten des sozialen Organismus zu einem dreigliedrigen.
[ 5 ] Wer ein wenig hineinschauen kann in dasjenige, was heute brodelt und pulsiert in der strebenden Menschheit, der fühlt schon, wie in diesen «Kernpunkten» nichts, aber auch gar nichts Utopistisches darinnen ist, sondern wie eigentlich nur aus einer dreißig- bis fünfunddreißigjährigen Beobachtung dasjenige geschaffen ist, was eigentlich im Grunde die größte Anzahl der Menschen will, oder sagen wir, eigentlich wollen sollte nach ihren Instinkten, nach ihren Empfindungen, was sie sich aber noch nicht eingesteht, weil sie eine gewisse Furcht hat, es sich ins Bewußtsein hinaufzuheben.
[ 5 ] Wer ein wenig hineinschauen kann in dasjenige, was heute brodelt und pulsiert in der strebenden Menschheit, der fühlt schon, wie in diesen «Kernpunkten» nichts, aber auch gar nichts Utopistisches darinnen ist, sondern wie eigentlich nur aus einer dreißig- bis fünfunddreißigjährigen Beobachtung dasjenige geschaffen ist, was eigentlich im Grunde die größte Anzahl der Menschen will, oder sagen wir, eigentlich wollen sollte nach ihren Instinkten, nach ihren Empfindungen, was sie sich aber noch nicht eingesteht, weil sie eine gewisse Furcht hat, es sich ins Bewußtsein hinaufzuheben.
[ 6 ] Man kann auf allen drei Gebieten des Lebens, auf dem Gebiet des geistigen Lebens, auf dem Gebiet des Rechts-, des Staats- oder politischen Lebens und auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Lebens sehen, wie neue Wege gewandelt werden müssen. Und ich versuchte ja in meinen «Kernpunkten» zu zeigen, wie gewissermaßen die Haupthindernisse für das Wandeln auf solchen neuen Wegen daher kommen, daß man nun einmal im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte sich eingelebt hat in die Suggestion, daß der Einheitsstaat alles machen müsse. Der Einheitsstaat hat nach und nach auch das Hochschulwesen okkupiert, könnte man sagen. Annektiert, okkupiert wurde das Hochschulwesen. Bedenken Sie nur einmal, daß dieses Hochschulwesen sich herausentwickelt hat aus dem Geistesleben selbst. Bedenken Sie, daß die Geltung des Hochschulwesens in einer Zeit, die noch gar nicht so lange hinter uns liegt, durchaus auf der individuellen Fruchtbarkeit der einzelnen Hochschulen sich aufbaute. Bedenken Sie, wie man sprach von der Juristenfakultät in Bologna, wie man sprach von der medizinischen Hochschule in Salerno, wie man sprach von anderen bedeutenden Hochschulen; wie man herleitete die Geltung des Hochschulwesens in der Welt von den besonderen individuellen Leistungen desjenigen, was in den einzelnen Hochschulen vorhanden war. Und es ist im Grunde genommen nur eine neuere Okkupation oder Annexion, die von den immer mehr und mehr Macht an sich reißenden Staaten ausgeübt worden ist, daß schließlich unser Hochschulwesen ganz eingemündet ist in eine Dienerschaft gegenüber den äußeren Bedürfnissen der einzelnen Staaten. Es müßte eigentlich heute gerade in dem Menschen, der sich verbunden fühlt mit dem Erkenntnis-Geistesstreben und überhaupt mit dem Kulturstreben der Menschen, doch etwas leben von einer Art historischer Erinnerung an solche Zeiten, in denen es an den Hochschulen lag, was sie dem Staate geben wollten, was sie aus dem Staate machen wollten. Und, ich möchte sagen, ein gewisser innerer Impuls, der aus dem Nachdenken über die Dinge kommt, der müßte dazu führen, daß man sich vor Augen stellt, wie es wieder und immer wiederum am Ende des 18. Jahrhunderts, im Beginne des 19. Jahrhunderts von einem Zeitalter der Aufklärung betont worden ist, daß in den Zeiten des Mittelalters die Wissenschaft die Dienerin des theologischen und kirchlichen Betriebes war. Wie oft ist es wiederholt worden, was Kant — Sie wissen, ich bin kein Kantianer — ausgesprochen hat mit den Worten: die Zeit ist vorüber, wo alle Wissenschaften der Theologie die Schleppe nachgetragen haben. Die Wissenschaften sind frei geworden. Sie sind dazu berufen, die Fahne voranzutragen aller übrigen Kultur. Aber im Grunde genommen erst, nachdem solche Worte populär geworden sind aus einem berechtigten Gefühl gegenüber dem geistigen Leben in den Wissenschaftsästen, erst nachher ist vom Staate aus diejenige Strömung gekommen, die das Hochschulwesen nun zum Diener des Staatswesens, der Politik, der Jurisprudenz gemacht hat. Und, meine verehrten Kommilitonen, ob es nun besser ist, der Theologie, also wenigstens einem Geistigen die Schleppe nachzutragen, oder dem äußeren Staatswesen die Schleppe nachzutragen, das ist noch erst die Frage. Darüber werden die kommenden Zeiten ihr Urteil zu fällen haben. Denn schön war es auch nicht, daß sozusagen ein Jahrhundert, nachdem Kant das Wort gesprochen hat, die Wissenschaft wolle nicht mehr der Theologie die Schleppe nachtragen, der Generalrektor der Berliner Akademie der Wissenschaft, der berühmte Physiologe Du Bois-Reymond ausgesprochen hat, daß die Herren Mitglieder der Berliner Akademie der Wissenschaften sich sehr geehrt fühlten, indem sie sich nennen dürften: Die wissenschaftliche Schutztruppe der Hohenzollern. Das ist schließlich aus dem geworden, was ich nennen möchte: Okkupation des Hochschulwesens durch den Staat. Und es ist ja selbstverständlich, daß der Staat nicht für die Wissenschaft, sondern daß der Staat für seine «Beamten» sorgt. Neulich, meine sehr verehrten Kommilitonen, konnte schon der Rektor der Universität Halle einen Aufsatz erscheinen lassen, der doch ganz merkwürdige Schlaglichter wirft auf dasjenige, was nun aus der alten Gesinnung, nach der er Rektor geworden ist, stammt. Der Rektor der Universität Halle scheint ja einigermaßen unterrichtet zu sein über wichtige Vorgänge hinter den Kulissen, denn er macht mit Besorgnis und ganz ausführlich in einem Zeitungsaufsatz darauf aufmerksam, daß die Absicht bestehe, eine große Anzahl deutscher Universitäten eingehen zu lassen und an ihrer Stelle Beamtenschulen zu errichten, wo man also Beamte in der richtigen Weise dressieren wird. Ja, meine sehr verehrten Kommilitonen, auf diese Dinge muß man hinschauen, wenn man begreifen will, daß eine verhältnismäßig scharfe Sprache dazumal geführt wurde in jenem Aufruf zu einem Kulturrat, der von Stuttgart ausging. Denn dasjenige, was da hineingewirkt hat in das Universitätswesen, das hat nicht erwa bloß das Anstellungswesen der Professoren, die Unannehmlichkeiten des Prüfungswesens ergriffen, sondern das hat die Wissenschaften, die Erkenntnis, den Geist selbst ergriffen. Und dem sollte dazumal Abhilfe geschaffen werden dadurch, daß man alles aufrief, von dem man glaubte, daß es ein Herz, einen Sinn hat für ein Weiterbringen des Erziehungswesens, der geistigen Angelegenheiten überhaupt. Und es war damals die Hoffnung derjenigen Menschen, die mit einem warmen Herzen für eine solche Sache an die Arbeit für diesen Aufruf gingen, daß man sich ja zunächst wenden müsse an die Vertreter des geistigen Lebens selbst. Sehr viele Gutmeinende meinten eben, aus dem Kreise der Hochschullehrer heraus werden sich ja selbst Einsichtige finden, welche mitgehen mit der Emanzipation des Hochschulwesens vom Staatswesen.
[ 6 ] Man kann auf allen drei Gebieten des Lebens, auf dem Gebiet des geistigen Lebens, auf dem Gebiet des Rechts-, des Staats- oder politischen Lebens und auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Lebens sehen, wie neue Wege gewandelt werden müssen. Und ich versuchte ja in meinen «Kernpunkten» zu zeigen, wie gewissermaßen die Haupthindernisse für das Wandeln auf solchen neuen Wegen daher kommen, daß man nun einmal im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte sich eingelebt hat in die Suggestion, daß der Einheitsstaat alles machen müsse. Der Einheitsstaat hat nach und nach auch das Hochschulwesen okkupiert, könnte man sagen. Annektiert, okkupiert wurde das Hochschulwesen. Bedenken Sie nur einmal, daß dieses Hochschulwesen sich herausentwickelt hat aus dem Geistesleben selbst. Bedenken Sie, daß die Geltung des Hochschulwesens in einer Zeit, die noch gar nicht so lange hinter uns liegt, durchaus auf der individuellen Fruchtbarkeit der einzelnen Hochschulen sich aufbaute. Bedenken Sie, wie man sprach von der Juristenfakultät in Bologna, wie man sprach von der medizinischen Hochschule in Salerno, wie man sprach von anderen bedeutenden Hochschulen; wie man herleitete die Geltung des Hochschulwesens in der Welt von den besonderen individuellen Leistungen desjenigen, was in den einzelnen Hochschulen vorhanden war. Und es ist im Grunde genommen nur eine neuere Okkupation oder Annexion, die von den immer mehr und mehr Macht an sich reißenden Staaten ausgeübt worden ist, daß schließlich unser Hochschulwesen ganz eingemündet ist in eine Dienerschaft gegenüber den äußeren Bedürfnissen der einzelnen Staaten. Es müßte eigentlich heute gerade in dem Menschen, der sich verbunden fühlt mit dem Erkenntnis-Geistesstreben und überhaupt mit dem Kulturstreben der Menschen, doch etwas leben von einer Art historischer Erinnerung an solche Zeiten, in denen es an den Hochschulen lag, was sie dem Staate geben wollten, was sie aus dem Staate machen wollten. Und, ich möchte sagen, ein gewisser innerer Impuls, der aus dem Nachdenken über die Dinge kommt, der müßte dazu führen, daß man sich vor Augen stellt, wie es wieder und immer wiederum am Ende des 18. Jahrhunderts, im Beginne des 19. Jahrhunderts von einem Zeitalter der Aufklärung betont worden ist, daß in den Zeiten des Mittelalters die Wissenschaft die Dienerin des theologischen und kirchlichen Betriebes war. Wie oft ist es wiederholt worden, was Kant — Sie wissen, ich bin kein Kantianer — ausgesprochen hat mit den Worten: die Zeit ist vorüber, wo alle Wissenschaften der Theologie die Schleppe nachgetragen haben. Die Wissenschaften sind frei geworden. Sie sind dazu berufen, die Fahne voranzutragen aller übrigen Kultur. Aber im Grunde genommen erst, nachdem solche Worte populär geworden sind aus einem berechtigten Gefühl gegenüber dem geistigen Leben in den Wissenschaftsästen, erst nachher ist vom Staate aus diejenige Strömung gekommen, die das Hochschulwesen nun zum Diener des Staatswesens, der Politik, der Jurisprudenz gemacht hat. Und, meine verehrten Kommilitonen, ob es nun besser ist, der Theologie, also wenigstens einem Geistigen die Schleppe nachzutragen, oder dem äußeren Staatswesen die Schleppe nachzutragen, das ist noch erst die Frage. Darüber werden die kommenden Zeiten ihr Urteil zu fällen haben. Denn schön war es auch nicht, daß sozusagen ein Jahrhundert, nachdem Kant das Wort gesprochen hat, die Wissenschaft wolle nicht mehr der Theologie die Schleppe nachtragen, der Generalrektor der Berliner Akademie der Wissenschaft, der berühmte Physiologe Du Bois-Reymond ausgesprochen hat, daß die Herren Mitglieder der Berliner Akademie der Wissenschaften sich sehr geehrt fühlten, indem sie sich nennen dürften: Die wissenschaftliche Schutztruppe der Hohenzollern. Das ist schließlich aus dem geworden, was ich nennen möchte: Okkupation des Hochschulwesens durch den Staat. Und es ist ja selbstverständlich, daß der Staat nicht für die Wissenschaft, sondern daß der Staat für seine «Beamten» sorgt. Neulich, meine sehr verehrten Kommilitonen, konnte schon der Rektor der Universität Halle einen Aufsatz erscheinen lassen, der doch ganz merkwürdige Schlaglichter wirft auf dasjenige, was nun aus der alten Gesinnung, nach der er Rektor geworden ist, stammt. Der Rektor der Universität Halle scheint ja einigermaßen unterrichtet zu sein über wichtige Vorgänge hinter den Kulissen, denn er macht mit Besorgnis und ganz ausführlich in einem Zeitungsaufsatz darauf aufmerksam, daß die Absicht bestehe, eine große Anzahl deutscher Universitäten eingehen zu lassen und an ihrer Stelle Beamtenschulen zu errichten, wo man also Beamte in der richtigen Weise dressieren wird. Ja, meine sehr verehrten Kommilitonen, auf diese Dinge muß man hinschauen, wenn man begreifen will, daß eine verhältnismäßig scharfe Sprache dazumal geführt wurde in jenem Aufruf zu einem Kulturrat, der von Stuttgart ausging. Denn dasjenige, was da hineingewirkt hat in das Universitätswesen, das hat nicht erwa bloß das Anstellungswesen der Professoren, die Unannehmlichkeiten des Prüfungswesens ergriffen, sondern das hat die Wissenschaften, die Erkenntnis, den Geist selbst ergriffen. Und dem sollte dazumal Abhilfe geschaffen werden dadurch, daß man alles aufrief, von dem man glaubte, daß es ein Herz, einen Sinn hat für ein Weiterbringen des Erziehungswesens, der geistigen Angelegenheiten überhaupt. Und es war damals die Hoffnung derjenigen Menschen, die mit einem warmen Herzen für eine solche Sache an die Arbeit für diesen Aufruf gingen, daß man sich ja zunächst wenden müsse an die Vertreter des geistigen Lebens selbst. Sehr viele Gutmeinende meinten eben, aus dem Kreise der Hochschullehrer heraus werden sich ja selbst Einsichtige finden, welche mitgehen mit der Emanzipation des Hochschulwesens vom Staatswesen.
[ 7 ] Nun, meine verehrten Kommilitonen, ein wirklich tatkräftiges Mitgehen wurde nicht gefunden. Aber um so öfter konnte man hören, wie die Herren in eigentümlicher Weise sich äußerten. Sie sagten nämlich: Ja, wenn diese Dreigliederung des sozialen Organismus mit ihrem freien Geistesleben da wäre, dann würde es ja dahin kommen, daß statt des Unterrichtsministers mit seiner Beamtenschaft die Lehrer an den Universitäten selber eine Art Administration des gesamten Erziehungswesens ausüben würden. Nein, sagten die Herrn, da stehe ich doch lieber unter dem Unterrichtsminister und seinen Referenten, als daß ich mich einlassen würde auf die Verfügungen und Maßnahmen, die meine Herrn Kollegen treffen. Und man konnte ganz sonderbare Aussagen hören über die Herrn Kollegen. Und da man Gelegenheit hatte bei dieser Wanderschaft durch die Meinungen der Hochschullehrer, zu hören, was der A über den B, der B über den A redete, so blieben nicht viele übrig von denjenigen, an die man sich nun bei dieser Selbstverwaltung, diesem Auf-sich-selbst-gestellt-sein-Wollen des geistigen Organismus hätte halten können. Man machte recht traurige Erfahrungen. Es wird Ihnen ja vielleicht bekannt sein, daß dieser ganze Kulturaufruf mit all seinen guten Intentionen einfach Makulatur blieb, daß sich eigentlich im Grunde genommen niemand gefunden hat, der für ein freies Geistesleben aus dem Kreise der geistigen Arbeiter hat eintreten wollen.
[ 7 ] Nun, meine verehrten Kommilitonen, ein wirklich tatkräftiges Mitgehen wurde nicht gefunden. Aber um so öfter konnte man hören, wie die Herren in eigentümlicher Weise sich äußerten. Sie sagten nämlich: Ja, wenn diese Dreigliederung des sozialen Organismus mit ihrem freien Geistesleben da wäre, dann würde es ja dahin kommen, daß statt des Unterrichtsministers mit seiner Beamtenschaft die Lehrer an den Universitäten selber eine Art Administration des gesamten Erziehungswesens ausüben würden. Nein, sagten die Herrn, da stehe ich doch lieber unter dem Unterrichtsminister und seinen Referenten, als daß ich mich einlassen würde auf die Verfügungen und Maßnahmen, die meine Herrn Kollegen treffen. Und man konnte ganz sonderbare Aussagen hören über die Herrn Kollegen. Und da man Gelegenheit hatte bei dieser Wanderschaft durch die Meinungen der Hochschullehrer, zu hören, was der A über den B, der B über den A redete, so blieben nicht viele übrig von denjenigen, an die man sich nun bei dieser Selbstverwaltung, diesem Auf-sich-selbst-gestellt-sein-Wollen des geistigen Organismus hätte halten können. Man machte recht traurige Erfahrungen. Es wird Ihnen ja vielleicht bekannt sein, daß dieser ganze Kulturaufruf mit all seinen guten Intentionen einfach Makulatur blieb, daß sich eigentlich im Grunde genommen niemand gefunden hat, der für ein freies Geistesleben aus dem Kreise der geistigen Arbeiter hat eintreten wollen.
[ 8 ] Aber auch an äußeren Erscheinungen kann man schon verspüren, was in den letzten Jahrzehnten eingetreten ist. Manche würdigen die Dinge noch nicht in der richtigen Art. Ich betone nur, daß zum Beispiel dasjenige, was man geworden ist früher durch sein Darinnenstehen im Hochschulbetriebe, sich in etwas ausdrückte, das gewissermaßen aus dem wissenschaftlichen und dem Erkenntnisstreben selbst herauswuchs. Was etwas zu tun hatte mit dem Erkenntnisstreben, das ist das Gradwesen an den verschiedenen Fakultäten. Man merkt nur, wie sich hereingeschlichen hat in dieses Gradwesen, das aus der Eigenverwaltung der Universitäten hervorgegangen ist, das Staatsprüfungswesen, wie schließlich gegenüber den Staatsprüfungen dasjenige, was als Gradwesen aus den Universitäten, also aus den Wissenschaften selber herausgewachsen ist, nur noch eine Dekoration geworden ist.
[ 8 ] Aber auch an äußeren Erscheinungen kann man schon verspüren, was in den letzten Jahrzehnten eingetreten ist. Manche würdigen die Dinge noch nicht in der richtigen Art. Ich betone nur, daß zum Beispiel dasjenige, was man geworden ist früher durch sein Darinnenstehen im Hochschulbetriebe, sich in etwas ausdrückte, das gewissermaßen aus dem wissenschaftlichen und dem Erkenntnisstreben selbst herauswuchs. Was etwas zu tun hatte mit dem Erkenntnisstreben, das ist das Gradwesen an den verschiedenen Fakultäten. Man merkt nur, wie sich hereingeschlichen hat in dieses Gradwesen, das aus der Eigenverwaltung der Universitäten hervorgegangen ist, das Staatsprüfungswesen, wie schließlich gegenüber den Staatsprüfungen dasjenige, was als Gradwesen aus den Universitäten, also aus den Wissenschaften selber herausgewachsen ist, nur noch eine Dekoration geworden ist.
[ 9 ] Gewiß, solche Dinge sind nur Symptome zunächst. Aber sie zeigen als Symptome sehr deutlich, daß ein Absorptionsprozeß des geistigen Lebens durch das politische, durch das äußerlich staatliche Leben in hohem Grade sich vollzogen hat. Und Sie können ganz sicher sein, daß das Staatswesen, worauf ich heute hindeutete, das nur Staatswesen sein will, überhaupt die Universitäten ertöten wird, weil es sie nicht braucht als Universitäten, als Wissenschaftsstätten. Weil es dasjenige, was es bis jetzt aus den Universitäten gebraucht hat, nur als Staatsbeamtenschule brauchte, wird es alles in Staatsbeamtenschulen verwandeln. Das ist die Tendenz der Zeit. Wenn so etwas ausgesprochen wird, will man es immer nur als Utopie, als falsche Prophetenworte hinstellen. Man muß aber auch ein wenig hinsehen können in die Richtung, in welcher sich die Zeit bewegt. Und schließlich ist es schon weit fortgeschritten, daß wir aus der Juristenfakultät eine Beamtenschule für den Staat, aus der medizinischen Fakultät ein Bestreben hervorkommen sehen, welches darauf hinausgeht, auch den Heiler der Menschen zu einem bloßen Rad im Staatsbetriebe zu machen. Und an der philosophischen Fakultät? Was hat denn heute noch viel Wert als dasjenige, was die Leute vorbereitet, um im staatlichen Sinne Unterrichtsbeamte, nicht Pädagogen zu sein! In Deutschland, dem Musterland, im demokratisierten Deutschland heißen ja die Lehrer gar nicht einmal mehr Lehrer oder Professor, sondern — als Schreck aller Schrecken! — Studienassessor oder Studienoberassessor und dergleichen. Diese Äußerlichkeiten haben aber mit dem ganzen inneren Geist der Wissenschaften zu tun. Und es war wirklich etwas recht Trauriges, daß man die Erfahrung machen mußte, daß auf seiten der Lehrenden absolut kein Herz und kein Sinn ist für eine Verselbständigung des Geisteslebens.
[ 9 ] Gewiß, solche Dinge sind nur Symptome zunächst. Aber sie zeigen als Symptome sehr deutlich, daß ein Absorptionsprozeß des geistigen Lebens durch das politische, durch das äußerlich staatliche Leben in hohem Grade sich vollzogen hat. Und Sie können ganz sicher sein, daß das Staatswesen, worauf ich heute hindeutete, das nur Staatswesen sein will, überhaupt die Universitäten ertöten wird, weil es sie nicht braucht als Universitäten, als Wissenschaftsstätten. Weil es dasjenige, was es bis jetzt aus den Universitäten gebraucht hat, nur als Staatsbeamtenschule brauchte, wird es alles in Staatsbeamtenschulen verwandeln. Das ist die Tendenz der Zeit. Wenn so etwas ausgesprochen wird, will man es immer nur als Utopie, als falsche Prophetenworte hinstellen. Man muß aber auch ein wenig hinsehen können in die Richtung, in welcher sich die Zeit bewegt. Und schließlich ist es schon weit fortgeschritten, daß wir aus der Juristenfakultät eine Beamtenschule für den Staat, aus der medizinischen Fakultät ein Bestreben hervorkommen sehen, welches darauf hinausgeht, auch den Heiler der Menschen zu einem bloßen Rad im Staatsbetriebe zu machen. Und an der philosophischen Fakultät? Was hat denn heute noch viel Wert als dasjenige, was die Leute vorbereitet, um im staatlichen Sinne Unterrichtsbeamte, nicht Pädagogen zu sein! In Deutschland, dem Musterland, im demokratisierten Deutschland heißen ja die Lehrer gar nicht einmal mehr Lehrer oder Professor, sondern — als Schreck aller Schrecken! — Studienassessor oder Studienoberassessor und dergleichen. Diese Äußerlichkeiten haben aber mit dem ganzen inneren Geist der Wissenschaften zu tun. Und es war wirklich etwas recht Trauriges, daß man die Erfahrung machen mußte, daß auf seiten der Lehrenden absolut kein Herz und kein Sinn ist für eine Verselbständigung des Geisteslebens.
[ 10 ] Das muß ich mir vorhalten, wenn ich jetzt den Aufruf, der aus der Studentenschaft heraus kommt, vornehme. Wenn es das Alter nicht machen mag — anders kann man nicht sagen —, dann muß eben die Jugend es als heilige Pflicht empfinden, für die Freiheit des Geisteslebens einzutreten. Denn dessen können wir sicher sein: wenn niemand für die Freiheit des Geisteslebens, wenn niemand für die Urquellen einer Erkenntniserneuerung eintritt, dann wird es schlimm stehen in den Zeiten, in welche die nächste Generation unserer zivilisierten Menschheit hineinwächst. Es ist doch nicht ohne Bedeutung, daß ein so geistreicher Mann wie Oswald Spengler heute schon wissenschaftlich, das heißt mit den Mitteln der alten Wissenschaft beweisen kann, daß die Zivilisation des Abendlandes der Barbarei entgegengeht. Wir haben vieles wissenschaftlich beweisen gelernt. Heute wird wirklich mit einer großen Kraft schon bewiesen, daß all unser Wissen in die Barbarei hineinführt.
[ 10 ] Das muß ich mir vorhalten, wenn ich jetzt den Aufruf, der aus der Studentenschaft heraus kommt, vornehme. Wenn es das Alter nicht machen mag — anders kann man nicht sagen —, dann muß eben die Jugend es als heilige Pflicht empfinden, für die Freiheit des Geisteslebens einzutreten. Denn dessen können wir sicher sein: wenn niemand für die Freiheit des Geisteslebens, wenn niemand für die Urquellen einer Erkenntniserneuerung eintritt, dann wird es schlimm stehen in den Zeiten, in welche die nächste Generation unserer zivilisierten Menschheit hineinwächst. Es ist doch nicht ohne Bedeutung, daß ein so geistreicher Mann wie Oswald Spengler heute schon wissenschaftlich, das heißt mit den Mitteln der alten Wissenschaft beweisen kann, daß die Zivilisation des Abendlandes der Barbarei entgegengeht. Wir haben vieles wissenschaftlich beweisen gelernt. Heute wird wirklich mit einer großen Kraft schon bewiesen, daß all unser Wissen in die Barbarei hineinführt.
[ 11 ] Das ist etwas, was, wie man glauben kann, wie ein Alp lasten muß auf der Jugend, die ja heute nicht in blindem Autoritätsglauben aufwachsen darf, die sich nicht gestatten darf einen blinden Autoritätsglauben, sondern die mit sehenden Augen hinschauen muß auf dasjenige, was vorgeht an den Anstalten, die sie betritt, um in das Leben hineinzuwachsen. Und man darf daher glauben, daß es einen gewissen wohltuenden Eindruck machen kann, abgesehen von allem — und ich will und kann absehen von alledem, was sich in dem Aufruf auf meine Person bezieht —, es macht einen wohltuenden Eindruck, daß nun in Gegensatz zu den alten Führenden die Geführten treten und sagen, was sie wollen, und daß sie es sagen in konkreter Form. Denn, meine sehr verehrten Kommilitonen, die Befreiung des Geisteslebens, die Verselbständigung des geistigen Organismus kann nicht durch Tiraden, durch Rhetorik erreicht werden. Dasjenige, was durch den Staat absorbiert worden ist, muß wieder herausgezogen werden. Das kann aber nur geschehen, wenn eine wirkliche Kraft des Geisteslebens da ist. Und ebenso wie im Zeitalter des Materialismus die Wissenschaft ohnmächtig war gegenüber den Aufsaugegelüsten des Staates, so würde eine materiell bleibende Wissenschaft ohnmächtig auch bleiben gegenüber diesen Absorptionsgelüsten des die Wissenschaft in die Barbarei überführenden Staates. Herausheben Wissenschafts- und Erkenntnisgeist aus der Politik, aus alledem, in dem er heute zu seinem Verderben steckt, das kann nur etwas Positives. Geradeso wie materielle Wissenschaft eine Beute unwissenschaftlicher Mächte geworden ist, so wird geistige Wissenschaft durch ihre eigene Wesenheit, durch ihre eigene Kraft herausziehen können diese Wissenschaft wiederum aus den ungeistigen Mächten. Und sie allein wird in der Lage sein, das freie Geistesleben, den auf sich gestellten geistigen Teil des sozialen Organismus zu begründen.
[ 11 ] Das ist etwas, was, wie man glauben kann, wie ein Alp lasten muß auf der Jugend, die ja heute nicht in blindem Autoritätsglauben aufwachsen darf, die sich nicht gestatten darf einen blinden Autoritätsglauben, sondern die mit sehenden Augen hinschauen muß auf dasjenige, was vorgeht an den Anstalten, die sie betritt, um in das Leben hineinzuwachsen. Und man darf daher glauben, daß es einen gewissen wohltuenden Eindruck machen kann, abgesehen von allem — und ich will und kann absehen von alledem, was sich in dem Aufruf auf meine Person bezieht —, es macht einen wohltuenden Eindruck, daß nun in Gegensatz zu den alten Führenden die Geführten treten und sagen, was sie wollen, und daß sie es sagen in konkreter Form. Denn, meine sehr verehrten Kommilitonen, die Befreiung des Geisteslebens, die Verselbständigung des geistigen Organismus kann nicht durch Tiraden, durch Rhetorik erreicht werden. Dasjenige, was durch den Staat absorbiert worden ist, muß wieder herausgezogen werden. Das kann aber nur geschehen, wenn eine wirkliche Kraft des Geisteslebens da ist. Und ebenso wie im Zeitalter des Materialismus die Wissenschaft ohnmächtig war gegenüber den Aufsaugegelüsten des Staates, so würde eine materiell bleibende Wissenschaft ohnmächtig auch bleiben gegenüber diesen Absorptionsgelüsten des die Wissenschaft in die Barbarei überführenden Staates. Herausheben Wissenschafts- und Erkenntnisgeist aus der Politik, aus alledem, in dem er heute zu seinem Verderben steckt, das kann nur etwas Positives. Geradeso wie materielle Wissenschaft eine Beute unwissenschaftlicher Mächte geworden ist, so wird geistige Wissenschaft durch ihre eigene Wesenheit, durch ihre eigene Kraft herausziehen können diese Wissenschaft wiederum aus den ungeistigen Mächten. Und sie allein wird in der Lage sein, das freie Geistesleben, den auf sich gestellten geistigen Teil des sozialen Organismus zu begründen.
[ 12 ] Selbstverständlich müssen Sie sich sagen, die Sie diesen Aufruf unterschreiben, daß dieser Aufruf, insbesondere wenn er von solcher Seite kommt, als ein Sturm empfunden werden wird. Aber, meine verehrten Kommilitonen, ohne Sturm geht es heute nicht ab; ohne den Willen und den Mut, wirklich umzugestalten, was umgestaltet werden muß, kommen wir nicht vorwärts, sondern gehen in den Niedergang dann weiter, gehen in die Barbarei hinein. Man wird sich von vornherein klar sein müssen darüber, daß dieser Aufruf nicht wohlwollend von gewissen Seiten aufgenommen werden kann. Aber ich glaube, daß alle diejenigen, die ihn mit vollem Herzen und mutiger Seele unterschreiben, sich auch klar darüber sind, daß man mit einem Aufruf, der wohlwollend aufgenommen würde von gewissen Seiten, auf die ich hier hindeutete, eben durchaus nichts erreichen könnte. Auf Kampf muß man gefaßt sein mit demjenigen, was man heute wollen muß.
[ 12 ] Selbstverständlich müssen Sie sich sagen, die Sie diesen Aufruf unterschreiben, daß dieser Aufruf, insbesondere wenn er von solcher Seite kommt, als ein Sturm empfunden werden wird. Aber, meine verehrten Kommilitonen, ohne Sturm geht es heute nicht ab; ohne den Willen und den Mut, wirklich umzugestalten, was umgestaltet werden muß, kommen wir nicht vorwärts, sondern gehen in den Niedergang dann weiter, gehen in die Barbarei hinein. Man wird sich von vornherein klar sein müssen darüber, daß dieser Aufruf nicht wohlwollend von gewissen Seiten aufgenommen werden kann. Aber ich glaube, daß alle diejenigen, die ihn mit vollem Herzen und mutiger Seele unterschreiben, sich auch klar darüber sind, daß man mit einem Aufruf, der wohlwollend aufgenommen würde von gewissen Seiten, auf die ich hier hindeutete, eben durchaus nichts erreichen könnte. Auf Kampf muß man gefaßt sein mit demjenigen, was man heute wollen muß.
[ 13 ] Selbstverständlich wird es darauf ankommen, daß nun nicht einfach in die Welt hinausgestellt wird ein Aufruf in Worten. Meine sehr verehrten Kommilitonen, ich habe im Laufe meines Lebens viele Aufrufe erlebt. Und ich weiß, daß Aufrufe nichts bedeuten, wenn nicht die Menschen hinter ihnen stehen, für deren Wollen im Grunde genommen solch ein Aufruf doch nur ein Äußeres, sogar ein äußerliches Ausdrucksmittel ist. Menschen, deren Kräfte nicht erlahmen, wenn sie sehen, wie in den ersten Zeiten sich alles widersetzt dem, was man so will, tatkräftige Menschen müssen hinter einer solchen Sache stehen, sonst sind Worte von solcher Schärfe allerdings nicht gerechtfertigt. Aber sie müssen in unserer Zeit im Grunde genommen gerechtfertigt sein nach all den Erfahrungen, die gemacht worden sind. Aber alledem, was in dieser Weise durch solche Kritik des Bestehenden denjenigen, die es angeht, als Kritik klargemacht werden muß, alledem muß zur Seite gestellt werden die positive Arbeit. Und wir werden wohl sehen müssen, wenn dasjenige, was beabsichtigt ist, glücken soll, daß sich Kreise bilden und immer mehr und mehr Kreise bilden, immer größere und größere Gebiete, ganz international, die auch wirklich in dem Sinne geisteswissenschaftlich arbeiten, daß sie die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen mit Geisteswissenschaft befruchten.
[ 13 ] Selbstverständlich wird es darauf ankommen, daß nun nicht einfach in die Welt hinausgestellt wird ein Aufruf in Worten. Meine sehr verehrten Kommilitonen, ich habe im Laufe meines Lebens viele Aufrufe erlebt. Und ich weiß, daß Aufrufe nichts bedeuten, wenn nicht die Menschen hinter ihnen stehen, für deren Wollen im Grunde genommen solch ein Aufruf doch nur ein Äußeres, sogar ein äußerliches Ausdrucksmittel ist. Menschen, deren Kräfte nicht erlahmen, wenn sie sehen, wie in den ersten Zeiten sich alles widersetzt dem, was man so will, tatkräftige Menschen müssen hinter einer solchen Sache stehen, sonst sind Worte von solcher Schärfe allerdings nicht gerechtfertigt. Aber sie müssen in unserer Zeit im Grunde genommen gerechtfertigt sein nach all den Erfahrungen, die gemacht worden sind. Aber alledem, was in dieser Weise durch solche Kritik des Bestehenden denjenigen, die es angeht, als Kritik klargemacht werden muß, alledem muß zur Seite gestellt werden die positive Arbeit. Und wir werden wohl sehen müssen, wenn dasjenige, was beabsichtigt ist, glücken soll, daß sich Kreise bilden und immer mehr und mehr Kreise bilden, immer größere und größere Gebiete, ganz international, die auch wirklich in dem Sinne geisteswissenschaftlich arbeiten, daß sie die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen mit Geisteswissenschaft befruchten.
[ 14 ] Es ist ja nach und nach zu Merkwürdigem gekommen, wenn es sich darum gehandelt hat, anzuschließen junge, strebende Gemüter an den Betrieb des Geisteslebens. Mir würde da vieles einfallen, wenn ich über dieses Kapitel reden wollte. Ich will Ihnen zum Beispiel nur eine nette Szene erzählen, die sich einmal abspielte an einer philosophischen Fakultät, wo sich ein junger, dazumal hoffnungsvoller Doktor habilitieren wollte für — ja, für Philosophie. Er ging zum Ordinarius, der ihn sehr schätzte, und sagte zu ihm, daß er sich habilitieren wolle, und was ihm nun angenehm wäre, daß da als Antritts-Vorlesungsthema gewählt würde. Da sagte der Ordinarius, der, wie gesagt, dem jungen Doktor wohlwollend gegenüberstand, und der die Privatdozentur dieses jungen Doktors an seiner Seite wünschte: Ja, aber das geht gar nicht! Ich kann Sie meinen Kollegen nicht vorschlagen, daß Sie Privatdozent werden; es würde ja alles über mich herfallen. Sie haben ja in der Philosophie nur Dinge geschrieben über philosophische Geschehnisse und Persönlichkeiten des 19. Jahrhundert; so jemanden dürfen wir nicht zulassen zur Dozentur. Da müssen Sie über viel, viel ältere Sachen geschrieben haben. — Ja, sagte der junge Doktor, was soll ich denn jetzt machen, Herr Hofrat? Ich dachte, was ich über Schopenhauer, über den Entwicklungsgang der Ästhetik im 19. Jahrhundert geschrieben habe, das würde taugen? — Vielleicht merken die Anwesenden Wiener schon, um wen es sich handelt? — Ja, sagte der Herr Hofrat, das kommt nicht darauf an, über was Sie schreiben, sondern nur darauf kommt es an, daß es alt und unbekannt ist. Schauen wir einmal im Lexikon einen alten italienischen Ästhetiker nach. — Sie schlugen das Lexikon auf und kamen gerade auf G, wo der Name Gravina verzeichnet stand. Sie wußten alle beide nichts von ihm, aber der betreffende Ordinarius fand, das wäre das Richtige. Und der junge Doktor machte seine Habilitationsschrift über dieses interessante Thema, einen ganz unbekannten, unbedeutenden italienischen Ästhetiker. Und nun konnte ihn der Ordinarius als Privatdozent zulassen. Die Sache hat aber nicht so kurz gedauert; er mußte sich doch immerhin, ich glaube sogar ein und ein halbes Jahr, damit beschäftigen, denn es war ja nicht so leicht, die Verdienste dieses unbekannten italienischen Ästhetikers in das richtige Licht zu stellen.
[ 14 ] Es ist ja nach und nach zu Merkwürdigem gekommen, wenn es sich darum gehandelt hat, anzuschließen junge, strebende Gemüter an den Betrieb des Geisteslebens. Mir würde da vieles einfallen, wenn ich über dieses Kapitel reden wollte. Ich will Ihnen zum Beispiel nur eine nette Szene erzählen, die sich einmal abspielte an einer philosophischen Fakultät, wo sich ein junger, dazumal hoffnungsvoller Doktor habilitieren wollte für — ja, für Philosophie. Er ging zum Ordinarius, der ihn sehr schätzte, und sagte zu ihm, daß er sich habilitieren wolle, und was ihm nun angenehm wäre, daß da als Antritts-Vorlesungsthema gewählt würde. Da sagte der Ordinarius, der, wie gesagt, dem jungen Doktor wohlwollend gegenüberstand, und der die Privatdozentur dieses jungen Doktors an seiner Seite wünschte: Ja, aber das geht gar nicht! Ich kann Sie meinen Kollegen nicht vorschlagen, daß Sie Privatdozent werden; es würde ja alles über mich herfallen. Sie haben ja in der Philosophie nur Dinge geschrieben über philosophische Geschehnisse und Persönlichkeiten des 19. Jahrhundert; so jemanden dürfen wir nicht zulassen zur Dozentur. Da müssen Sie über viel, viel ältere Sachen geschrieben haben. — Ja, sagte der junge Doktor, was soll ich denn jetzt machen, Herr Hofrat? Ich dachte, was ich über Schopenhauer, über den Entwicklungsgang der Ästhetik im 19. Jahrhundert geschrieben habe, das würde taugen? — Vielleicht merken die Anwesenden Wiener schon, um wen es sich handelt? — Ja, sagte der Herr Hofrat, das kommt nicht darauf an, über was Sie schreiben, sondern nur darauf kommt es an, daß es alt und unbekannt ist. Schauen wir einmal im Lexikon einen alten italienischen Ästhetiker nach. — Sie schlugen das Lexikon auf und kamen gerade auf G, wo der Name Gravina verzeichnet stand. Sie wußten alle beide nichts von ihm, aber der betreffende Ordinarius fand, das wäre das Richtige. Und der junge Doktor machte seine Habilitationsschrift über dieses interessante Thema, einen ganz unbekannten, unbedeutenden italienischen Ästhetiker. Und nun konnte ihn der Ordinarius als Privatdozent zulassen. Die Sache hat aber nicht so kurz gedauert; er mußte sich doch immerhin, ich glaube sogar ein und ein halbes Jahr, damit beschäftigen, denn es war ja nicht so leicht, die Verdienste dieses unbekannten italienischen Ästhetikers in das richtige Licht zu stellen.
[ 15 ] Das ist nur so ein extremer Fall. Aber man kann ja ungeheuer viele solcher Fälle hinstellen.
[ 15 ] Das ist nur so ein extremer Fall. Aber man kann ja ungeheuer viele solcher Fälle hinstellen.
[ 16 ] Nehmen wir nur einmal, wie es dahin gekommen ist, daß nach und nach überhaupt alle Freiheit in der Dissertationsthemawahl im Grunde genommen aufgehört hat. In einem solchen Fach wie die neuere Philologie hat es zum Beispiel Wilhelm Scherer dahin gebracht, das ganze Dissertationswesen eigentlich zu schematisieren, zu organisieren. Man ließ den Studenten, der da kam und um sein Dissertationsthema fragte, einfach diejenige Dissertation machen, ob es Ihm nun entsprach, ob er davon etwas Besonderes speziell getrieben hatte oder nicht, darauf kam es nicht an, man ließ ihn die Dissertation machen, die irgendeinem Professor, der dann ein ausführliches Buch über das Thema schreiben wollte, dienen konnte, indem er die einzelnen Dissertationen zusammennahm und dergleichen. Dieser äußere Betrieb entspricht aber mehr, als man glaubt, dem inneren Gang des Geisteslebens. Und ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich sage: Es wäre das größte Verdienst, das Sie sich erwerben könnten, meine verehrten Kommilitonen, wenn Sie dem Geiste, der von da her weht, nun wirklich einen frischen, elementaren Quell wissenschaftlichen Arbeitens entgegenstellen könnten. Wenn Sie Kreise bildeten und mit all den Hilfsmitteln und Quellen, die Ihnen zur Verfügung stehen, nun erst wahre, ursprüngliche, elementare wissenschaftliche Arbeit versuchten. Von Gruppe zu Gruppe in einzelnen Städten mögen sich diejenigen zusammenfinden — das müßte ich sagen, wenn Sie meinen Rat wollen —, die aus solchem Geiste heraus arbeiten wollen. Will man zum lebendigen Gedeihen des wissenschaftlichen Lebens, des Erkenntnislebens arbeiten, dann wird der Chemiker, der Physiker, der Philosoph, der Jurist, der Historiker, der Philologe zu irgendeinem gemeinschaftlichen Thema in gemeinschaftlicher Bearbeitung etwas beitragen können. Und wenn es erwünscht ist, dann werden wir uns, die wir in Dornach für diese Hochschulkurse arbeiten, Mühe geben, daß eine Art freies Komitee aus denjenigen Vortragenden entsteht, die vorgetragen haben über die verschiedenen Zweige der Wissenschaft, welche von der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft befruchtet worden sind, und daß von diesem Komitee Vorschläge ausgehen können über dasjenige, was zunächst behandelt werden müßte. Nicht aus solchem Geiste heraus sollen dann Themen gestellt werden, wie er von Leuten ausging und ausgeht, die bis zum heutigen Tage regieren auf diesen Gebieten, sondern es soll mehr aus dem Bedürfnis des allgemeinen Geisteslebens der Menschheit heraus das oder jenes angeraten werden. Und wiederum soll auf die freie Wahl gezählt werden. Dasjenige, was notwendig ist, mögen die, die etwas erfahren haben, sagen. Dasjenige, wofür man sich besonders geeignet hält, dafür mag sich derjenige, der sieht, was als notwendig bezeichnet wird aus diesem freien Komitee heraus, entscheiden. Und so könnten zusammenarbeiten in einer fortwährenden freien geistig-wissenschaftlichen Korrespondenz diejenigen, die jetzt als Pioniere gewissermaßen eines freien Hochschulwesens hier in Dornach ihre Vorträge hielten, mit denjenigen, die aus der Studentenschaft heraus enthusiasmiert und interessiert sind für dasjenige, was aus dem Geistesleben der Zivilisation des Abendlandes werden soll durch diese Geisteswissenschaft.
[ 16 ] Nehmen wir nur einmal, wie es dahin gekommen ist, daß nach und nach überhaupt alle Freiheit in der Dissertationsthemawahl im Grunde genommen aufgehört hat. In einem solchen Fach wie die neuere Philologie hat es zum Beispiel Wilhelm Scherer dahin gebracht, das ganze Dissertationswesen eigentlich zu schematisieren, zu organisieren. Man ließ den Studenten, der da kam und um sein Dissertationsthema fragte, einfach diejenige Dissertation machen, ob es Ihm nun entsprach, ob er davon etwas Besonderes speziell getrieben hatte oder nicht, darauf kam es nicht an, man ließ ihn die Dissertation machen, die irgendeinem Professor, der dann ein ausführliches Buch über das Thema schreiben wollte, dienen konnte, indem er die einzelnen Dissertationen zusammennahm und dergleichen. Dieser äußere Betrieb entspricht aber mehr, als man glaubt, dem inneren Gang des Geisteslebens. Und ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich sage: Es wäre das größte Verdienst, das Sie sich erwerben könnten, meine verehrten Kommilitonen, wenn Sie dem Geiste, der von da her weht, nun wirklich einen frischen, elementaren Quell wissenschaftlichen Arbeitens entgegenstellen könnten. Wenn Sie Kreise bildeten und mit all den Hilfsmitteln und Quellen, die Ihnen zur Verfügung stehen, nun erst wahre, ursprüngliche, elementare wissenschaftliche Arbeit versuchten. Von Gruppe zu Gruppe in einzelnen Städten mögen sich diejenigen zusammenfinden — das müßte ich sagen, wenn Sie meinen Rat wollen —, die aus solchem Geiste heraus arbeiten wollen. Will man zum lebendigen Gedeihen des wissenschaftlichen Lebens, des Erkenntnislebens arbeiten, dann wird der Chemiker, der Physiker, der Philosoph, der Jurist, der Historiker, der Philologe zu irgendeinem gemeinschaftlichen Thema in gemeinschaftlicher Bearbeitung etwas beitragen können. Und wenn es erwünscht ist, dann werden wir uns, die wir in Dornach für diese Hochschulkurse arbeiten, Mühe geben, daß eine Art freies Komitee aus denjenigen Vortragenden entsteht, die vorgetragen haben über die verschiedenen Zweige der Wissenschaft, welche von der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft befruchtet worden sind, und daß von diesem Komitee Vorschläge ausgehen können über dasjenige, was zunächst behandelt werden müßte. Nicht aus solchem Geiste heraus sollen dann Themen gestellt werden, wie er von Leuten ausging und ausgeht, die bis zum heutigen Tage regieren auf diesen Gebieten, sondern es soll mehr aus dem Bedürfnis des allgemeinen Geisteslebens der Menschheit heraus das oder jenes angeraten werden. Und wiederum soll auf die freie Wahl gezählt werden. Dasjenige, was notwendig ist, mögen die, die etwas erfahren haben, sagen. Dasjenige, wofür man sich besonders geeignet hält, dafür mag sich derjenige, der sieht, was als notwendig bezeichnet wird aus diesem freien Komitee heraus, entscheiden. Und so könnten zusammenarbeiten in einer fortwährenden freien geistig-wissenschaftlichen Korrespondenz diejenigen, die jetzt als Pioniere gewissermaßen eines freien Hochschulwesens hier in Dornach ihre Vorträge hielten, mit denjenigen, die aus der Studentenschaft heraus enthusiasmiert und interessiert sind für dasjenige, was aus dem Geistesleben der Zivilisation des Abendlandes werden soll durch diese Geisteswissenschaft.
[ 17 ] Das ist ungefähr der Weg, auf dem man zunächst in positiver Weise in wissenschaftlicher Arbeit versuchen könnte, die Worte des Aufrufes wahrzumachen. Natürlich ist es heute noch nicht an der Zeit, mehr ins Einzelne gehend diese Ratschläge zu geben. Aber Sie können überzeugt sein, daß diejenigen, die hier in Dornach oder in Stuttgart arbeiten, schon im anthroposophisch orientierten geisteswissenschaftlichen Sinn jederzeit bereit sein werden, mit all ihren Kräften dasjenige zu fördern, das zu tragen, das zu beraten, da mitzutun, wo es sich darum handelt, daß eine begeisterte Studentenschaft ihr Scherflein beitragen will, da oder dort, in dieser oder jener Gruppe, zu dem, was heute einmal eine große, eine umfassende, eine intensive Aufgabe, ein gewaltiges Ideal sein muß: aus einem erneuerten, an die Urquellen zurückgehenden geistigen Forschen heraus das Geistesleben — und damit das allgemeine Kultur- und Zivilisationsleben der Menschheit — zum Aufstieg, zu einer Morgenröte, nicht zu einem Niedergang, nicht zu einer Abendröte, wie manche meinen, zu führen.
[ 17 ] Das ist ungefähr der Weg, auf dem man zunächst in positiver Weise in wissenschaftlicher Arbeit versuchen könnte, die Worte des Aufrufes wahrzumachen. Natürlich ist es heute noch nicht an der Zeit, mehr ins Einzelne gehend diese Ratschläge zu geben. Aber Sie können überzeugt sein, daß diejenigen, die hier in Dornach oder in Stuttgart arbeiten, schon im anthroposophisch orientierten geisteswissenschaftlichen Sinn jederzeit bereit sein werden, mit all ihren Kräften dasjenige zu fördern, das zu tragen, das zu beraten, da mitzutun, wo es sich darum handelt, daß eine begeisterte Studentenschaft ihr Scherflein beitragen will, da oder dort, in dieser oder jener Gruppe, zu dem, was heute einmal eine große, eine umfassende, eine intensive Aufgabe, ein gewaltiges Ideal sein muß: aus einem erneuerten, an die Urquellen zurückgehenden geistigen Forschen heraus das Geistesleben — und damit das allgemeine Kultur- und Zivilisationsleben der Menschheit — zum Aufstieg, zu einer Morgenröte, nicht zu einem Niedergang, nicht zu einer Abendröte, wie manche meinen, zu führen.
[ 18 ] Und, indem ich Ihnen verspreche, daß alles dasjenige, was an mir sein wird, auch dazu getan werden soll, damit ein intensives, ein auf innerer Harmonie gebautes wissenschaftliches Zusammenarbeiten stattfinden soll, indem ich Ihnen das verspreche, möchte ich die Frage beantworten, die an mich gestellt worden ist: was ich rate zunächst als das Positive, was geleistet werden soll. Wenn wir wirklich in diesem Sinne zusammenarbeiten, dann wird gerade aus der Studentenschaft dasjenige hervorgehen können, was leider nicht hervorgegangen ist aus denjenigen, die angeblich die Studentenschaft führen, deren Aufgabe es allerdings wäre, der Studentenschaft Führer zu liefern. Erweisen sie sich als solche nicht, nun, dann wird gerade eine gute Schule im Loskommen von allem Autoritätsglauben dasjenige sein, was Sie werden durchmachen müssen, wenn Sie sich auf den Boden des freien wissenschaftlichen Arbeitens stellen. Daß Sie mit der Geisteswissenschaft und mit alledem, was von Dornach aus und von Stuttgart aus gewollt wird, gut zusammenarbeiten können, wenn Sie sich auf einen solchen Boden stellen, das, glaube ich, kann ich voraussehen. Und aus dieser Gesinnung heraus möchte ich heute zu Ihnen, meine verehrten Kommilitonen, gesprochen haben.
[ 18 ] Und, indem ich Ihnen verspreche, daß alles dasjenige, was an mir sein wird, auch dazu getan werden soll, damit ein intensives, ein auf innerer Harmonie gebautes wissenschaftliches Zusammenarbeiten stattfinden soll, indem ich Ihnen das verspreche, möchte ich die Frage beantworten, die an mich gestellt worden ist: was ich rate zunächst als das Positive, was geleistet werden soll. Wenn wir wirklich in diesem Sinne zusammenarbeiten, dann wird gerade aus der Studentenschaft dasjenige hervorgehen können, was leider nicht hervorgegangen ist aus denjenigen, die angeblich die Studentenschaft führen, deren Aufgabe es allerdings wäre, der Studentenschaft Führer zu liefern. Erweisen sie sich als solche nicht, nun, dann wird gerade eine gute Schule im Loskommen von allem Autoritätsglauben dasjenige sein, was Sie werden durchmachen müssen, wenn Sie sich auf den Boden des freien wissenschaftlichen Arbeitens stellen. Daß Sie mit der Geisteswissenschaft und mit alledem, was von Dornach aus und von Stuttgart aus gewollt wird, gut zusammenarbeiten können, wenn Sie sich auf einen solchen Boden stellen, das, glaube ich, kann ich voraussehen. Und aus dieser Gesinnung heraus möchte ich heute zu Ihnen, meine verehrten Kommilitonen, gesprochen haben.
