Knowledge — The Task of Youth
Supplements to the Pedagogical Youth Course
GA 217a
9 March 1924, newsletter
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Die Erkenntnis—Aufgabe der Jugend
10. Was Ich den älteren Mitgliedern in dieser Sache zu sagen habe
10. Was Ich den älteren Mitgliedern in dieser Sache zu sagen habe
Nachrichtenblatt von der Jugendsektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft
Nachrichtenblatt von der Jugendsektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft
[ 1 ] Die Ankündigung der «Sektion für das Geistesstreben der Jugend» am Goetheanum hat erfreuende Antworten aus den Kreisen der Jugend hervorgebracht. Vertreter der «Freien Anthroposophischen Gesellschaft» und die jüngeren Mitglieder, die am Goetheanum leben, haben dem Vorstande der Anthroposophischen Gesellschaft zum Ausdrucke gebracht, daß sie mit vollem Herzen bereit sind, teilzunehmen an dem, was er beabsichtigt.
[ 1 ] Die Ankündigung der «Sektion für das Geistesstreben der Jugend» am Goetheanum hat erfreuende Antworten aus den Kreisen der Jugend hervorgebracht. Vertreter der «Freien Anthroposophischen Gesellschaft» und die jüngeren Mitglieder, die am Goetheanum leben, haben dem Vorstande der Anthroposophischen Gesellschaft zum Ausdrucke gebracht, daß sie mit vollem Herzen bereit sind, teilzunehmen an dem, was er beabsichtigt.
[ 2 ] Ich sehe in den beiden Kundgebungen wertvolle Ausgangspunkte für einen schönen Teil der Arbeit unserer Gesellschaft. Kann diese die Brücke schlagen zwischen älteren und jüngeren Menschen unseres Zeitalters, dann wird sie ein Wichtiges vollbringen.
[ 2 ] Ich sehe in den beiden Kundgebungen wertvolle Ausgangspunkte für einen schönen Teil der Arbeit unserer Gesellschaft. Kann diese die Brücke schlagen zwischen älteren und jüngeren Menschen unseres Zeitalters, dann wird sie ein Wichtiges vollbringen.
[ 3 ] Was zwischen den Zeilen der beiden Zuschriften zu lesen ist, kann in die Worte gefaßt werden: unsere Jugend spricht in einem Tone, dessen Klangfarbe in der Entwickelung der Menschheit neu ist. Man fühlt, das Seelenauge ist nicht auf die Fortsetzung dessen gerichtet, was ererbt aus der vorangegangenen Zeit und vermehrt in der Gegenwart werden kann. Es ist nach dem Hereinbrechen eines neuen Lebens aus den Gebieten hin gewendet, in denen nicht die Zeit entwickelt, sondern das Ewige offenbart.
[ 3 ] Was zwischen den Zeilen der beiden Zuschriften zu lesen ist, kann in die Worte gefaßt werden: unsere Jugend spricht in einem Tone, dessen Klangfarbe in der Entwickelung der Menschheit neu ist. Man fühlt, das Seelenauge ist nicht auf die Fortsetzung dessen gerichtet, was ererbt aus der vorangegangenen Zeit und vermehrt in der Gegenwart werden kann. Es ist nach dem Hereinbrechen eines neuen Lebens aus den Gebieten hin gewendet, in denen nicht die Zeit entwickelt, sondern das Ewige offenbart.
[ 4 ] Will der ältere Mensch heute von der Jugend verstanden werden, so muß er in seinem Verhalten zum Zeitlichen das Ewige als treibende Kraft walten lassen. — Und er muß dies auf eine Art tun, welche die Jugend versteht.
[ 4 ] Will der ältere Mensch heute von der Jugend verstanden werden, so muß er in seinem Verhalten zum Zeitlichen das Ewige als treibende Kraft walten lassen. — Und er muß dies auf eine Art tun, welche die Jugend versteht.
[ 5 ] Man sagt, die Jugend wolle nicht eingehen auf das Alter, wolle nichts annehmen von dessen errungener Einsicht, von dessen gereifter Erfahrung. — Aus seinem Unmut über das Verhalten der Jugend spricht das heute der ältere Mensch aus. Wahr ist es: die Jugend sondert sich von dem Alter ab; sie will unter sich sein. Sie will nicht hinhorchen auf das, was von dem Alter kommt. .
[ 5 ] Man sagt, die Jugend wolle nicht eingehen auf das Alter, wolle nichts annehmen von dessen errungener Einsicht, von dessen gereifter Erfahrung. — Aus seinem Unmut über das Verhalten der Jugend spricht das heute der ältere Mensch aus. Wahr ist es: die Jugend sondert sich von dem Alter ab; sie will unter sich sein. Sie will nicht hinhorchen auf das, was von dem Alter kommt. .
[ 6 ] Man kann besorgt werden über diese Tatsache. Denn diese Jugend wird einmal alt werden. Sie wird ihr Verhalten nicht bis in das Alter fortsetzen können. Sie will richtig jung sein. Sie frägt, wie man «richtig jung» sein kann. Das wird sie nicht mehr können, wenn sie selbst in das Alter eingetreten sein wird.
[ 6 ] Man kann besorgt werden über diese Tatsache. Denn diese Jugend wird einmal alt werden. Sie wird ihr Verhalten nicht bis in das Alter fortsetzen können. Sie will richtig jung sein. Sie frägt, wie man «richtig jung» sein kann. Das wird sie nicht mehr können, wenn sie selbst in das Alter eingetreten sein wird.
[ 7 ] Deshalb, so meint der ältere Mensch, müßte die Jugend ihre Anmaßung ablegen und wieder zum Alter emporblicken, um da das Ziel zu sehen, nach dem ihr Geistesauge gerichtet sein müsse.
[ 7 ] Deshalb, so meint der ältere Mensch, müßte die Jugend ihre Anmaßung ablegen und wieder zum Alter emporblicken, um da das Ziel zu sehen, nach dem ihr Geistesauge gerichtet sein müsse.
[ 8 ] Indem man dies ausspricht, denkt man, es liege an der Jugend, daß sie von dem älteren Menschen nicht angezogen wird.
[ 8 ] Indem man dies ausspricht, denkt man, es liege an der Jugend, daß sie von dem älteren Menschen nicht angezogen wird.
[ 9 ] Aber die Jugend könnte gar nicht anders, als auf den älteren Menschen hinschauen und ihn sich zum Vorbild nehmen, wenn er wirklich «alt» wäre. Denn die menschliche Seele, und ganz besonders die junge Seele, ist so geartet, daß sie sich zu dem wendet, was ihr fremd ist, um es mit sich zu vereinigen.
[ 9 ] Aber die Jugend könnte gar nicht anders, als auf den älteren Menschen hinschauen und ihn sich zum Vorbild nehmen, wenn er wirklich «alt» wäre. Denn die menschliche Seele, und ganz besonders die junge Seele, ist so geartet, daß sie sich zu dem wendet, was ihr fremd ist, um es mit sich zu vereinigen.
[ 10 ] Nun sieht jedoch die heutige Jugend an dem älteren Menschen nicht etwas, das ihr als Menschliches fremd zugleich und aneignungswert erscheint. Denn der gegenwärtig ältere Mensch ist nicht wirklich «alt». Er hat den Inhalt von vielem aufgenommen, er kann von vielem reden. Aber er hat das Viele nicht zur menschlichen Reife gebracht. Er ist an Jahren älter geworden; aber er ist in seiner Seele nicht mit seinen Jahren mitgekommen. Er spricht aus dem altgewordenen Gehirn noch so, wie er aus dem jungen gesprochen hat. Das fühlt die Jugend. Sie empfindet nicht «Reife», wenn sie mit den älteren Menschen zusammen ist, sondern die eigene junge Seelenverfassung in den altgewordenen Körpern. Und da wendet sie sich ab, weil ihr das nicht als Wahrheit erscheint.
[ 10 ] Nun sieht jedoch die heutige Jugend an dem älteren Menschen nicht etwas, das ihr als Menschliches fremd zugleich und aneignungswert erscheint. Denn der gegenwärtig ältere Mensch ist nicht wirklich «alt». Er hat den Inhalt von vielem aufgenommen, er kann von vielem reden. Aber er hat das Viele nicht zur menschlichen Reife gebracht. Er ist an Jahren älter geworden; aber er ist in seiner Seele nicht mit seinen Jahren mitgekommen. Er spricht aus dem altgewordenen Gehirn noch so, wie er aus dem jungen gesprochen hat. Das fühlt die Jugend. Sie empfindet nicht «Reife», wenn sie mit den älteren Menschen zusammen ist, sondern die eigene junge Seelenverfassung in den altgewordenen Körpern. Und da wendet sie sich ab, weil ihr das nicht als Wahrheit erscheint.
[ 11 ] Die älteren Menschen haben durch Jahrzehnte auf dem Gebiete der Erkenntnis die Meinung ausgebildet, daß man über das Geistige in den Dingen und Vorgängen der Welt «nichts wissen könne». Wenn die Jugend das hört, so muß sie das Gefühl bekommen, daß der ältere Mensch ihr nichts zu sagen habe, denn das «Nichtwissen» kann sie sich ja doch selbst besorgen; auf den Alten wird sie nur hinhorchen, wenn von ihm das «Wissen» kommt. Vom «Nichtwissen» zu reden, das ist erträglich, wenn es mit Frische, mit Jugendfrische, geschieht. Vom «Nichtwissen» aber zu hören, wenn die Rede von dem altgewordenen Gehirn kommt, das verödet die Seele, besonders die junge Seele.
[ 11 ] Die älteren Menschen haben durch Jahrzehnte auf dem Gebiete der Erkenntnis die Meinung ausgebildet, daß man über das Geistige in den Dingen und Vorgängen der Welt «nichts wissen könne». Wenn die Jugend das hört, so muß sie das Gefühl bekommen, daß der ältere Mensch ihr nichts zu sagen habe, denn das «Nichtwissen» kann sie sich ja doch selbst besorgen; auf den Alten wird sie nur hinhorchen, wenn von ihm das «Wissen» kommt. Vom «Nichtwissen» zu reden, das ist erträglich, wenn es mit Frische, mit Jugendfrische, geschieht. Vom «Nichtwissen» aber zu hören, wenn die Rede von dem altgewordenen Gehirn kommt, das verödet die Seele, besonders die junge Seele.
[ 12 ] Die Jugend wendet sich heute von den älter gewordenen Menschen nicht deshalb ab, weil diese «alt» geworden sind, sondern weil sie «jung» geblieben sind, weil sie nicht verstanden haben, in rechter Art «alt» zu werden. Dieser Selbsterkenntnis bedürfen heute die älteren Menschen.
[ 12 ] Die Jugend wendet sich heute von den älter gewordenen Menschen nicht deshalb ab, weil diese «alt» geworden sind, sondern weil sie «jung» geblieben sind, weil sie nicht verstanden haben, in rechter Art «alt» zu werden. Dieser Selbsterkenntnis bedürfen heute die älteren Menschen.
[ 13 ] Man kann aber nur in rechter Art «alt» werden, wenn man den Geist in der Seele zur Entfaltung kommen läßt. Geschieht dies, so hat man in einem altgewordenen Körper dasjenige, was mit diesem zusammenstimmt. Dann wird man der Jugend nicht nur das entgegenbringen können, was die Zeit an dem Körper entwickelt hat, sondern was das Ewige aus dem Geist heraus offenbart.
[ 13 ] Man kann aber nur in rechter Art «alt» werden, wenn man den Geist in der Seele zur Entfaltung kommen läßt. Geschieht dies, so hat man in einem altgewordenen Körper dasjenige, was mit diesem zusammenstimmt. Dann wird man der Jugend nicht nur das entgegenbringen können, was die Zeit an dem Körper entwickelt hat, sondern was das Ewige aus dem Geist heraus offenbart.
[ 14 ] Wo ernstlich nach dem Geist-Erlebnis gesucht wird, da kann sich das Gebiet finden, auf dem die Jugend sich wieder mit den älteren Menschen zusammenfindet. Es ist eine inhaltlose Phrase, wenn gesagt wird: mit der Jugend muß man «jung» sein. Nein, man muß unter der Jugend als älterer Mensch in der rechten Art verstehen «alt» zu sein.
[ 14 ] Wo ernstlich nach dem Geist-Erlebnis gesucht wird, da kann sich das Gebiet finden, auf dem die Jugend sich wieder mit den älteren Menschen zusammenfindet. Es ist eine inhaltlose Phrase, wenn gesagt wird: mit der Jugend muß man «jung» sein. Nein, man muß unter der Jugend als älterer Mensch in der rechten Art verstehen «alt» zu sein.
[ 15 ] Die Jugend kritisiert gerne das, was von älteren Menschen kommt. Das ist ihr gutes Recht. Denn sie muß dereinst das tragen, wozu es im Fortschritt der Menschheit die Alten noch nicht gebracht haben. Aber man ist kein rechter älterer Mensch, wenn man bloß mitkritisiert. Das läßt sich wohl die Jugend eine Zeitlang gefallen, weil sie sich nicht am Widerspruch zu ärgern braucht; aber zuletzt wird sie der «alten Jungen» überdrüssig, weil deren Stimme zu rauh ist, und das Kritisieren in jugendlichen Stimmen mehr Leben hat.
[ 15 ] Die Jugend kritisiert gerne das, was von älteren Menschen kommt. Das ist ihr gutes Recht. Denn sie muß dereinst das tragen, wozu es im Fortschritt der Menschheit die Alten noch nicht gebracht haben. Aber man ist kein rechter älterer Mensch, wenn man bloß mitkritisiert. Das läßt sich wohl die Jugend eine Zeitlang gefallen, weil sie sich nicht am Widerspruch zu ärgern braucht; aber zuletzt wird sie der «alten Jungen» überdrüssig, weil deren Stimme zu rauh ist, und das Kritisieren in jugendlichen Stimmen mehr Leben hat.
[ 16 ] Die Anthroposophie möchte im Suchen nach dem Geiste ein Feld finden, auf dem junge mit älteren Menschen sich gerne zusammenfinden. Der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft darf erfreut darüber sein, daß seine Ankündigung in der Art von der Jugend aufgenommen wird, wie es geschehen ist. Aber auch die tätigen Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft werden den Vorstand nicht im Stiche lassen dürfen. Denn zugleich mit der Zustimmung von der einen Seite erhalte ich von der andern ein Schreiben, in dem Worte stehen, auf die hinhören muß, wer mit seinem Herzen der Anthroposophischen Gesellschaft angehört. «Es könnte der Tag kommen, wo wir «Jungen uns von der Anthroposophischen Gesellschaft lösen müssen, so wie Sie sich einstmals innerlich von der Theosophischen lösen mußten.»
[ 16 ] Die Anthroposophie möchte im Suchen nach dem Geiste ein Feld finden, auf dem junge mit älteren Menschen sich gerne zusammenfinden. Der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft darf erfreut darüber sein, daß seine Ankündigung in der Art von der Jugend aufgenommen wird, wie es geschehen ist. Aber auch die tätigen Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft werden den Vorstand nicht im Stiche lassen dürfen. Denn zugleich mit der Zustimmung von der einen Seite erhalte ich von der andern ein Schreiben, in dem Worte stehen, auf die hinhören muß, wer mit seinem Herzen der Anthroposophischen Gesellschaft angehört. «Es könnte der Tag kommen, wo wir «Jungen uns von der Anthroposophischen Gesellschaft lösen müssen, so wie Sie sich einstmals innerlich von der Theosophischen lösen mußten.»
[ 17 ] Dieser Tag würde kommen, wenn wir in der Anthroposophischen Gesellschaft in der nächsten Zeit nicht verwirklichen könnten, was mit der Ankündigung einer «Jugend-Sektion» gemeint ist. Hoffentlich gehen die tätigen Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft in der Richtung des Vorstandes am Goetheanum, auf daß der Tag komme, an dem von den «Jungen» gesagt werden kann: wir müssen uns immer inniger mit der Anthroposophie zusammenschließen.
[ 17 ] Dieser Tag würde kommen, wenn wir in der Anthroposophischen Gesellschaft in der nächsten Zeit nicht verwirklichen könnten, was mit der Ankündigung einer «Jugend-Sektion» gemeint ist. Hoffentlich gehen die tätigen Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft in der Richtung des Vorstandes am Goetheanum, auf daß der Tag komme, an dem von den «Jungen» gesagt werden kann: wir müssen uns immer inniger mit der Anthroposophie zusammenschließen.
[ 18 ] Ich habe diesmal zu den älteren Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft über die «Jugend» gesprochen; in der nächsten Nummer möchte ich der Jugend sagen, was mir auf dem Herzen liegt.
[ 18 ] Ich habe diesmal zu den älteren Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft über die «Jugend» gesprochen; in der nächsten Nummer möchte ich der Jugend sagen, was mir auf dem Herzen liegt.
