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Knowledge — The Task of Youth
Supplements to the Pedagogical Youth Course
GA 217a

16 March 1924, newsletter

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Die Erkenntnis—Aufgabe der Jugend
  1. Knowledge — The Task of Youth, tr. SOL

11. Was ich den jüngeren Mitgliedern in dieser Sache zu sagen habe

11. Was ich den jüngeren Mitgliedern in dieser Sache zu sagen habe

Nachrichtenblatt von der Jugendsektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

Nachrichtenblatt von der Jugendsektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

[ 1 ] In dem Briefe, den das Komitee der Freien Anthroposophischen. Gesellschaft auf meine Ankündigung einer Jugendsektion an die Mitglieder dieser Gesellschaft richtet, findet sich der Hinweis darauf, daß ich «die Angelegenheit» des «Jung-Seins für so wichtig» halte, «daß sie:Gegenstand einer eigenen geisteswissenschaftlichen Disziplin werden kann», |

[ 1 ] In dem Briefe, den das Komitee der Freien Anthroposophischen. Gesellschaft auf meine Ankündigung einer Jugendsektion an die Mitglieder dieser Gesellschaft richtet, findet sich der Hinweis darauf, daß ich «die Angelegenheit» des «Jung-Seins für so wichtig» halte, «daß sie:Gegenstand einer eigenen geisteswissenschaftlichen Disziplin werden kann», |

[ 2 ] Ich halte diese Angelegenheit wirklich für so wichtig. Wer die Schilderung meines Lebensganges in der Wochenschrift «Goetheanum» liest, wird begreifen, warum ich so denke. Als ich selber so jung war wie diejenigen, die in diesem Briefe sprechen, fühlte ich mich einsam mit der Seelenverfassung, die ich heute in weiten Kreisen der Jugend lebendig finde. Meine damaligen Jugendgenossen empfanden anders als ich. Das Zivilisationsleben, von dem in diesem Briefe gesagt wird, daß es die Jugend «durch keinen Beruf mehr zu einer Weltanschauung kommen» lasse, und daß die Jugend durch ihr «Streben nach einer Weltanschauung» zu «keinem Berufe mehr geführt werden» könne, war in jener Zeit im Aufstieg. Es wurde von der Jugend als Bläte der neuesten Stufe in der Menschheitsentwickelung empfunden. Man fühlte sich «befreit» von den Verstiegenheiten des Weltanschauungsstrebens und geborgen in der Aussicht auf Berufe, die aus den «sicheren» Grundfesten der «Wissenschaft» sich heraushoben,

[ 2 ] Ich halte diese Angelegenheit wirklich für so wichtig. Wer die Schilderung meines Lebensganges in der Wochenschrift «Goetheanum» liest, wird begreifen, warum ich so denke. Als ich selber so jung war wie diejenigen, die in diesem Briefe sprechen, fühlte ich mich einsam mit der Seelenverfassung, die ich heute in weiten Kreisen der Jugend lebendig finde. Meine damaligen Jugendgenossen empfanden anders als ich. Das Zivilisationsleben, von dem in diesem Briefe gesagt wird, daß es die Jugend «durch keinen Beruf mehr zu einer Weltanschauung kommen» lasse, und daß die Jugend durch ihr «Streben nach einer Weltanschauung» zu «keinem Berufe mehr geführt werden» könne, war in jener Zeit im Aufstieg. Es wurde von der Jugend als Bläte der neuesten Stufe in der Menschheitsentwickelung empfunden. Man fühlte sich «befreit» von den Verstiegenheiten des Weltanschauungsstrebens und geborgen in der Aussicht auf Berufe, die aus den «sicheren» Grundfesten der «Wissenschaft» sich heraushoben,

[ 3 ] Auch ich sah das «Blühen» dieser Zivilisation. Aber ich mußte empfinden, daß aus dieser Blüte keine echte Menschheitsfrucht werde entstehen können. Meine Jugendgenossen empfanden das nicht. Sie waren in dem Erleben des «Blühens» mitgerissen. Sie entbehrten noch nicht die Frucht, weil sie ihre Begeisterung im Anblicke der unfruchtbaren Blüte verschwendeten.

[ 3 ] Auch ich sah das «Blühen» dieser Zivilisation. Aber ich mußte empfinden, daß aus dieser Blüte keine echte Menschheitsfrucht werde entstehen können. Meine Jugendgenossen empfanden das nicht. Sie waren in dem Erleben des «Blühens» mitgerissen. Sie entbehrten noch nicht die Frucht, weil sie ihre Begeisterung im Anblicke der unfruchtbaren Blüte verschwendeten.

[ 4 ] Jetzt ist alles anders geworden. Die Blüte ist verwelkt. Statt der Frucht ist ein lebensfremdes Gebilde zum Vorschein gekommen, das im Menschen das Menschtum erfrieren läßt. Die Jugend empfindet die Kälte der weltanschauungslosen Zivilisation.

[ 4 ] Jetzt ist alles anders geworden. Die Blüte ist verwelkt. Statt der Frucht ist ein lebensfremdes Gebilde zum Vorschein gekommen, das im Menschen das Menschtum erfrieren läßt. Die Jugend empfindet die Kälte der weltanschauungslosen Zivilisation.

[ 5 ] In meinen Jugendgenossen lebte eine Oberschicht des Bewußtseins. Die konnte sich freuen über die fruchtlose Blüte, weil sich ihre Fruchtlosigkeit noch nicht gezeigt hatte. Und die Blüte war «als Blüte» glänzend. Die Freude am Glanz deckte die tieferen Schichten des Bewußtseins zu; die Schichten, in denen unversiegbar im Menschen die Sehnsucht nach wahrem Menschtum lebt. An der verwelkten Blüte kann die Jugend der Gegenwart keine Freude mehr haben. Die Oberschichte des Bewußtseins ist öde geworden, und die tieferen Schichten sind bloßgelegt; die Sehnsucht nach einer Weltanschauung ist in den Herzen offenbar, und sie droht, das seelische Leben zu verwunden.

[ 5 ] In meinen Jugendgenossen lebte eine Oberschicht des Bewußtseins. Die konnte sich freuen über die fruchtlose Blüte, weil sich ihre Fruchtlosigkeit noch nicht gezeigt hatte. Und die Blüte war «als Blüte» glänzend. Die Freude am Glanz deckte die tieferen Schichten des Bewußtseins zu; die Schichten, in denen unversiegbar im Menschen die Sehnsucht nach wahrem Menschtum lebt. An der verwelkten Blüte kann die Jugend der Gegenwart keine Freude mehr haben. Die Oberschichte des Bewußtseins ist öde geworden, und die tieferen Schichten sind bloßgelegt; die Sehnsucht nach einer Weltanschauung ist in den Herzen offenbar, und sie droht, das seelische Leben zu verwunden.

[ 6 ] Ich möchte der Jugend heute sagen: scheltet die «Alten» nicht zu stark, die mit mir vor vierzig Jahren jung waren. Gewiß, es gibt unter ihnen Oberflächlinge, die auch heute noch ihre Leerheit als Überlegenheit eitel zur Schau tragen. Aber es sind unter ihnen auch solche, die in Resignation ihr Schicksal tragen, das ihnen das lebendige Erfahren ihres wahren Menschtums versagt hat.

[ 6 ] Ich möchte der Jugend heute sagen: scheltet die «Alten» nicht zu stark, die mit mir vor vierzig Jahren jung waren. Gewiß, es gibt unter ihnen Oberflächlinge, die auch heute noch ihre Leerheit als Überlegenheit eitel zur Schau tragen. Aber es sind unter ihnen auch solche, die in Resignation ihr Schicksal tragen, das ihnen das lebendige Erfahren ihres wahren Menschtums versagt hat.

[ 7 ] Dieses Schicksal stellte sie in die letzte Phase des «finstern» Zeitalters, durch die im Erleben der Materie das Grab des Geistes geschaufelt ward.

[ 7 ] Dieses Schicksal stellte sie in die letzte Phase des «finstern» Zeitalters, durch die im Erleben der Materie das Grab des Geistes geschaufelt ward.

[ 8 ] Die Jugend aber ist an das Grab gestellt. Und das Grab ist leer. Der Geist stirbt nicht und kann nicht begraben werden.

[ 8 ] Die Jugend aber ist an das Grab gestellt. Und das Grab ist leer. Der Geist stirbt nicht und kann nicht begraben werden.

[ 9 ] Das Jung-Sein ist. für diejenigen, die es heute erleben, zum Rätsel geworden. Denn im Jung-Sein ist die Sehnsucht nach dem Geist bloßgelegt. — Das «lichte» Zeitalter ist aber angebrochen. Es wird nur noch nicht empfunden, weil die meisten Menschen noch in ihren Seelen die Nachwirkung der alten Finsternis tragen. Wer aber Sinn für Geisteswesen hat, der kann wissen, daß es «licht» geworden ist.

[ 9 ] Das Jung-Sein ist. für diejenigen, die es heute erleben, zum Rätsel geworden. Denn im Jung-Sein ist die Sehnsucht nach dem Geist bloßgelegt. — Das «lichte» Zeitalter ist aber angebrochen. Es wird nur noch nicht empfunden, weil die meisten Menschen noch in ihren Seelen die Nachwirkung der alten Finsternis tragen. Wer aber Sinn für Geisteswesen hat, der kann wissen, daß es «licht» geworden ist.

[ 10 ] Und das Licht wird erst wahrnehmbar werden, wenn die Rätsel des Daseins in neuer Form wieder geboren sein werden.

[ 10 ] Und das Licht wird erst wahrnehmbar werden, wenn die Rätsel des Daseins in neuer Form wieder geboren sein werden.

[ 11 ] Jung-Sein ist eines der ersten dieser Rätsel. Wie erlebt man das Jung-Sein in einer Welt, die im Altwerden erstarrt ist? Das ist die Gefühlsfrage, die in den jungen Menschen der Gegenwart lebt.

[ 11 ] Jung-Sein ist eines der ersten dieser Rätsel. Wie erlebt man das Jung-Sein in einer Welt, die im Altwerden erstarrt ist? Das ist die Gefühlsfrage, die in den jungen Menschen der Gegenwart lebt.

[ 12 ] Weil das Jung-Sein so zum Menschenrätsel geworden ist, kann es seinen lebendigen Lösungsversuch nur in «einer eigenen geisteswissenschaftlichen Disziplin» finden.

[ 12 ] Weil das Jung-Sein so zum Menschenrätsel geworden ist, kann es seinen lebendigen Lösungsversuch nur in «einer eigenen geisteswissenschaftlichen Disziplin» finden.

[ 13 ] Es wird in einer solchen Disziplin nicht in leeren Phrasen von dem Jung-Sein gesprochen werden, sondern es wird in ihr das Licht gesucht werden, welches auf das Jung-Sein fallen muß, damit es sich selber in seinem Menschtum wahrnehmen kann.

[ 13 ] Es wird in einer solchen Disziplin nicht in leeren Phrasen von dem Jung-Sein gesprochen werden, sondern es wird in ihr das Licht gesucht werden, welches auf das Jung-Sein fallen muß, damit es sich selber in seinem Menschtum wahrnehmen kann.

[ 14 ] Das heutige Jung-Sein will Weltanschauung, die den Lebensberuf mit Wärme erfüllen kann. Es fürchtet die Berufe, die eine weltanschauungslose Zivilisation geschaffen hat. Es möchte den Beruf aus dem Menschtum erwachsen sehen, nicht das Menschtum von dem Beruf ertötet wissen. Sich in der Welt zurechtfinden, ohne im Suchen den Menschen zu verlieren, dazu gehört lebendiges Seelenverhältnis zur Welt. Das aber erwacht nur im Erleben der Weltanschauung. In einer solchen Gesinnung ist die Ankündigung des Vorstandes der Anthroposophischen Gesellschaft erfolgt. In einer solchen Gesinnung möchte dieser die jungen Anthroposophen zur Erarbeitung eines Lebens in wahrem Menschtum in einer Jugendsektion vereinen. Aber noch Eines möchte ich den jüngeren Mitgliedern sagen. Wenn es gelingt, der Jugendsektion den rechten Inhalt zu geben, so werden diejenigen, die im anthroposophischen Leben verstanden haben, in der richtigen Art «alt» zu werden, mit der Jugend gemeinsame Sache machen wollen. Es möge dann die Jugend nicht sagen: wir setzen uns mit den «Alten» nicht an einen gemeinsamen Tisch. Denn Anthroposophie soll kein Alter haben; sie lebt im Ewigen, das alle Menschen zusammenführt. Die Jugend möge in der Anthroposophischen Gesellschaft ein Feld finden, auf dem sie jung sein kann. Aber die «Alten» werden, wenn sie Anthroposophie in ihr ganzes Wesen lebendig aufnehmen, den Zug zur Jugend verspüren. Sie werden finden, daß, was sie durch das Alter sich erobert haben, sich am besten der Jugend mitteilen läßt. Die Jugend wird ja vergeblich nach dem wahren Menschtum ringen, wenn sie dasjenige Menschtum flieht, in das sie doch einmal auch eintreten muß. Im Weltenlauf muß sich das Alte immer wieder verjüngen, wenn es nicht dem Wesenlosen anheimfallen will. Und die Jugend wird bei den echten «alten» Anthroposophen finden können, was sie braucht, wenn sie nicht eines Tages an einem eigenen Alter anlangen will, vor dem sie entfliehen möchte, aber es nicht kann.

[ 14 ] Das heutige Jung-Sein will Weltanschauung, die den Lebensberuf mit Wärme erfüllen kann. Es fürchtet die Berufe, die eine weltanschauungslose Zivilisation geschaffen hat. Es möchte den Beruf aus dem Menschtum erwachsen sehen, nicht das Menschtum von dem Beruf ertötet wissen. Sich in der Welt zurechtfinden, ohne im Suchen den Menschen zu verlieren, dazu gehört lebendiges Seelenverhältnis zur Welt. Das aber erwacht nur im Erleben der Weltanschauung. In einer solchen Gesinnung ist die Ankündigung des Vorstandes der Anthroposophischen Gesellschaft erfolgt. In einer solchen Gesinnung möchte dieser die jungen Anthroposophen zur Erarbeitung eines Lebens in wahrem Menschtum in einer Jugendsektion vereinen. Aber noch Eines möchte ich den jüngeren Mitgliedern sagen. Wenn es gelingt, der Jugendsektion den rechten Inhalt zu geben, so werden diejenigen, die im anthroposophischen Leben verstanden haben, in der richtigen Art «alt» zu werden, mit der Jugend gemeinsame Sache machen wollen. Es möge dann die Jugend nicht sagen: wir setzen uns mit den «Alten» nicht an einen gemeinsamen Tisch. Denn Anthroposophie soll kein Alter haben; sie lebt im Ewigen, das alle Menschen zusammenführt. Die Jugend möge in der Anthroposophischen Gesellschaft ein Feld finden, auf dem sie jung sein kann. Aber die «Alten» werden, wenn sie Anthroposophie in ihr ganzes Wesen lebendig aufnehmen, den Zug zur Jugend verspüren. Sie werden finden, daß, was sie durch das Alter sich erobert haben, sich am besten der Jugend mitteilen läßt. Die Jugend wird ja vergeblich nach dem wahren Menschtum ringen, wenn sie dasjenige Menschtum flieht, in das sie doch einmal auch eintreten muß. Im Weltenlauf muß sich das Alte immer wieder verjüngen, wenn es nicht dem Wesenlosen anheimfallen will. Und die Jugend wird bei den echten «alten» Anthroposophen finden können, was sie braucht, wenn sie nicht eines Tages an einem eigenen Alter anlangen will, vor dem sie entfliehen möchte, aber es nicht kann.