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The Rudolf Steiner Archive

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Spiritual Connections
in the Structure of the Human Organism
GA 218

9 October 1922, Stuttgart

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1. Die Schlaferlebnisse des Menschen ihre geistigen Hintergründe und ihre Bedeutung für das Tagesleben

1. Human Sleep Experiences: Their Psychological Backgrounds and Their Significance for Daily Life

[ 1 ] Es wird heute, wenn vom Seelenleben gesprochen wird, sehr vieles zusammengefaßt in einem gewissen Ausdruck, der auf der einen Seite zugibt, daß man in bezug auf das Seelische von Kräften oder dergleichen sprechen muß, die in das gewöhnliche Bewußtsein nicht hereinspielen. Auf der anderen Seite aber wird zugleich die Ohnmacht eingestanden, über solche Kräfte zu sprechen. Der Ausdruck, in dem man zusammenfaßt dasjenige, was einer solchen Hindeutung entsprechen soll, ist der: das Unbewußte; man spricht vom Unbewußten. Man deutet ja, indem man auf die besondere Wesenheit der menschlichen Erkenntnisse heute zu sprechen kommt, an, wie man als Mensch zunächst angewiesen ist, seine Erkenntnisse zu suchen aus der äußeren Welt durch Beobachtung, Experiment und den kombinierenden Verstand. Und man deutet dann auch an, daß man, wenn man das eigene Bewußtsein durchsucht, allerlei in diesem Bewußtsein findet: Gedanken, Gefühle, Willensregungen und so weiter. Man wird sich dann weiter bewußt, daß man im Seelenleben Regungen, Offenbarungen hat, die auftreten, und die weder dadurch in ihrem tieferen Wesen gefunden werden können, daß man verfährt nach der Methode der äußeren wissenschaftlichen Anschauung im Sinne des Experimentes, der Beobachtung, des kombinierenden Denkens, noch auch dadurch, daß man durch dasjenige, was man eben überblickt, wenn man Selbstbeobachtung mit den gewöhnlichen Kräften des Bewußtseins übt, irgendwie vordringen könne zum Wesen dessen, was sich immerhin offenbart im Seelenleben des Menschen. Und man spricht daher vom Unbewußten, verzichtet aber zugleich darauf, irgendwie in die Welt dieses Unbewußten einzudringen. Dieser Verzicht ist eigentlich vollberechtigt, wenn man sich beschränken will auf jene Erkenntnismittel, die heute allgemein anerkannt sind. Denn in der Tat, es wird niemand gerade in bezug auf das Seelenleben weiterkommen können mit diesen Erkenntnismitteln als zu der Anschauung, daß eben während des Wachtaglebens aus den Tiefen des Menschenwesens heraufsteigen Vorstellungen, Gefühle, Willensimpulse, Äußerungen des menschlichen Wesens, von denen man gut sieht, wie sie an die äußere Körperlichkeit gebunden sind, und man wird durchaus kein irgendwie unwiderlegbares Mittel finden, zu sagen, daß dasjenige, was einem doch in einer zunächst so starken Abhängigkeit von körperlichen Zuständen erscheint, über diese körperlichen Zustände hinaus ein besonderes Dasein habe.

[ 1 ] Today, when speaking of the life of the soul, a great deal is summed up in a certain expression that, on the one hand, acknowledges that, with regard to the soul, one must speak of forces or the like that do not enter into ordinary consciousness. On the other hand, however, one simultaneously admits one’s inability to speak about such forces. The term used to summarize what is meant by such an allusion is “the unconscious”; one speaks of the unconscious. When discussing the specific nature of human knowledge today, one implies that, as human beings, we are initially dependent on seeking our knowledge from the external world through observation, experimentation, and the reasoning mind. And one also implies that, when we examine our own consciousness, we find all sorts of things within it: thoughts, feelings, impulses of the will, and so on. One then becomes further aware that in one’s inner life there are impulses and revelations that arise, and whose deeper nature cannot be discovered either by applying the methods of external scientific inquiry in the sense of experimentation, observation, or combinatory thinking, nor by the fact that, through what one surveys when practicing self-observation with the ordinary powers of consciousness, one can somehow penetrate to the essence of what is, after all, revealed in human inner life. And so one speaks of the unconscious, but at the same time refrains from attempting to penetrate the world of this unconscious in any way. This renunciation is actually entirely justified if one wishes to limit oneself to those means of knowledge that are generally recognized today. For in fact, no one will be able to make any progress with regard to the life of the soul using these means of knowledge beyond the insight that, during waking life, ideas, feelings, impulses of the will, and expressions of the human being—all of which are clearly bound to the outer physicality—and one will find absolutely no irrefutable means of asserting that what appears, at first glance, to be so strongly dependent on physical conditions has a separate existence beyond these physical conditions.

[ 2 ] Nun wissen Sie ja alle, daß gerade von diesem Punkte ausgeht unsere anthroposophische Betrachtung, daß diese anthroposophische Betrachtung Ernst macht damit, daß man wirklich mit den Mitteln der Erkenntnis, die heute anerkannt sind, die Tiefen des Seelischen nicht ergründen kann, daß diese anthroposophische Betrachtung Ernst damit macht, daß für diese gewöhnlichen Mittel eben auf ein Unbewußtes hingewiesen werden müsse. Im Grunde genommen brauchen wir nicht einmal — wir werden das beim nächsten Vortrag machen; aber man braucht es nicht einmal — auf die beiden Grenzpunkte des physischen Erdenlebens zu schauen, Geburt und Tod, man braucht nur auf den gewöhnlichen, alltäglich eintretenden menschlichen Schlafzustand zu schauen und man wird sich sagen müssen, daß es für eine wirkliche Seelenerkenntnis eigentlich unmöglich ist, daß dasjenige, was die gewöhnlichen Erkenntnismittel aussagen können über die Seelenerlebnisse, irgendwie gesichert werden könne gegen einen Einwand wie etwa den folgenden: Es zeigt sich für diese gewöhnlichen Erkenntnismittel eine so große Abhängigkeit alles Vorstellens, Fühlens und Wollens, wie sie im gewöhnlichen Alltagsleben im Bewußtsein vorhanden sind, von den leiblichen Zuständen, daß man ganz gut sagen kann, aus den leiblichen Zuständen tauchen eben auf wie aus einem Unterbewußten herauf die Seelenerlebnisse, und während des Schlafzustandes überwuchert das bloße Organleben, es läßt aus sich heraus nicht Vorstellungen, Fühlungen und Wollungen fließen; man kann eigentlich weiter nichts darüber sagen. Man kann höchstens aus dem Hereinspielen der Träume, die so erscheinen, als ob sie aus dem Schlafleben kämen und im Wachleben einfach erinnert würden, aus dem Durchspieltsein des Schlaflebens von Träumen vielleicht erschließen, daß das Seelische irgendwie als solches fortdauert während des Schlaflebens; aber das sind alles unsichere Dinge. — Im Grunde genommen kann kein ernster unbefangener Mensch mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln irgendwie über die Seele anders reden als so, daß er sagt: Sie bietet eben Erscheinungen dar, die durchaus abhängig erscheinen von den körperlichen Zuständen.

[ 2 ] Now, as you all know, our anthroposophical perspective begins precisely at this point; it takes seriously the fact that the depths of the soul cannot truly be fathomed using the means of knowledge that are recognized today, and it takes seriously the fact that, for these ordinary means, one must point to the unconscious. Strictly speaking, we do not even need—we will do this in the next lecture; but it is not even necessary—to look at the two boundary points of physical earthly life, birth and death; one need only look at the ordinary, everyday state of human sleep, and one will have to admit that, for a true understanding of the soul, it is actually impossible for what the ordinary means of knowledge can say about soul experiences to be in any way safeguarded against an objection such as the following: It becomes evident that, for these ordinary means of knowledge, all imagining, feeling, and willing—as they are present in consciousness during ordinary everyday life—are so dependent on physical conditions that one might well say: the experiences of the soul emerge from these physical conditions just as they rise up from a subconscious, and during the state of sleep, mere organ life takes over; it does not allow representations, feelings, and volitions to flow from it; one cannot really say anything more about it. At most, one might infer from the interplay of dreams—which appear as if they came from the life of sleep and were simply recalled in waking life—and from the fact that the life of sleep is played out through dreams, that the soul, as such, somehow continues to exist during the life of sleep; but these are all uncertain matters. — Strictly speaking, no serious, unbiased person, using ordinary means of knowledge, can speak of the soul in any way other than to say: It simply presents phenomena that appear to be entirely dependent on physical conditions.

[ 3 ] Gerade weil anthroposophische Erkenntnis Ernst macht mit diesem Vermögen oder Unvermögen der gewöhnlichen Erkenntnismittel, muß sie auf der anderen Seite sich bestreben, eben zu anderen Erkenntnismitteln zu greifen. Und Sie wissen ja, daß zu solchen Erkenntnismitteln in der oftmals hier dargestellten imaginativen, inspirierten und intuitiven Erkenntnis gegriffen wird. Durch diese besondere Art der Erkenntnis, die erst als Fähigkeit entwickelt wird aus dem gewöhnlichen Seelenleben heraus, die erst entwickelt werden kann, wenn man sich zu dieser Entwickelung auch wirklich anstrengt, soll dann gestrebt werden, erst über dasjenige zur Klarheit zu kommen, worüber eben mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln keine Klarheit zu gewinnen ist.

[ 3 ] Precisely because anthroposophical knowledge takes seriously the capacity—or lack thereof—of ordinary means of knowledge, it must, on the other hand, strive to draw upon other means of knowledge. And as you know, such means of knowledge are found in the imaginative, inspired, and intuitive cognition often described here. Through this special kind of cognition—which is developed as a capacity arising from ordinary soul life, and which can only be developed if one truly strives toward this development—one should then aim to attain clarity regarding precisely those matters about which no clarity can be gained through ordinary means of cognition.

[ 4 ] Und nun möchte ich heute, ohne mich wieder einzulassen auf die Darstellung, die ich so oft gegeben habe von dem Wesen der imaginativen, inspirierten und intuitiven Erkenntnis, auf Grundlage eben dieser drei Erkenntnisstufen, ein Gebiet, ein wichtigstes des Unterbewußten oder Unbewußten des Menschen, eben einfach schildern, nämlich das Gebiet des seelischen Lebens zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Ich habe zwar diese Schilderung von gewissen Gesichtspunkten aus schon öfters gegeben, möchte sie aber heute von einem besonderen Gesichtspunkte aus wiederum geben. Ich möchte also zunächst heute einfach schildern, was sich der imaginativen, inspirierten und intuitiven Erkenntnis für den Schlafzustand ergibt. Für das gewöhnliche Bewußtsein liegt ja eigentlich nur das vor, daß jenes Erfülltsein des Bewußtseins mit einem gewissen Inhalte, wie wir ihn vom Aufwachen bis zum Einschlafen haben, mit dem Einschlafen zuerst herabgedämpft wird, und dann erlischt, und daß ein unbewußter Zustand zwischen dem Einschlafen und Aufwachen eintritt. Während des Tagesbewußtseins kann der Mensch zunächst mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln nicht sagen, was seine Seele eigentlich macht in der Zeit zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Denn dasjenige, was da, wenn überhaupt ein Seelisches als solches erlebt wird in diesem Zustande, sich abspielt, das tritt ja eben nicht herein in das gewöhnliche Bewußtsein. Für das gewöhnliche Bewußtsein ist Finsternis ausgebreitet über dasjenige, was die Seele erlebt, wenn sie überhaupt erlebt im Schlafzustande. Nun aber beginnt der Schlafzustand dann, wenn zunächst die imaginative Erkenntnis eintritt, aufgehellt zu werden, die Finsternis beginnt sich in eine Helligkeit umzuwandeln, und man kann schon mit der imaginativen Erkenntnis Urteile gewinnen über dasjenige, was wenigstens für die ersten Stadien des Schlafzustandes von der Seele erlebt wird. Man kann dann weiter in inspirierter und intuitiver Erkenntnis in diese Erlebnisse weiter eindringen. Es ist das nicht so, daß Sie sich vorstellen sollten, man sieht in den Schlaf so hinein, wie etwa in einen Guckkasten, sondern es ist so, daß man durch imaginative, inspirierte und intuitive Erkenntnis Seelenzustände erlebt, die dem Schlafen dadurch ähnlich sind, daß man in ihnen zu seinem Leibe, zu seinem Körper in einem ähnlichen Verhältnisse ist wie während des Schlafens, daß man aber durchaus nicht bewußtlos dieses Verhältnis erlebt, sondern eben im vollbewußten Zustande. Und daher, weil man während des Wachlebens vollbewußt in ähnlicher Art erlebt wie während des Schlafes, kann man dann auch hineinschauen in dasjenige, was sich mit der Menschenseele während des Schlafes vollzieht, und man kann es dann schildern.

[ 4 ] And now, without going into the description I have so often given of the nature of imaginative, inspired, and intuitive knowledge—based precisely on these three levels of knowledge—I would like today to simply describe one of the most important areas of the human subconscious or unconscious: namely, the realm of soul life between falling asleep and waking up. Although I have already given this description from certain perspectives on several occasions, I would like to present it again today from a particular perspective. So today I would first like to simply describe what the imaginative, inspired, and intuitive knowledge reveals about the state of sleep. For ordinary consciousness, the only thing that is actually apparent is that the filling of consciousness with a certain content—as we experience it from waking until falling asleep—is first subdued upon falling asleep and then ceases, and that an unconscious state sets in between falling asleep and waking up. During waking consciousness, a person cannot initially determine—using ordinary means of cognition—what the soul is actually doing in the time between falling asleep and waking up. For whatever takes place there—if anything of a soulful nature is experienced as such in this state—simply does not enter into ordinary consciousness. For ordinary consciousness, darkness shrouds whatever the soul experiences—if it experiences anything at all—during sleep. But as the state of sleep begins, imaginative insight first begins to shed light on it; the darkness begins to transform into light, and one can already use imaginative insight to form judgments about what the soul experiences, at least during the early stages of sleep. One can then penetrate further into these experiences through inspired and intuitive insight. It is not the case that you should imagine one is looking into sleep as if into a peep show; rather, through imaginative, inspired, and intuitive insight, one experiences states of the soul that are similar to sleep in that one’s relationship to one’s body in these states is similar to that during sleep, yet one experiences this relationship not at all unconsciously, but rather in a fully conscious state. And therefore, because one experiences things fully consciously in a similar way during waking life as during sleep, one can then also look into what takes place within the human soul during sleep, and one can then describe it.

[ 5 ] Wenn der Mensch nun einschläft, so wissen Sie ja: im Einschlafen kann sich durchsetzen das undeutlich verschwommen auftretende Bewußtsein mit Träumen. Diese Traumwelt kann zunächst zu einer Erkenntnis des Seelenlebens eigentlich gar nicht viel helfen. Denn dasjenige, was man mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln im Tagesbewußtsein über die Träume wissen kann, bleibt doch etwas höchst Äußerliches, und die Träume selber zeigen sich ja nicht so, daß man auf sie in einer ganz bestimmten Art bauen könnte, bevor man in anderer Art eine Erkenntnis hat über den Schlaf. Derjenige, der dann wirklich in eine Erkenntnis der Schlafzustände eindringt, der weiß, daß eigentlich die Träume eher beirrend sind für eine wirkliche Erkenntnis dieses Schlafzustandes als aufhellend. Dasjenige, was erlebt wird von der Seele, wird von ihr unbewußt erlebt. Ich muß es nun, weil ich es aus imaginativer, inspirierter und intuitiver Erkenntnis heraus schildere, Ihnen so schildern, wie wenn es von der Seele bewußt erlebt würde; ich werde Ihnen also zu schildern haben die Erlebnisse der Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen so, wie wenn sie bewußt erlebt würden; sie werden nicht bewußt erlebt, aber dasjenige was ich so schildern werde, wie wenn es bewußt erlebt würde, das wird eben schon von der Seele erlebt, wenn sie auch nichts davon weiß. Es ist eben doch als Tatsache vorhanden, und als Tatsache wirkt es nicht nur vom Einschlafen bis zum Aufwachen, sondern es wirkt herein vor allen Dingen auch in den menschlichen physischen Organismus und in diesen sogar am meisten während des Wachens. Wir tragen immer während des Tages vom Aufwachen bis zum Einschlafen die Nachwirkungen der Nachterlebnisse in uns, und wenn auch für die äußere Kultur alles dasjenige von einer großen Bedeutung ist, was der Mensch durch sein Bewußtsein vollzieht, dasjenige, was im Menschen selber vorgeht, das ist zum allergeringsten Teile abhängig von seinem Bewußtsein, aber im höchsten Grade abhängig von demjenigen, was er unbewußt erlebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen.

[ 5 ] When a person falls asleep, as you know, a vague, blurred state of consciousness—accompanied by dreams—can take hold. At first, this dream world cannot really contribute much to an understanding of the life of the soul. For what one can learn about dreams through the ordinary means of cognition in waking consciousness remains, after all, something highly superficial, and the dreams themselves do not present themselves in such a way that one could rely on them in any definite way before gaining insight into sleep in some other way. Anyone who truly delves into an understanding of the states of sleep knows that dreams are actually more of a hindrance to a genuine understanding of this state of sleep than a source of enlightenment. What is experienced by the soul is experienced unconsciously. Since I am describing this from imaginative, inspired, and intuitive insight, I must now describe it to you as if it were being consciously experienced by the soul; I will therefore have to describe to you the soul’s experiences from falling asleep to waking up as if they were being consciously experienced; they are not consciously experienced, but what I will describe as if it were consciously experienced is in fact already being experienced by the soul, even though it is unaware of it. It does exist as a fact, and as a fact it affects not only the period from falling asleep to waking up, but above all it also influences the human physical organism—and does so most strongly during wakefulness. Throughout the day, from waking until falling asleep, we carry within us the aftereffects of our nighttime experiences; and although everything a person accomplishes through their consciousness is of great significance for external culture, what takes place within the person themselves depends only to the very smallest degree on their consciousness, but depends to the highest degree on what a person experiences unconsciously from falling asleep until waking up.

[ 6 ] Da erleben wir zunächst, wenn die Sinneswahrnehmungen allmählich ganz abgelähmt sind, wenn die Willensimpulse aufhören zu wirken, einen undifferenzierten Zustand der Seele. Es ist ein allgemeines, unbestimmtes Erleben, ein Erleben, in dem zwar ein deutliches Zeitgefühl vorhanden ist, aber das Raumgefühl fast ganz erloschen ist. So daß wirklich dieses Erleben verglichen werden kann mit einer Art Schwimmen, mit einer Art Sich-Bewegen in einer allgemeinen, unbestimmten Weltensubstanz. Man muß eigentlich erst Worte bilden, um dasjenige auszudrücken, was die Seele da erlebt. Man möchte sagen, die Seele erlebt sich wie eine Welle in einem großen Meer, wie eine Welle, die aber sich in sich organisiert fühlt, die sich allseitig von dem übrigen Meer umgeben fühlt, und die die Wirkungen dieses Meeres so auf sich fühlt, wie man beim Tagesleben in einer bestimmten differenzierten Weise die Eindrücke der Farben oder Töne oder der Wärmeverhältnisse fühlt, wahrnimmt und über sie denkt. Aber wie man sich bei dem Tagesleben als einen in seiner Haut abgeschlossenen Menschen fühlt, sich an einem gewissen Standorte fühlt, so fühlt man sich in diesem Augenblick, der auf das Einschlafen folgt — ich sage, man fühlt sich, man erlebt das; ich schildere, wie wenn es bewußt wäre; die Tatsache ist vorhanden, nur das Bewußtsein davon ist nicht vorhanden —, man fühlt sich wie eine Welle in einem allgemeinen Meer, man fühlt sich bald da, bald dort, wie gesagt, das bestimmte Raumempfinden hört eigentlich auf. Aber ein allgemeines Zeitempfinden ist da. Dieses Erleben ist aber verbunden mit dem anderen des Verlassenseins. Es ist etwas wie ein Versinken in einen Abgrund. Der Mensch wäre tatsächlich, wenn er nicht vorbereitet dazu ist, manchem ausgesetzt, indem er schon dieses erste Stadium des Schlafes bewußt erleben würde, denn er würde es eben schier unerträglich finden, die Raumesempfindung fast ganz zu verlieren, nur in einem allgemeinen Zeitgefühle zu leben, sich so ganz unbestimmt nur eingegliedert zu fühlen wie in einem allgemeinen substantiellen Meer, in dem außerordentlich wenig zu unterscheiden ist, nur zu unterscheiden ist, daß man ein Selbst ist in einem allgemeinen Weltensein drinnen. Man fühlte sich — eben wenn Bewußtsein vorhanden wäre — wirklich wie über dem Abgrund schwebend. Und wiederum verbunden ist mit diesem etwas, was in der Seele auftritt wie ein ungeheueres Bedürfnis nach der Anlehnung an Geistiges, ein ungeheueres Bedürfnis, mit einem Geistigen verbunden zu sein. Man hat gewissermaßen in dem allgemeinen Meer, in dem man schwimmt, jenes Sicherheitsgefühl der Verbundenheit mit den materiellen Dingen der Wachenswelt verloren. Daher fühlt man — man fühlte, wenn der Zustand bewußt wäre — eine tiefe Sehnsucht nach dem Verbundensein mit dem Göttlich-Geistigen. Man kann auch sagen: Man erlebt eigentlich dieses allgemeine Sich-Bewegen in einer undifferenzierten Weltensubstanz wie ein Geborgensein in einem GöttlichGeistigen. — Ich bitte, beachten Sie die Art, wie ich hier schildern muß: ich schildere Ihnen die Sache so, um es noch einmal zu sagen, wie wenn dieSeele bewußt erlebte. Sie erlebt so nicht bewußt, aber Sie können sich ja vorstellen, wie, während Sie im wachen Tagesleben bewußt erleben, manches unbewußt in Ihrem Organismus vor sich geht, was eben einfach Tatsache ist. Sagen wir zum Beispiel, Sie erleben eine Freude; ja, während der Freude pulsiert das Blut anders als während der Traurigkeit. Sie erleben die Freude oder die Traurigkeit in Ihrem Bewußtsein, aber Sie erleben nicht das Pulsieren des Blutes in dem einen oder dem anderen Zustande. Dennoch ist dieses Pulsieren des Blutes Tatsache. Und so entspricht dem, was ich hier schildere auf der einen Seite, dem, was ich schildere als ein allgemeines Schwimmen in einer undifferenzierten Weltensubstanz und andererseits dem, was ich schildere als ein Gottesbedürfnis, dem entspricht ein Tatsächliches im Seelenleben. Und die imaginative Erkenntnis tut ja nichts anderes, als dieses Tatsächliche ebenso ins Bewußtsein heraufheben, wie das gewöhnliche Tagesbewußtsein der Menschen eben ins Bewußtsein heraufhebt die Blutpulsation, die zugrunde liegt der Freude oder dem Kummer. Die Tatsachen sind vorhanden, und die Tatsachen wirken in das wache Tagesleben herein, so daß in der Tat, wenn wir des Morgens aufwachen, wir unseren Organismus dadurch in einer erfrischten Verfassung haben, daß dieses nächtliche Erlebnis sich für unser Seelenleben abgespielt hat. Dasjenige, was in der vom Körper getrennten Seele zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen vor sich geht, das hat eben seine große Bedeutung als Nachwirkung dann während des Wachlebens am folgenden Tage. Und wir würden nicht am folgenden Tage unseren Körper in der richtigen Weise gebrauchen können, wenn wir nicht uns herausgehoben hätten aus der Verbindung mit den äußerlich physischsinnlichen Dingen und untergetaucht wären in dieses unbestimmte Erleben, welches ich geschildert habe. Und daß wir im wachen Tagesleben aus der Tiefe unseres Willens so etwas herauftauchen haben wie ein Bedürfnis, dasjenige, was so differenziert um uns herum ist, auf ein Allgemeines zu beziehen, und daß wir das Bedürfnis haben, die Welt des Sinnlichen auf ein Göttliches zu beziehen, das ist eine Nachwirkung dieses ersten Stadiums des Schlafzustandes. Wir können uns fragen: Warum ist denn der Mensch nicht zufrieden damit, daß er einfach die einzelnen Dinge der Welt nebeneinander ansieht während des Wachzustandes, warum ist er denn nicht zufrieden, einfach durch die Welt zu gehen und hinzunehmen Pflanzen, Tiere und so weiter? Warum fängt er an — und das tut ja auch der einfachste Mensch, nicht nur der Philosoph; nebenbei versteht es der einfachste Mensch viel besser als der Philosoph —, warum fängt er an zu philosophieren, wie die Dinge zusammenhängen, warum bezieht er das Einzelne, was er sieht, auf ein Allgemeines, warum frägt er, wie das Einzelne in einem allgemeinen Kosmos begründet ist? Er würde es nicht tun, wenn er nicht während des Schlaflebens wirklich lebensvoll in ein solch Unbestimmtes hinein sich lebte. Und er würde auch nicht zu einem Gottgefühle in seinem wachen Zustande kommen, wenn er nicht die entsprechende Tatsache, dieses Gottgefühl, im ersten Stadium seines Schlafzustandes durchmachte. Wir verdanken dem Schlafe gerade für das Innere unseres Menschentums außerordentlich Bedeutsames.

[ 6 ] First, when sensory perceptions are gradually completely dulled and the impulses of the will cease to have an effect, we experience an undifferentiated state of the soul. It is a general, indeterminate experience—one in which, although a distinct sense of time is present, the sense of space has almost entirely faded. So that this experience can truly be compared to a kind of floating, a kind of moving through a general, indeterminate substance of the world. One must actually first form words to express what the soul is experiencing there. One might say that the soul experiences itself as a wave in a vast ocean—a wave that, however, feels organized within itself, feels surrounded on all sides by the rest of the ocean, and feels the effects of this ocean in the same way that, in daily life, one feels, perceives, and reflects upon the impressions of colors, sounds, or temperature in a specific, differentiated manner. But just as one feels in everyday life like a person enclosed within one’s own skin, situated in a certain location, so does one feel in that moment following the onset of sleep—I say, one feels, one experiences this; I describe it as if it were conscious; the fact is present, only the consciousness of it is absent—one feels like a wave in a universal sea, one feels oneself here one moment, there the next; as I said, the specific sense of space actually ceases. But a general sense of time is present. This experience, however, is linked to that of abandonment. It is something like sinking into an abyss. If one were not prepared for it, one would indeed be exposed to many things by consciously experiencing even this first stage of sleep, for they would find it almost unbearable to lose the sense of space almost entirely, to live only in a general sense of time, to feel so completely undefined and merely integrated as if in a general, substantial sea in which there is very little to distinguish—the only thing that can be distinguished is that one is a self within a general existence of the world. One would feel—precisely if consciousness were present—as if truly hovering over an abyss. And linked to this, in turn, is something that arises in the soul like an immense need to lean on the spiritual, an immense need to be connected to the spiritual. In a sense, one has lost—in the universal sea in which one swims—that sense of security that comes from being connected to the material things of the waking world. Therefore, one feels—one would feel, if the state were conscious—a deep longing to be connected to the divine-spiritual. One could also say: One actually experiences this general movement within an undifferentiated world substance as a sense of being sheltered within the Divine-Spiritual. — Please note the way I must describe this here: I am describing the matter to you—to put it once more—as if the soul were experiencing it consciously. It does not experience it consciously in this way, but you can imagine how, while you are consciously experiencing things in your waking daily life, certain processes are taking place unconsciously within your organism—which is simply a fact. Let’s say, for example, that you experience joy; indeed, during joy, the blood pulses differently than during sadness. You experience the joy or the sadness in your consciousness, but you do not experience the pulsing of the blood in one state or the other. Nevertheless, this pulsing of the blood is a fact. And so what I am describing here—on the one hand, a general floating in an undifferentiated world substance, and on the other hand, a need for God—corresponds to a reality in the life of the soul. And imaginative insight does nothing other than bring this reality into consciousness, just as people’s ordinary waking consciousness brings into awareness the pulsation of the blood that underlies joy or sorrow. These realities exist, and they influence our waking daily life, so that in fact, when we wake up in the morning, our organism is in a refreshed state because this nocturnal experience has taken place within our soul life. What takes place in the soul, separated from the body, between falling asleep and waking up, has great significance as an aftereffect during waking life the following day. And we would not be able to use our body properly the following day if we had not detached ourselves from our connection with external physical-sensory things and immersed ourselves in this indefinable experience that I have described. And the fact that, in our waking daily life, something emerges from the depths of our will—a need to relate the highly differentiated world around us to something universal, and a need to relate the world of the physical and sensory to the divine—is an aftereffect of this first stage of the sleep state. We may ask ourselves: Why is a person not content simply to observe the individual things of the world side by side while awake? Why is he not content simply to walk through the world and take in plants, animals, and so on? Why does he begin—and indeed even the simplest person does this, not just the philosopher; incidentally, the simplest person understands it much better than the philosopher—why does he begin to philosophize about how things are connected, why does he relate the particular things he sees to a universal principle, why does he ask how the particular is grounded in a universal cosmos? He would not do so if, during sleep, he did not truly and vividly immerse himself in such an indeterminate realm. Nor would he arrive at a sense of God in his waking state if he had not experienced the corresponding reality—this sense of God—in the first stage of his sleep. We owe sleep an extraordinary debt of gratitude precisely for the innermost essence of our humanity.

[ 7 ] Wenn dann der Mensch seinen Schlaf fortsetzt, so kommt er in andere Stadien hinein, die nicht mehr mit der imaginativen Erkenntnis zu durchschauen sind, sondern zu deren Durchschauung eben inspirierte Erkenntnis notwendig ist. Dasjenige, was da wiederum als Tatsache des seelischen Erlebens auftritt, und was sich im inspirierten Bewußtsein so spiegelt, wie, sagen wir, Blutpulsation in Freude und Kummer, das ist zunächst eine gewisse Zerteiltheit der Seele an möglichst viele Einzelheiten, einzelne Wesenhaftigkeiten. Die Seele zersplittert wirklich ihr Leben in Teile, und diese Zersplitterung ist in Verbindung mit etwas, was, wenn es ins Bewußtsein heraufleuchtet, als Ängstlichkeit erscheint. Nachdem die Seele das durchgemacht hat, was man ein Schweben über dem Abgrunde oder ein Schwimmen in einer allgemeinen Weltensubstanz und eine Sehnsucht nach einem Göttlich-Geistigen nennen kann, gerät sie in eine gewisse Ängstlichkeit, das heißt in etwas, was für das Bewußtsein Ängstlichkeit wäre, wenn es eben bewußt erlebt würde, was im wesentlichen darauf beruht, daß die Seele nicht nur in einer allgemeinen Weltsubstanz schwimmt, sondern gewissermaßen untertaucht in geistig-seelische Einzelwesen, die ein Dasein für sich haben, mit denen die Seele jetzt in eine gewisse Verwandtschaft kommt; so daß sie jetzt eigentlich nicht eine Einheit ist, sondern vieles ist. Dieses Vielessein wird aber eben als Ängstlichkeit erlebt. Und über diese Ängstlichkeit muß der Mensch in einer gewissen Weise hinauskommen.

[ 7 ] When a person then continues sleeping, they enter other stages that can no longer be penetrated by imaginative insight, but rather require inspired insight to be understood. What then appears as a fact of soul experience—and is reflected in inspired consciousness in the same way that, say, the pulsation of blood is reflected in joy and sorrow—is, at first, a certain fragmentation of the soul into as many details and individual essences as possible. The soul truly fragments its life into parts, and this fragmentation is connected to something that, when it shines up into consciousness, appears as anxiety. After the soul has gone through what might be called hovering over the abyss or swimming in a universal world substance and a longing for the divine-spiritual, it falls into a certain anxiety, that is, into something that would be anxiety for consciousness if it were actually experienced consciously—a state that essentially stems from the fact that the soul is not merely floating in a general world substance but, as it were, diving into individual spiritual-soul beings that have an existence of their own, with whom the soul now enters into a certain kinship; so that it is now, in fact, not a unity, but many things. This multiplicity, however, is experienced precisely as anxiety. And human beings must, in a certain way, transcend this anxiety.

[ 8 ] In der Zeit, die sich abgespielt hat in der Erdenentwickelung vor dem Mysterium von Golgatha, da gingen von den Mysterienstätten in den verschiedensten Religionsübungen Anweisungen für die Menschheit aus, die schon ihren Weg zu den einzelnen Menschen fanden, wodurch die Seelen zu dem, was sie an Gefühlen erleben konnten an der sinnlichen Außenwelt, noch andere eben hinzuerlebten, dadurch, daß sie eben ihre für diese alten Zeiten passenden Gottesvorstellungen hatten. Nun waren in diesen alten Zeiten die Menschen so, daß sie auch während des wachen Tageslebens etwas von einem Hereinscheinen der geistigen Welt in das Bewußtsein hatten. Je mehr wir in der Erdenentwickelung der Menschheit zurückgehen, desto mehr kommen wir darauf, einzusehen, daß die Menschen eine Art Hellsehen gehabt haben in sehr alten Zeiten und dann Nachklänge dieses Hellsehens in späteren Zeiten, daß es für die damaligen Menschen eine innere Anschauung war, daß der Mensch selber, bevor er sein Erdenleben begonnen hat, als seelisch-geistiges Wesen in einem vorirdischen Dasein weilte. Es war nicht etwas, was die Menschen erschlossen hatten, nicht etwas, woran sie bloß glaubten, sondern was für sie eine Gewißheit war, weil sie in ihrem Inneren erlebten etwas, was ihnen geblieben war aus einem vorirdischen Dasein.

[ 8 ] During the period of Earth’s evolution that preceded the Mystery of Golgotha, instructions for humanity emanated from the mystery sites through a wide variety of religious practices; these instructions already found their way to individual human beings, enabling their souls to experience, in addition to what they could feel in the external sensory world, other experiences as well—precisely because they held conceptions of God appropriate to those ancient times. Now, in those ancient times, people were such that even during their waking daily lives they experienced a certain shining-in of the spiritual world into their consciousness. The further back we go in the earthly evolution of humanity, the more we come to realize that people possessed a kind of clairvoyance in very ancient times, with echoes of this clairvoyance persisting into later periods; that for the people of those times it was an inner conviction that the human being, before beginning their earthly life, had dwelt as a soul-spiritual being in a pre-earthly existence. It was not something people had deduced, nor something they merely believed in, but rather a certainty for them, because they experienced within themselves something that had remained with them from a pre-earthly existence.

[ 9 ] Wenn ich mit einem recht trivialen Vergleich kommen darf, so möchte ich sagen: wenn jemand von seinen Eltern geerbt hat ein gewisses Vermögen, so erkennt er auch, wie dieses Vermögen durch sein unmittelbares Dasein in den Lebenslauf eingreift, erkennt er, daß er sich das nicht selbst erworben hat, sondern daß ihm das überkommen ist von seinen Vorfahren. So wußten die Menschen einer älteren Zeit, daß gewisse Erlebnisse in ihrer Seele nicht herkamen von dem, was ihre Augen gesehen hatten, sondern sie erkannten, daß diese Seelenerlebnisse eine Erbschaft sind aus einem vorirdischen Dasein. An diesen Seelenerlebnissen selbst erkannten sie das. Es muß ja immer wiederum betont werden, daß die Menschen im Verlaufe ihrer Entwickelung frei geworden sind von solchen Seelenerlebnissen, daß unser heutiges Zeitalter ein solches ist, wo das gewöhnliche Bewußtsein eben keine derartigen Seelenerlebnisse hat, die sich als Erbschaft erklären ließen aus einem vorirdischen Dasein. Es war also leichter für diese Menschen der älteren Zeit, hingewiesen zu werden von ihren geistigen Führern in den Mysterienstätten darauf, wie sie in der Seele sich in ihren Gefühlen stellen sollten zu dem, was sie so als geistiges Erlebnis in der Seele hatten. Und aus der Kraft, die ihnen dann wurde durch die Impulse, die die Menschen bekamen aus den Mysterienstätten heraus, trugen sie nun aus dem gewöhnlichen Tagesleben heraus in das Nachtleben, in das Schlafesleben hinein die Kraft, gegenüber der eben geschilderten Ängstlichkeit Sieger zu bleiben. Die Ängstlichkeit tritt also aus den Tiefen des Schlaflebens heraus auf. Die Kraft, aus dieser Ängstlichkeit heraus sich für den nächsten Tag nicht etwas mitzubringen wie eine allgemeine Abmattung des Organismus, sondern etwas mitzubringen, was eine Frische des Organismus ist, mußte man sich erst ansammeln während des Tageslebens am vorhergehenden Tag; so hängen Tage und Nächte miteinander zusammen. Die Nacht bringt in einem gewissen Stadium des Schlafzustandes die Ängstlichkeit; in diese Ängstlichkeit muß sich hineinergiefßen die Kraft, die man aus dem religiösen oder religiös gearteten Erleben des Vortages gewonnen hat, und wenn sich dann diese beiden Dinge, dieser Rest aus dem vorigen Tag mit dem ursprünglichen Erlebnis der Nacht vereinigen, dann strahlt in das neue Tagesleben des nächsten Tages die erfrischende Kraft in den Organismus hinein.

[ 9 ] If I may offer a rather trivial comparison, I would like to say: if someone has inherited a certain amount of wealth from their parents, they also recognize how this wealth, simply by its existence, influences the course of their life; they realize that they did not acquire it themselves, but that it was passed down to them by their ancestors. Thus, people of earlier times knew that certain experiences in their souls did not originate from what their eyes had seen; rather, they recognized that these soul experiences were an inheritance from a pre-earthly existence. They recognized this from these soul experiences themselves. It must, of course, be emphasized again and again that, in the course of their development, people have become free from such soul experiences; that our present age is one in which ordinary consciousness simply does not have such soul experiences that could be explained as a legacy from a pre-earthly existence. It was therefore easier for these people of earlier times to be guided by their spiritual leaders in the mystery temples as to how they should, in their souls and in their feelings, relate to what they experienced as a spiritual experience within their souls. And from the strength they then derived through the impulses they received from the mystery sites, they carried into their nightly life—into the life of sleep—the power to remain victorious over the anxiety just described, even as they moved from ordinary daily life into the night. This anxiety thus arises from the depths of the life of sleep. The strength to emerge from this anxiety—not carrying over into the next day a general exhaustion of the organism, but rather a sense of vitality—had to be built up during the previous day’s waking life; thus, days and nights are interconnected. The night brings anxiety at a certain stage of the sleep state; into this anxiety must flow the strength gained from the religious or religiously oriented experiences of the previous day; and when these two things—this remnant from the previous day and the original experience of the night—unite, then the refreshing strength radiates into the organism as the new daily life of the following day begins.

[ 10 ] Es geht eben für eine wirkliche Geisteswissenschaft nicht mehr an, nur in allgemeinen abstrakten Phrasen davon zu sprechen, daß eine allgemeine göttliche Weltenregierung da ist. Es geht nicht an, die einzelnen Dinge der Welt nur nach ihrem Sinnenschein zu schildern und zu sagen: Nun ja, in diesem Sinnenschein ist eben eine allgemeine Weltenregierung. — Geisteswissenschaft muß ganz im konkreten darauf hinweisen, wie diese göttliche Weltenregierung wirkt. Man kann nicht mehr, wenn man den Aufgaben der Menschheitsentwickelung in die Zukunft hinein gewachsen sein will, bloß sagen, man fühlt sich nach einem gesunden Schlaf erfrischt, Gott habe einem die Erfrischung geschenkt. Man würde an allem Wissenschaftlichen verzweifeln müssen, wenn man auf der einen Seite für die sinnliche Welt eine strenge Wissenschaft suchen müßte, und die Strenge dieser Wissenschaft nicht ausdehnen könnte auf dasjenige, was sich auf das Übersinnliche bezieht; wenn man im Übersinnlichen bloß mit der allgemeinen Phrase drinnen bleiben müßte: nun ja, es liegt eben so etwas wie eine göttliche Weltenregierung zugrunde. Man kommt immer mehr und mehr in das Bestimmte hinein, man kann hinweisen darauf, wie diese Ängstlichkeit, die in diesem zweiten Stadium des Schlafes auftritt, gewissermaßen durchmischt wird mit der aus dem religiösen Fühlen des Vortages geschöpften, in die Nacht hinein nachwirkenden Kraft, und daraus wiederum die Erfrischungskraft für den physischen Organismus des nächsten Tages wird. Dadurch bekommt man immer mehr und mehr eine Einsicht, wie das wirklich Geistige in dem wirklich Physischen drinnen lebt, während man für die heute geltenden Erkenntnismittel nur einen physischen Inhalt hat und allgemeine Redensarten, daß in diesem physischen Inhalt oder über diesem physischen Inhalt auch etwas Geistiges lebt. Die Menschheit wird aber in ihrer Kultur immer mehr und mehr herunterkommen, wenn sie sich nicht bequemt, die Strenge, die man für das Anschauen der äußeren Welt und Erkenntnis hat, auch auszudehnen auf die geistige Welt. Und nun merkt man, wenn man mit dem inspirierten Bewußtsein diese Stadien des Schlafes von dem ersten in das zweite Stadium weiter verfolgt, daß dann das innere Erleben der Seele etwas ganz anderes wird, als es im Tagesleben war.

[ 10 ] For a true spiritual science, it is simply no longer acceptable to speak only in general, abstract terms about the existence of a universal divine world government. It is not acceptable to describe the individual things of the world solely according to their apparent meaning and to say: “Well, in this sensory appearance there is indeed a universal divine governance.” — Spiritual science must point out, in entirely concrete terms, how this divine governance of the world operates. If one wishes to grow into the tasks of humanity’s future development, one can no longer simply say that one feels refreshed after a sound sleep and that God has bestowed this refreshment upon one. One would have to despair of all science if, on the one hand, one were required to seek a rigorous science for the sensory world but could not extend the rigor of that science to what pertains to the supersensible; if, in the supersensible, one were confined to the general phrase: “Well, there is simply something like a divine world government underlying it all.” One delves deeper and deeper into the specific; one can point out how this anxiety, which arises in this second stage of sleep, is, so to speak, interwoven with the force drawn from the religious feeling of the previous day—a force that continues to exert its influence into the night—and from this, in turn, the refreshing power for the physical organism of the next day is derived. Through this, one gains an ever-deeper insight into how the truly spiritual lives within the truly physical, whereas the means of knowledge currently in use offer only a physical content and general statements that something spiritual also lives within or above this physical content. Humanity, however, will decline more and more in its culture if it does not take the trouble to extend the rigor applied to observing the external world and gaining knowledge to the spiritual world as well. And now, when one follows these stages of sleep from the first to the second stage with inspired consciousness, one notices that the soul’s inner experience then becomes something entirely different from what it was in daily life.

[ 11 ] Nun, man kann es auch durch die gewöhnliche Naturwissenschaft erkennen, wenn man sie nur konsequent durchführt, wie man im Seelischen drinnensteckt im Atmungsvorgang, im Blutzirkulationsvorgang, in dem den Blutzirkulationsvorgang durchziehenden Ernährungsprozeß, man kann fühlen, daß etwas vorgeht, wenn man sich bewegend anstrengt und so weiter. Man fühlt das Seelisch-Geistige verbunden mit körperlichen Verrichtungen, und wenn man den Atmungsvorgang etwa schildert oder den Blutzirkulationsvorgang, dann weiß man: man schildert etwas, in dem während des wachen Tageslebens das seelische Erleben drinnensteckt. Das seelische Erleben vom Einschlafen bis zum Aufwachen steckt nicht im Sinnlichen drinnen, aber es ist auch ein ganz bestimmtes Innenleben, ein solches Innenleben, das ebenso bezogen werden kann auf etwas, wie das Tagesinnenleben bezogen werden kann auf das Atmungsleben oder Blutzirkulationsleben. Und da stellt sich heraus, daß dieses nächtliche Innenleben zusammenhängt mit einer inneren Kräfteentwickelung, die vergleichbar ist mit der Kräfteentwickelung des Atmens und der Blutzirkulation, mit einer Kräfteentwickelung, die ein Nachbild ist der Planetenbewegungen unseres Planetensystems. Merken Sie wohl, ich sage nicht, daß wir jede Nacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen in den Planetenbewegungen drinnenstecken oder mit ihnen verbunden sind, sondern wir stecken in etwas drinnen, was eine Nachbildung ist, gewissermaßen eine Miniatur von unserem planetarischen Kosmos respektive seinen Bewegungen. Wie man also beim Tagesseelenleben in der Blutzirkulation drinnensteckt, so steckt man beim Nachtseelenleben in etwas drinnen, was eine Nachbildung ist unserer Planetenbewegungen unseres Sonnensystems. Wenn man sagt für den Tag: Es zirkulieren in einem die weißen Blutkörperchen, es zirkulieren in einem die roten Blutkörperchen, es kreist in uns die Atmungskraft, durch die wir einatmen, ausatmen —, so muß man für das nächtliche Seelenleben sagen: Es kreist in uns ein Nachbild der Merkur-, ein Nachbild der Venus-, ein Nachbild der Jupiterbewegung. — Ein kleiner planetarischer Kosmos ist gewissermaßen unser Seelenleben vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Unser Leben wird aus dem Persönlich-Menschlichen ein Kosmisches vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und die inspirierte Erkenntnis kann dann finden, wie, wenn wir abends ermüdet sind, zunächst dasjenige, was am Vortage die Kräfte waren, die das Blut in Pulsation erhalten haben, durch sein eigenes Beharrungsvermögen die Vitalität in der Nacht aufrechterhalten kann, wie es aber braucht, damit es wiederum Tagesseelenleben werden kann, den Anstoß, der aus dem Erleben eines Nachbildes des planetarischen Kosmos in der Nacht kommt. Mit dem Aufwachen wird in uns eingepflanzt, eingeimpft die Nachwirkung desjenigen, was wir an den Nachbildungen der Planetenbewegungen vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt haben. Das ist es, was den Kosmos verbindet mit unserem individuellen Leben. Beim Aufwachen morgens könnte nicht in uns einstrahlen in einer richtigen Weise, so daß das Bewußtsein richtig vorhanden ist, dasjenige, was wir als Kräfte brauchen, wenn wir nicht diese Nachwirkung der nächtlichen Erlebnisse hätten.

[ 11 ] Well, one can also recognize this through ordinary natural science, if one only applies it consistently—how one is involved in the process of breathing, in the process of blood circulation, in the process of nutrition that permeates the blood circulation—one can feel that something is happening when one exerts oneself while moving, and so on. One feels the soul-spiritual connected to physical activities, and when one describes, for example, the process of breathing or the process of blood circulation, one knows: one is describing something in which, during waking daily life, the soul experience is embedded. The psychological experience from falling asleep to waking up is not contained within the sensory realm, but it is also a very specific inner life—an inner life that can be related to something just as the inner life of the day can be related to the life of breathing or the life of blood circulation. And it turns out that this nocturnal inner life is connected to a development of inner forces comparable to the development of the forces of breathing and blood circulation—a development of forces that is a reflection of the planetary movements of our solar system. Please note: I am not saying that every night, from the moment we fall asleep until we wake up, we are immersed in or connected to the planetary movements; rather, we are immersed in something that is a replica—a miniature, so to speak, of our planetary cosmos and its movements. Just as we are immersed in the blood circulation during our daytime soul life, so too are we immersed in something during our nighttime soul life that is a replica of the planetary movements of our solar system. Just as we say of the day: “The white blood cells circulate within us, the red blood cells circulate within us, the respiratory force through which we inhale and exhale circulates within us”—so we must say of the nocturnal life of the soul: “A reflection of Mercury’s movement, a reflection of Venus’s movement, and a reflection of Jupiter’s movement circulate within us.” — In a sense, our soul life from the moment we fall asleep until we wake up is a small planetary cosmos. From the moment we fall asleep until we wake up, our life transforms from the personal-human into the cosmic. And inspired insight can then discover how, when we are weary in the evening, what were the forces the previous day that kept the blood pulsating can, through its own inertia, maintain vitality during the night; yet how it requires, in order to become the daytime life of the soul once more, the impulse that arises from the experience of a reflection of the planetary cosmos during the night. Upon waking, the aftereffect of what we have experienced in the reflections of the planetary movements from the moment we fell asleep until we awoke is implanted and instilled within us. This is what connects the cosmos to our individual lives. Upon waking in the morning, what we need as forces—so that consciousness is truly present—could not radiate into us in the proper way if we did not have this aftereffect of our nighttime experiences.

[ 12 ] Sie können schon daraus ersehen, wie wenig es richtig ist, wenn manche Leute über Schlaflosigkeit in einer unerhörten Weise klagen. Das ist nämlich gewöhnlich eine außerordentlich starke Selbsttäuschung. Aber darauf will ich jetzt nicht eingehen, denn diejenigen, die dieser Selbsttäuschung unterliegen, glauben ja das doch nicht; sie glauben, sie sind wirklich nicht in einem Schlafe, während sie eben nur in einem abnormen Schlafe sind, durch den sie glauben, daß ihre Seele nicht außerhalb ihres Leibes ist und das planetarische Dasein erlebt. Sie sind in einem Zustande, der allerdings dumpf ist, der aber doch gestattet, dasselbe zu erleben, was ein anderer erlebt bei einem gesunden Schlaf. Doch, wie gesagt, auf diese Ausnahmen will ich jetzt nicht eingehen.

[ 12 ] You can already see from this how untrue it is when some people complain about insomnia in an outrageous way. This is usually an extraordinarily strong form of self-deception. But I do not wish to go into that now, for those who are subject to this self-deception do not believe it anyway; they believe they are truly not asleep, whereas they are merely in an abnormal state of sleep, through which they believe that their soul is not outside their body and is not experiencing planetary existence. They are in a state that is certainly dull, but which nevertheless allows them to experience the same things that others experience during healthy sleep. However, as I said, I do not wish to go into these exceptions at this time.

[ 13 ] Im allgemeinen ist es für den Menschen so, wie ich es jetzt schildere, daß also der Mensch ein kosmisches Leben durchlebt im zweiten Stadium seines Schlafes. Ich habe Ihnen angedeutet, daß in alten Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha aus den Mysterienstätten die Impulse hervorgingen, wodurch der Mensch die Kraft bekam, aus der Ängstlichkeit herauszukommen, gewissermaßen der Zersplitterung zu widerstehen und nun in einer gesunden Weise das durchzumachen, was er eben durchmachen muß. Diese Kraft bewirkte nämlich, daß man in das Planetenerlebnis hineinkam und nicht bei dem Zersplitterungserlebnis blieb. Die Ängstlichkeit kam aus dem Zersplitterungserlebnis; das Erlebnis, in den Planeten zu sein, das wurde einem dadurch, daß man eben die geschilderte Kraft aus dem Erleben des vorangehenden Tages mitnahm. Seit dem Mysterium von Golgatha haben die Menschen die Möglichkeit, durch Hinlenkung ihrer Seele auf die Ereignisse dieses Mysteriums von Golgatha die Kraft zu gewinnen, die vorher in der geschilderten Weise durch die Mysterien gegeben worden ist. Wer in der Tat das Mysterium von Golgatha seelisch-innerlich in der richtigen Weise durchlebt, dem wird der Christus ein starker Führer im Momente, wo die Seele in das Gebiet der Ängstlichkeit in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen eintritt, so daß die neuere Menschheit durch das Christus-Erlebnis dasjenige hat, was eine ältere Menschheit aus den Mysterien heraus hatte.

[ 13 ] In general, it is the case for human beings, as I am now describing, that they live through a cosmic life during the second stage of their sleep. I have hinted to you that in ancient times, before the Mystery of Golgotha, impulses emanated from the mystery sites, through which human beings received the strength to emerge from anxiety, to resist fragmentation, so to speak, and to now undergo in a healthy way what they must undergo. This strength, in fact, enabled one to enter into the planetary experience rather than remain in the experience of fragmentation. Anxiety arose from the experience of fragmentation; the experience of being within the planet was attained by carrying forward the strength described above from the experiences of the preceding day. Since the Mystery of Golgotha, human beings have had the opportunity to gain—by directing their souls toward the events of this Mystery of Golgotha—the strength that was previously bestowed through the Mysteries in the manner described. For those who truly live through the Mystery of Golgotha in the right way, inwardly and in their soul, Christ becomes a strong guide at the moment when the soul enters the realm of anxiety during the time between falling asleep and waking up, so that modern humanity, through the experience of Christ, possesses what earlier humanity derived from the Mysteries.

[ 14 ] Aus diesem Stadium des Schlafes, das ich eben geschildert habe, tritt dann der Mensch in dasjenige ein, was ich Ihnen jetzt wohl in einfacherer Weise benennen darf gewissermaßen als die früheren, weil Sie es mir sehen nicht übelnehmen werden, wenn ich von solchen Dingen spreche, nachdem ich etwas mehr haltgemacht habe bei dem planetarischen Erlebnis: der Mensch hat nach dem planetarischen Erlebnis das Fixsternerlebnis. Nachdem er im zweiten Stadium des Schlafes im Nachbilden der Planetenbewegungen gelebt hat, lebt er jetzt in den Konstellationen der Fixsterne, vorzugsweise in Nachbildungen der Konstellationen der Fixsterne des Tierkreises. Dieses Erleben der Konstellationen der Fixsterne des Tierkreises ist eine sehr reale Tatsache während des dritten Stadiums des Nachtlebens. Da beginnt dann der Mensch auch zu erleben den Unterschied zwischen der Sonne als einem Planeten und einem Fixsterne. Den Menschen ist heute gar nicht klar, warum in älteren Astronomien die Sonne zugleich als ein Planet gegolten hat und doch auch in gewissem Sinn als ein Fixstern. Während des zweiten Stadiums des Schlafes hat die Sonne wirklich für dieses Erleben planetarische Eigenschaften. Man lernt kennen ihre ganz besonders ausgezeichnete Stellung zum Erleben des Menschen auf der Erde. Man lernt also die Sonne kennen auch in ihrer Konstellation zu den anderen Konstellationen der Sternbilder, sagen wir also des Tierkreises. Kurz, man lebt sich hinein in den Kosmos noch in einer intensiveren Weise, als das für das vorhergehende Stadium des Schlafes der Fall war. Man bekommt das Fixsternerlebnis, und aus diesem Fixsternerlebnis erhält der Mensch eben noch tiefere, bedeutsamere Impulse für das Erleben des nächsten Tages, als er aus dem bloßen Planetenerlebnis haben kann. Aus dem Planetenerlebnis bekommt man, wenn ich mich so ausdrücken darf, die Durchfeuerung des Atmungsprozesses und des Blutzirkulationsprozesses; daß aber diese Prozesse substantiell sind, daß sie durchsetzt werden von dem, was sie brauchen, von Substanz, daß also diese Prozesse fortwährend Ernährungsprozesse des Organismus auch sind, dieses Forttreiben der Nahrungsmittel durch den Organismus, das ja scheinbar das Materiellste ist, das aber aus höheren Kräften heraus ist als die bloße Bewegung der Blutzirkulation, dieses Erlebnis beruht in seiner Anfeuerung für das Tagesleben auf einem Nachwirken des Fixsternerlebnisses. Wie wir als physische Menschen abhängig sind in unserem Geistig-Seelischen von der Art und Weise, wie diese oder jene Stoffe in uns zirkulieren, das hängt, wenn ich mich so ausdrücken darf, mit höchsten Himmeln zusammen, das hängt damit zusammen, daß wir als geistig-seelische Wesen im dritten Stadium des Schlafes in uns fühlen Nachbilder der Fixsternkonstellationen, wie wir bei Tag im Wachen in uns fühlen den Magen oder die Lunge. Wie bei Tag unser Körper ist auf der einen Seite ein innerlich bewegter, erfüllt von ‚Atmungsbewegungen, Zirkulationsbewegungen, so ist in der Nacht unsere Seele, unser Substantielles in der Seele etwas, was innerlich Nachbilder der Planetenbewegungen hat. Und so wie wir bei Tag in uns den Magen, Lunge, Herz haben, so haben wir bei Nacht die Konstellationen der Fixsterne; die sind unser Inneres dann. So wird der Mensch wirklich während des Schlafzustandes zum kosmischen Wesen. Dieses dritte Stadium des Schlafes ist das tiefste; aus ihm kehrt der Mensch allmählich wieder zurück in das Tageswachen. Warum kehrt er zurück? Der Mensch würde in das Tageswachen nicht zurückkehren, wenn nicht Kräfte in seiner Seele Platz greifen würden, die ihn wieder hereinführen in seinen physischen Organismus.

[ 14 ] From this stage of sleep, which I have just described, the human being then enters into what I may now describe to you in a simpler way, so to speak, than the previous ones—for I hope you will not hold it against me that I speak of such things, having dwelled a little longer on the planetary experience: after the planetary experience, the human being has the fixed-star experience. Having lived in the second stage of sleep in the reenactment of planetary movements, the person now lives within the constellations of the fixed stars, primarily in reenactments of the constellations of the zodiac. This experience of the zodiacal constellations is a very real fact during the third stage of night life. It is then that the human being also begins to experience the difference between the Sun as a planet and as a fixed star. People today do not realize at all why, in ancient astronomy, the Sun was regarded both as a planet and, in a certain sense, as a fixed star. During the second stage of sleep, the Sun truly possesses planetary characteristics for this experience. One comes to know its particularly distinctive position in relation to human experience on Earth. One thus comes to know the Sun also in its constellation in relation to the other constellations of the zodiac. In short, one immerses oneself in the cosmos in an even more intense way than was the case during the preceding stage of sleep. One has the experience of the fixed stars, and from this experience of the fixed stars, the human being receives even deeper, more significant impulses for the experience of the coming day than can be derived from the mere planetary experience. From the planetary experience, one receives—if I may put it this way—the permeation of the respiratory process and the blood circulation process; but since these processes are substantial—since they are permeated by what they need, by substance—and since these processes are thus also continuous nourishing processes of the organism—this transport of nutrients through the organism, which is indeed seemingly the most material thing, yet which arises from higher forces than the mere movement of blood circulation— this experience, in its stimulation of daily life, is based on a lingering effect of the experience of the fixed stars. The way in which we, as physical human beings, are dependent in our spiritual-soul life on the manner in which this or that substance circulates within us is connected, if I may put it this way, with the highest heavens, it is connected to the fact that, as spiritual-soul beings, we feel within ourselves, in the third stage of sleep, afterimages of the constellations of the fixed stars, just as we feel our stomach or lungs within ourselves during the day while awake. Just as our body during the day is, on the one hand, internally active—filled with ‘breathing movements’ and ‘circulatory movements’—so, at night, our soul, the substantial aspect of our soul, contains something that bears within it afterimages of the planetary movements. And just as we have our stomach, lungs, and heart within us during the day, so at night we have the constellations of the fixed stars; these then become our inner being. Thus, during sleep, the human being truly becomes a cosmic being. This third stage of sleep is the deepest; from it, the human being gradually returns to waking life. Why does he return? The human being would not return to waking life if forces within his soul did not take hold, leading him back into his physical organism.

[ 15 ] Nun, ich habe Ihnen von den verschiedensten Aspekten aus geschildert, wie man diese Kräfte ansprechen kann; ich will sie Ihnen heute vom kosmischen Aspekt aus schildern. Lernt man durch Intuition kennen das Fixsternerlebnis, dann lernt man auch kennen, wie die Kräfte, die den Menschen wiederum hereinführen in den physischen Organismus, die Mondenkräfte sind, das heißt dasjenige, was im Geistigen dem entspricht, was als physisches Abbild als Mond erscheint. Das hängt natürlich nicht davon ab, ob jetzt Vollmond ist oder so etwas, sondern der Mond kann auch durch die Erde durchscheinen in geistiger Beziehung. Es hat zwar etwas zu tun mit den Metamorphosen, die in der Sichtbarkeit des Mondes sich äußern, aber das würde auf viel feinere Unterscheidungen führen, die wir heute nicht besprechen wollen. Es sind im allgemeinen die Mondenkräfte, die den Menschen wiederum zurückführen. Man könnte sagen, der Mensch ist immer durchdrungen, so wie er durchdrungen ist als Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen von den planetarischen Kräften, von den Kräften, die in den Konstellationen der Fixsterne sich offenbaren, wie er da durchdrungen ist und durchdrungen bleibt, weil diese Dinge nachwirken im Tagwachen, so ist der Mensch immerfort durchdrungen von dem, was im Kosmos als geistige Kräfte dem physischen Monde entspricht. Diese Mondenkräfte sind es, die uns zurückführen. Es ist ein außerordentlich komplizierter Vorgang in Wirklichkeit; wenn wir ihn auf irgendeine Weise ausdrücken wollen, möchte ich so sagen: Nicht wahr, wenn wir ein Elastikum ausdehnen, dann geht das bis zu einem gewissen Punkte, dann geht es wieder zusammen; so dehnen wir gewissermaßen die Mondenkräfte aus bis zu einem gewissen Punkte, wo wir wiederum zurück müssen. Das ist erreicht im dritten Stadium des Schlafes, und wir werden durch die Mondenkräfte, die überhaupt mit dem Hereinführen des Geistig-Seelischen in die physische Welt innig zusammenhängen, wiederum Stadium für Stadium zurückgeführt; vom dritten Stadium durch das zweite Stadium, durch das erste Stadium wiederum zurückgeführt.

[ 15 ] Well, I have described to you from a wide variety of perspectives how these forces can be addressed; today I would like to describe them to you from a cosmic perspective. When one comes to know the experience of the fixed stars through intuition, one also comes to know that the forces which in turn lead the human being back into the physical organism are the lunar forces—that is, that which in the spiritual realm corresponds to what appears as the physical image of the moon. This, of course, does not depend on whether it is a full moon or the like; rather, the moon can also shine through the Earth in a spiritual sense. It does have something to do with the metamorphoses that manifest in the visibility of the Moon, but that would lead to much finer distinctions that we do not wish to discuss today. In general, it is the lunar forces that lead the human being back. One could say that human beings are always permeated—just as they are permeated as souls from the moment they fall asleep until they wake up by the planetary forces, by the forces that reveal themselves in the constellations of the fixed stars—just as they are permeated by these forces and remain so, because these influences continue to have an effect during waking hours, so the human being is constantly permeated by what corresponds in the cosmos to the physical Moon as spiritual forces. It is these lunar forces that lead us back. It is, in reality, an extraordinarily complex process; if we want to express it in some way, I would say this: Isn’t it true that when we stretch a rubber band, it stretches to a certain point and then contracts again; in the same way, we stretch the lunar forces, so to speak, to a certain point, beyond which we must return. This is achieved in the third stage of sleep, and we are led back, stage by stage, by the lunar forces—which are intimately connected with the introduction of the spiritual-soul aspect into the physical world—from the third stage through the second stage, and through the first stage.

[ 16 ] Sehen Sie, alles dasjenige, was der Mensch in seinen Vorstellungs- und Empfindungskräften während des Tagwachens als Initiativkräfte tragen kann, alles das ist Nachwirkung des Fixsternerlebnisses während der Nacht. Alles dasjenige, was der Mensch in seinen Vorstellungs- und Empfindungskräften tragen kann als Kombinationskräfte, als Weisheitskräfte, als Klugheitskräfte, das ist Nachwirkung des planetarischen Erlebnisses. Aber dasjenige, was da aus dem Kosmos vom nächtlichen Erleben hereinstrahlt in das Tagesleben, das muß durchaus auf dem Umweg des Körpers kommen. Das Fixsternerlebnis zuckt in unser Tagesleben herein auf dem Umwege durch die Umwandlung der Nahrungsmittel. Unsere Nahrungsmittel würden nicht so in das Gehirn kommen, daß sie uns befähigen würden Initiativkräfte zu entwickeln, wenn nicht dieser ganze Prozeß angefeuert würde durch dasjenige, was wir nächtlich erleben durch das Fixsternerlebnis. Und wir würden nicht vernünftig denken können, wenn wir nicht in unsere Atmungszirkulation, in unsere Blutzirkulation während des Tages die Nachwirkungen hereinbekämen von dem planetarischen Erleben während der Nacht.

[ 16 ] You see, everything that a person can carry within their powers of imagination and sensation during waking hours as forces of initiative—all of that is the aftereffect of the experience of the fixed stars during the night. Everything that a person can carry within their powers of imagination and sensation as powers of combination, as powers of wisdom, as powers of discernment—that is the aftereffect of the planetary experience. But what radiates from the cosmos through the nocturnal experience into daily life must come via the detour of the body. The experience of the fixed stars finds its way into our daily life indirectly through the transformation of food. Our food would not reach the brain in a way that would enable us to develop powers of initiative if this entire process were not stimulated by what we experience at night through the experience of the fixed stars. And we would not be able to think rationally if the aftereffects of our planetary experiences during the night did not find their way into our respiratory and blood circulation during the day.

[ 17 ] Richtig sind solche Dinge immer nur im großen und ganzen, und wenn bei Leuten, die sehr stark an Schlaflosigkeit leiden, scheinbar solche Tatsachen durchkreuzt werden, so hat man dann die Aufgabe, die entsprechenden Abnormitäten zu erklären. Sie sprechen nicht, wenn man sie wirklich durchschaut, gegen diese Wahrheiten. Aber diese Wahrheiten, die im großen und ganzen richtig sind, geben erst eine Möglichkeit, das einzelne wirklich wesenhaft zu erklären. Ein wirkliches Erkennen der menschlichen Wesenheit ist nur möglich, wenn man sich im weitesten Umfange bewußt wird der Tatsache, daß der Mensch nicht nur in seinem physischen Körper innerhalb seiner Haut lebt, sondern daß er in der ganzen Welt lebt. Das Leben in der ganzen Welt verhüllt sich nur dem gewöhnlichen Bewußtsein, weil es für das Tagwachen sehr abgedämpft ist. Wir erleben höchstens in der allgemeinen Lichtempfindung etwas nach von dem, was unsere Teilnahme ist an dem Sein eines allgemeinen Kosmos. Vielleicht noch in anderen, aber sehr dumpfen Gefühlen hat der Mensch zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen etwas von einem Sich-drinnen-Fühlen im Kosmos. Aber alles das so Gegebene schweigt, damit der Mensch sein individuelles Bewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen entwickeln kann, damit er da nicht gestört werden kann von alledem, was in sein Erleben hereinspielt von dem Kosmos. Während der Nacht ist es gerade umgekehrt. Da hat der Mensch als sein Erleben ein kosmisches Erleben, allerdings das Nachbild eines kosmischen Erlebens, aber eben das getreue Nachbild, so wie ich es ja angedeuter habe. Da hat der Mensch eben wirklich ein kosmisches Erleben, und weil der Mensch dieses kosmische Leben durchmachen muß, deshalb wird sein Tagesbewußtsein abgedämpft und abgelähmt.

[ 17 ] Such things are always true only in general terms, and if, in the case of people who suffer severely from insomnia, these facts appear to be contradicted, then the task is to explain the corresponding abnormalities. When one truly understands them, they do not contradict these truths. But these truths, which are generally correct, are what first make it possible to explain the individual in a truly essential way. A true understanding of the human being is only possible when one becomes fully aware of the fact that human beings do not live merely in their physical bodies within their skin, but that they live in the entire world. Life in the entire world is veiled from ordinary consciousness only because it is greatly subdued during waking hours. At most, we experience something of our participation in the existence of the universal cosmos through our general perception of light. Perhaps through other, though very faint, sensations, a person experiences, between waking and falling asleep, a sense of being immersed within the cosmos. But all that which is thus given remains silent so that a person can develop their individual consciousness from waking to falling asleep, so that they may not be disturbed by everything from the cosmos that enters their experience. During the night, it is exactly the opposite. Then a person’s experience is a cosmic experience—admittedly, the afterimage of a cosmic experience, but precisely that faithful afterimage, as I have already indicated. Then a person truly has a cosmic experience, and because a person must go through this cosmic life, their daytime consciousness is dampened and dulled.

[ 18 ] Die Zukunftsentwickelung der Menschheit wird darin bestehen, daß der Mensch immer mehr und mehr sich in den Kosmos einlebt, und daß einstmals er die Zeit herbeiführen wird, in der er mit seinem Bewußtsein sich fühlt in Sonne, Mond und Sternen, so wie er sich jetzt mit seinem Bewußtsein auf der Erde fühlt. Dann wird er aus dem Kosmos auf die Erde sehen, wie er jetzt schaut von der Erde in den Kosmos hinein in seinem jetzigen Wachzustande. Aber das Anschauen wird eben ein wesentlich anderes sein.

[ 18 ] The future development of humanity will consist in people becoming more and more attuned to the cosmos, and in their eventually bringing about a time when they will feel, with their consciousness, at home in the sun, moon, and stars, just as they now feel at home on Earth with their consciousness. Then they will look down upon the Earth from the cosmos, just as they now look out into the cosmos from the Earth in their present waking state. But this act of looking will be fundamentally different.

[ 19 ] Wenn jemand ehrlich im ganzen Umfange an Entwickelung festhalten will, so muß er sich auch bewußt werden, daß das Bewußtsein des Menschen selber einer Entwickelung unterliegt, daß das Körperbewußtsein, das der Mensch im gegenwärtigen Stadium hat, ein Durchgangsstadium ist zu einem anderen Bewußtsein, das ja auch nichts anderes ist als die seelische Spiegelung von Tatsachen, aber die Tatsachen, die erlebt der Mensch schon heute jede Nacht; er braucht sie, weil sie in ihrer Nachwirkung allein sein Tagesleben wirklich tragen können. Die Weiterentwickelung wird darin bestehen, daß der Mensch dasjenige, was heute sein Unbewußstes ist, auch während des normalen Lebens als ein Bewußtes haben wird; aber notwendig ist dazu, daß der Mensch allerdings in die Geisteswissenschaft sich hineinfindet, denn geradeso wie man in einem gewissen Sinne doch eine Richtung haben muß, wenn man irgendwohin schwimmt, so braucht man auch für das heutige gewöhnliche Bewußtsein eine Richtung. Man kann nicht einfach sich tragen lassen, wie es für die Mittel der gewöhnlichen Erkenntnis der Fall ist. Man braucht eine Richtung. Diese Richtung kann einzig und allein nur die anthroposophische Geisteswissenschaft selber geben, weil sie, soweit es für heute notwendig ist, enthüllt dasjenige, was im Menschen heute schon lebt, was dem Menschen heute nur noch nicht bewußt ist. Er muß es ins Bewußtsein hereinbekommen, er würde sonst keinen wirklich kosmischen Fortschritt erleben.

[ 19 ] If anyone wishes to grasp the full scope of evolution honestly, they must also realize that human consciousness itself is subject to evolution, that the bodily consciousness which humans possess at the present stage is a transitional stage toward another form of consciousness—which is, after all, nothing other than the psychological reflection of facts, but these are the very facts that a person already experiences every night; they need them because, through their aftereffects alone, these facts can truly sustain their daily life. Further development will consist in a person having, even during normal life, as a conscious experience what is currently in their unconscious; but for this to happen, it is necessary for people to find their way into spiritual science, for just as one must, in a certain sense, have a direction when swimming somewhere, so too does one need a direction for today’s ordinary consciousness. One cannot simply let oneself be carried along, as is the case with the means of ordinary cognition. One needs a direction. This direction can be provided solely and exclusively by anthroposophical spiritual science itself, because—to the extent necessary today—it reveals what is already alive within human beings today, but of which they are not yet conscious. They must bring it into consciousness; otherwise, they would not experience any true cosmic progress.

[ 20 ] Damit habe ich Ihnen heute einen Teil von demjenigen geschildert, was heute in dem Müllkasten der Erkenntnis hineingeworfen wird in den Begriff des Unbewußten. Bei meinem nächsten Vortrag werde ich ebenso zu schildern versuchen die Erlebnisse des Menschen, die hinter Geburt und Tod liegen, wie ich Ihnen heute die unbewußten Zustände während des Schlafzustandes geschildert habe.

[ 20 ] With this, I have described to you today a part of what is currently being thrown into the “trash can of knowledge”—namely, the concept of the unconscious. In my next lecture, I will attempt to describe the human experiences that lie beyond birth and death, just as I have described to you today the unconscious states that occur during sleep.