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Spiritual Connections
in the Structure of the Human Organism
GA 218

14 October 1922, Stuttgart

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2. Über das geistig-seelische des Menschen zwischen Tod und neuer Geburt

2. Spiritual and Emotional Aspects of Human Beings Between Death and Rebirth

[ 1 ] Ich habe das letzte Mal hier zu Ihnen gesprochen von einem Gebiet des unbewußten Lebens, das heißt desjenigen Lebens, das für das gewöhnliche Bewußtsein des Menschen, so wie er es heute im Erdendasein hat, unbewußt bleibt. Ich habe gesprochen über den Charakter des Schlafeslebens, und versucht, Ihnen im einzelnen ganz konkret zu schildern, was die menschliche Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt. Sie haben vielleicht erkennen können, daß diese Erlebnisse der Menschenseele zwischen dem Einschlafen und Aufwachen deutliche Offenbarungen sind des ewigen, unvergänglichen Lebens der Menschenseele, weil Sie haben sehen müssen, daß dasjenige, was die Seele durchmacht im Schlafzustande, durchaus Erlebnisse aus der geistigen Welt heraus sind. Und Sie wissen ja, daß die Erkenntnisse solcher übersinnlicher Erlebnisse gewonnen werden können durch das, was ich Ihnen hier öfters mündlich und was ich schriftlich dargestellt habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» und so weiter. Sie wissen, daß das, was als Erkenntnis im gewöhnlichen Bewußtsein des Menschen vorhanden ist, entwickelt werden kann zu der sogenannten imaginativen, inspirierten und intuitiven Erkenntnis. Solche Erlebnisse, wie sie die Seele unbewußt im Schlafe hat, werden gewissermaßen beleuchtet durch diejenige Kraft, welche die erkennende Menschenseele sich erwerben kann, wenn sie sich zur Imagination, Inspiration und Intuition hinaufentwickelt. Durch dieselbe Entwickelung ist es aber auch möglich, denjenigen Teil des unbewußten menschlichen Erlebens bis zu einem gewissen Grade zu durchforschen, von dem das Schlafesleben nur ein Abglanz, ein Abbild ist, denjenigen Teil, aus dem die Menschenseele austritt, wenn sie durch Geburt, oder sagen wir Empfängnis, in das physische Erdendasein eintritt, und den sie wiederum betritt, wenn sie durch den Tod aus diesem physischen Erdendasein sich herauslöst. Und ich werde Ihnen heute wenigstens andeutungsgemäß einiges zu schildern haben von dem, was hinter den Ereignissen der Geburt oder Empfängnis und des Todes für das seelisch-geistige Menschenleben steht.

[ 1 ] The last time I spoke to you here, I discussed a realm of unconscious life—that is, the life that remains unconscious to the ordinary consciousness of human beings as they exist today in their earthly existence. I spoke about the nature of life during sleep and attempted to describe to you in detail and in very concrete terms what the human soul experiences from the moment of falling asleep until waking up. You may have come to realize that these experiences of the human soul between falling asleep and waking up are clear revelations of the eternal, imperishable life of the human soul, for you must have seen that what the soul undergoes in the state of sleep are indeed experiences drawn from the spiritual world. And you know, of course, that insights into such supersensible experiences can be gained through what I have often explained to you verbally here and what I have described in writing in my book *How Does One Attain Insights into the Higher Worlds?*, in my *Outline of Esoteric Science*, and so on. You know that what exists as knowledge in the ordinary human consciousness can be developed into what is called imaginative, inspired, and intuitive knowledge. Such experiences, as the soul unconsciously has them during sleep, are, so to speak, illuminated by the very power that the knowing human soul can acquire when it develops itself toward imagination, inspiration, and intuition. Through this same development, however, it is also possible to explore to a certain degree that part of unconscious human experience of which the life of sleep is only a reflection, an image—that part from which the human soul emerges when it enters physical earthly existence through birth, or let us say conception, and into which it re-enters when it detaches itself from this physical earthly existence through death. And today I shall have at least a few hints to offer you regarding what lies behind the events of birth or conception and death for the soul-spiritual life of the human being.

[ 2 ] Gelangt der Mensch zunächst zur imaginativen Erkenntnis — diese selbst will ich hier nicht schildern, ich tat dies oftmals, auch wie sie erworben werden kann —, so ist ja das erste, daß sein physisches Erdenleben wie in einem großen Tableau als eine Einheit vor ihm ausgebreitet liegt. Im gewöhnlichen physischen Bewußtsein hat der Mensch sein Erdenleben nur als Erinnerung in seiner Seele vorhanden. Was ist darum die Erinnerung? Sie ist etwas, das in Bildern besteht, in Bildern, die allerdings durch ihre eigene innere Wesenheit hinweisen auf die Erlebnisse, die der Mensch seit seiner Geburt oder seit einem Zeitpunkte, der etwas darnach liegt, durchgemacht hat. Aber es sind doch Bilder, von denen aus den Erkenntnissen des gewöhnlichen Menschenlebens, so wie es heute der Mensch auf Erden hat, nicht gesagt werden kann, daß sie unabhängig vom Leibe ein Dasein zu entfalten imstande sind. Die heutige physische Wissenschaft hat ja durchaus recht, wenn sie den Menschen hinweist darauf, wie diese Erinnerungsbilder abhängig sind von der Konstitution des physischen Leibes. Sie hat recht, wenn sie darauf hinweist, wie diese Erinnerung in den allerersten Lebensjahren für den Menschen noch nicht vorhanden ist, wie sie sich heranentwickelt mit dem physischen Organismus, wie sie auch wieder heruntersinkt, wenn der physische Organismus des Menschen selbst seiner Abendröte entgegengeht. Und sie kann auch aus gewissen Krankheitserscheinungen, aus Untersuchungen des physischen Organismus bei erkrankten Menschen nach dem Tode konstatieren, wie der Ausfall des Gedächtnisses bedingt ist durch gewisse physische Organisationsglieder. Gewiß, die Wissenschaft ist in solchen Dingen heute nicht zu einem Abschluß gekommen; aber derjenige, der in den Geist der betreffenden physisch-wissenschaftlichen Ergebnisse eindringt, kann schon durchschauen, wie einmal doch der Zeitpunkt kommen wird, wo für die gewöhnlichen Erinnerungsbilder wird aufgezeigt werden können, wie sie gebunden sind an den physischen Menschenorganismus. Aber das, was wir so in Rückblick auf unser Leben, gewissermaßen aus dem Strome dieses Erlebens, den wir rückwärts anschauen, wie als einzelne Erinnerungsbilder heraufwogend haben, das ist nicht gemeint, wenn gesagt wird, daß imaginative Erkenntnis das Erdenleben des Menschen, insofern es’ ein geistig-seelisches ist, in einem großen Tableau vor sich hat. Dasjenige, was man da in der imaginativen Erkenntnis überschaut, sind wahrlich nicht solche abstrakte Erinnerungsbilder, wie sie das gewöhnliche Gedächtnis bewahrt. Es stellt sich vielmehr vor die imaginative Erkenntnis ein in sich tätiges, organisches Erleben, das nicht bloß jene Passivität hat, wie die Erinnerungsbilder, sondern das eine innerliche Kraft hat, wie die Wachstumskräfte, die in unserem Organismus tätig sind, wenn wir die Stoffe der Außenwelt, die wir zu unserer Nahrung aufnehmen, auf eine — nun, man darf schon sagen — wunderbare Weise in dasjenige verwandeln, was wir brauchen, damit es unseren Organismus konstituiere. Was da schaffend, schöpfend in uns lebt und webt, das ist etwas anderes als dasjenige, was auf eine mehr passive Weise bloß in unseren Erinnerungsbildern ist. Schauen Sie hin auf die Gedanken. Sie durchhellen unser Bewußtsein; gewiß, wir verdanken dem Gedankenleben innerhalb unseres Erdendaseins Unendliches. Wir werden durch es eigentlich erst zu Menschen und werden uns durch diese Gedankenbilder unserer Menschenwürde erst voll bewußt. Aber es sind eben doch flüchtige Bilder, gebunden an den physischen Menschenorganismus, wie die Flamme an den Brennstoff der Kerze. Das, was der imaginative Erkenner überschaut als das geistig-seelische Leben, das zugrunde liegt dem physischen Erdendasein, dasjenige, was er überschaut als ein wunderbares großes Tableau, das ist nichts Passives, das ist ein innerlich Lebendiges, das ist ein solches, das uns zwar geistig-seelisch entgegentritt, von dem wir aber durch unmittelbare seelische Anschauung ebenso wissen, wie es ist, wie wir durch das Auge wissen, was ein rot gefärbter äußerer Gegenstand ist. Und wir können sagen in der imaginativen Erkenntnis, daß wir nicht nur Gedanken haben, die aufblitzen in unserem Bewußtsein, sondern daß wir uns geradezu bewußt werden solcher Kräfte, die an unserem Organismus arbeiten.

[ 2 ] When a person first attains imaginative insight—which I do not intend to describe here, as I have done so many times before, including how it can be acquired—the first thing that happens is that their physical earthly life lies spread out before them as a unified whole, as if in a vast tableau. In ordinary physical consciousness, a person’s earthly life exists in the soul only as a memory. What, then, is memory? It consists of images—images that, through their own inner nature, point to the experiences a person has undergone since birth or from a point in time shortly thereafter. But they are, after all, images of which—based on the insights of ordinary human life as it is experienced on Earth today—it cannot be said that they are capable of unfolding an existence independent of the body. Modern physical science is, of course, quite correct when it points out to people how these images of memory depend on the constitution of the physical body. It is correct when it points out how this memory is not yet present in a person during the very earliest years of life, how it develops alongside the physical organism, and how it also declines again as the human physical organism itself approaches its twilight years. And it can also establish, based on certain disease symptoms and on postmortem examinations of the physical organism in deceased individuals, how memory loss is conditioned by certain aspects of the physical constitution. Certainly, science has not yet reached a conclusion on such matters today; but anyone who delves into the spirit of the relevant findings in physical science can already foresee how the time will eventually come when it will be possible to demonstrate how ordinary memory images are bound up with the human physical organism. But what we experience in retrospect when looking back on our lives—as it were, emerging from the stream of experience we view in reverse as individual images of memory—is not what is meant when it is said that imaginative insight presents the human life on earth, insofar as it is a spiritual-soul life, as a vast tableau before one’s eyes. What one surveys in imaginative insight is truly not the kind of abstract images of memory that ordinary memory retains. Rather, what presents itself to imaginative cognition is an active, organic experience that possesses not merely the passivity of memory images, but an inner power akin to the growth forces at work in our organism when we transform the substances of the external world—which we take in as nourishment—into, well, one might well say—wondrous way into what we need to constitute our organism. What lives and weaves within us in a creative, formative way is something other than what exists merely in our images of memory in a more passive manner. Consider thoughts. They illuminate our consciousness; certainly, we owe an infinite debt to the life of thought within our earthly existence. It is through this life of thought that we truly become human, and it is through these mental images that we first become fully aware of our human dignity. But these are, after all, fleeting images, bound to the physical human organism, just as the flame is bound to the fuel of the candle. What the imaginative knower surveys as the spiritual-soul life that underlies physical earthly existence—that which he surveys as a wondrous, vast tableau—is not something passive; it is something inwardly alive, something that, though it confronts us spiritually -psychic, but of which we know through direct psychic perception just as we know through the eye what a red-colored external object is. And we can say in imaginative cognition that we do not merely have thoughts that flash up in our consciousness, but that we become directly aware of such forces that are at work within our organism.

[ 3 ] Es ist mir Ja, ich möchte sagen, geradezu wie eine Absurdität übelgenommen worden, daß ich einmal in meinem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» es ausgesprochen habe, daß alle Weisheit des erwachsenen Menschen nicht so viel vermag als die Weisheit des kleinen Kindes, die allerdings unbewußt in diesem kleinen Kinde lebt; allein man sehe hin mit der ausgebildetsten, mit der gelehrtesten Menschenerkenntnis auf die Art und Weise, wie ein menschliches Gehirn, wie ein menschlicher ganzer Organismus ist in den ersten menschlichen Lebensjahren, und man sehe hin, wie eigentlich der Mensch erst innerlich sich bildet. Alle Tätigkeit selbst des genialsten Bildhauers ist ein Geringfügiges gegen das, was aus dem innerlich Geistig-Seelischen kraftvoll in plastischer Tätigkeit durch das Kind ausgeführt wird, indem es sein Gehirn plastisch ausbildet. Wer dieses bedenkt und durchschaut, bekommt erst eine richtige Anschauung von der hier waltenden, geheimnisvollen Weisheit, von einer Weisheit, die eine kraftvolle ist, nicht nur eine solche, die in einem Menschenkopfe bewahrt wird, um sich über die Welt aufzuklären, sondern von einer Weisheit, die in sich einen Kräfteorganismus geistig-seelischer Art enthält, der gewissermaßen stündlich weiter die äußere Organisation des Kindes durchdringt und es erst zum vollen Menschen macht. Versuchen Sie nur einmal, im Geiste sich ein flüchtiges Bild von dem zu machen, was da arbeitet weisheitsvoll und großartig so, daß der Mensch eben durchaus nicht mit seinem Verstande und seiner intellektualistischen Weisheit nachkommen kann, was da arbeitet in dem Kinde, was lange Jahre arbeiten muß aus dem Unbewußten heraus, zum Beispiel noch den Wunderbau der menschlichen Sprache dem Menschen eingliedert, versuchen Sie einmal sich ein Bild zu machen allerdings wird es nur ein abstraktes Bild werden — von diesem weisheitsvollen Wirken bis herauf zu dem Zeitpunkte, wo der Mensch sich soweit bewußt wird, daß er sich seines Verstandes bedienen kann. Dann, möchte ich sagen, schafft dieser Verstand eine ephemere Weisheit nach jener Weisheit, die den Menschen zuerst aus innersten Weltenkräften heraus gebildet hat. Aber wir müssen uns auch klar sein, daß, wenn wir, ich möchte sagen, in der Oberschicht unseres Wesens den menschlichen intellektuellen Verstand ausbilden, in den Unterschichten unserer menschlichen Wesenheit fortwaltet dasjenige, was in der Kindheit weisheitsvoll als ein wundervoller Plastiker unseren Organismus ausgestaltet. Dasjenige, was da so zugrunde liegt als ein System, als ein Organismus von Kräften, das überschaut in einem einheitlichen Tableau die imaginative Erkenntnis. Diese imaginative Erkenntnis also hat nicht vor sich abstrakte Erinnerungsbilder, von denen man nicht sagen kann, ob sie sich erhalten, wenn der Organismus in seine Elemente zerfällt, weil sie an diesen Organismus gebunden sind, sondern diese imaginative Erkenntnis hat dasjenige System von Kräften vor sich, das diesen Organismus aufbaut, also nicht an ihn gebunden ist, das so wenig wie die schaffende geniale Kraft des Bildhauers etwa gebunden ist an den Stoff. Damit der Stoff werden kann, was er wird, muß erst die bildende Kraft des Bildhauers darüber kommen. Damit der Mensch werden könne als physischer Organismus, was er ist im Erdendasein, müssen diese durchaus außerphysischen, übersinnlichen Kräfte als eine hinter dem physischen Dasein des Menschen waltende geistig-seelische Organisation zugrunde liegen.

[ 3 ] It has been taken offense at—indeed, I would say, regarded as nothing short of an absurdity—that I once stated in my little book *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity* that all the wisdom of an adult is not equal to the wisdom of a small child, which, admittedly, lives unconsciously within that small child; but let one observe—even with the most refined, the most scholarly understanding of human nature—the nature of the human brain and the entire human organism in the first years of life, and let one see how, in fact, the human being first forms itself inwardly. Even the work of the most brilliant sculptor pales in comparison to what the child powerfully carries out in sculptural activity from its inner spiritual and soul life as it plastically shapes its own brain. Only those who reflect on and penetrate this gain a true understanding of the mysterious wisdom at work here—a wisdom that is powerful, not merely one preserved within a human mind to enlighten the world, but a wisdom that contains within itself a spiritual and spiritual nature, which, so to speak, penetrates the child’s external organization hour by hour and is what ultimately makes the child a fully developed human being. Just try for a moment to form a fleeting mental image of what is at work there—wisely and magnificently—in such a way that human beings, with their reason and intellectual wisdom, simply cannot keep up with what is at work within the child, what must work for many long years from within the unconscious, for example, integrating the marvelous structure of human language into the human being—try just once to form a picture—though it will be only an abstract one—of this wise process right up to the point where the human being becomes conscious enough to make use of their intellect. Then, I would say, this intellect creates an ephemeral wisdom modeled on the wisdom that first shaped the human being from the innermost forces of the world. But we must also be clear that while we develop the human intellectual mind, so to speak, in the upper layers of our being, what continues to operate in the lower layers of our human nature is that which, in childhood, wisely shapes our organism like a marvelous sculptor. That which lies at the foundation there as a system, as an organism of forces, is surveyed by imaginative cognition in a unified tableau. This imaginative insight, then, does not have before it abstract images of memory—of which one cannot say whether they will be preserved when the organism disintegrates into its elements, because they are bound to that organism—but rather this imaginative insight has before it the very system of forces that builds up this organism, and is therefore not bound to it—just as the sculptor’s creative, genius-like power is not bound to the material. For the material to become what it becomes, the sculptor’s formative power must first act upon it. In order for the human being, as a physical organism, to become what he is in earthly existence, these thoroughly non-physical, supersensible forces must underlie it as a spiritual-soul organization governing the physical existence of the human being.

[ 4 ] Das ist das erste, was wir uns aneignen als eine Anschauung, wenn wir zur imaginativen Erkenntnis aufsteigen.

[ 4 ] This is the first thing we grasp as a perception when we ascend to imaginative cognition.

[ 5 ] Aber in demselben Momente, wo wir in der Lage sind, also dasjenige, was als ein Geistig-Seelisches während unseres Erdendaseins in uns wirkt, was nicht nur unabhängig ist von dem physischen Organismus, sondern diesen physischen Organismus selber erst in seiner Gestaltung bewirkt, in demselben Momente, wo wir uns dazu aufschwinsen, werden wir auch fähig, von unserem Erdendasein ebenso abzusehen — wenn ich mich eines logischen Ausdruckes bediene —, von ihm zu abstrahieren, wie wir abstrahieren können von einem Gedanken im physischen Leben. Wir müssen uns durch diejenigen Meditationsübungen, von denen ich oftmals zu Ihnen gesprochen habe, diese Kraft erringen, nicht nur von einem Gedanken absehen zu können, nicht nur einen Gedanken unterdrücken zu können, sondern das, was wir uns erst kräftiglich erworben haben in Anschauung des Geistig-Seelischen im physischen Erdendasein, dieses kraftvolle Gedankentableau tilgen zu können in unserem Bewußtsein. Dann aber, wenn wir also in der Lage sind, ich möchte sagen, in einer erkennenden Selbstlosigkeit, in einem erkennenden Altruismus austilgen zu können auch aus unserer inneren Anschauung das, was wir geistig-seelisch während des Erdenlebens sind, dann tritt vor unserem Bewußtsein erst unser wahrhaft geistig-seelisches Ewiges auf, dann tritt vor unserem Bewußtsein auf als ein konkretes geistig-seelisches Wesen dasjenige, was wir waren, bevor wir aus geistig-seelischen Welten heruntergestiegen sind in das physische Erdendasein. Wir lernen uns anschauen als geistig-seelische Menschenwesenheit im vorirdischen Dasein. Und wir lernen nicht nur in allgemeinen abstrakten Ausdrücken über dieses vorirdische Dasein sprechen, sondern wir lernen es anschauen in seiner Entwickelung, und einiges von dieser Entwickelung habe ich Ihnen heute zu schildern.

[ 5 ] But at the very moment when we are able—that is, to abstract from that which acts within us as a spiritual-soul element during our earthly existence, which is not only independent of the physical organism but actually brings about the very form of this physical organism—at the very moment when we rise to this level, we also become capable of viewing our earthly existence — if I may use a logical expression — to abstract from it, just as we can abstract from a thought in physical life. Through those meditation exercises of which I have often spoken to you, we must attain this power—not merely to be able to look beyond a thought, not merely to be able to suppress a thought, but to be able to erase from our consciousness that powerful tableau of thought which we have first vigorously acquired through our contemplation of the spiritual-soul aspect within our physical earthly existence. But then, when we are thus able—I would say—in a selfless awareness, in a selfless altruism, to erase from our inner vision even that which we are spiritually and soulfully during our earthly life, only then does our truly spiritual and soulful Eternal appear before our consciousness; only then does that which we were before we descended from the spiritual and soulful worlds into physical earthly existence appear before our consciousness as a concrete spiritual -soul being—that which we were before we descended from the spiritual-soul worlds into physical earthly existence. We learn to view ourselves as spiritual-soul human beings in our pre-earthly existence. And we learn not only to speak of this pre-earthly existence in general, abstract terms, but we learn to view it in its development, and I have some aspects of this development to describe to you today.

[ 6 ] Sehen Sie, wenn wir hier im Erdenleben sind, da fühlen wir uns, wenn wir von uns sprechen, verbunden mit unserem physischen Leibe; in unserem Wachzustande fühlen wir uns mit diesem physischen Leibe verbunden. Es mag das Verbindungsgefühl mit dem physischen Leibe ein noch so dumpfes sein, es ist vorhanden, es zeigt sich ja insbesondere dann, wenn in diesem physischen Leibe krankhaft etwas nicht in Ordnung ist. Dann fühlen wir nicht nur den physischen Leib im allgemeinen in einer dumpfen Lebensempfindung, sondern auch nach seinen einzelnen Gliederungen. Wir fühlen unter Umständen unsere Lunge, unseren Magen, unser Herz, unsere Kopforgane. Im gewöhnlichen Leben ist das eben alles eingetaucht in eine dumpfe Lebensempfindung; allein, der Mensch hat, wenn er nicht sein ganzes Leben hindurch ausschließlich gesund ist, einmal auch immer Gelegenheit, zu erfühlen seine einzelnen Organe. Kurz, der Mensch fühlt sich während seines tagwachenden Bewußtseins zwischen Geburt und Tod im Erdenleben, indem er sich in seinem Wesen empfindet, zusammengehörig mit seinem physischen Leibe, mit alledem, was innerhalb seiner Haut eingeschlossen ist. In dem Augenblick aber, wo der Mensch nicht mit seinem physischen Erdenleben verbunden ist, in jenen Zeiten, in denen er ein geistig-seelisches Dasein vor dem Betreten seines physischen Erdendaseins hat, fühlt er nicht als sein Innerliches selbstverständlich dasjenige, was sein physischer Leib oder dessen Glieder sind, aber er hat auch dann ein Innerliches. Ich mußte es Ihnen schon andeuten, wie die Seele innerlich Bilder erlebt zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, wenn ihr diese Bilder auch nicht bewußt werden. Aber in jenem Zustande, in dem die Seele war, bevor sie aus dem geistig-seelischen Dasein heruntergestiegen ist in das physische Erdendasein, da hatte sie das Bewußtsein einer anderen Innerlichkeit. Dieses Bewußtsein einer anderen Innerlichkeit ist nur verdeckt, nur verhüllt dadurch, daß in unserem physischen Erdendasein unser physischer Leib auch Erkenntnisorgan wird. Und er verdunkelt das Hereinschauen der Seele, das nur vorhanden ist, wenn die Seele körperfrei ist. Aber das, was dann die Seele als ihre Innerlichkeit erlebt, ist jetzt eben nicht dasjenige, was innerhalb der Haut des physischen Leibes eingeschlossen ist, sondern es ist dasjenige, was die Organisation des Kosmos ist. Und so wahr der Mensch hier in diesem physischen Erdendasein als Erdenmensch verbunden ist mit seiner Lunge, mit seinem Magen, mit seinem Herzen, mit seinen übrigen Leibesorganen, so ist er im übersinnlichen Dasein verbunden mit dem, was sonst als die äußere Welt des Kosmos unseren Augen, unseren übrigen Sinnesorganen erscheint. Was im Erdendasein für uns Außenwelt ist, das ist für uns Innenwelt, wenn wir im außerirdischen Dasein vorhanden sind. Und wir schauen auf das Erdendasein wie auf eine Außenwelt herab aus dem übersinnlichen Dasein, das wir verbringen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und wie wir hier, ich möchte sagen, eingefleischt sind in unsere Lunge, in unser Herz und so weiter, so sind wir eingekörpert, bevor wir herabsteigen zum physischen Erdenleben, in dasjenige, was uns im äußeren Abglanz erscheint in den Planetenbewegungen, in den Konstellationen der Fixsterne, als Kräfte, die eben den Kosmos durchwallen und durchweben. Dasjenige, was kosmische Außenwelt ist während unseres Erdendaseins, ist unsere Innenwelt, wenn wir im außerirdischen Dasein sind.

[ 6 ] You see, when we are here in earthly life, we feel—when we speak of ourselves—connected to our physical body; in our waking state, we feel connected to this physical body. No matter how vague this sense of connection to the physical body may be, it is present; indeed, it becomes particularly evident when something is physically wrong with this body. Then we not only feel the physical body in general as a vague sensation of life, but also in its individual parts. Under certain circumstances, we may feel our lungs, our stomach, our heart, and the organs in our head. In everyday life, all of this is simply immersed in a vague sense of vitality; yet, unless a person remains exclusively healthy throughout their entire life, they will always have the opportunity at some point to sense their individual organs. In short, during their waking consciousness between birth and death in earthly life, human beings—by perceiving their own being—feel a sense of oneness with their physical body, with everything enclosed within their skin. But at the moment when a person is not connected to their physical earthly life—during those times when they exist in a spiritual-soul state prior to entering their physical earthly existence—they do not naturally perceive as part of their inner self what their physical body or its limbs are; yet even then, they possess an inner self. I have already had to hint to you how the soul experiences inner images between falling asleep and waking up, even if these images do not become conscious to it. But in that state in which the soul was before it descended from its spiritual-soul existence into physical earthly existence, it had the awareness of a different inner life. This awareness of a different inner life is merely obscured, merely veiled by the fact that in our physical earthly existence, our physical body also becomes an organ of cognition. And it obscures the soul’s insight, which exists only when the soul is free of the body. But what the soul then experiences as its inner life is not what is enclosed within the skin of the physical body, but rather the very organization of the cosmos. And just as the human being here in this physical earthly existence as an earthly human is connected to his lungs, his stomach, his heart, and his other bodily organs, so too is he, in the supersensible existence, connected to what otherwise appears to our eyes and our other sense organs as the outer world of the cosmos. What is the external world for us in earthly life is the inner world for us when we exist in the extra-earthly realm. And we look down upon earthly life as an external world from the supersensible existence that we spend between death and a new birth. And just as we are, so to speak, rooted here in our lungs, our heart, and so on, so too are we embodied—before we descend into physical earthly life—in that which appears to us as an outer reflection in the planetary movements and the constellations of the fixed stars: forces that surge through and interweave the cosmos. That which is the outer cosmic world during our earthly existence is our inner world when we are in an extraterrestrial existence.

[ 7 ] Es darf Sie der Gedanke nicht beirren, daß ja die äußere Welt für die Erdenmenschen, die verschiedene Körper haben, eine einzige ist; das ist ja gerade das Bedeutungsvolle, daß wir eine gemeinsame Welt haben, wenn wir im außerirdischen Dasein sind, daß dieselbe Welt, die der eine Mensch hat, die ist, die auch der andere Mensch hat, und daß die Menschen, die sich hier im Erdendasein räumlich auseinanderhalten dadurch, daß jeder in seiner Haut eingeschlossen ist, sich dann auseinanderhalten durch die innere Kraft der Seele. Auch im außerirdischen Dasein ist jeder eine Individualität; aber er ist nicht von den anderen Individualitäten getrennt durch den Raum, sondern durch die innere Kraft seiner Seele, durch die zusammenhaltenden Kräfte in seinem Inneren. Aber in diese zusammenhaltenden Kräfte fließt ein dasjenige, was geistig entspricht dem Weltenall, was uns im physischen Abbild der Sonne, des Mondes, der Planeten, der Fixsterne erscheint.

[ 7 ] Do not be misled by the idea that the external world is a single one for earthly human beings, who have different bodies; that is precisely what is significant: that we have a shared world when we are in extraterrestrial existence, that the same world one person has is the one another person has as well, and that people, who are spatially separated here in earthly existence because each is enclosed within their own body, are then separated by the inner power of the soul. Even in extraterrestrial existence, each person is an individual; but they are not separated from the other individuals by space, but rather by the inner power of their soul, by the cohesive forces within them. Yet into these cohesive forces flows that which, spiritually speaking, corresponds to the universe—that which appears to us in the physical image of the sun, the moon, the planets, and the fixed stars.

[ 8 ] So wie wir hier im Erdenleben einem Menschen gegenüberstehen mit den äußeren Sinnen, nur die Form seines Gesichtes, den Glanz seiner Augen, die Bewegungen seiner Glieder sehen, wie wir uns aber bewußt werden dadurch, daß wir selber geistig-seelische Wesen sind, daß in diesen Gestaltungen seines Antlitzes, in dem Glanz seiner Augen, in dem Inkarnat seiner Haut, in den Bewegungen seiner Glieder sich ein Geistig-Seelisches auslebt, so erkennt derjenige, der die Welt geistig-seelisch anzuschauen vermag, daß es nicht wahr ist, wenn man behauptet, Sonne und Mond, Fixsterne und Planeten und die Bewegungen der Planeten seien nur dasjenige, was uns unsere heutige physische Astronomie schildert. Diese Schilderung gleicht eigentlich derjenigen, die jemand geben wollte, der nur die äußeren Ortsveränderungen eines Muskels unseres Antlitzes, der nur die Bewegung der Augenwimpern schildern wollte, und nicht sehen wollte in den Ortsveränderungen der Antlitzmuskeln, in dieser Bewegung der Augenlider den Ausdruck eines Geistig-Seelischen. Derjenige, der die Welt geistig-seelisch anzuschauen vermag, der sieht in den Erscheinungen des Mondes, der Sonne genauso den physiognomischen Ausdruck eines kosmisch Geistig-Seelischen, wie wir in einem Menschenantlitz den Ausdruck eines Geistig-Seelischen sehen. In den Bewegungen der Planeten schaut er Äußerungen geistig-seelischer Geschehnisse, wie man sieht in den Bewegungen der Gliedmaßen der Menschen die Offenbarungen geistig-seelischer Impulse. Und in diesen geistig-seelischen Hintergründen desjenigen, was uns im physischen Abbilde der äußeren physischen Sonne, des äußeren physischen Mondes, der Sterne und ihrer Bewegungen erscheint, in diesem Geistig-Seelischen, das im Kosmos entspricht dem Geistig-Seelischen des einzelnen Menschen, lebt der Mensch, wenn er ein übersinnliches Wesen ist, bevor er hinuntergestiegen ist in das Erdendasein. Und so wie ich hier als Erdenmensch sagen kann: In mir lebt Lunge und Herz —, so kann ich als überirdischer Mensch, bevor ich heruntergestiegen bin in das sinnlich-physische Dasein, um meinen physischen Leib zu konstituieren, sagen: In mir lebt Mond und Sonne —, wobei ich mir allerdings bewußt sein muß, daß ich nicht den sinnlichen Erdenabglanz von Sonne und Mond meine, sondern dasjenige, was ihnen als Geistig-Seelisches zugrunde liegt. Die ganze göttlich-geistige Welt durchwebt und durchlebt mich, indem ich in einem überirdischen Menschendasein bin. Wenn man dieses durchschaut, bekommt man erst jene tiefe Ehrfurcht vor allem wirklichen Weltendasein, in das der Mensch hineinverwoben worden ist. Denn man durchschaut nunmehr die wunderbaren Zusammenhänge, die da bestehen zwischen dem Menschen und dem Weltenall. Man lernt hinschauen auf den Menschen, wie er dasteht in seinem physischen Erdendasein, und man lernt sich sagen: In dem, was da innerhalb der Hautwände eingeschlossen ist, lebt nicht nur das, was du mit deinen physischen Augen siehst, was der Anatom nach dem Tode auf dem Seziertisch anschauen und enträtseln kann, sondern es lebt darinnen das Endziel der ganzen kosmischen Tätigkeit. — Das wunderbare Wort uralter religiöser Zeiten, daß der Mensch ein Abbild des Gottes selber ist, gewinnt eine neue Bedeutung von unendlicher Innigkeit. Und inspirierte Erkenntnis lehrt uns hinschauen auf dasjenige, was der Mensch nun eigentlich erlebt im Zusammenhange mit den geistig-göttlichen Mächten, die dem Kosmos zugrunde liegen, in seinem vorirdischen Dasein.

[ 8 ] Just as we here in earthly life encounter a human being with our external senses—seeing only the shape of his face, the sparkle in his eyes, the movements of his limbs—yet become aware, through the fact that we ourselves are spiritual-soul beings, that in these features of his face, in the sparkle of his eyes, in the incarnate quality of their skin, and in the movements of their limbs, a spiritual-soul aspect is expressing itself—so too does the one who is able to view the world from a spiritual-soul perspective recognize that it is not true when people claim that the sun and moon, the fixed stars and planets, and the movements of the planets are merely what our present-day physical astronomy describes to us. This description actually resembles that which someone might give who sought only to describe the external changes in the position of a muscle in our face, or only the movement of the eyelashes, and did not wish to see in these changes in the position of the facial muscles or in this movement of the eyelids the expression of a spiritual-psychic reality. The person who is able to view the world from a spiritual-psychic perspective sees in the phenomena of the Moon and the Sun the physiognomic expression of a cosmic spiritual-psychic reality, just as we see the expression of a spiritual-psychic reality in a human face. In the movements of the planets, he sees manifestations of spiritual-soul events, just as one sees in the movements of human limbs the revelations of spiritual-soul impulses. And within these spiritual-soul aspects of what appears to us in the physical image of the outer physical sun, the outer physical moon, the stars, and their movements—within this spiritual-soul realm, which in the cosmos corresponds to the spiritual-soul realm of the individual human being—the human being lives, if he is a supersensible being, before he has descended into earthly existence. And just as I can say here as an earthly human being: “Within me live the lungs and the heart”—so can I, as a supraterrestrial human being, before I have descended into sensory-physical existence to constitute my physical body, say: ‘The moon and the sun live within me’—though I must be aware that I do not mean the sensory earthly reflection of the sun and moon, but rather that which underlies them as spiritual and soul-related. The entire divine-spiritual world interweaves with and permeates me as I exist in a super-earthly human existence. Only when one penetrates to the heart of this does one gain that deep reverence for all true cosmic existence into which the human being has been woven. For one now perceives the wondrous connections that exist between the human being and the universe. One learns to look at the human being as he stands in his physical earthly existence, and one learns to say to oneself: Within what is enclosed by the skin, there lives not only what you see with your physical eyes—what the anatomist can observe and unravel on the dissection table after death—but within it lives the ultimate goal of all cosmic activity. — The wondrous saying from ancient religious times—that the human being is an image of God Himself—takes on a new meaning of infinite depth. And inspired insight teaches us to look at what the human being actually experiences in connection with the spiritual-divine powers that underlie the cosmos during his pre-earthly existence.

[ 9 ] Wir sprechen, wenn wir bloß das irdische Menschenleben überschauen, wissenschaftlich zuerst von dem Menschenkeim, der sich aus dem Leibe der Mutter herausentwickelt zu der physischen Menschengestalt des heranwachsenden Kindes. Wir sprechen selbstverständlich den Keim als etwas Kleines an, das sich allmählich vergrößert. In einer Art Keim lebt der Mensch in seinem vorirdischen Dasein, nur ist dieser Keim das Erleben des ganzen geistig-seelischen Kosmos. Der Mensch ist gewissermaßen eins geworden mit dem geistig-seelischen Kosmos, die göttlich-geistigen Kräfte leben in ihm, sie wesen und weben in ihm, sie durchdringen ihn und sie gestalten in ihm den großen Geistkeim aus, der die Kräfte in sich enthält, die durch das geistige Dasein durchgehen müssen bis zur Geburt beziehungsweise Empfängnis, damit sie dann wiederum auftauchen, wenn der Mensch im Erdenleben als der innere Plastiker seinen physischen Organismus auszugestalten hat. Die Wunderbildung dieses physischen Organismus wird dadurch klar; denn dieser physische Organismus ist die Zielbildung desjenigen, was in unermeßlich großartiger Weise geistig-seelisch anschauend, sich seiner voll bewußt, der Mensch als den kosmischen Keim seines inneren Lebens erlebt. Den physischen Menschenkeim bekommt der Mensch aus der physischen Welt; den geistigen Keim bekommt der Mensch aus der geistigen Welt heraus. Und wir sind gewissermaßen in einer gewissen Zeit, bevor wir heruntergestiegen sind zum physischen Erdendasein, ein in die ganze Welt ergossener, riesiger geistig-seelischer Menschenkeim, der sich dann vereinigt mit dem physischen Menschenkeim, der uns hier empfängt, wenn wir ins Erdendasein heruntersteigen.

[ 9 ] When we consider only earthly human life from a scientific perspective, we first speak of the human germ, which develops from the mother’s body into the physical human form of the growing child. We naturally refer to the embryo as something small that gradually grows larger. In a kind of embryonic state, the human being lives in its pre-earthly existence; only this embryo is the experience of the entire spiritual-soul cosmos. The human being has, so to speak, become one with the spiritual-soul cosmos; the divine-spiritual forces live within it, they act and weave within him, they permeate him, and they shape within him the great spiritual germ that contains the forces which must pass through spiritual existence up to birth or conception, so that they may then emerge again when the human being, as the inner sculptor, must shape his physical organism during earthly life. The miraculous formation of this physical organism thus becomes clear; for this physical organism is the fulfillment of that which the human being—in an immeasurably magnificent way, through spiritual-soul contemplation and with full awareness—experiences as the cosmic seed of his inner life. The human being receives the physical human seed from the physical world; the spiritual seed he receives from the spiritual world. And, in a sense, during a certain period before we descended into physical earthly existence, we were a gigantic spiritual-soul human seed poured out into the entire world, which then unites with the physical human seed that receives us here when we descend into earthly existence.

[ 10 ] Wir schauen auf unser kosmisches Dasein hin, wenn wir durch die inspirierte Erkenntnis in das vorirdische Dasein erkennend hinblicken. Wie wir uns hier mit unserem Organismus eins wissen, wissen wir uns durch dieses Hinschauen eins mit der ganzen Welt. Hier, in dieser Welt, schaut der Mensch hin auf die äußeren Offenbarungen des Geistigen in der Natur, im Menschendasein; er ahnt hinter diesen sinnlich-physischen Offenbarungen das Göttlich-Geistige. Im vorirdischen Dasein ist er durchdrungen, durchwallt und durchwebt von diesem göttlich-geistigen Dasein, und dieses göttlich-geistige Dasein lebt sich in ihm so aus, daß es in ihn hereinpflanzt jene Kräfte, die hintendieren nach dem physischen Erdendasein. Wie wir hier unsere Augen hinaufrichten zum wunderbaren Sternenhimmel, so richten wir vom außerirdischen Dasein unsere Augen hin auf den Wunderbau des physischen Menschen, wie er hier im Erdendasein lebt. Ich möchte sagen, wir schauen von der Erde zum Himmel in unserem physischen Erdendasein, wir schauen aber von dem Himmel zur Erde in unserem vorirdischen Dasein. Da wird die Erde uns verständlich als das Götterwerk, als das sie eigentlich in unserer Seele leben sollte. Und alles das ist unmittelbares Erleben zunächst im vorirdischen Dasein.

[ 10 ] We look toward our cosmic existence when, through inspired insight, we gaze with understanding into our pre-earthly existence. Just as we know ourselves to be one with our physical body here, so too, through this gaze, do we know ourselves to be one with the entire world. Here, in this world, human beings look upon the outer manifestations of the spiritual in nature and in human existence; behind these sensory-physical manifestations, they sense the divine-spiritual. In pre-earthly existence, human beings are permeated, surging through, and interwoven with this divine-spiritual existence, and this divine-spiritual existence manifests itself within them in such a way that it implants in them those forces that tend toward physical earthly existence. Just as we here lift our eyes to the wondrous starry sky, so do we, from our pre-earthly existence, turn our eyes toward the marvelous structure of the physical human being as he lives here in earthly existence. I would say that we look from earth to heaven in our physical earthly existence, but we look from heaven to earth in our pre-earthly existence. Then the Earth becomes understandable to us as the work of the gods, as it should actually live in our soul. And all of this is direct experience, first and foremost in our pre-earthly existence.

[ 11 ] Aber es tritt zu einer gewissen Zeit, nachdem wir dieses vorirdische Dasein durchgemacht haben, etwas ein wie eine Art Zurückziehen der göttlich-geistigen Wesenheiten von uns Menschen. Wir haben noch nicht eine Natur um uns, wit haben ja auch in diesem geistig-seelischen Dasein noch keine physischen Augen, noch keine physischen Organe, könnten also eine Natur noch gar nicht schauen. Wir haben um uns etwas, was nur wie ein Hereinscheinen des Göttlich-Geistigen ist. Das ist der große Umschwung im vorirdischen Dasein, daß wir zuerst erleben ein unmittelbares Darinnenstehen, Durchdrungensein von und mit dem göttlich-geistigen Dasein, daß aber dann ein Zeitpunkt eintritt, wo wir mit unserem Geistauge hinschauen auf die Geistwelt, die uns umgibt, die zwar noch immer eine Geistwelt ist, aber wir müssen uns sagen: vorher haben wir mit den göttlich-geistigen Wesenheiten gelebt, jetzt zeigen sie sich uns durch ihre Taten, jetzt ist ihre Erscheinung da. Es ist eine geistig-seelische Erscheinung, die wir nicht erst im Erdenleben haben, es ist aber nur eine Offenbarung dessen, was wir früher selbst erlebt haben. Wir treten aus der Sphäre des Erlebens in die Sphäre der Offenbarung ein. Und in demselben Maße, als wir aus dem Erleben in die Offenbarung eintreten, indem wir uns sagen müssen: Die göttlich-geistigen Wesen haben sich von uns Menschen für das unmittelbare Erleben zurückgezogen, wir können sie jetzt nur mehr anschauen, sie sind gewiß für uns Menschen da, aber nur für unsere geistig-seelische Anschauung —, in demselben Augenblicke erwacht in unserem geistig-seelischen vorirdischen Dasein dasjenige, was ich vergleichen kann mit dem, was in unserem physischen Organismus lebt als ein Begehren. Der Mensch wird innerlich durchdrungen von einem Begehren in dem Maße, als die Welt vorirdisch Offenbarung wird. Er fühlt sich eigentlich jetzt erst als ein Selbst, das abgesondert ist von der übrigen Welt. Wir gehen weg von einem Erleben, das zugleich ein Welterleben ist und ein Erleben des eigenen Menschenwesens. Wir sind ja eine Zeitlang, zwischen Tod und einer neuen Geburt, nicht nur Menschenwesen, wir sind Weltenwesen. Weltenbewußtsein und Menschheitsbewußtsein fallen in eines zusammen. Da kommt der Zeitpunkt, wo das Weltenbewußtsein und das Menschheitsbewußtsein auseinandertreten, wo die Welt nicht mehr von uns erlebt wird, sondern sich nur offenbart, wo ein von der Welt abgesondertes Inneres in uns auftritt. Früher war unser Inneres eins mit der Welt; jetzt tritt ein von der Welt abgesondertes Inneres auf, und das kündigt sich zuerst als ein inneres Begehren, als ein Wünschen, ein Wollen an. Ein Wünschen, ein Wollen, ein Begehren zielt immer auf etwas. Dieses Wünschen und dieses Wollen und dieses Begehren zielt auf unser künftiges Erdenleben, zu dem wir nach einiger Zeit heruntersteigen werden. Wir werden erfüllt von den Anschauungen unseres künftigen Erdenlebens, und wir nehmen damit jene Kräfte auf, die dann unbewußt werden, wenn wir durch das Embryonalleben auf Erden hindurchgehen. Wir haben sie da bewußt; aber das Bewußtsein wird immer mehr und mehr abgedämpft, und es tritt allerdings ein Zeitpunkt ein, wo das Begehren stark wird, und wo selbst die Offenbarung der göttlich-geistigen Welt, in der wir vorher webend und lebend waren, immer mehr und mehr abgedunkelt wird, wo wir als geistig-seelische Wesen im vorirdischen Dasein so empfinden müssen, daß wir uns sagen müssen: Immer schattenhafter und schattenhafter wird die Geistwelt um uns herum. Das, was früher noch hell erglänzt ist als göttliche Offenbarung, es wird immer schattenhafter und schattenhafter. In dem Maße, in dem das Äußere immer schattenhafter wird, werden die inneren Begehrungskräfie vehementer, die Außenwelt verdunkelt sich uns innerhalb unseres Geistdaseins, die Innenwelt wird kraftvoller, aber nach einiger Zeit nimmt uns diese kraftvolle Innenwelt völlig das Bewußtsein des künftigen Erdenlebens. Für eine Zeit, die der irdischen Empfängnis nicht lange vorausgeht, verdunkelt sich der Hinblick auf das irdische Dasein. Wir haben vorher hingeschaut auf dieses irdische Dasein; es war gewissermaßen die Zielerscheinung, jenes großartige, mächtige Weltentableau, in dem wir gelebt haben. Jetzt entfällt uns der Hinblick auf die Erde, dafür aber geht uns ein anderer Anblick auf. Es ist nicht lange bevor wir heruntersteigen zur Erde, da aber gerade, wenn wir heruntersteigen, entfällt uns der Hinblick auf die Erde und auf geht uns der Blick in die Ätherwelt. Das, was Äthererscheinungen sind, die das Licht bergen, die die Lebenskräfte bergen, das, was im Raume ausgebreitet ist, aber nicht zentral von der Erde in den Raum hinauf, sondern wie von der Peripherie der Welt auf die Erde hereinwirkt, herein sich ergießt, das Ätherische, das wird uns anschaulich. Wie in einem großen, die verschiedensten Gestaltungen in sich aufweisenden Weltennebel wird eine ätherische Welt geistig um uns herum sichtbar, und aus dieser ätherischen Welt können wir mit jener Kraft, die uns geblieben ist, mit der Kraft des Begehrungsvermögens, dem allgemeinen ätherischen Weltennebel entnehmen unseren eigenen Ätherleib, können ihn formen, und indem wir unseren eigenen Ätherleib formen, bilden wir mit diesem Ätherleib ein Abbild desjenigen, was wir früher waren in der geistig-seelischen Welt, gliedern diesen Ätherleib ein dem, was uns aus der Vererbungsentwickelung, was uns durch unsere Vorfahren an physischer Substantialität entgegengebracht wird, und wir steigen zum Erdendasein herab.

[ 11 ] But at a certain point, after we have gone through this pre-earthly existence, something occurs that is like a kind of withdrawal of the divine-spiritual beings from us humans. We do not yet have a physical world around us; after all, even in this spiritual-soul existence we still have no physical eyes, no physical organs, and so we could not yet perceive the physical world at all. We are surrounded by something that is merely a radiance of the divine-spiritual. This is the great turning point in pre-earthly existence: that we first experience a direct immersion in, being permeated by and united with the divine-spiritual existence; but then a moment arrives when we look with our spiritual eye upon the spiritual world that surrounds us—a world that is still a spiritual world, but we must tell ourselves: before, we lived with the divine-spiritual beings; now they reveal themselves to us through their deeds; now their manifestation is here. It is a spiritual-soul manifestation that we do not first experience in earthly life; rather, it is merely a revelation of what we ourselves have experienced before. We step out of the sphere of experience into the sphere of revelation. And to the same extent that we step out of experience into revelation—as we must tell ourselves: The divine-spiritual beings have withdrawn from us humans as far as direct experience is concerned, we can now only contemplate them; they are certainly present for us humans, but only for our spiritual-psychic contemplation—at that very moment, what I can compare to the desire that lives within our physical organism awakens in our spiritual-psychic pre-earthly existence. Human beings are inwardly permeated by a longing to the extent that the pre-earthly world becomes a revelation. It is only now, in fact, that they feel themselves to be a self that is separate from the rest of the world. We are moving away from an experience that is at once an experience of the world and an experience of our own human being. For a time, between death and a new birth, we are not merely human beings; we are beings of the world. World-consciousness and human consciousness merge into one. Then comes the moment when world-consciousness and human consciousness diverge, when the world is no longer experienced by us but merely reveals itself, when an inner life separate from the world emerges within us. Previously, our inner being was one with the world; now an inner being separate from the world emerges, and this first manifests as an inner longing, as a desire, as a will. A desire, a will, a longing always aims at something. This desire, this will, and this longing are directed toward our future earthly life, into which we will descend after some time. We are filled with visions of our future earthly life, and through them we absorb those forces that will then become unconscious as we pass through embryonic life on Earth. We are conscious of them there; but our consciousness becomes increasingly muted, and indeed there comes a point when desire grows strong, and when even the revelation of the divine-spiritual world in which we previously lived and wove our lives becomes increasingly obscured—a point where, as spiritual-soul beings in our pre-earthly existence, we must feel compelled to say to ourselves: The spiritual world around us is becoming ever more shadowy. What once shone brightly as divine revelation is becoming ever more shadowy. As the outer world becomes increasingly shadowy, our inner forces of desire grow more intense; the outer world darkens for us within our spiritual existence, while the inner world becomes more powerful; but after some time, this powerful inner world completely robs us of our awareness of our future earthly life. For a time not long before earthly conception, our view of earthly existence grows dim. We had previously looked toward this earthly existence; it was, so to speak, the vision of our destination, that magnificent, powerful cosmic tableau in which we had lived. Now our view of the earth fades, but in its place a different vision opens up to us. It is not long before we descend to Earth, but just as we descend, our view of the Earth fades, and our gaze turns toward the etheric world. What the etheric phenomena are—those that contain light, those that contain the life forces—what is spread out in space, not rising centrally from the Earth into space, but rather acting upon the Earth, pouring in as if from the periphery of the world—the etheric—becomes vivid to us. Just as in a vast cosmic nebula containing the most diverse forms, an etheric world becomes spiritually visible around us; and from this etheric world, using the power that remains to us—the power of desire—we can draw our own etheric body from the general etheric cosmic nebula, shape it, and by shaping our own etheric body, we form with it an image of what we once were in the spiritual-soul world; we integrate this etheric body into what is presented to us through hereditary development—the physical substance bequeathed to us by our ancestors—and we descend into earthly existence.

[ 12 ] Ich konnte Ihnen nur skizzenhaft dasjenige schildern, was sich ergibt für die imaginative und inspirierte Erkenntnis, wenn der Mensch sein Bewußtsein erweitert über das gewöhnliche Erdenbewußtsein hinaus. Indem der Mensch im Laufe der irdischen Entwickelung vorgeschritten ist zu dem Bewußtsein, das er heute hat, das in engsten Sinne an die physische Körperlichkeit gebunden ist, hat er ein ursprüngliches Bewußtsein verloren. Auf das habe ich ja auch schon öfters hingewiesen. Ich habe darauf hingewiesen, wie uns die Geschichte eigentlich nur die Außerlichkeiten des irdischen Lebens der Menschheit schildert, wie wir eine Seelengeschichte brauchen, wie diese Seelengeschichte uns aufzeigt, daß die Menschen nicht immer eine solche Bewußtseinsverfassung gehabt haben wie heute, wo sie nur mit ihrem Verstande das kombinieren können, was die sinnlichen Organe wahrnehmen, und wo sie nur heraufholen können das, was aus der physischen Körperlichkeit zum Bewußtsein heraufsteigt. Je weiter wir in ältere Zeiten der Menschheit zurückgehen, desto mehr sehen wir, wie die Menschen eine Art ursprüngliches, wenn auch traumhaftes Hellsehen gehabt haben. Das, was der Mensch sich heute erwirbt in der imaginativen, in der inspirierten Erkenntnis, ist ein vollbewußtes Erkennen, ich möchte sagen, so vollbewußt wie das mathematische Erkennen; ein dumpfes, traumhaftes Hellsehen, das aber nicht weniger weisheitsdurchtränkt war, hatten die Menschen einer früheren Zeit. Diese Menschen einer früheren Zeit empfanden nicht nur das, was der heutige Mensch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein erlebt, wenn er in sich hineinschaut, sondern sie empfanden schauend etwas von dem, was ich Ihnen jetzt geschildert habe. Gehen wir noch zurück selbst in die ältesten ägyptischen Zeiten, in noch ältere Zeiten zurück, von denen keine Dokumente der äußeren Geschichte, sondern nur eine solche Geschichte wie ich sie in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe, Kunde gibt, dann finden wir Menschen, die sich nicht erwerben mußten durch solche Übungen, wie ich sie Ihnen oftmals geschildert habe, das Anschauen des vorirdischen Daseins, sondern die von diesem vorirdischen Dasein so sprechen konnten, weil in ihren Seelen von diesem vorirdischen Dasein im Erdendasein etwas lebte wie eine Erinnerung. Der heutige Erdenmensch hat sich seine Freiheit erkauft dadurch, daß er nur eine Erinnerung in abstrakten Gedanken haben kann an die Ereignisse, an die Erlebnisse, die ihm während seines Erdendaseins begegnen. Die Menschheit in früheren Urzeiten hatte nicht nur solche Erinnerungen in der Seele leben, sondern indem sie hineinblickte in dieses Seelische, holte sie außer diesen Erinnerungen an dieses physische Leben hervor aus dem Seelischen Bilder von dem, was ich Ihnen jetzt erzählt habe. So wie man sich heute im gewöhnlichen Bewußtsein erinnert an das, was man vor zwanzig, dreißig Jahren auf der Erde erlebte, so hat sich in gewissem Sinne erinnert ein Mensch älterer Epochen an dasjenige, was er im vorirdischen Dasein erlebt hat und was ich Ihnen heute aus der Geisteswissenschaft heraus geschildert habe. Aber indem der Mensch ebenso sicher war dieses vorirdischen Daseins, wie der heutige Mensch durch seine Erinnerung sicher ist, daß er nicht heute morgen geboren ist, sondern vor heute morgen schon da war, so wußte der Mensch älterer Epochen von seinem vorirdischen Dasein durch das, was er in seiner Seele erlebte. Aber daraus entsprang ihm auch die Gewißheit, daß das, was er als solches erlebte, schon da ist in einer geistig-seelischen Welt, bevor er heruntergestiegen ist zum physischen Erdendasein, daß das durch die Pforte des Todes geht und nicht abhängig ist vom physischen Organismus, daß gerade so, wie es aufbaut den physischen Organismus für das Erdendasein, es sein weiteres Dasein findet, wenn die Pforte des Todes durchschritten ist.

[ 12 ] I have been able to describe to you only in broad strokes what emerges for imaginative and inspired insight when a person expands their consciousness beyond ordinary earthly consciousness. As human beings have progressed in the course of earthly evolution to the consciousness they possess today—which is bound in the strictest sense to the physical body—they have lost a primordial consciousness. I have, in fact, pointed this out on several occasions. I have pointed out how history actually describes for us only the external aspects of humanity’s earthly life, how we need a history of the soul, and how this history of the soul shows us that human beings have not always had a state of consciousness such as we have today, in which they can use only their intellect to process what the sense organs perceive, and where they can bring up into consciousness only what rises from the physical body. The further back we go into humanity’s earlier times, the more we see how people possessed a kind of primal, albeit dreamlike, clairvoyance. What people today attain through imaginative and inspired insight is a fully conscious form of knowledge—I would say as fully conscious as mathematical knowledge; the people of earlier times, however, possessed a dim, dreamlike clairvoyance that was nonetheless no less imbued with wisdom. These people of earlier times not only sensed what modern humans experience with ordinary consciousness when they look within themselves, but they also intuitively perceived something of what I have just described to you. If we go back even further to the earliest Egyptian times, to even older times of which there are no documents of external history—but only a history such as I have presented in my *Secret Science*—then we find people who did not have to acquire the ability to perceive pre-earthly existence through exercises such as those I have often described to you, but who were able to speak of this pre-earthly existence because something of it lived in their souls during their earthly existence, like a memory. Modern human beings on Earth have earned their freedom by the fact that they can have only a memory, in the form of abstract thoughts, of the events and experiences they encounter during their earthly existence. Humanity in earlier primeval times not only had such memories living in their souls, but by looking into this soul life, they drew forth from the soul—in addition to these memories of this physical life—images of what I have just told you. Just as people today, in their ordinary consciousness, remember what they experienced on Earth twenty or thirty years ago, so, in a certain sense, a person from earlier epochs remembered what they had experienced in their pre-earthly existence—and what I have described to you today from the perspective of spiritual science. But just as a person today is certain of this pre-earthly existence—just as a person today is certain, through their memory, that they were not born this morning but were already here before this morning—so too did people of earlier epochs know of their pre-earthly existence through what they experienced in their souls. But from this also arose the certainty that what they experienced as such already existed in a spiritual-soul world before they descended into physical earthly existence; that it passes through the gate of death and is not dependent on the physical organism; that just as it builds up the physical organism for earthly existence, it continues to exist once the gate of death has been passed through.

[ 13 ] Aber, was geht da hinaus aus dem physischen Erdendasein? Das, was wir hier im physischen Erdendasein als Gedanken erleben, ist schon auch an den physischen Organismus gebunden; allein das, was als Wille in einer so wunderbaren Weise heraufquillt aus dem Menschen, daß er eigentlich auch seine Willenserscheinungen nur in Gedanken, nur in Vorstellungen erfassen kann und nur sagen kann: Ich will meine Hand oder meinen Arm erheben —, aber nicht weiß, was zwischen diesen Gedanken und zwischen der wirklichen Armerhebung vorgeht, dieses ganze Wunder, das dazwischen liegt, das Anspannen des Muskels, das alles ist ja im Unbewußten gelegen wie die Ereignisse des Schlaflebens selber für die Seele; dasjenige, was da als Wille heraufkommt, bleibt zum großen Teile unbewußt, das heißt, es spiegelt sich nur im Gedankenleben. Wer aber mit inspirierter und intuitiver Erkenntnis hinunterschaut in dieses Willensleben, der macht innerhalb desselben gewaltige Entdeckungen. Hier im physischen Erdendasein, das wir nur äußerlich anschauen, verrichten wir unsere Handlungen, und eine materialistische Zeit konnte sogar glauben, daß diese Handlungen erschöpft seien im physischen Erdendasein, daß sie keine weitere Bedeutung haben.

[ 13 ] But what is it that emerges from physical earthly existence? What we experience here in our physical earthly existence as thoughts is, of course, bound to the physical organism; yet that which wells up from within the human being as will in such a wondrous way that he can actually grasp his manifestations of will only in thoughts, only in mental images, and can only say: “I want to raise my hand or my arm”—but does not know what takes place between these thoughts and the actual raising of the arm—this whole miracle that lies in between, the tensing of the muscle—all of that is, after all, situated in the unconscious, just as the events of the life of sleep are for the soul; that which arises as will remains largely unconscious; that is to say, it is reflected only in the life of thought. But whoever looks down into this life of the will with inspired and intuitive insight makes tremendous discoveries within it. Here in physical earthly existence, which we view only from the outside, we carry out our actions, and a materialistic age could even believe that these actions are exhausted in physical earthly existence, that they have no further significance.

[ 14 ] Aber derjenige, der in die wahre Willensnatur des Menschen, die dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unbewußt bleibt, hinunterschaut, der sieht da, wie sich nicht aus dem Denken heraus, aber aus dem Wollen heraus in demselben Maße, in dem der Mensch im physischen Erdendasein fortschreitet, etwas bildet, was sich zusammensetzt aus der Bewertung seiner Handlungen. Im physischen Erdendasein sagen wir: eine Handlung ist gut, eine Handlung ist böse, wir sind zufrieden oder unzufrieden mit irgendeiner Tat. Wir können vielleicht glauben, das sei nur ein abstraktes Urteil, das wir zu der Tat hinzufügen. Schauen wir mit unserer wirklich wahren Inspiration und Intuition in die Willenswesenheit des Menschen hinein, dann sehen wir, wie sich da webt aus dem, was hier nur Gedanke ist, ein wirkliches Wesen, wie das Urteil: Ich kann zufrieden sein mit einer Handlung —, oder: Ich muß unzufrieden sein —, innerlich willensgemäß zu einer Tatsache wird, wie ein ganzes Wesen sich in den Tiefen unserer Menschennatur zusammenwebt, ein Wesen, das, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein Antlitz hat, je nachdem unsere Handlungen hier im Erdendasein waren. Haben wir schlechte Handlungen verrichtet, bei denen wir bei vollständigen Menschenbewußtsein nicht zufrieden sein können, so entwickelt sich in unserem Inneren ein Wesen mit einem häßlichen Gesichte; haben wir Handlungen verrichtet, mit denen wir zufrieden sein können, so entwickelt sich ein Wesen mit einem sympathischen Gesichte. Tatsächlich, die Bewertung unserer Handlungen wird ein inneres Wesen in uns, und in demselben Maße, in dem immer mehr und mehr unsere Gedanken vom physischen Organismus abhängig werden — beim Kinde waren sie es noch nicht, da haben sie gearbeitet an der physischen Organisation, dann werden sie abstrakt —, in demselben Maße, in dem, ich möchte sagen, unsere Gedanken in unserem physischen Organismus ein Leichnam werden, denn sie leben ja nicht, sie sind tote Gedanken, in demselben Maße regt sich da unten die moralische Wesenheit des Menschen, die er aber selber während seines Lebens ausbildet. Diese moralische Wesenheit ist da, und diese moralische Wesenheit vereinigt sich mit seiner Ich-Wesenheit, und diese moralische Wesenheit trägt er nun durch die Todespforte hinaus in die geistige Welt. Indem der Mensch durch die Todespforte in die geistige Welt hinaustritt, hat er zunächst — Sie können das geschildert finden in meinem Buche «Theosophie» — seinen physischen Leib abgelegt, er ist in seinem ätherischen Leibe; da hat er noch ein Bewußtsein von seinen irdischen Taten. Aber dieses Bewußtsein beginnt durchsetzt zu werden von einem kosmischen Weltenbewußtsein. Das, was der Ätherleib ist, löst sich auf im allgemeinen Weltenäther; geradeso wie man es vor der Geburt zusammengezogen hart, löst es sich jetzt auf im Weltenäther. Der Mensch lebt mit dem, was Sie in meiner «Theosophie» genannt finden den astralischen Leib, mit dem lebt er sich in den Kosmos allmählich wieder ein, aber er lebt noch zusammen mit seinem neugebildeten moralisch-geistigen Organismus; den trägt er hinaus zunächst, mit dem lebt er sich hinaus.

[ 14 ] But whoever looks down into the true nature of the human will—which remains hidden from ordinary everyday consciousness—sees there how, not out of thinking but out of willing, and to the same extent that a person progresses in physical life on Earth, something is formed that consists of the evaluation of their actions. In physical earthly existence, we say: an action is good, an action is evil; we are satisfied or dissatisfied with a particular deed. We may perhaps believe that this is merely an abstract judgment that we attach to the deed. If we look into the human being’s volitional essence with our truly genuine inspiration and intuition, we see how, out of what is here merely a thought, a real being is woven—how the judgment: “I can be satisfied with an action”—or: “I must be dissatisfied”—which, in accordance with the will, becomes a fact within us, as a whole being weaves itself together in the depths of our human nature—a being that, if I may put it this way, has a face, depending on what our actions were here in earthly life. If we have committed bad deeds with which we cannot be satisfied in full human consciousness, then a being with an ugly face develops within us; if we have committed deeds with which we can be satisfied, then a being with a sympathetic face develops. In fact, the assessment of our actions becomes an inner being within us, and to the same extent that our thoughts become more and more dependent on the physical organism—in a child they were not yet so, for they were working on the physical organization, then they become abstract—to the same extent that, I would say, our thoughts in our physical organism become a corpse—for they do not live; they are dead thoughts—to that same extent the moral essence of the human being stirs within, an essence that he himself develops during his life. This moral essence is present, and this moral essence unites with his “I”-essence, and he now carries this moral essence through the gate of death into the spiritual world. As the human being steps through the gate of death into the spiritual world, he has first—as you can read in my book *Theosophy*—laid aside his physical body; he is in his etheric body, and there he still has a consciousness of his earthly deeds. But this consciousness begins to be permeated by a cosmic, universal consciousness. The etheric body dissolves into the general world ether; just as it was contracted and hard before birth, it now dissolves into the world ether. The human being lives with what you will find referred to in my *Theosophy* as the astral body; with it, he gradually reintegrates himself into the cosmos, but he still lives together with his newly formed moral-spiritual organism; he carries this with him at first, and it is with this that he lives his way out.

[ 15 ] Und jetzt entsteht für ihn eine Aufgabe, die zusammenhängt mit dem, was ich Ihnen schon das letzte Mal, als ich hier zu Ihnen gesprochen habe, gesagt habe für das Schlafesleben des Menschen: ich habe Ihnen dargestellt, wie der Mensch während des Schlafes die Kraft hat, um wieder hereinzukommen in den physischen Organismus, daß er diese Kraft hat durch dasjenige, was man als Mondenkräfte bezeichnen kann. Die Mondenkräfte sind das, was den Menschen in das physische Erdendasein — sogar an jedem Morgen — zurückbringt. Innerhalb dieser Sphäre der Mondenkräfte befindet sich der Mensch zunächst, wenn er seinen physischen und Ätherleib abgelegt hat. Aber innerhalb dieser Mondenkräfte kann er nicht das umfassende Weltenbewußtsein, das ich Ihnen vorhin geschildert habe, bekommen, sondern da hat der Mensch noch etwas, was ihn mit der Erde verbindet durch diesen moralischen Erdenorganismus. Er muß sich den Mondenkräften entreißen, er muß zurücklassen in der Mondensphäre das, was er sich da selber gewoben hat aus seiner moralischen Handlungsweise, aus alledem, was er als moralische oder unmoralische Handlung vollbracht hat, er muß das zurücklassen in der Mondensphäre und muß eindringen in die Sonnensphäre, in die Sternenwelt. Jetzt muß er nicht nur in das Abbild eindringen, wie ich es für den Schlafzustand geschildert habe, sondern in die wirklich reale Sonnen- und Sternenwelt, er muß sich entreißen der Mondensphäre.

[ 15 ] And now a task arises for him that is connected to what I already told you last time I spoke to you here regarding the human life of sleep: I explained to you how, during sleep, the human being has the power to re-enter the physical organism, and that this power comes from what can be called the lunar forces. The lunar forces are what bring the human being back into physical earthly existence—even every morning. A human being is initially within this sphere of lunar forces once they have shed their physical and etheric bodies. But within these lunar forces, they cannot attain the all-encompassing world consciousness that I described to you earlier; rather, the human being still has something there that connects them to the Earth through this moral Earth organism. They must tear themselves away from the lunar forces; they must leave behind in the lunar sphere what they have woven for themselves there out of their moral conduct—out of all that they have accomplished as moral or immoral acts—they must leave that behind in the lunar sphere and penetrate into the solar sphere, into the world of the stars. Now he must penetrate not only into the image, as I have described it for the state of sleep, but into the truly real world of the sun and the stars; he must tear himself away from the lunar sphere.

[ 16 ] Auch davon hat das hellseherische Bewußtsein der Urmenschheit ein Erlebnis gehabt, konnte sprechen von diesen Dingen, die sich heute der Mensch nur erringen kann, wenn er seine geistig-seelischen Kräfte ausbildet. Es konnte die Urmenschheit davon sprechen durch die natürlichen elementaren Kräfte, die ihr eingepflanzt waren. Aber diese Urmenschheit war zu gleicher Zeit immer geleitet, so wie man heute geleitet ist von der Wissenschaft, wie man geleitet ist von den verschiedenen Unterrichtsanstalten — solche gab es ja nicht in älteren Zeiten —, diese Menschheit war in älteren Zeiten geleitet von dem, was von den Mysterien ausging. Das, was der Mensch schauen konnte vom vorirdischen und nachirdischen Dasein, das wurde gewissermaßen orientiert von dem, was durch ihre höhere Erkenntnis die Eingeweihten der Mysterien wußten. Und da erfuhren die Angehörigen der Urmenschheit das, was bei einigen, die im damaligen Sinne wissend waren, inneres Erlebnis wurde, daß der Mensch sich nicht entringen kann durch eigene Kraft nach dem Tode der Mondensphäre, daß ihm entgegenkommen muß ein geistiges Wesen aus dem Kosmos, dessen äußerer physischer Abglanz die Sonne ist. Das muß ihm entgegenkommen, das muß ihn der Mondensphäre entreißen. Er muß zurücklassen das, was er als Schuld von der Erde mit sich trägt, er muß in die schuldfreie Sphäre des Kosmos hinaufgeführt werden durch das, was die alten Initiierten das hohe Sonnenwesen nannten, das in allen alten Mysterien eine wunderbare Beschreibung fand. Du brauchst, so sagte man dazumal zum Menschen, die Kraft, die dir aus den Himmeln entgegenkommt. — Aber der Mensch war dazumal anders organisiert — ich habe es auch schon heute angedeutet, wie anders damals der Mensch organisiert war —, er hatte hellseherische Kräfte in seinem Inneren, er wußte auf der Erde, daß es eine übersinnliche Welt gibt, aus innerer Anschauung. Er hatte eigentlich gar keine richtige Todesfurcht; denn, was war denn der Tod? Ein Erlebnis im Leben; er sah, daß in seinem Inneren etwas unabhängig war vom Tode. Er hatte das, was unabhängig war in seinem Körper, und weil er das in dem Körper hatte, konnte er sehen, wie ihm das Sonnenwesen entgegenkam, er konnte die Hilfe annehmen nach dem Tode.

[ 16 ] Primitive humanity also had an experience of this through its clairvoyant consciousness and was able to speak of these things, which people today can attain only by developing their spiritual and soul powers. Primitive humanity was able to speak of these things through the natural elemental forces that were inherent in them. But at the same time, this primitive humanity was always guided—just as people today are guided by science, or by various educational institutions (which, of course, did not exist in earlier times)—this humanity in earlier times was guided by what emanated from the Mysteries. What human beings could perceive of pre-earthly and post-earthly existence was, in a sense, guided by what the initiates of the Mysteries knew through their higher knowledge. And there the members of primeval humanity learned what became an inner experience for some who were “knowing” in the sense of that time: that human beings cannot, by their own power, break free from the lunar sphere after death; that a spiritual being from the cosmos—whose outer physical reflection is the Sun—must come to meet them. This being must come to meet him; it must snatch him away from the lunar sphere. He must leave behind what he carries with him from Earth as guilt; he must be led up into the guilt-free sphere of the cosmos by what the ancient initiates called the high solar being, which found a wondrous description in all the ancient mysteries. “You need,” people used to say to human beings back then, “the power that comes to meet you from the heavens.” — But human beings were organized differently back then—as I have already hinted at today, how differently human beings were organized back then—they possessed clairvoyant powers within themselves; they knew on Earth, through inner perception, that a supersensible world existed. He actually had no real fear of death; for what was death, after all? An experience in life; he saw that within him there was something independent of death. He possessed within his body that which was independent, and because he possessed it within his body, he could see how the solar being came to meet him; he could accept help after death.

[ 17 ] Aber darinnen besteht der irdische Fortschritt der Menschen, daß die Menschen verloren haben auf natürlichem Wege die Anschauung ihres Ewigen. Die Menschheit hat das intellektualistische Bewußtsein erlangt, das ganz an den physischen Leib gebunden ist, das abhängig ist von dem physischen Leib; je nachdem der physische Leib organisiert ist, haben wir das Erdenbewußtsein. Dieses Erdenbewußtsein, das verdunkelt uns die geistige Welt, auch bevor wir geboren sind und nachdem wir sterben. Für den heutigen Menschen ist es nicht so wie für den Urmenschen oder auch noch für den Menschen in der älteren ägyptischen Zeit, daß er ein gewisses Licht mitbringt durch die Todespforte durch und sich erhellen kann den Raum — wenn ich mich so ausdrücken darf; es ist nur bildlich gesprochen — der übersinnlichen Welt, und gewissermaßen entgegeneilen kann dem hohen Sonnenwesen, das kommt, um ihn aus der Mondensphäre hinauszuführen. Durch das, was er in sich hatte zwischen Geburt und Tod, konnte er erkennen dieses hohe Sonnenwesen.

[ 17 ] But this is the essence of humanity’s earthly progress: that human beings have, through natural means, lost their perception of their Eternal Self. Humanity has attained an intellectual consciousness that is entirely bound to the physical body and dependent on it; depending on how the physical body is organized, we have earthly consciousness. This earthly consciousness obscures the spiritual world from us, even before we are born and after we die. For people today, it is not as it was for primitive humans or even for people in ancient Egypt, who brought a certain light with them through the gate of death and could illuminate the space—if I may put it that way; this is only a figure of speech—of the supersensible world, and, in a sense, rush to meet the high solar being who comes to lead him out of the lunar sphere. Through what he carried within himself between birth and death, he was able to recognize this high solar being.

[ 18 ] Sehen Sie, Sie brauchen sich an dem Ausdrucke nicht zu stoßen; die alten Eingeweihten hatten aus ihrer Wissenschaft heraus dieses Wesen das hohe Sonnenwesen zu nennen. Aber es kam eine Zeit in der Entwikkelung der Menschheit, wo die Menschheit verloren hätte die Möglichkeit, nach dem Tode in diejenigen Welten einzudringen, in die sie eindringen muß, wenn sie sich nicht selbst verlieren will. Auf der anderen Seite mußte die Menschheit auf der Erde zu jenem Bewußtsein vordringen, in dem man einzig und allein die Freiheit sich erwerben kann als Mensch. Dadurch wäre für die Menschheit ein schrecklicher Zustand eingetreten zu einer gewissen Zeit. Der schreckliche Zustand, der für die Menschheit eingetreten wäre, der wäre der gewesen, daß die Menschen abgeschnürt worden wären von der übersinnlichen Welt, daß sie gerade durch die Vollkommenheit, die sie hier auf Erden erlangen, die sie prädestiniert zur Freiheit, verlustig geworden wären der übersinnlichen Welt, weil sie nicht mehr den Anschluß an jenes geistige Wesen finden können, das sie entreißt demjenigen, was sie mit der Erde zusammenhält für das Leben nach dem Tode.

[ 18 ] You see, you need not take offense at the term; based on their knowledge, the ancient initiates called this being the “high solar being.” But there came a time in the development of humanity when humanity would have lost the ability to enter, after death, those worlds into which it must enter if it does not wish to lose itself. On the other hand, humanity on Earth had to advance to that level of consciousness in which one can acquire, as a human being, freedom and nothing else. As a result, a terrible state would have befallen humanity at a certain point in time. The terrible state that would have befallen humanity would have been that people would have been cut off from the supersensible world; that precisely through the perfection they attain here on Earth—which predestines them for freedom— they would have lost the supersensible world, because they could no longer find a connection to that spiritual being who snatches them away from what binds them to the earth for life after death.

[ 19 ] Und was ist da zum weiteren wirklichen Fortschritt der Menschheit gekommen? Da konnte nicht eine äußere abstrakte Erkenntnis, nicht eine Theorie helfen. Helfen konnte nur, daß jenes Wesen, das früher nur in übersinnlichen Welten gelebt hatte und den Menschen entgegenkam, wenn sie zwischen Tod und Geburt im Übersinnlichen waren, helfen konnte nur, wenn das Wesen auf die Erde herunterstieg, so daß der Erdenmensch schon auf der Erde mit ihm eine Verbindung haben kann. Und der Herunterstieg ist das Ereignis von Golgatha. Die Christus-Wesenheit ist heruntergestiegen und hat in dem Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen.

[ 19 ] And what has actually contributed to humanity’s further progress? Neither external, abstract knowledge nor theory could help. The only thing that could help was that the Being who had previously lived only in the supersensible worlds—and who met human beings when they were in the supersensible realm between death and birth—could help only if that Being descended to Earth, so that human beings on Earth could already establish a connection with Him while still on Earth. And this descent is the event of Golgotha. The Christ Being descended and took on an earthly existence in Jesus of Nazareth.

[ 20 ] Der Mensch gewinnt innerhalb des Erdendaseins Zusammenhang mit dem Christus Jesus. Dasjenige, was er in dem Hinschauen zu dem Christus Jesus, was er in dem Mitempfinden,, Mitleiden mit dem Mysterium von Golgatha zu seinem Erdenbewußtsein hinzufügt, was er so in sein Erdenbewußtsein hineinflößt, indem er sich nicht nur ein Ich nennt, das frei sein kann, sondern indem er das Pauluswort erfüllt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», konnte er dieses Wort zur Wahrheit hier im Erdenleben machen, indem er sein Ich, das er hier erlangt, das ihn aber zugleich abschnüren würde von der übersinnlichen Welt, indem er dieses Erdenbewußtsein verbindet mit demjenigen, was durch das Opfer eingetreten ist in das Erdendasein durch das ChristusWesen: das trägt sich der Mensch durch den Tod hindurch. Die Fähigkeit, die ihm früher nur dadurch geworden ist, daß er elementare Kräfte in sich gehabt hat: seit dem Mysterium von Golgatha ist es die Verbindung des Erdenmenschen in seinem Bewußtsein, in seinem Seelenleben mit dem Christus, mit dem Mysterium von Golgatha, das ihm sein Leben sichert, wenn er durch die Todespforte tritt. Denn dasjenige Bewußtsein, das man durch den physischen Leib erlangt, müßte man mit dem physischen Leib auch wiederum verlieren, man würde nicht finden den Weg durch die geistigen Welten. Findet man auf der Erde den Führer, das heißt den Christus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, und hat man seine geistigen Kräfte im Sinne des Pauluswortes: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», mit der Erdenmenschheit verbunden, dann findet man sich lebendig hindurch durch die Pforte des Todes. Daher kann das Pauluswort in vollem Ernste genommen werden: Und wäre der Christus nicht auf die Erde gekommen, das heißt, hätte er den Tod nicht überwunden, so hülfe den Menschen alles nicht in ihrem Glauben.

[ 20 ] During their earthly existence, human beings develop a connection with Christ Jesus. That which they add to their earthly consciousness by looking toward Christ Jesus, by empathizing with and sharing in the suffering of the Mystery of Golgotha—that which they thus infuse into their earthly consciousness, not merely by calling themselves an “I” that can be free, but by fulfilling Paul’s words: “Not I, but Christ in me”—he was able to make this word a reality here in earthly life by connecting the “I” he attains here—which would otherwise cut him off from the supersensible world—with that which, through the sacrifice, has entered earthly existence through the Christ Being: this is what the human being carries through death. The ability that was previously granted to him only through the elemental forces within him: since the Mystery of Golgotha, it is the connection of the earthly human being—in his consciousness, in his soul life—with Christ, with the Mystery of Golgotha, that secures his life as he passes through the gate of death. For the consciousness one gains through the physical body would also have to be lost along with the physical body; one would not find the way through the spiritual worlds. If one finds the Guide on Earth—that is, the Christ who passed through the Mystery of Golgotha—and has united one’s spiritual powers with Earthly humanity in the spirit of Paul’s words: “Not I, but Christ in me,” then one finds oneself passing alive through the gate of death. Therefore, Paul’s words can be taken in all seriousness: And if Christ had not come to Earth—that is, if He had not overcome death—nothing would help people in their faith.

[ 21 ] Die alten Eingeweihten haben den Menschen gesagt: Ein überirdisches Wesen wird an euer Bewußtsein anknüpfen, das ihr hier von eurer ganzen Menschennatur habt, und wird euch hinausführen aus dem Mondendasein in das reine kosmische Weltendasein. — Die neueren Eingeweihten müssen den Menschen sagen: Blicket hin auf dasjenige, was durch den Christus im Mysterium von Golgatha geschehen ist, nehmt auf in euer Bewußtsein die Substantialität des Christus mit all ihrer Kraft! Die geht mit euch durch den Tod und führt euch entgegen denjenigen Welten, die ihr durchmachen müßt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. In der Mondensphäre werdet ihr zurücklassen eure moralische Wesenheit, allein sie wiederfinden, wenn ihr zurückkehrt in die Mondensphäre. Und in eurem Erdenschicksal wird das Abbild desjenigen, was ihr erst zurückgelassen habt und dann wiederfinden werdet in der Mondensphäre, erscheinen.

[ 21 ] The ancient initiates told humanity: A superterrestrial being will connect with the consciousness you possess here through your entire human nature, and will lead you out of the lunar existence into the pure cosmic existence of the world. — The newer initiates must tell humanity: Look to what took place through Christ in the Mystery of Golgotha; take into your consciousness the substance of Christ with all its power! It will accompany you through death and lead you toward those worlds you must pass through between death and a new birth. In the lunar sphere, you will leave behind your moral being, only to find it again when you return to the lunar sphere. And in your earthly destiny, the image of what you have first left behind and will then find again in the lunar sphere will appear.

[ 22 ] Von dem, was ich Ihnen jetzt erzählen kann, weiß eigentlich die menschliche Wissenschaft durch die naturgemäße menschliche Wissenschaft erst durch jene Kräfte, welche der Menschheit gekommen sind im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Früher waren diese Kräfte mehr oder weniger in der Menschheit verdunkelt. Sie waren noch da, aber traumhaft aus den alten Zeiten, die ich Ihnen eben vorhin geschildert habe. In den ersten christlichen Jahrhunderten haben die Menschen nicht dasjenige gehabt, was wir heute erringen können durch Imagination, Inspiration und Intuition, aber sie haben ein natürliches, atavistisches Hellsehen gehabt, und es gab noch alte Eingeweihte zur Zeit des Mysteriums von Golgatha; die haben ihren Menschen, die zu ihnen Vertrauen gehabt haben, sagen können: Der Christus, der in derjenigen Welt war, an die ihr euch erinnert als an die Zeit eures vorirdischen Daseins, der Christus, der früher nur in außerirdischen Sphären war, der ist durch das Kreuz von Golgatha auf die Erde herabgestiegen. — Daher hat man in den ersten vier Jahrhunderten der christlichen Entwickelung auch des Abendlandes vor allen Dingen das Augenmerk auf den heruntergestiegenen Christus gerichtet. Überall finden Sie in den Schilderungen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte — die Literatur ist ja zum großen Teile vernichtet —, wie der Christus aus kosmischen Welten und aus geistigen Welten heruntergestiegen ist und im Leibe des Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen hat. Auf dieses Heruntersteigen, auf dieses Sich-Neigen zur Erde wurde damals der größte Wert gelegt. Als aber mit dem vierten nachchristlichen Jahrhundert die alten Eingeweihten anfingen auszusterben und die neue Einweihewissenschaft noch nicht da war, die erst kommen konnte mit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als diese alten Eingeweihten ausgestorben waren, da mußte man in die Dokumente hinein dasjenige verhärten, was früher ein unmittelbares Anschauen war. Man mußte es traditionell fortpflanzen; die Menschen mußten, um das Freiheitsbewußtsein zu erlangen, eine Zeitlang die alte Einweihewissenschaft vergessen. Daher kam es, daß, je mehr sich die Menschheit dem 19. Jahrhundert näherte, desto mehr war vergessen, wie das überirdische Christus-Wesen heruntergestiegen war in das Erdendasein und in dem Leibe des Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen hat. Man schaute zuletzt nur hin auf das historische Ereignis, und man verlor allmählich über dem Jesus den Christus, man verlernte über den Christus als die übersinnliche Wesenheit zu sprechen. Wir müssen heute wieder beginnen, über den Christus als übersinnliche Wesenheit zu sprechen, wir müssen verstehen, was es heißt, daß der Christus die menschliche Seele am Leben erhält; denn der Leib hat sich verändert im Laufe der Menschheitsentwickelung. Warum hatten die alten Menschen ein Hellsehen? Weil der Leib weicher und die Drüsen innerhalb des Menschenleibes noch regsamer waren. Gerade die Drüsentätigkeit hat sich einer Verhärtung genähert, und je mehr diese Verhärtung fortschreitet, je mehr der Menschenleib verhärtet, die Drüsentätigkeit eine zähere wird, wird dasjenige, was als verhärteter Menschenleib dienen kann für den Intellektualismus, der immer mehr und mehr ausgebildet wird, indem die Drüsentätigkeit im menschlichen Leib verhärtet, wird der Menschenleib selber als solcher für den Verstand außerordentlich brauchbar. Aber den Zusammenhang mit der geistigen Welt muß sich der Mensch um so mehr mit der Seele erwerben. Von alledem wußten noch die Eingeweihten in den ersten christlichen Jahrhunderten, sie drückten nur die Sachen aus mit einem Mut, mit dem heute nicht mehr gesprochen wird. Sie sagten, die Menschen wären physisch allmählich immer kränker und kränker geworden, wenn nicht der Christus gekommen wäre und sie von der Seele aus gesund gemacht hätte. Daher wurde der Christus in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht nur in unserer Abstraktion verehrt, sondern vor allen Dingen verehrt als der Heiler, als der große Weltenarzt, als der Heiland.

[ 22 ] Of what I can now tell you, human science—through natural human science—has only become aware through those forces that came to humanity in the last third of the 19th century. Previously, these powers were more or less obscured within humanity. They were still there, but as a dreamlike remnant from the ancient times I just described to you. In the early Christian centuries, people did not possess what we can attain today through imagination, inspiration, and intuition, but they did possess a natural, atavistic clairvoyance, and there were still ancient initiates at the time of the Mystery of Golgotha; they were able to tell the people who trusted them: “The Christ who was in that world which you remember as the time of your pre-earthly existence—the Christ who was formerly only in extraterrestrial spheres—has descended to Earth through the Cross of Golgotha.” —That is why, during the first four centuries of Christian development, even in the West, attention was focused above all on the descended Christ. Everywhere in the accounts of the first centuries after Christ—though much of the literature has been destroyed—you will find descriptions of how Christ descended from cosmic and spiritual worlds and took on an earthly existence in the body of Jesus of Nazareth. At that time, the greatest emphasis was placed on this descent, on this turning toward the earth. But when, in the fourth century A.D., the old initiates began to die out and the new science of initiation had not yet emerged—which could only come with the last third of the 19th century, after these old initiates had passed away—it became necessary to codify in the documents what had previously been a direct experience. It had to be passed on through tradition; in order to attain a sense of freedom, people had to forget the ancient science of initiation for a time. Consequently, the closer humanity came to the nineteenth century, the more it was forgotten how the superterrestrial Christ Being had descended into earthly existence and taken on an earthly life in the body of Jesus of Nazareth. In the end, people looked only at the historical event, and they gradually lost sight of the Christ in Jesus; they forgot how to speak of the Christ as a supersensible being. Today we must begin again to speak of the Christ as a supersensible being; we must understand what it means that the Christ sustains the human soul; for the body has changed in the course of human evolution. Why did people in ancient times possess clairvoyance? Because the body was more supple and the glands within the human body were still more active. Glandular activity, in particular, has become increasingly rigid, and the more this hardening progresses—the more the human body hardens and glandular activity becomes more rigid—the more what serves as a hardened human body becomes extraordinarily useful to the intellect, which is being developed more and more as glandular activity in the human body hardens; the human body itself, as such, becomes exceptionally useful to the intellect. But human beings must all the more acquire the connection with the spiritual world through the soul. The initiates of the early Christian centuries were still aware of all this; they simply expressed these things with a courage that is no longer found in speech today. They said that people would have gradually become physically sicker and sicker had Christ not come and healed them from the soul onward. Therefore, in the early Christian centuries, Christ was not only venerated in our abstraction, but above all as the Healer, as the great Physician of the Worlds, as the Savior.

[ 23 ] Heute müssen diese Dinge erst wiederum alle errungen werden; sie können nur errungen werden, wenn der Mensch wiederum hineinschauen kann in die Geheimnisse von Geburt und Tod. Das Vermögen, das hineinschauen kann in diese Geheimnisse von Geburt und Tod, kann nur auf dem Wege der imaginativen, inspirierten und intuitiven Wissenschaft errungen werden. Wir müssen allmählich davon Kunde erhalten; denn derjenige, der davon Kunde erhält, erwirbt auch schon seelisch die Anschauung davon.

[ 23 ] Today, all these things must be regained; they can only be regained if human beings can once again look into the mysteries of birth and death. The ability to look into these mysteries of birth and death can only be attained through imaginative, inspired, and intuitive science. We must gradually come to know of this; for whoever comes to know of it also begins to gain a spiritual insight into it.

[ 24 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute vom Zusammenhang des Menschen mit jenen Welten, die er durch die Geburt verläßt und mit dem Tode wieder betritt, zu sagen hatte.

[ 24 ] That is what I had to say to you today about the connection between human beings and those worlds that they leave at birth and re-enter at death.