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The Rudolf Steiner Archive

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Geistige Zusammenhänge
in der Gestaltung des menschlichen Organismus
GA 218

14 Oktober 1922, Stuttgart

2. Über das geistig-seelische des Menschen zwischen Tod und neuer Geburt

[ 1 ] Ich habe das letzte Mal hier zu Ihnen gesprochen von einem Gebiet des unbewußten Lebens, das heißt desjenigen Lebens, das für das gewöhnliche Bewußtsein des Menschen, so wie er es heute im Erdendasein hat, unbewußt bleibt. Ich habe gesprochen über den Charakter des Schlafeslebens, und versucht, Ihnen im einzelnen ganz konkret zu schildern, was die menschliche Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt. Sie haben vielleicht erkennen können, daß diese Erlebnisse der Menschenseele zwischen dem Einschlafen und Aufwachen deutliche Offenbarungen sind des ewigen, unvergänglichen Lebens der Menschenseele, weil Sie haben sehen müssen, daß dasjenige, was die Seele durchmacht im Schlafzustande, durchaus Erlebnisse aus der geistigen Welt heraus sind. Und Sie wissen ja, daß die Erkenntnisse solcher übersinnlicher Erlebnisse gewonnen werden können durch das, was ich Ihnen hier öfters mündlich und was ich schriftlich dargestellt habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» und so weiter. Sie wissen, daß das, was als Erkenntnis im gewöhnlichen Bewußtsein des Menschen vorhanden ist, entwickelt werden kann zu der sogenannten imaginativen, inspirierten und intuitiven Erkenntnis. Solche Erlebnisse, wie sie die Seele unbewußt im Schlafe hat, werden gewissermaßen beleuchtet durch diejenige Kraft, welche die erkennende Menschenseele sich erwerben kann, wenn sie sich zur Imagination, Inspiration und Intuition hinaufentwickelt. Durch dieselbe Entwickelung ist es aber auch möglich, denjenigen Teil des unbewußten menschlichen Erlebens bis zu einem gewissen Grade zu durchforschen, von dem das Schlafesleben nur ein Abglanz, ein Abbild ist, denjenigen Teil, aus dem die Menschenseele austritt, wenn sie durch Geburt, oder sagen wir Empfängnis, in das physische Erdendasein eintritt, und den sie wiederum betritt, wenn sie durch den Tod aus diesem physischen Erdendasein sich herauslöst. Und ich werde Ihnen heute wenigstens andeutungsgemäß einiges zu schildern haben von dem, was hinter den Ereignissen der Geburt oder Empfängnis und des Todes für das seelisch-geistige Menschenleben steht.

[ 2 ] Gelangt der Mensch zunächst zur imaginativen Erkenntnis — diese selbst will ich hier nicht schildern, ich tat dies oftmals, auch wie sie erworben werden kann —, so ist ja das erste, daß sein physisches Erdenleben wie in einem großen Tableau als eine Einheit vor ihm ausgebreitet liegt. Im gewöhnlichen physischen Bewußtsein hat der Mensch sein Erdenleben nur als Erinnerung in seiner Seele vorhanden. Was ist darum die Erinnerung? Sie ist etwas, das in Bildern besteht, in Bildern, die allerdings durch ihre eigene innere Wesenheit hinweisen auf die Erlebnisse, die der Mensch seit seiner Geburt oder seit einem Zeitpunkte, der etwas darnach liegt, durchgemacht hat. Aber es sind doch Bilder, von denen aus den Erkenntnissen des gewöhnlichen Menschenlebens, so wie es heute der Mensch auf Erden hat, nicht gesagt werden kann, daß sie unabhängig vom Leibe ein Dasein zu entfalten imstande sind. Die heutige physische Wissenschaft hat ja durchaus recht, wenn sie den Menschen hinweist darauf, wie diese Erinnerungsbilder abhängig sind von der Konstitution des physischen Leibes. Sie hat recht, wenn sie darauf hinweist, wie diese Erinnerung in den allerersten Lebensjahren für den Menschen noch nicht vorhanden ist, wie sie sich heranentwickelt mit dem physischen Organismus, wie sie auch wieder heruntersinkt, wenn der physische Organismus des Menschen selbst seiner Abendröte entgegengeht. Und sie kann auch aus gewissen Krankheitserscheinungen, aus Untersuchungen des physischen Organismus bei erkrankten Menschen nach dem Tode konstatieren, wie der Ausfall des Gedächtnisses bedingt ist durch gewisse physische Organisationsglieder. Gewiß, die Wissenschaft ist in solchen Dingen heute nicht zu einem Abschluß gekommen; aber derjenige, der in den Geist der betreffenden physisch-wissenschaftlichen Ergebnisse eindringt, kann schon durchschauen, wie einmal doch der Zeitpunkt kommen wird, wo für die gewöhnlichen Erinnerungsbilder wird aufgezeigt werden können, wie sie gebunden sind an den physischen Menschenorganismus. Aber das, was wir so in Rückblick auf unser Leben, gewissermaßen aus dem Strome dieses Erlebens, den wir rückwärts anschauen, wie als einzelne Erinnerungsbilder heraufwogend haben, das ist nicht gemeint, wenn gesagt wird, daß imaginative Erkenntnis das Erdenleben des Menschen, insofern es’ ein geistig-seelisches ist, in einem großen Tableau vor sich hat. Dasjenige, was man da in der imaginativen Erkenntnis überschaut, sind wahrlich nicht solche abstrakte Erinnerungsbilder, wie sie das gewöhnliche Gedächtnis bewahrt. Es stellt sich vielmehr vor die imaginative Erkenntnis ein in sich tätiges, organisches Erleben, das nicht bloß jene Passivität hat, wie die Erinnerungsbilder, sondern das eine innerliche Kraft hat, wie die Wachstumskräfte, die in unserem Organismus tätig sind, wenn wir die Stoffe der Außenwelt, die wir zu unserer Nahrung aufnehmen, auf eine — nun, man darf schon sagen — wunderbare Weise in dasjenige verwandeln, was wir brauchen, damit es unseren Organismus konstituiere. Was da schaffend, schöpfend in uns lebt und webt, das ist etwas anderes als dasjenige, was auf eine mehr passive Weise bloß in unseren Erinnerungsbildern ist. Schauen Sie hin auf die Gedanken. Sie durchhellen unser Bewußtsein; gewiß, wir verdanken dem Gedankenleben innerhalb unseres Erdendaseins Unendliches. Wir werden durch es eigentlich erst zu Menschen und werden uns durch diese Gedankenbilder unserer Menschenwürde erst voll bewußt. Aber es sind eben doch flüchtige Bilder, gebunden an den physischen Menschenorganismus, wie die Flamme an den Brennstoff der Kerze. Das, was der imaginative Erkenner überschaut als das geistig-seelische Leben, das zugrunde liegt dem physischen Erdendasein, dasjenige, was er überschaut als ein wunderbares großes Tableau, das ist nichts Passives, das ist ein innerlich Lebendiges, das ist ein solches, das uns zwar geistig-seelisch entgegentritt, von dem wir aber durch unmittelbare seelische Anschauung ebenso wissen, wie es ist, wie wir durch das Auge wissen, was ein rot gefärbter äußerer Gegenstand ist. Und wir können sagen in der imaginativen Erkenntnis, daß wir nicht nur Gedanken haben, die aufblitzen in unserem Bewußtsein, sondern daß wir uns geradezu bewußt werden solcher Kräfte, die an unserem Organismus arbeiten.

[ 3 ] Es ist mir Ja, ich möchte sagen, geradezu wie eine Absurdität übelgenommen worden, daß ich einmal in meinem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» es ausgesprochen habe, daß alle Weisheit des erwachsenen Menschen nicht so viel vermag als die Weisheit des kleinen Kindes, die allerdings unbewußt in diesem kleinen Kinde lebt; allein man sehe hin mit der ausgebildetsten, mit der gelehrtesten Menschenerkenntnis auf die Art und Weise, wie ein menschliches Gehirn, wie ein menschlicher ganzer Organismus ist in den ersten menschlichen Lebensjahren, und man sehe hin, wie eigentlich der Mensch erst innerlich sich bildet. Alle Tätigkeit selbst des genialsten Bildhauers ist ein Geringfügiges gegen das, was aus dem innerlich Geistig-Seelischen kraftvoll in plastischer Tätigkeit durch das Kind ausgeführt wird, indem es sein Gehirn plastisch ausbildet. Wer dieses bedenkt und durchschaut, bekommt erst eine richtige Anschauung von der hier waltenden, geheimnisvollen Weisheit, von einer Weisheit, die eine kraftvolle ist, nicht nur eine solche, die in einem Menschenkopfe bewahrt wird, um sich über die Welt aufzuklären, sondern von einer Weisheit, die in sich einen Kräfteorganismus geistig-seelischer Art enthält, der gewissermaßen stündlich weiter die äußere Organisation des Kindes durchdringt und es erst zum vollen Menschen macht. Versuchen Sie nur einmal, im Geiste sich ein flüchtiges Bild von dem zu machen, was da arbeitet weisheitsvoll und großartig so, daß der Mensch eben durchaus nicht mit seinem Verstande und seiner intellektualistischen Weisheit nachkommen kann, was da arbeitet in dem Kinde, was lange Jahre arbeiten muß aus dem Unbewußten heraus, zum Beispiel noch den Wunderbau der menschlichen Sprache dem Menschen eingliedert, versuchen Sie einmal sich ein Bild zu machen allerdings wird es nur ein abstraktes Bild werden — von diesem weisheitsvollen Wirken bis herauf zu dem Zeitpunkte, wo der Mensch sich soweit bewußt wird, daß er sich seines Verstandes bedienen kann. Dann, möchte ich sagen, schafft dieser Verstand eine ephemere Weisheit nach jener Weisheit, die den Menschen zuerst aus innersten Weltenkräften heraus gebildet hat. Aber wir müssen uns auch klar sein, daß, wenn wir, ich möchte sagen, in der Oberschicht unseres Wesens den menschlichen intellektuellen Verstand ausbilden, in den Unterschichten unserer menschlichen Wesenheit fortwaltet dasjenige, was in der Kindheit weisheitsvoll als ein wundervoller Plastiker unseren Organismus ausgestaltet. Dasjenige, was da so zugrunde liegt als ein System, als ein Organismus von Kräften, das überschaut in einem einheitlichen Tableau die imaginative Erkenntnis. Diese imaginative Erkenntnis also hat nicht vor sich abstrakte Erinnerungsbilder, von denen man nicht sagen kann, ob sie sich erhalten, wenn der Organismus in seine Elemente zerfällt, weil sie an diesen Organismus gebunden sind, sondern diese imaginative Erkenntnis hat dasjenige System von Kräften vor sich, das diesen Organismus aufbaut, also nicht an ihn gebunden ist, das so wenig wie die schaffende geniale Kraft des Bildhauers etwa gebunden ist an den Stoff. Damit der Stoff werden kann, was er wird, muß erst die bildende Kraft des Bildhauers darüber kommen. Damit der Mensch werden könne als physischer Organismus, was er ist im Erdendasein, müssen diese durchaus außerphysischen, übersinnlichen Kräfte als eine hinter dem physischen Dasein des Menschen waltende geistig-seelische Organisation zugrunde liegen.

[ 4 ] Das ist das erste, was wir uns aneignen als eine Anschauung, wenn wir zur imaginativen Erkenntnis aufsteigen.

[ 5 ] Aber in demselben Momente, wo wir in der Lage sind, also dasjenige, was als ein Geistig-Seelisches während unseres Erdendaseins in uns wirkt, was nicht nur unabhängig ist von dem physischen Organismus, sondern diesen physischen Organismus selber erst in seiner Gestaltung bewirkt, in demselben Momente, wo wir uns dazu aufschwinsen, werden wir auch fähig, von unserem Erdendasein ebenso abzusehen — wenn ich mich eines logischen Ausdruckes bediene —, von ihm zu abstrahieren, wie wir abstrahieren können von einem Gedanken im physischen Leben. Wir müssen uns durch diejenigen Meditationsübungen, von denen ich oftmals zu Ihnen gesprochen habe, diese Kraft erringen, nicht nur von einem Gedanken absehen zu können, nicht nur einen Gedanken unterdrücken zu können, sondern das, was wir uns erst kräftiglich erworben haben in Anschauung des Geistig-Seelischen im physischen Erdendasein, dieses kraftvolle Gedankentableau tilgen zu können in unserem Bewußtsein. Dann aber, wenn wir also in der Lage sind, ich möchte sagen, in einer erkennenden Selbstlosigkeit, in einem erkennenden Altruismus austilgen zu können auch aus unserer inneren Anschauung das, was wir geistig-seelisch während des Erdenlebens sind, dann tritt vor unserem Bewußtsein erst unser wahrhaft geistig-seelisches Ewiges auf, dann tritt vor unserem Bewußtsein auf als ein konkretes geistig-seelisches Wesen dasjenige, was wir waren, bevor wir aus geistig-seelischen Welten heruntergestiegen sind in das physische Erdendasein. Wir lernen uns anschauen als geistig-seelische Menschenwesenheit im vorirdischen Dasein. Und wir lernen nicht nur in allgemeinen abstrakten Ausdrücken über dieses vorirdische Dasein sprechen, sondern wir lernen es anschauen in seiner Entwickelung, und einiges von dieser Entwickelung habe ich Ihnen heute zu schildern.

[ 6 ] Sehen Sie, wenn wir hier im Erdenleben sind, da fühlen wir uns, wenn wir von uns sprechen, verbunden mit unserem physischen Leibe; in unserem Wachzustande fühlen wir uns mit diesem physischen Leibe verbunden. Es mag das Verbindungsgefühl mit dem physischen Leibe ein noch so dumpfes sein, es ist vorhanden, es zeigt sich ja insbesondere dann, wenn in diesem physischen Leibe krankhaft etwas nicht in Ordnung ist. Dann fühlen wir nicht nur den physischen Leib im allgemeinen in einer dumpfen Lebensempfindung, sondern auch nach seinen einzelnen Gliederungen. Wir fühlen unter Umständen unsere Lunge, unseren Magen, unser Herz, unsere Kopforgane. Im gewöhnlichen Leben ist das eben alles eingetaucht in eine dumpfe Lebensempfindung; allein, der Mensch hat, wenn er nicht sein ganzes Leben hindurch ausschließlich gesund ist, einmal auch immer Gelegenheit, zu erfühlen seine einzelnen Organe. Kurz, der Mensch fühlt sich während seines tagwachenden Bewußtseins zwischen Geburt und Tod im Erdenleben, indem er sich in seinem Wesen empfindet, zusammengehörig mit seinem physischen Leibe, mit alledem, was innerhalb seiner Haut eingeschlossen ist. In dem Augenblick aber, wo der Mensch nicht mit seinem physischen Erdenleben verbunden ist, in jenen Zeiten, in denen er ein geistig-seelisches Dasein vor dem Betreten seines physischen Erdendaseins hat, fühlt er nicht als sein Innerliches selbstverständlich dasjenige, was sein physischer Leib oder dessen Glieder sind, aber er hat auch dann ein Innerliches. Ich mußte es Ihnen schon andeuten, wie die Seele innerlich Bilder erlebt zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, wenn ihr diese Bilder auch nicht bewußt werden. Aber in jenem Zustande, in dem die Seele war, bevor sie aus dem geistig-seelischen Dasein heruntergestiegen ist in das physische Erdendasein, da hatte sie das Bewußtsein einer anderen Innerlichkeit. Dieses Bewußtsein einer anderen Innerlichkeit ist nur verdeckt, nur verhüllt dadurch, daß in unserem physischen Erdendasein unser physischer Leib auch Erkenntnisorgan wird. Und er verdunkelt das Hereinschauen der Seele, das nur vorhanden ist, wenn die Seele körperfrei ist. Aber das, was dann die Seele als ihre Innerlichkeit erlebt, ist jetzt eben nicht dasjenige, was innerhalb der Haut des physischen Leibes eingeschlossen ist, sondern es ist dasjenige, was die Organisation des Kosmos ist. Und so wahr der Mensch hier in diesem physischen Erdendasein als Erdenmensch verbunden ist mit seiner Lunge, mit seinem Magen, mit seinem Herzen, mit seinen übrigen Leibesorganen, so ist er im übersinnlichen Dasein verbunden mit dem, was sonst als die äußere Welt des Kosmos unseren Augen, unseren übrigen Sinnesorganen erscheint. Was im Erdendasein für uns Außenwelt ist, das ist für uns Innenwelt, wenn wir im außerirdischen Dasein vorhanden sind. Und wir schauen auf das Erdendasein wie auf eine Außenwelt herab aus dem übersinnlichen Dasein, das wir verbringen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und wie wir hier, ich möchte sagen, eingefleischt sind in unsere Lunge, in unser Herz und so weiter, so sind wir eingekörpert, bevor wir herabsteigen zum physischen Erdenleben, in dasjenige, was uns im äußeren Abglanz erscheint in den Planetenbewegungen, in den Konstellationen der Fixsterne, als Kräfte, die eben den Kosmos durchwallen und durchweben. Dasjenige, was kosmische Außenwelt ist während unseres Erdendaseins, ist unsere Innenwelt, wenn wir im außerirdischen Dasein sind.

[ 7 ] Es darf Sie der Gedanke nicht beirren, daß ja die äußere Welt für die Erdenmenschen, die verschiedene Körper haben, eine einzige ist; das ist ja gerade das Bedeutungsvolle, daß wir eine gemeinsame Welt haben, wenn wir im außerirdischen Dasein sind, daß dieselbe Welt, die der eine Mensch hat, die ist, die auch der andere Mensch hat, und daß die Menschen, die sich hier im Erdendasein räumlich auseinanderhalten dadurch, daß jeder in seiner Haut eingeschlossen ist, sich dann auseinanderhalten durch die innere Kraft der Seele. Auch im außerirdischen Dasein ist jeder eine Individualität; aber er ist nicht von den anderen Individualitäten getrennt durch den Raum, sondern durch die innere Kraft seiner Seele, durch die zusammenhaltenden Kräfte in seinem Inneren. Aber in diese zusammenhaltenden Kräfte fließt ein dasjenige, was geistig entspricht dem Weltenall, was uns im physischen Abbild der Sonne, des Mondes, der Planeten, der Fixsterne erscheint.

[ 8 ] So wie wir hier im Erdenleben einem Menschen gegenüberstehen mit den äußeren Sinnen, nur die Form seines Gesichtes, den Glanz seiner Augen, die Bewegungen seiner Glieder sehen, wie wir uns aber bewußt werden dadurch, daß wir selber geistig-seelische Wesen sind, daß in diesen Gestaltungen seines Antlitzes, in dem Glanz seiner Augen, in dem Inkarnat seiner Haut, in den Bewegungen seiner Glieder sich ein Geistig-Seelisches auslebt, so erkennt derjenige, der die Welt geistig-seelisch anzuschauen vermag, daß es nicht wahr ist, wenn man behauptet, Sonne und Mond, Fixsterne und Planeten und die Bewegungen der Planeten seien nur dasjenige, was uns unsere heutige physische Astronomie schildert. Diese Schilderung gleicht eigentlich derjenigen, die jemand geben wollte, der nur die äußeren Ortsveränderungen eines Muskels unseres Antlitzes, der nur die Bewegung der Augenwimpern schildern wollte, und nicht sehen wollte in den Ortsveränderungen der Antlitzmuskeln, in dieser Bewegung der Augenlider den Ausdruck eines Geistig-Seelischen. Derjenige, der die Welt geistig-seelisch anzuschauen vermag, der sieht in den Erscheinungen des Mondes, der Sonne genauso den physiognomischen Ausdruck eines kosmisch Geistig-Seelischen, wie wir in einem Menschenantlitz den Ausdruck eines Geistig-Seelischen sehen. In den Bewegungen der Planeten schaut er Äußerungen geistig-seelischer Geschehnisse, wie man sieht in den Bewegungen der Gliedmaßen der Menschen die Offenbarungen geistig-seelischer Impulse. Und in diesen geistig-seelischen Hintergründen desjenigen, was uns im physischen Abbilde der äußeren physischen Sonne, des äußeren physischen Mondes, der Sterne und ihrer Bewegungen erscheint, in diesem Geistig-Seelischen, das im Kosmos entspricht dem Geistig-Seelischen des einzelnen Menschen, lebt der Mensch, wenn er ein übersinnliches Wesen ist, bevor er hinuntergestiegen ist in das Erdendasein. Und so wie ich hier als Erdenmensch sagen kann: In mir lebt Lunge und Herz —, so kann ich als überirdischer Mensch, bevor ich heruntergestiegen bin in das sinnlich-physische Dasein, um meinen physischen Leib zu konstituieren, sagen: In mir lebt Mond und Sonne —, wobei ich mir allerdings bewußt sein muß, daß ich nicht den sinnlichen Erdenabglanz von Sonne und Mond meine, sondern dasjenige, was ihnen als Geistig-Seelisches zugrunde liegt. Die ganze göttlich-geistige Welt durchwebt und durchlebt mich, indem ich in einem überirdischen Menschendasein bin. Wenn man dieses durchschaut, bekommt man erst jene tiefe Ehrfurcht vor allem wirklichen Weltendasein, in das der Mensch hineinverwoben worden ist. Denn man durchschaut nunmehr die wunderbaren Zusammenhänge, die da bestehen zwischen dem Menschen und dem Weltenall. Man lernt hinschauen auf den Menschen, wie er dasteht in seinem physischen Erdendasein, und man lernt sich sagen: In dem, was da innerhalb der Hautwände eingeschlossen ist, lebt nicht nur das, was du mit deinen physischen Augen siehst, was der Anatom nach dem Tode auf dem Seziertisch anschauen und enträtseln kann, sondern es lebt darinnen das Endziel der ganzen kosmischen Tätigkeit. — Das wunderbare Wort uralter religiöser Zeiten, daß der Mensch ein Abbild des Gottes selber ist, gewinnt eine neue Bedeutung von unendlicher Innigkeit. Und inspirierte Erkenntnis lehrt uns hinschauen auf dasjenige, was der Mensch nun eigentlich erlebt im Zusammenhange mit den geistig-göttlichen Mächten, die dem Kosmos zugrunde liegen, in seinem vorirdischen Dasein.

[ 9 ] Wir sprechen, wenn wir bloß das irdische Menschenleben überschauen, wissenschaftlich zuerst von dem Menschenkeim, der sich aus dem Leibe der Mutter herausentwickelt zu der physischen Menschengestalt des heranwachsenden Kindes. Wir sprechen selbstverständlich den Keim als etwas Kleines an, das sich allmählich vergrößert. In einer Art Keim lebt der Mensch in seinem vorirdischen Dasein, nur ist dieser Keim das Erleben des ganzen geistig-seelischen Kosmos. Der Mensch ist gewissermaßen eins geworden mit dem geistig-seelischen Kosmos, die göttlich-geistigen Kräfte leben in ihm, sie wesen und weben in ihm, sie durchdringen ihn und sie gestalten in ihm den großen Geistkeim aus, der die Kräfte in sich enthält, die durch das geistige Dasein durchgehen müssen bis zur Geburt beziehungsweise Empfängnis, damit sie dann wiederum auftauchen, wenn der Mensch im Erdenleben als der innere Plastiker seinen physischen Organismus auszugestalten hat. Die Wunderbildung dieses physischen Organismus wird dadurch klar; denn dieser physische Organismus ist die Zielbildung desjenigen, was in unermeßlich großartiger Weise geistig-seelisch anschauend, sich seiner voll bewußt, der Mensch als den kosmischen Keim seines inneren Lebens erlebt. Den physischen Menschenkeim bekommt der Mensch aus der physischen Welt; den geistigen Keim bekommt der Mensch aus der geistigen Welt heraus. Und wir sind gewissermaßen in einer gewissen Zeit, bevor wir heruntergestiegen sind zum physischen Erdendasein, ein in die ganze Welt ergossener, riesiger geistig-seelischer Menschenkeim, der sich dann vereinigt mit dem physischen Menschenkeim, der uns hier empfängt, wenn wir ins Erdendasein heruntersteigen.

[ 10 ] Wir schauen auf unser kosmisches Dasein hin, wenn wir durch die inspirierte Erkenntnis in das vorirdische Dasein erkennend hinblicken. Wie wir uns hier mit unserem Organismus eins wissen, wissen wir uns durch dieses Hinschauen eins mit der ganzen Welt. Hier, in dieser Welt, schaut der Mensch hin auf die äußeren Offenbarungen des Geistigen in der Natur, im Menschendasein; er ahnt hinter diesen sinnlich-physischen Offenbarungen das Göttlich-Geistige. Im vorirdischen Dasein ist er durchdrungen, durchwallt und durchwebt von diesem göttlich-geistigen Dasein, und dieses göttlich-geistige Dasein lebt sich in ihm so aus, daß es in ihn hereinpflanzt jene Kräfte, die hintendieren nach dem physischen Erdendasein. Wie wir hier unsere Augen hinaufrichten zum wunderbaren Sternenhimmel, so richten wir vom außerirdischen Dasein unsere Augen hin auf den Wunderbau des physischen Menschen, wie er hier im Erdendasein lebt. Ich möchte sagen, wir schauen von der Erde zum Himmel in unserem physischen Erdendasein, wir schauen aber von dem Himmel zur Erde in unserem vorirdischen Dasein. Da wird die Erde uns verständlich als das Götterwerk, als das sie eigentlich in unserer Seele leben sollte. Und alles das ist unmittelbares Erleben zunächst im vorirdischen Dasein.

[ 11 ] Aber es tritt zu einer gewissen Zeit, nachdem wir dieses vorirdische Dasein durchgemacht haben, etwas ein wie eine Art Zurückziehen der göttlich-geistigen Wesenheiten von uns Menschen. Wir haben noch nicht eine Natur um uns, wit haben ja auch in diesem geistig-seelischen Dasein noch keine physischen Augen, noch keine physischen Organe, könnten also eine Natur noch gar nicht schauen. Wir haben um uns etwas, was nur wie ein Hereinscheinen des Göttlich-Geistigen ist. Das ist der große Umschwung im vorirdischen Dasein, daß wir zuerst erleben ein unmittelbares Darinnenstehen, Durchdrungensein von und mit dem göttlich-geistigen Dasein, daß aber dann ein Zeitpunkt eintritt, wo wir mit unserem Geistauge hinschauen auf die Geistwelt, die uns umgibt, die zwar noch immer eine Geistwelt ist, aber wir müssen uns sagen: vorher haben wir mit den göttlich-geistigen Wesenheiten gelebt, jetzt zeigen sie sich uns durch ihre Taten, jetzt ist ihre Erscheinung da. Es ist eine geistig-seelische Erscheinung, die wir nicht erst im Erdenleben haben, es ist aber nur eine Offenbarung dessen, was wir früher selbst erlebt haben. Wir treten aus der Sphäre des Erlebens in die Sphäre der Offenbarung ein. Und in demselben Maße, als wir aus dem Erleben in die Offenbarung eintreten, indem wir uns sagen müssen: Die göttlich-geistigen Wesen haben sich von uns Menschen für das unmittelbare Erleben zurückgezogen, wir können sie jetzt nur mehr anschauen, sie sind gewiß für uns Menschen da, aber nur für unsere geistig-seelische Anschauung —, in demselben Augenblicke erwacht in unserem geistig-seelischen vorirdischen Dasein dasjenige, was ich vergleichen kann mit dem, was in unserem physischen Organismus lebt als ein Begehren. Der Mensch wird innerlich durchdrungen von einem Begehren in dem Maße, als die Welt vorirdisch Offenbarung wird. Er fühlt sich eigentlich jetzt erst als ein Selbst, das abgesondert ist von der übrigen Welt. Wir gehen weg von einem Erleben, das zugleich ein Welterleben ist und ein Erleben des eigenen Menschenwesens. Wir sind ja eine Zeitlang, zwischen Tod und einer neuen Geburt, nicht nur Menschenwesen, wir sind Weltenwesen. Weltenbewußtsein und Menschheitsbewußtsein fallen in eines zusammen. Da kommt der Zeitpunkt, wo das Weltenbewußtsein und das Menschheitsbewußtsein auseinandertreten, wo die Welt nicht mehr von uns erlebt wird, sondern sich nur offenbart, wo ein von der Welt abgesondertes Inneres in uns auftritt. Früher war unser Inneres eins mit der Welt; jetzt tritt ein von der Welt abgesondertes Inneres auf, und das kündigt sich zuerst als ein inneres Begehren, als ein Wünschen, ein Wollen an. Ein Wünschen, ein Wollen, ein Begehren zielt immer auf etwas. Dieses Wünschen und dieses Wollen und dieses Begehren zielt auf unser künftiges Erdenleben, zu dem wir nach einiger Zeit heruntersteigen werden. Wir werden erfüllt von den Anschauungen unseres künftigen Erdenlebens, und wir nehmen damit jene Kräfte auf, die dann unbewußt werden, wenn wir durch das Embryonalleben auf Erden hindurchgehen. Wir haben sie da bewußt; aber das Bewußtsein wird immer mehr und mehr abgedämpft, und es tritt allerdings ein Zeitpunkt ein, wo das Begehren stark wird, und wo selbst die Offenbarung der göttlich-geistigen Welt, in der wir vorher webend und lebend waren, immer mehr und mehr abgedunkelt wird, wo wir als geistig-seelische Wesen im vorirdischen Dasein so empfinden müssen, daß wir uns sagen müssen: Immer schattenhafter und schattenhafter wird die Geistwelt um uns herum. Das, was früher noch hell erglänzt ist als göttliche Offenbarung, es wird immer schattenhafter und schattenhafter. In dem Maße, in dem das Äußere immer schattenhafter wird, werden die inneren Begehrungskräfie vehementer, die Außenwelt verdunkelt sich uns innerhalb unseres Geistdaseins, die Innenwelt wird kraftvoller, aber nach einiger Zeit nimmt uns diese kraftvolle Innenwelt völlig das Bewußtsein des künftigen Erdenlebens. Für eine Zeit, die der irdischen Empfängnis nicht lange vorausgeht, verdunkelt sich der Hinblick auf das irdische Dasein. Wir haben vorher hingeschaut auf dieses irdische Dasein; es war gewissermaßen die Zielerscheinung, jenes großartige, mächtige Weltentableau, in dem wir gelebt haben. Jetzt entfällt uns der Hinblick auf die Erde, dafür aber geht uns ein anderer Anblick auf. Es ist nicht lange bevor wir heruntersteigen zur Erde, da aber gerade, wenn wir heruntersteigen, entfällt uns der Hinblick auf die Erde und auf geht uns der Blick in die Ätherwelt. Das, was Äthererscheinungen sind, die das Licht bergen, die die Lebenskräfte bergen, das, was im Raume ausgebreitet ist, aber nicht zentral von der Erde in den Raum hinauf, sondern wie von der Peripherie der Welt auf die Erde hereinwirkt, herein sich ergießt, das Ätherische, das wird uns anschaulich. Wie in einem großen, die verschiedensten Gestaltungen in sich aufweisenden Weltennebel wird eine ätherische Welt geistig um uns herum sichtbar, und aus dieser ätherischen Welt können wir mit jener Kraft, die uns geblieben ist, mit der Kraft des Begehrungsvermögens, dem allgemeinen ätherischen Weltennebel entnehmen unseren eigenen Ätherleib, können ihn formen, und indem wir unseren eigenen Ätherleib formen, bilden wir mit diesem Ätherleib ein Abbild desjenigen, was wir früher waren in der geistig-seelischen Welt, gliedern diesen Ätherleib ein dem, was uns aus der Vererbungsentwickelung, was uns durch unsere Vorfahren an physischer Substantialität entgegengebracht wird, und wir steigen zum Erdendasein herab.

[ 12 ] Ich konnte Ihnen nur skizzenhaft dasjenige schildern, was sich ergibt für die imaginative und inspirierte Erkenntnis, wenn der Mensch sein Bewußtsein erweitert über das gewöhnliche Erdenbewußtsein hinaus. Indem der Mensch im Laufe der irdischen Entwickelung vorgeschritten ist zu dem Bewußtsein, das er heute hat, das in engsten Sinne an die physische Körperlichkeit gebunden ist, hat er ein ursprüngliches Bewußtsein verloren. Auf das habe ich ja auch schon öfters hingewiesen. Ich habe darauf hingewiesen, wie uns die Geschichte eigentlich nur die Außerlichkeiten des irdischen Lebens der Menschheit schildert, wie wir eine Seelengeschichte brauchen, wie diese Seelengeschichte uns aufzeigt, daß die Menschen nicht immer eine solche Bewußtseinsverfassung gehabt haben wie heute, wo sie nur mit ihrem Verstande das kombinieren können, was die sinnlichen Organe wahrnehmen, und wo sie nur heraufholen können das, was aus der physischen Körperlichkeit zum Bewußtsein heraufsteigt. Je weiter wir in ältere Zeiten der Menschheit zurückgehen, desto mehr sehen wir, wie die Menschen eine Art ursprüngliches, wenn auch traumhaftes Hellsehen gehabt haben. Das, was der Mensch sich heute erwirbt in der imaginativen, in der inspirierten Erkenntnis, ist ein vollbewußtes Erkennen, ich möchte sagen, so vollbewußt wie das mathematische Erkennen; ein dumpfes, traumhaftes Hellsehen, das aber nicht weniger weisheitsdurchtränkt war, hatten die Menschen einer früheren Zeit. Diese Menschen einer früheren Zeit empfanden nicht nur das, was der heutige Mensch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein erlebt, wenn er in sich hineinschaut, sondern sie empfanden schauend etwas von dem, was ich Ihnen jetzt geschildert habe. Gehen wir noch zurück selbst in die ältesten ägyptischen Zeiten, in noch ältere Zeiten zurück, von denen keine Dokumente der äußeren Geschichte, sondern nur eine solche Geschichte wie ich sie in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe, Kunde gibt, dann finden wir Menschen, die sich nicht erwerben mußten durch solche Übungen, wie ich sie Ihnen oftmals geschildert habe, das Anschauen des vorirdischen Daseins, sondern die von diesem vorirdischen Dasein so sprechen konnten, weil in ihren Seelen von diesem vorirdischen Dasein im Erdendasein etwas lebte wie eine Erinnerung. Der heutige Erdenmensch hat sich seine Freiheit erkauft dadurch, daß er nur eine Erinnerung in abstrakten Gedanken haben kann an die Ereignisse, an die Erlebnisse, die ihm während seines Erdendaseins begegnen. Die Menschheit in früheren Urzeiten hatte nicht nur solche Erinnerungen in der Seele leben, sondern indem sie hineinblickte in dieses Seelische, holte sie außer diesen Erinnerungen an dieses physische Leben hervor aus dem Seelischen Bilder von dem, was ich Ihnen jetzt erzählt habe. So wie man sich heute im gewöhnlichen Bewußtsein erinnert an das, was man vor zwanzig, dreißig Jahren auf der Erde erlebte, so hat sich in gewissem Sinne erinnert ein Mensch älterer Epochen an dasjenige, was er im vorirdischen Dasein erlebt hat und was ich Ihnen heute aus der Geisteswissenschaft heraus geschildert habe. Aber indem der Mensch ebenso sicher war dieses vorirdischen Daseins, wie der heutige Mensch durch seine Erinnerung sicher ist, daß er nicht heute morgen geboren ist, sondern vor heute morgen schon da war, so wußte der Mensch älterer Epochen von seinem vorirdischen Dasein durch das, was er in seiner Seele erlebte. Aber daraus entsprang ihm auch die Gewißheit, daß das, was er als solches erlebte, schon da ist in einer geistig-seelischen Welt, bevor er heruntergestiegen ist zum physischen Erdendasein, daß das durch die Pforte des Todes geht und nicht abhängig ist vom physischen Organismus, daß gerade so, wie es aufbaut den physischen Organismus für das Erdendasein, es sein weiteres Dasein findet, wenn die Pforte des Todes durchschritten ist.

[ 13 ] Aber, was geht da hinaus aus dem physischen Erdendasein? Das, was wir hier im physischen Erdendasein als Gedanken erleben, ist schon auch an den physischen Organismus gebunden; allein das, was als Wille in einer so wunderbaren Weise heraufquillt aus dem Menschen, daß er eigentlich auch seine Willenserscheinungen nur in Gedanken, nur in Vorstellungen erfassen kann und nur sagen kann: Ich will meine Hand oder meinen Arm erheben —, aber nicht weiß, was zwischen diesen Gedanken und zwischen der wirklichen Armerhebung vorgeht, dieses ganze Wunder, das dazwischen liegt, das Anspannen des Muskels, das alles ist ja im Unbewußten gelegen wie die Ereignisse des Schlaflebens selber für die Seele; dasjenige, was da als Wille heraufkommt, bleibt zum großen Teile unbewußt, das heißt, es spiegelt sich nur im Gedankenleben. Wer aber mit inspirierter und intuitiver Erkenntnis hinunterschaut in dieses Willensleben, der macht innerhalb desselben gewaltige Entdeckungen. Hier im physischen Erdendasein, das wir nur äußerlich anschauen, verrichten wir unsere Handlungen, und eine materialistische Zeit konnte sogar glauben, daß diese Handlungen erschöpft seien im physischen Erdendasein, daß sie keine weitere Bedeutung haben.

[ 14 ] Aber derjenige, der in die wahre Willensnatur des Menschen, die dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unbewußt bleibt, hinunterschaut, der sieht da, wie sich nicht aus dem Denken heraus, aber aus dem Wollen heraus in demselben Maße, in dem der Mensch im physischen Erdendasein fortschreitet, etwas bildet, was sich zusammensetzt aus der Bewertung seiner Handlungen. Im physischen Erdendasein sagen wir: eine Handlung ist gut, eine Handlung ist böse, wir sind zufrieden oder unzufrieden mit irgendeiner Tat. Wir können vielleicht glauben, das sei nur ein abstraktes Urteil, das wir zu der Tat hinzufügen. Schauen wir mit unserer wirklich wahren Inspiration und Intuition in die Willenswesenheit des Menschen hinein, dann sehen wir, wie sich da webt aus dem, was hier nur Gedanke ist, ein wirkliches Wesen, wie das Urteil: Ich kann zufrieden sein mit einer Handlung —, oder: Ich muß unzufrieden sein —, innerlich willensgemäß zu einer Tatsache wird, wie ein ganzes Wesen sich in den Tiefen unserer Menschennatur zusammenwebt, ein Wesen, das, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein Antlitz hat, je nachdem unsere Handlungen hier im Erdendasein waren. Haben wir schlechte Handlungen verrichtet, bei denen wir bei vollständigen Menschenbewußtsein nicht zufrieden sein können, so entwickelt sich in unserem Inneren ein Wesen mit einem häßlichen Gesichte; haben wir Handlungen verrichtet, mit denen wir zufrieden sein können, so entwickelt sich ein Wesen mit einem sympathischen Gesichte. Tatsächlich, die Bewertung unserer Handlungen wird ein inneres Wesen in uns, und in demselben Maße, in dem immer mehr und mehr unsere Gedanken vom physischen Organismus abhängig werden — beim Kinde waren sie es noch nicht, da haben sie gearbeitet an der physischen Organisation, dann werden sie abstrakt —, in demselben Maße, in dem, ich möchte sagen, unsere Gedanken in unserem physischen Organismus ein Leichnam werden, denn sie leben ja nicht, sie sind tote Gedanken, in demselben Maße regt sich da unten die moralische Wesenheit des Menschen, die er aber selber während seines Lebens ausbildet. Diese moralische Wesenheit ist da, und diese moralische Wesenheit vereinigt sich mit seiner Ich-Wesenheit, und diese moralische Wesenheit trägt er nun durch die Todespforte hinaus in die geistige Welt. Indem der Mensch durch die Todespforte in die geistige Welt hinaustritt, hat er zunächst — Sie können das geschildert finden in meinem Buche «Theosophie» — seinen physischen Leib abgelegt, er ist in seinem ätherischen Leibe; da hat er noch ein Bewußtsein von seinen irdischen Taten. Aber dieses Bewußtsein beginnt durchsetzt zu werden von einem kosmischen Weltenbewußtsein. Das, was der Ätherleib ist, löst sich auf im allgemeinen Weltenäther; geradeso wie man es vor der Geburt zusammengezogen hart, löst es sich jetzt auf im Weltenäther. Der Mensch lebt mit dem, was Sie in meiner «Theosophie» genannt finden den astralischen Leib, mit dem lebt er sich in den Kosmos allmählich wieder ein, aber er lebt noch zusammen mit seinem neugebildeten moralisch-geistigen Organismus; den trägt er hinaus zunächst, mit dem lebt er sich hinaus.

[ 15 ] Und jetzt entsteht für ihn eine Aufgabe, die zusammenhängt mit dem, was ich Ihnen schon das letzte Mal, als ich hier zu Ihnen gesprochen habe, gesagt habe für das Schlafesleben des Menschen: ich habe Ihnen dargestellt, wie der Mensch während des Schlafes die Kraft hat, um wieder hereinzukommen in den physischen Organismus, daß er diese Kraft hat durch dasjenige, was man als Mondenkräfte bezeichnen kann. Die Mondenkräfte sind das, was den Menschen in das physische Erdendasein — sogar an jedem Morgen — zurückbringt. Innerhalb dieser Sphäre der Mondenkräfte befindet sich der Mensch zunächst, wenn er seinen physischen und Ätherleib abgelegt hat. Aber innerhalb dieser Mondenkräfte kann er nicht das umfassende Weltenbewußtsein, das ich Ihnen vorhin geschildert habe, bekommen, sondern da hat der Mensch noch etwas, was ihn mit der Erde verbindet durch diesen moralischen Erdenorganismus. Er muß sich den Mondenkräften entreißen, er muß zurücklassen in der Mondensphäre das, was er sich da selber gewoben hat aus seiner moralischen Handlungsweise, aus alledem, was er als moralische oder unmoralische Handlung vollbracht hat, er muß das zurücklassen in der Mondensphäre und muß eindringen in die Sonnensphäre, in die Sternenwelt. Jetzt muß er nicht nur in das Abbild eindringen, wie ich es für den Schlafzustand geschildert habe, sondern in die wirklich reale Sonnen- und Sternenwelt, er muß sich entreißen der Mondensphäre.

[ 16 ] Auch davon hat das hellseherische Bewußtsein der Urmenschheit ein Erlebnis gehabt, konnte sprechen von diesen Dingen, die sich heute der Mensch nur erringen kann, wenn er seine geistig-seelischen Kräfte ausbildet. Es konnte die Urmenschheit davon sprechen durch die natürlichen elementaren Kräfte, die ihr eingepflanzt waren. Aber diese Urmenschheit war zu gleicher Zeit immer geleitet, so wie man heute geleitet ist von der Wissenschaft, wie man geleitet ist von den verschiedenen Unterrichtsanstalten — solche gab es ja nicht in älteren Zeiten —, diese Menschheit war in älteren Zeiten geleitet von dem, was von den Mysterien ausging. Das, was der Mensch schauen konnte vom vorirdischen und nachirdischen Dasein, das wurde gewissermaßen orientiert von dem, was durch ihre höhere Erkenntnis die Eingeweihten der Mysterien wußten. Und da erfuhren die Angehörigen der Urmenschheit das, was bei einigen, die im damaligen Sinne wissend waren, inneres Erlebnis wurde, daß der Mensch sich nicht entringen kann durch eigene Kraft nach dem Tode der Mondensphäre, daß ihm entgegenkommen muß ein geistiges Wesen aus dem Kosmos, dessen äußerer physischer Abglanz die Sonne ist. Das muß ihm entgegenkommen, das muß ihn der Mondensphäre entreißen. Er muß zurücklassen das, was er als Schuld von der Erde mit sich trägt, er muß in die schuldfreie Sphäre des Kosmos hinaufgeführt werden durch das, was die alten Initiierten das hohe Sonnenwesen nannten, das in allen alten Mysterien eine wunderbare Beschreibung fand. Du brauchst, so sagte man dazumal zum Menschen, die Kraft, die dir aus den Himmeln entgegenkommt. — Aber der Mensch war dazumal anders organisiert — ich habe es auch schon heute angedeutet, wie anders damals der Mensch organisiert war —, er hatte hellseherische Kräfte in seinem Inneren, er wußte auf der Erde, daß es eine übersinnliche Welt gibt, aus innerer Anschauung. Er hatte eigentlich gar keine richtige Todesfurcht; denn, was war denn der Tod? Ein Erlebnis im Leben; er sah, daß in seinem Inneren etwas unabhängig war vom Tode. Er hatte das, was unabhängig war in seinem Körper, und weil er das in dem Körper hatte, konnte er sehen, wie ihm das Sonnenwesen entgegenkam, er konnte die Hilfe annehmen nach dem Tode.

[ 17 ] Aber darinnen besteht der irdische Fortschritt der Menschen, daß die Menschen verloren haben auf natürlichem Wege die Anschauung ihres Ewigen. Die Menschheit hat das intellektualistische Bewußtsein erlangt, das ganz an den physischen Leib gebunden ist, das abhängig ist von dem physischen Leib; je nachdem der physische Leib organisiert ist, haben wir das Erdenbewußtsein. Dieses Erdenbewußtsein, das verdunkelt uns die geistige Welt, auch bevor wir geboren sind und nachdem wir sterben. Für den heutigen Menschen ist es nicht so wie für den Urmenschen oder auch noch für den Menschen in der älteren ägyptischen Zeit, daß er ein gewisses Licht mitbringt durch die Todespforte durch und sich erhellen kann den Raum — wenn ich mich so ausdrücken darf; es ist nur bildlich gesprochen — der übersinnlichen Welt, und gewissermaßen entgegeneilen kann dem hohen Sonnenwesen, das kommt, um ihn aus der Mondensphäre hinauszuführen. Durch das, was er in sich hatte zwischen Geburt und Tod, konnte er erkennen dieses hohe Sonnenwesen.

[ 18 ] Sehen Sie, Sie brauchen sich an dem Ausdrucke nicht zu stoßen; die alten Eingeweihten hatten aus ihrer Wissenschaft heraus dieses Wesen das hohe Sonnenwesen zu nennen. Aber es kam eine Zeit in der Entwikkelung der Menschheit, wo die Menschheit verloren hätte die Möglichkeit, nach dem Tode in diejenigen Welten einzudringen, in die sie eindringen muß, wenn sie sich nicht selbst verlieren will. Auf der anderen Seite mußte die Menschheit auf der Erde zu jenem Bewußtsein vordringen, in dem man einzig und allein die Freiheit sich erwerben kann als Mensch. Dadurch wäre für die Menschheit ein schrecklicher Zustand eingetreten zu einer gewissen Zeit. Der schreckliche Zustand, der für die Menschheit eingetreten wäre, der wäre der gewesen, daß die Menschen abgeschnürt worden wären von der übersinnlichen Welt, daß sie gerade durch die Vollkommenheit, die sie hier auf Erden erlangen, die sie prädestiniert zur Freiheit, verlustig geworden wären der übersinnlichen Welt, weil sie nicht mehr den Anschluß an jenes geistige Wesen finden können, das sie entreißt demjenigen, was sie mit der Erde zusammenhält für das Leben nach dem Tode.

[ 19 ] Und was ist da zum weiteren wirklichen Fortschritt der Menschheit gekommen? Da konnte nicht eine äußere abstrakte Erkenntnis, nicht eine Theorie helfen. Helfen konnte nur, daß jenes Wesen, das früher nur in übersinnlichen Welten gelebt hatte und den Menschen entgegenkam, wenn sie zwischen Tod und Geburt im Übersinnlichen waren, helfen konnte nur, wenn das Wesen auf die Erde herunterstieg, so daß der Erdenmensch schon auf der Erde mit ihm eine Verbindung haben kann. Und der Herunterstieg ist das Ereignis von Golgatha. Die Christus-Wesenheit ist heruntergestiegen und hat in dem Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen.

[ 20 ] Der Mensch gewinnt innerhalb des Erdendaseins Zusammenhang mit dem Christus Jesus. Dasjenige, was er in dem Hinschauen zu dem Christus Jesus, was er in dem Mitempfinden,, Mitleiden mit dem Mysterium von Golgatha zu seinem Erdenbewußtsein hinzufügt, was er so in sein Erdenbewußtsein hineinflößt, indem er sich nicht nur ein Ich nennt, das frei sein kann, sondern indem er das Pauluswort erfüllt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», konnte er dieses Wort zur Wahrheit hier im Erdenleben machen, indem er sein Ich, das er hier erlangt, das ihn aber zugleich abschnüren würde von der übersinnlichen Welt, indem er dieses Erdenbewußtsein verbindet mit demjenigen, was durch das Opfer eingetreten ist in das Erdendasein durch das ChristusWesen: das trägt sich der Mensch durch den Tod hindurch. Die Fähigkeit, die ihm früher nur dadurch geworden ist, daß er elementare Kräfte in sich gehabt hat: seit dem Mysterium von Golgatha ist es die Verbindung des Erdenmenschen in seinem Bewußtsein, in seinem Seelenleben mit dem Christus, mit dem Mysterium von Golgatha, das ihm sein Leben sichert, wenn er durch die Todespforte tritt. Denn dasjenige Bewußtsein, das man durch den physischen Leib erlangt, müßte man mit dem physischen Leib auch wiederum verlieren, man würde nicht finden den Weg durch die geistigen Welten. Findet man auf der Erde den Führer, das heißt den Christus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, und hat man seine geistigen Kräfte im Sinne des Pauluswortes: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», mit der Erdenmenschheit verbunden, dann findet man sich lebendig hindurch durch die Pforte des Todes. Daher kann das Pauluswort in vollem Ernste genommen werden: Und wäre der Christus nicht auf die Erde gekommen, das heißt, hätte er den Tod nicht überwunden, so hülfe den Menschen alles nicht in ihrem Glauben.

[ 21 ] Die alten Eingeweihten haben den Menschen gesagt: Ein überirdisches Wesen wird an euer Bewußtsein anknüpfen, das ihr hier von eurer ganzen Menschennatur habt, und wird euch hinausführen aus dem Mondendasein in das reine kosmische Weltendasein. — Die neueren Eingeweihten müssen den Menschen sagen: Blicket hin auf dasjenige, was durch den Christus im Mysterium von Golgatha geschehen ist, nehmt auf in euer Bewußtsein die Substantialität des Christus mit all ihrer Kraft! Die geht mit euch durch den Tod und führt euch entgegen denjenigen Welten, die ihr durchmachen müßt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. In der Mondensphäre werdet ihr zurücklassen eure moralische Wesenheit, allein sie wiederfinden, wenn ihr zurückkehrt in die Mondensphäre. Und in eurem Erdenschicksal wird das Abbild desjenigen, was ihr erst zurückgelassen habt und dann wiederfinden werdet in der Mondensphäre, erscheinen.

[ 22 ] Von dem, was ich Ihnen jetzt erzählen kann, weiß eigentlich die menschliche Wissenschaft durch die naturgemäße menschliche Wissenschaft erst durch jene Kräfte, welche der Menschheit gekommen sind im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Früher waren diese Kräfte mehr oder weniger in der Menschheit verdunkelt. Sie waren noch da, aber traumhaft aus den alten Zeiten, die ich Ihnen eben vorhin geschildert habe. In den ersten christlichen Jahrhunderten haben die Menschen nicht dasjenige gehabt, was wir heute erringen können durch Imagination, Inspiration und Intuition, aber sie haben ein natürliches, atavistisches Hellsehen gehabt, und es gab noch alte Eingeweihte zur Zeit des Mysteriums von Golgatha; die haben ihren Menschen, die zu ihnen Vertrauen gehabt haben, sagen können: Der Christus, der in derjenigen Welt war, an die ihr euch erinnert als an die Zeit eures vorirdischen Daseins, der Christus, der früher nur in außerirdischen Sphären war, der ist durch das Kreuz von Golgatha auf die Erde herabgestiegen. — Daher hat man in den ersten vier Jahrhunderten der christlichen Entwickelung auch des Abendlandes vor allen Dingen das Augenmerk auf den heruntergestiegenen Christus gerichtet. Überall finden Sie in den Schilderungen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte — die Literatur ist ja zum großen Teile vernichtet —, wie der Christus aus kosmischen Welten und aus geistigen Welten heruntergestiegen ist und im Leibe des Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen hat. Auf dieses Heruntersteigen, auf dieses Sich-Neigen zur Erde wurde damals der größte Wert gelegt. Als aber mit dem vierten nachchristlichen Jahrhundert die alten Eingeweihten anfingen auszusterben und die neue Einweihewissenschaft noch nicht da war, die erst kommen konnte mit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als diese alten Eingeweihten ausgestorben waren, da mußte man in die Dokumente hinein dasjenige verhärten, was früher ein unmittelbares Anschauen war. Man mußte es traditionell fortpflanzen; die Menschen mußten, um das Freiheitsbewußtsein zu erlangen, eine Zeitlang die alte Einweihewissenschaft vergessen. Daher kam es, daß, je mehr sich die Menschheit dem 19. Jahrhundert näherte, desto mehr war vergessen, wie das überirdische Christus-Wesen heruntergestiegen war in das Erdendasein und in dem Leibe des Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen hat. Man schaute zuletzt nur hin auf das historische Ereignis, und man verlor allmählich über dem Jesus den Christus, man verlernte über den Christus als die übersinnliche Wesenheit zu sprechen. Wir müssen heute wieder beginnen, über den Christus als übersinnliche Wesenheit zu sprechen, wir müssen verstehen, was es heißt, daß der Christus die menschliche Seele am Leben erhält; denn der Leib hat sich verändert im Laufe der Menschheitsentwickelung. Warum hatten die alten Menschen ein Hellsehen? Weil der Leib weicher und die Drüsen innerhalb des Menschenleibes noch regsamer waren. Gerade die Drüsentätigkeit hat sich einer Verhärtung genähert, und je mehr diese Verhärtung fortschreitet, je mehr der Menschenleib verhärtet, die Drüsentätigkeit eine zähere wird, wird dasjenige, was als verhärteter Menschenleib dienen kann für den Intellektualismus, der immer mehr und mehr ausgebildet wird, indem die Drüsentätigkeit im menschlichen Leib verhärtet, wird der Menschenleib selber als solcher für den Verstand außerordentlich brauchbar. Aber den Zusammenhang mit der geistigen Welt muß sich der Mensch um so mehr mit der Seele erwerben. Von alledem wußten noch die Eingeweihten in den ersten christlichen Jahrhunderten, sie drückten nur die Sachen aus mit einem Mut, mit dem heute nicht mehr gesprochen wird. Sie sagten, die Menschen wären physisch allmählich immer kränker und kränker geworden, wenn nicht der Christus gekommen wäre und sie von der Seele aus gesund gemacht hätte. Daher wurde der Christus in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht nur in unserer Abstraktion verehrt, sondern vor allen Dingen verehrt als der Heiler, als der große Weltenarzt, als der Heiland.

[ 23 ] Heute müssen diese Dinge erst wiederum alle errungen werden; sie können nur errungen werden, wenn der Mensch wiederum hineinschauen kann in die Geheimnisse von Geburt und Tod. Das Vermögen, das hineinschauen kann in diese Geheimnisse von Geburt und Tod, kann nur auf dem Wege der imaginativen, inspirierten und intuitiven Wissenschaft errungen werden. Wir müssen allmählich davon Kunde erhalten; denn derjenige, der davon Kunde erhält, erwirbt auch schon seelisch die Anschauung davon.

[ 24 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute vom Zusammenhang des Menschen mit jenen Welten, die er durch die Geburt verläßt und mit dem Tode wieder betritt, zu sagen hatte.