Spiritual Connections
in the Structure of the Human Organism
GA 218
9 December 1922, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Spiritual Connections in the Makeup of the Human Organism, tr. SOL
17. Der Mensch und die übersinnlichen Welten Hören, Sprechen, Singen, Gehen, Denken
16. Man and the Supernatural Worlds: Hearing, Speaking, Singing, Walking, Thinking
[ 1 ] Das letzte Mal durfte ich Ihnen sprechen von gewissen spirituellen Tatsachen, die sich auf die Beziehung des Menschen zu übersinnlichen Welten erstreckten. Ich könnte auch ebensogut sagen, auf die Beziehung des menschlichen Erdendaseins zu dem Dasein zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Denn vom menschlichen Gesichtspunkte aus gesehen ist es ja so, daß des Menschen Leben zwischen Geburt und Tod durch sein Verwobensein mit der physisch-sinnlichen Welt, auch im wesentlichen diese physisch-sinnliche Welt darstellt, daß aber das Leben des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, weil der Mensch da ganz hineinverwoben ist in die geistige, übersinnliche Welt, vom menschlichen Standpunkte aus gesehen eben die übersinnliche Welt als solche darstellt.
[ 1 ] Last time, I had the opportunity to speak to you about certain spiritual realities that pertain to the relationship between human beings and the supersensible worlds. I might just as well say, concerning the relationship of human existence on Earth to the existence between death and a new birth. For from a human perspective, it is indeed the case that human life between birth and death, through its interweaving with the physical-sensory world, essentially constitutes this physical-sensory world; whereas human life between death and a new birth—because the human being is then completely interwoven with the spiritual, supersensible world—constitutes, from a human standpoint, the supersensible world as such.
[ 2 ] Ich möchte heute für einige andere Tatsachen und für einige wichtige menschliche Folgerungen diese Betrachtung vor Ihnen fortsetzen. Vor allen Dingen kann man sich durch die anthroposophische Geisteswissenschaft so recht bewußt werden, wie der Mensch, der vor sich selber in der physischen Welt steht, in dieser physischen Welt ein wirkliches Abbild ist des Übersinnlichen. Wenn wir ein Mineralisches betrachten, so können wir nicht sagen, daß das so, wie es ist, unmittelbar ein Abbild ist des Übersinnlichen. Was es ist, das können Sie ja aus meinem Buche «Theosophie» entnehmen. Beim Menschen aber können wir sagen, daß er in vieler Beziehung gar nicht verstanden werden kann aus demjenigen, was wir in der physisch-sinnlichen Welt um uns herum sehen. Aus demjenigen, was wir in der physisch-sinnlichen Welt sehen, können wir verstehen, warum die Salzgestalt würfelförmig wird. Gewiß, solche Dinge sind heute der Wissenschaft noch nicht ganz durchsichtig, aber aus dem, was schon der Wissenschaft durchsichtig ist, kann man sagen, ein Salzkristall ist zu begreifen aus demjenigen, was unmittelbar im Bereiche des Sinnlich-Wahrnehmbaren erkundet werden kann. Ein menschliches Auge oder ein menschliches Ohr ist nicht zu begreifen aus demjenigen, was in der physisch-sinnlichen Welt mit physischen Sinnen wahrnehmbar ist. Es kann nicht daraus entstehen. Die Form, sowohl die innere Form wie auch die äußere Konfiguration eines Auges oder eines Ohres, sie bringt sich in der Anlage der Mensch durch die Geburt mit, und er erlangt sie auch nicht durch die Kräfte, die, sagen wir, durch die Befruchtung oder im Leibe der Mutter wirken. Man preßt allerdings alles dasjenige, was man in dieser Beziehung nicht versteht, in das Wort «Vererbung» hinein. Aber damit gibt man sich nur einer Illusion hin. Denn die Wahrheit ist doch diese, daß man in der inneren Formung eines Auges oder eines Ohres etwas hat, was veranlagt wird, gewissermaßen voraus im Geiste aufgebaut wird in dem vorirdischen menschlichen Dasein, und zwar in Gemeinschaft mit höheren geistigen Wesenheiten, mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Der Mensch baut sich eben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in vieler Beziehung seinen physischen Leib in einer Geistform, in einem Geistkeime auf, und versenkt dann diesen Geistkeim, nachdem er ihn gewissermaßen verkleinert hat, soweit es nötig ist, in die physische Vererbungslinie. Und dadurch füllt sich das Geistige mit physisch-sinnlicher Substanz aus und wird zum sinnlich-physischen Keim. Aber die ganze Form, die innere Form eines Auges, die innere Form eines Ohres, sie sind herausgestaltet aus der Arbeit, die der Mensch vollbringt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt mit übersinnlichen geistigen Wesen zusammen. Und deshalb können wir sagen: Wenn wir ein menschliches Auge betrachten, so dürfen wir nicht behaupten, dieses menschliche Auge sei wie ein Salzkristall begreifbar aus dem, was sinnlich um uns herum wahrgenommen werden kann, oder das Ohr sei begreifbar aus dem, was um uns herum wahrgenommen werden kann —, sondern wir müssen sagen: Wollen wir ein menschliches Auge begreifen, wollen wir ein menschliches Ohr begreifen, dann müssen wir unsere Zuflucht nehmen zu denjenigen Geheimnissen, die wir erkunden können in der übersinnlichen Welt, müssen uns klar sein darüber, daß so ein menschliches Ohr zum Beispiele — bleiben wir bei diesem stehen — aus der übersinnlichen Welt heraus gebildet wird und dann erst, nachdem es gebildet worden ist, seine sinnliche Aufgabe antritt innerhalb der Luftsphäre, überhaupt innerhalb der Erdensphäre, auf physische Weise Töne oder Laute zu hören. Wir können also sagen: in solcher Beziehung ist der Mensch Abbild von Vorgängen und von Wesenhaftem in der übersinnlichen Welt.
[ 2 ] Today I would like to continue this discussion with you, focusing on a few other facts and some important human implications. Above all, through anthroposophical spiritual science, one can truly become aware of how the human being, standing before himself in the physical world, is a genuine reflection of the supersensible in this physical world. When we observe a mineral, we cannot say that it, as it is, is a direct reflection of the supersensible. You can learn what it is from my book *Theosophy*. In the case of human beings, however, we can say that in many respects they cannot be understood at all from what we see in the physical-sensory world around us. From what we see in the physical-sensory world, we can understand why a salt crystal takes on a cubic shape. Certainly, such things are not yet fully understood by science today, but based on what science has already understood, we can say that a salt crystal can be comprehended through what can be directly investigated within the realm of sensory perception. A human eye or a human ear cannot be understood from what is perceptible in the physical-sensory world through the physical senses. It cannot arise from that. The form—both the inner form and the outer configuration—of an eye or an ear is something the human being brings with them at birth, and they do not acquire it through the forces that, let us say, act during fertilization or within the mother’s womb. Of course, everything that is not understood in this regard is crammed into the word “heredity.” But in doing so, one is merely succumbing to an illusion. For the truth is that in the inner formation of an eye or an ear, there is something that is predisposed—constructed, as it were, in advance in the spirit during pre-earthly human existence—and this takes place in communion with higher spiritual beings, with the beings of the higher hierarchies. Between death and a new birth, the human being builds up his physical body in many respects as a spiritual form, as a spiritual germ, and then, after having reduced this spiritual germ to the necessary extent, so to speak, he embeds it into the physical line of heredity. And through this process, the spiritual is filled with physical-sensory substance and becomes a sensory-physical germ. But the entire form—the inner form of an eye, the inner form of an ear—is shaped by the work that the human being accomplishes between death and a new birth in collaboration with supersensible spiritual beings. And that is why we can say: When we look at a human eye, we must not claim that this human eye can be understood—like a salt crystal—from what can be sensed around us, or that the ear can be understood from what can be sensed around us—but rather we must say: If we wish to understand a human eye, if we wish to understand a human ear, then we must turn to the mysteries we can explore in the supersensible world; we must be clear that such a human ear, for example—let us stick with this example—is formed from the supersensible world, and only then, after it has been formed, does it take on its sensory task within the sphere of air—indeed, within the sphere of the Earth—to hear sounds or tones in a physical way. We can therefore say: in this respect, the human being is a reflection of processes and essential beings in the supersensible world.
[ 3 ] Betrachten wir eine solche Sache einmal in ihren Einzelheiten. Wenn Sie das menschliche Ohr in seiner innerlichen Formung ins Auge fassen, so treffen Sie zuerst, wenn Sie durch den äußeren Gehörgang durchsehen, auf das sogenannte Trommelfell. Hinter diesem Trommelfell sitzen kleine, winzig kleine Knöchelchen; die äußere Wissenschaft spricht von Hammer, Amboß, Steigbügel. Man kommt dann weiter hinter diesen Knöchelchen in das innere Ohr hinein. Ich will nicht ausführlich über diese Konfiguration des inneren Ohres sprechen. Aber schon die Bezeichnungen, die diese winzigen Knöchelchen haben, die man gleich hinter dem 'Trommelfell trifft, die Bezeichnungen, die diesen Knöchelchen die äußere Wissenschaft gibt, zeigen, daß eben diese äußere Wissenschaft gar keine Ahnung von dem hat, was da eigentlich vorliegt. Wenn man mit anthroposophischer Geisteswissenschaft diese Sache zu durchleuchten versteht, dann nimmt sich — ich will jetzt in der Betrachtung von innen nach außen gehen — dasjenige, was zuerst mehr auf dem inneren Teil des inneren Ohres aufsitzt, und was die Wissenschaft Steigbügel nennt, das nimmt sich aus wie ein umgewandelter, metamorphosierter menschlicher Oberschenkel mit seinem Ansatz an der Hüfte. Und dasjenige, was die Wissenschaft Amboß nennt, dieses kleine Knöchelchen, das nimmt sich aus wie eine umgewandelte Kniescheibe, und dasjenige, was von diesem Amboß dann zum 'Trommelfell hingeht, das nimmt sich aus wie ein umgewandelter Unterschenkel mit dem Fuß daran. Und der Fuß stützt sich in diesem Falle beim Ohr eben nicht auf den Erdboden, sondern auf das Trommelfell. Sie haben tatsächlich ein menschliches Glied im Inneren des Ohres, das umgewandelte Gliedmaße ist. Sie können auch sagen: Oberarm —, nur ist beim Arme die Kniescheibe nicht ausgebildet, es fehlt der Amboß; Sie können sagen: Unterarm — anderes kleines Gehörknöchelchen, das dann auf dem Trommelfell aufsitzt. Und ebenso wie Sie mit Ihren beiden Beinen den Erdboden befühlen, so befühlen Sie mit dem Fuß des kleinen Gehörknöchelchens das Trommelfell. Nur ist Ihr Erdenfuß, mit dem Sie herumgehen, grob gebildet. Da fühlen Sie grob den Fußboden mit der Fußsohle, während Sie das feine Erzittern des Trommelfells fortwährend abtasten mit dieser Hand oder mit diesem Fuße, den Sie da drinnen im Ohre haben. Wenn Sie weiter nach hinten gehen, so finden Sie darinnen die sogenannte Ohrschnecke. Diese Ohrschnecke, die ist mit einer Flüssigkeit gefüllt. Das alles ist zum Hören notwendig. Es muß sich das, was der Fuß abtastet am 'Trommelfell, fortsetzen nach dieser im Inneren der Ohrhöhlung liegenden Schnecke. Oberhalb unserer Oberschenkel liegt das Eingeweide. Diese Schnecke im Ohr ist nämlich ein sehr schön ausgebildetes Eingeweide, ein umgewandeltes Eingeweide, so daß Sie eigentlich sich vorstellen können, da drinnen im Ohre liegt in Wirklichkeit ein Mensch. Der Kopf ist in das eigene Gehirn hineingesenkt. Wir tragen überhaupt in uns eine ganze Anzahl von mehr oder weniger metamorphosierten Menschen. Das ist einer, der da drinnen sitzt.
[ 3 ] Let’s take a closer look at this in detail. If you examine the internal structure of the human ear, the first thing you encounter when looking through the external auditory canal is the so-called eardrum. Behind this eardrum are small, tiny little ossicles; conventional science refers to them as the malleus, incus, and stapes. Beyond these ossicles, one enters the inner ear. I do not wish to speak at length about the structure of the inner ear. But even the names given to these tiny ossicles—which one encounters immediately behind the eardrum—the names that conventional science assigns to them, show that this very same conventional science has absolutely no idea of what is actually present there. If one knows how to shed light on this matter through anthroposophical spiritual science—and I will now proceed from the inside out in my consideration—then what is situated primarily on the inner part of the inner ear, and what science calls the stirrup, appears to be a transformed, metamorphosed human thigh with its attachment to the hip. And what science calls the anvil—this little bone—looks like a transformed kneecap, and what extends from this anvil toward the eardrum looks like a transformed lower leg with the foot attached to it. And in this case, the foot does not rest on the ground near the ear, but on the eardrum. You actually have a human limb inside the ear—a transformed limb. You could also say: upper arm—only in the case of the arm, the kneecap is not formed, and the anvil is missing; You could say: forearm—another small ossicle that then rests on the eardrum. And just as you feel the ground with both your legs, so you feel the eardrum with the “foot” of the small ossicle. Only your earthly foot, with which you walk around, is coarsely formed. You feel the floor roughly with the sole of your foot, while you constantly sense the subtle vibrations of the eardrum with this hand or with this foot that you have inside your ear. If you go further back, you will find the so-called cochlea inside. This cochlea is filled with fluid. All of this is necessary for hearing. What the foot senses on the eardrum must continue on to this cochlea, which lies inside the ear cavity. Above our thighs lie the internal organs. This cochlea in the ear is, in fact, a very beautifully formed internal organ—a transformed internal organ—so that you can actually imagine that there is, in reality, a human being sitting inside the ear. The head is sunk into its own brain. We carry within us a whole number of more or less metamorphosed human beings. That is one who sits in there.
[ 4 ] Ja, was liegt denn da eigentlich vor? Sehen Sie, derjenige, der nun nicht mit der bloßen groben sinnlichen Wissenschaft das Werden des Menschen studiert, sondern der weiß, daß dieser Menschenkeim, der sich im Leibe der Mutter ausbildet, eben das Abbild ist desjenigen, was im vorirdischen Leben vorangegangen ist, der weiß auch, daß in den ersten Stadien der Kindeskeimesentwickelung eigentlich im wesentlichen der Kopf veranlagt ist. Das andere sind kleine Ansatzorgane. Die Ansatzorgane, die als Stümpelchen da sind und die dann die menschlichen Beine und Füße werden, die könnten nämlich, wenn es nur auf die inneren Möglichkeiten ankäme, aus dem Keim heraus, der im Mutterleibe ist, ebensogut eine Art Ohr werden. Die haben durchaus die Anlage, ein Ohr zu werden. Das heißt, der Mensch könnte auch so wachsen, daß er nicht ein Ohr nur hier hätte und hier, sondern daß er ein Ohr nach unten hätte. Das ist zwar paradox gesprochen, aber diese Paradoxie ist völlige Wahrheit. Der Mensch könnte auch nach unten ein Ohr werden. Warum wird er denn kein Ohr nach unten? Er wird aus dem Grunde kein Ohr, weil er in einem gewissen Stadium schon seiner Keimesentwickelung in den Bereich der irdischen Schwerkraft kommt. Die Schwerkraft, die einen Stein zur Erde fallen läßt, die das Gewicht bedeutet, diese Schwerkraft lastet an dem, was ein Ohr werden will, gestaltet es um, und es wird der ganze untere Mensch überhaupt daraus. Unter der Wirkung der irdischen Schwerkraft wird das Ohr, das nach unten wachsen will, der untere Mensch. Warum wird denn das Ohr nicht auch so, daß es seine Gehörknöchelchen so zu hübschen Beinchen links und rechts macht? Einfach aus dem Grund, weil durch die ganze Lage des menschlichen Keimes im Mutterleib das Ohr davor geschützt ist, in den Bereich der Schwerkraft so zu kommen, wie die Beinstummeln; es kommt nicht in den Bereich der Schwerkraft. Daher bewahrt das Ohr noch dasjenige weiter fort, was es als Anlage im vorirdischen Dasein in der geistigen Welt erhalten hat; es ist ein reines Abbild dieser geistigen Welten. Was ist denn aber in diesen geistigen Welten? Nun, davon habe ich oftmals gesprochen, die Sphärenmusik ist eine Realität, und sobald wir in die geistige Welt kommen, die hinter der Seelenwelt liegt, sind wir in einer Welt, die überhaupt in Laut und Ton, in Melodie und Harmonie und Lautzusammenklängen lebt. Und aus diesen Laut- und Tonzusammenhängen formt sich das menschliche Ohr heraus. Daher können wir sagen, in unserem Ohre haben wir eine Erinnerung an unser geistiges, vorirdisches Dasein; in unserer unteren menschlichen Organisation haben wir vergessen das vorirdische Dasein und den Organismus angepaßt an die Erdenschwerkraft, an alles dasjenige, was vom Gewicht kommt. So daß, wenn man richtig versteht die Formung des Menschen, die Gestaltung des Menschen, man immer sagen kann, irgendein Organsystem zeigt, daß es angepaßt ist an die Erde, aber ein anderes Organsystem zeigt, daß es noch angepaßt bleibt an das vorirdische Dasein. Denken Sie doch, daß wir ja eigentlich, auch wenn wir schon geboren sind, noch fortsetzen dasjenige, was schon im Keimeszustand veranlagt wird. Aufrecht gehen, uns vollständig einfügen in die Schwerkraft, uns orientieren in den drei Dimensionen des Raumes, das lernen wir erst, wenn wir schon geboren sind. Aber das Ohr reißt sich heraus aus diesen drei Dimensionen des Raumes und behält die Eingliederung, die Anpassung in und an die geistige Welt. Wir sind als Menschen immer so gebildet, daß wir zum Teile eben ein lebendiges Denkmal sind für dasjenige, was wir im Verein mit höheren Wesen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gemacht haben, und auf der anderen Seite ein Zeugnis dafür, daß wir uns eingliedern in das Erdendasein, das von der Schwerkraft, von dem Gewichte beherrscht wird.
[ 4 ] Yes, what exactly are we dealing with here? You see, anyone who does not study human development using merely crude, sensory science, but who knows that this human embryo forming in the mother’s womb is precisely the reflection of what preceded it in pre-earthly life, also knows that in the earliest stages of the embryo’s development, the head is essentially already formed. The rest are small bud-like organs. These bud-like organs, which appear as little stubs and will later become the human legs and feet, could in fact—if it were solely a matter of inner potential—just as easily develop into a kind of ear from the embryo in the mother’s womb. They certainly have the potential to become an ear. This means that a human being could also develop in such a way that he would not have an ear only here and here, but would have an ear pointing downward. This may sound paradoxical, but this paradox is the absolute truth. A human being could also develop an ear pointing downward. Why, then, does he not develop an ear pointing downward? He does not develop an ear for this reason: because at a certain stage of his embryonic development, he enters the realm of Earth’s gravity. Gravity—which causes a stone to fall to the ground, which signifies weight—this gravity weighs down upon what is striving to become an ear, reshapes it, and the entire lower part of the human being emerges from it. Under the influence of Earth’s gravity, the ear that wants to grow downward becomes the lower part of the human being. Why, then, doesn’t the ear also develop in such a way that its ossicles form into pretty little legs on the left and right? Simply because, due to the entire position of the human embryo in the womb, the ear is protected from entering the realm of gravity in the same way as the leg stumps; it does not enter the realm of gravity. Therefore, the ear continues to preserve what it received as a predisposition in its pre-earthly existence in the spiritual world; it is a pure reflection of these spiritual worlds. But what, then, exists in these spiritual worlds? Well, I have often spoken of this: the music of the spheres is a reality, and as soon as we enter the spiritual world that lies beyond the world of the soul, we find ourselves in a world that lives entirely in sound and tone, in melody and harmony and the interplay of sounds. And it is from these interrelationships of sound and tone that the human ear takes shape. Therefore, we can say that in our ear we have a memory of our spiritual, pre-earthly existence; in our lower human constitution, we have forgotten that pre-earthly existence and adapted our organism to Earth’s gravity, to everything that arises from weight. So that, if one correctly understands the formation of the human being, the structure of the human being, one can always say that one organ system shows that it is adapted to the Earth, while another organ system shows that it remains adapted to pre-earthly existence. Just consider that, even after we are born, we actually continue what was already predisposed in the embryonic state. Walking upright, fully adapting to gravity, orienting ourselves in the three dimensions of space—we only learn these things after we are born. But the ear breaks free from these three dimensions of space and retains its integration and adaptation to the spiritual world. As human beings, we are always constituted in such a way that, in part, we are a living monument to what we have accomplished in union with higher beings between death and a new birth, and, on the other hand, a testimony to our integration into earthly existence, which is governed by gravity and weight.
[ 5 ] Aber solche Umgestaltungen, sie sind nicht bloß in der Richtung verlaufend, wie ich eben gesagt habe, sondern auch in umgekehrter Richtung. Mit Ihren Beinen gehen Sie auf der Erde herum. Und Sie gehen — verzeihen Sie — zu guten, besseren und zu schlechteren Taten. Aber schließlich, für die Beinbewegungen bleibt es zunächst auf der Erde neutral, ob man zu guten oder zu bösen Taten geht. Aber ebenso wahr als es ist, daß sich der untere Mensch aus einer Ohranlage umwandelt zu demjenigen, als was er auf der Erde steht mit seinen Beinen, ebenso wahr ist es, daß alles Moralische, was durch das Gehen bewirkt worden ist, ob Sie zu guten oder zu schlechten Taten gegangen sind, sich umwandelt, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist — nicht gleich, aber nach einiger Zeit — in Töne und Laute.
[ 5 ] But such transformations do not merely proceed in the direction I just mentioned; they also proceed in the opposite direction. You walk around on Earth with your legs. And you walk—forgive me—toward good, better, and worse deeds. But ultimately, as far as leg movements are concerned, it remains neutral on Earth at first whether one is walking toward good or evil deeds. But just as it is true that the lower human being is transformed from an ear-like state into that which he stands as on Earth with his legs, so too is it true that everything moral that has been brought about by walking—whether you have walked toward good or evil deeds—is transformed after the human being has passed through the gate of death—not immediately, but after some time—into tones and sounds.
[ 6 ] Wir nehmen also an, der Mensch sei zu einer schlechten Tat gegangen. Hier ist es höchstens so, daß wir nur verzeichnen können, wie sich die Beine bewegen. Aber den Beinbewegungen haftet die schlechte Tat an, wenn Sie durch die Pforte des Todes schreiten. Da verwandelt sich, nachdem der Mensch den physischen Leib abgelegt hat und nachdem er auch seinen Ätherleib abgelegt hat, alles, was in den Bewegungen der Beine lag, es verwandelt sich in einen Mißton, in eine Dissonanz in der geistigen Welt. Und der ganze untere Mensch verwandelt sich zurück in eine Kopforganisation. Die Art, wie Sie sich hier auf der Erde bewegen, wird, indem wir die moralische Nuancierung nehmen, zur Kopforganisation nach Ihrem Tode. Und Sie hören mit diesen Ohren, wie Sie sich moralisch benommen haben hier in der Erdenwelt. Ihre Moralität wird schöne, Ihre Unmoralität wird häßliche Musik. Und aus den konsonierenden oder dissonierenden Tönen heraus werden die Worte, wie von den höheren Hierarchien als Richtern gesprochen über Ihre Taten, von Ihnen gehört werden.
[ 6 ] So let us assume that a person has committed a bad deed. At most, all we can do here is observe how the legs move. But the bad deed clings to the leg movements as you pass through the gate of death. Then, after the human being has shed the physical body and has also shed the etheric body, everything that lay in the movements of the legs is transformed into a discordant note, into a dissonance in the spiritual world. And the entire lower human being is transformed back into a head organization. The way you move here on Earth—when we take into account the moral nuances—becomes a head-based organization after your death. And with these ears, you will hear how you behaved morally here in the earthly world. Your morality becomes beautiful music; your immorality becomes ugly music. And from these consonant or dissonant tones, you will hear the words spoken by the higher hierarchies—acting as judges—regarding your deeds.
[ 7 ] So können Sie an dem Menschen selber sehen, wie durch Wandlung und Umwandlung der Übergang von der geistigen Welt in die sinnliche und von der sinnlichen wiederum in die geistige Welt stattfindet. Ihre Hauptesorganisation ist erschöpft in der gegenwärtigen Erdeninkarnation. Da ist die Hauptesorganisation dazu gediehen, innerhalb des Sinnlichen das Geistige wahrzunehmen. Aber das Haupt verfällt nach dem Tode. Der andere Mensch außer dem Haupte wandelt sich nach dem Tode wiederum zurück geistig in ein Haupt, in eine Hauptesorganisation, und dieser andere Mensch wird im nächsten Erdenleben wiederum ein Haupt. So drückt sich schon in der menschlichen Gestalt die Tatsache der wiederholten Erdenleben aus. Niemand versteht das Haupt des Menschen, den Kopf, wenn er ihn nicht ansieht als eine Umwandlung eines Leibes aus dem vorhergehenden Erdenleben. Niemand versteht den jetzigen Leib, wenn er in ihm nicht sieht den Keim eines Kopfes im nächsten Erdenleben. Und zum vollständigen Verständnis des Menschen gehört eben die Durchdringung dessen, was wir sinnlich wahrnehmen mit den Anschauungen über das Übersinnliche.
[ 7 ] In this way, you can see in the human being himself how, through transformation and metamorphosis, the transition from the spiritual world to the sensory world—and from the sensory world back to the spiritual world—takes place. His head organization is exhausted in his present earthly incarnation. There, the head organization has developed to the point of perceiving the spiritual within the physical world. But the head decays after death. The other part of the human being, apart from the head, transforms back spiritually after death into a head, into a head organization, and this other part of the human being becomes a head again in the next earthly life. Thus, the fact of repeated earthly lives is already expressed in the human form. No one understands the human head unless they regard it as a transformation of a body from the previous earthly life. No one understands the present body unless they see in it the seed of a head for the next earthly life. And a complete understanding of the human being requires precisely the interpenetration of what we perceive through our senses with insights into the supersensible.
[ 8 ] Wir können nach dieser Richtung noch manches andere Konkrete anführen. Ich habe Ihnen das letzte Mal gesagt, als ich hier zu Ihnen sprechen durfte, der Mensch erlebt in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt den Zustand, daß er ganz eins wird in seinem Inneren mit den Wesen der höheren Hierarchien. Da vergißt er sich eigentlich. Er ist die höheren Hierarchien selber. Er würde niemals zu sich kommen, wenn er nicht wiederum auslöschen könnte dieses Fühlen der höheren Hierarchien in sich. Dann geht er gewissermaßen aus sich heraus; aber er kommt gerade dadurch zu sich selber. Hier auf Erden kommen wir zu uns selber, wenn wir von der Außenwelt absehen und uns in unser Inneres konzentrieren. Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt kommen wir zu uns selber, wenn wir von dem absehen, was in uns ist — nämlich die höheren Hierarchien —, dann kommen wir zu uns selber. Und die Kräfte, die uns bleiben von diesem Zu-uns-selber-Kommen, das sind die Kräfte der Erinnerung, des Gedächtnisses. Die Kräfte, die uns bleiben von dem Verbundensein mit den anderen Wesen der höheren Hierarchien, das sind die moralischen Kräfte, die Kräfte der Liebe, wodurch wir unser eigenes Wesen auf Erden liebend über die anderen Wesen ausdehnen. So daß wir in dem Liebenkönnen hier auf dieser Erde einen Nachklang haben zu dem Leben in Einheit mit den höheren Hierarchien, und in dem Erinnern, in dem Gedächtnisse haben wir einen Nachklang zu dem anderen Zustand, in dem wir auch sind zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, zu dem Uns-Befreien von den höheren Hierarchien und Zu-uns-selber-Kommen.
[ 8 ] We can cite many other specific examples along these lines. As I told you the last time I had the opportunity to speak to you here, between death and a new birth, a human being experiences a state in which he becomes completely one within himself with the beings of the higher hierarchies. In that state, they actually forget themselves. They are the higher hierarchies themselves. They would never come to themselves if they could not once again extinguish this feeling of the higher hierarchies within themselves. Then, in a sense, they step outside of themselves; but it is precisely through this that they come to themselves. Here on Earth, we come to ourselves when we turn away from the external world and concentrate on our inner being. Between death and a new birth, we come to ourselves when we turn away from what is within us—namely, the higher hierarchies—and in doing so, we come to ourselves. And the forces that remain with us from this coming to ourselves are the forces of recollection and memory. The forces that remain with us from our connection with the other beings of the higher hierarchies are the moral forces, the forces of love, through which we lovingly extend our own being on Earth to encompass other beings. Thus, in our capacity to love here on Earth, we find an echo of life in unity with the higher hierarchies; and in remembering—in our memories—we find an echo of that other state in which we also exist between death and a new birth: our liberation from the higher hierarchies and our return to ourselves.
[ 9 ] Nun sehen Sie, ich habe schon letzthin darauf hingedeutet, das ist etwas, was dem Atmungsprozeß ähnlich ist. Wir müssen einatmen, uns beleben; wir atmen sozusagen die Todesluft aus, denn in dem, was ausgeatmet wird, kann ja nicht gelebt werden. So atmen wir gewissermaßen geistig in der Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wir vereinigen uns mit den Wesen der höheren Hierarchien, gehen wieder aus ihnen heraus. Hier auf dieser Erde haben wir einen Nachklang, ich möchte sagen, dieser Himmelsatmung. In dem, daß wir hier auf dieser Erde gehen können, passen wir uns der Schwerkraft der Erde an. Es ist das Gewicht. Umgewandeltes Ohr, habe ich gesagt. In einer ähnlichen Weise verspüren wir auch noch, wenn wir die Sache richtig betrachten können, wie wir in unserem Sprach-, in unserem Gesangsapparat eine Umwandlung desjenigen haben, was veranlagt ist in der geistigen Welt, die wir im vorirdischen Dasein durchmachen. Wir passen hier auf dieser Erde erst unsere Sprachorgane der Menschensprache an. In der Anlage zwischen dem Tode und einer neuen Geburt nehmen wir den Logos, das Weltenwort, die Weltensprache in uns auf, und aus dieser Weltensprache ist zunächst auch unser ganzes Sprach- und Gesangsorgan herausgebildet. So wie wir dieses nach unten sich streckende Ohr umwandeln in die Orientierungs- und Gehapparate, aber nicht so stark, wandeln wir auch das Sprach- und Gesangsorgan um. Beim Ohr, da bleibt nur ein treues Abbild, möchte ich sagen, desjenigen, was sich in der geistigen Welt im vorirdischen Dasein gebildet hat, beim Sprachorgan liegt die Sache mitten drinnen. Wir lernen ja erst Pech hier auf der Erde. Aber das ist eigentlich nur eine Illusion. In Wahrheit bildet uns die Weltensprache unseren Kehlkopf und unsere ganzen Sprach- und Gesangsorgane. Nur vergessen wir den Weltenlogos, indem wir uns zur Erde neigen und durch das Keimesleben durchgehen. Und das, was sich ins Unbewußte hineingedrängt hat, das frischen wir hier auf, indem wir uns die Menschensprache aneignen.
[ 9 ] Now, you see, I have already alluded to this recently; it is something similar to the process of breathing. We must inhale to revitalize ourselves; we exhale, so to speak, the air of death, for life cannot exist in what is exhaled. In a sense, we breathe spiritually in the world between death and a new birth. We unite with the beings of the higher hierarchies, then emerge from them again. Here on this Earth, we experience an echo—I would say—of this heavenly breathing. In that we are able to walk here on this Earth, we adapt to the Earth’s gravity. It is the weight. A transformed ear, I said. In a similar way, if we can view the matter correctly, we also sense how, in our speech and singing apparatus, there is a transformation of what is predisposed in the spiritual world that we pass through in our pre-earthly existence. Here on this earth, we first adapt our speech organs to human language. In the interval between death and a new birth, we take in the Logos, the World Word, the World Language, and it is from this World Language that our entire speech and vocal apparatus is initially formed. Just as we transform this ear, which extends downward, into the organs of orientation and locomotion—though not to the same extent—we also transform the speech and vocal apparatus. In the case of the ear, I would say that only a faithful image remains of what was formed in the spiritual world during our pre-earthly existence; in the case of the speech organ, the matter lies right at the heart of it. After all, we only begin to learn to speak here on Earth. But that is actually just an illusion. In truth, the world language shapes our larynx and all our organs of speech and song. We simply forget the World Logos as we turn toward the Earth and pass through embryonic life. And what has been pushed into the unconscious, we revive here by acquiring human language.
[ 10 ] Aber in dieser Menschensprache, da ist in Wahrheit im Grunde genommen sowohl das Irdische deutlich wahrnehmbar, wie auch dasjenige, was vom Geistigen gebildet ist. Wir könnten keine Konsonanten sprechen, wenn wir nicht uns anpassen könnten an die Dinge der Außenwelt. In den Konsonanten haben wir immer Nachbildungen desjenigen, was die Außenwelt uns darbietet. Derjenige, der dafür ein Gefühl hat, der wird schon fühlen, wie ein Konsonant an etwas Eckiges, der andere an etwas Samtartiges ihn erinnert. Im Konsonanten haben wir etwas, worin wir uns anpassen an die Formen, an die Gestaltungen der Außenwelt. In den Vokalen geben wir unser eigenes Inneres. Wer A sagt, weiß, daß er etwas, was in seiner Seelenverfassung wie Verwunderung, wie Staunen lebt, im A zum Ausdrucke bringt. Im O ist ebenfalls ein Inneres, und jeder Vokal drückt ein Inneres aus.
[ 10 ] But in this human language, what is truly and fundamentally clearly perceptible is both the earthly and that which is formed by the spiritual. We could not pronounce consonants if we were not able to adapt to the things of the external world. In the consonants, we always find reflections of what the external world presents to us. Those who are attuned to this will sense how one consonant reminds them of something angular, while another reminds them of something velvety. In the consonants, we have something through which we adapt to the forms and shapes of the external world. In the vowels, we express our own inner being. Anyone who says “A” knows that they are expressing in the “A” something that lives within their soul’s state—such as wonder or amazement. The “O” likewise contains an inner quality, and every vowel expresses an inner quality.
[ 11 ] Sehen Sie, es wird einmal eine von Geisteswissenschaft durchdrungene interessante Wissenschaft geben, die konstatieren wird, daß in Sprachen, in denen die Konsonanten vorwiegen, viel weniger die Menschen moralisch angeklagt werden können, weil sie viel weniger verantwortlich sind für ihre Taten als in solchen Sprachen, wo die Vokale vorwiegen. Denn die Vokale sind der Nachklang an unser Zusammenleben mit den geistigen Hierarchien. Das bringen wir mit, das tragen wir hier auf die Erde herein. Und es bleibt in uns. Es ist unsere eigene Offenbarung. In den Konsonanten passen wir uns an die äußere Welt an. Die ist irdisch, die Konsonantenwelt. Und würden wir uns eine Sprache denken können, die nur Konsonanten hat, so würde diese Sprache eine solche sein, von der etwa ein Eingeweihter sagen würde: Sie ist für das Irdische; willst du das Himmlische haben, dann mußt du die Vokale dazunehmen. Aber da gib acht, denn da wirst du dem Göttlichen gegenüber verantwortlich, das darfst du nicht so profan behandeln wie die Konsonanten.
[ 11 ] You see, there will one day be an interesting science, imbued with spiritual science, that will establish that in languages where consonants predominate, people can be held morally accountable far less often, because they are far less responsible for their actions than in languages where vowels predominate. For the vowels are the echo of our coexistence with the spiritual hierarchies. We bring that with us; we carry it here onto Earth. And it remains within us. It is our own revelation. Through the consonants, we adapt to the outer world. That world—the world of consonants—is earthly. And if we could conceive of a language consisting solely of consonants, such a language would be one of which an initiate might say: “It is for the earthly; if you want the heavenly, then you must add the vowels.” But take heed, for then you become accountable to the Divine—you must not treat it as profanely as you do the consonants.
[ 12 ] Das haben ja die alten Hebräer getan. Da haben Sie ja die Vokale nur angedeutet, die Konsonanten bloß geschrieben. Kurz, in unserer Sprache klingt zusammen das Himmlische und das Irdische, Und wiederum sehen wir, wie wir etwas, das dem mittleren Menschen angehört, haben, was gleichsam nach zwei Seiten hingeordnet ist: nach dem Himmlischen und nach dem Irdischen. Der Kopf ist ganz nach dem Himmlischen hingeordnet, der andere Mensch nach dem Irdischen, strebt aber nach dem Himmlischen hin, strebt dahin so, daß er es wird, wenn er durch die Pforte des Todes getreten ist. Der mittlere Mensch, dem die Atmung angehört, und der Atmung eingegliedert Gesang und Sprache, verbindet das Himmlische mit dem Irdischen. Daher ist dieser mittlere Mensch in jeder Beziehung vorzugsweise die künstlerische Veranlagung des Menschen, die immer das Himmlische mit dem Irdischen verbindet. So können wir auch sagen: Nun ja, wenn wir den werdenden Menschen betrachten, er wird geboren ohne Orientierung in der Welt, er kann noch nicht gehen, nicht stehen. Er hat zwar schon die Anlage, sich der Schwerkraft einzuordnen; das hat er schon vor der Geburt bekommen, indem die Schwerkraft sich seiner bemächtigt hat außerhalb des Kopfes. So etwas wie das Ohr und das Auge sind der Schwerkraft entrungen gewesen. Wir haben die Orientierung im Raume sich ausdrückend in dem Lernen des aufrechten Gehens und Stehens. Wir lernen das erst fertig, wenn wir schon geboren sind. Aus der geistigen Welt werden wir noch nicht so gestaltet, daß wir die Orientierung im Raume vollständig haben. Wenn wir so orientiert wären, könnten wir auf der Erde vielleicht schlafen, denn schließlich das Gehörknöchelchen, das den Fuß darstellt, das ist horizontal gerichtet. Wir könnten allenfalls schlafen, aber wir könnten nicht gehen. Ähnliches müssen wir vom Auge sagen. Also das eine, was wir fertiglernen hier auf der Erde, das ist die Anpassung unseres vorirdisch Erworbenen an die Schwerkraft der Erde. Das zweite, indem wir die Sprache und den Gesang lernen, ist die Anpassung an die Umgebung im Umkreis der Erde. Und dann lernen wir noch denken. Denn wir werden tatsächlich unorientiert zum Gehen und Stehen, sprachlos und nun schließlich auch gedankenlos geboren. Denn man kann nicht sagen, die kleinen Kinder können schon denken. Diese drei Dinge lernen wir fertig auf Erden. Aber diese Dinge sind alle drei metamorphosierte andere Fähigkeiten, die wir haben im vorirdischen Dasein. Sie zeigen alle drei, wie sie lebendige Denkmäler sind dessen, was im vorirdischen Dasein veranlagt war auf geistige Weise.
[ 12 ] That is exactly what the ancient Hebrews did. They merely indicated the vowels and simply wrote out the consonants. In short, in our language, the heavenly and the earthly resonate together, and once again we see that we have something that belongs to the middle human being, something that is, as it were, oriented toward two sides: toward the heavenly and toward the earthly. The head is entirely oriented toward the heavenly, while the other part of the human being is oriented toward the earthly, yet strives toward the heavenly—strives toward it in such a way that it becomes so once it has passed through the gate of death. The middle part of the human being, to which breathing belongs—and to which singing and speech are integrated—connects the heavenly with the earthly. Therefore, this middle human being is, in every respect, preeminently the artistic disposition of the human being, which always connects the heavenly with the earthly. Thus we can also say: Well, when we consider the developing human being, he is born without any orientation in the world; he cannot yet walk or stand. He does, however, already possess the capacity to adapt to gravity; he acquired this even before birth, as gravity took hold of him outside the head. Structures such as the ear and the eye have been spared from gravity’s influence. Our orientation in space is expressed through learning to walk and stand upright. We do not fully master this until after we are born. We are not yet formed in the spiritual world in such a way that we possess complete spatial orientation. If we were oriented in that way, we might be able to sleep on Earth, for after all, the malleus—which represents the foot—is oriented horizontally. We might be able to sleep, but we could not walk. We must say something similar about the eye. So, the first thing we fully learn here on Earth is the adaptation of what we acquired in our pre-earthly existence to Earth’s gravity. The second, through learning language and song, is the adaptation to the environment on Earth. And then we also learn to think. For we are indeed born disoriented in terms of walking and standing, speechless, and finally, without the capacity to think. For one cannot say that small children are already capable of thinking. We fully master these three things on Earth. But all three of these things are metamorphosed versions of other abilities we possessed in our pre-earthly existence. All three demonstrate how they are living monuments to what was spiritually predisposed in our pre-earthly existence.
[ 13 ] Nun aber, das letzte Mal habe ich Ihnen gezeigt: die Erinnerung ist hier auf der Erde der Nachklang unseres Bei-sich-Seins in der geistigen Welt. Die Liebe in allen Formen ist der Nachklang unseres Ausgegossenseins in die Welt der höheren Hierarchien. Und jetzt haben wir eigentlich schon unsere körperlichen Fähigkeiten, Gehen, Sprechen, Singen und Denken — das ist nur ein Vorurteil, wenn man glaubt, daß das Denken auf der Erde eine geistige Fähigkeit ist, das Erdendenken ist durchaus an den physischen Leib gebunden, ebenso wie das Gehen —, so daß wir die körperlich hervorragendsten Eigenschaften als Umwandlung, als Metamorphose vom Geistigen haben. Seelisch die hervorragendsten seelischen Fähigkeiten, Erinnerung, Liebe, Umwandlung aus dem Geistigen. Und was wir auf der Erde Geistiges haben, was ist denn das? Das ist gerade die sinnliche Wahrnehmung. Daß wir sehen, daß wir hören, daß wir riechen, schmecken und so weiter, das ist gerade die sinnliche Wahrnehmung, und die Organe dieser sinnlichen Wahrnehmung, die auf der äußeren Peripherie unseres Organismus liegen, die werden gerade aus den höchsten geistigen Regionen heraus gebildet. Aus der Sphärenharmonie das Ohr. So stark wird das Ohr aus der Sphärenharmonie heraus gebildet, daß es geschützt bleibt vor der Schwerkraft. Und die ganze Einlagerung des Ohres in dieser Flüssigkeit bezweckt, daß das Ohr geschützt ist gegen die Schwerkraft. Das Ohr ist auch in die Flüssigkeit so hineingelagert, daß die Schwerkraft nicht heran kann; dieses Ohr ist wirklich nicht ein Erdenbürger, dieses Ohr in seiner ganzen Organisation ist ein Bürger der höchsten geistigen Welt. Ebenso das Auge, und ebenso die anderen Sinnesorgane. Sehen wir auf den Körper im Gehen, Sprechen, Singen, Denken, so haben wir da die Umwandlung von Geistigem im vorirdischen Dasein. Sehen wir das Seelische, Erinnerung und Liebe: Umwandlung von Geistigem im vorirdischen Dasein. Sehen wir auf die Sinne: sie sind gerade Umwandlung des höchsten Geistigen im vorirdischen Dasein.
[ 13 ] But now, last time I showed you: memory here on Earth is the echo of our being at one with ourselves in the spiritual world. Love in all its forms is the echo of our pouring out into the world of the higher hierarchies. And now we actually already possess our physical abilities—walking, speaking, singing, and thinking. It is merely a prejudice to believe that thinking on Earth is a spiritual ability; earthly thinking is thoroughly bound to the physical body, just as walking is—so that our most outstanding physical qualities are a transformation, a metamorphosis from the spiritual. On the soul level, the most outstanding soul abilities—memory, love—are transformations from the spiritual. And what do we have on Earth that is spiritual? It is precisely sensory perception. That we see, that we hear, that we smell, taste, and so on—this is precisely sensory perception; and the organs of this sensory perception, which lie at the outer periphery of our organism, are formed precisely out of the highest spiritual regions. The ear arises from the harmony of the spheres. The ear is so strongly formed out of the harmony of the spheres that it remains protected from gravity. And the entire embedding of the ear in this fluid serves to protect the ear from gravity. The ear is also embedded in the fluid in such a way that gravity cannot reach it; this ear is truly not a citizen of the earth—this ear, in its entire organization, is a citizen of the highest spiritual world. The same is true of the eye, and of the other sense organs as well. When we look at the body as it walks, speaks, sings, and thinks, we see the transformation of the spiritual in pre-earthly existence. When we look at the soul—memory and love—we see the transformation of the spiritual in pre-earthly existence. When we look at the senses, we see that they are precisely the transformation of the highest spiritual in pre-earthly existence.
[ 14 ] Hier ist es, wo wir mit anthroposophischer Geisteswissenschaft auf der einen Seite anknüpfen an den Goetheanismus, an dasjenige, was Goethe schon wußte, wo wir aber, ganz im Goetheschen Stile natürlich, weitergehen. Ich habe oftmals den Satz zitiert aus Goethe: Das Auge wird «am Lichte fürs Licht» gebildet. — Ja, aber nicht an dem Licht und für das Licht, das wir sehen. Das Licht, das wir sehen, von dem könnte nie ein Auge gebildet werden in seinen inneren Formkräften. Aber nehmen Sie einen Menschen, ein menschliches Antlitz. Nehmen Sie dieses menschliche Antlitz, die erhabene Stirn, die vorspringende Nase, die Augen, die Physiognomie. Wir fügen die Geste hinzu. Würden wir das bloß durch einen Registrierapparat räumlich aufnehmen, bekämen wir allerdings die Formen. Aber wenn wir einen Menschen anschauen, sind wir nicht damit zufrieden, daß wir räumlich die Formen mit einem Registrierapparat aufnehmen könnten, sondern wir schauen durch die räumlichen Bewegungen der Gesten auf das Seelische, das dahinter liegt. Sonnenlicht dringt zu uns. Draußen ist die Sonne, Sonnenlicht kommt zu uns. Das ist die vordere Seite. Die hintere Seite des Sonnenlichtes, der Geist des Sonnenlichtes ist dahinter. Und in dieser Seele und in diesem Geiste sind wir drinnen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Da ist das Licht etwas anderes. Wenn Sie vom Blick sprechen und Sie meinen das Seelische, das uns durch das Auge entgegenkommt, so meinen Sie eigentlich das, was hinter dem Auge liegt im Seelischen. Wenn ich jetzt von dem Geistigen im Lichte spreche, meine ich auch dasjenige, was in der Sonne dahinter liegt. Das ist der Geist des Lichtes, das ist die Seele des Lichtes. Das Auge, das schon fertig ist, sieht die Vorderseite des Lichtes, das Physische. Aber das Auge wird von dem Geistigen, von dem Seelischen des Lichtes, von dem, was dahinter liegt, gebildet. So müßte man sagen, wenn man den Goetheschen Satz verstanden hat: Das Auge sieht das Licht, wird aber gebildet durch die Seele, durch den Geist des Lichtes, bevor es hier auf dieser Erde physische Wesenheit annimmt.
[ 14 ] This is where, through anthroposophical spiritual science, we connect on the one hand to Goetheanism—to what Goethe already knew—but where we go further, naturally in the Goethean style. I have often quoted this sentence from Goethe: “The eye is formed ‘in the light, for the light.’” — Yes, but not by the light and for the light that we see. The light that we see could never form an eye in its inner formative forces. But take a human being, a human face. Take this human face—the noble brow, the prominent nose, the eyes, the physiognomy. Let us add the gesture. If we were to record this merely spatially using a recording device, we would indeed capture the forms. But when we look at a human being, we are not satisfied with merely capturing the forms spatially with a recording device; rather, through the spatial movements of the gestures, we look toward the soul that lies behind them. Sunlight reaches us. Outside is the sun; sunlight comes to us. That is the front side. The back side of the sunlight—the spirit of the sunlight—lies behind it. And within this soul and this spirit, we find ourselves between death and a new birth. There, the light is something else. When you speak of the gaze and mean the soul that meets us through the eye, you are actually referring to what lies behind the eye in the soul. When I now speak of the spiritual in the light, I also mean that which lies behind the sun. That is the spirit of light; that is the soul of light. The eye, which is already fully formed, sees the front side of the light—the physical. But the eye is formed by the spiritual, by the soul of light, by what lies behind it. This is what one must say if one has understood Goethe’s statement: The eye sees the light, but is formed by the soul, by the spirit of light, before it takes on physical form here on Earth.
[ 15 ] Im ganzen Menschen sehen wir umgestaltete geistige Wesenheit, die wiederum zurückgestaltet wird. Sie übergeben mit dem Tode der Erde Ihre physischen Sinnesorgane. Aber dasjenige, was in den physischen Sinnesorganen lebt, das leuchtet auf zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und wird gerade Ihr inneres Zusammensein mit den geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien. Und jetzt begreifen Sie, inwiefern die irdische tönende Welt der physische Abglanz der Himmelssphärenharmonien ist und wie der Mensch nicht ein Ergebnis dieser Erdenkräfte ist, sondern ein Ergebnis der Himmelskräfte und sich in diese Erdenkräfte hineinstellt. Und wir sehen, wie er sich hineinstellt. Er würde Ohr nach unten, und müßte, wenn er in dieser Situation bliebe, jedenfalls nicht gehen, sondern er müßte eine andere Art der Bewegung bekommen, er müßte sich auf den Wellen der Weltenharmonien bewegen, so wie sich im kleinen Nachbilde das Ohrknöchelchen auf den Wellen des Trommelfelles bewegt. Mit dem Ohre lernen wir hören, mit dem Kehlkopf und den Organen, die gegen den Mund zu liegen bis zum Munde hin, lernen wir sprechen und singen.
[ 15 ] In the whole human being, we see a transformed spiritual being that is, in turn, being transformed back. Upon death, they surrender their physical sense organs to the Earth. But that which lives within the physical sense organs shines forth between death and a new birth and becomes precisely your inner communion with the spiritual beings of the higher hierarchies. And now you can understand to what extent the earthly world of sound is the physical reflection of the harmonies of the celestial spheres, and how the human being is not a product of these earthly forces, but rather a product of the celestial forces, and how he places himself within these earthly forces. And we see how he places himself within them. He would have his ear pointing downward, and if he were to remain in this position, he certainly could not walk; rather, he would have to adopt a different kind of movement—he would have to move upon the waves of the world’s harmonies, just as, in a small-scale replica, the ossicles of the ear move upon the waves of the eardrum. With the ear we learn to hear; with the larynx and the organs extending from the throat toward the mouth, we learn to speak and sing.
[ 16 ] Sie hören, sagen wir, irgendein Wort: «Baum.» Sie können selbst das Wort «Baum» sprechen, verbinden damit einen Sinn. Was heißt das: Sie hören das Wort «Baum»? Das heißt, es lebt in Ihrem Ohre auf die Art, wie ich es jetzt geschildert habe, in Organen, die himmlischen Tätigkeiten nachgebildet sind, dasjenige, was Sie in dem einfachen Wort «Baum» aussprechen. Sie können das Wort «Baum» sagen. Was bedeutet das, Sie können das Wort «Baum» sagen? Das bedeutet, die irdische Luft wird durch den Kehlkopf und die Werkzeuge Ihres Mundes und so weiter in eine solche Formation gebracht, daß das Wort «Baum» zur Offenbarung kommt. Aber das ist das zweite Ohr gegenüber dem Hören. Das dritte ist aber etwas anderes, das nur nicht genügend wahrgenommen wird. Wenn Sie das Wort «Baum» hören, dann sprechen Sie mit Ihrem ätherischen Leibe leise — nicht mit ihrem physischen Leibe, aber mit ihrem ätherischen Leibe —, leise auch «Baum». Und durch die sogenannte eustachische Trompete, die vom Munde in das Ohr geht, tönt ätherisch das Wort «Baum» dem von außen kommenden Wort «Baum» entgegen. Die zwei begegnen sich und dadurch verstehen Sie das Wort «Baum». Sonst würden Sie das hören, und es wäre irgend etwas. Verstehen tun Ste es dadurch, daß Sie dasjenige, was von außen kommt, durch die eustachische Trompete zurücksagen. Und indem so die Schwingungen von außen sich begegnen mit den Schwingungen von innen und sich ineinanderlegen, versteht der innere Mensch dasjenige, was von außen kommt.
[ 16 ] Let’s say you hear a word: “tree.” You can say the word “tree” yourself and associate a meaning with it. What does it mean to hear the word “tree”? It means that what you express in the simple word “tree” comes to life in your ear in the way I have just described—in organs that are modeled after celestial activities. You can say the word “tree.” What does it mean that you can say the word “tree”? It means that the earthly air is shaped through the larynx and the organs of your mouth and so on into such a formation that the word “tree” comes into being. But that is the second ear in relation to hearing. The third, however, is something else entirely—it’s just not perceived sufficiently. When you hear the word “tree,” you speak “tree” softly with your etheric body—not with your physical body, but with your etheric body—and softly as well. And through the so-called Eustachian tube, which runs from the mouth to the ear, the word “tree” resounds etherically in response to the word “tree” coming from outside. The two meet, and through this you understand the word “tree.” Otherwise, you would hear it, and it would be just something. You understand it by repeating back through the Eustachian tube what comes from the outside. And as the vibrations from the outside meet the vibrations from the inside and intertwine, the inner self understands what comes from the outside.
[ 17 ] Sie sehen, wie wunderbar die Dinge im menschlichen Organismus ineinandergreifen. Damit ist aber etwas anderes verbunden, und das ist das Folgende. Stellen Sie sich vor, Sie haben die Absicht, den Menschen kennenzulernen in bezug auf seine Ohrenorganisation, Augenorganisation und Nasenorganisation und so weiter. Gut. Sie sagen sich, die Wissenschaft ist großartig vorgeschritten, und diese Fortschritte der Wissenschaft sind ja heute zwar etwas teuer zu erhalten, aber man kann sie immerhin doch erhalten, wenn man sich die nötigen Mark verschafft; man kauft sich eine Physiologie oder Anatomie, je nachdem man eben die Gestalt oder die Funktionen kennenlernen will, oder man läßt sich einschreiben an einer Universität und hört sich an, was da gesagt wird über das Auge, das Ohr, oder man liest es. Sie können ja dabei sehr vieles lernen, aber ich glaube, in einem gewissen Sinne bleibt Ihr Gemüt dabei doch kalt. Es ist schon so, es bleibt das Gemüt kalt. Lassen Sie sich ein Ohr beschreiben von der äußeren Physiologie: Ihr Gemüt bleibt kalt, wird gar nicht engagiert. Die Sache ist in diesem Sinne recht objektiv. Wenn ich Ihnen aber die Sache so beschreibe, wie ich Ihnen jetzt beschrieben habe, wie das Verstehen des Wortes «Baum» zustande kommt, wie das Ohr ein Nachbild ist von himmlischer Tätigkeit, ich möchte einmal diejenige Seele kennenlernen, die dabei nicht in ein Gefühlsleben kommt, die nicht das Wunderbare der Sache empfindet, die nicht auch etwas fühlt bei einer solchen Darstellung. Man müßte ja wirklich innerlich vertrocknet sein, wenn man nicht von einer solchen Darstellung — gewiß, sie ist heute unvollkommen gegeben worden, sie könnte noch vollkommener gegeben werden, da würde das noch stärker hervortreten — zur Bewunderung der Welt und zur Bewunderung des Hereingestelltseins des Menschen aus der geistigen Welt in die physische käme.
[ 17 ] You can see how wonderfully everything in the human organism is interconnected. But there is something else connected to this, and it is as follows. Imagine that you intend to get to know the human being in terms of the structure of their ears, eyes, nose, and so on. All right. You tell yourself that science has made tremendous progress, and while these scientific advances are somewhat expensive to access today, you can still obtain them if you come up with the necessary funds; you buy a textbook on physiology or anatomy, depending on whether you want to learn about the structure or the functions, or you enroll at a university and listen to what is said there about the eye or the ear, or you read about it. You can certainly learn a great deal this way, but I believe that, in a certain sense, your spirit remains unmoved by it. It is indeed true—your spirit remains unmoved. Have someone describe the external physiology of the ear to you: your mind remains detached; it isn’t engaged at all. In this sense, the matter is quite objective. But if I describe it to you as I have just done—how the understanding of the word “tree” comes about, how the ear is an afterimage of heavenly activity—I would like to meet the soul that does not enter into an emotional life in response, that does not sense the wonder of the matter, that does not feel something at all upon hearing such a description. One would truly have to be inwardly withered not to be moved by such a description—admittedly, it has been presented imperfectly today; it could be presented even more perfectly, in which case this would stand out even more strongly—to admiration for the world and for the way human beings are placed from the spiritual world into the physical world.
[ 18 ] Das ist das, was anthroposophische Geisteswissenschaft hat. Sie stellt ebenso objektiv dar wie die andere Wissenschaft. Denn da ist gar nichts Subjektives hineingemischt, wenn ich beschreibe, daß das Ohr aus den Himmelssphären heraus gestaltet ist. Aber sogleich wird das Gefühl, das Gemüt engagiert. Das zweite Glied des menschlichen Seelenlebens, das innig zusammenhängt mit dem, wie wir sind als ganze Menschen, wird dabei engagiert. Mit anderen Worten: das, was der Kopf erwirbt durch solche Wissenschaft, davon wird zugleich das Herz engagiert. Dadurch geht anthroposophische Wissenschaft auf das Herz des Menschen, sie ist nicht Kopfwissenschaft, ist Wissenschaft, die zugleich auf das Herz geht; füllt nicht nur den Kopf, sondern füllt den Menschen an, der Blutkreislauf zugleich hat, der Herz hat. Und wiederum, wenn Sie das ernst nehmen, was ich gesagt habe, wenn wir unsere Beine bewegen, nun ja, man kann den Mechanismus der Beinbewegung heute studieren. Aber nehmen Sie sich so ein Physiologiebuch, lassen Sie sich den Mechanismus der Beinbewegung auseinandersetzen, eines wird ganz gewiß bei Ihnen nicht angeregt: das Verantwortlichkeitsgefühl. In dem Augenblick, wo Sie erfahren, daß dasjenige, wozu, zu etwas Gutem oder etwas Schlechtem, die Beine sich bewegen, Ihnen nach dem Tode von Götterwelten entgegenklingt als Konsonanz oder Dissonanz, und die richtenden Worte über Ihre Handlungen Ihnen entgegenklingen, in demselben Augenblicke wird das Wissen von dem Menschen begleitet von dem Verantwortlichkeitsgefühl, das die Willenshandlungen dann begleitet. Und nicht nur unser Gefühlsleben, sondern auch unser Willensleben wird in Anspruch genommen von demjenigen, was wir ebenso objektiv lernen zunächst für den Kopf wie die äußere Wissenschaft. Aber es stößt in den Gefühlsmenschen und in den Willensmenschen hinein. Daher spricht anthroposophische Wissenschaft zu dem ganzen Menschen, während wir immer mehr und mehr dazu gekommen sind, nur dasjenige als Wissen zu betrachten, was nur zum Kopfe spricht. Aber was nur zum Kopfe spricht, läßt das Gemüt kalt und den Willen nimmt es gar nicht in Anspruch.
[ 18 ] This is what anthroposophical spiritual science offers. It presents its findings just as objectively as other sciences. For there is absolutely nothing subjective mixed in when I describe how the ear is shaped by the celestial spheres. But immediately, the feeling, the soul, is engaged. The second aspect of human soul life—which is intimately connected with who we are as whole human beings—is engaged in this process. In other words: what the head acquires through such science simultaneously engages the heart. In this way, anthroposophical science speaks to the human heart; it is not merely a science of the head, but a science that simultaneously speaks to the heart; it fills not only the head, but the whole human being—who has a circulatory system and a heart. And again, if you take what I have said seriously, when we move our legs—well, one can study the mechanism of leg movement today. But pick up a physiology textbook, let it explain the mechanism of leg movement to you, and one thing it will certainly not stir within you: a sense of responsibility. The moment you learn that whatever purpose—whether for good or for evil—your legs move toward, will resound to you after death from the worlds of the gods as consonance or dissonance, and the judgmental words regarding your actions will resound to you—in that very moment, human knowledge is accompanied by a sense of responsibility that then accompanies acts of the will. And not only our emotional life, but also our volitional life is engaged by that which we learn just as objectively—initially for the intellect as we do in external science. But it penetrates into the emotional person and the volitional person. Therefore, anthroposophical science speaks to the whole human being, whereas we have increasingly come to regard as knowledge only that which speaks to the intellect. But what speaks only to the head leaves the soul cold and does not engage the will at all.
[ 19 ] Wir stehen einmal in dieser Krisis darinnen. Daher aber muß auch das Wissen von den übersinnlichen Welten durch den ganzen Menschen erworben werden. Schon wenn man zur imaginativen Erkenntnis aufsteigt, muß man diese imaginative Erkenntnis in Tätigkeit erwerben. Die gewöhnliche Erkenntnis, sie erwirbt man sich in gewissen Kreisen, die besonders geeignet sind, sie zu erwerben; man ochst sie ein. Also man erwirbt sie sich, und man einverleibt sie dem Gedächtnisse. Kommt man durch solche Übungen, wie ich sie beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dazu, imaginative Erkenntnisse zu erwerben, oder ist man dazu veranlagt, daß einem die geistig-begriffliche Welt als Veranlagung mitgegeben ist, wie ich es beschrieben habe in meinem Buche über «Goethes Weltanschauung», ist man dadurch schon im ätherischen Erkennen darinnen, das zugleich ein Erleben ist, dann muß man sich nicht so passiv an die Welt hingeben. Man kann nicht Geisteswissenschaften ochsen — vielleicht ein schlechter Witz —, daher diejenigen, welche nur das Ochsen gewohnt sind, die Geisteswissenschaft verachten. Aber, nicht wahr, sie muß tätig erworben sein, Geisteswissenschaft. Man muß innerlich etwas tun dabei, in Regsamkeit sein, und dabei ist es noch immer so, daß sich dasjenige, was man zunächst in Imagination erwirbt, bald verliert. Es ist flüchtig, es verschwindet bald. Dem Gedächtnisse verleibt es sich nicht leicht ein. Nach drei Tagen ist sicher alles verschwunden, was man oben — also nur durch die gewöhnliche Anstrengung, daß man es zur Imagination gebracht hat — erreicht hat. Deshalb verfällt auch nach drei Tagen die Erinnerung im Ätherleibe nach dem Tode. Das ist dieselbe Tätigkeit. Man erinnert sich nach dem Tode durch seinen Ätherleib drei Tage ungefähr. Es ist verschieden. Sie können darüber nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß». Aber ungefähr drei Tage erinnert man sich, solange man den Ätherleib hat. Und ebenso weiß derjenige, der sich ein ätherisches Erkennen erworben hat, daß das nach drei Tagen verflogen ist, wenn er nicht alle Anstrengungen macht, es herunterzubekommen zu gewöhnlichen Begriffen.
[ 19 ] We find ourselves in the midst of this crisis. For this reason, however, knowledge of the supersensible worlds must be acquired through the whole human being. Even when one ascends to imaginative knowledge, one must acquire this imaginative knowledge through active engagement. Ordinary knowledge is acquired in certain spheres that are particularly suited to acquiring it; one absorbs it. Thus, one acquires it and incorporates it into one’s memory. If, through exercises such as those I have described in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* to acquire imaginative insights, or if one is predisposed to have the spiritual-conceptual world as an innate disposition—as I have described in my book on “Goethe’s Worldview”—then one is already immersed in etheric cognition, which is at the same time an experience; in that case, one need not surrender oneself to the world so passively. One cannot “plow” spiritual science—perhaps a bad joke—which is why those who are accustomed only to plowing despise spiritual science. But, isn’t it true that spiritual science must be actively acquired? One must do something inwardly in the process, be active, and yet it is still the case that what one initially acquires through imagination is soon lost. It is fleeting; it disappears quickly. It does not easily become part of one’s memory. After three days, everything one has achieved “up there”—that is, merely through the ordinary effort of bringing it to the level of imagination—will certainly have vanished. That is why, after death, the memory in the etheric body also fades after three days. It is the same process. After death, one remembers through one’s etheric body for about three days. It varies. You can read about this in my *Outline of Esoteric Science*. But one remembers for about three days, as long as one has the etheric body. And likewise, anyone who has acquired etheric knowledge knows that it has vanished after three days unless they make every effort to translate it into ordinary concepts.
[ 20 ] Ich habe mir früher immer damit geholfen, daß ich alles dasjenige, was so errungen wurde, immer gleich niedergeschrieben oder in Zeichnungen niedergelegt habe; da ist nur der Kopf in Tätigkeit. Das ist nicht ein mediales Schreiben; es ist auch nicht aus dem Grunde niedergeschrieben, daß es nachher gelesen werden kann. Das würde auch ungeheuer schwer sein bei dem jetzigen Leben. Ich habe jetzt wieder, wie ich in Berlin war, gesehen, was für Stöße von Notizbüchern da aufgestapelt sind. Wollte ich irgend etwas davon lesen, so hätte ich es eben nicht, wenn ich in Dornach oder in Stuttgart bin. Es handelt sich nicht um das nachträgliche Lesen, sondern es handelt sich darum, in der Tätigkeit zu sein, die Kopftätigkeit ist. Dann vereinigt man das imaginative Denken mit dem gewöhnlichen Denken. Dann kann man es erinnern. Dann kann man darüber Vorträge halten. Wenn man nicht solche Anstrengungen machte, könnte man höchstens am nächsten Tag darüber reden; dann wäre es verschwunden, ebenso wie die Rückschau nach dem Tode nach drei Tagen verschwunden ist.
[ 20 ] I used to help myself by immediately writing down or sketching everything I had achieved in this way; it’s just the mind at work. This is not mediumistic writing; nor is it written down so that it can be read later. That would also be incredibly difficult given my current lifestyle. Now, while I was in Berlin, I saw once again the piles of notebooks stacked up there. If I wanted to read any of them, I simply wouldn’t have them with me when I’m in Dornach or Stuttgart. It’s not about reading them later; rather, it’s about being engaged in the activity of thinking. Then one combines imaginative thinking with ordinary thinking. Then one can recall it. Then one can give lectures on it. If one did not make such efforts, one could at most talk about it the next day; then it would be gone, just as the retrospective vision after death disappears after three days.
[ 21 ] Sie sehen daraus also, daß schon das imaginative Denken sich an den ganzen Menschen richtet, und daß der ganze Mensch leben muß in einer solchen imaginativen Erkenntnis. Das ist bei den höheren Erkenntnissen noch viel mehr der Fall. Nun brauchen Sie sich nicht zu verwundern, daß dann auch eine solche Erkenntnis den ganzen Menschen anspricht. Aber man merkt dann auch, daß in der Welt eben noch vieles andere ist als dasjenige, was für die äußeren Sinne wahrnehmbar ist. Und man merkt vor allen Dingen, wie es möglich ist, in einer Welt zu leben, in der der Raum keine Bedeutung mehr hat. Das Musikalische ist schon ein Vorgeschmack, möchte ich sagen, für das Unräumliche. Denn das Räumliche ist ja draußen eigentlich, sagen wir, äußerlich vorhanden. Aber im Innerlichen, in dem, was durch das Musikalische eigentlich realisiert wird, da spielt ja das Räumliche höchstens im-Nachklang eine Rolle. Aber bei der imaginativen Erkenntnis hört nach und nach das Räumliche ganz auf. Es wird alles zeitlich. Das Zeitliche im Imaginativen hat da die Bedeutung wie das Räumliche im Physischen. Und das führt jetzt zu etwas anderem. Das führt dazu, einzusehen, daß das Zeitliche ein Bleibendes eigentlich ist. Das Zeitliche ist wirklich ein Bleibendes. Und der, der zur imaginativen Erkenntnis aufsteigt, der lernt eben allmählich zunächst in jedem Punkte seines gewesenen Erdenseins wahrzunehmen. Man wird wiederum achtzehnjährig, wenn man schon ein ganz alter Kerl ist. Man nimmt die Jugend mit derselben Lebendigkeit wahr, wie man sie als Achtzehnjähriger wahrnimmt. Ich meine so: nehmen Sie an, Sie haben, als Sie achtzehn Jahre alt waren, eine Ihnen nahestehende Persönlichkeit verloren. Denken Sie, wie lebendig es war, was Sie erlebt haben dabei. Denken Sie, wie blaß das ist in der Erinnerung nach dreißig Jahren, es braucht nicht dreißig Jahre zu sein; es wird blaß, Selbst beim gefühlvollsten Menschen wird es blaß. Es muß auch im äußeren Erdenleben so sein. Aber deshalb, weil das verglimmt in der späteren Gegenwart, bleibt es dennoch vorhanden als wirkliches Glied der menschlichen Wesenheit. Und man kann sich in der Tat wieder zurück versetzen und man wird auch zurückversetzt nach dem Tode. Da erlebt man dasselbe mit derselben Intensität wieder. Das gehört zum Menschen: was er durchgemacht bat, bleibt, ist nur für die Anschauung ein Vergangenes. Daher hat es auch seine Bedeutung.
[ 21 ] So you can see from this that even imaginative thinking is directed toward the whole human being, and that the whole human being must live within such imaginative knowledge. This is even more true of higher forms of knowledge. Now, you need not be surprised that such knowledge also speaks to the whole human being. But one also realizes that there is much more in the world than what is perceptible to the external senses. And above all, one realizes how it is possible to live in a world in which space no longer has any significance. Music is, I would say, a foretaste of the non-spatial. For the spatial is, after all, present outside—let’s say, externally. But within, in what is actually realized through music, the spatial plays a role, if at all, only in the afterglow. But in imaginative insight, the spatial gradually ceases entirely. Everything becomes temporal. The temporal in the imaginative realm has the same significance there as the spatial does in the physical. And this now leads to something else. It leads to the realization that the temporal is, in fact, something enduring. The temporal is truly enduring. And the one who ascends to imaginative insight gradually learns, first of all, to perceive every aspect of his past earthly existence. You become eighteen again, even if you’re already a very old man. You perceive your youth with the same vividness as you did when you were eighteen. Let me explain it this way: suppose you lost someone very close to you when you were eighteen. Think of how vivid your experience was at the time. Think how faint that memory is after thirty years—it doesn’t have to be thirty years; it fades, even for the most sensitive person it fades. It must be the same in outward earthly life as well. But even though it fades in the later present, it nevertheless remains as a real part of the human being. And one can indeed transport oneself back to that time, and one is also transported back after death. There, one experiences the same thing again with the same intensity. This is part of being human: what one has gone through remains; it is only in our perception that it belongs to the past. That is why it also has its significance.
[ 22 ] Würden Sie mit sieben Jahren geboren werden, also bis zum siebenten Jahre, sagen wir, in irgendeiner anderen Form des Daseins, zum Beispiel im Embryonalzustand sein, dann erst geboren werden, aber so geboren werden, daß Sie gleich die zweiten Zähne bekämen, daß Sie also die ersten Zähne schon während des Embryonalzustandes bekommen hätten, dann würden Sie niemals religiöse Menschen werden können. Denn die Veranlagung zur Religiosität würde nicht mehr weiterwirken können in ein solches Erdenleben hinein. Alles, was Sie an Religiosität in sich tragen, tragen Sie deshalb in sich, weil die ersten sieben Jahre des Lebens in Ihnen stecken. Sie nehmen sie nicht wahr als eine Gegenwart, aber sie stecken doch als Gegenwart in Ihnen. Wir sind ganz hingegeben an die Außenwelt in den ersten sieben Jahren. Darin ist religiöse Stimmung. Wir übertragen nur diese Stimmung auf anderes. In den ersten sieben Jahren haben wir den Nachahmungstrieb für alles, was uns umgibt. Später ist diese selbe Stimmung für Hingabe an Seelisch-Geistiges. — Und wenn wir im vierzehnten Jahre geboren würden, gleich geschlechtsreif, dann würden wir niemals moralische Menschen werden. Denn das Moralische müssen wir uns in innerer Ausbildung des Rhythmus zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre erwerben. Daher haben wir auch in der Volksschulerziehung so großen Einfluß auf die moralische Erziehung des Menschen. Dieses tragen wir später in uns. Wir tragen ja immer alles in uns. Wenn Sie sich in die große Zehe schneiden, dann ist das sehr weit vom Kopfe weg, aber Sie erleben doch durch den Kopf den Schmerz, den Sie da spüren. Wenn Sie heute religiös fühlen, so ist eigentlich das in Ihnen tätig, was Sie nur in bezug Auf das Äußere seelisch bis zu Ihrem siebenten Jahre, bis zum Zahnwechsel erlebt haben. So wie Sie den Schmerz an der Zehe in Ihrer Kopftätigkeit spüren, so ist dasjenige, was Sie bis zu Ihrem siebenten Jahre erlebt haben, bei Ihrem vierzigsten Jahre tätig. Es ist da.
[ 22 ] If you were to be born at the age of seven—that is, to remain in some other form of existence, say, in an embryonic state, until the age of seven—and only then be born, but born in such a way that you would immediately receive your second set of teeth—meaning that you would have already received your first set of teeth during the embryonic stage—then you would never be able to become religious people. For the predisposition toward religiosity would no longer be able to continue to take effect in such an earthly life. Everything you carry within you in terms of religiosity, you carry because the first seven years of life are embedded within you. You do not perceive them as a present reality, but they are nevertheless present within you. We are completely devoted to the external world during the first seven years. There is a religious mood within this. We simply transfer this mood to other things. In the first seven years, we have the impulse to imitate everything around us. Later, this same mood is directed toward devotion to the soul and spirit. — And if we were born at the age of fourteen, already sexually mature, then we would never become moral human beings. For we must acquire morality through the inner development of the rhythm between the ages of seven and fourteen. That is why we also have such a great influence on a person’s moral education in elementary school. We carry this within us later on. After all, we always carry everything within us. If you cut your big toe, that is very far from your head, yet you still experience the pain you feel there through your head. If you feel religious today, what is actually at work within you is what you experienced emotionally—in relation to the external world—only up to the age of seven, until your teeth began to fall out. Just as you feel the pain in your big toe through your mental activity, so too is what you experienced up to the age of seven still at work when you are forty. It is there.
[ 23 ] Das hat eine wichtige Konsequenz. Es gibt sehr viele Leute, die sagen: Nun ja, anthroposophische Geisteswissenschaft ist ja ganz hübsch, unterrichtet uns von den übersinnlichen Welten; aber wozu braucht man denn das zu wissen von den Erlebnissen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt? Wenn man stirbt, kommt man ja doch in diese Welten, da wird man das ja noch rechtzeitig genug erfahren. Wozu braucht man sich anzustrengen zwischen der Geburt und dem Tode? Man kommt ja doch hinein. — Ja, meine lieben Freunde, die Sache ist aber nicht so. Denn das Zeitliche ist Realität. Wie hier in der physischen Welt das Räumliche Realität ist, so ist für die übersinnliche Welt das Zeitliche und sogar das Überzeitliche Realität. Hier steckt im späteren Leben der kindliche Mensch noch in Ihnen. Wenn Sie durch die Pforte des Todes gehen, steckt überhaupt die ganze Zeit in einem einzigen Augenblick in Ihnen, gehört zu Ihnen, zu Ihrer Organisation. Sie können, indem Sie Mensch hier im Raume sind, sagen: Wozu brauche ich denn ein Auge? Das Licht ist ja doch um mich herum. Das Auge hat ja weiter keine Bedeutung, als das Licht zu sehen; aber herum ist es doch um mich. — Ja, so redet der auf einem anderen Gebiet, der sagt: Wozu brauchen wir Geisteswissenschaft auf Erden? Wenn wir ins Geisterreich einziehen, ist ja doch das geistige Licht um uns herum. — Das ist geradeso gescheit, wie wenn einer sagt: Das Licht ist ohnedies da, wozu brauche ich ein Auge? — Was jemand durch anthroposophische Geisteswissenschaft erfährt, das ist ja dann nicht verloren, das ist dann das Auge, wodurch er das geistige Licht wahrnimmt. Und wenn er hier auf Erden in unserem jetzigen Stadium der Menschheitsentwickelung keine geistige Wissenschaft entwickelt, dann hat er kein Auge, durch das er die geistige Welt wahrnehmen kann, und er ist wie geblendet durch das, was er erlebt.
[ 23 ] This has an important implication. There are many people who say: Well, anthroposophical spiritual science is all well and good—it teaches us about the supersensible worlds—but why do we need to know about the experiences between death and a new birth? When we die, we’ll enter those worlds anyway, so we’ll find out soon enough. Why bother making an effort between birth and death? You’ll end up there anyway. — Yes, my dear friends, but that’s not how it is. For time is reality. Just as space is reality here in the physical world, so too is time—and even the timeless—reality in the supersensible world. Here, in your later life, the childlike human being is still within you. When you pass through the gate of death, the entirety of time is contained within a single moment within you; it belongs to you, to your being. While you are a human being here in space, you might say: Why do I need an eye? The light is all around me anyway. The eye has no other purpose than to see the light; but the light is all around me anyway. — Yes, that is how someone in another field speaks, saying: “Why do we need spiritual science on Earth? When we enter the spiritual realm, the spiritual light is all around us anyway.” — That is just as sensible as if someone were to say: “The light is there anyway; why do I need an eye?” — What a person experiences through anthroposophical spiritual science is not lost; it becomes the eye through which he perceives the spiritual light. And if he does not develop spiritual science here on Earth at our present stage of human development, then he has no eye through which to perceive the spiritual world, and he is, as it were, blinded by what he experiences.
[ 24 ] In alten Zeiten war es so, daß die Leute noch als Nachblüte ihres vorirdischen Lebens ein instinktives Hellsehen hatten. Dieses ist vergangen und verglommen. Das ist nicht mehr da, dieses instinktive Hellsehen. Die Menschen mußten sich in einem Zwischenstadium das Freiheitsgefühl erwerben. Aber die Menschen sind wiederum in das Stadium eingetreten, wo sie ein Auge brauchen für die geistige Welt, in die sie eintreten nach dem Tode. Und dieses Auge werden sie nicht haben, wenn sie es sich nicht hier auf Erden erwerben. So wie das physische Auge im vorirdischen Dasein erworben werden muß, so muß das Auge für das Wahrnehmen des Übersinnlichen nach dem Tode hier durch Geisteswissenschaft, durch geistiges Erkennen erworben werden. Nicht durch Hellsehen, das ist jedes Menschen eigene Sache, aber durch Verstehen mit dem gesunden Menschenverstande dessen, was durch die hellseherische Forschung erkundet wird. Es ist einfach nicht wahr, wenn gesagt wird, man muß selber in die geistige Welt hineinsehen, wenn man die Dinge glauben wollte, die die Hellseher sagen. O nein, so ist es nicht. Man gebrauche seinen gesunden Menschenverstand, und man wird einsehen, daß das Ohr eigentlich Himmelsorgan ist, man wird das durch seinen gesunden Menschenverstand einsehen. Gefunden werden kann eine solche Tatsache nur durch die hellseherische Forschung, wenn sie aber gefunden ist, kann sie durchschaut werden. Man muß sich nur darauf einlassen, die Sache durchzudenken und durchzufühlen. Und dieses Erkennen durch den gesunden Menschenverstand desjenigen, was aus der geistigen Welt heraus gegeben ist, nicht das Hellsehen, sondern dieses Erkennen, das gibt das geistige Auge nach dem Tode. Dieses geistige Auge muß sich der Hellseher ebenso erwerben, wie es der andere Mensch auch erwerben muß. Was man durch imaginative Erkenntnis erworben hat, was man erschaut hat, verfällt nach wenigen Tagen. Es verfällt nur dann nicht, wenn man es auf den Standpunkt des gewöhnlichen Begreifens heruntergebracht hat. Man ist gezwungen, diese Sache dann ebenso zu begreifen, wie sie der begreift, dem man sie mitteilt. Denn dasjenige, was die Aufgabe des Menschen auf Erden ist, ist ja nicht unmittelbar das Hellsehen. Das Hellsehen muß nur da sein, damit man die übersinnlichen Wahrheiten finden kann. Aber das, was die Aufgabe des Menschen auf Erden ist, ist das Begreifen der übersinnlichen Wahrheiten mit dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstand.
[ 24 ] In ancient times, people still possessed an instinctive clairvoyance as a lingering remnant of their pre-earthly life. This has passed and faded away. That instinctive clairvoyance is no longer present. Human beings had to acquire a sense of freedom during an intermediate stage. But they have now re-entered the stage where they need an eye for the spiritual world they will enter after death. And they will not have this eye unless they acquire it here on Earth. Just as the physical eye must be acquired in pre-earthly existence, so too must the eye for perceiving the supersensible after death be acquired here through spiritual science, through spiritual knowledge. Not through clairvoyance—that is a matter for each individual—but through understanding, with sound common sense, what is explored through clairvoyant research. It is simply not true when people say that one must look into the spiritual world oneself if one wants to believe the things that clairvoyants say. Oh no, that is not the case. Use your common sense, and you will realize that the ear is actually a heavenly organ; you will realize this through your common sense. Such a fact can only be discovered through clairvoyant research, but once it is discovered, it can be understood. One need only be open to thinking the matter through and feeling it deeply. And this recognition—through one’s common sense—of what is revealed from the spiritual world—not clairvoyance itself, but this recognition—is what the spiritual eye provides after death. The clairvoyant must acquire this spiritual eye just as any other person must acquire it. What one has gained through imaginative insight—what one has beheld—fades after a few days. It does not fade unless one has brought it down to the level of ordinary understanding. One is then compelled to grasp this matter in the same way as the person to whom it is communicated. For what constitutes the human being’s task on earth is not clairvoyance itself. Clairvoyance must simply be present so that one can discover the supersensible truths. But what constitutes the human being’s task on earth is the comprehension of these supersensible truths through ordinary, sound human reason.
[ 25 ] Das ist außerordentlich wichtig. Gerade das wollen auch feinere Geister der Gegenwart nicht zugeben. Als ich in Berlin einmal vor einiger Zeit in einem Öffentlichen Vortrage das auseinandersetzte, da behauptete jemand, das wäre eine besondere Sünde gewesen, daß ich sagte, Geisteswissenschaft ist mit dem gesunden Menschenverstande einzusehen, denn — er stellte das nun als ein Dogma hin — der Verstand, der gesund ist, der sieht nichts Geistiges ein, und der, welcher Geistiges einsieht, von dem kann man sagen, daß er nicht gesund ist. Das wurde als eine Kritik tatsächlich eingewendet. Diese Dinge sind sehr charakteristisch, denn es beruht ja auf nichts anderem, als daß die Menschen sagen: Wer etwas Geistiges behauptet, hat überhaupt einen kranken Verstand. — Zu größerer Weisheit braucht man sich eben nicht aufzuschwingen als zu dieser. Aber diese Weisheit ist leider eine heute sehr verbreitete. Sie werden daraus ersehen, wie wahr das ist, was ich immer gesagt habe, daß heute die Zeit wieder gekommen ist, wo die Menschheit darauf angewiesen ist, Geistiges aufzunehmen, Geistiges sich einzuverleiben, mit Geistigem zu leben. Deshalb sollten wir nicht nur theoretisch anthroposophische Geisteswissenschaft erwerben, sondern wir sollten uns bewußt sein, daß in denjenigen, die diese Geisteswissenschaft erwerben, das Bewußtsein leben muß, den Kern einer Menschheit zu bilden, die sich immer mehr und mehr ausbreitet, und wiederum den erst ganz als Menschen ansieht, der sich seines Zusammenhanges mit dem Geistigen bewußt ist. Dann kommt nämlich über die Menschheit ein großartiges Gefühl, ein Gefühl, das vor allen Dingen auch wichtig ist, pädagogisch und didaktisch verarbeitet zu werden. Die gewöhnliche Kopferkenntnis ist eigentlich moralisch neutral. Sobald wir ins geistige Gebiet hinaufkommen, fühlen wir das geistige Gebiet überall durchdrungen von Moralität. Sie brauchen sich nur an das zu erinnern, was ich gesagt habe: im Zusammensein mit den höheren Hierarchien bilden wir die Liebe aus. Moralität auf Erden ist nur ein Nachbild eines Erlebnisses in den himmlischen Sphären. Aber wie erleben wir dann dasjenige, was wir «gut» nennen? Wir erleben es so, daß wir sagen: Der Mensch ist in Wahrheit nicht nur ein physisches, er ist auch ein geistiges Wesen. Wenn er wirklich sich in die geistige Welt einlebt, dann lernt er mit dem Geiste das Gute in sich aufnehmen.
[ 25 ] This is extremely important. It is precisely this that even the more refined minds of our time refuse to admit. When I discussed this some time ago during a public lecture in Berlin, someone claimed that it was a particular sin for me to say that spiritual science can be understood through common sense, because —he presented this as a dogma—a sound mind cannot comprehend anything spiritual, and anyone who does comprehend the spiritual can be said not to have a sound mind. This was actually raised as a criticism. These things are very characteristic, for they rest on nothing other than people saying: Anyone who asserts something spiritual has an unsound mind to begin with. — One need not aspire to any greater wisdom than this. But this wisdom is, unfortunately, very widespread today. You will see from this how true it is, as I have always said, that the time has come again when humanity is dependent on taking in the spiritual, incorporating the spiritual, and living with the spiritual. That is why we should not only acquire anthroposophical spiritual science theoretically, but we should also be aware that those who acquire this spiritual science must carry within them the consciousness of forming the core of a humanity that is spreading more and more, and which, in turn, regards as a true human being only those who are conscious of their connection to the spiritual. For then a magnificent feeling will come over humanity—a feeling that, above all, must also be processed pedagogically and didactically. Ordinary intellectual knowledge is actually morally neutral. As soon as we ascend into the spiritual realm, we feel that the spiritual realm is permeated everywhere by morality. You need only recall what I have said: in our communion with the higher hierarchies, we develop love. Morality on earth is merely a reflection of an experience in the heavenly spheres. But how, then, do we experience what we call “good”? We experience it in such a way that we say: Human beings are, in truth, not merely physical beings; they are also spiritual beings. When they truly immerse themselves in the spiritual world, they learn to take in the good within themselves through the spirit.
[ 26 ] Das ist im wesentlichen auch der Grundgedanke der «Philosophie der Freiheit». Der Mensch lernt mit dem Geiste das Gute aufnehmen. Wenn er das Gute nicht aufnimmt, ist er kein ganzer Mensch. Er ist ein verstümmelter, ein verkrüppelter Mensch. Er ist so, wie wenn ihm beide Arme weggeschossen wären. Wenn ihm beide Arme genommen sind, ist er physisch verkrüppelt. Wenn ihm das Gute fehlt, ist er seelisch-geistig verkrüppelt. Wandeln Sie diesen Gedanken mit seiner Wirkung auf Gefühl und Willen pädagogisch-didaktisch um und richten Sie die Erziehung so ein, daß der Mensch ein lebendiges Gefühl hat, wenn er geschlechtsreif wird, bis dahin muß es ausgebildet sein: Ich bin kein ganzer Mensch, ich habe nicht das Recht, mich Mensch zu nennen, wenn ich nicht gut bin — dann haben Sie einen guten moralischen Unterricht, einen moralischen Menschheitsunterricht gegeben, während alles Pochen auf moralisches Predigen und so weiter nichts ist. Nun, wenn Sie den Menschen so erziehen, daß er in sich das Moralische zu seinem Menschen, zu seinem individuellen Menschen gehörig betrachtet, und sich verkrüppelt fühlt, wenn er nicht das Moralische hat, eben gerade sich nicht ganz als Mensch fühlt, wenn er das Moralische nicht hat, kurz, wenn er das Moralische ganz in sich entdeckt, dann werden zwar allerlei Philosophen das schrecklich finden und es undeutsch, oder wie man will, nennen, während es gerade das reinste deutsche Produkt jedenfalls ist; aber es ist etwas, was das Geistige dann so nahe als möglich an den Menschen heranbringt, und zwar, wie wir heute es heranbringen müssen an das unmittelbar einzelne menschliche Individuum, weil nur die einzelne menschliche Wesenheit, das menschliche Individuum in dem heutigen Zeitalter zu seiner eigenen vollen Verantwortung kommt.
[ 26 ] This is essentially also the central idea of the *Philosophy of Freedom*. Human beings learn to take in the good through the spirit. If they do not take in the good, they are not whole human beings. They are mutilated, crippled human beings. It is as if both their arms had been blown off. If both arms are taken from him, he is physically crippled. If he lacks the good, he is spiritually and mentally crippled. Translate this idea—along with its effect on feeling and will—into pedagogical and didactic terms, and structure education in such a way that a person has a living sense of it by the time they reach sexual maturity; by then, it must have been developed: “I am not a whole person; I have no right to call myself a human being if I am not good”—then you will have provided sound moral instruction, a moral education in humanity, whereas all this insistence on moral preaching and the like amounts to nothing. Now, if you educate people in such a way that they regard morality as an integral part of their humanity—of their individual humanity—and feel crippled when they lack it, indeed feel that they are not fully human when they lack it, in short, if they discover the moral within themselves in its entirety, then all sorts of philosophers will find this appalling and call it un-German, or whatever one wishes to call it, while it is, in any case, the purest German product; but it is something that brings the spiritual as close as possible to human beings—and indeed, as we must bring it today to the immediate, individual human being—because only the individual human being, the human individual, assumes full responsibility for himself in the present age.
