Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220
21 January 1923, Dornach
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Lebendiges Naturerkennen Intellektueller Sündenfall und spirituelle Sündenerhebung
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Sie haben aus den vorherigen Andeutungen gesehen, daß es mir obliegt, in dieser Zeit über das Bewußtsein zu sprechen, das als eine von den Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft erobert werden muß. Und ich möchte heute zunächst darauf hindeuten, wie dieses Bewußtsein nur dadurch errungen werden kann, daß die ganze Kultur- und Zivilisationsaufgabe in der Gegenwart wirklich erfaßt wird vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus. Bei den verschiedensten Gelegenheiten habe ich versucht, von diesem Standpunkt aus zu charakterisieren, was mit dem in allen Religionsbekenntnissen erwähnten Sündenfall der Menschheit gemeint ist. Die Religionsbekenntnisse sprechen von diesem Sündenfall, der im Ausgangspunkt der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit liegt, und wir haben durch die verschiedenen Auseinandersetzungen in den verflossenen Jahren gesehen, wie dieser Sündenfall, den ich ja heute nicht genauer zu charakterisieren brauche, ein Ausdruck ist für das, was einmal im Laufe der Menschheitsentwickelung eingetreten ist: das Selbständigwerden des Menschen gegenüber den ihn führenden göttlich-geistigen Mächten.
[ 1 ] Sie haben aus den vorherigen Andeutungen gesehen, daß es mir obliegt, in dieser Zeit über das Bewußtsein zu sprechen, das als eine von den Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft erobert werden muß. Und ich möchte heute zunächst darauf hindeuten, wie dieses Bewußtsein nur dadurch errungen werden kann, daß die ganze Kultur- und Zivilisationsaufgabe in der Gegenwart wirklich erfaßt wird vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus. Bei den verschiedensten Gelegenheiten habe ich versucht, von diesem Standpunkt aus zu charakterisieren, was mit dem in allen Religionsbekenntnissen erwähnten Sündenfall der Menschheit gemeint ist. Die Religionsbekenntnisse sprechen von diesem Sündenfall, der im Ausgangspunkt der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit liegt, und wir haben durch die verschiedenen Auseinandersetzungen in den verflossenen Jahren gesehen, wie dieser Sündenfall, den ich ja heute nicht genauer zu charakterisieren brauche, ein Ausdruck ist für das, was einmal im Laufe der Menschheitsentwickelung eingetreten ist: das Selbständigwerden des Menschen gegenüber den ihn führenden göttlich-geistigen Mächten.
[ 2 ] Wir wissen ja, daß das Bewußtsein von dieser Selbständigkeit erst eingetreten ist, als die Bewußtseinsseele in der Menschheitsentwikkelung sich zeigte, also mit der ersten Hälfte des 15. nachchristlichen Jahrhunderts. Von diesem Zeitpunkt haben wir immer wieder und wiederum in den letzten Betrachtungen gesprochen. Aber im Grunde genommen ist die ganze, durch die Geschichte und durch die Mythen charakterisierte Menschheitsentwickelung eine Art von Vorbereitung für diesen wichtigen Moment des Bewußtwerdens des Menschen seiner Freiheit, seiner Selbständigkeit, eine Vorbereitung für die Tatsache, daß die Menschheit auf Erden dazu kommen soll, gegenüber den göttlich-geistigen Mächten eine selbständige Entschlußfähigkeit zu erringen. Und so weisen die Religionsbekenntnisse hin auf ein kosmisch-irdisches Ereignis, durch das die geistig-seelischen Instinkte, die in ganz alten Zeiten für das, was die Menschheit tat, allein maßgebend waren, abgelöst wurden eben durch diese freie Entschlußfassung des Menschen. Wie gesagt, wir wollen jetzt nicht davon sprechen, wie das im Genaueren aufzufassen ist — aber die Sache wird ja von den Religionsbekenntnissen so aufgefaßt, daß in bezug auf die moralische Impulsivität des Menschen dieser Mensch sich in einer gewissen Weise in Gegensatz gestellt hat gegenüber den führenden geistigen, sagen wir also, wenn wir mit dem Alten Testamente sprechen, gegenüber den Jahve- oder Jehova-Mächten. Es ist also zunächst die Sache so darzustellen, wenn wir auf diese Interpretation hinschauen, als ob der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkt seiner Entwickelung an nicht mehr gefühlt hätte, daß in ihm die göttlich-geistigen Mächte tätig waren und daß er nun selber tätig war.
[ 2 ] Wir wissen ja, daß das Bewußtsein von dieser Selbständigkeit erst eingetreten ist, als die Bewußtseinsseele in der Menschheitsentwikkelung sich zeigte, also mit der ersten Hälfte des 15. nachchristlichen Jahrhunderts. Von diesem Zeitpunkt haben wir immer wieder und wiederum in den letzten Betrachtungen gesprochen. Aber im Grunde genommen ist die ganze, durch die Geschichte und durch die Mythen charakterisierte Menschheitsentwickelung eine Art von Vorbereitung für diesen wichtigen Moment des Bewußtwerdens des Menschen seiner Freiheit, seiner Selbständigkeit, eine Vorbereitung für die Tatsache, daß die Menschheit auf Erden dazu kommen soll, gegenüber den göttlich-geistigen Mächten eine selbständige Entschlußfähigkeit zu erringen. Und so weisen die Religionsbekenntnisse hin auf ein kosmisch-irdisches Ereignis, durch das die geistig-seelischen Instinkte, die in ganz alten Zeiten für das, was die Menschheit tat, allein maßgebend waren, abgelöst wurden eben durch diese freie Entschlußfassung des Menschen. Wie gesagt, wir wollen jetzt nicht davon sprechen, wie das im Genaueren aufzufassen ist — aber die Sache wird ja von den Religionsbekenntnissen so aufgefaßt, daß in bezug auf die moralische Impulsivität des Menschen dieser Mensch sich in einer gewissen Weise in Gegensatz gestellt hat gegenüber den führenden geistigen, sagen wir also, wenn wir mit dem Alten Testamente sprechen, gegenüber den Jahve- oder Jehova-Mächten. Es ist also zunächst die Sache so darzustellen, wenn wir auf diese Interpretation hinschauen, als ob der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkt seiner Entwickelung an nicht mehr gefühlt hätte, daß in ihm die göttlich-geistigen Mächte tätig waren und daß er nun selber tätig war.
[ 3 ] Damit ist dann eingetreten, mit Bezug auf die moralische Gesamtauffassung- des Menschen, daß er sich als sündig fühlte, während er unfähig gewesen wäre, in die Sünde zu verfallen, wenn er im alten Stande geblieben wäre, in dem Stande des instinktiven Geführtwerdens durch göttlich-geistige Mächte. Während er da unfähig zu sündigen, also sündlos geblieben wäre wie ein bloßes Naturgeschöpf, ist er fähig geworden zu sündigen durch dieses Selbständigwerden gegenüber den göttlich-geistigen Mächten. Und es trat dann in der Menschheit dieses Sündenbewußtsein auf: Ich als Mensch bin nur dann nicht sündig, wenn ich meinen Weg wiederum zurückfinde zu den göttlich-geistigen Mächten. Was ich durch mich selber beschließe, das ist als solches sündhaft, und ich kann nur die Sündlosigkeit erringen dadurch, daß ich den Weg zu den göttlich-geistigen Mächten wiederum zurückfinde.
[ 3 ] Damit ist dann eingetreten, mit Bezug auf die moralische Gesamtauffassung- des Menschen, daß er sich als sündig fühlte, während er unfähig gewesen wäre, in die Sünde zu verfallen, wenn er im alten Stande geblieben wäre, in dem Stande des instinktiven Geführtwerdens durch göttlich-geistige Mächte. Während er da unfähig zu sündigen, also sündlos geblieben wäre wie ein bloßes Naturgeschöpf, ist er fähig geworden zu sündigen durch dieses Selbständigwerden gegenüber den göttlich-geistigen Mächten. Und es trat dann in der Menschheit dieses Sündenbewußtsein auf: Ich als Mensch bin nur dann nicht sündig, wenn ich meinen Weg wiederum zurückfinde zu den göttlich-geistigen Mächten. Was ich durch mich selber beschließe, das ist als solches sündhaft, und ich kann nur die Sündlosigkeit erringen dadurch, daß ich den Weg zu den göttlich-geistigen Mächten wiederum zurückfinde.
[ 4 ] Am stärksten ist dieses Sündenbewußtsein dann aufgetreten im Mittelalter. Und da begann auch die Intellektualität der Menschen, die eigentlich vorher noch nicht eine abgesonderte Fähigkeit war, sich zu entwickeln. So wurde gewissermaßen das, was der Mensch als Intellekt, als seinen intellektuellen Inhalt entwickelte, auch und zwar mit einem gewissen Recht — angesteckt von diesem Sündenbewußtsein. Nur sagte man es sich nicht, daß der Intellekt, der in der Entwickelung seit dem 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert heraufkam, nun auch angesteckt ist von dem Sündenbewußtsein. Es entwickelte sich zunächst das unbemerkte Sündenbewußtsein des Intellektes in der scholastischen Weisheit des Mittelalters.
[ 4 ] Am stärksten ist dieses Sündenbewußtsein dann aufgetreten im Mittelalter. Und da begann auch die Intellektualität der Menschen, die eigentlich vorher noch nicht eine abgesonderte Fähigkeit war, sich zu entwickeln. So wurde gewissermaßen das, was der Mensch als Intellekt, als seinen intellektuellen Inhalt entwickelte, auch und zwar mit einem gewissen Recht — angesteckt von diesem Sündenbewußtsein. Nur sagte man es sich nicht, daß der Intellekt, der in der Entwickelung seit dem 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert heraufkam, nun auch angesteckt ist von dem Sündenbewußtsein. Es entwickelte sich zunächst das unbemerkte Sündenbewußtsein des Intellektes in der scholastischen Weisheit des Mittelalters.
[ 5 ] Diese scholastische Weisheit des Mittelalters sagte sich: Wenn man den Intellekt in noch so scharfsinniger Weise als Mensch entwickelt, so kann man durch ihn doch nur die äußere physische Natur auffassen. Man kann durch den bloßen Intellekt höchstens beweisen, daß es ein Dasein göttlich-geistiger Kräfte gibt; aber man kann nichts erkennen von diesen göttlich-geistigen Kräften, man kann nur an die göttlich-geistigen Kräfte glauben. Man kann an das glauben, was sie selbst, sei es durch das Alte oder das Neue Testament, geoffenbart haben.
[ 5 ] Diese scholastische Weisheit des Mittelalters sagte sich: Wenn man den Intellekt in noch so scharfsinniger Weise als Mensch entwickelt, so kann man durch ihn doch nur die äußere physische Natur auffassen. Man kann durch den bloßen Intellekt höchstens beweisen, daß es ein Dasein göttlich-geistiger Kräfte gibt; aber man kann nichts erkennen von diesen göttlich-geistigen Kräften, man kann nur an die göttlich-geistigen Kräfte glauben. Man kann an das glauben, was sie selbst, sei es durch das Alte oder das Neue Testament, geoffenbart haben.
[ 6 ] Also der Mensch, der sich in früheren Zeiten sündhaft in bezug auf seine Moralität gefühlt hat — sündhaft aber heißt: abgesondert von den göttlich-geistigen Mächten —, dieser Mensch, der sich die Zeit über moralisch sündhaft gefühlt hat, fühlte sich gewissermaßen in der scholastischen Weisheit intellektuell sündhaft. Er schrieb sich nur die Fähigkeit zu, einen Intellekt zu haben für die physisch-sinnliche Welt. Er sagte sich: Ich bin als Mensch zu schlecht, um durch eigene Kraft hinaufzukommen in diejenige Region des Erkennens, wo ich auch den Geist erfassen kann. — Man bemerkt nicht, wie abhängig dieser intellektuelle Sündenfall von dem allgemein moralischen Sündenfall ist. Es ist die direkte Fortsetzung des moralischen Sündenfalles, was da in die Auffassung der menschlichen Intellektualität hineinspielt.
[ 6 ] Also der Mensch, der sich in früheren Zeiten sündhaft in bezug auf seine Moralität gefühlt hat — sündhaft aber heißt: abgesondert von den göttlich-geistigen Mächten —, dieser Mensch, der sich die Zeit über moralisch sündhaft gefühlt hat, fühlte sich gewissermaßen in der scholastischen Weisheit intellektuell sündhaft. Er schrieb sich nur die Fähigkeit zu, einen Intellekt zu haben für die physisch-sinnliche Welt. Er sagte sich: Ich bin als Mensch zu schlecht, um durch eigene Kraft hinaufzukommen in diejenige Region des Erkennens, wo ich auch den Geist erfassen kann. — Man bemerkt nicht, wie abhängig dieser intellektuelle Sündenfall von dem allgemein moralischen Sündenfall ist. Es ist die direkte Fortsetzung des moralischen Sündenfalles, was da in die Auffassung der menschlichen Intellektualität hineinspielt.
[ 7 ] Wenn dann die scholastische Weisheit übergeht in die moderne naturwissenschaftliche Anschauung, dann wird völlig vergessen der Zusammenhang mit dem alten moralischen Sündenfall, und es wird sogar geleugnet, wie ich oft betont habe, der intensiv vorhandene Zusammenhang der modernen naturwissenschaftlichen Begriffe mit der alten Scholastik. Und man redet in der neueren Naturwissenschaft davon, daß der Mensch Grenzen der Erkenntnis habe, daß er sich begnügen müsse, seine Anschauung nur über die sinnlich-physische Welt auszudehnen. Es redet ein Du Bois-Reymond davon, es reden andere davon, daß der Mensch Grenzen seiner Forschung, überhaupt seines ganzen Denkens habe.
[ 7 ] Wenn dann die scholastische Weisheit übergeht in die moderne naturwissenschaftliche Anschauung, dann wird völlig vergessen der Zusammenhang mit dem alten moralischen Sündenfall, und es wird sogar geleugnet, wie ich oft betont habe, der intensiv vorhandene Zusammenhang der modernen naturwissenschaftlichen Begriffe mit der alten Scholastik. Und man redet in der neueren Naturwissenschaft davon, daß der Mensch Grenzen der Erkenntnis habe, daß er sich begnügen müsse, seine Anschauung nur über die sinnlich-physische Welt auszudehnen. Es redet ein Du Bois-Reymond davon, es reden andere davon, daß der Mensch Grenzen seiner Forschung, überhaupt seines ganzen Denkens habe.
[ 8 ] Das ist aber eine direkte Fortsetzung der Scholastik. Der Unterschied ist nur der, daß die Scholastik angenommen hat: Wenn also der menschliche Intellekt begrenzt ist, so muß man sich zu etwas anderen erheben, als der Intellekt ist, nämlich zur Offenbarung, wenn man über die geistige Welt etwas wissen will. Die moderne naturwissenschaftliche Anschauung nimmt die Hälfte statt des Ganzen, läßt die Offenbarung bleiben wo sie ist, stellt sich aber dann ganz auf den Standpunkt, der nur, wenn man die Offenbarung voraussetzt, eine Möglichkeit hat — sie stellt sich auf den Standpunkt: Die menschliche Erkenntnisfähigkeit ist zu schlecht, um hinaufzukommen in die göttlich-geistigen Welten.
[ 8 ] Das ist aber eine direkte Fortsetzung der Scholastik. Der Unterschied ist nur der, daß die Scholastik angenommen hat: Wenn also der menschliche Intellekt begrenzt ist, so muß man sich zu etwas anderen erheben, als der Intellekt ist, nämlich zur Offenbarung, wenn man über die geistige Welt etwas wissen will. Die moderne naturwissenschaftliche Anschauung nimmt die Hälfte statt des Ganzen, läßt die Offenbarung bleiben wo sie ist, stellt sich aber dann ganz auf den Standpunkt, der nur, wenn man die Offenbarung voraussetzt, eine Möglichkeit hat — sie stellt sich auf den Standpunkt: Die menschliche Erkenntnisfähigkeit ist zu schlecht, um hinaufzukommen in die göttlich-geistigen Welten.
[ 9 ] Nun war aber zur Zeit der Scholastik, namentlich zur Zeit der Hochblüte der Scholastik in der Mitte des Mittelalters, nicht solche Seelenverfassung vorhanden wie heute. Dazumal nahm man an: wenn der Mensch seinen Intellekt anwendet, dann kann er dadurch sich Erkenntnisse von der sinnlichen Welt verschaffen, und man verspürte, man erlebte noch etwas von dem Zusammenfließen des Menschen mit der sinnlichen Welt, wenn man den Intellekt anwendete. Und man war dann der Meinung, daß man aufsteigen müsse zur Offenbarung, die eben nicht mehr begriffen, also nicht mehr intellektuell erfaßt werden kann, wenn man über das Geistige etwas wissen will. Aber es war noch unvermerkt — und auf das muß man hinschauen! — in die Begriffe, welche die Scholastiker über die Sinnenwelt aufstellten, Geistigkeit hineingeflossen. Die Begriffe der Scholastiker waren nicht so geistlos, wie es die heutigen sind. Die ‚Scholastiker kamen noch mit ihren Begriffen, die sie sich über die Natur bildeten, an den Menschen heran, so daß der Mensch von der Erkenntnis noch nicht ganz ausgeschlossen war. Denn die Scholastiker waren, wenigstens in ihrer realistischen Strömung, durchaus der Meinung, daß die Gedanken den Menschen von außen gegeben werden, nicht von innen fabriziert werden. Heute ist man der Meinung, daß die Gedanken nicht von außen gegeben werden, sondern von innen fabriziert werden. Dadurch ist der Mensch dazu gekommen, nach und nach in seiner Entwickelung alles fallenzulassen, was sich nicht auf die äußere Sinneswelt bezieht.
[ 9 ] Nun war aber zur Zeit der Scholastik, namentlich zur Zeit der Hochblüte der Scholastik in der Mitte des Mittelalters, nicht solche Seelenverfassung vorhanden wie heute. Dazumal nahm man an: wenn der Mensch seinen Intellekt anwendet, dann kann er dadurch sich Erkenntnisse von der sinnlichen Welt verschaffen, und man verspürte, man erlebte noch etwas von dem Zusammenfließen des Menschen mit der sinnlichen Welt, wenn man den Intellekt anwendete. Und man war dann der Meinung, daß man aufsteigen müsse zur Offenbarung, die eben nicht mehr begriffen, also nicht mehr intellektuell erfaßt werden kann, wenn man über das Geistige etwas wissen will. Aber es war noch unvermerkt — und auf das muß man hinschauen! — in die Begriffe, welche die Scholastiker über die Sinnenwelt aufstellten, Geistigkeit hineingeflossen. Die Begriffe der Scholastiker waren nicht so geistlos, wie es die heutigen sind. Die ‚Scholastiker kamen noch mit ihren Begriffen, die sie sich über die Natur bildeten, an den Menschen heran, so daß der Mensch von der Erkenntnis noch nicht ganz ausgeschlossen war. Denn die Scholastiker waren, wenigstens in ihrer realistischen Strömung, durchaus der Meinung, daß die Gedanken den Menschen von außen gegeben werden, nicht von innen fabriziert werden. Heute ist man der Meinung, daß die Gedanken nicht von außen gegeben werden, sondern von innen fabriziert werden. Dadurch ist der Mensch dazu gekommen, nach und nach in seiner Entwickelung alles fallenzulassen, was sich nicht auf die äußere Sinneswelt bezieht.
[ 10 ] Und, sehen Sie, der letzte Ausfluß davon, daß man alles hat fallenlassen, was sich nicht auf die äußere Sinneswelt bezieht, das ist die moderne, im darwinistischen Sinne gehaltene Entwickelungslehre. Goethe hat den Ansatz gemacht zu einer wirklichen Entwickelungslehre, die bis zum Menschen heraufgeht. Wenn Sie seine Schriften nach dieser Richtung durchnehmen, so werden Sie sehen, daß er immer nur gestrauchelt hat, wenn er zum Menschen kommen wollte. Er hat noch eine ausgezeichnete Pflanzenlehre geschrieben, er hat über das Tier manches Zutreffende geschrieben, allein es hapert immer, wenn er zum Menschen kommen will. Der Intellekt, der bloß auf die Sinneswelt angewendet wird, reicht nicht aus, um zum Menschen heranzukommen. Das zeigt sich gerade bei Goethe in so hohem Maße: auch Goethe kann über den Menschen nichts sagen. Seine Metamorphosenlehre erstreckt sich nicht bis zum Menschen herauf. Sie wissen, wie wir diese Metamorphosenlehre, ganz im Goetheschen Sinne, aber weit über ihn hinausgehend, haben erweitern müssen innerhalb der anthroposophischen Weltanschauung.
[ 10 ] Und, sehen Sie, der letzte Ausfluß davon, daß man alles hat fallenlassen, was sich nicht auf die äußere Sinneswelt bezieht, das ist die moderne, im darwinistischen Sinne gehaltene Entwickelungslehre. Goethe hat den Ansatz gemacht zu einer wirklichen Entwickelungslehre, die bis zum Menschen heraufgeht. Wenn Sie seine Schriften nach dieser Richtung durchnehmen, so werden Sie sehen, daß er immer nur gestrauchelt hat, wenn er zum Menschen kommen wollte. Er hat noch eine ausgezeichnete Pflanzenlehre geschrieben, er hat über das Tier manches Zutreffende geschrieben, allein es hapert immer, wenn er zum Menschen kommen will. Der Intellekt, der bloß auf die Sinneswelt angewendet wird, reicht nicht aus, um zum Menschen heranzukommen. Das zeigt sich gerade bei Goethe in so hohem Maße: auch Goethe kann über den Menschen nichts sagen. Seine Metamorphosenlehre erstreckt sich nicht bis zum Menschen herauf. Sie wissen, wie wir diese Metamorphosenlehre, ganz im Goetheschen Sinne, aber weit über ihn hinausgehend, haben erweitern müssen innerhalb der anthroposophischen Weltanschauung.
[ 11 ] Wozu ist denn der moderne Intellektualismus in der Naturwissenschaft eigentlich gekommen? Er ist nur dazu gekommen, die Entwickelung der Tiere bis herauf zum Affen zu begreifen, und er hat dann den Menschen angeschlossen, ohne innerlich zum Menschen vorrücken zu können. Ich möchte sagen, die Begriffe wurden, je mehr der Mensch an die höheren Tiere herankam, immer unfähiger, noch etwas zu begreifen. Und es ist gar nicht wahr, daß der Mensch zum Beispiel die höheren Tiere noch begreift. Er glaubt nur, daß er sie begreife.
[ 11 ] Wozu ist denn der moderne Intellektualismus in der Naturwissenschaft eigentlich gekommen? Er ist nur dazu gekommen, die Entwickelung der Tiere bis herauf zum Affen zu begreifen, und er hat dann den Menschen angeschlossen, ohne innerlich zum Menschen vorrücken zu können. Ich möchte sagen, die Begriffe wurden, je mehr der Mensch an die höheren Tiere herankam, immer unfähiger, noch etwas zu begreifen. Und es ist gar nicht wahr, daß der Mensch zum Beispiel die höheren Tiere noch begreift. Er glaubt nur, daß er sie begreife.
[ 12 ] Und so fiel allmählich die Auffassung des Menschen ganz aus der Weltauffassung heraus, weil aus den Begriffen die Auffassung herausfiel. Die Begriffe wurden immer geistloser und geistloser, und die geistlosen Begriffe, die den Menschen nur als den Schlußpunkt der Tierreihe ansehen, die bilden heute den Inhalt alles Denkens; die werden schon den Kindern in den ersten Schuljahren eingeflößt, und es wird dadurch zur allgemeinen Bildung, nicht mehr auf das Wesen des Menschen hinschauen zu können.
[ 12 ] Und so fiel allmählich die Auffassung des Menschen ganz aus der Weltauffassung heraus, weil aus den Begriffen die Auffassung herausfiel. Die Begriffe wurden immer geistloser und geistloser, und die geistlosen Begriffe, die den Menschen nur als den Schlußpunkt der Tierreihe ansehen, die bilden heute den Inhalt alles Denkens; die werden schon den Kindern in den ersten Schuljahren eingeflößt, und es wird dadurch zur allgemeinen Bildung, nicht mehr auf das Wesen des Menschen hinschauen zu können.
[ 13 ] Nun wissen Sie ja, daß ich versuchte, die ganze Erkenntnis einmal an einem anderen Ende anzufassen. Das war, als ich meine «Philosophie der Freiheit» und deren Vorspiel «Wahrheit und Wissenschaft» verfaßte, obwohl die Anklänge schon in meiner «Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» in den achtziger Jahren stehen. Ich habe versucht, nach einer ganz anderen Ecke hin die Sache zu wenden. Ich habe versucht, dasjenige zu zeigen, zu dem sich der moderne Mensch aufschwingen kann, wenn er nun nicht im traditionellen Sinne, sondern aus freier innerer Gestaltung heraus zum reinen Denken kommt, zu diesem willensmäßigen reinen Denken, das etwas Positives, Reales ist, wenn es in ihm wirkt. Und ich habe in meiner «Philosophie der Freiheit» die moralischen Impulse aus diesem gereinigten Denken gesucht.
[ 13 ] Nun wissen Sie ja, daß ich versuchte, die ganze Erkenntnis einmal an einem anderen Ende anzufassen. Das war, als ich meine «Philosophie der Freiheit» und deren Vorspiel «Wahrheit und Wissenschaft» verfaßte, obwohl die Anklänge schon in meiner «Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» in den achtziger Jahren stehen. Ich habe versucht, nach einer ganz anderen Ecke hin die Sache zu wenden. Ich habe versucht, dasjenige zu zeigen, zu dem sich der moderne Mensch aufschwingen kann, wenn er nun nicht im traditionellen Sinne, sondern aus freier innerer Gestaltung heraus zum reinen Denken kommt, zu diesem willensmäßigen reinen Denken, das etwas Positives, Reales ist, wenn es in ihm wirkt. Und ich habe in meiner «Philosophie der Freiheit» die moralischen Impulse aus diesem gereinigten Denken gesucht.
[ 14 ] So daß also die Entwickelung vorher so gegangen ist, daß man immer mehr und mehr dahin kam, den Menschen als zu schlecht aufzufassen zum moralischen Handeln, und man hineintrug dieses Zuschlechtsein des Menschen auch in seine Intellektualität. Wenn ich mich graphisch ausdrücken soll, so möchte ich sagen: Es entwikkelte sich der Mensch so, daß immer dünner wurde dasjenige, was er als Mensch von sich wußte. Immer dünner wurde das (hell). Aber unter der Oberfläche entwickelte sich doch immerfort das (rot), was im wirklichen, nicht im abstrakten Denken lebt.
[ 14 ] So daß also die Entwickelung vorher so gegangen ist, daß man immer mehr und mehr dahin kam, den Menschen als zu schlecht aufzufassen zum moralischen Handeln, und man hineintrug dieses Zuschlechtsein des Menschen auch in seine Intellektualität. Wenn ich mich graphisch ausdrücken soll, so möchte ich sagen: Es entwikkelte sich der Mensch so, daß immer dünner wurde dasjenige, was er als Mensch von sich wußte. Immer dünner wurde das (hell). Aber unter der Oberfläche entwickelte sich doch immerfort das (rot), was im wirklichen, nicht im abstrakten Denken lebt.


[ 15 ] Nun war am Ende des 19. Jahrhunderts der Zeitpunkt gekommen, wo man dieses, was ich rot charakterisiert habe, eben gar nicht mehr bemerkt hat, und durch das, was ich hell charakterisiert habe, glaubte man sich nicht mehr in Verbindung mit irgend etwas Göttlich-Geistigem. Das Sündenbewußtsein hat den Menschen aus dem Göttlich-Geistigen herausgerissen; die historischen Kräfte, die heraufkamen, konnten ihn nicht hineinziehen.
[ 15 ] Nun war am Ende des 19. Jahrhunderts der Zeitpunkt gekommen, wo man dieses, was ich rot charakterisiert habe, eben gar nicht mehr bemerkt hat, und durch das, was ich hell charakterisiert habe, glaubte man sich nicht mehr in Verbindung mit irgend etwas Göttlich-Geistigem. Das Sündenbewußtsein hat den Menschen aus dem Göttlich-Geistigen herausgerissen; die historischen Kräfte, die heraufkamen, konnten ihn nicht hineinziehen.
[ 16 ] Aber ich wollte mit meiner «Philosophie der Freiheit» sagen: Seht nur einmal in die Tiefe der Seele hinein, da werdet Ihr finden, daß dem Menschen etwas geblieben ist, nämlich das wirkliche, energische von ihm selbst kommende Denken, das reine Denken, das nicht mehr bloßes Denken ist, das voller Empfindung, voller Gefühl ist, und das zuletzt im Willen sich auslebt, und daß dieses der Impuls werden kann für moralisches Handeln. — Und ich sprach aus diesem Grunde von moralischer Intuition, in die zuletzt einlauft das, was sonst nur moralische Phantasie ist. Aber so richtig lebendig werden kann das, was eigentlich gemeint ist mit der «Philosophie der Freiheit», nur, wenn man den Weg, den man gegangen ist — nämlich sich immer mehr und mehr abzuspalten, bis zur Intellektualität hin sich abzuspalten von dem göttlich-geistigen Inhalt der Welt —, wenn man diesen Weg wieder zurückmacht. Wenn man wieder findet die Geistigkeit in der Natur, dann wird man auch wieder den Menschen finden. Und deshalb habe ich einmal in einem Vortrag, den ich vor vielen Jahren in Mannheim gehalten habe, ausgeführt — was sehr wenig bemerkt worden ist —, daß tatsächlich die Menschheit in ihrer heutigen Entwickelung an dem Punkt steht, den Sündenfall zurückzumachen. Nämlich: der Sündenfall wurde aufgefaßt als ein moralischer Sündenfall, er hat zuletzt auch den Intellekt beeinflußt; der Intellekt fühlte sich an den Grenzen der Erkenntnis. Und ob der alte Theologe von der Sünde oder Du Bois-Reymond von den Grenzen des Naturerkennens spricht, ist im Grunde genommen ein und dasselbe, nur in einer etwas andern Form. Ich machte darauf aufmerksam, wie man nun erfassen muß das allerdings bis zum reinen Denken filtrierte Geistige, und wie man von da den Sündenfall rückgängig machen kann, wie man sich durch die Spiritualisierung des Intellektes wiederum zum Göttlich-Geistigen hinaufarbeiten kann.
[ 16 ] Aber ich wollte mit meiner «Philosophie der Freiheit» sagen: Seht nur einmal in die Tiefe der Seele hinein, da werdet Ihr finden, daß dem Menschen etwas geblieben ist, nämlich das wirkliche, energische von ihm selbst kommende Denken, das reine Denken, das nicht mehr bloßes Denken ist, das voller Empfindung, voller Gefühl ist, und das zuletzt im Willen sich auslebt, und daß dieses der Impuls werden kann für moralisches Handeln. — Und ich sprach aus diesem Grunde von moralischer Intuition, in die zuletzt einlauft das, was sonst nur moralische Phantasie ist. Aber so richtig lebendig werden kann das, was eigentlich gemeint ist mit der «Philosophie der Freiheit», nur, wenn man den Weg, den man gegangen ist — nämlich sich immer mehr und mehr abzuspalten, bis zur Intellektualität hin sich abzuspalten von dem göttlich-geistigen Inhalt der Welt —, wenn man diesen Weg wieder zurückmacht. Wenn man wieder findet die Geistigkeit in der Natur, dann wird man auch wieder den Menschen finden. Und deshalb habe ich einmal in einem Vortrag, den ich vor vielen Jahren in Mannheim gehalten habe, ausgeführt — was sehr wenig bemerkt worden ist —, daß tatsächlich die Menschheit in ihrer heutigen Entwickelung an dem Punkt steht, den Sündenfall zurückzumachen. Nämlich: der Sündenfall wurde aufgefaßt als ein moralischer Sündenfall, er hat zuletzt auch den Intellekt beeinflußt; der Intellekt fühlte sich an den Grenzen der Erkenntnis. Und ob der alte Theologe von der Sünde oder Du Bois-Reymond von den Grenzen des Naturerkennens spricht, ist im Grunde genommen ein und dasselbe, nur in einer etwas andern Form. Ich machte darauf aufmerksam, wie man nun erfassen muß das allerdings bis zum reinen Denken filtrierte Geistige, und wie man von da den Sündenfall rückgängig machen kann, wie man sich durch die Spiritualisierung des Intellektes wiederum zum Göttlich-Geistigen hinaufarbeiten kann.
[ 17 ] Wenn also in alten Zeiten hingewiesen worden ist auf den moralischen Sündenfall und die Entwickelung der Menschheit gedacht worden ist im Sinne dieses moralischen Sündenfalles, so hat man heute an ein Ideal der Menschheit zu denken, an die Ausbesserung dieses Sündenfalles auf dem Wege der Spiritualisierung des Erkennens, auf dem Wege der Wiedererkennung des geistigen Inhaltes der Welt. Der Mensch hat sich durch den moralischen Sündenfall von den Göttern..entfernt. Er muß durch den Erkenntnisweg die Bahn der Götter wieder finden. Der Mensch muß seinen Abstieg in einen Aufstieg verwandeln. Der Mensch muß aus dem rein erfaßten Geiste seines eigenen Wesens durch innere Energie und Kraft das Ziel, das Ideal fassen, den Sündenfall wiederum ernst zu nehmen. Denn ernst zu nehmen ist er. Er erstreckt sich bis zu den Reden der Naturerkenntnis in unsere Gegenwart herein. Der Mensch muß den Mut fassen, zum Sündenfall nach und nach durch die Kraft seines Erkennens ein Aus-der-Sünde-sich-Erheben hinzuzufügen, eine Sündenerhebung herauszuarbeiten aus dem, was ihm werden kann durch eine wirkliche, echte geisteswissenschaftliche Erkenntnis der neueren Zeit.
[ 17 ] Wenn also in alten Zeiten hingewiesen worden ist auf den moralischen Sündenfall und die Entwickelung der Menschheit gedacht worden ist im Sinne dieses moralischen Sündenfalles, so hat man heute an ein Ideal der Menschheit zu denken, an die Ausbesserung dieses Sündenfalles auf dem Wege der Spiritualisierung des Erkennens, auf dem Wege der Wiedererkennung des geistigen Inhaltes der Welt. Der Mensch hat sich durch den moralischen Sündenfall von den Göttern..entfernt. Er muß durch den Erkenntnisweg die Bahn der Götter wieder finden. Der Mensch muß seinen Abstieg in einen Aufstieg verwandeln. Der Mensch muß aus dem rein erfaßten Geiste seines eigenen Wesens durch innere Energie und Kraft das Ziel, das Ideal fassen, den Sündenfall wiederum ernst zu nehmen. Denn ernst zu nehmen ist er. Er erstreckt sich bis zu den Reden der Naturerkenntnis in unsere Gegenwart herein. Der Mensch muß den Mut fassen, zum Sündenfall nach und nach durch die Kraft seines Erkennens ein Aus-der-Sünde-sich-Erheben hinzuzufügen, eine Sündenerhebung herauszuarbeiten aus dem, was ihm werden kann durch eine wirkliche, echte geisteswissenschaftliche Erkenntnis der neueren Zeit.
[ 18 ] So könnte man sagen: Blicken wir zurück in die Entwickelung der Menschheit, so setzt das Menschenbewußtsein an den Anfang der historischen Entwickelung der Menschheit auf Erden den Sündenfall. Aber der Sündenfall muß einmal wiederum ausgeglichen werden: es muß ihm entgegengesetzt werden eine Sündenerhebung. Und diese Sündenerhebung kann nur aus dem Zeitalter der Bewußtseinsseele hervorgehen. Also es ist in unserer Zeit der historische Moment gekommen, wo das höchste Ideal der Menschheit sein muß die spirituelle Sündenerhebung. Ohne diese kann die Entwikkelung der Menschheit nicht weitergehen.
[ 18 ] So könnte man sagen: Blicken wir zurück in die Entwickelung der Menschheit, so setzt das Menschenbewußtsein an den Anfang der historischen Entwickelung der Menschheit auf Erden den Sündenfall. Aber der Sündenfall muß einmal wiederum ausgeglichen werden: es muß ihm entgegengesetzt werden eine Sündenerhebung. Und diese Sündenerhebung kann nur aus dem Zeitalter der Bewußtseinsseele hervorgehen. Also es ist in unserer Zeit der historische Moment gekommen, wo das höchste Ideal der Menschheit sein muß die spirituelle Sündenerhebung. Ohne diese kann die Entwikkelung der Menschheit nicht weitergehen.
[ 19 ] Das ist es, was ich in jenem Mannheimer Vortrage einmal auseinandersetzte. Ich sagte, es ist zu dem moralischen Sündenfall in der neueren Zeit, namentlich in den naturwissenschaftlichen Anschauungen, auch noch der intellektualistische Sündenfall gekommen, und der ist das große historische Zeichen dafür, daß die spirituelle Sündenerhebung beginnen müsse.
[ 19 ] Das ist es, was ich in jenem Mannheimer Vortrage einmal auseinandersetzte. Ich sagte, es ist zu dem moralischen Sündenfall in der neueren Zeit, namentlich in den naturwissenschaftlichen Anschauungen, auch noch der intellektualistische Sündenfall gekommen, und der ist das große historische Zeichen dafür, daß die spirituelle Sündenerhebung beginnen müsse.
[ 20 ] Was heißt denn aber diese spirituelle Sündenerhebung? Die heißt ja nichts anderes, als den Christus wirklich verstehen. Diejenigen, die noch etwas davon verstanden haben, die nicht mit der neueren Theologie den Christus vollständig verloren haben, die haben so von dem Christus gesprochen, daß er auf die Erde gekommen ist, daß er als ein Wesen höherer Art sich in einem irdischen Leibe verkörpert hat. Sie haben angeknüpft in den Schriftentraditionen an dasjenige, was über den Christus verkündigt ist. Man hat eben über das Mysterium von Golgatha gesprochen.
[ 20 ] Was heißt denn aber diese spirituelle Sündenerhebung? Die heißt ja nichts anderes, als den Christus wirklich verstehen. Diejenigen, die noch etwas davon verstanden haben, die nicht mit der neueren Theologie den Christus vollständig verloren haben, die haben so von dem Christus gesprochen, daß er auf die Erde gekommen ist, daß er als ein Wesen höherer Art sich in einem irdischen Leibe verkörpert hat. Sie haben angeknüpft in den Schriftentraditionen an dasjenige, was über den Christus verkündigt ist. Man hat eben über das Mysterium von Golgatha gesprochen.
[ 21 ] Heute aber ist die Zeit gekommen, wo der Christus verstanden werden muß. Man wehrt sich gegen dieses Verstehen des Christus, und die Art, wie man sich wehrt, ist außerordentlich charakteristisch. Sehen Sie, wenn nur noch ein Fünkchen von dem, was der Christus wirklich ist, in denen lebte, die da sagen, daß sie den Christus verstehen, was müßte denn dann eintreten? Dann müßten sie sich doch klar sein: Der Christus ist als ein himmlisches Wesen auf die Erde herabgestiegen; er hat also zu den Menschen nicht eine irdische, sondern eine himmlische Sprache gesprochen. Also müssen wir uns bemühen, ihn zu verstehen, müssen wir uns bemühen, eine kosmische, eine außerirdische Sprache zu sprechen. Das heißt, wir müssen unsere Wissenschaft nicht bloß auf die Erde beschränken, denn die war ja neues Land für den Christus, wir müssen unsere Wissenschaft ausdehnen in das Kosmische. Wir müssen verstehen lernen die Elemente, wir müssen verstehen lernen die Planetenbewegungen, wir müssen verstehen lernen die Sternkonstellationen und ihren Einfluß auf das, was auf Erden geschieht. Dann nähern wir uns der Sprache, die der Christus gesprochen hat.
[ 21 ] Heute aber ist die Zeit gekommen, wo der Christus verstanden werden muß. Man wehrt sich gegen dieses Verstehen des Christus, und die Art, wie man sich wehrt, ist außerordentlich charakteristisch. Sehen Sie, wenn nur noch ein Fünkchen von dem, was der Christus wirklich ist, in denen lebte, die da sagen, daß sie den Christus verstehen, was müßte denn dann eintreten? Dann müßten sie sich doch klar sein: Der Christus ist als ein himmlisches Wesen auf die Erde herabgestiegen; er hat also zu den Menschen nicht eine irdische, sondern eine himmlische Sprache gesprochen. Also müssen wir uns bemühen, ihn zu verstehen, müssen wir uns bemühen, eine kosmische, eine außerirdische Sprache zu sprechen. Das heißt, wir müssen unsere Wissenschaft nicht bloß auf die Erde beschränken, denn die war ja neues Land für den Christus, wir müssen unsere Wissenschaft ausdehnen in das Kosmische. Wir müssen verstehen lernen die Elemente, wir müssen verstehen lernen die Planetenbewegungen, wir müssen verstehen lernen die Sternkonstellationen und ihren Einfluß auf das, was auf Erden geschieht. Dann nähern wir uns der Sprache, die der Christus gesprochen hat.
[ 22 ] Das aber ist etwas, was zusammenfällt mit der spirituellen Sündenerhebung. Denn warum wurde der Mensch herabgedrückt, nur das zu verstehen, was auf Erden lebt? Weil er eben das Sündenbewußtsein hatte, weil er sich für zu schlecht hielt, um die Welt in ihrer Geistigkeit im Außerirdischen zu begreifen. Und deshalb ist es, daß eigentlich so geredet wird, als ob der Mensch außer dem Irdischen nichts erkennen könne. Ich habe es gestern damit charakterisiert, daß ich sagte: Der Mensch versteht den Fisch nur auf dem Tisch, und den Vogel auch nur auf dem Tisch, in dem Käfig. — Ein Bewußtsein davon, daß der Mensch sich erheben kann über diese rein irdische Erkenntnis, ein solches Bewußtsein ist ganz gewiß in unserer zivilisierten Naturwissenschaft nicht vorhanden, denn sie spottet über alles Hinausgehen über das Irdische. Wenn man nur anfängt, von den Sternen zu reden, so ist natürlich gleich der furchtbare Spott der naturwissenschaftlichen Richtung da.
[ 22 ] Das aber ist etwas, was zusammenfällt mit der spirituellen Sündenerhebung. Denn warum wurde der Mensch herabgedrückt, nur das zu verstehen, was auf Erden lebt? Weil er eben das Sündenbewußtsein hatte, weil er sich für zu schlecht hielt, um die Welt in ihrer Geistigkeit im Außerirdischen zu begreifen. Und deshalb ist es, daß eigentlich so geredet wird, als ob der Mensch außer dem Irdischen nichts erkennen könne. Ich habe es gestern damit charakterisiert, daß ich sagte: Der Mensch versteht den Fisch nur auf dem Tisch, und den Vogel auch nur auf dem Tisch, in dem Käfig. — Ein Bewußtsein davon, daß der Mensch sich erheben kann über diese rein irdische Erkenntnis, ein solches Bewußtsein ist ganz gewiß in unserer zivilisierten Naturwissenschaft nicht vorhanden, denn sie spottet über alles Hinausgehen über das Irdische. Wenn man nur anfängt, von den Sternen zu reden, so ist natürlich gleich der furchtbare Spott der naturwissenschaftlichen Richtung da.
[ 23 ] Wenn wir noch zutreffende Worte hören wollen über den Zusammenhang des Menschen und der Tierheit, müssen wir den Blick auf das Außerirdische richten, denn aus dem Irdischen sind nur noch die Pflanzen erklärlich, nicht mehr die Tiere. Deshalb mußte ich vorhin sagen: Der Mensch versteht ja den Affen auch nicht recht, es sind die Tiere nicht mehr erklärlich. Wenn man die Tiere verstehen will, muß man schon seine Zuflucht nehmen zum Aufßerirdischen, denn sie sind von Kräften beherrscht, die außerirdisch sind. Ich habe es Ihnen gestern am Fisch gezeigt. Ich habe Ihnen gesagt, wie Sonnen- und Mondenkräfte ins Wasser wirken beim Fisch und ihn, wenn ich mich so ausdrücken darf, herausgestalten aus dem Wasser; ebenso den Vogel aus der Luft. Sobald man übergeht zu den Elementen, kommt man auch zum Außerirdischen. Die ganze Tierwelt ist erklärlich aus dem Außerirdischen, und der Mensch erst recht. Aber wenn man anfängt, von dem Aufßerirdischen zu sprechen, dann kommt eben gleich der Spott. Der Mut, von dem Außerirdischen wieder zu sprechen, er muß erwachsen innerhalb einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Anschauung. Denn Geisteswissenschafter zu sein ist heute eigentlich mehr eine Sache des Mutes als der Intellektualität. Es ist im Grunde genommen etwas Moralisches, weil es auch einem Moralischen, nämlich dem moralischen Sündenfall entgegengesetzt werden muß.
[ 23 ] Wenn wir noch zutreffende Worte hören wollen über den Zusammenhang des Menschen und der Tierheit, müssen wir den Blick auf das Außerirdische richten, denn aus dem Irdischen sind nur noch die Pflanzen erklärlich, nicht mehr die Tiere. Deshalb mußte ich vorhin sagen: Der Mensch versteht ja den Affen auch nicht recht, es sind die Tiere nicht mehr erklärlich. Wenn man die Tiere verstehen will, muß man schon seine Zuflucht nehmen zum Aufßerirdischen, denn sie sind von Kräften beherrscht, die außerirdisch sind. Ich habe es Ihnen gestern am Fisch gezeigt. Ich habe Ihnen gesagt, wie Sonnen- und Mondenkräfte ins Wasser wirken beim Fisch und ihn, wenn ich mich so ausdrücken darf, herausgestalten aus dem Wasser; ebenso den Vogel aus der Luft. Sobald man übergeht zu den Elementen, kommt man auch zum Außerirdischen. Die ganze Tierwelt ist erklärlich aus dem Außerirdischen, und der Mensch erst recht. Aber wenn man anfängt, von dem Aufßerirdischen zu sprechen, dann kommt eben gleich der Spott. Der Mut, von dem Außerirdischen wieder zu sprechen, er muß erwachsen innerhalb einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Anschauung. Denn Geisteswissenschafter zu sein ist heute eigentlich mehr eine Sache des Mutes als der Intellektualität. Es ist im Grunde genommen etwas Moralisches, weil es auch einem Moralischen, nämlich dem moralischen Sündenfall entgegengesetzt werden muß.
[ 24 ] Und so müssen wir sagen: Wir müssen ja erst die Sprache des Christus lernen, nämlich die Sprache τῶν οὐρανῶν — ton uranón —, die Sprache der Himmel im griechischen Sinne. Diese Sprache müssen wir wieder lernen, um einen Sinn zu verbinden mit dem, was der Christus auf Erden wollte. Also während man bisher von dem Christentum gesprochen hat, die Geschichte des Christentums beschrieben hat, handelt es sich heute darum, den Christus zu verstehen, ihn als ein außerirdisches Wesen zu verstehen. Und das ist identisch mit dem, was man das Ideal der Sündenerhebung nennen kann.
[ 24 ] Und so müssen wir sagen: Wir müssen ja erst die Sprache des Christus lernen, nämlich die Sprache τῶν οὐρανῶν — ton uranón —, die Sprache der Himmel im griechischen Sinne. Diese Sprache müssen wir wieder lernen, um einen Sinn zu verbinden mit dem, was der Christus auf Erden wollte. Also während man bisher von dem Christentum gesprochen hat, die Geschichte des Christentums beschrieben hat, handelt es sich heute darum, den Christus zu verstehen, ihn als ein außerirdisches Wesen zu verstehen. Und das ist identisch mit dem, was man das Ideal der Sündenerhebung nennen kann.
[ 25 ] Nun ist allerdings mit der Prägung dieses Ideales ein sehr Schwieriges verbunden, denn Sie wissen ja, das Sündenbewußtsein hat die Menschen demütig gemacht. Sie sind in der neueren Zeit allerdings nur sehr selten noch demütig. Oftmals sind diejenigen, die sich am demütigsten wähnen, die Allerhochmütigsten. Den größten Hochmut findet man heute bei denen, die nach der sogenannten Einfachheit des Lebens streben. Die setzen sich über alles das hinweg, was von der demütigen Seele in innerer Erhebung an wirklichen geistigen Wahrheiten gesucht wird, und sagen: Das muß alles in purer Einfachheit gesucht werden. Solche naive Naturen — sie sehen sich nämlich selber als naive Naturen an —, die sind heute oftmals die allerhochmütigsten. Aber immerhin, es gab während der Zeit des realen Sündenbewußtseins demütige Menschen; die Demut wurde noch als etwas angesehen, was im Menschheitsweben gilt. Und es ist nach und nach ohne Berechtigung heraufgekommen der Hochmut. Warum? Ja, das kann ich wiederum mit ähnlichen Worten sagen, mit denen ich in dieser Zeit hier zu Ihnen gesprochen habe. Warum ist denn der Hochmut heraufgekommen? Er ist heraufgekommen, weil man nicht gehört hat das «Stichl, steh auf!». Man schlief nämlich ein. Während man früher in aller Intensität wachend sich als Sünder gefühlt hat, schlief man nun sanft ein und träumte nur noch vom Sündenbewußtsein. Vorher wachte man im Sündenbewußtsein, da sagte man: Der Mensch ist sündhaft, wenn er nicht Handlungen unternimmt, die ihn wieder auf die Bahn nach den göttlich-geistigen Mächten bringen. — Da wachte man. Man mag heute das anschauen wie man will, aber man wachte im Bekenntnis der Sündhaftigkeit. Nun aber duselte man ein — und da kamen die Traume, und die Träume raunten: Es herrscht in der Weit eine Kausalordnung in dem Sinne, daß das Vorhergehende immer das Nachfolgende bewirkt. Und so kommen wir dazu, das, was wir im Sternenhimmel sehen, als Anziehung und Abstoßung der Himmelskörper bis an die Moleküle hin zu verfolgen, eine Art kleinen Weltensystems zwischen Molekülen und Atomen anzunehmen.
[ 25 ] Nun ist allerdings mit der Prägung dieses Ideales ein sehr Schwieriges verbunden, denn Sie wissen ja, das Sündenbewußtsein hat die Menschen demütig gemacht. Sie sind in der neueren Zeit allerdings nur sehr selten noch demütig. Oftmals sind diejenigen, die sich am demütigsten wähnen, die Allerhochmütigsten. Den größten Hochmut findet man heute bei denen, die nach der sogenannten Einfachheit des Lebens streben. Die setzen sich über alles das hinweg, was von der demütigen Seele in innerer Erhebung an wirklichen geistigen Wahrheiten gesucht wird, und sagen: Das muß alles in purer Einfachheit gesucht werden. Solche naive Naturen — sie sehen sich nämlich selber als naive Naturen an —, die sind heute oftmals die allerhochmütigsten. Aber immerhin, es gab während der Zeit des realen Sündenbewußtseins demütige Menschen; die Demut wurde noch als etwas angesehen, was im Menschheitsweben gilt. Und es ist nach und nach ohne Berechtigung heraufgekommen der Hochmut. Warum? Ja, das kann ich wiederum mit ähnlichen Worten sagen, mit denen ich in dieser Zeit hier zu Ihnen gesprochen habe. Warum ist denn der Hochmut heraufgekommen? Er ist heraufgekommen, weil man nicht gehört hat das «Stichl, steh auf!». Man schlief nämlich ein. Während man früher in aller Intensität wachend sich als Sünder gefühlt hat, schlief man nun sanft ein und träumte nur noch vom Sündenbewußtsein. Vorher wachte man im Sündenbewußtsein, da sagte man: Der Mensch ist sündhaft, wenn er nicht Handlungen unternimmt, die ihn wieder auf die Bahn nach den göttlich-geistigen Mächten bringen. — Da wachte man. Man mag heute das anschauen wie man will, aber man wachte im Bekenntnis der Sündhaftigkeit. Nun aber duselte man ein — und da kamen die Traume, und die Träume raunten: Es herrscht in der Weit eine Kausalordnung in dem Sinne, daß das Vorhergehende immer das Nachfolgende bewirkt. Und so kommen wir dazu, das, was wir im Sternenhimmel sehen, als Anziehung und Abstoßung der Himmelskörper bis an die Moleküle hin zu verfolgen, eine Art kleinen Weltensystems zwischen Molekülen und Atomen anzunehmen.
[ 26 ] Und es ging das Träumen weiter. Und dann endigte der Traum damit, daß man sagte: Wir können nichts erkennen als das, was die äußere sinnliche Erfahrung gibt. Und man nannte es Supernaturalismus, wenn man über die sinnlichen Erfahrungen hinausgeht. Aber wo Supernaturalismus beginnt, da hört die Wissenschaft auf. Und nun wurden in krächzenden Tiraden diese Träume, wie zum Beispiel in Du Bois-Reymonds «Über die Grenzen des Naturerkennens», in Naturforscherversammlungen vorgetragen. Und wenn dann der Traum ausklang — manchmal klingt er ja nicht so wohllautend aus, wenn er ein wirklicher Nachtalp ist —, wenn aber dieser Traum ausklang: Wo Supernaturalismus beginnt, da hört die Wissenschaft auf —, da schlief nicht nur der Redner, sondern da schlief das ganze naturforschende Publikum nun vom Traum in einen seligen Schlaf hinüber. Man brauchte nicht mehr irgendwie einen inneren Impuls zur Aktivität der inneren Erkenntnis; man konnte sich trösten, daß eben der Mensch Grenzen der Naturerkenntnis hat, “und daß er nicht hinauskommen kann über diese Grenzen der Naturerkenntnis. Die Zeit war herangekommen, wo man schon sagen konnte: Stichl, steh auf, der Himmel kracht scho — aber die Zivilisation der Neuzeit erwiderte: Laß’n nur krachen, er is scho alt genua dazua! — Ja, die Dinge sind tatsächlich so. Und damit sind wir in eine vollständige Schläfrigkeit des Erkennens hineingekommen.
[ 26 ] Und es ging das Träumen weiter. Und dann endigte der Traum damit, daß man sagte: Wir können nichts erkennen als das, was die äußere sinnliche Erfahrung gibt. Und man nannte es Supernaturalismus, wenn man über die sinnlichen Erfahrungen hinausgeht. Aber wo Supernaturalismus beginnt, da hört die Wissenschaft auf. Und nun wurden in krächzenden Tiraden diese Träume, wie zum Beispiel in Du Bois-Reymonds «Über die Grenzen des Naturerkennens», in Naturforscherversammlungen vorgetragen. Und wenn dann der Traum ausklang — manchmal klingt er ja nicht so wohllautend aus, wenn er ein wirklicher Nachtalp ist —, wenn aber dieser Traum ausklang: Wo Supernaturalismus beginnt, da hört die Wissenschaft auf —, da schlief nicht nur der Redner, sondern da schlief das ganze naturforschende Publikum nun vom Traum in einen seligen Schlaf hinüber. Man brauchte nicht mehr irgendwie einen inneren Impuls zur Aktivität der inneren Erkenntnis; man konnte sich trösten, daß eben der Mensch Grenzen der Naturerkenntnis hat, “und daß er nicht hinauskommen kann über diese Grenzen der Naturerkenntnis. Die Zeit war herangekommen, wo man schon sagen konnte: Stichl, steh auf, der Himmel kracht scho — aber die Zivilisation der Neuzeit erwiderte: Laß’n nur krachen, er is scho alt genua dazua! — Ja, die Dinge sind tatsächlich so. Und damit sind wir in eine vollständige Schläfrigkeit des Erkennens hineingekommen.
[ 27 ] Aber es muß in diese Schläfrigkeit hineintönen dasjenige, was durch geisteswissenschaftliche, anthroposophische Erkenntnis geltend gemacht wird. Daß der Mensch in der Lage ist, das Ideal von der Sündenerhebung in sich aufzustellen, das muß zunächst aus der Erkenntnis herauskommen. Und das ist nun wiederum damit verknüpft, daß mit einem eventuellen Wachwerden auch der bisher allerdings nur traumhaft vorhandene Hochmut erst recht wachsen kann. Und es hat sich ja manchmal — das ist selbstverständlich ganz ohne Anspielung gesagt —, es hat sich ja manchmal herausgestellt, daß in anthroposophischen Kreisen noch nicht die Sündenerhebung völlig gereift ist, aber daß manchmal schon dieser Hochmut eine ganz, ich will nicht sagen anständige, sondern eine ganz unanständige Größe erreicht hat. Denn es ist schon einmal in der Natur des Menschen gelegen, daß der Hochmut eher gedeiht als das, was die Lichtseite der Sache ist. Und so muß eben mit der Notwendigkeit der Sündenerhebung zugleich eingesehen werden, daß der Mensch die Erziehung in Demut, die er durchgemacht hat, nun mit vollem Bewußtsein auch in sich aufnehmen muß. Und er kann das ja. Denn wenn aus der Erkenntnis Hochmut kommt, dann ist das immer ein Zeichen davon, daß es eigentlich mit der Erkenntnis gewaltig hapert. Denn wenn die Erkenntnis wirklich da ist, dann macht sie auf ganz naturgemäße Weise demütig. Hochmütig wird man, wenn man heute ein Programm aufstellt, ein Reformprogramm, wenn man innerhalb, sagen wir, der sozialen Bewegung oder der Frauenbewegung von vornherein weiß, was das Mögliche, das Richtige, das Notwendige, das Beste ist, und nun Programmpunkte erstens, zweitens, drittens und so weiter aufstellt. Da weiß man alles, um was es sich handelt, da denkt man gar nicht daran, hochmütig zu sein, indem man sich zugleich, jeder einzelne, für allwissend erklärt. Aber bei einer wirklichen Erkenntnis bleibt man hübsch demütig, denn man weiß, daß eine wirkliche Erkenntnis nur erlangt wird — ich will mich trivial ausdrücken — im Laufe der Zeit.
[ 27 ] Aber es muß in diese Schläfrigkeit hineintönen dasjenige, was durch geisteswissenschaftliche, anthroposophische Erkenntnis geltend gemacht wird. Daß der Mensch in der Lage ist, das Ideal von der Sündenerhebung in sich aufzustellen, das muß zunächst aus der Erkenntnis herauskommen. Und das ist nun wiederum damit verknüpft, daß mit einem eventuellen Wachwerden auch der bisher allerdings nur traumhaft vorhandene Hochmut erst recht wachsen kann. Und es hat sich ja manchmal — das ist selbstverständlich ganz ohne Anspielung gesagt —, es hat sich ja manchmal herausgestellt, daß in anthroposophischen Kreisen noch nicht die Sündenerhebung völlig gereift ist, aber daß manchmal schon dieser Hochmut eine ganz, ich will nicht sagen anständige, sondern eine ganz unanständige Größe erreicht hat. Denn es ist schon einmal in der Natur des Menschen gelegen, daß der Hochmut eher gedeiht als das, was die Lichtseite der Sache ist. Und so muß eben mit der Notwendigkeit der Sündenerhebung zugleich eingesehen werden, daß der Mensch die Erziehung in Demut, die er durchgemacht hat, nun mit vollem Bewußtsein auch in sich aufnehmen muß. Und er kann das ja. Denn wenn aus der Erkenntnis Hochmut kommt, dann ist das immer ein Zeichen davon, daß es eigentlich mit der Erkenntnis gewaltig hapert. Denn wenn die Erkenntnis wirklich da ist, dann macht sie auf ganz naturgemäße Weise demütig. Hochmütig wird man, wenn man heute ein Programm aufstellt, ein Reformprogramm, wenn man innerhalb, sagen wir, der sozialen Bewegung oder der Frauenbewegung von vornherein weiß, was das Mögliche, das Richtige, das Notwendige, das Beste ist, und nun Programmpunkte erstens, zweitens, drittens und so weiter aufstellt. Da weiß man alles, um was es sich handelt, da denkt man gar nicht daran, hochmütig zu sein, indem man sich zugleich, jeder einzelne, für allwissend erklärt. Aber bei einer wirklichen Erkenntnis bleibt man hübsch demütig, denn man weiß, daß eine wirkliche Erkenntnis nur erlangt wird — ich will mich trivial ausdrücken — im Laufe der Zeit.
[ 28 ] Lebt man in der Erkenntnis, so weiß man, wie schwer man sich die einfachsten Wahrheiten manchmal Jahrzehnte hindurch errungen hat. Da wird man schon innerlich durch die Sache selber nicht hochmütig. Es muß aber doch die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, daß, indem gerade von der Anthroposophischen Gesellschaft verlangt werden muß ein volles Bewußtsein des heutigen großen Menschheitsideales der Sündenerhebung, zu gleicher Zeit auch die Wachsamkeit — nicht die Stichlhaftigkeit, sondern die Wachsamkeit — für den etwa heraufkommenden Hochmut geweckt werden muß.
[ 28 ] Lebt man in der Erkenntnis, so weiß man, wie schwer man sich die einfachsten Wahrheiten manchmal Jahrzehnte hindurch errungen hat. Da wird man schon innerlich durch die Sache selber nicht hochmütig. Es muß aber doch die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, daß, indem gerade von der Anthroposophischen Gesellschaft verlangt werden muß ein volles Bewußtsein des heutigen großen Menschheitsideales der Sündenerhebung, zu gleicher Zeit auch die Wachsamkeit — nicht die Stichlhaftigkeit, sondern die Wachsamkeit — für den etwa heraufkommenden Hochmut geweckt werden muß.
[ 29 ] Der Mensch bedarf heute eines starken Hinneigens dazu, das Wesen der Erkenntnis wirklich zu erfassen, damit er nicht mit ein paar anthroposophischen Formeln über physischen Leib und Ätherleib und Reinkarnation und so weiter sogleich ein Ausbund von Hochmütigkeit wird. Diese Wachsamkeit gegenüber dem gewöhnlichen Hochmut muß als ein neuer moralischer Inhalt wirklich gepflegt werden. Das muß in die Meditation aufgenommen werden. Denn soll die Sündenerhebung wirklich zustande kommen, dann müssen die Erfahrungen, die wir mit der physischen Welt machen, uns selber hinüberleiten in die geistige Welt. Dann müssen sie uns zur opferwilligen Hingabe mit den innersten Kräften der Seele führen, nicht aber zum Diktieren von Programmwahrheiten. Dann müssen sie vor allen Dingen eindringen in das Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber jedem einzelnen Worte, das man über die geistige Welt ausspricht. Dann muß das Bestreben herrschen, die Wahrhaftigkeit, die man sich zuerst angeeignet hat an den äußeren sinnlichen Tatsachen, wirklich hinaufzutragen in das Gebiet des geistigen. Erkennens. Wer sich nicht angewöhnt hat, in der physischen Sinnenwelt bei den Tatsachen zu bleiben und auf Tatsachen sich zu stützen, der gewöhnt sich auch, wenn er vom Geiste spricht, nicht Wahrhaftigkeit an. Denn in der geistigen Welt kann man sich nicht mehr die Wahrhaftigkeit angewöhnen, die muß man mitbringen.
[ 29 ] Der Mensch bedarf heute eines starken Hinneigens dazu, das Wesen der Erkenntnis wirklich zu erfassen, damit er nicht mit ein paar anthroposophischen Formeln über physischen Leib und Ätherleib und Reinkarnation und so weiter sogleich ein Ausbund von Hochmütigkeit wird. Diese Wachsamkeit gegenüber dem gewöhnlichen Hochmut muß als ein neuer moralischer Inhalt wirklich gepflegt werden. Das muß in die Meditation aufgenommen werden. Denn soll die Sündenerhebung wirklich zustande kommen, dann müssen die Erfahrungen, die wir mit der physischen Welt machen, uns selber hinüberleiten in die geistige Welt. Dann müssen sie uns zur opferwilligen Hingabe mit den innersten Kräften der Seele führen, nicht aber zum Diktieren von Programmwahrheiten. Dann müssen sie vor allen Dingen eindringen in das Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber jedem einzelnen Worte, das man über die geistige Welt ausspricht. Dann muß das Bestreben herrschen, die Wahrhaftigkeit, die man sich zuerst angeeignet hat an den äußeren sinnlichen Tatsachen, wirklich hinaufzutragen in das Gebiet des geistigen. Erkennens. Wer sich nicht angewöhnt hat, in der physischen Sinnenwelt bei den Tatsachen zu bleiben und auf Tatsachen sich zu stützen, der gewöhnt sich auch, wenn er vom Geiste spricht, nicht Wahrhaftigkeit an. Denn in der geistigen Welt kann man sich nicht mehr die Wahrhaftigkeit angewöhnen, die muß man mitbringen.
[ 30 ] Aber sehen Sie, auf der einen Seite wird heute aus dem Zivilisationsbewußtsein heraus den Tatsachen wenig Rechnung getragen, auf der andern Seite werden aber von der Wissenschaft einfach diejenigen Tatsachen ausgemerzt, welche auf richtige Pfade führen. Ich will aus der Reihe vieler Tatsachen nur eine einzige herausheben. Es gibt Insekten, die sind selber Vegetarier, wenn sie erwachsen sind. Sie fressen nichts Fleischliches, nicht einmal andere Insekten. Wenn nun die Insektenmutter zum Legen der Eier kommt, die befruchtet sind, so legt sie diese Eier in ein anderes Insekt hinein, so daß solch ein Insekt mit lauter solchen Eiern angefüllt ist durch den Legestachel der Insektenmutter. Da sind die Eier nun in einem fremden Insekt drinnen. Nun kriechen ja nicht die vollendeten Insekten aus, sondern kleine Maden. Diese sind aber zuerst in dem fremden Insekt drinnen. Diese kleinen Maden, die sich erst später metamorphosieren zu den vollendeten Insekten, sind nun keine Vegetarier. Sie könnten nicht Vegetarier sein, sie müssen das Fleisch von dem andern Insekt verzehren. Erst wenn sie herauskommen und sich umwandeln, können sie das Fleisch anderer Insekten entbehren. Denken Sie, die Insektenmutter ist selber Vegetarierin, sie weiß in ihrem Bewußtsein nichts von Fleischesserei, aber sie legt ihre Eier für die künftige Generation in ein anderes Insekt hinein.
[ 30 ] Aber sehen Sie, auf der einen Seite wird heute aus dem Zivilisationsbewußtsein heraus den Tatsachen wenig Rechnung getragen, auf der andern Seite werden aber von der Wissenschaft einfach diejenigen Tatsachen ausgemerzt, welche auf richtige Pfade führen. Ich will aus der Reihe vieler Tatsachen nur eine einzige herausheben. Es gibt Insekten, die sind selber Vegetarier, wenn sie erwachsen sind. Sie fressen nichts Fleischliches, nicht einmal andere Insekten. Wenn nun die Insektenmutter zum Legen der Eier kommt, die befruchtet sind, so legt sie diese Eier in ein anderes Insekt hinein, so daß solch ein Insekt mit lauter solchen Eiern angefüllt ist durch den Legestachel der Insektenmutter. Da sind die Eier nun in einem fremden Insekt drinnen. Nun kriechen ja nicht die vollendeten Insekten aus, sondern kleine Maden. Diese sind aber zuerst in dem fremden Insekt drinnen. Diese kleinen Maden, die sich erst später metamorphosieren zu den vollendeten Insekten, sind nun keine Vegetarier. Sie könnten nicht Vegetarier sein, sie müssen das Fleisch von dem andern Insekt verzehren. Erst wenn sie herauskommen und sich umwandeln, können sie das Fleisch anderer Insekten entbehren. Denken Sie, die Insektenmutter ist selber Vegetarierin, sie weiß in ihrem Bewußtsein nichts von Fleischesserei, aber sie legt ihre Eier für die künftige Generation in ein anderes Insekt hinein.
[ 31 ] Und weiter: wenn diese Insekten nun zum Beispiel den Magen anfressen würden bei ihrem Insekt, in welchem sie drinnenstecken, dann würden sie ja bald nichts mehr zu fressen haben, denn das Insekt könnte dann nicht leben; wenn sie irgendein lebenswichtiges Organ anfressen würden, könnte das Insekt nicht leben. Was tun diese Insekten, die eben ausgekrochen sind? Sie vermeiden jedes lebenswichtige Organ und fressen nur dasjenige auf, was das Insekt nicht zum Leben braucht, was es entbehren kann, so daß es weiterleben kann. Dann, wenn diese kleinen Insekten reif sind, kriechen sie aus und werden Vegetarier und setzen das wiederum fort, was ihre Insektenmutter getan hat.
[ 31 ] Und weiter: wenn diese Insekten nun zum Beispiel den Magen anfressen würden bei ihrem Insekt, in welchem sie drinnenstecken, dann würden sie ja bald nichts mehr zu fressen haben, denn das Insekt könnte dann nicht leben; wenn sie irgendein lebenswichtiges Organ anfressen würden, könnte das Insekt nicht leben. Was tun diese Insekten, die eben ausgekrochen sind? Sie vermeiden jedes lebenswichtige Organ und fressen nur dasjenige auf, was das Insekt nicht zum Leben braucht, was es entbehren kann, so daß es weiterleben kann. Dann, wenn diese kleinen Insekten reif sind, kriechen sie aus und werden Vegetarier und setzen das wiederum fort, was ihre Insektenmutter getan hat.
[ 32 ] Ja, da müssen Sie doch sagen: In der Natur waltet Verstand. Und Sie können, wenn Sie die Natur wirklich studieren, überall diesen waltenden Verstand finden. Und über Ihren eigenen Verstand werden Sie dann bescheidener denken, denn der ist erstens nicht so groß wie der Verstand, der da in der Natur waltet, zweitens aber ist er nur so etwas wie ein bißchen Wasser, das man aus einem See geschöpft und in eine Kanne getan hat. Der Mensch ist nämlich in Wirklichkeit eine solche Kanne, die den Verstand der Natur auffaßt. In der Natur ist überall Verstand, alles ist überall Weisheit. Derjenige, der nur dem Menschen für sich selbst Verstand zuschreibt, ist ungefähr so gescheit wie einer, der da sagt: In dem See draußen oder in dem Bach soll Wasser sein? Das ist Unsinn, da ist kein Wasser drinnen. In meiner Kanne allein ist Wasser, die Kanne hat das Wasser hervorgebracht. — So denkt der Mensch, er bringe den Verstand hervor, während er ihn nur aus dem allgemeinen Meere des Verstandes schöpft. |
[ 32 ] Ja, da müssen Sie doch sagen: In der Natur waltet Verstand. Und Sie können, wenn Sie die Natur wirklich studieren, überall diesen waltenden Verstand finden. Und über Ihren eigenen Verstand werden Sie dann bescheidener denken, denn der ist erstens nicht so groß wie der Verstand, der da in der Natur waltet, zweitens aber ist er nur so etwas wie ein bißchen Wasser, das man aus einem See geschöpft und in eine Kanne getan hat. Der Mensch ist nämlich in Wirklichkeit eine solche Kanne, die den Verstand der Natur auffaßt. In der Natur ist überall Verstand, alles ist überall Weisheit. Derjenige, der nur dem Menschen für sich selbst Verstand zuschreibt, ist ungefähr so gescheit wie einer, der da sagt: In dem See draußen oder in dem Bach soll Wasser sein? Das ist Unsinn, da ist kein Wasser drinnen. In meiner Kanne allein ist Wasser, die Kanne hat das Wasser hervorgebracht. — So denkt der Mensch, er bringe den Verstand hervor, während er ihn nur aus dem allgemeinen Meere des Verstandes schöpft. |
[ 33 ] Es ist also notwendig, daß man die Tatsachen der Natur wirklich ins Auge faßt. Aber die werden ja gerade ausgelassen, wenn darwinistische Theorie getrieben wird, wenn die heutigen materialistischen Anschauungen geprägt werden, denn sie widersprechen an allen Ecken und Enden dem modernen materialistischen Anschauen. Also man unterschlägt diese Tatsachen. Gewiß, man erzählt sie, aber eigentlich neben der Wissenschaft, anekdotenhaft. Daher bekommen sie auch nicht die Geltung in der allgemeinen Volkspädagogik, die sie haben müssen. Und so stellt man nicht nur die Tatsachen, die man hat, nicht in Wahrhaftigkeit dar, sondern man hat noch die Unwahrhaftigkeit, die schlagenden Tatsachen auszulassen, das heißt zu unterschlagen.
[ 33 ] Es ist also notwendig, daß man die Tatsachen der Natur wirklich ins Auge faßt. Aber die werden ja gerade ausgelassen, wenn darwinistische Theorie getrieben wird, wenn die heutigen materialistischen Anschauungen geprägt werden, denn sie widersprechen an allen Ecken und Enden dem modernen materialistischen Anschauen. Also man unterschlägt diese Tatsachen. Gewiß, man erzählt sie, aber eigentlich neben der Wissenschaft, anekdotenhaft. Daher bekommen sie auch nicht die Geltung in der allgemeinen Volkspädagogik, die sie haben müssen. Und so stellt man nicht nur die Tatsachen, die man hat, nicht in Wahrhaftigkeit dar, sondern man hat noch die Unwahrhaftigkeit, die schlagenden Tatsachen auszulassen, das heißt zu unterschlagen.
[ 34 ] Aber wenn es zur Sündenerhebung kommen soll, dann muß der Mensch sich zuerst an der Sinnenwelt zur Wahrhaftigkeit erziehen und diese Erziehung, diese Angewöhnung dann in die geistige Welt hineintragen. Dann wird er auch in der geistigen Welt wahrhaftig sein können. Sonst erzählt er den Leuten die unglaublichsten Geschichten von der geistigen Welt. Hat er sich für die physische Welt Ungenauigkeit, Unwahrhaftigkeit, Unexaktheit angewöhnt, dann erzählt er lauter Unwahrheiten über die geistige Welt.
[ 34 ] Aber wenn es zur Sündenerhebung kommen soll, dann muß der Mensch sich zuerst an der Sinnenwelt zur Wahrhaftigkeit erziehen und diese Erziehung, diese Angewöhnung dann in die geistige Welt hineintragen. Dann wird er auch in der geistigen Welt wahrhaftig sein können. Sonst erzählt er den Leuten die unglaublichsten Geschichten von der geistigen Welt. Hat er sich für die physische Welt Ungenauigkeit, Unwahrhaftigkeit, Unexaktheit angewöhnt, dann erzählt er lauter Unwahrheiten über die geistige Welt.
[ 35 ] Wenn man so das Ideal faßt, dessen sich die Anthroposophische Gesellschaft als eine Realität bewußt werden kann, und wenn geltend gemacht wird, was aus einem solchen Bewußtsein kommt, dann muß selbst bei dem Übelwollendsten der Glaube verschwinden, daß die Anthroposophische Gesellschaft eine Sekte sein kann. Nun, selbstverständlich werden die Gegner alles mögliche sagen, was nicht wahr ist. Aber es kann uns nicht gleichgültig sein, ob das wahr oder unwahr ist, was die Gegner sagen, solange wir Veranlassung dazu geben.
[ 35 ] Wenn man so das Ideal faßt, dessen sich die Anthroposophische Gesellschaft als eine Realität bewußt werden kann, und wenn geltend gemacht wird, was aus einem solchen Bewußtsein kommt, dann muß selbst bei dem Übelwollendsten der Glaube verschwinden, daß die Anthroposophische Gesellschaft eine Sekte sein kann. Nun, selbstverständlich werden die Gegner alles mögliche sagen, was nicht wahr ist. Aber es kann uns nicht gleichgültig sein, ob das wahr oder unwahr ist, was die Gegner sagen, solange wir Veranlassung dazu geben.
[ 36 ] Nun hat sich durch das Wesen der Sache die Anthroposophische Gesellschaft aus der Sektiererei, in der sie ja gewiß anfangs befangen war, insbesondere solange sie mit der Theosophischen Gesellschaft verbunden war, gründlich herausgearbeitet. Nur haben viele Mitglieder das heute noch nicht bemerkt und lieben die Sektiererei. Und so ist es zustande gekommen, daß selbst ältere anthroposophische Mitglieder, die fast zerspringen wollten unter der Umwandlung der Anthroposophischen Gesellschaft aus einer sektiererischen in etwas, was sich seiner Weltaufgabe bewußt ist, sie, die fast zerspringen wollten, in der allerneuesten Zeit einen Sprung machten. Ebenso fern aller Sektiererei, wenn sie ihrem Wesen folgt, kann die Bewegung für religiöse Erneuerung sein. Aber diese Bewegung für religiöse Erneuerung hat zunächst einer Anzahl selbst älterer Anthroposophen die Veranlassung gegeben, sich zu sagen: Ja, in der Anthroposophischen Gesellschaft, da wird das sektiererische Wesen immer mehr und mehr ausgemerzt — hier können wir es wiederum pflegen! — Und so wird gerade durch Anthroposophen vielfach die religiöse Erneuerungsbewegung zu der wüstesten Sektiererei gemacht, was sie wahrlich gar nicht zu sein brauchte.
[ 36 ] Nun hat sich durch das Wesen der Sache die Anthroposophische Gesellschaft aus der Sektiererei, in der sie ja gewiß anfangs befangen war, insbesondere solange sie mit der Theosophischen Gesellschaft verbunden war, gründlich herausgearbeitet. Nur haben viele Mitglieder das heute noch nicht bemerkt und lieben die Sektiererei. Und so ist es zustande gekommen, daß selbst ältere anthroposophische Mitglieder, die fast zerspringen wollten unter der Umwandlung der Anthroposophischen Gesellschaft aus einer sektiererischen in etwas, was sich seiner Weltaufgabe bewußt ist, sie, die fast zerspringen wollten, in der allerneuesten Zeit einen Sprung machten. Ebenso fern aller Sektiererei, wenn sie ihrem Wesen folgt, kann die Bewegung für religiöse Erneuerung sein. Aber diese Bewegung für religiöse Erneuerung hat zunächst einer Anzahl selbst älterer Anthroposophen die Veranlassung gegeben, sich zu sagen: Ja, in der Anthroposophischen Gesellschaft, da wird das sektiererische Wesen immer mehr und mehr ausgemerzt — hier können wir es wiederum pflegen! — Und so wird gerade durch Anthroposophen vielfach die religiöse Erneuerungsbewegung zu der wüstesten Sektiererei gemacht, was sie wahrlich gar nicht zu sein brauchte.
[ 37 ] Man sieht also, wie — wenn die Anthroposophische Gesellschaft eine Realität werden will — der Mut, sich in die geistige Welt wiederum zu erheben, positiv gepflegt werden muß. Dann wird schon Kunst und Religion sprießen in der Anthroposophischen Gesellschaft. Wenn uns zunächst auch unsere künstlerischen Formen genommen sind, sie leben eben im Wesen der anthroposophischen Bewegung selber und müssen immer wieder und wiederum gefunden werden.
[ 37 ] Man sieht also, wie — wenn die Anthroposophische Gesellschaft eine Realität werden will — der Mut, sich in die geistige Welt wiederum zu erheben, positiv gepflegt werden muß. Dann wird schon Kunst und Religion sprießen in der Anthroposophischen Gesellschaft. Wenn uns zunächst auch unsere künstlerischen Formen genommen sind, sie leben eben im Wesen der anthroposophischen Bewegung selber und müssen immer wieder und wiederum gefunden werden.
[ 38 ] Ebenso lebt die wahre religiöse Vertiefung in denen, welche den Weg in die geistige Welt zurückfinden, welche die Sündenerhebung ernsthaft nehmen. Aber was wir in uns selber ausmerzen müssen, das ist der Hang zur Sektiererei, denn er ist immer egoistisch. Er will immer die Umständlichkeit vermeiden, in die Realität des Geistes hineinzudringen, um sich zu begnügen mit einem mystischen Schwelgen, das im Grunde genommen eine egoistische Wollust ist. Und alles Reden davon, daß die Anthroposophische Gesellschaft
[ 38 ] Ebenso lebt die wahre religiöse Vertiefung in denen, welche den Weg in die geistige Welt zurückfinden, welche die Sündenerhebung ernsthaft nehmen. Aber was wir in uns selber ausmerzen müssen, das ist der Hang zur Sektiererei, denn er ist immer egoistisch. Er will immer die Umständlichkeit vermeiden, in die Realität des Geistes hineinzudringen, um sich zu begnügen mit einem mystischen Schwelgen, das im Grunde genommen eine egoistische Wollust ist. Und alles Reden davon, daß die Anthroposophische Gesellschaft
[ 39 ] viel zu intellektualistisch geworden ist, beruht eigentlich darauf, daß diejenigen, die so reden, eben das konsequente Erleben eines geistigen Inhaltes vermeiden wollen und viel mehr die egoistische Wollust des seelischen Schwelgens in einer mystischen, nebulosen Unbestimmtheit wollen. Selbstlosigkeit ist notwendig zur wirklichen Anthroposophie. Ein bloßer Seelenegoismus ist es, wenn dieser wirklichen Anthroposophie von den anthroposophischen Mitgliedern selber widerstrebt wird und sie nun erst recht hineintreiben in ein sektiererisches Wesen, das eben nur die seelische Wollust befriedigen soll, die durch und durch etwas Egoistisches ist.
[ 39 ] viel zu intellektualistisch geworden ist, beruht eigentlich darauf, daß diejenigen, die so reden, eben das konsequente Erleben eines geistigen Inhaltes vermeiden wollen und viel mehr die egoistische Wollust des seelischen Schwelgens in einer mystischen, nebulosen Unbestimmtheit wollen. Selbstlosigkeit ist notwendig zur wirklichen Anthroposophie. Ein bloßer Seelenegoismus ist es, wenn dieser wirklichen Anthroposophie von den anthroposophischen Mitgliedern selber widerstrebt wird und sie nun erst recht hineintreiben in ein sektiererisches Wesen, das eben nur die seelische Wollust befriedigen soll, die durch und durch etwas Egoistisches ist.
[ 40 ] Das sind die Dinge, die wir uns vor Augen führen müssen hinsichtlich unserer Aufgabe. Dadurch wird nichts verlorengehen von der Wärme, von dem künstlerischen Sinn und der religiösen Innigkeit des anthroposophischen Strebens. Aber es wird vermieden werden, was vermieden werden muß: der sektiererische Hang. Und dieser sektiererische Hang, er hat so manches die Gesellschaft Auflösende gebracht, wenn er auch oft auf dem Umwege des reinen Cliquenwesens gekommen ist. Aber Cliquenwesen entstand innerhalb der anthroposophischen Bewegung auch nur wegen seiner Verwandtschaft — es ist allerdings eine weite, eine entfernte Verwandtschaft — mit dem sektiererischen Hang. Wir müssen zurückkommen zu der Pflege eines gewissen Weltbewußtseins, so daß nur noch Gegner, welche absichtlich die Unwahrheit sagen wollen, die Anthroposophische Gesellschaft eine Sekte nennen können. Wir müssen dazu kommen, streng abweisen zu können den sektiererischen Charakterzug der anthroposophischen Bewegung. So sollen wir ihn aber abweisen, daß, wenn etwas auftaucht, was selber nicht sektiererisch gedacht ist, wie die religiöse Erneuerungsbewegung, es nicht sogleich ergriffen wird, weil man es leichter im sektiererischen Sinne gestalten kann als die Anthroposophische Gesellschaft selber.
[ 40 ] Das sind die Dinge, die wir uns vor Augen führen müssen hinsichtlich unserer Aufgabe. Dadurch wird nichts verlorengehen von der Wärme, von dem künstlerischen Sinn und der religiösen Innigkeit des anthroposophischen Strebens. Aber es wird vermieden werden, was vermieden werden muß: der sektiererische Hang. Und dieser sektiererische Hang, er hat so manches die Gesellschaft Auflösende gebracht, wenn er auch oft auf dem Umwege des reinen Cliquenwesens gekommen ist. Aber Cliquenwesen entstand innerhalb der anthroposophischen Bewegung auch nur wegen seiner Verwandtschaft — es ist allerdings eine weite, eine entfernte Verwandtschaft — mit dem sektiererischen Hang. Wir müssen zurückkommen zu der Pflege eines gewissen Weltbewußtseins, so daß nur noch Gegner, welche absichtlich die Unwahrheit sagen wollen, die Anthroposophische Gesellschaft eine Sekte nennen können. Wir müssen dazu kommen, streng abweisen zu können den sektiererischen Charakterzug der anthroposophischen Bewegung. So sollen wir ihn aber abweisen, daß, wenn etwas auftaucht, was selber nicht sektiererisch gedacht ist, wie die religiöse Erneuerungsbewegung, es nicht sogleich ergriffen wird, weil man es leichter im sektiererischen Sinne gestalten kann als die Anthroposophische Gesellschaft selber.
[ 41 ] Das sind die Dinge, die wir heute scharf bedenken müssen. Wir müssen heute aus dem innersten Wesen der Anthroposophie heraus verstehen, inwiefern die Anthroposophie dem Menschen ein Weltbewußtsein geben kann, nicht ein sektiererisches Bewußtsein. Deshalb mußte ich in diesen Tagen gerade von diesen engeren Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft sprechen.
[ 41 ] Das sind die Dinge, die wir heute scharf bedenken müssen. Wir müssen heute aus dem innersten Wesen der Anthroposophie heraus verstehen, inwiefern die Anthroposophie dem Menschen ein Weltbewußtsein geben kann, nicht ein sektiererisches Bewußtsein. Deshalb mußte ich in diesen Tagen gerade von diesen engeren Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft sprechen.
