Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220
21 January 1923, Dornach
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Living Knowledge of Nature, Intellectual Fall from Grace and Spiritual Elevation from Sin, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Sie haben aus den vorherigen Andeutungen gesehen, daß es mir obliegt, in dieser Zeit über das Bewußtsein zu sprechen, das als eine von den Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft erobert werden muß. Und ich möchte heute zunächst darauf hindeuten, wie dieses Bewußtsein nur dadurch errungen werden kann, daß die ganze Kultur- und Zivilisationsaufgabe in der Gegenwart wirklich erfaßt wird vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus. Bei den verschiedensten Gelegenheiten habe ich versucht, von diesem Standpunkt aus zu charakterisieren, was mit dem in allen Religionsbekenntnissen erwähnten Sündenfall der Menschheit gemeint ist. Die Religionsbekenntnisse sprechen von diesem Sündenfall, der im Ausgangspunkt der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit liegt, und wir haben durch die verschiedenen Auseinandersetzungen in den verflossenen Jahren gesehen, wie dieser Sündenfall, den ich ja heute nicht genauer zu charakterisieren brauche, ein Ausdruck ist für das, was einmal im Laufe der Menschheitsentwickelung eingetreten ist: das Selbständigwerden des Menschen gegenüber den ihn führenden göttlich-geistigen Mächten.
[ 1 ] You have seen from my previous remarks that it is my duty at this time to speak about the kind of consciousness that must be attained as one of the tasks of the Anthroposophical Society. And today I would like to begin by pointing out that this consciousness can only be attained by truly grasping the entire task of culture and civilization in the present from the standpoint of spiritual science. On various occasions, I have attempted to characterize, from this standpoint, what is meant by the Fall of humanity mentioned in all religious creeds. Religious creeds speak of this Fall, which lies at the starting point of humanity’s historical development, and we have seen through the various discussions in recent years how this Fall—which I need not characterize in greater detail today—is an expression of what once occurred in the course of human development: humanity’s becoming independent of the divine-spiritual powers that guide it.
[ 2 ] Wir wissen ja, daß das Bewußtsein von dieser Selbständigkeit erst eingetreten ist, als die Bewußtseinsseele in der Menschheitsentwikkelung sich zeigte, also mit der ersten Hälfte des 15. nachchristlichen Jahrhunderts. Von diesem Zeitpunkt haben wir immer wieder und wiederum in den letzten Betrachtungen gesprochen. Aber im Grunde genommen ist die ganze, durch die Geschichte und durch die Mythen charakterisierte Menschheitsentwickelung eine Art von Vorbereitung für diesen wichtigen Moment des Bewußtwerdens des Menschen seiner Freiheit, seiner Selbständigkeit, eine Vorbereitung für die Tatsache, daß die Menschheit auf Erden dazu kommen soll, gegenüber den göttlich-geistigen Mächten eine selbständige Entschlußfähigkeit zu erringen. Und so weisen die Religionsbekenntnisse hin auf ein kosmisch-irdisches Ereignis, durch das die geistig-seelischen Instinkte, die in ganz alten Zeiten für das, was die Menschheit tat, allein maßgebend waren, abgelöst wurden eben durch diese freie Entschlußfassung des Menschen. Wie gesagt, wir wollen jetzt nicht davon sprechen, wie das im Genaueren aufzufassen ist — aber die Sache wird ja von den Religionsbekenntnissen so aufgefaßt, daß in bezug auf die moralische Impulsivität des Menschen dieser Mensch sich in einer gewissen Weise in Gegensatz gestellt hat gegenüber den führenden geistigen, sagen wir also, wenn wir mit dem Alten Testamente sprechen, gegenüber den Jahve- oder Jehova-Mächten. Es ist also zunächst die Sache so darzustellen, wenn wir auf diese Interpretation hinschauen, als ob der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkt seiner Entwickelung an nicht mehr gefühlt hätte, daß in ihm die göttlich-geistigen Mächte tätig waren und daß er nun selber tätig war.
[ 2 ] We know, of course, that awareness of this independence did not arise until the soul of consciousness emerged in the course of human development—that is, during the first half of the 15th century A.D. We have spoken of this point in time time and again in our recent reflections. But fundamentally, the entire development of humanity—as characterized by history and myths—is a kind of preparation for this important moment when human beings become aware of their freedom and their independence; a preparation for the fact that humanity on Earth is to attain the ability to make independent decisions in relation to the divine-spiritual powers. And so the religious creeds point to a cosmic-earthly event through which the spiritual-soul instincts—which in very ancient times were the sole determining factor in what humanity did—were superseded precisely by this free decision-making on the part of human beings. As I said, we do not wish to discuss here exactly how this is to be understood—but the religious creeds interpret the matter in such a way that, with regard to human moral impulsiveness, humanity has, in a certain sense, set itself in opposition to the guiding spiritual powers—let us say, to use the language of the Old Testament, to the powers of Yahweh or Jehovah. So, if we consider this interpretation, the situation can initially be described as if, from a certain point in their development onward, human beings no longer felt that the divine-spiritual powers were active within them and that they themselves were now active.
[ 3 ] Damit ist dann eingetreten, mit Bezug auf die moralische Gesamtauffassung- des Menschen, daß er sich als sündig fühlte, während er unfähig gewesen wäre, in die Sünde zu verfallen, wenn er im alten Stande geblieben wäre, in dem Stande des instinktiven Geführtwerdens durch göttlich-geistige Mächte. Während er da unfähig zu sündigen, also sündlos geblieben wäre wie ein bloßes Naturgeschöpf, ist er fähig geworden zu sündigen durch dieses Selbständigwerden gegenüber den göttlich-geistigen Mächten. Und es trat dann in der Menschheit dieses Sündenbewußtsein auf: Ich als Mensch bin nur dann nicht sündig, wenn ich meinen Weg wiederum zurückfinde zu den göttlich-geistigen Mächten. Was ich durch mich selber beschließe, das ist als solches sündhaft, und ich kann nur die Sündlosigkeit erringen dadurch, daß ich den Weg zu den göttlich-geistigen Mächten wiederum zurückfinde.
[ 3 ] Thus, with regard to man’s overall moral perspective, he came to feel himself to be sinful, whereas he would have been incapable of falling into sin had he remained in his former state—the state of being instinctively guided by divine-spiritual powers. Whereas in that state he would have remained incapable of sinning—and thus sinless—like a mere creature of nature, he has become capable of sinning through this independence from the divine-spiritual powers. And this awareness of sin then arose in humanity: I, as a human being, am sinless only when I find my way back to the divine-spiritual powers. Whatever I decide on my own is, as such, sinful, and I can attain sinlessness only by finding my way back to the divine-spiritual powers.
[ 4 ] Am stärksten ist dieses Sündenbewußtsein dann aufgetreten im Mittelalter. Und da begann auch die Intellektualität der Menschen, die eigentlich vorher noch nicht eine abgesonderte Fähigkeit war, sich zu entwickeln. So wurde gewissermaßen das, was der Mensch als Intellekt, als seinen intellektuellen Inhalt entwickelte, auch und zwar mit einem gewissen Recht — angesteckt von diesem Sündenbewußtsein. Nur sagte man es sich nicht, daß der Intellekt, der in der Entwickelung seit dem 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert heraufkam, nun auch angesteckt ist von dem Sündenbewußtsein. Es entwickelte sich zunächst das unbemerkte Sündenbewußtsein des Intellektes in der scholastischen Weisheit des Mittelalters.
[ 4 ] This sense of sin was most pronounced during the Middle Ages. And that was also when human intellectuality—which had not previously been a distinct faculty—began to develop. Thus, in a sense, what human beings developed as the intellect—as their intellectual content—was also, and indeed with some justification, infected by this sense of sin. Yet people did not realize that the intellect, which had been emerging since the 3rd and 4th centuries A.D., was now also infected by this sense of sin. The unnoticed sense of sin within the intellect first developed in the scholastic wisdom of the Middle Ages.
[ 5 ] Diese scholastische Weisheit des Mittelalters sagte sich: Wenn man den Intellekt in noch so scharfsinniger Weise als Mensch entwickelt, so kann man durch ihn doch nur die äußere physische Natur auffassen. Man kann durch den bloßen Intellekt höchstens beweisen, daß es ein Dasein göttlich-geistiger Kräfte gibt; aber man kann nichts erkennen von diesen göttlich-geistigen Kräften, man kann nur an die göttlich-geistigen Kräfte glauben. Man kann an das glauben, was sie selbst, sei es durch das Alte oder das Neue Testament, geoffenbart haben.
[ 5 ] This scholastic wisdom of the Middle Ages held that: No matter how keenly one develops one’s intellect as a human being, one can still perceive only external, physical nature through it. Through the intellect alone, one can at most prove that divine-spiritual forces exist; but one cannot know anything about these divine-spiritual forces—one can only believe in them. One can believe in what they themselves have revealed, whether through the Old or the New Testament.
[ 6 ] Also der Mensch, der sich in früheren Zeiten sündhaft in bezug auf seine Moralität gefühlt hat — sündhaft aber heißt: abgesondert von den göttlich-geistigen Mächten —, dieser Mensch, der sich die Zeit über moralisch sündhaft gefühlt hat, fühlte sich gewissermaßen in der scholastischen Weisheit intellektuell sündhaft. Er schrieb sich nur die Fähigkeit zu, einen Intellekt zu haben für die physisch-sinnliche Welt. Er sagte sich: Ich bin als Mensch zu schlecht, um durch eigene Kraft hinaufzukommen in diejenige Region des Erkennens, wo ich auch den Geist erfassen kann. — Man bemerkt nicht, wie abhängig dieser intellektuelle Sündenfall von dem allgemein moralischen Sündenfall ist. Es ist die direkte Fortsetzung des moralischen Sündenfalles, was da in die Auffassung der menschlichen Intellektualität hineinspielt.
[ 6 ] So the person who in earlier times felt sinful in terms of his morality—and “sinful” here means: separated from the divine-spiritual powers—this person, who had long felt morally sinful, felt, in a sense, intellectually sinful within scholastic wisdom. He attributed to himself only the capacity to possess an intellect for the physical-sensory world. He told himself: As a human being, I am too flawed to ascend, through my own power, to that region of knowledge where I can also grasp the spirit. — One fails to notice how dependent this intellectual fall is on the general moral fall. It is the direct continuation of the moral Fall that comes into play here in the conception of human intellectuality.
[ 7 ] Wenn dann die scholastische Weisheit übergeht in die moderne naturwissenschaftliche Anschauung, dann wird völlig vergessen der Zusammenhang mit dem alten moralischen Sündenfall, und es wird sogar geleugnet, wie ich oft betont habe, der intensiv vorhandene Zusammenhang der modernen naturwissenschaftlichen Begriffe mit der alten Scholastik. Und man redet in der neueren Naturwissenschaft davon, daß der Mensch Grenzen der Erkenntnis habe, daß er sich begnügen müsse, seine Anschauung nur über die sinnlich-physische Welt auszudehnen. Es redet ein Du Bois-Reymond davon, es reden andere davon, daß der Mensch Grenzen seiner Forschung, überhaupt seines ganzen Denkens habe.
[ 7 ] When scholastic wisdom gives way to the modern scientific worldview, the connection to the ancient moral concept of the Fall is completely forgotten, and—as I have often emphasized—the deeply rooted connection between modern scientific concepts and ancient scholasticism is even denied. And in modern natural science, people speak of the fact that human beings have limits to their knowledge, that they must be content to extend their understanding only to the sensory-physical world. Du Bois-Reymond speaks of this, and others speak of the fact that human beings have limits to their research—and indeed to their entire thinking.
[ 8 ] Das ist aber eine direkte Fortsetzung der Scholastik. Der Unterschied ist nur der, daß die Scholastik angenommen hat: Wenn also der menschliche Intellekt begrenzt ist, so muß man sich zu etwas anderen erheben, als der Intellekt ist, nämlich zur Offenbarung, wenn man über die geistige Welt etwas wissen will. Die moderne naturwissenschaftliche Anschauung nimmt die Hälfte statt des Ganzen, läßt die Offenbarung bleiben wo sie ist, stellt sich aber dann ganz auf den Standpunkt, der nur, wenn man die Offenbarung voraussetzt, eine Möglichkeit hat — sie stellt sich auf den Standpunkt: Die menschliche Erkenntnisfähigkeit ist zu schlecht, um hinaufzukommen in die göttlich-geistigen Welten.
[ 8 ] But this is a direct continuation of Scholasticism. The only difference is that Scholasticism assumed: If, then, the human intellect is limited, one must turn to something other than the intellect itself—namely, to revelation—if one wishes to know anything about the spiritual world. The modern scientific worldview takes half instead of the whole, leaves revelation where it is, but then adopts entirely the standpoint that is possible only if one presupposes revelation—it adopts the standpoint that human cognitive capacity is too limited to ascend into the divine-spiritual worlds.
[ 9 ] Nun war aber zur Zeit der Scholastik, namentlich zur Zeit der Hochblüte der Scholastik in der Mitte des Mittelalters, nicht solche Seelenverfassung vorhanden wie heute. Dazumal nahm man an: wenn der Mensch seinen Intellekt anwendet, dann kann er dadurch sich Erkenntnisse von der sinnlichen Welt verschaffen, und man verspürte, man erlebte noch etwas von dem Zusammenfließen des Menschen mit der sinnlichen Welt, wenn man den Intellekt anwendete. Und man war dann der Meinung, daß man aufsteigen müsse zur Offenbarung, die eben nicht mehr begriffen, also nicht mehr intellektuell erfaßt werden kann, wenn man über das Geistige etwas wissen will. Aber es war noch unvermerkt — und auf das muß man hinschauen! — in die Begriffe, welche die Scholastiker über die Sinnenwelt aufstellten, Geistigkeit hineingeflossen. Die Begriffe der Scholastiker waren nicht so geistlos, wie es die heutigen sind. Die ‚Scholastiker kamen noch mit ihren Begriffen, die sie sich über die Natur bildeten, an den Menschen heran, so daß der Mensch von der Erkenntnis noch nicht ganz ausgeschlossen war. Denn die Scholastiker waren, wenigstens in ihrer realistischen Strömung, durchaus der Meinung, daß die Gedanken den Menschen von außen gegeben werden, nicht von innen fabriziert werden. Heute ist man der Meinung, daß die Gedanken nicht von außen gegeben werden, sondern von innen fabriziert werden. Dadurch ist der Mensch dazu gekommen, nach und nach in seiner Entwickelung alles fallenzulassen, was sich nicht auf die äußere Sinneswelt bezieht.
[ 9 ] However, during the Scholastic period—particularly during its heyday in the Middle Ages—people did not possess the same state of mind as they do today. Back then, it was assumed that when a person applied their intellect, they could thereby gain insights into the sensory world; and when one applied the intellect, one still sensed and experienced something of the fusion of the human being with the sensory world. And people were then of the opinion that one had to ascend to revelation—which can no longer be comprehended, that is, no longer grasped intellectually—if one wished to know anything about the spiritual realm. But—and this is what we must look at!—spirituality had already, unnoticed, flowed into the concepts that the Scholastics formulated about the sensory world. The Scholastics’ concepts were not as spiritless as those of today. The Scholastics still approached human beings with the concepts they formed about nature, so that human beings were not yet entirely excluded from knowledge. For the Scholastics, at least in their realist current, were firmly of the opinion that thoughts are given to human beings from the outside, not fabricated from within. Today, the prevailing view is that thoughts are not given from the outside but are fabricated from within. As a result, human beings have gradually come to discard, in the course of their development, everything that does not relate to the external sensory world.
[ 10 ] Und, sehen Sie, der letzte Ausfluß davon, daß man alles hat fallenlassen, was sich nicht auf die äußere Sinneswelt bezieht, das ist die moderne, im darwinistischen Sinne gehaltene Entwickelungslehre. Goethe hat den Ansatz gemacht zu einer wirklichen Entwickelungslehre, die bis zum Menschen heraufgeht. Wenn Sie seine Schriften nach dieser Richtung durchnehmen, so werden Sie sehen, daß er immer nur gestrauchelt hat, wenn er zum Menschen kommen wollte. Er hat noch eine ausgezeichnete Pflanzenlehre geschrieben, er hat über das Tier manches Zutreffende geschrieben, allein es hapert immer, wenn er zum Menschen kommen will. Der Intellekt, der bloß auf die Sinneswelt angewendet wird, reicht nicht aus, um zum Menschen heranzukommen. Das zeigt sich gerade bei Goethe in so hohem Maße: auch Goethe kann über den Menschen nichts sagen. Seine Metamorphosenlehre erstreckt sich nicht bis zum Menschen herauf. Sie wissen, wie wir diese Metamorphosenlehre, ganz im Goetheschen Sinne, aber weit über ihn hinausgehend, haben erweitern müssen innerhalb der anthroposophischen Weltanschauung.
[ 10 ] And, you see, the ultimate consequence of having discarded everything that does not relate to the external sensory world is the modern theory of evolution, understood in the Darwinian sense. Goethe laid the groundwork for a true theory of evolution that extends all the way up to the human being. If you examine his writings in this regard, you will see that he always stumbled whenever he sought to address the human being. He wrote an excellent treatise on botany and made many accurate observations about animals, yet he always falls short when he attempts to address the human being. The intellect, when applied solely to the sensory world, is not sufficient to reach the human being. This is particularly evident in Goethe’s work: even Goethe cannot say anything about human beings. His theory of metamorphosis does not extend all the way up to human beings. You know how we have had to expand this theory of metamorphosis—entirely in the spirit of Goethe, yet going far beyond him—within the anthroposophical worldview.
[ 11 ] Wozu ist denn der moderne Intellektualismus in der Naturwissenschaft eigentlich gekommen? Er ist nur dazu gekommen, die Entwickelung der Tiere bis herauf zum Affen zu begreifen, und er hat dann den Menschen angeschlossen, ohne innerlich zum Menschen vorrücken zu können. Ich möchte sagen, die Begriffe wurden, je mehr der Mensch an die höheren Tiere herankam, immer unfähiger, noch etwas zu begreifen. Und es ist gar nicht wahr, daß der Mensch zum Beispiel die höheren Tiere noch begreift. Er glaubt nur, daß er sie begreife.
[ 11 ] What, then, has modern intellectualism actually achieved in the natural sciences? It has only managed to comprehend the evolution of animals up to the point of the ape, and it has then appended humans to that sequence without being able to advance inwardly toward humanity. I would say that the more humans approached the higher animals, the more incapable these concepts became of comprehending anything further. And it is not at all true that humans, for example, still comprehend the higher animals. They merely believe that they do.
[ 12 ] Und so fiel allmählich die Auffassung des Menschen ganz aus der Weltauffassung heraus, weil aus den Begriffen die Auffassung herausfiel. Die Begriffe wurden immer geistloser und geistloser, und die geistlosen Begriffe, die den Menschen nur als den Schlußpunkt der Tierreihe ansehen, die bilden heute den Inhalt alles Denkens; die werden schon den Kindern in den ersten Schuljahren eingeflößt, und es wird dadurch zur allgemeinen Bildung, nicht mehr auf das Wesen des Menschen hinschauen zu können.
[ 12 ] And so, little by little, the conception of the human being fell completely out of the worldview, because the conception fell out of the concepts. The concepts became increasingly soulless, and these soulless concepts—which view human beings merely as the final link in the animal chain—now constitute the content of all thought; they are instilled in children as early as their first years of school, and as a result, it has become part of general education to be unable to perceive the essence of the human being.
[ 13 ] Nun wissen Sie ja, daß ich versuchte, die ganze Erkenntnis einmal an einem anderen Ende anzufassen. Das war, als ich meine «Philosophie der Freiheit» und deren Vorspiel «Wahrheit und Wissenschaft» verfaßte, obwohl die Anklänge schon in meiner «Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» in den achtziger Jahren stehen. Ich habe versucht, nach einer ganz anderen Ecke hin die Sache zu wenden. Ich habe versucht, dasjenige zu zeigen, zu dem sich der moderne Mensch aufschwingen kann, wenn er nun nicht im traditionellen Sinne, sondern aus freier innerer Gestaltung heraus zum reinen Denken kommt, zu diesem willensmäßigen reinen Denken, das etwas Positives, Reales ist, wenn es in ihm wirkt. Und ich habe in meiner «Philosophie der Freiheit» die moralischen Impulse aus diesem gereinigten Denken gesucht.
[ 13 ] Now, as you know, I tried to approach the whole of knowledge from a different angle. That was when I wrote my Philosophy of Freedom and its prelude, Truth and Science, although the first hints of this approach were already present in my Epistemology of Goethe’s Worldview in the 1880s. I tried to approach the subject from a completely different angle. I sought to show what modern human beings can aspire to when they arrive at pure thinking—not in the traditional sense, but through free inner formation—that is, this volitional pure thinking, which is something positive and real when it is at work within them. And in my Philosophy of Freedom, I sought the moral impulses arising from this purified thinking.
[ 14 ] So daß also die Entwickelung vorher so gegangen ist, daß man immer mehr und mehr dahin kam, den Menschen als zu schlecht aufzufassen zum moralischen Handeln, und man hineintrug dieses Zuschlechtsein des Menschen auch in seine Intellektualität. Wenn ich mich graphisch ausdrücken soll, so möchte ich sagen: Es entwikkelte sich der Mensch so, daß immer dünner wurde dasjenige, was er als Mensch von sich wußte. Immer dünner wurde das (hell). Aber unter der Oberfläche entwickelte sich doch immerfort das (rot), was im wirklichen, nicht im abstrakten Denken lebt.
[ 14 ] Thus, the course of development up to that point had led to an increasing tendency to view human beings as too flawed to act morally, and this perception of human imperfection was also applied to their intellectual capacity. If I were to express this visually, I would say: Humanity developed in such a way that what people knew about themselves as human beings became increasingly thin. That aspect (light) grew ever thinner. But beneath the surface, that aspect (red)—which lives in real, rather than abstract, thinking—continued to develop.


[ 15 ] Nun war am Ende des 19. Jahrhunderts der Zeitpunkt gekommen, wo man dieses, was ich rot charakterisiert habe, eben gar nicht mehr bemerkt hat, und durch das, was ich hell charakterisiert habe, glaubte man sich nicht mehr in Verbindung mit irgend etwas Göttlich-Geistigem. Das Sündenbewußtsein hat den Menschen aus dem Göttlich-Geistigen herausgerissen; die historischen Kräfte, die heraufkamen, konnten ihn nicht hineinziehen.
[ 15 ] By the end of the 19th century, the time had come when people no longer even noticed what I have highlighted in red, and because of what I have highlighted in light colors, they no longer believed themselves to be connected to anything divine-spiritual. The sense of sin had torn people away from the divine-spiritual; the historical forces that were emerging could not draw them back into it.
[ 16 ] Aber ich wollte mit meiner «Philosophie der Freiheit» sagen: Seht nur einmal in die Tiefe der Seele hinein, da werdet Ihr finden, daß dem Menschen etwas geblieben ist, nämlich das wirkliche, energische von ihm selbst kommende Denken, das reine Denken, das nicht mehr bloßes Denken ist, das voller Empfindung, voller Gefühl ist, und das zuletzt im Willen sich auslebt, und daß dieses der Impuls werden kann für moralisches Handeln. — Und ich sprach aus diesem Grunde von moralischer Intuition, in die zuletzt einlauft das, was sonst nur moralische Phantasie ist. Aber so richtig lebendig werden kann das, was eigentlich gemeint ist mit der «Philosophie der Freiheit», nur, wenn man den Weg, den man gegangen ist — nämlich sich immer mehr und mehr abzuspalten, bis zur Intellektualität hin sich abzuspalten von dem göttlich-geistigen Inhalt der Welt —, wenn man diesen Weg wieder zurückmacht. Wenn man wieder findet die Geistigkeit in der Natur, dann wird man auch wieder den Menschen finden. Und deshalb habe ich einmal in einem Vortrag, den ich vor vielen Jahren in Mannheim gehalten habe, ausgeführt — was sehr wenig bemerkt worden ist —, daß tatsächlich die Menschheit in ihrer heutigen Entwickelung an dem Punkt steht, den Sündenfall zurückzumachen. Nämlich: der Sündenfall wurde aufgefaßt als ein moralischer Sündenfall, er hat zuletzt auch den Intellekt beeinflußt; der Intellekt fühlte sich an den Grenzen der Erkenntnis. Und ob der alte Theologe von der Sünde oder Du Bois-Reymond von den Grenzen des Naturerkennens spricht, ist im Grunde genommen ein und dasselbe, nur in einer etwas andern Form. Ich machte darauf aufmerksam, wie man nun erfassen muß das allerdings bis zum reinen Denken filtrierte Geistige, und wie man von da den Sündenfall rückgängig machen kann, wie man sich durch die Spiritualisierung des Intellektes wiederum zum Göttlich-Geistigen hinaufarbeiten kann.
[ 16 ] But what I wanted to say with my Philosophy of Freedom is: Just look once into the depths of the soul, and there you will find that something has remained in human beings, namely, genuine, energetic thinking that arises from within themselves—pure thinking that is no longer mere thinking, that is full of sensation and feeling, and that ultimately finds its fulfillment in the will—and that this can become the impulse for moral action. — And for this reason I spoke of moral intuition, into which ultimately flows what is otherwise merely moral imagination. But what is actually meant by the “Philosophy of Freedom” can only truly come to life if one retraces the path one has taken—namely, the path of separating oneself more and more, to the point of intellectualism, from the divine-spiritual content of the world. When one rediscovers the spiritual in nature, one will also rediscover humanity. And that is why I once explained in a lecture I gave many years ago in Mannheim—a point that went largely unnoticed—that humanity, in its present stage of development, is in fact at the point of undoing the Fall. Namely: the Fall was understood as a moral fall; ultimately, it also influenced the intellect; the intellect felt itself at the limits of knowledge. And whether the old theologian speaks of sin or Du Bois-Reymond of the limits of knowledge of nature, it is essentially one and the same thing, only in a slightly different form. I pointed out how one must now grasp the spiritual—which has indeed been filtered down to pure thought—and how, from there, one can reverse the Fall, how one can work one’s way back up to the divine-spiritual through the spiritualization of the intellect.
[ 17 ] Wenn also in alten Zeiten hingewiesen worden ist auf den moralischen Sündenfall und die Entwickelung der Menschheit gedacht worden ist im Sinne dieses moralischen Sündenfalles, so hat man heute an ein Ideal der Menschheit zu denken, an die Ausbesserung dieses Sündenfalles auf dem Wege der Spiritualisierung des Erkennens, auf dem Wege der Wiedererkennung des geistigen Inhaltes der Welt. Der Mensch hat sich durch den moralischen Sündenfall von den Göttern..entfernt. Er muß durch den Erkenntnisweg die Bahn der Götter wieder finden. Der Mensch muß seinen Abstieg in einen Aufstieg verwandeln. Der Mensch muß aus dem rein erfaßten Geiste seines eigenen Wesens durch innere Energie und Kraft das Ziel, das Ideal fassen, den Sündenfall wiederum ernst zu nehmen. Denn ernst zu nehmen ist er. Er erstreckt sich bis zu den Reden der Naturerkenntnis in unsere Gegenwart herein. Der Mensch muß den Mut fassen, zum Sündenfall nach und nach durch die Kraft seines Erkennens ein Aus-der-Sünde-sich-Erheben hinzuzufügen, eine Sündenerhebung herauszuarbeiten aus dem, was ihm werden kann durch eine wirkliche, echte geisteswissenschaftliche Erkenntnis der neueren Zeit.
[ 17 ] So while in ancient times reference was made to the moral Fall and the development of humanity was conceived in terms of this moral Fall, today we must think of an ideal of humanity—the rectification of this Fall through the spiritualization of knowledge and the rediscovery of the spiritual content of the world. Through the moral Fall, humanity has distanced itself from the gods. It must rediscover the path of the gods through the path of knowledge. Humanity must transform its descent into an ascent. Through inner energy and strength, humanity must grasp, from the purely perceived spirit of its own being, the goal—the ideal—of taking the Fall seriously once again. For it must be taken seriously. It extends right into our present day, even into the discourse of natural science. Humanity must summon the courage to gradually add, through the power of its knowledge, a rising above sin to the Fall—to work out a transcendence of sin from what can become possible for it through a genuine, authentic spiritual-scientific understanding of modern times.
[ 18 ] So könnte man sagen: Blicken wir zurück in die Entwickelung der Menschheit, so setzt das Menschenbewußtsein an den Anfang der historischen Entwickelung der Menschheit auf Erden den Sündenfall. Aber der Sündenfall muß einmal wiederum ausgeglichen werden: es muß ihm entgegengesetzt werden eine Sündenerhebung. Und diese Sündenerhebung kann nur aus dem Zeitalter der Bewußtseinsseele hervorgehen. Also es ist in unserer Zeit der historische Moment gekommen, wo das höchste Ideal der Menschheit sein muß die spirituelle Sündenerhebung. Ohne diese kann die Entwikkelung der Menschheit nicht weitergehen.
[ 18 ] One might say: If we look back at the development of humanity, human consciousness places the Fall at the beginning of humanity’s historical development on Earth. But the Fall must eventually be counterbalanced: it must be opposed by a redemption from sin. And this redemption can only emerge from the age of the conscious soul. Thus, the historical moment has arrived in our time when humanity’s highest ideal must be spiritual redemption. Without this, the development of humanity cannot continue.
[ 19 ] Das ist es, was ich in jenem Mannheimer Vortrage einmal auseinandersetzte. Ich sagte, es ist zu dem moralischen Sündenfall in der neueren Zeit, namentlich in den naturwissenschaftlichen Anschauungen, auch noch der intellektualistische Sündenfall gekommen, und der ist das große historische Zeichen dafür, daß die spirituelle Sündenerhebung beginnen müsse.
[ 19 ] That is what I once discussed in that lecture in Mannheim. I said that, in addition to the moral fall in modern times—particularly in scientific views—there has also been an intellectual fall, and this is the great historical sign that the spiritual redemption must begin.
[ 20 ] Was heißt denn aber diese spirituelle Sündenerhebung? Die heißt ja nichts anderes, als den Christus wirklich verstehen. Diejenigen, die noch etwas davon verstanden haben, die nicht mit der neueren Theologie den Christus vollständig verloren haben, die haben so von dem Christus gesprochen, daß er auf die Erde gekommen ist, daß er als ein Wesen höherer Art sich in einem irdischen Leibe verkörpert hat. Sie haben angeknüpft in den Schriftentraditionen an dasjenige, was über den Christus verkündigt ist. Man hat eben über das Mysterium von Golgatha gesprochen.
[ 20 ] But what does this “spiritual redemption from sin” actually mean? It means nothing other than truly understanding Christ. Those who have still understood something of this—those who have not completely lost sight of Christ through modern theology—have spoken of Christ in such a way that they said he came to earth, that as a being of a higher order he incarnated in an earthly body. They have drawn upon the scriptural traditions to connect with what has been proclaimed about Christ. They spoke precisely of the Mystery of Golgotha.
[ 21 ] Heute aber ist die Zeit gekommen, wo der Christus verstanden werden muß. Man wehrt sich gegen dieses Verstehen des Christus, und die Art, wie man sich wehrt, ist außerordentlich charakteristisch. Sehen Sie, wenn nur noch ein Fünkchen von dem, was der Christus wirklich ist, in denen lebte, die da sagen, daß sie den Christus verstehen, was müßte denn dann eintreten? Dann müßten sie sich doch klar sein: Der Christus ist als ein himmlisches Wesen auf die Erde herabgestiegen; er hat also zu den Menschen nicht eine irdische, sondern eine himmlische Sprache gesprochen. Also müssen wir uns bemühen, ihn zu verstehen, müssen wir uns bemühen, eine kosmische, eine außerirdische Sprache zu sprechen. Das heißt, wir müssen unsere Wissenschaft nicht bloß auf die Erde beschränken, denn die war ja neues Land für den Christus, wir müssen unsere Wissenschaft ausdehnen in das Kosmische. Wir müssen verstehen lernen die Elemente, wir müssen verstehen lernen die Planetenbewegungen, wir müssen verstehen lernen die Sternkonstellationen und ihren Einfluß auf das, was auf Erden geschieht. Dann nähern wir uns der Sprache, die der Christus gesprochen hat.
[ 21 ] But today the time has come when Christ must be understood. People resist this understanding of Christ, and the way they resist is extraordinarily telling. You see, if even a single spark of what Christ truly is were still alive in those who claim to understand Christ, what would have to happen then? Then they would surely realize: Christ descended to Earth as a heavenly being; therefore, he spoke to humanity not in an earthly language, but in a heavenly one. So we must strive to understand him; we must strive to speak a cosmic, an extraterrestrial language. This means we must not limit our science merely to the Earth—for that was, after all, new territory for Christ—but we must extend our science into the cosmic realm. We must learn to understand the elements; we must learn to understand the movements of the planets; we must learn to understand the constellations and their influence on what happens on Earth. Then we will draw closer to the language that Christ spoke.
[ 22 ] Das aber ist etwas, was zusammenfällt mit der spirituellen Sündenerhebung. Denn warum wurde der Mensch herabgedrückt, nur das zu verstehen, was auf Erden lebt? Weil er eben das Sündenbewußtsein hatte, weil er sich für zu schlecht hielt, um die Welt in ihrer Geistigkeit im Außerirdischen zu begreifen. Und deshalb ist es, daß eigentlich so geredet wird, als ob der Mensch außer dem Irdischen nichts erkennen könne. Ich habe es gestern damit charakterisiert, daß ich sagte: Der Mensch versteht den Fisch nur auf dem Tisch, und den Vogel auch nur auf dem Tisch, in dem Käfig. — Ein Bewußtsein davon, daß der Mensch sich erheben kann über diese rein irdische Erkenntnis, ein solches Bewußtsein ist ganz gewiß in unserer zivilisierten Naturwissenschaft nicht vorhanden, denn sie spottet über alles Hinausgehen über das Irdische. Wenn man nur anfängt, von den Sternen zu reden, so ist natürlich gleich der furchtbare Spott der naturwissenschaftlichen Richtung da.
[ 22 ] But this is something that coincides with spiritual redemption from sin. For why was humankind limited to understanding only what lives on Earth? Because it had this sense of sin, because it considered itself too unworthy to comprehend the world in its spiritual nature beyond the earthly realm. And that is why people actually speak as if human beings could recognize nothing beyond the earthly realm. I characterized this yesterday by saying: Human beings understand the fish only when it is on the table, and the bird only when it is on the table, in a cage. — An awareness that human beings can rise above this purely earthly knowledge—such an awareness is certainly absent from our civilized natural science, for it mocks any attempt to go beyond the earthly. As soon as one begins to speak of the stars, the terrible mockery of the scientific community is naturally immediately present.
[ 23 ] Wenn wir noch zutreffende Worte hören wollen über den Zusammenhang des Menschen und der Tierheit, müssen wir den Blick auf das Außerirdische richten, denn aus dem Irdischen sind nur noch die Pflanzen erklärlich, nicht mehr die Tiere. Deshalb mußte ich vorhin sagen: Der Mensch versteht ja den Affen auch nicht recht, es sind die Tiere nicht mehr erklärlich. Wenn man die Tiere verstehen will, muß man schon seine Zuflucht nehmen zum Aufßerirdischen, denn sie sind von Kräften beherrscht, die außerirdisch sind. Ich habe es Ihnen gestern am Fisch gezeigt. Ich habe Ihnen gesagt, wie Sonnen- und Mondenkräfte ins Wasser wirken beim Fisch und ihn, wenn ich mich so ausdrücken darf, herausgestalten aus dem Wasser; ebenso den Vogel aus der Luft. Sobald man übergeht zu den Elementen, kommt man auch zum Außerirdischen. Die ganze Tierwelt ist erklärlich aus dem Außerirdischen, und der Mensch erst recht. Aber wenn man anfängt, von dem Aufßerirdischen zu sprechen, dann kommt eben gleich der Spott. Der Mut, von dem Außerirdischen wieder zu sprechen, er muß erwachsen innerhalb einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Anschauung. Denn Geisteswissenschafter zu sein ist heute eigentlich mehr eine Sache des Mutes als der Intellektualität. Es ist im Grunde genommen etwas Moralisches, weil es auch einem Moralischen, nämlich dem moralischen Sündenfall entgegengesetzt werden muß.
[ 23 ] If we still want to hear accurate words about the connection between humans and the animal realm, we must turn our gaze to the extraterrestrial, for only plants can still be explained by earthly means—animals can no longer be. That is why I had to say earlier: Humans do not really understand even the monkey; animals can no longer be explained. If one wants to understand animals, one must resort to the extraterrestrial, for they are governed by forces that are extraterrestrial. I demonstrated this to you yesterday using the fish as an example. I told you how the forces of the sun and moon act upon the water in the case of the fish and, if I may put it that way, shape it out of the water; the same applies to the bird in the air. As soon as one turns to the elements, one also arrives at the extraterrestrial. The entire animal kingdom can be explained in terms of the extraterrestrial, and human beings all the more so. But as soon as one begins to speak of the extraterrestrial, ridicule immediately follows. The courage to speak of the extraterrestrial once again must grow out of a genuine spiritual-scientific perspective. For being a spiritual scientist today is actually more a matter of courage than of intellectuality. It is, in essence, a moral matter, because it must also be set in opposition to a moral concept—namely, the moral Fall.
[ 24 ] Und so müssen wir sagen: Wir müssen ja erst die Sprache des Christus lernen, nämlich die Sprache τῶν οὐρανῶν — ton uranón —, die Sprache der Himmel im griechischen Sinne. Diese Sprache müssen wir wieder lernen, um einen Sinn zu verbinden mit dem, was der Christus auf Erden wollte. Also während man bisher von dem Christentum gesprochen hat, die Geschichte des Christentums beschrieben hat, handelt es sich heute darum, den Christus zu verstehen, ihn als ein außerirdisches Wesen zu verstehen. Und das ist identisch mit dem, was man das Ideal der Sündenerhebung nennen kann.
[ 24 ] And so we must say: We must first learn the language of Christ, namely the language of τῶν οὐρανῶν — ton uranón —, the language of the heavens in the Greek sense. We must relearn this language in order to make sense of what Christ intended on earth. So while people have spoken of Christianity up to now and described the history of Christianity, the task today is to understand Christ, to understand him as an extraterrestrial being. And this is identical to what can be called the ideal of redemption from sin.
[ 25 ] Nun ist allerdings mit der Prägung dieses Ideales ein sehr Schwieriges verbunden, denn Sie wissen ja, das Sündenbewußtsein hat die Menschen demütig gemacht. Sie sind in der neueren Zeit allerdings nur sehr selten noch demütig. Oftmals sind diejenigen, die sich am demütigsten wähnen, die Allerhochmütigsten. Den größten Hochmut findet man heute bei denen, die nach der sogenannten Einfachheit des Lebens streben. Die setzen sich über alles das hinweg, was von der demütigen Seele in innerer Erhebung an wirklichen geistigen Wahrheiten gesucht wird, und sagen: Das muß alles in purer Einfachheit gesucht werden. Solche naive Naturen — sie sehen sich nämlich selber als naive Naturen an —, die sind heute oftmals die allerhochmütigsten. Aber immerhin, es gab während der Zeit des realen Sündenbewußtseins demütige Menschen; die Demut wurde noch als etwas angesehen, was im Menschheitsweben gilt. Und es ist nach und nach ohne Berechtigung heraufgekommen der Hochmut. Warum? Ja, das kann ich wiederum mit ähnlichen Worten sagen, mit denen ich in dieser Zeit hier zu Ihnen gesprochen habe. Warum ist denn der Hochmut heraufgekommen? Er ist heraufgekommen, weil man nicht gehört hat das «Stichl, steh auf!». Man schlief nämlich ein. Während man früher in aller Intensität wachend sich als Sünder gefühlt hat, schlief man nun sanft ein und träumte nur noch vom Sündenbewußtsein. Vorher wachte man im Sündenbewußtsein, da sagte man: Der Mensch ist sündhaft, wenn er nicht Handlungen unternimmt, die ihn wieder auf die Bahn nach den göttlich-geistigen Mächten bringen. — Da wachte man. Man mag heute das anschauen wie man will, aber man wachte im Bekenntnis der Sündhaftigkeit. Nun aber duselte man ein — und da kamen die Traume, und die Träume raunten: Es herrscht in der Weit eine Kausalordnung in dem Sinne, daß das Vorhergehende immer das Nachfolgende bewirkt. Und so kommen wir dazu, das, was wir im Sternenhimmel sehen, als Anziehung und Abstoßung der Himmelskörper bis an die Moleküle hin zu verfolgen, eine Art kleinen Weltensystems zwischen Molekülen und Atomen anzunehmen.
[ 25 ] However, there is a great difficulty associated with shaping this ideal, for, as you know, the awareness of sin has made people humble. In more recent times, however, they are only very rarely humble. Often, those who consider themselves the most humble are actually the most arrogant. The greatest arrogance is found today among those who strive for the so-called simplicity of life. They disregard everything that the humble soul seeks in inner elevation through true spiritual truths, and say: All of this must be sought in pure simplicity. Such naive souls—for they regard themselves as naive souls—are often the most arrogant of all today. But still, during the time of a genuine awareness of sin, there were humble people; humility was still regarded as something of value in the fabric of humanity. And little by little, arrogance has arisen without justification. Why? Well, I can say this again in words similar to those I have spoken to you here during this time. Why, then, has arrogance arisen? It has arisen because people did not hear the call, “Arise!” For they had fallen asleep. Whereas in the past, while watching with utmost intensity, they felt themselves to be sinners, they now drifted gently off to sleep and dreamed only of the awareness of sin. Before, they watched in the awareness of sin, and they said: A human being is sinful if they do not take actions that bring them back onto the path toward the divine-spiritual powers. — That is when one was awake. One may view this today however one wishes, but one was awake in the confession of sinfulness. Now, however, one drifted off—and then the dreams came, and the dreams whispered: There is a causal order in the universe in the sense that what precedes always causes what follows. And so we come to trace what we see in the starry sky as the attraction and repulsion of celestial bodies down to the molecular level, assuming a kind of small world system between molecules and atoms.
[ 26 ] Und es ging das Träumen weiter. Und dann endigte der Traum damit, daß man sagte: Wir können nichts erkennen als das, was die äußere sinnliche Erfahrung gibt. Und man nannte es Supernaturalismus, wenn man über die sinnlichen Erfahrungen hinausgeht. Aber wo Supernaturalismus beginnt, da hört die Wissenschaft auf. Und nun wurden in krächzenden Tiraden diese Träume, wie zum Beispiel in Du Bois-Reymonds «Über die Grenzen des Naturerkennens», in Naturforscherversammlungen vorgetragen. Und wenn dann der Traum ausklang — manchmal klingt er ja nicht so wohllautend aus, wenn er ein wirklicher Nachtalp ist —, wenn aber dieser Traum ausklang: Wo Supernaturalismus beginnt, da hört die Wissenschaft auf —, da schlief nicht nur der Redner, sondern da schlief das ganze naturforschende Publikum nun vom Traum in einen seligen Schlaf hinüber. Man brauchte nicht mehr irgendwie einen inneren Impuls zur Aktivität der inneren Erkenntnis; man konnte sich trösten, daß eben der Mensch Grenzen der Naturerkenntnis hat, “und daß er nicht hinauskommen kann über diese Grenzen der Naturerkenntnis. Die Zeit war herangekommen, wo man schon sagen konnte: Stichl, steh auf, der Himmel kracht scho — aber die Zivilisation der Neuzeit erwiderte: Laß’n nur krachen, er is scho alt genua dazua! — Ja, die Dinge sind tatsächlich so. Und damit sind wir in eine vollständige Schläfrigkeit des Erkennens hineingekommen.
[ 26 ] And the dreaming continued. And then the dream ended with the assertion: We can know nothing other than what is provided by external sensory experience. And going beyond sensory experience was called “supernaturalism.” But where supernaturalism begins, science ends. And now these dreams were presented in hoarse tirades—as, for example, in Du Bois-Reymond’s “On the Limits of Natural Knowledge”—at gatherings of natural scientists. And when the dream finally came to an end—sometimes it doesn’t end so melodiously when it’s a real nightmare—but when this dream came to an end: “Where supernaturalism begins, science ends”—not only did the speaker fall asleep, but the entire audience of natural scientists now drifted from the dream into a blissful slumber. One no longer needed any kind of inner impulse toward the activity of inner knowledge; one could take comfort in the fact that human beings simply have limits to their understanding of nature, “and that they cannot go beyond these limits of understanding nature.” The time had come when one could already say: “Stichl, get up, the sky is already rumbling”—but modern civilization replied: “Let it rumble; it’s old enough for that!”—Yes, that is indeed how things are. And with that, we have slipped into a state of complete lethargy of cognition.
[ 27 ] Aber es muß in diese Schläfrigkeit hineintönen dasjenige, was durch geisteswissenschaftliche, anthroposophische Erkenntnis geltend gemacht wird. Daß der Mensch in der Lage ist, das Ideal von der Sündenerhebung in sich aufzustellen, das muß zunächst aus der Erkenntnis herauskommen. Und das ist nun wiederum damit verknüpft, daß mit einem eventuellen Wachwerden auch der bisher allerdings nur traumhaft vorhandene Hochmut erst recht wachsen kann. Und es hat sich ja manchmal — das ist selbstverständlich ganz ohne Anspielung gesagt —, es hat sich ja manchmal herausgestellt, daß in anthroposophischen Kreisen noch nicht die Sündenerhebung völlig gereift ist, aber daß manchmal schon dieser Hochmut eine ganz, ich will nicht sagen anständige, sondern eine ganz unanständige Größe erreicht hat. Denn es ist schon einmal in der Natur des Menschen gelegen, daß der Hochmut eher gedeiht als das, was die Lichtseite der Sache ist. Und so muß eben mit der Notwendigkeit der Sündenerhebung zugleich eingesehen werden, daß der Mensch die Erziehung in Demut, die er durchgemacht hat, nun mit vollem Bewußtsein auch in sich aufnehmen muß. Und er kann das ja. Denn wenn aus der Erkenntnis Hochmut kommt, dann ist das immer ein Zeichen davon, daß es eigentlich mit der Erkenntnis gewaltig hapert. Denn wenn die Erkenntnis wirklich da ist, dann macht sie auf ganz naturgemäße Weise demütig. Hochmütig wird man, wenn man heute ein Programm aufstellt, ein Reformprogramm, wenn man innerhalb, sagen wir, der sozialen Bewegung oder der Frauenbewegung von vornherein weiß, was das Mögliche, das Richtige, das Notwendige, das Beste ist, und nun Programmpunkte erstens, zweitens, drittens und so weiter aufstellt. Da weiß man alles, um was es sich handelt, da denkt man gar nicht daran, hochmütig zu sein, indem man sich zugleich, jeder einzelne, für allwissend erklärt. Aber bei einer wirklichen Erkenntnis bleibt man hübsch demütig, denn man weiß, daß eine wirkliche Erkenntnis nur erlangt wird — ich will mich trivial ausdrücken — im Laufe der Zeit.
[ 27 ] But what is asserted through spiritual scientific, anthroposophical insight must resonate within this drowsiness. The fact that human beings are capable of establishing within themselves the ideal of redemption from sin must first arise from this insight. And this, in turn, is linked to the fact that with a possible awakening, the arrogance that has hitherto existed only in a dreamlike state can grow all the more. And it has indeed sometimes turned out—and I say this, of course, without any insinuation—that in anthroposophical circles, the redemption from sin has not yet fully matured, but that this arrogance has sometimes already reached a level that is, I won’t say decent, but rather quite indecent. For it is indeed in human nature that arrogance tends to flourish more readily than the light side of the matter. And so, along with the necessity of the atonement for sin, one must also recognize that the human being must now fully and consciously internalize the education in humility that he or she has undergone. And he certainly can do that. For when pride arises from knowledge, it is always a sign that there is actually a tremendous lack of true knowledge. For when true knowledge is truly present, it naturally leads to humility. One becomes arrogant when, for example, one draws up a program today—a reform program—and, within, say, the social movement or the women’s movement, knows from the outset what is possible, what is right, what is necessary, and what is best, and then lists program points as first, second, third, and so on. In that case, you know everything there is to know; you don’t even think about being arrogant, even as each individual declares themselves to be all-knowing. But with true insight, you remain quite humble, because you know that true insight is only attained—to put it simply—over time.
[ 28 ] Lebt man in der Erkenntnis, so weiß man, wie schwer man sich die einfachsten Wahrheiten manchmal Jahrzehnte hindurch errungen hat. Da wird man schon innerlich durch die Sache selber nicht hochmütig. Es muß aber doch die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden, daß, indem gerade von der Anthroposophischen Gesellschaft verlangt werden muß ein volles Bewußtsein des heutigen großen Menschheitsideales der Sündenerhebung, zu gleicher Zeit auch die Wachsamkeit — nicht die Stichlhaftigkeit, sondern die Wachsamkeit — für den etwa heraufkommenden Hochmut geweckt werden muß.
[ 28 ] When one lives in this realization, one knows how hard it has sometimes been to arrive at even the simplest truths—a process that can take decades. This, in and of itself, prevents one from becoming arrogant. However, attention must be drawn to the fact that, while the Anthroposophical Society must be required to maintain full awareness of today’s great human ideal of redemption from sin, at the same time vigilance—not suspicion, but vigilance—must be aroused against any arrogance that might arise.
[ 29 ] Der Mensch bedarf heute eines starken Hinneigens dazu, das Wesen der Erkenntnis wirklich zu erfassen, damit er nicht mit ein paar anthroposophischen Formeln über physischen Leib und Ätherleib und Reinkarnation und so weiter sogleich ein Ausbund von Hochmütigkeit wird. Diese Wachsamkeit gegenüber dem gewöhnlichen Hochmut muß als ein neuer moralischer Inhalt wirklich gepflegt werden. Das muß in die Meditation aufgenommen werden. Denn soll die Sündenerhebung wirklich zustande kommen, dann müssen die Erfahrungen, die wir mit der physischen Welt machen, uns selber hinüberleiten in die geistige Welt. Dann müssen sie uns zur opferwilligen Hingabe mit den innersten Kräften der Seele führen, nicht aber zum Diktieren von Programmwahrheiten. Dann müssen sie vor allen Dingen eindringen in das Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber jedem einzelnen Worte, das man über die geistige Welt ausspricht. Dann muß das Bestreben herrschen, die Wahrhaftigkeit, die man sich zuerst angeeignet hat an den äußeren sinnlichen Tatsachen, wirklich hinaufzutragen in das Gebiet des geistigen. Erkennens. Wer sich nicht angewöhnt hat, in der physischen Sinnenwelt bei den Tatsachen zu bleiben und auf Tatsachen sich zu stützen, der gewöhnt sich auch, wenn er vom Geiste spricht, nicht Wahrhaftigkeit an. Denn in der geistigen Welt kann man sich nicht mehr die Wahrhaftigkeit angewöhnen, die muß man mitbringen.
[ 29 ] People today need a strong inclination to truly grasp the nature of knowledge, so that they do not immediately become the very epitome of arrogance by merely spouting a few anthroposophical formulas about the physical body, the etheric body, reincarnation, and so on. This vigilance against ordinary arrogance must truly be cultivated as a new moral principle. It must be incorporated into our meditation. For if the redemption from sin is truly to come about, then the experiences we have with the physical world must lead us across into the spiritual world. Then they must lead us to self-sacrificing devotion with the innermost forces of the soul, but not to the dictation of dogmatic truths. Then, above all, they must instill a sense of responsibility toward every single word one utters about the spiritual world. Then the striving must prevail to truly carry the truthfulness—which one has first acquired through external sensory facts—up into the realm of spiritual knowledge. Anyone who has not accustomed themselves to sticking to the facts and relying on facts in the physical sensory world will not, when speaking of the spirit, accustom themselves to truthfulness either. For in the spiritual world, one can no longer acquire truthfulness; one must bring it with oneself.
[ 30 ] Aber sehen Sie, auf der einen Seite wird heute aus dem Zivilisationsbewußtsein heraus den Tatsachen wenig Rechnung getragen, auf der andern Seite werden aber von der Wissenschaft einfach diejenigen Tatsachen ausgemerzt, welche auf richtige Pfade führen. Ich will aus der Reihe vieler Tatsachen nur eine einzige herausheben. Es gibt Insekten, die sind selber Vegetarier, wenn sie erwachsen sind. Sie fressen nichts Fleischliches, nicht einmal andere Insekten. Wenn nun die Insektenmutter zum Legen der Eier kommt, die befruchtet sind, so legt sie diese Eier in ein anderes Insekt hinein, so daß solch ein Insekt mit lauter solchen Eiern angefüllt ist durch den Legestachel der Insektenmutter. Da sind die Eier nun in einem fremden Insekt drinnen. Nun kriechen ja nicht die vollendeten Insekten aus, sondern kleine Maden. Diese sind aber zuerst in dem fremden Insekt drinnen. Diese kleinen Maden, die sich erst später metamorphosieren zu den vollendeten Insekten, sind nun keine Vegetarier. Sie könnten nicht Vegetarier sein, sie müssen das Fleisch von dem andern Insekt verzehren. Erst wenn sie herauskommen und sich umwandeln, können sie das Fleisch anderer Insekten entbehren. Denken Sie, die Insektenmutter ist selber Vegetarierin, sie weiß in ihrem Bewußtsein nichts von Fleischesserei, aber sie legt ihre Eier für die künftige Generation in ein anderes Insekt hinein.
[ 30 ] But you see, on the one hand, modern civilization pays little heed to the facts; on the other hand, science simply eliminates those facts that lead us down the right path. I want to highlight just one fact from among many. There are insects that are themselves vegetarians once they reach adulthood. They eat no meat, not even other insects. When the female insect comes to lay her fertilized eggs, she deposits them inside another insect, so that this insect is filled entirely with such eggs through the female’s ovipositor. So the eggs are now inside a host insect. It is not the fully developed insects that emerge, but small larvae. These, however, are initially inside the host insect. These small larvae, which only later metamorphose into fully developed insects, are not vegetarians. They could not be vegetarians; they must consume the flesh of the other insect. Only when they emerge and undergo metamorphosis can they do without the flesh of other insects. Consider this: the mother insect is herself a vegetarian; in her consciousness, she knows nothing of carnivory, yet she lays her eggs inside another insect for the sake of the future generation.
[ 31 ] Und weiter: wenn diese Insekten nun zum Beispiel den Magen anfressen würden bei ihrem Insekt, in welchem sie drinnenstecken, dann würden sie ja bald nichts mehr zu fressen haben, denn das Insekt könnte dann nicht leben; wenn sie irgendein lebenswichtiges Organ anfressen würden, könnte das Insekt nicht leben. Was tun diese Insekten, die eben ausgekrochen sind? Sie vermeiden jedes lebenswichtige Organ und fressen nur dasjenige auf, was das Insekt nicht zum Leben braucht, was es entbehren kann, so daß es weiterleben kann. Dann, wenn diese kleinen Insekten reif sind, kriechen sie aus und werden Vegetarier und setzen das wiederum fort, was ihre Insektenmutter getan hat.
[ 31 ] And furthermore: if these insects were to eat away at, say, the stomach of the insect they’re inside, they’d soon have nothing left to eat, because the insect wouldn’t be able to survive; if they were to eat away at any vital organ, the insect wouldn’t be able to survive. What do these insects do after they’ve just hatched? They avoid any vital organs and eat only what the host insect doesn’t need to live—what it can do without—so that it can continue to live. Then, when these little insects are mature, they crawl out, become vegetarians, and continue what their host insect mother did.
[ 32 ] Ja, da müssen Sie doch sagen: In der Natur waltet Verstand. Und Sie können, wenn Sie die Natur wirklich studieren, überall diesen waltenden Verstand finden. Und über Ihren eigenen Verstand werden Sie dann bescheidener denken, denn der ist erstens nicht so groß wie der Verstand, der da in der Natur waltet, zweitens aber ist er nur so etwas wie ein bißchen Wasser, das man aus einem See geschöpft und in eine Kanne getan hat. Der Mensch ist nämlich in Wirklichkeit eine solche Kanne, die den Verstand der Natur auffaßt. In der Natur ist überall Verstand, alles ist überall Weisheit. Derjenige, der nur dem Menschen für sich selbst Verstand zuschreibt, ist ungefähr so gescheit wie einer, der da sagt: In dem See draußen oder in dem Bach soll Wasser sein? Das ist Unsinn, da ist kein Wasser drinnen. In meiner Kanne allein ist Wasser, die Kanne hat das Wasser hervorgebracht. — So denkt der Mensch, er bringe den Verstand hervor, während er ihn nur aus dem allgemeinen Meere des Verstandes schöpft. |
[ 32 ] Yes, you really have to say: Reason reigns in nature. And if you truly study nature, you can find this reigning reason everywhere. And you’ll then think more humbly of your own intellect, because, first of all, it’s not as great as the intellect that reigns in nature; and second, it’s really just like a little water that’s been scooped from a lake and poured into a jug. For in reality, human beings are like such a jug, which contains the intellect of nature. In nature, reason is everywhere; everything is wisdom everywhere. Anyone who attributes reason solely to human beings is about as clever as someone who says: “Is there supposed to be water in that lake out there or in that stream? That’s nonsense—there’s no water in there.” Only in my pitcher is there water; the pitcher has produced the water. — So man thinks he produces reason, whereas he merely draws it from the universal ocean of reason. |
[ 33 ] Es ist also notwendig, daß man die Tatsachen der Natur wirklich ins Auge faßt. Aber die werden ja gerade ausgelassen, wenn darwinistische Theorie getrieben wird, wenn die heutigen materialistischen Anschauungen geprägt werden, denn sie widersprechen an allen Ecken und Enden dem modernen materialistischen Anschauen. Also man unterschlägt diese Tatsachen. Gewiß, man erzählt sie, aber eigentlich neben der Wissenschaft, anekdotenhaft. Daher bekommen sie auch nicht die Geltung in der allgemeinen Volkspädagogik, die sie haben müssen. Und so stellt man nicht nur die Tatsachen, die man hat, nicht in Wahrhaftigkeit dar, sondern man hat noch die Unwahrhaftigkeit, die schlagenden Tatsachen auszulassen, das heißt zu unterschlagen.
[ 33 ] It is therefore necessary to truly take the facts of nature into account. But these are precisely what are omitted when Darwinian theory is promoted and when today’s materialistic views are shaped, because they contradict modern materialistic thinking at every turn. So these facts are glossed over. Certainly, they are mentioned, but really only on the margins of science, as mere anecdotes. Consequently, they do not receive the recognition in general public education that they deserve. And so not only are the facts that we have not presented truthfully, but there is also the dishonesty of omitting the compelling facts—that is, of glossing them over.
[ 34 ] Aber wenn es zur Sündenerhebung kommen soll, dann muß der Mensch sich zuerst an der Sinnenwelt zur Wahrhaftigkeit erziehen und diese Erziehung, diese Angewöhnung dann in die geistige Welt hineintragen. Dann wird er auch in der geistigen Welt wahrhaftig sein können. Sonst erzählt er den Leuten die unglaublichsten Geschichten von der geistigen Welt. Hat er sich für die physische Welt Ungenauigkeit, Unwahrhaftigkeit, Unexaktheit angewöhnt, dann erzählt er lauter Unwahrheiten über die geistige Welt.
[ 34 ] But if one is to be lifted out of sin, one must first train oneself in truthfulness within the sensory world and then carry this training, this habit, into the spiritual world. Only then will they be able to be truthful in the spiritual world as well. Otherwise, they will tell people the most unbelievable stories about the spiritual world. If they have become accustomed to imprecision, untruthfulness, and inaccuracy in the physical world, then they will tell nothing but untruths about the spiritual world.
[ 35 ] Wenn man so das Ideal faßt, dessen sich die Anthroposophische Gesellschaft als eine Realität bewußt werden kann, und wenn geltend gemacht wird, was aus einem solchen Bewußtsein kommt, dann muß selbst bei dem Übelwollendsten der Glaube verschwinden, daß die Anthroposophische Gesellschaft eine Sekte sein kann. Nun, selbstverständlich werden die Gegner alles mögliche sagen, was nicht wahr ist. Aber es kann uns nicht gleichgültig sein, ob das wahr oder unwahr ist, was die Gegner sagen, solange wir Veranlassung dazu geben.
[ 35 ] If one grasps the ideal of which the Anthroposophical Society can become consciously aware as a reality, and if one emphasizes what arises from such an awareness, then even the most ill-willed person must lose the belief that the Anthroposophical Society could be a sect. Well, of course, opponents will say all sorts of things that are not true. But we cannot remain indifferent to whether what the opponents say is true or false, as long as we give them cause to say it.
[ 36 ] Nun hat sich durch das Wesen der Sache die Anthroposophische Gesellschaft aus der Sektiererei, in der sie ja gewiß anfangs befangen war, insbesondere solange sie mit der Theosophischen Gesellschaft verbunden war, gründlich herausgearbeitet. Nur haben viele Mitglieder das heute noch nicht bemerkt und lieben die Sektiererei. Und so ist es zustande gekommen, daß selbst ältere anthroposophische Mitglieder, die fast zerspringen wollten unter der Umwandlung der Anthroposophischen Gesellschaft aus einer sektiererischen in etwas, was sich seiner Weltaufgabe bewußt ist, sie, die fast zerspringen wollten, in der allerneuesten Zeit einen Sprung machten. Ebenso fern aller Sektiererei, wenn sie ihrem Wesen folgt, kann die Bewegung für religiöse Erneuerung sein. Aber diese Bewegung für religiöse Erneuerung hat zunächst einer Anzahl selbst älterer Anthroposophen die Veranlassung gegeben, sich zu sagen: Ja, in der Anthroposophischen Gesellschaft, da wird das sektiererische Wesen immer mehr und mehr ausgemerzt — hier können wir es wiederum pflegen! — Und so wird gerade durch Anthroposophen vielfach die religiöse Erneuerungsbewegung zu der wüstesten Sektiererei gemacht, was sie wahrlich gar nicht zu sein brauchte.
[ 36 ] Now, by the very nature of things, the Anthroposophical Society has thoroughly extricated itself from the sectarianism in which it was certainly mired at the beginning—especially as long as it was affiliated with the Theosophical Society. However, many members have not yet realized this and are still attached to sectarianism. And so it has come to pass that even long-standing anthroposophical members—who were almost bursting with excitement at the transformation of the Anthroposophical Society from a sectarian organization into one that is conscious of its mission in the world—these very members, who were almost bursting with excitement, have recently taken a leap. The movement for religious renewal, when it follows its true nature, can be just as far removed from all sectarianism. But this movement for religious renewal has initially prompted a number of even older anthroposophists to say to themselves: Yes, in the Anthroposophical Society, the sectarian nature is being eradicated more and more—here we can cultivate it once again! — And so, precisely through the actions of anthroposophists, the movement for religious renewal is often turned into the most extreme form of sectarianism, which it truly need not be at all.
[ 37 ] Man sieht also, wie — wenn die Anthroposophische Gesellschaft eine Realität werden will — der Mut, sich in die geistige Welt wiederum zu erheben, positiv gepflegt werden muß. Dann wird schon Kunst und Religion sprießen in der Anthroposophischen Gesellschaft. Wenn uns zunächst auch unsere künstlerischen Formen genommen sind, sie leben eben im Wesen der anthroposophischen Bewegung selber und müssen immer wieder und wiederum gefunden werden.
[ 37 ] We can see, then, that—if the Anthroposophical Society is to become a reality—the courage to rise once more into the spiritual world must be actively cultivated. Then art and religion will surely flourish within the Anthroposophical Society. Even if our artistic forms are taken from us at first, they live on in the very essence of the anthroposophical movement itself and must be rediscovered again and again.
[ 38 ] Ebenso lebt die wahre religiöse Vertiefung in denen, welche den Weg in die geistige Welt zurückfinden, welche die Sündenerhebung ernsthaft nehmen. Aber was wir in uns selber ausmerzen müssen, das ist der Hang zur Sektiererei, denn er ist immer egoistisch. Er will immer die Umständlichkeit vermeiden, in die Realität des Geistes hineinzudringen, um sich zu begnügen mit einem mystischen Schwelgen, das im Grunde genommen eine egoistische Wollust ist. Und alles Reden davon, daß die Anthroposophische Gesellschaft
[ 38 ] Likewise, true religious deepening lives in those who find their way back into the spiritual world, who take the atonement for sin seriously. But what we must root out within ourselves is the tendency toward sectarianism, for it is always selfish. It always seeks to avoid the effort required to penetrate the reality of the spirit, contenting itself instead with a mystical revelry that is, at its core, a selfish indulgence. And all this talk about the Anthroposophical Society
[ 39 ] viel zu intellektualistisch geworden ist, beruht eigentlich darauf, daß diejenigen, die so reden, eben das konsequente Erleben eines geistigen Inhaltes vermeiden wollen und viel mehr die egoistische Wollust des seelischen Schwelgens in einer mystischen, nebulosen Unbestimmtheit wollen. Selbstlosigkeit ist notwendig zur wirklichen Anthroposophie. Ein bloßer Seelenegoismus ist es, wenn dieser wirklichen Anthroposophie von den anthroposophischen Mitgliedern selber widerstrebt wird und sie nun erst recht hineintreiben in ein sektiererisches Wesen, das eben nur die seelische Wollust befriedigen soll, die durch und durch etwas Egoistisches ist.
[ 39 ] has become far too intellectualistic is actually due to the fact that those who speak this way simply want to avoid the consistent experience of spiritual content and, instead, seek the selfish pleasure of indulging the soul in a mystical, nebulous vagueness. Selflessness is necessary for true anthroposophy. It is mere spiritual egoism when this true anthroposophy is resisted by the anthroposophical members themselves, driving them all the more into a sectarian existence intended solely to satisfy spiritual indulgence, which is thoroughly egoistic.
[ 40 ] Das sind die Dinge, die wir uns vor Augen führen müssen hinsichtlich unserer Aufgabe. Dadurch wird nichts verlorengehen von der Wärme, von dem künstlerischen Sinn und der religiösen Innigkeit des anthroposophischen Strebens. Aber es wird vermieden werden, was vermieden werden muß: der sektiererische Hang. Und dieser sektiererische Hang, er hat so manches die Gesellschaft Auflösende gebracht, wenn er auch oft auf dem Umwege des reinen Cliquenwesens gekommen ist. Aber Cliquenwesen entstand innerhalb der anthroposophischen Bewegung auch nur wegen seiner Verwandtschaft — es ist allerdings eine weite, eine entfernte Verwandtschaft — mit dem sektiererischen Hang. Wir müssen zurückkommen zu der Pflege eines gewissen Weltbewußtseins, so daß nur noch Gegner, welche absichtlich die Unwahrheit sagen wollen, die Anthroposophische Gesellschaft eine Sekte nennen können. Wir müssen dazu kommen, streng abweisen zu können den sektiererischen Charakterzug der anthroposophischen Bewegung. So sollen wir ihn aber abweisen, daß, wenn etwas auftaucht, was selber nicht sektiererisch gedacht ist, wie die religiöse Erneuerungsbewegung, es nicht sogleich ergriffen wird, weil man es leichter im sektiererischen Sinne gestalten kann als die Anthroposophische Gesellschaft selber.
[ 40 ] These are the things we must keep in mind with regard to our task. In this way, nothing will be lost of the warmth, the artistic sensibility, and the religious depth of the anthroposophical endeavor. But we will avoid what must be avoided: the sectarian tendency. And this sectarian tendency has brought about many things that have led to the dissolution of the Society, even if it has often come about through the detour of pure clique formation. But clique formation arose within the anthroposophical movement only because of its kinship—admittedly a distant one—with the sectarian tendency. We must return to cultivating a certain world consciousness, so that only opponents who deliberately seek to spread falsehoods can call the Anthroposophical Society a sect. We must reach the point where we can strictly reject the sectarian character of the anthroposophical movement. But we should reject it in such a way that, if something arises that is not itself conceived in a sectarian manner—such as the religious renewal movement—it is not immediately embraced simply because it can be shaped more easily in a sectarian sense than the Anthroposophical Society itself.
[ 41 ] Das sind die Dinge, die wir heute scharf bedenken müssen. Wir müssen heute aus dem innersten Wesen der Anthroposophie heraus verstehen, inwiefern die Anthroposophie dem Menschen ein Weltbewußtsein geben kann, nicht ein sektiererisches Bewußtsein. Deshalb mußte ich in diesen Tagen gerade von diesen engeren Aufgaben der Anthroposophischen Gesellschaft sprechen.
[ 41 ] These are the things we must give serious thought to today. Today, drawing from the very essence of anthroposophy, we must understand to what extent anthroposophy can give human beings a world consciousness—not a sectarian consciousness. That is why I felt compelled to speak specifically about these more specific tasks of the Anthroposophical Society in recent days.
