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The Rudolf Steiner Archive

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Living Knowledge of Nature,
Intellectual Fall from Grace
and Spiritual Elevation from Sin
GA 220

26 January 1923, Dornach

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Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Ich habe in den letzten Vorträgen hier gesprochen von Sündenfall und Sündenerhebung und die Sündenerhebung als etwas bezeichnet, was aus dem allgemeinen Bewußtsein der Menschheit in der gegenwärtigen Epoche als eine Art Ideal für menschliches Streben und menschliches Wollen erkannt werden muß. Nun habe ich mehr die formale Seite des Sündenfalles hervorgehoben, wie er sich noch in unserer Zeit äußert, indem ich darauf hingewiesen habe, wie in das intellektuelle Leben der Sündenfall hereinspielt. Was man über Grenzen der Naturerkenntnis sagt, das ist ja im Grunde genommen entsprungen aus der Anschauung, daß der Mensch nicht die innere Kraft habe, zum Geistigen zu kommen, daß er daher zu einer Erhebung aus dem Anschauen des Irdischen gar nicht aufstreben soll. Und ich sagte: Wenn heute gesprochen wird von den Grenzen der Naturerkenntnis, so ist das eigentlich nur die moderne intellektuelle Art, von der Sündenbedrücktheit des Menschen zu sprechen, die in älteren Zeiten und insbesondere durch die mittelalterliche Zivilisation hindurch üblich war. Ich möchte heute mehr von einer materiellen Seite der Sache sprechen und darauf hinweisen, wie die Menschheit der heutigen Zeit, wenn sie bei den Anschauungen verbleibt, die im Laufe der neueren Entwickelung, vorzugsweise im Laufe der intellektualistischen Entwickelung, heraufgezogen sind, gar nicht das Erdenziel erreichen kann. Das allgemeine heutige Bewußtsein ist nämlich gewissermaßen schon durch das Bewußtsein vom Sündenfall diesem selbst verfallen. Der Intellektualismus hat heute bereits den Charakter des Verfalls, und zwar eines so starken Verfalls, daß, wenn die intellektualistische Kultur so verbleibt, wie sie gegenwärtig gestaltet ist, von der Erreichung des Erdenzieles für die Menschheit gar nicht gesprochen werden kann. Notwendig ist heute zu wissen, daß in den Tiefen der Menschenseelen noch Kräfte walten, die gewissermaßen besser sind als die Bewußtseinskultur, welche bis heute Platz gegriffen hat.

[ 1 ] In my recent lectures here, I have spoken of the Fall and the Redemption, and I have described the Redemption as something that, in the current epoch, must be recognized by the general consciousness of humanity as a kind of ideal for human striving and human will. Now I have emphasized more the formal aspect of the Fall, as it still manifests itself in our time, by pointing out how the Fall plays a role in intellectual life. What is said about the limits of knowledge of nature stems, after all, from the view that human beings lack the inner strength to attain the spiritual, and that they should therefore not even strive to rise above the contemplation of the earthly. And I said: When people speak today of the limits of knowledge of nature, this is really just the modern intellectual way of speaking about the burden of sin that weighed upon humanity—a view that was common in earlier times and especially throughout medieval civilization. Today I would like to speak more from a material perspective on this matter and point out how humanity in the present age, if it remains bound by the views that have arisen in the course of recent development—particularly in the course of intellectualistic development—cannot at all attain the earthly goal. For today’s general consciousness has, in a sense, already succumbed to the very concept of the Fall through its awareness of it. Intellectualism today already bears the character of decay—and indeed, such a profound decay that, if intellectualist culture remains as it is currently shaped, there can be no question of humanity achieving the earthly goal. It is essential today to recognize that forces still at work in the depths of the human soul are, in a sense, superior to the culture of consciousness that has prevailed until now.

[ 2 ] Um das zu verstehen, ist es notwendig, sich deutlich den Charakter dieser Bewußtseinskultur vor Augen zu stellen. Diese Bewußtseinskultur ist ja entsprungen auf der einen Seite aus einer bestimmten Auffassung des denkenden Menschen, und auf der andern Seite aus einer bestimmten Auffassung des wollenden Menschen. Der fühlende Mensch liegt zwischendrinnen, und man betrachtet auch den fühlenden Menschen, wenn man einerseits den denkenden, andererseits den wollenden Menschen betrachtet. Nun verwendet heute die Menschheit ihr Denken lediglich darauf, die äußeren Naturreiche im weitesten Umfange kennenzulernen und auch das Menschenleben im Sinne der aus der gebräuchlichen Naturanschauung gewohnten Denkungsart aufzufassen. Man lernt heute denken an der Naturwissenschaft und betrachtet dann auch das soziale Leben mit diesem Denken, das man an der Naturwissenschaft, wie sie heute üblich ist, heranerzogen hat.

[ 2 ] To understand this, it is necessary to clearly visualize the nature of this culture of consciousness. This culture of consciousness has, after all, arisen, on the one hand, from a certain conception of the thinking human being, and, on the other hand, from a certain conception of the willing human being. The feeling human being lies in between, and one also considers the feeling human being when one considers, on the one hand, the thinking human being and, on the other hand, the willing human being. Today, humanity uses its thinking solely to gain knowledge of the external realms of nature to the greatest possible extent and also to understand human life in accordance with the mode of thinking accustomed to the conventional view of nature. Today, people learn to think through the natural sciences and then apply this way of thinking—which they have acquired through the natural sciences as they are practiced today—to social life as well.

[ 3 ] Nun glaubt man ja vielfach, daß diese Empfindung unbefangen ist, die man vom denkenden Menschen hat, vom Menschen, der die Natur denkend betrachtet. Man redet von allem möglichen, von Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft und dergleichen. Aber ich habe schon öfter betont: mit dieser Voraussetzungslosigkeit ist es nicht weit her. Denn alles, was heute der Denker anwendet, wenn er sich wissenschaftlichen Untersuchungen hingibt, nach denen sich dann die übrige Menschheit in ihrem Leben richtet, alles das hat sich ja herausentwickelt aus früheren Arten zu denken. Und zwar hat sich das neuere Denken ganz und gar herausentwickelt aus dem mittelalterlichen Denken. Auch was heute — auch das habe ich schon betont — von Gegnern des mittelalterlichen Denkens gesagt wird, wird mit den Denkmethoden gedacht, die sich selbst aus dem mittelalterlichen Denken heraus entwickelt haben. Und ein wesentlicher Charakter des mittelalterlichen Denkens ist in das heutige Denken dadurch hereingekommen, daß man das Denken selbst eigentlich nur danach betrachtet, wie es sich auf die äußere Natur anwendet, daß man den Gedankenvorgang eigentlich gar nicht betrachtet, daß man sich gar keiner Anschauung hingibt, die auf die Betrachtung des Denkens selber geht. Vom Denken selber, in seiner inneren Lebendigkeit, nimmt man ja keine Notiz.

[ 3 ] Now, it is widely believed that the impression one has of the thinking human being—the person who contemplates nature through thought—is an unbiased one. People speak of all sorts of things, such as the lack of presuppositions in science and the like. But I have emphasized many times before: there is not much to this so-called “unbiased” approach. For everything that the thinker applies today when engaging in scientific research—research that the rest of humanity then uses to guide their lives—has, after all, evolved from earlier ways of thinking. In fact, modern thinking has developed entirely out of medieval thinking. Even what is said today—as I have also emphasized—by opponents of medieval thinking is conceived using methods of thought that themselves developed out of medieval thinking. And an essential characteristic of medieval thinking has found its way into contemporary thinking in that thinking itself is regarded solely in terms of how it applies to external nature; the thought process is not really considered at all; and one does not engage in any form of contemplation directed toward the examination of thinking itself. One takes no notice of thinking itself, in its inner vitality.

[ 4 ] Das geschieht aus einem Grunde, der aus meinen hier vorgetragenen Betrachtungen hervorgeht. Ich sagte einmal hier: Die Gedanken, die sich der moderne Mensch über die Natur macht, sind eigentlich Gedankenleichen. Wenn wir über die Reiche der Natur nachdenken, so denken wir in Gedankenleichen; denn das Leben dieser Gedankenleichen fällt in das vorirdische Dasein des Menschen. Was wir heute an Gedanken entwickeln über die Reiche der Natur und auch über das Leben des Menschen, das ist, indem wir denken, tot; aber es lebte in unserem vorirdischen Dasein.

[ 4 ] This happens for a reason that becomes clear from the reflections I have presented here. I once said here: The thoughts that modern human beings form about nature are actually “thought corpses.” When we reflect on the realms of nature, we think in terms of these “thought corpses”; for the life of these “thought corpses” belongs to humanity’s pre-earthly existence. The thoughts we develop today about the realms of nature and also about human life are, as we think them, dead; but they were alive in our pre-earthly existence.

[ 5 ] In unserem vorirdischen Dasein, bevor wir heruntergestiegen sind in die physische Erdenverkörperung, da waren die abstrakten, toten Gedanken, die wir hier auf der Erde heute nach den Gepflogenheiten unseres Zeitalters entwickeln, lebendig, elementarisch-lebendige Wesenheiten. Da lebten wir in diesen Gedanken als lebendige Wesenheiten, wie wir heute hier auf der Erde etwa in unserem Blute leben. Jetzt hier für das Erdendasein sind diese Gedanken erstorben, daher abstrakt geworden. Aber nur solange wir dabei stehenbleiben, unser Denken in der Anwendung auf die äußere Natur zu betrachten, ist es ein Totes. Sobald wir in uns selbst hineinschauen, offenbart es sich uns als Lebendiges, denn da in uns selber arbeitet es weiter, auf eine allerdings für das gewöhnliche heutige Bewußtsein unbewußte Art. Da arbeitet das weiter, was in unserem vorirdischen Dasein vorhanden war. Denn die Kräfte dieser lebendigen Gedanken sind es, die von unserem physischen Organismus bei der Erdenverkörperung Besitz ergreifen. Die Kraft dieser lebendigen vorirdischen Gedanken ist es, die uns wachsen macht, die unsere Organe formt. So daß, wenn heute zum Beispiel die gebräuchlichen Erkenntnistheoretiker vom Denken sprechen, sie von etwas Totem sprechen. Denn wollten sie von der wahren Natur des Denkens, nicht von seinem Leichnam sprechen, darin müßten sie eben gewahr werden, daß sie nach innen schauen müßten, und im Innern würden sie bemerken, daß keine Selbständigkeit desjenigen vorhanden ist, was da mit der Geburt oder mit der Empfängnis des Menschen auf Erden begonnen hat, sondern daß sich in diesem innerlichen Arbeiten des Gedankens fortsetzt die lebendige Kraft des vorirdischen Denkens.

[ 5 ] In our pre-earthly existence, before we descended into physical embodiment on Earth, the abstract, lifeless thoughts that we develop here on Earth today according to the customs of our age were living, elemental beings. Back then, we lived within these thoughts as living beings, just as we live today here on Earth, for example, within our blood. Now, here in our earthly existence, these thoughts have died out and thus become abstract. But only as long as we limit ourselves to viewing our thinking in relation to external nature is it dead. As soon as we look within ourselves, it reveals itself to us as something living, for there, within ourselves, it continues to work—albeit in a way that is unconscious to ordinary modern consciousness. What existed in our pre-earthly existence continues to work there. For it is the forces of these living thoughts that take possession of our physical organism upon incarnation on Earth. It is the power of these living pre-earthly thoughts that causes us to grow and shapes our organs. So that when, for example, contemporary epistemologists speak of thinking today, they are speaking of something dead. For if they were to speak of the true nature of thinking—not of its corpse—they would have to realize that they must look inward, and within they would notice that there is no independence in that which began with the birth or conception of the human being on Earth, but rather that the living power of pre-earthly thought continues in this inner workings of thought.

[ 6 ] Selbst wenn wir nur das noch ganz kleine Kind betrachten — ich will gar nicht auf den Menschenkeim im mütterlichen Leibe heute Rücksicht nehmen —, selbst im kleinen Kinde, das noch sein traumhaft-schlummerndes Erdenleben führt, sehen wir an dem, was im Kinde wächst, selbst in dem, was im Kinde tobt, noch die lebendige Kraft des vorirdischen Denkens, wenn wir in der Lage sind, das anzuerkennen, was sich wirklich darbietet. Und wir werden dann gewahr, worauf es beruht, daß das Kind eigentlich noch traumhaft schlummert und erst später anfängt, Gedanken zu haben. Das beruht darauf, daß in der ersten Lebenszeit des kleinen Kindes, wo es noch traumhaft schlummert, sein ganzer Organismus von Gedanken erfaßt wird. Wenn aber der Organismus allmählich sich in sich verfestigt, dann wird nicht mehr im Organismus das Erdige und Wäßrige stark vom Gedanken erfaßt, sondern nur noch das Luftförmige und das Feuerartige, das Wärmeartige. So daß wir sagen können: Beim ganz kleinen Kinde werden alle vier Elemente erfaßt vom Gedanken. — Die spätere Entwickelung besteht gerade darin, daß nur das Luftförmige und Feuerartige vom Gedanken erfaßt wird, denn das ist unser erwachsenes Denken, daß wir die Kraft des Denkens nur eigentlich in unseren fortgesetzten Atmungsprozeß und in unseren den Körper durchwärmenden Prozeß hineinbringen.

[ 6 ] Even if we consider only the very young child—I do not wish to take into account the human embryo in the mother’s womb at this time— even in the small child, who is still leading a dreamlike, slumbering earthly life, we see in what is growing within the child—even in what is raging within the child—the living power of pre-earthly thinking, if we are able to recognize what is truly presented to us. And we then become aware of the reason why the child is actually still slumbering in a dreamlike state and only later begins to have thoughts. This is because, during the early stages of the small child’s life, when it is still slumbering in a dreamlike state, its entire organism is encompassed by thought. But as the organism gradually solidifies within itself, it is no longer the earthy and watery aspects of the organism that are strongly grasped by thought, but only the airy and fiery, the warm aspects. So that we can say: In the very young child, all four elements are grasped by thought. — Later development consists precisely in the fact that only the airy and fiery aspects are grasped by thought, for this is our adult thinking: we actually bring the power of thought only into our continuous breathing process and into the process of warming the body.

[ 7 ] Es geht also die Gedankenkraft herauf, möchte ich sagen, von den festeren Partien des physischen Organismus in die luftförmigen, flüchtigen, unschweren Partien des Körpers. Dadurch wird das Denken eben jenes selbständige Element, das uns dann durch das Leben zwischen der Geburt und dem Tode trägt. Und nur wenn wir schlafen, wenn also die auf Erden erworbene Gedankenkraft, die schwächer ist, nicht auf dem Umwege durch Wärme und Luft den physischen Organismus ergreift, dann macht sich im Schlafe auch noch die Fortsetzung der vorirdischen Gedankenkraft geltend. Und so können wir sagen, daß erst dann, wenn der heutige Mensch übergeht zu einer wirklichen Innenbetrachtung des Menschen, seiner selbst, ihm etwas klar wird über die wahre Natur des Denkens. Alle übrige Erkenntnistheorie bleibt eigentlich im Grunde genommen abstraktes Zeug. Wenn man das richtig ins Auge faßt, dann muß man sagen: Es tut sich, wenn man den Vorstellungs-, den Denkprozeß faßt, überall der Ausblick in das vorirdische Dasein auf.

[ 7 ] So the power of thought rises, I would say, from the denser parts of the physical organism into the airy, volatile, weightless parts of the body. Through this process, thinking becomes precisely that independent element that then carries us through life between birth and death. And only when we sleep—that is, when the power of thought acquired on Earth, which is weaker, does not take hold of the physical organism via the indirect route of warmth and air—does the continuation of the pre-earthly power of thought also make itself felt in sleep. And so we can say that only when modern humanity turns to a genuine inner contemplation of the human being—of itself—does something become clear to it regarding the true nature of thought. All other theories of knowledge are, in essence, merely abstract concepts. If one truly grasps this, one must say: When one comprehends the process of imagination and thought, the perspective into pre-earthly existence opens up everywhere.

[ 8 ] Aber dem mittelalterlichen Denken, das noch eine gewisse Stärke hatte, war verboten worden, zum vorirdischen Dasein zu gehen. Die Präexistenz des Menschen war dogmatisch als Ketzerei erklärt. Nun, was jahrhundertelang der Menschheit aufgedrängt wird, dahinein gewöhnt sich diese Menschheit. Denken Sie sich einmal die Zeit in der Entwickelung der neueren Menschheit bis, sagen wir, 1413. Da ist diese Menschheit durch das Verbot des Denkens an das vorirdische Dasein daran gewöhnt worden, die Gedankenrichtung gar nicht dahin auszubilden, wo sie nach dem vorirdischen Dasein hinkommen könnte. Man hat sich das gründlich abgewöhnt, die Gedankenrichtung nach dem vorirdischen Dasein hin zu orientieren. Wäre bis 1413 der Menschheit nicht verboten gewesen, über das vorirdische Dasein zu denken, dann wäre eine ganz andere Entwickelung heraufgekommen, und wir würden, nicht wahrscheinlich, sondern man kann sogar sagen, ganz gewiß erlebt haben — es ist paradox, wenn ich das ausspreche, aber es ist eben doch eine Wahrheit —: Als, sagen wir, 1858 der Darwinismus auftrat, der äußerlich die Natur in ihrer Entwickelung betrachtete, würde ihm durch die andere Gedankengewöhnung überall, aus allen Naturreichen, der Gedanke des vorirdischen Daseins aufgeleuchtet haben. Er würde eine Naturwissenschaft im Lichte des vorirdischen Daseins des Menschen begründet haben. Statt dessen war der Menschheit abgewöhnt das Hinblicken auf das vorirdische Dasein, und es trat jene Naturwissenschaft auf, die den Menschen, wie ich oftmals ausgesprochen habe, nur als den Schlußpunkt der Tierreihe betrachtete, also gar nicht zu einem vorirdischen, individuellen Leben kommen konnte, weil das Tier eben ein vorirdisches individuelles Leben nicht hat.

[ 8 ] But medieval thought, which still possessed a certain strength, had been forbidden to explore pre-earthly existence. The pre-existence of human beings had been dogmatically declared heresy. Well, whatever is imposed on humanity for centuries, humanity eventually grows accustomed to it. Just imagine the period in the development of modern humanity up to, say, 1413. By that time, humanity had become so accustomed to the prohibition against thinking about pre-earthly existence that it had ceased to direct its thoughts even in the direction where they might lead to an understanding of pre-earthly existence. People had thoroughly lost the habit of directing their thoughts toward pre-earthly existence. Had humanity not been forbidden to think about pre-earthly existence up until 1413, a completely different course of development would have emerged, and we would have experienced—not merely probably, but one might even say quite certainly—the following: it is paradoxical for me to say this, but it is nonetheless a truth— When, say, Darwinism emerged in 1858—which viewed nature’s development from an external perspective—the idea of pre-earthly existence would have dawned on it everywhere, from all realms of nature, due to this different way of thinking. It would have established a natural science grounded in the light of humanity’s pre-earthly existence. Instead, humanity had been weaned from considering pre-earthly existence, and thus emerged that natural science which, as I have often stated, regarded human beings merely as the culmination of the animal kingdom—and therefore could not at all conceive of a pre-earthly, individual life, because animals simply do not possess a pre-earthly, individual life.

[ 9 ] So daß man sagen kann: Aus der alten Anschauung vom Sündenfall ist, als der Intellektualismus heraufzudämmern begann, das Gebot geboren worden, nicht von der Präexistenz zu sprechen. Dadurch ist die Naturwissenschaft heraufgediehen direkt als das Kind des mißverstandenen Sündenfalles. Und wir haben eine sündige Naturwissenschaft, wir haben eine Naturwissenschaft, die unmittelbar aus dem Mißverständnisse des Sündenfalles heraus hervorgegangen ist. Das heißt, würde diese Naturwissenschaft bleiben, dann würde die Erde nicht an das Ziel ihrer Entwickelung kommen können, sondern die Menschheit würde ein Bewußtsein entwickeln, das nicht aus der Verbindung mit ihrem göttlich-geistigen Ursprung, sondern aus der Abspaltung vom göttlich-geistigen Ursprung herkommt.

[ 9 ] So one can say: From the old conception of the Fall, as intellectualism began to dawn, the precept arose not to speak of pre-existence. As a result, natural science has flourished directly as the child of the misunderstood Fall. And we have a sinful natural science; we have a natural science that emerged directly from the misunderstanding of the Fall. This means that if this natural science were to remain as it is, the Earth would not be able to reach the goal of its development; rather, humanity would develop a consciousness that stems not from a connection with its divine-spiritual origin, but from a separation from that divine-spiritual origin.

[ 10 ] Also wir haben heute tatsächlich nicht nur theoretisch das Reden von den Grenzen der Naturerkenntnis, sondern wir haben positiv, materiell, in dem, was unter dem Einfluß des Intellektualismus sich entwickelt, eben eine schon unter ihr Niveau heruntergesunkene Menschheit. Würde man im Sinne des Mittelalters, das heißt, mit den Worten des Mittelalters sprechen, dann würde man sagen müssen: Die Naturwissenschaft ist dem Teufel verfallen.

[ 10 ] So today we are not merely discussing the limits of scientific knowledge in theoretical terms; rather, we are witnessing—in a concrete, material sense—a humanity that has already sunk below its proper level as a result of developments influenced by intellectualism. If one were to speak in the spirit of the Middle Ages—that is, in the words of the Middle Ages—one would have to say: Natural science has fallen into the hands of the devil.

[ 11 ] Ja, die Historie spricht da ganz merkwürdig. Als die Naturwissenschaft heraufkam mit ihren glänzenden Resultaten, die auch heute nicht etwa von mir angefochten werden sollen, da fürchteten sich die Leute, die noch etwas Empfindung hatten für den wahren Charakter des Menschen, davor, daß die Naturwissenschaft die Menschen dem Teufel nahebringen könnte. Das, was dazumal Furcht und Angst war, was noch im Faust nachdämmert, indem er der Bibel Valet sagt und an die Natur herangeht, das ist die Angst, der Mensch könnte nicht unter dem Zeichen der Sündenerhebung, sondern unter dem Zeichen des Sündenfalles die Erkenntnis der Natur antreten. Die Sache geht wirklich viel tiefer, als man gewöhnlich meint. Und während noch im Anfang des Mittelalters so allerlei traditionelle Empfindungen da waren, in der Furcht, daß sich der teuflische Pudel an die Fersen der Naturforscher heften könne, hat sich in der neueren Zeit die Menschheit die Schlafmütze über den Kopf gezogen und denkt über diese Dinge überhaupt nicht mehr nach.

[ 11 ] Yes, history tells a rather strange story here. When the natural sciences emerged with their brilliant results—which I do not intend to dispute even today—those who still had some sense of the true nature of humanity feared that the natural sciences might bring people closer to the devil. What was fear and dread back then—and what still lingers in Faust as he bids farewell to the Bible and turns to nature—is the fear that humanity might approach the knowledge of nature not under the sign of the redemption from sin, but under the sign of the Fall. The matter really goes much deeper than is generally supposed. And while all sorts of traditional sentiments still existed in the early Middle Ages—fear that the devilish poodle might latch onto the heels of natural scientists—in more recent times, humanity has pulled its nightcap over its head and no longer thinks about these things at all.

[ 12 ] Das ist die materielle Seite der Sache. Es ist nicht nur ein theoretisches Reden unter dem Einfluß des Sündenfalles in dem Reden von den Grenzen des Naturerkennens vorhanden, sondern es ist der Verfall der Menschheit infolge des Sündenfalles auf intellektualistisch-empirischem Gebiete heute tatsächlich vorhanden. Denn wäre das nicht da, dann hätten wir zum Beispiel nicht eine solche Entwickelungslehre, wie wir sie heute haben, sondern da würde sich durch die gewöhnliche Forschung, die das ja auch in Wirklichkeit ergibt, das Folgende herausgestellt haben: Man hat also, sagen wir Fischtiere, niedere Säugetiere, höhere Säugetiere, Mensch. Heute konstruiert man so annähernd eine Entwickelungslinie, die gerade verläuft. Dafür aber sprechen die Tatsachen gar nicht. Sie werden überall finden: Wo diese Entwickelungslinie gezogen wird, stimmen die Tatsachen nicht.

[ 12 ] This is the material aspect of the matter. It is not merely a matter of theoretical discourse influenced by the Fall when speaking of the limits of the understanding of nature; rather, the decline of humanity as a result of the Fall is in fact evident today in the intellectual-empirical realm. For if that were not the case, then we would not, for example, have a theory of evolution such as we have today; rather, ordinary research—which, in fact, does yield this result—would have revealed the following: We have, let us say, fish, lower mammals, higher mammals, and humans. Today, people construct a line of evolution that is roughly straight. But the facts do not support this at all. You will find everywhere that wherever this line of evolution is drawn, the facts do not add up.

[ 13 ] Die eigentliche naturwissenschaftliche Forschung ist großartig; das, was die Naturforscher über sie sagen, stimmt nicht. Denn würde man die Tatsache unbefangen betrachten, so bekäme man dieses: Mensch, höhere Säugetiere, niedere Säugetiere, Fische. Ich lasse natürlich einzelnes aus. Man kommt also vom Menschen aus in eine Zeit von den höheren, von den niederen Säugetieren und so weiter, bis man zu einer Ursprungsstätte kommt, wo noch alles geistig ist, und an der man sieht, wie der Mensch in seiner weiteren Entwickelung direkt davon abstammt und nach und nach seine höhere Geistigkeit aufgenommen hat, und wie die niedrigeren Wesen eben auch davon abstammen, aber keine höhere Geistigkeit aufgenommen haben. Das ergibt sich unmittelbar aus den Tatsachen. Richtige Anschauungen über diese Tatsache würden wir haben, wenn nicht durch das Verbot, an die Präexistenz, an das vorirdische Dasein zu glauben, die menschlichen Denkgewohnheiten so gelenkt worden wären, daß zum Beispiel ein Geist wie Darwin gar nicht darauf kommen konnte, daß die Sache so sein könnte, wie sie hier dargestellt ist, sondern daß er auf das andere verfallen mußte, eben aus den Denkgewohnheiten heraus, nicht aus der Notwendigkeit der Forschung.

[ 13 ] Actual scientific research is magnificent; what naturalists say about it is not true. For if one were to view the facts impartially, one would arrive at this: humans, higher mammals, lower mammals, fish. Of course, I am omitting some details. So, starting with human beings, one moves through an era of higher mammals, lower mammals, and so on, until one reaches a point of origin where everything is still spiritual, and where one can see how human beings, in their further development, are directly descended from it and have gradually assimilated its higher spirituality, and how the lower beings are also descended from it but have not assimilated any higher spirituality. This follows directly from the facts. We would have a correct understanding of this fact if human habits of thought had not been so directed—by the prohibition against believing in pre-existence, in a pre-earthly existence—that, for example, a mind like Darwin’s could not even conceive that things might be as presented here, but instead had to fall back on the alternative, precisely because of these habits of thought, not out of the necessity of research.

[ 14 ] Ebenso wäre es möglich gewesen, in gerader Linie die Goethesche Metamorphosenlehre fortzubilden. Goethe ist ja, wie ich Ihnen immer wieder ausgeführt habe, mit seiner Metamorphosenlehre steckengeblieben. Man betrachte nur unbefangen, wie bei Goethe die Sache aussieht. Er ist steckengeblieben: Er hat die Pflanze betrachtet in ihrer Entwickelung, ist zu der Urpflanze gekommen, ist dann zum Menschen gekommen, hat versucht, am Menschen die Metamorphose der Knochen zu betrachten; da ist er steckengeblieben, völlig steckengeblieben.

[ 14 ] It would also have been possible to develop Goethe’s theory of metamorphosis in a straightforward manner. As I have explained to you time and again, Goethe got stuck with his theory of metamorphosis. One need only take an unbiased look at how things stand with Goethe. He got stuck: he observed the plant in its development, arrived at the primordial plant, then arrived at the human being, and attempted to observe the metamorphosis of the bones in humans; that is where he got stuck—completely stuck.

[ 15 ] Sehen Sie sich doch nur an, was Goethe über die Morphologie des Knochensystems beim Menschen geschrieben hat: genial auf der einen Seite. An einem zerspaltenen Schöpsenschädel, der ihm auffiel am Lido in Venedig, erkannte er, daß die Kopfknochen umgewandelte Wirbelknochen sind. Aber weiter ging es nicht.

[ 15 ] Just take a look at what Goethe wrote about the morphology of the human skeletal system: brilliant on the one hand. From a shattered sheep skull that caught his eye at the Lido in Venice, he realized that the bones of the skull are modified vertebral bones. But he didn’t take it any further.

[ 16 ] Ich habe aufmerksam gemacht auf eine Notiz, die ich während meines Weimarer Aufenthaltes im Goethe-Archiv gefunden habe, wo Goethe darauf hinweist: Das ganze Gehirn des Menschen ist ein umgewandeltes Rückenmarksganglion. Aber weiter ging es wieder nicht. Dieser Satz steht mit Bleistift geschrieben in einem Notizbuch, und man möchte sagen, man sieht es den letzten Bleistiftstrichen dieser Notiz an, wie Goethe unbefriedigt von der Sache war, wie er weiter wollte. Nur war dazu die einzelne Forschung nicht weit genug. Heute ist sie weit genug, sie ist schon lange weit genug, um zu der Frage Stellung zu nehmen. Wenn wir den Menschen von einem noch so frühen Embryonalstadium an betrachten, es kann gar keine Rede davon sein, daß die Form der heutigen Schädelknochen aus den Rückenmarkswirbeln irgendwie hervorgegangen wäre — es kann gar keine Rede davon sein. Wer heutige Embryologie kennt, der weiß: Aus dem, was wir heute am Menschen haben, da fruchtet es nichts, anzunehmen, daß die Schädelknochen umgewandelte Wirbelknochen seien. Deshalb kann man natürlich sagen: Als später Gegenbaur die Sache noch einmal untersuchte, da fand sich für die Schädelknochen, namentlich für die Gesichtsknochen, alles anders, als Goethe vorausgesetzt hatte.

[ 16 ] I drew attention to a note I found in the Goethe Archive during my stay in Weimar, in which Goethe points out: “The entire human brain is a transformed spinal ganglion.” But that was as far as it went. This sentence is written in pencil in a notebook, and one might say that you can tell from the final pencil strokes of this note how dissatisfied Goethe was with the matter, how he wanted to go further. But his individual research had not yet gone far enough. Today, research has advanced far enough—it has long been far enough—to address this question. If we examine the human being from even the earliest embryonic stage, there can be no question whatsoever that the shape of today’s skull bones somehow evolved from the spinal vertebrae—there can be no question of it at all. Anyone familiar with modern embryology knows this: Based on what we observe in humans today, there is no basis for assuming that the skull bones are modified vertebral bones. Therefore, one can naturally say: When Gegenbaur later reexamined the matter, he found that everything about the skull bones—particularly the facial bones—was different from what Goethe had assumed.

[ 17 ] Aber wenn man weiß, daß die heutige Form der Schädelknochen zurückführt auf die Körperknochen des früheren Erdenlebens, dann versteht man die Metamorphose. Da wird man durch die äußere Morphologie selbst hineingetrieben in die Lehre von den wiederholten Erdenleben. Das liegt in der geraden Linie der Goetheschen Metamorphosenlehre. Aber es ist unmöglich, daß diejenige Entwikkelungsströmung, die dann bei Darwin gelandet hat, und die heute noch immer geltend ist in der offiziellen Wissenschaft, zur Wahrheit vordringt. Denn der mißverstandene Sündenfall hat das Denken ruiniert, das Denken in Verfall gebracht. Die Sache ist eben ernster, als man heute geneigt ist zuzugeben.

[ 17 ] But when one realizes that the present form of the skull bones can be traced back to the bones of the body from earlier earthly lives, then one understands the metamorphosis. One is thus led, through the external morphology itself, into the doctrine of repeated earthly lives. This lies directly in line with Goethe’s theory of metamorphosis. But it is impossible for the current of thought that culminated in Darwin—and which still prevails today in official science—to arrive at the truth. For the misunderstood Fall of Man has ruined thinking, bringing it into decline. The matter is simply more serious than people are inclined to admit today.

[ 18 ] Man muß eben durchaus sich klar darüber sein, wie sich das Bewußtsein der Menschheit im Laufe der Zeit geändert hat, um solche Dinge, wie ich sie eben jetzt ausgesprochen habe, im richtigen Lichte zu sehen. Wir reden heute davon, daß irgend etwas schön sein könne. Aber wenn Sie heute die Philosophen fragen — und die sollten doch über solche Dinge etwas wissen, nicht wahr, denn dazu sind sie ja da —, worin die Schönheit besteht, da werden Sie sehen, daß Sie die unglaublichsten Abstraktionen bekommen. «Schön» ist eben ein Wort, das man aus der Empfindung heraus zuweilen instinktmäfßig richtig anwendet. Aber was zum Beispiel ein Grieche sich vorgestellt hat, wenn er in seiner Art vom Schönen gesprochen hat, davon hat man heute ja keine Ahnung. Man weiß nicht einmal, daß der Grieche vom Kosmos gesprochen hat, der für ihn etwas sehr Konkretes war. Unser «Weltall», das ist ein Wort — nun, was in diesem Haufen durcheinanderwirbelt, wenn der Mensch unter dem Einfluß des heutigen Denkens vom Weltall spricht, darüber wollen wir uns lieber heute nicht unterhalten! Der Grieche sprach vom Kosmos. Kosmos ist ein Wort, das Schönheit, Schmückendes, Zierendes, Künstlerisches in sich schließt. Der Grieche wußte: Sobald er von der ganzen Welt spricht, kann er nicht anders, als so von ihr sprechen, daß er sie charakterisiert mit dem Begriff der Schönheit. Kosmos heißt nicht bloß das Weltenall, Kosmos heißt die zur Allschönheit gewordene Naturgesetzmäßigkeit. Das liegt im Worte Kosmos.

[ 18 ] One really must be fully aware of how human consciousness has changed over time in order to see things like the ones I have just mentioned in the right light. Today we talk about how something can be beautiful. But if you ask philosophers today—and they ought to know something about such things, don’t they, since that’s what they’re there for—what beauty consists of, you’ll find that you get the most incredible abstractions. “Beautiful” is simply a word that one sometimes uses instinctively and correctly based on one’s feelings. But what, for example, a Greek imagined when he spoke of beauty in his own way—we have no idea about that today. We don’t even know that the Greek spoke of the cosmos, which was something very concrete for him. Our “universe”—that’s a word. Well, as for what’s swirling around in that jumble when people speak of the universe under the influence of modern thinking, let’s not get into that today! The Greeks spoke of the cosmos. Cosmos is a word that encompasses beauty, the ornamental, the decorative, and the artistic. The Greeks knew: as soon as they speak of the entire world, they cannot help but speak of it in such a way that they characterize it with the concept of beauty. “Cosmos” does not merely mean the universe; “cosmos” means the laws of nature that have become universal beauty. That is what lies in the word “cosmos.”

[ 19 ] Und wenn der Grieche das einzelne schöne Kunstwerk vor sich hatte, oder sagen wir, wenn er den Menschen bilden wollte — wie wollte er ihn bilden, indem er ihn schön bildete? Wenn man noch die Definitionen Platons nimmt, bekommt man ein Gefühl davon, was der Grieche meinte, wenn er den Menschen künstlerisch darstellen wollte. In dem Worte, das er dafür prägte, liegt ungefähr das: Hier auf Erden ist der Mensch gar nicht das, was er sein soll. Er stammt vom Himmel, und ich habe ihn in seiner Form so dargestellt, daß man ihm seinen himmlischen Ursprung ansieht. — Wie wenn er vom Himmel heruntergefallen wäre, so etwa stellte der Grieche sich den Menschen als schön vor, wie wenn er eben vom Himmel gekommen wäre, wo er natürlich ganz anders ist, als die Menschen in ihrer äußeren Gestalt. Die sehen nicht so aus, als ob sie eben vom Himmel heruntergefallen wären, die haben das Kainszeichen des Sündenfalles überall in ihrer Form. Das ist griechische Vorstellung. Wir dürfen uns so etwas gar nicht gestatten in unserer Zeit, wo wir eben den Zusammenhang des Menschen mit dem vorirdischen, das heißt, mit dem himmlischen Dasein vergessen haben. So daß man sagen kann, bei den Griechen heißt schön = seine himmlische Bedeutung offenbarend. Da wird der Schönheitsbegriff konkret. Sehen Sie, bei uns ist er abstrakt.

[ 19 ] And when the Greek had a single beautiful work of art before him, or let’s say, when he wanted to depict a human being—how did he intend to depict him by making him beautiful? If one considers Plato’s definitions, one gets a sense of what the Greek meant when he wanted to portray a human being artistically. The term he coined for this conveys roughly the following: Here on earth, human beings are not at all what they are meant to be. They come from heaven, and I have depicted them in such a way that one can see their heavenly origin. — As if he had fallen from heaven—that is roughly how the Greeks imagined man to be beautiful, as if he had just come down from heaven, where he is, of course, quite different from humans in their outward form. They do not look as if they had just fallen from heaven; they bear the mark of Cain from the Fall of Man everywhere in their form. That is the Greek conception. We must not allow ourselves such a view in our time, when we have forgotten the connection between human beings and their pre-earthly—that is, heavenly—existence. So one can say that for the Greeks, “beautiful” means “revealing one’s heavenly significance.” There, the concept of beauty becomes concrete. You see, for us it is abstract.

[ 20 ] Ja, es hat einen interessanten Streit gegeben zwischen zwei Ästhetikern, dem sogenannten V-Vischer — weil er sich mit V schrieb —, dem Schwaben-Vischer, einem sehr geistreichen Manne, der eine außerordentlich bedeutende Ästhetik, bedeutend im Sinne unseres Zeitalters, geschrieben hat, und dem Formalisten Robert Zimmermann, der eine andere Ästhetik geschrieben hat. Der eine, V-Vischer, definiert das Schöne als die Offenbarung der Idee in der sinnlichen Form. Zimmermann definiert das Schöne als das Zusammenstimmen der Teile in einem Ganzen, also der Form nach; Vischer mehr dem Inhalte nach.

[ 20 ] Yes, there was an interesting debate between two aestheticians: the so-called V-Vischer—because he spelled his name with a “V”—the Swabian Vischer, a very witty man who wrote an extraordinarily significant work on aesthetics, significant in the sense of our age; and the formalist Robert Zimmermann, who wrote a different work on aesthetics. One of them, V-Vischer, defines beauty as the revelation of the idea in sensory form. Zimmermann defines beauty as the harmony of the parts within a whole—that is, in terms of form; Vischer, more in terms of content.

[ 21 ] Eigentlich sind diese Definitionen alle wie jene berühmte Gestalt, die sich an ihrem eigenen Haarschopf immer wieder in die Höhe zieht. Denn wenn einer sagt: Das Erscheinen der Idee in der sinnlichen Form — ja, was ist die Idee? Da müßte man erst etwas haben, was die Idee ist. Denn der Gedankenleichnam, den die Menschheit als Idee hat, wenn der in sinnlicher Form erscheint —, ja, da wird nichts daraus! Aber das heißt etwas, wenn man im griechischen Sinne fragt: Was ist ein schöner Mensch? — Ein schöner Mensch ist derjenige, der die Menschengestalt so idealisiert enthält, daß er einem Gotte ähnlich sieht — das ist im Griechischen ein schöner Mensch. Da kann man etwas anfangen mit einer solchen Definition, da hat man etwas in einer solchen Definition.

[ 21 ] Actually, these definitions are all like that famous figure who keeps pulling himself up by his own hair. For when someone says: “The appearance of the idea in sensory form”—well, what is the idea? —one would first have to have something that is the idea. For the corpse of thought that humanity has as an idea, when it appears in a sensory form—well, nothing comes of it! But it means something when one asks, in the Greek sense: What is a beautiful human being? — A beautiful human being is one who embodies the human form in such an idealized way that he resembles a god—that is a beautiful human being in the Greek sense. With such a definition, one can actually do something; there is substance to such a definition.

[ 22 ] Darum handelt es sich, daß man sich bewußt wird, wie der Bewußtseinsinhalt, die Seelenverfassung der Menschen im Laufe der Zeit sich geändert hat. Der moderne Mensch glaubt ja, der Grieche hätte ebenso gedacht, wie man heute denkt. Und wenn wirklich heute Geschichten der griechischen Philosophie geschrieben werden, so ist es ja so: zum Beispiel wenn Zeller eine ausgezeichnete Geschichte der griechischen Philosophie schreibt — im Sinne des heutigen Zeitalters ist sie ausgezeichnet —, da ist es so, wie wenn Platon nicht in der Platonischen Akademie, sondern im 19. Jahrhundert gelehrt hätte, so wie Zeller selbst an der Berliner Universität gelehrt hat. Sobald man den Gedanken konkret faßt, sieht man ihm seine Unmöglichkeit an, denn Platon hätte selbstverständlich im 19. Jahrhundert nicht an der Berliner Universität lehren können, das wäre ja nicht gegangen. Aber was von ihm überliefert ist, das übersetzt man dann in die Begriffe des 19. Jahrhunderts und hat gar kein Gefühl dafür, daß man ja zurückgehen muß mit seiner ganzen Seelenverfassung in ein anderes Zeitalter, wenn man Platon wirklich treffen will.

[ 22 ] The point is to become aware of how the content of consciousness—the state of mind—of human beings has changed over time. Modern people believe, after all, that the Greeks thought exactly as we do today. And when histories of Greek philosophy are written today, this is indeed the case: for example, when Zeller writes an excellent history of Greek philosophy—excellent in the sense of our present age—it is as if Plato had taught not at the Academy but in the nineteenth century, just as Zeller himself taught at the University of Berlin. As soon as one grasps the idea concretely, one sees its impossibility, for Plato, of course, could not have taught at the University of Berlin in the 19th century—that simply would not have been possible. But what has been handed down from him is then translated into the concepts of the 19th century, and one has no sense at all that one must, with one’s entire state of mind, go back to another age if one truly wants to encounter Plato.

[ 23 ] Wenn man dann sich ein Bewußtsein dafür aneignet, wie die Dinge in der Seelenverfassung des Menschen geworden sind, dann wird man es nicht mehr so absurd finden, wenn man sagt: Eigentlich ist, mit Bezug auf sein Denken über die äußere Natur und über den Menschen selbst, der Mensch dem Sündenfall ganz verfallen.

[ 23 ] Once one becomes aware of how things have come to be in the human soul, one will no longer find it so absurd to say: In fact, with regard to his thinking about the external natural world and about human beings themselves, man has completely succumbed to the Fall.

[ 24 ] Und da muß an etwas gedacht werden, an das die heutigen Menschen nicht denken, ja, das sie vielleicht sogar als etwas verdreht betrachten. Es muß davon gesprochen werden, daß in der theoretischen Erkenntnis von heute, die populär geworden ist und alle Köpfe bis in die letzten Winkel der Welt, bis in die letzten Dörfer heute beherrscht, etwas lebt, was erst durch Christus erlöst werden muß. Es muß erst das Christentum verstanden werden auf diesem Gebiet.

[ 24 ] And here we must consider something that people today do not think about—indeed, something they might even regard as twisted. We must speak of the fact that in today’s theoretical understanding—which has become popular and now dominates every mind, even in the remotest corners of the world and in the most remote villages—there is something that must first be redeemed through Christ. Christianity must first be understood in this regard.

[ 25 ] Nun, wenn man heute einem naturwissenschaftlichen Denker zumuten würde, er müsse begreifen, daß sein Denken durch Christus erlöst werden muß, ja, dann wird er sich an den Kopf greifen und sagen: Die Tat des Christus mag für alles mögliche geschehen sein in der Welt, aber zur Erlösung von dem Sündenfall der Naturwissenschaft — dazu lassen wir uns nicht herbei! — Aber auch wenn Theologen naturwissenschaftliche Bücher schreiben, wie sie es ja im 19. und 20. Jahrhundert zahlreich getan haben, die einen über Ameisen, die andern über anderes, über das Gehirn und so weiter —, und diese Bücher sind sogar meistens ausgezeichnet, besser als von Naturforschern, weil diese Leute in etwas lesbarerer Form schreiben können —, aber auch dann atmen diese auf dem wissenschaftlichen Felde geschriebenen Bücher erst recht das Bedürfnis: hier muß Ernst gemacht werden mit einer wahren Christologie, das heißt, wir brauchen heute gerade auf intellektualistischem Gebiete eine wirkliche Sündenerhebung, die dem Sündenfall entgegentreten muß.

[ 25 ] Well, if one were to expect a scientific thinker today to understand that his thinking must be redeemed by Christ, well, then he would clutch his head and say: Christ’s work may have been done for all sorts of things in the world, but for the redemption of natural science from the Fall—we won’t go there! — But even when theologians write scientific books—as so many did in the 19th and 20th centuries, some about ants, others about different subjects, such as the brain and so on—and these books are, for the most part, excellent, even better than those written by natural scientists, because these people are able to write in a somewhat more readable style— even then, these books written in the scientific field all the more exude the need: here we must take a true Christology seriously; that is to say, we need today—precisely in the intellectual realm—a genuine redemption from sin that must counter the Fall.

[ 26 ] So sehen wir auf der einen Seite, daß der Intellektualismus angefressen ist von dem, was entstanden ist aus dem mißverständlichen Sündenbewußtsein, nicht aus der Tatsache des Sündenfalles, sondern aus dem mitßverständlichen Sündenbewußtsein. Denn das unmißverständliche Sündenbewußtsein muß eben den Christus als ein höheres Wesen in den Mittelpunkt der Erdenentwickelung stellen und von da aus den Weg herausfinden aus dem Sündenfall. Dazu bedarf es einer tieferen Einzelbetrachtung der menschlichen Entwickelung auch auf geistigem Gebiete.

[ 26 ] Thus, on the one hand, we see that intellectualism is corroded by what has arisen from a misunderstood sense of sin—not from the fact of the Fall, but from this misunderstood sense of sin. For the unambiguous sense of sin must place Christ—as a higher being—at the center of Earth’s evolution and, from there, find the way out of the Fall. This requires a deeper, detailed examination of human evolution, including in the spiritual realm.

[ 27 ] Wenn man, so wie es heute gewöhnlich geschieht, die mittelalterliche Scholastik betrachtet, bis meinetwillen selbst zu Augustinus zurück, so kann ja daraus gar nichts folgen. Es kann nichts daraus folgen, weil man nichts anderes sieht, als daß sich nun gewissermaßen das moderne naturwissenschaftliche Bewußtsein weiterentwikkelt, aber man läßt außer acht das Höhere, das Übergreifende.

[ 27 ] If one considers medieval scholasticism—as is commonly done today—going back, for my part, even to Augustine, then nothing at all can be concluded from it. Nothing can be deduced from it because one sees nothing other than that modern scientific consciousness is, so to speak, developing further, but one disregards the higher, the overarching.

[ 28 ] Nun habe ich hier einmal in diesem Saale versucht, die mittelalterliche Scholastik darzustellen, so daß man die ganzen Zusammenhänge sehen kann. Ich habe hier einmal über den Thomismus und was damit zusammenhängt, einen kleinen Zyklus gehalten. Aber das ist ja gerade das Schmerzliche, was unserer anthroposophischen

[ 28 ] Here in this hall, I have attempted to present medieval scholasticism in such a way that one can see the whole context. I have given a short series of lectures here on Thomism and related topics. But that is precisely the painful thing about our anthroposophical

[ 29 ] Bewegung so wenig förderlich ist, daß solche Anregungen gar nicht aufgegriffen werden, daß der Zusammenhang des heutigen glänzenden naturwissenschaftlichen Zustandes mit dem, was nun hineinfahren muß in die Naturwissenschaften, eben nicht gesucht wird! Und wenn das nicht gesucht wird, dann müßten unsere wirklich mit großen Opfern errungenen Forschungsinstitute unfruchtbar bleiben. Bei denen würde es sich darum handeln, solche Anregungen wirklich zu benützen, um vorwärtszukommen, nicht sich in unfruchtbare Polemiken über den Atomismus einzulassen.

[ 29 ] The movement is so unhelpful that such ideas are not even taken up, that the connection between today’s brilliant state of the natural sciences and what must now be incorporated into them is simply not sought! And if this connection is not sought, then our research institutes—which were truly achieved through great sacrifice—would remain fruitless. Their task would be to actually make use of such ideas in order to move forward, not to engage in fruitless polemics about atomism.

[ 30 ] Unsere Naturwissenschaft ist heute in ihrem Tatsachengebiete überall so weit, daß sie danach drängt, endlich jene sterilen Denkereien zu verlassen, die wir heute in den naturwissenschaftlichen Büchern haben. Man kennt ja den Menschen anatomisch, physiologisch genug, um, wenn man die richtigen Denkmethoden wählt, selbst zu solchen heute noch kühn erscheinenden Folgerungen kommen zu können wie von der Metamorphose der Kopfesform aus der Körperform im früheren Leben. Aber natürlich, wenn man am Materiellen haftet, dann kann man nicht dazu kommen, denn dann fragt man in sehr geistreicher Weise: Ja, dann müßten ja die Knochen materiell bleiben, daß sie sich materiell nach und nach im Grabe umwandeln können. — Es handelt sich eben darum, daß die materielle Form eine äußerliche Form ist und daß die Formkräfte der Metamorphose unterliegen.

[ 30 ] Today, our natural sciences have advanced so far in every area of their factual domain that they are urging us to finally abandon those sterile speculations that we find in current scientific textbooks. After all, we know the human being well enough anatomically and physiologically that, if we choose the right methods of thinking, we can arrive at conclusions—such as the metamorphosis of the shape of the head from the shape of the body in a previous life—that still seem bold today. But of course, if one clings to the material, one cannot arrive at this conclusion, for then one asks, in a very clever way: “Yes, but then the bones would have to remain material so that they could gradually transform themselves materially in the grave.” — The point is precisely that the material form is an external form and that the formative forces are subject to metamorphosis.

[ 31 ] Auf der einen Seite wurde das Denken dadurch in Fesseln geschlagen, daß auf die Präexistenz die Finsternis geworfen worden ist. Auf der andern Seite handelt es sich um die Postexistenz, um das Leben nach dem Tode. Das Leben nach dem Tode kann aber durch keine andere Erkenntnis errungen werden als durch eine übersinnliche Erkenntnis. Weist man die übersinnliche Erkenntnis zurück, dann bleibt das Leben nach dem Tode ein Glaubensartikel, der auf Autorität hin bloß geglaubt werden kann. Ein richtiges Verständnis des Denkprozesses führt zum präexistenten Leben, wenn darüber zu denken nicht verboten ist. Das postexistente Leben kann aber nur durch übersinnliche Erkenntnis eben Erkenntnis werden. Da muß jene Methode eintreten, die ich in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben habe. Diese aber wiederum verpönt man aus dem heutigen Zeitbewußtsein heraus.

[ 31 ] On the one hand, thought has been shackled by the fact that darkness has been cast over pre-existence. On the other hand, there is post-existence—life after death. But life after death cannot be attained through any knowledge other than supersensible knowledge. If one rejects supersensible knowledge, then life after death remains an article of faith that can only be believed on the basis of authority. A correct understanding of the thought process leads to pre-existent life, provided that thinking about it is not forbidden. Post-existent life, however, can only become true knowledge through supersensible knowledge. This requires the method I described in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. Yet this method, in turn, is frowned upon by today’s prevailing mindset.

[ 32 ] Und so wirken zwei Dinge zusammen: auf der einen Seite die Fortwirkung des Verbotes, an das präexistente Leben des Menschen heranzugehen, auf der andern Seite das Perhorreszieren der übersinnlichen Erkenntnis. Wenn man beides zusammenbringt, dann bleibt alle übersinnliche Welt die Domäne einer Nichterkenntnis, nämlich des bloßen Glaubens, und dann bleibt das Christentum eine Sache des Glaubens, nicht der Erkenntnis. Und dann läßt sich diejenige Wissenschaft, die «Wissenschaft» sein will, nicht herbei, mit dem Christus überhaupt etwas zu tun haben zu wollen. Und dann haben wir den heutigen Zustand.

[ 32 ] And so two things work together: on the one hand, the continuing effect of the prohibition against approaching a person’s pre-existing life; on the other hand, the abhorrence of supernatural knowledge. When these two are brought together, the entire supersensible world remains the domain of non-knowledge—namely, of mere faith—and Christianity remains a matter of faith, not of knowledge. And then the science that claims to be “science” refuses to have anything to do with Christ at all. And that brings us to the situation we find today.

[ 33 ] Aber ich sagte schon im Eingange der heutigen Betrachtungen: In bezug auf das Bewußtsein, das heute ganz vom Intellektualismus angefüllt ist, ist die Menschheit den Folgen des Sündenfalles verfallen und wird sich nicht erheben können, das heißt, das Erdenziel nicht erreichen können. Mit der heutigen Wissenschaftlichkeit laßt sich das Erdenziel nicht erreichen. Aber der Mensch ist in den Tiefen seiner Seele eben trotzdem heute noch ungebrochen. Holt er diese Tiefen seiner Seele heraus, entwickelt er übersinnliche Erkenntnis im Sinne des Christus-Impulses, dann kommt er dadurch auch wiederum für das intellektuelle Gebiet zur Erlösung von dem heutigen, wenn ich mich so ausdrücken darf, der Sünde verfallenen Intellektualismus.

[ 33 ] But as I already said at the beginning of today’s reflections: With regard to consciousness, which today is entirely filled with intellectualism, humanity has fallen prey to the consequences of the Fall and will not be able to rise again—that is, it will not be able to attain the earthly goal. The goal of earthly existence cannot be attained through today’s scientific approach. But deep within the soul, human beings remain unbroken even today. If they draw upon these depths of their soul and develop supersensible knowledge in the spirit of the Christ impulse, they will thereby also find redemption in the intellectual realm from today’s—if I may put it that way—intellectualism that has fallen into sin.

[ 34 ] Das erste also, was notwendig ist, das ist, einzusehen, daß durchdrungen werden muß gerade das intellektuell empirische Forschen mit demjenigen, was aus der Geistigkeit der Welt heraus erfaßt werden kann. Also die Wissenschaft muß durchdrungen werden mit der Geistigkeit. Aber diese Geistigkeit kann nicht an den Menschen herankommen, wenn nur immer dasjenige, was im Raume nebeneinander ist, nach seinem Nebeneinander untersucht wird, oder was in der Zeit aufeinanderfolgt, nach seinem Nacheinander.

[ 34 ] The first thing that is necessary, then, is to recognize that intellectual-empirical research must be permeated by that which can be grasped from the spirituality of the world. Science, therefore, must be permeated by spirituality. But this spirituality cannot reach human beings if we always examine only what exists side by side in space in terms of its juxtaposition, or what follows one another in time in terms of its succession.

[ 35 ] Wenn Sie die Form des menschlichen Hauptes, namentlich in bezug auf seinen Knochenbau, untersuchen und ihn nur mit dem übrigen Knochenbau vergleichen: Röhrenknochen, Wirbelknochen, Rippenknochen mit Kopfknochen — dann kommen Sie eben auf nichts. Sie müssen über Raum und Zeit hinausgehen zu jenen Begriffen, die hier in der Geisteswissenschaft entwickelt werden, indem man von Erdendasein zu Erdendasein den Menschen erfaßt. Also Sie müssen sich klar sein darüber: Wenn heute die Kopfknochen angesehen werden, so kann man sie ansehen als verwandelte Wirbelknochen. Aber dasjenige, was Rückenmarkswirbel heute am Menschen sind, das verwandelt sich nie in Kopfknochen in dem Bereich des Erdendaseins; die müssen erst verfallen, müssen erst ins Geistige umgewandelt werden, um in einem nächsten Erdenleben zu Kopfknochen werden zu können.

[ 35 ] If you examine the form of the human head—specifically with regard to its bone structure—and compare it only with the rest of the skeletal structure: long bones, vertebrae, ribs, and the skull—then you will come up with nothing. You must go beyond space and time to those concepts that are developed here in spiritual science by grasping the human being from one earthly existence to the next. So you must be clear about this: When we look at the skull bones today, we can regard them as transformed vertebral bones. But what the vertebrae of the spinal cord are in humans today will never transform into skull bones within the realm of earthly existence; they must first decay, must first be transformed into the spiritual, in order to become skull bones in a subsequent earthly life.

[ 36 ] Wenn dann ein instinktiv-intuitiver Geist kommt wie Goethe, so sieht er das den Formen der Kopfknochen an, daß sie umgewandelte Wirbelknochen sind. Aber um von dieser Anschauung zu den Tatsachen zu kommen, dazu braucht man Geisteswissenschaft. Goethes Metamorphosenlehre gewinnt überhaupt erst innerhalb der Geisteswissenschaft einen Sinn. Sie hat keinen Sinn ohne die Geisteswissenschaft. Daher war sie für Goethe selber in ihrem letzten Ende unbefriedigend. Aber deshalb sind es auch allein diese Erkenntnisse, die mit anthroposophischer Geisteswissenschaft zusammenhängen, die den Menschen in ein rechtes Verhältnis bringen zwischen Sündenfall und Sündenerhebung. Daher sind diese anthroposophischen Erkenntnisse heute etwas, was sich nicht bloß in der Betrachtung, sondern als Lebensgehalt lebendig in die Menschenentwickelung hineinstellen will.

[ 36 ] When an instinctive-intuitive mind like Goethe’s emerges, he can see from the shapes of the skull bones that they are transformed vertebrae. But to move from this insight to the facts, one needs spiritual science. Goethe’s theory of metamorphosis only makes sense within the context of spiritual science. It has no meaning without spiritual science. That is why, in the end, it was ultimately unsatisfying even to Goethe himself. But that is also why it is solely these insights—which are connected to anthroposophical spiritual science—that bring human beings into the right relationship between the Fall and redemption. That is why these anthroposophical insights today are something that seeks to be incorporated not merely as a subject of contemplation, but as a living substance of life into human development.