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Der Jahreskreislauf als Atmungsvorgang der Erde und die vier großen Festeszeiten
GA 223

1 April 1923, Dornach

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Ich habe gestern versucht, aus dem Esoterischen des Ostergedankens heraus Ihnen zu sprechen davon, wie eine Art Anknüpfung an den Naturlauf von seiten des geistig Durchdrungenen dadurch wird geschehen müssen, daß aufgenommen werde gewissermaßen eine Herbstesfeier in die Jahresfeste, eine Herbstesfeier als eine Art Michael-Fest, welches in die Herbstsonnenwende ungefähr so hineinfallen müßte, wie das Weihnachtsfest in die Wintersonnenwende, das Osterfest in die Frühlingssonnenwende, das Johannifest in die Sommersonnenwende.

[ 2 ] Heute möchte ich versuchen, diesen dem heutigen Zeitalter angemessenen Ostergedanken mehr nach seinem Gefühlsgehalt näher auszuführen, um Ihnen dann morgen die ganze Bedeutung gerade einer solchen Betrachtung darzulegen.

[ 3 ] Wenn wir heute das Osterfest feiern und um uns blicken in das Bewußtsein der zeitgenössischen Menschheit, dann müssen wir uns doch, wenn wir ehrlich mit unserem eigenen menschlichen Inneren sind, gestehen, wie wenig wahr heute für einen großen Teil der Menschheit der Ostergedanke eigentlich ist. Denn wovon hängt die Wahrheit des Ostergedankens ab? Diese Wahrheit hängt doch davon ab, wie der Mensch eine Vorstellung damit verknüpfen kann, daß die Christus-Wesenheit durch den Tod gegangen ist, den Tod besiegt hat, durch die Auferstehung gegangen ist und nach dem Erleiden des Todes, nach der erfolgten Auferstehung, sich zunächst mit der Menschheit so verbunden hat, daß sie noch Offenbarungen geben konnte denjenigen, welche vorher die Apostel, die Jünger waren.

[ 4 ] Aber der Auferstehungsgedanke ist ja immer mehr und mehr abgeblaßt. Er war so lebendig in der ersten Entstehungszeit des Christentums, daß uns aus dieser Epoche die Paulus-Worte herüberklingen: «Und wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre euer Glaube eitell!» Paulus hat geradezu das Christentum geknüpft an den Ostergedanken, das heißt an den Gedanken der Auferstehung. Für diejenigen Menschen, welche die Bildung der heutigen Zeit aufgenommen haben, ist ja die Auferstehung etwas, was man ein Wunder nennt, und wird als Wunder aus dem Bereich dessen, was Wirklichkeit ist, Wirklichkeit sein kann, hinausverwiesen, so daß für alle diejenigen, für welche der Auferstehungsgedanke nicht mehr zu durchdringen ist, das Osterfest eigentlich nur einer alten Gewohnheit entspricht, wie auch die übrigen christlichen Feste.

[ 5 ] Nun, wir haben das ja von den verschiedensten Gesichtspunkten im Laufe der Jahre erwähnt. Es wird erst wiederum notwendig sein, daß eine Erkenntnis der geistigen Welt als solcher an die Menschheit herankommt, um Ereignisse, die nicht in den Bereich der sinnlichen Wirklichkeit gehören, zu verstehen. Und als eine solche Tatsache wird angesehen werden müssen dasjenige, was mit dem Auferstehungsgedanken verknüpft ist. Dann wird auch wiederum der Ostergedanke wirklich lebendig werden können. Für ein Menschengeschlecht, das die Auferstehung in den Bereich der unwirklichen Wunder versetzt, kann der Ostergedanke nichts Lebendiges sein. Dieser Ostergedanke ist ja entstanden in derjenigen Epoche der Menschheit, in welcher noch Reste des alten ursprünglichen menschlichen Erkennens der geistigen Welt vorhanden waren.

[ 6 ] Wir wissen, daß im Ausgangspunkt der menschlichen Erdenentwickelung die Menschen gewissermaßen eine instinktive Hellsichtigkeit gehabt haben, durch die sie in die geistige Welt Einblicke gewinnen konnten, durch die sie die geistige Welt so betrachteten, daß sie ihnen der physisch-sinnlichen Welt ebenbürtig war. Diese instinktive ursprüngliche Hellsichtigkeit ist der Erdenmenschheit abhanden gekommen. Sie war etwa in den ersten drei Jahrhunderten der christlichen Entwickelung wenigstens in ihren letzten Resten noch vorhanden. Daher konnte noch in diesen ersten Jahrhunderten ein gewisses, auf alte menschliche Einsichten begründetes Verstehen des Ostergedankens Platz greifen. Ein solches Verstehen wurde abgelähmt im 4. Jahrhundert, wo sich vorbereitete, was ja dann im vollsten Maße aufgetreten ist seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts: das Leben der Menschen in den abstrakten toten Gedanken, wie wir das des öfteren erörtert haben. In diesen abstrakten Gedanken, in denen die Naturwissenschaft groß werden konnte, mußte auch der Ostergedanke zunächst ersterben.

[ 7 ] Heute ist die Zeit gekommen, wo dieser Ostergedanke wiederum als ein lebendiger Gedanke erwachen muß. Aber er muß, um zu erwachen, eben aus dem Zustande des Todes in den Zustand der Lebendigkeit übergehen. Das Lebendige ist dadurch charakterisiert, daß es anderes Lebendiges aus sich hervortreibt. Als der Ostergedanke in den ersten christlichen Jahrhunderten in der Christenheit sich ausbreitete, da waren die Gemüter noch empfänglich genug, um innerlich Gewaltiges zu erleben im Anblick des Grabes Christi und im Anblick der aus dem Grabe ersteigenden, nunmehr mit der Menschheit verbundenen Wesenheit. Die Gemüter konnten innerlich kräftig erleben, was sie in diesem gewaltigen Bilde sich vor die Seele hingestellt fanden. Und dieses innerliche Erleben war eine Realität im menschlichen Seelenleben. Nur das ist eine Realität im menschlichen Seelenleben, was diese menschliche Seele wirklich in einer Weise ergreift, wie sonst die sinnliche Außenwelt eben die Sinne ergreift. Die Menschen fühlten sich anders geworden dadurch, daß sie das Ereignis des Todes und der Auferstehung Christi anschauten. Sie fühlten sich seelisch durch diese Anschauung so verwandelt, wie sich sonst der Mensch durch physische Ereignisse im Laufe seines Lebens auf der Erde verändert fühlt.

[ 8 ] Der Mensch wird verwandelt um das siebente Jahr herum durch den Zahnwechsel, der Mensch wird verwandelt um das vierzehnte, fünfzehnte Jahr herum durch die Geschlechtsreife. Das sind leibliche Verwandlungen. In der Anschauung des Ostergedankens fühlten sich die ersten Christen innerlich-seelisch verwandelt. Sie fühlten sich dadurch also aus einem gewissen Stadium des Menschseins herausgehoben und in ein anderes Stadium versetzt.

[ 9 ] Diese Kraft, diese Gewalt hat der Ostergedanke im Laufe der Zeit verloren. Und er kann sie nur wiederum gewinnen, wenn das, was ja nach Naturgesetzen nicht eingesehen werden kann, die Auferstehung, innerhalb einer geistigen Wissenschaft, einer das Geistige begreifenden Wissenschaft wiederum eine Realität gewinnt. Aber eine Realität wird für das, was geistig erfaßt wird, nur gewonnen, wenn dieses Geistige nicht bloß in abstrakten Gedanken erfaßt wird, sondern wenn es im lebendigen Zusammenhange mit der auch vor die Sinne tretenden Welt begriffen wird.

[ 10 ] Wer das Geistige nur in seiner Abstraktion festhalten will, wer zum Beispiel sagt, man soll das Geistige nicht hinunterziehen in die physisch-sinnliche Welt, der sollte nur gleich auch von dem Gedanken ausgehen, daß die göttliche Wesenheit verunziert werde, wenn man vorstellt, daß sie die Welt erschaffen habe. Das Göttliche wird ja doch nur dann in seiner Größe und Gewalt begriffen, wenn man es nicht hinausversetzt über das Sinnliche, sondern wenn man ihm die Kraft zuschreibt, in diesem Sinnlichen zu wirken, dieses Sinnliche schöpferisch zu durchdringen. Es ist eine Herabwürdigung des Göttlichen, wenn man dieses Göttliche gewissermaßen bloß in abstrakte Höhen, in ein Wolkenkuckucksheim hinausversetzen will. Und so wird man niemals in geistigen Realitäten leben, wenn man das Geistige nur in seiner Abstraktheit erfaßt, wenn man es nicht mit dem ganzen Weltenlaufe, wie er uns entgegentritt, in Zusammenhang bringen kann.

[ 11 ] Der Weltenlauf tritt uns ja für unser irdisches Leben zunächst so entgegen, daß dieses irdische Leben eine Anzahl von Jahren umfaßt, daß diese Jahre in einem regelmäßigen Rhythmus die Wiederkehr gewisser Ereignisse darstellen, wie ich schon gestern angedeutet habe. Nach einem Jahre kommen wir ungefähr auf dieselben Geschehnisse der Witterung, der Sonnenkonstellation und so weiter zurück. Der Jahreslauf ist gewissermaßen etwas, was sich in unser irdisches Leben in rhythmischer Weise hineinstellt. Wir haben gestern gesehen, daß dieser Jahreslauf eine Aus- und Einatmung des Seelisch-Geistigen der Erde durch diese Erde selber darstellt. Wenn wir die vier Hauptpunkte dieses Erdenatmungsprozesses, wie wir sie gestern vor unsere Seele haben treten lassen, noch einmal uns vergegenwärtigen, so müssen wir sagen: Die Weihnachtsfesteszeit stellt uns dar das innere Atemhalten der Erde. Das Seelisch-Geistige ist von der Erde völlig aufgesogen. Tief im Inneren der Erde ruht alles das, was die Erde entfaltet hat während der Sommerzeit, um es vom Kosmos anregen zu lassen. Alles was sich öffnete und hingab den kosmischen Kräften während der Sommerzeit, ist von der Erde eingesogen, ruht in den Tiefen der Erde zur Weihnachtszeit. Der Mensch lebt ja nicht in den Tiefen des Irdischen, er lebt physisch auf der Oberfläche der Erde. Er lebt aber auch geistig-seelisch nicht in den Tiefen der Erde, sondern er lebt eigentlich mit dem Umkreis der Erde. Er lebt auch geistig-seelisch mit der die Erde umkreisenden Atmosphäre.

[ 12 ] Daher hat alle esoterische Wissenschaft immer anerkannt das Wesentliche der Erde zur Wintersonnenwendezeit, zur Weihnachtszeit, als ein zunächst Verborgenes, als etwas, was mit gewöhnlichen menschlichen Erkenntniskräften nicht durchschaut werden kann, was in den esoterischen Mysterienbereich gehört. Und in allen älteren Zeiten, in denen auch etwas Ähnliches da war wie unser heutiges Weihnachtsfest, galt es, daß dasjenige, was sich mit der Erde zur Weihnachtszeit abspielt, nur begriffen werden könne durch die Einweihung in die Mysterienerkenntnis, durch die Einweihung, wie man es noch in Griechenland nannte, in die chthonischen Mysterien. Durch diese Einweihung in die Mysterienerkenntnis entfremdete sich gewissermaßen der Mensch von dem Umkreis der Erde, in dem er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein lebt, so weit, daß er untertauchte in etwas, in das er physisch nicht untertauchen konnte: daß er in das GeistigSeelische untertauchte und kennenlernte, was die Erde während der Vollwinterzeit dadurch wird, daß sie ihr Geistig-Seelisches einsaugt. Und kennen lernte dann der Mensch durch diese Mysterieneinweihung, daß die Erde zur Wintersonnenwendezeit ganz besonders empfänglich wird für die Durchdringung mit den Mondenkräften. Das galt als das Geheimnis, wenn ich mich im modernen Sinne ausdrücken darf, als das Weihnachtsgeheimnis der alten Mysterien: daß man eben zur Weihnachtszeit die Art und Weise kennen lernt, wie die Erde dadurch, daß sie mit ihrem Seelisch-Geistigen durchtränkt und durchdrungen ist, besonders empfänglich wird für die Wirksamkeit der Mondenkräfte im Inneren der Erde.

[ 13 ] Man traute zum Beispiel in gewissen älteren Zeiten niemandem eine Erkenntnis der Heilwissenschaft zu, der nicht in die Wintergeheimnisse eingeweiht war, der nicht verstand, wie die Erde durch ihr Atemhalten für die Wirksamkeit der Mondenkräfte in ihrem Inneren besonders empfänglich ist, wie sie zu dieser Zeit insbesondere die Pflanzen mit den Heilkräften durchdringt, wie sie etwas ganz anderes aus der Pflanzenwelt, aber auch aus der Welt namentlich der niederen Tiere macht.

[ 14 ] Wie ein Hinuntersteigen in die Tiefen des Irdischen empfand man die Weihnachtseinweihung. Aber man verknüpfte mit dieser Weihnachtseinweihung noch etwas anderes. Man verknüpfte mit dieser Weihnachtseinweihung etwas, was man in einem gewissen Sinne als eine Gefahr für die menschliche Wesenheit empfand. Man sagte sich etwa: Wenn man wirklich liebend anschaute, sein Bewußtsein damit erfüllend, dasjenige, was in der Erde als Mondenkräfte zur Weihnachtszeit lebt, dann kommt man in eine Art von Bewußtseinszustand, in dem man innerlich sehr stark sein muß, sich sehr gekräftigt haben muß, um auszuhalten den von allen Seiten herkommenden Anprall der ahrimanischen Mächte, die in der Erde gerade durch die Aufnahme der Mondenwirksamkeit leben. Und nur in der Stärke, die man in sich selber in seinem Seelisch-Geistigen entwickelte, um den Widerstand dieser Kräfte zu brechen, nur in dieser Stärke sah man dasjenige, was den Menschen auf die Dauer sein Erdendasein aushalten lassen kann.

[ 15 ] Aber dann, einige Zeit nach der Feier dieser Weihnachtsmysterien, versammelten die Mysterienlehrer ihre Schüler, und wie eine Art Offenbarung teilten sie ihnen das Folgende mit. Sie sagten ihnen: Ja, gewiß, mit vollem Bewußtsein durchschauen, was zur Wintersonnenwende innerhalb der Erde wirkt, das kann man durch die Einweihung. Aber es steigt ja, namentlich wenn der Frühling heraufkommt, mit der wachsenden Pflanzenwelt dasjenige aus den Tiefen der Erde und durchdringt alles Wachsende, Sprießende, durchdringt auch den Menschen selber, was da die ahrimanischen Mächte bewirken. In der Zeit, in der dem Menschen noch göttliche Kräfte mitgegeben waren, wie sie ihm eben mitgegeben waren im Erdenbeginne, da konnten durch dieses ursprüngliche göttliche Erbe die Menschen den Anprall der ahrimanischen Mächte, die sich auf diese Weise durch die Wintermondeszeit über die Menschheit ergossen, aushalten. Aber — so sagten die Eingeweihten ihren Schülern — es wird eine Zeit über die Menschheit kommen, wo gewissermaßen die Menschen betäubt sein werden über das Geistige durch das, was die Erde an Mondenkräften aufnimmt zur Winterzeit. Mit dem Wachsen und Sprießen im Frühling wird es wie ein Berauschtsein gegenüber dem Geistigen über die Menschheit kommen und der Menschheit das Bewußtsein nehmen, daß es überhaupt ein Geistiges gibt. Dann wird die Menschheit, wenn sie nicht die Möglichkeit findet, diesen berauschenden Kräften Widerstand zu leisten, der Erde verfallen und nicht sich mit der Erde weiter entwickeln können zu künftigen andern, höheren Stadien der Erdenentwickelung. — In düsteren Farben malten die Eingeweihten das Zeitalter, das mitdem 15. Jahrhunderte anbrechen mußte für die Menschheit, wo die Menschheit allerdings groß sein wird in abstrakten toten Gedanken, wo die Menschheit aber nur dadurch wiederum geistfähig werden kann, daß sie neue Kraft gewinnt, um das Berauschende, das aus der Erde aufsteigt, zu besiegen durch die eigengeistige Kraft, welche die Menschheit entwickeln kann.

[ 16 ] Wenn wir uns solche Vorstellungen machen, versetzen wir uns ungefähr in den Zusammenhang des natürlichen Jahreslaufes mit dem, was im Geist lebt. Wir bringen zusammen das, was sonst abstrakt, was nur nachgedacht wäre, mit demjenigen, was der natürlich-sinnliche Verlauf ist, wie er uns zum Beispiel in den Jahreszeiten entgegentritt.

[ 17 ] Das Entgegengesetzte dieses Weihnachtsmysteriums ist das Johannimysterium bei der Sommersonnenwende. Da hat die Erde ganz und gar ausgeatmet. Da ist das Geistig-Seelische der Erde ganz hingegeben den überirdischen Mächten, den kosmischen Mächten. Da nimmt das Geistig-Seelische der Erde auf alles das, was außerirdisch ist. Ebenso wie vom Weihnachtsmysterium, so sagten die alten Eingeweihten vom Johannimysterium, daß es gilt — die Ausdrücke sind natürlich modern, aber es hat für diese Mysterien auch immer alte Formen gegeben —, daß es nötig sei, um die Geheimnisse des Johannimysteriums, das heißt die Geheimnisse der Himmel, zu durchdringen, die Einweihung, Initiation zu erlangen. Denn der Mensch gehört dem Umkreis der Erde an; er gehört weder dem Inneren der Erde an, noch gehört er den Himmeln an als irdischer Mensch. Daher muß er eingeweiht sein in die Geheimnisse des Unterirdischen, um die Geheimnisse des Überirdischen kennenzulernen.

[ 18 ] Gewissermaßen als etwas, wo sich Überirdisches und Unterirdisches die Waage halten, wurden angesehen das Ostermysterium und das Michael-Mysterium, das Herbstesmysterium, das aber, wie gesagt, erst eine rechte Bedeutung in der Zeit gewinnen soll, die der unsrigen gegenüber als Zukunft erscheint.

[ 19 ] Das Ostermysterium trat in seiner vollen Größe in die Menschheitsentwickelung herein durch das Geheimnis von Golgatha. Das Ostermysterium wurde verstanden, wie ich schon sagte, in der Zeit, als noch die Reste des alten Hellsehens vorhanden waren. Da konnten die Menschen sich noch erheben in ihrem Gemüte zu dem auferstandenen Christus. Das Ostermysterium wurde daher in denjenigen Kultus verwoben, der nun nicht ein Initiationskultus, sondern ein Kultus für die allgemeine Menschheit wurde: das Ostermysterium wurde verwoben in den Messekultus, in den Kultus der Messehandlung. Aber mit dem Zurückgehen der alten primitiven Hellsichtigkeit ging auch das Verständnis für das Ostermysterium verloren. Zu diskutieren beginnt man ja über eine Sache erst dann, wenn man sie nicht mehr versteht. Alle die Diskussionen, die dann eingesetzt haben nach dem ersten christlichen Jahrhunderte über die Art und Weise, wie man den Ostergedanken zu fassen hat, die rühren schon davon her, daß man den Ostergedanken nicht mehr in das unmittelbare elementare Verständnis hereinbringen kann.

[ 20 ] Nun, wir haben ja oftmals auch auf den Ostergedanken anwenden können dasjenige, was uns die anthroposophische Geisteswissenschaft gibt. Und das ist das Wesentliche, daß diese anthroposophische Geistesforschung wiederum hinweist auf Lebensformen, die nicht innerhalb Geburt und Tod der sinnlichen Welt sich erschöpfen, und daß sie auch gegenüber dem, was sinnlich erforschbar ist, das geistig Erforschbare stellt, daß sie begreiflich macht, wodurch der Christus mit seinen Jüngern verkehren konnte, auch nachdem der physische Leib zerstäubt war. Der Auferstehungsgedanke gewinnt wiederum Lebendigkeit im Lichte der Geistesforschung. Aber vollständig begriffen wird dieser Auferstehungsgedanke nur dann, wenn er, ich möchte sagen, auch mit seinem Gegenpol verbunden wird.

[ 21 ] Was stellt denn eigentlich der Auferstehungsgedanke dar? Die Christus-Wesenheit ist aus geistigen Höhen herabgestiegen, untergetaucht in den Leib des Jesus, lebte auf der Erde in dem Leib des Jesus, trug dadurch gewissermaßen die Kräfte des Außerirdischen in die Erdensphäre herein; und indem sie die Kräfte des Außerirdischen in die Erdensphäre hereintrug, waren von diesem Zeitpunkte, von dem Zeitpunkte des Mysteriums von Golgatha an, diese überirdischen Kräfte mit den Kräften der Menschheitsentwickelung verbunden. Seither ist das, was die Menschen in der alten Zeit nur draußen in den Weltenweiten schauen konnten, zu empfinden innerhalb der Menschheitsentwickelung der Erde. Der Christus hat sich nach der Auferstehung mit der Menschheit verbunden, lebt seither nicht nur in außerirdischen Höhen, lebt innerhalb des Erdendaseins, lebt in der Entwickelung, in der Entwickelungsströmung der Menschheit.

[ 22 ] Dieses Ereignis muß vor allen Dingen angesehen werden nicht nur vom Gesichtspunkte des Irdischen aus, sondern auch vom Gesichtspunkte des Überirdischen. Man kann sagen: Man soll den Christus nicht nur so betrachten, wie er aus Himmelswelten herankommt an die Erde und Mensch wird, also den Menschen gegeben wird, sondern man soll dieses Christus-Ereignis auch so betrachten, wie der Christus fortgeht aus der geistigen Welt auf die Erde hinunter. — Die Menschen sahen gewissermaßen den Christus in ihrem Bereiche ankommen. Die Götter sahen den Christus die himmlische Welt verlassen und untertauchen in die Menschheit. Für die Menschen erschien der Christus; für eine gewisse geistige Welt entschwand er. Und indem er durch die Auferstehung ging, erschien er, ich möchte sagen, von der Erde aus leuchtend gewissen geistigen Wesenheiten des Außerirdischen wie ein Stern, der jetzt ihnen in die geistige Welt von der Erde aus hineinscheint. Geistige Wesenheiten verzeichnen das Mysterium von Golgatha so, daß sie sagen: Es begann von der Erde aus ein Stern hereinzuleuchten in das geistige Reich. — Und als etwas außerordentlich Wesentliches für die geistige Welt wurde es empfunden, daß der Christus in einen menschlichen Leib untergetaucht ist, mitgemacht hat in einem menschlichen Leib den Tod. Denn indem er in einem menschlichen Leib den Tod mitmachte, konnte er unmittelbar nach diesem Tode etwas unternehmen, was zunächst seine früheren Göttergenossen nicht haben unternehmen können.

[ 23 ] Diese früheren Göttergenossen hatten wie eine feindliche Welt gegen sich dasjenige, was man auch in älteren Zeiten Hölle nannte. Aber die Wirksamkeit dieser geistigen Wesenheiten hatte ihre Grenze an den Pforten der Hölle. Diese geistigen Wesenheiten wirkten auf den Menschen. Des Menschen Kräfte ragen auch hinein in die Hölle; das ist ja nichts anderes als das Hineinragen, das unterbewußte Hineinragen des Menschen in die ahrimanischen Kräfte zur Winterzeit und beim Aufstieg dieser ahrimanischen Kräfte in der Frühlingszeit. Die göttlich-geistigen Wesen empfanden das als eine ihnen gegenüberstehende Welt. Sie sahen das aus der Erde aufsteigen, sie empfanden dieses als eine außerordentlich schwierige Welt; aber sie standen mit dieser Welt in Verbindung nur auf dem Umwege durch den Menschen, sie konnten sie gewissermaßen nur anschauen. Dadurch, daß heruntergestiegen war der Christus auf die Erde, selber Mensch geworden war, konnte er hinuntersteigen in den Bereich dieser ahrimanischen Kräfte und sie besiegen, was eben in den Glaubensformeln mit dem Hinuntersteigen in die Hölle ausgedrückt wird.

[ 24 ] Damit ist der andere Pol der Auferstehung gegeben. Das hat Christus für die Menschheit getan, daß er, von göttlichen Höhen heruntersteigend, Menschengestalt annehmend, in die Lage versetzt wurde, wirklich hinunterzusteigen in den Bereich, dessen Gefahren der Mensch ausgesetzt ist, in den früher Götter, die sich nicht dem Menschentode ausgesetzt hatten, nicht hinuntersteigen konnten. Damit hat er auf seine Art den Sieg über den Tod errungen, und damit trat, ich möchte sagen, wie der andere Pol dieses Hinabsteigens in die Hölle das Aufsteigen in die geistige Welt hinzu, trotzdem er auf der Erde bleibend war: weil der Christus sich mit der Menschheit so vereinigt hatte, daß er zu dem hinuntergestiegen war, dem die Menschheit ausgesetzt ist. Während der Winterzeit und Frühlingszeit konnte er das für die Menschen erobern, was aus außerirdischen Regionen wiederum in die Erde von der Johannizeit ab zum Herbste hin hereinwirkt. Und so sehen wir in dem Ostergedanken gewissermaßen vereinigt das Hinuntersteigen in die höllische Region, und durch dieses Hinuntersteigen das Erobern der himmlischen Region für die weitere Menschheitsentwickelung.

[ 25 ] Das alles gehört zu einem richtigen Begreifen des Ostergedankens. Aber was wäre dieser Ostergedanke, wenn er nicht lebendig werden könnte! Es war nur möglich, in alten Zeiten die richtige Empfindung mit dem Gedanken der Wintersonnenwende zu verbinden dadurch, daß man auf der andern Seite den Johannigedanken hatte. Schematisch gezeichnet: Hatte man das Irdische mit seinem tief verborgenen Winterlichen (orange), so war das Dazugehörige dasjenige, was zur Sommerzeit im überirdischen Umkreise war (orange), beides nur durch die Einweihung erreichbar, aber verbunden durch das, was im irdischen Umkreise, im Atmosphärenumkreise war (grün).

[ 26 ] Weihnachten fordert Johanni, Johanni fordert Weihnachten. Der Mensch müßte erstarren unter den ahrimanischen Mächten, wenn er nicht den auflösenden luziferischen Mächten ausgesetzt sein könnte, welche dem Gedanken wiederum Flügel geben, so daß er nicht erstarren muß, sondern unter der Einwirkung des Lichtes wiederum auftauen kann.

[ 27 ] Zunächst hat die Menschheit in ihrer Entwickelung nur den einen Pol, den Osterpol, und dieser Osterpol ist abgelähmt worden, Das Osterfest hat nicht mehr seine innere Lebendigkeit. Es wird seine innere Lebendigkeit wieder bekommen, wenn man über dieses Osterfest in der folgenden Weise denken kann, wenn man sich wird sagen können: Durch das, was symbolisch ausgedrückt wird in dem Herabsteigen zur Hölle- was in Wirklichkeit verstanden werden kann als die Auferstehung —, wurde dem Menschen ein Gegengewicht gegeben gegen etwas, was herankommen mußte, gegen das Abgelähmtwerden aller geistigen Anschauung, gegen das Ersterben im irdischen Leben. Prophetisch vorbauen wollte der Christus Jesus demjenigen, was kommen mußte: daß der Mensch eigentlich während seines Lebens auf der Erde zwischen Geburt und Tod das Überirdische, das Geistige so vergißt, daß er diesem überirdischen Geistigen gewissermaßen abstirbt. Diesem Absterben des Menschen im irdischen Leben steht gegenüber der Ostergedanke von dem Sieg des überirdischen Lebens über das irdische Leben.

[ 28 ] Auf der einen Seite steht dieses: Der Mensch steigt herunter aus seinem vorirdischen Leben. Aber in dem Zeitalter, das mit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts angebrochen ist, wird der Mensch im irdischen Leben immer mehr und mehr vergessen seinen überirdischen Ursprung, wird gewissermaßen für sein Seelisches im irdischen Leben ersterben. Das steht auf der einen Seite. Auf der andern Seite aber steht: Da gab es ein geistig-himmlisches Wesen, das hat durch seine Tat, die aus den Himmeln in die Erde hereinwirkte, das Gegenbild hingestellt: jenes geistige Wesen, das hinunterstieg in einen Menschenleib und das durch seine eigene Wesenheit das Überirdisch-Geistige in der Auferstehung unter die Menschen der Erde hereingesetzt hat. Zum Andenken dafür haben wir das Osterfest, das im Bilde hinstellt vor die Menschheit die Grablegung des Christus Jesus, die Auferstehung des Christus Jesus.

[ 29 ] Er ist ins Grab gelegt worden und nachher auferstanden — das ist der Ostergedanke; das ist def Ostergedanke, wie er sich in die kosmischen Weistümer hineinstellt. — Siehe hin auf dich, o Mensch, du steigst herunter aus überirdischen Welten; dir droht die Gefahr, zu ersterben für deine Seele in dem irdischen Leben. Da aber erscheint der Christus, der dir vor Augen stellt, wie dasjenige, in dem auch du urständest, das Überirdisch-Geistige, wie das den Tod besiegt. Das steht vor dir in dem größten der Bilder, die vor die Menschheit haben hingestellt werden können: die Grablegung des Christus Jesus, die Auferstehung des Christus Jesus. Er ist hineingelegt worden in das Grab. Er ist auferstanden aus dem Grab und denjenigen, die ihn schauen konnten, erschienen.

[ 30 ] Aber mit den herabgelähmten Seelenkräften kann dieses Bild nicht mehr lebendig werden. Wo kann es heute noch lebendig werden in den abgelähmten Seelenkräften, wie sie heute sind? In einem traditionellen Glauben kann der Mensch noch hinschauen auf das, was ihm die Osterfesteszeit gibt: auf das grandiose Bild der Grablegung und Auferstehung. Aus der inneren Kraft der Seele heraus kann er von sich selber nichts mehr verbinden mit diesem Ostergedanken, mit dem Gedanken der Grablegung und der Auferstehung. Aus der geistigen Erkenntnis heraus muß er wiederum etwas damit verbinden. Und das kann kein anderes sein als dieses: Ja, es ist möglich, daß der Mensch Geist-Erkenntnis an sich herankommen lasse und daß er begreife das andere. Stellen wir es vor uns hin, damit wir es uns tief in die Seele einschreiben, dieses andere!

[ 31 ] Der Ostergedanke: Er ist ins Grab gelegt, er ist erstanden. Stellen wir dagegen den andern Gedanken vor uns hin, der über die Menschheit kommen muß: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden. — Ostergedanke: Er ist ins Grab gelegt, er ist erstanden. Michael-Festgedanke: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden.

[ 32 ] Der erste Gedanke, der Ostergedanke, bezieht sich auf den Christus, der zweite Gedanke bezieht sich auf den Menschen, auf den Menschen, der gerade die Kraft des Ostergedankens begreift: wie durch GeistErkenntnis, wenn er eingetreten ist in das irdische Leben der Gegenwart, wo sein Seelisch-Geistiges erstirbt, seine Seele auferstehen kann, so daß er lebendig wird zwischen Geburt und Tod, so daß er im irdischen Leben innerlich lebendig wird. Dieses innerliche Erstehen, dieses innerliche Auferwecktwerden, das muß der Mensch begreifen durch Geisteswissenschaft; dann wird er beruhigt ins Grab gelegt. Dann wird er in das Grab gelegt, durch das er sonst denjenigen Mächten verfallen müßte, die als ahrimanische Mächte innerhalb des Erdenbereiches zur Wintersonnenwendezeit wirken.

[ 33 ] Und das Fest, das diesen Gedanken enthält: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden —, dieses Fest muß hineinfallen in die Zeit, wenn die Blätter beginnen gelb zu werden, von den Bäumen zu fallen, wenn die Früchte reifen, wenn die Sonne jene Gewalt bekommen hat, durch die sie das, was im Frühling Sprießendes, Sprossendes, Wachstumkräftiges war, zur Reife bringt, aber auch zum Welken bringt und wiederum hinneigen läßt zum Inneren der Erde; wenn das, was auf der Erde sich entwickelt, beginnt ein Symbolum des Grabes zu werden.

[ 34 ] Stellen wir das Osterfest hinein in die Zeit, wo das Leben beginnt zu sprießen und zu sprossen, wo die Wachstumskräfte ihre höchste Höhe erreichen, so müssen wir das andere Fest, das da enthält: Er ist erstanden und kann beruhigt ins Grab gelegt werden —, hinverlegen in diejenige Zeit, wo es beginnt, in der Erdennatur welk zu werden, wo Grabesstimmung sich ausbreitet innerhalb der Erdennatur, wo vor des Menschen Seele treten kann das Symbolum des Grabes. Da wird rege in dem Menschen der Michael-Gedanke: jener Gedanke, der sich nun aber nicht wie der Ostergedanke in den ersten Jahrhunderten des Christentums an das Anschauen richtet. In den ersten Jahrhunderten des Christentums wurde die Anschauung hingerichtet auf den ins Grab gelegten und auferstandenen Christus. Im Anschauen wurde die Seele mit ihren stärksten Kräften erfüllt, kräftig gemacht. In dem Festesgedanken der Herbstessonnenwende muß die Seele ihre Stärke fühlen, indem nun nicht appelliert wird an ihr Anschauen, sondern an ihren Willen: Nimm den die ahrimanischen Mächte besiegenden Michael-Gedanken in dich auf, jenen Gedanken, der dich kräftig macht, Geisteserkenntnis hier auf Erden zu erwerben, damit du die Todesmächte besiegen kannst.

[ 35 ] Wie der Ostergedanke sich an die Anschauung richtet, so richtet sich dieser Gedanke an die Willensmächte: aufzunehmen die MichaelKraft, das heißt, aufzunehmen die Kraft der geistigen Erkenntnis in die Willenskräfte. Und so kann der Ostergedanke lebendig werden, unmittelbar herangebracht werden an das menschlich Seelisch-Geistige, indem ebenso, wie der Johannigedanke empfunden wurde als der Gegenpol des Weihnachtsgedankens, nun der Michael-Gedanke, der Gedanke des Michael-Festes zur Herbsteszeit als der Gegenpol des Ostergedankens empfunden wird. Wie der Weihnachtsgedanke hervorgetrieben hat durch innere Lebendigkeit den Johannigedanken nach einem halben Jahre, so muß hervortreiben der Ostergedanke den Michael-Gedanken. Die Menschheit muß eine esoterische Reife erlangen dazu, nun wiederum nicht bloß abstrakt zu denken, sondern so konkret denken zu können, daß sie wieder Feste-schöpfend werden kann. Dann wird sie mit dem sinnlichen Erscheinungsverlaufe wiederum etwas Geistiges verbinden können.

[ 36 ] Unsere Gedanken bleiben alle abstrakt. Aber unsere Gedanken mögen noch so großartig, noch so geistvoll sein — wenn sie abstrakt bleiben, werden sie nicht das Leben durchdringen können. Heute, wo die Menschheit nachdenkt darüber, wie sie das Osterfest aufirgendeinen abstrakten Tag setzen könne, nicht mehr nach der Sternenkonstellation, heute, wo alles höhere Erkennen verdunkelt ist, wo man keinen Zusammenhang mehr hat zwischen der Einsicht in die moralisch-geistigen und naturalistisch-physischen Kräfte, heute muß wiederum die Kraft in dem Menschen erwachen, unmittelbar mit der sinnlichen Erscheinung der Welt etwas Geistiges verbinden zu können.

[ 37 ] Worin bestand denn die geistige Kraft des Menschen, Feste schaffen zu können im Laufe des Jahres je nach dem Verlauf der Jahreserscheinungen? Sie bestand in der ursprünglichen geistigen Kraft. Heute können die Menschen nach der alten traditionellen Gewohnheit Feste fortfeiern, aber die Menschheit muß wiederum die esoterische Kraft gewinnen, von sich aus etwas in die Natur hineinsagen zu können nach dem natürlichen Ablauf. Gefunden werden muß die Möglichkeit, den Herbstes-Michael-Gedanken als Blüte des Ostergedankens zu fassen. Während der Ostergedanke der Ausfluß der sinnlichen Blüte ist, muß die Blüte des Ostergedankens, der MichaelGedanke, als der Ausfluß des physischen Abwelkens in den Jahreslauf hineingestellt werden können.

[ 38 ] Die Menschen müssen wiederum lernen, das Geistige mit dem Naturlauf zusammendenken zu können. Es ist heute dem Menschen nicht bloß gestattet, esoterische Betrachtungen anzustellen; es ist heute notwendig für den Menschen, Esoterisches wiederum tun zu können. Das aber werden die Menschen nur tun können, wenn sie imstande sind, ihre Gedanken so konkret, so lebendig zu fassen, daß sie wiederum nicht nur denken, indem sie sich zurückziehen von allem Geschehen, sondern indem sie denken mit dem Lauf des Geschehens, zusammen denken mit den welkenden Blättern, mit den reifenden Früchten so michaelisch, wie man österlich zu denken verstand mit den blühenden Pflanzen, mit den sprossenden Pflanzen, mit den sprießenden Blüten.

[ 39 ] Wenn man verstehen wird, mit dem Jahreslauf zu denken, dann werden sich in die Gedanken diejenigen Kräfte mischen, welche den Menschen wiederum Zwiesprache werden halten lassen mit den göttlich-geistigen Kräften, die sich aus den Sternen offenbaren. Aus den Sternen herunter haben sich die Menschen die Kraft geholt, Feste zu begründen, die innerliche menschliche Gültigkeit haben. Feste müssen die Menschen aus innerer esoterischer Kraft begründen. Dann werden sie aus den Zwiesprachen mit welkenden, mit reifenden Pflanzen, mit der absterbenden Erde, indem sie die rechte innerliche Festesstimmung dazu finden, wiederum auch Zwiesprache halten können mit den Göttern und menschliches Dasein an Götterdasein anknüpfen können. Dann wird auch der richtige Ostergedanke wieder da sein, wenn dieser Ostergedanke so lebendig sein wird, daß er den Michael-Gedanken aus sich hervortreiben kann.