The Human Soul in Its Relationship to Divine-Spiritual Individualities
GA 224
6 April 1923, Bern
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The Human Soul in Its Relationship to Divine-Spiritual Individualities, tr. SOL
1. Schicksalsgestaltung in Schlafen und Wachen
1. Shaping Your Destiny in Sleep and Wakefulness
Die Geistigkeit der Sprache und die Gewissensstimme
The Spiritual Nature of Language and the Voice of Conscience
[ 1 ] Lassen Sie uns heute etwas betrachten, das vielleicht in gewissem Sinne wiederum eine Ergänzung zu dem gestrigen Öffentlichen Vortrage bilden kann. Näher ins Auge fassen möchte ich heute die Art, wie sich der Mensch hineinstellt in jenen Teil der Weltenordnung, der zusammenhängt mit seinem eigenen Schicksal, mit demjenigen, was wir in unserem Kreise gewohnt worden sind, das Karma zu nennen. Wie findet eigentlich diese Schicksalsgestaltung beim Menschen statt? Da müssen wir, um diese Frage lebensfähig, nicht theoriefähig zu beantworten, etwas näher eingehen auf die Wesenheit des Menschen.
[ 1 ] Let us consider today something that, in a certain sense, may serve as a complement to yesterday’s public lecture. Today I would like to take a closer look at the way in which human beings position themselves within that part of the world order that is connected to their own destiny—to what we in our circle have come to call karma. How, in fact, does this shaping of destiny take place in human beings? In order to answer this question in a way that is relevant to life—rather than merely theoretical—we must examine the nature of the human being in somewhat greater detail.
[ 2 ] Man spricht von dem menschlichen Leben oftmals so, daß man sagt: Das Menschenleben zerfällt in diese beiden voneinander unterschiedenen Bewußtseinszustände, in das Wachen und in das Schlafen. Aber man faßt dabei das Schlafen eigentlich nur in dem Sinne auf, daß man sich die Vorstellung bildet: Im Schlafe ruht sich der Mensch eben aus. — Die naturwissenschaftliche Anschauung nimmt ja überhaupt an, daß die Bewußtseinstätigkeit aufhört mit dem Einschlafen, dann wiederum beginnt, daß also auch in bezug auf den Organismus das Schlafen nichts weiter sei als ein Aussetzen der menschlichen Tätigkeit zur Ruhe. Aber der Schlaf ist nicht ein bloßes Ruhen, sondern man muß sich klar darüber sein, daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen zunächst das, was wir den astralischen Leib nennen, und dann das Ich als wirklich Wesenhaftes außer dem physischen und ätherischen Leibe sind.
[ 2 ] People often speak of human life in such a way that they say: Human life is divided into these two distinct states of consciousness, waking and sleeping. But in doing so, they actually understand sleep only in the sense that they form the idea: During sleep, a person simply rests. — The scientific view generally assumes that conscious activity ceases when one falls asleep and then begins again; thus, even with regard to the organism, sleep is nothing more than a suspension of human activity for the purpose of rest. But sleep is not mere rest; rather, one must be clear that from the moment of falling asleep until waking, first what we call the astral body, and then the “I,” exist as truly essential entities separate from the physical and etheric bodies.
[ 3 ] Nun kann der Mensch zwar auf der Entwickelungsstufe, auf der er gegenwärtig im Erdenleben steht, kein unmittelbares Bewußtsein davon erringen, was eigentlich dieses Ich und was der astralische Leib zwischen dem Einschlafen und Aufwachen tun. Aber dasjenige, was die beiden da tun, das ist für das menschliche Leben zum mindesten von einer ebenso großen Bedeutung wie das tagwachende Leben. Daß das Ich und der astralische Leib kein Bewußtsein entwickeln können von all den komplizierten Verhältnissen, die mit ihnen vorgehen im Schlafe, das rührt nur davon her, daß im Erdenstadium, so wie es heute ist, dieses Ich und dieser astralische Leib keine Organe haben, um die Ereignisse, in die sie verstrickt sind, wahrzunehmen. Aber diese Ereignisse sind da. Und diese Ereignisse werden vom Einschlafen bis zum Aufwachen durchgemacht, und sie wirken herein in das Tagesleben, in das bewußte Leben des Menschen.
[ 3 ] Now, at the stage of development at which human beings currently stand in their earthly lives, they cannot attain direct awareness of what this “I” actually does, or what the astral body does, between falling asleep and waking up. But what these two do during that time is, for human life, at least as significant as waking life. The fact that the “I” and the astral body cannot develop any awareness of all the complex processes taking place within them during sleep stems solely from the fact that, at the present stage of earthly existence, the “I” and the astral body lack the organs necessary to perceive the events in which they are entangled. But these events do exist. And these events are experienced from the moment of falling asleep until waking, and they influence a person’s waking life, their conscious life.
[ 4 ] Wir werden uns am besten richtige Vorstellungen verschaffen über die Art und Weise, wie hereinwirken die Erlebnisse von Ich und astralischem Leib in das tagwachende Leben, wenn wir auf den Anfang des Menschenlebens sehen. Wir haben das bei andern Betrachtungen schon öfter getan. Da schläft sich gewissermaßen in der allerersten Lebenszeit der Mensch als ganz kleines Kind in das Erdenleben herein. Man darf da nicht nur von derjenigen Zeit sprechen, in der das Kind vollständig schläft, so daß es auch äußerlich sichtbar ist, daß es schläft, sondern man muß eigentlich von der ganzen Zeit sprechen, an die man sich mit dem gewöhnlichen Bewußtsein gar nicht zurückerinnern kann. Das Kind mag allerdings auch für diese Zeit für die äußerliche Beobachtung einen wachen Eindruck machen, aber dasjenige, was im Bewußtsein vor sich geht, bildet sich ja nicht so aus, daß es später erinnert wird. Und alles dasjenige, was von dem Kinde erlebt wird, ohne daß es sich später daran erinnert, all das können wir so bezeichnen, daß wir sagen: Wir verweisen dabei auf die Zeit, in welcher sich der Mensch in das Erdenleben hereinschläft.
[ 4 ] The best way to gain a clear understanding of how the experiences of the “I” and the astral body influence waking life is to look at the beginning of human life. We have done this on several occasions in other discussions. In a sense, during the very first stage of life, the human being, as a very small child, “sleeps” its way into earthly life. We should not speak here only of the time when the child is completely asleep—so that it is outwardly visible that the child is asleep—but rather of the entire period that cannot be recalled at all through ordinary consciousness. The child may indeed appear to be awake to an outside observer even during this time, but what takes place in the child’s consciousness does not take shape in such a way that it can be recalled later. And everything that the child experiences without later remembering it—all of that we can describe by saying: We are referring here to the time during which the human being falls asleep into earthly life.
[ 5 ] Aber was entwickelt sich alles gerade aus diesem Schlafenszustande im Beginne des menschlichen Erdenlebens? Drei Dinge müssen wir ganz besonders ins Auge fassen, wenn wir verstehen wollen, wie das wirkt, was da der Mensch heruntergetragen hat aus seinem vorirdischen Dasein, was er in einer ihm selbst dunklen, schlafdunklen Art nun hineinverwebt in sein physisches Dasein; drei Dinge sind es, die der Mensch in einer andern Weise als die Tiere sich aneignen muß. Die Tiere eignen sich das entweder gar nicht an, oder sie bringen es schon mehr oder weniger mit auf die Welt.
[ 5 ] But what exactly emerges from this state of sleep at the beginning of human life on Earth? There are three things we must pay particular attention to if we are to understand how what the human being has brought down from his pre-earthly existence—what he now weaves into his physical existence in a way that is obscure even to himself, shrouded in the darkness of sleep—takes effect; these are three things that the human being must acquire in a different way than animals do. Animals either do not acquire these at all, or they are born with them to a greater or lesser extent.
[ 6 ] Diese drei Dinge sind dasjenige, was wir gewöhnlich im Leben so bezeichnen, daß es sehr einseitig aufgefaßt wird. Nur ein kleiner Teil von dem Ganzen wird eigentlich aufgefaßt. Das erste ist das Gehenlernen. Der Mensch kommt als ein Wesen in die irdische Welt, das nicht gehen kann, das sich erst das Gehen aneignen muß. Das zweite, was sich der Mensch aneignen muß, ist das Sprechen, und das dritte ist das Denken. Wir können beim Kinde genau unterscheiden, wie manchmal das eine vor dem andern kommt, aber wenn man die Menschheit im allgemeinen nimmt, so kann man im ganzen sagen: Der Mensch lernt gehen, sprechen, denken — jedenfalls das Denken erst nach dem Sprechen. Erst aus dem Sprechen heraus entsteht allmählich die Fähigkeit, dasjenige, was in Worte gefaßt wird, auch in Gedanken festzuhalten. Und es dauert eigentlich ziemlich lange, bis man wirklich sagen kann: Das Kind denkt.
[ 6 ] These three things are what we usually refer to in life in a way that is very one-sided. Only a small part of the whole is actually understood. The first is learning to walk. Human beings come into the earthly world as beings who cannot walk and who must first learn to walk. The second thing a human being must acquire is speech, and the third is thinking. We can observe in a child exactly how one sometimes precedes the other, but when considering humanity in general, we can say overall: A human being learns to walk, speak, and think—though thinking always comes after speaking. It is only through speaking that the ability gradually develops to hold onto in thought what is expressed in words. And it actually takes quite a long time before one can truly say: “The child is thinking.”
[ 7 ] Aber gerade das Gehen wird als etwas sehr Einseitiges aufgefaßt. Das Gehen besteht ja nicht bloß darin, daß das Kind sich aufrichten lernt und sozusagen seine Beine in pendelnde Bewegung setzen kann, sondern es besteht darin, daß das Kind überhaupt sich aneignet, das Gleichgewicht, das menschliche Gleichgewicht in der Welt durchaus zu beherrschen, ich möchte sagen: daß man sich überall hinstellen kann, ohne daß man umfällt; daß man also seinen Leib hineinstellen kann in die Welt, seine Muskeln, seine Gliedmaßen so beherrschen lernt, daß der Schwerpunkt des Leibes, ob wir stehen, oder ob wir gehen, an die richtige Stelle fällt. Aber das ist noch immer einseitig aufgefaßt, denn Sie müssen bedenken, daß etwas außerordentlich Wichtiges sich dabei noch vollzieht: das ist die Differenzierung der Beine und der Arme.
[ 7 ] But walking, in particular, is viewed as something very one-sided. After all, walking does not consist merely in the child learning to stand upright and, so to speak, setting its legs in a swinging motion; rather, it consists in the child learning to master balance—human balance in the world—completely, I would say: that one can stand anywhere without falling over; that one can thus position one’s body within the world, learning to control one’s muscles and limbs in such a way that the body’s center of gravity—whether we are standing or walking—falls in the right place. But this is still a one-sided view, for you must bear in mind that something extraordinarily important is also taking place here: namely, the differentiation of the legs and the arms.
[ 8 ] Die Tiere gebrauchen ihre vier Gliedmaßen in gleichförmiger Weise — in der Regel wenigstens, wenn Abweichungen da sind, läßt sich das sehr gut erklären —, der Mensch differenziert. Er braucht zum Ins-Gleichgewicht-Stellen, er braucht zum Gehen seine Beine, während die Arme und die Hände gerade wunderbare Ausdrucksmittel für sein Seelisches und die Träger seiner Weltenarbeit werden. Gerade auch in dieser Differenzierung zwischen Füßen und Händen, Armen und Beinen liegt dasjenige, was hinzugehört zu dem, was man gewöhnlich mit dem Gehenlernen nur einseitig bezeichnet. Damit ist man dann zu dem gekommen, was uns innerhalb der physischen Welt dasjenige bezeugt, was sich der Mensch erst während des physischen Erdenlebens aneignet.
[ 8 ] Animals use their four limbs in a uniform manner—at least as a general rule; when there are deviations, they can be explained very well—whereas humans differentiate their use. Humans need their legs to maintain balance and to walk, while the arms and hands become wonderful means of expression for their inner life and the instruments of their work in the world. It is precisely in this differentiation between feet and hands, arms and legs, that we find what is part of what is usually described in a one-sided way as “learning to walk.” This brings us to what, within the physical world, bears witness to what human beings acquire only during their physical life on Earth.
[ 9 ] Das zweite, was er sich aneignet, indem er — wie beim Gehen und Stehen, beim Gleichgewichtsuchen, beim Differenzieren der Hände von den Füßen — probiert, nachahmend probiert, das zweite, was er sich dadurch aneignet, ist das Sprechen. Und wir können sagen: Das Sprechen ist nicht ganz ohne Zusammenhang mit dem Gehen, namentlich nicht mit dem Gebrauche der differenzierten Hand. Denn man weiß ja, wie das Sprechen mit einer ganz bestimmten Ausbildung eines Gehirnorgans, der linken Schläfenwindung zusammenhängt. Aber das ist nur bei denjenigen Menschen der Fall, welche vorzugsweise die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens mit der rechten Hand erledigen. Linkshänder haben auf der andern Seite, der rechten Seite, ihr Sprachorgan gelegen. Daraus können wir schon sehen, wie mit dem Suchen nach Gleichgewicht dasjenige zusammenhängt, was sich im Sprechen ausdrückt.
[ 9 ] The second thing he learns—by trying, by imitative trial and error, just as he does when walking and standing, when seeking balance, and when distinguishing his hands from his feet—the second thing he learns through this process is speech. And we can say: Speech is not entirely unrelated to walking, particularly not to the use of the differentiated hand. For it is well known how speech is connected to a very specific development of a brain structure, the left temporal lobe. But this is only the case for those people who primarily carry out the most important tasks of life with their right hand. Left-handers, on the other hand, have their speech center located on the right side of the brain. From this we can already see how the search for balance is connected to what is expressed in speech.
[ 10 ] Und aus dem Sprechen heraus entwickelt sich dann das Denken. Nur auf künstliche Weise kann derjenige, der stumm geboren ist, zum Denken gebracht werden. Aber für all diejenigen Menschen, die nicht stumm geboren werden, ist das Denken etwas, was sich aus dem Sprechen erst herausentwickelt.
[ 10 ] And thinking then develops out of speech. Only through artificial means can someone born mute be taught to think. But for all those who are not born mute, thinking is something that develops out of speech.
[ 11 ] Nun aber kann man diese Eigentümlichkeit des Menschen, die ich eben jetzt zusammengefaßt habe, eigentlich erst ganz übersehen, wenn man den Übergang des Menschen im späteren Leben aus dem Wachen in den Schlafzustand verfolgt. Da ist es ja so, daß physischer Leib und ätherischer Leib auf physische Weise im Bette ruhend sind, daß das Ich und der astralische Leib sich im wesentlichen getrennt haben von dem physischen und dem ätherischen Leib. Wenn wir aber nun mit den Mitteln der Geisteswissenschaft an diesen astralischen Leib des Menschen herantreten, wie er vom physischen und Ätherleib vom Einschlafen bis zum Aufwachen getrennt ist, dann finden wir, daß dieser astralische Leib wesentlich in sich die Kräfte enthält, die zusammenhängen mit dem Sprechenlernen des Menschen. Es ist außerordentlich interessant, das Einschlafen und Aufwachen des Menschen zu beobachten, wenn er als Kind sprechen lernt, und es ist sogar noch interessant bei irgend jemandem, der erst als Erwachsener sprechen lernt, zu beobachten, wie der astralische Leib gerade an dem Sprechenlernen außerordentlich stark beteiligt ist. Denn der astralische Leib trägt in der Zeit, in der der Mensch im Sprechenlernen darinnen ist, und auch später, wenn er sich im Tageslaufe des Sprechens bedient, mit sich das Geistig-Seelische, das in den Worten, das in der Sprache liegt, hinaus aus dem physischen und Ätherleibe.
[ 11 ] However, one can only truly grasp this peculiarity of human beings—which I have just summarized—by observing the transition from wakefulness to sleep that occurs later in life. For it is the case that the physical body and the etheric body are physically at rest in bed, while the “I” and the astral body have essentially separated from the physical and etheric bodies. But when we approach this astral body of the human being—as it is separated from the physical and etheric bodies from the moment of falling asleep until waking—using the methods of spiritual science, we find that this astral body essentially contains within itself the forces associated with the human being’s learning to speak. It is extraordinarily interesting to observe a person’s falling asleep and waking up while they are learning to speak as a child, and it is even more interesting to observe, in the case of anyone who learns to speak only as an adult, how the astral body is extraordinarily strongly involved in the process of learning to speak. For during the time when a person is in the process of learning to speak—and also later, when they use speech in the course of the day—the astral body carries with it the spiritual-soul elements contained in words and language, out of the physical and etheric bodies.
[ 12 ] Können Sie verfolgen, wie der Mensch spricht, wie er seine Worte formt, wie er seinen Worten den eigentümlichen Stimmklang gibt, können Sie verfolgen, wie er in seine Worte die Kraft der Überzeugung seiner Seele hineinlegt, wie er das Seelische, das er erlebt, in seine Worte hineinverlegt, dann können Sie auch weiter verfolgen, wie mit dem Einschlafen der astralische Leib dieses Geistig-Seelische aus dem physischen Leib und dem Ätherleib herausnimmt und im schlafenden Zustande gerade die Nachwirkung des Geistig-Seelischen der Sprache in der geistig-seelischen Welt wie ein Nachschwingen enthält. Sie können die Wortbildungen, die Lautnuancierungen, die Überzeugungskraft, die der Mensch in die Worte hineinzulegen vermag, auch an dem schlafenden astralischen Leibe verfolgen. Da ist natürlich nicht etwas von einer Schwingungskraft vorhanden, die sich der Luft mitteilt; dadurch kommt auch kein physischer Stimmklang der Sprache zustande. Aber dasjenige, was auf den Wellen der Worte als Geistig-Seelisches aus dem menschlichen Munde herauskommt und vom menschlichen Ohre gehört wird, was da auf dem Strom der Sprache sich seelisch vermittelt, das trägt als Seelisch-Geistiges der astralische Leib hinaus in die geistige Welt, wenn der Mensch schläft. Man sieht das nur deutlicher während das Kind oder auch der Erwachsene im Erlernen einer Sprache sich anstrengen, die Sprache sich erst aneignen; aber statt findet es das ganze Leben hindurch, daß dasjenige, was wir bei Tag sprechen, in bezug auf sein Geistig-Seelisches dann in der Nacht vom astralischen Leibe hinausgetragen wird in die geistige Welt. So daß wir sagen können: Namentlich die Gefühlsnuance des Gesprochenen wird durch den astralischen Leib aus dem Menschen hinausgetragen während der Nacht. Das ist eine Eigentümlichkeit des astralischen Leibes.
[ 12 ] If you can observe how a person speaks, how they form their words, how they give their words their distinctive tone of voice, if you can observe how they infuse their words with the power of their soul’s conviction, how they imbue their words with the soul experiences they are going through, then you can also observe how, as a person falls asleep, the astral body draws this spiritual-soul aspect out of the physical body and the etheric body and, in the sleeping state, retains precisely the aftereffect of the spiritual-soul aspect of speech in the spiritual-soul world, like a lingering resonance. You can also observe the word formations, the nuances of sound, and the persuasive power that a person is able to imbue in their words in the sleeping astral body. Of course, there is no vibrational force present there that is transmitted through the air; consequently, no physical vocal sound of speech is produced. But what emerges from the human mouth on the waves of words as a spiritual-soul element and is heard by the human ear—what is conveyed soulfully on the stream of speech—is carried out by the astral body as a soul-spiritual element into the spiritual world when the person is asleep. This is only seen more clearly when a child—or even an adult—is striving to learn a language, to first acquire it; but it takes place throughout one’s entire life: what we speak during the day is, in terms of its spiritual-psychic content, carried out by the astral body into the spiritual world at night. Thus we can say: It is particularly the emotional nuance of what is spoken that is carried out of the human being by the astral body during the night. This is a characteristic of the astral body.
[ 13 ] Aber jetzt beobachten wir, wie das Ich sich vom Einschlafen bis zum Aufwachen verhält. Das Ich ist ebenso zunächst, ich möchte sagen, rein natürlich an das Gliedmaßensystem gebunden. Wie der astralische Leib an die Brust gebunden ist und aus der Brust die Sprache kommt, in eben solcher Weise ist das Ich an alles dasjenige gebunden, was der Mensch mit seinen Gliedern ausführt, was der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen tut, indem er diesen oder jenen Gang macht, indem er dieses oder jenes mit seinen Armen und Händen vollzieht. So wie der astralische Leib in jedes Wort hineinfließt und das Seelische des Wortes sich herausnimmt während des Schlafens, so ist das Ich verbunden mit jeder Bewegung, die wir machen, indem wir in der Welt diesen oder jenen Ort aufsuchen im Wachzustande. Es ist das Ich verbunden mit jeder Handbewegung, mit jedem Ergreifen irgendeines Gegenstandes. Aber während man beim astralischen Leib, weil die Sprache etwas so Seelisches ist, das eigentliche Seelische weniger beachtet, weniger darauf aufmerksam wird, daß in der Sprache eben noch etwas ganz Besonderes seelisch in die Sprache hineinergossen wird, ist man schon bei dem Zusammenhang des Ich mit den Gliedmaßen geneigt, überhaupt nicht mehr darauf Rücksicht zu nehmen, daß damit etwas Seelisch-Geistiges verknüpft ist. Man faßt halt das Gehen, man faßt das Greifen mit den Händen auf wie etwas, ich möchte sagen, was rein in einer Art physischem Mechanismus geschieht, der der menschliche Organismus sein soll. Das ist aber nicht der Fall.
[ 13 ] But now let us observe how the “I” behaves from the moment of falling asleep until waking up. At first, the “I” is, I would say, purely naturally bound to the system of limbs. Just as the astral body is bound to the chest and speech comes from the chest, in exactly the same way the “I” is bound to everything that a person does with their limbs—what a person does from waking until falling asleep, by taking this or that step, by performing this or that action with their arms and hands. Just as the astral body flows into every word and the soul element of the word withdraws during sleep, so the “I” is connected to every movement we make as we go to this or that place in the world while awake. The “I” is connected to every movement of the hand, to every act of grasping any object. But while, in the case of the astral body—because language is something so deeply connected to the soul—the actual soul aspect is given less attention, and one is less aware that something quite special from the soul is poured into language, when it comes to the connection between the “I” and the limbs, one is inclined to disregard entirely the fact that something soul-spiritual is linked to it. One simply regards walking and grasping with the hands as something—I would say—that occurs purely within a kind of physical mechanism that is supposed to be the human organism. But that is not the case.
[ 14 ] Dasjenige, was in jeder Fingerbewegung während des Tages liegt, was in jedem Schritte liegt, mit dem man einen Ort aufsucht, das enthält auch ein Geistig-Seelisches, so wie das Wort ein Geistig-Seelisches enthält. Und das, was da mit unseren Gliedmaßen verbunden ist, was verbunden ist mit unseren Bewegungen, das nimmt das Ich beim Einschlafen aus unserem physischen und Ätherleib hinaus in die geistige Welt, nur deutlich verbunden jetzt mit einem besonderen Geistig-Seelischen: damit nämlich, daß das Ich in jedem Augenblick zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unbewußt zufrieden oder unzufrieden ist — Sie werden das gleich nachher besser verstehen, wenn ich es weiter erläutern werde —, zufrieden ist damit, wenn ich mich zwar deutlich, aber etwas trivial ausdrücken muß, ob die Beine sich nach diesem oder jenem Ort hinbewegt und etwas getan haben, ob die Arme dies oder jenes verrichtet haben. Nicht nur wird der Nachklang der Beinbewegungen und Armbewegungen hinausgenommen in das Schlafen, sondern es wird Zufriedenheit oder Unzufriedenheit hinausgenommen. Es haftet vom Einschlafen bis zum Aufwachen dem Erleben des Ich an: Eigentlich hättest du dahin nicht gehen sollen. Oder: Eigentlich war das recht gut, daß du dahin gegangen bist. Eigentlich war es gut, daß du dies oder jenes mit deinen Armen gemacht hast. Eigentlich war es schlecht, daß du dies oder jenes getan hast. — Das ist das Geistig-Seelische, das das Ich hinzusetzt zu dem, was es aus den Gliedmaßen des Menschen hinausnimmt in den schlafenden Zustand.
[ 14 ] What lies in every movement of the fingers throughout the day, what lies in every step we take to reach a place—this, too, contains a spiritual-soul aspect, just as the word contains a spiritual-soul aspect. And what is connected to our limbs, what is connected to our movements—the “I” takes this out of our physical and etheric bodies into the spiritual world as we fall asleep, now clearly linked to a specific spiritual-psychic aspect: namely, the fact that the “I” is unconsciously satisfied or dissatisfied at every moment between falling asleep and waking up — you will understand this better in a moment when I explain it further —; it is satisfied, to put it plainly but somewhat trivially, with whether the legs have moved toward this or that place and done something, or whether the arms have performed this or that action. Not only is the aftereffect of the leg and arm movements carried over into sleep, but satisfaction or dissatisfaction is also carried over. From the moment of falling asleep until waking up, it clings to the ego’s experience: Actually, you shouldn’t have gone there. Or: Actually, it was quite good that you went there. Actually, it was good that you did this or that with your arms. Actually, it was bad that you did this or that. — This is the spiritual-soul aspect that the “I” adds to what it draws from the human limbs into the sleeping state.
[ 15 ] Und woher kommt es denn, daß dies so ist? Das kommt davon, daß der astralische Leib, indem er zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in die geistige Welt versetzt wird, nach der Weltenordnung beim Menschen eigentlich dazu bestimmt ist, in innigen Kontakt zu kommen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen mit denjenigen Wesenheiten, welche in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» geschildert sind als angehörig der Hierarchie der Archangeloi, der Erzengel. Denn mit dem, was wir da als den Nachklang der Sprache mit hinausnehmen in das Schlafen, fühlen sich diese Archangeloiwesen verwandt. Das ist dasjenige, was sie brauchen, das ist dasjenige, was sie erleben wollen.
[ 15 ] And why is this the case? It is because the astral body, when it is transported into the spiritual world between falling asleep and waking up, is—according to the cosmic order governing human beings—actually destined to come into intimate contact, during this interval, with those beings who are described in my *Outline of Esoteric Science* as belonging to the hierarchy of the Archangeloi, the Archangels. For these Archangeloi beings feel a kinship with what we carry with us into sleep as the echo of speech. That is what they need; that is what they wish to experience.
[ 16 ] Ich möchte sagen: Genau ebenso, wie wir Menschen im physischen Erdenleben darauf angewiesen sind, zu atmen, also Sauerstoff um uns haben, und daher den Sauerstoff als etwas Wohltätiges empfinden, so empfinden die Erzengel, die mit dem Inneren der Erde verbunden sind, es als ihr Bedürfnis, daß ihnen die Menschenseelen, wenn sie schlafen, entgegenbringen den Nachklang dessen, was in ihrer Sprache liegt.
[ 16 ] I would like to say: Just as we humans, in our physical earthly lives, depend on breathing—that is, on having oxygen around us—and therefore perceive oxygen as something beneficial, so too do the archangels, who are connected to the Earth’s interior, feel it is their need that human souls, when they sleep, offer them the resonance of what lies in their language.
[ 17 ] Das ist das Eigentümliche der menschlichen Sprache, daß sie Verwandtschaft hat durch die Vermittlung des Schlafzustandes mit der Hierarchie der Archangeloi, der Erzengel. Sie werden sich erinnern, wenn Sie sich ins Gedächtnis rufen, was ich verschiedentlich gesagt habe in früheren Zyklen: daß eigentlich die Erzengel die Genien, die Leiter, die Führer der Volkssprachen sind. Das hängt damit zusammen. Die Erzengel sind deshalb die Führer der Volkssprachen, weil sie — es ist ja figürlich ausgesprochen, aber es ist so — geradezu einatmen dasjenige, was ihnen der Mensch aus der Sprache entgegenträgt, wenn er einschläft. Aber es ergibt sich sofort eine Unzulänglichkeit des Menschen, wenn der Mensch mit seiner Sprache in den schlafenden Zustand nicht das Rechte hinausbringt.
[ 17 ] This is what is unique about human language: it is connected, through the state of sleep, to the hierarchy of the Archangeloi, the archangels. You will recall, if you bring to mind what I have said on various occasions in earlier cycles, that the archangels are, in fact, the genii, the guides, and the leaders of the vernacular languages. This is connected to that. The Archangels are the guides of the vernacular languages because—though this is expressed figuratively, it is nonetheless true—they literally breathe in what human beings convey to them through language as they fall asleep. But a shortcoming on the part of human beings immediately arises when they do not convey the right things through their language into the sleeping state.
[ 18 ] Das ist etwas, was man insbesondere innerhalb der Gegenwartskultur beobachten kann. Innerhalb dieser Gegenwartskultur ist eigentlich wenig von dem vorhanden, was man Idealismus nennt, und die menschlichen Worte haben allmählich bloß solche Bedeutungen angenommen, die sich auf äußerlich physisch-materielle Dinge beziehen. Die Bezeichnung von Idealen — was ja voraussetzt, daß man ans Geistige glaubt, denn das Ideal ist Geistiges —, die Bezeichnung von Idealen fällt immer mehr und mehr aus. Die Menschen entwickeln nicht im wachen Zustande den Schwung, den inneren Enthusiasmus für Idealismus. Dadurch reden sie eigentlich auch nur mehr über solche Dinge, die in der physischen Welt da sind. Worte nehmen immer mehr und mehr die Bezeichnung an für Dinge, die in der physischen Welt da sind.
[ 18 ] This is something that can be observed particularly within contemporary culture. Within this contemporary culture, there is actually very little of what is called idealism, and human words have gradually come to have only those meanings that refer to external, physical, material things. The concept of ideals—which, of course, presupposes a belief in the spiritual, for the ideal is spiritual—is fading more and more. People do not develop, in their waking state, the momentum, the inner enthusiasm for idealism. As a result, they actually talk only about things that exist in the physical world. Words are increasingly used to denote things that exist in the physical world.
[ 19 ] Es ist ja so, daß in unserer Zeit mehr oder weniger selbst diejenigen Menschen, die sehr fanatisch manchmal an den Geist glauben wollen, doch den Geist gerade ablehnen. Da machen sie spiritistische Experimente, wobei sie den Geist sich manifestieren lassen, weil sie eigentlich an den Geist nur glauben wollen, wenn er materiell sein kann. Aber das ist ja kein Geist, der im materiellen Lichtschimmer und dergleichen erscheint. Spiritismus ist nämlich die äußerste Form des Materialismus. Man versucht den Geist abzuleugnen dadurch, daß man nur das als Geist gelten läßt, was in die Welt des Materiellen hereinkommt.
[ 19 ] The fact is that in our time, even those people who are sometimes very fanatical in their desire to believe in the spirit more or less reject the spirit itself. They conduct spiritualist experiments in which they allow the spirit to manifest itself, because they actually only want to believe in the spirit if it can be material. But that is not a spirit that appears in a material glimmer of light or the like. Spiritualism is, in fact, the extreme form of materialism. People try to deny the spirit by accepting as spirit only that which enters the material world.
[ 20 ] Also wir sind schon einmal in einem Zeitalter, wo die Worte sich nicht so aus der Seele herausringen, daß sie einen idealen Schwung annehmen. Und das wird immer weniger. Aber wenn dieser ideale Schwung nicht da ist, wenn, mit andern Worten, der Mensch im wachenden Zustande nicht in der Lage ist, außer von den physischen Dingen auch von seinen Idealen zu sprechen, gewissermaßen sich hinzuwenden an dasjenige, was eben dem Ideal angehört, was über die physische Welt hinausliegt, was dem Leben Ziele gibt, die über das physische Leben hinausliegen, wenn der Mensch nicht in seiner Tagessprache Worte entwickelt für Ideale, wenn nicht die Sprache selber in Idealismus ergossen ist — dann findet der Mensch nur außerordentlich schwierig während des schlafenden Zustandes jenen Zusammenhang mit dem Erzengelwesen, der ihm eigentlich notwendig ist, und dann kommt im schlafenden Zustande keine Ordnung hinein in dasjenige, was sich da abspielen soll zwischen der menschlichen Seele und der Hierarchie der Archangeloi. Wenn das der Fall ist, wenn der Mensch dem Materialismus verfallen ist, in seiner Sprache keinen Idealismus entwickelt, die Worte nach und nach so geworden sind, daß der Mensch nur mehr wenig spricht von Idealen, dann verfließt das irdische Leben so, daß der Mensch jede Nacht eigentlich, wenn ich mich so ausdrücken darf, den Anschluß versäumt an das Erzengelwesen. Dann wird es ihm schwer, mit der geistigen Welt so innig verbunden zu sein, daß er nun auch in genügender Weise das Leben nach dem Tode, vom Tode zu einer neuen Geburt, kräftig durchleben kann. Der Mensch schwächt sich dadurch, daß seine Sprache keinen Idealismus enthält, für das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
[ 20 ] So we are already living in an age where words do not well up from the soul in such a way that they take on an ideal momentum. And that is becoming less and less common. But if this ideal momentum is lacking—if, in other words, a person in the waking state is unable to speak not only of physical things but also of their ideals, to turn, as it were, toward that which belongs to the ideal, which lies beyond the physical world, which gives life goals that extend beyond physical life— if a person does not develop words for ideals in their everyday language, if language itself is not imbued with idealism—then it becomes extremely difficult for that person, during the sleeping state, to establish the connection with the Archangelic beings that is actually necessary for them, and then, in the sleeping state, no order enters into what is supposed to take place there between the human soul and the hierarchy of the Archangels. If this is the case—if a person has succumbed to materialism, does not cultivate idealism in their language, and their words have gradually come to be such that they speak very little of ideals—then earthly life flows by in such a way that, every night, if I may put it this way, the person actually misses the connection to the archangelic beings. Then it becomes difficult for them to be so intimately connected with the spiritual world that they can now also fully and vigorously experience life after death—from death to a new birth. By failing to incorporate idealism into their language, human beings weaken themselves for the life between death and a new birth.
[ 21 ] Zu wissen, wie es sich mit diesen Dingen verhält, ist eigentlich schon ein Lebenswissen. Derjenige, der weiß, was es für eine Bedeutung hat, wenn die Sprache keinen Idealismus enthält, der wird endlich die Kraft gewinnen, wiederum einzutreten dafür, daß in die menschliche Sprache auch Idealismus hineinkommt. Schon während des Erdenlebens kann man bemerken, daß derjenige nicht zu seiner rechten Kraft kommt, der aus dem Erzengelwesen nicht die nötige Kraft heraussaugen kann in diesem Zustand vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wir können geradezu sagen in bezug auf dasjenige, was die Sprache an uns als Menschen während des Schlafes tun soll: Um das in der rechten Weise als Ergebnis für das Leben zu bekommen, müssen wir uns wirklich bemühen, solchen Idealismus zu haben, daß in die Worte nicht bloß die Verständigung über das alltägliche Leben einfließt, sondern in die Worte auch Geistiges in Form des Idealismus einfließt.
[ 21 ] Understanding how these things work is, in fact, a fundamental part of life’s wisdom. Those who understand the significance of language that is devoid of idealism will ultimately gain the strength to advocate once again for the inclusion of idealism in human language. Even during our earthly life, we can observe that those who cannot draw the necessary strength from the archangelic beings during the state between falling asleep and waking up do not attain their true strength. We can say quite plainly, with regard to what language is meant to do for us as human beings during sleep: In order to receive this in the right way as a benefit for life, we must truly strive to possess such idealism that not only communication about everyday life flows into our words, but also the spiritual in the form of idealism flows into them.
[ 22 ] Aber noch stärker tritt das hervor, wenn wir jetzt auf den schlafenden Zustand des Ich schauen. Das Ich nimmt mit hinaus in den schlafenden Zustand Zufriedenheit und Unzufriedenheit über dasjenige, was die Gliedmaßen getan haben. Geradeso wie der astralische Leib durch die Nachwirkung der Sprache an die Hierarchie der Erzengel herangetragen wird, so wird das Ich durch das, was es da als Nachklang der täglichen Verrichtungen durch Arme und Beine hinausbringt in den Schlafzustand, herangetragen an die Hierarchie der Urkräfte, der Archai, der Urbeginne. Aus diesen Urbeginnen kommt uns dann die Kraft, erstens den physischen Leib in der richtigen Weise zu durchdringen, so daß wir nicht nur das Gute wollen, sondern bis zu einem gewissen Grade auch imstande sind, die Triebe des physischen Leibes soweit zu beherrschen, daß wir kein Hindernis haben an unserem physischen Leib, um dasjenige zu tun, was wir in der Freiheit des Gedankens uns als Pflicht oder als Ziel vorsetzen. Wir sind frei im Gedanken. Aber die Kraft, die Freiheit im Leben anzuwenden, bekommen wir nur, wenn wir in den Schlaf hinaustragen den richtigen Zusammenhang mit den Urkräften, mit den Archai,
[ 22 ] But this becomes even more evident when we now turn our attention to the sleeping state of the “I.” The “I” carries with it into the sleeping state feelings of satisfaction and dissatisfaction regarding what the limbs have done. Just as the astral body is carried to the hierarchy of the archangels through the aftereffects of speech, so too is the “I” carried to the hierarchy of the primal forces, the Archai, the primal beginnings, through what it brings into the sleeping state as an echo of the daily activities performed by the arms and legs. From these primordial beginnings comes the power, first of all, to permeate the physical body in the right way, so that we not only will the good, but are also, to a certain degree, able to master the impulses of the physical body to such an extent that our physical body presents no obstacle to doing what we set as our duty or goal in the freedom of thought. We are free in thought. But we gain the strength to apply this freedom in life only when we carry into sleep the proper connection with the primordial forces, with the Archai,
[ 23 ] Aber wie können wir das? Der Idealismus bringt unseren astralischen Leib in richtiger Weise mit den Erzengelwesen in Zusammenhang. Was bringt unser Ich in der richtigen Weise mit den Urkräften in Zusammenhang? Wenn auch wir zunächst unbewußt in der Nacht bleiben — aber das Wesen aus der Hierarchie der Urkräfte hat ein völliges Bewußtsein von der Sache, nimmt dasjenige auf, was wir unbewußt haben, und entwickelt es zu einem ausgesprochenen Gedanken der Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem, was wir am Tage getan haben. Was aber bringt uns in einen richtigen Zusammenhang mit diesen Urkräften, in einen solchen Zusammenhang, wie wir ihn durch den Idealismus in der Sprache zu den Erzengeln bekommen?
[ 23 ] But how can we do that? Idealism connects our astral body in the right way with the archangelic beings. What connects our “I” in the right way with the primordial forces? Even if we, at first, remain unconscious during the night—the being from the hierarchy of the primordial forces has complete awareness of the matter, takes in what we have unconsciously experienced, and develops it into a distinct thought of satisfaction or dissatisfaction with what we have done during the day. But what brings us into a proper connection with these primal forces—a connection such as we attain through the idealism of language in relation to the archangels?
[ 24 ] Es gibt nichts anderes, um während des Schlafens in bezug auf sein Ich in den richtigen Zusammenhang mit den Urkräften zu kommen, als wirkliche, echte, wahre Menschenliebe, unbefangene Menschenliebe, allgemeine Menschenliebe, richtiges Interesse für jeden Mitmenschen, mit dem uns das Leben zusammenbringt, nicht Sympathie oder Antipathie, die nur aus irgend etwas herauskommen, das wir nicht überwinden wollen. Echte, wahre Menschenliebe während des Wachzustandes führt uns zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in den Schoß der Urkräfte, der Archai, in der richtigen Weise hinein. Und da wird, während das Ich im Schoße der Archai ruht, das Karma, das Schicksal geformt. Da entsteht das Urteil: Ich bin unzufrieden mit demjenigen, was ich mit meinen Armen und Beinen getan habe. Und aus dem, was da als eine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit sich ergibt, entsteht nun nicht bloß das, was gilt für die Zeit kurz nach dem Tode, sondern für das nächste Erdenleben; es entsteht die Kraft zum richtigen Bilden des Schicksals, so daß auch wirklich die Dinge ausgeglichen werden, die wir in einem Erdenleben empfunden haben während des Schlafes, im Ich, im Zusammenhange mit den Urkräften.
[ 24 ] There is nothing else that can bring us into the proper relationship with the primordial forces in relation to our “I” while we sleep other than genuine, authentic, true love for humanity—unbiased love for humanity, universal love for humanity, and a genuine interest in every fellow human being with whom life brings us together—not sympathy or antipathy, which arise only from something we do not wish to overcome. Genuine, true love for humanity during the waking state leads us, in the proper way, into the bosom of the primordial forces, the Archai, between falling asleep and waking up. And there, while the “I” rests in the bosom of the Archai, karma—destiny—is formed. There the judgment arises: “I am dissatisfied with what I have done with my arms and legs.” And from what arises there as satisfaction or dissatisfaction, there emerges not only what applies to the time shortly after death, but also to the next earthly life; the power arises to shape destiny correctly, so that the things we have experienced in an earthly life—during sleep, in the “I,” in connection with the primordial forces—are truly balanced out.
[ 25 ] Wenn Sie dies bedenken, so sehen Sie genau hinein in diesen merkwürdigen Zusammenhang des Ich und des Schicksals, des Karma. Während wir sozusagen dem astralischen Leibe ansehen, wie er, wenn der Mensch ein Idealist ist, die Sprache als eine Opfergabe den Erzengeln übergibt, so daß ihn dann die Erzengel in der richtigen Weise zwischen Tod und neuer Geburt leiten können, so sehen wir, wie das Ich an dem Schicksal webt. Da wird das Karma ausgearbeitet im Zusammenhange mit den Urkräften. Und die Urkräfte haben wiederum die Gewalt, dasjenige uns zu verleihen, was wir brauchen, um nicht nur die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt durchzugehen, sondern beim nächsten Herabsteigen ins Irdische mit einer solchen Kraft anzukommen, daß wir, wenn wir ein kleines Kind sind, jetzt mit der Erbschaft vom vorhergehenden Erdenleben so oder so gehen lernen, Gleichgewicht finden lernen, Füße und Hände, Arme und Beine differenzieren lernen.
[ 25 ] If you consider this, you will gain a clear insight into this remarkable connection between the “I” and destiny—karma. While we observe, so to speak, the astral body—how, when a person is an idealist, it offers speech as a sacrifice to the archangels so that the archangels may then guide the person in the proper way between death and rebirth—we see how the “I” weaves the fabric of destiny. There, karma is worked out in connection with the primal forces. And the primal forces, in turn, have the power to bestow upon us what we need—not only to pass through the time between death and rebirth, but also to arrive at our next descent into the earthly realm with such strength that, as small children, we can now—with the legacy of our previous earthly life—learn to walk in one way or another, learn to find balance, and learn to differentiate between our feet and hands, arms and legs.
[ 26 ] Es ist sehr merkwürdig, zu sehen, wie beim Kinde, wenn es vom Kriechen zum Gehen übergeht, wenn es zunächst Gleichgewicht erwirbt, in dieser Anstrengung die Art und Weise nachwirkt, wie im letzten Erdenleben das Ich durch allgemeine Menschenliebe in der richtigen Weise den Schlaf in Zusammenhang mit den Urkräften gebracht hat. Das drückt sich aus im Gehenlernen. Man kann dies bis in die Einzelheiten verfolgen. Man kann sehen, wenn ein Kind immer wieder umkippt, wie das davon herrührt, daß in einem früheren Leben .das Kind starke menschenhassende Gefühle entwickelt hat. Da ist es nur herangekommen an die Urkräfte, da hat es nicht die richtige Verbindung mit ihnen gefunden, und gerade in dieses Gehenlernen hinein, in das fortwährende Umkippen, da hinein prägt sich die Wirkung aus. Derjenige, der sich einen richtigen Blick gerade dafür aneignen würde, der also zum Beispiel sich vornehmen würde: Ich will dadurch ein richtiger Erzieher werden, daß ich die Kinder im Gehenlernen richtig beobachte —, wer das durchführen könnte, der würde aus der Art und Weise, wie das Kind gehen lernt, wirklich Ungeheures von dem sehen, was man auch als Unterrichtender, als Erzieher karmisch auszugleichen hat, weil es aus dem vorhergehenden Erdenleben durch nicht genügende, oder genügende, aber falsch angebrachte Menschenliebe in dieses Leben hereingebracht worden ist.
[ 26 ] It is very remarkable to observe how, in a child’s transition from crawling to walking—as it first gains its balance—this effort reflects the way in which, during its last earthly life, the “I” correctly linked sleep to the primal forces through universal love for humanity. This is expressed in the process of learning to walk. One can trace this down to the finest details. One can see that when a child keeps falling over, it stems from the fact that in a previous life the child developed strong feelings of hatred toward humanity. There, the child merely came into contact with the primal forces but did not establish the proper connection with them, and it is precisely in this process of learning to walk—in the constant falling over—that the effect manifests itself. Anyone who were to cultivate a proper insight into this—who, for example, were to resolve: “I want to become a true educator by correctly observing children as they learn to walk”— whoever could carry this out would, from the way the child learns to walk, truly see an immense amount of what one, as a teacher or educator, must karmically balance—because it has been brought into this life from the previous earthly existence through insufficient human love, or love that was sufficient but misapplied.
[ 27 ] Hier sehen Sie, wie die materialistische Ansicht beim Physischen bleibt. Die materialistische Ansicht beschreibt, wie der menschliche Organismus wie eine Maschine sich aufrichtet, gehen lernt und so weiter. Aber mit allem Physischen ist ein Geistiges verbunden, und derjenige, der den ganzen Vorgang überschaut, lernt erkennen, daß im Gehenlernen des Kindes hereinspielt das vorhergehende Erdenleben. Das heißt, Gehenlernen ist überhaupt die Art und Weise, wie der Mensch, wenn er ein neues Erdenleben antritt, seinen physischen Körper beherrschen lernt. Und für den, der die Sache vollständig überschaut, ist das Gehenlernen nicht erschöpft damit, daß man seine Beine aufrichten kann und den ganzen Körper aufrichten kann, sondern das geht so weit, daß es nun zu inneren Prozessen des Menschen kommt, auch dazu, wie der Mensch nun innerlich Herr wird über seine Drüsentätigkeit und so weiter. Denn wenn das Kind gehen gelernt hat, und schon vorher, kommt es nicht nur auf das Gehen an, sondern es kommt auch darauf an, daß es, sagen wir, wenn es einen phlegmatischeren oder cholerischeren Charakter hat oder ein Übermaß an den oder jenen Emotionen, dann seine Drüsentätigkeit beherrschen oder nicht beherrschen lernt. Das hängt wiederum mit dem zusammen, was während des Schlafes aus den vorhergehenden Erdenleben aus allgemeiner Menschenliebe oder nicht allgemeiner Menschenliebe sich als das Verhältnis zu den Urkräften herausgestellt hat.
[ 27 ] Here you can see how the materialistic view remains confined to the physical realm. The materialistic view describes how the human organism, like a machine, stands up, learns to walk, and so on. But everything physical is connected to something spiritual, and those who survey the entire process come to recognize that the child’s previous earthly life plays a role in the process of learning to walk. In other words, learning to walk is, in essence, the way in which a human being, upon entering a new earthly life, learns to master his or her physical body. And for those who have a complete understanding of the matter, learning to walk is not limited to being able to straighten one’s legs and raise the entire body upright; rather, it extends to the inner processes of the human being, including how the person gains inner control over their glandular activity and so on. For once the child has learned to walk—and even before that—it is not merely a matter of walking; it also depends on whether, let us say, if the child has a more phlegmatic or choleric temperament, or an excess of one emotion or another, they learn to control their glandular activity or fail to do so. This, in turn, is connected to what has emerged during sleep from previous earthly lives—whether out of universal love for humanity or a lack thereof—as the relationship to the primordial forces.
[ 28 ] Wenn man materialistisch denkt, so sagt man: Der Mensch ruht im Schlafe. — Aber er ruht nicht bloß. Wenn er den richtigen Idealismus während des Wachens entwickelt, so trägt er in den Schlaf hinein für den astralischen Leib die Möglichkeit, sich hinaufzuschwingen zu der Hierarchie der Archangeloi, also mit der geistigen Welt während des Schlafes so in Beziehung zu treten, daß in der richtigen Weise verlebt werden kann die Zeit vom Tode bis zu einer neuen Geburt. Natürlich tragen wir, wenn wir diese Zeit nicht richtig verleben, auchSchwächen davon in das Erdenleben hinein. Aber in der Art und Weise, wie sich der Mensch in ein richtiges Verhältnis zu den Urkräften, zu den Archai versetzt, davon hängt es dann ab, wie wir uns das nächste Leben zu zimmern verstehen. Man sieht also, daß allgemeine Menschenliebe geradezu eine schöpferische Kraft hat. Denn, wovon hängt es denn ab, daß irgend jemand stark und kräftig ist in einem Leben, um seinen physischen Leib in den Dienst der Seele zu stellen, beherrschen zu können seinen physischen Leib? Das hängt davon ab, ob er im vorhergehenden Leben Menschenliebe, etwas rein Seelisches entwickelt hat.
[ 28 ] From a materialistic perspective, one might say: A person rests while asleep. — But they do not merely rest. If they develop the right kind of idealism while awake, they carry into sleep the potential for the astral body to ascend to the hierarchy of the Archangels—that is, to enter into such a relationship with the spiritual world during sleep that the time between death and a new birth can be lived in the right way. Of course, if we do not live through this time correctly, we also carry weaknesses from it into our earthly life. But the way in which a person establishes the right relationship to the primal forces, to the Archai—that is what determines how we shape our next life. One can see, then, that universal love for humanity possesses a truly creative power. For what determines whether a person is strong and vigorous in a given life—able to place their physical body in the service of the soul and to master their physical body? It depends on whether they have developed love for humanity—something purely spiritual—in their previous life.
[ 29 ] Sie erinnern sich, wie ich in früheren Vorträgen gesagt habe: Das Seelische des einen Erdenlebens lebt sich in dem Physischen des nächsten Erdenlebens aus, das Geistige des einen Erdenlebens in dem Seelischen des nächsten Erdenlebens. — Aber so hängen die Dinge zusammen, die ich eben auseinandergesetzt habe.
[ 29 ] You may recall how I have said in earlier lectures: The soul aspect of one earthly life finds its fulfillment in the physical aspect of the next earthly life, and the spiritual aspect of one earthly life in the soul aspect of the next earthly life. — But this is how the things I have just explained are connected.
[ 30 ] Man kann nicht bloß so im allgemeinen behaupten, daß es so etwas wie ein Schicksal, wie ein Karma gibt. Man kann geradezu sagen: Man schaut, wie der Mensch an seinem Karma arbeitet. Er webt es während des Schlafes, aber er erntet dasjenige, was er zum Gewebe braucht, während des Wachens ein. Denn das, was er webt, sind die Fäden, die er wirken muß aus allgemeiner Menschenliebe; oder die Fäden, die fortwährend abreißen und ein schlechtes Karma für das nächste Leben bilden, das sind diejenigen, die aus Menschenhaß gewoben sind. Denn für das Karma kommen als schöpferische Kräfte vor allen Dingen Menschenliebe und Menschenhaß in Betracht.
[ 30 ] One cannot simply make a general claim that there is such a thing as fate or karma. One can say quite plainly: One sees how a person works on their karma. They weave it while sleeping, but they gather the material needed for that fabric while awake. For what they weave are the threads they must create out of universal love for humanity; or the threads that continually break and form bad karma for the next life—these are the ones woven from hatred of humanity. For when it comes to karma, the creative forces that matter most of all are love for humanity and hatred of humanity.
[ 31 ] Nun muß man diese Sache in der richtigen Weise ansehen. Es ist im Grunde genommen eine bequeme Karmaauffassung, wenn man sagt: Ich bin krank — nun, das ist mein Karma. Mich hat dieses Unglück getroffen — das ist mein Karma. — Ich will nicht sagen, daß es als Lebensweisheit besonders beruhigend ist, aber eine bequeme theoretische Auffassung ist es, in fatalistischer Weise alles auf das Karma zu schieben. Es ist aber durchaus nicht richtig so. Denn nehmen Sie an, Sie betrachten nicht dieses Erdenleben, sondern das drittnächste, so werden Sie in dem drittnächsten Erdenleben auf dieses jetzige zurückschauen können. Dann werden Sie sagen: Es ist mein Karma. — Aber dasjenige, was Ihr Karma ist, weist in dieses Erdenleben zurück; da ist es entstanden. Das heißt, es ist fortwährend entstehendes Karma da.
[ 31 ] Now, one must view this matter in the right way. It is, essentially, a convenient view of karma to say: “I am sick—well, that is my karma.” “This misfortune has befallen me—that is my karma.” — I’m not saying that this is particularly comforting as a piece of life wisdom, but it is a convenient theoretical view to fatalistically attribute everything to karma. However, this is by no means correct. For suppose you were to look not at this earthly life, but at the third one from now; then, in that third earthly life, you will be able to look back on this present one. Then you will say: “It is my karma.” — But what constitutes your karma points back to this earthly life; that is where it arose. In other words, there is karma that is constantly arising.
[ 32 ] Wir müssen nicht alles in die Vergangenheit zurückschieben. Wir müssen uns klar sein, daß in der richtigen Weise zum Karma sich zu stellen dazu führt, daß man sich sagt: Eine Krankheit, die mich jetzt trifft, braucht gar nicht die Folge früherer seelischer Schwächen zu sein, sondern es kann eine Krankheit zuallererst auftreten. Aber Karma gilt doch. Trifft mich eine Krankheit, ein Unglück in diesem Erdenleben, es wird der Ausgleich kommen, oder dieses Unglück, diese Krankheit können der Ausgleich sein.
[ 32 ] We don’t have to attribute everything to the past. We must realize that facing karma in the right way leads us to say to ourselves: An illness that afflicts me now need not be the result of past spiritual weaknesses; rather, it may simply be an illness that has arisen on its own. But karma still applies. If an illness or misfortune befalls me in this earthly life, compensation will come—or this misfortune, this illness, may itself be the compensation.
[ 33 ] Das heißt, man muß immer auch mit der Zukunft rechnen, wenn man von Karma spricht. Das Verhältnis, das man zum Karma hat, ist das, daß man unerschütterlich wird in der Anerkennung der allgemeinen Weltengerechtigkeit, daß man also weiß: Alles gleicht sich aus, aber nicht so, daß man einfach die Reihe der Erdenleben zerreißt durch das gegenwärtige und alles auf die Vergangenheit schiebt.
[ 33 ] This means that one must always take the future into account when speaking of karma. One’s relationship to karma is such that one becomes unshakable in one’s recognition of universal justice—that is, one knows: Everything balances out, but not in such a way that one simply breaks the sequence of earthly lives with the present one and shifts everything onto the past.
[ 34 ] Derjenige stellt sich in einer lebensvollen Weise in den karmischen Verlauf der Lebensereignisse hinein, der da weiß: Ausgleich ist. Aber das Wesentliche bei der Karmaauffassung ist die Seelenstimmung, die aus dieser Auffassung kommt. Und die Seelenstimmung, die aus der Karmaauffassung kommen muß, das ist die, daß für den Fall, wo irgend etwas, sagen wir als Unglück, die Ausgleichung ist für eine frühere Seelenschwäche, wir darin den Anlaß finden, uns zu sagen: Hättest du jetzt dieses Unglück nicht erfahren, so hättest du die Schwäche fernerhin behalten. Wenn du in die Tiefen deiner Seele hineinsiehst, so mußt du sagen: Es ist recht, daß dieses Unglück über mich gekommen ist, denn dadurch ist eine Schwäche ausgelöscht, eine Schwäche hinweggenommen.
[ 34 ] The person who knows that there is a balance actively engages with the karmic course of life’s events. But the essential aspect of the concept of karma is the spiritual attitude that arises from this understanding. And the spiritual attitude that must arise from this understanding of karma is this: when something—let us say, a misfortune—serves as compensation for a previous weakness of the soul, we find in it the reason to say to ourselves: If you had not experienced this misfortune now, you would have continued to harbor that weakness. If you look into the depths of your soul, you must say: It is right that this misfortune has befallen me, for through it a weakness has been eradicated, a weakness has been removed.
[ 35 ] Wer ein solches Unglück, welches ein Ausgleich ist für eine vorherige Seelenschwäche oder Verfehlung, hinwegwünscht, stellt sich eigentlich nicht auf den Standpunkt vollständiger Menschenwürde. Er sagt gewissermaßen: Ach, mir ist es gleichgültig, ob ich schwach bleibe oder eine gewisse Stärke mir erringe! — Allein derjenige faßt ein Unglück in der richtigen Weise auf, der da sagt: Falls es für eine frühere Schwäche wäre, ist es gut, daß es mich getroffen hat. Denn ich werde diese Schwäche, die ich gehabt habe, die sich in einer Verfehlung vielleicht ausgedrückt hat, durch das Unglück fühlen. Dadurch lösche ich die Schwäche aus, ich werde wieder stark.
[ 35 ] Anyone who wishes away such a misfortune—which serves as atonement for a previous weakness of the soul or transgression—is not truly adopting the perspective of full human dignity. In a sense, they are saying: “Oh, I don’t care whether I remain weak or gain a certain strength!” — But the one who views a misfortune in the right way is the one who says: If it is for a previous weakness, it is good that it has befallen me. For through this misfortune, I will feel that weakness I had, which may have manifested itself in a transgression. In this way, I will eradicate the weakness, and I will become strong again.
[ 36 ] Und falls ein Unglück als erster Schritt im Karma kommt, so ist die richtige Stimmung dagegen diese, daß man sich sagt: Wenn den Menschen nur dasjenige treffen würde, was er sich wünscht, so würde er gerade durch einen Lebensverlauf, der so ist, recht schwach werden. Wir würden zwar unter Umständen in einem oder zwei Erdenleben bequem und wohl leben, weil immer nur dasjenige über uns kommt, was wir uns wünschen, aber im dritten, vierten Erdenleben würden wir überhaupt seelisch und geistig wie gelähmt sein, weil gar keine Anstrengung in uns entstehen würde, um Widerstände zu überwinden. Widerstände lassen sich ja nur überwinden, wenn das Unerwartete, das Unerwünschte kommt. Entwickelt man aber die rechte Kraft an den Widerständen, nimmt man genug Menschenliebe hinein in den Schlaf, dann gestaltet sich dasjenige, was von dem Ich im Zusammenhange mit den Urkräften, mit den Archai als Karma gewoben wird so, daß der richtige Ausgleich in dem nächsten Erdenleben stattfindet.
[ 36 ] And if misfortune comes as the first step in karma, the right attitude toward it is to tell oneself: If people were to experience only what they desire, they would actually become quite weak as a result of such a course of life. We might indeed live comfortably and happily in one or two earthly lives, because only what we desire would ever come our way, but in the third or fourth earthly life we would be completely paralyzed, both soulfully and spiritually, because no effort whatsoever would arise within us to overcome obstacles. After all, obstacles can only be overcome when the unexpected and the undesirable occur. But if one develops the right strength in the face of these obstacles and carries enough love for humanity into sleep, then what is woven by the “I” in conjunction with the primal forces—the Archai—as karma takes shape in such a way that the proper balance is achieved in the next earthly life.
[ 37 ] Alle anthroposophischen Wahrheiten müssen nicht bloß theoretische Wahrheiten sein, durch die man etwas erkennt, sondern sie sind alle so, daß sie in die Stimmung, in die Gemütsverfassung übergehen. Und derjenige, bei dem sie nicht in die Gemütsverfassung übergehen, der hat sie noch nicht vollständig erfaßt, der hat sie bloß als theoretische Wahrheiten erfaßt. Das richtige Verstehen des Karma, des Schicksals, führt eben dazu, daß der Mensch zwar, indem er dem Leben gegenübersteht, sogar feiner empfänglich wird für Glück und Unglück, als er sonst es ist — er erlebt stark Glück und Unglück —, aber er findet auch die Möglichkeit, in seiner Seele sich gewissermaßen der geistigen Welt gegenüber in jene Stimmung zu versetzen, die nun nicht aus einem Glaubensbekenntnis heraus, sondern aus der Anschauung desjenigen kommt, was Ich und astralischer Leib tun, während sie dem Tagesleben entzogen sind. Aus der Anerkenntnis dessen kommt er in die Stimmung hinein, unerläßlich festzuhalten an der Weltgerechtigkeit. Karma verstehen heißt, in der richtigen Weise die Weltgerechtigkeit anschauen. Es heißt nicht, phlegmatisch werden gegenüber Glück oder Unglück, gegenüber Freude und Schmerz, aber es heißt, Freude und Schmerz, Glück und Unglück an die richtige Stelle des Lebens versetzen.
[ 37 ] All anthroposophical truths need not be merely theoretical truths through which one gains knowledge; rather, they are all such that they merge into one’s mood, into one’s state of mind. And whoever does not allow them to become part of their state of mind has not yet fully grasped them; they have grasped them merely as theoretical truths. A proper understanding of karma, of destiny, leads precisely to this: that while facing life, a person becomes even more finely attuned to happiness and misfortune than they otherwise would be—they experience happiness and misfortune intensely— but they also find the possibility, within their soul, of attuning themselves, as it were, to the spiritual world in a way that arises not from a creed but from the observation of what the I and the astral body do while they are withdrawn from daily life. From the recognition of this, he enters into a state of mind in which it is essential to hold fast to cosmic justice. To understand karma means to view cosmic justice in the right way. It does not mean becoming indifferent to happiness or misfortune, to joy and pain, but it does mean placing joy and pain, happiness and misfortune, in their proper place in life.
[ 38 ] Nun können wir sagen: Wenn man den Menschen während des Tageslebens sieht, so sieht man ja eigentlich nur Ich und astralischen Leib, wie sie sich betätigen am physischen Leibe, und dann weiß man nur etwas von der Betätigung am physischen Leibe, nicht von dem Geistig-Seelischen im Ich und astralischen Leibe. Wenn ich mit einem Menschen spreche, achte ich auf die Worte, die er mir sagt, und bin ich dann Materialist, so erkläre ich mir das folgendermaßen: Lunge, Kehlkopf und so weiter arbeiten, dadurch wird die Luft in Schwingungen versetzt, die stoßen an mein Ohr an und so weiter. — Sehe ich aber die Sache recht an, so sehe ich vibrieren in dem, was als Worte sich bildet, was in der Sprache sich ausgestaltet, seinen astralischen Leib. Aber ich finde dann mit diesem astralischen Leibe verbunden des Menschen Verwandtschaft mit der göttlich-geistigen Welt. Ich sage mir: Ist der astralische Leib im physischen Leibe darinnen während des Tagwachens, dann verbirgt er sich in der Sprache und in ähnlichen Tätigkeiten. Während der Nacht nimmt er teil an dem Leben der höheren Hierarchien. Und in einer solchen Weise ist es auch der Fall mit dem Ich.
[ 38 ] Now we can say: When one observes a person during their daily life, one actually sees only the “I” and the astral body as they act upon the physical body, and thus one knows only of the activity on the physical body, not of the spiritual-soul aspects within the “I” and the astral body. When I speak with a person, I pay attention to the words they say to me, and if I am a materialist, I explain it to myself as follows: the lungs, larynx, and so on are working, causing the air to vibrate, which strikes my ear, and so on. — But if I view the matter correctly, I see that what vibrates in what takes the form of words—what manifests itself in speech—is their astral body. And I then find, connected to this astral body, the human being’s kinship with the divine-spiritual world. I say to myself: If the astral body is within the physical body during waking hours, then it conceals itself in speech and similar activities. During the night, it participates in the life of the higher hierarchies. And in this same way, it is also the case with the “I.”
[ 39 ] So dürfen wir sagen: Wenn der Mensch schläft, so ruht er sich nicht bloß für das tägliche Leben aus. Dann arbeitet et in der geistigen Welt, so wie er mit seinem physischen Leib arbeitet und spricht hier in der physischen Welt. Und so wie der Materialismus ableugnet, daß als reales Wesen Ich und astralischer Leib vorhanden sind während des Schlafens, so muß es auch der Materialismus belassen, daß er nicht die ganze Welt verstehen kann. Denn was ist für den Materialismus moralische Welt? Moralische Welt ist für ihn, was sich der Mensch vorsetzt in Gedanken, was aber mit den weltschöpferischen Kräften nichts zu tun hat. Für denjenigen, der wirklich, wahrhaftig hineinschaut ins menschliche Leben, ist die moralische Weltenordnung dasjenige, in dem der Mensch schlafend ebenso stark lebt, wie er wachend in Luft und Licht lebt.
[ 39 ] Thus we may say: When a person sleeps, they are not merely resting for daily life. Rather, they are working in the spiritual world, just as they work with their physical body and speak here in the physical world. And just as materialism denies that the “I” and the astral body exist as real entities during sleep, so too must materialism acknowledge that it cannot comprehend the entire world. For what is the moral world to materialism? To it, the moral world is what a person sets as a goal in thought, but which has nothing to do with the world-creating forces. For those who truly and sincerely look into human life, the moral world order is that in which a person lives just as fully while asleep as they do while awake in air and light.
[ 40 ] Da gibt es noch etwas, was wesentlich ist zu beachten. Wenn wir sterben, nehmen wir die Sprache heraus — dasselbe gilt dann auch für das Karma —, wir sterben, und wir waren das Leben hindurch in richtiger oder in mehr oder weniger mangelhafter Weise verbunden mit der Welt der Archangeloi. Das hat sich wiederholt in jedem Schlafe. Wir tragen durch die Pforte des Todes in die geistige Welt dasjenige hinaus, was uns die Erzengelwesen im Schlafe gegeben haben. Da können wir uns dann in der richtigen Weise in die geistige Welt hineinfinden, die der Logos ist, die aus den kosmischen Elementen besteht, die in den Worten der Sprache ihr Abbild haben, da können wir uns hineinfinden in die geistige Welt für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 40 ] There is one more thing that is essential to keep in mind. When we die, we leave behind our language—and the same applies to karma—we die, and throughout our lives we have been connected, in a correct or more or less imperfect way, to the world of the Archangels. This has been repeated in every sleep. Through the gate of death, we carry into the spiritual world that which the Archangelic beings have given us in sleep. There we can then find our way properly into the spiritual world, which is the Logos, which consists of the cosmic elements that find their reflection in the words of language; there we can find our way into the spiritual world for the life between death and a new birth.
[ 41 ] Aber so einfach ist dies nicht. Wenn wir durch den Tod gehen, haben wir keinen physischen Körper mehr. Da genügt das, was die Erzengel uns mitgegeben haben aus jedem Schlafzustand, um zu wirken, um es zu verwerten zwischen Tod und neuer Geburt. Wenn wir aber aufwachen als physische Erdenmenschen, müssen wir in den physischen Leib wiederum untertauchen. Das können uns die Erzengel gar nicht vermitteln. Da müssen noch höhere Hierarchien mitwirken: diejenigen Wesen, die ich in meiner «Geheimwissenschaft» bezeichnet habe als die Exusiai und als die Kyriotetes. Die müssen das, was wir zunächst im Verein mit den Erzengeln durch die Geistigkeit der Sprache uns. errungen haben, in die Triebe und Begierden des physischen Leibes, der uns sonst Widerstand leistet, hineinbringen. Da flammt es dann auf als Gewissensstimme. Aber indem das, was wir aus dem Schlaf in den Leib hineintragen, als Gewissensstimme aufflammt, wirkt in dieser Gewissensstimme dasjenige, was in der Hierarchie der Exusiai und der Kyriotetes, als einer höheren Hierarchie als der der Erzengel, gegeben ist.
[ 41 ] But it is not that simple. When we pass through death, we no longer have a physical body. What the archangels have given us from each state of sleep is sufficient to act upon and to utilize between death and a new birth. But when we awaken as physical human beings on Earth, we must once again immerse ourselves in the physical body. The archangels cannot provide us with that at all. Even higher hierarchies must be involved here: those beings whom I have referred to in my *Secret Science* as the Exusiai and the Kyriotetes. They must bring what we have initially attained in union with the archangels through the spirituality of language into the instincts and desires of the physical body, which otherwise resists us. There it then flares up as the voice of conscience. But as what we carry from sleep into the body flares up as the voice of conscience, what is present in the hierarchy of the Exusiai and the Kyriotetes—a hierarchy higher than that of the archangels—is at work within this voice of conscience.
[ 42 ] Wenn wir also in der physischen Welt herumschauen und finden, daß der eine oder der andere Mensch das Gewissen so stark entwickelt, daß sein physischer Leib bessere Triebe, bessere Instinkte bekommt, dann haben infolge des Idealismus seiner Sprache Kyriotetes und Exusiai in der richtigen Weise an ihm gewirkt.
[ 42 ] So when we look around in the physical world and find that one person or another has developed their conscience to such an extent that their physical body acquires better impulses and better instincts, then—as a result of the idealism of their language—kyriotetes and exusiai have worked upon them in the proper way.
[ 43 ] Und wiederum, wenn der Mensch durch allgemeine Menschenliebe in den richtigen Zusammenhang kommt mit den Archai, mit den Urkräften, so arbeitet er sich sein Karma in einer solchen Weise aus, wie es eben in dem nächsten Erdenleben im Gehenlernen, im Gleichgewichtlernen, im Geschicklichwerden der Arme, im Beherrschen des Drüsensystems und so weiter in der allerersten Kindheitszeit, wenn wir uns in das Erdenleben hereinschlafen, sich in den Körper hineinfügt. Denn wir haben uns das erworben, daß wir sozusagen im Verein mit den Urkräften, mit den Archai zwischen Tod und neuer Geburt arbeiten können. Aber damit der Mensch hier auf Erden in einer richtigen Weise eine feine Empfindung, ein scharfes Bewußtsein bekommt für seine eigenen Taten, dazu ist notwendig, daß diejenige Hierarchie, die ich Ihnen in der «Geheimwissenschaft» bezeichnet habe als die Dynamis, im Zusammenhang wirkt mit den Archai, also wiederum Wesenheiten einer höheren Hierarchie.
[ 43 ] And again, when a person, through universal love for humanity, enters into the proper relationship with the Archai—the primal forces—he works through his karma in such a way that, in his next earthly life, as he learns to walk, to maintain balance, in developing dexterity in the arms, in mastering the endocrine system, and so on—in the very earliest stages of childhood, when we “sleep our way” into earthly life and settle into the body. For we have earned the ability to work, so to speak, in union with the primordial forces, with the Archai, between death and new birth. But in order for human beings here on Earth to develop, in the right way, a subtle sensitivity and a keen awareness of their own actions, it is necessary that the hierarchy I have described to you in *The Secret Science* as the *Dynamis* work in conjunction with the *Archai*—that is, with beings of a higher hierarchy.
[ 44 ] Wenn dem Menschen nun allgemeine Menschenliebe fehlt, richtiges Interesse an seiner menschlichen Umgebung fehlt, so findet er nicht den richtigen Anschluß an die Archai. Dadurch verdirbt er sich die Möglichkeit, sich sein Karma für das nächste Erdenleben in der richtigen Weise zu weben, und es müssen weitere Erdenleben kommen, durch die er das ausgleicht. Aber für dieses Erdenleben hat er noch das im Nachteil, daß er immer weniger und weniger die Kraft bekommt, die Urteile, die gebildet werden, Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem, was Beine und Hände tun, hinauszutragen in den physischen Leib. Denn das können wir nicht selber, da müssen wit durch verstärkte Menschenliebe in der richtigen Weise mit den Dynamis zusammenkommen. Die tragen dann in der richtigen Weise in unseren physischen Leib die Kraft herein, die das Richtige ausführt. Sonst klappen wir zusammen, trotzdem wir das Richtige einsehen.
[ 44 ] If a person lacks universal love for humanity and a genuine interest in his human surroundings, he cannot establish the proper connection with the Archai. As a result, he forfeits the opportunity to weave his karma for the next earthly life in the proper way, and further earthly lives must follow through which he can make up for this. But for this earthly life, they also face the disadvantage that they have less and less of the strength to carry the judgments they form—whether satisfaction or dissatisfaction with what their legs and hands do—into the physical body. For we cannot do this on our own; we must come together with the dynamis in the right way through strengthened love for humanity. They then bring the power into our physical body in the right way, a power that carries out what is right. Otherwise, we break down, even though we recognize what is right.
[ 45 ] Frei werden können wir in Gedanken. Daß wir aber auch die Freiheit in der richtigen Weise im physischen Leben gebrauchen können, dazu müssen wir das richtige Gleichgewicht im Wachen und Schlafen herstellen, weil wir in der richtigen Weise nicht nur mit den Urkräften, sondern auch mit den Dynamis zusammenkommen müssen.
[ 45 ] We can become free in our thoughts. However, in order to use that freedom properly in our physical lives, we must establish the right balance between waking and sleeping, because we must connect in the right way not only with the primal forces but also with the dynamis.
[ 46 ] Die höchste Hierarchie, Seraphim, Cherubim, Throne, sie wollen das, was wir tun, hinaustragen in die Welt. Exusiai, Dynamis, Kyriotetes tragen aus dem Schlaf als moralische Kraft dasjenige, was wir in Gedanken erfassen, herein in unser körperliches Wesen. Die Seraphim, Cherubim und Throne tragen das wiederum hinaus in die Welt, so daß unsere eigenen moralischen Kräfte weltschöpferische Kräfte werden.
[ 46 ] The highest hierarchy—the Seraphim, Cherubim, and Thrones—seeks to carry what we do out into the world. The Exusiai, Dynamis, and Kyriotetes bring what we grasp in thought from sleep, as a moral force, into our physical being. The Seraphim, Cherubim, and Thrones, in turn, carry this out into the world, so that our own moral forces become world-creating forces.
[ 47 ] Wenn also die Erde einmal in den Jupiterzustand übergehen wird und unsere moralischen Kräfte bei dieser Umwandlung ihre richtigen Funktionen ausführen, haben die Seraphim, Cherubim und Throne natürlich damit nur etwas zu tun, wenn wir ihnen die nötigen Unterlagen dafür geben. Übergeben wir ihnen dadurch, daß wir immer schwächer und schwächer werden, Zerstörungskräfte, dann arbeiten wir mit an der Zerstörung der Erde, nicht an dem Aufbau des Jupiter.
[ 47 ] So if the Earth were ever to transition into the Jupiter state, and if our moral powers were to fulfill their proper functions during this transformation, the Seraphim, Cherubim, and Thrones would, of course, only be involved if we provided them with the necessary information to do so. If, by becoming weaker and weaker, we thereby hand over destructive forces to them, then we are contributing to the destruction of Earth, not to the building up of Jupiter.
[ 48 ] Sie sehen, die Gliederung der geistigen Welt ist in der Anthroposophie wahrhaftig nicht bloß dazu da, daß man für einzelne Stufen Namen hat, sondern man kann nach und nach wirklich eingehen in den ganzen Zusammenhang der Welt, kann den Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt so überschauen, wie man sonst den Zusammenhang des Menschen mit der physischen Welt überschaut. Und das ist dasjenige, was den Menschen wiederum die rechte Kraft geben wird zu einem aufbauenden Leben, wenn sie in dieser Weise den Weg finden, um ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt einzusehen, wenn sie nicht bloß glauben, der Schlaf sei da, um zu ruhen, sondern die Überzeugung gewinnen: Der Schlaf ist da, um mit der geistigen Welt unter den Nachwirkungen des physischen Lebens in den richtigen Zusammenhang zu kommen.
[ 48 ] You see, in anthroposophy, the structure of the spiritual world is truly not merely a matter of having names for individual levels; rather, one can gradually enter into the whole context of the world and gain an overview of the human being’s connection to the spiritual world in the same way that one otherwise gains an overview of the human being’s connection to the physical world. And this is what will in turn give people the true strength for a constructive life—when they find the way to understand their connection to the spiritual world in this manner, when they do not merely believe that sleep is there for rest, but come to the conviction that sleep is there to bring them into the proper relationship with the spiritual world amidst the aftereffects of physical life.
[ 49 ] Ja, es ist schon richtig, die geistig-moralische Welt kann der Mensch leugnen, weil er sie zunächst in diesem Erdenstadium verschläft. Aber es muß dutch eine wirkliche Wissenschaft herauskommen, was der Mensch da verschläft. Er verschläft nämlich dasjenige, was sich in das Erdenleben herein als himmlisches Dasein erstreckt. Dazu hat der Mensch den Schlaf, daß er tatsächlich aus der geistigen Welt sich die entsprechende Kraft herausholen kann gerade für sein physisches Leben.
[ 49 ] Yes, it is true that human beings can deny the spiritual-moral world because, at this stage of earthly life, they are initially asleep to it. But a true science must emerge from this to reveal what human beings are missing out on while they sleep. For what they are missing out on is that which extends into earthly life as a heavenly existence. This is why human beings sleep—so that they can actually draw the corresponding strength from the spiritual world specifically for their physical life.
[ 50 ] Betrachten Sie jetzt von diesem Gesichtspunkte aus den Zusammenhang desjenigen, was ich versuchte, Ihnen heute skizzenhaft darzulegen, mit meiner « Philosophie der Freiheit». Da werden Sie finden: Ich habe ausdrücklich betont, es käme nicht darauf an, daß man die Theorie aufstellt, der Wille solle frei sein, sondern der Gedanke soll frei sein. Der Gedanke muß gerade den Willen beherrschen, wenn man ein freier Mensch sein will. Aber damit der Wille dem freien Gedanken nicht einen unmöglichen Widerstand bietet, muß der Mensch sein Leben in entsprechender Weise einrichten. Den Gedanken können wir frei machen als Mensch, der wir geworden sind in der physischen Welt. Das Gemüt und den Willen bekommen wir bloß frei, wenn wir für das Gemüt in das richtige Verhältnis zu den Erzengeln, wenn wir für den Willen in das richtige Verhältnis zu den Archai kommen.
[ 50 ] Now, from this perspective, consider the connection between what I have attempted to outline for you today and my *Philosophy of Freedom*. There you will find that I have expressly emphasized that what matters is not the theory that the will should be free, but rather that thought should be free. Thought must precisely govern the will if one wishes to be a free human being. But in order for the will not to offer impossible resistance to free thought, a person must organize their life accordingly. We can liberate thought as human beings who have come into being in the physical world. We attain freedom of mind and will only when we establish the right relationship with the archangels for the mind, and the right relationship with the Archai for the will.
[ 51 ] Daher ist es aber auch so: Dasjenige, was in der Sprache lebt, lassen wir mit dem Geistig-Seelischen hinausgehen in der Nacht. Dasjenige, was in unseren Gliedmaßen lebt, lassen wir auch hinausgehen. Astralischer Leib und Ich gehen hinaus. Der ätherische Leib bleibt beim physischen Leib. Das Denken, das an den ätherischen Leib gebunden ist, das setzt sich fort im ätherischen Leib. Nur wissen wir im gewöhnlichen Bewußtsein nichts davon, wie der ätherische Leib vom Einschlafen bis zum Aufwachen denkt, weil wir draußen sind. Es ist gar nicht wahr, daß wir in dem schlafenden Zustand nicht denken, wir denken vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Die Gedanken laufen fortwährend ab in unserem Ätherleib, nur weiß der Mensch nichts davon. Er fängt erst wiederum an etwas zu wissen, wenn er untertaucht; da werden die Gedanken wieder lebendig für sein Bewußtsein. Deshalb, weil die Gedanken mit dem physischen Erdenleben durch den Ätherleib so verbunden sind, ist es, daß der Mensch in Gedanken frei sein kann. Denn auf die Erde ist er versetzt, um frei zu werden. Die Kraft der Freiheit kann er sich nur aus der geistigen Welt holen, die Kraft zur Freiheit im Gemüte, die Kraft zur Freiheit im Willen.
[ 51 ] But this is also true: We allow that which lives in language to go out into the night along with the spiritual-soul aspect. We also allow that which lives in our limbs to go out. The astral body and the “I” go out. The etheric body remains with the physical body. Thinking, which is bound to the etheric body, continues within the etheric body. But in our ordinary consciousness, we are unaware of how the etheric body thinks from the moment we fall asleep until we wake up, because we are outside of it. It is not at all true that we do not think while asleep; we think from the moment we fall asleep until we wake up. Thoughts flow continuously through our etheric body; it’s just that we are unaware of them. We only begin to be aware of them again when we sink into sleep; then the thoughts come alive once more in our consciousness. It is precisely because thoughts are so closely connected to our physical earthly life through the etheric body that we can be free in our thoughts. For we have been placed on Earth to become free. They can draw the power of freedom only from the spiritual world—the power of freedom in the mind, the power of freedom in the will.
[ 52 ] Das ist der Zusammenhang mit der Tatsache, daß der Mensch seine eigentliche Denkgrundlage, den Ätherleib, durch das ganze Erdenleben hindurch behält. Der Ätherleib geht während des Erdenlebens nicht hinaus in eine kosmische Welt. Der astralische Leib und das Ich gehen hinaus. Erst wenn der Tod eintritt, geht auch der Ätherleib hinaus. Da kommt dann die Rückschau auf das Leben durch ein, zwei, drei Tage, wo der Mensch sein ganzes Leben überschaut, so ähnlich, wie ich das gestern für die Imagination, die erste Stufe des übersinnlichen Erkennens, beschrieben habe. Es tritt das nach dem Tode unter allen Umständen ein, daß der Mensch also zurücksieht auf sein verflossenes Erdenleben. Aber während das ganze Meer der Gedanken, die er schlafend und wachend zwischen der Geburt und dem Tode durchgemacht hat, da ist, während diese in den ersten drei Tagen nach dem Tode daliegen wie ein Meer von ineinanderwebenden Gedanken, nimmt der Kosmos diese Gedanken sogleich danach in Anspruch. Sie lösen sich auf, und nach zwei bis drei Tagen ist die ganze Rückschau in den Kosmos verflogen. Wir sagen, der Ätherleib hat sich auch getrennt. In Wahrheit hat der Kosmos den Ätherleib aufgenommen, aufgesogen. Er hat sich immer mehr und mehr vergrößert, bis er endlich ganz in den Kosmos aufgegangen ist. Da werden wir dann wiederum als Ich und Astralisches aufgenommen in den Schoß der höheren Hierarchien. Und erst, wenn wir wiederum einen Ätherleib bekommen, können wir zum Erdenleben heruntersteigen, können wir die Arbeit an uns zum freien Menschen fortsetzen. Denn das Erdenleben hat als Ziel, den Menschen zum freien Menschen zu machen. Das kann ihm auf Erden geschenkt werden, was im reinen Denken als Grundlage zur Freiheit liegt. Deshalb bleibt aber auch der Ätherleib durch das ganze Erdenleben mit dem physischen Leibe verbunden, das heißt, löst sich mit dem Tode auf in Welten, wo die Freiheit nicht erlernt wird. Die wird während des Erdenlebens erlernt; Sie wissen ja, auch nur während gewisser Epochen des Erdenlebens.
[ 52 ] This is connected to the fact that human beings retain their actual basis of thought—the etheric body—throughout their entire earthly life. The etheric body does not depart into the cosmic world during earthly life. The astral body and the “I” do go out. Only when death occurs does the etheric body also go out. Then comes the review of one’s life over the course of one, two, or three days, during which a person surveys their entire life, much as I described yesterday in relation to imagination, the first stage of supersensible knowledge. What occurs after death under all circumstances is that the human being thus looks back on his past earthly life. But while the entire sea of thoughts that he has experienced—both asleep and awake—between birth and death is present, while these lie there in the first three days after death like a sea of interwoven thoughts, the cosmos immediately claims these thoughts for itself. They dissolve, and after two to three days the entire retrospective has dissipated into the cosmos. We say that the etheric body has also separated. In truth, the cosmos has absorbed the etheric body, taken it in. It has expanded more and more until it has finally been completely absorbed into the cosmos. There we are then, in turn, received—as the “I” and the astral body—into the bosom of the higher hierarchies. And only when we receive an etheric body once more can we descend into earthly life, can we continue the work of developing ourselves into free human beings. For the goal of earthly life is to make the human being a free human being. What lies in pure thought as the foundation for freedom can be bestowed upon the human being on Earth. For this reason, however, the etheric body remains connected to the physical body throughout the entire earthly life; that is to say, upon death it dissolves into worlds where freedom is not learned. Freedom is learned during earthly life; as you know, this occurs only during certain epochs of earthly life.
[ 53 ] So können wir einsehen, daß die Freiheit durchaus in richtiger Verbindung mit dem Karma steht, denn die Freiheit hat zu tun mit dem, was im Bette liegen bleibt, was mit uns auch während des Schlafes verbunden ist, was sich nicht trennt von uns. Das Karma wird gewoben von dem Ich zwischen Einschlafen und Aufwachen. Das Karma wird gewoben abseits von dem im Menschen, worin die Freiheit liegt. Das Karma webt auch nicht an den freien oder unfreien Gedanken, das Karma webt an Gemüt und Willen. Da kommt aus den Tiefen der Menschennatur heraus, aus dem träumenden Gemüt und dem schlafenden Willen, das Karma herauf. In dieses können wir hineingießen, das heißt, dem entgegenstellen dasjenige, was in der Freiheit der Gedanken, im reinen Denken, in den ethischen, moralischen Impulsen lebt, wie ich sie beschrieben habe in der «Philosophie der Freiheit»; diese müssen im reinen Denken liegen.
[ 53 ] Thus we can see that freedom is indeed closely connected to karma, for freedom has to do with what remains in bed, what remains connected to us even during sleep, what does not separate from us. Karma is woven by the “I” between falling asleep and waking up. Karma is woven apart from that part of the human being in which freedom resides. Nor does karma weave from free or unfree thoughts; rather, it weaves from the mind and the will. Thus, karma rises up from the depths of human nature, from the dreaming mind and the sleeping will. Into this we can pour—that is, set against it—that which lives in the freedom of thought, in pure thinking, in the ethical and moral impulses, as I have described them in *The Philosophy of Freedom*; these must lie in pure thinking.
[ 54 ] So schließt sich wirklich alles zusammen. Und das wäre so notwendig, daß man immer mehr und mehr darauf aufmerksam würde, wie, je weiter man in der Anthroposophie vorrückt, desto mehr sich alle Einzelheiten zusammenschließen. Natürlich, wenn jemand herankommt an irgend etwas, was dieses oder jenes Gebiet darstellt, kann er Widerspruch über Widerspruch finden. Das ist gar nicht anders möglich, weil man, um einzusehen, daß es so ist, wie es auf einem einzelnen Gebiete dargestellt wird, doch eben das eine Gebiet im Zusammenhange mit dem Ganzen betrachten muß. Sonst urteilt man so wie einer, der über einen einzelnen Planeten urteilt und nicht begreifen kann, warum sich der so oder so bewegt: man muß das ganze Planetensystem beachten. Und so muß man auch, will man etwas wissen über Welt und Leben, den Zusammenhang, die physischen, seelischen und geistigen Tatsachen und die Einzelheiten der Tatsachenwelten versuchen zu überschauen.
[ 54 ] So everything really does come together. And it is so essential that one become increasingly aware of how, the further one advances in anthroposophy, the more all the details come together. Of course, when someone approaches any subject that represents this or that field, they may encounter contradiction after contradiction. It cannot be any other way, because in order to understand that things are as they are presented in a single field, one must view that field in the context of the whole. Otherwise, one judges like someone who judges a single planet and cannot understand why it moves this way or that: one must take the entire planetary system into account. And so, too, if one wants to know anything about the world and life, one must try to grasp the interconnection, the physical, psychological, and spiritual facts, and the details of the realms of reality.
[ 55 ] Das wollte ich Ihnen heute, wo sich die Möglichkeit gegeben hat, daß wir auch wieder im Zweige zusammensein konnten, auseinandersetzen. Ich wollte damit etwas beitragen dazu, daß Sie die Stimmung empfinden, die der Mensch dem Karma, das heißt der Weltgerechtigkeit gegenüber entwickeln kann, wenn er in der richtigen Weise sich einlebt in die Anthroposophie. Denn auf die Empfindungen kommt es an, die wir ins Leben hinübertragen, nicht auf das bloße Einsehen des Theoretischen. Möge es Ihnen wirklich immer mehr und mehr gelingen, dasjenige, was Ihnen die Anthroposophie gibt, nicht bloß zum Gedankeninhalt, sondern zum Seeleninhalt, oder, wie man richtig sagt, zum Herzensinhalt zu machen. Und je mehr es gelingt, daß Anthroposophie Herzensinhalt derjenigen ist, die sie verstehen wollen, desto mehr wird es auch gelingen, Anthroposophie immer mehr in das allgemeine Kultur- und Geistesleben einzuführen. Und das brauchen wir gar sehr, sonst wird die Menschheit mit den alten Traditionen, mit den alten Dingen nicht vorwärtskommen können. Versuchen Sie, immer mehr und mehr den Weg der Anthroposophie vom Kopf zum Herzen zu finden. In Ihren Herzen wird Anthroposophie gut geborgen sein.
[ 55 ] That is what I wanted to discuss with you today, now that the opportunity has arisen for us to gather together again in this branch. My aim was to help you sense the attitude that a person can develop toward karma—that is, toward cosmic justice—when they truly immerse themselves in anthroposophy. For what matters are the feelings we carry over into life, not merely a theoretical understanding. May you truly succeed more and more in making what anthroposophy gives you not merely the content of your thoughts, but the content of your soul—or, as is rightly said, the content of your heart. And the more we succeed in making anthroposophy the content of the heart for those who wish to understand it, the more we will also succeed in introducing anthroposophy more and more into general cultural and spiritual life. And we need this very much; otherwise, humanity will not be able to move forward with the old traditions, with the old ways. Try, more and more, to find the path of anthroposophy from the head to the heart. Anthroposophy will be well safeguarded in your hearts.
