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Human Nature, Human Destiny
and World Development
GA 226

19 May 1921, Oslo

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Vierter Vortrag

4. Man's Being, His Destiny and World Evolution, Part 1

[ 1 ] Wenn wir die Seele des Menschen betrachten, finden wir innerhalb des Seelischen Denken, Vorstellen, Fühlen und Wollen. Nun habe ich gewiß schon auch hier öfters über diese drei Seelentätigkeiten gesprochen. Allein ich möchte heute wiederum in einem besonderen Zusammenhange, der sich in unseren Zyklus einfügt, gerade über diese dreigliedrige menschliche Seele einige Worte vorbringen.

[ 1 ] In viewing the soul of man, we find its inner element composed of thinking or forming of mental representations, feeling, and willing. You know that these three soul-activities have been often discussed by me. Nevertheless, I should like to say a few words today about this threefold constitution of the human soul, inasmuch as it is in especial connection with the present cycle.

[ 2 ] Im wachen Zustande leben wir eigentlich nur in unseren Vorstellungen. Dasjenige, was wir denken, ist uns im wachen Zustande voll bewußt. Wenn Sie sich fragen: Sind die Gefühle, die wir durchmachen im Wachzustande, ebenso bewußt wie die Vorstellungen? — so müssen Sie sich dieses mit Nein beantworten. Die Gefühle bleiben für das wache Bewußtsein in einem gewissen Sinne dunkel und unbestimmt. Und wenn Sie dasjenige vergleichen, was Sie in Ihrer Gefühlswelt erleben, mit demjenigen, was Sie erleben, wenn Sie sich gegenübergestellt finden der mannigfaltigen Bilderwelt Ihrer Träume, so werden Sie in der Gefühlswelt und in der Traumeswelt denselben Grad von Bewußtsein finden. Es wird in der Gefühlswelt nur auf eine andere Weise geträumt, aber es wird auch in der Gefühlswelt nur geträumt. Man täuscht sich über diesen Charakter der Gefühlswelt dadurch leicht, daß man dasjenige, was gefühlt wird, in Vorstellungen übersetzt. Man stellt sich seine Gefühle vor. Dadurch hebt man die Gefühle in das Wachbewußtsein herauf. Aber die Gefühle als solche sind nicht mehr bewußt als der Traum.

[ 2 ] Life in the waking state is essentially concerned with our mental activity. Of what we are thinking we are fully conscious in the waking state. If you ask yourself: Are we as conscious of the feelings that we experience in the waking state as we are of the mental representations? the answer would have to be in the negative. In a certain sense, feelings are apprehended but dimly and vaguely by waking consciousness. And if you compare the experiences of your world of feelings with those confronting you in the manifold imagery of the dream-world, you will find the same degree of consciousness in the world of feelings that you do in the world of dreams. In the world of feelings, we dream in a different way; yet also in that world it is still only dreaming. We may be easily misled regarding the character of this world of feeling by translating that which is felt into mental representations. We make a mental image of our feelings. In this way, the feelings are raised into waking consciousness. Yet the feelings, as such, are no more conscious than dreams.

[ 3 ] Und insbesondere unbewußt bleiben, vollständig unbewußt können wir sagen, die Willensimpulse des Menschen. Stellen Sie sich nur einmal vor, wieviel Sie von etwas wissen, was Sie ein Wollen nennen. Nehmen Sie nur an, Sie strecken die Hand aus, um irgend etwas zu ergreifen. Sie haben zuerst die Vorstellung davon, daß Sie die Hand ausstrecken werden. Darinnen liegt Ihre Absicht. Wie aber diese Absicht nun hinunterströmt in Ihren ganzen Organismus, wie diese Absicht sich den Muskeln, den Knochen mitteilt, damit die Hand den Gegenstand ergreifen kann, davon wissen Sie ebensowenig, wie Sie von dem wissen im gewöhnlichen Bewußtsein, was während des Schlafes mit Ihrem Ich vorgeht. Erst wenn Sie den Gegenstand ergriffen haben, dann nehmen Sie wiederum wahr die Bewegung des Ergreifens, also wiederum eine Vorstellung. Was zwischen dieser Vorstellung, welche die Absicht bildet, und der Vorstellung liegt, die Sie dann haben, wenn Sie die Absicht in der äußeren Ausführung sehen, was dazwischen liegt, was da in Ihrem Organismus vor sich geht, das verschlafen Sie auch bei wachendem Bewußtsein. Das Wollen ist ein Schlafen, das Fühlen ist ein Träumen, und nur das Vorstellen, das Denken ist ein wirkliches Wachen.

[ 3 ] What remains still more unconscious—it might be said, wholly unconscious—are man's will-impulses. Try to visualize what you know of the faculty generally called willing. Suppose that you stretch out your hand in order to grasp something. First, you have a mental image of the fact that you are going to stretch out your hand. This is what you intend to do. But how this intention streams down into your whole organism; how it is imparted to the muscles, the bones, so that your hand be enabled to grasp an object: of all this you know as little as you know, in your ordinary consciousness, of what happens to your ego during sleep. Only after grasping the object, you become aware—again by means of a mental image—of having carried out a movement. What lies between the mental image forming the intention and the image engendered within you after this intention has been acted upon externally, what happens within your organism between these two stages is hidden by a sleep which takes possession of you even in the waking state. Willing is a matter of sleeping, feeling a matter of dreaming. And only mental activity, thinking, is a matter of real waking.

[ 4 ] Da haben wir auch während des Wachzustandes die dreigliedrige menschliche Seele: die wache Seele, die vorstellt, die träumende Seele, die fühlt, und die wollende Seele, die schläft, so daß der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein niemals sagen kann, was eigentlich da unten in den Zuständen vor sich geht, in denen der Wille webt und lebt.

[ 4 ] Here we have, even in the waking state, the threefold human soul: the waking soul that forms mental images; the dreaming soul that feels; and the willing soul that sleeps. Hence man can never know, out of his ordinary consciousness, what goes on in those regions where the will is weaving and living.

[ 5 ] Wenn man dann aber mit den Methoden der anthroposophischen Forschung in diejenige Region hinunterleuchtet, wo der Wille pulsiert, da findet man zunächst das Folgende. Wenn wir die Absicht haben, irgendeinen Willensentschluß auszuführen, dann ist das zunächst ein Gedanke, eine Vorstellung. In dem Momente, wo diese Absicht in den Organismus hineinströmt, entsteht im Organismus dasjenige, was man einen inneren Verbrennungsprozeß nennen kann. Jedesmal wird im Organismus ein Verbtennungsprozeß entstehen längs des ganzen Weges, den der Willensentschluß macht. Durch das Verbrennen von Stoffwechselprodukten, die Sie in sich haben, wird alles das bewirkt, was den Arm bewegt, um einen Willensentschluß auszuführen, so daß eigentlich ein wollender Mensch im physischen Sinne in einem verbrennungsartigen Verzehren seiner Stoffwechselprodukte sich befindet. Eigentlich müssen wir immer deshalb die Stoffwechselprodukte erneuern, weil durch den Willen diese Stoffwechselprodukte fortwährend verzehrt, verbrannt werden.

[ 5 ] If, however, we illuminate by the methods of anthroposophical research the regions where the will is pulsating, we discover the following: The intention of carrying out a will-impulse is primarily a thought, a mental image. At the moment when this intention streams down into the organism, something is produced which might be called a process of inner combustion. Invariably, this combustion is kindled in the organism along the entire path followed by the will-impulse. The combustion of metabolic products existing within you brings forth the movement used by the arm in order to carry out a will-impulse. Hence someone who wills an action undergoes, in a physical sense, a burning-up and consuming of his metabolic products. The metabolic products must be renewed for the reason that they are being constantly burned up, consumed by the will-impulse.

[ 6 ] Das ist anders beim Vorstellen. Beim Vorstellen findet ein fortwährendes Ablagern von salzartigen Bestandteilen statt. Erdige, salzartige, aschenartige Bestandteile sondern sich aus dem Organismus ab, so daß, physisch gesprochen, das Denken, das Vorstellen ein Salzablagern ist. Das Wollen ist ein Verbrennen. Und dem Anschauen, dem geistigen Anschauen stellt sich das menschliche Leben als ein fortwährendes Salzablagern von oben und als ein Verbrennen von unten herauf dar. Dieses Verbrennen, das macht, daß wir, wenn ich mich so ausdrücken darf, im Feuer des eigenen Leibes mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht wahrnehmen können, was der Wille eigentlich ist. Dieses Verbrennen bewirkt, daß wir den Willen, alles Wollen fortwährend verschlafen.

[ 6 ] It is different in mental activity. Here a constant depositing of salt-like particles takes place. Earthy, salt-like, ash-like particles are excreted from the organism. Thus, in a physical sense, thinking or mental activity is a depositing of salt. Willing is a combustion. To the spiritual view, human life appears as a continuous depositing of salt from above, and a combustion from below. This combustion has the effect of preventing by the fire within our body—if I may express it in this way—our perceiving, by means of our ordinary consciousness, the real nature of will. This combustion puts us to sleep in regard to our will, or will-impulses.

[ 7 ] Aber was wird uns denn da unsichtbar für das gewöhnliche Bewußtsein, wenn wir den Willen verschlafen? Wenn man nun in dieses organische Feuer, das fortwährend durch den Willen entsteht, mit den Mitteln der Geistesanschauung hineinleuchtet, dann nimmt man wahr, daß in diesem Feuer die Wirkungen unseres moralischen Verhaltens in dem vorhergehenden Erdenleben leben. Da drinnen lebt dasjenige, was man menschliches Schicksal, menschliches Karma nennen kann. Es ist wirklich so, daß, wenn man richtig anschaut, wenn ein Mensch zum Beispiel in einem bestimmten Jahre seines Lebens die Bekanntschaft eines andern Menschen macht, daß sich dann ganz anders diese Tatsache ausnimmt, wenn man sie geistig richtig anschaut, als wenn man sie nur äußerlich mit dem sinnlich-intellektualistischen Bewußtsein anschaut.

[ 7 ] And what becomes invisible to our ordinary consciousness while we are asleep? If by the methods of spiritual research, we illuminate the organic fire constantly being kindled through the will, we perceive that this fire contains the effects of our moral behavior during previous earth-lives. What lives in this fire may be designated as human destiny, human karma. It is actually true that a certain fact may assume an entirely different significance if looked at from a correct, spiritual viewpoint instead of an external, sensible-intellectual one.

[ 8 ] Nehmen wir an, ein Mensch hat eben in irgendeinem Jahre seines Lebens einen andern Menschen kennengelernt. Man spricht da sehr häufig von Zufall. Und es nimmt sich das ja auch so aus, als wenn der andere Mensch durch die verschiedenen Zufallswege des Lebens einem zugeführt worden wäre, und man hätte dann im Augenblicke mit ihm Bekanntschaft geschlossen. Aber so ist es ja nicht. Wenn man hineinschaut mit den Mitteln der Geisteswissenschaft in den ganzen Zusammenhang des menschlichen Lebens, in all das, was unsichtbar durch den angedeuteten Verbrennungsprozeß wird, dann sieht man, daß eine Bekanntschaft, die man zum Beispiel im fünfunddreißigsten Lebensjahre gemacht hat, ganz planmäßig das ganze Leben hindurch ersehnt und erstrebt worden ist. Wenn Sie den Menschen von seinem fünfunddreißigsten Lebensjahre bis zu seiner ersten Kindheit verfolgen und Sie legen bloß, Sie machen die Wege offenbar, die er durchgemacht hat, um zuletzt da anzukommen, wo ihm der andere Mensch begegnet ist, so ist das ein ganz planmäßiges Erstreben im Unterbewußtsein. Und manchmal ist es, wenn man in dieser Weise das Schicksal des Menschen betrachtet, ganz wunderbar, welche Winkelzüge ein Mensch macht, um an einer bestimmten Stelle in einem bestimmten Jahre anzukommen und da den andern Menschen zu treffen. Wer wirklich in das menschliche Leben hineinsieht, der kann gar nicht anders sagen als: Derjenige, der etwas erlebt, hat dieses Erlebnis sein ganzes Erdenleben hindurch so gesucht, wie man nur irgend etwas suchen kann. — Und warum suchen wir ein bestimmtes Erlebnis? Weil uns dieses Suchen aus früheren Erdenleben in die Seele hinein ergossen ist. Aber diese früheren Erdenleben erscheinen in ihren Wirkungen nicht im Gedankenbewußtsein, in dem wir wachen, sondern sie erscheinen in ihren Wirkungen in dem Bewußtsein, wo ein Verbrennungsprozeß uns fortwährend in einen Schlaf einlullt. Wir streben unbewußt, aber wir streben nach den Erlebnissen unseres Erdendaseins hin.

[ 8 ] For instance, a man may become acquainted, in a certain year of his life, with another man. This is generally considered as accidental. And it really seems as if the two persons had been led together by the accidents of life and become acquainted at a chance moment. Things, however, happen otherwise. If we use the methods of spiritual research and look into the whole connection of human life, if we look into everything made invisible by the previously mentioned process of combustion, we then find that an acquaintance made in a man's thirty-fifth year has been longed for and striven for by this man during his entire life according to a definite plan. If we follow someone's life from his thirty-fifth year back into his early childhood, we may uncover and reveal what paths were pursued in order to arrive at the point where the other man was encountered. All this has been carried out in accordance with a plan harbored in the unconscious. If we look at a human being's destiny in this way, it is remarkable to discover what wiles were occasionally employed by this person in order to arrive at a certain place, in a certain year, and to encounter a certain person. Anyone having real insight into human life cannot help but say that, if someone is undergoing an experience, he himself has sought it, with all the force at his command, during his entire earth-life. And why do we seek a particular experience? Because this seeking has been poured into our soul out of former lives. These former earth-lives, however, do not show their effect inside our waking thought-consciousness. They show their effect in that state of consciousness constantly lulled to sleep by the process of combustion. Although striving unconsciously, we are nonetheless striving for the attainment of our earthly experiences.

[ 9 ] Nun können sich verschiedene Einwände erheben, Gedanken erheben, wenn so etwas ausgesprochen wird. Zuerst kann der Mensch sagen: Ja, dann ist unser ganzes Leben schicksalsbestimmt und wir haben keine Freiheit. — Aber verlieren wir dadurch an Freiheit, daß wir blonde Haare haben und nicht schwarze? Das ist ja auch vorbestimmt. Wir sind dennoch frei, trotzdem wir blonde Haare haben und nicht schwarze, wenn wir uns vielleicht auch schwarze wünschen; wir sind dennoch frei, wenn wir auch nicht, was wir vielleicht als Kind wollen, den Mond herunterlangen können. Wir sind dennoch frei, wenn auch von dem Beginn unseres Erdenlebens an von uns gewisse Erlebnisse gesucht werden, denn nicht das ganze menschliche Leben setzt sich aus solchen schicksalsmäßigen Erlebnissen zusammen, sondern es fügen sich immer den schicksalsmäßigen Erlebnissen die freien Erlebnisse ein. Und diese freien Erlebnisse, die sich einfügen, findet die Geisteswissenschaft wiederum an einer andern Stelle.

[ 9 ] Now, if something of this kind is said, various objections may arise in our thoughts. First of all, the following argument might be raised: If all this be true, then our whole life is determined by destiny; we have no freedom. But do we lose our freedom through the fact that our hair is blond and not black? This, too, is predestined. We are nevertheless free, even if our hair is blond instead of black—although we might possibly prefer black hair; we are nevertheless free, even if we cannot pull down the moon, as we might have longed to do as children. We are nevertheless free, even though we have sought certain experiences since the beginning of our earth-life. For not all of human life is composed of such destined experiences; these experiences are always joined to freely chosen experiences.

[ 10 ] Ich spreche ja oftmals von den drei Stufen der Geisteserkenntnis: von der Imagination, wo wir zuerst eine Bilderwelt schauen, von der Inspiration, wo in diese Bilderwelt die geistige Wirklichkeit und Wesenhaftigkeit hereinkommt, und dann von der Intuition, wo wir in der geistigen Wirklichkeit und Wesenhaftigkeit darinnenstehen.

[ 10 ] And these freely chosen experiences joined to the others are found by spiritual science in a different place. I have often spoken of the three stages of spiritual knowledge: Imagination, when we first view a world of images; inspiration, when this world of images is penetrated by spiritual reality and essence; intuition, when we stand amid spiritual reality and essence.

[ 11 ] Wenn nun der Mensch als Geistesforscher zur Imagination kommt und dadurch, wie ich schon im öffentlichen Vortrage angedeutet habe, sein Lebenstableau vor sich hat, dann wird zu gleicher Zeit auch immer etwas anderes anschaubar. Man kann nicht das eine ohne das andere haben. Man kann nicht die Imagination haben, die wirkliche Geist-Erkenntnis des bisherigen Erdenlebens, ohne daß in einer merkwürdigen Weise wie eine Erinnerung diejenigen Erlebnisse auftauchen, die wir während des Schlafes immer gehabt haben vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Ich habe Ihnen erzählt, wie diese Erlebnisse sind. Wenn man auf der einen Seite die Imagination erhält, erhält man auf der andern Seite insbesondere stark, wenn dann auch das innere Schweigen der Seele eintritt, eine Anschauung desjenigen, was der Mensch im Schlafzustande erlebt.

[ 11 ] If the human being, in the course of his spiritual research, attains imagination and hence sees before him the tableau of his life, something else always becomes visible at the same time. One cannot be attained without the other. We cannot attain imagination, real spiritual knowledge of the life lived by us heretofore on earth, without seeing emerge, in a strange, memory-like manner, the experiences undergone by us during sleep between going to sleep and awaking. I have told you of what these experiences consist. When attaining imagination on the one hand, we attain, on the other, by means of the inner silence enveloping our soul, an especially profound view of what the human being experiences during sleep. I have already described to you many things experienced by us during the sleeping state.

[ 12 ] Nun habe ich Ihnen schon manches von dem geschildert, was der Mensch im Schlafzustande erlebt. Aber dasjenige, was einem vor allen Dingen vor das Seelenauge an Erlebnissen während des Schlafes tritt, das ist das neu sich bildende Schicksal. Wenn wir in das Schlafen hinunterleuchten, das im Wollen liegt während des Wachens, dann kommen wir auf das Karma, welches aus früheren Erdenleben hereinwirkt. Wenn wir anfangen, die Erlebnisse zwischen dem Einschlafen und Aufwachen zu durchschauen, dann schauen wir hin, wie sich aus unseren freien Handlungen, die wir gegenwärtig verrichten, zusammenwebt das Karma, das sich erst wiederum im nächsten Erdenleben verwirklicht.

[ 12 ] What, however, is mainly set before our inner eye in sleep concerns destiny, as it forms itself anew. If we illuminate the sleep that encompasses our will even in the waking state, we can see at work the karma resulting from previous earth-lives. And, if we see in their true light the experiences undergone by us between going to sleep and awaking, we recognize how the karma that will be realized in our next earth-life is being woven out of the free deeds performed by us in the present earth-life.

[ 13 ] Glauben Sie nicht, daß nun, wenn man in dieses Schlafesleben hineinschaut, dasjenige das besonders Beunruhigende ist, daß man sich jetzt sagen muß: Du hast dir durch dein moralisches Verhalten im jetzigen Erdenleben dieses Karma zubereitet. — Das beunruhigt nicht mehr, als wenn man weiß, heute ist die Sonne aufgegangen, bis zur Mittagshöhe gestiegen, ist wieder hinuntergegangen und wird am nächsten Tag denselben Weg durchmachen. Diese Gesetzmäßigkeit, die einem da aus der Tiefe des Schlafes herausdtingt, die beunruhigt einen nicht, weil auf die mannigfaltigste Weise wiederum durch Freiheit in dem nächsten Erdenleben dasjenige zur Wirkung kommen kann, was man veranlagt findet in den Schlafeszuständen des gegenwärtigen Erdenlebens. Aber man überschaut durchaus das Karma, das sich in den unterbewußten Zuständen des Wollens auswirkt, und man überschaut das sich wieder anspinnende Karma, wenn man in dasjenige hineinschaut, was sich für das gewöhnliche Bewußtsein auch unbewußt im Schlafe beginnt zu weben als ein anfängliches Karma. Und das sieht man auch, wie die Vergangenheit sich immer wieder zusammenwebt im Menschen mit der Zukunft, wie dasjenige, was der Mensch bei Tag verschläft als die inneren Geheimnisse seines Willens, sich zusammenspinnt mit demjenigen, was er bei Nacht verschläft als die inneren Geheimnisse seines Ichs und seines astralischen Leibes, wenn sie sich von dem physischen Leibe und Ätherleibe getrennt haben und an dem Zukunftskarma weiterweben.

[ 13 ] You might believe that those able to fathom the realm of sleep might be perturbed when saying to themselves: Your own moral conduct during the present earth-life is preparing your karma. Yet this fact is no more perturbing than the knowledge that the sun has risen, climbed to its highest position at noon, sunk in the evening below the horizon, and will repeat the same course on the morrow. The lawfulness rising from the depth of slumber does not perturb us; because through freedom all that has been formed in the sleeping state of the present earth-life can, in the most manifold ways, be brought forth during the next earth-life. And, when we envisage that which begins to weave itself in sleep, hidden from our ordinary consciousness, as new karma, we can clearly see karma at work in the subconscious states of our will—clearly see karma being spun anew. We can also see how the past is being interwoven in the human being with the future; we can see how that which is veiled to the waking human being by sleep in the day-time, that is to say, the inner secrets of his will, is being spun together with that which is veiled to him by sleep at night: namely, the inner secrets of his ego and astral body as they have separated themselves from the physical and etheric bodies and are taking part in weaving the future karma.

[ 14 ] Wenn wir im gewöhnlichen Wachsein denken, dann denken wir zumeist über äußere Dinge. Diese äußeren Dinge, die wir da denken, die bleiben dann in unserer Erinnerung durch den gewöhnlichen Inhalt unseres Seelenlebens. Aber das ist nur die Oberfläche des Seelenlebens. Hinter diesem Niveau des Denkens liegt ein viel tieferes Seelenleben. Dieses, was wir beim Tagwachen als unser Denken erleben, das erleben wir im ätherischen Leibe, im Bildekräfteleibe. Dasjenige, was dahinter vorgeht im astralischen Leibe und im Ich, das kann man nur erleben, wenn man bewußt in die Geschehnisse eindringt, die das Ich und der astralische Leib durchmachen, wenn sie vom physischen Leibe und vom Ätherleibe getrennt sind im Schlafe. Da spinnt sich das Zukunftskarma an. Das wird durch die äußeren Gedanken, die im Ätherleib sind, bei Tag für uns verhüllt. Aber in den Tiefen der Seele, da webt es auch bei Tag sich zusammen mit demjenigen, was im unbewußten schlafenden Willen ist als das Karma, das aus der Vergangenheit herüberkommt. Und so kann man sehr genau in dieses Karma des Menschen hineinweisen.

[ 14 ] Consider that the things thought by man in his ordinary waking state are mostly concerned with outer matters. These outer things thought by us remain fixed, by means of our soul-life's ordinary content, in our memory. All this, however, represents only the surface of our soul-life. Beyond this thought-level lies a soul-life of much greater profoundness. Whatever we experience during the waking state as our thinking, we experience in the etheric body, the formative-force body. All that happens at a deeper level in the astral body and the ego can be experienced only by consciously penetrating the events passed through by the astral body and the ego when they have separated themselves from the physical and etheric bodies and fallen asleep. Then the future karma is being spun. In the day-time, this future karma is veiled to us by the outward thoughts contained in the etheric body. In the depth of the soul, however, it is being woven together, also during the day, with that which dwells in unconscious, sleeping will as the karma emerging from the past. Hence the karma of the human being can be accurately divulged.

[ 15 ] Aber da liegt nun folgendes Eigentümliche vor. Ganz besonders interessant ist für die Karmabeobachtung die Zeit der allerersten Kindheit des Menschen. Die Entschlüsse des Kindes erscheinen uns ganz willkürlich, dennoch sind sie nicht willkürlich. Oh, es ist schon so, daß diese Willensentschlüsse des Kindes dasjenige nachahmen, was in der Umgebung des Kindes vor sich geht. Und ich habe im öffentlichen Vortrag das angedeutet, wie das Kind ganz Sinnesorgan ist, wie es innerlich jede Geste erlebt, jede Bewegung der Menschen seiner Umgebung. Aber es erlebt jede Geste, jede Bewegung mit der moralischen Bedeutung, so daß das Kind an einem jähzornigen Vater das Unmoralische erlebt, das mit dem Jähzorn verknüpft sein kann. Und das Kind erlebt in den feinsten Bewegungen, die der Mensch in seiner Umgebung macht, die Gedanken, die der Mensch hat. Wir sollten uns daher nie gestatten, unreine, unmoralische Gedanken etwa in der Umgebung eines Kindes zu haben und zu sagen: In Gedanken können wir uns das gestatten, das Kind weiß doch nichts davon. — Das ist nicht wahr. Wenn wir denken, bewegen sich immer in irgendeiner Weise wenigstens unsere inneren Nervenstränge. Diese nimmt auch das Kind wahr, besonders in den allerersten Jahren. Das Kind ist ein feiner Beobachter und Nachahmer seiner Umgebung. Aber was das Merkwürdige, das, ich möchte sagen, im erhabenen Sinne Interessante ist, ist, daß das Kind nicht alles nachahmt, sondern daß es eine Wahl trifft. Und diese Wahl geschieht eigentlich auf eine sehr komplizierte Weise.

[ 15 ] Here we find several interesting facts. The age of the human being's earliest childhood is especially revealing for the observation of karmic connections. The resolutions of children appear to us as utterly arbitrary; and yet they are not at all arbitrary. It is indeed true that the child's actions imitate what goes on in the child's surroundings. I have indicated in my public lecture how the child, completely at one with his sense-organism, inwardly experiences every gesture, every movement made by the people around him. But he experiences every gesture, every movement, in its moral significance. Hence a child who is confronted with a choleric father experiences the immoral element connected with a choleric temperament. And the child experiences, through the subtlest movements of the people around him, the thoughts that these people harbor. Hence we should never permit ourselves to have impure, immoral thoughts in a child's presence and say: Such thoughts are permissible, because the child knows nothing about them. This is not true. Whenever we think, our nerve-fibers are always vibrating in one way or another. And this vibration is perceived by the child, especially during his earliest years. The child is a subtle observer and imitator of his surroundings. The strangest and—it might be said—the most interesting fact, in an exalted sense, is the following: The child does not imitate everything, but takes his choice. And this choosing is done in a very complicated manner.

[ 16 ] Denken Sie sich also einmal, in der Umgebung des Kindes wirkt meinetwillen ein unüberlegter jähzorniger Vater, der allerlei Dinge macht, welche eigentlich nicht richtig sind. Weil das Kind ganz Sinnesorgan ist, muß es alle diese Dinge aufnehmen, wie das Auge sich nicht wehren kann, es muß das schen, was in seiner Umgebung ist. Aber das Kind nimmt dasjenige, was es da aufnimmt, eben nur im Wachzustande auf. Nun beginnt das Kind zu schlafen. Kinder schlafen viel. Und während des Schlafes trifft nun das Kind die Wahl. Dasjenige, was es aufnehmen will, sendet es aus seiner Seele in seinen Leib, in seinen Körper hinunter. Dasjenige, was es nicht aufnehmen will, stößt es während des Schlafes in die ätherische Welt hinaus, so daß das Kind nur dasjenige in seine Körperlichkeit aufnimmt, wozu es schicksalsmäßig vorbestimmt ist durch sein Karma, durch sein Schicksal. Das Walten des Schicksals sieht man insbesondere lebendig in den allerersten Kindesjahren.

[ 16 ] Let us assume that the child has before him a hot-headed, choleric father who does many things that are not right. The child, wholly one with his sense-organism, must absorb all these things. Since his eye cannot protect itself, it must perceive what takes place in the child's surroundings. What the child absorbs, however, is absorbed only in the waking state. Eventually the child goes to sleep. Children sleep a great deal. And during sleep the child is able to choose: What he wants to absorb is sent out of his soul into his body, his physical organism; what he does not want to absorb is ejected during sleep into the etheric world. Thus the child takes into his bodily organism only those things that have been predestined for him by his destiny, his Karma. The working of destiny is seen with especial vividness in the child's very first years.

[ 17 ] Wenn man ein intellektualistischer Mensch ist, dann hat man oftmals das Bewußtsein, man ist furchtbar gescheit und das Kind ist furchtbar dumm. Wenn man allmählich in die Welt hineinsehen lernt, dann hat man dieses Urteil nicht, dann hat man das andere Urteil, wie dumm man eigentlich seit der Kindheit geworden ist. Nur ist die Gescheitheit, die man sich angeeignet hat, gegenüber der Kindheit eine bewußte Gescheitheit. Die Weisheit aber, mit der das Kind auf die beschriebene Art die Wahl trifft zwischen dem, was es sich einverleiben will, nach seinem Schicksal von den vorhergehenden Erdenleben sich einverleiben muß, und demjenigen, was es in die allgemeine Ätherwelt abstößt, ist eine viel, viel größere als die Weisheit, die wir im späteren Leben haben. Und dasjenige, was der Mensch aus seinem früheren Erdenleben in das gegenwärtige Erdenleben hereinträgt, trägt er gerade in den ersten Kindheitsjahren am allerersten herein, wo die Frage der Freiheit überhaupt noch gar nicht in Betracht kommt. In derjenigen Lebenszeit, in der das Freiheitsbewußtsein auftaucht, haben wir eigentlich das allermeiste, das weitaus meiste von dem, was wir aus früheren Erdenleben in dieses Erdenleben hereintragen sollen, schon hereingetragen. Und wenn einer im fünfunddreißigsten Lebensjahre ein ganz bestimmtes Erlebnis hat, so hat er sich die Wege zu diesem Erlebnis durchaus schon in den allerersten Kindesjahren geebnet. Die ersten Schritte des Lebens sind für das schicksalsmäßig Bestimmte die allerwichtigsten und wesentlichsten.

[ 17 ] A person with a merely intellectual bent often feels that he is tremendously clever and the child tremendously stupid. After acquiring insight into the world, we discard this opinion and begin to realize how stupid we have become since our childhood. Our present cleverness, as opposed to that of childhood, is a conscious one. Yet far, far greater than all the wisdom given to us in later years is the wisdom with which the child, as was previously described, chooses between that which, according to the destiny resulting from former earth-lives, he must incorporate into himself, and that which he may eject into the general etheric world. And what is brought by man from former earth-lives into his present one becomes especially visible during the first years, when the question of freedom does not matter as yet. At the age when the consciousness of freedom arises, we have already brought into the present earth-life most of what had been destined to be garnered from previous earth-lives. And if someone has a certain experience at the age of thirty-five, he has blazed a trail towards this experience since his first childhood years. The first steps of life are the most important and essential for all that is determined by destiny.

[ 18 ] Ich habe einmal versucht, das anzudeuten, wie das Kind weise ist, und wie man eigentlich im Verlaufe des Lebens immer weniger weise wird. Man wird bewußter, und man schätzt dann die bewußte Rationalität, und man schätzt nicht die unbewußte Weisheit des Kindes. Die schätzt man eigentlich erst durch die Initiationswissenschaft. Ich habe einmal darauf aufmerksam gemacht. Das ist aber von offiziell philosophischer Seite furchtbar getadelt worden. Ich habe darauf in meinem Büchelchen aufmerksam gemacht «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», gleich im ersten Kapitel. Es ist also schon wichtig, daß wir auf diese allererste Kindheit in dieser Weise hinzuschauen vermögen. Wenn die Menschen das einmal durchschauen, dann werden sie auch wiederum ein gesünderes Urteil bekommen über etwas, was heute immer und immer wiederum erwähnt wird, aber gar nicht durchschaut wird, die vererbten Eigenschaften. In Dichtung und Wissenschaft möchte man heute alles auf die vererbten Eigenschaften, auf die von den Eltern ererbten Eigenschaften zurückführen. Wird man einmal einsehen, wie das Kind karmisch aus den früheren Erdenleben sich dasjenige hereinträgt, was es sogar in sehr weiser Art auswählt, dann wird man das rechte Verhältnis zwischen dem finden, was in der Schicksalsbestimmung liegt, und dem, was die äußere Vererbung und Kleidung ist. Denn diese Vererbung ist nur eine Umkleidung. Und daß sie da ist, wundert den nicht, der in der richtigen Weise dasjenige versteht, was ich hier in diesen Vorträgen auch gesagt habe, daß wir uns an einem gewissen Zeitpunkte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt der Generationenfolge zuwenden. Wir wenden ja den Blick vom Jenseits herunter in das Diesseits, um lange vorauszusehen, was wir für Eltern haben werden. Wir bestimmen mit vom Jenseits die Eigenschaften, welche die Eltern haben werden; kein Wunder, daß wir sie dann erben. Aber in dem Vererbten treffen wir dann wiederum auf die geschilderte Weise die Auswahl. Überhaupt ist die Beobachtung des Menschen in den ersten kindlichen Lebensjahren etwas ganz besonders erhaben Interessantes. Ich muß diesen Ausdruck immer wieder gebrauchen. Ich habe Sie auf dasjenige aufmerksam gemacht, was in den ersten Lebensjahren von dem Kinde gelernt wird: gehen, worunter wir so vieles erfassen, wie wir gestern angeführt haben, sprechen, denken. Das eignet sich das Kind an, Derjenige, der nun richtig beobachten kann, wie das Kind die ersten Schritte macht, wie es fest das Beinchen aufsetzt, oder leise das Beinchen aufsetzt, wie es wacker vorschreitet, oder ängstlich vorschreitet, wie es stärker oder weniger stark das Knie beugt, wie es den Zeigefinger mehr braucht als den kleinen Finger, wer all das, was mit dem Gehen, überhaupt mit der Lebensbalance, in die der Mensch in den drei Raumesrichtungen sich hineinfindet, wer in all das, was damit zusammenhängt, richtig hineinschaut, der sieht gerade darinnen, wie in diesem Gehenlernen das Karma bildhaft zum Ausdrucke kommt. Man sieht, wie ein Kind von vornherein, wenn es gehen lernt, die Füßchen stark aufsetzt. Man schaut zurück, wie das mit einem vorhergehenden Erdenleben zusammenhängt. Man findet, daß das Kind in irgendwelchen Lebenslagen sich in vorhergehenden Erdenleben wacker und tapfer verhalten hat. Das Wackere und Tapfere der vorhergehenden Erdenleben drückt sich bildhaft sinnlich im Abbilde in der Art und Weise aus, wie es die Füßchen stellt. Und man kann gerade im Gehenlernen ein wunderbares Abbild des Menschenkarmas am Kinde beobachten. Das individuelle Karma, dieses persönliche Karma, das man als einzelner Mensch hat, drückt sich insbesondere in diesem Gehenlernen aus.

[ 18 ] I have tried to point out how wise we were as children and how, fundamentally, we become less and less wise as life continues. Our consciousness expands: hence we value conscious rationalism, and do not value the child's unconscious wisdom. Only by acquiring the science of initiation are we taught how to value this wisdom. I have called attention to these things in the very first chapter of my booklet: Spiritual Guidance of Man and Humanity [Anthroposophic Press, New York.] Official philosophy has taken me severely to task on this score. It is important, nevertheless, that we are capable of looking at the first years of childhood in the right way. People, once they have understood these things, will attain a sounder judgment on something that is mentioned today again and again, but not understood in the least: the question of inherited qualities. In present-day literature and science the tendency is to base everything on qualities that have been inherited from the parents. If we once realize how the child, in a karmic sense, gathers from previous earth-lives whatever his wisdom urges him to select, we shall comprehend the correct relation between that which is determined by destiny and that which represents external inheritance and garb. For this inheritance is nothing but an external garb. That the latter exists will not seem strange to those comprehending in the right way how the human beings connect themselves, at a certain point between death and a new birth, with the sequence of generations. Turning their glance from the Beyond to the earthly realm, they are able to foresee who their parents are going to be. From the Beyond, we help to determine the qualities that our parents will have. Hence it is no wonder that we inherit these qualities. Yet—as was previously described—we make our choice concerning the qualities that we inherit. To observe the human being during his first childhood years is a study as interesting as it is exalted. I must use this expression again and again. You will remember that I called your attention to the three things learned by the child in his first years: walking, which includes so many things that were discussed yesterday, speaking, and thinking. These three faculties are attained by the child. Now let us observe correctly how the child takes his first steps. He may put down his little legs and feet firmly or gently; advance courageously or timidly; bend his knee vigorously or with less vigor; use his index finger or his little finger more frequently. Those who have the right insight into what is connected with walking, what is connected with the sense of equilibrium through which the child orientates himself in the three spatial directions—all those will recognize that the child's karma is symbolically expressed in his attempts at walking. We see a certain child, as he learns how to walk, put down his little feet with firmness. This shows us that he has proved himself as brave and courageous in various situations belonging to previous earth-lives. This brave and courageous quality coming from previous earth-lives is expressed, in a sensible image, by the firm manner in which the child plants his little feet on the ground. Thus we may observe just in the child's first attempts at walking a miraculous image of human karma. A man's personal karma is especially expressed by the manner in which he learns how to walk.

[ 19 ] Als zweites lernen wir die Sprache. Da ahmen wir dasjenige nach, was in unserer Umgebung gesprochen wird. Jedes Kind tut das auf seine besondere Art, aber es ahmen alle Menschen, die innerhalb eines Sprachgebietes ihre Muttersprache lernen, eine Sprache nach. In der Art und Weise, wie das Kind sich in das Nachahmen der Laute hineinfindet, sieht man, wie sich im Menschen das Volksschicksal auslebt. Im Gehenlernen eines Menschen: einzelnes individuelles Schicksal; im Sprechenlernen: Volksschicksal; und im Denkenlernen: das Schicksal der ganzen Menschheit in einem gewissen Zeitpunkte über das Erdenrund hin. Dreierlei Schicksale verweben sich eigentlich im Menschen.

[ 19 ] In the second place, we learn how to speak. We imitate what is spoken around us. Every child does this in his own way; yet all human beings who learn how to speak their mother tongue within a lingual province imitate just this one language. Hence we find that the human being's folk destiny is expressed by the way in which the child adapts himself to the imitation of sounds. The child, when learning how to walk, expresses his individual destiny; when learning how to speak, his folk destiny. And, when learning how to think, he expresses the destiny of universal mankind living in a certain period all over the globe. Thus a threefold destiny is interwoven in man.

[ 20 ] Unsere Gedanken kleiden wir zwar in verschiedene Sprachen, aber wenn man durch die Sprache zu den Gedanken vordringt, machen wir den Anspruch darauf, daß die Gedanken in aller Welt von jedem Menschen begriffen werden können. Es gibt eine chinesische und eine norwegische Sprache, aber es gibt keinen Unterschied zwischen chinesischen Gedanken und norwegischen Gedanken als den, der individuell ist. Aber die Gedanken als solche, ihre Wahrheit oder Unwahrheit, sind nicht anders. Daß das Denken eine andere Färbung annimmt, rührt von dem her, daß der Mensch in der Sprache im Individuellen lebt, aber was den Gehalt der Gedanken betrifft, nicht die Form der Gedanken, so ist er für alle Menschen gleich.

[ 20 ] It is true that we clothe our thoughts with diverse languages. Yet, when penetrating across language to the thoughts, we assume that these can be understood by every person anywhere in the world. A Chinese and a Norwegian language exist; nonetheless there is no difference—except an individual one—between Chinese and Norwegian thoughts. For it must be admitted that thoughts as such, with regard to their truth or untruth, are the same everywhere. They are differently colored for the sole reason that human beings express themselves through language and individual traits. The thought-content, however—not the form—is alike for all men.

[ 21 ] Indem das Kind sich hineinfügt in der dritten Stufe in das Gedankenleben, fügt es sich ein in einen bestimmten Zeitpunkt für die gesamte Menschheit; durch die Sprache in das Volksschicksal, durch das Hineinstellen in drei Raumesvorstellungen, durch das Gehenlernen, Greifenlernen und so weiter in das persönliche, individuelle Schicksal.

[ 21 ] By adjusting himself to thought-life in his third stage, the child adjusts himself, at a certain point, to all of mankind. Through language, he adjusts himself to the folk destiny; through his orientation in three spatial directions (by learning how to walk, how to handle objects, and so forth) he adjusts himself to his personal, individual destiny.

[ 22 ] Solche Dinge müssen, wenn man den Menschen in seinem ganzen Wesen richtig verstehen will, allseitig durchschaut werden. Wie das nun mit dem ganzen Menschenleben ist, möchte ich Ihnen noch an einer andern Tatsache klarlegen. Gehen wir noch einmal zu dem Schlafzustande zurück, zu den Erlebnissen, die der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen durchmacht. Da geht der Mensch mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe in die geistige Welt hinein, eigentlich zum Ausgangspunkte des Lebens zurück. Aber das Ich und der astralische Leib weben das Zukunftsschicksal. Wenn nun das Ich und der astralische Leib wiederum zurückkehren in den physischen Leib, dann ist jede Nacht ein neues Stück Schicksal gewoben. Aber der Mensch versteht noch nichts von diesem Schicksal im gewöhnlichen Bewußtsein. Er dringt wiederum zurück in seinen Ätherleib und in seinen physischen Leib. Im Ätherleib sind die Gedanken zurückgeblieben. Die Gedanken sind nicht in dem nachtschlafenden Zustande mitgegangen. Der Mensch glaubt nur, daß, wenn er im Bette ist, er nicht denkt. Er denkt fortwährend, nur weiß er nichts davon, weil er mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leibe außer dem Denken ist. Denn das Denken besteht in einer Tätigkeit des Ätherleibes. Sie können bei demjenigen, was stärkeren Eindruck auf Sie macht, das eigentlich sehr leicht im gewöhnlichen Leben auch beobachten. Denken Sie nur einmal, Sie waren etwa zum ersten Male bei einer Sie besonders anregenden Symphonie. Sie werden in der Nacht, wenn Sie dazu die besondere Veranlagung haben, oftmals aufwachen können und Sie wachen immer in die Töne dieser Symphonie hinein auf, weil Ihr Ätherleib die ganze Nacht in dieser Symphonie fortvibriert. Die hört nicht auf in Ihnen. Es ist gar nicht notwendig, daß Sie dabei sind, damit die Symphonie in Ihnen sich abspielt. Wenn Sie dabei sind, dann nehmen Sie nur in den Vibrationen in Ihrem Ätherleibe wahr. Und so ist es mit allen Gedanken auch. Sie denken die ganze Nacht im Bette, nur sind Sie mit Ihrem Ich nicht dabei, daher wissen Sie nicht, wie Sie da denken.

[ 22 ] In order to understand man's being in the right way, these things must be viewed from all sides. Now I should like to explain to you by means of another fact how the whole of human life is constituted. Let us go back to the sleeping state; to those experiences undergone by us between falling asleep and awaking. Here we go back, with our ego and astral body, into the spiritual world; we go back to the starting-point of our life. Yet the ego and astral body are weaving our future destiny. When the ego and astral body return again to the physical body, then destiny has been woven anew night by night. Man's ordinary consciousness, however, does not yet know anything of this destiny. He enters again into his physical and etheric bodies. In the etheric body, he had left behind his thoughts. We only assume that we do not think while lying in bed. We think unceasingly, but unbeknown to ourselves, because our ego and astral body dwell outside our thoughts. Thinking is an activity of the etheric body. You can easily observe this fact even in every-day life. For instance: you have heard, for the first time, a symphony that excited you greatly. If you are inclined to wake up during the night, you will do so again and again, always finding yourself amid this symphony's sounds, which continue to vibrate within your etheric body. These vibrations do not cease. It is not necessary that your ego be present while the symphony reverberates within you. If your ego were present, you would be aware only of the etheric body's vibrations. It is the same with other thoughts. You are thinking all night long while lying in bed; since your ego is away, however, you do not know that you think.

[ 23 ] Ich kann Ihnen verraten: durch das Ich verderben wir sogar sehr häufig unsere Gedanken. Wir denken nämlich meistens viel gescheiter, wenn wir nicht dabei sind in der Nacht. Sie mögen mir das glauben oder nicht, aber es ist so. Die meisten Menschen haben ein viel gesünderes Urteil über die Dinge des Lebens in der Nacht als bei Tag. Wenn der Ätherleib, der mit den Gesetzen des Kosmos in Harmonie steht, allein denken kann, wenn der Mensch nicht die Gedanken verdirbt, dann denkt der Mensch meist gesünder, als wenn er mit seinem Ich die Gedanken durcheinanderpuddelt. Das tut er bei Tag nämlich sehr häufig.

[ 23 ] I can even disclose to you that waking life often spoils our thinking. Generally, our thoughts are much keener when our ego is away at night. This is true, whether you believe it or not. Most people's judgment on life is much sounder at night than in the day-time. If the etheric body, which is in harmony with the laws of the universe, thinks by itself and man does not ruin these thoughts, then man's thinking, no longer muddled up by the ego (as happens so often in the day-time) becomes much sounder.

[ 24 ] Wenn wir nun mit dem Ich und mit dem astralischen Leibe draußen sind aus dem physischen Leibe und dem Ätherleibe, da weben wir aber unser Zukunftskarma. Das, was da als Ich und als astralischer Leib draußen webt und lebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, muß durch die Pforte des Todes gehen, in die übersinnliche Welt eingehen. Wenn auch das Astralische sich später dann in das Ich einfügt und das Ich dann mit anderer Substanz das allein durchmacht, aber dennoch: dasjenige, was da draußen außer dem physischen und dem Ätherleibe im Schlafzustande webt, das muß durch die Pforte des Todes gehen und den Weg durchmachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durch alle die Zustände, die ich Ihnen in diesen Tagen beschrieben habe. Und Sie wissen aus dieser Beschreibung, daß da das Ich durchgeht durch die Arbeit, die es mit den andern Wesen der höheren Hierarchien macht, um in der Zukunft wiederum einen physischen Menschenleib, jetzt im Geistkeim, vorzubereiten. Das erfordert das Sich-Einleben in eine tiefe Weisheit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, einer Weisheit, in der man nur leben kann, wenn man in einer geistigen Tätigkeit zusammenlebt mit den Wesen der höheren Hierarchien.

[ 24 ] While our ego and astral body are outside our physical and etheric bodies, we are engaged in weaving our future karma. What as ego and astral body lives and weaves outside us between falling asleep and awaking must pass through the portal of death; it must enter and pass through the super-sensible world. It is true that the astral element is subsequently merged with the ego, which thus undergoes a change of substance and must continue its way alone. Yet all that which has been weaving, in the sleeping state, outside the physical and etheric bodies must pass through the portal of death and must, between death and a new birth, pursue its path across the stages described by me during the recent days. My description has shown you how the ego passes through a stage where it works in unison with the beings of the higher Hierarchies, in order to prepare the spiritual germ of a future physical body. This work necessitates the experiencing of profound wisdom between death and a new birth—an experience that can be undergone only if sharing a spiritual activity with beings of the higher Hierarchies.

[ 25 ] Da muß noch vieles hinein in dasjenige, was man da webt an Karma zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, damit das sich in der richtigen Weise verbindet in der Zukunft mit einem physischen Leibe. Denn denken Sie, was da für ein Weg durchgemacht werden muß. Das ist ja im Ich und im astralischen Leibe, was sich da webt als Karma, das muß hinunter in diejenige Region, die wir dann im nächsten Erdenleben als unbewußte Willensregion haben. Das muß hinunter. Das muß sich gründlich mit aller Leiblichkeit des Menschen vereinigen. Davon haben das Ich und der astralische Leib, wenn sie im gewöhnlichen Schlafzustande sind, noch wenig, was sie sich da aneignen müssen im Durchgang zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 25 ] Many other things must be merged with the karma, as it is woven between falling asleep and awaking, in order to unite all the elements into a future physical body. For you must consider what kind of path has to be pursued. All that is being woven as karma dwells in the ego and astral body. It must descend into those regions possessed by us, in the next earth-life, as the unconscious will-regions. All these elements must be thoroughly blended with our entire bodily organism. During the ordinary sleeping state, the ego and astral body have as yet but little of what they must attain during their transition between death and a new birth.

[ 26 ] Und da müssen dann das Ich und der astralische Leib wiederum zurück in den physischen Leib, und sie verstehen nicht recht beim Aufwachen, wie es ist mit diesem physischen Leibe. Den haben sie aber aus dem vorhergehenden Leben. Ich und astralischer Leib wissen sich nicht richtig zu benehmen bei diesem Untertauchen. Daher kommt es, daß, weil erst im nächsten Erdenleben von Kindheit auf dieser astralische Leib und das Ich formen können den physischen Leib und den Ätherleib durch die ersten sieben Jahre, durch die zweiten sieben Jahre, weil da erst alles das darinnen ist im Ich und astralischen Leib, was in der richtigen Weise wiederum arbeiten kann an einem physischen Leib, daher kommt es, daß jetzt im Einschlafen, wo das Ich erst das moralische Verhalten des Menschen aufgenommen hat, erst anfängt das Karma zu weben, daß es beim Aufwachen eigentlich nicht richtig versteht: was ist da alles in diesem physischen Leibe.

[ 26 ] From the sleeping state, the ego and astral body must return to the physical body; and, when they wake up, they do not quite understand how to deal with this physical body. For, having received this body as the result of a previous earth-life, they do not know how to immerse themselves into it in the right way. Because the astral body and ego can form the physical and etheric bodies only in the next earth-life, working on them in childhood during the first and second seven-year period and because the ego and astral body will only then encompass all that can work in the right way on the physical body: therefore now, when the ego—on falling asleep—has just absorbed the human being's moral conduct and karma has just begun to weave itself, this ego, on awaking, does not rightly understand all the things contained in the physical body.

[ 27 ] Nun, in den physischen Leib kann es überhaupt nur ganz unbewußt untertauchen. Da muß es schon wiederum ins Unbewußte hineinkommen. Aber wenn es bewußt wird, wenn es durch die Vorstellungsregion durchgeht, dann tauchen die verworrenen Bilder des Traumes auf. Was bedeuten diese? Warum sind diese so wenig mit dem Leben oftmals zusammenstimmend? Weil das Ich und der astralische Leib erst probieren, in den physischen und Ätherleib unterzutauchen, sie können es nicht recht. Dieses Nichtzusammenstimmen dessen, was das Ich noch nicht kann und was es können sollte nach den weisen Einrichtungen des physischen Leibes und des Ätherleibes, drückt sich in der Verworrenheit der Aufwacheträume aus. In dem Aufwachtraum haben wir ein Bild, wie das Ich probiert, das, was es noch nicht ist, in einen gewissen Einklang mit dem physischen Leibe und dem Ätherleibe zu bringen. Und erst wenn es unterdrückt für das Wollen das Bewußtsein und untertaucht in die unterbewußte Region, wenn es also sich verläßt nicht auf seine eigene Weisheit, dann geht es wiederum hinein in den physischen Leib, ohne daß verworrene Vorstellungen zustande kommen.

[ 27 ] The ego, when again immersing itself in the physical body, is utterly unconscious. Yet, as it passes through the region of mental activity, confused dream-images arise. What do these signify? Why do they correspond, in many cases, so little to life? Because the ego and astral body try to immerse themselves in the physical and etheric bodies, but find it difficult to do so. This discrepancy between that which the ego cannot do, but which it should do according to the wise principles of the physical and etheric bodies—this discrepancy is expressed by the confused images dreamed by us just before awaking. These dreams show us pictorially how the ego tries to bring what it has not yet attained into a certain harmony with the physical body and etheric body. And only when the ego, suppressing consciousness in regard to the will, immerses itself in subconscious regions, and hence no longer relies upon its own wisdom, can it enter again into the physical body without producing confused mental images.

[ 28 ] Würde das Ich beim Aufwachen voll untertauchen in den physischen Leib bewußt, oder halbbewußt wie im Traume, dann würden aus dem ganzen physischen Leibe des Menschen die furchtbarsten Träume aufsteigen. Nur der Umstand, daß wir im rechten Augenblicke ins unbewußte Wollen untertauchen, dämpft die leise hinhuschenden bildhaften Träume ab, und läßt uns wiederum als ordentliche Iche und ordentliche astralische Leiber in die Region des unbewußten Wollens untertauchen. Das ist so klar für den, der unbefangen diese Dinge anschaut, daß jeder Traum dem Menschen zeigen kann, welche Disharmonie besteht im gegenwärtigen Leben zwischen dem Ich und dem astralischen Leibe in bezug auf dasjenige, was sich diese im gegenwärtigen Leben angeeignet haben und dem vollentwickelten physischen und ätherischen Leibe. Da muß sich erst dasjenige, was moralisch sich gewoben hat, vereinigen bei dem Durchgang zwischen dem Tode und einer neuen Geburt mit dem Geistkeim des physischen Leibes. Dann wird dasjenige, was wir im jetzigen Leben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen weben, so mächtig, daß es im nächsten Kindheitsleben, in diesem träumerischen, halb schlafenden Kindheitsleben wirklich durch die Jahre der Kindheit untertauchen kann in den physischen und in den ätherischen Leib und den dann als Werkzeug für das Erdenleben benutzen kann.

[ 28 ] If the ego, on awaking, plunged into the physical body when fully conscious, or half conscious as in dreams, then the most terrifying dreams would arise from man's entire physical body. Only the circumstance that we plunge, at the right moment, into the unconscious will subdues the fleeting dream-images and lets us sink down as proper egos and proper astral bodies into the regions of the unconscious will. It is quite clear to anyone looking at these things without prejudice that every dream can show us the disharmony existing in the present life between what the ego and astral body have acquired in this present life and the fully developed physical and etheric bodies. First that which has been woven as moral element must unite itself, during the transition between death and a new birth, with the spiritual germ of the physical body. Then, whatever has been woven in the present life between falling asleep and awaking, becomes so powerful that it is really able to sink down during the next childhood life, during this dreamy, half asleep childhood life, into the physical and etheric bodies, using them as tools for earth-life.

[ 29 ] So wird man eigentlich immer mehr gewahr, wenn man den ganzen Menschen betrachtet, wie in diesem Menschen darinnensteckt dasjenige, was man in nächtlicher Ruhe und nächtlicher Finsternis in den vorigen Erdenleben gewoben hat, und wie zwischen dem Tode und einer neuen Geburt das wunderbare Gewebe des physischen Leibes hinzugefügt worden ist und dann, man möchte sagen, im letzten Augenblicke des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, des ätherischen Leibes. Aber wir tragen in uns das Ergebnis der vorhergehenden Erdenleben. Nur wird dasjenige, was wir da als die Kräfte des vorigen Erdenlebens unten im Organismus, im Willensorganismus in uns tragen, fortwährend, weil die physischen Stoffe und Produkte verbrannt werden und dieses innere Feuer in uns ist, das wird immerfort von diesem Feuer zugedeckt, verbrannt. Und indem es verbrannt wird, wirkt es doch. Wir gehen durch unser Karma unseren Weg durch die Welt. Es ist ein bestimmter Weg für die einzelnen Erlebnisse. Während wir also von der Kindheit auf uns dasjenige auswählen, was wir aus der Umgebung nachahmen, dadurch die ersten Schritte schon zu einem Ereignis machen, das wir erst im fünfzigsten Lebensjahre vielleicht erreichen, während wir die Willensanstrengungen machen, direkt auf dem Wege nach diesem Erlebnisse hin, wird immerfort verbrannt in uns dasjenige, was körperliche Stoffe sind.

[ 29 ] We carry within us the result of preceding earth-lives. Only all that we carry below in our will-organism as forces of the preceding earth-life is concealed by an inner fire which consumes our physical substance and products. Yet these forces, although consumed by fire, are nonetheless active. We pursue our path across the world by means of our karma. There exists an especial path for every single experience. By choosing, from childhood on, what we want to imitate from the surrounding world, and by so doing, initiating an event that may not occur until our fiftieth year, and at the same time by exerting our will for the purpose of bringing about this experience, we undergo within ourselves a combustion of that which is bodily substance. And, because the fire renders us unconscious with regard to our life-path, our inner perception transposes what is really a continuous course of destiny into something appearing to us like momentary desires, instincts, urges, varieties of temperament, and so forth. Below courses the life-path determined by destiny. The fires are always flaming forth anew. We, however, can only see the fires' surface. And on this surface, out of the seething flames, as it were, there comes to life what dwells in our souls as passions, desires, instincts. Here is only the outer semblance, the outer revelation of that which weaves in the depths as human destiny.

[ 30 ] Weil das Feuer uns unbewußt in bezug auf diesen Lebensweg macht, dadurch wird immer für unsere Innenwahrnehmung dasjenige, was ein fortlaufender Schicksalsweg ist, umgesetzt, so daß es uns vorkommt als die augenblicklichen Begierden, Instinkte, Triebe, Temperamente und so weiter. Da unten geht der schicksalsgemäße Lebensweg. Immer sprießen die Feuer auf. Wir sehen nur die Oberfläche der Feuer. Und auf den Oberflächen des Feuers, auf den lodernden Flammen gewissermaßen, da lebt sich dasjenige aus, was wir in unseren Seelen tragen als unsere Leidenschaften, Triebe, Instinkte. Das ist nur der äußere Schein, die äußere Offenbarung für dasjenige, was in den Tiefen als das menschliche Schicksal sitzt. Die Menschen beobachten die einzelnen Leidenschaften, die einzelnen Instinktäußerungen, die einzelnen Triebe, dasjenige, was einer im Augenblicke mag, nicht mag, was einer im Augenblicke aus Sympathie oder Antipathie ausführt oder unterläßt. Aber das ist gerade so, wie wenn wir vor uns haben etwas, und ich sage: d-e-r-g-o-t-t-l-e-n-k-t-d-i-e-w-e-l-t. Ich kann nur buchstabieren. Ein anderer kommt und sagt: Was du da gesagt hast, das sind Buchstaben, das heißt: Der Gott lenkt die Welt. So ist es mit dem Unterschiede der gewöhnlichen Seelenwissenschaft und der Geisteswissenschaft. Die gewöhnliche Seelenwissenschaft kann buchstabieren. Sie schaut das Leben des Menschen an, findet in der Kindheit diese und jene kindlichen Instinkte, Triebe, registriert diese, wie der, der nur buchstabieren kann, die Buchstaben buchstabiert, und so geht es durch das ganze Leben hindurch. Derjenige, der Geisteswissenschaft versteht, der liest, er sieht durch die Oberfläche der Flammen durch auf das, was unten ist, und schaut die schicksalsgemäßen Lebenswege des Menschen.

[ 30 ] What men observe are the single passions, the single instincts, the single desires, momentary likes and dislikes, deeds carried out or not carried out because of momentary sympathy or antipathy. In making such observations, however, we behave like someone who has a sentence before him and says: “Here I see g,o,d,r,u,l,e,s,t,h,e,w,o,r,l,d.” All he can do is to spell the single letters. Then another person comes and says: “The letters spelled by you mean God rules the world. Just as spelling differs from reading, so does ordinary science differ from spiritual science. Ordinary psychology is able to spell. By looking at a human life, it finds certain instincts and urges in the child. The scientist, who only knows how to spell, registers these things, and thus it continues during the human being's entire existence on earth. Those understanding spiritual science are able to read. Looking beyond the fire's surface, they see what is below: man's destiny-determined life-path.

[ 31 ] Zwischen der gewöhnlichen Psychologie, die heute noch offiziell gang und gäbe ist, und zwischen der wirklichen Erkenntnis des menschlichen Seelenlebens ist ein solcher Unterschied wie zwischen Buchstabieren und Lesen. Aber deshalb wird man so schwer verstanden, weil man zu dem andern nicht sagen kann, das, was er sagt, sei falsch. Demjenigen, der bloß buchstabiert: d-e-r-g-o-t-t — dem kann man doch nicht sagen: Was du da liest, ist falsch. — Es ist ja ganz richtig. Nur weil er das noch nicht weiß, daß man das auch lesen kann, sagt er: Du bist ein verrückter Kerl, ich sehe ja nur d-e-r und so weiter. Das Zusammenfassen ist eine Narrheit. — Er kann das nicht verstehen, daß man da auch noch liest.

[ 31 ] Between ordinary psychology, such as it is still practiced today, and genuine knowledge of human soul-life there is a difference akin to that between spelling and reading. We could make ourselves understood with less difficulty, if we could only tell the others that they are wrong. But, if someone spells g,o,d,r,u,l,e,s, it is impossible to tell him: “What you say is wrong.” For it is perfectly correct. Only the other, lacking the knowledge that the letters can be combined and read, will say to us: “You are a crazy fellow. All that I can see is g,o,d, and so forth. It would be utterly foolish to combine the letters.” He cannot understand that we are not only able to spell but also to read.

[ 32 ] So muß man immer demjenigen, der die heute anerkannte Psychologie geltend macht, sagen: Du hast ja ganz recht. — Man sagt als Anthroposoph zum Naturforscher, zum Psychologen: Ihr habt ja ganz recht. — Man widerlegt sie nicht, man gibt ihnen recht. Er aber sagt: Wenn du von den Instinkten, von den Trieben, Leidenschaften so redest wie von Buchstaben, die du lesen kannst, dann bist du eben ein verrückter Kerl. — Das ist die Schwierigkeit. Der Anthroposoph kann sich mit den andern ganz gut verstehen, er braucht sie auch nicht zu widerlegen. Er polemisiert auch gar nicht gegen die äußere Wissenschaft. Nur dann, wenn diese Wissenschaft anfängt, ihn einen verrückten Kerl zu nennen, dann muß er natürlich das geltend machen, daß das nicht stimmt, und namentlich, daß er auch das gelten läßt, was die andern gelten lassen wollen. Nur kann er nicht den Grundsatz gelten lassen, daß es alles dasjenige nicht gibt, was irgendeiner nicht sieht. Denn das ist gar kein Kriterium der Wahrheit, daß es das nicht gibt, was einer nicht sieht. Da muß er sich erst überzeugen davon, daß der andere das sieht.

[ 32 ] This fact makes our position very difficult. The anthroposophist could easily reach an understanding with the others; he does not have to refute them. Neither is he entangled into polemics against external science. If this science, however, begins to call him a crazy fellow—then, naturally, he is forced to state that this is wide of the mark and point out his willingness to consider as valid what the others want to consider as valid. Only he would have to exclude the following principle: Whatever this or that person does not see is non-existent. For this principle is no criterion of truth. And those persons who hold to it should first ascertain whether others can see what they themselves cannot see.

[ 33 ] Es ist schon so, daß derjenige, der auf anthroposophischem Boden steht, auch dieses schwierige Verhältnis der Anthroposophie zu den andern Weltanschauungen durchschauen muß. Höchstens kann man manchmal das Urteil fällen, so wie man zu demjenigen, der nur gelten lassen will: d-e-r-g-o-t-t — wie man zu dem sagt: Du bist ein halber Analphabet —, so kann man unter Umständen zu dem, der sich gar nicht losreißen kann von dem bloßen Buchstabieren in Instinkten, Trieben und Leidenschaften, Temperamenten und so weiter, sagen: Du bist ein halber Banause, du bist ein halber Philister, du kannst dich eben nicht aufschwingen. — Aber man wird nicht sagen, er habe Unrecht.

[ 33 ] In view of these things, those standing on anthroposophical ground must be able to fathom this difficult relationship between Anthroposophy and other world views. At most, we could come to the conclusion that the one tolerating nothing but g,o,d,r,u,l,e,s, should be considered as semi-illiterate. Likewise, we might possibly say to the one who could not wean himself of the habit to spell out the single instincts, urges, passions, temperaments, and so forth: “You are a semi-Philistine, a semi-blockhead. The trouble with you is that you cannot soar.” We could not tell him, however, that he was wrong.

[ 34 ] Also es liegt die Sache zwischen Anthroposophie und der äußeren Weltanschauung so, daß die Verständigung erst dann möglich ist, wenn von seiten des Buchstabierenden der gute Wille entgegengebracht wird, lesen zu lernen. Sonst ist eine Verständigung zunächst gar nicht möglich. Daher verlaufen die gewöhnlichen Debatten so ergebnislos, und die Gegner können auch nichts einsehen. Das verspüren die wenigsten, die Gegner der Anthroposophie sind. Und ich muß schon, weil ich das für richtig halte, von dieser Tatsache auch hier zu Ihnen sprechen.

[ 34 ] The issue between Anthroposophy and other world views is of such nature that no understanding can be reached until those, who know only how to spell, will have a mind to learn how to read. Otherwise no mutual comprehension is possible; and for this reason all the customary debates lead to no result whatsoever. This fact is noticed by very few opponents of Anthroposophy. In my opinion, it is essential that these things should be known to you.

[ 35 ] Die Gegner der Anthroposophie werden jetzt, ich möchte sagen, mit jedem Monat mehr. Aber weil sie eigentlich nirgends einsetzen können, weil die Anthroposophie ihnen immer recht gibt, aber sie nicht der Anthroposophie recht geben wollen, so können sie eigentlich auch nicht das angreifen, was der Anthroposoph sagt. Daher greifen sie die Persönlichkeit an, verleumden, lügen über die Persönlichkeit. Das ist ja die Gestalt, welche die Polemik immer mehr und mehr annimmt, leider. Das ist etwas, was man durchschauen muß, wenn man auf anthroposophischem Boden steht. Das ist so außerordenlich wichtig, daß man das durchschaut.

[ 35 ] The opponents of Anthroposophy increase with every month. Yet they are unable to find a foothold. For, since Anthroposophy always agrees with them, but they refuse to agree with Anthroposophy, they cannot attack very well what the Anthroposophist says. And for this reason they attack his personality: defame it, tell lies about it. Unfortunately, polemics tend more and more towards such a form. This must be envisaged by those standing on anthroposophical ground.

[ 36 ] Es gibt heute schon ganz merkwürdige gegnerische Bücher. Viele von Ihnen werden die anthroposophische Literatur gelesen haben, werden finden, daß ich immer an den entsprechenden Stellen selber in meinen Büchern das sage, was man gegen irgend etwas einwenden kann. Ich polemisiere immer selber, um dann zu zeigen, wie man das, was ich geltend mache, aus der Welt schaffen kann, so daß man die Gegengründe gegen Anthroposophie bei mir in meinen eigenen Büchern schon finden kann. Nun gibt es heute Gegner, die beschäftigen sich damit, die Gründe, die ich selber in meinen Büchern gegen Anthroposophie angeführt habe, abzuschreiben, und das als gegnerische Schrift gegen die Anthroposophie zu verbreiten. Sie können also heute gegnerische Schriften finden, die Plagiate sind aus meinen Büchern, wo einfach dasjenige abgeschrieben wird, was ich sage. Es ist dem Gegner gerade durch diesen Umstand, daß der Anthroposoph selber dasjenige geltend machen muß, was man gegen ihn einwenden kann, heute die Arbeit eigentlich furchtbar leicht gemacht.

[ 36 ] You must consider that a very odd assortment of antagonistic books exists now-a-days. Many of their authors, who have read anthroposophical literature, may have found out that I myself, in certain passages of my own books, mention all the objections that could be raised. I engage in polemics against myself, in order to show how that which I affirm could be blotted out. Hence all possible objections against Anthroposophy can be found in my own books. Consequently, many of my opponents busy themselves with copying the arguments which I myself, in my own books, have cited against Anthroposophy. They then distribute these writings to others in order to attack Anthroposophy. Thus you can find hostile writings plagiarizing my own books and simply copying my words when I say: this or that objection could be raised. The fact that the anthroposophist himself has to point out all the arguments that can be advanced against him makes his opponents' task rather easy.

[ 37 ] Nun, ich sagte das alles aber nicht, um jetzt den Gegnern etwas am Zeuge zu flicken, sondern nur, um zu charakterisieren, wie man aufsteigen muß, um vom Buchstabieren des Lebens, in bezug auf die Willensimpulse, zum Lesen des Lebens zu kommen. Das Buchstabieren gibt dasjenige, was als Trieb, als, man möchte sagen animalisches Leben in Wünschen, Begierden, Leidenschaften heraufquillt und für den Augenblick gilt. Weiß man das alles wie Buchstaben zu behandeln und zusammenzulesen, dann dringt man bis zu dem menschlichen Schicksal vor, bis zu dem einzelnen menschlichen Schicksal. Dieses menschliche Schicksal waltet auf dem Grunde des Lebens, und mit diesem Schicksal fügt sich der Mensch in den fortlaufenden Gang der ganzen Menschheitsentwickelung ein. Und nur wenn man in dieser Weise das ganze Leben des einzelnen begreifen kann, kann man auch die menschliche Geschichte begreifen, die wir nun in den nächsten Tagen noch betrachten wollen, als das Leben der Erdenmenschbeit in ihrem Schicksale vor und nach dem Mysterium von Golgatha und das Eingreifen des Mysteriums von Golgatha in die Menschheitsentwickelung der Erde. Ich mußte aber einen Unterbau gewinnen und Ihnen zeigen, was im Menschen waltet, damit in der richtigen Weise gezeigt werden kann, wie die Götter und wie das Mysterium von Golgatha in dem Menschen, in dem Gesamtmenschenschicksal walten.

[ 37 ] I mention these things not for the purpose of harrowing my opponents, but in order to characterize how one must progress if one desires to read life-experiences (with regard to the will-impulses) instead of merely spelling them out. Spelling only shows us what momentarily wells up in the form of urges, of animal life expressed by desires, passions and wishes. Those able to combine these letters and read them will penetrate every individual human destiny. This human destiny is working at the source of life; and, by means of this destiny, the human being joins himself to the ever continuing course of mankind's whole evolution. And only by comprehending in this way a single human being's entire life are we able to comprehend human history. During the following days, we shall contemplate mankind's history; contemplate it as the life of mankind in its destiny before and after the Mystery of Golgotha. And we shall also see how the Mystery of Golgotha has influenced mankind's development on earth. First, however, I had to erect a foundation and show what is at work within the human being. Only thus can it be recognized in the right way how the gods and the Mystery of Golgotha are at work within the individual man, within his entire destiny.

[ 38 ] Davon sprechen wir dann morgen weiter.

[ 38 ] Not translated