Insight from Initiation
GA 227
19 August 1921, Penmaenmawr
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Erste Schritte zur imaginativen Erkenntnis
Erste Schritte zur imaginativen Erkenntnis
[ 1 ] Die Welt in ihrer Entwickelung zu begreifen wurde zu allen Zeiten gebunden an das Begreifen des Menschen selbst. Und es ist ja in weitesten Kreisen bekannt, daß der Mensch stets in den Zeiten, in denen man nicht allein auf das materielle Dasein gesehen hat, sondern auch auf das geistige, aufgefaßt worden ist als ein Mikrokosmos, als eine kleine Welt; das heißt aber, er wurde so aufgefaßt, daß man in ihm, in seinem Wesen, in seiner Tätigkeit, in seinem ganzen Auftreten in der Welt eine Konzentration aller Weltgesetze, aller Tätigkeiten, überhaupt des ganzen Wesens der Welt sah. Man wollte in solchen Zeiten streng geltend machen, daß ein Weltverständnis nur möglich ist auf Grundlage eines Menschenverständnisses.
[ 1 ] Die Welt in ihrer Entwickelung zu begreifen wurde zu allen Zeiten gebunden an das Begreifen des Menschen selbst. Und es ist ja in weitesten Kreisen bekannt, daß der Mensch stets in den Zeiten, in denen man nicht allein auf das materielle Dasein gesehen hat, sondern auch auf das geistige, aufgefaßt worden ist als ein Mikrokosmos, als eine kleine Welt; das heißt aber, er wurde so aufgefaßt, daß man in ihm, in seinem Wesen, in seiner Tätigkeit, in seinem ganzen Auftreten in der Welt eine Konzentration aller Weltgesetze, aller Tätigkeiten, überhaupt des ganzen Wesens der Welt sah. Man wollte in solchen Zeiten streng geltend machen, daß ein Weltverständnis nur möglich ist auf Grundlage eines Menschenverständnisses.
[ 2 ] Nun ergibt sich aber da sofort für den wirklich Unbefangenen eine Schwierigkeit. Der Mensch steht in dem Augenblicke, wo er zu einer sogenannten Selbsterkenntnis, die ja nur die wahre Menschenerkenntnis sein kann, kommen will, vor sich selbst als vor dem allergrößten Rätsel, und er muß sich nach einiger Zeit der Selbstbeobachtung gestehen, daß sein Wesen, so wie es in der Welt, die ihn für die Sinne umgibt, zum Vorschein kommt, nicht vollständig auch vor seiner Seele, vor ihm selber, ausgebreitet ist. Der Mensch muß sich gestehen, daß ein Teil seines Wesens für die gewöhnliche Sinnesentfaltung unbekannt, verborgen bleibt. Und so steht der Mensch vor der Aufgabe, vor der Welterkenntnis in der Selbsterkenntnis erst sein wahres Wesen zur Entwickelung zu bringen, sein wahres Wesen erst aufzusuchen.
[ 2 ] Nun ergibt sich aber da sofort für den wirklich Unbefangenen eine Schwierigkeit. Der Mensch steht in dem Augenblicke, wo er zu einer sogenannten Selbsterkenntnis, die ja nur die wahre Menschenerkenntnis sein kann, kommen will, vor sich selbst als vor dem allergrößten Rätsel, und er muß sich nach einiger Zeit der Selbstbeobachtung gestehen, daß sein Wesen, so wie es in der Welt, die ihn für die Sinne umgibt, zum Vorschein kommt, nicht vollständig auch vor seiner Seele, vor ihm selber, ausgebreitet ist. Der Mensch muß sich gestehen, daß ein Teil seines Wesens für die gewöhnliche Sinnesentfaltung unbekannt, verborgen bleibt. Und so steht der Mensch vor der Aufgabe, vor der Welterkenntnis in der Selbsterkenntnis erst sein wahres Wesen zur Entwickelung zu bringen, sein wahres Wesen erst aufzusuchen.
[ 3 ] Eine sehr einfache Überlegung kann dem Menschen zeigen, wie in der Welt, die ihn für seine Sinne umgibt, sein wahres Wesen, seine innere Aktivität als Persönlichkeit, als Individualität, nicht vorhanden sein kann. Denn in dem Augenblicke, in dem der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ist er als Leichnam denjenigen Gesetzen, derjenigen Weltwesenheit hingegeben, die ihn sonst für die Sinne umgibt. Den physisch toten Menschen ergreifen die Naturgesetze, jene Naturgesetze, welche draußen in der Welt der Sichtbarkeit wirksam sind. Dann aber löst sich jener Zusammenhang, den man als Menschenorganisation zu bezeichnen hat, auf; dann zerfällt der Mensch, je nach der Bestattungsart, in kürzerer oder längerer Zeit.
[ 3 ] Eine sehr einfache Überlegung kann dem Menschen zeigen, wie in der Welt, die ihn für seine Sinne umgibt, sein wahres Wesen, seine innere Aktivität als Persönlichkeit, als Individualität, nicht vorhanden sein kann. Denn in dem Augenblicke, in dem der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ist er als Leichnam denjenigen Gesetzen, derjenigen Weltwesenheit hingegeben, die ihn sonst für die Sinne umgibt. Den physisch toten Menschen ergreifen die Naturgesetze, jene Naturgesetze, welche draußen in der Welt der Sichtbarkeit wirksam sind. Dann aber löst sich jener Zusammenhang, den man als Menschenorganisation zu bezeichnen hat, auf; dann zerfällt der Mensch, je nach der Bestattungsart, in kürzerer oder längerer Zeit.
[ 4 ] Eine einfache Überlegung zeigt also, daß jene Gesetze, die wir als die Summe unserer Naturgesetze bezeichnen müssen, indem wir sie äußerlich durch die Sinnesbeobachtung kennenlernen, einzig und allein dazu geeignet sind, die menschliche Organisation aufzulösen, aber nicht aufzubauen. Und suchen müssen wir nach denjenigen Gesetzen, nach derjenigen Aktivität, die also eigentlich für das Erdenleben von der Geburt bis zum Tode, oder schon von der Empfängnis bis zum Tode kämpfen gegen die Kräfte, die Gesetze der Auflösung. Wir sind in jedem Augenblicke unseres Lebens durch unser wahres inneres Menschenwesen Kämpfer gegen den Tod.
[ 4 ] Eine einfache Überlegung zeigt also, daß jene Gesetze, die wir als die Summe unserer Naturgesetze bezeichnen müssen, indem wir sie äußerlich durch die Sinnesbeobachtung kennenlernen, einzig und allein dazu geeignet sind, die menschliche Organisation aufzulösen, aber nicht aufzubauen. Und suchen müssen wir nach denjenigen Gesetzen, nach derjenigen Aktivität, die also eigentlich für das Erdenleben von der Geburt bis zum Tode, oder schon von der Empfängnis bis zum Tode kämpfen gegen die Kräfte, die Gesetze der Auflösung. Wir sind in jedem Augenblicke unseres Lebens durch unser wahres inneres Menschenwesen Kämpfer gegen den Tod.
[ 5 ] Und schauen wir uns in der Sinneswelt um, in demjenigen Teil der Sinneswelt, den der Mensch heute einzig und allein begreift, in der mineralisch leblosen Welt, so ist sie eben beherrscht von denjenigen Kräften, die für den Menschen den Tod bedeuten. Denn es ist nur eine Illusion der heutigen Naturforscher, daß es einmal gelingen könnte, mit den Gesetzen, die die äußere Sinneswelt gibt, auch nur die Pflanzen zu begreifen. Man wird das nicht. Man wird nahe an das Begreifen der Pflanzen herankommen und das mag ein Ideal sein, aber schon die Pflanze, geschweige denn das Tier oder den physischen Menschen selbst wird man jedenfalls durch diejenigen Gesetze nicht erforschen können, die uns in der äußeren Sinneswelt umgeben.
[ 5 ] Und schauen wir uns in der Sinneswelt um, in demjenigen Teil der Sinneswelt, den der Mensch heute einzig und allein begreift, in der mineralisch leblosen Welt, so ist sie eben beherrscht von denjenigen Kräften, die für den Menschen den Tod bedeuten. Denn es ist nur eine Illusion der heutigen Naturforscher, daß es einmal gelingen könnte, mit den Gesetzen, die die äußere Sinneswelt gibt, auch nur die Pflanzen zu begreifen. Man wird das nicht. Man wird nahe an das Begreifen der Pflanzen herankommen und das mag ein Ideal sein, aber schon die Pflanze, geschweige denn das Tier oder den physischen Menschen selbst wird man jedenfalls durch diejenigen Gesetze nicht erforschen können, die uns in der äußeren Sinneswelt umgeben.
[ 6 ] Wir sind als Erdenwesen zwischen Konzeption und Tod in unserer wahren Innerlichkeit Kämpfer gegen die Naturgesetze. Und wir haben, wenn wir zur menschlichen Selbsterkenntnis wirklich aufrücken wollen, diejenige Aktivität zu erforschen, die da im Menschenwesen wirkt als ein Kampf gegen den Tod. Ja, man wird auch, wenn man das Menschenwesen vollständig erforschen will, von welcher Erforschung eben gerade in diesen Vorträgen die Rede sein soll, zu zeigen haben, wie durch die Erdenentwickelung der Mensch dazu kommen könne, daß seine inneren Aktivitäten schließlich für das Erdendasein dem Tode unterliegen, daß der Tod Sieger wird über die verborgenen, ihn bekämpfenden Kräfte.
[ 6 ] Wir sind als Erdenwesen zwischen Konzeption und Tod in unserer wahren Innerlichkeit Kämpfer gegen die Naturgesetze. Und wir haben, wenn wir zur menschlichen Selbsterkenntnis wirklich aufrücken wollen, diejenige Aktivität zu erforschen, die da im Menschenwesen wirkt als ein Kampf gegen den Tod. Ja, man wird auch, wenn man das Menschenwesen vollständig erforschen will, von welcher Erforschung eben gerade in diesen Vorträgen die Rede sein soll, zu zeigen haben, wie durch die Erdenentwickelung der Mensch dazu kommen könne, daß seine inneren Aktivitäten schließlich für das Erdendasein dem Tode unterliegen, daß der Tod Sieger wird über die verborgenen, ihn bekämpfenden Kräfte.
[ 7 ] Das alles ist zunächst nur bestimmt, Sie aufmerksam zu machen auf die Richtung, welche die Betrachtungen dieser Tage nehmen sollen. Denn die Wahrheit desjenigen, was ich jetzt sage, wird sich erst durch die einzelnen Vorträge selber ergeben können. Wir können also zunächst durch eine bloße unbefangene Beobachtung des Menschenwesens darauf hinweisen, wo wir die eigentliche Innerlichkeit des Menschen, die Persönlichkeit, die Individualität, zu suchen haben. Wir haben sie nicht im Reiche der Naturkräfte, wir haben sie außerhalb des Reiches der Naturkräfte zu suchen.
[ 7 ] Das alles ist zunächst nur bestimmt, Sie aufmerksam zu machen auf die Richtung, welche die Betrachtungen dieser Tage nehmen sollen. Denn die Wahrheit desjenigen, was ich jetzt sage, wird sich erst durch die einzelnen Vorträge selber ergeben können. Wir können also zunächst durch eine bloße unbefangene Beobachtung des Menschenwesens darauf hinweisen, wo wir die eigentliche Innerlichkeit des Menschen, die Persönlichkeit, die Individualität, zu suchen haben. Wir haben sie nicht im Reiche der Naturkräfte, wir haben sie außerhalb des Reiches der Naturkräfte zu suchen.
[ 8 ] Aber es ergibt sich noch ein anderer Fingerzeig — nur Fingerzeige möchte ich zunächst geben —, das ist der: Wenn wir als Erdenmenschen leben, so leben wir dem Augenblicke hingegeben. Auch da braucht man nur unbefangen genug zu sein, um die ganze Tragweite dieser Behauptung einzusehen. Wenn wir sehen, wenn wir hören, wenn wir sonst durch Sinne wahrnehmen, sind wir dem Augenblicke hingegeben. Dasjenige, was vergangen ist, und dasjenige, was zukünftig ist, kann weder auf unser Ohr, noch auf unser Auge, noch auf irgendeinen anderen Sinn irgendeinen Eindruck machen. Wir sind dem Augenblicke und damit dem Raume hingegeben.
[ 8 ] Aber es ergibt sich noch ein anderer Fingerzeig — nur Fingerzeige möchte ich zunächst geben —, das ist der: Wenn wir als Erdenmenschen leben, so leben wir dem Augenblicke hingegeben. Auch da braucht man nur unbefangen genug zu sein, um die ganze Tragweite dieser Behauptung einzusehen. Wenn wir sehen, wenn wir hören, wenn wir sonst durch Sinne wahrnehmen, sind wir dem Augenblicke hingegeben. Dasjenige, was vergangen ist, und dasjenige, was zukünftig ist, kann weder auf unser Ohr, noch auf unser Auge, noch auf irgendeinen anderen Sinn irgendeinen Eindruck machen. Wir sind dem Augenblicke und damit dem Raume hingegeben.
[ 9 ] Was wäre aber der Mensch, wenn er nur dem Augenblicke und nur dem Raume hingegeben wäre? Dafür haben wir ja zum Beispiel durch die äußere Naturbeobachtung genügend Beweise, daß der Mensch nicht Mensch im vollen Sinne des Wortes bleibt, wenn er nur dem Augenblicke und dem Raume hingegeben ist. Das bezeugt die äußere Krankheitsgeschichte mancher Menschen.
[ 9 ] Was wäre aber der Mensch, wenn er nur dem Augenblicke und nur dem Raume hingegeben wäre? Dafür haben wir ja zum Beispiel durch die äußere Naturbeobachtung genügend Beweise, daß der Mensch nicht Mensch im vollen Sinne des Wortes bleibt, wenn er nur dem Augenblicke und dem Raume hingegeben ist. Das bezeugt die äußere Krankheitsgeschichte mancher Menschen.
[ 10 ] Man weiß von Menschen zu erzählen — die Fälle sind gut untersucht —, welche in einem gewissen Augenblicke ihres Lebens sich nicht erinnern an dasjenige, was sie vorher erlebt haben, die dem Augenblicke überlassen bleiben. Sie machen in diesem Augenblicke die unsinnigsten Sachen. Sie nehmen sich, ganz im Widerspruche mit ihrem bisherigen Leben, ein Eisenbahnbillett, fahren bis zu einer gewissen Station, tun alles dasjenige, was aus dem Verstande heraus für den Augenblick getan werden kann, tun es sogar geistreicher, raffinierter, als sie es sonst getan hätten. Sie gehen zur richtigen Zeit zum Mittagsmahl, sie verrichten alle Dinge des Lebens zur richtigen Zeit. Wenn sie an der Endstation angekommen sind, bis zu der das Billett reicht, nehmen sie sich wieder, vielleicht im Widerspruche mit der ersten Fahrt, ein Billett. So irren sie manchmal Jahre in der Welt herum, bis sie sich an irgendeinem Orte finden; da wissen sie nicht, wo sie sind. Da ist ausgelöscht in ihrem Bewußtsein alles dasjenige, was sie vom Nehmen des ersten Eisenbahnbilletts aus oder vom Weggehen vom Hause aus getan haben, und die Erinnerung beginnt erst wieder für diejenige Zeit, die vorher verflossen war. Und damit kommt ihr Seelenleben und überhaupt ihr ganzes menschliches Erdendasein in ein Chaos hinein. Sie fühlen sich nicht mehr so mit ihrem ganzen Menschen verbunden, wie sie sich früher verbunden gefühlt haben. Sie waren stets dem Augenblicke hingegeben, konnten sich im Raume stets in der richtigen Art orientieren, aber sie haben das innerliche Zeitgefühl, die Erinnerung verloren.
[ 10 ] Man weiß von Menschen zu erzählen — die Fälle sind gut untersucht —, welche in einem gewissen Augenblicke ihres Lebens sich nicht erinnern an dasjenige, was sie vorher erlebt haben, die dem Augenblicke überlassen bleiben. Sie machen in diesem Augenblicke die unsinnigsten Sachen. Sie nehmen sich, ganz im Widerspruche mit ihrem bisherigen Leben, ein Eisenbahnbillett, fahren bis zu einer gewissen Station, tun alles dasjenige, was aus dem Verstande heraus für den Augenblick getan werden kann, tun es sogar geistreicher, raffinierter, als sie es sonst getan hätten. Sie gehen zur richtigen Zeit zum Mittagsmahl, sie verrichten alle Dinge des Lebens zur richtigen Zeit. Wenn sie an der Endstation angekommen sind, bis zu der das Billett reicht, nehmen sie sich wieder, vielleicht im Widerspruche mit der ersten Fahrt, ein Billett. So irren sie manchmal Jahre in der Welt herum, bis sie sich an irgendeinem Orte finden; da wissen sie nicht, wo sie sind. Da ist ausgelöscht in ihrem Bewußtsein alles dasjenige, was sie vom Nehmen des ersten Eisenbahnbilletts aus oder vom Weggehen vom Hause aus getan haben, und die Erinnerung beginnt erst wieder für diejenige Zeit, die vorher verflossen war. Und damit kommt ihr Seelenleben und überhaupt ihr ganzes menschliches Erdendasein in ein Chaos hinein. Sie fühlen sich nicht mehr so mit ihrem ganzen Menschen verbunden, wie sie sich früher verbunden gefühlt haben. Sie waren stets dem Augenblicke hingegeben, konnten sich im Raume stets in der richtigen Art orientieren, aber sie haben das innerliche Zeitgefühl, die Erinnerung verloren.
[ 11 ] In dem Augenblicke, da der Mensch das innerliche Zeitgefühl, den innerlichen realen Zusammenhang mit seiner Vergangenheit für das Erdenleben verliert, kommt er in ein Lebenschaos hinein. Das bloße Raumeserleben kann ihm nichts helfen für die Gesundheit seines totalen Wesens.
[ 11 ] In dem Augenblicke, da der Mensch das innerliche Zeitgefühl, den innerlichen realen Zusammenhang mit seiner Vergangenheit für das Erdenleben verliert, kommt er in ein Lebenschaos hinein. Das bloße Raumeserleben kann ihm nichts helfen für die Gesundheit seines totalen Wesens.
[ 12 ] Das heißt aber mit anderen Worten: Der Mensch ist mit seinen Sinnen stets dem Augenblicke hingegeben, und er kann sogar in Krankheitsfällen sein Dasein für den Raum, für den Augenblick absondern von dem gesamten Menschendasein; aber er bleibt nicht im vollen Sinne des Wortes Mensch.
[ 12 ] Das heißt aber mit anderen Worten: Der Mensch ist mit seinen Sinnen stets dem Augenblicke hingegeben, und er kann sogar in Krankheitsfällen sein Dasein für den Raum, für den Augenblick absondern von dem gesamten Menschendasein; aber er bleibt nicht im vollen Sinne des Wortes Mensch.
[ 13 ] Wir werden da auf etwas hingewiesen, was im Menschen aus dem Raume herausfällt und nur der Zeit angehört. So daß wir sagen müssen: Ist für den Menschen das Raumeserleben eines, so ist das Zeiterleben ein anderes, das immer in ihm gegenwärtig bleiben muß, denn die Erinnerung muß die Vergangenheit in ihm gegenwärtig machen, wenn sein Wesen total vorhanden sein soll. So ist das Anwesendsein in der Zeit für den Menschen etwas Unerläßliches, etwas, was er haben muß. Die Zeit als Vergangenheit ist aber niemals im gegenwärtigen Augenblicke vorhanden. Der Mensch muß sie stets für sein Erleben in den gegenwärtigen Augenblick hineintragen. Es müssen also Kräfte zur Konservierung der Vergangenheit in dem Menschen vorhanden sein, die nicht aus dem Raum stammen, die also nicht im Sinne räumlich wirkender Natur‚ gesetze aufzufassen sind, die außerhalb des Raumes liegen.
[ 13 ] Wir werden da auf etwas hingewiesen, was im Menschen aus dem Raume herausfällt und nur der Zeit angehört. So daß wir sagen müssen: Ist für den Menschen das Raumeserleben eines, so ist das Zeiterleben ein anderes, das immer in ihm gegenwärtig bleiben muß, denn die Erinnerung muß die Vergangenheit in ihm gegenwärtig machen, wenn sein Wesen total vorhanden sein soll. So ist das Anwesendsein in der Zeit für den Menschen etwas Unerläßliches, etwas, was er haben muß. Die Zeit als Vergangenheit ist aber niemals im gegenwärtigen Augenblicke vorhanden. Der Mensch muß sie stets für sein Erleben in den gegenwärtigen Augenblick hineintragen. Es müssen also Kräfte zur Konservierung der Vergangenheit in dem Menschen vorhanden sein, die nicht aus dem Raum stammen, die also nicht im Sinne räumlich wirkender Natur‚ gesetze aufzufassen sind, die außerhalb des Raumes liegen.
[ 14 ] Das sind Fingerzeige, die uns darauf hinweisen, daß der Mensch, wenn er zum Mittelpunkt der Welterkenntnis gemacht wird, also ausgehen muß von einer Selbsterkenntnis, daß der Mensch dann vor allen Dingen dasjenige erst aufsuchen muß in sich, was ihn selbst aus dem Raumesdasein, das heißt aus demjenigen Dasein, von dem uns einzig und allein die Sinne erzählen, heraushebt und ihn zum Zeitwesen in diesem Raumesdasein macht. Der Mensch muß daher appellieren an Erkenntniskräfte in ihm, die nicht an die Sinne, die nicht an die Raumeswahrnehmungen gebunden sind, wenn er sein eigenes Wesen wahrnehmen will. Und gerade im gegenwärtigen Augenblicke der Menschheitsentwickelung, wo die Naturwissenschaft in einer so außerordentlich bedeutsamen Weise den Menschen hineinführt in die Raumesgesetze, ist das wahre Menschenwesen aus Gründen, die auch in diesen Vorträgen sich zeigen werden, für die menschliche Anschauung im allgemeinen stark verlorengegangen.
[ 14 ] Das sind Fingerzeige, die uns darauf hinweisen, daß der Mensch, wenn er zum Mittelpunkt der Welterkenntnis gemacht wird, also ausgehen muß von einer Selbsterkenntnis, daß der Mensch dann vor allen Dingen dasjenige erst aufsuchen muß in sich, was ihn selbst aus dem Raumesdasein, das heißt aus demjenigen Dasein, von dem uns einzig und allein die Sinne erzählen, heraushebt und ihn zum Zeitwesen in diesem Raumesdasein macht. Der Mensch muß daher appellieren an Erkenntniskräfte in ihm, die nicht an die Sinne, die nicht an die Raumeswahrnehmungen gebunden sind, wenn er sein eigenes Wesen wahrnehmen will. Und gerade im gegenwärtigen Augenblicke der Menschheitsentwickelung, wo die Naturwissenschaft in einer so außerordentlich bedeutsamen Weise den Menschen hineinführt in die Raumesgesetze, ist das wahre Menschenwesen aus Gründen, die auch in diesen Vorträgen sich zeigen werden, für die menschliche Anschauung im allgemeinen stark verlorengegangen.
[ 15 ] Im gegenwärtigen Augenblicke wird es daher ganz besonders notwendig sein, auf diejenigen inneren Erlebnisse hinzuweisen, die den Menschen zunächst, wie Sie gesehen haben, aus dem Raum in die Zeit und ihre Erlebnisse hineinbringen. Und davon ausgehend, so werden wir sehen, kommt er überhaupt in die geistige Welt hinein.
[ 15 ] Im gegenwärtigen Augenblicke wird es daher ganz besonders notwendig sein, auf diejenigen inneren Erlebnisse hinzuweisen, die den Menschen zunächst, wie Sie gesehen haben, aus dem Raum in die Zeit und ihre Erlebnisse hineinbringen. Und davon ausgehend, so werden wir sehen, kommt er überhaupt in die geistige Welt hinein.
[ 16 ] Jene Erkenntnis, welche von dem Sinnlichen übergeführt hat ins Übersinnliche, hat man zu allen Zeiten die Erkenntnis durch Initiation genannt, die Erkenntnis von dem, was den eigentlichen Impuls der Menschenwesenheit ausmacht, was das Aktive der Persönlichkeit, das Aktive der Individualität ist. Und von dieser InitiationsErkenntnis, insofern sie dem gegenwärtigen Menschen möglich ist, habe ich in diesen Vorträgen zu sprechen. Denn von dieser Initiations-Erkenntnis aus soll ja hier Weltenentwickelung und Menschenentwickelung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betrachtet werden.
[ 16 ] Jene Erkenntnis, welche von dem Sinnlichen übergeführt hat ins Übersinnliche, hat man zu allen Zeiten die Erkenntnis durch Initiation genannt, die Erkenntnis von dem, was den eigentlichen Impuls der Menschenwesenheit ausmacht, was das Aktive der Persönlichkeit, das Aktive der Individualität ist. Und von dieser InitiationsErkenntnis, insofern sie dem gegenwärtigen Menschen möglich ist, habe ich in diesen Vorträgen zu sprechen. Denn von dieser Initiations-Erkenntnis aus soll ja hier Weltenentwickelung und Menschenentwickelung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betrachtet werden.
[ 17 ] Ich werde also zunächst davon zu sprechen haben, wie man zu einer solchen Initiations-Erkenntnis kommen kann. Schon in der Art und Weise, wie man über diese Dinge gegenwärtig spricht, unterscheidet sich die Initiations-Erkenntnis der Gegenwart bedeutsam von der Initiations-Erkenntnis der Vergangenheit. In der Initiations-Erkenntnis der Vergangenheit rangen sich einzelne Lehrer der Menschheit durch zum Schauen des Übersinnlichen in Welt und Mensch. Schüler, welche einen gefühlsmäßigen, rein menschlichen Eindruck hatten von demjenigen, was in solchen Lehrern des Übersinnlichen lebte, fanden sich bei solchen Lehrern ein und nahmen dasjenige, was diese ihnen darbieten konnten auf die nicht erzwungene, aber durch den Eindruck der Persönlichkeit gegebene Autorität hin an.
[ 17 ] Ich werde also zunächst davon zu sprechen haben, wie man zu einer solchen Initiations-Erkenntnis kommen kann. Schon in der Art und Weise, wie man über diese Dinge gegenwärtig spricht, unterscheidet sich die Initiations-Erkenntnis der Gegenwart bedeutsam von der Initiations-Erkenntnis der Vergangenheit. In der Initiations-Erkenntnis der Vergangenheit rangen sich einzelne Lehrer der Menschheit durch zum Schauen des Übersinnlichen in Welt und Mensch. Schüler, welche einen gefühlsmäßigen, rein menschlichen Eindruck hatten von demjenigen, was in solchen Lehrern des Übersinnlichen lebte, fanden sich bei solchen Lehrern ein und nahmen dasjenige, was diese ihnen darbieten konnten auf die nicht erzwungene, aber durch den Eindruck der Persönlichkeit gegebene Autorität hin an.
[ 18 ] Daher werden Sie für die gesamte Menschheitsentwickelung bis zur Gegenwart immer geschildert finden, wie sich Einzelschülerschaft unter die Autorität eines Lehrers, eines «Guru», autoritativ zu beugen hatte. Schon in diesem Punkte, wie in so vielen anderen, die uns in diesen Vorträgen noch entgegentreten werden, kann Initiationswissenschaft der Gegenwart nicht denselben Weg gehen, wie Initiationswissenschaft der Vergangenheit. Der Guru sprach sich niemals über den Weg aus, durch den er selbst zu seiner Erkenntnis gekommen ist. Und von einem öffentlichen Mitteilen des Weges zur höheren Erkenntnis war überhaupt in älteren Zeiten nicht die Rede. Diese Mitteilungen wurden einzig und allein geübt in den Mysterienstätten, die für diese älteren Zeiten die hohen Schulen auf dem Wege des Übersinnlichen waren.
[ 18 ] Daher werden Sie für die gesamte Menschheitsentwickelung bis zur Gegenwart immer geschildert finden, wie sich Einzelschülerschaft unter die Autorität eines Lehrers, eines «Guru», autoritativ zu beugen hatte. Schon in diesem Punkte, wie in so vielen anderen, die uns in diesen Vorträgen noch entgegentreten werden, kann Initiationswissenschaft der Gegenwart nicht denselben Weg gehen, wie Initiationswissenschaft der Vergangenheit. Der Guru sprach sich niemals über den Weg aus, durch den er selbst zu seiner Erkenntnis gekommen ist. Und von einem öffentlichen Mitteilen des Weges zur höheren Erkenntnis war überhaupt in älteren Zeiten nicht die Rede. Diese Mitteilungen wurden einzig und allein geübt in den Mysterienstätten, die für diese älteren Zeiten die hohen Schulen auf dem Wege des Übersinnlichen waren.
[ 19 ] Heute würde ein solcher Weg gegenüber dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein, zu dem wir uns im gegenwärtigen historischen Augenblicke hinaufgerungen haben, nicht mehr möglich sein. Daher ist derjenige, welcher von übersinnlichen Erkenntnissen spricht, heute selbstverständlich veranlaßt, zu sagen zunächst, wie man zu solchen übersinnlichen Erkenntnissen komme. Dabei muß es dann jedem wieder überlassen bleiben, wie er sich selber mit Bezug auf seinen Lebensweg zu diesen Übungen des Körpers, der Seele und des Geistes verhält, durch die man zur Entwickelung jener Kräfte im Menschenwesen kommt, die über die Naturgesetze und über den gegenwärtigen Augenblick hinausschauen in das wahre Wesen der Welt, und damit auch in das wahre Wesen des Menschen. Es wird daher der selbstverständliche Gang der Betrachtungen dieser Vorträge sein, daß ich zunächst wenigstens einiges andeutungsweise sage über die Art und Weise, wie sich gerade der gegenwärtige Mensch Erkenntnisse des Übersinnlichen erwerben kann.
[ 19 ] Heute würde ein solcher Weg gegenüber dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein, zu dem wir uns im gegenwärtigen historischen Augenblicke hinaufgerungen haben, nicht mehr möglich sein. Daher ist derjenige, welcher von übersinnlichen Erkenntnissen spricht, heute selbstverständlich veranlaßt, zu sagen zunächst, wie man zu solchen übersinnlichen Erkenntnissen komme. Dabei muß es dann jedem wieder überlassen bleiben, wie er sich selber mit Bezug auf seinen Lebensweg zu diesen Übungen des Körpers, der Seele und des Geistes verhält, durch die man zur Entwickelung jener Kräfte im Menschenwesen kommt, die über die Naturgesetze und über den gegenwärtigen Augenblick hinausschauen in das wahre Wesen der Welt, und damit auch in das wahre Wesen des Menschen. Es wird daher der selbstverständliche Gang der Betrachtungen dieser Vorträge sein, daß ich zunächst wenigstens einiges andeutungsweise sage über die Art und Weise, wie sich gerade der gegenwärtige Mensch Erkenntnisse des Übersinnlichen erwerben kann.
[ 20 ] Dabei muß man ausgehen von dem Menschen, so wie er eben ist, so wie er sich hineinstellt ins Erdendasein gegenüber dem Raume, gegenüber dem gegenwärtigen Augenblicke. Der Mensch umfaßt seelisch-körperlich — ich sage das mit vollem Bedacht: seelisch-körperlich — als Erdenwesen ein Dreifaches: das denkende, das fühlende und das wollende Wesen. Und wenn wir hinschauen auf alles dasjenige, was im Bereich des Denkens, im Bereich des Fühlens, im Bereich des Wollens liegt, dann haben wir den Anteil des menschlichen Wesens an dem Erdendasein umfaßt.
[ 20 ] Dabei muß man ausgehen von dem Menschen, so wie er eben ist, so wie er sich hineinstellt ins Erdendasein gegenüber dem Raume, gegenüber dem gegenwärtigen Augenblicke. Der Mensch umfaßt seelisch-körperlich — ich sage das mit vollem Bedacht: seelisch-körperlich — als Erdenwesen ein Dreifaches: das denkende, das fühlende und das wollende Wesen. Und wenn wir hinschauen auf alles dasjenige, was im Bereich des Denkens, im Bereich des Fühlens, im Bereich des Wollens liegt, dann haben wir den Anteil des menschlichen Wesens an dem Erdendasein umfaßt.
[ 21 ] Sehen wir uns zunächst den wichtigsten Teil desjenigen an, durch das sich der Mensch in das Erdendasein hineinstellt. Das ist zweifellos das denkerische Wesen des Menschen. Denn dieses denkerische Wesen des Menschen gibt ihm die volle Klarheit über die Welt, die er als Erdenmensch braucht. Das Gefühl bleibt dunkel, unbestimmt gegenüber dem lichtvollen Denken. Und gar erst das Wollen: jene Tiefen des Menschenwesens, aus denen das Wollen hervorquillt, die sind zunächst für das gewöhnliche Beobachten ja ganz unerreichbar.
[ 21 ] Sehen wir uns zunächst den wichtigsten Teil desjenigen an, durch das sich der Mensch in das Erdendasein hineinstellt. Das ist zweifellos das denkerische Wesen des Menschen. Denn dieses denkerische Wesen des Menschen gibt ihm die volle Klarheit über die Welt, die er als Erdenmensch braucht. Das Gefühl bleibt dunkel, unbestimmt gegenüber dem lichtvollen Denken. Und gar erst das Wollen: jene Tiefen des Menschenwesens, aus denen das Wollen hervorquillt, die sind zunächst für das gewöhnliche Beobachten ja ganz unerreichbar.
[ 22 ] Bedenken Sie nur, was Sie vom Wollen in der gewöhnlichen Welt, im gewöhnlichen Erleben haben. Sie entschließen sich, sagen wir, einen Stuhl zu holen und ihn an einen anderen Platz zu setzen. Sie haben den Gedanken, diesen Stuhl von dort dahin zu tragen. Das sehen Sie in der Vorstellung. Dann geht dasjenige, was in Ihrer Vorstellung liegt, auf eine Ihnen völlig unbekannte Weise in Blut und Muskeln hinunter. Was nun geschieht in Blut und Muskeln und Nerven, während Sie hingehen, den Stuhl heben, ihn hierhertragen, das haben Sie wiederum nur in der Vorstellung. Sie stellen es vor. Aber die eigentliche innere Aktivität, dasjenige, was da innerhalb Ihrer Haut vor sich geht, das bleibt Ihnen völlig unbewuß:t. Erst wieder der Erfolg ist Ihnen im Gedanken ersichtlich.
[ 22 ] Bedenken Sie nur, was Sie vom Wollen in der gewöhnlichen Welt, im gewöhnlichen Erleben haben. Sie entschließen sich, sagen wir, einen Stuhl zu holen und ihn an einen anderen Platz zu setzen. Sie haben den Gedanken, diesen Stuhl von dort dahin zu tragen. Das sehen Sie in der Vorstellung. Dann geht dasjenige, was in Ihrer Vorstellung liegt, auf eine Ihnen völlig unbekannte Weise in Blut und Muskeln hinunter. Was nun geschieht in Blut und Muskeln und Nerven, während Sie hingehen, den Stuhl heben, ihn hierhertragen, das haben Sie wiederum nur in der Vorstellung. Sie stellen es vor. Aber die eigentliche innere Aktivität, dasjenige, was da innerhalb Ihrer Haut vor sich geht, das bleibt Ihnen völlig unbewuß:t. Erst wieder der Erfolg ist Ihnen im Gedanken ersichtlich.
[ 23 ] So ist das Wollen das Allerunbewußteste während der wachen Tätigkeit. Von der Schlaftätigkeit des Menschen werden wir später sprechen. Während der wachen Tätigkeit ist das Wollen ganz im Dunkel, in der Finsternis geblieben. Und eigentlich weiß man von dem, was vom Gedanken ausgehend im Wollen geschieht, so wenig, als man im gewöhnlichen Erdenleben weiß von dem, was mit einem geschieht vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Man verschläft die innere Natur des Wollens auch während des Wachens. Nur das Vorstellen, nur das Denken ist dasjenige, was Klarheit in das menschliche Erdenleben hineinbringt.
[ 23 ] So ist das Wollen das Allerunbewußteste während der wachen Tätigkeit. Von der Schlaftätigkeit des Menschen werden wir später sprechen. Während der wachen Tätigkeit ist das Wollen ganz im Dunkel, in der Finsternis geblieben. Und eigentlich weiß man von dem, was vom Gedanken ausgehend im Wollen geschieht, so wenig, als man im gewöhnlichen Erdenleben weiß von dem, was mit einem geschieht vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Man verschläft die innere Natur des Wollens auch während des Wachens. Nur das Vorstellen, nur das Denken ist dasjenige, was Klarheit in das menschliche Erdenleben hineinbringt.
[ 24 ] Das Fühlen steht dann zwischen dem Wollen und dem Denken. Und wie zwischen dem Schlafen und Wachen das Träumen steht als ein unbestimmtes, chaotisches Vorstellen, ein halbes Schlafen, ein halbes Wachen, so steht das Fühlen zwischen dem Wollen und dem Vorstellen drinnen und ist eigentlich ein wachendes Träumen der Seele. Dasjenige, wovon wir also als dem Nächstliegenden im Menschen auszugehen haben, ist dennoch das Vorstellen, das Denken. Aber wie verläuft dieses Denken im gewöhnlichen Erdenleben?
[ 24 ] Das Fühlen steht dann zwischen dem Wollen und dem Denken. Und wie zwischen dem Schlafen und Wachen das Träumen steht als ein unbestimmtes, chaotisches Vorstellen, ein halbes Schlafen, ein halbes Wachen, so steht das Fühlen zwischen dem Wollen und dem Vorstellen drinnen und ist eigentlich ein wachendes Träumen der Seele. Dasjenige, wovon wir also als dem Nächstliegenden im Menschen auszugehen haben, ist dennoch das Vorstellen, das Denken. Aber wie verläuft dieses Denken im gewöhnlichen Erdenleben?
[ 25 ] Es spielt eine durchaus passive Rolle in unserem ganzen menschlichen Erdenwesen. Man sei nur darüber vollständig ehrlich in der Selbstbeobachtung. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen gibt sich der Mensch der Außenwelt hin. Er läßt die Sinneseindrükke über sich kommen, und es verbinden sich mit den Sinneseindrücken Vorstellungen. Wir gehen von den Sinneseindrücken hinweg, oder die Sinneseindrücke gehen von uns hinweg. Es bleiben die Vorstellungen in der Seele. Sie verwandeln sich nach und nach in Erinnerungen. Aber, wie gesagt, wenn man ehrlich ist als Erdenmensch in der Selbstbeobachtung, dann wird man sich sagen müssen: in diesen Vorstellungen, die man da im gewöhnlichen Leben gewinnt, liegt eigentlich nichts anderes enthalten, als einzig und allein dasjenige, was von der Außenwelt, von der Sinnesbeobachtung in die Seele hereingekommen ist. Man suche nur einmal in ehrlicher, unbefangener Weise dasjenige auf, was man in der Seele trägt; irgendwo wird man finden, daß es durch einen äußeren Eindruck veranlaßt worden ist.
[ 25 ] Es spielt eine durchaus passive Rolle in unserem ganzen menschlichen Erdenwesen. Man sei nur darüber vollständig ehrlich in der Selbstbeobachtung. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen gibt sich der Mensch der Außenwelt hin. Er läßt die Sinneseindrükke über sich kommen, und es verbinden sich mit den Sinneseindrücken Vorstellungen. Wir gehen von den Sinneseindrücken hinweg, oder die Sinneseindrücke gehen von uns hinweg. Es bleiben die Vorstellungen in der Seele. Sie verwandeln sich nach und nach in Erinnerungen. Aber, wie gesagt, wenn man ehrlich ist als Erdenmensch in der Selbstbeobachtung, dann wird man sich sagen müssen: in diesen Vorstellungen, die man da im gewöhnlichen Leben gewinnt, liegt eigentlich nichts anderes enthalten, als einzig und allein dasjenige, was von der Außenwelt, von der Sinnesbeobachtung in die Seele hereingekommen ist. Man suche nur einmal in ehrlicher, unbefangener Weise dasjenige auf, was man in der Seele trägt; irgendwo wird man finden, daß es durch einen äußeren Eindruck veranlaßt worden ist.
[ 26 ] In dieser Beziehung geben sich insbesondere die nicht bis in die Tiefe dringenden — ich sage das ausdrücklich —, die nicht bis in die Tiefe dringenden Mystiker Illusionen hin. Sie glauben, durch eine mehr oder weniger dunkle innere Trainierung zu inneren Einsichten zu kommen über dasjenige, was der Welt als ein höheres Göttliches zugrunde liegt. Sie sprechen oftmals davon, diese halben oder Viertelmystiker, wie ihnen ein inneres Seelenlicht aufgegangen ist, wie sie das oder jenes geistig geschaut haben.
[ 26 ] In dieser Beziehung geben sich insbesondere die nicht bis in die Tiefe dringenden — ich sage das ausdrücklich —, die nicht bis in die Tiefe dringenden Mystiker Illusionen hin. Sie glauben, durch eine mehr oder weniger dunkle innere Trainierung zu inneren Einsichten zu kommen über dasjenige, was der Welt als ein höheres Göttliches zugrunde liegt. Sie sprechen oftmals davon, diese halben oder Viertelmystiker, wie ihnen ein inneres Seelenlicht aufgegangen ist, wie sie das oder jenes geistig geschaut haben.
[ 27 ] Derjenige, der nun wirklich genau und ehrlich mit der Selbstbeobachtung vorgeht, der wird aber sehen können, wie viele mystische Schauungen auf nichts anderes zurückgehen als auf äußere Sinneserlebnisse, die umgeändert worden sind im Laufe der Zeit. Und so paradox es scheinen mag, es kann einen vierzigjährigen Mystiker geben, der da glaubt, einen unmittelbar imaginativ-visionären Eindruck zu haben — nun, ich will etwas Konkretes setzen von dem Mysterium von Golgatha, indem er innerlich-geistig dieses Mysterium von Golgatha sieht. Er fühlt sich nun ungeheuer innerlich gehoben. Derjenige, der ein guter Psychologe ist, kann nun nachgehen, wie das Erdenleben dieses vierzigjährigen Mystikers verlaufen ist, und er findet, daß er als zehnjähriger Knabe ganz vorübergehend bei einem Besuche, zu dem ihn sein Vater mitgenommen hat, irgendwo ein kleines Bildchen gesehen hat. Dieses kleine Bildchen, das sich auf das Mysterium von Golgatha bezog, hat damals geringen Eindruck auf seine Seele gemacht; aber es blieb, es wandelte sich um, ging in die tiefen Untergründe der Seele hinunter, und im vierzigsten Lebensjahre stieg es auf als eine große mystische Schauung. Das ist dasjenige, was man vor allen Dingen betonen muß), wenn man es überhaupt wagt, mehr oder weniger öffentlich heute von den Wegen zu übersinnlicher Erkenntnis zu sprechen. Denn derjenige, der sich diese Wege leicht macht, der wird in der Regel dilettantisch nur von diesen Wegen sprechen können. Gerade derjenige, der ein Recht haben will, von mystischübersinnlichen Wegen zu sprechen, der muß gewissermaßen alles kennen, was zu Irrtümern auf diesem Gebiete führen kann. Der muß genau kennen, wie die gewöhnliche Selbsterkenntnis eigentlich nur umgewandelte äußere Eindrücke zumeist enthält, und wie wahre Selbsterkenntnis heute gesucht werden muß durch eine innere Entwickelung, durch ein Herausholen von Kräften der Seele, die von vornherein nicht da sind. Da muß man denn hinschauen gerade auf die Passivität des gewöhnlichen Denkens. Das gewöhnliche Denken schafft sich die Eindrücke so, wie die Sinne es wollen. Das Frühere ist auch im Denken früher, das Spätere ist auch im Denken später. Das Obere ist im Denken oben, das Untere ist im Denken unten. Und so folgt der Mensch für das gewöhnliche Vorstellen nicht nur im gewöhnlichen Leben, sondern auch in der Wissenschaft nur passiv den Vorgängen, die sich in der äußeren Welt abspielen. Unsere Wissenschaft ist ja so weit gekommen, geradezu es als ein Ideal anzusehen, darauf zu kommen, wiie die Dinge sich in der äußeren Welt abspielen, ohne daß das Denken den geringsten Einfluß darauf nimmt. Unsere Wissenschaft sieht es als ihr Ideal an, bei ihren Forschungsmethoden das Denken so passiv wie möglich zu gestalten. Damit tut sie auf ihrem Gebiete ganz recht. Sie kommt auf ihrem Gebiete zu den allergrößten Fortschritten, wenn sie gerade diese Methode beobachtet. Aber sie kommt immer mehr und mehr von dem wahren Wesen des Menschen ab. Denn da ist der erste Schritt in denjenigen Methoden zum übersinnlichen Erkennen, die man Meditation, Konzentration in bezug auf die inneren Seelenkräfte, oder auch noch anders nennen kann, da ist die erste Anforderung diese, den Übergang zu finden vom rein passiven Denken zum inneren Aktiven des Denkens.
[ 27 ] Derjenige, der nun wirklich genau und ehrlich mit der Selbstbeobachtung vorgeht, der wird aber sehen können, wie viele mystische Schauungen auf nichts anderes zurückgehen als auf äußere Sinneserlebnisse, die umgeändert worden sind im Laufe der Zeit. Und so paradox es scheinen mag, es kann einen vierzigjährigen Mystiker geben, der da glaubt, einen unmittelbar imaginativ-visionären Eindruck zu haben — nun, ich will etwas Konkretes setzen von dem Mysterium von Golgatha, indem er innerlich-geistig dieses Mysterium von Golgatha sieht. Er fühlt sich nun ungeheuer innerlich gehoben. Derjenige, der ein guter Psychologe ist, kann nun nachgehen, wie das Erdenleben dieses vierzigjährigen Mystikers verlaufen ist, und er findet, daß er als zehnjähriger Knabe ganz vorübergehend bei einem Besuche, zu dem ihn sein Vater mitgenommen hat, irgendwo ein kleines Bildchen gesehen hat. Dieses kleine Bildchen, das sich auf das Mysterium von Golgatha bezog, hat damals geringen Eindruck auf seine Seele gemacht; aber es blieb, es wandelte sich um, ging in die tiefen Untergründe der Seele hinunter, und im vierzigsten Lebensjahre stieg es auf als eine große mystische Schauung. Das ist dasjenige, was man vor allen Dingen betonen muß), wenn man es überhaupt wagt, mehr oder weniger öffentlich heute von den Wegen zu übersinnlicher Erkenntnis zu sprechen. Denn derjenige, der sich diese Wege leicht macht, der wird in der Regel dilettantisch nur von diesen Wegen sprechen können. Gerade derjenige, der ein Recht haben will, von mystischübersinnlichen Wegen zu sprechen, der muß gewissermaßen alles kennen, was zu Irrtümern auf diesem Gebiete führen kann. Der muß genau kennen, wie die gewöhnliche Selbsterkenntnis eigentlich nur umgewandelte äußere Eindrücke zumeist enthält, und wie wahre Selbsterkenntnis heute gesucht werden muß durch eine innere Entwickelung, durch ein Herausholen von Kräften der Seele, die von vornherein nicht da sind. Da muß man denn hinschauen gerade auf die Passivität des gewöhnlichen Denkens. Das gewöhnliche Denken schafft sich die Eindrücke so, wie die Sinne es wollen. Das Frühere ist auch im Denken früher, das Spätere ist auch im Denken später. Das Obere ist im Denken oben, das Untere ist im Denken unten. Und so folgt der Mensch für das gewöhnliche Vorstellen nicht nur im gewöhnlichen Leben, sondern auch in der Wissenschaft nur passiv den Vorgängen, die sich in der äußeren Welt abspielen. Unsere Wissenschaft ist ja so weit gekommen, geradezu es als ein Ideal anzusehen, darauf zu kommen, wiie die Dinge sich in der äußeren Welt abspielen, ohne daß das Denken den geringsten Einfluß darauf nimmt. Unsere Wissenschaft sieht es als ihr Ideal an, bei ihren Forschungsmethoden das Denken so passiv wie möglich zu gestalten. Damit tut sie auf ihrem Gebiete ganz recht. Sie kommt auf ihrem Gebiete zu den allergrößten Fortschritten, wenn sie gerade diese Methode beobachtet. Aber sie kommt immer mehr und mehr von dem wahren Wesen des Menschen ab. Denn da ist der erste Schritt in denjenigen Methoden zum übersinnlichen Erkennen, die man Meditation, Konzentration in bezug auf die inneren Seelenkräfte, oder auch noch anders nennen kann, da ist die erste Anforderung diese, den Übergang zu finden vom rein passiven Denken zum inneren Aktiven des Denkens.
[ 28 ] Und wenn ich ganz elementar zunächst den ersten Schritt charakterisiere, so muß er sich so hinstellen: Statt sich von außen anregen zu lassen zu irgendeiner Vorstellung, nehme man eine Vorstellung, die man rein aus dem Inneren heraus selber geholt hat, stelle sie in den Mittelpunkt des Bewußtseins. Es kommt gar nicht darauf an, ob diese Vorstellung, wie man sagt, wahr ist, denn es kommt darauf an, daß sie aktiv ganz aus dem Seeleninneren herausgeholt ist. Daher ist es auch nicht gut, wenn man eine solche Vorstellung aus der Erinnerung herausholt, denn in dem Erinnerten kleben die mannigfaltigsten unbestimmten Eindrücke an allen unseren Vorstellungen. Holen wir also selbst etwas aus der Erinnerung heraus, dann sind wir nicht sicher, was wir alles passiv mitdenken, ob wir wirklich unsere Meditation in aktivem Sinne innerlich einrichten.
[ 28 ] Und wenn ich ganz elementar zunächst den ersten Schritt charakterisiere, so muß er sich so hinstellen: Statt sich von außen anregen zu lassen zu irgendeiner Vorstellung, nehme man eine Vorstellung, die man rein aus dem Inneren heraus selber geholt hat, stelle sie in den Mittelpunkt des Bewußtseins. Es kommt gar nicht darauf an, ob diese Vorstellung, wie man sagt, wahr ist, denn es kommt darauf an, daß sie aktiv ganz aus dem Seeleninneren herausgeholt ist. Daher ist es auch nicht gut, wenn man eine solche Vorstellung aus der Erinnerung herausholt, denn in dem Erinnerten kleben die mannigfaltigsten unbestimmten Eindrücke an allen unseren Vorstellungen. Holen wir also selbst etwas aus der Erinnerung heraus, dann sind wir nicht sicher, was wir alles passiv mitdenken, ob wir wirklich unsere Meditation in aktivem Sinne innerlich einrichten.
[ 29 ] Daher kann man in dreifacher Weise verfahren. Man kann allerdings ganz selbständig vorgehen. Da nehme man eine möglichst einfache, leicht überschaubare Vorstellung, von der man weiß, man habe sie im gegenwärtigen Augenblicke gemacht. Sie entspricht nichts, an das man sich bloß erinnert. Also, man mache sich meinetwillen auch eine möglichst paradoxe Vorstellung, eine Vorstellung, die bewußt abweicht von all dem, was man passiv empfangen kann. Man muß nur sicher sein der Aktivität, der innerlichen Tätigkeit, durch die die Meditation geworden ist.
[ 29 ] Daher kann man in dreifacher Weise verfahren. Man kann allerdings ganz selbständig vorgehen. Da nehme man eine möglichst einfache, leicht überschaubare Vorstellung, von der man weiß, man habe sie im gegenwärtigen Augenblicke gemacht. Sie entspricht nichts, an das man sich bloß erinnert. Also, man mache sich meinetwillen auch eine möglichst paradoxe Vorstellung, eine Vorstellung, die bewußt abweicht von all dem, was man passiv empfangen kann. Man muß nur sicher sein der Aktivität, der innerlichen Tätigkeit, durch die die Meditation geworden ist.
[ 30 ] Oder ein Zweites besteht darinnen, daß man zu jemandem geht, der auf diesem Gebiet Erfahrungen hat, und sagt: Gib mir einen Meditationsinhalt. Dadurch kann man in die Angst verfallen, daß man abhängig werde von dem betreffenden Menschen. Nun, wenn man sich bewußt bleibt, daß man ja von dem Momente ab, wo man den Meditationsinhalt empfangen hat, jeden Schritt nun selbständig in eigener innerer Aktivität macht, nur die Gelegenheit herbeigeführt hat, etwas Neues zu bekommen, was man noch nicht selbst gedacht hat, das deshalb etwas Neues ist, was man mit innerer Aktivität ergreifen muß, weil es eben von einem anderen kommt, wenn man sich dessen bewußt bleibt, so tritt ja die Abhängigkeit nicht ein. Namentlich muß man danach handeln im Sinne eines solchen Bewußtseins.
[ 30 ] Oder ein Zweites besteht darinnen, daß man zu jemandem geht, der auf diesem Gebiet Erfahrungen hat, und sagt: Gib mir einen Meditationsinhalt. Dadurch kann man in die Angst verfallen, daß man abhängig werde von dem betreffenden Menschen. Nun, wenn man sich bewußt bleibt, daß man ja von dem Momente ab, wo man den Meditationsinhalt empfangen hat, jeden Schritt nun selbständig in eigener innerer Aktivität macht, nur die Gelegenheit herbeigeführt hat, etwas Neues zu bekommen, was man noch nicht selbst gedacht hat, das deshalb etwas Neues ist, was man mit innerer Aktivität ergreifen muß, weil es eben von einem anderen kommt, wenn man sich dessen bewußt bleibt, so tritt ja die Abhängigkeit nicht ein. Namentlich muß man danach handeln im Sinne eines solchen Bewußtseins.
[ 31 ] Das Dritte endlich ist: Man kann auch in einer zunächst, ich möchte sagen, unsichtbaren Art sich einen Lehrer suchen. Man nehme irgendein Buch, von dem man weiß, man habe es ganz sicher niemals in der Hand gehabt; dann schlage man es auf, wo es fällt, lese irgendeinen Satz. Man ist auf diese Weise sicher, einen ganz neuen Satz zu bekommen, an den man sich heranmachen muß in einer inneren Aktivität. Man mache diesen Satz zu seinem Meditationsinhalt, oder eine Figur, die man in einem solchen Buche gefunden hat, irgend etwas, das man auf die Weise gefunden hat, daß man ganz sicher sein kann, man stand noch nicht davor. Das ist die dritte Art. Auf diese Weise kann man sich aus dem Nichts selber einen Lehrer schaffen. Der Umstand, daß man sich das Buch aufgesucht hat, daß man gelesen hat, daß man den Satz oder die Figur oder irgend etwas anderes an sich hat herankommen lassen, das ist der Lehrer.
[ 31 ] Das Dritte endlich ist: Man kann auch in einer zunächst, ich möchte sagen, unsichtbaren Art sich einen Lehrer suchen. Man nehme irgendein Buch, von dem man weiß, man habe es ganz sicher niemals in der Hand gehabt; dann schlage man es auf, wo es fällt, lese irgendeinen Satz. Man ist auf diese Weise sicher, einen ganz neuen Satz zu bekommen, an den man sich heranmachen muß in einer inneren Aktivität. Man mache diesen Satz zu seinem Meditationsinhalt, oder eine Figur, die man in einem solchen Buche gefunden hat, irgend etwas, das man auf die Weise gefunden hat, daß man ganz sicher sein kann, man stand noch nicht davor. Das ist die dritte Art. Auf diese Weise kann man sich aus dem Nichts selber einen Lehrer schaffen. Der Umstand, daß man sich das Buch aufgesucht hat, daß man gelesen hat, daß man den Satz oder die Figur oder irgend etwas anderes an sich hat herankommen lassen, das ist der Lehrer.
[ 32 ] Es gibt also durchaus heute die Möglichkeit, so auf den Weg zu den höheren Welten zu kommen, daß man sicher sein kann: In die Aktivität des Denkens, in die man dabei übergeht, greift ungerechtfertigterweise keine andere Macht ein. Und das ist das Wesentliche für den heutigen Menschen. Denn wir werden gerade im Laufe der Vorträge sehen, daß dasjenige, was beim heutigen Menschen, dann insbesondere, wenn er sich zu einer höheren Welt hinaufentwikkeln will, ganz besonders notwendig ist, die Achtung, die Schätzung seines freien Willens ist. Und schätzt man den freien Willen nicht, wie soll sich denn überhaupt die innere Aktivität heranbilden lassen! In dem Augenblicke, wo einer von dem anderen abhängig wird, ist sein Wille gehemmt. Und darauf kommt es gerade an bei einer heute möglichen Meditation, daß der Mensch sie vollbringt aus der inneren Aktivität, aus dem Willen im Denken, der sonst bei der passiven äußeren Betrachtung, und gerade bei der heutigen Wissenschaft, am wenigsten geschätzt wird.
[ 32 ] Es gibt also durchaus heute die Möglichkeit, so auf den Weg zu den höheren Welten zu kommen, daß man sicher sein kann: In die Aktivität des Denkens, in die man dabei übergeht, greift ungerechtfertigterweise keine andere Macht ein. Und das ist das Wesentliche für den heutigen Menschen. Denn wir werden gerade im Laufe der Vorträge sehen, daß dasjenige, was beim heutigen Menschen, dann insbesondere, wenn er sich zu einer höheren Welt hinaufentwikkeln will, ganz besonders notwendig ist, die Achtung, die Schätzung seines freien Willens ist. Und schätzt man den freien Willen nicht, wie soll sich denn überhaupt die innere Aktivität heranbilden lassen! In dem Augenblicke, wo einer von dem anderen abhängig wird, ist sein Wille gehemmt. Und darauf kommt es gerade an bei einer heute möglichen Meditation, daß der Mensch sie vollbringt aus der inneren Aktivität, aus dem Willen im Denken, der sonst bei der passiven äußeren Betrachtung, und gerade bei der heutigen Wissenschaft, am wenigsten geschätzt wird.
[ 33 ] Auf diese Weise kommt man hinein in ein aktives Denken. Wie schnell nun die Entwickelung geht, das hängt ganz von der Wesenheit des Menschen selber ab. Der eine kann es in drei Wochen erreichen, wenn er immer wiederum, am besten dieselben Übungen macht, der andere in fünf Jahren, der andere in sieben Jahren, ein anderer in neunzehn Jahren und so weiter. Das Wesentliche ist, daß man niemals aus der Energie, den Übergang zu suchen zu dieser Aktivität des Denkens, herauskommt. Aber man lernt in einem gewissen Zeitpunkte wirklich ein anderes Denken kennen als dasjenige, was man vorher hatte. Man lernt ein Denken kennen, das nicht in passiven Bildern verläuft wie das gewöhnliche Denken, sondern man lernt ein Denken kennen, das innerlich ganz aktiv ist, das Kraft ist, von dem man weiß, obwohl man es klar durchmacht: es ist Kraft, wie es Kraft ist, wenn ich den Arm hebe, wenn ich mit dem Finger zeige. Man lernt ein Denken kennen, in dem man sich fühlt als in einem Kraftträger des eigenen menschlichen Wesens. Man lernt ein Denken kennen, das — ich spreche dabei nicht bildlich, sondern ich spreche die konkrete tatsächliche Wahrheit aus anstoßen kann, von dem man weiß, es kann anstoßen. Von dem gewöhnlichen Denken weiß man, das stößt nirgends an. Wenn ich an eine Wand renne und eine Beule bekomme, da habe ich mir meinen physischen Leib angestoßen, mit meiner Tastkraft angestoßen. Meine Tastkraft beruht darauf, daß ich meinen Leib den Dingen entgegenstellen kann. Ich stoße an. Das gewöhnliche passive Denken stößt nicht an, das stellt bloß das Angestoßenwerden vor. Denn das gewöhnliche passive Denken ist eben nicht eine Realität, es ist Bild. Das Denken, zu dem man auf die geschilderte Weise kommt, ist Realität, ist etwas, in dem man lebt. Das stößt so an, wie der Finger anstößt an die Wand. Und wie man weiß, man kann mit dem Finger nicht überall durch, so weiß man in dem realen Denken, in das man da hineinkommt, man kann mit ihm nicht überall durch. Das ist der erste Schritt. Diesen ersten Schritt muß man machen, das eigene Denken durch Aktivierung zu einem seelischen Tastorgan zu machen, so daß man sich darinnen fühlt, wie wenn man so dächte — wie man sonst schreitet, wie man sonst greift, tastet —, daß man weiß: man lebt in einem Wesen, nicht bloß in dem gewöhnlichen Denken, das ja nur abbildet, sondern man lebt in einer Realität, in einem seelischen Tastorgan, zu dem man selber als Mensch ganz geworden ist. |
[ 33 ] Auf diese Weise kommt man hinein in ein aktives Denken. Wie schnell nun die Entwickelung geht, das hängt ganz von der Wesenheit des Menschen selber ab. Der eine kann es in drei Wochen erreichen, wenn er immer wiederum, am besten dieselben Übungen macht, der andere in fünf Jahren, der andere in sieben Jahren, ein anderer in neunzehn Jahren und so weiter. Das Wesentliche ist, daß man niemals aus der Energie, den Übergang zu suchen zu dieser Aktivität des Denkens, herauskommt. Aber man lernt in einem gewissen Zeitpunkte wirklich ein anderes Denken kennen als dasjenige, was man vorher hatte. Man lernt ein Denken kennen, das nicht in passiven Bildern verläuft wie das gewöhnliche Denken, sondern man lernt ein Denken kennen, das innerlich ganz aktiv ist, das Kraft ist, von dem man weiß, obwohl man es klar durchmacht: es ist Kraft, wie es Kraft ist, wenn ich den Arm hebe, wenn ich mit dem Finger zeige. Man lernt ein Denken kennen, in dem man sich fühlt als in einem Kraftträger des eigenen menschlichen Wesens. Man lernt ein Denken kennen, das — ich spreche dabei nicht bildlich, sondern ich spreche die konkrete tatsächliche Wahrheit aus anstoßen kann, von dem man weiß, es kann anstoßen. Von dem gewöhnlichen Denken weiß man, das stößt nirgends an. Wenn ich an eine Wand renne und eine Beule bekomme, da habe ich mir meinen physischen Leib angestoßen, mit meiner Tastkraft angestoßen. Meine Tastkraft beruht darauf, daß ich meinen Leib den Dingen entgegenstellen kann. Ich stoße an. Das gewöhnliche passive Denken stößt nicht an, das stellt bloß das Angestoßenwerden vor. Denn das gewöhnliche passive Denken ist eben nicht eine Realität, es ist Bild. Das Denken, zu dem man auf die geschilderte Weise kommt, ist Realität, ist etwas, in dem man lebt. Das stößt so an, wie der Finger anstößt an die Wand. Und wie man weiß, man kann mit dem Finger nicht überall durch, so weiß man in dem realen Denken, in das man da hineinkommt, man kann mit ihm nicht überall durch. Das ist der erste Schritt. Diesen ersten Schritt muß man machen, das eigene Denken durch Aktivierung zu einem seelischen Tastorgan zu machen, so daß man sich darinnen fühlt, wie wenn man so dächte — wie man sonst schreitet, wie man sonst greift, tastet —, daß man weiß: man lebt in einem Wesen, nicht bloß in dem gewöhnlichen Denken, das ja nur abbildet, sondern man lebt in einer Realität, in einem seelischen Tastorgan, zu dem man selber als Mensch ganz geworden ist. |
[ 34 ] Das ist der erste Schritt, den man zu machen hat, daß sich einem das Denken verwandelt, so daß man in sich fühlt: Du bist ja jetzt selber ganz der Denker geworden. Das rundet sich alles. Und es ist nicht so mit diesem Denken, wie es mit dem physischen Tasten ist. Da ist einem der Arm angewachsen, und man ist, wenn man ausgewachsen ist, schon richtig gewachsen. Aber beim aktiv gewordenen Denken ist es wie bei einer Schnecke, die ihre Fühler vorstrekken und wieder zurückziehen kann. Man lebt in einem allerdings kraftvollen Wesen, aber in einem innerlich beweglichen Wesen, das vorgeht und wieder zurück, das innerlich aktiv ist. Man kann also mit einem langgestreckten Tastorgan in der geistigen Welt, wie wir dann sehen werden, herumtasten, oder man kann zurückziehen, wenn es einem geistig wehtut.
[ 34 ] Das ist der erste Schritt, den man zu machen hat, daß sich einem das Denken verwandelt, so daß man in sich fühlt: Du bist ja jetzt selber ganz der Denker geworden. Das rundet sich alles. Und es ist nicht so mit diesem Denken, wie es mit dem physischen Tasten ist. Da ist einem der Arm angewachsen, und man ist, wenn man ausgewachsen ist, schon richtig gewachsen. Aber beim aktiv gewordenen Denken ist es wie bei einer Schnecke, die ihre Fühler vorstrekken und wieder zurückziehen kann. Man lebt in einem allerdings kraftvollen Wesen, aber in einem innerlich beweglichen Wesen, das vorgeht und wieder zurück, das innerlich aktiv ist. Man kann also mit einem langgestreckten Tastorgan in der geistigen Welt, wie wir dann sehen werden, herumtasten, oder man kann zurückziehen, wenn es einem geistig wehtut.
[ 35 ] Das sind die Dinge, die allerdings von demjenigen, der überhaupt an das wahre Menschenwesen herankommen will, ernst genommen werden müssen: die Verwandlung des Menschen zu einem ganz anderen Wesen. Denn man schaut nicht dasjenige, was der Mensch eigentlich ist, wenn man nicht zuvor die Möglichkeit hat, im Menschen selber etwas ganz anderes zu schauen als dasjenige, was die irdische Sinnlichkeit darbietet. Und das, was durch Aktivitat des Denkens entwickelt wird, ist das erste übersinnliche Glied des Menschen. Ich werde es später genauer schildern. Wir haben zunächst den physischen Leib des Menschen, den man mit den gewöhnlichen Sinnesorganen wahrnehmen kann, der ja auch als Widerstand da ist, wenn man mit den gewöhnlichen Tastorganen tastet. Wir haben dann das erste übersinnliche Glied des Menschen — man kann es Ätherleib, man kann es Bildekräfteleib nennen, wie man will, auf den Ausdruck kommt es nicht an, man braucht nur eine Terminologie. Ich werde es also Äther- oder Bildekräfteleib in der Zukunft nennen. Man hat darinnen das erste übersinnliche Glied des Menschen, das in einem höheren Tasten, in einem Tasten, zu dem man das Denken umgewandelt hat, tatsächlich so wahrnehmbar ist, wie die physischen Dinge außen für das physische Tasten wahrnehmbar sind. Denken wird zum übersinnlichen Tasten. Und diesem übersinnlichen Tasten wird der Äther-oder Bildekräfteleib des Menschen erfaßbar, erschaubar im höheren Sinne. Das ist sozusagen der erste wirkliche Schritt in die übersinnliche Welt hinein.
[ 35 ] Das sind die Dinge, die allerdings von demjenigen, der überhaupt an das wahre Menschenwesen herankommen will, ernst genommen werden müssen: die Verwandlung des Menschen zu einem ganz anderen Wesen. Denn man schaut nicht dasjenige, was der Mensch eigentlich ist, wenn man nicht zuvor die Möglichkeit hat, im Menschen selber etwas ganz anderes zu schauen als dasjenige, was die irdische Sinnlichkeit darbietet. Und das, was durch Aktivitat des Denkens entwickelt wird, ist das erste übersinnliche Glied des Menschen. Ich werde es später genauer schildern. Wir haben zunächst den physischen Leib des Menschen, den man mit den gewöhnlichen Sinnesorganen wahrnehmen kann, der ja auch als Widerstand da ist, wenn man mit den gewöhnlichen Tastorganen tastet. Wir haben dann das erste übersinnliche Glied des Menschen — man kann es Ätherleib, man kann es Bildekräfteleib nennen, wie man will, auf den Ausdruck kommt es nicht an, man braucht nur eine Terminologie. Ich werde es also Äther- oder Bildekräfteleib in der Zukunft nennen. Man hat darinnen das erste übersinnliche Glied des Menschen, das in einem höheren Tasten, in einem Tasten, zu dem man das Denken umgewandelt hat, tatsächlich so wahrnehmbar ist, wie die physischen Dinge außen für das physische Tasten wahrnehmbar sind. Denken wird zum übersinnlichen Tasten. Und diesem übersinnlichen Tasten wird der Äther-oder Bildekräfteleib des Menschen erfaßbar, erschaubar im höheren Sinne. Das ist sozusagen der erste wirkliche Schritt in die übersinnliche Welt hinein.
[ 36 ] Gerade die Art und Weise, wie ich versucht habe darzustellen, daß das Denken übergeht in ein Erleben einer inneren Kraftwirklichkeit, wird Sie auch darauf aufmerksam machen, wie wenig dieser wirklichen spirituellen Entwickelung gegenüber Einwände eine Bedeutung haben, wie der: Wer so in die geistige Welt hineinkommen will, der gibt sich vielleicht irgendwelchen Phantasien hin; er unterliegt Autosuggestionen. — Das ist ja dasjenige, was zunächst auftritt, daß die Leute sagen: Derjenige, der nach solcher Entwikkelung reden will von den höheren Welten, der gibt ja nur wieder die Bilder seiner Autosuggestion. Die Leute kommen dann und sagen einem: Aber es gibt ja doch die Möglichkeit, daß jemand, der oftmals Limonade getrunken hat, nur an Limonade zu denken braucht, dann fühlt er auch die sogenannte physiologische Erscheinung des Wäßrigen im Munde, wie wenn er Limonade tränke. Es gäbe so starke Autosuggestionen.
[ 36 ] Gerade die Art und Weise, wie ich versucht habe darzustellen, daß das Denken übergeht in ein Erleben einer inneren Kraftwirklichkeit, wird Sie auch darauf aufmerksam machen, wie wenig dieser wirklichen spirituellen Entwickelung gegenüber Einwände eine Bedeutung haben, wie der: Wer so in die geistige Welt hineinkommen will, der gibt sich vielleicht irgendwelchen Phantasien hin; er unterliegt Autosuggestionen. — Das ist ja dasjenige, was zunächst auftritt, daß die Leute sagen: Derjenige, der nach solcher Entwikkelung reden will von den höheren Welten, der gibt ja nur wieder die Bilder seiner Autosuggestion. Die Leute kommen dann und sagen einem: Aber es gibt ja doch die Möglichkeit, daß jemand, der oftmals Limonade getrunken hat, nur an Limonade zu denken braucht, dann fühlt er auch die sogenannte physiologische Erscheinung des Wäßrigen im Munde, wie wenn er Limonade tränke. Es gäbe so starke Autosuggestionen.
[ 37 ] Das ist alles wohl der Fall, und die Dinge, die der Physiologe, der Psychologe erkenntnismäßig erreichen kann, müssen eben durchaus zur Handhabe der nötigen Vorsichtsmaßregeln gut bekannt sein, gerade praktisch gut bekannt sein dem, der auf einem richtigen Wege, wie ich ihn hier schildern will, auf einem wahren Wege in die geistige Welt hineinkommt. Ich kann demjenigen, der glaubt, er könne selbst Limonade verschlingen durch Autosuggestiion, wenn er gar keine Limonade hat, erwidern: Das kann man ja; aber man soll mir den herbeiführen, der sich schon durch eine solche vorgestellte, autosuggerierte Limonade den wirklichen Durst gelöscht hat! Da beginnt eben der Unterschied, ob etwas nur in der passiven Vorstellung vorhanden ist oder ob etwas in dem Menschen als Erlebnis entsteht. Durch den Gesamtzusammenhang mit der realen Welt erreichen wir es, daß wir rein geistig, spirituell, durch eine Aktivierung des Denkens in einer Weise in der Welt drinnenstehen, daß das Denken für uns wird wie zum Tasten. Dann tasten wir natürlich nicht den Tisch oder den Stuhl, sondern dann lernen wir eben, innerhalb der geistigen Welt zu tasten, sie zu berühren, mit der geistigen Welt in reale Beziehung zu kommen. Und wir lernen gerade auf diese Weise durch das Aktivieren den Unterschied kennen zwischen mystisch-phantasierter Autosuggestion und dem Erleben der geistigen Wirklichkeit.
[ 37 ] Das ist alles wohl der Fall, und die Dinge, die der Physiologe, der Psychologe erkenntnismäßig erreichen kann, müssen eben durchaus zur Handhabe der nötigen Vorsichtsmaßregeln gut bekannt sein, gerade praktisch gut bekannt sein dem, der auf einem richtigen Wege, wie ich ihn hier schildern will, auf einem wahren Wege in die geistige Welt hineinkommt. Ich kann demjenigen, der glaubt, er könne selbst Limonade verschlingen durch Autosuggestiion, wenn er gar keine Limonade hat, erwidern: Das kann man ja; aber man soll mir den herbeiführen, der sich schon durch eine solche vorgestellte, autosuggerierte Limonade den wirklichen Durst gelöscht hat! Da beginnt eben der Unterschied, ob etwas nur in der passiven Vorstellung vorhanden ist oder ob etwas in dem Menschen als Erlebnis entsteht. Durch den Gesamtzusammenhang mit der realen Welt erreichen wir es, daß wir rein geistig, spirituell, durch eine Aktivierung des Denkens in einer Weise in der Welt drinnenstehen, daß das Denken für uns wird wie zum Tasten. Dann tasten wir natürlich nicht den Tisch oder den Stuhl, sondern dann lernen wir eben, innerhalb der geistigen Welt zu tasten, sie zu berühren, mit der geistigen Welt in reale Beziehung zu kommen. Und wir lernen gerade auf diese Weise durch das Aktivieren den Unterschied kennen zwischen mystisch-phantasierter Autosuggestion und dem Erleben der geistigen Wirklichkeit.
[ 38 ] Diese Einwände kommen also alle nur davon, daß man noch nicht wirklich hineingeschaut hat in die Art und Weise, wie die moderne Initiationswissenschaft ihren Weg schildert, sondern nur von außen urteilt, nachdem man gerade die Namen einer Sache höchstens gehört hat, oder ganz äußerlich, oberflächlich Kenntnis von den Dingen genommen hat. Derjenige, der in der geschilderten Weise hineinkommt in die geistige Welt, zu einem Berühren, Tasten der geistigen Welt, der weiß zu unterscheiden, ob er sich nachträglich bloß vorstellt dasjenige, was er erlebt hat durch sein aktiviertes Denken, oder ob er durch dieses aktivierte Denken wirklich wahrnimmt. Man kann ja auch im gewöhnlichen Leben dasjenige unterscheiden, was man erlebt, wenn man ungeschickterweise mit dem Finger in die Flamme greift, oder wenn man sich hinterher vorstellt: Da ist die Flamme, ich greife mit dem Finger hinein. Das ist ein lebendiger Unterschied, das eine tut wirklich weh, das andere stellt bloß den Schmerz vor. Und diesen Unterschied erlebt man auf einem höheren Gebiete zwischen demjenigen, was bloß vorgestellt ist von den höheren Welten, und demjenigen, was drinnen erlebt ist.
[ 38 ] Diese Einwände kommen also alle nur davon, daß man noch nicht wirklich hineingeschaut hat in die Art und Weise, wie die moderne Initiationswissenschaft ihren Weg schildert, sondern nur von außen urteilt, nachdem man gerade die Namen einer Sache höchstens gehört hat, oder ganz äußerlich, oberflächlich Kenntnis von den Dingen genommen hat. Derjenige, der in der geschilderten Weise hineinkommt in die geistige Welt, zu einem Berühren, Tasten der geistigen Welt, der weiß zu unterscheiden, ob er sich nachträglich bloß vorstellt dasjenige, was er erlebt hat durch sein aktiviertes Denken, oder ob er durch dieses aktivierte Denken wirklich wahrnimmt. Man kann ja auch im gewöhnlichen Leben dasjenige unterscheiden, was man erlebt, wenn man ungeschickterweise mit dem Finger in die Flamme greift, oder wenn man sich hinterher vorstellt: Da ist die Flamme, ich greife mit dem Finger hinein. Das ist ein lebendiger Unterschied, das eine tut wirklich weh, das andere stellt bloß den Schmerz vor. Und diesen Unterschied erlebt man auf einem höheren Gebiete zwischen demjenigen, was bloß vorgestellt ist von den höheren Welten, und demjenigen, was drinnen erlebt ist.
[ 39 ] Nun, das erste, was man erlebt auf diese Weise, ist eben die wahre Selbsterkenntnis des Menschen. Denn so, wie für die Augenblickserkenntnis im Leben vor uns stehen der Tisch, die Stühle, die ganze Halle hier in ihrer Schönheit, die nicht gehende Uhr und so weiter, wie das alles im äußeren Raumesleben vor uns steht, eine Augenblickswahmehmung gibt, so rückt sich vor das real gewordene Denken, vor das aktivierte Denken die zeitliche Welt, und zwar zunächst die zeitliche Welt des eigenen menschlichen Selbst. Dasjenige, was man erlebt hat, und was sonst bloß im Erinnerungsbilde als einem Vorstellungsbilde heraufgeholt werden kann ins Bewußtsein, das stellt sich einem wie ein gegenwärtiges Tableau hin, in dem das längst Vergangene gegenwärtig ist. Das wird ja auch geschildert von Leuten, die einen Schock bekommen haben durch die Lebensgefahr, in der sie gestanden haben beim Ertrinken und so weiter, und es wird auch heute schon konstatiert von ganz materialistisch denkenden Menschen — ich setze das immer dazu —, daß die Betreffenden in Lebensgefahr Befindlichen ein Tableau ihres eigenen Erdenlebens seelisch vor sich haben. Das rückt sich in der Tat vor den, der in dieser Weise sein Denken aktiviert hat, wie auf einmal vorhanden, als Tableau vor die Seele von dem Zeitpunkte an, von dem an man denken gelernt hat im Erdenleben, bis zu dem gegenwärtigen Zeitpunkte. Die Zeit wird zum Raume. Was vergangen ist, wird gegenwärtig. Ein Bild steht da. Das Charakteristische, über das ich morgen noch näher werde sprechen müssen, das ist, daß man nun zwar, weil die Sache bildähnlich ist, noch eine Art Raumgefühl hat, aber nur ein Raumgefühl. Denn diesem Raum, den man jetzt erlebt, dem fehlt die dritte Dimension. Man erlebt nirgends jetzt eine dritte Dimension, sondern überall den Raum nur in zwei Dimensionen; so daß man bildhaft erkennt. Deshalb nenne ich diese Erkenntnis auch die imaginative Erkenntnis; die Erkenntnis, die so, wie die Malerei, in zwei Dimensionen arbeitet, die eben eine Bild-Erkenntnis zunächst ist, eine in zwei Dimensionen sich darstellende Erkenntnis.
[ 39 ] Nun, das erste, was man erlebt auf diese Weise, ist eben die wahre Selbsterkenntnis des Menschen. Denn so, wie für die Augenblickserkenntnis im Leben vor uns stehen der Tisch, die Stühle, die ganze Halle hier in ihrer Schönheit, die nicht gehende Uhr und so weiter, wie das alles im äußeren Raumesleben vor uns steht, eine Augenblickswahmehmung gibt, so rückt sich vor das real gewordene Denken, vor das aktivierte Denken die zeitliche Welt, und zwar zunächst die zeitliche Welt des eigenen menschlichen Selbst. Dasjenige, was man erlebt hat, und was sonst bloß im Erinnerungsbilde als einem Vorstellungsbilde heraufgeholt werden kann ins Bewußtsein, das stellt sich einem wie ein gegenwärtiges Tableau hin, in dem das längst Vergangene gegenwärtig ist. Das wird ja auch geschildert von Leuten, die einen Schock bekommen haben durch die Lebensgefahr, in der sie gestanden haben beim Ertrinken und so weiter, und es wird auch heute schon konstatiert von ganz materialistisch denkenden Menschen — ich setze das immer dazu —, daß die Betreffenden in Lebensgefahr Befindlichen ein Tableau ihres eigenen Erdenlebens seelisch vor sich haben. Das rückt sich in der Tat vor den, der in dieser Weise sein Denken aktiviert hat, wie auf einmal vorhanden, als Tableau vor die Seele von dem Zeitpunkte an, von dem an man denken gelernt hat im Erdenleben, bis zu dem gegenwärtigen Zeitpunkte. Die Zeit wird zum Raume. Was vergangen ist, wird gegenwärtig. Ein Bild steht da. Das Charakteristische, über das ich morgen noch näher werde sprechen müssen, das ist, daß man nun zwar, weil die Sache bildähnlich ist, noch eine Art Raumgefühl hat, aber nur ein Raumgefühl. Denn diesem Raum, den man jetzt erlebt, dem fehlt die dritte Dimension. Man erlebt nirgends jetzt eine dritte Dimension, sondern überall den Raum nur in zwei Dimensionen; so daß man bildhaft erkennt. Deshalb nenne ich diese Erkenntnis auch die imaginative Erkenntnis; die Erkenntnis, die so, wie die Malerei, in zwei Dimensionen arbeitet, die eben eine Bild-Erkenntnis zunächst ist, eine in zwei Dimensionen sich darstellende Erkenntnis.
[ 40 ] Sie können die Frage aufwerfen: Wenn ich dastehe und in zwei Dimensionen erlebe, wie ist es denn, wenn ich vorwärtsschreite und wieder in zwei Dimensionen erlebe?
[ 40 ] Sie können die Frage aufwerfen: Wenn ich dastehe und in zwei Dimensionen erlebe, wie ist es denn, wenn ich vorwärtsschreite und wieder in zwei Dimensionen erlebe?
[ 41 ] Dazwischen ist eben kein Unterschied. Die dritte Dimension fällt als Erlebnis vollständig aus. Ich werde bei späterem Anlaß davon zu sprechen haben, wie in unserer Zeit, weil man kein Bewußtsein mehr hat von diesen Dingen, die Menschen die vierte Dimension suchen, um in das Geistige hineinzukommen. Die Wahrheit ist, daß, sobald man vom Physischen ins Geistige vorschreitet, nicht eine vierte Dimension entsteht, sondern die dritte Dimension wegfällt. Und man muß tatsächlich einmal sich einleben auf diesem Gebiete in die Realität, so wie man sich ja auch in bezug auf anderes in die Realität eingelebt hat. Wie die Leute einmal geglaubt haben, daß die Erde eine Scheibe ist, und man da an irgend etwas kommt, was unbestimmt verläuft, wo die Welt mit Brettern verschlagen ist, also an das Ende gekommen ist, und wie es ein Fortschritt war, als man wußte, man kommt wiederum zum Ausgangspunkte zurück, wenn man die Erde umsegelt, so wird es ein Fortschritt sein in dem inneren Erfassen der Welt, wenn man wissen wird: Man setzt nicht erste, zweite, dritte Dimension in die vierte Dimension fort, wenn man in das Geistige geht, sondern kehrt wiederum zu der zweiten zurück. Und wir werden sehen, wie man zu der ersten sogar wieder zurückkehrt. Das ist die Wahrheit. Es zeigt sich in der äußeren Weltbetrachtung unserer Zeit, daß man in ganz äußerlicher Weise, ich möchte sagen, wie zählend nur vorgeht: Erste Dimension, zweite Dimension, dritte Dimension es muß auch eine vierte Dimension geben. Nein, man kehrt zur zweiten Dimension zurück, die dritte hebt sich auf, und man erhält eine wirkliche imaginative Erkenntnis, die zuerst vorhanden ist im eigenen Selbst wie in einem Lebenstableau, so daß man wie überschaut im gegenwärtigen Augenblicke in gewaltigen Bildern — ich werde darüber noch genauer sprechen — dasjenige, was man im Erdenleben durchgemacht hat, wie man von innen heraus dieses Erdenleben durchgemacht hart.
[ 41 ] Dazwischen ist eben kein Unterschied. Die dritte Dimension fällt als Erlebnis vollständig aus. Ich werde bei späterem Anlaß davon zu sprechen haben, wie in unserer Zeit, weil man kein Bewußtsein mehr hat von diesen Dingen, die Menschen die vierte Dimension suchen, um in das Geistige hineinzukommen. Die Wahrheit ist, daß, sobald man vom Physischen ins Geistige vorschreitet, nicht eine vierte Dimension entsteht, sondern die dritte Dimension wegfällt. Und man muß tatsächlich einmal sich einleben auf diesem Gebiete in die Realität, so wie man sich ja auch in bezug auf anderes in die Realität eingelebt hat. Wie die Leute einmal geglaubt haben, daß die Erde eine Scheibe ist, und man da an irgend etwas kommt, was unbestimmt verläuft, wo die Welt mit Brettern verschlagen ist, also an das Ende gekommen ist, und wie es ein Fortschritt war, als man wußte, man kommt wiederum zum Ausgangspunkte zurück, wenn man die Erde umsegelt, so wird es ein Fortschritt sein in dem inneren Erfassen der Welt, wenn man wissen wird: Man setzt nicht erste, zweite, dritte Dimension in die vierte Dimension fort, wenn man in das Geistige geht, sondern kehrt wiederum zu der zweiten zurück. Und wir werden sehen, wie man zu der ersten sogar wieder zurückkehrt. Das ist die Wahrheit. Es zeigt sich in der äußeren Weltbetrachtung unserer Zeit, daß man in ganz äußerlicher Weise, ich möchte sagen, wie zählend nur vorgeht: Erste Dimension, zweite Dimension, dritte Dimension es muß auch eine vierte Dimension geben. Nein, man kehrt zur zweiten Dimension zurück, die dritte hebt sich auf, und man erhält eine wirkliche imaginative Erkenntnis, die zuerst vorhanden ist im eigenen Selbst wie in einem Lebenstableau, so daß man wie überschaut im gegenwärtigen Augenblicke in gewaltigen Bildern — ich werde darüber noch genauer sprechen — dasjenige, was man im Erdenleben durchgemacht hat, wie man von innen heraus dieses Erdenleben durchgemacht hart.
[ 42 ] Es ist noch ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den bloßen Erinnerungen. Die bloßen Erinnerungsbilder, die treten so auf, daß man das Gefühl hat, in der Erinnerung lebt dasjenige hauptsächlich, was von außen an Vorstellungen der Welt herangekommen ist, was man erfahren hat an Lust, Schmerz, was einem die anderen Menschen getan haben, wie die anderen Menschen an einen herangetreten sind. Das erlebt man vorzugsweise in der bloß vorstellungsmäßigen Erinnerung. In diesem Tableau, von dem ich spreche, erlebt man anders. In der bloßen Erinnerung — sagen wir, man ist vor zehn Jahren einem Menschen begegnet — erlebt man, wie der Mensch an einen herankommt, was er einem tut, Gutes, Böses und dergleichen. In diesem Lebenstableau aber erlebt man, wie man selbst den ersten Blick nach diesem Menschen gerichtet hat, was man getan hat, wie man erlebt hat, um seine Liebe zu erwerben, was man empfunden hat. Man empfindet also dasjenige in diesem Lebenstableau, was von innen nach außen sich entwickelt, während die bloße Erinnerung das gibt, was von außen nach innen sich entwickelt.
[ 42 ] Es ist noch ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den bloßen Erinnerungen. Die bloßen Erinnerungsbilder, die treten so auf, daß man das Gefühl hat, in der Erinnerung lebt dasjenige hauptsächlich, was von außen an Vorstellungen der Welt herangekommen ist, was man erfahren hat an Lust, Schmerz, was einem die anderen Menschen getan haben, wie die anderen Menschen an einen herangetreten sind. Das erlebt man vorzugsweise in der bloß vorstellungsmäßigen Erinnerung. In diesem Tableau, von dem ich spreche, erlebt man anders. In der bloßen Erinnerung — sagen wir, man ist vor zehn Jahren einem Menschen begegnet — erlebt man, wie der Mensch an einen herankommt, was er einem tut, Gutes, Böses und dergleichen. In diesem Lebenstableau aber erlebt man, wie man selbst den ersten Blick nach diesem Menschen gerichtet hat, was man getan hat, wie man erlebt hat, um seine Liebe zu erwerben, was man empfunden hat. Man empfindet also dasjenige in diesem Lebenstableau, was von innen nach außen sich entwickelt, während die bloße Erinnerung das gibt, was von außen nach innen sich entwickelt.
[ 43 ] Man kann also sagen, daß in diesem Lebenstableau etwas wie ein Erlebnis ist in unmittelbarer Gegenwart, bei dem nicht eines nach dem andern sich stellt, wie in der Erinnerung, sondern eines neben das andere im zweidimensionalen Raume. Man kann dieses Lebenstableau sehr wohl vom bloßen Erinnerungstableau unterscheiden.
[ 43 ] Man kann also sagen, daß in diesem Lebenstableau etwas wie ein Erlebnis ist in unmittelbarer Gegenwart, bei dem nicht eines nach dem andern sich stellt, wie in der Erinnerung, sondern eines neben das andere im zweidimensionalen Raume. Man kann dieses Lebenstableau sehr wohl vom bloßen Erinnerungstableau unterscheiden.
[ 44 ] Nun dasjenige, was man dabei erreicht, das ist, daß man die innere Aktivität, das aktive Erleben der eigenen Persönlichkeit gesteigert hat. Das ist das Wesentliche daran. Man lebt intensiver, man entwickelt intensiver die Kräfte, die aus der eigenen Persönlichkeit ausstrahlen. Man muß, wenn man dies erlebt hat, nun zu einem weiteren Schritte aufsteigen. Den tut eigentlich keiner gern. Und zu diesem weiteren Schritte gehört dasjenige, was man eigentlich nennen kann die denkbar stärkste innere Überwindung. Denn dasjenige, was man in dem Erleben dieses Tableaus hat, was man in diesen Bildern hat, in denen sich einem das Erleben vor die Seele stellt, das ist selbst für diejenigen Dinge, die schmerzlich waren, als sie wirklich erlebt wurden in der Vergangenheit, ein subjektives Glücksgefühl. Dasjenige, was verbunden ist mit dieser imaginativen Erkenntnis, ist ein ungeheuer starkes subjektives Glücksgefühl.
[ 44 ] Nun dasjenige, was man dabei erreicht, das ist, daß man die innere Aktivität, das aktive Erleben der eigenen Persönlichkeit gesteigert hat. Das ist das Wesentliche daran. Man lebt intensiver, man entwickelt intensiver die Kräfte, die aus der eigenen Persönlichkeit ausstrahlen. Man muß, wenn man dies erlebt hat, nun zu einem weiteren Schritte aufsteigen. Den tut eigentlich keiner gern. Und zu diesem weiteren Schritte gehört dasjenige, was man eigentlich nennen kann die denkbar stärkste innere Überwindung. Denn dasjenige, was man in dem Erleben dieses Tableaus hat, was man in diesen Bildern hat, in denen sich einem das Erleben vor die Seele stellt, das ist selbst für diejenigen Dinge, die schmerzlich waren, als sie wirklich erlebt wurden in der Vergangenheit, ein subjektives Glücksgefühl. Dasjenige, was verbunden ist mit dieser imaginativen Erkenntnis, ist ein ungeheuer starkes subjektives Glücksgefühl.
[ 45 ] Aus diesem subjektiven Glücksgefühl sind alle diejenigen religiösen Ideale und Schilderungen hervorgegangen, die, wie zum Beispiel die Schilderungen des Mohammedanismus, das Leben außer dem Erdenleben sich in glückbringenden Bildern vorstellen. Das ist aus dem Erlebnis dieses Glücksgefühls in der Imagination hervorgegangen.
[ 45 ] Aus diesem subjektiven Glücksgefühl sind alle diejenigen religiösen Ideale und Schilderungen hervorgegangen, die, wie zum Beispiel die Schilderungen des Mohammedanismus, das Leben außer dem Erdenleben sich in glückbringenden Bildern vorstellen. Das ist aus dem Erlebnis dieses Glücksgefühls in der Imagination hervorgegangen.
[ 46 ] Dieses Glücksgefühl muß man, wenn man den nächsten Schritt machen muß, zunächst vergessen. Denn jetzt ist notwendig, daß man, nachdem man zuerst willkürlich, wie ich es geschildert habe, durch Meditation, Konzentration des Denkens, dieses Denken aktiviert hat, nachdem man durch dieses aktivierte Denken zu dem Tableau seines eigenen Lebens aufgestiegen ist — jetzt ist es notwendig, daß man alles das aus dem Bewußtsein mit aller Kraft wiederum ausschaltet.
[ 46 ] Dieses Glücksgefühl muß man, wenn man den nächsten Schritt machen muß, zunächst vergessen. Denn jetzt ist notwendig, daß man, nachdem man zuerst willkürlich, wie ich es geschildert habe, durch Meditation, Konzentration des Denkens, dieses Denken aktiviert hat, nachdem man durch dieses aktivierte Denken zu dem Tableau seines eigenen Lebens aufgestiegen ist — jetzt ist es notwendig, daß man alles das aus dem Bewußtsein mit aller Kraft wiederum ausschaltet.
[ 47 ] Nun, das Ausschalten des Bewußtseinsinhaltes geht ja im gewöhnlichen Leben manchmal ganz leicht. Diejenigen Menschen, die Examina machen wollen, die haben ja viel zu klagen über das Ausschalten von Bewußtseinsinhalten, die eigentlich da sein sollten. Und das gewöhnliche Schlafen ist ja schließlich nichts anderes als das Ausschalten des alltäglichen Bewußtseinsinhaltes. Aber auch dieses Ausschalten geschieht passiv. Denn derjenige, der zum Examen geht, wird ganz gewiß dasjenige, was er weiß, nicht bewußt ausschalten. Das geschieht passiv. Das tut der Mensch aus seiner Schwäche, aus seiner schwachen Gegenwartskraft heraus. Aber gerade nachdem diese Kraft verstärkt worden ist, muß dieses Ausschalten für den nächsten Schritt der übersinnlichen Erkenntnis nun geschehen.
[ 47 ] Nun, das Ausschalten des Bewußtseinsinhaltes geht ja im gewöhnlichen Leben manchmal ganz leicht. Diejenigen Menschen, die Examina machen wollen, die haben ja viel zu klagen über das Ausschalten von Bewußtseinsinhalten, die eigentlich da sein sollten. Und das gewöhnliche Schlafen ist ja schließlich nichts anderes als das Ausschalten des alltäglichen Bewußtseinsinhaltes. Aber auch dieses Ausschalten geschieht passiv. Denn derjenige, der zum Examen geht, wird ganz gewiß dasjenige, was er weiß, nicht bewußt ausschalten. Das geschieht passiv. Das tut der Mensch aus seiner Schwäche, aus seiner schwachen Gegenwartskraft heraus. Aber gerade nachdem diese Kraft verstärkt worden ist, muß dieses Ausschalten für den nächsten Schritt der übersinnlichen Erkenntnis nun geschehen.
[ 48 ] Nun tritt es in der Tat sehr leicht ein, daß man dadurch, daß man alle Seelenkräfte auf einen solchen selbstgewählten Inhalt konzentriert hat, einen gewissen Hang hat, bei diesem Seeleninhalte zu bleiben, und dadurch, daß ein Glücksgefühl mit diesem Tableau verknüpft ist, bleibt man gern dabei. Man hält es gern fest. Aber man muß jetzt in der Lage sein, dasjenige, was man durch eine Art Erhöhung der Kraft angestrebt hat, wiederum auszulöschen aus dem Bewußtsein. Es ist das schwieriger eben als das Auslöschen im gewöhnlichen Leben, wie ich angedeutet habe.
[ 48 ] Nun tritt es in der Tat sehr leicht ein, daß man dadurch, daß man alle Seelenkräfte auf einen solchen selbstgewählten Inhalt konzentriert hat, einen gewissen Hang hat, bei diesem Seeleninhalte zu bleiben, und dadurch, daß ein Glücksgefühl mit diesem Tableau verknüpft ist, bleibt man gern dabei. Man hält es gern fest. Aber man muß jetzt in der Lage sein, dasjenige, was man durch eine Art Erhöhung der Kraft angestrebt hat, wiederum auszulöschen aus dem Bewußtsein. Es ist das schwieriger eben als das Auslöschen im gewöhnlichen Leben, wie ich angedeutet habe.
[ 49 ] Sie werden ja wissen: Wenn man dem Menschen die Sinneseindrücke nach und nach entzieht, wenn man den Menschen dazu bringt, daß er nichts sieht, wenn man den Raum dunkel macht, wenn man alles still macht, so daß er nichts hört, zuletzt auch die Tasteindrücke unterdrückt werden, so schläft der Mensch ein. Dieses leere Bewußtsein, bei dem der Mensch sonst einschläft, das muß willkürlich herbeigeführt werden. Aber der Mensch muß, indem er alle Bewußtseinseindrücke, auch alle selbstgemachten Bewußtseinseindrücke auslöscht, nur wach sein. Das ist das Bedeutsame: nur wach sein, die Kraft, die innere Aktivität haben, nur wach zu sein, und keine äußeren Eindrücke, keine selbstgemachten Erlebnisse mehr zu haben. Das ist die Herstellung des leeren Bewußtseins, aber des vollerlebten leeren Bewußtseins.
[ 49 ] Sie werden ja wissen: Wenn man dem Menschen die Sinneseindrücke nach und nach entzieht, wenn man den Menschen dazu bringt, daß er nichts sieht, wenn man den Raum dunkel macht, wenn man alles still macht, so daß er nichts hört, zuletzt auch die Tasteindrücke unterdrückt werden, so schläft der Mensch ein. Dieses leere Bewußtsein, bei dem der Mensch sonst einschläft, das muß willkürlich herbeigeführt werden. Aber der Mensch muß, indem er alle Bewußtseinseindrücke, auch alle selbstgemachten Bewußtseinseindrücke auslöscht, nur wach sein. Das ist das Bedeutsame: nur wach sein, die Kraft, die innere Aktivität haben, nur wach zu sein, und keine äußeren Eindrücke, keine selbstgemachten Erlebnisse mehr zu haben. Das ist die Herstellung des leeren Bewußtseins, aber des vollerlebten leeren Bewußtseins.
[ 50 ] Dann, wenn man auf diese Weise dasjenige, was man gerade durch erhöhte Kräfte ins Bewußtsein hereingebracht hat, wiederum ausschaltet, leeres Bewußtsein herstellt, dann bleibt dieses Bewußtsein nicht leer, denn dann tritt die zweite Stufe der Erkenntnis ein, die man im Gegensatze zu der imaginativen Erkenntnis die inspirierte Erkenntnis nennen kann. Da versetzen wir uns in die Möglichkeit, wenn wir solches leeres Bewußtsein nach solcher Vorbereitung errungen haben, daß sich uns, wie sonst für das Auge die sichtbare Welt, [für das Ohr] die hörbare Welt vor uns hinstellt, daß sich jetzt die geistige Welt vor unsere Seele hinstellt. Jetzt ist es nicht mehr das eigene Erleben, sondern es ist die auf uns ein“ dringende äußere geistige Welt, die sich nun vor uns hinstellt. Und wenn wir so stark sind, daß wir nicht nur einzelne Partien, die wir uns erarbeitet haben, ausschalten, sondern das ganze Lebenstableau auf einmal ausschalten können, so daß wir es kommen lassen können, wieder ausschalten können, so daß wir, nachdem wir das Lebenstableau gehabt haben, leeres Bewußtsein herstellen, nur wachen — dann tritt wiederum als erstes in dieses leere Bewußtsein herein das vorirdische Leben, das der Mensch zugebracht hat, bevor er durch die Empfängnis in einen irdischen Leib heruntergestiegen ist. Dies ist die erste wirkliche übersinnliche Erfahrung, die man macht nach Herstellung des leeren Bewußtseins: das eigene vorirdische Leben anzuschauen. Von diesem Momente an kennt man die Unsterblichkeit des Menschen von einer Seite her, die heute gar nicht betont wird. Heute spricht man immer nur von der Unsterblichkeit. Da lernt man gar nicht die Wirklichkeit kennen. Unsterblichkeit ist die Verneinung des Todes. Gewiß, die ist so wahr wie die andere Seite — wir werden darüber viel zu sprechen haben —, aber dasjenige, was man durch die Erkenntnis zuerst kennenlernt auf dem Wege, den ich nur skizzieren konnte, das ist nicht die Unsterblichkeit, die Negation des Todes, sondern die Ungeborenheit, die Negation der Geburt. Das Ungeborene ist dem Menschen ebenso wesenhaft wie die Unsterblichkeit. Und wenn man einmal wiederum verstehen wird, daß die Ewigkeit diese zwei Seiten hat, die Unsterblichkeit und die Ungeborenheit, dann wird man erst erkenntnismäßig wiederum eindringen können in das Dauernde, in das wahrhaft Ewige im Menschen. |
[ 50 ] Dann, wenn man auf diese Weise dasjenige, was man gerade durch erhöhte Kräfte ins Bewußtsein hereingebracht hat, wiederum ausschaltet, leeres Bewußtsein herstellt, dann bleibt dieses Bewußtsein nicht leer, denn dann tritt die zweite Stufe der Erkenntnis ein, die man im Gegensatze zu der imaginativen Erkenntnis die inspirierte Erkenntnis nennen kann. Da versetzen wir uns in die Möglichkeit, wenn wir solches leeres Bewußtsein nach solcher Vorbereitung errungen haben, daß sich uns, wie sonst für das Auge die sichtbare Welt, [für das Ohr] die hörbare Welt vor uns hinstellt, daß sich jetzt die geistige Welt vor unsere Seele hinstellt. Jetzt ist es nicht mehr das eigene Erleben, sondern es ist die auf uns ein“ dringende äußere geistige Welt, die sich nun vor uns hinstellt. Und wenn wir so stark sind, daß wir nicht nur einzelne Partien, die wir uns erarbeitet haben, ausschalten, sondern das ganze Lebenstableau auf einmal ausschalten können, so daß wir es kommen lassen können, wieder ausschalten können, so daß wir, nachdem wir das Lebenstableau gehabt haben, leeres Bewußtsein herstellen, nur wachen — dann tritt wiederum als erstes in dieses leere Bewußtsein herein das vorirdische Leben, das der Mensch zugebracht hat, bevor er durch die Empfängnis in einen irdischen Leib heruntergestiegen ist. Dies ist die erste wirkliche übersinnliche Erfahrung, die man macht nach Herstellung des leeren Bewußtseins: das eigene vorirdische Leben anzuschauen. Von diesem Momente an kennt man die Unsterblichkeit des Menschen von einer Seite her, die heute gar nicht betont wird. Heute spricht man immer nur von der Unsterblichkeit. Da lernt man gar nicht die Wirklichkeit kennen. Unsterblichkeit ist die Verneinung des Todes. Gewiß, die ist so wahr wie die andere Seite — wir werden darüber viel zu sprechen haben —, aber dasjenige, was man durch die Erkenntnis zuerst kennenlernt auf dem Wege, den ich nur skizzieren konnte, das ist nicht die Unsterblichkeit, die Negation des Todes, sondern die Ungeborenheit, die Negation der Geburt. Das Ungeborene ist dem Menschen ebenso wesenhaft wie die Unsterblichkeit. Und wenn man einmal wiederum verstehen wird, daß die Ewigkeit diese zwei Seiten hat, die Unsterblichkeit und die Ungeborenheit, dann wird man erst erkenntnismäßig wiederum eindringen können in das Dauernde, in das wahrhaft Ewige im Menschen. |
[ 51 ] Die neueren Sprachen haben alle das Wort Unsterblichkeit noch; aber das Wort Ungeborenheit, das die älteren Sprachen wohl gehabt haben, haben sie verloren. Zuerst hat man verloren die eine Seite der Ewigkeit, die Ungeborenheit, und jetzt, im materialistischen Zeitalter, ist der Erkenntnis des Menschen der tragische Augenblick vorgesetzt, in dem man verlieren kann auch die Unsterblichkeit, indem man überhaupt nichts mehr wissen will im Gebiete der rein materialistischen Weltanschauung von demjenigen, was als Geistiges, als Spirituelles im Menschen lebt.
[ 51 ] Die neueren Sprachen haben alle das Wort Unsterblichkeit noch; aber das Wort Ungeborenheit, das die älteren Sprachen wohl gehabt haben, haben sie verloren. Zuerst hat man verloren die eine Seite der Ewigkeit, die Ungeborenheit, und jetzt, im materialistischen Zeitalter, ist der Erkenntnis des Menschen der tragische Augenblick vorgesetzt, in dem man verlieren kann auch die Unsterblichkeit, indem man überhaupt nichts mehr wissen will im Gebiete der rein materialistischen Weltanschauung von demjenigen, was als Geistiges, als Spirituelles im Menschen lebt.
[ 52 ] Ich konnte Ihnen heute nur die allerersten Schritte, und diese nur skizzenhaft, anführen von dem Wege hinein in die übersinnlichen Welten. Wir werden weiteres zu charakterisieren haben in den nächsten Tagen und dann aufrücken zu demjenigen, was eben auf diesem Wege erkannt werden kann über den Menschen und die Welt in Gegenwart, Vergangenheit und demjenigen, was ihm notwendig ist zu wissen auch für das Künftige.
[ 52 ] Ich konnte Ihnen heute nur die allerersten Schritte, und diese nur skizzenhaft, anführen von dem Wege hinein in die übersinnlichen Welten. Wir werden weiteres zu charakterisieren haben in den nächsten Tagen und dann aufrücken zu demjenigen, was eben auf diesem Wege erkannt werden kann über den Menschen und die Welt in Gegenwart, Vergangenheit und demjenigen, was ihm notwendig ist zu wissen auch für das Künftige.
