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Insight from Initiation
GA 227

19 August 1921, Penmaenmawr

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Erste Schritte zur imaginativen Erkenntnis

First Steps Toward Imaginative Insight

[ 1 ] Die Welt in ihrer Entwickelung zu begreifen wurde zu allen Zeiten gebunden an das Begreifen des Menschen selbst. Und es ist ja in weitesten Kreisen bekannt, daß der Mensch stets in den Zeiten, in denen man nicht allein auf das materielle Dasein gesehen hat, sondern auch auf das geistige, aufgefaßt worden ist als ein Mikrokosmos, als eine kleine Welt; das heißt aber, er wurde so aufgefaßt, daß man in ihm, in seinem Wesen, in seiner Tätigkeit, in seinem ganzen Auftreten in der Welt eine Konzentration aller Weltgesetze, aller Tätigkeiten, überhaupt des ganzen Wesens der Welt sah. Man wollte in solchen Zeiten streng geltend machen, daß ein Weltverständnis nur möglich ist auf Grundlage eines Menschenverständnisses.

[ 1 ] Understanding the world in its development has always been linked to understanding humanity itself. And it is, after all, widely known that in times when people looked not only at material existence but also at the spiritual, human beings have always been conceived of as a microcosm, as a small world; that is to say, human beings were understood in such a way that one saw in them—in their nature, their actions, and their entire presence in the world—a concentration of all the laws of the world, all activities, and indeed the entire essence of the world. In such times, it was firmly asserted that an understanding of the world is possible only on the basis of an understanding of human beings.

[ 2 ] Nun ergibt sich aber da sofort für den wirklich Unbefangenen eine Schwierigkeit. Der Mensch steht in dem Augenblicke, wo er zu einer sogenannten Selbsterkenntnis, die ja nur die wahre Menschenerkenntnis sein kann, kommen will, vor sich selbst als vor dem allergrößten Rätsel, und er muß sich nach einiger Zeit der Selbstbeobachtung gestehen, daß sein Wesen, so wie es in der Welt, die ihn für die Sinne umgibt, zum Vorschein kommt, nicht vollständig auch vor seiner Seele, vor ihm selber, ausgebreitet ist. Der Mensch muß sich gestehen, daß ein Teil seines Wesens für die gewöhnliche Sinnesentfaltung unbekannt, verborgen bleibt. Und so steht der Mensch vor der Aufgabe, vor der Welterkenntnis in der Selbsterkenntnis erst sein wahres Wesen zur Entwickelung zu bringen, sein wahres Wesen erst aufzusuchen.

[ 2 ] But this immediately presents a difficulty for the truly open-minded person. At the very moment when a person seeks to attain so-called self-knowledge—which, after all, can only be true knowledge of humanity—he finds himself facing himself as the greatest of all mysteries, and after some time of self-observation, they must admit to themselves that their being, as it appears in the world that surrounds them through the senses, is not fully revealed even to their soul—to themselves. Human beings must admit to themselves that a part of their being remains unknown and hidden from ordinary sensory perception. And so human beings face the task of first developing their true being through self-knowledge—and of first seeking out their true being—before they can come to know the world.

[ 3 ] Eine sehr einfache Überlegung kann dem Menschen zeigen, wie in der Welt, die ihn für seine Sinne umgibt, sein wahres Wesen, seine innere Aktivität als Persönlichkeit, als Individualität, nicht vorhanden sein kann. Denn in dem Augenblicke, in dem der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ist er als Leichnam denjenigen Gesetzen, derjenigen Weltwesenheit hingegeben, die ihn sonst für die Sinne umgibt. Den physisch toten Menschen ergreifen die Naturgesetze, jene Naturgesetze, welche draußen in der Welt der Sichtbarkeit wirksam sind. Dann aber löst sich jener Zusammenhang, den man als Menschenorganisation zu bezeichnen hat, auf; dann zerfällt der Mensch, je nach der Bestattungsart, in kürzerer oder längerer Zeit.

[ 3 ] A very simple line of reasoning can show a person how, in the world that surrounds him through his senses, his true nature—his inner activity as a personality, as an individual—cannot exist. For at the moment a person passes through the gate of death, as a corpse he is subject to the laws and the world’s existence that otherwise surround him in the sensory world. The physically dead person is subject to the laws of nature—those very laws that are at work out there in the visible world. But then that structure which we must call the human organism dissolves; then, depending on the method of burial, the person disintegrates over a shorter or longer period of time.

[ 4 ] Eine einfache Überlegung zeigt also, daß jene Gesetze, die wir als die Summe unserer Naturgesetze bezeichnen müssen, indem wir sie äußerlich durch die Sinnesbeobachtung kennenlernen, einzig und allein dazu geeignet sind, die menschliche Organisation aufzulösen, aber nicht aufzubauen. Und suchen müssen wir nach denjenigen Gesetzen, nach derjenigen Aktivität, die also eigentlich für das Erdenleben von der Geburt bis zum Tode, oder schon von der Empfängnis bis zum Tode kämpfen gegen die Kräfte, die Gesetze der Auflösung. Wir sind in jedem Augenblicke unseres Lebens durch unser wahres inneres Menschenwesen Kämpfer gegen den Tod.

[ 4 ] A simple consideration thus shows that those laws—which we must describe as the sum of our natural laws, since we come to know them externally through sensory observation—are suited solely to dissolving the human organism, but not to building it up. And we must seek out those laws, that activity, which—in fact—struggle against the forces, the laws of dissolution, throughout earthly life from birth to death, or even from conception to death. At every moment of our lives, through our true inner human being, we are fighters against death.

[ 5 ] Und schauen wir uns in der Sinneswelt um, in demjenigen Teil der Sinneswelt, den der Mensch heute einzig und allein begreift, in der mineralisch leblosen Welt, so ist sie eben beherrscht von denjenigen Kräften, die für den Menschen den Tod bedeuten. Denn es ist nur eine Illusion der heutigen Naturforscher, daß es einmal gelingen könnte, mit den Gesetzen, die die äußere Sinneswelt gibt, auch nur die Pflanzen zu begreifen. Man wird das nicht. Man wird nahe an das Begreifen der Pflanzen herankommen und das mag ein Ideal sein, aber schon die Pflanze, geschweige denn das Tier oder den physischen Menschen selbst wird man jedenfalls durch diejenigen Gesetze nicht erforschen können, die uns in der äußeren Sinneswelt umgeben.

[ 5 ] And if we look around in the sensory world—in that part of the sensory world that human beings today are able to comprehend exclusively, namely the mineral, lifeless world—we see that it is precisely governed by those forces that signify death for human beings. For it is merely an illusion held by today’s natural scientists that they might one day succeed in understanding even plants using the laws that govern the external sensory world. We will not succeed in doing so. We will come close to understanding plants—and that may be an ideal—but we will certainly not be able to investigate the plant, let alone the animal or the physical human being itself, through the laws that surround us in the external sensory world.

[ 6 ] Wir sind als Erdenwesen zwischen Konzeption und Tod in unserer wahren Innerlichkeit Kämpfer gegen die Naturgesetze. Und wir haben, wenn wir zur menschlichen Selbsterkenntnis wirklich aufrücken wollen, diejenige Aktivität zu erforschen, die da im Menschenwesen wirkt als ein Kampf gegen den Tod. Ja, man wird auch, wenn man das Menschenwesen vollständig erforschen will, von welcher Erforschung eben gerade in diesen Vorträgen die Rede sein soll, zu zeigen haben, wie durch die Erdenentwickelung der Mensch dazu kommen könne, daß seine inneren Aktivitäten schließlich für das Erdendasein dem Tode unterliegen, daß der Tod Sieger wird über die verborgenen, ihn bekämpfenden Kräfte.

[ 6 ] As earthly beings, from conception to death, we are, in our true innermost being, fighters against the laws of nature. And if we truly wish to advance toward human self-knowledge, we must explore the activity that operates within the human being as a struggle against death. Indeed, if one wishes to fully explore the human being—and it is precisely this exploration that these lectures are intended to address—one must demonstrate how, through the evolution of the Earth, humanity has come to a point where its inner activities ultimately succumb to death in earthly existence, and where death triumphs over the hidden forces that oppose it.

[ 7 ] Das alles ist zunächst nur bestimmt, Sie aufmerksam zu machen auf die Richtung, welche die Betrachtungen dieser Tage nehmen sollen. Denn die Wahrheit desjenigen, was ich jetzt sage, wird sich erst durch die einzelnen Vorträge selber ergeben können. Wir können also zunächst durch eine bloße unbefangene Beobachtung des Menschenwesens darauf hinweisen, wo wir die eigentliche Innerlichkeit des Menschen, die Persönlichkeit, die Individualität, zu suchen haben. Wir haben sie nicht im Reiche der Naturkräfte, wir haben sie außerhalb des Reiches der Naturkräfte zu suchen.

[ 7 ] All of this is intended, for the time being, merely to draw your attention to the direction these reflections are to take in the coming days. For the truth of what I am about to say will only become clear through the individual lectures themselves. We can therefore begin by simply observing the human being with an open mind to indicate where we must seek the true inner nature of the human being—the personality, the individuality. We do not find it in the realm of natural forces; we must seek it outside the realm of natural forces.

[ 8 ] Aber es ergibt sich noch ein anderer Fingerzeig — nur Fingerzeige möchte ich zunächst geben —, das ist der: Wenn wir als Erdenmenschen leben, so leben wir dem Augenblicke hingegeben. Auch da braucht man nur unbefangen genug zu sein, um die ganze Tragweite dieser Behauptung einzusehen. Wenn wir sehen, wenn wir hören, wenn wir sonst durch Sinne wahrnehmen, sind wir dem Augenblicke hingegeben. Dasjenige, was vergangen ist, und dasjenige, was zukünftig ist, kann weder auf unser Ohr, noch auf unser Auge, noch auf irgendeinen anderen Sinn irgendeinen Eindruck machen. Wir sind dem Augenblicke und damit dem Raume hingegeben.

[ 8 ] But there is another clue—I would like to offer only clues for now—and that is this: When we live as human beings on Earth, we live fully immersed in the present moment. Here, too, one need only be open-minded enough to grasp the full significance of this statement. When we see, when we hear, when we perceive through our senses in any other way, we are absorbed in the moment. That which has passed and that which lies in the future can make no impression whatsoever on our ears, our eyes, or any other sense. We are absorbed in the moment and thus in space.

[ 9 ] Was wäre aber der Mensch, wenn er nur dem Augenblicke und nur dem Raume hingegeben wäre? Dafür haben wir ja zum Beispiel durch die äußere Naturbeobachtung genügend Beweise, daß der Mensch nicht Mensch im vollen Sinne des Wortes bleibt, wenn er nur dem Augenblicke und dem Raume hingegeben ist. Das bezeugt die äußere Krankheitsgeschichte mancher Menschen.

[ 9 ] But what would a human being be if he were devoted solely to the moment and solely to space? We have, for example, ample evidence from the observation of the natural world that a person does not remain human in the full sense of the word if he is devoted solely to the moment and to space. The medical histories of many people attest to this.

[ 10 ] Man weiß von Menschen zu erzählen — die Fälle sind gut untersucht —, welche in einem gewissen Augenblicke ihres Lebens sich nicht erinnern an dasjenige, was sie vorher erlebt haben, die dem Augenblicke überlassen bleiben. Sie machen in diesem Augenblicke die unsinnigsten Sachen. Sie nehmen sich, ganz im Widerspruche mit ihrem bisherigen Leben, ein Eisenbahnbillett, fahren bis zu einer gewissen Station, tun alles dasjenige, was aus dem Verstande heraus für den Augenblick getan werden kann, tun es sogar geistreicher, raffinierter, als sie es sonst getan hätten. Sie gehen zur richtigen Zeit zum Mittagsmahl, sie verrichten alle Dinge des Lebens zur richtigen Zeit. Wenn sie an der Endstation angekommen sind, bis zu der das Billett reicht, nehmen sie sich wieder, vielleicht im Widerspruche mit der ersten Fahrt, ein Billett. So irren sie manchmal Jahre in der Welt herum, bis sie sich an irgendeinem Orte finden; da wissen sie nicht, wo sie sind. Da ist ausgelöscht in ihrem Bewußtsein alles dasjenige, was sie vom Nehmen des ersten Eisenbahnbilletts aus oder vom Weggehen vom Hause aus getan haben, und die Erinnerung beginnt erst wieder für diejenige Zeit, die vorher verflossen war. Und damit kommt ihr Seelenleben und überhaupt ihr ganzes menschliches Erdendasein in ein Chaos hinein. Sie fühlen sich nicht mehr so mit ihrem ganzen Menschen verbunden, wie sie sich früher verbunden gefühlt haben. Sie waren stets dem Augenblicke hingegeben, konnten sich im Raume stets in der richtigen Art orientieren, aber sie haben das innerliche Zeitgefühl, die Erinnerung verloren.

[ 10 ] There are well-documented cases of people—the cases have been thoroughly studied—who, at a certain moment in their lives, cannot remember what they experienced before and are left to that moment. At that moment, they do the most absurd things. Completely at odds with their previous lives, they buy a train ticket, travel to a certain station, and do everything that, from a rational standpoint, can be done in that moment—and they do it even more ingeniously and skillfully than they otherwise would have. They go to lunch at the right time; they carry out all the tasks of daily life at the right time. When they arrive at the terminal station covered by the ticket, they buy another ticket—perhaps in contradiction to their first journey. In this way, they sometimes wander aimlessly through the world for years until they find themselves in some place; there, they do not know where they are. Everything they have done since buying that first train ticket or leaving home has been erased from their consciousness, and their memory only resumes for the time that had elapsed before that. And with that, their inner life—and indeed their entire human existence on earth—plunges into chaos. They no longer feel as connected to their whole being as they once did. They were always attuned to the present moment and could always orient themselves correctly in space, but they have lost their inner sense of time and their memory.

[ 11 ] In dem Augenblicke, da der Mensch das innerliche Zeitgefühl, den innerlichen realen Zusammenhang mit seiner Vergangenheit für das Erdenleben verliert, kommt er in ein Lebenschaos hinein. Das bloße Raumeserleben kann ihm nichts helfen für die Gesundheit seines totalen Wesens.

[ 11 ] The moment a person loses their inner sense of time—that is, their inner, real connection to their past in earthly life—they are plunged into a state of chaos. The mere experience of space can do nothing to promote the health of their entire being.

[ 12 ] Das heißt aber mit anderen Worten: Der Mensch ist mit seinen Sinnen stets dem Augenblicke hingegeben, und er kann sogar in Krankheitsfällen sein Dasein für den Raum, für den Augenblick absondern von dem gesamten Menschendasein; aber er bleibt nicht im vollen Sinne des Wortes Mensch.

[ 12 ] In other words, however, this means: Human beings, through their senses, are always devoted to the present moment, and even in cases of illness, they can isolate their existence—in terms of space and time—from the totality of human existence; yet they do not remain human in the full sense of the word.

[ 13 ] Wir werden da auf etwas hingewiesen, was im Menschen aus dem Raume herausfällt und nur der Zeit angehört. So daß wir sagen müssen: Ist für den Menschen das Raumeserleben eines, so ist das Zeiterleben ein anderes, das immer in ihm gegenwärtig bleiben muß, denn die Erinnerung muß die Vergangenheit in ihm gegenwärtig machen, wenn sein Wesen total vorhanden sein soll. So ist das Anwesendsein in der Zeit für den Menschen etwas Unerläßliches, etwas, was er haben muß. Die Zeit als Vergangenheit ist aber niemals im gegenwärtigen Augenblicke vorhanden. Der Mensch muß sie stets für sein Erleben in den gegenwärtigen Augenblick hineintragen. Es müssen also Kräfte zur Konservierung der Vergangenheit in dem Menschen vorhanden sein, die nicht aus dem Raum stammen, die also nicht im Sinne räumlich wirkender Natur‚ gesetze aufzufassen sind, die außerhalb des Raumes liegen.

[ 13 ] We are being made aware of something in human beings that falls outside of space and belongs solely to time. So we must say: If the experience of space is one thing for human beings, the experience of time is another—one that must always remain present within them, for memory must make the past present within them if their being is to be fully realized. Thus, being present in time is indispensable for human beings—something they must possess. Time as the past, however, is never present in the present moment. Human beings must constantly bring it into the present moment for their own experience. There must therefore be forces within human beings for the preservation of the past that do not originate in space—forces that are not to be understood in the sense of spatially acting laws of nature, but rather lie outside of space.

[ 14 ] Das sind Fingerzeige, die uns darauf hinweisen, daß der Mensch, wenn er zum Mittelpunkt der Welterkenntnis gemacht wird, also ausgehen muß von einer Selbsterkenntnis, daß der Mensch dann vor allen Dingen dasjenige erst aufsuchen muß in sich, was ihn selbst aus dem Raumesdasein, das heißt aus demjenigen Dasein, von dem uns einzig und allein die Sinne erzählen, heraushebt und ihn zum Zeitwesen in diesem Raumesdasein macht. Der Mensch muß daher appellieren an Erkenntniskräfte in ihm, die nicht an die Sinne, die nicht an die Raumeswahrnehmungen gebunden sind, wenn er sein eigenes Wesen wahrnehmen will. Und gerade im gegenwärtigen Augenblicke der Menschheitsentwickelung, wo die Naturwissenschaft in einer so außerordentlich bedeutsamen Weise den Menschen hineinführt in die Raumesgesetze, ist das wahre Menschenwesen aus Gründen, die auch in diesen Vorträgen sich zeigen werden, für die menschliche Anschauung im allgemeinen stark verlorengegangen.

[ 14 ] These are clues that point out to us that when human beings are made the center of our understanding of the world—and must therefore proceed from self-knowledge—they must first and foremost seek within themselves that which lifts them out of spatial existence, that is, from the existence of which the senses alone tell us, and makes him a temporal being within this spatial existence. Human beings must therefore draw upon powers of cognition within themselves that are not bound to the senses or to spatial perceptions if they wish to perceive their own nature. And precisely at this present moment in human development, when the natural sciences are leading humanity into the laws of space in such an extraordinarily significant way, the true human being has, for reasons that will also become apparent in these lectures, been largely lost to human perception in general.

[ 15 ] Im gegenwärtigen Augenblicke wird es daher ganz besonders notwendig sein, auf diejenigen inneren Erlebnisse hinzuweisen, die den Menschen zunächst, wie Sie gesehen haben, aus dem Raum in die Zeit und ihre Erlebnisse hineinbringen. Und davon ausgehend, so werden wir sehen, kommt er überhaupt in die geistige Welt hinein.

[ 15 ] At this very moment, therefore, it will be particularly necessary to point out those inner experiences that, as you have seen, first bring a person out of space and into time and its experiences. And starting from there, as we shall see, a person enters the spiritual world at all.

[ 16 ] Jene Erkenntnis, welche von dem Sinnlichen übergeführt hat ins Übersinnliche, hat man zu allen Zeiten die Erkenntnis durch Initiation genannt, die Erkenntnis von dem, was den eigentlichen Impuls der Menschenwesenheit ausmacht, was das Aktive der Persönlichkeit, das Aktive der Individualität ist. Und von dieser InitiationsErkenntnis, insofern sie dem gegenwärtigen Menschen möglich ist, habe ich in diesen Vorträgen zu sprechen. Denn von dieser Initiations-Erkenntnis aus soll ja hier Weltenentwickelung und Menschenentwickelung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betrachtet werden.

[ 16 ] The knowledge that has led from the sensory to the supersensory has, throughout the ages, been called “knowledge through initiation”—the knowledge of what constitutes the very impulse of human existence, what is the active force of the personality and the active force of individuality. And it is this knowledge of initiation—insofar as it is possible for people today—that I will discuss in these lectures. For it is from this knowledge of initiation that we are to consider the development of the worlds and the development of humanity in the past, present, and future.

[ 17 ] Ich werde also zunächst davon zu sprechen haben, wie man zu einer solchen Initiations-Erkenntnis kommen kann. Schon in der Art und Weise, wie man über diese Dinge gegenwärtig spricht, unterscheidet sich die Initiations-Erkenntnis der Gegenwart bedeutsam von der Initiations-Erkenntnis der Vergangenheit. In der Initiations-Erkenntnis der Vergangenheit rangen sich einzelne Lehrer der Menschheit durch zum Schauen des Übersinnlichen in Welt und Mensch. Schüler, welche einen gefühlsmäßigen, rein menschlichen Eindruck hatten von demjenigen, was in solchen Lehrern des Übersinnlichen lebte, fanden sich bei solchen Lehrern ein und nahmen dasjenige, was diese ihnen darbieten konnten auf die nicht erzwungene, aber durch den Eindruck der Persönlichkeit gegebene Autorität hin an.

[ 17 ] I will therefore begin by discussing how one can attain such initiatory knowledge. Even in the way these matters are discussed today, the initiatory knowledge of the present differs significantly from that of the past. In the initiatory knowledge of the past, individual teachers of humanity struggled to perceive the supersensible in the world and in human beings. Students who had an intuitive, purely human impression of what lived within such teachers of the supersensible sought them out and accepted what these teachers could offer them—not out of compulsion, but out of the authority conveyed by the impression of their personalities.

[ 18 ] Daher werden Sie für die gesamte Menschheitsentwickelung bis zur Gegenwart immer geschildert finden, wie sich Einzelschülerschaft unter die Autorität eines Lehrers, eines «Guru», autoritativ zu beugen hatte. Schon in diesem Punkte, wie in so vielen anderen, die uns in diesen Vorträgen noch entgegentreten werden, kann Initiationswissenschaft der Gegenwart nicht denselben Weg gehen, wie Initiationswissenschaft der Vergangenheit. Der Guru sprach sich niemals über den Weg aus, durch den er selbst zu seiner Erkenntnis gekommen ist. Und von einem öffentlichen Mitteilen des Weges zur höheren Erkenntnis war überhaupt in älteren Zeiten nicht die Rede. Diese Mitteilungen wurden einzig und allein geübt in den Mysterienstätten, die für diese älteren Zeiten die hohen Schulen auf dem Wege des Übersinnlichen waren.

[ 18 ] Therefore, throughout the entire history of human development up to the present, you will consistently find accounts of how individual disciples were required to submit authoritatively to the authority of a teacher, a “guru.” On this point alone—as on so many others that we will encounter in these lectures—the science of initiation today cannot follow the same path as the science of initiation of the past. The guru never spoke about the path through which he himself had attained his knowledge. And in earlier times, there was no question whatsoever of publicly revealing the path to higher knowledge. Such teachings were practiced solely within the mystery schools, which in those earlier times served as the higher schools on the path to the supersensible.

[ 19 ] Heute würde ein solcher Weg gegenüber dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein, zu dem wir uns im gegenwärtigen historischen Augenblicke hinaufgerungen haben, nicht mehr möglich sein. Daher ist derjenige, welcher von übersinnlichen Erkenntnissen spricht, heute selbstverständlich veranlaßt, zu sagen zunächst, wie man zu solchen übersinnlichen Erkenntnissen komme. Dabei muß es dann jedem wieder überlassen bleiben, wie er sich selber mit Bezug auf seinen Lebensweg zu diesen Übungen des Körpers, der Seele und des Geistes verhält, durch die man zur Entwickelung jener Kräfte im Menschenwesen kommt, die über die Naturgesetze und über den gegenwärtigen Augenblick hinausschauen in das wahre Wesen der Welt, und damit auch in das wahre Wesen des Menschen. Es wird daher der selbstverständliche Gang der Betrachtungen dieser Vorträge sein, daß ich zunächst wenigstens einiges andeutungsweise sage über die Art und Weise, wie sich gerade der gegenwärtige Mensch Erkenntnisse des Übersinnlichen erwerben kann.

[ 19 ] Today, such a path would no longer be possible in light of the general human consciousness to which we have struggled to ascend at this present historical moment. Therefore, anyone who speaks of supersensible knowledge is naturally compelled today to explain, first of all, how one arrives at such supersensible knowledge. It must then be left to each individual to decide, in light of their own life path, how they relate to these exercises of the body, soul, and spirit—through which one develops those powers within the human being that look beyond the laws of nature and beyond the present moment into the true nature of the world, and thus also into the true nature of the human being. It will therefore be the natural course of these lectures that I first say at least a few words, by way of introduction, about the manner in which modern human beings in particular can acquire knowledge of the supersensible.

[ 20 ] Dabei muß man ausgehen von dem Menschen, so wie er eben ist, so wie er sich hineinstellt ins Erdendasein gegenüber dem Raume, gegenüber dem gegenwärtigen Augenblicke. Der Mensch umfaßt seelisch-körperlich — ich sage das mit vollem Bedacht: seelisch-körperlich — als Erdenwesen ein Dreifaches: das denkende, das fühlende und das wollende Wesen. Und wenn wir hinschauen auf alles dasjenige, was im Bereich des Denkens, im Bereich des Fühlens, im Bereich des Wollens liegt, dann haben wir den Anteil des menschlichen Wesens an dem Erdendasein umfaßt.

[ 20 ] In doing so, one must take as one’s starting point the human being just as he is, just as he positions himself within earthly existence in relation to space and to the present moment. As an earthly being, the human being comprises—in soul and body—and I say this with full deliberation: in soul and body—a threefold nature: the thinking, the feeling, and the willing being. And when we look at everything that lies within the realm of thinking, the realm of feeling, and the realm of willing, then we have encompassed the human being’s share in earthly existence.

[ 21 ] Sehen wir uns zunächst den wichtigsten Teil desjenigen an, durch das sich der Mensch in das Erdendasein hineinstellt. Das ist zweifellos das denkerische Wesen des Menschen. Denn dieses denkerische Wesen des Menschen gibt ihm die volle Klarheit über die Welt, die er als Erdenmensch braucht. Das Gefühl bleibt dunkel, unbestimmt gegenüber dem lichtvollen Denken. Und gar erst das Wollen: jene Tiefen des Menschenwesens, aus denen das Wollen hervorquillt, die sind zunächst für das gewöhnliche Beobachten ja ganz unerreichbar.

[ 21 ] Let us first consider the most important aspect of what enables human beings to take their place in earthly existence. This is undoubtedly the human capacity for thought. For it is this capacity for thought that gives human beings the full clarity about the world that they need as earthly beings. Feeling remains obscure and indefinite in comparison to luminous thinking. And even more so the will: those depths of the human being from which the will springs forth are, at first, completely beyond the reach of ordinary observation.

[ 22 ] Bedenken Sie nur, was Sie vom Wollen in der gewöhnlichen Welt, im gewöhnlichen Erleben haben. Sie entschließen sich, sagen wir, einen Stuhl zu holen und ihn an einen anderen Platz zu setzen. Sie haben den Gedanken, diesen Stuhl von dort dahin zu tragen. Das sehen Sie in der Vorstellung. Dann geht dasjenige, was in Ihrer Vorstellung liegt, auf eine Ihnen völlig unbekannte Weise in Blut und Muskeln hinunter. Was nun geschieht in Blut und Muskeln und Nerven, während Sie hingehen, den Stuhl heben, ihn hierhertragen, das haben Sie wiederum nur in der Vorstellung. Sie stellen es vor. Aber die eigentliche innere Aktivität, dasjenige, was da innerhalb Ihrer Haut vor sich geht, das bleibt Ihnen völlig unbewuß:t. Erst wieder der Erfolg ist Ihnen im Gedanken ersichtlich.

[ 22 ] Just consider what “wanting” means in the ordinary world, in ordinary experience. You decide, let’s say, to fetch a chair and move it to another spot. You have the thought of carrying that chair from there to there. You see that in your imagination. Then what lies in your imagination flows down into your blood and muscles in a way that is completely unknown to you. What now happens in your blood, muscles, and nerves while you walk over, lift the chair, and carry it here—that, too, exists only in your imagination. You picture it. But the actual inner activity—what is taking place inside your skin—remains completely unconscious to you. Only the result is visible to you in your thoughts.

[ 23 ] So ist das Wollen das Allerunbewußteste während der wachen Tätigkeit. Von der Schlaftätigkeit des Menschen werden wir später sprechen. Während der wachen Tätigkeit ist das Wollen ganz im Dunkel, in der Finsternis geblieben. Und eigentlich weiß man von dem, was vom Gedanken ausgehend im Wollen geschieht, so wenig, als man im gewöhnlichen Erdenleben weiß von dem, was mit einem geschieht vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Man verschläft die innere Natur des Wollens auch während des Wachens. Nur das Vorstellen, nur das Denken ist dasjenige, was Klarheit in das menschliche Erdenleben hineinbringt.

[ 23 ] Thus, the will is the most unconscious aspect of waking activity. We will discuss human sleep activity later. During waking activity, the will remains entirely in the dark, in total obscurity. And in fact, we know as little about what happens in the will as a result of thought as we do in ordinary earthly life about what happens to us from the moment we fall asleep until we wake up. We remain oblivious to the inner nature of the will even while we are awake. Only imagination, only thinking, is what brings clarity into human earthly life.

[ 24 ] Das Fühlen steht dann zwischen dem Wollen und dem Denken. Und wie zwischen dem Schlafen und Wachen das Träumen steht als ein unbestimmtes, chaotisches Vorstellen, ein halbes Schlafen, ein halbes Wachen, so steht das Fühlen zwischen dem Wollen und dem Vorstellen drinnen und ist eigentlich ein wachendes Träumen der Seele. Dasjenige, wovon wir also als dem Nächstliegenden im Menschen auszugehen haben, ist dennoch das Vorstellen, das Denken. Aber wie verläuft dieses Denken im gewöhnlichen Erdenleben?

[ 24 ] Feeling then lies between willing and thinking. And just as dreaming lies between sleeping and waking—as an indeterminate, chaotic act of imagination, half-asleep, half-awake—so feeling lies between willing and imagining and is, in fact, a waking dream of the soul. What we must therefore take as the most immediate aspect of the human being is nevertheless imagination, or thinking. But how does this thinking unfold in ordinary earthly life?

[ 25 ] Es spielt eine durchaus passive Rolle in unserem ganzen menschlichen Erdenwesen. Man sei nur darüber vollständig ehrlich in der Selbstbeobachtung. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen gibt sich der Mensch der Außenwelt hin. Er läßt die Sinneseindrükke über sich kommen, und es verbinden sich mit den Sinneseindrücken Vorstellungen. Wir gehen von den Sinneseindrücken hinweg, oder die Sinneseindrücke gehen von uns hinweg. Es bleiben die Vorstellungen in der Seele. Sie verwandeln sich nach und nach in Erinnerungen. Aber, wie gesagt, wenn man ehrlich ist als Erdenmensch in der Selbstbeobachtung, dann wird man sich sagen müssen: in diesen Vorstellungen, die man da im gewöhnlichen Leben gewinnt, liegt eigentlich nichts anderes enthalten, als einzig und allein dasjenige, was von der Außenwelt, von der Sinnesbeobachtung in die Seele hereingekommen ist. Man suche nur einmal in ehrlicher, unbefangener Weise dasjenige auf, was man in der Seele trägt; irgendwo wird man finden, daß es durch einen äußeren Eindruck veranlaßt worden ist.

[ 25 ] It plays a thoroughly passive role in our entire human existence on Earth. One need only be completely honest about this in self-observation. From the moment of waking until falling asleep, human beings surrender themselves to the external world. They allow sensory impressions to wash over them, and ideas become linked to these sensory impressions. We move away from the sensory impressions, or the sensory impressions move away from us. The ideas remain in the soul. They gradually transform into memories. But, as I said, if one is honest in self-observation as an earthly human being, then one will have to admit: these ideas that one gains in ordinary life contain nothing other than what has entered the soul from the external world through sensory perception. One need only search, in an honest and unbiased way, for what one carries within the soul; somewhere one will find that it has been brought about by an external impression.

[ 26 ] In dieser Beziehung geben sich insbesondere die nicht bis in die Tiefe dringenden — ich sage das ausdrücklich —, die nicht bis in die Tiefe dringenden Mystiker Illusionen hin. Sie glauben, durch eine mehr oder weniger dunkle innere Trainierung zu inneren Einsichten zu kommen über dasjenige, was der Welt als ein höheres Göttliches zugrunde liegt. Sie sprechen oftmals davon, diese halben oder Viertelmystiker, wie ihnen ein inneres Seelenlicht aufgegangen ist, wie sie das oder jenes geistig geschaut haben.

[ 26 ] In this regard, it is especially the mystics who do not delve deeply—and I say this explicitly—who do not delve deeply who succumb to illusions. They believe that through a more or less obscure form of inner training they can gain inner insights into that which underlies the world as a higher divine reality. These half- or quarter-mystics often speak of how an inner light of the soul has dawned upon them, how they have spiritually beheld this or that.

[ 27 ] Derjenige, der nun wirklich genau und ehrlich mit der Selbstbeobachtung vorgeht, der wird aber sehen können, wie viele mystische Schauungen auf nichts anderes zurückgehen als auf äußere Sinneserlebnisse, die umgeändert worden sind im Laufe der Zeit. Und so paradox es scheinen mag, es kann einen vierzigjährigen Mystiker geben, der da glaubt, einen unmittelbar imaginativ-visionären Eindruck zu haben — nun, ich will etwas Konkretes setzen von dem Mysterium von Golgatha, indem er innerlich-geistig dieses Mysterium von Golgatha sieht. Er fühlt sich nun ungeheuer innerlich gehoben. Derjenige, der ein guter Psychologe ist, kann nun nachgehen, wie das Erdenleben dieses vierzigjährigen Mystikers verlaufen ist, und er findet, daß er als zehnjähriger Knabe ganz vorübergehend bei einem Besuche, zu dem ihn sein Vater mitgenommen hat, irgendwo ein kleines Bildchen gesehen hat. Dieses kleine Bildchen, das sich auf das Mysterium von Golgatha bezog, hat damals geringen Eindruck auf seine Seele gemacht; aber es blieb, es wandelte sich um, ging in die tiefen Untergründe der Seele hinunter, und im vierzigsten Lebensjahre stieg es auf als eine große mystische Schauung. Das ist dasjenige, was man vor allen Dingen betonen muß), wenn man es überhaupt wagt, mehr oder weniger öffentlich heute von den Wegen zu übersinnlicher Erkenntnis zu sprechen. Denn derjenige, der sich diese Wege leicht macht, der wird in der Regel dilettantisch nur von diesen Wegen sprechen können. Gerade derjenige, der ein Recht haben will, von mystischübersinnlichen Wegen zu sprechen, der muß gewissermaßen alles kennen, was zu Irrtümern auf diesem Gebiete führen kann. Der muß genau kennen, wie die gewöhnliche Selbsterkenntnis eigentlich nur umgewandelte äußere Eindrücke zumeist enthält, und wie wahre Selbsterkenntnis heute gesucht werden muß durch eine innere Entwickelung, durch ein Herausholen von Kräften der Seele, die von vornherein nicht da sind. Da muß man denn hinschauen gerade auf die Passivität des gewöhnlichen Denkens. Das gewöhnliche Denken schafft sich die Eindrücke so, wie die Sinne es wollen. Das Frühere ist auch im Denken früher, das Spätere ist auch im Denken später. Das Obere ist im Denken oben, das Untere ist im Denken unten. Und so folgt der Mensch für das gewöhnliche Vorstellen nicht nur im gewöhnlichen Leben, sondern auch in der Wissenschaft nur passiv den Vorgängen, die sich in der äußeren Welt abspielen. Unsere Wissenschaft ist ja so weit gekommen, geradezu es als ein Ideal anzusehen, darauf zu kommen, wiie die Dinge sich in der äußeren Welt abspielen, ohne daß das Denken den geringsten Einfluß darauf nimmt. Unsere Wissenschaft sieht es als ihr Ideal an, bei ihren Forschungsmethoden das Denken so passiv wie möglich zu gestalten. Damit tut sie auf ihrem Gebiete ganz recht. Sie kommt auf ihrem Gebiete zu den allergrößten Fortschritten, wenn sie gerade diese Methode beobachtet. Aber sie kommt immer mehr und mehr von dem wahren Wesen des Menschen ab. Denn da ist der erste Schritt in denjenigen Methoden zum übersinnlichen Erkennen, die man Meditation, Konzentration in bezug auf die inneren Seelenkräfte, oder auch noch anders nennen kann, da ist die erste Anforderung diese, den Übergang zu finden vom rein passiven Denken zum inneren Aktiven des Denkens.

[ 27 ] However, anyone who approaches self-observation with true precision and honesty will be able to see how many mystical visions stem from nothing other than external sensory experiences that have been transformed over time. And as paradoxical as it may seem, there may be a forty-year-old mystic who believes he is having a direct, imaginative-visionary experience—namely, I will take something concrete from the Mystery of Golgotha, in that he sees this Mystery of Golgotha inwardly and spiritually. He now feels immensely uplifted within. A skilled psychologist can now trace the course of this forty-year-old mystic’s earthly life and discover that, as a ten-year-old boy, he had briefly seen a small picture somewhere during a visit his father had taken him on. This small picture, which related to the Mystery of Golgotha, made little impression on his soul at the time; but it remained, it transformed, it sank into the deepest recesses of the soul, and in the fortieth year of his life it rose as a great mystical vision. This is what must be emphasized above all else if one dares at all to speak more or less publicly today about the paths to supersensory knowledge. For those who take these paths lightly will, as a rule, be able to speak of them only in a dilettantish manner. Precisely those who wish to be justified in speaking of mystical and supersensory paths must, so to speak, be fully aware of everything that can lead to errors in this field. Such a person must know precisely how ordinary self-knowledge actually consists mostly of transformed external impressions, and how true self-knowledge today must be sought through inner development, through the drawing forth of powers of the soul that are not present from the outset. Here one must look specifically at the passivity of ordinary thinking. Ordinary thinking forms its impressions exactly as the senses dictate. What comes first is also first in thought; what comes later is also later in thought. What is above is above in thought; what is below is below in thought. And so, in ordinary conception—not only in everyday life but also in science—human beings merely passively follow the processes unfolding in the external world. Our science has, in fact, progressed to the point of regarding it as an ideal to discover how things unfold in the external world without thought exerting the slightest influence on them. Our science regards it as its ideal to make thinking as passive as possible in its research methods. In doing so, it is quite right within its own field. It achieves the greatest progress in its field precisely when it adheres to this method. But it is straying further and further from the true nature of the human being. For the first step in those methods of supersensible cognition—which may be called meditation, concentration on the inner soul forces, or by other names—is to find the transition from purely passive thinking to the inner activity of thinking.

[ 28 ] Und wenn ich ganz elementar zunächst den ersten Schritt charakterisiere, so muß er sich so hinstellen: Statt sich von außen anregen zu lassen zu irgendeiner Vorstellung, nehme man eine Vorstellung, die man rein aus dem Inneren heraus selber geholt hat, stelle sie in den Mittelpunkt des Bewußtseins. Es kommt gar nicht darauf an, ob diese Vorstellung, wie man sagt, wahr ist, denn es kommt darauf an, daß sie aktiv ganz aus dem Seeleninneren herausgeholt ist. Daher ist es auch nicht gut, wenn man eine solche Vorstellung aus der Erinnerung herausholt, denn in dem Erinnerten kleben die mannigfaltigsten unbestimmten Eindrücke an allen unseren Vorstellungen. Holen wir also selbst etwas aus der Erinnerung heraus, dann sind wir nicht sicher, was wir alles passiv mitdenken, ob wir wirklich unsere Meditation in aktivem Sinne innerlich einrichten.

[ 28 ] And if I were to describe the very first step in the most basic terms, it would have to be this: Instead of allowing oneself to be inspired from the outside to form some idea, one should take an idea that one has drawn purely from within oneself and place it at the center of one’s consciousness. It does not matter at all whether this idea is, as they say, true, for what matters is that it has been actively drawn entirely from the innermost depths of the soul. Therefore, it is also not good to retrieve such an idea from memory, for in what we remember, the most varied and indeterminate impressions cling to all our ideas. So when we ourselves retrieve something from memory, we cannot be sure of everything we are passively thinking along with it, or whether we are truly establishing our meditation inwardly in an active sense.

[ 29 ] Daher kann man in dreifacher Weise verfahren. Man kann allerdings ganz selbständig vorgehen. Da nehme man eine möglichst einfache, leicht überschaubare Vorstellung, von der man weiß, man habe sie im gegenwärtigen Augenblicke gemacht. Sie entspricht nichts, an das man sich bloß erinnert. Also, man mache sich meinetwillen auch eine möglichst paradoxe Vorstellung, eine Vorstellung, die bewußt abweicht von all dem, was man passiv empfangen kann. Man muß nur sicher sein der Aktivität, der innerlichen Tätigkeit, durch die die Meditation geworden ist.

[ 29 ] Therefore, one can proceed in three ways. One can, however, proceed entirely on one’s own. Take, for example, a concept that is as simple and easily comprehensible as possible—one that you know you have formed at this very moment. It does not correspond to anything you are merely recalling. So, for my sake, let one also form an idea that is as paradoxical as possible—an idea that consciously deviates from everything one can passively receive. One need only be certain of the activity, the inner process, through which the meditation has come about.

[ 30 ] Oder ein Zweites besteht darinnen, daß man zu jemandem geht, der auf diesem Gebiet Erfahrungen hat, und sagt: Gib mir einen Meditationsinhalt. Dadurch kann man in die Angst verfallen, daß man abhängig werde von dem betreffenden Menschen. Nun, wenn man sich bewußt bleibt, daß man ja von dem Momente ab, wo man den Meditationsinhalt empfangen hat, jeden Schritt nun selbständig in eigener innerer Aktivität macht, nur die Gelegenheit herbeigeführt hat, etwas Neues zu bekommen, was man noch nicht selbst gedacht hat, das deshalb etwas Neues ist, was man mit innerer Aktivität ergreifen muß, weil es eben von einem anderen kommt, wenn man sich dessen bewußt bleibt, so tritt ja die Abhängigkeit nicht ein. Namentlich muß man danach handeln im Sinne eines solchen Bewußtseins.

[ 30 ] Or a second approach involves going to someone who has experience in this area and saying, “Give me a subject for meditation.” This can lead to the fear of becoming dependent on that person. Well, if one remains aware that, from the moment one has received the subject of meditation, every step is now taken independently through one’s own inner activity, you have merely created the opportunity to receive something new—something you haven’t yet thought of yourself, which is therefore new and which you must grasp through your own inner activity precisely because it comes from another—if you remain aware of this, then dependence does not arise. In particular, you must act in accordance with this awareness.

[ 31 ] Das Dritte endlich ist: Man kann auch in einer zunächst, ich möchte sagen, unsichtbaren Art sich einen Lehrer suchen. Man nehme irgendein Buch, von dem man weiß, man habe es ganz sicher niemals in der Hand gehabt; dann schlage man es auf, wo es fällt, lese irgendeinen Satz. Man ist auf diese Weise sicher, einen ganz neuen Satz zu bekommen, an den man sich heranmachen muß in einer inneren Aktivität. Man mache diesen Satz zu seinem Meditationsinhalt, oder eine Figur, die man in einem solchen Buche gefunden hat, irgend etwas, das man auf die Weise gefunden hat, daß man ganz sicher sein kann, man stand noch nicht davor. Das ist die dritte Art. Auf diese Weise kann man sich aus dem Nichts selber einen Lehrer schaffen. Der Umstand, daß man sich das Buch aufgesucht hat, daß man gelesen hat, daß man den Satz oder die Figur oder irgend etwas anderes an sich hat herankommen lassen, das ist der Lehrer.

[ 31 ] The third, finally, is this: One can also seek out a teacher in a way that is, at first, I would say, invisible. Take any book that you know for certain you have never held in your hands; then open it to a random page and read any sentence. In this way, one is certain to encounter a completely new sentence that one must engage with through inner activity. Make this sentence the subject of your meditation, or a figure you have found in such a book—anything you have discovered in such a way that you can be absolutely certain you have not encountered it before. That is the third way. In this way, one can create a teacher for oneself out of nothing. The very fact that you sought out the book, that you read it, that you allowed the sentence or the character or something else to reach you—that is the teacher.

[ 32 ] Es gibt also durchaus heute die Möglichkeit, so auf den Weg zu den höheren Welten zu kommen, daß man sicher sein kann: In die Aktivität des Denkens, in die man dabei übergeht, greift ungerechtfertigterweise keine andere Macht ein. Und das ist das Wesentliche für den heutigen Menschen. Denn wir werden gerade im Laufe der Vorträge sehen, daß dasjenige, was beim heutigen Menschen, dann insbesondere, wenn er sich zu einer höheren Welt hinaufentwikkeln will, ganz besonders notwendig ist, die Achtung, die Schätzung seines freien Willens ist. Und schätzt man den freien Willen nicht, wie soll sich denn überhaupt die innere Aktivität heranbilden lassen! In dem Augenblicke, wo einer von dem anderen abhängig wird, ist sein Wille gehemmt. Und darauf kommt es gerade an bei einer heute möglichen Meditation, daß der Mensch sie vollbringt aus der inneren Aktivität, aus dem Willen im Denken, der sonst bei der passiven äußeren Betrachtung, und gerade bei der heutigen Wissenschaft, am wenigsten geschätzt wird.

[ 32 ] So today there is certainly a way to embark on the path to the higher worlds in such a way that one can be certain: no other power unjustifiably interferes with the activity of thought into which one thereby enters. And that is what is essential for people today. For we will see, as these lectures progress, that what is particularly necessary for people today—especially when they wish to develop themselves toward a higher world—is respect for and appreciation of their free will. And if free will is not valued, how can inner activity develop at all! The moment one person becomes dependent on another, their will is inhibited. And this is precisely what matters in meditation as it is possible today: that a person carries it out out of inner activity, out of the will in thinking—which is otherwise least valued in passive external observation, and especially in modern science.

[ 33 ] Auf diese Weise kommt man hinein in ein aktives Denken. Wie schnell nun die Entwickelung geht, das hängt ganz von der Wesenheit des Menschen selber ab. Der eine kann es in drei Wochen erreichen, wenn er immer wiederum, am besten dieselben Übungen macht, der andere in fünf Jahren, der andere in sieben Jahren, ein anderer in neunzehn Jahren und so weiter. Das Wesentliche ist, daß man niemals aus der Energie, den Übergang zu suchen zu dieser Aktivität des Denkens, herauskommt. Aber man lernt in einem gewissen Zeitpunkte wirklich ein anderes Denken kennen als dasjenige, was man vorher hatte. Man lernt ein Denken kennen, das nicht in passiven Bildern verläuft wie das gewöhnliche Denken, sondern man lernt ein Denken kennen, das innerlich ganz aktiv ist, das Kraft ist, von dem man weiß, obwohl man es klar durchmacht: es ist Kraft, wie es Kraft ist, wenn ich den Arm hebe, wenn ich mit dem Finger zeige. Man lernt ein Denken kennen, in dem man sich fühlt als in einem Kraftträger des eigenen menschlichen Wesens. Man lernt ein Denken kennen, das — ich spreche dabei nicht bildlich, sondern ich spreche die konkrete tatsächliche Wahrheit aus anstoßen kann, von dem man weiß, es kann anstoßen. Von dem gewöhnlichen Denken weiß man, das stößt nirgends an. Wenn ich an eine Wand renne und eine Beule bekomme, da habe ich mir meinen physischen Leib angestoßen, mit meiner Tastkraft angestoßen. Meine Tastkraft beruht darauf, daß ich meinen Leib den Dingen entgegenstellen kann. Ich stoße an. Das gewöhnliche passive Denken stößt nicht an, das stellt bloß das Angestoßenwerden vor. Denn das gewöhnliche passive Denken ist eben nicht eine Realität, es ist Bild. Das Denken, zu dem man auf die geschilderte Weise kommt, ist Realität, ist etwas, in dem man lebt. Das stößt so an, wie der Finger anstößt an die Wand. Und wie man weiß, man kann mit dem Finger nicht überall durch, so weiß man in dem realen Denken, in das man da hineinkommt, man kann mit ihm nicht überall durch. Das ist der erste Schritt. Diesen ersten Schritt muß man machen, das eigene Denken durch Aktivierung zu einem seelischen Tastorgan zu machen, so daß man sich darinnen fühlt, wie wenn man so dächte — wie man sonst schreitet, wie man sonst greift, tastet —, daß man weiß: man lebt in einem Wesen, nicht bloß in dem gewöhnlichen Denken, das ja nur abbildet, sondern man lebt in einer Realität, in einem seelischen Tastorgan, zu dem man selber als Mensch ganz geworden ist. |

[ 33 ] This is how one enters into active thinking. Just how quickly this development proceeds depends entirely on the individual’s own nature. One person may achieve it in three weeks if they consistently repeat the same exercises—preferably the same ones over and over; another in five years; another in seven years; yet another in nineteen years; and so on. The essential thing is never to lose the energy to seek the transition to this active form of thinking. But at a certain point, one truly comes to know a different way of thinking than the one one had before. One comes to know a way of thinking that does not unfold in passive images like ordinary thinking, but rather a way of thinking that is inwardly quite active, that is power—and one knows this, even as one clearly experiences it: it is power, just as there is power when I raise my arm or point with my finger. You come to know a way of thinking in which you feel yourself to be a bearer of the power of your own human being. You come to know a way of thinking that—and I am not speaking figuratively here, but expressing the concrete, actual truth—can set things in motion, and you know it can set things in motion. You know that ordinary thinking does not set anything in motion. When I run into a wall and get a bump, I have made contact with my physical body—made contact through my sense of touch. My sense of touch is based on the fact that I can bring my body into contact with things. I make contact. Ordinary, passive thinking does not make contact; it merely imagines being struck. For ordinary, passive thinking is not a reality; it is an image. The thinking one arrives at in the manner described is reality; it is something in which one lives. It makes contact just as a finger makes contact with a wall. And just as one knows that one cannot penetrate everywhere with a finger, so too does one know in this real thinking—into which one is entering—that one cannot penetrate everywhere with it. That is the first step. One must take this first step: to transform one’s own thinking, through activation, into a spiritual organ of touch, so that one feels within it as if one were thinking—just as one otherwise walks, grasps, and feels—and knows: one lives within a being, not merely within ordinary thinking, which merely reflects, but one lives within a reality, within a spiritual organ of touch, of which one has become a complete part as a human being. |

[ 34 ] Das ist der erste Schritt, den man zu machen hat, daß sich einem das Denken verwandelt, so daß man in sich fühlt: Du bist ja jetzt selber ganz der Denker geworden. Das rundet sich alles. Und es ist nicht so mit diesem Denken, wie es mit dem physischen Tasten ist. Da ist einem der Arm angewachsen, und man ist, wenn man ausgewachsen ist, schon richtig gewachsen. Aber beim aktiv gewordenen Denken ist es wie bei einer Schnecke, die ihre Fühler vorstrekken und wieder zurückziehen kann. Man lebt in einem allerdings kraftvollen Wesen, aber in einem innerlich beweglichen Wesen, das vorgeht und wieder zurück, das innerlich aktiv ist. Man kann also mit einem langgestreckten Tastorgan in der geistigen Welt, wie wir dann sehen werden, herumtasten, oder man kann zurückziehen, wenn es einem geistig wehtut.

[ 34 ] This is the first step one must take: to transform one’s thinking so that one feels within oneself: “You have now become the thinker yourself.” Everything comes full circle. And thinking is not like physical touch. Your arm is part of your body, and once you’ve fully grown, it’s already fully formed. But with thinking that has become active, it’s like a snail that can extend and retract its feelers. One lives in a being that is certainly powerful, but also internally mobile—a being that moves forward and back again, that is inwardly active. So, as we shall see, one can feel one’s way around the spiritual world with an elongated sensory organ, or one can withdraw it when it causes spiritual pain.

[ 35 ] Das sind die Dinge, die allerdings von demjenigen, der überhaupt an das wahre Menschenwesen herankommen will, ernst genommen werden müssen: die Verwandlung des Menschen zu einem ganz anderen Wesen. Denn man schaut nicht dasjenige, was der Mensch eigentlich ist, wenn man nicht zuvor die Möglichkeit hat, im Menschen selber etwas ganz anderes zu schauen als dasjenige, was die irdische Sinnlichkeit darbietet. Und das, was durch Aktivitat des Denkens entwickelt wird, ist das erste übersinnliche Glied des Menschen. Ich werde es später genauer schildern. Wir haben zunächst den physischen Leib des Menschen, den man mit den gewöhnlichen Sinnesorganen wahrnehmen kann, der ja auch als Widerstand da ist, wenn man mit den gewöhnlichen Tastorganen tastet. Wir haben dann das erste übersinnliche Glied des Menschen — man kann es Ätherleib, man kann es Bildekräfteleib nennen, wie man will, auf den Ausdruck kommt es nicht an, man braucht nur eine Terminologie. Ich werde es also Äther- oder Bildekräfteleib in der Zukunft nennen. Man hat darinnen das erste übersinnliche Glied des Menschen, das in einem höheren Tasten, in einem Tasten, zu dem man das Denken umgewandelt hat, tatsächlich so wahrnehmbar ist, wie die physischen Dinge außen für das physische Tasten wahrnehmbar sind. Denken wird zum übersinnlichen Tasten. Und diesem übersinnlichen Tasten wird der Äther-oder Bildekräfteleib des Menschen erfaßbar, erschaubar im höheren Sinne. Das ist sozusagen der erste wirkliche Schritt in die übersinnliche Welt hinein.

[ 35 ] These are the things that must, however, be taken seriously by anyone who wishes to approach the true nature of the human being: the transformation of the human being into a completely different being. For one does not see what a human being actually is unless one first has the opportunity to perceive something entirely different within the human being itself than what earthly sensuality presents. And what is developed through the activity of thought is the first supersensory aspect of the human being. I will describe this in more detail later. First, we have the human physical body, which can be perceived with the ordinary sense organs and which, of course, also offers resistance when touched with the ordinary sense of touch. Then we have the first supersensible member of the human being—one can call it the etheric body or the body of formative forces, as one wishes; the term itself is not important; we simply need a terminology. So I will refer to it as the etheric body or body of formative forces in the future. Within it lies the first supersensible member of the human being, which—through a higher form of touch, a form of touch into which thinking has been transformed—is in fact just as perceptible as physical objects on the outside are to physical touch. Thinking becomes supersensible perception. And through this supersensible perception, the human etheric or formative body becomes graspable, visible in a higher sense. This is, so to speak, the first real step into the supersensible world.



[ 36 ] Gerade die Art und Weise, wie ich versucht habe darzustellen, daß das Denken übergeht in ein Erleben einer inneren Kraftwirklichkeit, wird Sie auch darauf aufmerksam machen, wie wenig dieser wirklichen spirituellen Entwickelung gegenüber Einwände eine Bedeutung haben, wie der: Wer so in die geistige Welt hineinkommen will, der gibt sich vielleicht irgendwelchen Phantasien hin; er unterliegt Autosuggestionen. — Das ist ja dasjenige, was zunächst auftritt, daß die Leute sagen: Derjenige, der nach solcher Entwikkelung reden will von den höheren Welten, der gibt ja nur wieder die Bilder seiner Autosuggestion. Die Leute kommen dann und sagen einem: Aber es gibt ja doch die Möglichkeit, daß jemand, der oftmals Limonade getrunken hat, nur an Limonade zu denken braucht, dann fühlt er auch die sogenannte physiologische Erscheinung des Wäßrigen im Munde, wie wenn er Limonade tränke. Es gäbe so starke Autosuggestionen.

[ 36 ] The very way in which I have tried to illustrate that thinking gives way to an experience of an inner reality of power will also make you realize how insignificant objections to this genuine spiritual development are—such as the following: “Anyone who wants to enter the spiritual world in this way may be indulging in some kind of fantasy; they are succumbing to autosuggestion.” — That is precisely what happens at first: people say, “Anyone who, after such development, wants to speak of the higher worlds is merely repeating the images of their own autosuggestion.” People then come and say to you: “But there is, after all, the possibility that someone who has often drunk lemonade need only think of lemonade, and then they also feel the so-called physiological sensation of a watery sensation in the mouth, as if they were drinking lemonade. There are forms of autosuggestion that are that strong.”

[ 37 ] Das ist alles wohl der Fall, und die Dinge, die der Physiologe, der Psychologe erkenntnismäßig erreichen kann, müssen eben durchaus zur Handhabe der nötigen Vorsichtsmaßregeln gut bekannt sein, gerade praktisch gut bekannt sein dem, der auf einem richtigen Wege, wie ich ihn hier schildern will, auf einem wahren Wege in die geistige Welt hineinkommt. Ich kann demjenigen, der glaubt, er könne selbst Limonade verschlingen durch Autosuggestiion, wenn er gar keine Limonade hat, erwidern: Das kann man ja; aber man soll mir den herbeiführen, der sich schon durch eine solche vorgestellte, autosuggerierte Limonade den wirklichen Durst gelöscht hat! Da beginnt eben der Unterschied, ob etwas nur in der passiven Vorstellung vorhanden ist oder ob etwas in dem Menschen als Erlebnis entsteht. Durch den Gesamtzusammenhang mit der realen Welt erreichen wir es, daß wir rein geistig, spirituell, durch eine Aktivierung des Denkens in einer Weise in der Welt drinnenstehen, daß das Denken für uns wird wie zum Tasten. Dann tasten wir natürlich nicht den Tisch oder den Stuhl, sondern dann lernen wir eben, innerhalb der geistigen Welt zu tasten, sie zu berühren, mit der geistigen Welt in reale Beziehung zu kommen. Und wir lernen gerade auf diese Weise durch das Aktivieren den Unterschied kennen zwischen mystisch-phantasierter Autosuggestion und dem Erleben der geistigen Wirklichkeit.

[ 37 ] All of this is certainly true, and the insights that the physiologist and the psychologist can arrive at through knowledge must indeed be well understood in order to apply the necessary precautions—specifically, they must be well understood in a practical sense by those who enter the spiritual world along the correct path, as I intend to describe here, along a true path. To anyone who believes they can make themselves drink lemonade through autosuggestion when they have no lemonade at all, I can reply: That is certainly possible; but let them show me someone who has actually quenched their real thirst through such an imagined, autosuggested lemonade! That is precisely where the difference lies: whether something exists only in passive imagination or whether it arises within a person as an experience. Through our overall connection with the real world, we achieve a state in which we stand within the world—purely mentally, spiritually—through an activation of thought, in such a way that thinking becomes for us like touching. Of course, we are not feeling our way around a table or a chair; rather, we learn to feel our way within the spiritual world, to touch it, and to enter into a real relationship with the spiritual world. And it is precisely in this way—through this activation—that we come to recognize the difference between mystical, fantasized autosuggestion and the experience of spiritual reality.

[ 38 ] Diese Einwände kommen also alle nur davon, daß man noch nicht wirklich hineingeschaut hat in die Art und Weise, wie die moderne Initiationswissenschaft ihren Weg schildert, sondern nur von außen urteilt, nachdem man gerade die Namen einer Sache höchstens gehört hat, oder ganz äußerlich, oberflächlich Kenntnis von den Dingen genommen hat. Derjenige, der in der geschilderten Weise hineinkommt in die geistige Welt, zu einem Berühren, Tasten der geistigen Welt, der weiß zu unterscheiden, ob er sich nachträglich bloß vorstellt dasjenige, was er erlebt hat durch sein aktiviertes Denken, oder ob er durch dieses aktivierte Denken wirklich wahrnimmt. Man kann ja auch im gewöhnlichen Leben dasjenige unterscheiden, was man erlebt, wenn man ungeschickterweise mit dem Finger in die Flamme greift, oder wenn man sich hinterher vorstellt: Da ist die Flamme, ich greife mit dem Finger hinein. Das ist ein lebendiger Unterschied, das eine tut wirklich weh, das andere stellt bloß den Schmerz vor. Und diesen Unterschied erlebt man auf einem höheren Gebiete zwischen demjenigen, was bloß vorgestellt ist von den höheren Welten, und demjenigen, was drinnen erlebt ist.

[ 38 ] These objections, then, all stem from the fact that one has not yet truly looked into the way in which modern initiatory science describes its path, but rather judges it from the outside, having at most merely heard the names of certain things, or having taken only a very superficial, external notice of them. The person who enters the spiritual world in the manner described—who comes into contact with and feels the spiritual world—knows how to distinguish whether they are merely imagining, in retrospect, what they have experienced through their activated thinking, or whether they are truly perceiving through this activated thinking. After all, even in everyday life, one can distinguish between what one actually experiences when one clumsily reaches into a flame with one’s finger, and what one imagines afterward: “There is the flame; I am reaching into it with my finger.” This is a vital difference—one actually hurts, the other merely imagines the pain. And on a higher plane, one experiences this distinction between what is merely imagined about the higher worlds and what is actually experienced within oneself.

[ 39 ] Nun, das erste, was man erlebt auf diese Weise, ist eben die wahre Selbsterkenntnis des Menschen. Denn so, wie für die Augenblickserkenntnis im Leben vor uns stehen der Tisch, die Stühle, die ganze Halle hier in ihrer Schönheit, die nicht gehende Uhr und so weiter, wie das alles im äußeren Raumesleben vor uns steht, eine Augenblickswahmehmung gibt, so rückt sich vor das real gewordene Denken, vor das aktivierte Denken die zeitliche Welt, und zwar zunächst die zeitliche Welt des eigenen menschlichen Selbst. Dasjenige, was man erlebt hat, und was sonst bloß im Erinnerungsbilde als einem Vorstellungsbilde heraufgeholt werden kann ins Bewußtsein, das stellt sich einem wie ein gegenwärtiges Tableau hin, in dem das längst Vergangene gegenwärtig ist. Das wird ja auch geschildert von Leuten, die einen Schock bekommen haben durch die Lebensgefahr, in der sie gestanden haben beim Ertrinken und so weiter, und es wird auch heute schon konstatiert von ganz materialistisch denkenden Menschen — ich setze das immer dazu —, daß die Betreffenden in Lebensgefahr Befindlichen ein Tableau ihres eigenen Erdenlebens seelisch vor sich haben. Das rückt sich in der Tat vor den, der in dieser Weise sein Denken aktiviert hat, wie auf einmal vorhanden, als Tableau vor die Seele von dem Zeitpunkte an, von dem an man denken gelernt hat im Erdenleben, bis zu dem gegenwärtigen Zeitpunkte. Die Zeit wird zum Raume. Was vergangen ist, wird gegenwärtig. Ein Bild steht da. Das Charakteristische, über das ich morgen noch näher werde sprechen müssen, das ist, daß man nun zwar, weil die Sache bildähnlich ist, noch eine Art Raumgefühl hat, aber nur ein Raumgefühl. Denn diesem Raum, den man jetzt erlebt, dem fehlt die dritte Dimension. Man erlebt nirgends jetzt eine dritte Dimension, sondern überall den Raum nur in zwei Dimensionen; so daß man bildhaft erkennt. Deshalb nenne ich diese Erkenntnis auch die imaginative Erkenntnis; die Erkenntnis, die so, wie die Malerei, in zwei Dimensionen arbeitet, die eben eine Bild-Erkenntnis zunächst ist, eine in zwei Dimensionen sich darstellende Erkenntnis.

[ 39 ] Well, the first thing one experiences in this way is precisely true self-knowledge. For just as, in the momentary perception of life, the table, the chairs, the entire hall here in all its beauty, the clock that isn’t running, and so on—just as all of this stands before us in external spatial life, creating a momentary sensory impression—so too does the temporal world present itself to thinking that has become real, to activated thinking; and first and foremost, the temporal world of one’s own human self. That which one has experienced—and which can otherwise be brought into consciousness only as a mental image from memory—presents itself as a present tableau in which what is long past is present. This is, after all, also described by people who have experienced a shock due to the mortal danger they faced while drowning and so on, and it is even acknowledged today by people with a thoroughly materialistic outlook—I always add this—that those in mortal danger have a tableau of their own earthly life unfolding before them in their minds. This scene does indeed present itself to the person who has activated their thinking in this way, as if suddenly appearing before the soul—spanning from the moment one first learned to think in earthly life up to the present moment. Time becomes space. What has passed becomes present. An image stands there. The characteristic feature—which I will have to discuss in more detail tomorrow—is that, although the experience is image-like and one still has a sense of space, it is merely a sense of space. For this space that one now experiences lacks the third dimension. Nowhere does one experience a third dimension; instead, everywhere one experiences space only in two dimensions—so that one perceives in a pictorial way. That is why I also call this perception “imaginative perception”—a perception that, like painting, operates in two dimensions, which is, after all, initially a pictorial perception, a perception that manifests itself in two dimensions.

[ 40 ] Sie können die Frage aufwerfen: Wenn ich dastehe und in zwei Dimensionen erlebe, wie ist es denn, wenn ich vorwärtsschreite und wieder in zwei Dimensionen erlebe?

[ 40 ] You might ask: If I’m standing there and experiencing things in two dimensions, what is it like when I take a step forward and am once again experiencing things in two dimensions?

[ 41 ] Dazwischen ist eben kein Unterschied. Die dritte Dimension fällt als Erlebnis vollständig aus. Ich werde bei späterem Anlaß davon zu sprechen haben, wie in unserer Zeit, weil man kein Bewußtsein mehr hat von diesen Dingen, die Menschen die vierte Dimension suchen, um in das Geistige hineinzukommen. Die Wahrheit ist, daß, sobald man vom Physischen ins Geistige vorschreitet, nicht eine vierte Dimension entsteht, sondern die dritte Dimension wegfällt. Und man muß tatsächlich einmal sich einleben auf diesem Gebiete in die Realität, so wie man sich ja auch in bezug auf anderes in die Realität eingelebt hat. Wie die Leute einmal geglaubt haben, daß die Erde eine Scheibe ist, und man da an irgend etwas kommt, was unbestimmt verläuft, wo die Welt mit Brettern verschlagen ist, also an das Ende gekommen ist, und wie es ein Fortschritt war, als man wußte, man kommt wiederum zum Ausgangspunkte zurück, wenn man die Erde umsegelt, so wird es ein Fortschritt sein in dem inneren Erfassen der Welt, wenn man wissen wird: Man setzt nicht erste, zweite, dritte Dimension in die vierte Dimension fort, wenn man in das Geistige geht, sondern kehrt wiederum zu der zweiten zurück. Und wir werden sehen, wie man zu der ersten sogar wieder zurückkehrt. Das ist die Wahrheit. Es zeigt sich in der äußeren Weltbetrachtung unserer Zeit, daß man in ganz äußerlicher Weise, ich möchte sagen, wie zählend nur vorgeht: Erste Dimension, zweite Dimension, dritte Dimension es muß auch eine vierte Dimension geben. Nein, man kehrt zur zweiten Dimension zurück, die dritte hebt sich auf, und man erhält eine wirkliche imaginative Erkenntnis, die zuerst vorhanden ist im eigenen Selbst wie in einem Lebenstableau, so daß man wie überschaut im gegenwärtigen Augenblicke in gewaltigen Bildern — ich werde darüber noch genauer sprechen — dasjenige, was man im Erdenleben durchgemacht hat, wie man von innen heraus dieses Erdenleben durchgemacht hart.

[ 41 ] There is simply no difference between them. The third dimension is completely absent as an experience. I will have to speak about this on a later occasion: how, in our time, because people no longer have any awareness of these things, they seek the fourth dimension in order to enter the spiritual realm. The truth is that as soon as one progresses from the physical to the spiritual, it is not a fourth dimension that arises, but rather the third dimension ceases to exist. And one really must familiarize oneself with reality in this realm, just as one has familiarized oneself with reality in other respects. Just as people once believed that the Earth was flat, and that one would eventually reach something indefinite—where the world was boarded up, meaning one had reached the end—and just as it was a step forward when people realized that one returns to the starting point when sailing around the Earth—so it will be a step forward in the inner comprehension of the world when we come to realize: When we enter the spiritual realm, we do not extend the first, second, and third dimensions into the fourth dimension, but rather return once more to the second. And we will see how one even returns to the first dimension. That is the truth. It is evident in the external view of the world in our time that people proceed in a purely external manner—I would say, as if merely counting: first dimension, second dimension, third dimension—there must also be a fourth dimension. No, one returns to the second dimension; the third is transcended, and one gains a true imaginative insight that is first present within one’s own self, as in a tableau of life, so that in the present moment one surveys—in powerful images, as I will discuss in more detail later—what one has experienced in earthly life, how one has lived through this earthly life from within.

[ 42 ] Es ist noch ein beträchtlicher Unterschied gegenüber den bloßen Erinnerungen. Die bloßen Erinnerungsbilder, die treten so auf, daß man das Gefühl hat, in der Erinnerung lebt dasjenige hauptsächlich, was von außen an Vorstellungen der Welt herangekommen ist, was man erfahren hat an Lust, Schmerz, was einem die anderen Menschen getan haben, wie die anderen Menschen an einen herangetreten sind. Das erlebt man vorzugsweise in der bloß vorstellungsmäßigen Erinnerung. In diesem Tableau, von dem ich spreche, erlebt man anders. In der bloßen Erinnerung — sagen wir, man ist vor zehn Jahren einem Menschen begegnet — erlebt man, wie der Mensch an einen herankommt, was er einem tut, Gutes, Böses und dergleichen. In diesem Lebenstableau aber erlebt man, wie man selbst den ersten Blick nach diesem Menschen gerichtet hat, was man getan hat, wie man erlebt hat, um seine Liebe zu erwerben, was man empfunden hat. Man empfindet also dasjenige in diesem Lebenstableau, was von innen nach außen sich entwickelt, während die bloße Erinnerung das gibt, was von außen nach innen sich entwickelt.

[ 42 ] There is still a considerable difference compared to mere memories. Mere mental images appear in such a way that one has the feeling that what lives primarily in memory is what has come to us from the outside world in the form of perceptions—what we have experienced in terms of pleasure and pain, what other people have done to us, and how other people have approached us. This is what one experiences primarily in memory that is purely conceptual. In this tableau I am describing, one experiences things differently. In mere memory—let’s say one met a person ten years ago—one experiences how that person approached one, what they did to one—good, bad, and the like. In this tableau of life, however, one experiences how one oneself first cast one’s gaze upon that person, what one did, how one acted to win their love, and what one felt. So in this tableau of life, one perceives what develops from the inside out, whereas mere memory presents what develops from the outside in.

[ 43 ] Man kann also sagen, daß in diesem Lebenstableau etwas wie ein Erlebnis ist in unmittelbarer Gegenwart, bei dem nicht eines nach dem andern sich stellt, wie in der Erinnerung, sondern eines neben das andere im zweidimensionalen Raume. Man kann dieses Lebenstableau sehr wohl vom bloßen Erinnerungstableau unterscheiden.

[ 43 ] One can therefore say that this tableau of life is something like an experience in the immediate present, in which events do not unfold one after another, as in memory, but exist side by side in two-dimensional space. One can very well distinguish this tableau of life from a mere tableau of memory.

[ 44 ] Nun dasjenige, was man dabei erreicht, das ist, daß man die innere Aktivität, das aktive Erleben der eigenen Persönlichkeit gesteigert hat. Das ist das Wesentliche daran. Man lebt intensiver, man entwickelt intensiver die Kräfte, die aus der eigenen Persönlichkeit ausstrahlen. Man muß, wenn man dies erlebt hat, nun zu einem weiteren Schritte aufsteigen. Den tut eigentlich keiner gern. Und zu diesem weiteren Schritte gehört dasjenige, was man eigentlich nennen kann die denkbar stärkste innere Überwindung. Denn dasjenige, was man in dem Erleben dieses Tableaus hat, was man in diesen Bildern hat, in denen sich einem das Erleben vor die Seele stellt, das ist selbst für diejenigen Dinge, die schmerzlich waren, als sie wirklich erlebt wurden in der Vergangenheit, ein subjektives Glücksgefühl. Dasjenige, was verbunden ist mit dieser imaginativen Erkenntnis, ist ein ungeheuer starkes subjektives Glücksgefühl.

[ 44 ] What one achieves in the process is an increase in inner activity—the active experience of one’s own personality. That is the essence of it. One lives more intensely; one develops more intensely the forces that radiate from one’s own personality. Once one has experienced this, one must now take a further step. Actually, no one likes to take that step. And this further step involves what one might actually call the strongest possible inner struggle. For what one experiences in this tableau—what one finds in these images, in which the experience presents itself to one’s soul—is, even for those things that were painful when they were actually experienced in the past, a subjective feeling of happiness. What is connected to this imaginative insight is an immensely strong subjective feeling of happiness.

[ 45 ] Aus diesem subjektiven Glücksgefühl sind alle diejenigen religiösen Ideale und Schilderungen hervorgegangen, die, wie zum Beispiel die Schilderungen des Mohammedanismus, das Leben außer dem Erdenleben sich in glückbringenden Bildern vorstellen. Das ist aus dem Erlebnis dieses Glücksgefühls in der Imagination hervorgegangen.

[ 45 ] All those religious ideals and descriptions—such as the descriptions of Islam—that depict life beyond this earthly existence in blissful images have emerged from this subjective sense of happiness. This has arisen from the experience of this sense of happiness in the imagination.

[ 46 ] Dieses Glücksgefühl muß man, wenn man den nächsten Schritt machen muß, zunächst vergessen. Denn jetzt ist notwendig, daß man, nachdem man zuerst willkürlich, wie ich es geschildert habe, durch Meditation, Konzentration des Denkens, dieses Denken aktiviert hat, nachdem man durch dieses aktivierte Denken zu dem Tableau seines eigenen Lebens aufgestiegen ist — jetzt ist es notwendig, daß man alles das aus dem Bewußtsein mit aller Kraft wiederum ausschaltet.

[ 46 ] When you have to take the next step, you must first set aside this feeling of happiness. For now it is necessary—after first having activated this thinking arbitrarily, as I have described, through meditation and concentration of thought, and after having ascended through this activated thinking to the tableau of one’s own life—now it is necessary to push all of that out of one’s consciousness with all one’s strength.

[ 47 ] Nun, das Ausschalten des Bewußtseinsinhaltes geht ja im gewöhnlichen Leben manchmal ganz leicht. Diejenigen Menschen, die Examina machen wollen, die haben ja viel zu klagen über das Ausschalten von Bewußtseinsinhalten, die eigentlich da sein sollten. Und das gewöhnliche Schlafen ist ja schließlich nichts anderes als das Ausschalten des alltäglichen Bewußtseinsinhaltes. Aber auch dieses Ausschalten geschieht passiv. Denn derjenige, der zum Examen geht, wird ganz gewiß dasjenige, was er weiß, nicht bewußt ausschalten. Das geschieht passiv. Das tut der Mensch aus seiner Schwäche, aus seiner schwachen Gegenwartskraft heraus. Aber gerade nachdem diese Kraft verstärkt worden ist, muß dieses Ausschalten für den nächsten Schritt der übersinnlichen Erkenntnis nun geschehen.

[ 47 ] Well, in everyday life, it’s sometimes quite easy to shut out the contents of consciousness. People who are preparing for exams, for example, have plenty to complain about when it comes to blocking out the contents of consciousness that should actually be there. And ordinary sleep, after all, is nothing other than the blocking out of everyday contents of consciousness. But even this suppression occurs passively. For the person taking an exam will certainly not consciously suppress what he knows. It happens passively. A person does this out of weakness, out of his weak power of presence. But precisely after this power has been strengthened, this suppression must now take place for the next step of supersensory knowledge.

[ 48 ] Nun tritt es in der Tat sehr leicht ein, daß man dadurch, daß man alle Seelenkräfte auf einen solchen selbstgewählten Inhalt konzentriert hat, einen gewissen Hang hat, bei diesem Seeleninhalte zu bleiben, und dadurch, daß ein Glücksgefühl mit diesem Tableau verknüpft ist, bleibt man gern dabei. Man hält es gern fest. Aber man muß jetzt in der Lage sein, dasjenige, was man durch eine Art Erhöhung der Kraft angestrebt hat, wiederum auszulöschen aus dem Bewußtsein. Es ist das schwieriger eben als das Auslöschen im gewöhnlichen Leben, wie ich angedeutet habe.

[ 48 ] It is, in fact, very easy for a person who has concentrated all their mental powers on a self-chosen subject to develop a certain tendency to remain fixated on that subject; and because a feeling of happiness is associated with this mental image, one is inclined to cling to it. One is happy to hold on to it. But one must now be able to erase from consciousness that which one has sought to achieve through a kind of intensification of power. This is more difficult than erasing such things in ordinary life, as I have indicated.

[ 49 ] Sie werden ja wissen: Wenn man dem Menschen die Sinneseindrücke nach und nach entzieht, wenn man den Menschen dazu bringt, daß er nichts sieht, wenn man den Raum dunkel macht, wenn man alles still macht, so daß er nichts hört, zuletzt auch die Tasteindrücke unterdrückt werden, so schläft der Mensch ein. Dieses leere Bewußtsein, bei dem der Mensch sonst einschläft, das muß willkürlich herbeigeführt werden. Aber der Mensch muß, indem er alle Bewußtseinseindrücke, auch alle selbstgemachten Bewußtseinseindrücke auslöscht, nur wach sein. Das ist das Bedeutsame: nur wach sein, die Kraft, die innere Aktivität haben, nur wach zu sein, und keine äußeren Eindrücke, keine selbstgemachten Erlebnisse mehr zu haben. Das ist die Herstellung des leeren Bewußtseins, aber des vollerlebten leeren Bewußtseins.

[ 49 ] As you know, if you gradually deprive a person of sensory impressions—if you make it so that the person sees nothing, if you darken the room, if you silence everything so that the person hears nothing, and finally suppress even tactile sensations—then the person falls asleep. This empty state of consciousness—into which a person would otherwise fall asleep—must be brought about deliberately. But by erasing all sensory impressions, including all self-generated ones, a person must simply remain awake. This is what is significant: simply being awake, possessing the strength, the inner activity, to simply be awake, and no longer having any external impressions or self-generated experiences. This is the creation of empty consciousness—but of empty consciousness that is fully experienced.

[ 50 ] Dann, wenn man auf diese Weise dasjenige, was man gerade durch erhöhte Kräfte ins Bewußtsein hereingebracht hat, wiederum ausschaltet, leeres Bewußtsein herstellt, dann bleibt dieses Bewußtsein nicht leer, denn dann tritt die zweite Stufe der Erkenntnis ein, die man im Gegensatze zu der imaginativen Erkenntnis die inspirierte Erkenntnis nennen kann. Da versetzen wir uns in die Möglichkeit, wenn wir solches leeres Bewußtsein nach solcher Vorbereitung errungen haben, daß sich uns, wie sonst für das Auge die sichtbare Welt, [für das Ohr] die hörbare Welt vor uns hinstellt, daß sich jetzt die geistige Welt vor unsere Seele hinstellt. Jetzt ist es nicht mehr das eigene Erleben, sondern es ist die auf uns ein“ dringende äußere geistige Welt, die sich nun vor uns hinstellt. Und wenn wir so stark sind, daß wir nicht nur einzelne Partien, die wir uns erarbeitet haben, ausschalten, sondern das ganze Lebenstableau auf einmal ausschalten können, so daß wir es kommen lassen können, wieder ausschalten können, so daß wir, nachdem wir das Lebenstableau gehabt haben, leeres Bewußtsein herstellen, nur wachen — dann tritt wiederum als erstes in dieses leere Bewußtsein herein das vorirdische Leben, das der Mensch zugebracht hat, bevor er durch die Empfängnis in einen irdischen Leib heruntergestiegen ist. Dies ist die erste wirkliche übersinnliche Erfahrung, die man macht nach Herstellung des leeren Bewußtseins: das eigene vorirdische Leben anzuschauen. Von diesem Momente an kennt man die Unsterblichkeit des Menschen von einer Seite her, die heute gar nicht betont wird. Heute spricht man immer nur von der Unsterblichkeit. Da lernt man gar nicht die Wirklichkeit kennen. Unsterblichkeit ist die Verneinung des Todes. Gewiß, die ist so wahr wie die andere Seite — wir werden darüber viel zu sprechen haben —, aber dasjenige, was man durch die Erkenntnis zuerst kennenlernt auf dem Wege, den ich nur skizzieren konnte, das ist nicht die Unsterblichkeit, die Negation des Todes, sondern die Ungeborenheit, die Negation der Geburt. Das Ungeborene ist dem Menschen ebenso wesenhaft wie die Unsterblichkeit. Und wenn man einmal wiederum verstehen wird, daß die Ewigkeit diese zwei Seiten hat, die Unsterblichkeit und die Ungeborenheit, dann wird man erst erkenntnismäßig wiederum eindringen können in das Dauernde, in das wahrhaft Ewige im Menschen. |

[ 50 ] Then, when one in this way again shuts out that which one has just brought into consciousness through heightened powers—that is, when one creates an empty consciousness—this consciousness does not remain empty, for then the second stage of knowledge sets in, which, in contrast to imaginative knowledge, can be called inspired knowledge. Once we have attained such empty consciousness through this preparation, we place ourselves in a position where—just as the visible world normally presents itself to the eye and the audible world to the ear—the spiritual world now presents itself before our soul. Now it is no longer our own experience, but rather the external spiritual world “pressing upon” us that now stands before us. And if we are strong enough not only to set aside individual parts that we have worked out, but to set aside the entire tableau of life all at once—so that we can allow it to come and then set it aside again—so that, after having experienced the tableau of life, can establish an empty consciousness and simply remain awake—then the first thing to enter this empty consciousness is the pre-earthly life that the human being lived before descending into an earthly body through conception. This is the first true supersensory experience one has after establishing empty consciousness: to behold one’s own pre-earthly life. From this moment on, one comes to know the immortality of the human being from a perspective that is not emphasized at all today. Today, people speak only of immortality. In that way, one does not come to know reality at all. Immortality is the negation of death. Certainly, it is just as true as the other side—we will have much to say about this—but what one first comes to know through this insight on the path I have only been able to sketch is not immortality, the negation of death, but rather non-birth, the negation of birth. Non-birth is just as essential to the human being as immortality. And once we come to understand once again that eternity has these two aspects—immortality and non-birth—only then will we be able, through knowledge, to penetrate once more into that which endures, into the truly eternal within the human being. |

[ 51 ] Die neueren Sprachen haben alle das Wort Unsterblichkeit noch; aber das Wort Ungeborenheit, das die älteren Sprachen wohl gehabt haben, haben sie verloren. Zuerst hat man verloren die eine Seite der Ewigkeit, die Ungeborenheit, und jetzt, im materialistischen Zeitalter, ist der Erkenntnis des Menschen der tragische Augenblick vorgesetzt, in dem man verlieren kann auch die Unsterblichkeit, indem man überhaupt nichts mehr wissen will im Gebiete der rein materialistischen Weltanschauung von demjenigen, was als Geistiges, als Spirituelles im Menschen lebt.

[ 51 ] All modern languages still have the word “immortality”; but they have lost the word “unbornness,” which the older languages likely had. First, one lost one aspect of eternity—unbornness—and now, in the materialistic age, human consciousness faces the tragic moment in which one can also lose immortality by no longer wishing to know anything at all, within the realm of a purely materialistic worldview, about that which lives within human beings as the mental and the spiritual.

[ 52 ] Ich konnte Ihnen heute nur die allerersten Schritte, und diese nur skizzenhaft, anführen von dem Wege hinein in die übersinnlichen Welten. Wir werden weiteres zu charakterisieren haben in den nächsten Tagen und dann aufrücken zu demjenigen, was eben auf diesem Wege erkannt werden kann über den Menschen und die Welt in Gegenwart, Vergangenheit und demjenigen, was ihm notwendig ist zu wissen auch für das Künftige.

[ 52 ] Today I was able to outline for you only the very first steps—and these only in broad strokes—on the path into the supersensible worlds. We will have more to explore in the coming days and will then move on to what can be understood along this path about humanity and the world—in the present, the past, and what is necessary for us to know for the future as well.