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The Development of Human Consciousness
GA 228

16 September 1923, Dornach

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Der Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Gesichtspunkt der Bewusstseinsentwickelung III

Der Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Gesichtspunkt der Bewusstseinsentwickelung III

[ 1 ] Sie werden aus den gestrigen Ausführungen haben entnehmen können, daß ein gewisser Bewußtseinszustand, der dem Menschen in älteren Zeiten noch Erlebnis war, gewissermaßen verlorengegangen ist. Ich sagte ja, daß diese besondere Art des wachen Bewußtseins, wie wir es heute haben, das vorzugsweise in mehr oder weniger abstrakten Vorstellungen, oder wenigstens in schattenhaften Bildern lebt, daß dieses Wachbewußtsein einmal nicht in derselben Form vorhanden war, dafür aber eine Art wachendes Träumen, träumendes Wachen, das aber nicht so empfunden werden konnte wie heute der Traum, sondern wie der Inbegriff von lebendigen Bildern, die einer mehr oder weniger geistigen Wirklichkeit entsprachen. Daß dann vorhanden war eine Art Schlafzustand, der traumlos war, aus dem aber ein Nacherleben so blieb, wie ich es Ihnen dargestellt habe. Darüber hinaus gab es aber einen dritten Bewußtseinszustand, jenen Bewußtseinszustand, der im Nacherleben eigentlich empfunden wurde wie ein Ruhen in dem Wellen der Mondenkräfte, die unter die Erde untertauchen, und die eigentlich in einer gewissen Weise den Menschen hinwegheben über die irdische Schwere und ihn sein kosmisches Dasein empfinden lassen. Das war ja das Wesentliche der alten Seelenverfassungen, daß sie das kosmische Dasein des Menschen mitempfanden. Heute, in dem gewöhnlichen Bewußtsein des Menschen, ist von diesem alten Bewußtseinszustand eigentlich nur ein schattenhafter Nachglanz geblieben, ein schattenhafter Nachglanz, der sogar von den allerwenigsten Menschen bemerkt wird, der einfach vor dem menschlichen Bewußtsein vorübergeht, ohne daß man darauf aufmerksam wird.

[ 1 ] Sie werden aus den gestrigen Ausführungen haben entnehmen können, daß ein gewisser Bewußtseinszustand, der dem Menschen in älteren Zeiten noch Erlebnis war, gewissermaßen verlorengegangen ist. Ich sagte ja, daß diese besondere Art des wachen Bewußtseins, wie wir es heute haben, das vorzugsweise in mehr oder weniger abstrakten Vorstellungen, oder wenigstens in schattenhaften Bildern lebt, daß dieses Wachbewußtsein einmal nicht in derselben Form vorhanden war, dafür aber eine Art wachendes Träumen, träumendes Wachen, das aber nicht so empfunden werden konnte wie heute der Traum, sondern wie der Inbegriff von lebendigen Bildern, die einer mehr oder weniger geistigen Wirklichkeit entsprachen. Daß dann vorhanden war eine Art Schlafzustand, der traumlos war, aus dem aber ein Nacherleben so blieb, wie ich es Ihnen dargestellt habe. Darüber hinaus gab es aber einen dritten Bewußtseinszustand, jenen Bewußtseinszustand, der im Nacherleben eigentlich empfunden wurde wie ein Ruhen in dem Wellen der Mondenkräfte, die unter die Erde untertauchen, und die eigentlich in einer gewissen Weise den Menschen hinwegheben über die irdische Schwere und ihn sein kosmisches Dasein empfinden lassen. Das war ja das Wesentliche der alten Seelenverfassungen, daß sie das kosmische Dasein des Menschen mitempfanden. Heute, in dem gewöhnlichen Bewußtsein des Menschen, ist von diesem alten Bewußtseinszustand eigentlich nur ein schattenhafter Nachglanz geblieben, ein schattenhafter Nachglanz, der sogar von den allerwenigsten Menschen bemerkt wird, der einfach vor dem menschlichen Bewußtsein vorübergeht, ohne daß man darauf aufmerksam wird.

[ 2 ] Ich will einmal diesen Bewußstseinsrest aus uralten Zeiten charakterisieren. Wenn der Mensch heute seine Träume betrachtet, so wird er finden, daß in diese Träume, die eine Art chaotischen Charakters annehmen, aus seinen Erlebnissen in diesem Erdendasein das Mannigfaltigste einmündet. Längst Vergessenes taucht in den Traumerlebnissen auf, in mannigfaltiger Weise verändert; sogar im Leben Unbeachtetes kann in den Traumerlebnissen heraufkommen. Und auch die Zeiten, in denen die Erlebnisse geschehen sind, werden ja in mannigfaltigster Weise durcheinander gewürfelt. Aber wenn man dann genauer eingeht auf diese Traumeserlebnisse, so stellt sich doch etwas ganz Eigentümliches heraus. Man wird finden, daß im wesentlichen doch alles, was da in dem Trauminhalt herauftaucht, irgendwie, wenn auch noch so entfernt, anknüpft an die Erlebnisse der letzten drei Tage. Sie können träumen, daß Sie wieder vor sich haben etwas, was Sie vielleicht vor fünfundzwanzig Jahren erlebt haben. In aller Lebendigkeit steht es vor Ihnen, vielleicht etwas verwandelt, aber es ist da. Doch wenn Sie genauer zusehen, werden Sie immer Entdeckungen von der folgenden Art machen: In diesen Traum, der ein Erlebnis von vor fünfundzwanzig Jahren heraufbringt, spielt eine Persönlichkeit hinein, die, sagen wir, um etwas recht Abstraktes zu haben, Eduard heißt. Sie werden wenigstens finden, daß Sie irgendwo, wenn auch nur leise an Ihrem Ohr vorübergehend, das Wort Eduard gehört oder leise an Ihrem Auge vorübergehend es gelesen haben. Mit irgend etwas aus den letzten drei Tagen, wenn es auch ein noch so unbedeutendes Erlebnis ist, steht immer, auch das Entfernteste, was im Traum heraufgeholt wird, in Beziehung. Das beruht aber darauf, daß der Mensch die Erlebnisse von zwei, drei und vier Tagen — es ist natürlich eine solche Zeitangabe approximativ, annähernd nur — eigentlich ganz anders in sich trägt als dasjenige, was früher da war.

[ 2 ] Ich will einmal diesen Bewußstseinsrest aus uralten Zeiten charakterisieren. Wenn der Mensch heute seine Träume betrachtet, so wird er finden, daß in diese Träume, die eine Art chaotischen Charakters annehmen, aus seinen Erlebnissen in diesem Erdendasein das Mannigfaltigste einmündet. Längst Vergessenes taucht in den Traumerlebnissen auf, in mannigfaltiger Weise verändert; sogar im Leben Unbeachtetes kann in den Traumerlebnissen heraufkommen. Und auch die Zeiten, in denen die Erlebnisse geschehen sind, werden ja in mannigfaltigster Weise durcheinander gewürfelt. Aber wenn man dann genauer eingeht auf diese Traumeserlebnisse, so stellt sich doch etwas ganz Eigentümliches heraus. Man wird finden, daß im wesentlichen doch alles, was da in dem Trauminhalt herauftaucht, irgendwie, wenn auch noch so entfernt, anknüpft an die Erlebnisse der letzten drei Tage. Sie können träumen, daß Sie wieder vor sich haben etwas, was Sie vielleicht vor fünfundzwanzig Jahren erlebt haben. In aller Lebendigkeit steht es vor Ihnen, vielleicht etwas verwandelt, aber es ist da. Doch wenn Sie genauer zusehen, werden Sie immer Entdeckungen von der folgenden Art machen: In diesen Traum, der ein Erlebnis von vor fünfundzwanzig Jahren heraufbringt, spielt eine Persönlichkeit hinein, die, sagen wir, um etwas recht Abstraktes zu haben, Eduard heißt. Sie werden wenigstens finden, daß Sie irgendwo, wenn auch nur leise an Ihrem Ohr vorübergehend, das Wort Eduard gehört oder leise an Ihrem Auge vorübergehend es gelesen haben. Mit irgend etwas aus den letzten drei Tagen, wenn es auch ein noch so unbedeutendes Erlebnis ist, steht immer, auch das Entfernteste, was im Traum heraufgeholt wird, in Beziehung. Das beruht aber darauf, daß der Mensch die Erlebnisse von zwei, drei und vier Tagen — es ist natürlich eine solche Zeitangabe approximativ, annähernd nur — eigentlich ganz anders in sich trägt als dasjenige, was früher da war.

[ 3 ] Der Mensch nimmt ja zunächst das, was er wahrnimmt, in seinen astralischen Organismus und seinen Ich-Organismus auf. Da führen zunächst die wahrgenommenen Erlebnisse ein unmittelbar mit dem Bewußtsein zusammenhängendes Leben. Dasjenige, was im Laufe von drei Tagen erlebt worden ist, geht doch noch in einer ganz intensiveren Weise an das Gefühl heran, als wenn wenigstens drei Tage vergangen sind. Wie gesagt, man beobachtet diese Dinge im gewöhnlichen Leben nicht, aber es sind eben doch Realitäten. Es rührt dies davon her, daß alles dasjenige, was vom Menschen wahrnehmend oder in Gedankenprozessen hereingenommen wird in den astralischen Organismus und in den Ich-Organismus, eingedrückt, eingeprägt werden muß dem Äther- oder Bildekräfteleib, aber auch in einer gewissen Beziehung wenigstens dem physischen Leib. Und diese Einprägung braucht zwei, drei, vier Tage, so daß man zweiund dreimal schlafen muß über irgend etwas, das man erlebt hat, bis es in den Ätherleib und in den physischen Leib eingeprägt ist. Denn erst dann sitzt es sozusagen so fest, wenigstens im Ätherleibe, daß es nun bleibend Gedankenerinnerung für einen werden kann. Und so findet eigentlich beim Menschen fortwährend eine innere Wechselwirkung, eine Art von Kampf statt zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib, und das Ergebnis dieses Kampfes ist stets, daß dasjenige, was der Mensch zunächst als Bewußtseinswesen erlebt, sich in die dichteren, materielleren Elemente seines Wesens einprägt, eingestaltet. Man trägt nach drei, vier Tagen dasjenige, was man früher nur als ein flüchtiges Sinneserlebnis gehabt hat, dann als eine Eintragung gewissermaßen in seinem Äther- oder Bildekräfteleib und in seinem physischen Leib mit sich.

[ 3 ] Der Mensch nimmt ja zunächst das, was er wahrnimmt, in seinen astralischen Organismus und seinen Ich-Organismus auf. Da führen zunächst die wahrgenommenen Erlebnisse ein unmittelbar mit dem Bewußtsein zusammenhängendes Leben. Dasjenige, was im Laufe von drei Tagen erlebt worden ist, geht doch noch in einer ganz intensiveren Weise an das Gefühl heran, als wenn wenigstens drei Tage vergangen sind. Wie gesagt, man beobachtet diese Dinge im gewöhnlichen Leben nicht, aber es sind eben doch Realitäten. Es rührt dies davon her, daß alles dasjenige, was vom Menschen wahrnehmend oder in Gedankenprozessen hereingenommen wird in den astralischen Organismus und in den Ich-Organismus, eingedrückt, eingeprägt werden muß dem Äther- oder Bildekräfteleib, aber auch in einer gewissen Beziehung wenigstens dem physischen Leib. Und diese Einprägung braucht zwei, drei, vier Tage, so daß man zweiund dreimal schlafen muß über irgend etwas, das man erlebt hat, bis es in den Ätherleib und in den physischen Leib eingeprägt ist. Denn erst dann sitzt es sozusagen so fest, wenigstens im Ätherleibe, daß es nun bleibend Gedankenerinnerung für einen werden kann. Und so findet eigentlich beim Menschen fortwährend eine innere Wechselwirkung, eine Art von Kampf statt zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib, und das Ergebnis dieses Kampfes ist stets, daß dasjenige, was der Mensch zunächst als Bewußtseinswesen erlebt, sich in die dichteren, materielleren Elemente seines Wesens einprägt, eingestaltet. Man trägt nach drei, vier Tagen dasjenige, was man früher nur als ein flüchtiges Sinneserlebnis gehabt hat, dann als eine Eintragung gewissermaßen in seinem Äther- oder Bildekräfteleib und in seinem physischen Leib mit sich.

[ 4 ] Bedenken Sie nur, indem ich das beschreibe, wie wenig das eigentlich dem Menschen der heutigen Zeit zum Bewußtsein kommt. Aber es ist das etwas, was im menschlichen Seelen- und auch körperlichen Leben fortwährend sich abspielt. Jedes Erlebnis, das wir als Wahrnehmung haben, muß im Grunde genommen drei, vier Tage warten, bis es unser völliges Eigentum ist. Da pendelt es hin und her zwischen astralischem Leib und Ätherleib, weiß gewissermaßen nicht recht, ob es wirklich eingeprägt wird dem Ätherleib und damit auch dem physischen Leib.

[ 4 ] Bedenken Sie nur, indem ich das beschreibe, wie wenig das eigentlich dem Menschen der heutigen Zeit zum Bewußtsein kommt. Aber es ist das etwas, was im menschlichen Seelen- und auch körperlichen Leben fortwährend sich abspielt. Jedes Erlebnis, das wir als Wahrnehmung haben, muß im Grunde genommen drei, vier Tage warten, bis es unser völliges Eigentum ist. Da pendelt es hin und her zwischen astralischem Leib und Ätherleib, weiß gewissermaßen nicht recht, ob es wirklich eingeprägt wird dem Ätherleib und damit auch dem physischen Leib.

[ 5 ] Da geschieht nämlich eigentlich etwas außerordentlich Wichtiges. Bedenken Sie nur, daß wir ja unserem wahren Wesen nach im Grunde nur sind unser Ich und unser astralischer Leib. Wir können von unserem Ätherleib nicht sagen, daß er unser Eigentum ist. Die ‚Menschen der materialistischen Zeit maßen sich an, ihren Ätherleib und namentlich ihren physischen Leib ihren Leib zu nennen. Aber physischer Leib und Ätherleib gehören eigentlich ganz dem Kosmos an. Und indem im Laufe von drei, vier Tagen dasjenige, was wir im Ich und astralischen Leib erleben, dem Ätherleib und physischen Leib übergeben wird, gehört es uns nicht mehr allein, gehört es dem Kosmos an. Wir können eigentlich nur durch drei Tage hindurch sagen, daß irgend etwas, was wir mit der Welt abgemacht haben, nur für uns eine Bedeutung habe. Nach drei, vier Tagen haben wir es in “das Weltenall eingeschrieben, ruht es im Weltenall darin, gehört nicht uns allein, gehört den Göttern mit.

[ 5 ] Da geschieht nämlich eigentlich etwas außerordentlich Wichtiges. Bedenken Sie nur, daß wir ja unserem wahren Wesen nach im Grunde nur sind unser Ich und unser astralischer Leib. Wir können von unserem Ätherleib nicht sagen, daß er unser Eigentum ist. Die ‚Menschen der materialistischen Zeit maßen sich an, ihren Ätherleib und namentlich ihren physischen Leib ihren Leib zu nennen. Aber physischer Leib und Ätherleib gehören eigentlich ganz dem Kosmos an. Und indem im Laufe von drei, vier Tagen dasjenige, was wir im Ich und astralischen Leib erleben, dem Ätherleib und physischen Leib übergeben wird, gehört es uns nicht mehr allein, gehört es dem Kosmos an. Wir können eigentlich nur durch drei Tage hindurch sagen, daß irgend etwas, was wir mit der Welt abgemacht haben, nur für uns eine Bedeutung habe. Nach drei, vier Tagen haben wir es in “das Weltenall eingeschrieben, ruht es im Weltenall darin, gehört nicht uns allein, gehört den Göttern mit.

[ 6 ] In sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung hatten die Menschen eben aus diesem heute verlorengegangenen Bewußtseinszustand, der eine Art tieferer Bewußtseinszustand als der gewöhnliche Schlaf war, eine deutliche Empfindung von dieser merkwürdigen Tatsache. Und die Eingeweihten, die Initiierten, die konnten Auskunft geben, was eigentlich hinter dieser merkwürdigen Empfindung steckte. Namentlich in der Zeitepoche, von der ich gestern gesprochen habe, der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche, war es nur mehr ein dunkles Gefühl, was die Menschen hatten. Aber die Initiierten der Mysterien wurden eingeweiht in das eigentliche Wesen dieser Sache, und das kam dadurch zustande, daß dazumal — während die Initiation heute ein rein innerlich seelisch-geistiger Vorgang sein muß, höchstens mit körperlichen Symbolen und körperlichbildhaften Vorgängen — die Initiation im wesentlichen ein äußerer Vorgang war, und dasjenige, was sich äußerlich mit dem Menschen abspielte, das übertrug sich dann auf das Innere. Und die Initiation bestand vielfach darin — ich erzähle ein Beispiel, ich könnte auch andere erzählen —, daß der zu Initiierende nun durch seine Mysterienführer, die ihn initiierten, in diesen Zustand, der eigentlich heute verlorengegangen ist, etwa drei Tage lang versetzt wurde. Er wurde in diesen Zustand versetzt drei Tage lang, so daß er durchlebte, wie dasjenige sich verhält, was der Mensch in der Welt außerhalb des Menschen durchmacht in diesen drei Tagen, und wie es gewissermaßen hinübertritt in das eigentliche Wesen des Menschen. Der Initiierte kam zu der Anschauung, was eine Vorstellung, was eine Empfindung, was ein Gefühl für Tatsachen durchmacht, bevor es Eigentum des Menschen wird. Aber dasjenige, was da auftrat, was innerhalb dieser Weisheit von jenem dem Menschen so verborgenen Zustande war, das enthält doch außerordentlich Bedeutungsvolles, so Bedeutungsvolles, daß es heute von der materualistischen Weltanschauung gar nicht einmal geahnt wird. Es enthält nämlich das Folgende.

[ 6 ] In sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung hatten die Menschen eben aus diesem heute verlorengegangenen Bewußtseinszustand, der eine Art tieferer Bewußtseinszustand als der gewöhnliche Schlaf war, eine deutliche Empfindung von dieser merkwürdigen Tatsache. Und die Eingeweihten, die Initiierten, die konnten Auskunft geben, was eigentlich hinter dieser merkwürdigen Empfindung steckte. Namentlich in der Zeitepoche, von der ich gestern gesprochen habe, der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche, war es nur mehr ein dunkles Gefühl, was die Menschen hatten. Aber die Initiierten der Mysterien wurden eingeweiht in das eigentliche Wesen dieser Sache, und das kam dadurch zustande, daß dazumal — während die Initiation heute ein rein innerlich seelisch-geistiger Vorgang sein muß, höchstens mit körperlichen Symbolen und körperlichbildhaften Vorgängen — die Initiation im wesentlichen ein äußerer Vorgang war, und dasjenige, was sich äußerlich mit dem Menschen abspielte, das übertrug sich dann auf das Innere. Und die Initiation bestand vielfach darin — ich erzähle ein Beispiel, ich könnte auch andere erzählen —, daß der zu Initiierende nun durch seine Mysterienführer, die ihn initiierten, in diesen Zustand, der eigentlich heute verlorengegangen ist, etwa drei Tage lang versetzt wurde. Er wurde in diesen Zustand versetzt drei Tage lang, so daß er durchlebte, wie dasjenige sich verhält, was der Mensch in der Welt außerhalb des Menschen durchmacht in diesen drei Tagen, und wie es gewissermaßen hinübertritt in das eigentliche Wesen des Menschen. Der Initiierte kam zu der Anschauung, was eine Vorstellung, was eine Empfindung, was ein Gefühl für Tatsachen durchmacht, bevor es Eigentum des Menschen wird. Aber dasjenige, was da auftrat, was innerhalb dieser Weisheit von jenem dem Menschen so verborgenen Zustande war, das enthält doch außerordentlich Bedeutungsvolles, so Bedeutungsvolles, daß es heute von der materualistischen Weltanschauung gar nicht einmal geahnt wird. Es enthält nämlich das Folgende.

[ 7 ] Ich kann mich am leichtesten begreiflich machen über das, was in dieser durch drei Tage lang in einem dumpfen Bewußtseinszustande bestehenden Initiation erreicht wurde, indem ich Sie zuerst an das Traumesleben, das heute noch jeder kennt, erinnere. Gewiß, das Traumesleben gehört zu dem, was genau studiert werden muß. Auch wenn man absieht von jedem Aberglauben, was ja selbstverständlich sein muß, wenn man in reiner, ich möchte sagen, nach echter Wissenschaft strebender Anschauung sich in das 'Traumesleben vertieft, so stellt es doch etwas außerordentlich Tiefes dar.

[ 7 ] Ich kann mich am leichtesten begreiflich machen über das, was in dieser durch drei Tage lang in einem dumpfen Bewußtseinszustande bestehenden Initiation erreicht wurde, indem ich Sie zuerst an das Traumesleben, das heute noch jeder kennt, erinnere. Gewiß, das Traumesleben gehört zu dem, was genau studiert werden muß. Auch wenn man absieht von jedem Aberglauben, was ja selbstverständlich sein muß, wenn man in reiner, ich möchte sagen, nach echter Wissenschaft strebender Anschauung sich in das 'Traumesleben vertieft, so stellt es doch etwas außerordentlich Tiefes dar.

[ 8 ] Denn wie tritt es eigentlich auf, dieses Traumesleben? Nun, wir kennen ja vielerlei Arten von Träumen. Aber halten wir uns an diese Art von Träumen, welche in Reminiszenzen an Erlebnisse besteht. Die Bilder von solchen Erlebnissen treten in diesen Träumen auf. Wie treten sie auf? Nun, Sie wissen, sie treten in außerordentlicher Verwandlung auf, stark verwandelt. Es kann durchaus sein, daß die Verwandlung, sagen wir bis zu einem solchen Grad geht, daß einmal jemand träumt, der vielleicht nicht die geringste Aussicht hat, jemals im wirklichen Leben so etwas auszuführen, daß er in seinem Kleidermacherberufe den Staatsrock für einen hohen Minister zu fabrizieren hat. Er kann nicht die geringste Aussicht haben dafür, aber Röcke fabriziert er immer und hat er immer fabriziert, auch Röcke vielleicht, an denen er sein Wohlgefallen gehabt hat. Nun, in einen solchen Traum kann alles mögliche hineinspielen. Der Betreffende kann in einem vorigen Erdenleben der Diener eines römischen Staatsmannes gewesen sein und dem Staatsmann haben die Toga anziehen müssen. Dumpfe Empfindungskräfte bleiben, und dasjenige, was der Betreffende in diesem Leben durchmacht, färbt sich durch das, was aus früheren Erdenleben herüberstrahlt.

[ 8 ] Denn wie tritt es eigentlich auf, dieses Traumesleben? Nun, wir kennen ja vielerlei Arten von Träumen. Aber halten wir uns an diese Art von Träumen, welche in Reminiszenzen an Erlebnisse besteht. Die Bilder von solchen Erlebnissen treten in diesen Träumen auf. Wie treten sie auf? Nun, Sie wissen, sie treten in außerordentlicher Verwandlung auf, stark verwandelt. Es kann durchaus sein, daß die Verwandlung, sagen wir bis zu einem solchen Grad geht, daß einmal jemand träumt, der vielleicht nicht die geringste Aussicht hat, jemals im wirklichen Leben so etwas auszuführen, daß er in seinem Kleidermacherberufe den Staatsrock für einen hohen Minister zu fabrizieren hat. Er kann nicht die geringste Aussicht haben dafür, aber Röcke fabriziert er immer und hat er immer fabriziert, auch Röcke vielleicht, an denen er sein Wohlgefallen gehabt hat. Nun, in einen solchen Traum kann alles mögliche hineinspielen. Der Betreffende kann in einem vorigen Erdenleben der Diener eines römischen Staatsmannes gewesen sein und dem Staatsmann haben die Toga anziehen müssen. Dumpfe Empfindungskräfte bleiben, und dasjenige, was der Betreffende in diesem Leben durchmacht, färbt sich durch das, was aus früheren Erdenleben herüberstrahlt.

[ 9 ] Ich gab nur eine der Ursachen an, warum sich Träume ihrem Inhalte nach verwandeln. Aber immerhin, sie verwandeln sich stark, das weiß ja jeder. Und man muß sich eigentlich fragen: Was ist denn in diesen Träumen enthalten, was wirkt denn da drinnen? Es sind ja schließlich äußere Ereignisse, welche die Veranlassung zu dieser Art von Träumen geben, aber diese äußeren Ereignisse treten in einer ganz verwandelten Gestalt auf.

[ 9 ] Ich gab nur eine der Ursachen an, warum sich Träume ihrem Inhalte nach verwandeln. Aber immerhin, sie verwandeln sich stark, das weiß ja jeder. Und man muß sich eigentlich fragen: Was ist denn in diesen Träumen enthalten, was wirkt denn da drinnen? Es sind ja schließlich äußere Ereignisse, welche die Veranlassung zu dieser Art von Träumen geben, aber diese äußeren Ereignisse treten in einer ganz verwandelten Gestalt auf.

[ 10 ] Woher kommt denn das? Sehen Sie, das kommt von etwas, wovon sich allerdings die naturwissenschaftliche Anschauung der Gegenwart nicht das Geringste träumen läßt. Das kommt davon her, daß diejenige Gesetzmäßigkeit, die heute als die naturwissenschaftliche anerkannt wird, die in der Außenwelt überall gesucht wird durch Beobachtung, Experimentierkunst, daß diese Gesetzmäßigkeit, diese Summe von Naturgesetzen, von denen wir sprechen, gleich innerhalb der menschlichen Haut aufhört. Und wenn jemand eben glaubt, die Naturgesetze, die er in seinem Laboratorium konstatiert, seien auch diejenigen Gesetze, die innerhalb der menschlichen Haut wirken, so ist er bedeutsam auf dem Holzwege. Nicht nur, daß die Substanzen innerhalb seines Organismus, die der Mensch durch die Nahrungsaufnahme zu sich nimmt, verändert werden, auch die Gesetzmäßigkeiten der Substanzen bis in die geringsten atomistischen Einzelheiten ändern sich. Aber was im Traum vor dem Menschen erscheint, das ist nun nicht bloß das abstrakte Bild einer Wirklichkeit, sondern in dem Traum lebt das Weben der organischen Gesetze, in die der Mensch eingeschaltet ist. Der Traum steht dem Menschen näher als das abstrakte Denken des Tages. Der Traum enthält die Art und Weise, wie sich die äußeren Stoffe im Menschen benehmen als seine Gesetzmäßigkeit. Und als was stellt sich der Traum dar? Als ein Protest gegen die Wirklichkeit, die in die Naturgesetze eingespannt ist. Sie leben vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der Welt, von der die Naturforscher sagen, nach diesen Gesetzen spielt sich alles in der Welt ab. In dem Augenblick, wo Sie durch den Traum, ich möchte sagen, nur ein Spinnwebchen durchstechen in die geistige Welt hinein, stellt sich das Traumerleben als ein Protest gegen die Naturgesetze dar. Der Traum kann nicht so verlaufen, wie die Ereignisse äußerlich verlaufen sind, sonst wäre er sehr nahe dem Wachen. Der Traum, der aus dem eigentlichen Schlaf auftaucht, der protestiert in seinem Zusammenhang gegen die Naturgesetze. Denn er geht näher an den Menschen heran.

[ 10 ] Woher kommt denn das? Sehen Sie, das kommt von etwas, wovon sich allerdings die naturwissenschaftliche Anschauung der Gegenwart nicht das Geringste träumen läßt. Das kommt davon her, daß diejenige Gesetzmäßigkeit, die heute als die naturwissenschaftliche anerkannt wird, die in der Außenwelt überall gesucht wird durch Beobachtung, Experimentierkunst, daß diese Gesetzmäßigkeit, diese Summe von Naturgesetzen, von denen wir sprechen, gleich innerhalb der menschlichen Haut aufhört. Und wenn jemand eben glaubt, die Naturgesetze, die er in seinem Laboratorium konstatiert, seien auch diejenigen Gesetze, die innerhalb der menschlichen Haut wirken, so ist er bedeutsam auf dem Holzwege. Nicht nur, daß die Substanzen innerhalb seines Organismus, die der Mensch durch die Nahrungsaufnahme zu sich nimmt, verändert werden, auch die Gesetzmäßigkeiten der Substanzen bis in die geringsten atomistischen Einzelheiten ändern sich. Aber was im Traum vor dem Menschen erscheint, das ist nun nicht bloß das abstrakte Bild einer Wirklichkeit, sondern in dem Traum lebt das Weben der organischen Gesetze, in die der Mensch eingeschaltet ist. Der Traum steht dem Menschen näher als das abstrakte Denken des Tages. Der Traum enthält die Art und Weise, wie sich die äußeren Stoffe im Menschen benehmen als seine Gesetzmäßigkeit. Und als was stellt sich der Traum dar? Als ein Protest gegen die Wirklichkeit, die in die Naturgesetze eingespannt ist. Sie leben vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der Welt, von der die Naturforscher sagen, nach diesen Gesetzen spielt sich alles in der Welt ab. In dem Augenblick, wo Sie durch den Traum, ich möchte sagen, nur ein Spinnwebchen durchstechen in die geistige Welt hinein, stellt sich das Traumerleben als ein Protest gegen die Naturgesetze dar. Der Traum kann nicht so verlaufen, wie die Ereignisse äußerlich verlaufen sind, sonst wäre er sehr nahe dem Wachen. Der Traum, der aus dem eigentlichen Schlaf auftaucht, der protestiert in seinem Zusammenhang gegen die Naturgesetze. Denn er geht näher an den Menschen heran.

[ 11 ] In dieser Beziehung machen ja die materialistisch gesinnten Menschen der heutigen Zeit interessante Entdeckungen. Da gibt es ein Buch, ein interessantes Buch, das schon vor Jahren erschienen ist, von dem man eigentlich wirklich nur sagen kann, es ist so recht charakteristisch für die Geisteskonstitution gerade wissenschaftlich denkender Leute der Gegenwart: «Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft» von einem gewissen Staudenmaier. Einige von Ihnen werden das Buch kennen. Der Mann wollte auch dahinterkommen, was denn eigentlich an der Geisteswelt ist. Von der Anthroposophie gestand er ja, daß er auch nur die gegnerischen Schriften gelesen hat; also da machen sich die Leute nicht gern heran, weil sie sich in der Anthroposophie doch sehr schwer zurechtfinden. Gerade wenn sie innerhalb der wissenschaftlichen Struktur der Gegenwart sich befinden, stellen sie sich sehr schwer in die Anthroposophie herein. Und so machte er denn zunächst Versuche, um hinter die Geisterwelt zu kommen, nach Art der spiritistischen Versuche. Er benahm sich das Bewußtsein, benebelte sich, bis er in eine Art mediumähnlichen Zustandes kam. Und dann schrieb er mechanische Schrift. Nun wunderte er sich, daß er da lauter dummes Zeug aufschrieb, daß das alles nicht stimmte mit dem, was er sonst wußte von der Wirklichkeit. Es stimmte nicht. Es stimmte vor allen Dingen das nicht, daß in dieser Schrift herauskam: Geister sprechen zu ihm. Denn das wußte er ja, daß das nicht möglich ist, daß Geister zu ihm sprechen. Aber das, was er aufschrieb, sagte ihm, daß Geister zu ihm sprechen. Und außerdem: es war furchtbar, was diese Nichtgeister alles ihn anlogen. Lesen Sie das nur in dem Buche nach, was da alles in die Hand einfloß an unglaublichen Lügen. Ja, er wurde ganz — ich will nicht ein böses Wort sagen —, also medial, fand sich selbst nicht mehr zurecht in der ganzen Sache. Da riet ihm ein Freund, er solle doch das ganze Ding lassen, und soll nun wiederum ein vernünftiges Leben führen, zum Beispiel auf die Jagd gehen. Nun ging er auf die Jagd, auf die Elsternjagd. Siehe da, es setzte sich sogar in das Jagen hinein dasjenige fort, was er da in sich erregt hatte. Er kriegte das nicht wieder los. Wenn er auf einen Baum hinaufschaute, war da nicht eine Elster, sondern ein schrecklicher Drache mit fürchterlichen Fängen, der ihn mit furchtbaren Augen ansah, ganz entsetzlich! Und überall gab es solches Zeug. Nun lebte er fortwährend in diesem inneren Kampf, sich doch zum normalen Menschentum zurückzufinden.

[ 11 ] In dieser Beziehung machen ja die materialistisch gesinnten Menschen der heutigen Zeit interessante Entdeckungen. Da gibt es ein Buch, ein interessantes Buch, das schon vor Jahren erschienen ist, von dem man eigentlich wirklich nur sagen kann, es ist so recht charakteristisch für die Geisteskonstitution gerade wissenschaftlich denkender Leute der Gegenwart: «Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft» von einem gewissen Staudenmaier. Einige von Ihnen werden das Buch kennen. Der Mann wollte auch dahinterkommen, was denn eigentlich an der Geisteswelt ist. Von der Anthroposophie gestand er ja, daß er auch nur die gegnerischen Schriften gelesen hat; also da machen sich die Leute nicht gern heran, weil sie sich in der Anthroposophie doch sehr schwer zurechtfinden. Gerade wenn sie innerhalb der wissenschaftlichen Struktur der Gegenwart sich befinden, stellen sie sich sehr schwer in die Anthroposophie herein. Und so machte er denn zunächst Versuche, um hinter die Geisterwelt zu kommen, nach Art der spiritistischen Versuche. Er benahm sich das Bewußtsein, benebelte sich, bis er in eine Art mediumähnlichen Zustandes kam. Und dann schrieb er mechanische Schrift. Nun wunderte er sich, daß er da lauter dummes Zeug aufschrieb, daß das alles nicht stimmte mit dem, was er sonst wußte von der Wirklichkeit. Es stimmte nicht. Es stimmte vor allen Dingen das nicht, daß in dieser Schrift herauskam: Geister sprechen zu ihm. Denn das wußte er ja, daß das nicht möglich ist, daß Geister zu ihm sprechen. Aber das, was er aufschrieb, sagte ihm, daß Geister zu ihm sprechen. Und außerdem: es war furchtbar, was diese Nichtgeister alles ihn anlogen. Lesen Sie das nur in dem Buche nach, was da alles in die Hand einfloß an unglaublichen Lügen. Ja, er wurde ganz — ich will nicht ein böses Wort sagen —, also medial, fand sich selbst nicht mehr zurecht in der ganzen Sache. Da riet ihm ein Freund, er solle doch das ganze Ding lassen, und soll nun wiederum ein vernünftiges Leben führen, zum Beispiel auf die Jagd gehen. Nun ging er auf die Jagd, auf die Elsternjagd. Siehe da, es setzte sich sogar in das Jagen hinein dasjenige fort, was er da in sich erregt hatte. Er kriegte das nicht wieder los. Wenn er auf einen Baum hinaufschaute, war da nicht eine Elster, sondern ein schrecklicher Drache mit fürchterlichen Fängen, der ihn mit furchtbaren Augen ansah, ganz entsetzlich! Und überall gab es solches Zeug. Nun lebte er fortwährend in diesem inneren Kampf, sich doch zum normalen Menschentum zurückzufinden.

[ 12 ] Ich führe Ihnen das an aus dem Grunde, weil hier experimentell gezeigt ist, daß überall, in dem Augenblick, wo man nun doch nicht nur wachend träumt, sondern durch solche Machinationen an dasjenige herankommt, wo das Innere des Menschen mitspricht, sofort der Protest gegen die äußere Naturordnung auftritt. Selbstverständlich empfindet man das als Lüge. Wenn man gewohnt ist, irgend jemanden, der einem Freund ist, immer als einen leidlich anständigen Menschen zu sehen und nachher, wenn man sich in diesem Zustand befindet, merkt man, der streckt einem fortwährend die Zunge heraus, macht lange Nasen und grinst einen aus — wenn das in diesem Zustande vorkommt, dann sagt man: Die geistige Welt lügt einen an! — Man macht es wirklich so wie der Traum in einem solchen Fall. Nun, darinnen steckt doch wieder das Richtige, daß in jedem Fall, wo der Mensch an die geistige Welt herankommit, in die er mit dem eingeschlossen ist, was innerhalb seiner Haut liegt, dieses Dasein, das er nun betritt, gegen die Naturordnung protestiert. Daß in einem solchen unentwickelten Fall, wo man die Sache nicht beurteilen kann, in der Verlogenheit allerlei Elementarwesenheiten auftreten, ist nicht zu verwundern. Aber es ist immer ein Protest gegen die Naturordnung da, wo man an das Geistige herankommt, was schon der gewöhnliche Traum zeigt.

[ 12 ] Ich führe Ihnen das an aus dem Grunde, weil hier experimentell gezeigt ist, daß überall, in dem Augenblick, wo man nun doch nicht nur wachend träumt, sondern durch solche Machinationen an dasjenige herankommt, wo das Innere des Menschen mitspricht, sofort der Protest gegen die äußere Naturordnung auftritt. Selbstverständlich empfindet man das als Lüge. Wenn man gewohnt ist, irgend jemanden, der einem Freund ist, immer als einen leidlich anständigen Menschen zu sehen und nachher, wenn man sich in diesem Zustand befindet, merkt man, der streckt einem fortwährend die Zunge heraus, macht lange Nasen und grinst einen aus — wenn das in diesem Zustande vorkommt, dann sagt man: Die geistige Welt lügt einen an! — Man macht es wirklich so wie der Traum in einem solchen Fall. Nun, darinnen steckt doch wieder das Richtige, daß in jedem Fall, wo der Mensch an die geistige Welt herankommit, in die er mit dem eingeschlossen ist, was innerhalb seiner Haut liegt, dieses Dasein, das er nun betritt, gegen die Naturordnung protestiert. Daß in einem solchen unentwickelten Fall, wo man die Sache nicht beurteilen kann, in der Verlogenheit allerlei Elementarwesenheiten auftreten, ist nicht zu verwundern. Aber es ist immer ein Protest gegen die Naturordnung da, wo man an das Geistige herankommt, was schon der gewöhnliche Traum zeigt.

[ 13 ] Und der Mensch müßte sich eigentlich sagen: Da trete ich ein in eine ganz andere Ordnung, und erscheint sie auch nur in der flüchtigen Gestalt des Traumes, so erscheint sie als ein Protest gegen die schönsten Naturgesetze, die man äußerlich durch Laboratorium und Experiment feststellen kann. — Aber sehen Sie, das ist die erste Etappe hin zur geistigen Welt. Auf dieser ersten Etappe trifft man den Protest gegen die Naturgesetze an. Da sind die Naturgesetze, ich möchte sagen, ihrer Majestät entsetzt, sobald man in das innere Wesen des Menschen eindringt.

[ 13 ] Und der Mensch müßte sich eigentlich sagen: Da trete ich ein in eine ganz andere Ordnung, und erscheint sie auch nur in der flüchtigen Gestalt des Traumes, so erscheint sie als ein Protest gegen die schönsten Naturgesetze, die man äußerlich durch Laboratorium und Experiment feststellen kann. — Aber sehen Sie, das ist die erste Etappe hin zur geistigen Welt. Auf dieser ersten Etappe trifft man den Protest gegen die Naturgesetze an. Da sind die Naturgesetze, ich möchte sagen, ihrer Majestät entsetzt, sobald man in das innere Wesen des Menschen eindringt.

[ 14 ] Klar darüber, wie es nicht nur eine Naturordnung gibt, sondern wie in und hinter dieser Naturordnung eine geistige Ordnung steht, wurden nun die alten Eingeweihten, indem sie jene drei Tage durchmachten. Wer in dieser Weise mit der Initiation seine Bekanntschaft macht, der kann ja in diese Dinge auch heute noch mit den heutigen Mitteln eindringen, kann durchmachen die Erlebnisse dieser drei Tage, wenn er zum erstenmal herantritt an die Erfahrung jener eigentlich furchtbaren Seelenqual! Denn es tritt da der Mensch in der Tat in eine Welt ein, wo alle Naturgesetze zusammenstürzen, wo das Weben des Traumes auftritt, in dem, selbst wenn die Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens hineinspielen, die Zusammenhänge andere werden, weil da die Naturgesetze nicht mehr gelten. Und man ist dann wirklich, wenn man die Naturgesetze als alles empfindet, vis-à-vis dem Nichts zunächst.

[ 14 ] Klar darüber, wie es nicht nur eine Naturordnung gibt, sondern wie in und hinter dieser Naturordnung eine geistige Ordnung steht, wurden nun die alten Eingeweihten, indem sie jene drei Tage durchmachten. Wer in dieser Weise mit der Initiation seine Bekanntschaft macht, der kann ja in diese Dinge auch heute noch mit den heutigen Mitteln eindringen, kann durchmachen die Erlebnisse dieser drei Tage, wenn er zum erstenmal herantritt an die Erfahrung jener eigentlich furchtbaren Seelenqual! Denn es tritt da der Mensch in der Tat in eine Welt ein, wo alle Naturgesetze zusammenstürzen, wo das Weben des Traumes auftritt, in dem, selbst wenn die Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens hineinspielen, die Zusammenhänge andere werden, weil da die Naturgesetze nicht mehr gelten. Und man ist dann wirklich, wenn man die Naturgesetze als alles empfindet, vis-à-vis dem Nichts zunächst.

[ 15 ] Nun handelt es sich darum, daß man besonders schmerzlich, tief schmerzlich und tragisch als moderner Mensch, durch die Initiation tretend, dieses Hineinkommen in jene Region des Daseins empfindet, wo gegen die Naturgesetze dieser Protest ausgesprochen wird, weil man ein Gefühl hat, daß da vor allen Dingen alles, was man früher im Intellekt gehabt hat, was sich ja nach den Naturgesetzen gerichtet hat, daß dieses intellektualistisch Seelenhafte ertrinkt. Man kann seelisch nicht mehr atmen, weil man sich zu stark gewöhnt hat an die Naturordnung. Und endlich sieht man, daß von einer ganz anderen Weltenseite her eben eine andere Welt hereinragt, die nicht in einer Naturordnung lebt, sondern in einer Geistordnung, die überall durchsetzt und durchwellt ist von dem, was heute nachempfunden wird aus der Tiefe des menschlichen Gewissens heraus als moralische Weltenordnung. Dasjenige, was man lernt sich zu sagen, ist dies: Hier ist die Naturordnung, meine Sinne nehmen sie wahr, für sie wird durch die Naturwissenschaft die Gesetzesmäßigkeit festgestellt. Tauche ich heraus aus dieser Naturordnung, dann tauche ich ein in eine Welt, die protestiert gegen diese Naturordnung, und in dem Wahrnehmen dieses Protestes gegen die Naturordnung ergießt sich überall her wie ein neues lichtvolles Lebenswasser, mit dem man wiederum atmen kann, dasjenige, was moralische Weltenordnung ist, die sich endlich zur geistigen Weltenordnung erweitert. — Das war die große Erkenntnis der Initiierten der alten Zeit, daß sie hereinragen sahen die reale moralische Weltenordnung in die physische reale Weltenordnung, indem sie zwischen drinnen erlebten den Protest gegen die physische Weltenordnung. Das wird eben im schwachen Nachglanz erlebt an dem Ereignis der drei Tage, von denen ich gesprochen habe. Dasjenige, was wir erleben in der äußeren Welt, seien es unsere Empfindungen, seien es unsere Handlungen: drei, vier Tage braucht es, um sich in unseren Organismus einzuprägen. Aber wenn es sich eingeprägt hat, prägt es sich nicht in der Form ein, wie wir es äußerlich erlebt haben, prägt es sich ein als Impuls, der eine moralische Ausgestaltung in einer ganz anderen Gesetzmäßigkeit verlangt als die Naturordnung. Und würde der Mensch sehen, wozu seine Erlebnisse nach drei Tagen in seinem eigenen Inneren werden, so würde er sich sagen: Was ich auf naturhafte Weise im irdischen Dasein erlebt habe, das hat sich meinem ewigen Seinskern eingeprägt, so daß es nicht weniger real ist als in der äußeren Welt, aber in mir nunmehr als der Impuls einer moralischen Weltenordnung lebt, auf dem ich nun weiter auf den Ozean des Lebens hinausgehe. — So tragen wir die Ereignisse desjenigen, was wir naturhaft erlebt haben, als die moralischen Ursachen für unser späteres Leben in uns.

[ 15 ] Nun handelt es sich darum, daß man besonders schmerzlich, tief schmerzlich und tragisch als moderner Mensch, durch die Initiation tretend, dieses Hineinkommen in jene Region des Daseins empfindet, wo gegen die Naturgesetze dieser Protest ausgesprochen wird, weil man ein Gefühl hat, daß da vor allen Dingen alles, was man früher im Intellekt gehabt hat, was sich ja nach den Naturgesetzen gerichtet hat, daß dieses intellektualistisch Seelenhafte ertrinkt. Man kann seelisch nicht mehr atmen, weil man sich zu stark gewöhnt hat an die Naturordnung. Und endlich sieht man, daß von einer ganz anderen Weltenseite her eben eine andere Welt hereinragt, die nicht in einer Naturordnung lebt, sondern in einer Geistordnung, die überall durchsetzt und durchwellt ist von dem, was heute nachempfunden wird aus der Tiefe des menschlichen Gewissens heraus als moralische Weltenordnung. Dasjenige, was man lernt sich zu sagen, ist dies: Hier ist die Naturordnung, meine Sinne nehmen sie wahr, für sie wird durch die Naturwissenschaft die Gesetzesmäßigkeit festgestellt. Tauche ich heraus aus dieser Naturordnung, dann tauche ich ein in eine Welt, die protestiert gegen diese Naturordnung, und in dem Wahrnehmen dieses Protestes gegen die Naturordnung ergießt sich überall her wie ein neues lichtvolles Lebenswasser, mit dem man wiederum atmen kann, dasjenige, was moralische Weltenordnung ist, die sich endlich zur geistigen Weltenordnung erweitert. — Das war die große Erkenntnis der Initiierten der alten Zeit, daß sie hereinragen sahen die reale moralische Weltenordnung in die physische reale Weltenordnung, indem sie zwischen drinnen erlebten den Protest gegen die physische Weltenordnung. Das wird eben im schwachen Nachglanz erlebt an dem Ereignis der drei Tage, von denen ich gesprochen habe. Dasjenige, was wir erleben in der äußeren Welt, seien es unsere Empfindungen, seien es unsere Handlungen: drei, vier Tage braucht es, um sich in unseren Organismus einzuprägen. Aber wenn es sich eingeprägt hat, prägt es sich nicht in der Form ein, wie wir es äußerlich erlebt haben, prägt es sich ein als Impuls, der eine moralische Ausgestaltung in einer ganz anderen Gesetzmäßigkeit verlangt als die Naturordnung. Und würde der Mensch sehen, wozu seine Erlebnisse nach drei Tagen in seinem eigenen Inneren werden, so würde er sich sagen: Was ich auf naturhafte Weise im irdischen Dasein erlebt habe, das hat sich meinem ewigen Seinskern eingeprägt, so daß es nicht weniger real ist als in der äußeren Welt, aber in mir nunmehr als der Impuls einer moralischen Weltenordnung lebt, auf dem ich nun weiter auf den Ozean des Lebens hinausgehe. — So tragen wir die Ereignisse desjenigen, was wir naturhaft erlebt haben, als die moralischen Ursachen für unser späteres Leben in uns.

[ 16 ] Aber es war in den letzten Zeiten der Menschheitsentwickelung so, daß, indem der Mensch untertauchte in jenen, ich möchte sagen Unterschlaf, in den Zustand der Erdenumfassung, er in den äußeren Äther untertauchte. Und da findet dasjenige, was der Mensch erlebt hatte, seinen Ausgleich mit dem äußeren Äther. Der Mensch wurde sozusagen moralisch nicht nur in bezug auf die Richtung seines Innern hineingestellt in die moralische Weltenordnung, sondern in dem Unterschlaf, in der Erdenumfassung wurde er hineingestellt in die Moral des Kosmos. Und das ist der Menschheit verlorengegangen damit, daß eben aus dem Bewußtseinszustand ausgeschaltet wurde dieser Tiefschlaf, daß der Mensch nur jenen schwachen Nachklang in dem Dreitageserlebnis hat, das ich Ihnen geschildert habe. Der Mensch wäre sozusagen nach und nach aus der selbstverständlichen moralischen Weltenordnung herausgeworfen worden, wenn nicht etwas eingetreten wäre im Laufe der Erdenentwickelung. Dasjenige, was früher die einzelnen Initiierten durchgemacht hatten, um den Menschen sagen zu können, was da in den drei Tagen erlebt wird, das machte als ein weltgeschichtliches Ereignis, als ein einmaliges Erdenereignis die Christus-Wesenheit durch, die aus geistigen Welten in den Körper des Jesus von Nazareth heruntergestiegen ist und als Gott wirkliches Menschenleben geführt hat. Und dasjenige, was während der drei Tage durchgemacht wurde, wurde nun durchgemacht für die ganze Menschheit. Was früher durch den Tiefbewußtseinsschlaf gefunden werden konnte — nicht bewußt, aber wenigstens unterbewußt sich in den Menschen hineinsetzte —, was also auf eine nur naturhafte Weise vom Menschen durchgemacht worden ist, das mußte deshalb durchgemacht werden, damit der Mensch seine Verbindung finden könne mit dem, was für die Menschheit der Erde der Christus im Mysterium von Golgatha vollbracht hat. Das ist die stellvertretende Gottestat. Weil der Mensch einen Ruck heraufmachte in seiner Bewußtseinsentwickelung, mußte er dasjenige, was er früher in seiner Natur erlebte, auf moralische Art in bezug zu dem Christus Jesus durchleben. Und so hängt der Eintritt des Mysteriums von Golgatha zusammen mit dem ganzen Sinn der Erdenentwickelung, weil mit dem Sinn der menschlichen Bewußtseinsentwickelung. Und verstehen kann man nur, was eigentlich geschehen sollte durch das Mysterium von Golgatha, wenn man zurückblicken kann auf dasjenige, was einmal naturhaft geschehen ist und nunmehr moralisch zu geschehen hat.

[ 16 ] Aber es war in den letzten Zeiten der Menschheitsentwickelung so, daß, indem der Mensch untertauchte in jenen, ich möchte sagen Unterschlaf, in den Zustand der Erdenumfassung, er in den äußeren Äther untertauchte. Und da findet dasjenige, was der Mensch erlebt hatte, seinen Ausgleich mit dem äußeren Äther. Der Mensch wurde sozusagen moralisch nicht nur in bezug auf die Richtung seines Innern hineingestellt in die moralische Weltenordnung, sondern in dem Unterschlaf, in der Erdenumfassung wurde er hineingestellt in die Moral des Kosmos. Und das ist der Menschheit verlorengegangen damit, daß eben aus dem Bewußtseinszustand ausgeschaltet wurde dieser Tiefschlaf, daß der Mensch nur jenen schwachen Nachklang in dem Dreitageserlebnis hat, das ich Ihnen geschildert habe. Der Mensch wäre sozusagen nach und nach aus der selbstverständlichen moralischen Weltenordnung herausgeworfen worden, wenn nicht etwas eingetreten wäre im Laufe der Erdenentwickelung. Dasjenige, was früher die einzelnen Initiierten durchgemacht hatten, um den Menschen sagen zu können, was da in den drei Tagen erlebt wird, das machte als ein weltgeschichtliches Ereignis, als ein einmaliges Erdenereignis die Christus-Wesenheit durch, die aus geistigen Welten in den Körper des Jesus von Nazareth heruntergestiegen ist und als Gott wirkliches Menschenleben geführt hat. Und dasjenige, was während der drei Tage durchgemacht wurde, wurde nun durchgemacht für die ganze Menschheit. Was früher durch den Tiefbewußtseinsschlaf gefunden werden konnte — nicht bewußt, aber wenigstens unterbewußt sich in den Menschen hineinsetzte —, was also auf eine nur naturhafte Weise vom Menschen durchgemacht worden ist, das mußte deshalb durchgemacht werden, damit der Mensch seine Verbindung finden könne mit dem, was für die Menschheit der Erde der Christus im Mysterium von Golgatha vollbracht hat. Das ist die stellvertretende Gottestat. Weil der Mensch einen Ruck heraufmachte in seiner Bewußtseinsentwickelung, mußte er dasjenige, was er früher in seiner Natur erlebte, auf moralische Art in bezug zu dem Christus Jesus durchleben. Und so hängt der Eintritt des Mysteriums von Golgatha zusammen mit dem ganzen Sinn der Erdenentwickelung, weil mit dem Sinn der menschlichen Bewußtseinsentwickelung. Und verstehen kann man nur, was eigentlich geschehen sollte durch das Mysterium von Golgatha, wenn man zurückblicken kann auf dasjenige, was einmal naturhaft geschehen ist und nunmehr moralisch zu geschehen hat.

[ 17 ] Aber gerade in dieser Beziehung ist ja dieses moderne Bewußtsein, das zwischen Wachen und Schlafen und Träumen verfließt, noch nicht zu seiner inneren Harmonie gekommen. Denn was geht denn durch dieses moderne Bewußtsein, was ging immer mehr und mehr gerade seit dem 15. Jahrhundert, seitdem dieses Bewußtsein seine eigentliche Ausprägung gefunden hat, durch dieses moderne Bewußtsein? Ein einseitiges Hinschauen auf die Naturordnung. Ja, an die glaubt man, und diese Naturordnung glaubt man auch zu verstehen. Und man nennt dasjenige, was in dieser Naturordnung ist, das reale Dasein. Aber weiter will man nicht. Man will nicht bis zu jener Kraft des menschlichen Erkennens weiterdringen, der sich das Geistige ergibt, so wie sich die Naturordnung ergibt. Und so wurde es denn üblich in der neueren Zeit, von der moralischen Weltenordnung als von etwas zu sprechen, was nun so auch von irgendwo hereinkommt. Man vergaß dabei nur die Ehrlichkeit; denn wenn man in der Tat auf die Naturordnung hinschaut, wie man das immer weiter und weiter gewöhnt wurde, so könnte man eigentlich der moralischen Weltenordnung keine Realität zuschreiben. Man konnte eigentlich nur, ich möchte sagen, sich in einer etwas unehrlichen Weise hinweghelfen über dasjenige, was da vorlag, indem man sagt: Es gibt auf der einen Seite ein Wissen, auf der andern Seite einen Glauben. Das Wissen kann nicht Glauben werden, und der Glauben nicht Wissen werden, und dem Glauben gehört die moralische Weltenordnung an. — Das ist die bequeme Formel, die in der neueren Zeit vielfach üblich geworden ist. Man sieht sogar diese Trennung zwischen Glauben und Wissen als etwas echt Christliches an, währenddem das Christentum vor verhältnismäßig gar nicht langer Zeit, vor fünf bis sechs Jahrhunderten ganz gewiß noch nicht jenen Unterschied in dieser Art gemacht hat, ganz gewiß nicht das ältere Christentum. Und heute ist es noch immer nicht katholische Dogmatik, wenn auch katholischer Usus, zwischen Glauben und Wissen in dieser Art zu unterscheiden. Man findet sich eben nicht zurecht mit der Beziehung zur Naturordnung und der moralisch-geistigen Ordnung, weil man den Übergang nicht kennt, weil man schon den Traum nicht versteht, der einen herausführt aus der Naturordnung und ein Protest gegenüber der Naturordnung ist, der gewissermaßen der große Vorbereiter ist. Denn ist man durch seine Vorbereitung durchgegangen, kann man stoßen an das, was moralische Weltenordnung, weil moralisch-geistige Weltenordnung ist.

[ 17 ] Aber gerade in dieser Beziehung ist ja dieses moderne Bewußtsein, das zwischen Wachen und Schlafen und Träumen verfließt, noch nicht zu seiner inneren Harmonie gekommen. Denn was geht denn durch dieses moderne Bewußtsein, was ging immer mehr und mehr gerade seit dem 15. Jahrhundert, seitdem dieses Bewußtsein seine eigentliche Ausprägung gefunden hat, durch dieses moderne Bewußtsein? Ein einseitiges Hinschauen auf die Naturordnung. Ja, an die glaubt man, und diese Naturordnung glaubt man auch zu verstehen. Und man nennt dasjenige, was in dieser Naturordnung ist, das reale Dasein. Aber weiter will man nicht. Man will nicht bis zu jener Kraft des menschlichen Erkennens weiterdringen, der sich das Geistige ergibt, so wie sich die Naturordnung ergibt. Und so wurde es denn üblich in der neueren Zeit, von der moralischen Weltenordnung als von etwas zu sprechen, was nun so auch von irgendwo hereinkommt. Man vergaß dabei nur die Ehrlichkeit; denn wenn man in der Tat auf die Naturordnung hinschaut, wie man das immer weiter und weiter gewöhnt wurde, so könnte man eigentlich der moralischen Weltenordnung keine Realität zuschreiben. Man konnte eigentlich nur, ich möchte sagen, sich in einer etwas unehrlichen Weise hinweghelfen über dasjenige, was da vorlag, indem man sagt: Es gibt auf der einen Seite ein Wissen, auf der andern Seite einen Glauben. Das Wissen kann nicht Glauben werden, und der Glauben nicht Wissen werden, und dem Glauben gehört die moralische Weltenordnung an. — Das ist die bequeme Formel, die in der neueren Zeit vielfach üblich geworden ist. Man sieht sogar diese Trennung zwischen Glauben und Wissen als etwas echt Christliches an, währenddem das Christentum vor verhältnismäßig gar nicht langer Zeit, vor fünf bis sechs Jahrhunderten ganz gewiß noch nicht jenen Unterschied in dieser Art gemacht hat, ganz gewiß nicht das ältere Christentum. Und heute ist es noch immer nicht katholische Dogmatik, wenn auch katholischer Usus, zwischen Glauben und Wissen in dieser Art zu unterscheiden. Man findet sich eben nicht zurecht mit der Beziehung zur Naturordnung und der moralisch-geistigen Ordnung, weil man den Übergang nicht kennt, weil man schon den Traum nicht versteht, der einen herausführt aus der Naturordnung und ein Protest gegenüber der Naturordnung ist, der gewissermaßen der große Vorbereiter ist. Denn ist man durch seine Vorbereitung durchgegangen, kann man stoßen an das, was moralische Weltenordnung, weil moralisch-geistige Weltenordnung ist.

[ 18 ] Nur ein unbefangener Blick in die Vergangenheit des Menschen und in das, was die Gegenwart noch nicht hat, kann eigentlich zu einer befriedigenden Anschauung über diese Dinge führen, sonst bleiben auch die historischen Dokumente uralter Zeiten im Grunde genommen Dinge, die man anglotzt, die man aber durchaus nicht versteht. Sehen Sie, es ist heute vormittag in mannigfaltigster Weise von den Gegnern der Anthroposophie gesprochen worden. Manches kann. man diesen Gegnern, allerdings nicht zu ihren Gunsten, aber zu ihrem Guten rechnen. Man muß sich bei dem, was die Gegner über Anthroposophie sagen, wenigstens ich muß mich manchmal an eine Anekdote erinnern, die auf einer Wahrheit beruhen soll, die der berühmte Professor Kuno Fischer immer wieder erzählt hat. Er erzählte, er habe zwei Schulkollegen gehabt, die beide zusammenwohnten, es dürften Brüder gewesen sein; sie hatten einen außerordentlich simplen Onkel. Nun kam die Zeit, wo sie in der Mathematik die Logarithmen lernten und sich die Logarithmentafeln kaufen mußten. Der simple Onkel, der beguckte sich nun diese Logarithmentafeln. Er sah auf diesen Tafeln lauter Zahlen und da fragte er denn diese Schüler, seine Neffen, was denn das für Zahlen wären. Die wußten nun gar nicht, wie sie das dem Onkel beibringen sollten. Endlich fiel einem der Schlingel ein: Ja, das sind alle Hausnummern von Europa. — Der Onkel glaubte das, und fand auch zum Schluß, daß das ganz nützlich wäre, wenn man alle Hausnummern von London, Paris und so weiter gleich wisse. Sehen Sie, wie dieser Onkel vor den Logarithmentafeln gestanden ist, so stehen die Leute, die nicht innerlich hineinschauen in das, was die alten Dokumente verkünden, vor diesen alten Dokumenten. Die jetzigen Forscher, die diese Dokumente wieder herausgeben, sagen schließlich auch nicht viel anderes, als was der Onkel von den Logarithmen gesagt hat, indem er sie für Hausnummern von Europa ansah. Man muß nur wissen, wie weit die Auffassungsweise, die heute dem abstrakten Denken möglich ist, von der geistig-realen Tatsächlichkeit abweicht. Das muß man sich einmal ganz klarmachen. Dazu muß man den Mut haben. Sonst wird man nicht einsehen, wie der Mensch aus einer ganz anders gearteten Vergangenheit sich in die Gegenwart herein entwickelt hat. Und eigentlich leben wir schon in der Zeit, wo in der mannigfaltigsten Weise für den, der nun in der Lage ist, Selbstbeobachtung, Selbstbesinnung namentlich zu üben, die gegenwärtige Art des Durchlebens von Schlafen, Wachen und Träumen zu inneren Zwiespälten, zu inneren Konflikten führt. Denn geradeso wie abgebröckelt ist von der Menschheit dieser Tiefschlaf, der etwas so Bedeutsames für die Menschheit einer älteren Vergangenheit war, daß die Initiierten diesen Menschen auseinandersetzen mußten die Natur dessen, was der Mensch durchmachte in diesem Tiefschlaf, ebenso bröckelt ab dasjenige, was der heutige Schlaf ist. Nicht als ob der Mensch fortwährend nun in Zukunft träumen würde die ganze Nacht hindurch, aber er macht eigentlich diesen Zustand so durch, daß die Träume dumpfer werden. Wie sie sich seit alten Zeiten auch verwandelt haben aus den Wachträumen zu unserem abstrakten Vorstellen, so werden sich die heutigen chaotischen "Träume abstumpfen, und der Mensch wird eben diesen dumpfen 'Traumschlaf haben. Der Traum wird ihm nicht zum Bewußtsein kommen. Darüber wird der heutige Wachzustand mit dem abstrakten, sogenannten logischen Denken sein. Aber dann wird ein Überbewußtsein kommen, ein Überbewußtsein, das heute schon in die Menschheit hereintritt für den, der diese Dinge versteht. Denn dieses Überbewußtsein, das befaßt sich namentlich mit dem menschlichen Willen und mit der Wirkung, die der Wille haben kann, indem er sich bewegt auf dem Nervensystem. Und wenn Sie heute die ungezügelte Art der menschlichen Willensentfaltung in weitesten Horizonten beobachten, und verstehen das mit der Initiationswissenschaft, dann sehen Sie schon, wie hereindringt in Seelenäußerungen — hereindringt selbst bis in physische Krankheitszustände — dasjenige, was die Ankündigung eines Überbewußtseins ist, eines höheren Bewußtseins als des gewöhnlichen Wachbewußtseins.

[ 18 ] Nur ein unbefangener Blick in die Vergangenheit des Menschen und in das, was die Gegenwart noch nicht hat, kann eigentlich zu einer befriedigenden Anschauung über diese Dinge führen, sonst bleiben auch die historischen Dokumente uralter Zeiten im Grunde genommen Dinge, die man anglotzt, die man aber durchaus nicht versteht. Sehen Sie, es ist heute vormittag in mannigfaltigster Weise von den Gegnern der Anthroposophie gesprochen worden. Manches kann. man diesen Gegnern, allerdings nicht zu ihren Gunsten, aber zu ihrem Guten rechnen. Man muß sich bei dem, was die Gegner über Anthroposophie sagen, wenigstens ich muß mich manchmal an eine Anekdote erinnern, die auf einer Wahrheit beruhen soll, die der berühmte Professor Kuno Fischer immer wieder erzählt hat. Er erzählte, er habe zwei Schulkollegen gehabt, die beide zusammenwohnten, es dürften Brüder gewesen sein; sie hatten einen außerordentlich simplen Onkel. Nun kam die Zeit, wo sie in der Mathematik die Logarithmen lernten und sich die Logarithmentafeln kaufen mußten. Der simple Onkel, der beguckte sich nun diese Logarithmentafeln. Er sah auf diesen Tafeln lauter Zahlen und da fragte er denn diese Schüler, seine Neffen, was denn das für Zahlen wären. Die wußten nun gar nicht, wie sie das dem Onkel beibringen sollten. Endlich fiel einem der Schlingel ein: Ja, das sind alle Hausnummern von Europa. — Der Onkel glaubte das, und fand auch zum Schluß, daß das ganz nützlich wäre, wenn man alle Hausnummern von London, Paris und so weiter gleich wisse. Sehen Sie, wie dieser Onkel vor den Logarithmentafeln gestanden ist, so stehen die Leute, die nicht innerlich hineinschauen in das, was die alten Dokumente verkünden, vor diesen alten Dokumenten. Die jetzigen Forscher, die diese Dokumente wieder herausgeben, sagen schließlich auch nicht viel anderes, als was der Onkel von den Logarithmen gesagt hat, indem er sie für Hausnummern von Europa ansah. Man muß nur wissen, wie weit die Auffassungsweise, die heute dem abstrakten Denken möglich ist, von der geistig-realen Tatsächlichkeit abweicht. Das muß man sich einmal ganz klarmachen. Dazu muß man den Mut haben. Sonst wird man nicht einsehen, wie der Mensch aus einer ganz anders gearteten Vergangenheit sich in die Gegenwart herein entwickelt hat. Und eigentlich leben wir schon in der Zeit, wo in der mannigfaltigsten Weise für den, der nun in der Lage ist, Selbstbeobachtung, Selbstbesinnung namentlich zu üben, die gegenwärtige Art des Durchlebens von Schlafen, Wachen und Träumen zu inneren Zwiespälten, zu inneren Konflikten führt. Denn geradeso wie abgebröckelt ist von der Menschheit dieser Tiefschlaf, der etwas so Bedeutsames für die Menschheit einer älteren Vergangenheit war, daß die Initiierten diesen Menschen auseinandersetzen mußten die Natur dessen, was der Mensch durchmachte in diesem Tiefschlaf, ebenso bröckelt ab dasjenige, was der heutige Schlaf ist. Nicht als ob der Mensch fortwährend nun in Zukunft träumen würde die ganze Nacht hindurch, aber er macht eigentlich diesen Zustand so durch, daß die Träume dumpfer werden. Wie sie sich seit alten Zeiten auch verwandelt haben aus den Wachträumen zu unserem abstrakten Vorstellen, so werden sich die heutigen chaotischen "Träume abstumpfen, und der Mensch wird eben diesen dumpfen 'Traumschlaf haben. Der Traum wird ihm nicht zum Bewußtsein kommen. Darüber wird der heutige Wachzustand mit dem abstrakten, sogenannten logischen Denken sein. Aber dann wird ein Überbewußtsein kommen, ein Überbewußtsein, das heute schon in die Menschheit hereintritt für den, der diese Dinge versteht. Denn dieses Überbewußtsein, das befaßt sich namentlich mit dem menschlichen Willen und mit der Wirkung, die der Wille haben kann, indem er sich bewegt auf dem Nervensystem. Und wenn Sie heute die ungezügelte Art der menschlichen Willensentfaltung in weitesten Horizonten beobachten, und verstehen das mit der Initiationswissenschaft, dann sehen Sie schon, wie hereindringt in Seelenäußerungen — hereindringt selbst bis in physische Krankheitszustände — dasjenige, was die Ankündigung eines Überbewußtseins ist, eines höheren Bewußtseins als des gewöhnlichen Wachbewußtseins.

[ 19 ] Aber es ist heute noch nicht etwas, was die Menschen erleben wollen, weil sie es nur erleben können, wenn sie Geisteswissenschaft zu ihrem Eigentum machen, diese Geisteswissenschaft, in der man ganz anders denken muß), als in der gewöhnlichen Welt gedacht wird, diese Geisteswissenschaft, die wahrlich viel praktischer ist als die heutige theoretische Lebenspraxis, die eigentlich die tiefste Unpraxis ist. Diese Geisteswissenschaft fügt aber zu dem gewöhnlichen abstrakten Denken ein innerlich lebendiges Denken hinzu. Das ist aber nicht etwas, was man willkürlich hinzufügen und willkürlich weglassen kann, das ist etwas, was sich ergibt, weil einfach eine gewisse Organisation in der Menschheit eintritt, die in älteren Zeiten nicht da war, die in der Gegenwart erst in den ersten Anlagen da ist. Die Bewegungsorgane des Menschen, Arme, Beine, Hände, Füße, bekommen eine immer mehr sich ändernde Blutzirkulation, der Mensch verändert sich. Dasjenige aber, was wir heute oftmals als Nervosität bezeichnen, das ist der Ausdruck dessen, daß eigentlich etwas in den Menschen herein will von einem höheren Zustand, der Mensch es aber noch nicht annimmt und dadurch unruhig wird, weil es noch etwas Fremdes ist. Er wird erst zur Ruhe kommen, wenn es ihm eigen sein kann.

[ 19 ] Aber es ist heute noch nicht etwas, was die Menschen erleben wollen, weil sie es nur erleben können, wenn sie Geisteswissenschaft zu ihrem Eigentum machen, diese Geisteswissenschaft, in der man ganz anders denken muß), als in der gewöhnlichen Welt gedacht wird, diese Geisteswissenschaft, die wahrlich viel praktischer ist als die heutige theoretische Lebenspraxis, die eigentlich die tiefste Unpraxis ist. Diese Geisteswissenschaft fügt aber zu dem gewöhnlichen abstrakten Denken ein innerlich lebendiges Denken hinzu. Das ist aber nicht etwas, was man willkürlich hinzufügen und willkürlich weglassen kann, das ist etwas, was sich ergibt, weil einfach eine gewisse Organisation in der Menschheit eintritt, die in älteren Zeiten nicht da war, die in der Gegenwart erst in den ersten Anlagen da ist. Die Bewegungsorgane des Menschen, Arme, Beine, Hände, Füße, bekommen eine immer mehr sich ändernde Blutzirkulation, der Mensch verändert sich. Dasjenige aber, was wir heute oftmals als Nervosität bezeichnen, das ist der Ausdruck dessen, daß eigentlich etwas in den Menschen herein will von einem höheren Zustand, der Mensch es aber noch nicht annimmt und dadurch unruhig wird, weil es noch etwas Fremdes ist. Er wird erst zur Ruhe kommen, wenn es ihm eigen sein kann.

[ 20 ] So kann man hinschauen auf weitere drei Bewußtseinszustände, die dem Menschengeschlecht in Aussicht stehen, gegen die sich das Menschengeschlecht zuarbeitet: ein dumpfes Traumschlafen, ein Wachsein, ein Überwachsein. Und alles dasjenige, was selbst in den äußeren Lebensverhältnissen heute die Menschheit so durchrüttelt und durchschüttelt, hat seinen Grund darin, daß sich die Menschheit heute noch größtenteils unbewußt wehrt gegen dasjenige, was da aus geistigen Welten über die Menschheit kommen will. Aber es will kommen, es will herein. Namentlich an den Willen des Menschen will es heran. In einer ganz anderen Weise als der Mensch heute will, wird der Mensch verstehen müssen, daß da, wo Geistiges beginnt, die Sache über die Region geht, wo Protest gegen die Naturgesetze ausgesprochen wird. Daher wird der Mensch über das Mysterium von Golgatha auch nur zu einem Zukunftsverständnis kommen, wenn er sich aufschwingen wird können zu der Erkenntnis, daß dasjenige, was der Inhalt des Mysteriums von Golgatha ist, nicht mit den Naturerkenntnissen begriffen werden kann, daß es aber begriffen werden kann mit dem, was man in sich ausbildet, wenn man mit richtigem Verständnis über die Stufe des bloßen 'Träumens, das den Naturprozeß ankündigt, in das Verständnis des anderen Ufers des Daseins eindringt. Denn von dem geistigen Ufer des Daseins müssen die Verständniselemente geholt werden, die dem Zukunftsverständnis für das Mysterium von Golgatha entsprechen. Es kommt durchaus darauf an, daß man in dieser Weise hineinstellen kann dasjenige, was der Mensch in der Gegenwart erleben kann, zwischen die Vergangenheit und die Zukunft, daß sich der Mensch fühlen lernt als einen Übergang aus dieser Vergangenheit in die Zukunft. Dann wird er auch immer mehr und mehr Verständnis gewinnen können für den Gebrauch der geistigen Wahrheiten neben den natürlichen Wahrheiten.

[ 20 ] So kann man hinschauen auf weitere drei Bewußtseinszustände, die dem Menschengeschlecht in Aussicht stehen, gegen die sich das Menschengeschlecht zuarbeitet: ein dumpfes Traumschlafen, ein Wachsein, ein Überwachsein. Und alles dasjenige, was selbst in den äußeren Lebensverhältnissen heute die Menschheit so durchrüttelt und durchschüttelt, hat seinen Grund darin, daß sich die Menschheit heute noch größtenteils unbewußt wehrt gegen dasjenige, was da aus geistigen Welten über die Menschheit kommen will. Aber es will kommen, es will herein. Namentlich an den Willen des Menschen will es heran. In einer ganz anderen Weise als der Mensch heute will, wird der Mensch verstehen müssen, daß da, wo Geistiges beginnt, die Sache über die Region geht, wo Protest gegen die Naturgesetze ausgesprochen wird. Daher wird der Mensch über das Mysterium von Golgatha auch nur zu einem Zukunftsverständnis kommen, wenn er sich aufschwingen wird können zu der Erkenntnis, daß dasjenige, was der Inhalt des Mysteriums von Golgatha ist, nicht mit den Naturerkenntnissen begriffen werden kann, daß es aber begriffen werden kann mit dem, was man in sich ausbildet, wenn man mit richtigem Verständnis über die Stufe des bloßen 'Träumens, das den Naturprozeß ankündigt, in das Verständnis des anderen Ufers des Daseins eindringt. Denn von dem geistigen Ufer des Daseins müssen die Verständniselemente geholt werden, die dem Zukunftsverständnis für das Mysterium von Golgatha entsprechen. Es kommt durchaus darauf an, daß man in dieser Weise hineinstellen kann dasjenige, was der Mensch in der Gegenwart erleben kann, zwischen die Vergangenheit und die Zukunft, daß sich der Mensch fühlen lernt als einen Übergang aus dieser Vergangenheit in die Zukunft. Dann wird er auch immer mehr und mehr Verständnis gewinnen können für den Gebrauch der geistigen Wahrheiten neben den natürlichen Wahrheiten.

[ 21 ] Das, was die Menschen beirrt, stellt sich einem ja als ein leicht begreiflicher Irrtum dar, weil die Dinge, die falsch sind, so ungeheuer logisch sein können. Man bedenkt das heute nicht, daß die Dinge, die falsch sind, so ungeheuer logisch sein können. Was könnte denn logischer sein, als wenn man beobachtet, wie lange ungefähr dieses oder jenes Gesteinssediment braucht, um zu der oder jener Dicke zu kommen; was könnte denn natürlicher sein, als daß man dann ausrechnet, wenn irgendeine geologische Schichte soundso dick ist, daß man multipliziert die kleine Dicke mit der Zahl, berechnet wie oft sie in der großen Dicke enthalten ist, und man bekommt soundso viele Jahre heraus: zwanzig Millionen Jahre, zweihundert Millionen Jahre liegt eine Epoche — Silur, Devon, oder irgendeine Epoche zurück. Oh, die Rechnung ist so grandios richtig, es ist nichts dagegen einzuwenden, aber hier ist es gerade die vermeintliche Logik, die täuscht.

[ 21 ] Das, was die Menschen beirrt, stellt sich einem ja als ein leicht begreiflicher Irrtum dar, weil die Dinge, die falsch sind, so ungeheuer logisch sein können. Man bedenkt das heute nicht, daß die Dinge, die falsch sind, so ungeheuer logisch sein können. Was könnte denn logischer sein, als wenn man beobachtet, wie lange ungefähr dieses oder jenes Gesteinssediment braucht, um zu der oder jener Dicke zu kommen; was könnte denn natürlicher sein, als daß man dann ausrechnet, wenn irgendeine geologische Schichte soundso dick ist, daß man multipliziert die kleine Dicke mit der Zahl, berechnet wie oft sie in der großen Dicke enthalten ist, und man bekommt soundso viele Jahre heraus: zwanzig Millionen Jahre, zweihundert Millionen Jahre liegt eine Epoche — Silur, Devon, oder irgendeine Epoche zurück. Oh, die Rechnung ist so grandios richtig, es ist nichts dagegen einzuwenden, aber hier ist es gerade die vermeintliche Logik, die täuscht.

[ 22 ] Mich erinnert immer diese Logik an die Logik, die einmal einer der größten Mathematiker aller Zeiten für sein eigenes Leben ausgeführt hat. Er wurde, als er schon ein ziemliches Alter erreicht hatte, plötzlich lungenkrank, und durch seine mannigfaltigen Beziehungen, die er zu Medizinern hatte, kam er darauf, wieviel kleine Abszesse er aushusten müsse, um diese Lungenkrankheit wegzubringen. Das war so eine Rechnung, wie sich die Lunge weiterentwickelt: er brachte fünfzehn Jahre heraus. Er wird also fünfzehn Jahre leben, dann wird es gut sein. Nun starb er zwei Jahre danach. Ja, sehen Sie, das ist die Wirklichkeit. Das andere ist die Logik gewesen. Und in einem ebensolchen Verhältnis steht die Wirklichkeit auch im ganzen kosmischen All zu der Logik. Die Dinge sind so ungemein leicht zu beweisen, weil die Logik nicht angegriffen werden soll, sondern verteidigt werden soll. Es soll ausdrücklich gesagt werden, es stimmt. Es stimmt ebenso, wie wenn einer berechnet: Mein Herz macht eine bestimmte Entwickelung durch. Es wird in einer gewissen Zeit einen bestimmten Zustand erreicht haben. Ich’ rechne aus, wie lange das dauern kann, bis es in diesen bestimmten Zustand kommt, und bekomme dreihundert Jahre heraus. Dann rechne ich dreihundert Jahre zurück, rechne aus, wie mein Herz vor dreihundert Jahren ausgeschaut hat. — Nur habe ich als physischer Mensch mit diesem physischen Herzen nicht gelebt vor dreihundert Jahren! Und nach dreihundert Jahren werde ich auch nicht mehr leben. Aber ebensowenig hat die Erde gelebt in den Zeiträumen, die die Geologen ausrechnen, denn was die Erde für Schicksale durchgemacht hat, muß nach der Geistesordnung erkannt werden. Das ist das Berückende in der Wissenschaft der Gegenwart, daß die Dinge, die Illusionen sind, sich so strikte beweisen lassen, aber daß die Beweise nichts aussagen über die Wahrheit. So daß die Menschheit heute — sie bringt sich das nicht zum Bewußtsein, weil sie nicht will, aber unterbewußt — wirklich lebt in der Angst, daß ihr die Wahrheit eigentlich verlorengehen muß. Und diese Angst sehen wir heute schon aus zahlreichen menschlichen Äußerungen herausschimmern. Im Grunde ist es denjenigen, die heute aus dem Materialismus heraus Weltanschauungen formen, doch nicht recht geheuer. Sie empfinden überall eine gewisse Ängstlichkeit gegenüber den Grenzen, die sie auf der einen Seite nicht überschreiten wollen, die ihnen auf der andern Seite aber doch furchtbare Hindernisse für ein vollmenschliches Leben darstellen. Die Menschen fühlen schon, daß sie, wenn sie dasjenige annehmen, was bloß Naturordnung ist, sie eigentlich damit nicht leben können, daß vor allen Dingen das, was so als Naturordnung in unsere Vorstellungen aufgenommen wird, nicht wiederum führen kann zu einem wirklich innerlich künstlerischen und religiösen Empfinden und Vorstellen. Wir dürfen nicht vergessen, daß dasjenige, was heute als Religionssystem vorhanden ist, herstammt aus jenen Zeiten, in denen die Menschen auf die Ihnen geschilderte Weise das Kosmische aus dem tiefen Schlaf ergründet haben. Aus jenen alten Zeiten stammen noch unsere sämtlichen religiösen Einrichtungen her. Die religiösen Einrichtungen, nicht das Mysterium von Golgatha. Das ist nicht abhängig von irgendeiner religiösen Ansicht, das stellt sich als eine Tatsache in die Erdenentwickelung hinein. Das muß begriffen werden auch von jenen Bewußtseinszuständen, die eben erst in Vorbereitung sind. Aber bis jetzt ist das Religionsschöpferische in der Menschheit seit vielen Jahrhunderten, ja Jahrtausenden unfruchtbar geblieben; unfruchtbar geblieben das wirklich künstlerische Vermögen. Denn wir leben eigentlich, mit einzelnen Ausnahmen von Renaissancen, wir leben nicht in ursprünglich elementarem Schaffen. Aber es will in die Gegenwart herein. Und jene menschliche Beunruhigung, die sich heute als die vorzüglichste Zivilisationserscheinung zeigt, die ist es, welche sozusagen darstellt die Geburtswehen einer neuen Zeit, einer neuen Zeit auf wissenschaftlichem, einer neuen Zeit auf künstlerischem, einer neuen Zeit auf sozialem, religiösem, moralischem Boden, der Zukunft des Menschen, die uns vor allen Dingen auf dem Herzen liegen muß, denn ihr muß die Menschheit entgegenleben. In keiner Zeit war das menschliche Ohr weniger geneigt, die Initiationswissenschaft zu hören, als in der heutigen. Man kann in einer gewissen Weise auch sagen, in keiner Zeit hatte die Menschheit das nötiger als in der heutigen.

[ 22 ] Mich erinnert immer diese Logik an die Logik, die einmal einer der größten Mathematiker aller Zeiten für sein eigenes Leben ausgeführt hat. Er wurde, als er schon ein ziemliches Alter erreicht hatte, plötzlich lungenkrank, und durch seine mannigfaltigen Beziehungen, die er zu Medizinern hatte, kam er darauf, wieviel kleine Abszesse er aushusten müsse, um diese Lungenkrankheit wegzubringen. Das war so eine Rechnung, wie sich die Lunge weiterentwickelt: er brachte fünfzehn Jahre heraus. Er wird also fünfzehn Jahre leben, dann wird es gut sein. Nun starb er zwei Jahre danach. Ja, sehen Sie, das ist die Wirklichkeit. Das andere ist die Logik gewesen. Und in einem ebensolchen Verhältnis steht die Wirklichkeit auch im ganzen kosmischen All zu der Logik. Die Dinge sind so ungemein leicht zu beweisen, weil die Logik nicht angegriffen werden soll, sondern verteidigt werden soll. Es soll ausdrücklich gesagt werden, es stimmt. Es stimmt ebenso, wie wenn einer berechnet: Mein Herz macht eine bestimmte Entwickelung durch. Es wird in einer gewissen Zeit einen bestimmten Zustand erreicht haben. Ich’ rechne aus, wie lange das dauern kann, bis es in diesen bestimmten Zustand kommt, und bekomme dreihundert Jahre heraus. Dann rechne ich dreihundert Jahre zurück, rechne aus, wie mein Herz vor dreihundert Jahren ausgeschaut hat. — Nur habe ich als physischer Mensch mit diesem physischen Herzen nicht gelebt vor dreihundert Jahren! Und nach dreihundert Jahren werde ich auch nicht mehr leben. Aber ebensowenig hat die Erde gelebt in den Zeiträumen, die die Geologen ausrechnen, denn was die Erde für Schicksale durchgemacht hat, muß nach der Geistesordnung erkannt werden. Das ist das Berückende in der Wissenschaft der Gegenwart, daß die Dinge, die Illusionen sind, sich so strikte beweisen lassen, aber daß die Beweise nichts aussagen über die Wahrheit. So daß die Menschheit heute — sie bringt sich das nicht zum Bewußtsein, weil sie nicht will, aber unterbewußt — wirklich lebt in der Angst, daß ihr die Wahrheit eigentlich verlorengehen muß. Und diese Angst sehen wir heute schon aus zahlreichen menschlichen Äußerungen herausschimmern. Im Grunde ist es denjenigen, die heute aus dem Materialismus heraus Weltanschauungen formen, doch nicht recht geheuer. Sie empfinden überall eine gewisse Ängstlichkeit gegenüber den Grenzen, die sie auf der einen Seite nicht überschreiten wollen, die ihnen auf der andern Seite aber doch furchtbare Hindernisse für ein vollmenschliches Leben darstellen. Die Menschen fühlen schon, daß sie, wenn sie dasjenige annehmen, was bloß Naturordnung ist, sie eigentlich damit nicht leben können, daß vor allen Dingen das, was so als Naturordnung in unsere Vorstellungen aufgenommen wird, nicht wiederum führen kann zu einem wirklich innerlich künstlerischen und religiösen Empfinden und Vorstellen. Wir dürfen nicht vergessen, daß dasjenige, was heute als Religionssystem vorhanden ist, herstammt aus jenen Zeiten, in denen die Menschen auf die Ihnen geschilderte Weise das Kosmische aus dem tiefen Schlaf ergründet haben. Aus jenen alten Zeiten stammen noch unsere sämtlichen religiösen Einrichtungen her. Die religiösen Einrichtungen, nicht das Mysterium von Golgatha. Das ist nicht abhängig von irgendeiner religiösen Ansicht, das stellt sich als eine Tatsache in die Erdenentwickelung hinein. Das muß begriffen werden auch von jenen Bewußtseinszuständen, die eben erst in Vorbereitung sind. Aber bis jetzt ist das Religionsschöpferische in der Menschheit seit vielen Jahrhunderten, ja Jahrtausenden unfruchtbar geblieben; unfruchtbar geblieben das wirklich künstlerische Vermögen. Denn wir leben eigentlich, mit einzelnen Ausnahmen von Renaissancen, wir leben nicht in ursprünglich elementarem Schaffen. Aber es will in die Gegenwart herein. Und jene menschliche Beunruhigung, die sich heute als die vorzüglichste Zivilisationserscheinung zeigt, die ist es, welche sozusagen darstellt die Geburtswehen einer neuen Zeit, einer neuen Zeit auf wissenschaftlichem, einer neuen Zeit auf künstlerischem, einer neuen Zeit auf sozialem, religiösem, moralischem Boden, der Zukunft des Menschen, die uns vor allen Dingen auf dem Herzen liegen muß, denn ihr muß die Menschheit entgegenleben. In keiner Zeit war das menschliche Ohr weniger geneigt, die Initiationswissenschaft zu hören, als in der heutigen. Man kann in einer gewissen Weise auch sagen, in keiner Zeit hatte die Menschheit das nötiger als in der heutigen.

[ 23 ] Das ist der Grund, warum ich gerade zu dieser Tagung über Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft des Menschen von dem Gesichtspunkte der Bewußtseinsentwickelung einmal sprechen wollte. Natürlich konnte das in drei Vorträgen nur skizzenhaft geschehen, aber was gesagt worden ist, kann ja weiter ausgebaut werden in jedem einzelnen Gemüt. Denn mir scheint, daß gerade das Bewußtsein, weil es dem Menschen am nächsten dem eigenen Wesen liegt, auch dasjenige ist, was am leichtesten im einzelnen Menschen fruchtbar werden kann, ihn anregen kann, daß er immer mehr und mehr hineinkommt in das geistige Erleben selbst. Und dieser Art des geistigen Erlebens. — nicht des materialistischen — bedarf es beim Menschen der Gegenwart, damit dieser Mensch der Gegenwart werden könne der Mensch der Zukunft. Aber es sind ja wirklich alle, ich möchte sagen, inneren Lebensgewohnheiten des Menschen, dadurch, daß er in sein ohnmächtiges abstraktes Denken und Vorstellen hineingekommen ist, zunächst so geworden, daß ihm wirklich, wenn er aufgeht in der Bildung der Gegenwart, das Reden vom Geistigen den Eindruck macht wie die Logarithmentafeln dem simplen Onkel, und daß er sich von dem, was in der Gegenwart doch immerhin da oder dort als gewaltige Wahrzeichen auftritt für ein Hereinwollen des Geistigen, daß er das sich so mißdeutet, als ob diese Dinge die Hausnummern Europas wären. Das ist ein etwas weit hergeholter Vergleich, aber im Zusammenhang mit dem, was ich gesagt habe, verständlicher Vergleich. Denn das, was äußerlich heute so vielfach Lebensgewohnbheit ist, ich möchte besser sagen, Lebensbeurteilungsgewohnbheit ist, das drängt sich auch hinein in das allerwissenschaftlichste Denken, und wird dort nicht nur Philistrosität, sondern Philistrosität und niederes banausisches Menschentum in allerhöchster Potenz, wird Moralheuchelei, die sich wissenschaftlich umbrämt und umkleidet. Und wenn einmal sich etwas hervorwagen will, wenn auch nur in einer leisen Spur, dann wird es heute als etwas aufgenommen, was man eigentlich nach der materialistischen Ansicht mit klarem Menschenverstand nur «verrückt» nennen kann.

[ 23 ] Das ist der Grund, warum ich gerade zu dieser Tagung über Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft des Menschen von dem Gesichtspunkte der Bewußtseinsentwickelung einmal sprechen wollte. Natürlich konnte das in drei Vorträgen nur skizzenhaft geschehen, aber was gesagt worden ist, kann ja weiter ausgebaut werden in jedem einzelnen Gemüt. Denn mir scheint, daß gerade das Bewußtsein, weil es dem Menschen am nächsten dem eigenen Wesen liegt, auch dasjenige ist, was am leichtesten im einzelnen Menschen fruchtbar werden kann, ihn anregen kann, daß er immer mehr und mehr hineinkommt in das geistige Erleben selbst. Und dieser Art des geistigen Erlebens. — nicht des materialistischen — bedarf es beim Menschen der Gegenwart, damit dieser Mensch der Gegenwart werden könne der Mensch der Zukunft. Aber es sind ja wirklich alle, ich möchte sagen, inneren Lebensgewohnheiten des Menschen, dadurch, daß er in sein ohnmächtiges abstraktes Denken und Vorstellen hineingekommen ist, zunächst so geworden, daß ihm wirklich, wenn er aufgeht in der Bildung der Gegenwart, das Reden vom Geistigen den Eindruck macht wie die Logarithmentafeln dem simplen Onkel, und daß er sich von dem, was in der Gegenwart doch immerhin da oder dort als gewaltige Wahrzeichen auftritt für ein Hereinwollen des Geistigen, daß er das sich so mißdeutet, als ob diese Dinge die Hausnummern Europas wären. Das ist ein etwas weit hergeholter Vergleich, aber im Zusammenhang mit dem, was ich gesagt habe, verständlicher Vergleich. Denn das, was äußerlich heute so vielfach Lebensgewohnbheit ist, ich möchte besser sagen, Lebensbeurteilungsgewohnbheit ist, das drängt sich auch hinein in das allerwissenschaftlichste Denken, und wird dort nicht nur Philistrosität, sondern Philistrosität und niederes banausisches Menschentum in allerhöchster Potenz, wird Moralheuchelei, die sich wissenschaftlich umbrämt und umkleidet. Und wenn einmal sich etwas hervorwagen will, wenn auch nur in einer leisen Spur, dann wird es heute als etwas aufgenommen, was man eigentlich nach der materialistischen Ansicht mit klarem Menschenverstand nur «verrückt» nennen kann.

[ 24 ] Sehen Sie, auch dafür gibt es eine hübsche, auf Realität beruhende Geschichte. Es wurde ja im Beginne der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts der alt gewordene Philosoph Schelling von München nach Berlin berufen. Er hatte lange geschwiegen. Ein großer Ruf ging ihm ‚ voraus. Er sollte dort vortragen positive Philosophie im Gegensatz zu der negativen, wie er sie selber nannte. Wenigstens die Entwickelung des geistigen Lebens der Menschheit, die Entwickelung des Mysterienwesens, Religionswesens, wollte er in einer unendlich viel tieferen Weise dazumal an der Berliner Universität entwickeln, als es von anderen bis heute geschehen ist. Als Schelling seine erste Vorlesung in Berlin hielt, da saßen in den ersten Reihen die erleuchtetsten Köpfe. Da saßen noch lange nicht die Studenten; da saßen die Professoren aller Fakultäten, die Leiter des Unterrichtswesens, die glänzendsten Vertreter des Geisteslebens, dann kamen erst ganz hinten die Studenten. Und man wartete tatsächlich sogar — insofern man da ehrlich warten konnte —, man wartete ehrlich auf dasjenige, was dieser große Ruf, der vorausgegangen war, nun zur Erfüllung bringen würde. Die Gesichter wurden immer länger und länger, als Schelling seine erste Vorlesung hielt. In dieser ersten Vorlesung sprach Schelling wirklich in einer besonderen Art vom Geiste, ja, er sprach vom Geist dazumal, wo das materialistische Zeitalter seine Kulmination vorbereitete, wo es gerade ankam in sein stärkstes Blühen. Er sprach vom Geist. Die Gesichter wurden immer länger und länger, man wußte nicht, was er will. Man wußte schlechterdings nicht, was er will. Der später berühmte Philosoph Trendelenburg saß in diesen ersten Reihen. Er sagte: Ja, er glaube ein ganz Weniges verstanden zu haben, das andere habe er alles nicht verstanden von dieser Philosophie, aber er sei nicht sicher, ob er dieses ganz klein Wenige verstanden habe. — Aber sehen Sie, eines Tages begegnete einer von denen, die diese Vorlesung gehört hatten, einem anderen, der auch dabei war. Die Leute hatten sich — und diese zwei Bekannten auch — tagelang die Köpfe zerbrochen: Warum ist denn eigentlich der Schelling nach Berlin berufen worden, denn er redet doch etwas, was kein Mensch verstehen kann? — Nun, der Freund konnte es dem andern sagen, er konnte ihm nämlich ankündigen, daß sich Schellings Tochter verlobt hatte mit dem Sohne des Unterrichtsministers. Nun konnte man begreifen, warum der Schelling nach Berlin gestrebt hat, jetzt hatte das Ganze einen realen Inhalt.

[ 24 ] Sehen Sie, auch dafür gibt es eine hübsche, auf Realität beruhende Geschichte. Es wurde ja im Beginne der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts der alt gewordene Philosoph Schelling von München nach Berlin berufen. Er hatte lange geschwiegen. Ein großer Ruf ging ihm ‚ voraus. Er sollte dort vortragen positive Philosophie im Gegensatz zu der negativen, wie er sie selber nannte. Wenigstens die Entwickelung des geistigen Lebens der Menschheit, die Entwickelung des Mysterienwesens, Religionswesens, wollte er in einer unendlich viel tieferen Weise dazumal an der Berliner Universität entwickeln, als es von anderen bis heute geschehen ist. Als Schelling seine erste Vorlesung in Berlin hielt, da saßen in den ersten Reihen die erleuchtetsten Köpfe. Da saßen noch lange nicht die Studenten; da saßen die Professoren aller Fakultäten, die Leiter des Unterrichtswesens, die glänzendsten Vertreter des Geisteslebens, dann kamen erst ganz hinten die Studenten. Und man wartete tatsächlich sogar — insofern man da ehrlich warten konnte —, man wartete ehrlich auf dasjenige, was dieser große Ruf, der vorausgegangen war, nun zur Erfüllung bringen würde. Die Gesichter wurden immer länger und länger, als Schelling seine erste Vorlesung hielt. In dieser ersten Vorlesung sprach Schelling wirklich in einer besonderen Art vom Geiste, ja, er sprach vom Geist dazumal, wo das materialistische Zeitalter seine Kulmination vorbereitete, wo es gerade ankam in sein stärkstes Blühen. Er sprach vom Geist. Die Gesichter wurden immer länger und länger, man wußte nicht, was er will. Man wußte schlechterdings nicht, was er will. Der später berühmte Philosoph Trendelenburg saß in diesen ersten Reihen. Er sagte: Ja, er glaube ein ganz Weniges verstanden zu haben, das andere habe er alles nicht verstanden von dieser Philosophie, aber er sei nicht sicher, ob er dieses ganz klein Wenige verstanden habe. — Aber sehen Sie, eines Tages begegnete einer von denen, die diese Vorlesung gehört hatten, einem anderen, der auch dabei war. Die Leute hatten sich — und diese zwei Bekannten auch — tagelang die Köpfe zerbrochen: Warum ist denn eigentlich der Schelling nach Berlin berufen worden, denn er redet doch etwas, was kein Mensch verstehen kann? — Nun, der Freund konnte es dem andern sagen, er konnte ihm nämlich ankündigen, daß sich Schellings Tochter verlobt hatte mit dem Sohne des Unterrichtsministers. Nun konnte man begreifen, warum der Schelling nach Berlin gestrebt hat, jetzt hatte das Ganze einen realen Inhalt.

[ 25 ] Ja, es sieht allerdings paradox aus, wenn man solche Dinge erzählt, aber man muß es so erzählen, denn so weit liegt dasjenige, was gerade die charakteristische Denkweise der Gegenwart erfassen kann, eben vorläufig ab von dem, was wahrhaftig nicht durch eine Willkür als Geisteswissenschaft auf die Zukunft hinweist, sondern weil es eine innere menschliche Notwendigkeit ist, weil das Menschengeschlecht der Dekadenz verfallen muß, wenn es nicht zu einer neuen Geistigkeit kommt. Denn nur diese neue Geistigkeit wird wiederum die drei vollen Zustände des Bewußtseins, zu denen es in der Zukunft kommen muß — der abgedämpfte Traumschlaf, das gewöhnliche Wachen und das Überwachen —, erleben können. Sonst wird der Mensch seine Menschheit in der Zukunft auf der Erde nicht erleben können. Denn die Gottheit will diesen zukünftigen dreigliedrigen Menschen aus dem gegenwärtigen dreigliedrigen Menschen heraus bilden, wie sie den gegenwärtigen dreigliedrigen Menschen, den träumenden, schlafenden, wachenden Menschen, aus dem alten bildträumenden, schlafenden mit dem Nachgefühl im Wachen, und tiefschlafenden Menschen heraus gebildet hat. Und der Mensch ist heute im Zeitalter der Freiheit —. das habe ich für Anthroposophen ja oftmals auseinandergesetzt — angekommen. Er muß sich dazu entschließen, aus eigener freier Erkenntnis entgegenzuleben dem, was die Gottheit der. Welt über ihn bestimmt hat.

[ 25 ] Ja, es sieht allerdings paradox aus, wenn man solche Dinge erzählt, aber man muß es so erzählen, denn so weit liegt dasjenige, was gerade die charakteristische Denkweise der Gegenwart erfassen kann, eben vorläufig ab von dem, was wahrhaftig nicht durch eine Willkür als Geisteswissenschaft auf die Zukunft hinweist, sondern weil es eine innere menschliche Notwendigkeit ist, weil das Menschengeschlecht der Dekadenz verfallen muß, wenn es nicht zu einer neuen Geistigkeit kommt. Denn nur diese neue Geistigkeit wird wiederum die drei vollen Zustände des Bewußtseins, zu denen es in der Zukunft kommen muß — der abgedämpfte Traumschlaf, das gewöhnliche Wachen und das Überwachen —, erleben können. Sonst wird der Mensch seine Menschheit in der Zukunft auf der Erde nicht erleben können. Denn die Gottheit will diesen zukünftigen dreigliedrigen Menschen aus dem gegenwärtigen dreigliedrigen Menschen heraus bilden, wie sie den gegenwärtigen dreigliedrigen Menschen, den träumenden, schlafenden, wachenden Menschen, aus dem alten bildträumenden, schlafenden mit dem Nachgefühl im Wachen, und tiefschlafenden Menschen heraus gebildet hat. Und der Mensch ist heute im Zeitalter der Freiheit —. das habe ich für Anthroposophen ja oftmals auseinandergesetzt — angekommen. Er muß sich dazu entschließen, aus eigener freier Erkenntnis entgegenzuleben dem, was die Gottheit der. Welt über ihn bestimmt hat.

[ 26 ] Dann wird in der richtigen Weise heute nicht nur gedacht, sondern vor allen Dingen empfunden werden können über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen. Dann wird aber auch gewollt werden können mit Bezug auf das Leben auf Erden im Sinne desjenigen, was eigentlich göttlich-geistige Weltenordnung sein soll von der Vergangenheit aus durch die Gegenwart hindurch, in die Zukunft hinein.

[ 26 ] Dann wird in der richtigen Weise heute nicht nur gedacht, sondern vor allen Dingen empfunden werden können über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen. Dann wird aber auch gewollt werden können mit Bezug auf das Leben auf Erden im Sinne desjenigen, was eigentlich göttlich-geistige Weltenordnung sein soll von der Vergangenheit aus durch die Gegenwart hindurch, in die Zukunft hinein.

[ 27 ] Davon wollte ich sprechen. Mit diesen Worten möchte ich diese Betrachtungen abschließen, möchte nur zum Schluß noch wünschen, daß nun morgen eine solche Diskussion hier beginnt, daß innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft etwas zu merken ist davon, daß wirklich jetzt gewollt werde in solcher Weise diese Gesellschaft zu gestalten, daß in dieser Gesellschaft gerade ein rechtes lebendiges Bewußtsein vorhanden sei von dem, was der Vollmensch sein soll, der Vollmensch, der sich richtig verstehen muß als der Mensch der Vergangenheit, der Mensch der Gegenwart, der Mensch der Zukunft. Denn diese drei sind auch eins. Und dasjenige, was der Mensch in Vergangenheit gewesen ist, in Gegenwart ist, was er in Zukunft sein wird, das wird erst einmal, ich möchte sagen, vor der göttlichen Weltenordnung umfassen den ganzen Anthropos. Aber er wird angestrebt werden müssen dadurch, daß eine enthusiastisch mit vollem Herzen ergriffene Anthroposophie hinleitet zu dem rechten, wahren Anthropos, dem totalen Menschen, dem Vollmenschen.

[ 27 ] Davon wollte ich sprechen. Mit diesen Worten möchte ich diese Betrachtungen abschließen, möchte nur zum Schluß noch wünschen, daß nun morgen eine solche Diskussion hier beginnt, daß innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft etwas zu merken ist davon, daß wirklich jetzt gewollt werde in solcher Weise diese Gesellschaft zu gestalten, daß in dieser Gesellschaft gerade ein rechtes lebendiges Bewußtsein vorhanden sei von dem, was der Vollmensch sein soll, der Vollmensch, der sich richtig verstehen muß als der Mensch der Vergangenheit, der Mensch der Gegenwart, der Mensch der Zukunft. Denn diese drei sind auch eins. Und dasjenige, was der Mensch in Vergangenheit gewesen ist, in Gegenwart ist, was er in Zukunft sein wird, das wird erst einmal, ich möchte sagen, vor der göttlichen Weltenordnung umfassen den ganzen Anthropos. Aber er wird angestrebt werden müssen dadurch, daß eine enthusiastisch mit vollem Herzen ergriffene Anthroposophie hinleitet zu dem rechten, wahren Anthropos, dem totalen Menschen, dem Vollmenschen.