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The Development of Human Consciousness
GA 228

16 September 1923, Dornach

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Der Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Gesichtspunkt der Bewusstseinsentwickelung III

Humanity in the Past, Present, and Future from the Perspective of the Development of Consciousness III

[ 1 ] Sie werden aus den gestrigen Ausführungen haben entnehmen können, daß ein gewisser Bewußtseinszustand, der dem Menschen in älteren Zeiten noch Erlebnis war, gewissermaßen verlorengegangen ist. Ich sagte ja, daß diese besondere Art des wachen Bewußtseins, wie wir es heute haben, das vorzugsweise in mehr oder weniger abstrakten Vorstellungen, oder wenigstens in schattenhaften Bildern lebt, daß dieses Wachbewußtsein einmal nicht in derselben Form vorhanden war, dafür aber eine Art wachendes Träumen, träumendes Wachen, das aber nicht so empfunden werden konnte wie heute der Traum, sondern wie der Inbegriff von lebendigen Bildern, die einer mehr oder weniger geistigen Wirklichkeit entsprachen. Daß dann vorhanden war eine Art Schlafzustand, der traumlos war, aus dem aber ein Nacherleben so blieb, wie ich es Ihnen dargestellt habe. Darüber hinaus gab es aber einen dritten Bewußtseinszustand, jenen Bewußtseinszustand, der im Nacherleben eigentlich empfunden wurde wie ein Ruhen in dem Wellen der Mondenkräfte, die unter die Erde untertauchen, und die eigentlich in einer gewissen Weise den Menschen hinwegheben über die irdische Schwere und ihn sein kosmisches Dasein empfinden lassen. Das war ja das Wesentliche der alten Seelenverfassungen, daß sie das kosmische Dasein des Menschen mitempfanden. Heute, in dem gewöhnlichen Bewußtsein des Menschen, ist von diesem alten Bewußtseinszustand eigentlich nur ein schattenhafter Nachglanz geblieben, ein schattenhafter Nachglanz, der sogar von den allerwenigsten Menschen bemerkt wird, der einfach vor dem menschlichen Bewußtsein vorübergeht, ohne daß man darauf aufmerksam wird.

[ 1 ] As you may have gathered from yesterday’s remarks, a certain state of consciousness—which was still a lived experience for people in earlier times—has, in a sense, been lost. I did say that this particular kind of waking consciousness, as we have it today—which exists primarily in more or less abstract concepts, or at least in shadowy images—that this waking consciousness was not always present in the same form, but instead there was a kind of waking dream, a dreaming wakefulness—which, however, could not be experienced as a dream is today, but rather as the embodiment of living images corresponding to a more or less spiritual reality. There was also a kind of sleep state that was dreamless, yet from which a lingering aftereffect remained, as I have described to you. Beyond that, however, there was a third state of consciousness—that state of consciousness which, in the after-experience, was actually perceived as a resting in the waves of the lunar forces that submerge beneath the earth, and which, in a certain way, actually lift the human being above earthly heaviness and allow him to perceive his cosmic existence. That was, after all, the essence of the ancient states of the soul: that they shared in the perception of the human being’s cosmic existence. Today, in the ordinary human consciousness, only a shadowy afterglow of this ancient state of consciousness remains—a shadowy afterglow that is noticed by only the very few, one that simply passes before human consciousness without anyone taking notice of it.

[ 2 ] Ich will einmal diesen Bewußstseinsrest aus uralten Zeiten charakterisieren. Wenn der Mensch heute seine Träume betrachtet, so wird er finden, daß in diese Träume, die eine Art chaotischen Charakters annehmen, aus seinen Erlebnissen in diesem Erdendasein das Mannigfaltigste einmündet. Längst Vergessenes taucht in den Traumerlebnissen auf, in mannigfaltiger Weise verändert; sogar im Leben Unbeachtetes kann in den Traumerlebnissen heraufkommen. Und auch die Zeiten, in denen die Erlebnisse geschehen sind, werden ja in mannigfaltigster Weise durcheinander gewürfelt. Aber wenn man dann genauer eingeht auf diese Traumeserlebnisse, so stellt sich doch etwas ganz Eigentümliches heraus. Man wird finden, daß im wesentlichen doch alles, was da in dem Trauminhalt herauftaucht, irgendwie, wenn auch noch so entfernt, anknüpft an die Erlebnisse der letzten drei Tage. Sie können träumen, daß Sie wieder vor sich haben etwas, was Sie vielleicht vor fünfundzwanzig Jahren erlebt haben. In aller Lebendigkeit steht es vor Ihnen, vielleicht etwas verwandelt, aber es ist da. Doch wenn Sie genauer zusehen, werden Sie immer Entdeckungen von der folgenden Art machen: In diesen Traum, der ein Erlebnis von vor fünfundzwanzig Jahren heraufbringt, spielt eine Persönlichkeit hinein, die, sagen wir, um etwas recht Abstraktes zu haben, Eduard heißt. Sie werden wenigstens finden, daß Sie irgendwo, wenn auch nur leise an Ihrem Ohr vorübergehend, das Wort Eduard gehört oder leise an Ihrem Auge vorübergehend es gelesen haben. Mit irgend etwas aus den letzten drei Tagen, wenn es auch ein noch so unbedeutendes Erlebnis ist, steht immer, auch das Entfernteste, was im Traum heraufgeholt wird, in Beziehung. Das beruht aber darauf, daß der Mensch die Erlebnisse von zwei, drei und vier Tagen — es ist natürlich eine solche Zeitangabe approximativ, annähernd nur — eigentlich ganz anders in sich trägt als dasjenige, was früher da war.

[ 2 ] I would like to characterize this remnant of consciousness from time immemorial. When people today reflect on their dreams, they will find that a wide variety of experiences from their life on Earth flow into these dreams, which take on a somewhat chaotic character. Things long forgotten surface in dream experiences, transformed in manifold ways; even things overlooked in waking life can emerge in dream experiences. And the times when these experiences occurred are, of course, jumbled together in the most varied ways. But when one examines these dream experiences more closely, something quite peculiar becomes apparent. You will find that, essentially, everything that surfaces in the dream’s content is somehow—however remotely—connected to the experiences of the past three days. You may dream that you are once again faced with something you may have experienced twenty-five years ago. It stands before you in all its vividness, perhaps somewhat transformed, but it is there. Yet if you look more closely, you will always make discoveries of the following kind: In this dream, which brings up an experience from twenty-five years ago, a character plays a part who—to use a rather abstract example—is named Eduard. You will at least find that somewhere—even if only faintly, passing by your ear for a moment—you heard the word “Eduard,” or that it passed before your eyes for a moment. Whatever is brought up in the dream—even the most distant experience—is always connected to something from the last three days, no matter how insignificant that experience may be. But this is because people actually carry the experiences of two, three, or four days—this time frame is, of course, only approximate—within themselves quite differently from what was there before.

[ 3 ] Der Mensch nimmt ja zunächst das, was er wahrnimmt, in seinen astralischen Organismus und seinen Ich-Organismus auf. Da führen zunächst die wahrgenommenen Erlebnisse ein unmittelbar mit dem Bewußtsein zusammenhängendes Leben. Dasjenige, was im Laufe von drei Tagen erlebt worden ist, geht doch noch in einer ganz intensiveren Weise an das Gefühl heran, als wenn wenigstens drei Tage vergangen sind. Wie gesagt, man beobachtet diese Dinge im gewöhnlichen Leben nicht, aber es sind eben doch Realitäten. Es rührt dies davon her, daß alles dasjenige, was vom Menschen wahrnehmend oder in Gedankenprozessen hereingenommen wird in den astralischen Organismus und in den Ich-Organismus, eingedrückt, eingeprägt werden muß dem Äther- oder Bildekräfteleib, aber auch in einer gewissen Beziehung wenigstens dem physischen Leib. Und diese Einprägung braucht zwei, drei, vier Tage, so daß man zweiund dreimal schlafen muß über irgend etwas, das man erlebt hat, bis es in den Ätherleib und in den physischen Leib eingeprägt ist. Denn erst dann sitzt es sozusagen so fest, wenigstens im Ätherleibe, daß es nun bleibend Gedankenerinnerung für einen werden kann. Und so findet eigentlich beim Menschen fortwährend eine innere Wechselwirkung, eine Art von Kampf statt zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib, und das Ergebnis dieses Kampfes ist stets, daß dasjenige, was der Mensch zunächst als Bewußtseinswesen erlebt, sich in die dichteren, materielleren Elemente seines Wesens einprägt, eingestaltet. Man trägt nach drei, vier Tagen dasjenige, was man früher nur als ein flüchtiges Sinneserlebnis gehabt hat, dann als eine Eintragung gewissermaßen in seinem Äther- oder Bildekräfteleib und in seinem physischen Leib mit sich.

[ 3 ] At first, a person takes in what they perceive into their astral organism and their ego organism. There, the perceived experiences initially lead a life directly connected to consciousness. What has been experienced over the course of three days still affects one’s feelings in a much more intense way than when at least three days have passed. As I said, one does not observe these things in ordinary life, but they are, after all, realities. This stems from the fact that everything a person takes in through perception or thought processes—into the astral organism and the ego organism—must be imprinted upon the etheric body or body of formative forces, but also, in a certain sense, at least upon the physical body. And this imprinting takes two, three, or four days, so that one must sleep two or three times over something one has experienced before it is imprinted into the etheric body and the physical body. For only then is it, so to speak, firmly established—at least in the etheric body—so that it can now become a lasting memory for one. And so, in fact, a constant inner interaction, a kind of struggle, takes place within the human being between the astral body and the etheric body, and the result of this struggle is always that what the human being initially experiences as a conscious being becomes imprinted upon and shaped within the denser, more material elements of their being. After three or four days, one carries with oneself—as a kind of imprint, so to speak—in one’s etheric body or body of formative forces and in one’s physical body, that which one previously experienced only as a fleeting sensory perception.

[ 4 ] Bedenken Sie nur, indem ich das beschreibe, wie wenig das eigentlich dem Menschen der heutigen Zeit zum Bewußtsein kommt. Aber es ist das etwas, was im menschlichen Seelen- und auch körperlichen Leben fortwährend sich abspielt. Jedes Erlebnis, das wir als Wahrnehmung haben, muß im Grunde genommen drei, vier Tage warten, bis es unser völliges Eigentum ist. Da pendelt es hin und her zwischen astralischem Leib und Ätherleib, weiß gewissermaßen nicht recht, ob es wirklich eingeprägt wird dem Ätherleib und damit auch dem physischen Leib.

[ 4 ] Just consider, as I describe this, how little people today are actually aware of it. Yet it is something that is constantly taking place in human soul life and also in physical life. Every experience we perceive must, in essence, wait three or four days before it becomes fully our own. During that time, it oscillates back and forth between the astral body and the etheric body, not quite sure, as it were, whether it will truly be imprinted on the etheric body and, through it, on the physical body as well.

[ 5 ] Da geschieht nämlich eigentlich etwas außerordentlich Wichtiges. Bedenken Sie nur, daß wir ja unserem wahren Wesen nach im Grunde nur sind unser Ich und unser astralischer Leib. Wir können von unserem Ätherleib nicht sagen, daß er unser Eigentum ist. Die ‚Menschen der materialistischen Zeit maßen sich an, ihren Ätherleib und namentlich ihren physischen Leib ihren Leib zu nennen. Aber physischer Leib und Ätherleib gehören eigentlich ganz dem Kosmos an. Und indem im Laufe von drei, vier Tagen dasjenige, was wir im Ich und astralischen Leib erleben, dem Ätherleib und physischen Leib übergeben wird, gehört es uns nicht mehr allein, gehört es dem Kosmos an. Wir können eigentlich nur durch drei Tage hindurch sagen, daß irgend etwas, was wir mit der Welt abgemacht haben, nur für uns eine Bedeutung habe. Nach drei, vier Tagen haben wir es in “das Weltenall eingeschrieben, ruht es im Weltenall darin, gehört nicht uns allein, gehört den Göttern mit.

[ 5 ] For something extraordinarily important is actually happening here. Just consider that, in our true essence, we are essentially nothing more than our ego and our astral body. We cannot say that our etheric body is our property. People of the materialistic age presume to call their etheric body—and especially their physical body—their own. But the physical body and the etheric body actually belong entirely to the cosmos. And as, over the course of three or four days, what we experience in the “I” and the astral body is transferred to the etheric body and the physical body, it no longer belongs to us alone; it belongs to the cosmos. We can really only say, for three days, that something we have experienced in the world has meaning solely for us. After three or four days, we have inscribed it into the “universe”; it rests within the universe, no longer belongs to us alone, but belongs to the gods as well.

[ 6 ] In sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung hatten die Menschen eben aus diesem heute verlorengegangenen Bewußtseinszustand, der eine Art tieferer Bewußtseinszustand als der gewöhnliche Schlaf war, eine deutliche Empfindung von dieser merkwürdigen Tatsache. Und die Eingeweihten, die Initiierten, die konnten Auskunft geben, was eigentlich hinter dieser merkwürdigen Empfindung steckte. Namentlich in der Zeitepoche, von der ich gestern gesprochen habe, der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche, war es nur mehr ein dunkles Gefühl, was die Menschen hatten. Aber die Initiierten der Mysterien wurden eingeweiht in das eigentliche Wesen dieser Sache, und das kam dadurch zustande, daß dazumal — während die Initiation heute ein rein innerlich seelisch-geistiger Vorgang sein muß, höchstens mit körperlichen Symbolen und körperlichbildhaften Vorgängen — die Initiation im wesentlichen ein äußerer Vorgang war, und dasjenige, was sich äußerlich mit dem Menschen abspielte, das übertrug sich dann auf das Innere. Und die Initiation bestand vielfach darin — ich erzähle ein Beispiel, ich könnte auch andere erzählen —, daß der zu Initiierende nun durch seine Mysterienführer, die ihn initiierten, in diesen Zustand, der eigentlich heute verlorengegangen ist, etwa drei Tage lang versetzt wurde. Er wurde in diesen Zustand versetzt drei Tage lang, so daß er durchlebte, wie dasjenige sich verhält, was der Mensch in der Welt außerhalb des Menschen durchmacht in diesen drei Tagen, und wie es gewissermaßen hinübertritt in das eigentliche Wesen des Menschen. Der Initiierte kam zu der Anschauung, was eine Vorstellung, was eine Empfindung, was ein Gefühl für Tatsachen durchmacht, bevor es Eigentum des Menschen wird. Aber dasjenige, was da auftrat, was innerhalb dieser Weisheit von jenem dem Menschen so verborgenen Zustande war, das enthält doch außerordentlich Bedeutungsvolles, so Bedeutungsvolles, daß es heute von der materualistischen Weltanschauung gar nicht einmal geahnt wird. Es enthält nämlich das Folgende.

[ 6 ] In the very early stages of human development, people had a clear sense of this strange phenomenon precisely because of this state of consciousness—which has now been lost—that was a kind of deeper state of consciousness than ordinary sleep. And the initiates were able to explain what actually lay behind this strange sensation. Particularly during the epoch I spoke of yesterday—the Egyptian-Chaldean cultural epoch—what people experienced was merely a vague feeling. But the initiates of the mysteries were initiated into the true nature of this matter, and this came about because in those days—whereas initiation today must be a purely inner, soul-spiritual process, at most involving physical symbols and physically symbolic acts—initiation was essentially an external process, and what took place externally with the human being was then transferred to the inner being. And in many cases, initiation consisted—I’ll give one example, though I could give others—of the initiate being placed by his mystery guides, who initiated him, into this state—which has essentially been lost today—for about three days. He was placed in this state for three days, so that he could experience firsthand what a human being undergoes in the world outside of the human being during these three days, and how it, so to speak, passes over into the very essence of the human being. The initiate came to understand what an idea, a sensation, or a feeling about facts undergoes before it becomes the property of the human being. But what occurred there—what lay within this wisdom regarding that state so hidden from human beings—contains something extraordinarily significant, so significant that it is not even suspected today by the materialistic worldview. It contains, namely, the following:

[ 7 ] Ich kann mich am leichtesten begreiflich machen über das, was in dieser durch drei Tage lang in einem dumpfen Bewußtseinszustande bestehenden Initiation erreicht wurde, indem ich Sie zuerst an das Traumesleben, das heute noch jeder kennt, erinnere. Gewiß, das Traumesleben gehört zu dem, was genau studiert werden muß. Auch wenn man absieht von jedem Aberglauben, was ja selbstverständlich sein muß, wenn man in reiner, ich möchte sagen, nach echter Wissenschaft strebender Anschauung sich in das 'Traumesleben vertieft, so stellt es doch etwas außerordentlich Tiefes dar.

[ 7 ] The easiest way for me to explain what was achieved during this initiation—which lasted three days in a state of dull consciousness—is to first remind you of the dream life, which everyone is still familiar with today. Certainly, the life of dreams is something that must be studied closely. Even if one sets aside all superstition—which must, of course, be a given when one delves into the “life of dreams” with a pure outlook, one that, I would say, strives for genuine science—it still represents something extraordinarily profound.

[ 8 ] Denn wie tritt es eigentlich auf, dieses Traumesleben? Nun, wir kennen ja vielerlei Arten von Träumen. Aber halten wir uns an diese Art von Träumen, welche in Reminiszenzen an Erlebnisse besteht. Die Bilder von solchen Erlebnissen treten in diesen Träumen auf. Wie treten sie auf? Nun, Sie wissen, sie treten in außerordentlicher Verwandlung auf, stark verwandelt. Es kann durchaus sein, daß die Verwandlung, sagen wir bis zu einem solchen Grad geht, daß einmal jemand träumt, der vielleicht nicht die geringste Aussicht hat, jemals im wirklichen Leben so etwas auszuführen, daß er in seinem Kleidermacherberufe den Staatsrock für einen hohen Minister zu fabrizieren hat. Er kann nicht die geringste Aussicht haben dafür, aber Röcke fabriziert er immer und hat er immer fabriziert, auch Röcke vielleicht, an denen er sein Wohlgefallen gehabt hat. Nun, in einen solchen Traum kann alles mögliche hineinspielen. Der Betreffende kann in einem vorigen Erdenleben der Diener eines römischen Staatsmannes gewesen sein und dem Staatsmann haben die Toga anziehen müssen. Dumpfe Empfindungskräfte bleiben, und dasjenige, was der Betreffende in diesem Leben durchmacht, färbt sich durch das, was aus früheren Erdenleben herüberstrahlt.

[ 8 ] For how does this dream life actually manifest itself? Well, we are familiar with many different kinds of dreams. But let’s focus on the kind of dreams that consist of reminiscences of experiences. The images of such experiences appear in these dreams. How do they appear? Well, as you know, they appear in an extraordinary state of transformation—highly transformed. It may well be that the transformation goes, let’s say, to such an extent that someone—who perhaps has not the slightest prospect of ever carrying out such a task in real life—dreams that, in his profession as a tailor, he has to make the official coat for a high-ranking minister. He may not have the slightest prospect of doing so, but he always makes robes and has always made them—perhaps even robes that he took pleasure in making. Well, all sorts of things can come into play in such a dream. The person in question may have been the servant of a Roman statesman in a previous earthly life and may have had to help the statesman put on his toga. Subtle emotional forces remain, and what the person experiences in this life is colored by what radiates from earlier earthly lives.

[ 9 ] Ich gab nur eine der Ursachen an, warum sich Träume ihrem Inhalte nach verwandeln. Aber immerhin, sie verwandeln sich stark, das weiß ja jeder. Und man muß sich eigentlich fragen: Was ist denn in diesen Träumen enthalten, was wirkt denn da drinnen? Es sind ja schließlich äußere Ereignisse, welche die Veranlassung zu dieser Art von Träumen geben, aber diese äußeren Ereignisse treten in einer ganz verwandelten Gestalt auf.

[ 9 ] I mentioned only one of the reasons why dreams change in terms of their content. But still, they change drastically—everyone knows that. And one really has to ask: What is contained in these dreams? What is at work within them? After all, it is external events that give rise to this kind of dream, but these external events appear in a completely transformed form.

[ 10 ] Woher kommt denn das? Sehen Sie, das kommt von etwas, wovon sich allerdings die naturwissenschaftliche Anschauung der Gegenwart nicht das Geringste träumen läßt. Das kommt davon her, daß diejenige Gesetzmäßigkeit, die heute als die naturwissenschaftliche anerkannt wird, die in der Außenwelt überall gesucht wird durch Beobachtung, Experimentierkunst, daß diese Gesetzmäßigkeit, diese Summe von Naturgesetzen, von denen wir sprechen, gleich innerhalb der menschlichen Haut aufhört. Und wenn jemand eben glaubt, die Naturgesetze, die er in seinem Laboratorium konstatiert, seien auch diejenigen Gesetze, die innerhalb der menschlichen Haut wirken, so ist er bedeutsam auf dem Holzwege. Nicht nur, daß die Substanzen innerhalb seines Organismus, die der Mensch durch die Nahrungsaufnahme zu sich nimmt, verändert werden, auch die Gesetzmäßigkeiten der Substanzen bis in die geringsten atomistischen Einzelheiten ändern sich. Aber was im Traum vor dem Menschen erscheint, das ist nun nicht bloß das abstrakte Bild einer Wirklichkeit, sondern in dem Traum lebt das Weben der organischen Gesetze, in die der Mensch eingeschaltet ist. Der Traum steht dem Menschen näher als das abstrakte Denken des Tages. Der Traum enthält die Art und Weise, wie sich die äußeren Stoffe im Menschen benehmen als seine Gesetzmäßigkeit. Und als was stellt sich der Traum dar? Als ein Protest gegen die Wirklichkeit, die in die Naturgesetze eingespannt ist. Sie leben vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der Welt, von der die Naturforscher sagen, nach diesen Gesetzen spielt sich alles in der Welt ab. In dem Augenblick, wo Sie durch den Traum, ich möchte sagen, nur ein Spinnwebchen durchstechen in die geistige Welt hinein, stellt sich das Traumerleben als ein Protest gegen die Naturgesetze dar. Der Traum kann nicht so verlaufen, wie die Ereignisse äußerlich verlaufen sind, sonst wäre er sehr nahe dem Wachen. Der Traum, der aus dem eigentlichen Schlaf auftaucht, der protestiert in seinem Zusammenhang gegen die Naturgesetze. Denn er geht näher an den Menschen heran.

[ 10 ] Where does that come from? You see, it comes from something that the current scientific worldview cannot even begin to imagine. It stems from the fact that the regularity recognized today as scientific—the one sought everywhere in the external world through observation and experimentation—that this regularity, this sum of natural laws we speak of, ceases right at the human skin. And if anyone believes that the laws of nature he observes in his laboratory are also the very laws that operate within the human body, then he is significantly on the wrong track. Not only are the substances within his organism—which a person ingests through food—transformed, but the laws governing these substances change down to the smallest atomic details. But what appears to a person in a dream is not merely an abstract image of reality; rather, the dream embodies the interplay of the organic laws into which the person is woven. The dream is closer to a person than the abstract thinking of the waking day. The dream contains, as its law, the way in which external substances behave within a person. And as what does the dream present itself? As a protest against reality, which is bound by the laws of nature. From the moment you fall asleep until you wake up, you live in the world of which natural scientists say that everything in the world unfolds according to these laws. The moment you pierce—through the dream, I might say, through nothing more than a gossamer web—into the spiritual world, the dream experience presents itself as a protest against the laws of nature. The dream cannot unfold in the same way that external events have unfolded; otherwise, it would be very close to wakefulness. The dream that emerges from actual sleep protests, in its very context, against the laws of nature. For it comes closer to the human being.

[ 11 ] In dieser Beziehung machen ja die materialistisch gesinnten Menschen der heutigen Zeit interessante Entdeckungen. Da gibt es ein Buch, ein interessantes Buch, das schon vor Jahren erschienen ist, von dem man eigentlich wirklich nur sagen kann, es ist so recht charakteristisch für die Geisteskonstitution gerade wissenschaftlich denkender Leute der Gegenwart: «Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft» von einem gewissen Staudenmaier. Einige von Ihnen werden das Buch kennen. Der Mann wollte auch dahinterkommen, was denn eigentlich an der Geisteswelt ist. Von der Anthroposophie gestand er ja, daß er auch nur die gegnerischen Schriften gelesen hat; also da machen sich die Leute nicht gern heran, weil sie sich in der Anthroposophie doch sehr schwer zurechtfinden. Gerade wenn sie innerhalb der wissenschaftlichen Struktur der Gegenwart sich befinden, stellen sie sich sehr schwer in die Anthroposophie herein. Und so machte er denn zunächst Versuche, um hinter die Geisterwelt zu kommen, nach Art der spiritistischen Versuche. Er benahm sich das Bewußtsein, benebelte sich, bis er in eine Art mediumähnlichen Zustandes kam. Und dann schrieb er mechanische Schrift. Nun wunderte er sich, daß er da lauter dummes Zeug aufschrieb, daß das alles nicht stimmte mit dem, was er sonst wußte von der Wirklichkeit. Es stimmte nicht. Es stimmte vor allen Dingen das nicht, daß in dieser Schrift herauskam: Geister sprechen zu ihm. Denn das wußte er ja, daß das nicht möglich ist, daß Geister zu ihm sprechen. Aber das, was er aufschrieb, sagte ihm, daß Geister zu ihm sprechen. Und außerdem: es war furchtbar, was diese Nichtgeister alles ihn anlogen. Lesen Sie das nur in dem Buche nach, was da alles in die Hand einfloß an unglaublichen Lügen. Ja, er wurde ganz — ich will nicht ein böses Wort sagen —, also medial, fand sich selbst nicht mehr zurecht in der ganzen Sache. Da riet ihm ein Freund, er solle doch das ganze Ding lassen, und soll nun wiederum ein vernünftiges Leben führen, zum Beispiel auf die Jagd gehen. Nun ging er auf die Jagd, auf die Elsternjagd. Siehe da, es setzte sich sogar in das Jagen hinein dasjenige fort, was er da in sich erregt hatte. Er kriegte das nicht wieder los. Wenn er auf einen Baum hinaufschaute, war da nicht eine Elster, sondern ein schrecklicher Drache mit fürchterlichen Fängen, der ihn mit furchtbaren Augen ansah, ganz entsetzlich! Und überall gab es solches Zeug. Nun lebte er fortwährend in diesem inneren Kampf, sich doch zum normalen Menschentum zurückzufinden.

[ 11 ] In this regard, the materialistically minded people of our time are indeed making interesting discoveries. There is a book—an interesting book—that was published years ago, about which one can really only say that it is quite characteristic of the mental constitution of scientifically minded people today: Magic as an Experimental Natural Science by a certain Staudenmaier. Some of you may be familiar with the book. The man also wanted to get to the bottom of what the spiritual world is really all about. As for anthroposophy, he admitted that he had read only the critical works; people are reluctant to engage with it because they find it very difficult to navigate. Especially when they are embedded within the scientific framework of the present day, they find it very difficult to enter into anthroposophy. And so he first conducted experiments to get to the bottom of the spiritual world, in the manner of spiritualist experiments. He suppressed his consciousness, clouded his mind, until he entered a kind of mediumistic state. And then he wrote in a mechanical script. Now he was surprised to find that he had written down nothing but nonsense, that none of it matched what he otherwise knew about reality. It didn’t add up. Above all, it didn’t add up that this writing claimed: spirits were speaking to him. For he knew full well that it was not possible for spirits to speak to him. But what he wrote down told him that spirits were speaking to him. And besides: it was terrible, all the lies these “non-spirits” were feeding him. Just look it up in the book—all the unbelievable lies that flowed into his hand. Yes, he became completely—I don’t want to use a bad word—well, psychic, and could no longer make sense of the whole thing himself. Then a friend advised him to drop the whole thing and return to leading a sensible life—for example, by going hunting. So he went hunting—hunting magpies. Lo and behold, even while hunting, what he had stirred up within himself continued to manifest. He couldn’t shake it off. When he looked up at a tree, there wasn’t a magpie there, but a terrible dragon with fearsome fangs, staring at him with dreadful eyes—utterly horrifying! And such things were everywhere. Now he lived constantly in this inner struggle to find his way back to normal humanity.

[ 12 ] Ich führe Ihnen das an aus dem Grunde, weil hier experimentell gezeigt ist, daß überall, in dem Augenblick, wo man nun doch nicht nur wachend träumt, sondern durch solche Machinationen an dasjenige herankommt, wo das Innere des Menschen mitspricht, sofort der Protest gegen die äußere Naturordnung auftritt. Selbstverständlich empfindet man das als Lüge. Wenn man gewohnt ist, irgend jemanden, der einem Freund ist, immer als einen leidlich anständigen Menschen zu sehen und nachher, wenn man sich in diesem Zustand befindet, merkt man, der streckt einem fortwährend die Zunge heraus, macht lange Nasen und grinst einen aus — wenn das in diesem Zustande vorkommt, dann sagt man: Die geistige Welt lügt einen an! — Man macht es wirklich so wie der Traum in einem solchen Fall. Nun, darinnen steckt doch wieder das Richtige, daß in jedem Fall, wo der Mensch an die geistige Welt herankommit, in die er mit dem eingeschlossen ist, was innerhalb seiner Haut liegt, dieses Dasein, das er nun betritt, gegen die Naturordnung protestiert. Daß in einem solchen unentwickelten Fall, wo man die Sache nicht beurteilen kann, in der Verlogenheit allerlei Elementarwesenheiten auftreten, ist nicht zu verwundern. Aber es ist immer ein Protest gegen die Naturordnung da, wo man an das Geistige herankommt, was schon der gewöhnliche Traum zeigt.

[ 12 ] I mention this to you because it has been experimentally demonstrated here that wherever—at the very moment when one is not merely daydreaming but, through such machinations, approaches that realm where the inner self has a say—a protest against the external natural order immediately arises. Of course, one perceives this as a lie. If one is accustomed to always seeing a friend as a reasonably decent person, and then, when in this state, one notices that this person is constantly sticking out their tongue, making faces, and grinning at you—if that happens in this state, then one says: The spiritual world is lying to me! — In such a case, one really behaves just as one does in a dream. Well, there is truth in this after all: that in every instance where a person approaches the spiritual world—in which they are enclosed along with what lies within their own skin—this existence they are now entering protests against the natural order. It is not surprising that in such an undeveloped case, where one cannot judge the matter, all manner of elemental beings appear in a deceptive manner. But wherever one approaches the spiritual, there is always a protest against the natural order, as even the ordinary dream demonstrates.

[ 13 ] Und der Mensch müßte sich eigentlich sagen: Da trete ich ein in eine ganz andere Ordnung, und erscheint sie auch nur in der flüchtigen Gestalt des Traumes, so erscheint sie als ein Protest gegen die schönsten Naturgesetze, die man äußerlich durch Laboratorium und Experiment feststellen kann. — Aber sehen Sie, das ist die erste Etappe hin zur geistigen Welt. Auf dieser ersten Etappe trifft man den Protest gegen die Naturgesetze an. Da sind die Naturgesetze, ich möchte sagen, ihrer Majestät entsetzt, sobald man in das innere Wesen des Menschen eindringt.

[ 13 ] And one should really say to oneself: Here I am entering a completely different order, and even if it appears only in the fleeting form of a dream, it appears as a protest against the most beautiful laws of nature, which can be externally verified through laboratory work and experimentation. — But you see, this is the first stage on the path to the spiritual world. On this first stage, one encounters this protest against the laws of nature. There, the laws of nature—I would say—are horrified by their own majesty as soon as one penetrates into the inner being of the human being.

[ 14 ] Klar darüber, wie es nicht nur eine Naturordnung gibt, sondern wie in und hinter dieser Naturordnung eine geistige Ordnung steht, wurden nun die alten Eingeweihten, indem sie jene drei Tage durchmachten. Wer in dieser Weise mit der Initiation seine Bekanntschaft macht, der kann ja in diese Dinge auch heute noch mit den heutigen Mitteln eindringen, kann durchmachen die Erlebnisse dieser drei Tage, wenn er zum erstenmal herantritt an die Erfahrung jener eigentlich furchtbaren Seelenqual! Denn es tritt da der Mensch in der Tat in eine Welt ein, wo alle Naturgesetze zusammenstürzen, wo das Weben des Traumes auftritt, in dem, selbst wenn die Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens hineinspielen, die Zusammenhänge andere werden, weil da die Naturgesetze nicht mehr gelten. Und man ist dann wirklich, wenn man die Naturgesetze als alles empfindet, vis-à-vis dem Nichts zunächst.

[ 14 ] By going through those three days, the ancient initiates gained a clear understanding not only that there is a natural order, but also that a spiritual order lies within and behind this natural order. Anyone who becomes acquainted with initiation in this way can still penetrate these matters today using modern means; they can go through the experiences of those three days when they first approach the experience of that truly terrible agony of the soul! For there the human being truly enters a world where all natural laws collapse, where the weaving of the dream takes place—in which, even when reminiscences of ordinary life play a part, the relationships become different because the natural laws no longer apply. And one is then truly, when one perceives the natural laws as everything, initially face to face with nothingness.

[ 15 ] Nun handelt es sich darum, daß man besonders schmerzlich, tief schmerzlich und tragisch als moderner Mensch, durch die Initiation tretend, dieses Hineinkommen in jene Region des Daseins empfindet, wo gegen die Naturgesetze dieser Protest ausgesprochen wird, weil man ein Gefühl hat, daß da vor allen Dingen alles, was man früher im Intellekt gehabt hat, was sich ja nach den Naturgesetzen gerichtet hat, daß dieses intellektualistisch Seelenhafte ertrinkt. Man kann seelisch nicht mehr atmen, weil man sich zu stark gewöhnt hat an die Naturordnung. Und endlich sieht man, daß von einer ganz anderen Weltenseite her eben eine andere Welt hereinragt, die nicht in einer Naturordnung lebt, sondern in einer Geistordnung, die überall durchsetzt und durchwellt ist von dem, was heute nachempfunden wird aus der Tiefe des menschlichen Gewissens heraus als moralische Weltenordnung. Dasjenige, was man lernt sich zu sagen, ist dies: Hier ist die Naturordnung, meine Sinne nehmen sie wahr, für sie wird durch die Naturwissenschaft die Gesetzesmäßigkeit festgestellt. Tauche ich heraus aus dieser Naturordnung, dann tauche ich ein in eine Welt, die protestiert gegen diese Naturordnung, und in dem Wahrnehmen dieses Protestes gegen die Naturordnung ergießt sich überall her wie ein neues lichtvolles Lebenswasser, mit dem man wiederum atmen kann, dasjenige, was moralische Weltenordnung ist, die sich endlich zur geistigen Weltenordnung erweitert. — Das war die große Erkenntnis der Initiierten der alten Zeit, daß sie hereinragen sahen die reale moralische Weltenordnung in die physische reale Weltenordnung, indem sie zwischen drinnen erlebten den Protest gegen die physische Weltenordnung. Das wird eben im schwachen Nachglanz erlebt an dem Ereignis der drei Tage, von denen ich gesprochen habe. Dasjenige, was wir erleben in der äußeren Welt, seien es unsere Empfindungen, seien es unsere Handlungen: drei, vier Tage braucht es, um sich in unseren Organismus einzuprägen. Aber wenn es sich eingeprägt hat, prägt es sich nicht in der Form ein, wie wir es äußerlich erlebt haben, prägt es sich ein als Impuls, der eine moralische Ausgestaltung in einer ganz anderen Gesetzmäßigkeit verlangt als die Naturordnung. Und würde der Mensch sehen, wozu seine Erlebnisse nach drei Tagen in seinem eigenen Inneren werden, so würde er sich sagen: Was ich auf naturhafte Weise im irdischen Dasein erlebt habe, das hat sich meinem ewigen Seinskern eingeprägt, so daß es nicht weniger real ist als in der äußeren Welt, aber in mir nunmehr als der Impuls einer moralischen Weltenordnung lebt, auf dem ich nun weiter auf den Ozean des Lebens hinausgehe. — So tragen wir die Ereignisse desjenigen, was wir naturhaft erlebt haben, als die moralischen Ursachen für unser späteres Leben in uns.

[ 15 ] The point is that, as a modern human being passing through initiation, one experiences—in a particularly painful, deeply painful, and tragic way— one experiences this entry into that region of existence where a protest is voiced against the laws of nature—because one has the feeling that, above all else, everything one previously held in the intellect—which was, after all, guided by the laws of nature—that this intellectual aspect of the soul is drowning. One can no longer breathe spiritually because one has become too accustomed to the natural order. And finally, one sees that from an entirely different side of the world, another world reaches in—one that does not live within a natural order but within a spiritual order, which is permeated and suffused everywhere by what is today sensed from the depths of the human conscience as the moral world order. What one learns to tell oneself is this: Here is the natural order; my senses perceive it, and its laws are established for it by the natural sciences. When I emerge from this natural order, I enter a world that protests against this natural order; and in perceiving this protest against the natural order, that which is the moral world order—which ultimately expands into the spiritual world order—pours forth from all sides like a new, luminous water of life, with which one can breathe once more. — That was the great insight of the initiates of ancient times: that they saw the real moral world order penetrating the physical, real world order, as they experienced within it the protest against the physical world order. This is experienced, albeit in a faint afterglow, in the event of the three days of which I have spoken. Whatever we experience in the outer world—be it our sensations or our actions—takes three or four days to become imprinted in our organism. But once it has been imprinted, it is not imprinted in the form in which we experienced it externally; rather, it is imprinted as an impulse that demands a moral shaping according to a set of laws entirely different from those of the natural order. And if a person could see what becomes of their experiences within themselves after three days, they would say to themselves: What I have experienced in a natural way during my earthly existence has become imprinted on the core of my eternal being, so that it is no less real than in the external world, but now lives within me as the impulse of a moral world order, upon which I now venture further out into the ocean of life. — Thus we carry within us the events of what we have experienced naturally as the moral causes for our future life.

[ 16 ] Aber es war in den letzten Zeiten der Menschheitsentwickelung so, daß, indem der Mensch untertauchte in jenen, ich möchte sagen Unterschlaf, in den Zustand der Erdenumfassung, er in den äußeren Äther untertauchte. Und da findet dasjenige, was der Mensch erlebt hatte, seinen Ausgleich mit dem äußeren Äther. Der Mensch wurde sozusagen moralisch nicht nur in bezug auf die Richtung seines Innern hineingestellt in die moralische Weltenordnung, sondern in dem Unterschlaf, in der Erdenumfassung wurde er hineingestellt in die Moral des Kosmos. Und das ist der Menschheit verlorengegangen damit, daß eben aus dem Bewußtseinszustand ausgeschaltet wurde dieser Tiefschlaf, daß der Mensch nur jenen schwachen Nachklang in dem Dreitageserlebnis hat, das ich Ihnen geschildert habe. Der Mensch wäre sozusagen nach und nach aus der selbstverständlichen moralischen Weltenordnung herausgeworfen worden, wenn nicht etwas eingetreten wäre im Laufe der Erdenentwickelung. Dasjenige, was früher die einzelnen Initiierten durchgemacht hatten, um den Menschen sagen zu können, was da in den drei Tagen erlebt wird, das machte als ein weltgeschichtliches Ereignis, als ein einmaliges Erdenereignis die Christus-Wesenheit durch, die aus geistigen Welten in den Körper des Jesus von Nazareth heruntergestiegen ist und als Gott wirkliches Menschenleben geführt hat. Und dasjenige, was während der drei Tage durchgemacht wurde, wurde nun durchgemacht für die ganze Menschheit. Was früher durch den Tiefbewußtseinsschlaf gefunden werden konnte — nicht bewußt, aber wenigstens unterbewußt sich in den Menschen hineinsetzte —, was also auf eine nur naturhafte Weise vom Menschen durchgemacht worden ist, das mußte deshalb durchgemacht werden, damit der Mensch seine Verbindung finden könne mit dem, was für die Menschheit der Erde der Christus im Mysterium von Golgatha vollbracht hat. Das ist die stellvertretende Gottestat. Weil der Mensch einen Ruck heraufmachte in seiner Bewußtseinsentwickelung, mußte er dasjenige, was er früher in seiner Natur erlebte, auf moralische Art in bezug zu dem Christus Jesus durchleben. Und so hängt der Eintritt des Mysteriums von Golgatha zusammen mit dem ganzen Sinn der Erdenentwickelung, weil mit dem Sinn der menschlichen Bewußtseinsentwickelung. Und verstehen kann man nur, was eigentlich geschehen sollte durch das Mysterium von Golgatha, wenn man zurückblicken kann auf dasjenige, was einmal naturhaft geschehen ist und nunmehr moralisch zu geschehen hat.

[ 16 ] But in the final stages of human evolution, as human beings sank into what I might call a “deep sleep”—the state of being enveloped by the Earth—they also sank into the outer ether. And there, what human beings had experienced finds its balance with the outer ether. Human beings were, so to speak, placed morally within the moral order of the world—not only in terms of the direction of their inner lives—but in that “deep sleep,” in the embrace of the Earth, they were placed within the morality of the cosmos. And this has been lost to humanity because this deep sleep was eliminated from the state of consciousness, so that human beings now have only that faint echo in the three-day experience I have described to you. Humanity would, so to speak, have been gradually cast out of the self-evident moral world order had something not occurred in the course of Earth’s evolution. What individual initiates had previously undergone in order to be able to tell people what is experienced during those three days was accomplished as a world-historical event—a unique earthly event—by the Christ Being, who descended from the spiritual worlds into the body of Jesus of Nazareth and, as God, lived a truly human life. And what was experienced during those three days was now experienced on behalf of all humanity. What could formerly be found through the deep sleep of the unconscious—not consciously, but at least subconsciously taking root within human beings—that is, what was experienced by human beings in a purely natural way—had to be undergone so that human beings might find their connection with what Christ accomplished for humanity on Earth in the Mystery of Golgotha. This is the vicarious act of God. Because human beings made a leap forward in their development of consciousness, they had to relive—in a moral sense—in relation to Christ Jesus—that which they had previously experienced in their nature. And so the advent of the Mystery of Golgotha is connected with the entire meaning of Earth’s evolution, because it is connected with the meaning of the development of human consciousness. And one can only understand what was actually meant to happen through the Mystery of Golgotha if one can look back on what once happened naturally and must now happen morally.

[ 17 ] Aber gerade in dieser Beziehung ist ja dieses moderne Bewußtsein, das zwischen Wachen und Schlafen und Träumen verfließt, noch nicht zu seiner inneren Harmonie gekommen. Denn was geht denn durch dieses moderne Bewußtsein, was ging immer mehr und mehr gerade seit dem 15. Jahrhundert, seitdem dieses Bewußtsein seine eigentliche Ausprägung gefunden hat, durch dieses moderne Bewußtsein? Ein einseitiges Hinschauen auf die Naturordnung. Ja, an die glaubt man, und diese Naturordnung glaubt man auch zu verstehen. Und man nennt dasjenige, was in dieser Naturordnung ist, das reale Dasein. Aber weiter will man nicht. Man will nicht bis zu jener Kraft des menschlichen Erkennens weiterdringen, der sich das Geistige ergibt, so wie sich die Naturordnung ergibt. Und so wurde es denn üblich in der neueren Zeit, von der moralischen Weltenordnung als von etwas zu sprechen, was nun so auch von irgendwo hereinkommt. Man vergaß dabei nur die Ehrlichkeit; denn wenn man in der Tat auf die Naturordnung hinschaut, wie man das immer weiter und weiter gewöhnt wurde, so könnte man eigentlich der moralischen Weltenordnung keine Realität zuschreiben. Man konnte eigentlich nur, ich möchte sagen, sich in einer etwas unehrlichen Weise hinweghelfen über dasjenige, was da vorlag, indem man sagt: Es gibt auf der einen Seite ein Wissen, auf der andern Seite einen Glauben. Das Wissen kann nicht Glauben werden, und der Glauben nicht Wissen werden, und dem Glauben gehört die moralische Weltenordnung an. — Das ist die bequeme Formel, die in der neueren Zeit vielfach üblich geworden ist. Man sieht sogar diese Trennung zwischen Glauben und Wissen als etwas echt Christliches an, währenddem das Christentum vor verhältnismäßig gar nicht langer Zeit, vor fünf bis sechs Jahrhunderten ganz gewiß noch nicht jenen Unterschied in dieser Art gemacht hat, ganz gewiß nicht das ältere Christentum. Und heute ist es noch immer nicht katholische Dogmatik, wenn auch katholischer Usus, zwischen Glauben und Wissen in dieser Art zu unterscheiden. Man findet sich eben nicht zurecht mit der Beziehung zur Naturordnung und der moralisch-geistigen Ordnung, weil man den Übergang nicht kennt, weil man schon den Traum nicht versteht, der einen herausführt aus der Naturordnung und ein Protest gegenüber der Naturordnung ist, der gewissermaßen der große Vorbereiter ist. Denn ist man durch seine Vorbereitung durchgegangen, kann man stoßen an das, was moralische Weltenordnung, weil moralisch-geistige Weltenordnung ist.

[ 17 ] But it is precisely in this regard that this modern consciousness—which flows back and forth between waking, sleeping, and dreaming—has not yet attained its inner harmony. For what is it that runs through this modern consciousness—what has been running through it more and more, especially since the 15th century, ever since this consciousness found its true form? A one-sided view of the natural order. Yes, people believe in it, and they also believe they understand this natural order. And they call that which exists within this natural order “real existence.” But they do not wish to go any further. They do not wish to penetrate to that power of human cognition to which the spiritual reveals itself, just as the natural order reveals itself. And so it has become customary in recent times to speak of the moral world order as something that simply comes in from somewhere. In doing so, one has simply forgotten honesty; for if one were to look at the natural order as one has become accustomed to doing more and more, one could not actually attribute any reality to the moral world order. One could really only—I would say—get around what was actually there in a somewhat dishonest way by saying: On the one hand, there is knowledge; on the other, there is faith. Knowledge cannot become faith, nor can faith become knowledge, and the moral order of the world belongs to faith. — That is the convenient formula that has become widely used in recent times. This separation between faith and knowledge is even regarded as something genuinely Christian, whereas Christianity—not so long ago, five or six centuries back—certainly did not make that distinction in this way, certainly not early Christianity. And even today, it is still not Catholic dogma—though it is Catholic practice—to distinguish between faith and knowledge in this manner. People simply cannot find their bearings in relation to the natural order and the moral-spiritual order, because they do not know the transition, because they do not even understand the dream that leads one out of the natural order and is a protest against the natural order—a dream that, in a sense, is the great precursor. For once one has gone through this preparation, one can encounter what is the moral world order—because it is the moral-spiritual world order.

[ 18 ] Nur ein unbefangener Blick in die Vergangenheit des Menschen und in das, was die Gegenwart noch nicht hat, kann eigentlich zu einer befriedigenden Anschauung über diese Dinge führen, sonst bleiben auch die historischen Dokumente uralter Zeiten im Grunde genommen Dinge, die man anglotzt, die man aber durchaus nicht versteht. Sehen Sie, es ist heute vormittag in mannigfaltigster Weise von den Gegnern der Anthroposophie gesprochen worden. Manches kann. man diesen Gegnern, allerdings nicht zu ihren Gunsten, aber zu ihrem Guten rechnen. Man muß sich bei dem, was die Gegner über Anthroposophie sagen, wenigstens ich muß mich manchmal an eine Anekdote erinnern, die auf einer Wahrheit beruhen soll, die der berühmte Professor Kuno Fischer immer wieder erzählt hat. Er erzählte, er habe zwei Schulkollegen gehabt, die beide zusammenwohnten, es dürften Brüder gewesen sein; sie hatten einen außerordentlich simplen Onkel. Nun kam die Zeit, wo sie in der Mathematik die Logarithmen lernten und sich die Logarithmentafeln kaufen mußten. Der simple Onkel, der beguckte sich nun diese Logarithmentafeln. Er sah auf diesen Tafeln lauter Zahlen und da fragte er denn diese Schüler, seine Neffen, was denn das für Zahlen wären. Die wußten nun gar nicht, wie sie das dem Onkel beibringen sollten. Endlich fiel einem der Schlingel ein: Ja, das sind alle Hausnummern von Europa. — Der Onkel glaubte das, und fand auch zum Schluß, daß das ganz nützlich wäre, wenn man alle Hausnummern von London, Paris und so weiter gleich wisse. Sehen Sie, wie dieser Onkel vor den Logarithmentafeln gestanden ist, so stehen die Leute, die nicht innerlich hineinschauen in das, was die alten Dokumente verkünden, vor diesen alten Dokumenten. Die jetzigen Forscher, die diese Dokumente wieder herausgeben, sagen schließlich auch nicht viel anderes, als was der Onkel von den Logarithmen gesagt hat, indem er sie für Hausnummern von Europa ansah. Man muß nur wissen, wie weit die Auffassungsweise, die heute dem abstrakten Denken möglich ist, von der geistig-realen Tatsächlichkeit abweicht. Das muß man sich einmal ganz klarmachen. Dazu muß man den Mut haben. Sonst wird man nicht einsehen, wie der Mensch aus einer ganz anders gearteten Vergangenheit sich in die Gegenwart herein entwickelt hat. Und eigentlich leben wir schon in der Zeit, wo in der mannigfaltigsten Weise für den, der nun in der Lage ist, Selbstbeobachtung, Selbstbesinnung namentlich zu üben, die gegenwärtige Art des Durchlebens von Schlafen, Wachen und Träumen zu inneren Zwiespälten, zu inneren Konflikten führt. Denn geradeso wie abgebröckelt ist von der Menschheit dieser Tiefschlaf, der etwas so Bedeutsames für die Menschheit einer älteren Vergangenheit war, daß die Initiierten diesen Menschen auseinandersetzen mußten die Natur dessen, was der Mensch durchmachte in diesem Tiefschlaf, ebenso bröckelt ab dasjenige, was der heutige Schlaf ist. Nicht als ob der Mensch fortwährend nun in Zukunft träumen würde die ganze Nacht hindurch, aber er macht eigentlich diesen Zustand so durch, daß die Träume dumpfer werden. Wie sie sich seit alten Zeiten auch verwandelt haben aus den Wachträumen zu unserem abstrakten Vorstellen, so werden sich die heutigen chaotischen "Träume abstumpfen, und der Mensch wird eben diesen dumpfen 'Traumschlaf haben. Der Traum wird ihm nicht zum Bewußtsein kommen. Darüber wird der heutige Wachzustand mit dem abstrakten, sogenannten logischen Denken sein. Aber dann wird ein Überbewußtsein kommen, ein Überbewußtsein, das heute schon in die Menschheit hereintritt für den, der diese Dinge versteht. Denn dieses Überbewußtsein, das befaßt sich namentlich mit dem menschlichen Willen und mit der Wirkung, die der Wille haben kann, indem er sich bewegt auf dem Nervensystem. Und wenn Sie heute die ungezügelte Art der menschlichen Willensentfaltung in weitesten Horizonten beobachten, und verstehen das mit der Initiationswissenschaft, dann sehen Sie schon, wie hereindringt in Seelenäußerungen — hereindringt selbst bis in physische Krankheitszustände — dasjenige, was die Ankündigung eines Überbewußtseins ist, eines höheren Bewußtseins als des gewöhnlichen Wachbewußtseins.

[ 18 ] Only an unbiased look at humanity’s past and at what the present does not yet possess can truly lead to a satisfying understanding of these things; otherwise, even the historical documents of ancient times remain, in essence, things that one stares at but does not understand at all. You see, this morning there has been much discussion in a wide variety of ways about the opponents of anthroposophy. Some things can be credited to these opponents—not to their credit, mind you, but for their own good. When listening to what the opponents say about anthroposophy—at least I, for one, must sometimes recall an anecdote said to be based on a true story that the famous Professor Kuno Fischer used to tell time and again. He recounted that he had two schoolmates who lived together—they may have been brothers—and they had an extraordinarily simple-minded uncle. Then came the time when they were learning logarithms in math and had to buy logarithm tables. The simple-minded uncle took a look at these logarithm tables. He saw nothing but numbers on them, so he asked the students—his nephews—what those numbers were. They had no idea how to explain it to their uncle. Finally, one of the rascals had an idea: “Yes, those are all the house numbers in Europe.” — The uncle believed him, and in the end even thought it would be quite useful to know all the house numbers in London, Paris, and so on right away. Just as this uncle stood before the logarithm tables, so do people who do not look inwardly at what the ancient documents proclaim stand before these ancient documents. Today’s researchers, who are republishing these documents, ultimately say little more than what the uncle said about logarithms when he mistook them for house numbers in Europe. One need only realize how far the mode of perception made possible by abstract thinking today diverges from spiritual-real reality. One must make this completely clear to oneself. To do so, one must have the courage. Otherwise, one will not understand how human beings have developed from a past of a completely different nature into the present. And in fact, we are already living in an age in which—in the most manifold ways—for those who are now in a position to practice self-observation and self-reflection in particular—the current way of experiencing sleep, wakefulness, and dreaming leads to inner conflicts and inner struggles. For just as that deep sleep—which was so significant for humanity in an earlier past that the Initiates had to explain to people the nature of what they experienced during this deep sleep—has crumbled away from humanity, so too is what constitutes sleep today crumbling away. It is not as though human beings will now, in the future, dream continuously throughout the night, but they will actually experience this state in such a way that dreams become more dulled. Just as they have transformed since ancient times from waking dreams into our abstract imagination, so too will today’s chaotic “dreams” become dulled, and human beings will simply have this dull “dream sleep.” The dream will not enter their consciousness. Above that will lie today’s waking state with its abstract, so-called logical thinking. But then a superconsciousness will emerge—a superconsciousness that is already entering humanity today for those who understand these things. For this superconsciousness deals specifically with the human will and with the effect that the will can have as it acts upon the nervous system. And if you observe today the unbridled manner in which the human will unfolds across the broadest horizons, and understand this through the science of initiation, then you can already see how it penetrates into the soul’s expressions — penetrating even into physical states of illness — that which is the harbinger of a superconsciousness, a consciousness higher than ordinary waking consciousness.

[ 19 ] Aber es ist heute noch nicht etwas, was die Menschen erleben wollen, weil sie es nur erleben können, wenn sie Geisteswissenschaft zu ihrem Eigentum machen, diese Geisteswissenschaft, in der man ganz anders denken muß), als in der gewöhnlichen Welt gedacht wird, diese Geisteswissenschaft, die wahrlich viel praktischer ist als die heutige theoretische Lebenspraxis, die eigentlich die tiefste Unpraxis ist. Diese Geisteswissenschaft fügt aber zu dem gewöhnlichen abstrakten Denken ein innerlich lebendiges Denken hinzu. Das ist aber nicht etwas, was man willkürlich hinzufügen und willkürlich weglassen kann, das ist etwas, was sich ergibt, weil einfach eine gewisse Organisation in der Menschheit eintritt, die in älteren Zeiten nicht da war, die in der Gegenwart erst in den ersten Anlagen da ist. Die Bewegungsorgane des Menschen, Arme, Beine, Hände, Füße, bekommen eine immer mehr sich ändernde Blutzirkulation, der Mensch verändert sich. Dasjenige aber, was wir heute oftmals als Nervosität bezeichnen, das ist der Ausdruck dessen, daß eigentlich etwas in den Menschen herein will von einem höheren Zustand, der Mensch es aber noch nicht annimmt und dadurch unruhig wird, weil es noch etwas Fremdes ist. Er wird erst zur Ruhe kommen, wenn es ihm eigen sein kann.

[ 19 ] But it is not yet something people want to experience today, because they can only experience it if they make spiritual science their own—this spiritual science in which one must think in a completely different way than is done in the ordinary world, this spiritual science that is truly much more practical than today’s theoretical approach to life, which is actually the deepest form of impracticality. This spiritual science, however, adds an inwardly living way of thinking to ordinary abstract thinking. But this is not something that can be arbitrarily added or omitted; it is something that arises simply because a certain organization is taking shape within humanity—one that did not exist in earlier times and is currently present only in its earliest stages. The human body’s locomotive organs—arms, legs, hands, and feet—are experiencing an ever-changing blood circulation; the human being is changing. But what we often refer to today as nervousness is the expression of the fact that something from a higher state actually wants to enter into the human being, yet the human being does not yet accept it and thus becomes restless, because it is still something foreign. The human being will only find peace when it can become part of them.

[ 20 ] So kann man hinschauen auf weitere drei Bewußtseinszustände, die dem Menschengeschlecht in Aussicht stehen, gegen die sich das Menschengeschlecht zuarbeitet: ein dumpfes Traumschlafen, ein Wachsein, ein Überwachsein. Und alles dasjenige, was selbst in den äußeren Lebensverhältnissen heute die Menschheit so durchrüttelt und durchschüttelt, hat seinen Grund darin, daß sich die Menschheit heute noch größtenteils unbewußt wehrt gegen dasjenige, was da aus geistigen Welten über die Menschheit kommen will. Aber es will kommen, es will herein. Namentlich an den Willen des Menschen will es heran. In einer ganz anderen Weise als der Mensch heute will, wird der Mensch verstehen müssen, daß da, wo Geistiges beginnt, die Sache über die Region geht, wo Protest gegen die Naturgesetze ausgesprochen wird. Daher wird der Mensch über das Mysterium von Golgatha auch nur zu einem Zukunftsverständnis kommen, wenn er sich aufschwingen wird können zu der Erkenntnis, daß dasjenige, was der Inhalt des Mysteriums von Golgatha ist, nicht mit den Naturerkenntnissen begriffen werden kann, daß es aber begriffen werden kann mit dem, was man in sich ausbildet, wenn man mit richtigem Verständnis über die Stufe des bloßen 'Träumens, das den Naturprozeß ankündigt, in das Verständnis des anderen Ufers des Daseins eindringt. Denn von dem geistigen Ufer des Daseins müssen die Verständniselemente geholt werden, die dem Zukunftsverständnis für das Mysterium von Golgatha entsprechen. Es kommt durchaus darauf an, daß man in dieser Weise hineinstellen kann dasjenige, was der Mensch in der Gegenwart erleben kann, zwischen die Vergangenheit und die Zukunft, daß sich der Mensch fühlen lernt als einen Übergang aus dieser Vergangenheit in die Zukunft. Dann wird er auch immer mehr und mehr Verständnis gewinnen können für den Gebrauch der geistigen Wahrheiten neben den natürlichen Wahrheiten.

[ 20 ] Thus, we can consider three further states of consciousness that lie ahead for the human race—toward which the human race is working its way: a dull, dreamlike sleep; a state of wakefulness; and a state of heightened awareness. And everything that is currently shaking and rattling humanity—even in its external living conditions—has its root in the fact that humanity today is still, for the most part, unconsciously resisting what is seeking to come to it from the spiritual worlds. But it wants to come; it wants to enter. It seeks to approach the human will in particular. In a way entirely different from what people want today, they will have to understand that where the spiritual begins, the matter transcends the realm where protest against the laws of nature is voiced. Therefore, humanity will only be able to arrive at an understanding of the future through the Mystery of Golgotha if it can rise to the realization that the essence of the Mystery of Golgotha cannot be grasped through knowledge of nature, but can be grasped through what one develops within oneself when, with true understanding, one transcends the stage of mere ‘ dreaming—which heralds the natural process—into an understanding of the other shore of existence. For it is from the spiritual shore of existence that the elements of understanding must be drawn which correspond to an understanding of the future regarding the Mystery of Golgotha. It is absolutely essential that one be able to place what a person can experience in the present in this way—between the past and the future—so that the person learns to feel themselves as a transition from this past into the future. Then they will also be able to gain more and more understanding of how to apply spiritual truths alongside natural truths.

[ 21 ] Das, was die Menschen beirrt, stellt sich einem ja als ein leicht begreiflicher Irrtum dar, weil die Dinge, die falsch sind, so ungeheuer logisch sein können. Man bedenkt das heute nicht, daß die Dinge, die falsch sind, so ungeheuer logisch sein können. Was könnte denn logischer sein, als wenn man beobachtet, wie lange ungefähr dieses oder jenes Gesteinssediment braucht, um zu der oder jener Dicke zu kommen; was könnte denn natürlicher sein, als daß man dann ausrechnet, wenn irgendeine geologische Schichte soundso dick ist, daß man multipliziert die kleine Dicke mit der Zahl, berechnet wie oft sie in der großen Dicke enthalten ist, und man bekommt soundso viele Jahre heraus: zwanzig Millionen Jahre, zweihundert Millionen Jahre liegt eine Epoche — Silur, Devon, oder irgendeine Epoche zurück. Oh, die Rechnung ist so grandios richtig, es ist nichts dagegen einzuwenden, aber hier ist es gerade die vermeintliche Logik, die täuscht.

[ 21 ] What misleads people appears to be an easily understandable error, because things that are wrong can be so incredibly logical. People don’t consider today that things that are wrong can be so incredibly logical. What could be more logical than observing how long it takes for this or that rock sediment to reach a certain thickness; what could be more natural than to then calculate—if a certain geological layer is so-and-so thick—that you multiply the small thickness by the number, calculate how many times it is contained within the larger thickness, and arrive at so-and-so many years: twenty million years, two hundred million years—an epoch—the Silurian, Devonian, or some other epoch lies in the past. Oh, the calculation is so spectacularly correct—there’s nothing to object to—but here it is precisely the supposed logic that is deceptive.

[ 22 ] Mich erinnert immer diese Logik an die Logik, die einmal einer der größten Mathematiker aller Zeiten für sein eigenes Leben ausgeführt hat. Er wurde, als er schon ein ziemliches Alter erreicht hatte, plötzlich lungenkrank, und durch seine mannigfaltigen Beziehungen, die er zu Medizinern hatte, kam er darauf, wieviel kleine Abszesse er aushusten müsse, um diese Lungenkrankheit wegzubringen. Das war so eine Rechnung, wie sich die Lunge weiterentwickelt: er brachte fünfzehn Jahre heraus. Er wird also fünfzehn Jahre leben, dann wird es gut sein. Nun starb er zwei Jahre danach. Ja, sehen Sie, das ist die Wirklichkeit. Das andere ist die Logik gewesen. Und in einem ebensolchen Verhältnis steht die Wirklichkeit auch im ganzen kosmischen All zu der Logik. Die Dinge sind so ungemein leicht zu beweisen, weil die Logik nicht angegriffen werden soll, sondern verteidigt werden soll. Es soll ausdrücklich gesagt werden, es stimmt. Es stimmt ebenso, wie wenn einer berechnet: Mein Herz macht eine bestimmte Entwickelung durch. Es wird in einer gewissen Zeit einen bestimmten Zustand erreicht haben. Ich’ rechne aus, wie lange das dauern kann, bis es in diesen bestimmten Zustand kommt, und bekomme dreihundert Jahre heraus. Dann rechne ich dreihundert Jahre zurück, rechne aus, wie mein Herz vor dreihundert Jahren ausgeschaut hat. — Nur habe ich als physischer Mensch mit diesem physischen Herzen nicht gelebt vor dreihundert Jahren! Und nach dreihundert Jahren werde ich auch nicht mehr leben. Aber ebensowenig hat die Erde gelebt in den Zeiträumen, die die Geologen ausrechnen, denn was die Erde für Schicksale durchgemacht hat, muß nach der Geistesordnung erkannt werden. Das ist das Berückende in der Wissenschaft der Gegenwart, daß die Dinge, die Illusionen sind, sich so strikte beweisen lassen, aber daß die Beweise nichts aussagen über die Wahrheit. So daß die Menschheit heute — sie bringt sich das nicht zum Bewußtsein, weil sie nicht will, aber unterbewußt — wirklich lebt in der Angst, daß ihr die Wahrheit eigentlich verlorengehen muß. Und diese Angst sehen wir heute schon aus zahlreichen menschlichen Äußerungen herausschimmern. Im Grunde ist es denjenigen, die heute aus dem Materialismus heraus Weltanschauungen formen, doch nicht recht geheuer. Sie empfinden überall eine gewisse Ängstlichkeit gegenüber den Grenzen, die sie auf der einen Seite nicht überschreiten wollen, die ihnen auf der andern Seite aber doch furchtbare Hindernisse für ein vollmenschliches Leben darstellen. Die Menschen fühlen schon, daß sie, wenn sie dasjenige annehmen, was bloß Naturordnung ist, sie eigentlich damit nicht leben können, daß vor allen Dingen das, was so als Naturordnung in unsere Vorstellungen aufgenommen wird, nicht wiederum führen kann zu einem wirklich innerlich künstlerischen und religiösen Empfinden und Vorstellen. Wir dürfen nicht vergessen, daß dasjenige, was heute als Religionssystem vorhanden ist, herstammt aus jenen Zeiten, in denen die Menschen auf die Ihnen geschilderte Weise das Kosmische aus dem tiefen Schlaf ergründet haben. Aus jenen alten Zeiten stammen noch unsere sämtlichen religiösen Einrichtungen her. Die religiösen Einrichtungen, nicht das Mysterium von Golgatha. Das ist nicht abhängig von irgendeiner religiösen Ansicht, das stellt sich als eine Tatsache in die Erdenentwickelung hinein. Das muß begriffen werden auch von jenen Bewußtseinszuständen, die eben erst in Vorbereitung sind. Aber bis jetzt ist das Religionsschöpferische in der Menschheit seit vielen Jahrhunderten, ja Jahrtausenden unfruchtbar geblieben; unfruchtbar geblieben das wirklich künstlerische Vermögen. Denn wir leben eigentlich, mit einzelnen Ausnahmen von Renaissancen, wir leben nicht in ursprünglich elementarem Schaffen. Aber es will in die Gegenwart herein. Und jene menschliche Beunruhigung, die sich heute als die vorzüglichste Zivilisationserscheinung zeigt, die ist es, welche sozusagen darstellt die Geburtswehen einer neuen Zeit, einer neuen Zeit auf wissenschaftlichem, einer neuen Zeit auf künstlerischem, einer neuen Zeit auf sozialem, religiösem, moralischem Boden, der Zukunft des Menschen, die uns vor allen Dingen auf dem Herzen liegen muß, denn ihr muß die Menschheit entgegenleben. In keiner Zeit war das menschliche Ohr weniger geneigt, die Initiationswissenschaft zu hören, als in der heutigen. Man kann in einer gewissen Weise auch sagen, in keiner Zeit hatte die Menschheit das nötiger als in der heutigen.

[ 22 ] This line of reasoning always reminds me of the reasoning that one of the greatest mathematicians of all time once applied to his own life. When he had already reached a considerable age, he suddenly developed a lung disease, and through his many connections with doctors, he figured out how many small abscesses he would have to cough up to get rid of this lung disease. That was a calculation based on how the lungs develop: he came up with fifteen years. So he would live for fifteen years, and then he would be fine. Now he died two years later. Yes, you see, that is reality. The other was logic. And reality stands in exactly the same relationship to logic throughout the entire cosmos. These things are so incredibly easy to prove because logic is not to be attacked, but rather defended. It must be explicitly stated: it is true. It is just as true as when someone calculates: My heart is undergoing a certain development. It will have reached a certain state within a certain period of time. I calculate how long it might take for it to reach this specific state, and I come up with three hundred years. Then I count back three hundred years and calculate what my heart looked like three hundred years ago. — But I, as a physical human being with this physical heart, did not live three hundred years ago! And in three hundred years, I will no longer be alive either. But neither did the Earth exist during the time periods calculated by geologists, for the destinies the Earth has undergone must be understood according to the spiritual order. That is the captivating aspect of contemporary science: that things which are illusions can be proven so rigorously, yet the proofs say nothing about the truth. So that humanity today—though it does not bring this to conscious awareness because it does not want to, but subconsciously—truly lives in the fear that the truth must ultimately be lost to it. And we can already see this fear shining through in numerous human expressions today. Deep down, those who today shape their worldviews out of materialism actually feel uneasy. They sense everywhere a certain anxiety toward the boundaries that, on the one hand, they do not wish to cross, but which, on the other hand, nevertheless represent terrible obstacles to a fully human life. People already sense that if they accept what is merely the natural order, they cannot truly live with it; above all, what is taken into our conceptions as the natural order cannot, in turn, lead to a truly inner artistic and religious feeling and imagination. We must not forget that what exists today as a religious system stems from those times when people, in the manner I have described, fathomed the cosmic from a deep slumber. All of our religious institutions still stem from those ancient times—the religious institutions, not the Mystery of Golgotha. The latter is not dependent on any religious view; it stands as a fact within the development of the Earth. This must also be understood by those states of consciousness that are only just beginning to take shape. But up to now, the creative religious impulse in humanity has remained barren for many centuries, indeed millennia; the truly artistic capacity has remained barren. For, with a few exceptions such as the Renaissance, we do not actually live in a state of primal, elemental creativity. Yet it is striving to enter the present. And that human unease, which today manifests itself as the most prominent feature of civilization, is, so to speak, the birth pangs of a new era—a new era on scientific, artistic, social, religious, and moral grounds—the future of humanity, which must be foremost in our hearts, for it is toward this future that humanity must strive. At no time has the human ear been less inclined to listen to the science of initiation than it is today. In a certain sense, one could also say that at no time has humanity needed it more than it does today.

[ 23 ] Das ist der Grund, warum ich gerade zu dieser Tagung über Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft des Menschen von dem Gesichtspunkte der Bewußtseinsentwickelung einmal sprechen wollte. Natürlich konnte das in drei Vorträgen nur skizzenhaft geschehen, aber was gesagt worden ist, kann ja weiter ausgebaut werden in jedem einzelnen Gemüt. Denn mir scheint, daß gerade das Bewußtsein, weil es dem Menschen am nächsten dem eigenen Wesen liegt, auch dasjenige ist, was am leichtesten im einzelnen Menschen fruchtbar werden kann, ihn anregen kann, daß er immer mehr und mehr hineinkommt in das geistige Erleben selbst. Und dieser Art des geistigen Erlebens. — nicht des materialistischen — bedarf es beim Menschen der Gegenwart, damit dieser Mensch der Gegenwart werden könne der Mensch der Zukunft. Aber es sind ja wirklich alle, ich möchte sagen, inneren Lebensgewohnheiten des Menschen, dadurch, daß er in sein ohnmächtiges abstraktes Denken und Vorstellen hineingekommen ist, zunächst so geworden, daß ihm wirklich, wenn er aufgeht in der Bildung der Gegenwart, das Reden vom Geistigen den Eindruck macht wie die Logarithmentafeln dem simplen Onkel, und daß er sich von dem, was in der Gegenwart doch immerhin da oder dort als gewaltige Wahrzeichen auftritt für ein Hereinwollen des Geistigen, daß er das sich so mißdeutet, als ob diese Dinge die Hausnummern Europas wären. Das ist ein etwas weit hergeholter Vergleich, aber im Zusammenhang mit dem, was ich gesagt habe, verständlicher Vergleich. Denn das, was äußerlich heute so vielfach Lebensgewohnbheit ist, ich möchte besser sagen, Lebensbeurteilungsgewohnbheit ist, das drängt sich auch hinein in das allerwissenschaftlichste Denken, und wird dort nicht nur Philistrosität, sondern Philistrosität und niederes banausisches Menschentum in allerhöchster Potenz, wird Moralheuchelei, die sich wissenschaftlich umbrämt und umkleidet. Und wenn einmal sich etwas hervorwagen will, wenn auch nur in einer leisen Spur, dann wird es heute als etwas aufgenommen, was man eigentlich nach der materialistischen Ansicht mit klarem Menschenverstand nur «verrückt» nennen kann.

[ 23 ] That is why I wanted to speak at this conference specifically about the past, present, and future of humankind from the perspective of the development of consciousness. Of course, in just three lectures, I could only provide a rough outline, but what has been said can certainly be further developed within each individual’s mind. For it seems to me that consciousness, precisely because it lies closest to a person’s own being, is also what can most easily bear fruit within the individual, inspiring him or her to enter ever more deeply into spiritual experience itself. And this kind of spiritual experience—not the materialistic one—is what people of the present need so that they may become the people of the future. But in truth, all of humanity’s—I would say—inner habits of life have, through their immersion in powerless, abstract thinking and imagination, become such that, when they are absorbed in the culture of the present, talk of the spiritual makes the same impression on them as logarithm tables do on a simple-minded uncle, and that he misinterprets what, in the present, nevertheless appears here and there as mighty landmarks signaling the spiritual’s desire to enter—he misinterprets them as if these things were the house numbers of Europe. This is a somewhat far-fetched comparison, but one that makes sense in the context of what I have said. For what is so often an outward habit of life today—or rather, I should say, a habit of judging life—also forces its way into the most scientific of thinking, and there it becomes not only philistinism, but philistinism and base, boorish humanity in its highest potency; it becomes moral hypocrisy that cloaks and disguises itself in scientific garb. And if something dares to emerge—even if only as a faint trace—it is received today as something that, according to the materialist view and with clear common sense, can only be called “crazy.”

[ 24 ] Sehen Sie, auch dafür gibt es eine hübsche, auf Realität beruhende Geschichte. Es wurde ja im Beginne der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts der alt gewordene Philosoph Schelling von München nach Berlin berufen. Er hatte lange geschwiegen. Ein großer Ruf ging ihm ‚ voraus. Er sollte dort vortragen positive Philosophie im Gegensatz zu der negativen, wie er sie selber nannte. Wenigstens die Entwickelung des geistigen Lebens der Menschheit, die Entwickelung des Mysterienwesens, Religionswesens, wollte er in einer unendlich viel tieferen Weise dazumal an der Berliner Universität entwickeln, als es von anderen bis heute geschehen ist. Als Schelling seine erste Vorlesung in Berlin hielt, da saßen in den ersten Reihen die erleuchtetsten Köpfe. Da saßen noch lange nicht die Studenten; da saßen die Professoren aller Fakultäten, die Leiter des Unterrichtswesens, die glänzendsten Vertreter des Geisteslebens, dann kamen erst ganz hinten die Studenten. Und man wartete tatsächlich sogar — insofern man da ehrlich warten konnte —, man wartete ehrlich auf dasjenige, was dieser große Ruf, der vorausgegangen war, nun zur Erfüllung bringen würde. Die Gesichter wurden immer länger und länger, als Schelling seine erste Vorlesung hielt. In dieser ersten Vorlesung sprach Schelling wirklich in einer besonderen Art vom Geiste, ja, er sprach vom Geist dazumal, wo das materialistische Zeitalter seine Kulmination vorbereitete, wo es gerade ankam in sein stärkstes Blühen. Er sprach vom Geist. Die Gesichter wurden immer länger und länger, man wußte nicht, was er will. Man wußte schlechterdings nicht, was er will. Der später berühmte Philosoph Trendelenburg saß in diesen ersten Reihen. Er sagte: Ja, er glaube ein ganz Weniges verstanden zu haben, das andere habe er alles nicht verstanden von dieser Philosophie, aber er sei nicht sicher, ob er dieses ganz klein Wenige verstanden habe. — Aber sehen Sie, eines Tages begegnete einer von denen, die diese Vorlesung gehört hatten, einem anderen, der auch dabei war. Die Leute hatten sich — und diese zwei Bekannten auch — tagelang die Köpfe zerbrochen: Warum ist denn eigentlich der Schelling nach Berlin berufen worden, denn er redet doch etwas, was kein Mensch verstehen kann? — Nun, der Freund konnte es dem andern sagen, er konnte ihm nämlich ankündigen, daß sich Schellings Tochter verlobt hatte mit dem Sohne des Unterrichtsministers. Nun konnte man begreifen, warum der Schelling nach Berlin gestrebt hat, jetzt hatte das Ganze einen realen Inhalt.

[ 24 ] You see, there’s a lovely story based on reality about this, too. In the early 1840s, the aging philosopher Schelling was appointed to a position in Berlin from Munich. He had been silent for a long time. He was preceded by a great reputation. He was to lecture there on “positive philosophy” as opposed to “negative philosophy,” as he himself called it. At the University of Berlin at that time, he intended to explore the development of humanity’s spiritual life—the development of the realm of mystery and the realm of religion—in a far deeper way than anyone else has done to this day. When Schelling gave his first lecture in Berlin, the most enlightened minds were seated in the front rows. The students were by no means seated there; rather, the professors from all faculties, the heads of the educational system, and the most brilliant representatives of intellectual life were seated there, with the students coming only at the very back. And people were indeed waiting—insofar as one could honestly wait there—they were honestly waiting for what this great reputation, which had preceded him, would now bring to fulfillment. The faces grew longer and longer as Schelling delivered his first lecture. In this first lecture, Schelling truly spoke in a special way about the spirit; indeed, he spoke of the spirit at a time when the materialistic age was preparing for its culmination, when it was just reaching its peak. He spoke of the spirit. The faces grew longer and longer; no one knew what he wanted. No one had the slightest idea what he wanted. The philosopher Trendelenburg, who later became famous, sat in those front rows. He said: Yes, he thought he had understood just a tiny bit; the rest of this philosophy he hadn’t understood at all, but he wasn’t sure whether he had even understood that tiny bit. — But look, one day one of those who had attended this lecture ran into another who had also been there. People—including these two acquaintances—had been racking their brains for days: Why, after all, had Schelling been appointed to Berlin, since he talks about things that no one can understand? — Well, the friend was able to tell the other; he was able to announce that Schelling’s daughter had become engaged to the son of the Minister of Education. Now one could understand why Schelling had sought a position in Berlin; now the whole thing had a real meaning.

[ 25 ] Ja, es sieht allerdings paradox aus, wenn man solche Dinge erzählt, aber man muß es so erzählen, denn so weit liegt dasjenige, was gerade die charakteristische Denkweise der Gegenwart erfassen kann, eben vorläufig ab von dem, was wahrhaftig nicht durch eine Willkür als Geisteswissenschaft auf die Zukunft hinweist, sondern weil es eine innere menschliche Notwendigkeit ist, weil das Menschengeschlecht der Dekadenz verfallen muß, wenn es nicht zu einer neuen Geistigkeit kommt. Denn nur diese neue Geistigkeit wird wiederum die drei vollen Zustände des Bewußtseins, zu denen es in der Zukunft kommen muß — der abgedämpfte Traumschlaf, das gewöhnliche Wachen und das Überwachen —, erleben können. Sonst wird der Mensch seine Menschheit in der Zukunft auf der Erde nicht erleben können. Denn die Gottheit will diesen zukünftigen dreigliedrigen Menschen aus dem gegenwärtigen dreigliedrigen Menschen heraus bilden, wie sie den gegenwärtigen dreigliedrigen Menschen, den träumenden, schlafenden, wachenden Menschen, aus dem alten bildträumenden, schlafenden mit dem Nachgefühl im Wachen, und tiefschlafenden Menschen heraus gebildet hat. Und der Mensch ist heute im Zeitalter der Freiheit —. das habe ich für Anthroposophen ja oftmals auseinandergesetzt — angekommen. Er muß sich dazu entschließen, aus eigener freier Erkenntnis entgegenzuleben dem, was die Gottheit der. Welt über ihn bestimmt hat.

[ 25 ] Yes, it does seem paradoxical, however, when one talks about such things, but one must tell it this way, for what the characteristic way of thinking of the present is currently capable of grasping is, for the time being, so far removed from that which truly points toward the future—not arbitrarily as a spiritual science, but because it is an inner human necessity, because the human race must fall into decadence unless a new spirituality emerges. For only this new spirituality will in turn be able to experience the three full states of consciousness that must come about in the future—the subdued dream-sleep, ordinary waking, and super-waking. Otherwise, human beings will not be able to experience their humanity on Earth in the future. For the Divine intends to form this future threefold human being out of the present threefold human being, just as it formed the present threefold human being—the dreaming, sleeping, and waking human being—out of the old image-dreaming, sleeping human being with after-feelings in waking, and the deep-sleeping human being. And human beings have now arrived in the age of freedom—as I have often explained to anthroposophists. They must resolve to live in accordance with their own free insight toward what the Divine has ordained for them in the world.

[ 26 ] Dann wird in der richtigen Weise heute nicht nur gedacht, sondern vor allen Dingen empfunden werden können über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen. Dann wird aber auch gewollt werden können mit Bezug auf das Leben auf Erden im Sinne desjenigen, was eigentlich göttlich-geistige Weltenordnung sein soll von der Vergangenheit aus durch die Gegenwart hindurch, in die Zukunft hinein.

[ 26 ] Then, today, people will not only be able to think about the past, present, and future of humanity in the right way, but above all, they will be able to feel it. Then, too, it will be possible to act—with regard to life on Earth—in accordance with what the divine-spiritual world order is actually meant to be, extending from the past through the present and into the future.

[ 27 ] Davon wollte ich sprechen. Mit diesen Worten möchte ich diese Betrachtungen abschließen, möchte nur zum Schluß noch wünschen, daß nun morgen eine solche Diskussion hier beginnt, daß innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft etwas zu merken ist davon, daß wirklich jetzt gewollt werde in solcher Weise diese Gesellschaft zu gestalten, daß in dieser Gesellschaft gerade ein rechtes lebendiges Bewußtsein vorhanden sei von dem, was der Vollmensch sein soll, der Vollmensch, der sich richtig verstehen muß als der Mensch der Vergangenheit, der Mensch der Gegenwart, der Mensch der Zukunft. Denn diese drei sind auch eins. Und dasjenige, was der Mensch in Vergangenheit gewesen ist, in Gegenwart ist, was er in Zukunft sein wird, das wird erst einmal, ich möchte sagen, vor der göttlichen Weltenordnung umfassen den ganzen Anthropos. Aber er wird angestrebt werden müssen dadurch, daß eine enthusiastisch mit vollem Herzen ergriffene Anthroposophie hinleitet zu dem rechten, wahren Anthropos, dem totalen Menschen, dem Vollmenschen.

[ 27 ] That is what I wanted to talk about. With these words, I would like to conclude these reflections; I would just like to express my hope, as a final thought, that such a discussion will begin here tomorrow, so that within the Anthroposophical Society there will be a noticeable shift—that there is now a genuine desire to shape this Society in such a way that within it there exists a true, living awareness of what the complete human being is to be, the complete human being, who must rightly understand himself as the human being of the past, the human being of the present, and the human being of the future. For these three are also one. And that which the human being has been in the past, is in the present, and will be in the future—that, I would say, is what first and foremost encompasses the entire anthropos before the divine world order. But this must be strived for through an anthroposophy embraced enthusiastically and with a full heart, leading to the true, authentic Anthropos, the total human being, the complete human being.